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Was Baby alles kann Es ist immer wieder ein Wunder zu beobachten, wie schnell Babys nach der Geburt ihre motorischen Fähigkeiten entwickeln. Ihre Nah- und Fernsinne schärfen sich in rasantem Tempo, sie lernen in kürzester Zeit unglaublich viel. Dabei folgt jedes Kind seinem individuellen Entwicklungsprogramm. Trotzdem fragen sich viele Eltern, ob ihr Kind schon alles kann, was es können sollte und ob es sich "richtig" entwickelt. - Erfahren Sie, welche motorischen Entwicklungsschritte für Ihr Baby wichtig sind und wie Sie es liebevoll begleiten. - Lernen Sie schöne Spiele und Übungen für den Alltag kennen, die Eltern und Kind Spaß machen und Ihr Baby in seiner Entwicklung unterstützen. - Lesen Sie, was Sie tun können, wenn bei der U-Untersuchung nicht alles optimal läuft. Einfühlsam, faszinierend und spannend vermittelt die Physiotherapeutin und Expertin Ingeborg Scheffler Hintergrundwissen und Sicherheit zum Thema sensorische Integration - für eine gesunde Entwicklung der Sinne Ihres Babys. "Kinder entwickeln sich von ganz alleine!" Davon ist Ingeborg Scheffler überzeugt. Die Physiotherapeutin hat in ihrer langen beruflichen Laufbahn mit zahlreichen Babys und Kindern gearbeitet und ihre Entwicklung begleitet. Als Expertin für sensorische Integration weiß sie, wie wichtig es für Kinder ist, dass schon die kleinsten Babys die Möglichkeit haben, sich selbst intensiv zu spüren und wahrzunehmen. "Dafür braucht es weder spezielle Trainingsgeräte noch ein besonderes Programm. Jedes Kind bleibt intuitiv so lange in der entsprechenden Entwicklungsstufe, bis es bereit ist für den nächsten Schritt. Sensorische und motorische Entwicklung gehen dabei Hand in Hand." Ingeborg Scheffler möchte ihren großen Erfahrungsschatz weitergeben, Verunsicherung nehmen und dazu beitragen, dass die Babyentwicklung für Eltern nicht zu einem Wettbewerb wird sondern für jedes Kind einzigartig bleibt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 279
Veröffentlichungsjahr: 2016
Strampeln. Krabbeln. Laufen
So unterstützen Sie die motorische Entwicklung Ihres Babys
Ingeborg Scheffler
1. Auflage
18 Abbildungen
selbst erfahrene Eltern sind immer noch unsicher, wenn es um drei wichtige Fragen in der Bewegungsentwicklung von Kindern geht:
Darf ich das Baby früh hinsetzen?
Muss es unbedingt krabbeln?
Darf es an den Händen laufen lernen?
In diesem Buch vermittele ich Ihnen das genaue Wissen über alle Phasen der Bewegungsentwicklung Ihres Kindes. Wie auf einer Treppe erklimmt Ihr Baby im Laufe der nächsten Monate Stufe für Stufe seiner Entwicklung, bis es sich aufrichten und laufen kann.
»Hätten wir das vorher gewusst, wären die ersten Monate mit unserem Baby viel unkomplizierter verlaufen!« Bei meiner Arbeit als Physiotherapeutin erlebte ich regelmäßig, wie schnell Ängstlichkeit und Verunsicherung der Eltern verschwanden und sich in Selbstbewusstsein verwandelten, sobald sie den natürlichen Ablaufplan der einzelnen Entwicklungsstufen kannten.
Ich bin sicher, schon beim Lesen werden Sie neugierig, wie Ihr Baby die Entwicklungsphasen durchlaufen wird. Und Sie werden ihm Zeit, Geduld und Raum geben, damit es ungestört seinem Entwicklungsplan folgen kann.
Das zu erleben und zu beobachten ist für Sie so faszinierend, dass Sie Ihr Baby bestimmt nicht zu früh hinsetzen möchten. Sie wissen, dass es von selbst beginnt zu krabbeln und dass Sie nicht ungeduldig zu werden brauchen, wenn es sich dabei Zeit lässt. Und sicher möchten Sie nicht, dass Ihr Kind an Ihren Händen laufen lernt, sondern dass es das ganz alleine schafft.
Wenn ich in dem Buch der Einfachheit halber die Mutter anspreche, so möchte ich betonen, dass alle Empfehlungen natürlich ebenso dem Vater gelten.
Viel Freude beim Lesen und beim Begleiten Ihres Babys vom Strampeln bis zum Laufen
Ingeborg Scheffler
Liebe Leserin, lieber Leser,
Teil I Herzlich willkommen – Ihr Baby ist da
1 Ihr Baby kann noch nichts? O doch!
1.1 Ihr Baby kann noch viel mehr!
1.2 Bindung und Urvertrauen bauen sich auf
1.2.1 Alles entsteht im Gehirn
1.3 Der Weg ist das Ziel
1.3.1 Mit allen Sinnen dabei
1.4 Sorgen Sie auch für sich!
1.4.1 Strukturieren Sie Ihren Alltag
1.4.2 Schreien ist ganz normal
Teil II Babys Entwicklung – Schritt für Schritt
2 1.–2. Lebenswoche
2.1 Babys Entwicklung
2.1.1 Das Training beginnt schon bei der Geburt
2.1.2 Ihr Baby kommt »in Form«
2.1.3 Erst einmal Luft holen!
2.1.4 Das Herz, der kleine starke Muskel
2.1.5 Ihr Baby muss sich strecken
2.2 Reflexe – Erbe aus den Anfängen der Menschheit
2.2.1 Saug- und Schluckreflex
2.2.2 Suchreflex
2.2.3 Automatische Reaktion
2.2.4 Handgreifreflex
2.2.5 Fußgreifreflex
2.2.6 Asymmetrisch-tonischen Nackenreflex
2.2.7 Moro-Reflex
2.3 Die Entwicklung der Sinne
2.3.1 Die Fernsinne
2.3.2 Unbekannte Nahsinne
2.4 Hilfsmittel-Check
2.4.1 Stubenwagen
2.4.2 Kinderbett
2.4.3 Kinderwagen
2.4.4 Autokindersitz
2.5 Anregungen und Spiele
2.5.1 Trinken mit allen Sinnen
2.5.2 Frühes Training auf dem Wickeltisch
2.5.3 Tragen für die Sinne
2.5.4 Baden, das Supertraining
2.5.5 Ihr Baby darf dabei sein
2.5.6 Strukturieren beruhigt und entspannt
2.6 U2-Check: 3.–10. Lebenstag
2.6.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
3 2.–5. Lebenswoche
3.1 Babys Entwicklung
3.1.1 Ihr Baby wagt einen Blick
3.1.2 Ihr Baby horcht auf
3.1.3 Erstes Stimmtraining
3.1.4 Freude am Essen
3.1.5 Was zu viel ist, ist zu viel
3.1.6 Bewegungstraining
3.1.7 Häufige Diagnosen
3.1.8 Hypertonie und Überstreckung
3.1.9 Hypotonus
3.1.10 Hüftdysplasie
3.2 Hilfsmittel-Check
3.2.1 Tragetuch
3.2.2 Mobile und Rassel
3.3 Anregungen und Spiele
3.3.1 Viel Zeit auf dem Wickeltisch
3.3.2 So fördern Sie das Lösen des Handgreifreflexes
3.3.3 Vorbereitung auf das Laufen
3.3.4 Abbau des Moro-Reflexes
3.3.5 Abbau der Fechterstellung
3.3.6 Wie soll das Baby schlafen?
3.4 U3-Check: 4.–6. Lebenswoche
3.4.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
4 2.–4. Lebensmonat
4.1 Babys Entwicklung
4.1.1 Ihr Baby schaut sich um
4.1.2 Ihr Baby spitzt die Ohren
4.1.3 Ihr Baby hat schon was zu sagen
4.1.4 Die Reflexe verabschieden sich
4.1.5 Kopf hoch, Baby!
4.1.6 Die Hände – das beste Spielzeug
4.1.7 Ihr Baby erforscht seinen Körper
4.1.8 Ihr Baby kommt in Bewegung
4.1.9 Bewegung ist Selbstzweck
4.1.10 Babys Füße können ganz viel
4.1.11 Ihr Baby rollt auf die Seite
4.2 Häufige Diagnosen
4.2.1 Symmetriestörungen
4.2.2 Kopfverformungen
4.3 Hilfsmittel-Check
4.3.1 Activity-Center
4.3.2 Babywipper
4.3.3 Hängematte
4.3.4 Mama als Alleinunterhalterin?
4.4 Anregungen und Spiele
4.4.1 Übungen zur Kopfkontrolle
4.4.2 Wahrnehmungsspiele für Hände und Füße
4.4.3 Ihr Baby hilft beim Anziehen
4.4.4 Der Fußboden als »Lebensort«
4.5 U4-Check: 3.–4. Lebensmonat
4.5.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
5 5.–7. Lebensmonat
5.1 Babys Entwicklung
5.1.1 Ihr Baby schärft seinen Blick
5.1.2 Ihr Baby übt seine Fingerfertigkeit
5.1.3 Ihr Baby entwickelt Körperkontrolle
5.1.4 Ihr Baby dreht sich auf den Bauch
5.1.5 Ihr Baby kommt in Bewegung
5.1.6 Ihr Baby wird hellhörig
5.1.7 Kleine Plaudertasche
5.1.8 Sitzen geht noch nicht
5.1.9 Ihr Baby will schon hoch hinaus
5.1.10 Ihr Baby will vorwärtskommen
5.2 Häufige Diagnosen
5.2.1 Unruhe
5.2.2 Den Tiefensinn anregen
5.2.3 Bewegungsarmut
5.3 Hilfsmittel-Check
5.3.1 Hochstuhl
5.3.2 Lauflernhilfen
5.3.3 Babyhopser
5.3.4 Laufgitter
5.4 Anregungen und Spiele
5.4.1 Spielzeug aus dem Haushalt
5.4.2 Sitzen will geübt werden
5.4.3 Das richtige Spielzeug ist wichtig
5.4.4 Spiele für den Boden
5.4.5 Auch Ihr Baby braucht Pausen
5.4.6 Setzen Sie Grenzen
5.5 U5-Check: 6.–7. Lebensmonat
5.5.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
6 8.–12. Lebensmonat
6.1 Babys Entwicklung
6.1.1 Den Augen entgeht nichts
6.1.2 Ihr Baby hört hin
6.1.3 Auf dem Weg zum Krabbeln
6.1.4 Ihr Baby setzt sich hin
6.1.5 Babys Finger sind sehr geschickt
6.1.6 Es geht aufwärts – im wahrsten Sinne des Wortes
6.1.7 Der Bärenstand
6.1.8 Krabbeln geht am besten
6.1.9 Ihr Baby geht seitwärts
6.1.10 Ihr Baby steht frei auf den eigenen Füßen
6.2 Hilfsmittel-Check
6.2.1 Baby-Rollator
6.2.2 Bobby Car
6.3 Anregungen und Spiele
6.3.1 Richtiges Hinsetzen
6.3.2 Hochziehen
6.3.3 Zur Seite gehen
6.3.4 Klettern
6.3.5 Freies Stehen
6.3.6 Von Bärenstand zum Bärengang
6.3.7 Mode für die Füße
6.3.8 Wann läuft das Baby endlich?
6.3.9 Toben ist angesagt!
6.3.10 Auf dem Spielplatz
6.4 U6-Check: 8.–12. Lebensmonat
6.4.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
7 13.–24. Lebensmonat
7.1 Babys Entwicklung
7.1.1 Endlich alleine gehen
7.1.2 Drehbewegungen sind wichtig
7.1.3 Hoch und runter, hin und her
7.1.4 Treppensteigen
7.1.5 Schuhe oder Socken?
7.1.6 Im Straßenverkehr
7.1.7 Draußen rumlaufen macht Spaß
7.1.8 Mit dem Ball spielen
7.1.9 An- und Ausziehen
7.1.10 Ihr Kind will Ihnen helfen
7.1.11 Ihr Kind teilt sich mit
7.1.12 Soziale Kontakte werden wichtiger
7.1.13 Feinmotorische Entwicklung
7.2 Häufige Diagnosen
7.2.1 Gehen auf den Fußspitzen
7.2.2 Gehen über den großen Zeh
7.2.3 Knick-Senkfüße
7.3 Hilfsmittel-Check
7.3.1 Dreirad
7.3.2 Laufrad
7.3.3 Rody
7.4 Anregungen und Spiele
7.4.1 Kreative Spielideen
7.4.2 Toben ist wichtig
7.4.3 Ihr Kind möchte dabei sein und mitmachen
7.4.4 Jeden Tag wieder
7.4.5 Spielzeug aus Alltagsgegenständen
7.4.6 Das Laufen vertiefen
7.4.7 Den Spielplatz erkunden
7.4.8 Es kann noch nichts? O doch!
7.5 U7-Check: 24. Lebensmonat
7.5.1 Überprüfung der motorischen Entwicklung
8 Service
8.1 Literaturhinweise
8.2 Nützliche Adressen
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
1 Ihr Baby kann noch nichts? O doch!
Endlich ist Ihr Baby da. Ihre Freude ist groß, aber vielleicht sind Sie auch ein bisschen unsicher. Keine Sorge, Sie und Ihr Baby werden sich schnell aufeinander einspielen.
Ihr Baby liegt im Bettchen und schläft. Trotzdem nimmt sein Gehirn schon sämtliche Eindrücke um sich herum auf und speichert sie – es lernt im Schlaf. Das ist eine wichtige Grundlage für jede weitere Entwicklung.
Sie sind zu Hause angekommen. Schon seit vielen Wochen haben Sie sich auf diesen Moment gefreut und alles für Ihr Baby vorbereitet. Sie haben eine Meisterleistung an Organisation und Planung bewältigt. Von vielen Seiten haben Sie gehört, wie das Leben mit einem Baby sein wird: An Ratschlägen und Empfehlungen mangelt es nicht. Sie spüren dennoch, dass Ihre Intuition, Ihr Bauchgefühl überwiegt. Und genau so soll es sein. Angst, Unsicherheit oder schlechtes Gewissen sind absolut fehl am Platz, denn für das Behüten und Begleiten eines Kindes hat die Natur Eltern mit allen nötigen Fähigkeiten ausgestattet, ihr Baby zu beschützen, es zu leiten und es lebenstüchtig zu machen. Vertrauen Sie ruhig diesem elementaren Können. Es wird Ihnen Sicherheit und Stärke verleihen.
Umgekehrt können Sie aber auch Ihrem gesunden Baby vertrauen. So klein, wie es ist, zeigt es Ihnen schon jetzt, was es alles »kann«. Es schläft 16 bis 18 Stunden am Tag, aber natürlich nicht durch. Im Abstand von 3 bis 4 Stunden wird es wach. Dann signalisiert es, dass es trinken möchte, eine frische Windel braucht oder liebkost werden möchte. Es blinzelt, gähnt und gibt undefinierbare Laute wie Schmatzen, schnorchelnde Geräusche oder Gurgeln von sich. Es verzieht seinen kleinen Mund wie zu einem Lächeln und verzaubert Sie damit.
In einem Versuch zeigen drei Tage alte Babys, dass sie das geduldige Öffnen und Schließen des Mundes der Mutter, dicht vor ihrem Gesicht, nach einer Weile nachmachen. Probieren Sie das doch einmal aus. Sie können schon miteinander kommunizieren.
Babys kleiner Körper kommt schon jetzt in Bewegung: Es räkelt, dehnt und biegt sich, die Ärmchen rudern herum. Manchmal rollt es sogar mit Schwung auf eine Seite und verändert seine Lage. Noch geschieht das nicht gewollt, sondern wird von Reflexen gesteuert, die sich in den nächsten Monaten abbauen werden. Jetzt sind sie jedoch ein gutes Zeichen von gesunden Reaktionen.
Sie merken: Ihr Baby kann schon ganz schön viel. Und all diese Aktivitäten sind Anzeichen für den Start in eine gute Entwicklung.
Die weniger gute Nachricht ist, dass Ihr Baby manchmal auch bis zu drei Stunden am Tag schreien kann, und das am intensivsten abends. Aber auch das ist ganz normal. Babys haben noch nicht die Möglichkeit, ihre Beschwerden und Unpässlichkeiten in Worte zu fassen. Sie müssen große Umstellungen verarbeiten und werden permanent mit neuen, ungewöhnlichen Reizen bombardiert. Schreien ist die einzige Ausdrucksform, mit der sie auf sich aufmerksam machen, Bedürfnisse mitteilen oder einfach nur Anspannung abbauen können.
Ab jetzt sammelt Ihr Baby jeden Eindruck und jeden Einfluss aus seiner Umgebung und verknüpft die erhaltenen Informationen miteinander. In den ersten drei Lebensmonaten lernt Ihr Baby mehr als ein Student in vier Jahren, und in den ersten zwei Lebensjahren wächst das Gehirn so schnell wie nie wieder im ganzen Leben. Mit fünf Jahren werden 100 Milliarden Hirnzellen durch 1 Billiarde Synapsen miteinander verknüpft sein. Und das Tolle ist, dass dies von ganz allein geschieht. Sie brauchen nichts Besonderes zu tun, Ihr Baby kann gar nicht anders, als ununterbrochen zu lernen, zu verarbeiten und daraus neue Verknüpfungen im Gehirn zu erzeugen. Ihr Kind nimmt also alles wahr, was es erlebt und erspürt, und speichert die Erfahrung in seinem Gehirn ab. Jeder Handgriff, jede intuitive Berührung, jedes Wort und jeder Blick werden von ihm geradezu aufgesogen und programmiert sein Gehirn dauerhaft.
Machen Sie sich einmal klar, was im Alltag ganz automatisch alles geschieht: Da sind Geräusche, Bewegungen und Lichteinflüsse aus der Umgebung. Alltägliche Abläufe, die immer wiederholt werden, wie Füttern, Wickeln, Pflegen, Schmusen und Liebkosen, geben Ihrem Baby die Aufmerksamkeit, die es braucht. Ihr Kind nimmt alles wahr und speichert jeden noch so kleinen Eindruck ab. In den vielen nahen Momenten spürt es Ihre Wärme und Ihre Berührungen. Ihre Stimme ist schon vor der Geburt unverwechselbar registriert. Aber das Gesicht der Mama, ihr Duft, der Geschmack der Muttermilch sind alles neue Eindrücke, die in jedem Moment Millionen Gehirnzellen miteinander vernetzen.
Um Ihrem Baby eine gute körperliche Entwicklung zu ermöglichen, müssen Sie weder Kurse besuchen, noch Medizin oder Psychologie studieren. Vielleicht denken Sie: »Ich muss dem Baby etwas bieten, sonst langweilt es sich doch.« Hier kann ich Ihnen versichern: Ihr Baby braucht nichts außer dem »normalen Leben« – und natürlich Ihrer Liebe. Im Alltag steckt eine enorme Vielfalt mit einem unbegrenzten Angebot von Anregungen.
Durch diese Anregungen von außen entwickelt sich Ihr Kind und reift heran. Die einzelnen Gehirnzellen verbinden sich miteinander und Eindrücke werden vernetzt; das Gehirn wächst also durch eine zunehmende Wechselwirkung. Zum Glück ist das Gehirn von Anfang an schon schlau. Denn damit es nicht überfordert wird und die ständig einwirkenden neuen Erlebnisse auch in Ruhe verarbeiten kann, braucht es seine 16 bis 18 Stunden Schlaf.
Die zahlreichen visuellen Eindrücke überfordern Babys besonders schnell. Diese werden aber intelligent dosiert, weil das Sehen in den ersten Lebenswochen nur über kleine Distanzen funktioniert. Ganz zu Anfang sieht Ihr Baby nur auf 30 Zentimeter scharf und konzentriert sich besonders auf runde Formen. Sie können sich freuen: Es ist nämlich Ihr Gesicht, das sich als Erstes einprägt. Daran orientiert sich Ihr Kind, beruhigt sich, erfreut sich. Alles ist gut, wenn es Sie sieht. Es baut die Beziehung zu Ihnen auf.
Die Erweiterung seines Blickfeldes geschieht nach und nach, je nachdem wie bereit das Gehirn ist, neue Eindrücke auch zu verarbeiten. Je einfacher die angebotenen Eindrücke und je natürlicher die Farben aus der Umgebung sind, desto besser und entspannter kann Babys Gehirn reifen. Zu bunte und schrille Angebote in seiner Nähe könnten dieses natürliche, ursprüngliche Lernen stören und verfälschen. Die Wissenschaft weiß, dass die Qualität des Lernens in der frühen Kindheit einen absoluten Einfluss auf die Lernfähigkeit im weiteren Leben hat. Man forscht auch an dem Zusammenhang der frühkindlichen Entwicklung mit der Denk- und Lernfähigkeit im Alter. Geben Sie Ihrem Baby getrost viel Zeit für den Erwerb aller Fähigkeiten. Das Leben ist so lang. Es gibt keinen Grund, das Lernen für das ganze Leben zu beschleunigen. Inzwischen raten nicht nur Entwicklungsexperten zur »Entschleunigung«.
Das schlaue Gehirn hat noch etwas im Angebot, nämlich das Bewegungsprogramm. Das ruft Ihr Kind im Laufe der Entwicklung in einem individuellen, maßgeschneiderten Tempo, ab. Je länger es sich mit jeder Vorstufe vom Liegen bis zum Laufen beschäftigt, umso stabiler und sicherer werden seine Bewegungsabläufe sein. Auch hier gilt: Es ist gut, wenn Ihr Kind sich Zeit lässt. Sie werden fasziniert sein, wie Ihr Baby Ihnen fast jeden Tag neues Können präsentiert. Es macht Ihnen ständig neue Angebote. Achten Sie bewusst drauf – Sie werden überrascht sein.
Als Erstes lernt das Baby seine Mama kennen. Schon bald macht es ihre Mundbewegungen nach.
Ohne Ihr Zutun entdeckt Ihr Baby jede Entwicklungsphase ganz alleine. Es entscheidet selbst ganz intuitiv, wie lange es für die jeweilige Entwicklungsstufe braucht. Hat es die eine geschafft und in seinem Gehirn verankert, dann macht es sich an die nächste. Das Vorhandensein, die Reihenfolge und die Qualität jeder Vorstufe sind Maßstab für eine Beurteilung der motorischen Entwicklung.
Seien Sie deshalb nicht beunruhigt, falls seine Fähigkeiten vielleicht noch nicht zu seinem Alter passen. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind die Vorstufe zum nächsten Entwicklungsschritt, den Sie sehnsüchtig herbeiwünschen, wunderbar zeigt, dann können Sie fast sicher sein, dass die nächste Stufe nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
Wenn Sie aber merken, dass Ihr Baby keine Anstalten unternimmt, überhaupt in Bewegung zu kommen, wenn es in einer Vorstufe verhaftet bleibt oder eine Vorstufe partout nicht durchlaufen will, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt darüber. Er kann beurteilen, welche Schritte eingeleitet werden sollten.
Die Informationen, die das Gehirn Ihres Babys für die motorische Entwicklung benötigt, verschafft es sich über die Sinnessysteme. Über das Hören, das Sehen, das Riechen, das Schmecken und das Fühlen holt es sich jeweils die Informationen, die es für seinen Entwicklungsfortschritt gerade braucht.
Aber auch innerhalb seines Körpers arbeitet das Baby mit weniger bekannten, ja geradezu unsichtbaren Sinnessystemen an seiner Entwicklung: Es nutzt seinen Oberflächensinn, seinen Tiefensinn und seinen Gleichgewichtssinn. Diese Sinne werden auch »Nahsinne«, »Körper- oder Basissinne« genannt. Jede Bewegung und Berührung stimuliert die Nahsinne Ihres Babys, und gut ausgebildete Nahsinne wiederum fördern eine ausgewogene Entwicklung. Durch Bewegungen – am Anfang noch ungezielt und ungerichtet – lernt Ihr Baby, sich selbst zu fühlen und sich mit seinem Körper in der Umwelt zurechtzufinden. Ihr Kind muss sich selbst spüren und wahrnehmen, um die Kontrolle über seinen Körper zu erlangen und Bewegungen nach und nach immer bewusster und gezielter auszuführen.
Mein Anliegen mit diesem Buch ist es, dass Sie diese Nahsinne kennen, die so wichtig sind für die – nicht nur – körperliche Entwicklung Ihres Babys. Ich halte nicht viel von Frühförderung und erst recht nichts vom Antreiben der Entwicklung eines gesunden Kindes, die ihren ganz normalen Lauf nehmen sollte. Dennoch werden Sie in diesem Buch viele Anregungen finden, durch die Sie die Nahsinne Ihres Babys stimulieren können und in liebevollen Kontakt mit Ihrem Kind treten können – mehr braucht es nicht für eine gute Entwicklung.
Sie hören von allen Seiten, was für Ihr Baby wichtig ist und was Sie alles für das Kind tun müssen. Die andere Frage ist jedoch: Wie geht es Ihnen? Bekommen Sie genügend Schlaf? Können Sie regelmäßige Mahlzeiten einnehmen? Haben Sie Zeit, sich zu pflegen? Schaffen Sie es, den Haushalt und die Einkäufe zu erledigen? Haben Sie auch erholsame Pausen? Sie sind, neben Betreuerin Ihres Kindes, auch Ehefrau, Hausfrau und Organisatorin der ganzen Familie. Als solch eine Topmanagerin benötigen Sie dringend Erholungsphasen und Zeit für sich.
Viele »neue« Tätigkeiten und Abläufe, wie Füttern und Wickeln, wiederholen sich täglich. Mit jedem Tag klappt das Zusammenleben mit dem Baby besser und Ihre Geschicklichkeit, die winzigen Jäckchen, Bodys und Strampler über das quirlige Körperchen zu bekommen, nimmt mit jedem Wickeln zu. Schließlich geschieht das auch mindestens fünfmal am Tag und anfangs auch in der Nacht. Wie sollte sich da nicht ein positiver Trainingseffekt einstellen? Auch das Stillen oder Fläschchengeben bekommt Routine.
Bald werden sich Ihre Aufregung und Unsicherheit in Ruhe und Gelassenheit verwandeln. Sie spüren, dass Ihr Baby sich an Ihrer inneren Ruhe orientiert. Die ausgedehnten Zeiten der Babypflege sichern eine intensive Bindung. Sie sind wie Miteinander-Spielen. So spielen Sie mit Ihrem kleinen Kind bereits fünf bis sieben Stunden am Tag. Unterschätzen Sie also nicht den Wert dieser täglichen Routine. Feste Zeiten können nur Sie festlegen. Das Baby hat von Zeittakt und Rhythmus noch keine Ahnung. Sie aber wissen um die Lernfähigkeit seines Gehirns, das bestimmt die festgelegten wiederholten Zeiterfahrungen zügig speichern wird.
Sicherlich erkennen Sie sehr bald auch die Signale Ihres Kindes. Die Art seiner Äußerungen, die zu Anfang aus Weinen oder Schreien besteht, werden Sie schnell als Müdigkeit, Hunger, »Windel voll« oder »Schmusenwollen« deuten können. Manchmal aber, wenn es Ihrem Baby überhaupt nicht passt, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden, kann es sich auch richtig empören. Und zwar in einer Lautstärke von bis zu 120 Dezibel, das entspricht dem Geräuschpegel einer Vuvuzela oder einer lärmenden Schulklasse.
Leider werden Eltern selten bereits während der Schwangerschaft über das Schreien von Babys aufgeklärt. Meist hört man, dass Schreien nicht sein darf. Dabei ist es wichtig für Babys, ihr einziges Ausdrucksmittel auch anzuwenden. Manchmal werden abstruse Hilfsmittel eingesetzt, um das Schreien des Babys zu verhindern. Endloses schaukelndes und rüttelndes Hin- und Hergehen zeichnen Spuren in den Teppich. Herzton-Imitatoren, ferngesteuerte Wipper mit wechselnden Schaukelrhythmen und viele andere Geräte werden zu Hilfe genommen, damit ein Baby scheinbar zufrieden ist. Hinzu kommt die ständige orale Befriedigung: Noch bevor das Baby überhaupt anfängt zu weinen, wird ihm vorsorglich Nahrung angeboten.
Dabei ist Schreien durchaus sinnvoll und auch normal. Haben Sie also keine Angst davor. Das Schreien ist ein Angebot Ihres Babys, gemeinsam zu lernen. Mit dem Wunsch, das Schreien um jeden Preis zu vermeiden, beginnen Unsicherheit, Hektik und Stress. Wenn Ihr Baby satt, trocken und auch nicht krank ist, nehmen Sie das Schreien doch einmal an. Sie werden dem Schreien gegenüber immer ruhiger und gelassener werden. Halten Sie Ihr Baby ruhig und fest im Arm und beruhigen Sie es mit Worten. Sie können Ihr Baby auch hinlegen, aber bleiben Sie im Raum und sprechen Sie ruhig mit ihm, damit es merkt, dass Sie da sind. Sie brauchen keine weiteren Beruhigungsversuche zu unternehmen, wie Füttern, Ihrem Kind eine Rassel anbieten oder hektisches Schaukeln. So lernt Ihr Baby, dass nichts bedrohlich ist, auch keine neue Erfahrung, die es machen muss. Sie sind für Ihr Baby der verlässliche Fels in der Brandung! Das stärkt sein Vertrauen in Sie tiefer als das sofortige Unterdrücken des Schreiens.
Meilensteine der motorischen Entwicklung
Der Weg vom Liegen zum Stehen und Gehen folgt einem festgelegten Programm. Ein Kind ruft in einem Zeitraum von vielen Monaten in festgelegter Reihenfolge einen Entwicklungsschritt nach dem anderen ab.
Entscheidend für die Qualität der kindlichen Entwicklung ist, dass keine Vorstufe übersprungen oder vernachlässigt wird. Die Qualität der Vorstufen ist entscheidend für eine optimale Ausbildung des Gehirns. Jedem Kind muss Raum gegeben werden, die Vorstufen so lange zu durchlaufen, wie es benötigt, um allein und von sich aus die nächste Phase zu erreichen. Jede Vorstufe dient somit der Vorbereitung auf den nächsten Schritt in der Bewegungsentwicklung. Die Dauer, für die das Baby in einer Vorstufe verweilt, ist individuell sehr unterschiedlich. Es ist wünschenswert, dass sich jedes Baby möglichst lange in der jeweiligen Vorstufe aufhält.
Natürlich beginnt alles im Liegen. Am besten können Sie den weiten Weg, den Ihr Baby zurücklegen muss, nachvollziehen, wenn Sie sich selbst auf den Rücken legen und aufstehen wollen. Verfolgen Sie bei sich diesen Vorgang doch einfach mal Schritt für Schritt in Zeitlupe. Sie werden erstaunt sein, wie viele Bewegungsabläufe auf dem Weg vom Liegen zum Stehen stattfinden.
Die Rückenlage ist die Ausgangsposition.
Weiter geht es auf die Seite.
Von der Seite dreht sich Ihr Baby auf den Bauch.
Das Baby stützt sich auf Hände und Knie und schaukelt vor und zurück (es rockt).
Danach krabbelt es los.
Ihr Kind setzt sich hin.
Es zieht sich an Gegenständen auf die Knie.
Dann setzt es einen Fuß vor und kommt in den Ein-Kniestand.
Von hier aus zieht es sich hoch zum Stand. Genauso kommt es auch wieder hinunter zum Krabbeln.
Dann läuft Ihr Kind endlich los.
Einige Zeit später übt es das Hinstellen im freien Raum. Es geht dabei auf Händen und Füßen und stellt sich über den Bärenstand auf.
Für diesen langen Weg vom Liegen zum Laufen benötigt das eine gesunde Baby elf Monate und das andere gesunde Baby sogar 20 Monate.
2 1.–2. Lebenswoche
3 2.–5. Lebenswoche
4 2.–4. Lebensmonat
5 5.–7. Lebensmonat
6 8.–12. Lebensmonat
7 13.–24. Lebensmonat
8 Service
Vom Liegen zum Laufen muss Ihr Kind viele Vorstufen durchlaufen. Manches geht ganz schnell, manches dauert länger. Lassen Sie Ihrem Baby die Zeit, die es braucht.
Ihr Baby muss sich an das Leben in dieser Welt anpassen, und das ist schon der erste ganz große Entwicklungsschritt. Unterstützen Sie es behutsam und vertrauen Sie dabei auf Ihr Bauchgefühl.
Ihr gewohntes Leben hat sich komplett verändert. Wie geht es Ihnen zu Hause mit Ihrem Baby? Vielleicht sind Sie noch unsicher und ängstlich und stellen sich die Frage, ob Sie der neuen Aufgabe überhaupt gewachsen sind. Womöglich sind Sie auch noch erschöpft von der Geburt. Ihr Körper ist mit enormen hormonellen Umstellungen beschäftigt und Ihre Figur sieht fast noch so aus wie vor der Geburt. »Wie lange wird es dauern, bis mein Körper wieder seine ursprüngliche Form zurückbekommt?«, fragen Sie sich vielleicht.
Aber auch Unmengen anderer Gedanken und Fragen schwirren Ihnen durch den Kopf: »Tue ich genug für mein Kind? Erkenne ich seine Bedürfnisse?« Überall lesen Sie davon, wie wichtig die Bindung für Ihr Baby ist. »Hoffentlich mache ich alles richtig, damit mein Baby diese Bindung zu mir auch aufbauen wird. Wie kann ich wissen, was in so einem winzigen Köpfchen und kleinen Körper vor sich geht? Muss ich mich nach den Ratschlägen der Stillberaterinnen und Hebammen richten, oder darf ich nach meinem Bauchgefühl handeln?« Sie sind hin- und hergerissen zwischen Sollen und Wollen. Es scheint, als ginge es Ihnen viel schlechter als Ihrem Baby.
Dieses kleine, zierliche Wesen ist aber gar nicht so zerbrechlich, wie es aussieht. Es ist mit allen Werkzeugen des Überlebens und der Anpassung an diese Welt ausgestattet. Ihr Kind weiß Bescheid über seine Überlebensstrategie. Intuitiv macht es alles richtig. Und das Gleiche wird sich in Kürze auch bei Ihnen einstellen. Vertrauen Sie Ihrem Kind und seinen Fähigkeiten und trauen Sie auch sich selbst eine ganze Menge zu.
Dass Ihr Kind ungeheuer viel aushält, hat es bei der gewaltigen Anstrengung der Geburt gezeigt. Wenn Sie spontan entbunden haben, hat Ihr Baby den stundenlangen Druck der Wehen ausgehalten und sich mit ganz bestimmten Drehungen durch den engen Geburtskanal gepresst. Auf dem anstrengenden Geburtsweg hat Ihr Kind über seine Nahsinne Druck, Reibung und Verlagerung gespürt und wurde so für den Eintritt in die Schwerkraft vorbereitet. Allein durch die Geburt wurden seine Muskeln, Gelenke und sein Orientierungssinn wie bei einer Generalprobe aktiviert.
Es ist, als bekäme es den letzten Schliff für die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft. Ihr Neugeborenes hatte deshalb nach der Geburt sofort Spannkraft und die Atemmuskeln konnten den ersten Schrei starten. Den Initialschrei! Neu geborene Babys können außerdem bereits gezielt auf Mamas Bauch in Richtung Brust kriechen, um so schnell wie möglich zu ihrem Herzschlag und zur ersten Milchquelle zu gelangen. Ihr Baby und Sie haben während der Geburt alles richtig gemacht und alles gegeben.
Finden Sie nicht auch, dass nach dieser Tortur alles, was Ihr Neugeborenes jetzt bei Ihnen zu Hause bekommt, das reine Paradies ist? Sie und Ihr Baby sind nach der Geburt und in der ersten Zeit zu Hause noch erschöpft und können es mit gutem Gewissen langsam angehen lassen. Seien Sie beruhigt, Ihr Kleines will gar nicht viel: Ihre Stimme, der Moment, in dem es Ihr Gesicht erkennt, Ihr Duft beim Füttern, das Gestreichelt- und Gewiegtwerden und das Liegen im kuscheligen Stubenwagen reichen ihm für den Anfang völlig. Außerdem will es auch noch 16 bis 18 Stunden schlafen, dabei Erlebtes verarbeiten und weitere Entwicklungsschritte in Ruhe vorbereiten.
In den ersten beiden Lebenswochen wird Ihr Baby als Neugeborenes bezeichnet. Es ist die Zeit der Anpassung an das Leben auf dieser Welt.
Nach einer normalen Geburt ist das Aussehen Ihres Babys vielleicht noch verbesserungsfähig – obwohl es natürlich trotzdem das süßeste Baby aller Zeiten ist. Der Kopf ist durch die Geburt etwas verformt. Die Schädelplatten konnten sich durch die offenen Schädelnähte um bis zu 2,5 cm verschieben, um durch den Geburtskanal zu kommen. Aber nach nur wenigen Tagen prägt sich seine schöne runde Form aus. Die Verknöcherung der Nähte und Fontanellen erfolgt jedoch erst zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr.
Das Gesicht Ihres Babys ist in den ersten Tagen noch verquollen und die Augenlider sind vielleicht fast geschlossen, weil sie noch geschwollen sind. Die Gesichtsfarbe bewegt sich auf einer Skala von Violett bis Rot, der Körper ist häufig noch dunkelrosa. Die Ursache ist der noch unreife Kreislauf, der erst allmählich in Schwung kommt. Sehr bald hat er die Durchblutung reguliert. Die Schwellungen im Gesicht werden im Laufe der ersten Lebenstage zurückgehen. Ihr Kind hat sich nach der ersten Woche zu einem rosigen, schönen Baby entwickelt.
Nur die Füße und Hände lassen noch etwas auf sich warten. Sie sind am weitesten vom Körperzentrum entfernt und werden vom Kreislauf zuletzt erreicht. Machen Sie sich also keine Sorgen, wenn sie sich kalt anfühlen und bläulich oder marmoriert aussehen. Nach zwei bis drei Wochen wird die Durchblutung auch sie erreichen.
Noch sind Beugung, O-Beinchen und Greifreflexe ganz natürlich.
Der Atem Ihres Babys muss sich nach der immensen Anstrengung der Geburt erst einmal erholen. Es scheint, als wäre das Baby noch ganz aus der Puste. Es atmet 40- bis 50-mal in der Minute. In den ersten Tagen ist die Lunge noch nicht optimal entfaltet, das ändert sich aber mit dem zunehmenden Sauerstoffbedarf. In der ersten Lebenswoche passen sich die Lungen an und entfalten ihr ganzes Volumen. Danach normalisieren sich die Atemzüge auf etwa 30 in der Minute. Oft wundern wir uns, dass Babys bei kleinsten Aktivitäten so atemlos erscheinen. Im Vergleich zu uns Erwachsenen mit 12 bis 18 Atemzügen pro Minute kommt es uns so vor, als seien kleine Kinder ständig auf der Überholspur, und das sind sie ja auch, wenn man das Tempo betrachtet, mit dem sie sich ab jetzt entwickeln. Mit dem Wachstum der Lunge verlangsamt sich nach und nach die Atemfrequenz. Ab dem 3. Lebensjahr sind es nur noch 25 und bei Schulbeginn 20 Atemzüge in der Minute.
Die Atmung hat in den ersten Wochen noch eine Besonderheit zu bieten: Der Kehlkopf liegt in den ersten 3 Monaten höher im Rachen. So fließt die Nahrung daran vorbei, direkt in die Speiseröhre. Sie liegt höher als der Mageneingang. Diese anatomische Besonderheit verhindert das Verschlucken beim Trinken. Solange Ihr Baby die Nahrungsaufnahme noch etwas üben muss, etwa bis zum 3. Lebensmonat, kann es gleichzeitig trinken und atmen. Später senkt sich der Kehlkopf und der Kehldeckel deckt die Luftröhre ab, sobald sich die Speiseröhre öffnet. Kein Krümel kann im weiteren Leben mehr beim Essen in »den falschen Hals« geraten.
Genauso wie sich die Atmung mit dem Wachstum der Lunge verlangsamt, geschieht es auch mit dem Herz Ihres Babys. Die Größe des Herzens wird gemessen an der Größe der geballten Faust des jeweiligen Menschen. Betrachten Sie die winzige Faust Ihres Babys, dann Sie können sich vorstellen, wie klein sein Herz ist. Es vollbringt trotzdem eine unvorstellbare Leistung, indem es 140-mal in der Minute schlägt. Legen Sie einmal Ihre Hand auf seine Brust. Wie ein kleiner Motor pocht es unaufhörlich und ab jetzt ohne Pause und Unterbrechung sein ganzes Leben lang. Im Kindergartenalter wird es mit 120 Schlägen schon ruhiger. Im Schulalter senkt sich die Herzfrequenz dann auf 100 Schläge. Im Erwachsenenalter ist ein Puls von 60 bis 80 Schlägen normal. Bei Anstrengung kann er kurzfristig auf über 100 ansteigen.
Nachdem Ihr Baby Atmung, Herz und Kreislauf sofort an sein Leben in der Schwerkraft angepasst hat, bringt es in den ersten Tagen seine Körperteile in Form. Beim Wickeln fällt Ihnen auf, dass sich Ihr Kind in eine Beugehaltung zusammenzieht. Es hat O-Beine und die Füße sind merkwürdig nach innen gedreht. Kein Wunder, denn die Lage im Bauch war zum Schluss alles andere als bequem. Ihr Baby lag gekrümmt im Kopfstand, hatte die Beine neben den Ohren und die Füße dort, wo gerade noch Platz war. Sie können sich vorstellen, dass Ihr Kind nach solch einer Körperhaltung einige Zeit benötigt, um sich zu strecken. Das passiert in den nächsten Tagen und die üblichen O-Beine normalisieren sich.
Weitere motorische Entwicklungsschritte sind im Moment noch nicht zu erwarten. Noch ist das Baby mit Schlafen, Trinken und Verdauen beschäftigt und gewöhnt sich langsam an das plötzliche Dasein auf dieser Welt.
Bereits in der Schwangerschaft hat Ihr Baby seinen Körper auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vorbereitet, und zwar mit Hilfe der sogenannten Primitivreflexe. Diese reflektorischen Bewegungen stimulieren Haut, Muskeln, Gelenke und das Gleichgewichtssystem. So primitiv, wie sich das anhört, sind die Reflexe aber gar nicht, denn sie geben dem Gehirn erste Aufträge, Kontaktstellen zu knüpfen.
Sie bauen die Grundspannung des Körpers auf, die auch schon für die Mithilfe des Kindes beim Geburtsvorgang notwendig ist. Auch sein Nahrungssuch- und Schutzverhalten ist in den Reflexen enthalten, ebenso das Bewegen und automatische Handeln.
In den ersten Lebenswochen werden Sie einige Reflexe als unwillkürliche Verhaltensmuster an Ihrem Baby noch beobachten können. Sie erscheinen in den verschiedensten Situationen und sind in diesem Lebensalter ganz normal. Es scheint, als begleiteten diese Primitivreflexe das Baby eine Weile, um seinem Gehirn noch einige Reifungsimpulse zu geben. Sobald das geschehen ist, verschwinden die meisten von ihnen. Das geschieht zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat. Ab dann beginnt das Gehirn, gezielte und geplante Bewegungen und Handlungen aufzubauen.
Sobald Sie Ihrem Baby zum ersten Mal Nahrung anbieten, fängt es an zu saugen und gleich danach zu schlucken. Dieser Reflex sichert in den ersten Wochen die automatische Nahrungsaufnahme.
Berühren Sie doch mal Babys Mundwinkel mit dem Finger oder beim Schmusen mit Ihren Lippen. Sofort wird es sein Köpfchen zu Ihnen hindrehen. Sie lösen damit den Suchreflex aus, den Ihr Baby auch braucht, um die Nahrungsquelle zu finden.
Mit dieser perfekten Ausrüstung wird es seine ersten Wochen gefahrlos überstehen. Nach drei Monaten sind diese drei Reflexe nicht mehr nötig, denn Ihr Baby entdeckt die Brust oder das Fläschchen inzwischen mit den Augen, es kann die Nahrung länger im Mund behalten und entscheiden, wann es sie herunterschluckt.
Zu den Überlebensreflexen zählt auch die sogenannte »Automatische Reaktion«. Auf dem Bauch wird Ihr Baby immer seinen Kopf anheben und auf die Seite legen, um die Atemwege freizuhalten. Dieser Reflex wird natürlich nie verschwinden, den haben wir Erwachsenen auch noch.
Achten Sie mal auf die Hände Ihres Babys: Es macht überwiegend Fäustchen und hat dabei den Daumen nach innen geschlagen. Wenn Sie seine Handfläche berühren, greift es sofort zu und lässt nicht mehr los. Den Handgreifreflex ordnet man den Anfängen der Evolution des Menschen zu, in denen sich das Kind am Fell der Mutter festkrallte. In einem Test hat man herausgefunden, dass Neugeborene mit Hilfe dieses Reflexes sogar an einer Leine hängen bleiben, die sie mit einer Hand umklammern. Gezieltes Zugreifen und Wieder-Loslassen setzen das Öffnenkönnen der Hand voraus. Deshalb baut sich der Handgreifreflex vom 4. Lebensmonat an ab und macht den Weg frei für die feinmotorische Entwicklung der Hand.
So ähnlich wie die Hände reagieren auch die Füße. In den Anfängen der Menschheitsgeschichte hat das Kind die Mutter mit Händen und Füßen umklammert. Berühren Sie mal die Fußsohle Ihres Babys: Es wird es die Zehen krallen. Sobald sich Ihr Baby selbstständig aufstellen kann, wird sich dieser Reflex verflüchtigen und den Füßen die Gelegenheit geben, sich entspannt mit dem Boden vertraut zu machen. Jeder vorweggenommene Stehversuch mit fremder Hilfe geschieht mit gekrallten Zehen und auf Fußspitzen. Sicher möchten Sie nicht, dass Ihr Kind später auf solchen Füßen steht.
Wenn Ihr Baby vor Ihnen liegt und seinen Kopf dreht, streckt es den Arm weit aus, so als wollte es seine Hand von weitem betrachten. Gleichzeitig beugt es den Arm am Hinterkopf. Es liegt da wie ein kleiner Fechter. Bei der Drehung des Kopfes zur anderen Seite streckt es den vorderen Arm gleich wieder aus und beugt den hinteren. Diese Lage wird tatsächlich auch »Fechter-Position genannt und durch den Asymmetrisch-tonischen Nackenreflex (ATNR) ausgelöst. Er verschwindet im Laufe des ersten halben Lebensjahres, denn dann kann das Baby seine Hände auch aus der Nähe betrachten und in den Mund nehmen.
Oft scheint es, als ob Ihr Kind ganz plötzlich erschräke, beim Wickeln, Ablegen oder auch im Schlaf. Es wirft unerwartet ruckartig beide Arme seitlich nach oben, öffnet dabei den Mund und atmet tief ein oder schreit. Danach führt es die Arme sofort wieder nach vorn und schließt den Mund. Eine solch einschießende unwillkürliche Bewegung lässt es vor Schreck auch weinen. Auslöser dieser Attacke ist der Moro-Reflex. Dieser Klammerreflex stammt auch aus der Urentwicklung. Sobald das Kind den Halt verlor, diente er der Umklammerung der Mutter. Bei unserem heutigen Entwicklungsstand hat er ein Gutes, denn er löst den ersten Schrei nach der Geburt aus. In den nächsten drei bis sechs Monaten verflüchtigt er sich allmählich und Ihr Baby betrachtet zunehmend seine Hände vor dem Gesicht und nimmt sie in den Mund.
Mythos: Still-Irritation durch den Schnuller
Das Thema Schnuller ist ein Dauerbrenner. Ratschläge von unzähligen Experten verunsichern mehr, als dass sie irgendeine Richtlinie geben. »Er verformt den Kiefer und schädigt die Zähne«, sagen Zahnärzte. »Der Schnuller verursacht Still-Verwirrung und gefährdet den Stillerfolg«, sagen Stillberaterinnen und Hebammen. »Der Schnuller beruhigt und hilft beim Einschlafen«, sagen die Großeltern.
