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Beginnend mit der fünften Ausgabe, mit dem Thema Subjekte der Geschichte, verschiebt und konkretisiert Nebulosa ihre thematische Ausrichtung: In den Blick rücken soziale Akteur*innen mit ihren Praxen und Funktionen, seien es politische, kulturelle, künstlerische, diskursive oder andere. Die einzelnen Ausgaben widmen sich von nun an und weiterhin interdisziplinär einzelnen sozialen Figuren und ihren Erscheinungsformen.
Mit der ersten dieser Figuren eröffnen sich zwei Stränge, die immer wieder zueinander finden, einander überkreuzen, ohne doch notwendig in der einen oder anderen Form miteinander verbunden gedacht zu werden: Geschichte und Subjekte. Theoretische Fassungen dessen, was Geschichte sei und was ein Subjekt, bestimmen Wahrnehmungen von Geschichte und Gegenwart, von den Möglichkeiten sozialen und politischen Handelns und damit von Zukunft. Geschichte ist nicht (nur) Vergangenheit, schon gar keine abgeschlossene, vielmehr gilt es, „das Problem der Gegenwart als geschichtliches Problem [zu] betrachten“ (Georg Lukács).
Die vorliegende Ausgabe setzt sich mit einem vielfältigen Spektrum historischer Figurationen, die sich aus den Überkreuzungen von ‚Subjekt‘ und ‚Geschichte‘ ergeben, auseinander. Dabei werden u.a. das mögliche Erwachen der Geschichte in unserer ‚Zeit der Aufstände‘, Formen des Denkens und Schreibens (historischer) Subjekte sowie von Geschichte, Ethnisierungsprozesse der Indigenenbewegung Ecuadors, die Stadt als historische Akteurin und die historische Verortung von ‚Aufschreibesystemen‘ untersucht. [GALAKTIKON] lädt in die Welt einzigartiger Torsohüllen ein und im Forum geht es um die vorangegangenen Ausgaben zu Maßnehmen / Maßgeben und Gespenster.
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nebulosa – Figuren des Sozialen
05/2014
Subjekte der Geschichte
Nebulosa Figuren des Sozialen
05/2014
Subjekte der Geschichte
Herausgegeben von Eva Holling, Matthias Naumann und Frank Schlöffel
Neofelis Verlag
Nebulosa−Figuren des Sozialen
05/2014: Subjekte der Geschichte
Hrsg. v. Eva Holling / Matthias Naumann / Frank Schlöffel
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2014 Neofelis Verlag UG (haftungsbeschränkt), Berlin
www.neofelis-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten.
Umschlaggestaltung: Marija Skara
E-Book-Format: epub, Version 2.0
ISSN: 2193-8490
ISBN: 978-3-943414-38-7
Erscheinungsweise: zweimal jährlich
Jahresabonnement 20 €, Einzelheft 12 €
Erhältlich in Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Neofelis Verlag unter:
Ein Abonnement verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn die Kündigung nicht mindestens drei Monate vor Ende des Kalenderjahrs erfolgt ist.
inhalt
Matthias Naumann / Eva Holling / Frank Schlöffel
Auf- und Ausbruch / Doppelmord / Archiv, Herrschaft und Vertuschung / Die aktuelle Ausgabe
Moritz Altenried / Tina Turnheim
Ereignis und Dauer.Sieben Thesen zum gegenwärtigen Erwachen der Geschichte
Christian Sternad
Politik(en) der Historiographie.Historische Subjektivität im Ausgang von Jacques Rancière
Andreas Lotz
„Das Subjekt ist tot, es lebe das Subjekt.“Zur Genese der Subjekttheorie Alain Badious
[GALAKTIKON]
[′GIZE:H]
Matthias Koch / Christian Köhler
Aufschreibesysteme bestimmen unsere Lage:Kittlers verteiltes Subjekt der Geschichte
Philipp Altmann
Strategischer Essentialismus als Wiederaneignung von Geschichte.
Die Ethnisierung der Indigenenbewegung in Ecuador als Prozess der Subjektwerdung
Elena Dingersen
Verbelebung als eine Diskursstrategie der Stadt
Daniela Kuka
Spielweisen des Maßnehmens und Maßgebens
Lorenz Aggermann
„Abwiegen heißt Abwägen, heißt denken.“Plädoyer für die (Re)Lektüre von Gaston Bachelard
Felix Riedel
Unhöfliche Gespenster – Adorno und der Okkultismus
Abbildungsnachweise
Call for Papers
Bisherige Hefte
Auf- und Ausbruch
Die Frage nach einem Subjekt der Geschichte eröffnet ausgehend von der Bedeutungsgeschichte des Begriffs ‚Subjekt‘ das Verhältnis von Subjekt(en) und Geschichte(n) als ein ambigues– des Unterworfenseins des Subjekts unter die Geschichte bzw. der Gestaltung jener durch dieses. Letzteres Verhältnis lässt sich ohne ersteres nicht denken, vergäße es doch sonst die geschichtliche Gewordenheit eines jeden potentiellen Subjekts der Geschichte. Ein Subjekt in letzterem, ‚geschichtsmächtigen‘ Sinne ist durch ersteren Moment des Unterworfenseins eingeschränkt und doch auch als Sprung aus diesem zu verstehen, als Bruchmoment der Freiheit aus den Einschränkungen der Geschichte als gewordenen, aber damit veränderbaren gesellschaftlichen Verhältnissen. Eine Bemerkung Theodor W. Adornos aus seiner Vorlesung von 1964/65 Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit gibt Anstoß, das Verhältnis von Geschichte und Subjekt unter der Perspektive einer möglichen Vernunft der Geschichte zu betrachten, die allerdings durchaus infrage zu stellen ist und sich nur als partielle und wechselnde Perspektive, wenn überhaupt, behaupten lässt:
[D]ie Vernünftigkeit der Geschichte kann sich nur daran erweisen, für wen nun tatsächlich die Geschichte vernünftig ist. Wenn diese Vernunft, deren eigener Begriff ja an der Selbsterhaltung des Individuums gebildet ist, ein Subjekt überhaupt nicht mehr hat, für das sie vernünftig ist, dann schlägt sie in Unvernunft um. Und die Entwicklungen, die wir heute zu beobachten haben, sind ja zu einem nicht geringen Teil eben jener Umschlag der konsequenten Vernunft in Unvernunft dadurch, daß sie dieses Für etwas verliert. Das heißt, etwas handfester gesprochen, nichts anderes, als daß die Frage, ob Geschichte tatsächlich vernünftig sei, die Frage ist, wie sie zu den Einzelnen, die in den geschichtlichen Strom hineingeraten, sich verhält. Nur soweit, wie die Interessen und Bedürfnisse der Einzelnen, sei es in geschichtlichen Phasen zu dem Ihren kommen oder, wenigstens der Tendenz der Geschichte nach, in zunehmendem Maß befriedigt werden, nur soweit wird man von Vernünftigkeit der Geschichte reden können.1
Neben oder an die Stelle eines Subjekts der Geschichte tritt eines der Vernunft der Geschichte, d. h. eines, für das (die) Geschichte vernünftig sei. Offen bleibt dabei das Verhältnis zwischen Subjekt und Geschichte, doch ist anzunehmen, dass eher ein zum Handeln befähigtes, ‚Geschichte machendes‘ denn ein ihr unterworfenes Subjekt in einem Bezug des „für sich“ zu(r) Geschichte stehen kann. Daraus folgt die Frage, für welches Subjekt Geschichte geschehe, oder ob es für den gegenwärtigen Gang von Geschichte überhaupt ein Subjekt des „für“ gibt oder geben kann. Nur, dass es ein Subjekt der Geschichte „an sich“ nicht geben kann, scheint klar. Dem stände die behauptete Perspektivität im Verhältnis von Subjekt, Geschichte und Vernunft entgegen, die zugleich auf die Narrativität von Geschichte, ihr Erzähltwerden, verweist, das ein (ideologisches) Behaupten sowie auch ein forschendes Suchen nach ihrer (Un)Vernunft sein kann. Erzählt wird in und aus hegemonialisierenden Perspektiven, wobei der Blick auf ‚Geschichte‘ unter dem Aspekt der Narration eine weitere Spaltung in jedes mögliche Subjekt der Geschichte einführt: als eines, das erzählt, bzw. als eines, das erzählt wird, oder, wahrscheinlicher, wieder beides in wechselnden Verhältnissen zugleich. Wird Geschichte so als narratives Verhältnis gedacht, erscheinen Subjekte der Geschichte nicht nur als fabulierende, oder je nach Perspektive als fabelhaft, sondern befinden sich, um eine treffende Formulierung Hans-Thies Lehmanns aus anderem Zusammenhang hier aufzugreifen, in „Fabel-Haft“, können dem Erzählen und Erzähltwerden in ihren gesellschaftlichen und geschichtlichen Verhältnissen nicht entkommen. In der Fabelhaft der Geschichte sitzen ihre Subjekte ein. Entscheidend wird, an den Haftbedingungen, den Ausgestaltungen und Erzählformen der Fabeln, der Fiktionen, die gesellschaftliche Verhältnisse erzählen, zu arbeiten, sie anders und gerne in Brüchen zu erzählen, die ein politisches Denken– möglicherweise ein „eingreifendes Denken“– aus den Fabeln zu eröffnen vermögen. Geschichte(n) und ihr(e) Subjekt(e) zu erzählen, erscheint dann als Möglichkeit, die gewordenen gesellschaftlichen Verhältnisse zu überschreiten, das Moment des Utopischen in die Geschichte einzuholen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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