Swami Vignanananda und der Weg des Prana Yoga - Swami Vignanananda - E-Book

Swami Vignanananda und der Weg des Prana Yoga E-Book

Swami Vignanananda

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Beschreibung

Das vorliegende Buch versucht, einen Eindruck von der außergewöhnlichen Persönlichkeit Swami Vignananandas, dem Begründer des Prana Yoga, zu vermitteln und die einzigartigen, praktischen Lehrmethoden dieses stets im Wahren Selbst verankerten Großmeisters der Meditation, des Pranayama, des Hatha Yoga und des praktischen Vedanta, zum Leben zu erwecken. Es enthält eine Kombination aus den Praktiken des Prana Yoga und den spirituellen Lehren Swami Vignananandas in Form von Gedichten und Vorträgen. Der erste Teil besteht aus einer Sammlung von Texten verschiedener Publikationen von Ende der 1970er bis Anfang der 2000er Jahre - aus Transkripten seiner Vorträge, sowie Gedichten, die hauptsächlich aus Briefen an seine Anhänger stammen. Der zweite Teil enthält praktische, teilweise sehr selten publizierte Anleitungen für Asanas, Bandhas, Mudras, Pranayama und Meditation des Prana Yoga.

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Seitenzahl: 287

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Swami Vignanananda

(14.06.1932 – 02.03.2008)

Begründer des Prana Yoga

Arbeite mit deinem Herzen,

Gehe mit deinem Herzen,

Spreche mit deinem Herzen,

Denke mit deinem Herzen.

Swami Vignanananda

INHALTZur Aussprache der Sanskritbegriffe

Erinnerungen an Swami Vignanananda von Saraswathi Devi:Swami-ji’s Tee Zeremonie

Vorwort von Mahatma NarayananVorwort von Prathama Swami Jeevananda

Vorwort des HerausgebersDanksagung

Kurzbiografie Swami VignananandaKurzbiografieSri Paramahamsa Satchidananda Yogeshwarar

Kurzbiografie Swami SivanandaSwami Sivanandas „20 Spirituelle Regeln“

Göttliches Leben(Divine Life)Briefe von Swami Sivananda

TEIL 1 - TEXTE & GEDICHTESwami-ii's Art zu Schreiben

„Gedanken ...“Briefe von Swami-ji

GEDICHTE„Yoga-Leben ...“

„Gemüt ...“„Guru ...“

„Geduldiges Bemühen ...“„Der Yogi“

„Praktiziere und Erwache ...“„Jeder & aller Gang ...“

„Heilmittel“, „Selbstzucht“„Eine Spur ...“

„Rettungsanker für ein Reines Herrliches Leben ...“„Erforschungen ...“

„Ängstlichkeit ...“„Überlasse alles dem Herrn ...“, „Geben ist Nehmen …“

„Der erste Punkt …“, „Göttliches Leben …“, „Ziel …“„Aufgeben …“

„Strikt & Entwickle ...“„Strikt & Überlasse es dem Guru …“

„Emotionales ...“, „Leben bedeutet …“„Erwachen, Erwecken, Hinaufgehen ...“

„Bequemlichkeit ...“„Lichter …“, „Tiefe …“

„Internationale Sprache ...“VORTRÄGE

„Erfahrung von Diszipliniertheit“„Spirituelle Milliardäre“

„Wie unsere Gesundheit ruiniert wird“„Willenskraft“

„Innere Erfahrungen“„Jugend und Vitalität“

„Lektionen über praktisches Leben“„Warum leiden wir an chronischen Krankheiten? Wie können wir sie abwerfen?“

„Lebenskraft“„Leben des Atems“

„Leben mit Vertrauen und Bestimmtheit“„Gedanken sind entscheidend“

„Die menschliche Natur“„Atem des Lebens“

„Yoga in Indien und die spirituelle Liebe der Menschen“GESPRÄCHE MIT SWAMI-JI

„Menschliche Fesseln“„Das astrale Leben“

„Pro Wrestling“„Gott ist der Wind“, „Auf einer Achterbahn“

„Der Yogi, der König und die Laus“„Prana Yoga Leben“

„Sich selbst ermahnen ...“„Die Tirumular-Geschichte“

„Wille und Herz“„Swami-ji's Prana Yoga Leben“

Ausgewählte ZitateTEIL 2 - PRAXIS DES PRANA YOGA

PRANA YOGA - GRUNDLAGENYoga Allgemein, Die acht Glieder des Yoga

Prana (Hatha) YogaPRANA YOGA - DIE PRAXIS

ASANASPadmasana, Siddhasana

Gomukhasana, Vajrasana, DhanurasanaSarvangasana

ShirshasanaShavasana

BhujangasanaMatsyasana

UshtrasanaPashchimottanasana

ChakrasanaHalasana

Beispiele für fortgeschrittene AsanasMantras für Gesundheit und geistiges Wachstum

SonnengrußMondgruß

KRIYASÄnderung des Atems in den Nasenlöchern

DREI BANDHASPRANAYAMA, Pranayama - Allgemein

PRANAYAMA-ÜbungenFÜR ANFÄNGER GEEIGNETE PRANAYAMAS

Nadi Shodhana / Nadi Shuddhi, Urasthala ShuddhiAnuloma-Viloma, Sarvanga Stambha, Sitkarsana

Shitali, Sitkari,Dirgha Shvasa Prashvasa, Eka Anga Stambha, Kevala, Surya Bhedana

Chandra Bhedana, Pranava JapaPranava Dhvanyatmaka, Vakshathala Rechaka

Ujjayi (vereinfachte Form), Bhramari,Bhramari (vereinfachte Form)

Shanmukhi Rechaka, Shakti PreshanaBahyavritti Rechaka, Abhyantaravritti Puraka

PRANAYAMAS MITTLERER SCHWIERIGKEITNadashravana, Sukshma Shvasa Prashvsa

Dandavat Chaturmukhi, ChaturmukhiLaghu Shvasa Prashvasa, Kapalarandhra Shodhana,Yantra Gamana

Urdhva Mukha Bhastrika, Agni Prasarana,Kapola KumbhakaVayu Puraka, Prachhardhana,Vama-Dakshina Viloma

Rasananda, Antargamana Kumbhaka,Mukha Puraka KumbhakaShakti Udhbodhana, Urdhva-Mukha Pranastambhana, Pranadharana

Bilvani KumbhakaKapalabhati

Murcha PranayamaPRANAYAMAS FÜR GEÜBTE

Vedisches Pranayama, UjjayiTribandha Kumbhaka, Bhastrika

Vayu Dharana Kumbhaka, PranastambhaVayaviya Kumbhaka, Tribandha Rechaka

Chakrabedhana, Sapta VyahritiaPrana Apana Samyukta

MUDRASFÜR ANFÄNGER GEEIGNETE MUDRAS

Viparita Karani Mudra, Ashwini MudraMUDRAS MITTLERER SCHWIERIGKEIT

Mahamudra, Maha BandhaMaha Bedha, Shakti Chalana, Yoni Mudra

Kaki Mudra, Matangini Mudra, Tadagi MudraMUDRAS FÜR GEÜBTE

Unmani Mudra, Pashini MudraTribandha Mudra, Shambhavi Mudra,

Yoga MudraKhechari Mudra 1, Khechari Mudra 2

SPEZIELLE PRAKTIKENSahaja Dhyana, Amuri Dharana

GlossarWichtige Zentren der Prana Yoga Tradition

Zur Aussprache der Sanskritbegriffe

Um das Lesen der Texte zu erleichtern, wurde für die Sanskritbuchstaben ṣ und Ś, die auch im indischen und englischen Sprachgebiet übliche Schreibweise »Sh«, gesprochen ‚Sch‘ gewählt (wie Shiva anstelle von Śiva).

Ebenso wurde auf Unterscheidungen von kurzen und langen Vokalen (wie »a« und »ā«) verzichtet.

Bei behauchten Konsonanten wie bh, dh und th ist das »h« klar zu vernehmen.

Im Sanskrit entspricht der Aussprache im Deutschen:

c wie tsch, j wie dsch; s wie ss; v wie w; y wie j.

Sofern die Sanskritbegriffe nicht direkt im Text erklärt werden, wird der Leser gebeten, sie im Glossar nachzuschlagen.

Erinnerungen an Swami Vignananandavon

Saraswathi DeviLeiterin Prana Yoga Ashram

Berkeley, Kalifornien, USA

Swami-ji's Teezeremonie

Swami-ji war immer in Höchstform und saß am Kopf eines Kreises von zwei bis sechs Personen. Wir saßen im Schneidersitz aneinander gepresst, alle erwärmt von einem dichten Bad aus Weihrauch und Teekannendampf, in der Energie schwebend, die von Swami-ji wie ein sanfter, sprudelnder Fluss ausströmte und ausging.

Der Schauplatz könnte Swami-jis Zimmer oder der Yogaraum sein, aber auch ein Hotelzimmer, eine Wiese oder sogar ein Auto. Ja, Tee und Weihrauch im Auto.

Egal, wo Swami-ji das Teehaus einrichtete, die Energie baute sich immer weiter auf, bis wir uns alle, voll davon aufgetankt, wie im Zentrum des Universums fühlten.

Unsere Gruppe kam oft aus mehreren Ländern. Swami-ji war der einzige im Raum, der alle der vertretenen Sprachen kannte - er wandte sich dieser Person zu, dann jener, dann der nächsten - und wechselte nahtlos von Englisch zu Tamil zu Japanisch und wieder zurück. Swami-ji würde uns alle mit großen Tassen starken, bitteren grünen Tees, cremiger, gehaltvoller Schokolade und Hunderten von kleinen, klebrigen, salzigen Crackern bewirten - eine sehr ausgewogene Mahlzeit ...

Swami-ji drängte uns, mehr zu essen und mehr zu trinken (“Iss reichlich! Wachsendes Kind!"), bis wir einer nach dem anderen unsere Gürtel lockerten und unsere Wirbelsäule und Gesichter neu ordneten, um unsere prallen Mägen intakt zu halten. „Nein, danke Swami-ji, ich bin satt“ war keine Option. Jeder wurde mit Schwung bedient, und vom jeweiligen Assistenten wurde erwartet, dass er mit Swamijis präzisem Ritual und Rhythmus mithält. Den Becher entgegennehmen, greifen, drehen, springen, geben - kein Stolpern und kein Kleckern!

Natürlich konnte das Ritual jedes Mal ein wenig anders sein, sogar sehr anders. Trotzdem wurde von dir erwartet, dass du es sofort verstehst. „Folge genau!“ dröhnte Swami-ji.

Schließlich richteten sich alle ein, und die Geschichten und Lektionen begannen.

Nun, viele Jahre lang trat Swami-ji überall auf der Welt vor Tausenden von Menschen auf und war es gewohnt, große Yoga- und Meditationsklassen zu unterrichten, Vorträge an Schulen, Universitäten und Konferenzen zu halten, im Radio interviewt zu werden, im Fernsehen und sogar in Filmen aufzutreten. Aber, ich konnte feststellen, dass dies der Rahmen war, den Swami-ji am meisten bevorzugte.

Swami-ji lehrte am liebsten durch ein Beispiel, machte aus einem winzigen Moment eine große spirituelle Lektion - und die Lehre konnte im selben Moment stattfinden, in dem das Telefon klingelte, Leute ein- und ausgingen und Tee und Snacks ununterbrochen herumgereicht wurden - ja, mit Hilfe des momentanen Assistenten, aber hauptsächlich aus Swami-jis großen, großzügigen Händen in unsere. Und der Tee und die Snacks wurden immer weiter gereicht. Wir würden wohl alle atemlos auf Swami-jis Pointe warten, oder jemand würde sich die Augen ausweinen und um Hilfe bitten, aber die Unterbrechungen für Tee und Leckereien waren ein wesentlicher Teil der Erfahrung. Die Geschichten stammten in der Regel aus dem einfachen Alltagsleben, aber in Wirklichkeit ging es um die großen Wahrheiten des Universums und darum, wie man sich körperlich, seelisch und geistig weiterentwickeln kann. Die Geschichten konnten aus einem alten tamilischen Sprichwort stammen - Swami-ji hatte wahrscheinlich Tausende davon auswendig gelernt - und einige von ihnen erfand Swami-ji kurzerhand selbst. „Erwarte nichts, akzeptiere alles.“ Swami-ji würde ein Sprichwort über Monate und Jahre hinweg immer und immer wieder wiederholen, um seine Bedeutung einsickern zu lassen - durch die Haut bis in die Mitte der Knochen, in die Ecken des Herzens und darüber hinaus, bis wir es einfach wussten. „Pranayama lässt dich wie einen Computer denken“, pflegte Swami-ji zu sagen, aber es war mehr als das. Swami-ji beherrschte die Kunst und die Wissenschaft, direkt zur Essenz von allem zu gelangen, und hörte nie auf, uns auch den Weg dorthin zu zeigen. Manchmal hatten die Geschichten die Form von Fabeln aus Swami-jis Kindheit im Dorf. Die listige Krähe, die dem schlauen Fuchs dies und jenes sagte, wurde zu einer Studie über menschlichen Stolz, Gier oder Unehrlichkeit. Zu anderen Zeiten dramatisierte Swami-ji ein Psychodrama aus dem heutigen Leben, wie die mehr als einmal erfolgte Reaktion einer Mutter im Bus - rassistisch, überfürsorglich, ihr Kind an sich ziehend und sich misstrauisch abwendend, wenn Swami-ji, braunhäutig, mit weißem Haar und Bart, gekleidet in ockerfarbene Gewänder und einen leuchtend blauen Skiparka, alberne Grimassen schnitt und Kauderwelsch zu ihrem lachenden Kind sprach. Wie viele Kinder - oder sogar Erwachsene - bekommen schon ein Gesicht zu sehen, bei dem ein Auge nach links und das andere nach rechts geht?

Manchmal kamen die Belehrungen direkt von Swami-ji in Interaktion mit einem der Anhänger, die auf dem Boden im Teezeremonie-Kreis saßen. Swami-ji war ein natürlicher Schauspieler. Jede Art von Gesichtsausdruck, Nachahmung, Übertreibung, Stimme und Soundeffekten nutzend, würde Swami-ji eine Sache auf den Punkt bringen und die Person, die Hilfe brauchte, lachend zu einer neuen Ebene des Verständnisses führen. Manchmal behandelte Swami-ji dich mit der sanften Fürsorglichkeit der besten Mutter und ließ dich wissen, dass Er dich immer lieben und an dich glauben würde, auch wenn du unfähig warst, dich selbst zu lieben oder an dich zu glauben.

Swami-ji sagte einmal: "Ich habe kein Leben. Du bist mein Herzschlag." Zu anderen Zeiten schrie Swami-ji eine Person an und ließ einen Fehler, den sie gemacht hatte, ins Unermessliche wachsen. Es konnte ein großer Fehler sein oder ein kleiner, bewusst oder unbewusst. Swami-ji würde dich beim kleinsten Ausrutscher erwischen, dich herausfordern, ihn als Ausdruck einer tief verwurzelten negativen Gewohnheit des Geistes zu sehen und dich dann drängen, dich nicht mehr mit dieser Gewohnheit zu identifizieren. Die Person würde schockiert sein, sich verteidigen und denken: „Ich habe Recht, Swami-ji hat Unrecht, das ist keine große Sache, ich bin nicht so schlecht, ich bin nur ein Mensch“, oder „Ich habe das nicht getan“, oder „Ich habe das nicht gedacht“. Ob du solche Dinge nun laut aussprichst oder nicht, Swami-ji würde wissen, was du denkst. Ob du in der Lage warst, das, was Swami-ji sagte, aufzunehmen oder nicht, ob du es akzeptierst oder nicht, du würdest in diesem Moment das Gefühl haben, dass du der schlechteste Mensch der Welt bist.

In diesen Momenten setzte Swami-ji manchmal einen oder mehrere von uns in der kleinen Gruppe als Fürsprecher ein - als spirituelle Vermittler - um der Person zu helfen, das, was Swami-ji sagte, vollständig aufzunehmen. Es wurde erwartet, dass der Helfer Swamijis Anliegen voll und ganz verstand und es in die richtige Sprache für die Person übersetzte, die die Lektion oder Korrektur erhielt. Von dem oder den Helfern wurde erwartet, dass sie die Lektion anhand von Details und Beispielen aus der amerikanischen, indischen, europäischen oder japanischen Psychologie erklärten - je nachdem, woher die Person kam. Während dies geschah, schien sich Swami-ji zu verschließen. Wir konnten fast sehen, wie ein Schirm oder Schleier von einem geheimnisvollen Ort im Himmel herabkam und sich eine Membran zwischen Swami-ji und dem Rest von uns bildete, besonders der Person, die sich abmühte.

Swami-ji würde in die Stille gleiten und Sein Gesicht würde undeutlich, unscharf und abstrakt werden. Ein oder zwei von uns würden der Person den Irrtum immer und immer wieder erklären müssen, bis sich schließlich Verwirrung, Widerstand, Angst und Stolz allmählich auflösen und die Person eine neue Ebene des Verstehens erreichen würde.

Dieses Ritual würde für uns alle schmerzhaft sein, ganz sicher für die Person, die korrigiert wurde, und ganz besonders für Swami-ji, die den Schmerz der Person für sie festhalten würde, bis sie in der Lage wäre, ihn loszulassen.

Und Swami-ji vergab immer, egal was passierte, egal wie lange es dauerte. Normalerweise war die Person nach kurzer Zeit wieder auf dem Damm.

Manchmal dauerte der Prozess aber auch Tage oder Wochen und in seltenen Fällen sogar länger. Dennoch vergab Swami-ji immer. Und das ist der Punkt - er vergab, wenn die Person in der Lage war, sich selbst zu vergeben.

Das war immer der Punkt - Swami-ji war Zeuge unserer Schwierigkeiten, vergrößerte sie, hielt sie uns vor Augen und forderte uns heraus, dieses oder jenes Muster zu durchbrechen, bis wir zu einem besseren Verständnis und einer gesünderen, glücklicheren Denk- und Verhaltensweise übergehen konnten.

Wenn dies geschah, hellte sich Swami-jis Gesicht auf, und der mysteriöse Schirm stieg auf und verschwand. Die Gruppe seufzte kollektiv und nahm ihr munteres Geschwätz wieder auf. Manchmal, halb all dieser Erleichterung zuhörend, machte Swami-ji eine große, meisterhafte Pause, sang dann den Namen der Person und hielt wieder inne. Die Person würde denken: „Oh, was habe ich jetzt getan?“ Sie würde antworten: „Ja, Swami-ji?“, nur um zu hören, dass ihr Name erneut gesungen wird, gefolgt von einem großen „Ich liebe dich!“

An diesem Punkt würde die Person ein breites Lächeln oder ein kleines Glitzern von Tränen loslassen - und der Tee, die Schokolade und die Kekse würden wieder herumgereicht werden. In den Lektionen der Teezeremonie war es Swami-jis Absicht, die Person weder wirklich in Verlegenheit zu bringen oder zu demütigen, noch sie übermäßig zu belästigen, sondern stattdessen diese Dinge zu tun: die Person so lange zu konfrontieren, bis sie aus einer inneren Stärke heraus reagieren konnte, von der sie nie gedacht hätte, dass sie sie hätte, die Person zu drängen, in ihr tiefstes Inneres vorzudringen, sie zu zwingen, ihre subtilsten Wahrnehmungen und Motive zu untersuchen, einen Ort in ihrem Inneren zu finden, an dem authentische Ehrlichkeit, Demut, Frieden und Vergebung wohnen, sie zu inspirieren, ihr Verständnis weiter zu entwickeln, ihre Kraft weiter auszudehnen, ihr Unterscheidungsvermögen, ihre Weisheit, ihren Glauben an die göttliche Schöpfung weiter zu verfeinern, ihr Wohlbefinden weiter zu steigern, immer mehr spirituelle Freiheit und Freude zu entdecken. Und natürlich würden auch die Fürbitter - wir alle in der Gruppe - große Lebenslektionen lernen.

„Gebt mir zwei Prozent und ich kümmere mich um die anderen achtundneunzig Prozent“, sagte Swami-ji oft. Und wir antworteten immer: „Und welche zwei Prozent?“

Swami-ji konnte so leicht unsere Fehler und Begrenzungen sehen und ihre Ursachen erahnen. Unermüdlich spielte Swami-ji sie uns vor und drückte sie uns direkt ins Gesicht, damit wir sie wirklich sehen, akzeptieren und dann loslassen konnten, um eine bessere Art des Seins zu erreichen. Swami-ji lehrte uns, niemals aufzugeben, das Beste in uns selbst zu finden und darauf zu vertrauen, das zu haben, was Swami-ji „ein weites Herz“ nannte - ein Herz, das so sehr von Beständigkeit, Klarheit und Frieden erfüllt ist, dass es jedem überall, ständig und ohne zu zögern, mit Liebe, Mitgefühl und Respekt begegnet - egal was passiert.

Im Rahmen der Teezeremonie lehrte uns Swami-ji auf direkte, interaktive und praktische Weise, indem er einfach mit uns zusammen war und sich so verhielt, wie es von uns verlangt wurde hart und fordernd in einem Moment - überschwänglich süß und zärtlich in einem anderen - nüchtern, informativ und sachlich im nächsten - fröhlich, festlich und überschwänglich im nächsten.

Viele Menschen haben Swami Vignanananda, den großen Weltlehrer, im Laufe der Jahre als einen Löwen beschrieben: feurig, mutig und zäh, wild in Seiner Liebe zu uns, ein göttlicher Betrüger, der uns - wie alle großen spirituellen Meister - inspiriert, geführt, ja sogar göttlich getäuscht hat, damit wir bessere Menschen werden - um unserer selbst willen und aller Menschen überall.

Die Teilnahme an den Segnungen der Teezeremonie war eine Möglichkeit, von Swami-ji zu lernen. In diesem Rahmen war es leicht zu erkennen, dass unser Guru die liebevollste, weiseste, intuitivste, großzügigste, brillanteste, kraftvollste, unverschämteste und sogar lustigste Person ist, die wir je kennenlernen würden.

Saraswathi Devi Prana Yoga Ashram, Berkeley, Kalifornien, USA Mai 2025

Saraswathi Devi bei einer Puja im Prana Yoga Ashram, in Berkeley, Kalifornien

Vorwortvon

Mahatma NarayananLeiter Prana Yoga Centre Salem

Salem, Tamil Nadu, INDIEN

AUM SRI RAM

Die Mitglieder des Prana Yoga Centre in Salem freuen sich, dass die Lehren und die Lebensgeschichte unseres großen Gurus, Swami Vignananananda, in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Es ist das erste deutsche Buch über unseren Guruji und wurde von unserem geliebten Sri Swami Brahmanandaji, einem großen Yogi und Leiter des Prana Yoga Zentrums in Dresden, herausgegeben. Wir hoffen, dass das Buch viele Menschen auf der ganzen Welt erreicht, um sie unseren Guruji kennen lernen zu lassen und sie zu inspirieren, seine Lehren zu verinnerlichen und zu praktizieren. Wir danken Sri Swami Brahmanandaji für diese heilige Veröffentlichung, die dazu beitragen wird, die Lehren des Prana Yoga weltweit zu verbreiten.

Möge der Segen unseres Guruji mit allen Lesern sein.

Mit Prem und Aum.

Mahatma V. Narayanan Prana Yoga Centre Salem, Tamil Nadu, INDIEN Juni 2025

Sri Mahatmaji Narayanan 2022 im Siddhar Koil – einem Tempel nahe Salem, wo Swami Vignanananda verehrt wird

Vorwortvon

Prathama Swami JeevanandaVorsitzender des Cuddapah Sri Paramahamsa Sachidananda

Yogeeshwar’s Mathalayam Trust Bangalore, Karnataka, INDIEN

Verehrter Swami Brahmanandaji,

Wir vom Cuddapah Sri Paramahamsa Satchidananda Yogeeshwarar Mutt, Bangalore, fühlen uns zutiefst geehrt, dieses Vorwort für das deutsche Buch über Swami Vignanananda und seine Lehren zu schreiben, das von Swami Brahmanandaji vom Prana Yoga Zentrum in Dresden, liebevoll präsentiert wird.

Swami Vignanananda nimmt einen heiligen und dauerhaften Platz in der Linie von Cuddapah Sri Paramahamsa Satchidananda Yogeeshwarar (Kadapa Satchidananda) ein. Sein Leben, das von einer ununterbrochenen inneren Verbindung mit Kadapa Satchidananda geleitet wurde, steht als leuchtendes Beispiel dafür, wie die Gnade des Gurus die Grenzen von Zeit, Raum und sogar physischer Präsenz überwindet. Obwohl Swami Vignanananda im Bangalore Mutt ankam, kurz nachdem Kadapa Satchidananda Nirvikalpa Jiva Samadhi erlangt hatte, blieb das starke spirituelle Band zwischen ihnen immer lebendig - gewoben durch Träume, göttliche Intuition und Schicksal, das ihn zu seinem letzten Guru, Swami Sivananda von Rishikesh, führte (der selbst das weltliche Leben verließ, nachdem er Kadapa Satchidanandas Buch Jiva Brahmaikya Vedanta Rahasyam gelesen hatte).

Swami Vignanananda trug Kadapa Satchidanandas stilles Licht in die ganze Welt und verbreitete Prana Yoga in Asien, Europa und darüber hinaus. Seine Arbeit berührte unzählige Leben, und seine Hingabe an seinen ersten Guru Kadapa Satchidananda blieb während seiner gesamten spirituellen Reise unerschütterlich.

Es ist eine große Freude und wir sind äußerst dankbar, dass Swami Brahmanandaji, einer der hingebungsvollen Schüler von Swami Vignanananda, die edle Aufgabe übernommen hat, die Lehren und die heilige Lebensgeschichte seines Gurus den deutschsprachigen Suchern zugänglich zu machen. Seine aufrichtigen Bemühungen, dieses Buch herauszubringen, spiegeln nicht nur seine Liebe zu seinem Meister wider, sondern auch sein Engagement, dieses universelle spirituelle Licht mit zukünftigen Generationen zu teilen.

Wir vom Cuddapah Sri Paramahamsa Satchidananda Yogeeshwarar Mutt in Bangalore fühlen uns wahrlich gesegnet, dieses edle Unterfangen in aller Bescheidenheit unterstützen zu können.

Wir erinnern uns gerne an die heiligen Besuche von Swami Vignanananda in unserem Mutt, wo er sich in Ehrfurcht vor dem Samadhi-Schrein von Kadapa Satchidananda verneigte und damit die zeitlose Guru-Schüler-Verbindung bekräftigte, die uns alle weiterhin inspiriert.

Möge diese Biographie als Inspirationsquelle für ernsthaft Suchende dienen und uns daran erinnern, dass die Gnade des Gurus allgegenwärtig ist und alle, die den Pfad der Wahrheit mit Aufrichtigkeit und Hingabe beschreiten, stillschweigend leitet.

Mit demütigen Pranams zu den Lotosfüßen des Meisters,

Prathama Swami Jeevananda Cuddapah Sri Paramahamsa Sachidananda Yogeeshwar’s Mathalayam Trust Bangalore, Karnataka, INDIEN 28. Juni 2025

Sri Swami Jeevananda (Mitte) mit Swami Brahmananda (Rechts) am 16. Februar 2025 während des 160. Kadapa Swami Jayanti, im Kadapa Swami Mutt, Bangalore

Vorwort des Herausgebers

Wir, die Mitglieder des Prana Yoga Zentrums in Dresden, freuen uns, dass hiermit nun die zweite, an die gerade erschienene englische Ausgabe angepasste und erweiterte deutsche Auflage dieses Buches über Swami Vignanananda, den Begründer des PRANA YOGA, erscheinen kann.

Swami Vignanananda wurde am 14. Juni 1932 geboren, erlangte - mit Hilfe seiner beiden Gurus, Kadapa Swami und speziell Swami Sivananda - im Alter von ca. 30 Jahren volle Selbsterkenntnis und wirkte daraufhin für ca. 45 Jahre unermüdlich zum allgemeinen Wohl und zur spirituellen Erhebung der Menschen.

Die von Swami-ji entwickelte Methode des Prana Yoga soll es allen ermöglichen gute Gesundheit zu erlangen, ihren geistigen Horizont zu weiten, so auf allen Ebenen zu wachsen und den innewohnenden lichten Tendenzen zur vollen Entfaltung zu verhelfen.

Wichtig war ihm die tägliche eigene Praxis seiner Schüler und das praktische Anwenden seiner Lehren im täglichen Leben: „Book knowledge limited; own experiences unlimited!“ (Bücherwissen ist begrenzt; die eigenen Erfahrungen unbegrenzt!).

Letztlich geht es darum, immer aus dem Herzen heraus, die innere Wahrheit zu leben. Wird das vom Einzelnen erreicht, strahlt es in die Welt aus und diese wird eine bessere: „Mind does matter!“ (Gedanken schaffen Tatsachen)

Swami-ji lebte seine Lehre stets vor und alle, die direkt mit ihm in Kontakt kamen, konnten seine selbstlose und allumfassende Liebe und sein tiefes Verstehen ihrer inneren Welt und wahren Bestrebungen erfahren.

Selbstlos ist in dem Fall wörtlich zu verstehen – man suchte bei ihm vergeblich nach einem Ich-Gefühl / Ego und so sprach er von sich auch nur in der dritten Person, völlig distanziert seiner körperlichen Form gegenüber, immer mit dem wahren Selbst verbunden, die Welt als bloße Erscheinung und sich als Diener der göttlichen Allgegenwart darin sehend.

Sein Leben sollte Beispiel sein und so waren alle seiner Äußerungen stets darauf ausgerichtet, dass sich seine Schüler weiterentwickeln konnten. Wenn Swami-ji beispielsweise sagte „Swami-ji has no habits“ (Swami-ji hat keine Gewohnheiten), war das einerseits wirklich so und andererseits Hinweis für seine Schüler, sich ebenfalls nicht in Gewohnheiten zu verstricken, weil: „Habits are debits“ (Gewohnheiten sind Lasten), die das Vorankommen auf dem Yogaweg unnötig erschweren.

Dieses, sein ohne Gewohnheiten zu sein, machte den Umgang mit ihm für seine Schüler nicht einfacher – sie mussten sich ständig auf einen anderen Swami-ji einstellen.

So hatte Swami-ji bei seinem ersten Besuch in Dresden viel für uns gekocht - indisch scharf, und für viele zunächst eine kleine Herausforderung.

Als er zwei Jahre später wiederkam, wurde das Essen zu seinem Empfang dann auf diese Weise von mir gekocht. Meine Bedenken waren, dass es ihm eventuell nicht scharf genug sein könnte.

Aber ganz das Gegenteil! Er hatte seine Ernährung inzwischen völlig verändert und seine Reaktion war: „Viel zu scharf - wer soll denn so etwas essen?!“- und hat daraufhin selbst, nun sehr mild gewürzt, neu gekocht.

So war es mit fast allem und, was meinerseits als eine Gewohnheit von ihm aufgefasst worden war, gab es nun auf einmal nicht mehr – ein neuer Swami-ji war angekommen, auf den es sich neu einzustellen galt.

Ein erleuchteter Meister wirkt auf vielen Ebenen und immer genau an die jeweilige Situation und das Niveau der mit ihm in Verbindung stehenden angepasst.

So wird auch jeder seiner Schüler seine eigene Erfahrung mit Swami-ji gemacht und bestimmte Eigenschaften an ihm wahrgenommen haben, die nur für ihn bestimmt waren.

Das vorliegende Buch besteht im ersten Teil aus Übersetzungen von Texten verschiedener Publikationen Swami-ji’s, wie Heart Wisdom, Song of the Will, Prana Yoga Leaves, aus Zeitschriften von Prana Yoga Life, sowie Gedichten von Briefen an seine Schüler, vorrangig aus seinen Büchern Wings of Divine Wisdom und Soul Flowers.

Der zweite Teil des Buches besteht aus verschiedenen Praktiken des Prana Yoga, wobei die Beschreibungen der Asanas und deren Wirkungen vom Herausgeber stammen.

Die Pranayama-Übungen, Mudras, Bandhas und speziellen Praktiken wurden von Swami Vignanananda stichpunktartig in Tamil aufgeschrieben und sollten fortgeschrittenen indischen Schülern als Gedankenstütze dienen.

Mahatma Narayanan, der Leiter des Prana Yoga Zentrums in Salem / Tamil Nadu hat sie ins Englische übertragen und für das Buch zur Verfügung gestellt.

Um Praktizierenden die Ausführung zu ermöglichen, wurden diese knappen Anweisungen vom Herausgeber detaillierter ausgeführt und mit Kommentaren bezüglich der Wirkungen versehen.

Dabei griff der Herausgeber auf eigene Erfahrungen zurück, sowie auf Beschreibungen aus dem Buch First Steps to Higher Yoga von Swami Yogeshwaranand Saraswati, in dem einige, der ansonsten sehr selten publizierten Praktiken aufgeführt werden. War beides nicht möglich, musste auf diese Übungen leider verzichtet werden.

Wir hoffen, dass das Buch allen Lesern eine Inspiration auf ihrem Weg und zum eigenen Praktizieren sein kann – möge der Segen von Swami Vignanananda und allen Meistern stets mit uns sein!

Mit Prem und Aum,

Swami Brahmananda Leiter Prana Yoga Zentrum Dresden September 2025

Swami Brahmananda bei seinem ersten Treffen mit Swami Vignanananda im August 1997 in Athen / Griechenland

Danksagung

Mein herzlicher Dank geht an alle, die mitgeholfen haben, dass dieses Buch zustande kommen konnte.

So geht mein Dank ganz besonders nach Indien, an die Mitglieder des Prana Yoga Centre in Salem / Tamil Nadu, und hier speziell an den Leiter, Mahatmaji Narayanan, der Materialien aus dem Archiv des Zentrums in Salem, sowie seine persönlichen Fotos und Texte zur Verfügung stellte.

Swami Vignanananda

Swami-ji um 1936 mit Mutter, Vater und älterem Bruder

Swami-ji wurde am 14. Juni 1932 in Thinnanur, im Bezirk Tiruchirapalli des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu geboren.

Seine Eltern gaben ihm den Namen Sivalingam.

Swami-ji’s Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der vor allem in Sri Lanka tätig war und deshalb mit seiner Familie dorthin umsiedelte, wo sie in Wohlstand lebten.

Als Swami-ji um die fünf Jahre alt war, reisten alle zusammen nach Südindien, um ihre Verwandten zu besuchen. Dort angekommen verstarb der Vater völlig unerwartet. Die Familie stand plötzlich völlig mittellos da. Verwandte in Salem nahmen sie zunächst auf, aber bald mussten sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten.

Auch Swami-ji musste schon früh dazu beitragen und nahm deshalb eine Bürotätigkeit in einer Textilfabrik in Salem an.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt begann Kadapa Swami (Paramahamsa Satchidananda Yogeeshwarar) ihm in Träumen und Visionen zu erscheinen und zu führen, woraufhin Swami-ji ab 1947 damit anfing, intensiv Yoga zu praktizieren.

Bald begann er selbst Yoga zu unterrichten sowie spirituelle Artikel in verschiedenen Zeitschriften zu veröffentlichen – und arbeitete bis 1957 weiterhin in der Textilfirma.

Ab ca. 1953 begann die für Swami-ji’s Entwicklung äußerst wichtige Korrespondenz mit seinem zukünftigen Guru Swami Sivananda von der Divine Life Society.

Seine intensive Yoga-Praxis, sowie der Kontakt zu Kadapa Swami und Swami Sivananda entwickelten eine große spirituelle Kraft in ihm und gleichzeitig ein zunehmendes Desinteresse an weltlichen Dingen.

1957 ließ Swami-ji endgültig alles hinter sich und reiste nach Bangalore, um an der Seite des Kadapa Swami seine spirituelle Entwicklung zu vollenden. Kadapa Swami war jedoch kurz vor seiner Ankunft in den Mahasamadhi eingegangen (hatte seinen Körper willentlich verlassen).

Seine Anhänger, die Swami-ji’s außergewöhnliche Ausstrahlung wahrnahmen, baten ihn nun, den Ashram in Bangalore zu übernehmen, was Swami-ji jedoch ablehnte, da er fühlte, dass sein spirituelles Ziel noch nicht erreicht war.

So reiste er zunächst weiter durch Südindien, dabei ständig in Briefkontakt mit Swami Sivananda und blieb längere Zeit in Madurai. Swami-ji arbeitete dort für die Divine Life Society, führte jedoch im Sri Meenakshi Tempel seine intensive Yogapraxis weiter und entwickelte dabei die Grundlagen des PRANA YOGA. Seine spirituelle Kraft nahm zu, gleichzeitig wurde ihm aber immer bewusster, dass er sein Ziel nur an der Seite eines vollendeten Meisters erreichen konnte.

Swami Sivananda

mit Swami-ji und anderen Jüngern, 1959 in Rishikesh

1959 reiste er schließlich Richtung Himalaya, nach Rishikesh, wo er von Swami Sivananda als Schüler angenommen, und bald einer seiner engsten Vertrauten wurde.

Swami-ji führte die tamilische Korrespondenz für Swami Sivananda, leitete die Yogastunden im Sivananda Ashram und lehrte an der Yoga Vedanta Forest Academy.

So kam er auch in Kontakt mit vielen der ausländischen Anhänger seines Meisters, die sich von Swami-ji’s spiritueller Kraft und seiner authentischen Art Yoga zu unterrichten angezogen fühlten.

Nach drei Jahren des selbstlosen Dienstes im Ashram und an seinem Guru-ji Swami Sivananda, hatte er die völlige Reinheit des Geistes erreicht.

Eines morgens dann, während des täglichen Bades im heiligen Ganges „... öffnete sich etwas ...” und das Ziel seines spirituellen Strebens war erreicht. Nun wusste er ganz genau, was seine Aufgabe war und bald kam eine Anfrage aus Japan, ob er bereit wäre, dort Yoga einzuführen.

Mit Swami Sivanandas Segen ging Swami-ji 1962 nach Japan. Dort wirkte er 10 Jahre, wobei er die PRANA YOGA - Methode vervollkommnete und als speziell an die heutige Zeit angepasstes System erarbeitete.

Swami-ji auf einem Dach in Tokio (aus einer Jap. Zeitschrift, ca. 1968)

Swami-ji während eines TV-Auftritts (ca. 1966)

In Japan wurde Swami-ji sehr populär; mit regelmäßigen Fernsehauftritten, dem Mitwirken in Spielfilmen und Yoga-Veranstaltungen, Privat- und Gruppenunterricht (unter anderem auch in den US Army-Navy Base Camps), Vorträgen und Prana-Heilungen, die ihn durch das ganze Land führten.

Regelmäßigen Reisen nach Indien, folgten solche durch Asien, speziell Korea, Taiwan, Sri Lanka und Thailand, wo sich viele Anhänger fanden und Prana Yoga Zentren entstanden.

Swami-ji mit

Maharishi Mahesh Yogi

(Jap. Pressefoto ca. 1967)

1972 verließ Swami-ji Japan, lehrte ein Jahr in Hong Kong und folgte 1973 einer Einladung in die USA und später nach Kanada, wo er parallel für mehrere Jahre lebte.

1975 gründete Swami-ji schließlich in den USA seinen Hauptsitz, den Prana Yoga Ashram in Berkeley, Kalifornien.

Swami-ji’s 67. Geburtstag, 1999 im

Prana Yoga Ashram

Hier lehrte er Prana Yoga auf allen Levels, unterhielt seine riesige Korrespondenz und ermöglichte es vielen, unter seiner spirituellen Führung, längere Zeit im Ashram zu verbringen. Swami-ji eröffnete mehrere Retreats und Prana Yoga Centers in den USA und nahm 1982 die US-Staatsbürgerschaft an.

Er begann von dort die Welt zu bereisen und neue Prana Yoga Zentren entstanden in vielen Ländern, wie Kanada, Malaysia, Singapur, Burma, Indien sowie in Europa, was Swami-ji von da an auch regelmäßig bereiste.

2002 kam er das erste Mal, 2004 zum zweiten Mal nach Dresden, gab hier Lehrveranstaltungen und legte damit die Grundlage für ein Prana Yoga Zentrum in der Stadt.

Swami-ji ließ den Kontakt zu seinen Schülern und Anhängern in Indien nie abreißen.

Swami-ji mit Mitgliedern des

Prana Yoga Centre

in Salem /Tamil Nadu (1982)

So flog er im Januar 2008 das letzte Mal nach Indien.

Swami-ji gab wie gewohnt seine energiegeladenen Vorträge und Yoga-Demonstrationen, erweckte und erneuerte in vielen das spirituelle Streben, spendete Trost und half selbstlos auf jede ihm mögliche Art und Weise.

Am 2. März 2008 ging Swami-ji - der weltbekannte Großmeister der Meditation, des Pranayama, Hatha Yoga und der Yoga Vedanta-Philosophie - für alle unerwartet ins Maha-Samadhi (Verlassen des Körpers) ein und wurde wenige Tage später auf traditionelle Sannyasin-Art in Salem beigesetzt.

Swami-ji und seine Lehre von Wahrhaftigkeit, Einfachheit, Liebe und vor allem der Wichtigkeit regelmäßiger spiritueller Praxis, lebt in den Herzen seiner Schüler und Anhänger auf der ganzen Welt weiter. Sein Erbe ist das von ihm entwickelte System des PRANA YOGA und einige seiner Bücher: wie „Wings of Divine Wisdom“, „Soul Flowers“, Texte in Publikationen des Prana Yoga Ashrams: „Prana Yoga Life“, „Sivashram“, „Yoga Vision“ oder „Prana Yoga Leaves“.

Gib' und gib' was immer deine Mission ist Es ist der fruchtbringende Weg zum Erfolg Es ist der Schlüssel zum großen Erfolg Es ist das verlängerte Leben des gebenden Herzens Zu helfen und zu dienen.

Sri Paramahamsa Satchidananda Yogeshwarargenannt: Kadapa Swami(16.02.1865–07.01.1957)

war der erste Guru von Swami Vignanananda und ist somit einer der Väter des PRANA YOGA.

Kadapa Swami entwickelte spezielle Pranayama-Techniken (Atemübungen), deren Grundform ihm von seinem Guru gelehrt wurde, dem mystischen Yogi Nityananda, der ihm für ca. eine halbe Stunde erschien, ihn eine Atemtechnik lehrt und ihm seinen neuen Namen gab:

PARAMAHAMSA SATCHIDANANDA YOGESHWARAR

Daraufhin verschwand der Heilige wieder spurlos und Kadapa Swami erkannte, dass ihm Gott in der Form dieses Yogi erschienen war.

Gelegentlich demonstrierte er die Kraft dieser Atemtechniken, indem er im Lotossitz, auf der Oberfläche eines Gewässers treibend, 1,5- stündige Lehrreden hielt.

Oft zog er sich für mehrmonatige Meditationen in Höhlen zurück. Zu diesem Zwecke ließ er eine solche in seinem Ashram (Mutt) in Bangalore errichten, wo er die längste Periode (366 Tage) in ununterbrochener Meditation verbrachte.

Kadapa Swami schrieb mehrere Bücher in südindischen Sprachen, wie: Lebensgeschichte des Yogis und Heiligen Kabir, Sareera Devalaya Rahasyam, Yogaabhyasam.

Sein Hauptwerk ist jedoch: Jeeva Brahma Aikya Vedanta Rahasyam / Die Identität von Seele und Gott - Das Geheimnis des Vedanta, mit einzigartigen Pranayama-Anleitungen, Erklärungen zur yogischen Kosmologie und Anatomie sowie zur Bhagavadgita und zu Vedanta.

Hier einige Auszüge der deutschen Ausgabe von

Die Identität von Seele und Gott - Das Geheimnis des Vedanta

(Herausgeber Swami Brahmananda / ISBN: 9783754321089)

Der Atman ist das Ewige Brahman (S. 254-256)

… Der Himmel (Raum), obwohl formlos, sieht aufgrund seiner unermesslichen Tiefe azurfarben aus. Auf ähnliche Weise wirkt Maya im formlosen, reinen, allumfassenden Brahman. Diese Maya (Illusion) ist ohne Anfang, hat aber ein Ende. Sie ist weder Sat (Wirklichkeit) noch Asat (Nicht-Sein) noch eine Kombination aus beiden. Sie entzieht sich jeder Beschreibung. Es ist nicht möglich, sie positiv als dies oder jenes zu definieren. Sie geht sozusagen von Brahman aus, verschleiert die Wahrheit und erzeugt diese nie endende Kette der Phänomene mit den verschiedensten Namen und Formen, aus denen das Universum besteht. Geht man der Sache jedoch auf den Grund, stellt sich heraus, dass sie, wie schon der Name „Maya“ andeutet (nämlich „das, was nicht ist“), ein Schwindel ist, eine Sache, die in keiner der drei Zeitperioden, also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, existiert. Es ist in der Tat ein Trugbild, eine trügerische Erscheinung, wie die Schlange, die man in einem Stück Seil sieht, oder eine Stadt, die man sich am Himmel vorstellt, oder der Stamm eines Baumes, den man für eine Person hält, oder Silber, das man fälschlicherweise in Perlmutt vermutet, oder wie eine Fata Morgana oder der Sohn einer unfruchtbaren Frau. Es ist nichts als eine bloße Halluzination, eine Unwirklichkeit. Diese Maya wird auch als Ajnana (Unwissenheit) oder Mula Prakriti (die Wurzel allen Übels) bezeichnet. Sie zeigt sich in Form von Sattva (Klarheit), Rajas (weltliche Aktivität) und Tamas (Trägheit), die jeweils den Eigenschaften von Maya, Avidya und Avarana (Verhüllung) entsprechen.

Herrscht die Sattva-Eigenschaft vor, wird sie Maya Shakti (Illusions-/ Verschleierungskraft) genannt; hat Raja Guna die Oberhand, erhält sie die Bezeichnung Avidya Shakti (Kraft der Unwissenheit) und wenn Tamas überwiegt, wird sie Ahamkara (Egoismus) oder Avarana (Verhüllung) und Vikshepa Shakti (Projektions- / Zerstreuungskraft), d. h. Anziehung und Abstoßung genannt. Diese Maya ist die Ursache für alle verschiedenen Gedanken und Zweifel. So wie dieselbe Milch sich in Quark, Buttermilch, Butter und Ghee verwandelt, erzeugt Maya diese vielgestaltige Welt der Namen und Formen. Die richtige Unterscheidung zwischen dem wahren Brahman (das zu Erkennende; Sat, Chit und Ananda) und der unwirklichen Maya (Illusion) bildet das, was Brahma Jnana oder Brahma Nishtha (die wahre Kenntnis des Höchsten Geistes) genannt wird.

Jemand, der immer in dieses Wissen vertieft ist, trägt den Namen Brahma Jnani oder Brahmavit (Brahman-Kenner).

Die Kunst des Atmens

Freitag, Mittwoch und Montag - Mondkanal (linkes Nasenloch) Dienstag, Samstag und Sonntag - Sonnenkanal (rechtes Nasenloch) Zunehmender Mond: Donnerstag - Mondkanal (linkes Nasenloch) Abnehmender Mond: Donnerstag - Sonnenkanal (rechtes Nasenloch) Samstag (bei Tag als auch Nacht) - Sonnenkanal (rechtes Nasenloch) Atme wie oben beschrieben durch das rechte oder linke Nasenloch und Du wirst auf den königlichen Weg zur Befreiung gesetzt werden. Erfolg ist bei allen Unternehmungen garantiert, wenn die Atmung durch den Sonnenkanal, d. h. das rechte Nasenloch erfolgt. Bitte beherzige die ausführlichen Anweisungen zu diesem Thema, die im Folgenden gegeben werden, und befolge sie in der täglichen Praxis genau, und Du kannst sicher sein, dass Du bei all Deinen Unternehmungen erfolgreich sein wirst.

Mittel den Geist /das Gemüt zu bezwingen (S. 316-319)