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Sylt, die Ferieninsel in der Nordsee, schön bei Sonne und Sturm, ist eine kleine Welt für sich. Wer ihr verfallen ist, kommt nicht mehr davon los. Menschen aller Generationen reisen jedes Jahr und zu allen Jahreszeiten nach Sylt. Die „Inselgeschichten“ spiegeln in Wort und Bild wieder, was ihren Reiz ausmacht. Seien es Muscheln, das Meer, Strandkörbe oder besondere Bauwerke. Alle Geschichten erzählen, wie anregend die Inselwelt ist, wie lustig und schön, wie bunt und vielfältig. Bilder von Irmgard Scheigetz, die zu den Geschichten passen, unterstützen die Vorstellungskraft. Ein Lese-Bilder-Buch für Groß und Klein, für Kenner und Neugierige.
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Seitenzahl: 19
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das Heckenrosen-Haus
Der Strandkorb
Heimatkunde
Leuchttürme
Möwengeschrei
Muschelsuche
Das rote Kliff
Schafsgeschichten
Strandgras
Die siebte Welle
Winterwunderland
Man spricht von ihr auf Sylt von der „Rosenfrau“. Die Rosenfrau ist eigentlich die reiche Witwe eines sehr wohlhabenden Reeders aus Hamburg.
Für seine 5-köpfige Familie kaufte er einst ein Haus in den Sylter Dünen.
Seine Frau träumte von einem schönen Blumengarten und erkannte schnell, dass der sandige Boden auf der Sylter „Meerseite“ dafür nicht geeignet ist. Sie versuchte alles, doch am Ende blieben nur die Wildrosen, im Norden Heckenrosen genannt.
Diese Rosen lieben den sandigen Boden und gedeihen bis zu niederer Baumhöhe. Sie werden im Frühjahr grün, tragen über den Sommer Rosen in vielen Rottönen und im Herbst/Winter lustige rote Fruchtstände, die man entweder essen oder wahlweise für die Advents-Dekorationen verwenden kann.
Erst als die Menschen zu ihrem Haus pilgerten und das Haus und die Rosen von allen Seiten fotografierten oder malten wurde ihr klar, dass sie ihren Blickwinkel auf die Dinge neu überdenken musste.
Selbst ein Mensch, der sich alles kaufen könnte, hat nicht auf alle Dinge des Lebens Einfluss. Wer an der Steilküste baut, muss mit dem Verlust seines Eigentums rechnen und wer in den Dünen baut, kann keine englischen Gärten erwarten.
Ein anderer Aspekt, für die Reedersfrau noch relevanter, waren die netten Kontakte, die sich durch die Rosenfreunde und Romantiker ergaben. Die Leute sprachen sie an oder sie sprach mit den Menschen. Über die Schönheit der Wildrosen, das Zusammenspiel von Farben und Landschaft und die Komposition aus Fauna, Flora und Reeddachhaus.
Eine Mal-Schule fragte kürzlich an, ob man sich in ihrem Garten zum gemeinsamen Skizzieren und Zeichnen treffen dürfe. Sie kochte ihnen dazu Tee und backte Butterkuchen.
Man wollte die Kosten erstatten, doch sie gab sich großzügig und bat die Gruppe, ihre Gäste zu sein. Besonders gelungene Bilder stellt sie neuerdings in ihrem Wintergarten aus. Die Einsamkeit nach der belebten Zeit mit ihren Kindern und nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes verblasst langsam und weicht einem neuen Leben mit vielen netten Menschen, die mit ihr die Liebe zur Natur und zur Insel Sylt teilen.
Wenn mich etwas durch mein Leben begleitet hat, dann waren es Strandkörbe.
