Tanz mit dem eigenen Ich! - Michael Hofbauer - E-Book

Tanz mit dem eigenen Ich! E-Book

Michael Hofbauer

0,0

Beschreibung

Was ist das eigene Ich? Wie lerne ich mit Schicksalsschläge besser umzugehen und was kann ich tun, um das Leben als Freund und Partner zu gewinnen? Das alles erfährt man in dem neuen Buch von Michael Hofbauer "Tanz mit dem eigenen Ich!". Der junge Autor schildert den Leserinnen und Lesern seine Erfahrungen, die Handhabung seines Schicksalsschlags, den Umgang mit HIV, seine daraus resultierende Persönlichkeitsentwicklung und Techniken, wie man durch Lebenskrisen über sich selbst hinauswachsen kann.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 159

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Michael Hofbauer

Tanz mit dem eigenen Ich!

Erfahrungen

Widmung

An die drei Säulen meines Lebens, auf die ich mich immer verlassen kann und mir Halt geben, wenn die eigene Welt ins Schwanken kommt.

Kontakt zum Autor:

[email protected]

Copyright © 2023 by Michael Hofbauer

Umschlaggestaltung und Abbildung:

© Michael Hofbauer

Lektorat und Satz: Christine Schmidhofer

ISBN: 978-3-758408-19-9

Inhalt

Vorwort

Der Jungspund und seine Lehren

Übung: Mein Ich

Die rote Schleife

Gedanken: Das Leben

Gedanken: Resilienz

Wissen: Die Therapie

Gedanken: Die Erleichterung

Prägung

Übung: Unzufriedenheit

Belächelt werden

Wissen: Der YouTuber

Auch ein Verteidiger kann ein Stürmer sein!

Unmögliches möglich machen

Gedanken: Der Glaube an das eigene Ich

David gegen Goliath

Wissen: Judo

Gedanken: Der Schein trügt

Gedanken: Dankbarkeit

Der Preis der “Intelligenz“

Toxifizierung des Umfelds

Übung: Lächle doch

Übung: Rücksicht und Wertschätzung

Gutes tun macht glücklich

Übung: Das Dankbarkeits-Tagebuch

Danksagung

Schlussworte

Vorwort

Haben Sie sich schon jemals die Frage gestellt „Wieso genau ich?“? Wenn Sie nun mit Nein antworten, dann lügen Sie. Wieso ich das weiß? Naja, der Mensch neigt von Natur aus dazu, sich selbst gerne in die Opferrolle zu stellen, wenn das Leben mal nicht so läuft, wie man es sich wünscht. Das Problem bei all dem ist, es handelt sich hierbei um eine so simple Frage und dennoch kann diese an uns nagen und uns sichtlich leiden lassen. Wir setzen uns dieser Frage oft schutzlos aus, ohne überhaupt zu wissen, was sie eigentlich für uns selbst bedeutet. Sie lässt uns zu Schutzsuchenden werden und dann fühlt es sich wundervoll an von unseren Mitmenschen in die Wiege genommen zu werden, oder vielleicht auch nicht. Das Gefährliche daran ist, es ist ein Zustand an den man sich schneller als man denkt, gewöhnen kann. Es ist die sogenannte Wehleidigkeit, welche Pessimisten über die Dauer ihres Lebens immer mehr und mehr perfektionieren. Sie werden wahre Meister darin. Des Öfteren denken wir auch, dass das Leben unser Feind ist, dass es uns am Boden sehen möchte und wie man bei uns auf gut Österreichisch sagt: „Uns alles z‘fleiß mocht“. Aber so ist es nicht! Wir sind das Leben, wir haben es also selbst in der Hand unser Dasein zu beeinflussen und in die Richtung zu bewegen, die wir uns gerne wünschen. Alles ist eine Frage des Blickwinkels und der persönlichen Einstellung. Ich möchte Ihnen mit diesem Buch zeigen wie erfrischend eine andere Sicht auf die Dinge sein kann und wie unverwundbar und stark man dadurch wird, wenn man sich eine solche aneignet. Also nehmen Sie sich einen Stift und ein Blatt Papier und lernen sie zu akzeptieren, dass es nun mal Dinge auf dieser Welt gibt, welche wir nicht beeinflussen, aber unterschiedlich betrachten und behandeln können!

Beste Grüße,

Michael Hofbauer

Der Jungspund und seine Lehren

„So jung und denkt er könne die Welt mit seinen ‘Weisheiten‘ belehren.“. „Komm in mein Alter, dann wirst du sehen, wie das wahre Leben funktioniert…“. „Du bist doch viel zu naiv!“.

Solche Sätze hört man im Laufe des Lebens nicht selten und immer wieder kommen solche Meldungen von Menschen, welche selbst unglaublich unreflektiert und abgehoben sind. Das nenn ich doch mal Ironie. Warum schauen wir gegenseitig eigentlich so oft auf uns herab? Viele wollen doch einfach nur dem Wunsch der Freiheit und Akzeptanz nachgehen, welcher in jedem von uns schlummert, man wird jedoch ständig von seinen Mitmenschen mit den oben genannten Sätzen beworfen, um diesen Wunsch schnell wieder zu vergessen. Ist es vielleicht der Neid, der eigene Frust, den man an anderen auslassen möchte, oder ist es doch die Angst, dass andere im Leben plötzlich erfolgreicher sein könnten als man selbst? Sollten wir einander nicht viel mehr unterstützen, sodass wir unsere Krisen, Ängste und Probleme gemeinsam bezwingen können? Ja, das sollten wir! Vor allem in Zeiten, in denen unser Umfeld immer wieder versucht uns auseinanderzureißen. Wir Menschen besitzen Makel und als Gesellschaft etablieren wir schnell Traditionen, Normen und Sitten, welche oftmals zu einer unhaltbaren Diskriminierung, Ausgrenzung und Verachtung von Einzelnen oder Gruppen führen kann. Dies geht so weit, bis man irgendwann damit anfängt sich selbst zu diskriminieren und sich letztendlich ausschließt. Und dann wird wieder weggesehen. Mit einer Fassade trottet man durch die Welt, obwohl sich der Rucksack, den man mit sich trägt, füllt und immer schwerer und schwerer wird. „Lass dir nichts anmerken, es schmerzt, aber das wird schon wieder“, hört man zumindest von verschiedenen Seiten. Plötzlich aber klappen die Füße zusammen und man sinkt zu Boden. Der Rucksack ist zu schwer geworden, man hat es einfach übersehen. Am Boden sitzend betrachtet man nun die Menschen rund um sich herum, die ihr Leben voller Stolz weiterleben und scheinbar ohne Probleme voranschreiten. „Wie machen sie das? Wie schaffen sie es, dass ihr Rucksack nicht so voll und schwer wird wie mein eigener?“, denkt man sich verwundert. Der Versuch wieder aufzustehen und so weiterzumachen wie bisher scheitert jedes Mal kläglich. Die Zeit vergeht. Es scheint alles so ausweglos zu sein, der Rucksack hält einen fest am Boden. Als wäre man festgebunden. Was soll man nur tun? Ist das das Ende? Wissen Sie, es ist diese eine kleine Feinheit, welche man ewig lange nicht erkennt, da man vom neidischen Blick auf andere Leben blind geworden ist. Die anderen haben es doch viel leichter! Nein, so ist es nicht, sie haben nur andere Startbedingungen, aber es ist jedes Mal ein anstrengender Prozess, eine Art Kampf mit sich selbst. Was wir im alltäglichen Leben sehen, sind lediglich die Fassaden und die Zerbrechlichkeit oder der Mut und die Standhaftigkeit der Menschen. Bei dieser Entwicklung geht es darum, den eigenen Mut in die Hand zu nehmen und für Veränderung zu sorgen. Sich bewusst zu verändern, aus Routinen auszubrechen und veraltete Denkweisen abzulegen, das ist die wahre Kunst. Die Realität ist nämlich, dass das Einzige, was den Rucksack an uns hält, seine zwei Gurte sind, die auf den eigenen Schultern sitzen. Eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben, welche man dann für sich selbst treffen muss, wenn man einmal an so einem Punkt angelangt ist, ist „Werfe ich meinen Rucksack endlich ab und gehe weiter, oder bleibe ich hier an Ort und Stelle bei meinem Rucksack auf dem Boden sitzen?“. Diese Entscheidung kann uns von niemandem abgenommen werden, sie liegt ganz allein bei uns.

Mein Name lautet Michael Hofbauer und ich bin 23 Jahre jung während ich dieses Buch verfasse. Dies ist eine Niederschrift, in welcher ich meine Erfahrungen und Prägungen einfließen lasse, um Ihnen und der Welt zu zeigen, dass jede und jeder einzelne von uns zu so viel mehr fähig ist als man denkt. Wir wünschen uns doch alle die Macht, Trauer in Freude, Schwäche in Stärke und Angst in Mut verwandeln zu können, oder? Es ist ein Traum, den wir uns tatsächlich, ob Sie es glauben oder nicht, mit unserer eigenen Energie erfüllen können. Vielleicht kennen Sie ja den Spruch „Hol jeden Tag das Beste aus dir heraus und lebe deine Träume!“. Womöglich haben Sie diesen Satz schon mal von einem dieser Motivationscoaches oder in einer Werbesendung gehört. Es stimmt, das sollte man tun, eine Grundvoraussetzung ist jedoch, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Diese Kraft, die in uns verborgen ist, wartet nur darauf befreit zu werden und möchte dafür genutzt werden, um uns selbst und unserem Umfeld ein besseres Leben zu ermöglichen. Was also tun? Ich verrate es Ihnen. Der erste und wichtigste Schritt ist, sich selbst besser kennenzulernen, bis man sich als seinen eignen Freund bezeichnen kann. Klingt ein bisschen merkwürdig und kitschig, aber vertrauen Sie mir, Sie werden es verstehen, wenn Sie dieser kleinen Anleitung folgen.

Übung: Mein Ich

~ Schnappen Sie sich ihr Lieblingsgetränk, vielleicht eine Tasse Tee oder Kaffee oder ein einfaches Glas Wasser. Suchen Sie sich nun einen ruhigen Raum oder ein Plätzchen in der Natur, wo Sie nur unter sich sein können. Legen Sie alles beiseite, was Sie irgendwie ablenken könnte, schalten Sie alle Geräte ab, Sie brauchen Sie jetzt nicht, es geht in diesem Moment nur um Sie und um Ihr eigenes Ich. Werfen Sie all Ihren Stress von Bord und vergessen Sie die Welt um sich herum. Entspannen Sie sich. Vergleichen Sie es mit einer Art Meditation. Wenn Sie nun diese spezielle Stille erreicht haben und Ihr Fokus auf Sie gerichtet ist, dann stellen Sie sich die Fragen „Wer bin ich?“, „Was bin ich?“ und „Was stört mich und was kann ich dagegen tun?“. Erkennen Sie Ihren Einflussbereich. Es sind so simple Fragen, welche so viel Potential aus uns herausholen können, leider aber finden wir nur selten Zeit zu hinterfragen, wer wir wirklich sind. Befassen Sie sich aktiv mit sich selbst. Auch wenn Sie nicht auf Anhieb Antworten auf diese Fragen finden, lassen Sie sich nicht unterkriegen. Wiederholen Sie diese Übung immer wieder, versuchen Sie es jeden Tag aufs Neue und kommen Sie dem Ziel jedes Mal ein Stückchen näher. Man fängt überall klein an und arbeitet sich immer weiter nach oben. Sie werden merken, dass es langsam, aber sicher zur Routine wird und man diese Übung optimal in den Alltag integrieren kann. Irgendwann wird diese Art sich kennenzulernen zum Automatismus und man arbeitet unterbewusst zu jeder Zeit an sich selbst. Sich immer wieder mit seinem eigenen Ich zu konfrontieren, lässt uns unsere Schwächen und Schattenseiten erkennen und hilft uns dabei uns selbst besser zu verstehen. ~

Vielleicht werden Sie das Beschriebene nun belächeln und wenig Sinn hinter so einer banalen Übung sehen. Natürlich liegt es an Ihnen, die oben genannten Schritte auszuprobieren und Ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Ich garantiere Ihnen aber, Sie werden Probleme mit einer vollkommen anderen Herangehensweise versuchen zu lösen und gleichzeitig erkennen, wie vorausschauend Sie durch diese Übung geworden sind. Woher ich das weiß? Das gesamte Buch wurde aus Erfahrungen und Erkenntnissen meinerseits aufgebaut und diese Strategie ist einer der wesentlichen Aspekte, welche mich schon mein bisheriges Leben begleitet. Trauen Sie sich, sich besser kennenzulernen oder haben Sie Angst davor etwas über sich herauszufinden, was Ihr Weltbild gänzlich verändern könnte?

Die rote Schleife

Beginnen wir mit einer intensiven Geschichte, welche mein Leben innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt hat. Wissen Sie, das Leben bringt so viele verschiedene Eindrücke mit sich, es kann wunderschön, spannend, euphorisch, aber es kann ebenso oft verwirrend, traurig und frustrierend sein und manchmal steht man vor einer Wand und weiß einfach nicht mehr weiter. All diese Eindrücke zeichnen das Leben aus und eine Realität, in der man sich unglaublich sicher und wohl fühlt, kann von einem zum anderen Moment zu einem Albtraum werden. Meine Rede ist hier von Schicksalsschlägen, die uns unser Leben lang zeichnen, einschüchtern und oder verängstigen können. Für die einen ist der Verlust eines geliebten Menschen ein enormer Schicksalsschlag und für andere reicht es bereits, wenn die Kaffeemaschine an einem Morgen nicht die gewünschte Tasse Kaffee zubereitet. Wie Sie sehen, auch Schicksalsschläge werden von Person zu Person unterschiedlich bewertet und behandelt. Die Gesellschaft gibt uns jedoch oftmals vor, was ein Schicksalsschlag ist und wie man sich dabei zu verhalten hat, obwohl man das vielleicht gar nicht möchte. So müssen wir beim Verlust eines geliebten Menschen unbedingt Trauer und Niedergeschlagenheit zeigen. Würden wir das nicht tun, so würden wir unsere Mitmenschen dermaßen irritieren und von ihnen eventuell als unsensibel oder merkwürdig abgestempelt werden und das wollen wir doch nicht, richtig?

Alles Quatsch! Wir leben oft nach den Vorgaben der anderen, müssen einem perfekten Abbild des Menschen entsprechen und dürfen ja nicht aus der Reihe tanzen. Keine Frage, es gibt Menschen, die zum Beispiel Ihre Trauer wirklich genauso, wie vorhin beschrieben, zeigen wollen, weil sie sich dadurch besser fühlen, jedoch brauchen Viele etwas gänzlich anderes, um sich von so einem Schock wieder erholen zu können. Das Problem liegt darin, dass es meistens an Selbstbewusstsein und Mut fehlt, um diesen gesellschaftlichen Vorgaben entgegenzuwirken und seine selbstangelegten Ketten zu sprengen. Also, achten Sie unbedingt auf das was Sie in Ihrem Inneren fühlen und gehen Sie dem auch selbstbewusst nach!

Jetzt aber genug geredet, ich schätze, Sie wollen nun sicher wissen, welch vermeintlicher Schicksalsschlag mich getroffen hat und warum ich nun solche Reden schwinge. Machen wir einen kleinen Ausflug in meine Vergangenheit. An dem Tag, an dem ich diese Zeilen schreibe, ist es ungefähr dreieinhalb Jahre her seit dem Geschehnis. Alles begann im Oktober 2018. Damals war ich als Sanitäter bei der Rettung tätig und absolvierte meinen neunmonatigen Zivildienst. Es war eine großartige Arbeit, welche mir immer wieder die Augen öffnete. Ich realisierte, dass es so vielen Menschen auf dieser Welt schlechter im Vergleich zu mir geht und diese ständig mit ihren Problemen zu kämpfen haben. Die Wehwehchen, über die wir immer jammern, sind nichts im Vergleich zu dem, was Menschen, die zum Beispiel täglich zur Dialyse oder sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, durchmachen müssen! Tag für Tag durfte ich interessante und teils erschreckende Geschichten der Betroffenen erfahren und lernte viele verschiedene Blickwinkel kennen, wie Menschen ihre Schicksalsschläge behandelten. Eine wahnsinnig lehrreiche und wichtige Zeit, welche mein Leben definitiv bereichert hat!

Parallel lernte ich in dieser Zeit einen sehr lieben Mann über eine Dating-Plattform kennen. Wir trafen uns, verstanden uns bestens und wie es das Schicksal so wollte wurden wir Anfang Dezember 2018 ein Paar. Dies war eine ganz neue Situation für mich, da es meine erste richtige Beziehung mit einem Mann war und ich selbst wenig Erfahrung hatte mit Beziehungen bzw. damals generell erst seit kurzem in der Szene aktiv war. Also ließ ich mich ganz und gar fallen und wartete, dass die Dinge auf mich zukamen. Mit einem Partner an der Seite ist es einfach wunderbar, man schenkt sich Vertrauen, ist füreinander da und baut sich ein gemeinsames Leben auf. Alles lief harmonisch und die Zeit verging wie im Flug.

Eine Beziehung umfasst sehr viele verschiedene Aspekte und in Partnerschaften spielt bei den einen Sexualität eine größere und bei den anderen eine kleinere Rolle. Wir zwei wussten, dass dies ein wichtiges Thema für uns sei, und dementsprechend mussten wir es gemeinsam auch so behandeln. Wenn es aber um Sexualität geht, so darf man Geschlechtskrankheiten nicht außer Acht lassen! Wie Sie wissen, Sex kann so wundervoll und leidenschaftlich sein, man lässt den Gefühlen freien Lauf und fühlt sich ganz und gar großartig. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Sex ebenso viele Gefahren bergen kann. Leider passiert es oftmals, dass das Thema Geschlechtskrankheiten untergeht und nie mit der Partnerin oder dem Partner behandelt wird, obwohl es so wahnsinnig wichtig ist. Mein damaliger Partner und ich waren zwar keine scheinheiligen Schafe und uns waren definitiv nicht alle Risiken bewusst, jedoch testeten wir uns beide auf HIV und führten eine monogame Beziehung. So vertrauten wir uns vor allem in diesem Aspekt sehr und ließen dementsprechend auch häufig das Kondom weg.

Ende Jänner 2019 wurde mein damaliger Partner schwer krank. Er bekam eine heftige ‘‘Grippe‘‘ mit allerlei Symptomen wie Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und er hatte rund 40° Fieber. Zuerst dachten wir uns nicht viel dabei und dass er sich schlicht und einfach wieder auskurieren müsse. Für uns war es nicht weiter besorgniserregend, da er bereits, seit mehr als einer Woche in seiner eisigen Wohnung schlafen musste. In demselben Zeitraum, wo sich alles abspielte, ist nämlich seine Heizung ausgefallen und die Temperaturen draußen waren unglaublich eisig. Das war somit die logischste Erklärung, weshalb er sich so eine starke “Grippe“ eingefangen hatte. Nachdem das Fieber nach drei Tagen noch immer nicht sank und schlimmer wurde, ließ ich ihn in meiner Wohnung schlafen, sodass er sich wieder erholen konnte. Weitere drei Tage hat es gedauert, bis er wieder einigermaßen fit war und wieder arbeiten gehen konnte. Irgendetwas war jedoch komisch. Das spürte er. Er erklärte mir, dass er sich nach dieser ‘‘Grippe‘‘ irgendwie merkwürdig fühlte, es war nicht zu vergleichen wie nach herkömmlichen Krankheitsphasen, die er bereits hinter sich hatte. So fühlte er sich noch nie.

Ein paar Tage später, als ich ihn wieder besuchte und wir einen schönen Abend miteinander verbringen wollten, zeigte er mir seine Brust. Darauf war ein eigenartiger roter Ausschlag zu sehen. Er selbst war ein bisschen besorgt, weil er nicht wusste, weshalb er diesen Ausschlag nun plötzlich hatte. Es sprach wieder nichts dafür in Panik zu geraten, da der Ausschlag womöglich eine Nachwirkung der ‘‘Grippe‘‘ war.

Weitere Tage vergingen. Der 5. Februar 2019, es war ein entspannter Dienstagabend, ich trainierte gerade und war total in meinem Element, als mir mein Exfreund plötzlich ein Bild sendete. Ich entsperrte mein Handy, öffnete den Messenger, downloadete das Bild und erkannte einen HIV-Schnelltest. Ich dachte mir im ersten Moment: “Na gut, was soll ich nun damit?“. Ich zoomte in das Bild hinein und dann erkannte ich es. Wie bei allen Antikörpertests wird auch ein HIV-Antikörpertest mit zwei Streifen ausgewertet. Den Test selbst erhält man in jeder Apotheke um rund 20 - 25€ und dieser liefert innerhalb von 20 Minuten ein Ergebnis. Hierbei ist wichtig, dass der Antikörpertest erst nach drei Monaten nach einem Risikokontakt verlässliche Ergebnisse liefert. Der erste Streifen des Tests, welcher normalerweise sofort sichtbar wird, nachdem die Probe hinzugefügt wurde, zeigt der Testperson an, ob der Antikörpertest gültig oder ungültig ist. Der zweite Strich gibt Aufschluss, ob der Test nun positiv oder negativ ausgefallen ist.

Nun hatten wir ein Problem. Der erste Streifen auf dem Antikörpertest meines Exfreundes war klar zu sehen, alles so weit so gut, jedoch konnte man den zweiten Streifen ebenso ganz leicht erkennen. Jetzt bahnte sich langsam, aber sicher, ein unwohles Gefühl in mir an. Ich merkte, dass irgendetwas in meine Komfortzone eingedrungen ist und meine Gelassenheit und positive Einstellung in den Abgrund ziehen wollte. Dies war eine gänzlich unbekannte Situation für mich.

Da stand ich nun in meiner Wohnung, ohne zu realisieren was eigentlich los war. Mein Handy begann daraufhin zu vibrieren. Ich starrte auf das Display, wartete kurz und nahm danach unsicher den Anruf entgegen, ohne zu wissen, was gleich passieren wird. Plötzlich hörte ich am anderen Ende der Leitung jemanden weinen. Es war mein Exfreund. Er war am Boden zerstört und konnte sich wegen seiner Angst und Trauer kaum mehr einkriegen. Wissen Sie, mein Exfreund ist damals vor zirka fünf Jahren aus seinem Heimatland geflohen, aufgrund seiner Homosexualität. Man mag es kaum glauben, dass so etwas möglich ist, jedoch werden in seinem Heimatland homosexuelle Menschen verfolgt, entführt, gefoltert, erfahren sexuelle Gewalt oder werden skrupellos von ihren Mitmenschen getötet. Und das alles, weil sie einen Menschen lieben, welcher das gleiche Geschlecht besitzt. Die Welt kann einfach so grausam sein! Sogar die Polizei, die normalerweise als Freund und Helfer angesehen wird, hilft dort queeren Menschen nicht. Vielmehr wirkt sie bei den Verfolgungen mit und verhaftet homosexuelle und lesbische Menschen eher als sie zu unterstützen…