Teufel Alkohol - Carl Betze - E-Book

Teufel Alkohol E-Book

Carl Betze

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Beschreibung

Viele Menschen bewegen sich mit ihrem Trinkverhalten am Rande der Alkoholabhängigkeit. Wie können diese Vieltrinker ihren Umgang mit dem Alkohol gesundheitsverträglich gestalten? Carl Betze befasst sich zunächst mit dem Phänomen der Suchtentstehung, der Rolle des Unterbewusstseins und psychischen Interventionsmöglichkeiten bei drohender Abhängigkeit. Er stellt Selbsttests zur Diagnose von Alkoholproblemen vor und diskutiert die Bedeutung von Sport, Ersatzdrogen und Naturwirkstoffen im Hinblick auf die Vermeidung alkoholinduzierter gesundheitlicher Schäden. Der Autor hinterfragt gesellschaftliche Phänomene, welche die Einhaltung von Trinkregeln erschweren und stellt spirituell motivierte Erklärungsansätze, den Alkoholkonsum betreffend, vor. Er beleuchtet das Phänomen temporären übermäßigen Alkoholkonsums in der Weihnachtszeit und in Zeiten einer Pandemie. Garniert mit Episoden aus der eigenen Trinkhistorie und stets mit einem klärt der Autor auf, macht Mut und verdeutlicht: Nicht nur das Trinkverhalten als solches, sondern die gesamten Lebensumstände des Vieltrinkers müssen derart umgestaltet werden, dass es nicht zwingend des Alkohols bedarf, damit er ausgeglichen, damit er glücklich ist. Und so den Alkoholkonsum gesundheitsverträglich gestalten kann.

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Seitenzahl: 353

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Carl Betze

Teufel Alkohol

(k)ein Plädoyer für das Trinken

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Teufel Alkohol

Vorwort

01 – Hoch die Tassen - Alkohol in der Gesellschaft

02 - Alkohol in Fakten und Zahlen

03 – was passiert, wenn wir Alkohol trinken?

04 – warum trinken wir Alkohol?

05 – Sucht und Alkoholismus

06 - Die Phantomsucht

07 - Sein statt Haben – die Alkoholkrankheit

08 - Selbstreflektion schlägt Selbsttest – bin ich Alkoholiker?

09 - Vorbilder und tragische Helden

10 - Die Enttarnung der Trinkfestigkeit

11 – Gesundheit und … weitere Gründe, den Alkoholkonsum zu reduzieren

12 – Ansätze zur Reduktion des Alkoholkonsums

13 - Die Macht des Unterbewusstseins

14 – Der Prozess der Veränderung innerer Überzeugungen

15 - Der Placebo-Effekt des Alkohols

16 – Her mit dem Zeug: Das Suchtgedächtnis

17 – Oh, wie wohl ist mir am Morgen – das Abstinenzgedächtnis

18 – Wer rastet, den dürstet's

19 – Laufen statt saufen

20 „Teetotal hunting“ - Abstinenz als Sport?

21 – GGT, GOT, GPT – alles ok?

22 - Rote Bete & Co. machen die Leber froh

23 - Leber-Jogging

24 - „Fastenzeit“

25 - Bier und Wein – auch 'ohne' fein?

26 – Ersatzdrogen

27 - Neue Homöopathie – Heilende Zeichen gegen den Alkohol

28 - Schluckspecht aus der Zwischenwelt

29 - Die Gesellschaft als Gegenpol

30 - Social drinking

31 – Ein weiterer Trinkertyp - der bewusste Vieltrinker

32 - Glück kann man nicht trinken – die Story hinter der Story

33 - Gesucht: Das Gleichgewicht hinter dem Alkohol

34 Trinkregeln und abstinent gelebte Tage - Selbstkasteiung für inneres Wachstum

35 – Wenn Sie Probleme bekommen – begleitende Maßnahmen

36 – Trivial aber effektiv: Ein paar praktische Ratschläge „to go“

37 - Deutschland im Corona-Rausch

38 - HoHoHo – nur leicht besäuselt sind wir froh

39 Eustress – fast wie ein Bier

40 – Absacker

41 - Brief an „Freund Alkohol“

42 - Bitte lesen!

Quellenverzeichnis

Impressum neobooks

Teufel Alkohol

Nach wie vor trinken viele von uns zu viel Alkohol. Weil sie nicht aufhören können oder wollen, Bier, Wein & Co. zu konsumieren. Alkohol kann der Gesundheit erheblich schaden. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, mit denen Vieltrinker das Risiko, durch ihr Trinkverhalten gesundheitliche Schäden zu erleiden, begrenzen können. Auch, wenn die Suchtproblematik, die Lebensumstände sowie gesellschaftliche Verhaltensweisen und Gepflogenheiten dieses Vorhaben oftmals erschweren.

Carl Betze zeigt, garniert mit Episoden aus der eigenen Trinkkarriere, Vieltrinkern auf sachliche aber durchaus auch humorvolle Art und Weise Wege auf, den Alkoholkonsum zu reduzieren und womöglich gesundheitsverträglich zu gestalten.

Der Autor, studierter Betriebswirt, war früher als Gruppenleiter im Controlling, Geschäftsführer einer Entsorgergemeinschaft und als Leiter der Seminarplanung in der Erwachsenenbildung tätig. Heute widmet er sich dem Schreiben von erzählenden Sachbüchern und Belletristik.

(k)ein Plädoyer für das Trinken

von Carl Betze

© / Copyright 2020 Carl Betze

Umschlaggestaltung, Illustration: Carl Betze

ISBN Paperback: 979-8789775288

ASIN: B09NZ9WRVH

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung oder Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar

Inhaltsverzeichnis

Dieses Buch schreibe ich primär für mich selbst, zudem für einen meiner besten Freunde, der sicher weiß, dass er gemeint ist...und für all' die Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Ich saach mir: „Nie mehr Alkohol“

(Ich sage mir: „Nie mehr Alkohol“)

Hey, wat häss du bloß met mir jemaat?(Hey, was hast Du bloß mit mir gemacht?)

Mich hätt dä Düvvel anjelaach(Mich hat der Teufel angelacht)

Ich han de Nas von dir jetz voll(Ich habe die Nase von Dir jetzt voll)

Ich dunn et nie mieh widder - bes zom nächste Mol

(Ich tue es nie mehr wieder – bis zum nächsten Mal)

„Nie mehr Alkohol“

Sessionshit der Kölner Mundartgruppe

„Paveier“ aus dem Jahr 2019

Vorwort

„Wenn Sie mit dem Trinken aufhören wollen, ist die erste Voraussetzung, dass Sie aus voller Überzeugung sagen: Ich will keinen Alkohol mehr trinken“.

In nahezu jedem Fernsehbericht, jedem Ratgeber, jedem Zeitungsartikel über den übermäßigen Konsum von Alkohol ist das der Satz, an dem ich zumindest stocke, oft sogar die das TV-Programm oder die Lektüre beende.

Denn DAS würde ich nie sagen, zumindest würde ich, und das ist das Wesentliche, niemals so empfinden.

Auf den Alkohol, das heißt in meinem Fall auf mein heiß und innig geliebtes Bier, zudem auf ein Gläschen Wein ab und an, für den Rest meines Lebens verzichten – undenkbar. Weder auf den Geschmack noch auf die euphorisierende Wirkung, die ich in Grenzen immer genossen habe.

Viele Menschen neigen dazu, ihre Trinkgewohnheiten und die daraus resultierenden Probleme zu verharmlosen.

Dabei gehen Alkoholprobleme durch alle sozialen Schichten.

Der Arbeiter in der Fabrik kann genau so betroffen sein wie der Richter oder der Unternehmer, der Arzt und der Pilot, der Millionär und der Obdachlose, die Hausfrau oder die Chefsekretärin.

Denken Sie kurz an Ihr Umfeld, an Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen, ...sich selbst?

Wie lange brauchen Sie, bis Ihnen jemand einfällt, der auffällig viel trinkt, der womöglich ein Alkoholproblem hat?

Alkohol entspannt, er hilft beim Einschlafen, er macht gelöster, optimistischer, euphorischer,…glücklicher.

Nur: da ist ja noch ein anderer Aspekt, die viel zitierte Kehrseite der Medaille.

Alkohol, in den Mengen, in den ich ihn konsumiere, ist, ohne Wenn und Aber, gerade der Vieltrinker neigt dazu, diesen Aspekt immer wieder zu verharmlosen, erwiesenermaßen extrem gesundheitsschädlich und kann zu gravierenden körperlichen Beeinträchtigungen führen.

Menschen wie mir, in der gängigen Literatur oft als „Vieltrinker“ und damit auch als „alkoholgefährdet“ bezeichnet, würde sicherlich beinahe jeder Arzt und noch mehr jeder Suchttherapeut unmissverständlich nahelegen, auf alkoholische Getränke konsequent zu verzichten.

Da es mir kaum möglich erscheint, Bier und Wein ein für alle Mal abzuschwören, ich mich jedoch ebenso wenig ganz meinem Gusto entsprechend und ohne Selbstbeschränkung dem Alkohol hingeben darf, muss es einen anderen Weg geben – und zwar den, nicht auf den Konsum von Alkohol zu verzichten, sondern mit ihm, im schlechtesten Fall im Grenzbereich zwischen „gerade noch vertretbar“ und „gesundheitsschädlich“, gesundheitsverträglich umgehen zu können.

Diesen will ich im Folgenden beschreiben.

„Teufel Alkohol – (k)ein Plädoyer für das Trinken“ richtet sich an all' diejenigen Alkoholkonsumenten, die wie ich irgendwo in der Mitte zwischen Vieltrinken und drohender Abhängigkeit stehen.

An Menschen, die nicht aufhören können, zu trinken, und an jene, die nicht mit dem Trinken aufhören wollen.

Die sich ein Leben ohne Alkohol gar nicht vorstellen möchten, aber abgesehen vom überhöhten Alkoholkonsum alles dafür zu tun bereit sind, ihre Leidenschaft für, Bier, Wein & Co. gesundheitlich unbeschadet zu überstehen.

Das Buch soll aufzeigen, wie mit einfachen, leicht verständlichen und doch wirkungsvollen Mitteln und Denkanstößen ein Weg gefunden werden kann, mit dem Alkohol womöglich gesundheitsverträglich umzugehen, ohne völlig auf ihn verzichten zu müssen.

Es beinhaltet eine Kombination aus theoretisch-wissenschaftlichem Hintergrund zum Thema Alkohol, Episoden aus der Alkoholkarriere des Autors und dem daraus entwickelten möglichen Ausweg in Richtung eines gesundheitsverträglichen Trinkens.

Oft werden Menschen, die wie ich in anhaltender Regelmäßigkeit größere Mengen Alkohol zu sich nehmen, als Alkoholiker bezeichnet.

Eine eindeutige Definition dieses Begriffes erscheint schwer möglich, an anderer Stelle gehe ich ausführlich auf dieses Thema ein.

Fakt ist: selbst mit meinen nunmehr gemäßigten Trinkgewohnheiten gehöre ich nach wie vor zum stark suchtgefährdeten Personenkreis, für den gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge des Alkoholkonsums nicht auszuschließen sind. Dessen bin ich mir vollends bewusst.

Für Menschen wie mich jedoch, die schon Phasen erlebt haben, in denen sie wesentlich öfter und deutlich mehr getrunken haben, stellt die mit dem in diesem Buch dargestellten Ansatz erreichbare Situation unzweifelhaft einen großen Fortschritt dar, mit dem die Trinkmengen deutlich reduziert werden können und eine Kontrolle über den Alkoholkonsum in Form eines womöglich noch gesundheits-verträglichen Trinkens erreicht werden kann.

Zudem kann das von mir im Folgenden beschriebene Trinkkonzept auch als Zwischenschritt auf dem Weg zur Erreichung der weiteren Reduzierung der Trinkmengen oder auch des Totalverzichts auf alkoholische Getränke genutzt werden.

Sie werden feststellen, dass, sobald eine Stabilisierung der Trinkgewohnheiten erst einmal erreicht ist, der Weg hin zu weiter sinkenden Trinkmengen durchaus möglich und darüber weniger steinig als angenommen erscheint.

Manch' ein Leser mag es für unverantwortlich halten, kontinuierlichen Alkoholkonsum zu befürworten, manch' einer wird mir vorwerfen, dass ich mir und meinen Lesern mit meinem Buch einen Freifahrtschein zum Alkoholkonsum ausstelle - dies ist mitnichten meine Intention.

Ich rate jedem Betroffenen, wenn möglich komplett auf den Alkohol zu verzichten oder aber den Genuss von Bier, Wein und Schnaps auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Ich plädiere keinesfalls für das Trinken als solches, sondern stelle mit meinem Ansatz lediglich eine „second-best-Lösung“ für diejenigen suchtgefährdeten Menschen vor, die nicht völlig auf den Konsum alkoholischer Getränke verzichten können oder wollen.

Eine Lösung, die immer noch besser ist als tagtäglich unkontrolliert Alkohol zu trinken und darüber hinaus die Rahmenbedingungen für ein mit der Gesundheit kompatibles Trinken zu vernachlässigen.

Mir ist dabei durchaus bewusst, dass mein Konzept zum gesundheitsverträglichen Trinken funktionieren kann, aber keinesfalls muss!

Ich habe mich nach langem Hin und Her dafür entschieden, dieses Werk unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.

Weil die intimen Details, die ich an manchen Stellen über mein Trinkverhalten preisgebe, den ein' oder anderen lieben Menschen in meinem Umfeld höchst irritieren würden.

Und weil auch das Kontrollierte Vieltrinken immer noch ein Tabuthema ist, in der Gesellschaft eher missbilligt als akzeptiert. Es wäre schön, wenn mein Werk daran etwas ändern könnte.

Für mich ist dieses Buch das Ergebnis meiner erfolgreichen Selbsttherapie.

Denn die umfangreiche Recherche zum Thema Alkohol und die Entwicklung meiner Verhaltensregeln im Umgang mit der Droge haben es mir ermöglicht, auch weiterhin gemäßigt und das in bisher gesundheitsverträglicher Form Alkohol zu trinken.

Ich will MIT Alkohol leben – und das möglich lange.

Ich wünsche meinen Lesern, dass Ihnen dies auch gelingen möge!

Köln, im März 2020

Peter Wolff

01 – Hoch die Tassen - Alkohol in der Gesellschaft

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, betrinken wir uns einfach“

Der Genuss von Alkohol hat in vielen Kulturen einen festen Platz. Kein Wunder, war doch der Umgang mit Alkohol bereits in früheren Zeiten etwas völlig Normales. Eine Art Ur-Bier soll es zum Beispiel schon vor mehr als 8.000 Jahren gegeben haben, als Nebenprodukt des Getreideanbaus. Vermischt man Getreide nämlich mit Wasser, beginnt die Flüssigkeit schon kurze Zeit später zu gären und erreicht bis zu 2% Alkoholgehalt.

Auch der Weinbau wird bereits seit mehreren Tausend Jahren betrieben. Das antike Griechenland und das Römische Reich waren Weinkulturen. Hochprozentiges gibt es wahrscheinlich seit etwa 1.000 Jahren. Wegen der komplizierten Herstellung war es aber lange Zeit den Reichen vorbehalten. Die Ursprünge der heute bekannten Spirituosen liegen im Europa des 16. Jahrhunderts.

Die berauschende Wirkung des Alkohols konnten auch die ersten Konsumenten erleben. Wie und warum Alkohol wirkt, wussten sie nicht. So gab es viele Mythen rund um Alkohol und ihm wurden sowohl positive als auch negative Eigenschaften zugeschrieben.

Negative gesundheitliche Folgen waren dabei allerdings lange kein Thema. Biersuppe galt im Mittelalter als gesund und Hochprozentiges wurde gegen die Pest eingesetzt. Bis ins letzte Jahrhundert waren sich Ärzte und Wissenschaftler uneinig darüber, ob Alkohol eher hilft oder doch schadet. Einerseits vermutete man eine stärkende, sogar heilende Wirkung und andererseits beobachtete man die Folgeschäden. Und noch heute trinken wir auf unsere Gesundheit, obwohl wir die Risiken längst kennen.

Den Menschen in der Antike und im Mittelalter hat Alkohol sicher genauso geschadet wie uns, und zu jeder Zeit gab es Alkoholgegner. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich aber die Mäßigkeits- und Abstinenzbewegung. Übermäßiger Alkoholkonsum wurde in den folgenden Jahrhunderten immer mehr als Gefahr für die Gesellschaft wahrgenommen. Teilweise wurden Alkoholiker zu Verbrechern erklärt und in Zuchthäusern weggesperrt.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verbreitete sich der sogenannte „Elendsalkoholismus“, der große Teile der armen Bevölkerung betraf. Der Umgang mit Alkohol wurde zu einem massiven Problem. Berauscht waren die die langen und anstrengenden Arbeitstage in der Fabrik für viele besser zu ertragen. Die meisten Arbeitgeber erlaubten nicht nur Alkohol am Arbeitsplatz, sondern gaben sogar einen Teil des Lohns in Form von Hochprozentigem aus. Die Gewerkschaften erkannten die Gefahr für die Arbeiterschaft und entwarfen bald Beschlüsse gegen den Verkauf von Alkohol am Arbeitsplatz.

Inzwischen hatte man auch die gesundheitlichen Folgeschäden andauernden Alkoholkonsums entdeckt. Unter Medizinern reifte die Auffassung, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Offiziell ist er das in Deutschland allerdings erst seit einem Beschluss des Bundessozialgerichts im Jahr 1968. Seitdem werden die Kosten für eine Behandlung von der Kranken- oder Rentenversicherung getragen.

Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol hat sich in den vergangenen Jahrhunderten und wahrscheinlich Jahrtausenden immer wieder geändert. Das Thema wurde ignoriert, erforscht, alkoholkranke Menschen wurden als Sünder oder Verbrecher abgestempelt und immer wieder wurde postuliert, dass weniger Alkohol uns guttun würde (01).

Trotzdem sind viele gesellschaftliche Rituale bis heute eng mit dem Konsum alkoholischer Getränke verbunden: Geburtstage, Hochzeiten, sportliche Siege und berufliche Erfolge – wo gefeiert wird, gehört Alkohol oft selbstverständlich dazu.

Alkohol steht für Lebensfreude – auch, wenn sein Konsum noch so viele Gefahren birgt.

Auch die zunehmende Aufklärung der Bevölkerung über Risiken und mögliche Folgen eines regelmäßigen Alkoholkonsums tut der Begeisterung für alkoholische Getränke in der Gesellschaft kaum einen Abbruch.

„Man gönnt sich ja sonst nichts“ - in Maßen genossen, ist gegen den Genuss alkoholischer Getränke nichts einzuwenden.

Leider jedoch ist das Maßhalten in puncto Alkohol nicht des Deutschen liebstes Kind, wie wir bei der Betrachtung von Zahlen und Fakten rund um den Alkoholkonsum in diesem unserem Lande im nächsten Kapitel unschwer feststellen werden.

02 - Alkohol in Fakten und Zahlen

„Alkohol trinke ich nur an Tagen, die mit -g aufhören. Und mittwochs“

Im Jahr 2016 trank ein Drittel der Weltbevölkerung gelegentlich oder regelmäßig Alkohol, der Anteil bei den Frauen betrug 25 Prozent, bei den Männern 39 Prozent.

Am weitesten verbreitet ist der Alkoholkonsum in Dänemark mit 97 Prozent bei Männern und 95 Prozent unter Frauen. Dagegen sind erwartungsgemäß in islamischen Ländern die allermeisten Menschen abstinent.

Deutschland belegt mit einer Prävalenz von 94 Prozent (Männer) und 90 Prozent (Frauen) jeweils den vierten und dritten Platz.

Am höchsten ist der Konsum unter Männern in Rumänien mit 82 Gramm am Tag gefolgt von Portugal (72 g/d), Luxemburg, Litauen, Ukraine, Bosnien, Weißrussland, Estland, Spanien und Ungarn (siehe nachfolgende Grafik).

Frauen trinken am meisten in der Ukraine mit 42 g pro Tag, auf den weiteren Plätzen folgen Andorra, Luxemburg, Weißrussland, Schweden, Dänemark, Irland und Großbritannien.

Hierzulande trinken Männer im Schnitt 40 g Alkohol pro Tag, also umgerechnet zwei Flaschen Bier. Damit schaffen sie es nicht mehr unter die Top-Ten beim weltweiten Konsum. Einheimische Frauen belegen mit einer durchschnittlichen Menge von 29 g weltweit Platz 9 (02).

Trotzdem ist Deutschland nach wie vor ein sogenanntes Hochkonsumland.

Im internationalen Vergleich bewegen wir uns im oberen Drittel, konsumieren wir doch jährlich 105,9 Liter Bier, 20,5 Liter Wein, 5,4 Liter Spirituosen und 3,7 Liter Sekt.

Der Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in der Bundesrepublik betrug im Jahr 2016 133,8 Liter. Eine Badewanne voll alkoholischer Getränke...

Das entspricht 9,5 Liter reinem Alkohol.

Stolze 96,4 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken Alkohol.

Etwas älter als 16 Jahre sind Jugendliche in Deutschland, wenn sie ihren ersten Alkoholrausch erleben, der Schnitt ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Den ersten Alkohol gibt es durchschnittlich etwa ein Jahr früher.

Statistiken zeigen dabei deutlich: Männer trinken mehr und riskanter Alkohol als Frauen.

Der riskantere Umgang von Männern mit Alkohol lässt sich unter anderem mit gesellschaftlichen Rollenbildern erklären: Die Verknüpfung zwischen hohem Alkoholkonsum und Männlichkeit ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Der Konsum von Spirituosen war beispielsweise lange Zeit Männern vorbehalten.

Der alte Spruch „Ein richtiger Mann muss schon ein paar Gläser vertragen können“ hält sich beharrlich, allen warnenden Zeigefingern zum Trotz. „Trinkfest“ zu sein gilt bei vielen immer noch als Statussymbol. Wenig oder keinen Alkohol zu trinken wird dagegen oft als „unmännlich“ bewertet.

Alkohol hat in Männergruppen oft die Funktion, eine Gemeinsamkeit zu schaffen: Es werden die gleichen Getränke bestellt und gemeinsam bis zum Rausch getrunken. Männer neigen stärker als Frauen im Rausch dazu, „Macht“ zu demonstrieren, zum Beispiel indem sie sich mit anderen in Trinkspielen und Mutproben messen oder gegen Regeln verstoßen. Das ist auch eine Erklärung dafür, dass Männer häufiger unter Alkoholeinfluss Unfälle verursachen oder Schlägereien anzetteln.

Auch in der Werbung werden häufig männliche Rollenbilder aufgegriffen, attraktiv in Szene gesetzt und mit dem Produkt Alkohol verknüpft. Ein gewaltiges Werbebudget sorgt hier dafür, dass die gedankliche Verbindung zwischen Männern und Alkohol gestärkt wird. Eine Studie über Alkoholwerbung im deutschen Fernsehen ergab, dass ein Großteil der Darsteller in der Werbung für alkoholische Getränke männlich ist. Vor allem in der Bierwerbung setzt die Industrie auf Männer.

Alkohol reduziert Hemmungen, dämpft Ängste und erhöht die Risikobereitschaft – kein Wunder also, dass manche sich stärker fühlen, wenn sie etwas getrunken haben. Auch das gemeinsame Trinken in der Gruppe trägt zu diesem „Machtgefühl“ bei.

Frauen trinken anders als Männer, auch wenn sich Männer und Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen einander angenähert haben. Statistiken zeigen, dass Frauen seltener zu alkoholischen Getränken greifen und auch geringere Mengen konsumieren.

Dass Frauen beim Thema Alkohol zurückhaltender sind als Männer, hat auch etwas mit gesellschaftlichen Rollenbildern zu tun. Lange war es vor allem in der Öffentlichkeit verpönt, als Frau Alkohol zu trinken. Auch Spirituosen tranken früher fast ausschließlich Männer. Frauen konsumierten hochprozentigen Alkohol vor allem in Form von „Hausmitteln“ („Kräuterschnaps“), denen eine medizinische Wirkung zugeschrieben wurde.

Während hohe Trinkmengen bei Männern oft männlich und damit positiv bewertet werden oder weniger auffallen, gelten viel trinkende Frauen schnell als „unweiblich“ oder „billig“. Daher ist es verständlich, dass sich viele Frauen beim Alkohol stärker kontrollieren als Männer.

Für Frauen gibt es gute Gründe dafür, sich beim Alkoholkonsum nicht am Verhalten von Männern zu orientieren, denn die gleiche Menge Alkohol lässt bei Frauen den Promillewert stärker ansteigen als bei Männern. Denn Frauen sind im Allgemeinen leichter und ihr

Körperflüssigkeitsanteil ist niedriger.

Außerdem bauen Frauen Alkohol langsamer ab. Deshalb sind Frauen schneller und wegen des verlangsamten Abbaus auch länger in einem für sie riskanten Bereich.

Viele wissenschaftliche Studien haben zudem ergeben, dass Frauen sensibler auf das Zellgift Alkohol reagieren. Deshalb liegen bei ihnen die Grenzen für risikoarmen Alkoholkonsum niedriger als bei Männern (03).

Alkohol ist ein prosperierender Wirtschaftsfaktor.

Im Jahr 2016 betrugen die staatlichen Einnahmen aus Bier-, Schaumwein- und Spirituosensteuer 3,165 Milliarden Euro. Auf Wein wird in Deutschland keine Steuer erhoben.

Die Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in TV, Rundfunk, Plakatwerbung und Zeitungen/Zeitschriften betrugen 2016 rund 557 Millionen Euro.

Es wird immer günstiger, sich in einen Rauschzustand zu versetzen: Innerhalb der letzten 40 Jahre sind alkoholische Getränke im Vergleich zur sonstigen Lebenshaltung um 30 Prozent billiger geworden. Dabei sanken die Verbraucherpreise für Wein um 38 Prozent, für Spirituosen um 33 Prozent und für Bier um 26 Prozent.

Über 90% der deutschen Bevölkerung trinken Alkohol (04).

Jeder siebte Erwachsene trinkt dabei des Guten zu viel (05).

Die Folgen des hohen Alkoholkonsums in der deutschen Bevölkerung schlagen sich dabei leider auch in Statistiken nieder, die man gern vernachlässigt, wenn man über Alkohol spricht.

Jährliche Schätzungen für Deutschland belaufen sich auf etwa 74.000 Todesfälle, die durch riskanten Alkoholkonsum oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak verursacht werden.

Rund 1,77 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sind alkoholabhängig.

Beinahe ebenso viele, nämlich 1,61 Millionen Männer und Frauen in derselben Altersgruppe trinken missbräuchlich Alkohol und stehen damit oft kurz vor der Abhängigkeit.

Die direkten und indirekten Kosten alkoholbedingter Krankheiten werden pro Jahr auf 40 Milliarden Euro geschätzt.

Die WHO bringt rund 200 Krankheiten mit Alkoholkonsum in Verbindung, darunter Leberzirrhose und einige Krebsarten. In dem 500-seitigen Bericht heißt es zudem, Alkoholkonsum mache Menschen anfälliger für Krankheiten wie Tuberkulose, HIV und Lungenentzündungen (06).

Überhöhter Alkoholkonsum wirkt sich zudem auch auf andere Statistiken negativ aus.

So ereigneten sich in 2016 insgesamt 13.403 Alkoholunfälle mit Personenschaden in Deutschland. Bei diesen Unfällen starben 225 Menschen, 16.770 Personen wurden verletzt.

Und die Kriminalstatistik sagt aus, dass anno 2016 insgesamt 242.494 Tatverdächtige ihre Tat unter Alkoholeinfluss begangen. Das sind stolze 10,3 Prozent aller potenziellen Unholde (07).

Laut WHO trinken 2,3 Milliarden Menschen weltweit Alkohol – in Amerika, Europa und im Westpazifik sind es mehr als die Hälfte der Einwohner. Europa weist die höchste Zahl der Alkoholkonsumenten auf.

Mit Blick auf den weltweiten Alkoholkonsum rechnet die WHO mit einem Anstieg in den kommenden zehn Jahren, insbesondere in Südostasien, im Westpazifik und auf dem amerikanischen Kontinent.

Damit einhergehen werde vermutlich auch ein Anstieg der alkoholbedingten Krankheiten und Todesfälle (08).

03 – was passiert, wenn wir Alkohol trinken?

„Als ich von den schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich es sofort auf – das Lesen“

Der Mensch als solcher ist ein hochgradig komplexes, vielschichtiges System.

Greift man in dieses ein, indem man dem Körper man die Droge Alkohol zuführt, bewirkt dies unweigerlich eine ganze Reihe von Reaktionen.

Wenn von Alkohol gesprochen wird, ist meist Ethanol (oder veraltet „Äthylalkohol“) gemeint. Es gibt auch andere Alkohole, wie Methanol oder Glykol, diese sind jedoch hochgiftig und nicht trinkbar. Alkohol entsteht durch Gären von Fruchtzucker oder anderen zuckerhaltigen Rohstoffen, wie Kartoffeln, Getreide oder Mais (09).

Die Droge Alkohol, also die einfach strukturierte chemische Substand Ethanol mit der Summenformel C2H5OH ist eine farblose Flüssigkeit. Der Ethanolgehalt alkoholischer Getränke schwankt zwischen 2-3% (Leichtbiere) und 80% (manche Rumsorten). Als alkoholfrei gelten Getränke mit weniger als 0,5% Vol. Ethanol-Gehalt.

Alkohol wird von den Schleimhäuten schnell resorbiert. Die geringsten Mengen werden über die Mundschleimhaut aufgenommen, mehr im Magen, die Hauptmenge im Dünndarm. Geringe Mengen Alkohol können schon zehn Minuten nach dem Trinken resorbiert sein. Höher konzentrierte Alkoholika werden dabei schneller aufgenommen als solche mit geringem Ethanolgehalt. Dreißig bis sechzig Minuten nach dem Trinken ist der höchste Blutalkoholspiegel erreicht, sechzig bis neunzig Minuten nach dem letzten Schluck ist die Verteilung des Alkohols im Körper abgeschlossen.

Alkohol kann im Körper nicht gespeichert werden, er wird durch Oxidation abgebaut. Endprodukte des Alkohols sind Kohlendioxid (CO2) und Wasser. Die Hauptmenge wird in der Leber abgebaut, meist eine Anzahl von speziellen Isoenzymen (10).

Auch, wenn der Körper Alkohol nicht speichern kann – bereits das kurze Verweilen der Substanz im menschlichen Organismus kann gravierende Auswirkungen haben.

In Maßen genossen – ein Getränk pro Tag für Frauen und zwei für Männer – hat Alkohol dabei ein paar überraschende gesundheitliche Vorteile.

Viele Studien haben gezeigt, dass der moderate Alkoholgenuss sowohl Männer als auch Frauen zu 25-40% vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Das gilt natürlich nicht, wenn Sie bereits an einer Herzerkrankung leiden.

Laut Harvards School of Public Health erhöhen moderate Alkoholmengen den Anteil von high-density lipoprotein oder Lipoprotein hoher Dichte (HDL) – auch „gutes“ Cholesterin genannt – und hohe HDL-Werte stehen im Zusammenhang mit einem besseren Schutz vor Herzerkrankungen. Wer hätte das gedacht?

Gemäß einer niederländischen Studie kann ein moderater Alkoholgenuss das Risiko für Diabetes Typ 2 um 30% senken.

Abstinenzler und Komasäufer haben dagegen ein höheres Risiko als diejenigen, die in Maßen trinken.

Vielleicht sollten Sie auch mal in der Kneipe vorbeischauen, wenn eine Erkältung im Anzug ist.

Wenn Sie Bier oder Wein in Maßen trinken – diese alkoholischen Getränke enthalten viele Polyphenole – stärken Sie das Immunsystem und können so weniger anfällig für Infektionen sein. So Erkenntnisse des Department of Metabolism and Nutrition in Madrid für diese Erkenntnisse. Leider kann man mit Alkohol keine Erkältung kurieren, aber er kann sehr wohl die Symptome abschwächen (11).

Genug Gründe, um regelmäßig zu bechern, könnte man meinen. Nur: es gibt leider auch negative Begleiterscheinungen des Alkoholkonsums, und derer sind da mehr als genug.

Fangen wir oben – im Kopf - an. Und hier wird es bereits dramatisch: Alkohol zerstört Gehirnzellen.

Bei jedem Besäufnis sterben Millionen von Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Bei starken Trinkern können Pathologen deutlich erkennen, wie stark das Gehirn geschrumpft ist.

Selbst der Genuss eines Bieres tötet bereits bis zu 100.000 Gehirnzellen, da der Alkohol die Zelltotprogrammierung manipuliert. Was dazu führt das der Prozess des Zelltods immens beschleunigt wird. Nach einem Vollrausch können sogar 10.000.000 Gehirnzellen absterben. Vor allem die Bereiche im Gehirn die sich um das soziale Verhalten und das Verantwortungsbewusstsein kümmern, sind stark vom Alkohol betroffen.

Alkohol verbreitet sich dank seiner Wasser- und Fettlöslichkeit schnell im Hirngewebe und führt zu einer akuten Veränderung der Hirndurchblutung. So beeinflusst der Alkohol biochemische Prozesse

im Gehirn in verschiedenen Bereichen (12).

Alkohol wirkt auf das Nervensystem ein, insbesondere

über die Neurotransmitter. Diese sind Botenstoffe, welche auf chemischem Wege die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen vermitteln, die Nervenzellen somit erregen oder hemmen. Im weitesten Sinne gehören die Neurotransmitter zu den Hormonen (13).

Alkohol besitzt die Fähigkeit, die chemische Zusammensetzung von Neurotransmittern zu imitieren. Die Rezeptoren halten ihn für einen Neurotransmitter und schütten deshalb Dopamin aus, eine Substanz, die eine Vorstufe von Adrenalin und Noradrenalin ist.

Haarfeine Blutgefäße verteilen die Alkoholmoleküle über das gesamte Gewebe. Treffen Alkoholmoleküle auf einzelne Nervenzellen, setzen sie sich begierig auf deren Fetthülle. Der Alkohol entfaltet seine Fettlösekraft und verursacht eine biochemische Kettenreaktion. Die angegriffenen Zellen schütten das euphorisierende Hormon Dopamin aus. Benachbarte Zellen im Gehirn nehmen das Dopamin über spezielle Rezeptoren auf. Das ist der Startschuss für ein wahres Feuerwerk an Glücksgefühlen: Weitere Botenstoffe werden ausgeschüttet – für das zentrale Nervensystem ein rauschhafter Zustand (14).

Dopamin verstärkt Gefühle von Wohlbefinden, Glück, Freude und Zuversicht und signalisiert, dass wir unserem Körper etwas gutes tun. Auch Nikotin, ein leckeres Essen oder guter Sex lösen solch' eine Dopaminausschüttung aus.

Diese Ausschüttung führt im Gehirn vorübergehend zu einer Stressminderung, der Betroffene fühlt sich wohl, ist entspannt, manchmal sogar regelrecht glücklich.

Der Verzehr auch relativ kleiner Mengen alkoholischer Getränke zeigt schon nach recht kurzer Zeit Wirkungen, Schon ab einem Blutalkoholspiegel von etwa 0,5% wird die Stimmung euphorisch, Euphorie und Optimismus machen sich breit, Ängste lassen nach.

Habe ich die ersten zwei Flaschen Bier geleert, fühle ich mich einfach besser, ausgeglichener, optimistischer,...glücklicher.

Ich freue mich NOCH mehr auf bevorstehende Ereignisse wie einen Urlaub, meine Wohnung erscheint mir NOCH gemütlicher, das Spielen mit meinem 4beinigen Freund bereitet mir NOCH mehr Freude, die Beziehung zu meiner bezaubernden Ehefrau wirkt auf mich NOCH erfüllender.

Schon geringe Mengen Alkohol bewirken zudem, dass der Trinkende aktiver wird, es kommt zu verstärktem Rededrang und eventuell zu überschießenden motorischen Reaktionen, da der Trinkende zunehmend rücksichtslos wird und sich überschätzt.

Die Stimmung geht dann oft in Gereiztheit, Aggressivität und Enthemmtheit über, bisweilen auch in Depressivität.

Wer kennt nicht aus eigener Erfahrung oder vom Hörensagen Geschichten über wüste Kneipenschlägereien, wenn im Rahmen eines heftigen Zechgelages ein Wort das andere ergibt und, oft, weil man der Worte nicht mehr fähig ist, eine körperliche Auseinandersetzung die Folge ist.

Auch in den heimischen vier Wänden geht ein oft durch Belanglosigkeiten entstandener Streit vielfach mit dem Konsum von Alkohol einher.

Für Menschen mit depressiver Veranlagung verstärkt sich durch den Einfluss des Alkohols, subjektiv betrachtet, dass Problem, das man mit gerade eben diesem doch eigentlich hatte bekämpfen oder betäuben wollen.

Trinkt man relativ geringe Mengen Alkohol, hält der dadurch bewirkte Rauschzustand nur kurze Zeit an, der Abfall der Dopaminkonzentration führt zu einem Zustand der Verstimmung.

Dann werden nicht mehr Glücksgefühle vermittelt, sondern das Gegenteil und so wird von neuem Alkohol getrunken, so dass es wieder zu einer Dopaminausschüttung kommt (15).

Vom Rauschstadium spricht man ab einem Blutalkoholwert von etwa 1 bis 2‰. Funktionen wie die Reaktionsfähigkeit und das Gleichgewicht sind bereits stark beeinträchtigt, Emotionen und Verhalten verändern sich. Man wird zunehmend verwirrt und verliert die Orientierung. Es setzen Stimmungsschwankungen und Schläfrigkeit ein. Größere Mengen Alkohol führen zu Übelkeit und Erbrechen.

Wird zu viel getrunken, schlägt der positive Effekt, verbunden mit geringen Trinkmengen, ins Gegenteil um, aller Zauber ist verflogen, die Wirklichkeit nur noch ein Zerrspiegel. Und das passiert im Gehirn: Die Nervenzellen fahren ihre Andockstellen für das Dopamin ein und der „Glücksstoff“ prallt von den Zellwänden ab (16). Den Betroffenen beschleicht zunehmend Müdigkeit, er kann seine Bewegungen nicht mehr kontrollieren und wird bisweilen unzurechnungsfähig.

Die biochemische Wirkung des Alkohols ist demnach biphasisch: zunächst bzw. in kleinen Dosen wirkt er eher aktivierend, später hemmend.

Die Wirkung des Alkohols ist dabei individuell unterschiedlich, was wahrscheinlich genetisch bedingt ist. Außerdem beeinflussen Stimmungslage, Erwartungshaltung und andere psychologische Bedingungen die Wirkung des Alkohols (17).

Im Betäubungsstadium mit etwa 2 bis 3‰ sind die Störungen der allgemeinen Funktionen sehr ausgeprägt. Ein Reaktionsvermögen zum Beispiel ist kaum noch vorhanden.

Ab einem Blutalkoholwert von 3‰ kann eine Alkoholvergiftung eintreten, eine erwachsene Person bewusstlos werden und ins Koma fallen. Die Körpertemperatur ist dann bereits deutlich gesunken, die Atmung schwach, und es kann zu Atemnot bis hin zu Atemlähmung kommen, was tödliche Folgen haben kann (18).

Alkohol beeinflusst den Organismus durch eine Veränderung des Stoffwechsels. Es kommt zu einer erhöhten Energiezufuhr, da der Alkohol eine nicht unerhebliche Anzahl an Kalorien aufweist. Langfristig ist deshalb oft eine Gewichtszunahme des Trinkenden die Folge.

In den kurzen Phasen meines Lebens, in denen ich regelmäßig von morgens bis abends Alkohol getrunken habe, musste ich feststellen, dass auch bei regelmäßiger sportlicher Betätigung und einer vorwiegend durchaus gesunden und ausgewogenen Ernährung nach einem gewissen Zeitraum des Trinkens das optische Erscheinungsbild den starken Alkoholkonsum durchaus erahnen lässt. Glasige Augen, ein fülliges Gesicht, deutlicher Ansatz eines Bierbauchs.Eine Flasche Bier (0,5l) hat nun einmal ca. 250kcal, die sich auf Dauer nicht verleugnen lassen.

Auch die Aufnahme von Nährstoffen wird durch den Alkohol beeinflusst, er hat Einfluss auf den Eiweiß-, Fett-, Vitamin- und Mineralstoffwechsel sowie auf die Bildung von Stoffwechselprodukten wie zum Beispiel Acetaldehyd.

So wird die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen durch den Verzehr alkoholhaltiger Getränke negativ beeinflusst, was zu Mangelerscheinungen führen kann (19).

Zudem führt die regelmäßige und überhöhte Aufnahme von Alkohol zu Veränderungen von physiologischen Funktionen des Organismus: Die Durchblutung verändert sich, der Blutdruck steigt, der Blutzuckerspiegel erhöht sich (20).

Ferner fördert Alkohol die Harnausscheidung, heißt, er entzieht dem Körper Wasser, was zur unangenehmen Folgeerscheinung des „Katers“, also durch übermäßigen Genuss von Alkohol bedingter Kopfschmerzen, führt (21).

Die Aufnahme von Alkohol hat starken Einfluss auf die menschlichen Sinne, die sensorischen Funktionen: Das Seh- und Hörvermögen wird beeinträchtigt, was im Straßenverkehr oft dramatische Auswirkungen hat und zu alkoholbedingten Unfällen führen kann (22).

Die intellektuellen Leistungen und die Kreativität verschlechtern sich, ebenso das logische Denken und die Gedächtnisleistung.

Bisweilen kommt es zum „Filmriss“, man kann sich an bestimmte Vorfälle oder sogar längere Zeitabschnitte nicht mehr erinnern (23).

Soviel zu den kurzfristigen Auswirkungen des übermäßigen Alkoholkonsums.

Darüber hinaus existieren eine Vielzahl eher langfristig auftretender klinischer Folgewirkungen.

Die Spätfolgen des Dauerkonsums alkoholischer Getränke sind am ganzen Körper ablesbar. Alkohol wird über die Leber abgebaut, bei übermäßigem Konsum ist diese der Aufgabe nicht mehr gewachsen und erkrankt. Schon bei 40-60 Gramm reinen Alkohols täglich ( 4-6 Gläser 0,1l Wein oder Gläser 0,25l Bier) ist das Risiko für eine Leberzirrhose sechsmal höher als bei einem Abstinenzler, bei der doppelten Trinkmenge steigt es schon auf das vierzehnfache. Das sind die Werte für Männer, bei Frauen treten diese Folgen schon bei der Hälfte der konsumierten Menge ein.

Oft ist auch der Magen-/Darmtrakt betroffen. Die Schleimhäute in Magen und Dünndarm entzünden sich durch den Alkohol und werden durch diesen geradezu perforiert. Das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse steigt schon bei einem Konsum von 20 Gramm reinen Alkohols täglich (24).

Langfristiger Alkoholkonsum kann zu einer verminderten Leistungsfähigkeit des Herzens führen und somit Herzkrankheiten verursachen. Mehrjähriger chronischer Alkoholmissbrauch führt zudem zu einem Abbau der Hirnsubstanz, was die intellektuellen Leistungen und die Feinmotorik beeinflussen kann (25).

Auch auf dem Weg vom Mund in den Magen hinterlässt der Alkohol Spuren: Forscher haben ausgerechnet, dass das Risiko für Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs bei einem Konsum von 75-100g täglich auf das 13fache ansteigt.

Nerven und Muskeln nehmen erheblichen Schaden und auch die Zeugungsfähigkeit lässt nach: Schon bei 40 Gramm am Tag wird die Spermienproduktion reduziert, bei höheren Dosen wird sie komplett eingestellt und die Hoden schrumpfen.

Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen – es gibt kaum ein Organ, das durch den übermäßigen Alkoholgenuss nicht geschädigt wird (26).

Alkohol hat wie andere Drogen auch, ein Abhängigkeitspotenzial. Das entscheidende Charakteristikum ist hierbei die psychische Abhängigkeit: Das unstillbare Verlangen, den Alkoholkonsum fortzusetzen, obwohl dem Betreffenden die negativen Konsequenzen des erneuten Trinkens bewusst sind (27).

Auf physischer Ebene manifestiert sich infolge des Vieltrinkens über einen längeren Zeitraum das Problem des Alkoholentzugs, sofern der Alkoholkonsum unterbrochen wird: Es kommt zu Brechreiz, Kreislauf- und Schlafstörungen, Zittern, bisweilen sogar zu regelrechter Angst sowie zu Depressionen (28).

Führt man sich die negativen gesundheitlichen Effekte des Trinkens von Alkohol vor Augen, so wundert es nicht, dass jeder 20. Todesfall auf Alkohol zurückgeht. Laut einem Bericht der Weltgesundheits-Organisation (WHO) sterben jedes Jahr rund drei Millionen Menschen weltweit durch Alkoholkonsum – das sind mehr als durch Aids, Gewalt und Verkehrsunfälle zusammen. Am stärksten betroffen sind Männer – sie machen drei Viertel der alkoholbedingten Todesfälle aus.

Die drei Millionen durch Alkohol verursachten Todesfälle, die 2016 registriert wurden, entsprechen 5,3 Prozent aller Todesfälle des Jahres. Im selben Zeitraum wurden 2,5 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Verkehrsunfälle verursacht, 1,8 Prozent durch Aids und 0,8 Prozent durch Gewalt (29).

Nach einer Auswertung der Studie "Global Burden of Disease" (GBD) zu den Trinkgewohnheiten in 195 Ländern und den alkoholbedingten Schäden steht der Alkoholkonsum an siebter Stelle sowohl der häufigsten Todesursachen als auch der Faktoren, die zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. Hauptursachen sind vermehrte Tuberkuloseinfekte, Tumorerkrankungen, Verkehrsunfälle sowie Suizide unter Alkoholeinfluss (30).

Alkohol ist ein kolossales globales Gesundheitsproblem. Ein geringer Nutzen von moderatem Alkoholkonsum kann die alkoholbezogenen körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheitsrisiken bei weitem nicht ausgleichen.

Leider wird die Bevölkerung nicht klar und verlässlich über die mit dem Alkoholkonsum verbundenen Risiken aufgeklärt. Das ist wenig verwunderlich. Die Alkoholindustrie ist sehr mächtig und hat Unsummen an Geld zur Verfügung. Und was ist deren Daseinszweck? Richtig, der Verkauf von Alkohol. So werden Forschungsergebnisse, die die Risiken des Alkoholkonsums zu Tage fördern in den sozialen Medien unmittelbar durch widersprechende neue Erkenntnisse, die

aus von der Alkoholindustrie gesponserten Studien stammen, gekontert.

Es handelt sich um eine gewaltigen Tatsachen-Verdrehung, verursacht durch kollektive Verdrängung. Die Medien wollen diese Dinge nicht publik machen, die Leser wollen sie nicht wissen (31).

Um all' das wissend stellt sich die Frage: Warum trinken wir denn überhaupt so viel Alkohol?

04 – warum trinken wir Alkohol?

„Edles Bier, du tust mir gut.Gibst mir Zuversicht und Mut“

Der Konsum alkoholischer Getränke initiiert also einen biochemischen Prozess, im Rahmen dessen durch den ausgeschütteten Botenstoff Dopamin beim Trinkenden Wohlbefinden und Glücksgefühle entstehen.

Unser Gehirn speichert, dass Alkohol glücklich macht. Und will mehr davon...

Die Reduktion negativer Gefühle, verursacht durch die Stimulation inhibitiver Neurotransmitterrezeptoren, ist eine der verführerischsten Konsequenzen des Trinkens.

Indes auch eine der gefährlichsten.

Alkohol ist einer der besten Wirkstoffe gegen Ängste, Sorgen, Probleme, trübe Gedanken und erlittene Verletzungen.

Er unterstützt uns dabei, den Film im Kopf so zurechtzuschneiden, dass er für das Ego wieder erträglich wird. Alkohol ist einer der besten Tranquilizer auf dem Markt. Es gibt kein effektiveres Mittel gegen Stress. Keinen kürzeren Weg zu einem angenehmen Befinden. Was man auch macht, wo man sich auch aufhält – mit einem Drink in der Hand wird das Leben für viele Menschen gleich ein wenig rosaroter und erträglicher.

Alkohol wird missbraucht, um eigene Gefühle regulieren zu können. Dies ist notwendig, wenn wir nicht gelernt haben, unsere Gefühle als normale psychische und körperliche Reaktionen wahrzunehmen und zu akzeptie­ren (32).

Die Kehrseite der Medaille sind die vielschichtigen physischen wie psychischen Auswirkungen, die regelmäßiges Trinken auf den menschlichen Organismus hat.

Trotzdem trinken wir Alkohol. Ist es also letztendlich die Sehnsucht nach Glück, das Streben nach dem Gefühl des Seeligseins, was uns in die Sucht treibt?

Bestimmt auch, aber übermäßiger Alkoholkonsum kommt oft nicht von ungefähr.

Meist gibt es einen subjektiven, oft höchst individuellen Grund, warum der Betroffene immer häufiger zum Glas, beziehungsweise zur Flasche, greift.

Und doch gibt es Gemeinsamkeiten, sind es immer wieder bestimmte, ganz konkrete Lebenssituationen, in denen sich der Alkohol ganz hervorragend eignet, um der eigenen Gemütsverfassung ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Am Tag der Deutschen Einheit anno 2018 stehe ich frühmorgens in der Küche und bin dabei, das Frühstück für meine Frau Ewa und mich zuzubereiten, als das Telefon klingelt. Wer kann das sein, so früh am Morgen? Bestimmt jemand aus Ewas großer Familie oder eine ihrer besten Freundinnen – meine Frau telefoniert gerne, viel und zu allen Tageszeiten. Ewa hebt den Hörer ab, legt kurze Zeit später wieder auf, gesprochen hat sie mit dem Anrufer offenbar nicht. Sie kommt zu mir in die Küche, Tränen laufen ihr über die Wangen.

„Dein Papa ist gestorben“. Der Anruf kam aus dem Pflegeheim, in dem meine Eltern seit knapp anderthalb Jahren leben.

Mein Vater ist in den Morgenstunden, zwar im stolzen Alter von fast 97 Jahren, trotzdem aber plötzlich und völlig unerwartet, verstorben.

Unmittelbar lege ich das Brotmesser zur Seite, öffne den Kühlschrank, greife mir wortlos eine Flasche Bier und gehe die Kellertreppe hinab, dann in den Garten. Dort stehe ich, vor Schock am ganzen Leib zitternd und keines klaren Gedankens fähig, und trinke mein Bier – um 08:00 morgens.

Auf dem Weg zurück in den Wohnbereich unseres Hauses nehme ich mir aus dem Zweitkühlschrank, der im Keller steht, eine zweite Flasche mit nach oben.

„Wir müssen ins Heim, auch wegen Deiner Mutter“, sagt Ewa.

„Ich kann nicht“ antworte ich. Die zweite Flasche Bier ist beinahe schon geleert.

„Aber wir müssen dahin. Sie weiß noch nichts, ich denke, DU solltest es ihr sagen“.

Ewa hat Recht. Die Autofahrt zum Pflegeheim dauert keine fünf Minuten, das muss reichen für die dritte Flasche Bier. Im Heim angekommen, zeigt der Alkohol erste Wirkung: Ich bin in der Lage meiner Mutter die Todesnachricht zu überbringen. Ewa wartet vor ihrer Zimmertür.

„Gehen wir zu ihm rein?“ fragt sie.

„Das kann ich nicht“ entgegne ich auch jetzt.

Ewa geht allein ins Sterbezimmer meines Vaters. Auch er hat dem Alkohol zeitlebens regelmäßig zugesprochen und so befindet sich in seinem Zimmer ein kleiner Kühlschrank, der lediglich dazu dient, Bier zu kühlen. Dessen bewusst, betrete ich das Zimmer, gehe schnurstracks zum Kühlschrank, entnehme diesem eine Flasche Bier, nehme einen kräftigen Schluck und wende mich meinem toten Vater zu.

„Ein letztes Prost, Papa“.

Anderer Anlass – gleiche Reaktion.

In meiner Zeit als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens holt mich die Vergangenheit der Firma ein.

Mein Vorgänger hatte sich bei einem Prüfverfahren nicht an die Recht gebende Verordnung gehalten, ich bin persönlich haftender Geschäftsführer, habe mit den Verfehlungen aus der Vergangenheit zwar nichts zu tun, bin aber trotzdem kurz davor, wegen eben diesen verklagt zu werden.

In diesen Wochen wird es zur Gewohnheit, abends die Unterstützung von drei oder vier Flaschen Bier zu suchen, um ein wenig abzuschalten, um ein wenig Entspannung zu finden und die Gedanken in meinemKopf zur Ruhe zu bringen.

Auf der Arbeit wird der Stress zunehmend größer, die Stimmung unter den Kollegen immer angespannter, steht und fällt doch die Existenz der Firma mit einer drohenden Anklage und dem damit einhergehendem vorübergehenden Berufsverbot.

Wie wünsche ich mir das wohlige Gefühl vom Vorabend zurück, als mir die beruflichen Probleme weitaus belangloser erschienen.

Ich schaffe es kaum mehr, mich morgens ins Auto zu setzen, um ins Büro zu fahren und mein Tageswerk zu verrichten. Und so kommt es, wie es kommen muss: ich beginne, bereits auf der circa fünfundvierzig Minuten dauernden Fahrt zum Arbeitsplatz die ersten zwei Flaschen Bier zu trinken.

Zwei weitere (diese habe ich Zuhause zuvor ins Eisfach gelegt, warmes Bier trinkt sich schlecht und im Firmenkühlschrank kann ich den geliebten Gerstensaft kaum deponieren...) trinke ich bis zur Mittagspause heimlich und vor allem hektisch – ich habe zwar ein Büro für mich alleine, aber es kann ja jederzeit jemand hereinkommen - an meinem Schreibtisch.

In der Mittagspause gehe ich in Kneipen, in denen ich mir ziemlich sicher bin, dass dort niemals ein Kollege auftauchen wird, um neben dem Mittagsessen auch das ein' oder andere Bier zu trinken. Auf dem Rückweg ins Büro eile ich noch schnell in den Supermarkt, um mir weitere zwei Dosen Bier zu kaufen, die dann bis zum Feierabend reichen müssen. Dass diese lauwarm sind, ist mir mittlerweile egal.

So überstehe ich einige Wochen den Arbeitstag, um dann am Feierabend, schließlich muss ich ja die Gedanken an den nächsten Arbeitstag verdrängen, weiter zu trinken.

Der Tod eines nahestehenden Menschen sowie Leistungsdruck und Stress auf der Arbeit sind nur zwei von vielen möglichen Anlässen, zu Glas oder Flasche zu greifen.

Beziehungsprobleme, schlimmstenfalls das Scheitern einer Ehe, eine schwere Krankheit – es gibt genug Probleme, denen sich der Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt sieht und Probleme kann man – kurzfristig - „wegtrinken“.

In all' diesen Situationen kann der Alkohol Linderung verschaffen, kann er entspannen, beruhigen – und gerade das macht die Droge so gefährlich.

Der amerikanische Physiologe und Erforscher der Alkoholkrankheit Elvin Morton Jellinek hat eine Alkoholikertypologie entwickelt, in der er Trinker in fünf sogenannte „Trinkertypen“ einteilt.

Alpha – Trinker, auch Konflikt – oder Problemtrinker genannt, trinken Alkohol, um sich zu entspannen, um Angst und Verstimmungen zu beseitigen oder um Ärger herunterzuspülen.

Mit der eintretenden Beruhigung kommt auch die Kreativität für Problemlösungen zurück: man schreibt einen ergreifenden Liebesbrief, man hat eine berufliche Inspiration, man entscheidet sich für eine alternative Therapie.

Die steigende Kreativität durch Alkoholkonsum bezieht sich übrigens nicht nur auf Problemlösungen, auch in alltäglichen Situationen tut der Alkohol seinen inspirierenden Dienst: Sitze ich im Sommer abends absichtslos im Garten („ich möchte einfach nur hier sitzen“, Loriot-Zitat aus dem Sketch „Szenen einer Ehe“), stehe ich spätestens nach der zweiten Flasche Bier auf, um dieses und jenes Gartenwerk zu verrichten. Ich gieße, schneide, pflanze um und zupfe Unkraut und merke dabei gar nicht, wie die Zeit vergeht, während ich mir noch ein Bier genehmige. Am nächsten Morgen wundere ich mich dann manchmal über das Werk vom Vorabend...

Im Winter muss das Haus dran glauben: die Deko wird gewechselt, der Kleiderschrank aufgeräumt, im ganzen Haus nach etwaigem Sperrmüll gesucht oder der Kellerbereich gesaugt.

Zurück zu den Problemtrinkern: Diese haben durchaus eine seelische Abhängigkeit zum Alkohol, aber sie haben auch noch die Freiheit, mit dem Trinken aufzuhören.

Das Problemtrinken ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen in Deutschland zur Flasche greifen. Und warum sie an der Flasche bleiben. Häufig verhält es sich nämlich so, dass die positive Erfahrung „mir geht es besser“, die mit dem Genuss alkoholischer Getränke verbunden ist, dazu führt, dass die Anlässe, warum man trinkt, immer nichtiger und damit immer häufiger werden. War es anfangs noch der Tod eines Angehörigen oder der Verlust des Jobs, reicht später bereits eine kleine Meinungsverschiedenheit mit dem Partner aus – Hauptsache, es gibt einen angenommenen Grund zu Trinken. Auch, wenn objektiv kaum ein Grund existiert. Das Problem Alkohol hat sich verselbstständigt. Man trinkt um des Trinkens willen und sollte sich dessen schleunigst bewusstwerden, solange man noch in der Lage, gegenzusteuern, um einer drohenden Abhängigkeit zu entgehen.

Die Freiheit, mit dem Trinken aufzuhören, hat ein weiterer Trinkertyp, der Beta – Trinker