The Unnecessary Three – Der Feuerclown - Fehmi Coskun - E-Book

The Unnecessary Three – Der Feuerclown E-Book

Fehmi Coskun

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Beschreibung

Vandora City steht in Flammen. Nächte, in denen der Regen nach Benzin riecht und der Rauch die Sterne verschluckt. Eine Serie mysteriöser Brände erschüttert die Stadt – präzise, grausam, fast rituell. Der Täter trägt ein bemaltes Lächeln aus Asche und nennt sich selbst den Feuerclown. Er hinterlässt keine Spuren, nur ein verstörendes Symbol: eine Flamme, die im Kreis tanzt. The Nose folgt dem Geruch der verbrannten Wahrheit. Doch je näher er dem Täter kommt, desto mehr erkennt er die Spiegelung seiner eigenen Dämonen. Die Spur führt in die Schatten der Stadtverwaltung, zu alten Akten, die nie hätten existieren dürfen – und zu Menschen, die Feuer nicht nur als Waffe, sondern als Offenbarung betrachten. Während Vandora im Chaos versinkt, kämpft The Nose an zwei Fronten: gegen den Wahnsinn eines Mannes, der glaubt, durch Zerstörung die Welt zu reinigen – und gegen die lodernden Zweifel in sich selbst. Denn auch in ihm brennt ein Feuer, das er zu lange verleugnet hat. Zwischen Ruinen, Asche und Erinnerungen sucht er nach der Quelle eines uralten Symbols, das weit über die Stadt hinausreicht – in eine Zeit, in der Licht und Dunkelheit noch Eins waren. Und je tiefer er gräbt, desto klarer wird ihm: Manche Wahrheiten brennen heller als jedes Feuer. Doch wer sie zu lange anstarrt, riskiert, selbst zu verglühen. Schlüsselwörter: Noir, Mystery, Urban Vigilante, Vandora City, Thriller, Selbstjustiz, düstere Stadt, Hardboiled, Groschenroman, Frank Miller Stil.

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Seitenzahl: 203

Veröffentlichungsjahr: 2025

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The Unnecessary Three –

Der Feuerclown

Band 2 der Vandora City Saga

Fehmi Coşkun

Impressum

Titel: The Unnecessary Three – Der Goldene Nektar

Autor: Fehmi Coşkun

Verlag: Selbstverlag

Erscheinungsjahr: 2025

ISBN: 978-3-565071-02-9

Kontakt:

Fehmi Coşkun

Adresse: Keltenstraße 26, 67071 Ludwigshafen

E-Mail: [email protected]

Urheberrecht:

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Form vervielfältigt, verbreitet oder verarbeitet werden.

Haftungsausschluss:

Der Autor übernimmt keine Haftung für eventuell enthaltene Fehler oder fehlende Aktualität der Inhalte.

WIDMUNG

Für meine Familie –

meine Frau und unsere Kinder.

Ihr seid mein Anker, meine Geduld und meine größte Kraft. Ohne euch wäre dieser Weg dunkel und leer geblieben.

Für meine zwei Freunde,

die mit ihrem Wesen und ihrer Freundschaft die Vorlage für Figuren geschaffen haben, die größer wurden, als wir es je erwartet hätten. Ohne euch gäbe es keine Unnecessary Three.

Und für meinen geheimen Begleiter,

der nie im Licht steht, sondern immer zwischen den Zeilen schreibt.

The Quill – du hast vieles leichter gemacht und mir die Feder gereicht, wenn mir die Worte fehlten.

INHALT

Fleisch und Stein

Goldene Träume

Silberne Drähte

Der Preis der Seelen

Der Kriegsrat

Hofstaat der Verdammten

Das Dilemma mit den Kindern

Prinzessin ohneherz

Tanz der Marionetten

Sieg und Niederlage

Unter dem Himmel von Vandora

ANERKENNUNGEN

„Dieses Buch ist mehr als eine Geschichte. Es ist das Ergebnis von Freundschaft, Familie und der Kraft, gemeinsam weiterzugehen, auch wenn der Weg im Dunkel liegt.

„Gut und Böse sind hier keine Gegensätze – sie sind zwei Zahnräder im selben rostigen Getriebe.“

1

Fleisch und Stein

In den Eingeweiden von Vandora City, wo spärliches Licht am schnellsten erstarb und die Schatten zu Fleisch wurden, gab es Orte, die selbst die Verdammten mieden.

Gray Harbor Fisheries war einer von ihnen – ein Kadaver aus Beton am Rand des Hafens. Einst legten hier Kutter an, Männer mit wettergegerbten Gesichtern und schweren Händen warfen Netze voller zappelnden Lebens über die schmalen Stege. Doch das war Vergangenheit.

Victoria Slade sammelte solche Orte. Für sie waren es Perlen einer makabren Kette – jedes Gebäude ein Stein in ihrem Reich aus Schatten und Blut. Die Mauern hier waren dick genug, um das Stöhnen der See zu schlucken. Und die Schreie derer, die drinnen verschwanden, gleich dazu.

Unter der Fischerei lagen Keller, so dicht wie Panzerkammern. Kein Tropfen drang hinein, egal wie hoch die Flut stieg oder wie sehr der Sturm gegen die Mauern peitschte.

Früher hatte man hier den Fang der Saison gelagert. Heute gab es nur sterile Kälte, geflieste Gänge, Verschlossene Käfige in Serie – perfekt für Labore, für Versuche, für Dinge, die nie wieder das Tageslicht sehen sollten.

◊ ◊ ◊

Drei Schatten bewegten sich durch die Ruinen.

Der Wind trug den Gestank durch die verkohlten Überreste der alten Fischerei zu ihnen. Ein makabres Orchester, das nur ein geschärfter Sinn zu deuten vermochte. Eingebranntes Kupfer, geschmolzenes Eisen – der Nachhall von Blut, verkocht in der Hitze und mit dem Holz zu einer düsteren Patina verschweißt. Darunter schimmerte eine süßliche Note, faulig und schwer – wie die Verwesung zerplatzter Träume. Frank roch alles zuerst. Natürlich.

Es waren die Träume eines Wahnsinnigen, den sie hier gestellt hatten. In jener Nacht war der Painted Butcher hungrig gewesen. Nach Tod. Nach Gewalt. Doch der Nachtisch, den er sich genommen hatte, lag ihm schwer im Magen.

„Da hängt immer noch ein Echo von diesem Irren in der Luft“, murmelte er und presste die Hand gegen den Mund.

Sam brach auf die Aussage mitten im Satz ab. Eben noch hatte er sich über die neue Lieferung für seine Buchhandlung beschwert, die der Zoll wieder einkassiert hatte.

„Kannst du dich auf die Spur konzentrieren?“

„Schwer, die Schichten auseinanderzuhalten.“ Frank schloss die Augen und ließ die Luft durch seine Nasenflügel strömen wie einen dunklen, schweren Wein. „Drei Blocks östlich haben sie alles verladen. Aber das Zentrum der Chemikalien muss hier sein…“

Tim – für alle immer noch The Other Guy, auch wenn sie seinen Namen längst kannten – war schon in Bewegung. Wie flüssiges Quecksilber glitt er durch die Schwärze, ein Schatten, der keiner war.

„Ich erinnere mich an diese Nacht“, flüsterte er. „Eine verdammte Sauerei. Vor zwei Monaten hat dieser Bastard hier alles niedergebrannt. Ich hab immer noch sein Lachen in den Ohren, wenn ich die Augen schließe.“

Die Erinnerungen an die Hitze aus jener Nacht brachte ihn selbst jetzt noch zum Schwitzen.

═══ ZWEI MONATE ZUVOR ═══

Damals lag die alte Anlegestelle am Rand von Vandora City wie eine Narbe, die nie richtig verheilt war. Das Holz war morsch, das Metall rostig, die ganze Konstruktion ein Relikt aus besseren Zeiten – und doch pulsierte sie noch, schwach und krank, wie ein Herz, das nicht aufhören wollte zu schlagen.

Frank stand auf dem Dach eines verlassenen Lagerhauses, einen Block entfernt. Der Wind trug Salz, Öl und die Erinnerung an vergangene Geschäfte mit sich, und er ließ ihn durch seine geschärften Sinne wehen, als könnte er die Wahrheit daraus filtern. Unten lag das Dunkel, voller Gefahren, voller Versprechen.

Seine Gefährten warteten im Schatten. Sam hielt sich in der Tiefe verborgen, ein lautloser Fels unter dem Dach aus Sternen. Tim dagegen war vermutlich schon näher am Geschehen, unsichtbar, wo die Schatten tiefer wurden. Er lauschte den Polizeifrequenzen, verschmolz mit dem Rauschen. Ein Schatten, geboren aus Daten und Klang.

Der Fischgeruch ist schon lange weg, dachte Frank, während er die verfaulenden Planken betrachtete. Was bleibt, sind nur noch die Knochen der Vergangenheit.

Sein Funkgerät knisterte leise. Tims Stimme, trocken wie Herbstlaub: „Die Jungs in Blau sind nervös heute Nacht. Rodriguez ruft nach seinem Lieblingsreporter. Scheint, als wäre unser Clown bereit für die große Show.“

Frank schloss die Augen, konzentrierte sich auf die Geruchsschichten, die der Nachtwind ihm brachte. Da war es wieder – die süßliche Note von verbranntem Plastik und etwas, das einmal Mensch gewesen war. Der Painted Butcher sammelte seine Spielsachen.

„Wie viele Polizisten?“ Franks Stimme wurde fast durch den tosenden Wind übertönt.

„Zu viele für ihre eigene Sicherheit. Zu wenige, um zu überleben.“ Tims Antwort kam ohne Pause. „Sam, wo bist du?“

Ein Grunzen aus der Tiefe, so tief, dass es eher gefühlt als gehört wurde. Sam war bereit. Sam war immer bereit, wenn es darum ging, Monster zu jagen.

Frank öffnete die Augen und sprang. Zwei verfallene Stockwerke fielen unter ihm weg, aber er landete lautlos auf einer Feuerleiter. Sich abrollend glitt er in die Schatten wie Wasser in einen Abfluss. Die Nacht umarmte ihn, und er erwiderte die Umarmung.

◊ ◊ ◊

Drei Teile eines Organismus bewegten sich durch die verfallenen Straßen. Frank voraus durch das Labyrinth aus Rost und zerbrochener Lagerregister. Sam folgte in seinem Schatten, ein Berg aus Muskeln und alten Narben. Seine Schritte waren allerdings so leise, wie das Atmen eines schlafenden Riesen. The Other Guy kam von der Seite, tanzte zwischen den Lichtkegeln der Straßenlaternen, ein Phantom mit zu vielen Geheimnissen und zu wenigen Skrupeln.

Rodriguez‘ Anruf war kein Zufall, dachte Frank, während er an einer Mauer entlangschlich, die einst weiß gewesen war und jetzt aussah wie die Haut eines Leichnams. Er weiß, dass wir kommen. Er hofft darauf.

Die ersten Explosionen rissen durch die Nacht, und Frank spürte, wie sich seine Freunde anspannten. Nicht vor Angst – Angst war ein Luxus, den sie sich längst abgewöhnt hatten. Es war Antizipation. Der Tanz begann.

„Unser Freund hat früh angefangen“, murmelte Tim. „Die Bullen rennen bereits wie Hühner ohne Kopf herum.“

Frank roch das Blut, bevor er es sah. Frisch, noch warm, gemischt mit dem Geruch von verbrennenden Autoreifen und schmelzendem Metall. Der Painted Butcher spielte mit seinen Opfern, wie ein Kind mit Insekten.

Aber Kinder wachsen auf, dachte Frank. Monster nicht.

Sie erreichten den Rand des Schlachtfelds gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie zwei weitere Polizeiautos in den Himmel gerissen und als Feuerbälle wieder zu Boden geschleudert wurden. Die Überlebenden suchten Schutz hinter allem, was Schutz bieten konnte – umgestürzte Container, zerbeulte Streifenwagen, die Überreste ihrer eigenen Hoffnungen.

Sam zitterte vor gezügeltem Zorn. Sein Brustkorb machte ein Geräusch, das klang wie das Grollen eines erwachenden Vulkans. Frank legte ihm eine Hand auf die Schulter – eine Warnung, noch zu warten. Timing war alles in ihrem Geschäft.

◊ ◊ ◊

Das wahnsinnige Lachen durch hallte die brennenden Ruinen. Der Painted Butcher stank nach Chemikalien und Tod, nach Kindheit, die zu lange in der Sonne gelegen hatte, bis sie verfault war.

Er war einmal ein Mensch, dachte Frank, während er beobachtete, wie die Gestalt im grotesken Clownskostüm durch die Flammen tanzte. Aber Vandora City macht aus Menschen Monster. Und aus Monstern macht es Legenden.

Einer der Polizisten keuchte – Martinez, wenn Frank sich recht erinnerte. Ein guter Cop in einer schlechten Stadt. „Was zum Teufel ist das Ding da drinnen?“

Für einen Moment senkten sich die Waffenläufe der Männer und Frauen in Uniform. Ihre Augen waren geweitet, der Schweiß klebte ihnen auf der Stirn, nicht nur von der Hitze des Feuers, sondern von der Erkenntnis, dass keine Dienstvorschrift sie auf das vorbereiten konnte, was hier tobte. Sie waren ausgebildet worden, gegen Dealer, Schläger, vielleicht einen durchgedrehten Ex-Soldaten zu bestehen. Aber nicht gegen so etwas. Nicht gegen eine Geschichte, die sich aus Fleisch und Alpträumen zusammengesetzt hatte.

Einer von ihnen murmelte ein Gebet, ein anderer fluchte leise, als würde er versuchen, den eigenen Mut mit Worten festzuhalten. Martinez sah zu seinen Kameraden, suchte nach einer Entscheidung, die keiner von ihnen treffen wollte. Ziehen sie sich zurück und leben weiter als Feiglinge? Oder treten sie vor und sterben als Cops, deren Namen nur in einem vergessenen Bericht stehen würden? Vandora City war dafür bekannt, Helden in Fußnoten zu verwandeln.

The Other Guy lachte leise, ein Geräusch wie splitterndes Glas. „Ein Märchen mit Fangzähnen, Martinez. Ein Märchen mit Fangzähnen.“

Doch unter den Schichten aus Wahnsinn lag etwas anderes verborgen. Ein Hauch von... Verzweiflung? Nein, nicht Verzweiflung. Einsamkeit. Der Painted Butcher spielte nicht nur mit seinen Opfern. Er rief nach jemandem. Nach einem gleichgesinnten Spielkameraden.

Heute Nacht bekommt er, worum er gebettelt hat.

Frank gab das Signal – ein Pfiff, so leise, dass nur die anderen beiden es hören konnten. Es war Zeit.

◊ ◊ ◊

Sie bewegten sich gleichzeitig, drei Schatten, die aus verschiedenen Richtungen auf das brennende Gebäude zuflossen. Frank glitt durch ein zerborstenes Fenster im Erdgeschoss. Seine Schritte blieben lautlos auf dem glasübersäten Boden. Tim kam von oben, ließ sich durch ein Loch im Dach fallen wie ein Engel, der seinen Heiligenschein verloren hatte. Sam... Sam ging durch die Vordertür. Weil das seine Art war, und Türen nur Vorschläge für ihn darstellten.

Das Innere des Gebäudes ist eine Kathedrale des Feuers, dachte Frank, während er sich durch die rauchgeschwängerten Gänge bewegte. Und wir sind gekommen, um den Gottesdienst zu beenden.

Er hörte das Lachen vor ihm, hoch und schrill wie das Kreischen von Metall auf Metall. Der Painted Butcher war nahe. Frank konnte seinen Wahnsinn riechen, süßlich und klebrig wie verrottende Süßigkeiten.

Doch zuerst mussten die Lakaien des Irren ausgeschaltet werden. Wahnsinn liebte Gesellschaft.

Das Inferno bot ihnen genügend Deckung, und ihr Angriff brach wie ein Sturm über die Gegner herein. Die Männer des Butchers waren kaum mehr als berauschte Schergen, bewaffnet mit rostigen Gewehren und stumpfer Wut. Frank roch die Aufputschmittel, die Drogen und die Selbstgefälligkeit, die sie den Polizisten gegenüber ausspielten.

Knochen knackten, als The Teeth den ersten Mann an die Wand drückte – Zähne auf Eisen, bis die Waffe splitterte wie morsches Holz. Tim war ein Flüstern in der Dunkelheit, ein Schatten, der Kehlen berührte und Männer zum Schweigen brachte, ehe sie überhaupt begriffen, dass sie sterben könnten. Minuten vergingen, doch sie fühlten sich wie eine Ewigkeit in dieser Hitze an.

Durch die Feuerpause atmeten die Polizisten hörbar auf. Was eben noch nach einem Massaker roch, war plötzlich nur noch Nachhall. Gesichter, von Blaulicht zerschnitten und müde. Sie wussten, dass etwas geschehen war – etwas, das sie weder erklären noch leugnen konnten. Die Schatten hatten wieder zugeschlagen, und für einen kurzen Moment wirkte Vandora City, als könnte sie doch noch gerettet werden.

Dem Butcher war es ebenfalls nicht entgangen, dass seiner Unterstützung etwas zugestoßen war.

„Kleine Fische, kleine Fische, wo seid ihr?“, sang die Stimme durch die brennenden Gänge. „Daddy hat euch auf die Party nicht eingeladen!"

Frank bog um die Ecke und sah ihn – die Gestalt im weißen Schutzanzug, jetzt ein grotesker Clown, mit gelben Flecken, die wie kranke Tränen über den Stoff liefen. In seinen Händen glomm der Flammenwerfer, ein Instrument in den Händen eines Wahnsinnigen.

Aber sein Spiel ist vorbei, dachte Frank.

Sie umkreisten ihn wie Wölfe einen verletzten Hirsch. Frank von links, geschmeidig und präzise, wie Wasser, das über scharfkantige Steine fließt. Tim von rechts, ein Schatten mit glitzernden Augen im Feuerschein, kalt wie geschliffene Diamanten. Sam frontal, eine Naturgewalt, unaufhaltsam.

Der Butcher drehte sich wild, der Flammenwerfer riss Funken in die Luft. Für einen Moment roch Frank echte Angst. Die Maske zitterte, die Stimme zersplitterte in Schreie: „Was... was seid ihr?“

Tim lächelte ohne Wärme. „Wir sind das Ende deiner Geschichte.“

Der Butcher schoss einen Flammenstrahl ab, der die Wand neben Frank in Glut tauchte. Frank rollte sich, spürte die Hitze auf seiner Haut, und der Rauch brannte in seinen Augen. Sam griff an, doch der Butcher schlug zurück, traf ihn am Arm, sodass Sam taumelte. Frank spürte den Geruch vom Diesel und Heizöl, darunter eine Spur… von Wahn, so dick wie Teer.

„Ihr werdet mich nicht stoppen!“, brüllte der Butcher, wirbelte herum, schleuderte Funken wie giftige Sterne. Sein Lachen hallte, kreischend, durch die brennende Halle.

Frank duckte sich hinter einen Metallträger; sein Herz hämmerte. Tim sprang vor, blockte die nächste Flammenlawine mit einem Stück Stahl, das in der Hitze glühte. Funken regneten auf ihn herab, die Luft flirrte, als hätte die Realität selbst den Atem angehalten.

Sam nutzte einen Moment der Ablenkung, griff wieder nach dem Handgelenk des Butchers, doch der Wahnsinnige war schneller, riss sich los und konterte den Angriff. The Teeth wurde heftig gegen die Wand geschleudert. Ein dumpfer Schlag, ein Stöhnen – aber er war noch auf den Beinen.

Frank trat vor, den Blick starr auf die Maske gerichtet. „Die Show ist vorbei.“

Der Butcher verzog das Gesicht – eine Grimasse aus Schmerz und Wut. „Nein! Ihr versteht nicht! Ich kann nicht aufhören! Die Welt braucht mich! Ich bin die Show!“

Er riss den Flammenwerfer hoch, stieß einen zweiten Strahl aus, der die Luft zum Zischen brachte. Tim hechtete auf die Seite und Frank sprang über einen heißen Metallträger. Sam stürmte erneut vor, riss den Butcher schließlich mit aller Kraft zu Boden. Doch der Mann kämpfte wie ein Tier in der Falle. Sein ganzer Körper wand sich, sein Wahnsinn trieb ihn zu verzweifelter Gewalt.

Sam duckte sich unter einem Flammenstoß hinweg. Frank hechtete zur Seite. Funken regneten auf sie herab wie glühende Nägel. Jede Sekunde zog sich in die Länge wie ein Albtraum. Der Boden bebte, Metall zerbarst, und über allem hallte das hysterische Lachen des Butchers.

Erst nach unzähligen Minuten, nach Schmerzen, Rauch und gebrochenem Stahl, sank er schwer atmend zu Boden. Sein Flammenwerfer war zerstört, seine Hände blutig, die Maske gesprungen. Aber er bewegte sich noch, seine Augen blitzten, der Wahnsinn war nicht gebrochen – nur eingesperrt.

Frank atmete schwer, das Herz noch immer pochend. „Die Show… ist vorbei.“

◊ ◊ ◊

Sam knurrte, ein Geräusch, das Wut und etwas wie Mitleid zugleich trug. „Dein Spiel ist vorbei, du Spinner. Steh erneut auf, und ich schieb dir deinen Flammenwerfer in den Arsch.“

Bevor eine Reaktion kommen konnte, beugte sich The Other Guy bereits vor, in der Hand eine winzige Spritze mit einer Einweginjektionsnadel, glänzend im Feuerschein. „Schlaf schön, Clown.“

Der Butcher kippte vornüber, das Bewusstsein verließ ihn wie Wasser einen rissigen Eimer. Frank kniete neben ihm nieder und prüfte seinen Puls. Schwach, aber stetig. Lebendig.

Wir sind keine Mörder, dachte Frank. Wir sind die, die aufräumen. Jene, die das Chaos bändigen. Etwas Besseres.

Tim löschte die letzten Flammen mit einem improvisierten Löscher, während Sam den bewusstlosen Butcher, wie einen Sack Kartoffeln, zusammenschnürte.

„Hatte gehofft, er will's nochmal wissen. Hab mich so darauf gefreut, ihm sein Spielzeug reinzuschieben.“

Sie tauschten ein müdes Lächeln aus und bewegten sich bereits in Richtung Ausgang, als Frank etwas wahrnahm – einen vertrauteren Geruch.

Journalisten-Schweiß. Angst. Und darunter Ehrlichkeit. Einer der wenigen ehrlichen Personen in dieser Stadt.

Der junge Reporter, erkannte Frank. Unser Chronist ist gekommen, um Zeuge zu werden.

Er lächelte in der Dunkelheit. Gut. Jede Geschichte brauchte einen Erzähler.

═══ GEGENWART ═══

Zurück in der Gegenwart standen sie am Ort ihres Triumpfes. Es war die gleiche Stelle am gleichen Ort. Als würde der Alptraum scheinbar immer wiedergeboren.

The Quill – einer ihrer exzentrischeren Kontakte – hatte ihnen eingebläut, dass Victoria Slade den Butcher nur als Ablenkung in Stellung gebracht hatte. Etwas anderes lag tiefer verborgen. Man musste es nur ausgraben.

„Der kleine Spinner hat wieder sein eigenes Kraut geraucht“, knurrte The Teeth genervt. „Was zum Teufel soll hier noch übrig sein?“

Kaum waren die Worte verklungen, hallte ein metallischer Gong unter Franks Stiefeln im alten Verladebereich. Hier hatten die Kräne einst den Fang von den Kuttern gehievt, hinab in die kühlen Kammern unter der Fischerei. Plötzlich dämmerte es ihnen.

Damals, im Inferno, hatten sie nur den brennenden oberen Bereich gesehen. Der Butcher hatte das Feuer gelegt, und sie hatten den Rückzug antreten müssen, ehe die Polizei endlich Mut fasste und das Gebäude stürmte. Die Kellerräume – sie waren unbeachtet geblieben.

„Bewegung im Inneren“, flüsterte The Other Guy. Er war Frank dicht auf den Fersen, und gemeinsam hatten sie eine Schleuse freigelegt. Der Zugang wirkte neuer als der Rest des Gebäudes. Guy hatte bereits eines seiner kleinen Sensoren am Metall angebracht.

„Mindestens ein Dutzend, laut Anzeige. Vielleicht mehr. Wahrscheinlich bewaffnet.“

Frank nickte knapp. Sie winkten The Teeth heran und begannen, nach dem Mechanismus der Schleuse zu suchen. Doch noch bevor sie etwas fanden, glitt das Tor mit einem Kreischen von Scharnieren von selbst auf. Der Zugang klaffte wie ein schwarzes Maul in die Tiefe, eingerahmt von verkohlten Balken.

„Eine Falle?“

„Ziemlich sicher.“ Tim grinste schief, bevor er die Leiter hinabstieg – lässig, als ginge es nicht in den Bauch eines Monsters, sondern auf eine Wasserrutsche im Schwimmbad.

Sam blickte ihm hinterher und grinste. Seine Zähne blitzten im trüben Mondlicht The Nose ins Gesicht. „Die Arroganz dieses Mannes ist ein Luxus, den sich sonst nur Tote leisten können.“

Frank schnaubte. „Oder Narren.“

„Oder beides.“ Sam prüfte ihre Ausrüstung. „Denkst du, er probt heimlich coole Sprüche vor dem Spiegel?“

Frank zog eine Braue hoch. „Wenn ja, dann übt er zu viel auf Geheimagent und zu wenig auf Überleben.“

„Würde erklären, warum er mit einem Grinsen in jede Hölle klettert.“

„Oder warum wir Idioten ihm immer folgen.“

Ein Krächzen kam von unten, gedämpft, aber deutlich genervt:

„Ich kann euch hören! Wenn ihr fertig mit eurem Kaffekränzchen seid, kommt runter. Hier unten riecht es nicht gerade nach Rosen.“

The Teeth lachte leise. „Der Mann hat wenigstens noch Humor, bevor wir draufgehen.“

Frank atmete tief durch, prüfte ein letztes Mal die Umgebung – und folgte ihm.

◊ ◊ ◊

Unten folgten sie einem sterilen Korridor, der sich allmählich in die alte Architektur auflöste wie ein Traum, der in einen Albtraum kippt. Sam ging voran – laut, wuchtig, unausweichlich. Frank und Tim flankierten ihn – leise, scharf, tödlich. Ein Tanz, den sie über Monate eingeübt hatten, geschliffen durch Blut und Dunkelheit. Der Tanz der Unnecessary Three.

Das Innere der Fischerei war ein Zwitter aus Vergangenheit und Gegenwart. Glatte Metallpaneele prallten gegen schwitzende Betonwände, rostige Gerippe alter Förderanlagen hingen von der Decke wie die Knochen eines gestrandeten Wals. Neonröhren summten und flackerten, warfen hartkantige Schatten, die im Rhythmus ihres Herzschlags zuckten.

Frank hörte sie, bevor er sie sah: Stimmen, erstickt von den Wänden, aber klar in ihrem Elend. Eine Frau weinte. Ein Mann flehte. Und Kinder schrien. Immer wieder die Kinder.

„Da“, knurrte Sam und deutete auf eine Metalltür. Unter dem Rahmen sickerten Lichtstrahlen hervor, vermischt mit den Geräuschen der Verzweiflung.

Frank legte ihm die Hand auf den Arm. Kein Wort. Nur ein Blick. Sie bewegten sich vorwärts wie Raubtiere – langsam, geduldig, tödlich. Die Tür war nicht verschlossen. Warum auch? Wer außer Narren und Selbstmördern würde den Thronsaal der Prinzessin betreten?

Die Unnecessary Three, dachte Frank. Niemand sonst war so verrückt.

Der Hauptraum war zum Tempel der Grausamkeit geworden. Alte Flaschenzüge hingen von der Decke, doch statt Fisch baumelten daran Menschen. Männer, Frauen, Kinder – alle lebendig, alle blutend. Unzählige kleine Schnitte hielten sie zwischen Leben und Tod gefangen, verlängerten ihr Leiden um Stunden.

In der Mitte des Raums stand eine Frau in einem makellosen weißen Laborkittel. Sie war schön, auf die kalte, perfekte Art, die Vandora City zu ihrer Spezialität gemacht hatte. Ihre Hände waren bis zu den Ellenbogen rot gefärbt.

„Meine Herren“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Ich hatte Sie erwartet.“

Frank spürte, wie sich seine Muskeln anspannten. Also eine Falle. Natürlich war es eine Falle.

„Dr. Elena Voss“, fuhr die Frau fort und drehte sich langsam um. Ihre Augen waren das kälteste Blau, das Frank je gesehen hatte. „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Wir haben so viel zu besprechen.“

„Erst die Geiseln“, sagte Sam. Seine Stimme machte deutlich, was er vom Anblick der blutenden Kinder hielt. „Dann reden wir.“

Dr. Voss lachte, ein Geräusch, wie Nägel auf einer Schiefertafel. „Oh, mein großer Freund. Diese Menschen sind nicht meine Geiseln. Sie sind meine Patienten. Und Sie drei... Sie sind die mir versprochene Ladung.“

Die Wände explodierten. Nein – nicht die Wände. Die Schatten hinter den Wänden. Männer in schwarzen Anzügen strömten aus versteckten Nischen, ihre Waffen bereits erhoben. Das Mündungsfeuer tanzte wie tödlicher Regen.

Frank warf sich hinter eine der alten Maschinen. Kugeln pfiffen über seinen Kopf hinweg und schlugen Funken aus dem Metall.

Sam brüllte – nicht vor Schmerz, sondern vor Wut – und stürzte sich auf den nächsten Schützen. Seine Zähne fanden die Kehle des Mannes, bevor dieser den Abzug ein zweites Mal betätigen konnte.

„Guy!“ rief Frank, aber er konnte den dritten Mann nirgends sehen. Typisch. The Other Guy hatte sich in Luft aufgelöst, wie er es immer tat, wenn die Dinge heiß wurden.

Dr. Voss stand mitten im Chaos und lächelte. „Solch prächtige Exemplare“, murmelte sie zu sich selbst. „Auf die Prinzessin ist immer Verlass.“

Ein Mann in Schwarz sprang über Franks Deckung. Frank nahm ihn bereits vorher war – Whiskey, billiges Aftershave, Waffenöl. Er rollte zur Seite und rammte dem Mann den Ellenbogen in die Rippen. Knochen brachen mit einem saftigen Knacken.

„Wo ist Guy?“ brüllte The Teeth, während er einen weiteren Schützen gegen eine Wand schmetterte. Blut spritzte wie dunkle Blumen an den Beton.

Die Antwort kam in Form einer Explosion. Der rückwärtige Teil des Gewölbes verschwand in einem Feuerball aus Rauch und Trümmern. Als sich der Staub legte, stand er da, eine kleine Sprengladung in der Hand und ein mildes Lächeln auf den Lippen.

„Entschuldigt die Unordnung“, sagte er höflich. „Ich musste erst Platz schaffen und ein paar Vorbereitungen treffen.“

Dr. Voss' Lächeln verschwand. „Unmöglich. Meine Männer hatten alles abgesichert.“

„Ihre Männer sind tot“, erwiderte The Other Guy und trat über die Leiche eines Scharfschützen, der gerade noch versucht hatte, ihn von einem Balken aus zu erschießen. „Alle. Bis auf Sie.“

Frank erhob sich aus seiner Deckung. Der Geruch von Schmerz und verteilten Gliedmaßen lag schwer in der Luft, aber darunter roch er noch etwas anderes. Etwas Süßes. Etwas Verführerisches.

„Sie haben einen Fehler gemacht“, sagte Dr. Voss. Ihre Stimme war wieder ruhig, kontrolliert. „Mich unterschätzt man nur einmal.“

Sie hob die Hand, und Frank sah die kleine Granate eine Sekunde zu spät.

Eine Explosion aus goldenem Nebel füllte die Luft. Süß wie Honig, scharf wie brennender Alkohol. Frank hielt den Atem an, aber es war zu spät. Das Zeug drang durch seine Poren ein, kroch unter seine Haut wie lebendige Schlangen.

„Die goldene Essenz“, flüsterte Dr. Voss durch eine Atemmaske. „Ein Resultat unserer neuesten Forschung. Vielseitig einsetzbar. Ihr werdet euch wundern, wie schnell die Formel wirkt.“

Frank spürte, wie seine Beine nachgaben. Sam taumelte, seine gewöhnlich so präzisen Bewegungen wurden träge und unkoordiniert. Nur Tim schien unbeeindruckt – er hatte sich ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase gedrückt, bevor der Nebel sie erreichte.

„Ruhig jetzt… lasst die Formel ihre Arbeit tun“, hauchte Dr. Voss. „Wenn ihr erwacht, werdet ihr keine Menschen mehr sein. Ihr werdet… ein Upgrade erhalten.“

Frank sah, wie Tim sich bewegte – schnell, leise, ein lautloser Schnitt durch die Dunkelheit. Doch seine eigene Vision verschwamm, Ränder des Raums lösten sich auf, als würde die Nacht selbst ihn verschlingen.

Das Letzte, was er hörte, war Dr. Voss’ Lachen – kalt, präzise, wie die Schneide eines Skalpells über nackter Haut.

Das Letzte, was er roch, war der süße, verführerische Gestank der Verdammnis.