Thema Flugangst - Johannes Holzportz - E-Book

Thema Flugangst E-Book

Johannes Holzportz

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Beschreibung

Entfernte Ziele schnell, bequem und sicher zu erreichen, das ist der Anspruch aller Reisenden. Das Flugzeug steht dabei in vorderster Reihe, der zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel. Wenn da nicht die Flugangst wäre, unter der so viele Menschen leiden. Sie ist nicht rational, aber dennoch verständlich. Viele vermeiden das Fliegen genau aus diesem Grund. Wer jedoch beruflich fliegen muss, hat keine Wahl. Die Idee zu diesem Buch entstand an einem kalten, verschneiten Dezembermorgen auf dem Stuttgarter Flughafen. Ein Passagier bekam im Flugzeug eine Panikattacke und geriet in Todesangst. Er wollte sich durch eine irrwitzige Idee in "Sicherheit" bringen und brachte dabei sich und andere in große Gefahr. Dieser Zwischenfall hat dramatisch vor Augen geführt, wozu Menschen im Stande sind, wenn die Macht der Angst Sie ergreift. Der Autor taucht mit den ängstlichen Menschen in ihre Gefühlswelt ein, nimmt sie an die Hand und zeigt ihnen den Weg aus der Angst. Dabei vertritt er die Ansicht, dass durch das Wissen um die Abläufe, das Fliegen seinen Schrecken verliert. Warum ein Flugzeug fliegt, gibt vielen Menschen immer noch Rätsel auf. Dieser Frage geht der diplomierte Ingenieur in seinem Buch nach und erklärt die wesentlichen Zusammenhänge in leicht verständlicher Form. Er erklärt in seinem lebendig, informativen Buch, wie sicher die Technik ist und woher die verschiedensten Geräusche kommen. Außerdem erfahren Sie Wissenswertes über Wolken, Turbulenzen und globale Luftströmungen, die unseren Luftverkehr beeinflussen. Das Buch nimmt Sie mit, auf faszinierende Flüge im Cockpit. Sie werden abtauchen, in den Alltag der Piloten und die Arbeit der Flugbegleiter. Die Abläufe vom ersten Treffen der Crew über das Anlassen der Triebwerke, dem Start, dem Flug bis hin zur Landung, wird Sie im Buch begleiten. Die Ängste der Betroffenen werden dabei stets eingebunden und lebhaft beschrieben. Das Buch stellt ein unverzichtbares Abenteuer dar, für alle, die unter Flugangst leiden.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Thema Flugangst

Johannes Holzportz wurde im Dezember 1957 im Eifelstädtchen Nideggen geboren. Nach dem Studium der Verfahrenstechnik zog es ihn und seine Frau wieder zu seinem Heimatort zurück. Hier wurden auch seine beiden Kinder geboren. Nach den verschiedensten beruflichen Etappen schlug der diplomierte Ingenieur den Weg in die Selbstständigkeit ein. Das Unternehmen, das er zusammen mit seiner Frau führt, befasst sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit umwelttechnischen Fragen. Die Begeisterung zu schreiben hat ihn seit Kindesbein begleitet und bis heute nicht wieder losgelassen. In der Vergangenheit veröffentlichte er zahlreiche Artikel in Tageszeitungen und publizierte technische Beiträge in führenden Fachblättern. Während seiner aktiven Zeit in der Kommunalpolitik fungierte er als Pressesprecher seiner Partei. In dem lebendig geschriebenen Buch zum Thema Flugangst, taucht er in die Gefühlswelt der betroffenen Menschen ein, erklärt in leicht verständlicher Weise die Technik des Fliegens und verzaubert den Horror am Himmel in Faszination. Mit dem vorliegenden Buch erfüllt er sich einen lang gehegten Traum, weil nicht nur das Schreiben, sondern auch die Fliegerei zu seinen Leidenschaften zählt.

Für meine Familie

Johannes Holzportz

Thema Flugangst

Fliegen zwischen Angst und Faszination

© 2020 Johannes Holzportz

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359Hamburg

Texte und Innengestaltung:

Johannes Holzportz

Fotos und Grafiken im Innenteil:

Johannes Holzportz und Pixabay (S.19)

Umschlaggestaltung:

Carla Fischer cf-design.media / Berlin

Bildvorlage zum Umschlag:

Nikhil Kurian, Pixabay

ISBN

 

Paperback:

978-3-7439-5284-3

Hardcover:

978-3-7439-5285-0

e-Book:

978-3-7439-5286-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltliche und sachliche Fehler können nicht ausgeschlossen werden, obwohl der Autor die Recherche mit größter Sorgfalt betrieben hat. Daher kann keinerlei Haftung für inhaltliche und sachliche Fehler übernommen werden.

Genderhinweis:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nachfolgend bei personenbezogenen Sätzen die gewohnt männliche Sprachform verwendet. Gemeint ist jedoch stets die weibliche als auch die männliche Form gleichermaßen.

Bildnachweis:

Die Abbildung auf Seite 19 stammt aus dem Archiv Pixabay. Der Bildautor ist dort nicht benannt.

Die Covervorlage stammt ebenfalls aus dem Archiv Pixabay. Der Bildautor ist: Nikhil Kurian.

Alle übrigen Abbildungen und Grafiken stammen aus den Archiven des Autors.

Copyright:

Der Autor hat sich um die gesetzlichen Vorschriften bezüglich des Copyrights bemüht. In diesem Zusammenhang weist der Verfasser ausdrücklich darauf hin, dass Abbildungen und textliche Inhalte, die einen Bezug zu Fluggesellschaften oder Flugzeugherstellern haben, keinesfalls mit dem Thema Flugangst in Verbindung gebracht werden dürfen. Die Bilder sind ausschließlich in einem sachlichen und luftfahrt-positiven Kontext zu sehen.

Inhalt

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Start im Schneegestöber – Zwischenfall auf Sitz 5c

4 Passagiere – solche und solche

5 Jede Sekunde ein Start – wie im Taubenschlag

6 Im Cockpit von Frankfurt nach Addis Abeba

7 Urlaubsträume – Swens Geschichte

8 Wissen vertreibt die Angst

9 Der Flughafen

9.1 Die Abfertigungshalle – Abflug, Ankunft, Einkauf

9.2 Boarding – durchatmen und einsteigen

9.3 Das Vorfeld – nicht nur Parkplatz für Flugzeuge

9.4 Das Rollfeld – hier geht man in die Luft

10 Das Flugzeug

10.1 Der A 380 – ein europäischer Traum

10.2 Flugzeuge – männlich oder weiblich?

10.3 Geräusche die Angst machen – Rumpeln im Bauch

11 Das Cockpit – die Technikzentrale

12 Tragflächen – die Luft als Lastesel

12.1 Wirbelschleppen – Supersog hinter dem Jet

12.2 Winglets – der Knick in der Tragfläche

12.3 Klappen und Ruder – hier wird gesteuert

12.4 Flyby-Wire – Sidestick oder Steuersäule

12.5 Querruder – sie fliegt nur eine Kurve

12.6 Seitenruder – starten ohne Schlingern

12.7 Landeklappen – gemächlich zur Erde

12.8 Höhenruder – ganz schön hochnäsig

12.9 Trimmung – Balance ist alles

13 Triebwerke und Fahrwerke

13.1 Triebwerke – Pferdestärken pur

13.2 Fahrwerke – Belastung mit Tempo

14 Von Köln nach Thessaloniki

15 Die Besatzung

15.1 Briefing – Kurzbesprechung im Team

15.2 Flugbegleiter – Sicherheit und Service

16 Swen hebt ab

17 Der Start – auf nach Dubai

18 Schaukelnd durch die Wolken – darüber ist der Himmel

19 Die Erdatmosphäre – kleines ABC der Wolken

20 Reiseflughöhe – jetzt verschnaufen die Triebwerke

20.1 Essen und Trinken – willkommene Ablenkung

21 Wissenswertes – ganz nebenbei

21.1 Luftlöcher – ein Ammenmärchen

21.2 Kondensstreifen – alles verkratzt

22 Das Wetter

22.1 Reiseimpressionen – auf dem Weg in den Oman

22.2 Eis und Schnee – gekratzt wird am Boden

22.3 Regen – sie darf auch mal nass werden

22.4 Gewitter – gewaltige Schönheit

22.5 Scherwinde – unangenehme Wetterphänomene

22.6 Jetstream – Luftströme in großer Höhe

23 Die Landung

23.1 Sinkflug – im Leerlauf zur Erde

23.2 Landeanflug – Wolken, Berge, Städte

23.3 Endanflug – kleine Nebenwirkungen

23.4 Störklappen – nicht gleich wieder in die Luft gehen

23.5 Gelandet – bitte jetzt nicht klatschen

23.6 Schubumkehr – Bremsfallschirm nach der Landung

24 Swen - gelandet

25 Danksagung

26 Glossar

1 Vorwort

Für mich gibt es drei gute Gründe, warum Sie dieses Buch gekauft haben könnten: Entweder, Sie kennen mich als Autor und wollen mir eine Gefälligkeit erweisen, Sie interessieren sich für Flugzeuge und deren Technik – oder Sie haben Flugangst.

Im ersten Fall bedanke ich mich bei meinen Freunden und Bekannten für den Kauf und den Beitrag zur Erhöhung meines Autorenhonorars. Im zweiten Fall kann ich Ihnen versprechen, dass Sie im Buch genügend informativen Stoff finden, der Ihnen viele Antworten auf Ihre Fragen liefern wird und daher Ihre Ausgaben zum Kauf des Buches rechtfertigt. Im letzten Fall – und jetzt Spaß beiseite, denn der liegt mir besonders am Herzen – habe ich einen Wunsch: Den Wunsch nämlich, dass Ihnen dieses Buch helfen wird, Ihre Angst vor dem Fliegen in den Griff zu bekommen – besser noch, die Angst gänzlich zu verlieren. Gewiss, das ist unumstritten ein hochgestecktes Ziel. Vielleicht können wir es aber gemeinsam schaffen, dieses Ziel zu erreichen. Und an dieser Stelle habe ich noch eine Bitte: Sie sollten das Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesen, damit sie ein zusammenhängendes Gesamtbild erhalten.

Ich gebe zu, kaum jemand kann sich erklären, warum ein Flugzeug mit 800 Passagieren an Bord starten kann und stundenlang in der Luft bleibt. Die Antwort darauf werden Sie aber in diesem Buch erhalten. Und Sie werden lernen, das Fliegen kein Hexenwerk ist. Sie werden etwas über die Technik lesen (ohne die geht es nun mal nicht) und die Arbeit der Piloten und Flugbegleiter kennenlernen. Auch dem Wetter und dem Flug durch die Wolken habe ich eigene Kapitel gewidmet.

Ich wurde oft gefragt, warum ich dieses Buch schreibe. Die Antwort ist ganz einfach: Der Anblick eines startenden und landenden Flugzeuges fasziniert mich immer wieder aufs Neue und löst bei mir unweigerlich Gänsehautfeeling aus. Die Technik wird immer sicherer und stetig weiterentwickelt. Aber in den vergangenen Jahren haben mir ständig Menschen von ihrer Flugangst erzählt und genau denen möchte ich von meiner Faszination zur Fliegerei etwas abgeben.

Viele Erzählungen über die Ängste der Menschen, vor und während eines Fluges, habe ich zusammengetragen. Daraus ließ sich ein realistisches Gesamtbild der ausgeprägten Flugangst und der panischen Zustände der von Aviophobie geplagten Passagiere reproduzieren. Dabei habe ich den kühnen Versuch unternommen, all das Erzählte in eine Geschichte zu fassen. Den Protagonisten habe ich die Namen Julia und Swen gegeben. Die Schilderungen spiegeln die Gefühle und die emotionalen Stimmungen der Betroffenen lebhaft wider und heben sich daher deutlich von den erklärenden technischen Texten ab.

Die komplexen Zusammenhänge rund um die Fliegerei in leicht verständlicher Weise zu beschreiben, war eine Herausforderung. Ich hoffe, es ist mir gelungen. In den Jahren der Vorbereitung habe ich versucht, möglichst praxisnah zu recherchieren. Hierzu durfte ich zahlreiche Flüge auf der Mittel- und Langstrecke als Gast im Cockpit verbringen, habe selber „Schnupperflugstunden“ genommen und hatte die Möglichkeit, im Lufthansa-Aviation-Trainingscenter in Essen, das Training der Piloten in einem Full-Flight-Simulator eines Airbus A 320-200 mit zu erleben.

Die Idee zu diesem Buch entstand an einem kalten, verschneiten Dezembermorgen, auf dem internationalen Flughafen in Stuttgart. Ein Passagier, der kurz zuvor das Flugzeug betreten hatte, bekam eine Panikattacke und geriet dabei in Todesangst. Er handelte völlig unklug, ohne Sinn und Verstand, und wollte sich durch eine irrwitzige Idee wieder in „Sicherheit“ bringen. Tatsächlich brachte er dabei sich und andere in große Gefahr. Dieser Zwischenfall hat mir dramatisch vor Augen geführt, wozu Menschen im Stande sind, wenn die Macht der Angst sie ergreift. Jener Morgen war die eigentliche Geburtsstunde dieses Buches.

Meine besondere Aufmerksamkeit gilt all denen, die mir lebhaft von ihren Flugängsten und ihren teils panischen Zuständen im Flugzeug erzählten.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, die von Flugangst geplagt sind und nun dieses Buch in Händen halten, dass die Lektüre Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Ängste helfen wird.

Viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben und viel Spaß beim Lesen.

Johannes Holzportz, 20.10.2020

Kunstflug bei der ILA 2018 in Berlin. Am unteren Bildrand entfernen sich die beiden Flugzeuge.

(Foto: Holzportz)

2 Einleitung

Der Traum vom Fliegen wurde bereits in der griechischen Mythologie beschrieben. In der Sage von Ikarus und seinem Vater Dädalus wird erzählt, wie die beiden mittels künstlicher Flügel aus Federn und Wachs aus ihrer Gefangenschaft von der Insel Kreta fliehen wollten. Leonardo da Vinci entwarf 1508 abstrus anmutende Fluggeräte mit beweglichen Schwingen. Albrecht Ludwig Berblinger wagte 1811 den Flug über die Donau. 1891 unternahm Otto Lilienthal Flugversuche mit einem selbst entworfenen Gleitflugzeug und die Brüder Wright entwickelten 1903 das erste steuerbare Motorflugzeug. Schließlich gelang Charles Lindbergh 1927 die erste Alleinüberquerung des Atlantiks von New York nach Paris.

Aus der Sehnsucht dieser Pioniere und Abenteurer die Schwerkraft zu überwinden und fliegen zu können, entstanden Fluggeräte, die zu hoch technisierten Flugzeugen weiterentwickelt und perfektioniert wurden. Sie zählen heute zu den sichersten Verkehrsmitteln der Welt. Trotzdem haben zahllose Menschen Flugangst. Diese Angst zu überwinden, darum geht es im vorliegenden Buch.

 

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten,

man muss nur alles verstehen.“

Marie Curie, Physikerin und Chemikerin

3 Start im Schneegestöber – Zwischenfall auf Sitz 5c

Den folgenden Zwischenfall habe ich auf dem internationalen Flughafen der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart erlebt. Der Vorfall ist außergewöhnlich und daher erzählenswert. Von einer Nachahmung muss jedoch eindringlich abgeraten werden!

Es war ein anstrengender Tag und eine sehr kurze Nacht. Zu einem geschäftlichen Termin war ich am Vortag nach Stuttgart geflogen. Es ging um eine wichtige Auftragsvergabe. Besprechungen, Nachkalkulationen und die Überprüfung der technischen Alternativen beschäftigten meine Geschäftspartner und mich bis 3 Uhr nachts. Zeit zu schlafen hatte dabei niemand und mein gebuchtes Zimmer im Hotel, direkt am Stuttgarter Flughafen blieb ungenutzt. Einer meiner Kollegen brachte mich schließlich um 4 Uhr in der Früh direkt zum Terminal des Flughafens. Die Frühmaschine hatte ich bereits am Vorabend gebucht. Sie sollte planmäßig um 6 Uhr starten. Mittags hatte ich bereits den nächsten Termin in Düsseldorf. Danach wollte ich direkt in mein Büro nach Nideggen.

Ich war völlig übermüdet, als ich im Flughafenbus saß, der außer mir noch viele andere Menschen über das Vorfeld zur bereits wartenden Maschine bringen sollte. Es war noch dunkel an diesem Dezembermorgen. Die Beleuchtung der Gebäude, die Befeuerung der Startbahnen und die Lichter der Fahrzeuge verwandelten die gesamte Umgebung jedoch in eine hellwache, quirlige Metropole. Tausende Fluggäste warteten hier bereits auf Ihre Abreise und ebenso viele Menschen kümmerten sich um den reibungslosen Ablauf des Flughafenbetriebes. Bedienstete der Flugsicherung, das Personal an den Check-in Schaltern, die Zollbeamten, die Mitarbeiter der Koffertransporte und der Tankfahrzeuge, die Reinigungskräfte, die medizinischen Teams der Krankenstation, die Arbeitsgruppen des Vorfeldes und die Piloten mit ihren Besatzungen. Alle waren schon seit Stunden auf den Beinen. – Ich auch.

Es war ein kalter Morgen. Schneeflocken wirbelten durch die Luft und im Transferbus liefen die Scheibenwischer ununterbrochen. Das Vorfeld war schon mit Schnee bedeckt, als mir eine krakenartige Enteisungsmaschine auffiel, die ein Flugzeug von Eis und Schnee befreite. Einige Meter weiter wurde eine Boeing 747, ein Jumbo, von einem Flugzeugschlepper aus der Parkposition geschoben, um danach eigenständig über das Vorfeld auf die Startbahn zu rollen.

Die meisten Flugzeuge wurden abgefertigt, damit sie pünktlich um 6 Uhr ihren Flugbetrieb aufzunehmen konnten. Einige wurden betankt, andere beladen und wieder andere standen noch verweist und dunkel in ihren Parkpositionen. Aber auch diese Maschinen würden in den nächsten Stunden abheben, um die verschiedensten Ziele auf der ganzen Welt anzusteuern. Genauso viele würden aber auch im gleichen Rhythmus hier auf diesem Flughafen wieder landen. Ein ständiges Kommen und Gehen, der Puls eines jeden Flughafens!

Der Bus hielt direkt vor der fahrbaren Fluggasttreppe am Bug der Maschine. Diszipliniert und ruhig verließen alle Passagiere den Shuttlebus. Frauen und Männer in dezent vornehmer Kleidung. Aktentaschen oder leichtes Handgepäck in der einen Hand und die Morgenzeitung in der anderen. Überwiegend waren es Geschäftsleute, die an diesem frühen Morgen das Flugzeug nach Düsseldorf betraten. Vielflieger, die mehrmals pro Monat diese bequeme und schnelle Reisemöglichkeit zwischen den Großstädten nutzten. Routinierte Fluggäste, die nichts, kein Sturm, kein Gewitter oder Turbulenzen aus der Ruhe bringen könnte. So jedenfalls war der Eindruck!

Ich stieg die Treppe zum Flugzeug hinauf. Der Schneefall hatte zugenommen. Ein unangenehmer, kalter Ostwind blies mir ins Gesicht, als ein freundlicher Flugbegleiter mir einen guten Morgen wünschte. Ich klopfte die Schneeflocken so gut es ging von meinem Mantel und betrat das Flugzeug.

„Möchten Sie ein Bonbon?“, fragte eine Flugbegleiterin, die mir fröhlich entgegen lächelte, gerade so, als seien wir bei strahlendem Sonnenschein in der Karibik gelandet. Dankend nahm ich an und erhaschte einen Blick in das Cockpit, dessen Tür offenstand. Auf dem linken Platz saß der Flugkapitän und rechts der Co-Pilot. Beeindruckt sog ich den Anblick dieses faszinierenden Arbeitsplatzes in mich ein, bevor ich von den nachfolgenden Fluggästen weitergeschoben wurde.

Von hinten zwängte sich ein Mann mittleren Alters an mir vorbei und schob sich nervös in eine der ersten Sitzreihen. Seine schwarze Aktentasche umklammerte er wie einen frierenden Säugling und kauerte sich mit zugeknöpftem Wintermantel auf Sitz 5c direkt am Gang. Ich hörte, wie er von seinem Nachbarn, der bereits vor ihm den mittleren Platz eingenommen hatte, freundlich begrüßt wurde. „Guten Morgen Herr Kollege“, sagte er, „bei diesem Wetter möchte eigentlich niemand aus dem Haus. Schön, dass Sie es trotz der verschneiten Straßen pünktlich zum Flieger geschafft haben.“ Auch der Herr am Fenster reichte ihm die Hand. „Guten Morgen. Dann wollen wir mal. Unsere Kunden in Düsseldorf warten bereits.“ Der Herr im Wintermantel hockte indes teilnahmslos auf seinem Sitz und umklammerte verkrampft die mitgebrachten Akten. Es hatte den Anschein, als nehme er von seinen Geschäftspartnern keinerlei Notiz.

Auf dem Weg zu meinem gebuchten Platz erinnerte ich mich an jenen Tag, als ich mit einem erfahrenen Fluglehrer eine Schnupperflugstunde in einem einmotorigen Sportflugzeug des kanadischen Herstellers Diamond Aircraft absolvieren durfte. Die Flugschule setzte die zweisitzige Katana DA 20 seinerzeit als Trainingsflugzeug ein. Nach einer mehrstündigen theoretischen Einweisung überflogen wir bei sonnigem Wetter die Nordeifel. Der Fluglehrer übergab mir unmittelbar nach dem Start den Steuerknüppel mit den Worten: „You have Control“. Ich durfte erleben, wie die Maschine gutmütig auf kleine Ruderausschläge reagierte, bei Erhöhung der Geschwindigkeit sofort steigen wollte und beim Drosseln des Motors in den Gleitflug überging. Meine anfängliche Unsicherheit wandelte sich schnell in pure Faszination. Zugegeben, beim Rückflug, kurz vor Erreichen des Flugplatzes übergab ich das Steuerhorn schweißnass aber voller Begeisterung meinem Fluglehrer, der die Maschine routiniert landete.

„Darf ich Ihr Handgepäck in die Ablage legen?“, fragte eine freundliche Flugbegleiterin, als ich meinen gebuchten Platz erreichte. „Oh, vielen Dank.“ Aus meinen Gedanken gerissen, nahm ich am Gang Platz und schnallte mich an. Zu meiner Rechten saß ein gut gekleideter Herr mittleren Alters, der einen freundlichen Guten Morgen wünschte, sich sogleich aber wieder in seine Tageszeitung vertiefte. Der mittlere Platz blieb leer. Die Reisenden hatten ihre Sitze eingenommen, als die Durchsage des Kapitäns, einen der Passagiere völlig aus der Fassung brachte: „Guten Morgen meine Damen und Herren, ich heiße Sie an Bord des Fluges von Stuttgart nach Düsseldorf herzlich willkommen. Leider wird sich unser Start etwas verzögern, da in Düsseldorf heftiger Schneefall herrscht und die Start- und Landebahnen zunächst von Schnee und Eis befreit werden müssen. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt, hier an Bord.“

Die Eingangstür stand noch offen, als es nach der Durchsage in den vorderen Sitzreihen unruhig wurde. Offensichtlich versuchten zwei Fluggäste einen in Panik geratenen Passagier zu beruhigen und ihn daran zu hindern, seinen Sitzplatz zu verlassen. Plötzlich war aus einer dominanten – aber dennoch zittrigen und ängstlichen Stimme zu hören: „Lassen Sie mich los, ich kann hier nicht mitfliegen, wir werden die Landung nicht überleben! Ich steige jetzt aus und komme mit dem Zug nach Düsseldorf.“

Es war der gut gekleidete Herr vom Sitz 5c, der sich eben noch an mir vorbei gedrängt hatte, dabei seine Aktentasche panisch umklammerte, und die er auch jetzt – wo er die Flucht ergriff – um keinen Preis loslassen wollte. Es war der gut gekleidete Herr, der bis zur Durchsage des Kapitäns, apathisch mit zugeknöpftem Wintermantel auf seinem Sitzplatz kauerte.

Die Flugbegleiter waren wie gelähmt, als genau dieser Herr das Flugzeug fluchtartig durch die noch offene Bordtür verließ, und über das Vorfeld im Schneegestöber verschwand.

Mitarbeiter der Flughafensicherung ließen nicht lange auf sich warten. Sie waren über den ungeplanten Ausflug des verängstigten Passagiers sichtlich erbost.

Nach einiger Verzögerung startete die Maschine in Richtung Düsseldorf. Der Schneefall hatte zwischenzeitlich weiter zugenommen und meine Gedanken galten dem Herrn von Sitz 5c, der das Flugzeug in furchtbarer Panik verlassen hatte. Würde er sein Ziel, mit dem Taxi zum Bahnhof, von dort mit der Bahn, dann wieder mit dem Taxi zum vereinbarten Treffpunkt, bei heftigem Schneegestöber wirklich sicherer erreichen?

Im Landeanflug auf Düsseldorf konnte ich erkennen, dass das gesamte Gebiet tief verschneit war. Das Flugzeug setzte sicher auf, aber der verängstigte Herr aus Reihe 5 ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Sein Mut, trotz Flugangst, Panik und Überlebensängsten dennoch die Maschine zu betreten, war bemerkenswert. Die psychischen Qualen, die er auf sich genommen hatte, grenzten an Folter. Als die Furcht für ihn unerträglich wurde, brachen seine Gefühle aus und gerieten außer Kontrolle.

Menschen, die sich in akuter Gefahr befinden und Todesangst verspüren, folgen auch heute noch einem Jahrtausende alten Urinstinkt: Kämpfen oder fliehen. Der Herr vom Sitz 5c hatte sich für die Flucht entschieden!

Wie ihm ergeht es vielen Menschen die ein Flugzeug betreten. Lassen Sie uns daher einen Blick auf diese Leute werfen.

Flugangst

(Foto: Pixabay)

4 Passagiere – solche und solche

Ein großer Teil der Deutschen empfindet Unbehagen, wenn es um das Thema Fliegen geht. Viele Menschen haben aus diesem Grund noch nie ein Flugzeug betreten. Die statistischen Zahlen zur Frage, wie viele Menschen sich in einem Flugzeug uneingeschränkt wohlfühlen, wie viele ein mulmiges Gefühl haben oder sogar unter ausgeprägter Flugangst leiden, schwanken sehr.

Von krasser Flugangst mit quälenden Symptomen sind gelegentliche Urlaubsreisende genauso betroffen, wie berufsmäßige Vielflieger. Diese Menschen betreten nur unter schweren Angstzuständen ein Flugzeug. Der Gedanke an den drohenden Absturz löst in ihnen Angst und Panik aus. Die lähmende Furcht, in diesen lebensfeindlichen Sphären ausgeliefert zu sein und selber nicht eingreifen zu können, versetzt die unter Aviophobie (Flugangst) leidenden Menschen in verzweifelte Not. Beklemmung, feuchte Hände, Herzrasen, Atemnot, Zittern und Schwitzen sind die typischen Symptome. Manche weinen und einige möchten fliehen, bevor die Eingangstüren geschlossen werden. Kein Urlaub kann in diesen Momenten so wichtig sein, kein Strand so schön und keine Sonne so warm, als dass diese Angst für die Betroffenen gerechtfertigt wäre. Auch berichten die Angstgeplagten, dass sie die Flugbegleiter nicht aus den Augen lassen, deren Mimik genau studieren, um daraus scheinbar gefährliche Situationen von Harmlosen unterscheiden zu können. Die verkrampfte Haltung, die angstvollen Augen, Schweißränder an der Kleidung und zitternde Hände zeigen dem aufmerksamen Beobachter das Ausmaß der Leiden, die diese Menschen in solchen Augenblicken quälen. Für viele Passagiere stellt die Stimme des Piloten, der sich über Lautsprecher an seine Passagiere wendet, den einzig beruhigenden Augenblick des gesamten Fluges dar. Nur leider – und das zeigt meine Erfahrung – sprechen die meisten Piloten viel zu leise und viel zu schnell, als dass man ihren Worten folgen könnte.

In dem gleichen Flugzeug sitzen aber auch Menschen, vermeintlich lässige Vielflieger, die sich unmittelbar nach dem Boarding in eine riesige Tageszeitung vergraben und scheinbar das politische Geschehen in sich aufsaugen. Oftmals handelt es sich dabei aber um Menschen, die bis zur Landung nichts anderes im Sinn haben, als sich durch die Zeitung abzulenken. Nach der Landung greifen sie eilig zum Handgepäck und warten im Gang des Flugzeuges auf den ersehnten Ausstieg. Auch sie leiden unter Panikattacken, Phobien oder Angst. Sie haben lediglich eine andere Art, damit umzugehen.

Natürlich gibt es auch Fluggäste, die das Betreten des Fliegers völlig gedankenlos hinnehmen, innerlich bereits am Urlaubsziel oder beim Geschäftspartner sind und die Reisezeit zur Entspannung nutzen. Sie lassen keinerlei Gedanken der Angst zu und empfinden auch tatsächlich keine. Sie haben zum Flugzeug und dessen Technik das gleiche Vertrauen, wie zum Automobil, dem Bus oder der Bahn.

Leider, und dass muss an dieser Stelle erwähnt werden, gibt es auch Reisende, denen sämtliche Manieren abhandengekommen sind. Müll, Speisereste und Zeitungen, die sich unter den Sitzen wiederfinden, sind keine Seltenheit. Mitunter wird sogar das Kabinenpersonal angepöbelt oder man widersetzt sich deren Anweisungen. Am Boden kann der Kapitän Randalierer des Fliegers verweisen. In der Luft gestaltet sich das Verlassen der Maschine leider etwas schwieriger. Woher die Zunahme des schlechten Benehmens an Bord herrührt, darüber kann nur spekuliert werden.

Zu einer letzten Gruppe gehören die Passagiere, die von der ausgereiften Technik der Flugzeuge überzeugt sind, Vertrauen in die Erfahrung der Piloten, der Ingenieure und dem Wartungspersonal haben. Das sind die Menschen, die fasziniert in dieses Fortbewegungsmittel einsteigen und sich freuen, gleich vom Boden abzuheben, zu fliegen und dabei einen Perspektivwechsel zu erleben, der der Menschheit lange vorenthalten war. Es sind Fluggäste, die es genießen können, wie sich auf dem Weg nach oben die Sicht auf die Erde mit jedem Meter verändert und wie die unendliche Weite zur Grenzenlosigkeit wird. Es sind jene, die im Zuge einer Urlaubs- oder Geschäftsreise gelassen und entspannt riesige Strecken in kürzester Zeit hinter sich lassen. Und sie haben recht mit ihrem Vertrauen in die Technik und die Piloten, wie auch ein Blick in die Statistik zeigt.

5 Jede Sekunde ein Start – wie im Taubenschlag

Unterschiedliche statistische Dienste veröffentlichen an jedem Jahresende ihre Flugunfallbilanzen. Übereinstimmend wird dabei festgestellt, dass das Sicherheitsniveau im weltweiten Flugverkehr weiter steigt, und dass die Zahl der Flugunfälle tendenziell abnimmt. Nach einer Veröffentlichung des Handelsblattes vom 25.02.2018 gab es in 2017 weltweit lediglich sechs größere Luftfahrtunfälle mit insgesamt 19 Todesopfern.

(*) Im Jahr 2017 waren mit rund 41,8 Millionen Flügen, etwa 4,1 Milliarden Passagiere weltweit in der Luft. Rechnerisch passierte nach Angabe der IATA nur ein Unfall pro 8,7 Millionen Flügen.

(* Quelle: Handelsblatt, 25.02.2018)

Mit null Todesopfern war nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft 2019 das sicherste Jahr der zivilen Luftfahrt im Bereich der Europäischen Union. Militärflugzeuge und Maschinen mit weniger als 14 Sitzen werden dabei von der Statistik nicht erfasst.

Stellen wir die weltweiten Zahlen aus 2017 einmal gegenüber:

41.800.000

(41,8 Millionen) Flüge pro Jahr,

4.100.000.000

(4,1 Milliarden) Passagiere pro Jahr,

19

Todesopfer

Nach diesen Zahlen lässt sich leicht umrechnen, dass bei 41,8 Millionen Flügen pro Jahr, weltweit mindestens eine Maschine pro Sekunde startet und eine pro Sekunde landet. Jeden Tag, rund um die Uhr!

Stellen Sie sich eine helle Vollmondnacht vor. Der Abstand zwischen dem Mond und unserer Erde beträgt 384.400 Kilometer bzw. 384.400.000 Meter (384,4 Millionen Meter). In sternenklarer Nacht formiert sich die Menschenkette aller Fluggäste aus dem Jahr 2017. Genau genommen waren es 4.100.000.000 (4,1 Milliarden) Passagiere. Alle fassen sich an die Hände und machen sich in Richtung Mond auf den Weg. Der Abstand von Hand zu Hand beträgt 1,80 Meter. Unsere Menschenkette würde 19,2-mal bis zum Mond reichen! Durch Flugunfälle starben im gleichen Jahr, 19 Passagiere. Die Menschenkette der getöteten Fluggäste würde also gerade einmal von der vorderen Spitze eines Airbus A320 bis zur Heckflosse reichen.