Thymian, Brennnessel und Karotten, das könnte unsere Revolution sein - Nathali Winckler - E-Book

Thymian, Brennnessel und Karotten, das könnte unsere Revolution sein E-Book

Nathali Winckler

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Beschreibung

Wollen Sie die chinesische Medizin kennenlernen? Dieses Buch gibt einen Einblick in ihre wichtigsten Strukturen und Zusammenhänge. Anhand von 108 Pflanzenporträts möchte es Ihnen die ­fernöstliche Heilkunst auf unterhaltsame Art näherbringen. Dabei erfahren Sie viel über die Heilkraft der einzelnen Pflanzen für Körper und Geist und können im Krankheitsfall schnell passende Pflanzen und Methoden finden, auch zu speziellen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Thrombosen, Myomen, Milchfluss, Magen- und Darmbeschwerden, Essstörungen, Husten, Antibiotika, Burn-out, Akne, Angst, Liebeskummer, Eifersucht oder Unfruchtbarkeit. Hinzu kommt eine kurze Einführung in die Ernährungslehre der TCM. Ein Lesebuch, das Spaß macht. Für AnfängerInnen und LiebhaberInnen der chinesischen Medizin!

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zum Gebrauch dieses Buches

Einführung in die Traditionelle Chinesische Medizin

Grundprinzipien der TCM

Das Prinzip von Yin und Yang

Die Grundsubstanzen

Die fünf Wandlungsphasen

Die Einordnung der Pflanzen in der TCM

Zusammenstellen einer Rezeptur in der TCM

Sammeln, Zubereiten und Dosieren der Heilpflanzen

Das 6-Schichten-Modell

Die »Außerordentlichen Gefäße« und unterstützende Pflanzen

Herzgespann spannt den Bogen vom Herzen zum unteren Energiezentrum: Chong Mai

Quelle meiner Ruhe, Kraft und Fruchtbarkeit: Ren Mai

Guten Morgen, du schöner Tag – hier bin ich bereit für dich: dein Du Mai

Die ausgleichende Verwendung von Yin Qiao Mai und Yang Qiao Mai

Klar und wach den nächsten Schritt gehen – Yang Qiao Mai

Eine Rosenwurzel für den Yin Qiao Mai

Wenn uns der Wind im Ohr zwackt – Zimtrinde unterstützt den Yang Wei Mai

Mein Herz findet Halt: Yin Wei Mai

Wandlungsphase Holz

Das eingezwängte Leber-Qi – ein Dauerbrenner in unserer Welt

Petersilie – die bewährte Frühlingsbrise unserer Großmütter

Wut, Mut und der Steinklee

Mit Gänsefingerkraut wieder unverkrampft in den Tag leben

Was wächst denn da? Myome aus Sicht der TCM

Ein zu starkes Holz durchwurzelt die Erde – Erdrauch reguliert die Erde

Mit grünem Schwung nach oben – Bärlauch-Energie

Perfekte Erfrischung mit der Hagebutte

Meine Königin im Frühling ist die Brennnessel

Mariendistel lässt unsere Leber besser »durchatmen«

Mit Pfefferminze bin ich dein Prinz … sie sorgt für Frische und zügelt den Zorn

Löwenzahnwurzel für eine heißgelaufene Leber und einen guten Appetit

Wenn in der Leber das Feuer tobt – Enzianwurzel

Wer Gift und Galle spuckt – wird das Schöllkraut schätzen lernen

Der Wind verfangen im Inneren

Weinraute fängt die Windböen der Leere

Wenn der Wind im Inneren tobt, schlichtet die Berberitze

Mutterkraut kühlt den heißen Wüstenwind

Galgant wärmt die Leber und die weiße Taubnessel tut wohl!

Mit Beifuß tanzen, um im Frühling auf beiden Füßen zu stehen

Bitter, bitter, Wermut – mit dir soll dein Herz wieder lachen

Wenn der Kopf qualmt … Welche Pflanzen bringen Erleichterung?

Pflanzen bei Kopfschmerzen durch Stagnation

Pflanzen für Fülle-Kopfschmerzen

Pflanzen für Leere-Kopfschmerzen

Kombination von Fülle- und Leere-Mustern

Wandlungsphase Feuer

Johanniskraut und Hopfen verbinden Feuer und Wasser

Basilikum – eine Sommerbrise für das Gemüt

Kaum wird es Sommer, spielt das Herz verrückt

Baldrian duftet nicht nur für Elfen gut, sondern auch für Katzen

Mit Melisse zieht die Freundlichkeit wieder in unser Herz ein

Geduld, Ruhe und Leidenschaft – Qualitäten der Passionsblume

Mein Herz blutet – mein Herzblut ist im Mangel

Wenn uns das Wasser verlässt – einige Heilpflanzen rund ums Schwitzen – Salbei

Rosmarin – eine Sonnenpflanze bringt Wärme

Kakao – die Schokoladenseite der Heilpflanzen

Wenn die Schneekönigin das Herz regiert, hilft Weißdorn beim Auftauen

Wenn das Metall klingt, springt das Herz – Kurkuma

Wenn das Feuer außer Rand und Band gerät, löscht Eisenkraut den Brand

Lavendel lila leicht

Wenn der Shen getrübt wird

Lerchensporn für brennende Herzen

Majoran öffnet ein verlegtes, erkältetes Herz

Schlaf gut, meine Liebe – Kräuter zur Begleitung

Der Dünndarm ist der Bruder des Herzens

Für gebrochene Herzen (und Durchfall): das Ruprechtskraut

I like to take you to the stars – mit Chili und Kardamon

Wieder mal zwickt der Bauch

Wie die Meerzwiebel unsere Herzensfragen anschiebt

Wenn sich der Herzbeutel auf Partys entleert, feiert das Mädesüß besser mit

Der Hafer bringt uns geschmeidig durch die Wogen des Alltags

Mit Karotte und Sandorn den Sommer in vollen Zügen genießen

Wenn das Blut in den Gefäßen stockt – Unterstützung bei Thrombosen durch Zaubernuss und Rosskastanie

Wandlungsphase Erde

Guten Appetit! Ernährung nach TCM

1. Thermik der Nahrungsmittel

2. Geschmacksrichtungen der Nahrungsmittel

3. Organwirkungen der Nahrungsmittel

Diät, Magersucht – ein schwieriges Unterfangen in dieser Welt!

Fenchelwarmer Bauch tut allen gut

Die Wegwarte begleitet uns durch die Trubel der Zeiten

Die Milz liebt es warm und trocken – ein Ausflug zu Feuchtigkeit und Schleim und Tan

Ausgedörrte, trockene Erde – Hunger auch nach Ruhe: Eibisch

Brunnenkresse für frisches Blut

Wenn die Muttermilch nicht so fließen will

Der Mensch ist, was er isst – der Magen verdaut, was er bekommt oder eben auch nicht: Kalmus

Wenn es uns im Magen gar nicht wohl ist – ein Ausflug

Tausendgüldenkraut löscht das Feuer im Magen

Koriander wärmt den Magen

Eine altbekannte Erdpflanze in unserem Küchenschrank – die Kamille

Frauenmantel – ein Kraut für (fast) jede Frau

Blutwurz und Hirtentäschel – zwei GefährtInnen zum Blutanhalten

Die Bibernelle als Gefährtin für unsere Milz-Energie

Angelikawurzel – ein Engel an unserer Seite

Ringelblume als Balsam für Haut, Schleimhäute und Seele

Antibiotika und dann?

Thuja – der Lebensbaum hilft bei hartnäckigen Infekten

Die Kermesbeere als starke Genossin für Hals und Brüste

Wenn der Darm schneller arbeitet als uns lieb ist: Durchfall nicht nur aus Sicht der TCM

Odermennig gibt uns die Standfestigkeit, zu unseren Gefühlen zu stehen

Tagebau auf und unter der Haut – Hilfe bei Akne

Wenn die Haut mal wieder zu dünn ist

Ein einfach süßes Vergnügen – Süßholz und Feminismus

Gibt es ein Kraut bei Eifersucht? Die Schafgarbe

Wandlungsphase Metall

Tipps für den Herbst

Reis als treue Begleiterin unseres Metallelementes

Wegweiser durch den Hustenwald der Möglichkeiten

Der Herbst räumt auf – Alant hilft uns dabei

Begeisterung für den Hirschzungenfarn

Huflattich fegt die Bronchien

Klar und gelb: die Königskerze

Kapuzinerkresse so schön und scharf

Grüße von Frau Holle – der Holunder

Sonnenhut und Zistrose kurbeln das Immunsystem an

Nun endlich der vielbeschworene Knoblauch

Anis wärmt und unterstützt das Lungen-Qi und Nieren-Yang

Spitzwegerich kühlt und unterstützt das Lungen-Yin

Unscheinbar und unheimlich stark – die Vogelmiere

Wenn die Kehle raucht und die Haut sich faltet … Isländisch Moos

Andorn bewahrt die Kraft der Lungen

Klarer Kopf nach vorn und endlich wieder durchatmen

Rettich für heiße Luft – nicht nur in den Lungen

Gundelrebe »putzt durch« und verzaubert

Thymian zaubert uns gesund durch einen nebligen Herbst

Die Große Klette für die kleinen Kletten

Das Lungen-Qi füttert und befeuchtet unsere Haut

In verschlungenen Darmwegen mitschwingen

Dickdarmstärken ist keine Hexerei

Kümmel wärmt den Dickdarm wieder auf

Die Zärtlichkeit des Veilchen kühlt hitzige Prozesse

Den Dickdarm in Aufruhr beruhigt die Linde

Leinsamen, Pflaumen und Feigen bringen einen eingetrockneten Dickdarm wieder in Schwung

Wenn der Knoten im Darm sich zusammenzieht – oder plötzlich löst

Wandlungsphase Wasser

Konzentration als Medizin für die Nieren

Die Mistel ist eine Zauberpflanze nicht nur für Asterix

»No spirit weit und breit?«

Der Ackerschachtelhalm baut das Nieren-Yin auf

»Ihr Kinderlein kommet« – ein Blick auf ungewollte Kinderlosigkeit

Rotklee – ein Tonikum für die weiblichen Organe

Yamswurzel für die Fruchtbarkeit der Frau

Pflanzen für die körperliche Liebe

Gold für die Nieren – die Goldrute

Für die Ausdauer in der Liebe zur Sache – das Hirtentäschel

Der Wacholder unterstützt das Nieren-Yang

Zimt und Ingwer – Warum unsere Großmütter Zimtsterne und Lebkuchen in den kalten Tagen gebacken haben

Zimt (Cinnamomum zeylonicum/cassia)

Ingwer – eine heiße Pflanze für die letzten kalten Tage

Mit Efeu die Bäume hochklettern

Die Schlüsselblume verbindet den Himmel mit der Erde

Well-Aging anstatt Anti-Aging mit Bocksdornfrüchten

Kaffee – eine kräftige Heilpflanze für einige ausgewählte Momente!

Schwarztee als die kleine Schwester des Kaffees

Manchmal bin ich nicht gern schon müde … (fast) eine Hymne an den grünen Tee

Wie schnell läuft der Mensch – wie schnell läuft die Zeit angeblich?

Die Blase als Verwalterin der Nieren braucht eine Gehaltserhöhung

Meisterwurz spendet Kraft und Wärme für den Alltag

Wenn die Kälte nach unten rutscht – Meerrettich

Wenn der Lauf des Wassers brennt – Bärentraube und Birkenblätter

Beinwell für ein beinstarkes Yin

Skript für den Hausgebrauch

Einleitung

Methoden

Massage, Gua Sha

Homöopathie

Pflanzenheilkunde

Indikationen

Durchfall

Erbrechen

Fieber

Husten

Insektenstiche:

Knochenbruch

Kopfschmerzen

Lebensmittelvergiftung

Menstruationsbeschwerden

Rückenschmerzen

Schlafstörungen

Schock

Tierbisse

Trauma

Verbrennungen

Vergewaltigung

Verletzungen/Wundversorgung

Zähne

Anhang

Verweis auf Pflanzenportraits bei Mustern gemäß TCM

Wandlungsphase Holz

Wandlungsphase Feuer

Wandlungsphase Metall

Wandlungsphase

Wasser

Einordnung westlicher Pflanzen nach Kriterien der Chinesischen Medizin

Index westlicher Krankheiten und Themen

Literaturverzeichnis

Danksagung

Vorwort

»Das könnte unsere Revolution sein:

Was es im Überfluss gibt

ebenso zu lieben wie

das Rare.«

(Alice Walker)

Aus meiner großen Leidenschaft für Pflanzen entstand dieses Buch. Mich begeistern ihre Vielfalt und ihre heilenden Qualitäten. Meine Leidenschaft gilt auch der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit ihren Bildern und Vorstellungen. Ihre Gedankengebäude wollen immer weiter entdeckt werden, wenn unser Interesse erst einmal für sie entflammt ist. Die Einordnung westlicher Pflanzen in dieses System ermöglicht es uns, auch hier einen alltäglichen Umgang mit dem Wissen der TCM zur Gesundheitserhaltung zu entwickeln. Dieses Buch gibt einen Einblick in die Strukturen der TCM und richtet sich gleichermaßen an interessierte Laien wie an PraktikerInnen der Chinesischen Medizin.

Dabei möchte ich hervorheben, dass der Begriff »Traditionelle Chinesische Medizin« ein medizinisches System bezeichnet, das erst 1949 im Zuge der Nationenbildung Chinas etabliert wurde. Darin wurden die sehr verschiedenen Schulen und Heilkünste Chinas zusammengefasst und vereinheitlicht. »Die heutige TCM ist so ein Kunstprodukt dieses Jahrhunderts, in dem die dominanten Vorstellungen der gebildeten Oberschicht des klassischen Chinas als alleinige Form chinesischer Medizin aufgefasst werden unter Vernachlässigung aller Anteile, die als unwissenschaftlich und abergläubisch abgelehnt wurden«, findet sich bei Ch. Postert in einer Einführung über Medizinethnologie.

Gerade an diese »abergläubischen« Tendenzen möchte ich anknüpfen und Sie als Lesende dazu ermutigen, Ihre eigenen Erfahrungen mit den Pflanzen zu sammeln. Vielleicht werden Sie dabei feststellen, dass einige der Pflanzen bei Ihnen ganz andere Wirkungen hervorrufen, als Sie es in der Literatur vorfinden. Nun, auch Pflanzen sind Lebewesen und ebenso veränderlich wie Menschen. Was für den einen Menschen ein süßer Apfel ist, kann der nächsten Person sauer vorkommen. Also nehmen Sie dieses Buch als meinen Erfahrungsschatz, der sich natürlich auch aus den Erfahrungen anderer Menschen speist, und entwickeln Sie den Mut, Ihre eigene Kräuterheilkunde zu entwickeln – diese wirkt bei Ihnen meistens am besten!

In meinem medizinischen Ansatz versuche ich außerdem eine Sichtweise zu finden, die die bestehende soziale und politische Situation miteinbezieht. Dazu gehört eine mögliche Übertragung der TCM auf heutige Verhältnisse hier und auch ein Blick auf die globalen Marktmechanismen. Armut, soziale Ungerechtigkeit, Gewalt und Diskriminierung sind Ursachen von Krankheit, denen nicht mit Pflanzen, sondern mit einem entschiedenen Entgegentreten begegnet werden sollte. Pflanzen können Folgen und Krankheiten mildern, die Ursachen brauchen politisches Engagement und Veränderungen.

Und so möchte dieses Buch einen Beitrag dazu leisten, eine medizinische Grundversorgung für den Hausgebrauch zu entwickeln, die unabhängig vom Markt ist und dabei keine Heilpflanzen in anderen Ländern ausbeutet. Weil ich die CO2-Schuld durch Flugzeugtransporte in Betracht ziehe, stelle ich mit wenigen Ausnahmen (Ingwer, Zimt, Kurkuma, Kaffee, grüner und schwarzer Tee, Meerzwiebel, Jujuben, Galgant) nur Kräuter vor, die auch hierzulande angebaut werden können. Unter »westliche Kräuter« fallen alle hier gebräuchlichen Pflanzen, die durchaus aus anderen Kontinenten eingewandert sein können wie beispielsweise der Apfel, die Kartoffel, die Zaubernuss oder die Kermesbeere.

Manchmal denke ich: Wie können wir uns immer wieder so traurig und einsam fühlen, wenn all diese Pflanzen um uns herum wachsen – so, als wollten sie uns sagen: »Hallo, alles wird gut! Alles ist schon da, was du brauchst!«

Übrigens: Gedanken und Wissenswertes über Pflanzen, TCM und Politics finden Sie auch auf meinem Blog »Krähenblüten« unter www.winckler-tcm.de. Schauen Sie doch vorbei!

Zum Gebrauch dieses Buches

Im Folgenden möchte ich Ihnen den roten Faden dieses Buches vorstellen, damit Sie daraus Ihr eigenes Strickmuster entwickeln können.

Am Anfang erläutere ich die beiden wichtigsten Grundprinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin: das Yin-Yang-Prinzip und die Lehre der Fünf Wandlungsphasen. Zum Verständnis der Energieaspekte innerhalb der TCM habe ich ein Kapitel über die Grundsubstanzen eingefügt.

Es folgt eine Erklärung zur Einordnung von Heilpflanzen in die TCM. Danach zeige ich auf, wie die Pflanzen auf verschiedene Weise zubereitet und angewendet werden können.

Als weitere Strukturen innerhalb der TCM stelle ich das 6-Schichten-Modell und die Außerordentlichen Gefäße vor. Verwiesen sei dabei auf die ausführlichen Literaturangaben, die zum Weiterlesen einladen sollen.

Im Anschluss erläutere ich in fünf Abschnitten die Wandlungsphasen mit möglichen Ungleichgewichten. Diese Spannungen und Ungleichgewichte zwischen den Elementen werden auch als »Syndrome« bezeichnet. Zu jedem Syndrom habe ich eine oder mehrere Heilpflanzen herausgesucht und näher beschrieben. Es finden sich auch Verweise auf Pflanzen, die ausführlicher an anderer Stelle besprochen werden.

Da aber jede Pflanze bei verschiedenen Syndromen eingesetzt werden kann, werden diese genannt und es finden sich dann wiederum Querverweise.

Sie können dieses Buch auch als einen Einstieg in die Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin lesen, da die relevanten Strukturen der TCM vorgestellt werden. Einige Texte richten sich an Menschen, die bereits tiefer in die Materie der TCM eingestiegen sind. Diese Texte sind im Inhaltsverzeichnis und in der jeweiligen Überschrift mit einem Blatt () gekennzeichnet.

Sie können sich aber auch zu den Pflanzen, die Sie interessieren oder denen sie schon begegnet sind, einen neue Betrachtungsweise aneignen und ihre Erfahrungen damit vergleichen. Die Kapitel sind zum Großteil einzeln zu verstehen. Deshalb finden sich auch Wiederholungen. Wenn bestimmte Theorien der TCM zum Verständnis nötig sind, verweise ich auf die entsprechenden Kapitel, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden.

Sie können auch einzelne Symptome im Register heraussuchen und die dafür relevanten Pflanzenportraits studieren. Da in der Traditionellen Chinesischen Medizin mit Kombinationen von Pflanzen gearbeitet wird, empfiehlt es sich bei ernsthaften Beschwerden eine fachkundige Person hinzuzuziehen.

Um das Lesen zu vereinfachen, habe ich stets die weibliche Form gewählt. Ich bitte diese Verkürzung zu entschuldigen und die Leser sich als begriffen zu verstehen. Wenn sich eine Information explizit auf Männer bezieht, habe ich die männliche Form gewählt.

Dieses Buch handelt von Pflanzen und ihrer Interaktion mit Menschen – ein recht lebendiges Unterfangen. Ich habe mich um Struktur wie es dem Metall entspricht bemüht. Jedoch auch die Qualität der anderen Elemente soll zum Ausdruck kommen:

Sich bilden und Auflösen, sich einander Hingeben, Entstehen und Sterben – das ist der Wasseraspekt! Sich Verändern, zueinander Streben, aneinander Zerren, um sich und andere Ringen, die Ziele Verfolgen – das ist die Holzseite! Sich und andere Nähren, ganz präsent Sein, sich selber mit allen Seiten Sein – das ist die Erde! Und Lieben, sich Begeistern, nach etwas anderem Streben, ganz in etwas Aufgehen, auch wenn es eine komplette Transformation bedeutet – das ist das Feuer!

So hoffe ich, dass dieses Buch bei allem nötigen Metall auch die anderen Elemente schwingen lässt und dass Sie den chaotischen Momenten dieses Buches mit einem Lächeln begegnen können!

Also wird auch mal etwas wiederholt, etwas anderes vergessen und meine Lieblingspflanzen werden auf einen Thron gesetzt. So werden Sie genau wie ich während meiner Literaturrecherche auch widersprüchliche Informationen antreffen. Ist diese Pflanze denn nun kühlend oder erwärmend und wie um Himmelswillen soll sie beides zugleich sein können?

Nun, am besten probieren Sie aus, wie diese Pflanze bei Ihnen wirkt!

1. Einführung in die Traditionelle Chinesische Medizin

Grundprinzipien der TCM

Die TCM hat sich im Laufe der Jahrtausende aus verschiedenen Strömungen entwickelt und ist weiter in Veränderung wie jedes lebendige Wissen. Zwei wichtige Richtungen haben zum Ausbilden von zwei ineinandergreifenden Theorien geführt: das Prinzip von Yin und Yang und die Lehre der fünf Wandlungsphasen. Aus diesen beiden Prinzipien entstehen die sogenannten Syndrome oder Muster.

Das Prinzip von Yin und Yang

In allen Teilen und Lebewesen des Kosmos hat die chinesische Medizin die sich bedingenden Kräfte Yin und Yang für sich wiedererkannt. Ich verwende nicht den Begriff »Polaritäten«, da sich in jedem Yin auch ein Anteil Yang befindet, ebenso wie in jedem Yang ein Anteil Yin. Ein reiner Yang-Zustand bedeutet ebenso den Tod wie ein reiner Yin-Zustand. Jedes Yang wandelt sich zum Yin und jedes Yin zum Yang. Dieser Prozess findet beständig statt. Entscheidend ist der Energiefluss zwischen beiden, den die Methoden der TCM unterstützen.

Jeder Yang-Aspekt kann wiederum in einen Yin- und einen Yang-Aspekt unterteilt werden und umgekehrt. Jeder noch so feine Yang-Aspekt beinhaltet gleichzeitig auch immer einen noch feineren Yin-Anteil.

Im menschlichen Körper befindet sich die meiste Energie immer abwechselnd in zwei Yin- und dann in zwei Yang-Meridianen. Diesen Energiefluss kann man in der sogenannten Organuhr ablesen. Der Wechsel passiert gleitend alle zwei Stunden: Beispielsweise ist die meiste Energie von 3 bis 5 Uhr in der Lunge, dann von 5 bis 7 Uhr im Dickdarm. Erkrankungen in einem bestimmten Organ treten ausgeprägter in der Zeit gemäß der Organuhr auf. Zudem hat jedes Organ noch seinen eigenen Yin-Yang-Rhythmus. Bei der Gebärmutter braucht der Wechsel beispielsweise ungefähr einen Monat.

Die beiden Kategorien Yin und Yang können nicht übersetzt werden, da es in der deutschen Sprache keine Entsprechungen gibt. Deshalb werden Yin und Yang im Folgenden durch ihre Qualitäten charakterisiert.

Die Qualitäten von Yin

Yin umfasst die Materie und die Substanz, die Struktur, die Nacht, die Ruhe und die Kälte.

Yin ist alle Substanz und setzt sich im Menschen aus Flüssigkeiten, Blut, Nähr- und Abfallstoffen zusammen. Yin ist auch kompakt. Die festen Substanzen gehören ebenfalls zum Yin: die Knochen, die Muskeln, die Sehnen, Haare und die Haut. Wenn Erkrankungen an die Substanz von Organen gehen, ist immer das Yin beteiligt. Beispielsweise kann ein stechender Schmerz im Magen durch zu scharfes Essen (Yang) hervorgerufen werden und einen akuten Yang-Überschuss im Magen (empor loderndes Magen-Feuer) bewirken. Wenn die Beschwerden jedoch anhalten und die Magenschleimhaut angegriffen ist, wurde das Magen-Yin verletzt.

Auch Erkrankungen, die mit der Bildung von vermehrter Substanz wie Tumore, Zysten oder Ödeme einhergehen, haben Yin-Charakter.

Ausdruck von Yin ist das Blut. Ein Mangel an Blut kann sich in den Organen Herz, Milz, Lunge und Leber mit jeweils spezifischen Symptomen äußern (→siehe Bluttonika).

Yin ist kalt. Kälte kann als Körpertemperatur wahrgenommen werden. Kälte deutet auf einen Mangel an Yang und somit einen (relativen) Yin-Überschuss oder auf einen Blut-Mangel hin. Kühlende Heilpflanzen sind wichtig, um Hitze im Körper zu kühlen und Entzündungsprozesse abzubauen.

Yin ist passiv, Yin ist die Ruhe. Yin-Beschwerden sind an einer Stelle fixiert und verschwinden nicht so schnell. Yin-Beschwerden treten verstärkt in der Ruhe auf und verschlechtern sich durch diese. Bei einem Yin-Mangel fällt es schwer in die – ersehnte – Ruhe zu kommen. In der Ruhe aber erst kann sich das Yin regenerieren. Diese Problematik findet sich häufig bei ADHS.

Yin ist feucht. Das Wasser zählt zum Yin. Die dünnen Flüssigkeiten zählen zum Yin. Wenn Yin im Mangel ist, besteht im Körper Trockenheit, die sich zum Beispiel an der Haut, den Haaren oder den Schleimhäuten zeigen kann.

Feuchtigkeit entsteht im Körper durch einen Mangel an Yang (→siehe »Die Milz liebt es warm und trocken«).

Yin ist absteigend. Kälte und Nässe haben die Tendenz, nach unten zu sinken. Klassisch sind kalte Füße und Ausfluss ein Zeichen von Yang-Mangel.

Yin ist langsam. Schon durch seine Kompaktheit ist Yin schwerer, träger und somit immer relativ langsamer als Yang. Dies ist in bei Heilungsverläufen zu beachten. Viele yin-tonisierende Heilpflanzen wie Baldrian, Johanniskraut und Rotklee benötigen auch eine längere kontinuierliche Einnahmedauer, bis sie ihr Wirkungsoptimum erreichen.

Yin ist zentrierend, zusammenziehend. Die Yin-Energien richten sich nach innen. Beim Schlafen schließen wir die Augen. Haben wir einen Yin-Mangel blicken wir unruhig durch die Gegend, die Konzentration fällt uns schwer. Bei einem Überschuss von Yin beispielsweise in den Lungen hat sich dort zu viel Schleim angesammelt, der nicht abgehustet werden kann.

Yin ist im menschlichen Körper die Vorderseite, im Inneren und die untere Körperhälfte. Pilze nur im unteren Körperbereich haben mehr Yin-Qualität. Je tiefer ein Husten, desto mehr Yin-Bezug hat er (→siehe »6-Schichten«).

Yin ist Ernährung. Versorgungsaspekte der materiellen Art gehören zum Yin.

Zum Yin gehört die Gebärmutter. Wobei diese wieder in einen Yin- und Yang-Aspekt zu unterteilen ist s.o.. Da Frauen eine Gebärmutter haben, besitzen sie meistens mehr Yin als Männer. Dies ist heute sehr relativ zu sehen. Durch einen yang-betonten Lebenswandel kann sich dieser relative Yin-Überschuss auch kaum mehr bemerkbar machen. Ebenso können Männer ihr relatives Yin-Defizit durch ein yin-betontes Leben ausgleichen. Dies passiert durch die allgemeine Yangisierung der Gesellschaft leider eher selten (→siehe »Wie schnell läuft die Zeit?«). Männer, die sich den Versorgungsaspekten des Lebens mehr widmen, können ihr Yin stärken. Warum dies wieder rum Potenz steigernd sein kann, erkläre ich in dem Kapitel über ungewollte Kinderlosigkeit und Sexualität (→siehe »Ihr Kinderlein kommet« und »Pflanzen der Liebe«).

Yin ist nachts. Alle Symptome, die sich nachts zeigen oder verschlechtern haben einen Yin-Bezug – entweder einen Yin-Mangel oder einen Yin-Überschuss. Zuviel Schleim in den Lungen ist eine Yin-Fülle und führt oft zum Abhusten nachts. Wenn das Yang morgens ansteigt, kommt die zweite Welle des Abhustens. Das Lungen-Yang kann den Schleim nach außen befördern.

Das Syndrom der unruhigen Beine (»Restless legs«) verschlechtert sich in Ruhe und sind Ausdruck eines Yin-Mangels meistens auf der Blutebene. Nachtarbeit (vor allem im Schichtdienst) kann langfristig die Yin-Reserven erschöpfen. Nachts im Yin bauen sich die Kräfte für den Tag auf.

Die Qualitäten von Yang

Yang umfasst die Bewegung und die Funktion, den Tag, die Sonne, die Aktion und die Wärme.

Yang ist Funktion. Wenn Yin der Schweiß ist, dann ist Yang das Schwitzen. Das Menstruationsblut ist Yin, das Bluten ist Yang. Das Wasser im Körper ist Yin, die Wasserverteilung Yang.

Ausdruck von Yang ist das Qi. Ein Mangel an Qi kann sich in den Organen Niere, Blase, Gallenblase, Herz, Dünndarm, Milz, Magen, Lunge und Dickdarm mit jeweils spezifischen Symptomen äußern

Yang ist hohl. Im Bild von Yin und Yang, sind die festen Substanzen Yin und die Hohlräume, die Räume der Möglichkeiten Yang. Aber auch hier ist Verwandlung: die Gebärmutter als Muskel ist Yin, der Freiraum Yang. Bei einer Schwangerschaft wird der Freiraum immer mehr mit dem Baby (Yin) gefüllt. Bei der Geburt ist der kontraktierende Muskel Yang und das Baby als Körper Yin.

Yang ist warm. Hitzegefühle deuten auf eine (relative) Yang-Dominanz hin. Es gibt auch eine sogenannte Leere-Hitze, die auf einen Yin-Mangel zurück zu führen ist (→siehe Lavendel).

Durch viel Bewegung nimmt die Wärme, das Yang im Körper zu. Die Backen werden gerötet und zeigen die bessere Durchblutung (Yang ist Zirkulation) an.

Yang ist aktiv. Yang ist Bewegung. Auch gerade im gesellschaftlichen Bereich erfährt das Yang eine große Wertschätzung: Handeln anstatt Warten; eher im Fitness-Studio als auf der Coach und viel Reden (am besten mit dem Smartphone) anstatt Zuhören und dabei Schweigen.

Ohne Yang würden wir zweifelsohne nur an Heilkräuter denken, ohne aufzustehen und einen Tee zu kochen. Yang ist es auch nachts aus dem Schlaf gerissen ein weinendes Kind durch die Wohnung zu tragen auf Kosten des eigenen Yin.

Yang ist trocken. Wärme trocknet. Trockene, rissige Haut verweist auf einen (relativen)Yang-Überschuss. Trockener Reizhusten durch Rauchen ist Ausdruck eines (relativen) Yin-Mangels der Lungen, wobei das Lungen-Qi langfristig in beiden Aspekten geschwächt wird.

Yang ist aufsteigend. Auch Wärme hat eine aufsteigende Richtung. So findet sich bei Yang-betonten Prozessen im Körper auch eine aufsteigende Tendenz bzw. die Zustände befinden sich oberhalb des Bauchnabels, der die Grenze zwischen oben und unten darstellt.

Yang ist zerstreuend. Die Energien von Yang richten sich nach außen. Der kleine Flirt in der Straßenbahn hat Yang-Charakter ebenso wie ein kräftiges Niesen, das angesammeltes Yin endlich nach außen befördern kann. Scharfe Nahrungsmittel verfügen über relativ mehr Yang wie süße Speisen.

Yang ist schnell. Dies ist auch an der vergleichsweisen schnellen Abhilfe durch stark yang-haltige Heilpflanzen wie Ingwer und Thymian bemerkbar. Bei einem akuten Befall von Wind-Kälte können diese beiden Pflanzen ein tieferes Sinken der Pathogenen verhindern (→siehe »6 Schichten«).

Yang ist der Rücken, die Oberfläche und die obere Körperhälfte. Deshalb hat ein allergisches Hautekzem mehr Yang-Qualität als ein allergisches Asthma.

Yang ist Abwehr-Energie. Yang ist eine feine, leichte Schicht von Energie, die uns umgibt, um pathogene Faktoren abzuwehren. Sie ist immateriell und wird von dem Lungen-Yang um den Körper verteilt. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann eine Stärkung des Lungen-Yang helfen (→siehe Engelwurz, Alant, Anis).

Zentral: das Zusammenspiel von Yin und Yang

Yin und Yang können nur gemeinsam agieren. Sie begrenzen und kontrollieren sich, bringen sich gegenseitig hervor und gleichen sich aus und verwandeln sich ständig ineinander. Wenn wir erkranken, liegt immer auch in diesem Gleichgewicht der Hase begraben:

Handeln (Yang) ohne Kontemplation (Yin) bringt keinen Erfolg, sondern rote Augen und Erschöpfung (Zeichen von überschießendem Yang).

Nahrung (Yin) ohne Verdauungsbewegungen (Yang) führt zur Nahrungsstagnation (Yin-Fülle).

Heilpflanzen und auch Nahrungsmittel sind nach ihrem Gehalt an Yin und Yang einzuordnen. Eine stark erwärmende Pflanze hat Yang-Gehalt wie beispielsweise Ingwer oder Wacholderbeeren. Eine Pflanze, die den Schlaf fördert, besitzt eindeutige Yin-Qualitäten wie beispielsweise Melisse oder Hopfen. Bei der Zusammenstellung von Kräuterrezepturen wird darauf geachtet, dass die Mischung genau dem individuellen Bedürfnis der KlientIn hinsichtlich Yin und Yang entspricht.

Die Grundsubstanzen

Die Energie im menschlichen Körper wird über verschiedene Medien, auch »Grundsubstanzen« genannt, transportiert. Diese werden nach dem Grad ihrer Stofflichkeit Yin oder Yang zugeordnet.

Jing ist die Quelle aller Grundsubstanzen. Jing ist die Energie von den Eltern und dem Kosmos, aus der wir entstehen. Diese dichte Yin-Form der Energie liegt auch in jedem Samenkorn vor. Mit Hilfe des Nierenfeuers wird Jing zu Yuan-Qi (→siehe unten) transformiert und über die Nieren an alle anderen Funktionskreise verteilt (→siehe Bocksdornfrüchte).

Die materiellen Energieformen gehören zum Yin: Blut und die Körpersäfte (Jin ye). Sie sind auch in der westlichen Schulmedizin wichtige Parameter zur Diagnose. Blutwerte sind beispielsweise messbar, die Qualität und Quantität von Körpersäften ebenso.

Das Blut ist die dichteste Substanz. Die Qualitäten des Bluts gehen über die messbaren Parameter der westlichen Schulmedizin hinaus. Das Blut wärmt und befeuchtet den Körper. Es ernährt den Körper und beruhigt und festigt den Geist. Aus einem Blut-Mangel kann ein Yin-Mangel entstehen.

Zu den dünnen Körpersäften (Jin) gehören der Schweiß, die Tränenflüssigkeit, die Spucke und die Vaginalsekrete (genannt: «Säfte der Liebe«). Sie versorgen die Haut und die Muskeln. Sie zirkulieren oberflächlicher als Blut zusammen mit dem Abwehr-Qi (s. u.) und können als Schweiß abgegeben werden.

Zu den dicken Körperflüssigkeiten (ye) werden die von der Konsistenz her dichteren Säfte gezählt, die die Gelenke, den Rücken, das Gehirn und das Mark befeuchten. Sie zirkulieren zusammen mit dem Nähr-Qi (s. u.) in den tieferen Strukturen des Körpers. Sperma ist die verflüssigte Form von Jing. Deshalb verlieren Männer auch bei jedem Samenerguss einen Teil ihrer Lebenskraft (→siehe »Pflanzen der Liebe«).

Die feinstofflichen Yang-Formen sind Qi und Shen. Sie sind ebenfalls wahrnehmbar, aber nicht unbedingt mit schulmedizinischen Methoden messbar.

Qi regelt die Grundfunktionen. Es hält, hebt, bewegt, nährt, schützt und transformiert. Nach seiner Funktion werden folgende Qi-Formen unterschieden: das Ursprungs-Qi, das Leitbahn-Qi, das Nahrungs-Qi, das Atmungs-Qi, das Sammel-Qi, das Abwehr-Qi und das Aufrechte Qi.

Das Ursprungs-Qi (Yuan-Qi) stammt aus umgewandelten Jing und wird von den Nieren in die drei Erwärmer verteilt. Dort liefert es die Grundenergie für alle Prozesse und Substanzen. Alle Qi-Formen stammen letztendlich aus dem Ursprungs-Qi. Ist das Jing geschwächt wie etwa nach einem Schock oder im Alter, ist das Ursprungs-Qi vermindert und je nach vorhandenen Ungleichgewichten wird sich diese Schwäche in der einen oder anderen Qi-Form oder in unterschiedlichen Funktionskreisen manifestieren.

Das Leitbahn-Qi (Ying-Qi) zirkuliert in den Meridianen und Blutgefäßen. Mit diesem Qi wird in der Akupunktur und im Shiatsu verstärkt gearbeitet.

Das Nahrungs-Qi (Gu-Qi) entsteht aus Essen und Trinken in den Funktionskreisen Magen und Milz.

Das Atmungs-Qi (Da-Qi) wird nach der Einatmung von den Lungen gebildet.

Das Nahrungs-Qi und das Atmungs-Qi werden zum Sammel-Qi (Zhong-Qi) verbunden und in weiteren Transformationsprozessen mit Hilfe der Milz und des Herzens zu Blut. Dies erklärt auch, warum es bei Blut-Mangel einer vertieften Atmung und Bewegung bedarf. Das Blut braucht das Atmungs-Qi ebenso wie die Nahrung. Andersherum erklärt es, warum einige wenige Menschen nur mit Licht und Atmung leben können.

Das Abwehr-Qi (Wei-Qi) wird von den Lungen als feiner Film um den Körper verteilt. Es bildet die oberflächlichste Schutzschicht gegen pathogene Faktoren.

Das Aufrechte oder Wahre Qi (Zhen-Qi) hat eine Schutzfunktion im Inneren des Körpers inne. Es entspricht zusammen mit dem Wei-Qi in etwa unserem Begriff des Immunsystems. Dabei verhindert es das Fortschreiten eines pathogenen Faktors nach innen (→siehe 6-Schichten).

Shen könnte mit »Geist, Verstand, Spiritualität, Gegenwärtigkeit« kläglich übersetzt werden. Shen bedeutet »die Begeisterung für das Leben, lebendig sein und auch andere begeistern können«. In einer Gesellschaft wie unserer, der es so oft eben an »Shen« fehlt, fehlen auch die treffenden Worte. »Shen« ist m.E. die Weitsicht, die uns auf der kognitiven Ebene mit dem Kosmos verbindet und uns immer wieder für das Leben einnehmen – begeistern – lässt. Aber auch das Funkeln in den Augen, wenn wir uns mit vollem Herzen und klarer Sicht für etwas begeistern, sprechen von der Stärke des Shen. Wem es an Shen fehlt, der hat einen trüben, matten Blick oder die Augen irren wirr umher wie wir es bei Menschen mit einer starken Drogenabhängigkeit finden. Das Shen ist dann nicht mehr verwurzelt, sondern der Mensch sucht nur nach Befriedigung durch die Droge.

Der Shen kann durch alles genährt werden, was unserem Herzen tiefe Freude bereitet. In schwer belastenden Zeiten wie Krieg muss der Shen auch versteckt werden können, damit diese Energie nicht verströmt wird. Ungeschützt kann die sich entleerende Energie zu einem Schock oder anderen Zusammenbruch führen.

Alle Grundsubstanzen bedingen sich gegenseitig und bilden in ihrer Komplexität den Energiekörper.

Die fünf Wandlungsphasen

In der Sichtweise der TCM hat alles eine Wurzel, ist alles eins. Deshalb geht Yin in Yang über und umgekehrt, es sind nicht zwei Dinge sondern das sich ständig verwandelnde Eine. Diese Theorie wurde mit der Lehre der Fünf Wandlungsphasen verbunden, um die beobachtbaren Unterschiede weiter auszudifferenzieren. Es gab auch verschiedene Richtungen der Lehre der Fünf Wandlungsphasen. Und die heutige TCM ist wie schon in der Einleitung erwähnt ist eine Synthese verschiedener Schulen.

Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer sind Elemente des Einen. In jedem Element sind alle fünf Elemente wieder vertreten. Dies findet sich plastisch in der Akupunktur wieder. Um ein Beispiel zu geben: Der Milzmeridian ist der Yin-Meridian der Wandlungsphase Erde. Der dritte Akupunkturpunkt ist der Erdepunkt. Er besitzt die Qualität am stärksten zu erden, während der neunte Punkt der Wasserpunkt ist und zum Sedieren (=ableiten) geeignet ist, wenn zu viel Wasser droht, die Erde zu überfluten.

Da die Elemente sich gegenseitig hervorbringen, transformieren und nicht als statische Elemente zu verstehen sind, werden sie als »Wandlungsphasen« bezeichnet. In jedem Lebewesen sind alle fünf Wandlungsphasen vertreten. Dennoch begegnen uns als Konstitution besondere Stärken oder Schwächen einer Wandlungsphase. Auch entspricht jeder Lebensabschnitt energetisch einer Wandlungsphase: Die Geburt und der Tod gehören zum Wasser, die Kindheit zum Holz, die Pubertät und das junge Erwachsenenalter zum Feuer, das Mittlere Alter zur Erde, das frühe Alter zum Metall und mit dem Tod schließt sich dieser Kreislauf.

Der Kreis schließt sich auch bei der Entstehung der Wandlungsphasen: Die Erde bringt das Metall hervor. Das Metall lässt das Wasser kondensieren, das Wasser bringt das Holz hervor, aus dem Holz kann das Feuer entstehen und aus der Asche des Feuers wieder die Erde. Dieser Zyklus wird auch als Hervorbringungszyklus bezeichnet.

Die einzelnen Elemente kontrollieren sich auch gegenseitig: Die Erde kann das Wasser dämmen, das Wasser kann das Feuer begrenzen, das Feuer kann das Metall schmelzen, das Metall kann das Holz sägen, das Holz kann die Erde durchwurzeln. Dies wird als der Kontrollzyklus bezeichnet. Wenn die Kontrolle überhand nimmt, spricht man vom Überkontrollzyklus. Die analogen Ungleichgewichte im menschlichen Körper habe ich in Klammern hinzugefügt.

Die Erde trocknet das Wasser ein (Milz-Yin-Mangel), das Wasser löscht das Feuer (Herz-Yang-Mangel), das Metall schmilzt durch das Feuer davon (Hitze in den Lungen /Hitze im Dickdarm), das Holz wird durch das Metall zerstückelt und sein Wachstum verhindert (Leber-Qi-Stagnation), das Holz entzieht der Erde die Basis (Leber attackiert Milz/Magen).

Es können ebenfalls Ungleichgewichte entstehen, wenn sich die Postion des kontrollierten und des kontrollierenden Elemente umkehren:

Das Wasser überflutet dann die Erde, die Erde erdrückt das aufkeimende Holz, das Holz macht das Metall stumpf, das Metall erlischt das Feuer, das Feuer verdampft das Wasser. Dies wird als der Verspottungszyklus bezeichnet und dazu finden sich im menschlichen Körper analoge Erkrankungen.

In der TCM werden Funktionen und Erscheinungsweisen in der Natur einer Wandlungsphase zugeordnet. Die Organe der Wandlungsphasen wiederum sind auf vielfache Art und Weise miteinander verbunden:

Je zwei Organe (bzw. beim Feuer sogar vier Organe) sind als Yin- und Yang-Organ einer Wandlungsphase miteinander gekoppelt, beispielsweise die Lunge als Yin und der Dickdarm als Yang-Meridian.

Der Entstehungs-, der Kontroll-, der Überkontroll- und der Verspottungszyklus bringen die Meridiane in eine individuelle aktuelle und chronische Konstellation.

Der gesamte menschliche Körper ist in drei Kammern gegliedert: den Oberen Erwärmer, den Mittleren Erwärmer und den Unteren Erwärmer. Diese drei Kammern werden durch das Organ des Dreifachen Erwärmers geregelt, der in der Westlichen Medizin keine Entsprechung kennt. Beispielsweise finden sich im Oberen Erwärmer die Lunge, das Herz und der Perikard (→siehe Hafer).

Die Meridiane sind wie die Schalen einer Zwiebel um einen Kern (die innerste Schicht) angeordnet. Von außen nach innen liegen drei Schichten mit je zwei Yang-Meridianen gefolgt von drei Schichten mit je zwei Yin-Meridianen. Die Lunge bildet zusammen mit der Milz die erste Yin-Schicht von außen. Diese wird »Tai Yin« genannt (→siehe 6-Schichten-Modell).

Pflanzen und Nahrungsmittel haben bestimmte Affinitäten zu den Wandlungsphasen und entfalten ihre Wirkung dort (→siehe Einordnung der Pflanzen in der TCM).

Im Idealfall finden sich in einer Kräuterrezeptur genau die Pflanzen, die das energetische Ungleichgewicht der KlientIn auszugleichen verstehen.

Beispielsweise braucht es bei einem Yin-Mangel in der Wandlungsphase Erde, die sich ausdrückt im Funktionskreis Magen, eine Yin-stärkende Mischung mit Pflanzen mit dem Bezug zu Erde und im Speziellen zum Magen.

Meistens haben Pflanzen Bezüge zu mehreren Wandlungsphasen.

Die Einordnung der Pflanzen in der TCM

In der TCM werden zur Kategorisierung einer Pflanze oder eines Nahrungsmittels die sogenannten fünf Arzneimitteleigenschaften (Yao Xing) herangezogen.

Es werden bei jeder Pflanze die Geschmacksrichtung(en), die Temperaturqualität(en), die Bezüge zu Leitbahnen oder inneren Organen, die Wirkrichtung und der Grad der Toxizität bestimmt.

Jeder Wandlungsphase wird eine Geschmacksrichtung zugeordnet: süß (Erde), scharf (Metall), salzig (Wasser), sauer (Holz) und bitter (Feuer). Zusätzlich besteht in der chinesischen Arzneimittellehre noch die Kategorie des »neutralen« und »aromatischen« Geschmacks. Eine ausführliche Darstellung zu deren Wirkweise findet sich in dem Kapitel zur Ernährung nach TCM (→siehe ebenda).

Eine Pflanze kann durchaus mehrere Geschmacksrichtungen in sich bergen und hat meistens auch Bezüge zu mehreren Leitbahnen und inneren Organen. Durch die Kombination von mehreren Pflanzen werden die Kontraindikationen der verschiedenen Geschmäcker abgemildert. Je nach bedarf kann auch eine Pflanze herausgesucht werden, die die jeweiligen Geschmäcker in sich birgt. Das Erstellen von Rezepturen nach den Kriterien der TCM soll zwar kurz angerissen werden, würde aber den rahmen dieses Buches Sprengen, da es eine komplette Ausbildung bedarf.

Der süße Geschmack tonisiert die Milz. Die Terminologie beruht aus einer Zeit, in der es keinen Industriezucker gab, sondern nur die natürliche Süße von Getreide beim Kauen im Mund. Er bewirkt eine starke Zentrierung auf das Jetzt und stabilisiert die Bewegungen der Energien um das Zentrum herum. Dies kann auch entspannen. Er vermag bei Erschöpfung schnell zu tonisieren. Der materielle Aspekt von Qi und Blut wird genährt. Deshalb können Babys und Kleinkinder nur durch den süßen Geschmack (Muttermilch, Karotte, Kürbis, Pastinake, Reis) ernährt werden. Durch die Tonisierung von Qi entsteht auch Wärme und ein Gefühl von Stärke, in dem sich manche Menschen auch wieder besser entspannen können. Zudem können einige Pflanzen mit süßem Geschmack die Muskeln über das Nähren der Sehnen entspannen und dadurch bedingte Schmerzen lindern (→siehe Süßholz). Wie eine Prise Zucker beim Brotbacken oder bei einem scharfen Gericht federt der süße Geschmack die Extreme ab. Dies passiert auch emotional, wenn wir etwas süßes essen.Nun es wird verständlich, warum Menschen zu Süßigkeiten greifen, wenn sie sich gestresst fühlen, oder?

Im Übermaß (vor allem bei künstlich erzeugter Süße) wird die Milz überbelastet und Schleim kann sich bilden (→siehe Diät-Magersucht/Fenchel). Der süße Geschmack befeuchtet und baut die Körpersäfte und Blut auf. Im Übermaß läuft im wahrsten Sinne die Nase über (katarrhalische Störungen).

Süße Mittel harmonisieren auch die Wirkungen von anderen Arzneimitteln: die Intensität und Geschwindigkeit wird abgepuffert. Die Wirkung tritt langsamer ein und hält länger an. Übermäßige zerstreuende und aufwärts gerichtete Energiebewegung wird abgemildert. Deshalb muss der süße Geschmack bei bestehender Stagnation aber reduziert werden.

Pflanzen mit süßem Geschmack sind Fenchel, Eibisch, Hafer, Süßholz und Anis.

Der scharfe Geschmack tonisiert die Lunge. Er bewegt gestautes Qi und Blut und löst Stagnation. Er zerstreut die Energien nach außen und reguliert festgefahrenes Qi (Ross 2006:55). Er vermag die Hautporen zu öffnen und den Schweiß zu fördern. Deshalb eignet er sich zum Vertreiben von pathogenen Faktoren (Wind, Kälte, Hitze, Nässe) und Toxinen und ist somit abwehrstärkend. Bekannt ist seine ausleitende Funktion bei Wind-Hitze oder Wind-Kälte (scharfes Hustenbonbon bei Halsschmerzen …). Dabei spielt das jeweilige Temperaturverhalten der Pflanzen eine Rolle: scharf, kühlende Pflanzen (Pfefferminze, Holunder) bei Wind-Hitze und scharf-erwärmende Pflanzen bei Eindringen von Wind-Kälte. Häufiger finden sich scharf-erwärmende Pflanzen (Ingwer, Chilli, Meerrettich, Knoblauch, Angelikawurzel). Der scharfe Geschmack fördert auch den Flüssigkeitsstoffwechsel und kann Nässe und Schleim zerstreuen. Wichtig ist diese Funktion bei Husten und rheumatischen Beschwerden, aber auch wenn wir uns geistig benebelt fühlen. Der scharfe Geschmack hilft, die Öffnungen frei zu legen. Gerade in Kombination mit dem aromatischen Geschmack kann der Nässe und dem Schleim auf den Pelz gerückt werden. Scharf-warme Pflanzen wie Ingwer, Zimt und Chilli können den Kreislauf anregen. Hitze kann umverteilt werden. Dies erklärt den Einsatz von Chilli zur Fiebersenkung.

In Kombination mit dem süßen Geschmack und warmer Thermik vermag er das Yang zu tonisieren. Qi wird dann besser zirkuliert, ohne sich zu stark zu zerstreuen. Äußerlich angewendet kann er pathogene Faktoren nach außen ziehen (Wie zum Beispiel ein Stück Zwiebel auf einem Stich) und Blutstase bewegen. Bei einem Zuviel kann er zu stark austrocknen und das Leber-Yin schwächen.

Der salzige Geschmack kühlt, befeuchtet und vermag zu lösen. Der Salzgehalt unserer Nahrung übersteigt meistens die erträgliche Menge. Die Folgen von zu viel salziger Nahrung können dann wiederum zur Stagnation (»Salzsäule«) führen. Es gibt in der Einordnung westlicher heilpflanzen in die TCM kaum Pflanzen mit salzigem Geschmack. Deshalb ist diese Kategorie vor allem bei Nahrungsmitteln wichtig (→siehe Ernährung).

Der bittere Geschmack leitet die Energien nach unten. Somit erklärt sich seine purgierende und Schleim ausleitende Wirkung auf die Lungen. Er leitet Hitze und Nässe aus. Hier liegt der Hauptaugenmerk der TCM. Die meisten bitteren Pflanzen sind kühlend, Ausnahme ist der Kaffee, der Kakao und die Wachsmyrte (Myrica). Durch die Kühlung wird Hitze beseitigt. Dies findet sich in den westlichen Entsprechungen von antimikrobiell, entzündungshemmend und fiebersenkend.

In der westlichen Tradition der Phythotherapie wird der bittere Geschmack mit der Tonisierung der Verdauungsorgane verbunden. In der TCM entsteht die Tonisierung durch die Fähigkeit des bitteren Geschmacks, das Qi zu bewegen und die physiologische Abwärtsbewegung von Magen und Darm zu unterstützen. Gelöste, entstaute Energie kann dann wieder zur Verfügung stehen. Zum Qi gehört auch das Wei-Qi, das dem westlichen Immunsystem entspricht.

Der Einfluss auf Leber und Gallenblase( Cholagogum und Hepatikum) wird in Zusammenhang mit den sogenannten Bitterdrogen gebracht. In der TCM entspricht das dem Bewegen des Leber-Qi und dem Ausleiten von Nässe aus der Gallenblase (→siehe Schöllkraut).

In der TCM unterstützt der bittere Geschmack die Herz-Energie: Dabei kann er tonisieren wie der kardioton wirkende Herzgespann oder beruhigen wie Hopfen und Baldrian (siebe ebenda).

Der saure Geschmack tonisiert in der TCM die Leber, insbesondere das Leber-Yin. Er wirkt zusammenziehend und hält somit die Körpersäfte und Organe im Inneren. Adstringieren bedeutet in der TCM das Stabilisieren des Qi. Der saure Geschmack hält die Dinge an dem vorgesehenen Platz. Die Haltefunktion wird gestärkt. Ist diese Funktion geschwächt, kommt es vermehrtem Schwitzen, Durchfall, Harninkontinenz oder Organsenkungen. Ein stabiles Qi ist vor Zerstreuung geschützter. Im psychischen Bereich zeigt sich ein nicht gefestigtes Qi in Angststörungen, mangelnder Durchsetzungskraft und Konzentration, Schlafstörungen und Herzklopfen. Wie hilfreich kann da schon ein Hagebuttentee am Abend wirken!

Die TCM fokussiert den Einfluss des sauren Geschmacks auf die Stabilisierung des Qi und die damit einhergehenden ausgleichende Wirkung auf die Psyche. Das Herz-Qi wird vor pathologischen Aufwärtsbewegungen des Qi geschützt. Beispielsweise Weißdorn und Herzgespann können das Herz-Qi auf diese weise stärken und beruhigen. Johanniskraut und Goldrute stabilisieren das Nieren-Qi. Sie wirken der zerstreuenden Wirkung von Angst entgegen (→ siehe Angst).

Der saure Geschmack wirkt zentifugal, dabei aber nicht aktiv bewegend, sondern eher passiv haltend. Er kontrolliert das Aufwärtsbewegen, ohne die Energien wie der bittere Geschmack nach unten zu leiten.

Nicht gewollt verfestigte Strukturen wie beispielsweise zähflüssiger Schleim können aber durch den Genuss von viel sauren Geschmachsstoffen schlechter gelöst werden – Cave: keine sauren Fruchtsäfte bei hartnäckiger Bronchitis! (→siehe Ernährung).

Wenn Toxine aus dem Körper geleitet werden sollen, ist der saure Geschmack kontraindiziert.

Der aromatische Geschmack findet sich nicht in dem Konzept der Fünf Wandlungsphasen, findet aber in der medizinischen Praxis Eingang. Er vereint Qualitäten, die über den Geruchs- und den Geschmackssinn wirken. Der hohe Gehalt an ätherischen Ölen ist für die aromatische Qualität verantwortlich. In der westlichen Aromatherapie sind viele der ätherischen Öle wie Lavendel und Melisse auch für ihre beruhigende Effekte bekannt. Sie blicken auf eine Tradition als Antidepressive zurück, da sie die Sinne beleben und Melancholie vertreiben (Melisse, Rosmarin, Salbei, Ysop). In der Synthese von TCM und westlicher Aromatherapie finden sich folgende gemeinsame Kriterien für eine aromatisch wirkende Pflanze:

Sie hat einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen

Sie wirkt bewegend, auflockernd, öffnend oder/und erleichternd

Sie beruhigt, belebt und/oder wirkt verdauungsfördernd und antidepressiv

Der aromatische Geschmack hat auf die Milz einen belebenden Einfluss, so dass diese die Flüssigkeiten und eventuell vorhandene Nässe besser umwandeln kann. Beschwerden durch Nässe wie chronische Sinusitis, Rheumatismus, Übergewicht und Blähungen kann begegnet werden (Wacholder, Angelikawurzel). Die Tätigkeit der Verdauungsorgane wird angeregt. Der Appetit auf das Essen und auch das Leben kann wieder zunehmen (→siehe Magersucht). Ebenso kann durch die Anfeuerung des Verdauungssystems auch bestehendes Übergewicht und kindliches Bauchweh abgebaut werden (Fenchel). Einige Pflanzen wirken dabei auch krampflösend, was zu einer allgemeinen Beruhigung führen kann (Lavendel, Ysop).

Ähnlich dem scharfen Geschmack macht der aromatische Geschmack die Öffnungen frei und belebt oder beruhigt das Herz (insbesondere den geistigen Aspekt) und beschwichtigt das Leber-Yang (→siehe Pfefferminze). Innere Anspannung wird nicht unterdrückt, sondern sanft durch Verteilung gelöst. Eine unphysiologische Aufwärtsbewegung der Energien wird abgemildert. Der scharfe Geschmack hat mehr Yang-Qualität und pustet wie ein starker Wind die Öffnungen frei, währenddessen der aromatische Geschmack eher das Hindernis leichter macht und dadurch der Weg wieder frei wird, ohne dass Energie dabei verloren gehen kann wie beim Einnehmen von Pflanzen scharfen Geschmacks (→siehe oben).

Pflanzen mit aromatischem Geschmack zeichnen sich aus durch ihrer starken Geruch und werden oft auch als Gewürze beim Kochen verwendet.

Pflanzen /Lebensmittel mit neutralem Geschmack werden nur aufgrund anderer Qualitäten eingenommen. Das klassische Beispiel ist warmes Wasser.

Die Temperaturqualität variiert von kalt bis heiß. Dabei bezieht sich die Temperatur auf die auslösende Wirkung im Körper. Ein heißes Syndrom benötigt beispielsweise eine Pflanze von kalter Temperatur.

Pflanzen heißer Thermik erwärmen den Körper stark und verstärken Yang-Aspekte. Das Qi wird bewegt und erwärmt. In diesem Sinne wird der Stoffwechsel und der Kreislauf angeregt. Eingedrungene Kälte wird beseitigt. Beispiele sind Chilli, Zimtrinde und Ingwer. Bei Überdosierung kann eine Kälte- in eine Hitzesymptomatik umschlagen: Zum Beispiel Gelenkbeschwerden, Magenbeschwerden und Schlafstörungen können die Folge sein.

Pflanzen einer warmen Temperatur erwärmen gelinder den Körper und werden bei kühlen Störungen verordnet. Einige ForscherInnen differenzieren weiterhin zwischen »warmen« und »etwas warmen« Pflanzen, die bei kühlen bis neutralen Ungleichgewichten eingesetzt werden. Beispiele der ersten Kategorie sind Meerträubel, Engelwurz und Rosmarin, der zweiten Weißdorn, Fenchel und Wacholder.

Warme Pflanzen tonisieren Yang und Qi. Bei Husten mit Kältegefühlen und (viel) weißem Sputum fördern die das Abhusten. Sie lindern Verdauungsbeschwerden, die gut auf eine Wärmflasche ansprechen.

Gerade die »etwas warmen« Pflanzen können meistens eine längere Zeit eingenommen werden, da es die Milz warm und trocken mag.

Thermisch neutrale Pflanzen wie Brennnessel, Gundelrebe und Herzgespann können bei Hitze- oder Kältesymptomatik einer Rezeptur aufgrund ihrer anderen Wirkspezifika hinzugefügt werden.

Kühle Pflanzen werden bei warmen des Körpers eingesetzt. Sie beseitigen Nässe-Hitze und hemmen Entzündungen. Sie beruhigen und haben mehr Yin-Qualität. Zu ihnen zählen beispielsweise Eibisch, Ringelblume, Ackerschachtelhalm, Baldrian, Veilchen und Spitzwegerich.

Kalte Pflanzen sollen ebenso wie heiße Pflanzen mit Vorsicht eingenommen werden, damit nicht ein neues Ungleichgewicht entstehen kann. Kalte Pflanzen schwächen den Stoffwechsel und können überdosiert zu Durchfall und Schwächung der Selbstheilungskräfte führen. Sie werden meistens mit thermisch wärmeren Pflanzen deshalb kombiniert. Sie werden eingenommen, um feurige Prozesse zu löschen. Zu den kalten Pflanzen gehören Löwenzahn, Rhabarber und Hopfen.

Einige Pflanzen wirken vor allem ausgleichend und können je nach Kombination und Erfordernis kühl bis warm (Schafgarbe, Ysop, Pfefferminze, Weinraute, Salbei) neutral bis kühl (Zaubernuss), Enzian) oder auch kühl bis kalt sein (Löwenzahn). Sie werden auch als Pflanzen variabler Temperaturbezeichnet (Ross2003:25). Diese Pflanzen sind erforderlich, wenn sich im Körper Leere-Hitze oder andere verschiedene Temperaturbedürfnisse abbilden (→siehe Lavendel).

Je nach Kombination mit anderen Pflanzen, Zubereitung, Dosis und Zustand der PatientIn können sie verschiedene Temperatureffekte entwickeln. In einer Pflanze können auch verschiedene Bestandteile sein, von denen einige kühlende, andere wärmende Wirkung haben.

So verwundert es auch nicht, dass sich in der Literatur verschiedene Angaben zur thermischen Wirkung von Pflanzen finden.

Unter »Wirkung« wird der therapeutische Effekt verstanden. Viele Wirkungen wurden bereits bei der Wirkung des Geschmacks erläutert (s.o.). Die meisten Pflanzen verfügen über mehrere Wirkungen, die durch eine entsprechende Kombination mit anderen Pflanzen noch unterstützt werden können. In den Pflanzenportraits finden sich die Hauptwirkungen einer Pflanze. Analog zu der westlichen Medizin finden sich für fast alle Wirkungen Entsprechungen in der TCM. Der Index im Anhang wird Ihnen beim Finden von entsprechenden Pflanzenportraits weiter helfen. Welche Wirkung (en) besonders zum Tragen kommen, hängt auch vom Zustand der PatientIn ab. Einige Pflanzen können beispielsweise anregend und beruhigend wirken. Andere können Schwitzen auslösen oder zu viel Schwitzen reduzieren (→siehe Salbei). Klarer würde es heißen, dass sie regulierend wirken (→ siehe Weißdorn/Lavendel).

Schon Paracelsus prägte den Satz: »Auf die Dosis kommt es an«, ob eine Pflanze giftig oder heilend ist. Mögliche Nebenwirkungen sind bei den einzelnen Pflanzenportraits vermerkt. Bitte beachten Sie auch das Kapitel über Dosierung.

Als Wirkrichtungen kennt die TCM »steigend«, »fallend«, »schwebend« oder »absenkend«. »Aufsteigend« bedeutet, dass die Energien sich nach oben richten wie bei beispielsweise Hitze. »Absenkend« beinhaltet die Qualität, die Energien von oben nach unten zu leiten. »Schwebend« impliziert die Fähigkeit, das Qi zu halten und nach außen zu bringen sowie Kälte und Wind zu zerstreuen wie zum Beispiel Ingwer. »Fallend« beinhaltet eine die Ausscheidung nach unten gerichtete Energie wie durch bittere und salzige Nahrungsmittel.

Unter Toxizität versteht die TCM die möglichen Nebenwirkungen einer Pflanze.

Zusammenstellen einer Rezeptur in der TCM

Auch wenn in diesem Buch jeweils nur eine Pflanze pro Syndrom vorgestellt wird, soll der Vollständigkeit und Verständlichkeit halber die Praxis der Phytotherapie in der TCM erläutert werden.

Die klassischen Rezepturen der TCM sind bis zu 3000 Jahre alt. Ausschlaggebend ist die Kombination verschiedener Pflanzen., wobei meistens vier Hauptbestandteile vorhanden sind: das Kaiser-, Minister-, Helfer- und Botenkraut.

Diese recht altertümlichen Bezeichnungen rühren eben aus der Zeit der Monarchien in China. Der Kaiser war das Staatsoberhaupt – so soll das Kaiserkraut die zur Heilung entscheidenden Qualitäten beinhalten. Die höchste Dosis einer Rezeptur stellt meistens das Kaiserkraut.

Die Minister standen dem Kaiser unterstützend und in seinem Sinne zur Seite. Ebenso unterstützen die Ministerkräuter die beabsichtigte therapeutische Wirkung. Manchmal werden zusätzliche Aspekte noch gestärkt, die das Kaiserkraut nicht beeinflussen kann.

Die Helfer standen dem Kaiser etwas entfernter zur Seite. Die Helferkräuter neutralisieren die möglichen Nebenwirkungen. Wenn beispielsweise die anderen Kräuter das Yang tonisieren, kann ein Helferkraut den Yin-Aspekt füttern, um nicht ein neues Ungleichgewicht zu produzieren.

Die Boten liefen damals für den Kaiser, wohin dieser sie schickte. Ebenso führen die Botenkräuter die Wirkungen der anderen Kräuter an die Bestimmungsorte oder -leitbahnen. Beispielsweise schickt das Süßholz bei Verdauungsbeschwerden die Wirkstoffe gen Magen/Darm.

Sammeln, Zubereiten und Dosieren der Heilpflanzen

Sammeln von Heilpflanzen

Von den Pflanzen immer nur wenige nehmen und viele stehenlassen. Es sei denn, es sind eigens angebaute einjährige Pflanzen.

Sammeln nur von trockenen Pflanzen. Es sei denn, sie werden sofort zu einer Tinktur verarbeitet, aber auch dann sind nasse Pflanzen verwässert.

Blüten werden im Sonnenschein gesammelt.

Gesammelte Pflanzen so schnell wie möglich trocknen oder verarbeiten.

Zum Trocknen einen luftigen, trockenen und schattigen Ort aussuchen;

Trocknende Pflanzen oft wenden; auf Schimmel achten und schimmelnde Pflanzen entfernen.

Sich bei den Pflanzen bedanken und in Kontakt treten – nicht nur abernten;

Zubereitung der Heilpflanzen

Nun kann ein wissenschaftlicher Exkurs oder auch eine spirituell-orientierte Antwort erfolgen. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen beides anbieten. Für die wissenschaftliche Antwort im Sinne der westlichen Schulmedizin möchte ich Sie jedoch an Fachleute und deren Standardwerke verweisen (→siehe Literaturliste Phytotherapie). Die zweite Sichtweise stammt aus meiner Ausbildung in schamanisch inspirierter Heilweise bei Hildegard Fuhrberg: Es geht darum, wieder mit den Pflanzen ins Gespräch zu kommen. Dazu nehme ich mir Zeit. So haben Menschen vielleicht schon immer herausgefunden, was essbar und wohltuend ist. Pflanzen sind Expertinnen für die Umwandlung von Sonnenenergie in materielle Energie. Und genau da setzt ihre Heilwirkung an: Sie vermitteln uns Aspekte der Sonnenenergie als materielle Stoffe. Es ist eine Frage der Resonanz, welche Pflanze gerade die Energien in uns verstärkt oder abschwächt, so dass wir uns insgesamt wohler fühlen. Da kann es auch sein, dass in zu hoher Dosis »giftige« Pflanzen, Tiere oder Minerale in genau der stimmigen Menge heilend wirken. Dies ist in extremer Verdünnung – Potenzierung genannt – das Prinzip der Homöopathie.

Dies lässt sich auch auf die Pflanzenheilkunde anwenden.

Die Art der Zubereitung hängt jeweils von der Pflanze und von dem gewünschten Effekt ab. Zuweilen ist auch die Einstellung und Konstitution der Einnehmenden entscheidend: Manche Menschen brauchen meiner Erfahrung nach eine materielle Medizin, die sie auf einer körperlichen Ebene nährt. Dafür eignen sich »dicke« Dekokte und Heilsuppen mit reichlich Mineralstoffen. Andere Menschen sprechen mehr auf feinstofflichere Formen wie Tinkturen an. Bei anderen Menschen wirken homöopathische Mittel am besten. Die Akupunktur verstehe ich als eine zusätzliche Methode des Energieausgleichs, die immer begleitend wohltuend ist. Shiatsu ist für mich die Einbindung des Körpers in den Genesungsprozess und wunderbar mit Akupunktur kombinierbar. Beim Shiatsu wird die Verbindung von Seele und Körper gestärkt. Mensch kann bei sich ankommen, durchatmen, tief entspannen und dadurch neue oder alte Türen öffnen.

Als Zubereitungsformen möchte ich den Genuss der rohen Pflanze, den Tee, den Kaltauszug, den Kräuterauszug, das Dekokt, die Urtinktur, den Kräuteressig, den Sirup, den Ölauszug, die Salbe, den Badezusatz, das ätherische Öl und die Kräuterpackungen vorstellen.

Genuss der rohen Pflanze

Zum Kennenlernen empfehle ich das direkte Probieren der Pflanze wenn immer möglich– es sei denn die Pflanze ist nur in homöopathischer Potenz verträglich. Diese Form eignet sich auch bei stark vitaminhaltigen Pflanzen wie Brunnenkresse und Petersilie. Gerade wenn das Yang gekühlt werden soll, können Pflanzen roh gegessen werden. Die chinesische Ernährungslehre kann hier wegweisend sein mit ihrer Einordnung aller Nahrungsmittel nach Temperatur und Bezügen zu den Wandlungsphasen (→siehe Ernährung).

Klassisches Beispiel für den rohen Genuss von Heilpflanzen ist die Gundelrebe, die sehr wirkungsvoll ist bei Hitze der Lungen. Wenn das Yang beginnt das Yin beginnt aufzubrauchen und Gefahr besteht, dass sich eine Bronchitis zu einer Lungenentzündung entwickeln könnte, dann rate ich zu mindestens drei Tellern frischer Gundelrebe täglich (→siehe Gundelrebe). Gewinnen Sie ein gefühl dafür, wie viel einer Pflanze Ihnen roh gut tut – aber Vorsicht: Einige Pflanzen sind gerade roh besonders giftig oder wirksam wie beispielsweise die Kermesbeere und der Löwenzahn. Lesen Sie vorher das entsprechende Pflanzenportrait.

Der Tee (auch: Infus)

Unter »Tee« wird ein Aufguss mit heißem, kochendem Wasser verstanden. Gerade für Blüten und sehr aromatische Pflanzen eignet sich diese Zubereitungsart, da die sehr flüchtigen Stoffe erhalten bleiben. Die Pflanzen sind in getrockneter oder frischer Form in einem Gefäß mit kochendem Wasser zu überbrühen. Dann wird das Gefäß abgedeckt und die Kräuter verbleiben 3- 5 min im Wasser. Nun kann abgeseiht werden. Eine bessere Wirkung wird erzielt, wenn der Tee heiß mit den Kräutern am Boden getrunken wird.

Der Tee beinhaltet zudem die positiven Eigenschaften des heißen Wassers: Schlacken – in der TCM: dicke Flüssigkeiten genannt – werden verflüssigt und der Körper verbraucht keine Verdauungsenergie, um das Getränk auf 37 Grad zu erwärmen.

Ein Tee kann seine Wirkung schnell entfalten und ist daher für akute Zustände sehr passend. Beispielsweise wirkt ein Tee mit Schafgarbenblüten hervorragend als Mittel zum Fiebersenken. Je nach Dosierung kann er auf der Nährebene oder mehr auf der energetischen Ebene wirken. Verdauungsfördernde (bittere) Tees sind am besten eine halbe Stunde vor dem Essen zu trinken.

Der Kaltauszug (auch: Mazerat)

Frische Pflanzen werden in kaltes Wasser gelegt und ziehen meistens 12 Stunden. Dies wird angewendet bei Pflanzen, um schleimlösende Substanzen zu lösen (→siehe Eibisch). Als Anhaltswert gebe ich einen Esslöffel getrockneter Kräuter auf 0,5l Wasser.

Der Kräuterauszug

Frische oder auch getrocknete Pflanzen werden in einem Gefäß mit kochend heißem Wasser übergossen und im Unterschied zu einer Teezubereitung mindestens 5 Stunden ziehen gelassen. Blüten und Blätter sollten mindestens 5 Stunden, Wurzeln und Rinden eher acht Stunden verweilen. Dabei wird das Gefäß nach dem Aufgießen sofort fest verschlossen. Es entsteht ein stark mineralstoff- und proteinhaltiges Getränk, das sehr nährend wirkt. Ich empfehle Wurzeln und Rinden vorher klein zu schneiden. Dieser Auszug hält sich nur einen halben Tag, dann beginnt er zu gären und der Brennnesselauszug verwandelt sich in Brennnesseljauche, die noch als Dünger für Pflanzen verwendet werden kann.

Ich empfehle täglich Auszüge aus verschiedenen Kräutern zu trinken. Gerade Brennnessel, Gundelrebe oder Melisse stärken den Körper und unterstützen zudem das Säuren-Basen-Gleichgewicht. Über den Tag verteilt können Sie ein großes Weckglas von einem Kräuterauszuig trinken. Sie geben zwei Handvoll frische Kräuter in ein 0,5l Weckglas.

Das Dekokt

Das Dekokt ist die in der TCM am weitesten verbreitete Form der Zubereitung. Um mehrere Ebenen der Pflanzen zu gewinnen, empfehle ich folgende Zubereitungsweise: Alle Wurzeln, Rinden und festeren Bestandteile werden in dem vorgeschlagenen Mischungsverhältnis in einem Kochtopf mit heißem Wasser übergossen und mindestens 10 Minuten auf kleiner Flamme geköchelt. Blätter werden nach 5 Minuten dazugegeben und die Blüten werden extra mit heißem Wasser übergossen und dann als Tee auch hinzugefügt. Das Dekokt sollte meistens warm getrunken werden. Das restliche Dekokt sollte aufbewahrt und beim Herstellen des nächsten Dekoktes ein weiteres Mal unter Hinzufügung neuer Kräuter mitgekocht werden.

Als Richtwert gehe ich von 2 Esslöffeln getrockneter Kräuter auf 0,75l Wasser aus. Bei Verwendung frischer Pflanzen ist das Volumen größer. Die Menge soll auf den tag verteilt getrunken werden. Wenn das Dekokt Yin tonisieren soll, dann wird das Dekokt nicht morgens, sondern ab nachmittags getrunken, da es müde machen kann. Ein Yang aufbauendes Dekokt wird dementsprechend morgens bis mittags getrunken.

Die Urtinktur

Urtinkturen basieren aus frischen Pflanzen, die mit Alkohol extrahiert werden. Es gibt unterschiedliche Ansichten über die spezielle Herstellung von Urtinkturen. Einige Kräuterkundige schwören auf die Verarbeitung der gesamten Pflanze, andere verwenden nur bestimmte Teile, die von Pflanze zu Pflanze variieren. Möchte mensch die Wesenheit einer Pflanze in Form einer Urtinktur gewinnen, rate ich dazu, von der gesamten Pflanze Anteile dazuzugeben. Wenn der Schwerpunkt auf der Wirkung eines bestimmten Pflanzenteils liegen soll, empfiehlt es sich, diesen mehrheitlich für die Tinktur zu verwenden.

Beispielsweise stelle ich eine Baldriantinktur vor allem aus den Wurzeln der mindestens zweijährigen Pflanze im Spätherbst her, füge aber durchaus ein Blatt dazu oder auch einen Rest der Blüte (wenn zu der Jahreszeit noch vorhanden …).

Die frisch geernteten Pflanzen(teile) werden knapp gesäubert und wieder je nach Auffassung kleingeschnitten oder als gesamte Pflanze belassen. Kleingeschnitten können die vorhandenen Stoffe besser gelöst werden. Sie werden in ein dunkles 1-Liter-Gefäss gegeben und werden mit einem Gemisch von 0.75l Alkohol (mindestens 40 %) und 0.25 l Wasser übergossen. Es sollen alle Pflanzenteile mit dem Alkohol-Wasser-Gemisch bedeckt sein. Flasche schließen und schütteln. Urtinkturen werden vorzugsweise 6 Wochen stehen gelassen. Dabei ist auf das möglichst tägliche Durchschütteln zu achten, um eine Tinktur von hoher Qualität zu erhalten. Nach mindestens 6 Wochen abseihen und in dunklen Gläsern aufbewahren.

Urtinkturen sind im Vergleich zu Tinkturen aus getrockneten Pflanzen näher am Wesen der Pflanze. Deshalb werden sie auch zur Herstellung von Homöopathica verwendet.

Sie haben eine starke Wirkung bei akuten und chronischen Beschwerden.

Bei der Einnahme kann der Alkoholgehalt verringert werden, wenn die Urtinktur in heißes Wasser getropft wird, da der Alkohol sich schneller verflüchtigt.

Wenn Kinder die Tinkturen nicht einnehmen wollen, können diese auch auf dem Bauch oder der Brust eingerieben werden. Es ist auch möglich, Umschläge damit zu bereiten. Bei einigen Pflanzen kann es jedoch zu Hautirritationen kommen. Dies habe ich in den entsprechenden Pflanzenportraits vermerkt. Individuelle Reaktionen sind schon deshalb möglich, weil die Haut als Entgiftungsorgan innere Prozesse nach außen abzuleiten vermag. Eine Linderung von inneren Beschwerden bei gleichzeitigen neuen Hauterscheinungen wird daher – wie auch in der Homöopathie – als positiver Verlauf gewertet.

Tinkturen haben den großen Vorteil, dass sie viele Jahre haltbar sind, wenn sie vor Licht, Verdunstung und Hitze geschützt werden. Zudem sind sie einfach in der Handhabung und leicht zu dosieren. Ich empfehle, sich einen Vorrat an individuell wichtigen Tinkturen anzulegen, um auch im Winter alle Pflanzen griffbereit zu haben.

Bei chronischem Geschehen rate ich dazu, die Tinkturen langsam einzuschleichen. Dies bedeutet in der ersten Woche 3x täglich ein Tropfen und dann jede Woche pro Gabe ein Tropfen mehr, bis Sie bei 3x5 Tropfen angelangt sind. Bei akutem Geschehen nehme ich mehrmals am Tag bis zu einem halben Teelöffel ein. Bei akutem Asthma braucht es oft nach einer hohen Anfangsdosis alle 15 Minuten einige Tropfen Tinktur. Gerade bei akuten Beschwerden braucht es unbedingt eine individuell abgestimmte Dosierung, die auf den bereits gemachten Erfahrungen mit bestimmten Pflanzen basiert.

Der Kräuteressig

Der Essig kann Mineralstoffe sehr effektiv aus den Pflanzen extrahieren und ist bis zu 10 Jahren haltbar, wenn er ohne Licht und kühl gelagert wird. Wenn der Essig nicht pasteurisiert wurde, wachsen über die Jahre schleimige Gebilde in den Flaschen, die vor der Verwendung entfernt werden sollen.

Frische Pflanzen werden in ein Gefäß gegeben und komplett mit Apfelessig bedeckt. Vor dem Verschließen ist ein Stück Zellophanfolie über das Gefäß zu legen. Der Essig muss nun sechs Wochen ziehen. Täglich kann bis zu einem Esslöffel verwendet werden (außer Sie haben ein Ungleichgewicht in der Holz-Erde-Achse und sollten zu viel Lebensmittel mit saurem Geschmack meiden).

Der Sirup

Der Sirup ist nicht nur bei Kindern eine beliebte Darreichungsform. Für Kinder ab einem Jahr kann hierzu Honig verwendet werden. Wenn die Pflanzen antibiotikahaltig sind (wie beispielsweise Spitzwegerich oder Thymian) kann sich der Sirup bis zu einem Jahr halten. Ansonsten hält er sich im Kühlschrank bis zu einer Woche. Deshalb sollten kleine Mengen jeweils frisch angesetzt werden.

Sirup kann aus frischen Pflanzen, Tee oder Dekokten hergestellt werden. Täglich zweimal ein Teelöffel Sirup für ein akutes Geschehen kann als Richtwert gelten (→siehe Dosierung).

Der Ölauszug

In Öl eingelegte Pflanzen geben einen Ölauszug. Am bekanntesten ist hierbei das Johanniskrautöl. Man verwendet kaltgepresste Öle aus kontrolliert biologischem Anbau, je nach Geldbeutel Oliven-, Traubenkern- oder Mandelöl. Die mechanisch, ohne Wasser gesäuberten und je nach Auffassung kleingeschnittenen Pflanzen bzw. -teile werden in ein sauberes, trockenes Glas gegeben und mit Öl übergossen. Um Schimmel zu vermeiden, sollen keine Pflanzenteile unbedeckt bleiben. Je nach Pflanze wird das Gefäß für mehrere Wochen in die Sonne gestellt. Wenn das Öl aus Blüten gewonnen werden soll, dann braucht es einen sonnigen Tag zum Ernten. Die Blüten sollen schnell in Öl gelegt werden. Durch die Wärme werden die Inhaltsstoffe aus den Pflanzen in das Öl gelöst. Das Ganze bleibt bis zu 6 Wochen in der Sonne stehen. Dann wird das Öl abgeseiht und die Pflanzenreste dankend an die Erde zurückgegeben. Diese Öle können zur Massage oder auch als Nahrungsmittel eingenommen werden.

Die Salbe