Tief wie deine Narben - Natascha K - E-Book

Tief wie deine Narben E-Book

Natascha K

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Beschreibung

Tief wie deine Narben ist eine kompromisslose Dark-Romance-Geschichte, die Liebe nicht als Erlösung erzählt, sondern als Verantwortung. Im Mittelpunkt stehen Kai und Silke – zwei erwachsene, verletzte Menschen, deren Beziehung von Macht, Abhängigkeit und dem verzweifelten Wunsch geprägt ist, einander zu halten, obwohl sie sich dabei verlieren. Die Geschichte führt durch reale Orte in Schleswig: durch den Holm, entlang der Schlei, vorbei am Dom und hinein in Verwaltungsflure, Klinikräume und stille Übergänge. Nähe wird hier nicht romantisiert, sondern geprüft. Entscheidungen bleiben bestehen. Eskalationen werden nicht zurückgenommen. Der Weg führt über psychische Krisen, Schuld, Öffentlichkeit und institutionelle Grenzen bis hin zu einem Ende, das nicht tröstet, sondern ordnet. Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die Dark Romance als psychologisches Genre verstehen: düster, leise, erwachsen und ohne falsche Versöhnung. Es ist keine Geschichte über Heilung durch Liebe – sondern über das Aushalten von Wahrheit, das Setzen von Grenzen und den Mut, etwas endgültig zu beenden. Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)! Das Cover und die Geschichte wurden mit Chatgbt generiert.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Tief wie deine Narben

Untertitel:

Eine Dark-Romance-Geschichte über Macht, Abhängigkeit und die Sehnsucht nach Erlösung

Vorwort

Diese Geschichte führt Sie nach Schleswig und in die raue, winddurchzogene Landschaft der Region. Nebel liegt über dem Wasser der Schlei, Regen zeichnet Spuren auf Asphalt und Kopfsteinpflaster, und zwischen alten Straßen und vertrauten Orten bewegen sich Menschen, die gelernt haben, ihre Verletzungen zu verbergen. Tief wie deine Narben erzählt von einer Liebe, die nicht heilt, sondern fordert. Von Nähe, die zugleich Trost und Gefahr ist. Von Blicken, die länger halten als sie sollten, und von Berührungen, die mehr versprechen, als sie geben können.

Im Mittelpunkt stehen Kai und Silke, zwei erwachsene Menschen mit manischen Phasen, die gelernt haben, in Extremen zu fühlen. Ihre Begegnung ist kein Zufall, sondern eine Kollision zweier Lebenslinien, die sich zu lange im Kreis bewegt haben. Sie ziehen einander an, weil sie im anderen das erkennen, was sie an sich selbst fürchten. Diese Geschichte will nicht beschönigen. Sie zeigt Romantik dort, wo sie dunkel wird, und Dunkelheit dort, wo sie verführerisch wirkt. Sie lädt Sie ein, die Spannung auszuhalten und den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn er sich immer enger zieht.

Trigger Warnung / Wichtiger Lesehinweis

Dieses Buch ist eine Dark-Romance-Geschichte mit sehr starkem psychologischem, emotionalem und seelisch belastendem Schwerpunkt. Es behandelt Themen, die verstörend, retraumatisierend oder innerlich destabilisieren können. Dazu gehören unter anderem manische Phasen, psychische Erkrankungen, emotionale Abhängigkeit, Macht- und Kontrollverhalten in Beziehungen, manipulative Nähe, Grenzverletzungen, Schuldgefühle, soziale und institutionelle Kontrolle, Klinikaufenthalte, öffentliche Stigmatisierung, Verlust von Autonomie, Identitätskrisen sowie Situationen, in denen Nähe nicht heilt, sondern Abhängigkeit vertieft. Die Geschichte zeigt außerdem suizidnahe Zustände, psychische Eskalationen und den schmerzhaften Prozess, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Ich schreibe diese Trigger Warnung ganz bewusst und ausdrücklich. Ich möchte nicht, dass dieses Buch von kleinen Jungen oder kleinen Mädchen gelesen wird. Ebenso möchte ich nicht, dass psychisch kranke, seelisch instabile oder akut belastete Menschen diese Geschichte lesen. Ich will nicht, dass jemand durch meine Bücher einen Knacks in der Seele bekommt. Ich will nicht, dass sich jemand durch die dargestellten psychischen Abgründe, Machtverhältnisse oder emotionalen Konflikte getriggert fühlt oder sich im schlimmsten Fall selbst etwas antut.

Ich übernehme mit dieser Warnung Verantwortung. Worte wirken. Geschichten wirken. Gerade Geschichten über psychische Erkrankungen, Abhängigkeit, Kontrolle und Klinikaufenthalte können sehr tief nachwirken und innere Prozesse auslösen, die nicht für jede Person sicher sind. Deshalb soll dieses Buch nicht von Minderjährigen oder besonders schutzbedürftigen Personen gelesen werden. So wie man keine Zigaretten an zwölfjährige Kinder verkauft, sollen auch diese Inhalte nicht ungeschützt oder unreflektiert konsumiert werden.

Dieses Buch ist keine Anleitung für Beziehungen, keine Rechtfertigung für Kontrolle, emotionale Abhängigkeit oder Grenzüberschreitungen. Psychische Erkrankungen werden nicht romantisiert und nicht als stilistisches Mittel verherrlicht, sondern als reale, belastende Erfahrungen mit echten Konsequenzen dargestellt. Die Geschichte zeigt, dass Liebe keine Heilung garantiert und dass Verantwortung dort beginnt, wo Nähe endet.

Bitte lesen Sie dieses Buch nur, wenn Sie volljährig sind, sich psychisch stabil fühlen und wissen, dass Sie mit sehr intensiven, düsteren und psychologisch belastenden Themen umgehen können. Wenn Sie unsicher sind, ob diese Inhalte für Sie geeignet sind, lesen Sie dieses Buch bitte nicht.

Ihre seelische Gesundheit ist wichtiger als jede Geschichte.

Haftungsausschluss

Dieses Buch ist ein fiktionales Werk. Alle dargestellten Personen, Handlungen und Dialoge sind erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen wären rein zufällig. Die Geschichte behandelt dunkle, toxische und psychologisch belastende Themen wie Abhängigkeit, Macht, Kontrolle und innere Konflikte. Sie ist ausschließlich für erwachsene Leserinnen und Leser gedacht.

Dieses Buch wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Die Inhalte, Figuren und der Verlauf der Handlung sind literarische Konstruktionen und stellen keine Anleitung oder Verherrlichung problematischer Beziehungen dar. Die Lektüre ersetzt keine therapeutische oder medizinische Beratung.

Imprint:

V. i. S. d. P.: Marcus Petersen-Clausen, Ginsterweg 7, 30900 Mellendorf/Wedemark (DE) - Tel.: 491796162178

Dieses Dokument ist lizenziert unter dem Urheberrecht!

(c) 2025 Marcus Petersen-Clausen

(c) 2025 Köche-Nord.de

Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)! Das Cover und die Geschichte wurden mit Chatgbt generiert.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 - Der Geruch von Regen und alten Entscheidungen

Kapitel 2 - Nähe fühlt sich an wie Gefahr

Kapitel 3 - Was Nähe kostet

Kapitel 4 - Stadt aus Stein und Wasser

Kapitel 5 - Was man nicht kommen sieht

Kapitel 6 - Weiße Flure, keine Auswege

Kapitel 7 - Was bleibt, wenn es öffentlich wird

Kapitel 8 - Was bleibt, wenn alle hinschauen

Kapitel 9 - Entscheidungen, die bleiben

Kapitel 10 - Die Stille nach dem Schnitt

Kapitel 11 - Fast wie früher

Kapitel 12 - Gegen den Rat

Kapitel 13 - Was man tut, wenn niemand mehr hinsieht

Kapitel 14 - Zurück ist kein Zurück

Kapitel 15 - Die neue Ordnung

Kapitel 16 - Was man loslässt, ohne es zu benennen

Kapitel 17 - Die Stadt, die erinnert

Kapitel 18 - Ein Schreiben ohne Namen

Kapitel 19 – Der Punkt ohne Rückweg

Kapitel 20 - Wenn Wahrheit teuer wird

Kapitel 21 - Der Schlüssel

Kapitel 22 - Was fehlt, wenn nichts mehr dazwischensteht

Kapitel 23 - Etwas, das nicht geplant war

Kapitel 24 - Die erste Grenze

Kapitel 25 - Nicht handeln

Kapitel 26 - Der Satz, der bleibt

Kapitel 27 - Noch einmal hinaus

Kapitel 28 - Das bewusste Ausbleiben

Kapitel 29 - Ohne Zeugen

Kapitel 30 - Was bleibt, wenn nichts mehr erzählt wird

Kapitel 31 - Die Rückkehr der Stadt

Kapitel 32 - Der Ort, der nicht mehr antwortet

Kapitel 33 - Der Moment, der nicht gehört werden wollte

Kapitel 34 - Geschlossene Zeit

Kapitel 35 - Der Anker

Kapitel 36 - Der Marker aus Stein

Kapitel 37 - Hier. Und nicht woanders.

Kapitel 38 - Der letzte Gang durch Schleswig

Kapitel 39 - Die letzte Akte

Kapitel 40 - Schleswig. Ende.

Nachwort

Kapitel 1

Der Geruch von Regen und alten Entscheidungen

Der Regen hatte an diesem Abend etwas Beharrliches. Kein Sturm, kein dramatisches Donnern, sondern dieses gleichmäßige, fast geduldige Prasseln, das alles durchdrang. Die Straße glänzte dunkel, als hätte jemand frischen Lack über den Asphalt gegossen. Kai stand am Rand der Lollfußstraße, die Schultern leicht hochgezogen, die Hände tief in den Taschen seiner schwarzen Jacke vergraben. Sein Atem bildete kleine Wolken in der feuchten Luft, obwohl es nicht wirklich kalt war. Schleswig roch nach Wasser, nach Stein, nach Vergangenheit.

Er beobachtete sein Spiegelbild in der Scheibe eines geschlossenen Ladens. Das Licht der Straßenlaterne schnitt harte Schatten in sein Gesicht. Die Augen wirkten müde, aber wachsam, als würden sie ständig etwas erwarten, das nie ganz kam. Seine Lippen waren schmal, angespannt. Er hatte diesen Ausdruck schon lange. Seit Jahren. Vielleicht schon immer.

Kai spürte das vertraute Ziehen in seiner Brust, dieses nervöse Kribbeln, das ihn in manischen Phasen begleitete. Gedanken rasten, sprangen von Erinnerung zu Erinnerung, von Vorwurf zu Vorwurf. Er war heute zu schnell gefahren, hatte das Autoradio zu laut aufgedreht, hatte gelacht, ohne Grund, und kurz darauf das Lenkrad so fest umklammert, dass seine Finger schmerzten. Extreme waren sein Zuhause geworden.

Er setzte sich in Bewegung, ging Richtung Schlei. Das Wasser war nur wenige Minuten entfernt. Der Weg dorthin führte vorbei an alten Häusern, deren Fassaden Geschichten trugen, die niemand mehr erzählte. Schleswig war klein genug, um vertraut zu wirken, und groß genug, um sich darin zu verlieren. Kai mochte diesen Widerspruch. Er passte zu ihm.

Als er die Uferpromenade erreichte, blieb er stehen. Die Schlei lag dunkel vor ihm, kaum bewegt, als würde sie alles verschlucken, was in sie hineingesprochen wurde. Das Licht spiegelte sich zitternd auf der Oberfläche. Kai atmete tief ein. Der Geruch von Wasser beruhigte ihn. Für einen Moment.

„Du stehst im Regen und tust so, als wärst du Teil davon“, sagte eine Stimme hinter ihm.

Kai zuckte kaum sichtbar zusammen. Er hasste Überraschungen. Langsam drehte er sich um.

Silke stand ein paar Schritte entfernt, unter einem alten Baum, der seine nassen Äste wie schützende Arme ausbreitete. Ihr Mantel war dunkelgrau, zu groß für ihre schmale Statur. Nasses Haar klebte an ihren Wangen. Ihre Augen waren hell, aufmerksam, und gleichzeitig lag darin etwas Unruhiges, als würden sie zu viel sehen.

„Du beobachtest mich“, sagte Kai ruhig.

Silke zog eine Augenbraue hoch. Ein kleines, fast spöttisches Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Du stehst da wie ein Denkmal. Schwer zu übersehen.“

Kai musterte sie. Er erkannte sofort etwas in ihr. Diese Spannung unter der Haut, dieses kontrollierte Zittern, das Menschen hatten, die sich selbst ständig bremsten. Menschen wie er.

„Silke“, sagte sie nach einem Moment und trat näher. Ihre Stimme war fest, aber nicht hart. „Und Sie sind…“

„Kai“, unterbrach er sie. Seine Stimme klang tiefer, als er beabsichtigt hatte.

Ein kurzer Moment der Stille entstand. Regen tropfte von den Blättern, irgendwo schlug eine Autotür. Silke verschränkte die Arme vor der Brust, nicht aus Kälte, sondern wie aus Gewohnheit. Kai bemerkte es. Er bemerkte alles.

„Sie sehen aus, als würden Sie hier öfter stehen“, sagte sie.

„Manche Orte lassen einen nicht los“, antwortete er.

Silke nickte langsam. Ihr Blick glitt über das Wasser, dann zurück zu ihm. „Oder man lässt sie nicht los.“

Kai spürte, wie sich etwas in ihm verschob. Ein leiser Druck, ein Ziehen, als hätte jemand eine unsichtbare Saite berührt. Er kannte dieses Gefühl. Es war gefährlich.

„Sie sollten nicht alleine hier sein“, sagte er schließlich.

Silke lachte leise. Kein fröhliches Lachen, eher ein kurzes Ausatmen. „Das sagt viel über Sie.“

„Und über Sie“, entgegnete er.

Sie musterten sich gegenseitig. Zwei Erwachsene, beide mit Narben, die man nicht sah, aber spürte. Silke trat einen Schritt näher. Der Abstand zwischen ihnen schrumpfte. Kai nahm ihren Geruch wahr. Regen, etwas Metallisches, vielleicht Parfüm, vielleicht einfach sie.

„Ich kenne Sie nicht“, sagte sie leise, „aber ich habe das Gefühl, dass Sie mich verstehen könnten.“

Kai schluckte. Seine Hände ballten sich in den Taschen zu Fäusten. Nähe machte ihm Angst. Und zog ihn an.

„Verstehen ist gefährlich“, sagte er.

Silke lächelte schief. „Ich weiß.“

In diesem Moment kam Morten den Weg entlang. Sein Gang war unregelmäßig, sein Kopf leicht zur Seite geneigt. Er murmelte etwas vor sich hin, wiederholte leise Worte, als würde er sie ordnen. Als er Kai sah, hob er abrupt die Hand, ließ sie wieder sinken, hob sie erneut. Ein Tick, den Kai kannte.

„Du bist zu nah am Wasser“, sagte Morten, ohne Silke anzusehen. Seine Stimme war sachlich, fast monoton. „Das ist rutschig.“

„Ich passe auf“, antwortete Kai.

Morten wippte leicht auf den Füßen, sein Blick huschte kurz zu Silke und sofort wieder weg. „Sie sind neu“, stellte er fest.

Silke nickte langsam, senkte den Blick ein wenig, um ihm Raum zu geben. „Ja.“

Morten nickte mehrmals, zu oft. „Neu ist… anstrengend.“ Dann wandte er sich wieder Kai zu. „Du solltest gehen. Du bist heute… laut.“

Kai wusste, was er meinte. Er war zu intensiv, zu unruhig. Silke sah zwischen ihnen hin und her. Sie verstand nicht alles, aber sie spürte die Dynamik.

„Vielleicht sehen wir uns wieder“, sagte sie zu Kai. Keine Frage, eher eine Feststellung.

Kai hielt ihrem Blick stand. „Vielleicht.“

Silke drehte sich um und ging. Ihr Schritt war fest, aber nicht sicher. Kai sah ihr nach, bis sie zwischen den Bäumen verschwand. Etwas hatte sich festgesetzt. Tief. Unangenehm vertraut.

Morten trat näher. „Sie ist… kompliziert“, sagte er.

Kai atmete langsam aus. „Das bin ich auch.“

Der Regen fiel weiter. Gleichmäßig. Unerbittlich.

Kapitel 2

Nähe fühlt sich an wie Gefahr

Kai schlief schlecht in dieser Nacht. Eigentlich schlief er nie gut, aber diesmal war es anders. Unruhiger. Zerrissener. Seine Gedanken sprangen nicht nur, sie stürzten. Bilder tauchten auf, ohne Einladung. Silkes Gesicht im Regen. Ihr Blick, direkt, prüfend, als würde sie nicht fragen, sondern messen. Er hatte versucht, sie wegzudenken, hatte sich gezwungen, an Routinen festzuhalten. Kaffee am Morgen. Fenster öffnen. Atmen zählen. Doch nichts davon funktionierte.

Er saß am Küchentisch seiner kleinen Wohnung nahe der Friedrichstraße, die Schultern nach vorn gebeugt, die Hände um die Kaffeetasse gelegt, als müsste er sich daran festhalten. Das Licht draußen war grau, diffus. Schleswig zeigte sich von seiner stillen Seite. Zu still. Sein Bein wippte unaufhörlich. Ein Zeichen, das er ignorierte, obwohl er wusste, was es bedeutete. Er war bereits zu weit oben.

Kai schloss die Augen. Ein Teil von ihm wollte Silke wiedersehen. Der andere Teil schrie, dass genau das der Anfang vom Ende war.

Es klopfte an der Tür.

Nicht laut. Bestimmt. Zweimal.

Kai erstarrte. Sein Herz schlug schneller, als hätte es den Besucher erkannt, bevor sein Verstand es tat. Er stand auf, ging langsam zur Tür, legte die Hand auf die Klinke. Zögerte. Öffnete.

Silke stand davor.

Sie hatte den Mantel abgelegt. Stattdessen trug sie einen dunklen Pullover, eng anliegend, als wolle sie nichts verbergen. Ihr Haar war trocken, fiel ihr locker über die Schultern. Ihre Augen musterten ihn offen, ohne Scheu.

„Sie haben mir gestern nicht gesagt, wo Sie wohnen“, sagte sie ruhig.

Kai schluckte. „Ich habe es auch nicht vorgehabt.“

Silke nickte. „Und trotzdem stehe ich hier.“

Ein Muskel in Kais Kiefer zuckte. Er trat zur Seite. „Kommen Sie rein.“

Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, veränderte sich die Luft. Es war, als würde der Raum enger werden. Silke sah sich um. Die spärliche Einrichtung. Die leeren Regale. Keine Fotos. Keine Spuren von Vergangenheit.

„Sie lassen niemanden nah ran“, stellte sie fest.

Kai verschränkte die Arme. „Sie sind sehr direkt.“

„Ich habe keine Geduld für Umwege“, antwortete sie.

Er spürte, wie etwas in ihm darauf reagierte. Positiv. Beunruhigend positiv. Er ging zur Küche, stellte eine zweite Tasse auf den Tisch, ohne sie zu fragen. Kontrolle war sein Reflex.

Silke setzte sich, ohne Aufforderung. Sie beobachtete ihn dabei, wie er Kaffee einschenkte. Seine Bewegungen waren präzise, fast angespannt.

„Warum ich hier bin“, begann sie, „ist simpel. Sie haben mich gestern angesehen, als hätten Sie mich schon gekannt.“

Kai stellte die Kanne ab. Zu hart. „Vielleicht projizieren Sie.“

Silke lächelte schmal. „Vielleicht tun Sie das.“

Ein kurzer Schlagabtausch. Worte wie Klingen. Kai spürte den Drang, sie zurückzudrängen, Distanz zu schaffen. Stattdessen setzte er sich ihr gegenüber. Zu nah.

„Sie sollten gehen“, sagte er leise.

Silke beugte sich vor. Ihre Hände lagen flach auf dem Tisch. „Dann sagen Sie mir das nicht so.“

Sein Atem stockte. Er hasste, dass sie ihn las. Dass sie erkannte, wo seine Stimme nicht passte zu dem, was er sagte.

„Ich bin nicht gut für Sie“, murmelte er.

„Das bin ich für mich selbst auch nicht“, erwiderte sie.

Etwas in Kai riss. Ein innerer Widerstand, der ihn jahrelang geschützt hatte, bekam einen Sprung. Er lachte kurz, hart. „Das ist keine Entschuldigung.“

Silke richtete sich auf. Ihre Mimik veränderte sich. Das Lächeln verschwand. „Nein. Es ist ein Angebot.“

Die Worte hingen schwer zwischen ihnen. Kai spürte einen Anflug von Panik. Macht verschob sich. Nicht klar, nicht eindeutig. Genau das machte es gefährlich.

Ein Geräusch im Flur. Schritte. Unregelmäßig.

„Kai“, rief Mortens Stimme von draußen. „Du hast vergessen, den Termin abzusagen.“

Kai fluchte leise. Morten trat ein, blieb abrupt stehen, als er Silke sah. Seine Schultern spannten sich, sein Blick wich aus, kehrte zurück, wich wieder aus.

„Du hast Besuch“, stellte er fest.

Silke nickte langsam. „Ja.“

Morten begann mit den Fingern zu tippen, immer wieder gegen seinen Daumen. „Das ist nicht gut.“

„Morten“, warnte Kai.

„Du bist zu schnell“, sagte Morten unbeirrt. „Und sie ist…“ Er suchte nach Worten. „Sie zieht.“

Silke stand auf. Ihre Bewegung war ruhig, kontrolliert. Sie stellte sich Morten nicht direkt gegenüber, sondern leicht versetzt. Respektvoll. „Ich möchte nichts kaputt machen.“

Morten sah sie an. Lange. Zu lange. „Das sagen viele.“

Kai fühlte sich plötzlich zwischen ihnen gefangen. Alte Muster. Schutzinstinkt. Besitzdenken. Er hasste sich dafür.

„Gehen Sie“, sagte er scharf zu Silke.

Ihre Augen verengten sich. Einen Moment lang wirkte sie verletzt. Dann nickte sie. „Wie Sie wollen.“

An der Tür drehte sie sich noch einmal um. Ihr Blick traf Kai direkt. „Sie haben Angst. Aber nicht vor mir.“

Dann war sie weg.

Stille.

Morten atmete hörbar aus. „Das wird weh tun.“

Kai setzte sich schwer auf den Stuhl. Seine Hände zitterten. „Ich weiß.“

Und trotzdem wusste er, dass es kein Ende war. Nur ein Anfang. Ein schlechter.

Kapitel 3

Was Nähe kostet

Kai hatte Silkes Blick nicht vergessen. Nicht den letzten, an der Tür. Nicht die Art, wie sie ihn angesehen hatte, als wüsste sie bereits, dass er verlieren würde. Er hatte versucht, sich auf Arbeit zu konzentrieren, hatte Akten sortiert, E-Mails geschrieben, Sätze gelesen, ohne ihren Inhalt aufzunehmen. Sein Körper war da gewesen, sein Kopf nicht. Immer wieder dieses Ziehen. Dieses dumpfe Verlangen, das nichts mit Lust zu tun hatte, sondern mit Erkennen.

Er war zu Fuß unterwegs, quer durch Schleswig, vorbei an vertrauten Wegen, als würde Bewegung etwas in ihm ordnen. Die Luft war klarer als am Vortag, aber kälter. Seine Schritte führten ihn Richtung Holm, ohne dass er bewusst entschieden hätte. Alte Häuser, enge Gassen, das Gefühl, beobachtet zu werden, obwohl niemand da war. Er mochte das normalerweise. Heute machte es ihn nervös.

Er blieb stehen, als er sie sah.

Silke lehnte an einer Hauswand, die Arme locker verschränkt, eine Zigarette zwischen den Fingern. Sie rauchte nicht wirklich. Sie hielt sie nur. Ihre Augen ruhten auf ihm, ruhig, wartend. Als hätte sie gewusst, dass er kommen würde.

Kai spürte, wie sein Puls anzog. Ärger. Erleichterung. Angst. Alles zugleich.

„Sie folgen mir“, sagte er.

Silke zog die Zigarette aus dem Mund, ohne sie anzuzünden. „Nein. Ich bin geblieben.“

Er trat näher, zu nah. „Das ist kein Spiel.“

„Doch“, entgegnete sie ruhig. „Es ist nur kein harmloses.“

Kai lachte kurz, ohne Humor. „Sie haben keine Ahnung, worauf Sie sich einlassen.“

Silke drückte sich von der Wand ab, stand jetzt aufrecht vor ihm. Ihr Blick glitt über sein Gesicht, blieb an seinen Augen hängen. „Ich weiß genug. Sie wollen Nähe. Und Sie bestrafen sich dafür.“

Die Worte trafen ihn unerwartet hart. Seine Mimik verriet es, nur für einen Sekundenbruchteil. Silke bemerkte es. Natürlich bemerkte sie es.