Er streift durch die Nacht, allein und unbemerkt, blutbeschmiert und begleitet von seiner tiefschwarzen Seele, die aus seiner düsteren Vergangenheit geboren worden war. Doch in jener schicksalhaften Nacht soll sich ihm seine menschliche Seite offenbaren, die er für tot gehalten hatte. In einer Bar begegnet er einem jungen Mann, dessen warmen Blicken er sich nicht entziehen kann. Gefangen in einem Netz aus Begierde und Geborgenheit, entkommt er dem hartnäckigen Fremden nicht, der seine verwegenen Absichten nicht verschleiert. Doch der blauäugige Fremde ahnt nicht im Geringsten, mit wem er in jener Nacht nach Hause geht und in wessen Bett er sich einlädt. Denn der arglose junge Mann lässt sich auf einen skrupellosen Killer ein und begibt sich in große Gefahr …
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2017
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K.P. Hand
Tiefschwarze Seelensplitter
Gay-Erotik-Kurzthriller
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Tiefschwarze Seelensplitter
Der Rabe
Rotfuchs mit Rehaugen
Kein Entkommen
Bittersüße Folgen
Impressum neobooks
Vorwort(-warnung)
2. überarbeitete Auflage.
Dieses Werk ist ein Erotik-Kurzthriller in Form einer Nouvelle und beinhaltet für den ein oder anderen Leser schockierende Handlungen und/oder Ereignisse, da die handelnden Personen keineswegs Unschuldslämmer sind. Doch keine Sorge, es handelt sich nicht um ein BDSM-Werk.
In dieser Story hat selbst das Böse ein Herz, zumindest für einen nicht ganz so unbefleckten jungen Mann.
Die Gedanken und Gefühle der Protagonisten stimmen nicht mit meinen eigenen überein. Sie sollen absichtlich aufregen und, oder schocken. Alle Personen, Orte und Ereignisse sind selbstverständlich frei erfunden.
Erotik-Gay-Thriller, der ein entscheidendes Ereignis aus dem Leben zweier Individuen erzählt, die sich in Einsamkeit fanden. Gewürzt mit explizit geschilderten homoerotischen Szenen.
Alters-Empfehlung ab 18 Jahre!
Viel Vergnügen beim Lesen (und zwischen-den-Zeilen-Lesen).
Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und perlte seine Schläfen hinab, obwohl es eine kalte Oktobernacht war, stürmisch und verregnet. Sein Grunzen war das einzige Geräusch in der nächtlichen Stille, denn sie machte schon seit einer geraumen Zeit keine Laute mehr.
Das würde sie auch nicht mehr.
Nie mehr.
Der Wald war stockdunkel. Einzig und allein das grelle Licht des Vollmondes stahl sich durch die dichtstehenden Tannen. Der Boden war matschig, denn es hatte den ganzen Tag geregnet, und es goss weiter wie aus Eimern. Gut! Der Regen würde seine Spuren wegspülen, seine Fußspuren und die Schleifspuren, das ersparte ihm einiges an Arbeit. Er packte den Müllsack noch etwas fester und beschleunigte seinen Schritt, mit der anderen Hand hatte er einen Spaten geschultert. Der aufgeweichte Boden würde es ihm auch wesentlich einfacher machen, ein Loch zu graben.
Ein tiefes Loch.
Diese Art von Beseitigung hatte er bisher noch nicht vorgenommen, und obwohl er sich frei von Furcht hielt, war ihm doch mulmig dabei, dieses Risiko einzugehen. Denn egal wie tief er grub, es würde von nun an immer Beweise geben, auf die irgendwann, irgendwer stoßen könnte.
Nicht, dass der Eindruck aufkäme, er hielte sich für furchtlos. Oh nein, er verspürte Angst, so wie vermutlich jeder Mensch – zumindest jeder, dessen Gehirn vollfunktionsfähig war –, doch was er meinte war, dass er längst keine Furcht mehr davor spürte, erwischt zu werden.
Vielleicht war er mit der Zeit zu selbstsicher, ja, sogar arrogant geworden. Zu glauben, niemals erwischt zu werden, war so ziemlich immer der erste Schritt ins Verderben.
Nein, auch wenn er die Arroganz besaß, sich für cleverer als die zu halten, die ihn jagten, er durfte trotzdem keine Fehler machen.
Das Loch musste tief werden.
Nachdem er eine Weile durch den gespenstisch stillen, finsteren Tannenwald gelaufen war, glaubte er, eine geeignete Stelle gefunden zu haben. Er ließ den Sack los, hier würde er die Beweise verschwinden lassen. Doch der Ort war gewiss nicht zufällig gewählt.
Sonst war er seine Beweise stets im Fluss losgeworden, doch deswegen warteten seine Jäger nur darauf, dass er es erneut tat.
Aber so dumm war er nicht.
Er stieß mit einem grimmigen Blick den Spaten in die noch lockere Erde des Urnengrabes und begann zu graben. Schon am Nachmittag, noch bevor es überhaupt etwas zum Vergraben gegeben hätte, war er hier rauf aufmerksam geworden. Bei einem Spaziergang durch den Wald hatte er durch die Bäume die Beerdigung mitangesehen. Die Familienmitglieder, ganz in schwarz, weinten in ihre Taschentücher, eine Frau – die Witwe? Schwester? – verzweifelt klagend.
Ein Waldfriedhof in mitten eines düsteren Tannenwaldes. Die Umgebung hatte etwas sehr Abgeschiedenes, für Hinterbliebene vermutlich etwas Friedvolles. Wer würde schon auf die Idee kommen, hier noch einmal zu graben.
Na ja, bis auf er.
Er wählte den Baum mit dem frischen Grab. Es gab kein großes Loch, hier wurden schließlich nur Urnen bestattet, aber das machte nichts. Der Sack würde reinpassen, dafür hatte er immerhin gesorgt.
Nachdem er die Urne ausgegraben und sie behutsam beiseitegelegt hatte, sagte er kurz unbehaglich: »Verzeihung, Kumpel, ich muss dich kurz stören.« Er hatte Respekt vor den Toten, er hatte Respekt vor dem Leben, vor Menschen, die Respekt verdienten.
Trotzdem war er ein Monster. Vielleicht sogar ein sehr viel größeres Monster als alle anderen in seinem – er nannte es mal – Handwerk. Denn er war nicht verrückt, er handelte im vollen Bewusstsein, mit dem Wissen, dass er falsche Entscheidungen traf, aber ohne den Wunsch, sich ändern zu wollen.
Nein, er war nicht verrückt, er war einfach kaltblütig.
Und froh machte ihn das nicht, wenn er sich auch manchmal arrogant darüber amüsierte, seinen Jägern immer wieder zu entkommen. Aber der größte Grund, weshalb er während seiner Handlungen niemals Angst verspürte, war schlicht und ergreifend der, dass er sich nicht davor fürchtete, sollte er doch erwischt werden.
Manchmal wünschte er sogar, sie würden ihn fassen und er würde seine gerechte Strafe bekommen.
Aber dazu würde es nie kommen, das wusste er. Er war zu vorsichtig, zu … clever. Ganz ohne sich preisen zu wollen, wusste er, dass er seinen Jägern immer einen Schritt voraus sein würde.
Nachdem er das Loch vermutlich viel tiefer als nötig gegraben hatte, stopfte er mit aller Gewalt den Müllsack hinein. Mit dem Fuß trat er die zerteilten Teile, die der Sack beinhaltete, bis zum Loch des Bodens.
Er dachte kurz an das Opfer, erinnerte sich an ihr Aussehen, ihr recht hübsches, rundes Gesicht. Für ihr Alter hatte sie noch wirklich heiß ausgesehen. Ihre braunen Augen hatten ein warmes Funkeln besessen, trotzdem war ihr verwegener Blick von der ersten Sekunde an, als er sie in seine Wohnung eingeladen hatte, deutlich hervorgetreten. Er roch noch den süßlichen Duft – Vanille –, der ihrer haselnussbraunen Lockenpracht angehaftet hatte. Ihre etwas wulstigen Finger waren sanft gewesen, suchend nach Nähe und so verzweifelt suchend nach warmen Fleisch. Oh wie war sie einsam gewesen, ihr ganzes Leben schon, und nicht nur ihre Worte hatten es ihm vermittelt, auch ihr warmer, nach Liebe suchender Blick.
Es hatte gar nicht lange gedauert, als er sie vor einigen Wochen im Internet angeschrieben hatte, bis sie sich auf ein Treffen mit einem scheinbar einfühlsamen, etwas jüngeren Mann eingelassen hatte, der angeblich solch ein großer Bewunderer ihrer schriftstellerischen – mehr laienhaften – Arbeit gewesen war. Sie war einfach zu liebesbedürftig und zu einsam gewesen, um sich dem Risiko nicht zu stellen, welches mit jedem Treffen mit einem Fremden aus dem Internet einhergeht.
Vielleicht fürchtete sie sogar, er wäre nur ein verrückter Stalker, doch der Wunsch nach Nähe und Bestätigung war drängender gewesen als jede Vernunft. Und was sollte Ihr schon in einem netten kleinen Café in der Innenstadt geschehen? Und dann war dieser Mann, dieser Fremde, auch noch so freundlich und charmant, wusste, was er sagen musste, um ihr ein gutes Selbstwertgefühl zu geben, das wegen der Scheidung ihres Gatten, der sie für eine dünnere Frau verlassen hatte, deutlich geschrumpft war. Also ging sie auf seine eher zögerliche, ja fast schüchterne, Einladung zu einem privateren Kaffee ein und folgte ihm nach Hause. Ohne zu wissen, dass sie nie wieder das Tageslicht sehen würde.
Er blickte in das Loch, ohne etwas zu sehen, und legte bedauernd den Kopf schief. So einsam die Frau in den letzten Jahren gewesen war, so einsam würde sie nun auch hier begraben bleiben.
Doch so sehr er sich auch anstrengte, sein Hass war größer als sein Mitleid.
Erst bedeckte er den Sack mit einer dicken Schicht Erde, um die Urne nicht in Berührung mit seiner schändlichen Tat zu bringen – Die Toten müssen in Frieden ruhen, na ja zumindest diejenigen, die es verdienten –, dann schüttete er alles wieder zu.
Im strömenden Regen ging er langsam durch den düsteren Wald zurück. Sein Wagen stand am Waldrand. Doch obwohl er jetzt aus vielerlei Gründen eine warme Dusche gebraucht hätte, um den kalten Regen, der durch seinen schwarzen Wollmantel drang, und auch um die Berührung der Frau endlich abzuwaschen, die ihm das Gefühl gab, schmutzig und wiederwertig zu sein, gab es noch viel zu tun, ehe er zurück in seine derzeitige Einzimmerwohnung konnte.
Seine Springerstiefel, seine schwarze Jeans und ein Teil seines Mantels waren schlammbedeckt, als er den vom Regen recht sauber gewaschenen Spaten in den Kofferraum warf und vorne wieder einstieg.
Er fuhr los und dachte auf dem Weg zur Stadt darüber nach, ob er nicht vielleicht irgendwie seine Taten erklären sollte. Der Öffentlichkeit.
Wie viele böse Geschöpfe seines Handwerks taten es? Hinterließen kleine Botschaften, gaben den Jägern Rätseln auf, schrieben sogar Briefe an die Presse. Um sich wichtig zu machen, um sich Aufmerksamkeit oder Furcht zu sichern, oder vielleicht sogar um sich zu erklären. In den meisten Fällen jedoch, um das Gefühl von Macht zu spüren. Um sich nicht wie der Gejagte, sondern wie der Jäger zu fühlen.
Aber was hätte es ihm gebracht, sich zu rechtfertigen, der weder Furcht noch Anerkennung hervorrufen wollte. Die Wahrheit war, er konnte nicht ganz definieren, warum er tat, was er tat. Er würde es weder sich, noch anderen je gänzlich erklären können.
Rache?
Ja, vielleicht. Rache war ein nur allzu menschliches Bestreben seit der Geschichte der Menschheit.
Möglicherweise war er aber auch nur ein Mensch, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hatte, und mit Hass am allerwenigsten umgehen konnte. Hass auf Menschen. Insbesondere Frauen. Aber gelegentlich auch Männer.
Er könnte versuchen, jemanden zu erklären, dass er jenen Hass schon seit frühster Kindheit verspürte, doch woher jener Hass kam und wie er anfing, konnte er sich nicht einmal selbst beantworten.
Vielleicht bei seiner Mutter, die besessen von seinem Vater gewesen war und ihn dafür vernachlässigt hatte. Vielleicht wegen seines Vaters, der trotz aller Vergötterung zu Hause, selten bis gar nicht anwesend war, ihn aber, sobald er seine Familie mal mit seiner Anwesenheit beehrte, mit eiserner Strenge zu einem spießigen, schwer arbeitenden Mann erziehen wollte. Was jedoch scheiterte, denn so sehr er sich auch angestrengt hatte, er war nicht klug genug gewesen, um die Familie stolz zu machen.
Vielleicht waren die vielen familiären Kränkungen, die ständige Missachtung, die Vereinsamung, die Verachtung und die Ignoranz der eigenen Familie Schuld. Oder die Hänseleien in der Schule, die Tatsache, von der Gesellschaft schon im Jugendalter ausgeschlossen worden zu sein, weil man irgendwie seltsam war und darüber hinaus auch noch unter schlimmer Akne litt. Die ständigen Beleidigungen, Erniedrigungen und öffentlichen Demütigungen.
Die Würde des Menschen sei unantastbar? Nicht in Schulen. Nicht unter Kindern.
Möglicherweise kam jener ausschlaggebende Hass erst schleichend, ausgelöst durch ein frustriertes, tristes Leben, durch viele Enttäuschungen, den Druck der Gesellschaft, durch all die Angeber, Klugscheißer, Spießer und Möchtegernprofessoren, die sich für besser hielten als der Rest der Welt, denen man jeden Tag, jede Sekunde, überall auf der Straße begegnet, und die einen ohnehin labilen Menschen mit ihren verachtenden Blicken und unüberlegten bissigen Bemerkungen zur Weißglut trieben.
Vielleicht gab es gar keinen richtigen Grund, keinen echten Grund. Vielleicht war er auch einfach nicht für diese Welt geschaffen, vielleicht trug gar niemand Schuld. Warum musste es immer einen Grund geben, eine verzweigte Hintergrund Geschichte, die beinahe herzzerreißend gewesen wäre?
Na klar, er wusste, dass die Öffentlichkeit das brauchte, einen Grund, weshalb das Böse tat, was es tat, weil die Vorstellung, dass man mit gewissen Neigungen geboren wurde – darunter auch die Neigung, skrupellos Leben zu nehmen – zu beängstigend war.
Dabei erschien es nur logisch.
Täglich wurden Menschen mit Neigungen geboren, und nicht jede hatte einen sexuellen Hintergrund.
