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Menschen hetzen, konsumieren, funktionieren. Sie brennen aus, leben egoistisch und sind sich zunehmend selbst am nächsten. Sie schalten ab, suchen Entspannung mit Alkohol und Drogen. Menschen führen Kriege, gerne mit dem Banner voraus, auf dem steht "Im namen Gottes!", wollen selbst so akzeptiert werden wie sie sind, woran sie glauben, sind aber nicht bereit, anderen in gleichem Maße entgegenzutreten. Menschen grenzen Menschen aus, vor allem dann, wenn sie anders sind. Menschen haben Angst vor dem Anderssein und bekämpfen die Ursache ihrer Angst mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Menschen stellen sich über alle, über die Natur, über die Tiere und entschuldigen ihr Handeln mit ihrer Intelligenz. ...
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Seitenzahl: 377
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Für all die vergessenen und verlorenen Seelen
Prolog
Schneller, höher, weiter
Glaube, ein persönliches Recht?
Das Land der Freiheit
„Schnaps,…
„Toleranz ist die Idee, dass der Andere Recht hat“
Unser Boot ist voll
„Damals war es…“
„Früher war alles besser!“
Was geht mich das an…
Freund oder Feind?
Die Angst vor der Angst
Wahrheit oder fake?
Der Mensch, die soziale und intelligente Krönung der Schöpfung?
Schau in den Spiegel und du erkennst dich selbst
Epilog
„Erinnerst du dich noch an die Geschichte deiner Großmutter? Die mit den Enten am See?“ meine Mitbewohnerin blickt für einen kurzen Moment mit müden Augen in die Ferne.
„Ja!“ denke ich und ein Lächeln huscht kurz über mein Gesicht. Ich erinnere mich gerne an die alten Geschichten. Sie waren so voller Leben und Energie. Meine Großmutter erzählte von „früher“ in den schillerndsten Farben, so dass es mir oft vorkam, als wären es Geschichten aus einem völlig anderen Kosmos und nicht aus einer Zeit vor 40 Jahren. Die Welt heute würde ich nie als bunt und interessant, still oder gar erholsam beschreiben, auch fällt mir „Glück“ nicht zwangsläufig ein, wenn ich an mein Leben denke.
Eine Geschichte hatte es mir besonders angetan. Meine Großmutter erzählte sie mir immer und immer wieder und mit jedem Mal wurde sie eindringlicher, so als würde sie versuchen, alte Zeiten wieder auferstehen zu lassen.
Meine Großmutter saß sehr oft nach einem langen Tag im stickigen Büro, von dem ich nicht einmal wusste, was sie dort machte, an einem kleinen Weiher und beobachtete die Schwäne und Enten. Sie tauchten zur Nahrungssuche und konnten teilweise minutenlang unter Wasser bleiben, wobei ihre puscheligen Schwänze vorwitzig aus dem Wasser ragten. Sie konnte stundenlang dem Treiben am Weiher zusehen, dem Wind lauschen, wie er sanft durch das Schilf strich und die kleinen weißen Wolken am blauen Himmel vor sich hertrug. Nichts außer den melodiösen Klängen der Meisen und Amseln und all der anderen bunten Singvögel störte die Stille. Sehr gerne hatte sie im Gras gelegen, auch noch als ältere Frau, Hand in Hand mit ihrem Mann und den Moment der Zweisamkeit genossen. Sie lagen einfach da und taten - nichts, außer, den Himmel mit den vorbeiziehenden Vögeln und Wolken zu beobachten, das Gras unter sich zu spüren und die Frische des Taus und der Erde zu riechen.
„Nichts tun!“ denke ich. „Wie soll das bitte gehen, man tut doch immer irgendetwas!“ Wann hatte ich das letzte Mal „Nichts“ gemacht? Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern…
„Meinst du, es ist wirklich so gewesen?“ meine Mitbewohnerin schüttelt ein wenig zweifelnd ihren Kopf, schwenkt ihr Kognak- Glas, bevor sie den Inhalt in einem Zug herunter kippt, schaut mich kurz an, ohne ein wachsames Auge vom Monitor abzuwenden, ob eine neue e-Mail ihres Arbeitgebers im Posteingangsfach liegt. Neuerdings arbeitet sie als Zweitjob abends von Zuhause. Wie immer macht sie Überstunden bis spät in die Nacht, um sich ihr Auto finanzieren zu können. Ohne fahrbaren Untersatz ist man heutzutage zu unflexibel und uninteressant für den Arbeitgeber. „Wäre irgendwie wie das Paradies auf Erden!“
Ich nicke und kneife meine Augen ein wenig zusammen, um das helle Licht unserer Tageslichtlampe abzuhalten. Wir hatten sie uns zugelegt, um überhaupt ein wenig Sonnenlicht zu erhaschen, wo wir doch am Tage nur von einem Termin zum anderen hetzen und die meiste Zeit hinter Mauern und Fenstern verbringen. Außerdem wird seit einigen Jahren vor zu viel Sonneneinstrahlung auf der Haut gewarnt. Die vor UV- Licht schützende Ozonschicht ist seit langem schon zerstört, so dass man eigentlich nur noch mit langärmeligen Oberteilen, langen Hosen, UV- abweisenden Sonnenbrillen und Sonnenblockern das Freie betreten und maximal zehn Minuten am Stück und am Tag die Sonne genießen darf. Eigentlich sollte man die Lampe nicht abends oder gar nachts leuchten lassen, es bringe sonst den ganzen Tag- Nachtrhythmus durcheinander. Naja, lässt sich manchmal nicht vermeiden, wenn der Tag von Terminen kurz vor dem Platzen ist.
Ich nicke immer noch. Ja, ich bin fest überzeugt von der Wahrhaftigkeit der Erlebnisse meiner Großmutter, wie sonst hätte sie so lebhaft aus dieser Zeit erzählen können.
Draußen rollt erneut die Blechlawine an, die kurz an der roten Ampel einen Zwischenstopp eingelegt hatte. Völlig automatisch erhebe ich meine Stimme und regel die Lautstärke des Fernsehers höher, um den Nachrichten zu lauschen. Bilder von uniformierten Soldaten flackern über den Bildschirm, gefolgt von einem Bericht über einen wiederholten Aufmarsch der Neuen Rechten in Frankreich. Wie die es vor einigen Jahren an die Regierung geschafft hatten, ist mir immer noch schleierhaft!
„Sie hat von diesen Momenten immer als die glücklichsten ihres Lebens gesprochen!“ bemerke ich geistesabwesend, als mein Smartphone vibriert, während ich mir zwei Kopfschmerztabletten in die Hand drücke, wie jeden Abend, wenn der Klopfschmerz in meinen Schläfen mich nicht zur Ruhe kommen lässt.
Ein Blick in die rechte obere Ecke des Fernsehers zeigt mir an, dass die Nacht wieder nur kurz werden wird. Es ist 02:06h und wir schreiben das Jahr 2021.
Im eigentlichen Sinne war dieser Spruch einmal auf den Sport bezogen, denn nur, wer schneller lief, höher sprang oder weiter den Diskus oder den Speer warf, konnte ganz oben auf das Treppchen steigen. Da dem Menschen jedoch von Natur aus Grenzen gesetzt waren (und immer noch sind), die er schwer akzeptieren konnte (und immer noch nicht akzeptieren kann), kamen angeblich schlaue Menschen auf die Idee, mit leistungssteigernden Substanzen nachzuhelfen. Doping sollte (und soll) den Sportler zu nahezu grenzenlosen Leistungen verhelfen.
Mittlerweile hat der Ansporn, immer besser zu werden, in nahezu allen Bereichen unseres Lebens Einzug gehalten, so dass es für den Einzelnen immer schwieriger erscheint, mit diesem Bestreben mitzuhalten, geschweige denn, sich gar zu entziehen.
Die Menschen, sie wollen heutzutage immer und überall über alles auf dem Laufenden gehalten werden, permanent erreichbar, ja, ständig in der Lage sein, sich über das „Weltgeschehen“, wann und wo immer sie es wünschen, informieren zu können und sich gleichzeitig mit unnötigen und unwichtigen Neuigkeiten berieseln zu lassen.
Warum nur, frage ich mich? Hört die Welt auf, sich zu drehen, nur weil ich kleiner Erdenbürger nicht zeitgleich darüber informiert werde, was auf der anderen Halbkugel geschieht oder was sich einer meiner 567 virtuellen Freunde des sozialen Netzwerkes gerade Neues gekauft hat oder wie er aussah, als er 1,8 Promille auf der letzten Party intus hatte? Was hat ein 16-jähriges Mädchen immens Wichtiges zu regeln, dass es nicht bis zum Nachmittag warten kann, sondern in der Schule, am besten noch während des Unterrichts, per Handy oder Smartphone erledigt werden muss?
Wie sehr kann eine Hausfrau am Weltgeschehen beteiligt sein, dass sie an der Kasse im Supermarkt, ein anscheinend ultrawichtiges Telefonat mit ihrer Freundin führen muss und dabei nicht nur den ganzen Laden unter-, sondern zudem den gesamten „Verkehr“ aufhält?
Gibt es einen tieferen Sinn dafür, dass man, gerade in den Stadtbus eingestiegen, den Freund anrufen muss, um ihm mitzuteilen, man sei gleich in fünf Minuten zuhause und freue sich so?
Auf diese Fragen können wohl die wenigsten eine wirklich plausible Antwort geben, weil es objektiv betrachtet schlichtweg keine gibt.
Beruflich sehr engagierte Menschen glauben allerdings gerne, dass sie unersetzlich seien. Die Annahme, nur sie können den „Laden“ am Laufen halten, spricht schon für sich. Dabei ist fast jeder in unserer heutigen Arbeits- und Berufswelt nur eine Nummer, die Personalnummer, und ersetzlich. Allerdings ist ein ständig klingelndes Handy der augenscheinliche Beweis, die Bestätigung und nicht zuletzt Balsam für das eigene Selbstbewusstsein.
Eine permanente Furcht, etwas Wichtiges zu verpassen, nicht mitreden zu können oder nicht mehr zur Masse dazuzugehören, treibt uns an, ständig „online“ zu sein. Wobei „Wichtiges“ natürlich Ansichtssache ist. Das Mitteilen von Aktivitäten bei sozialen Netzwerken ist für einen Großteil der Bevölkerung zum ständigen Begleiter ihres Alltages geworden, aber was bitteschön ist daran wichtig? Wichtig für wen und vor allem wozu? Bleibt die Zeit stehen, gibt es einen zweiten Urknall oder fällt gar ein Sack Reis in Hamburg um, wenn man sich einmal abschaltet oder etwas nicht zeitgleich mitbekommt oder postet?
Anstatt sich über den erlebten Augenblick zu freuen, ihn zu genießen und zu erleben, wird sofort ein Foto ins Internet gestellt mit einem kleinen Vermerk, wo, wann und mit wem dieses „Event“ stattfand, frei nach dem Motto „mach ich Foto, tu ich facebook“. Den Augenblick selbst aber nimmt niemand mehr wirklich wahr. Das dabei entstandene Gefühl, an das man sich später mit Freude zurückerinnern wird, gerät zunehmend in den Hintergrund.
Es scheinen immer weniger Menschen, vor allem die Jüngeren unter uns, in der Lage zu sein, zu fühlen, innezuhalten und zu erleben. Zu viele Termine stehen an, dass der Tag gerne einmal 30 statt 24 Stunden haben könnte. Zudem müssen alle Aktivitäten und Neuigkeiten zeitgleich gepostet und unter das Volk gebracht werden. Das Leben macht keinen Spaß, wenn man es nicht teilen kann! Wobei mit „teilen“ nur das Verbreiten bloßer Information gemeint ist, nicht aber, etwas gemeinsam zu unternehmen. Es geht schon lange nicht mehr darum, das Gefühl der Verbundenheit mit der Freundin zu spüren und auch dankbar darüber sein zu können, denn gemeinsame Erlebnisse verbinden. Heute zählt, dass möglichst viele erfahren, was man gerade gemacht hat und dass diese es „liken“. Unwichtig wird, ob es einem selbst gefällt.
Leider sind es nicht nur erwachsene Menschen, die sich diesem Druck der ständigen Erreichbarkeit und des Informationsflusses aussetzen und vor allem unterwerfen. Die Gruppe der Smartphone- User wird zunehmend jünger. Was das für die langfristige Entwicklung der Kinder bedeuten könnte, mag ich gar nicht in Erwägung ziehen. Erschreckend zu beobachten ist, dass das Handy oder Smartphone, generell das permanent Online- Sein ein Teil der Kindheit und des Teenageralltages geworden zu sein scheint. Ein Tag oder gar eine Woche ohne Handy ist für die meisten nicht nur gar nicht vorstellbar, allein der Gedanke an ein solches Experiment versetzt sie regelrecht in Panik.
„Ohne mein Handy bin ich doch nichts!“ oder „Was soll ich ohne Smartphone denn machen?“, „Ich kann dann mit niemandem chatten, nichts posten, mit niemandem sprechen!“ sind nur einige Aussagen, die ich in Gesprächen mit Jugendlichen zu hören bekommen habe. Dass man Freunde, also reale Freunde, nicht die virtuellen im Netz, natürlich auch ohne Smartphone treffen und mit ihnen etwas unternehmen, ja, sich auch unterhalten könnte, scheint absolut abwegig. Haben junge Menschen sich nichts mehr zu sagen?
Sind sowohl das Handy als auch das Internet Mittel zur Persönlichkeitsbildung oder gar fester Bestandteil der eigenen Persönlichkeit, so dass wirklich das Gefühl verspürt wird, ein Teil des eigenen Ichs verschwindet, wenn auch das Handy verschwindet? Sind Jugendliche ohne Handy nicht lebensfähig? Ein privater TV- Sender plante im Sommer 2014 eine neue „Abenteuershow“: Jugendliche sollten sich ohne Handy oder Smartphone in eine ihnen unbekannte Stadt begeben und dort einen Tag zurechtkommen.… Ohne Worte!…
Das Smartphone zur Bildung und Steigerung des Selbstbewusstseins? Bedenklich, wenn Kinder und Jugendliche sich und ihre Persönlichkeit von einem kleinen Gerät abhängig machen, ohne dem sie sonst aufgeschmissen zu sein scheinen, sich ausgegrenzt, nicht dazugehörig, ja, wertloser fühlen. Noch bedenklicher, wenn diese Abhängigkeit sich zur Sucht entwickelt. Wenn sich alles nur noch um ein Online- Spiel dreht, die Schule vernachlässigt wird und das wirkliche Leben immer mehr mit der virtuellen Welt verschmelzt. Wenn die Mädels sich ohne Smartphone regelrecht nackt fühlen, nicht einmal eine Mahlzeit ohne ihren Wegbegleiter einnehmen oder gar zur Toilette gehen können, sind die Grenzen einer normalen, gesundheitlich vertretbaren Nutzung eindeutig überschritten.
Wie schön war doch „damals“ die gute, alte Zeit, als man sich zu festen Zeiten verabredet und keine Möglichkeiten hatte, außer über den Festnetzanschluss, den Termin einfach fünf Minuten vorher abzusagen, weil etwas Anderes (Wichtigeres?) dazwischen gekommen war. Als es weder Handy noch das Internet gab, waren Verabredungen verbindlicher als heute, wollte man den Freund oder die Freundin nicht versetzen oder gar verprellen. Heute wird sich über die Befindlichkeiten des anderen weniger Gedanken gemacht.
Traf man sich „damals“, war der Freund oder die Freundin die „Hauptattraktion“, nicht das Handy. Man konzentrierte sich voll und ganz auf das Gespräch und nestelte nebenbei nicht permanent mit dem Smartphone herum. Solch ein Verhalten empfinde ich persönlich als äußerst unhöflich, respektlos und signalisiert eindeutiges Desinteresse, obwohl die Smartphone- Hörigen das vehement abstreiten würden. Man hörte zu, ohne den anderen zu unterbrechen, nur um ihm die aktuellste Meldung von Mr. Xy zu zeigen. Verstehe ich ohnehin nicht… ich kann es nachvollziehen, dass sich jemand den Freunden im Netz widmet, wenn er zuhause vor Langeweile nicht weiß, was er mit sich anfangen soll. Aber doch nicht, wenn mir eine leibhaftige Person gegenübersitzt! Allerdings agieren unsere Politiker in diesem Fall als äußerst schlechtes Vorbild. Anstatt den Rednern im Bundestag zuzuhören und so vielleicht den einen oder anderen Gedanken aufzunehmen, tippen und verschicken auch sie munter Kurzmitteilungen, allen voran die Bundeskanzlerin, oder verlassen den Plenarsaal für angeblich wichtige Telefonate. Wie ist es den jungen Menschen plausibel vermittelbar, dass so ein Verhalten schlichtweg unhöflich ist, wenn doch die Politiker es vorleben? Wie sollen Schüler verstehen, dass man dem referierenden Mitschüler durchaus zuhören sollte, weil es zumindest der Anstand geziemt?
Ein zusätzliches und durchaus beängstigendes Phänomen ist das Cybermobbing. Betroffen von verschiedensten Formen der Diffamierung, Belästigung und Nötigung sind vor allem Jugendliche. Nicht selten werden Identitäten geklaut, um in fremden Namen zu mobben oder gar Käufe zu tätigen.
Besondere Angriffsflächen bieten Kinder und Jugendliche, die auch im realen Leben Opfer von Ausgrenzung werden oder bereits wurden und zudem pubertär ohnehin hoch empfindlich sind. Perfide am Cybermobbing ist im Vergleich zum klassischen Mobbing, dass das Opfer sich nicht entziehen kann. Es findet keinen Schutzraum, denn auch ein Schulwechsel oder Umzug beendet kein Mobbing im Internet. Die Traumatisierung eines Cyber- Opfers ist nicht selten höher als beim herkömmlichen Mobbing in der Klasse.
Jemanden unter falschem Namen im Netz bloßzustellen, anstatt sich direkt mit dem anderen auseinander zu setzen, ist meines Erachtens ein Akt der absoluten Feigheit und demonstriert mangelndes Selbstbewusstsein und mangelnde Intelligenz.
Die meisten Täter wissen gar nicht, was sie einem Opfer antun, wenn sie ein peinliches Video ins Netz stellen. Insofern ist eine Sensibilisierung wichtig, d.h. sowohl den Täter die einschneidenden und traumatisierenden Auswirkungen ihres Agierens klarzumachen, aber auch dem Opfer den Rücken zu stärken. Gegen Cybermobbing muss man sich zu Wehr setzen! Es werden immer neue Bildungsreformen angestrebt, da sollte es doch möglich sein, gerade solche Themen, die zwar nicht zwingend reine Wissensvermittlung darstellen, dennoch alltagsgebräuchlich von enormer Wichtigkeit sind, in den Lehrplan einzubringen.
Sehr zu begrüßen ist, dass Internetmobbing zukünftig als Straftat angesehen und verfolgt wird. Beleidigungen, peinlich intime Momente und Hetzkampagnen gegen eine andere Person ins Netz zu stellen, ist damit kein Kavaliersdelikt mehr!
Im handylosen Zeitalter konnte man Busfahren, seinen Cappuccino im Café trinken, sich in aller Ruhe mental im Wartezimmer auf den Zahnarztbesuch vorbereiten oder beim Supermarkt an der Fleischtheke seine Bestellung aufgeben, ohne von Klingeltönen oder lauten Gesprächsteilnehmern belästigt zu werden. Mal ehrlich, es interessiert doch wirklich niemanden, ob der Arbeitskollege einer unbekannten Person ein Arschloch ist oder die Nachbarin wieder einmal das Treppenhaus nicht gewischt hat. Und schon gar nicht, ob die Jaqueline das T- Shirt von Chantale angezogen hat, was sie eigentlich nicht sollte. Wobei das ja noch harmlose Gesprächsthemen sind. Richtig belästigt fühle ich mich bei verbal heftig ausgefochtenen Beziehungsproblemen. Nicht selten verspüre ich den Drang, der Person ihr Smartphone zu entreißen, um ihrem Gesprächspartner am anderen Ende den Tipp zu geben, sich endlich zu trennen, wurde sie doch bereits zum dritten Mal betrogen.
Schalten diese Menschen ihr Hirn eigentlich aus, wenn sie ihr Handy einschalten? Oder merken sie nicht, dass sie gar nicht alleine im Bus stehen? Ist es ihnen vielleicht sogar egal, ist es einfach völlige Ignoranz gegenüber den Mitmenschen?
Wer schreibt heute überhaupt noch einen Brief per Hand? Wie, das kann man auch? Ja, es gibt dieses Beförderungsunternehmen, früher als Deutsche Post bekannt, das nicht nur Pakete von Online- Händlern oder behördliche Korrespondenz befördert, sondern auch Postkarten und Briefe von Privatpersonen, also Menschen wie Sie und ich. Ich spreche von Briefen, die mit größter Sorgfalt geschrieben werden, in ganzen Sätzen und richtigen Worten, vielleicht auch auf schönem Brief- und nicht auf Linienpapier aus dem Collegeblock. Briefe, in denen man statt „LOL“ (laugh out loud) einfach beschreibt, wie sehr einen etwas erfreut hat. Wie sich zunächst ein Kribbeln in der Bauchgegend kitzelnd bemerkbar gemacht hat, man zu glucksen anfing bis das Kichern wie ein explodierender Vulkan als lautes Lachen aus einem herausbrach, so dass einem vor lauter Anstrengung und Freude Tränen über die heißen Wangen liefen.
Ein Brief ist mehr als eine schlichte Mitteilung, er ist sehr viel persönlicher. Der Verfasser nimmt sich Zeit, macht sich in einem ruhigen Moment, vielleicht bei einer Tasse Tee oder einem Becher Kaffee, an die durchaus anspruchsvolle Arbeit. Er wählt jedes einzelne seiner Worte mit Bedacht, möchte er doch nicht, dass der Brief später wie das Heft eines Erstklässlers aussieht, fehlt ihm doch die Löschtaste. Er filtert sein eigenes Gedächtnis, forscht nach spannenden und interessanten Erlebnissen, trennt Wichtiges von Belanglosem und überlegt individuell, was für den Adressaten passend sein könnte. Ein Brief ist sehr intim und in keinster Weise nur etwas für die ältere Generation! Leider wird er immer stiefmütterlicher behandelt und rückt ständig weiter ins Abseits! Wer aber schon häufiger einen handgeschriebenen Brief von einer guten Freundin oder einem langjährigen Freund erhalten hat, weiß, wovon ich spreche!
Die Technik, sie wächst unaufhaltsam und scheinbar ohne Grenzen. Der Fortschritt wird schneller und schneller und der Mensch, er hinkt, ja, er hetzt ihm geradezu hinterher. Im Gegensatz zur Technik sind den Menschen sehr wohl Grenzen gesetzt, rein psychischer und physischer Natur. Fällt in einer Produktion eine Maschine aufgrund von Wartung oder Reparatur aus, wird sie kurzerhand durch eine andere ersetzt. Der Mensch gönnt sich keine Zeit für Regeneration oder Reparatur, da es für diese Zeit so schnell keinen adäquaten Ersatz gibt und es zu Einbußen in der Arbeits- und Produktionsqualität kommen könnte. Wer krank ist, sieht zu, dass er schnellstmöglich wieder einigermaßen auf die Füße kommt. Dabei wird jedoch keine vollständige Genesung angestrebt, sondern nur ein einigermaßen fitter körperlicher Zustand, so dass die Kollegen durch den Ausfall keine Extraarbeit mehr leisten müssen. Aus Angst, im Beruf schnell ausgemustert und von einer anderen Arbeitskraft ersetzt zu werden, schleppt man sich krank zur Arbeit oder reißt eine Überstunde nach der anderen, obwohl man bereits an den eigenen Grenzen angekommen ist. Die Schlange derjenigen, die nur warten, dass man strauchelt und einen Arbeitsplatz frei macht, ist lang. Wer sich zudem ständigen Reizen und wachsenden Anforderungen aussetzt, der überfordert sich, sowohl seinen Körper, aber auch den Geist, und dekompensiert irgendwann.
Die ständige Erreichbarkeit, die zunehmenden Außenreize und nicht zuletzt der permanente Lärmpegel, sowohl im Arbeitsleben, als auch in der Freizeit, überfordern unsere Sinne. Das Resultat sind gereizte und vor allem ausgereizte Menschen. Burn- out lässt grüßen und ist branchenübergreifend in aller Munde! Die Anforderungen am Arbeitsplatz nehmen zu, ebenso die ständige Angst um den eigenen Arbeitsplatz und dem dadurch verbundenen sozialen Abstieg. Während „früher“ die Freizeit entschleunigt auf einen nach einem anstrengenden Arbeitstag gewartet hat und wirklich zum Aufladen der eigenen Akkus genutzt werden konnte, geht die Hektik und der Stress in der Freizeit weiter, zum Großteil selbst gewählt, weil auch hier der Druck vorhanden ist, mit der Umwelt mitzuhalten und sich nicht aus dem sozialen Gefüge auszuklinken. Denn wer eine Verabredung zum wiederholten Male absagt, wird irgendwann nicht mehr gefragt.
Die leergelaufenen Akkus können so nicht mehr vollständig aufgeladen werden, der Mensch baut zunehmend ab. Er lebt, um zu arbeiten! Sollte man nicht eher arbeiten, um zu leben?
Die vor sieben Jahren von der Bundesregierung eingeführte Elternzeit, die damals u.a. auch ins Leben gerufen wurde, um die Geburtenrate in Deutschland anzukurbeln, hat diesbezüglich keinen Erfolg gebracht. Für mich signalisiert das eindeutig, dass es den Menschen nicht primär um die finanzielle Absicherung während der ersten Monate nach der Geburt des Kindes geht. Die Sorgen und die „Belastungen“, die „Arbeit“ hören doch nicht auf, nur weil das Kind etwas älter ist und tagsüber für einige Stunden in die KiTa oder zur Schule geht. Es werden auch nicht mehr Kinder geboren werden, wenn die Regierung die Elternzeit jetzt ausweiten möchte und wahrscheinlich auch wird. Die Menschen, die noch am Anfang des Erwerbslebens stehen und Familien gründen wollen, sind bereits müde. Und das bereits in jungen Jahren! Müde vom Leben, das ihnen alles abverlangt: permanente Aufmerksamkeit und Erreichbarkeit, absolutes Funktionieren, Flexibilität und Mobilität und nicht zuletzt strenge Disziplin. Sie fühlen sich einfach nicht in der Lage, sowohl körperlich als auch psychisch, den Anforderungen, die das Leben im Jahre 2014 an sie stellt mit der zusätzlichen Belastung einer größeren Familie dauerhaft standzuhalten.
Denn wer nicht mithalten kann, fliegt, nicht nur aus dem Job, sondern auch aus dem gesellschaftlichen System. Die Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen steigen kontinuierlich, was sicherlich nicht darauf zurückzuführen ist, wie einige schlaue Menschen meinen, dass man sich heute eher traut, öffentlich bekanntzugeben, dass man psychisch angeschlagen ist. Einige vertreten gar die Meinung, es zähle quasi zum guten Ton, einen Therapeuten zu haben. Was für ein Irrglaube, der allerdings von der eigentlichen Problematik hervorragend ablenkt. Dabei ist es schlichtweg der ständig wachsende Stress, dem wir uns aussetzen, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben, dem wir uns anscheinend nicht so ohne weiteres entziehen können. Es ist ein Teufelskreis, der dann erst unterbrochen wird, wenn man zusammenbricht!
Für mich sehr erschreckend zu beobachten, ist die zunehmende Tendenz, dass sich bereits Kinder und Jugendliche diesem Stress ausgesetzt sehen, damit aufwachsen und schon im Alter von 14 oder 15 Jahren das Gefühl des Ausgebranntseins kennen. Schlafstörungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind meist der Beginn, gefolgt von Konzentrationsschwächen und dem Phänomen, sich plötzlich nichts mehr merken zu können. Die sogenannte Lernblockade ist ein mittlerweile verbreiteter Ausdruck dieser Erscheinung, der man mit psychologischer Hilfe entgegenzuwirken versucht. Die Schüler lernen und lernen, lesen einen Text drei- oder viermal, ohne etwas zu behalten oder gar zu verstehen. Es folgt unweigerlich ein Gefühl von Panik durch die Unfähigkeit, sich partout keine neue Lerninhalte merken zu können, die morgige Klassenarbeit zu „versemmeln“. Schließlich nagen Versagensängste am eigenen Selbstbewusstsein. Die Angst, das Klassenziel nicht zu erreichen oder nur mit einem schlechten Abschluss die Schule zu verlassen, von dem aber ihr gesamtes zukünftiges Leben abhängig zu sein scheint, stürzt die Jugendliche in eine Gedankenspirale, der sie sich nur schwer entziehen können.
Die Pubertät ist eine ohnehin verwirrende und „schreckliche“ Zeit, wie aber sollen die Jugendlichen heute mit dieser zusätzlichen Belastung überhaupt zur eigenen Identität finden!?
Die Schule verlangt den Schülern einiges ab, sehr viel mehr, als viele ältere Menschen zu wissen glauben. Ich wage die These, dass die Anforderungen um einiges höher sind als noch vor 20 Jahren zu meiner Schulzeit. Rückblickend kann ich mit Sicherheit sagen, dass meine Schulzeit die entspannteste Zeit meines Lebens war. Wenn ich jetzt die heutigen Schüler anschaue und davon ausgehe, dass auch ihre Schulzeit, die entspannteste Zeit ihres Lebens sein sollte, dann läuft es mir kalt den Rücken hinunter.
Ein sehr guter mittlerer Schulabschluss ist heute das Minimum, das es zu erreichen gilt, will man nicht als Hartz IV- Empfänger enden. Zumindest wird das den Schülern, nicht zuletzt von Lehrern und der Politik immer wieder vorgebetet. Während vor 20 Jahren ein guter Hauptschulabschluss eine sichere Eintrittspforte für eine lebenslange Laufbahn als Handwerksgeselle mit Aufstiegschancen darstellte, hat ein heutiger Absolvent einer Hauptschule schlechte bis gar keine Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz.
Nahezu jeder Realschüler will nach seinem Abschluss das weiterführende Gymnasium besuchen, auch wenn er nicht über den nötigen Notendurchschnitt verfügt und so dem Niveau eines Gymnasiums gar nicht gewachsen wäre. Es scheint ein ungeheurer Druck auf den Schülern zu lasten, der ihre Wahrnehmung trügt. Sie feilschen um jede Note für einen besseren Durchschnitt und werten es als Ablehnung ihrer Gesamtperson, wenn sie keinen Schulplatz bekommen. Sie übersehen dabei komplett, dass es nicht der eigentliche Notendurchschnitt ist, der ihnen das Tor zum Abitur verschließt, sondern das mangelnde Grundwissen, um dem Unterricht auf dem Gymnasium folgen zu können. Eine „normale“ Ausbildung in einem Handwerk oder einem kaufmännischen Beruf ist für sie keine Alternative, wollen sie doch nicht als Versager gelten. Die eigenen Ziele sind bereits im Jugendalter extrem hoch gesetzt, ebenso die Angst in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz unten zu stehen. Ich denke, es ist ein Zusammenspiel aus falsch wahrgenommener Stärken und Schwächen einfach aufgrund fehlender oder unzureichender Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung und der Angst, als Hartz IV- Empfänger zu enden, was die Schüler hindert, sich angemessene und erreichbare Ziele zu setzen.
Egal in welcher Talkshow es um Bildung in Deutschland geht, immer wieder kristallisiert sich heraus, dass ein Abschluss an einer Hauptschule „minderwertig“ erscheint. Wie muss sich ein Schüler fühlen, der diese Schule besucht und bestrebt ist, das Beste zu leisten? In meinen Augen sind solche Aussagen absolut demotivierend und demütigend! Kein Wunder, dass sich Schüler irgendwann so verhalten, wie es ihnen angedichtet wird.
Der Trend und das Bestreben der Schulen ist es, Kinder ganztätig zu beschäftigen. Schule von 8–16h, von Montag bis Freitag, erinnert mich sehr stark an das Arbeitsleben der Erwachsenen. Die Erkenntnis einiger Politiker, dass Schüler heutzutage mehr Stunden in der Schule verbringen als der durchschnittliche Angestellte auf der Arbeit, kommt zwar spät, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Forderung, in der Schule eine 35- Stunden- Woche einzuhalten, ist sehr redlich, dennoch geht es nicht nur um die Anwesenheit der Schüler im Schulgebäude. Leider haben Kinder nach Schulschluss nicht wirklich frei. Wenn die arbeitende Bevölkerung sich etwas entspannt auf dem Sofa ausstrecken kann, finden Schüler keine Zeit, um den Kopf frei zu bekommen und Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Abends steht das Lernen und Vor-, Aus- und Nachbereiten an. Wie schrecklich! Wann finden Kinder und Jugendliche eigentlich noch Zeit für sich? Zeit, einfach nur Kind oder Teenie zu sein? Zeit zu spielen, sich selbst zu entdecken und kennenzulernen, die eigene Identität zu finden, die für das Bestehen in unserer Ellenbogengesellschaft so immens wichtig ist? Zeit, Freunde zu treffen? Nur, wem die Gelegenheit geboten wird, sich selbst kennen zu lernen, weiß, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Der Ernst des Lebens beginnt doch noch früh genug!
Kinder lernen von klein auf, zu funktionieren, werden regelrecht „gedrillt“, Höchstleistungen zu erbringen. Sie lernen dabei jedoch nicht für ihr Leben, wie die letzte PISA- Studie aus dem Jahre 2014 belegte. Sie „prügeln“ sich Faktenwissen in ihr Kurzzeitgedächtnis, lernen nur von einer Klassenarbeit oder von einem Schulprojekt zum nächsten. Komplexere Zusammenhänge zu erarbeiten oder bereits Erlerntes aus einem anderen Schulfach einzubringen, stellt viele Schüler vor eine schier unlösbare Aufgabe. In meiner Hausaufgabengruppe stelle ich dieses Phänomen immer wieder fest. Während die SchülerInnen bereits wissen, wie man beispielsweise im Deutschen eine Inhaltsangabe oder Charakterisierung schreibt, ist es ihnen absolut fern, dass solch ein Text im Englischen dem gleichen Aufbau unterliegt, nur in einer anderen Sprache. Der Hinweis: „Mach es wie im Deutschen!“ stellt viele Schüler vor ein Rätsel. Auch sich themenübergreifend aus anderen Fächern bereits Erlerntes zunutze zu machen, fällt vielen Schülern auch in höheren Klassenstufen sehr schwer.
Die teilnehmenden Schüler der PISA- Studie hatten definitiv Faktenwissen, waren jedoch nicht in der Lage, auftretende Alltagsprobleme zu lösen. Das kostengünstigste Ticket am Fahrkartenautomaten zu erstehen, stellt sie vor eine schier unlösbare Aufgabe, ebenso der Ausfall ihres Handys. Während wir in unserer Jugend zunächst einmal auf Fehlersuche gingen oder einfach etwas ausprobierten, erstarren die Jugendlichen von heute ihn ahnungsloser Handlungsunfähigkeit.
Der normale Schulunterricht an Ganztagsschulen endet meistens kurz nach dem Mittag, der Nachmittag ist verplant mit AGs oder Werkstätten, ich nenne sie „Kurse zur Beschäftigung und Aufbewahrung“. Sie werden nicht selten von Ehrenamtlichen ohne pädagogische Vorkenntnisse abgehalten, obwohl mir auch in diesen Nachmittagsstunden eine Betreuung durch Fachkräfte sehr sinnvoll erscheint. Ich selbst durfte die Erfahrung als Ehrenamtliche in einer dieser „Werkstätten“ machen. Eine Kraft für die Werkstatt „Hausaufgabenhilfe“ war kurzfristig ausgefallen und da ich bereits Erfahrungen in diesem Bereich hatte, sprang ich ein. In diesem Kurs befanden sich sieben Hauptschüler. Sehr schnell begriff ich, dass nicht die Schüler sich diese Werkstatt ausgesucht hatten, sondern einfach eingeteilt worden waren. Verständlicherweise fehlte jegliche Motivation. Zudem erfuhr ich, dass diese Schüler allesamt nie Hausaufgaben aufbekamen bzw. diese in der bereits im Stundenplan vorgesehenen Zeit erledigten. Wobei sollte ich also helfen? Die Koordinatorin dieser Nachmittagswerkstätten bestätigte die Aussagen der Schüler. Auf meine Frage, was ich denn mit den Schüler machen sollte, bekam ich folgende Antwort: „Das ist egal, denken Sie sich etwas aus. Die können auch ihr Handy benutzen, wenn sie wollen.“ Nun ja, die Schüler waren, auch verständlicherweise, nach sechs Stunden Unterricht völlig aufgedreht und wollten sich nur bewegen und nicht still im Klassenzimmer sitzen, denn das durfte ich mit ihnen aus Versicherungsgründen nicht verlassen. Sie waren zudem gefrustet, weil der Großteil der Freunde zur „Fußball- Werkstatt“ gehen durfte, für die auch sie sich eigentlich angemeldet hatten. Wenn sie schon nicht Fußballspielen durften, wären sie viel lieber zum Mittag nach Hause gegangen, um den Nachmittag auf dem Bolzplatz zu verbringen, als mit mir die Zeit „abzusitzen“. Allerdings ist die Teilnahme an den Werkstätten Pflicht gewesen. Nach drei Wochen kapitulierte ich. Als Krankenschwester war ich ehrlich nicht in der Lage, eine kleine Horde hochenergiegeladener, missgelaunter 12-Jähriger in Schach zu halten. Von anderen Ehrenamtlichen erfuhr ich, dass so gut wie jeder Erfahrungen dieser Art gemacht hatte. Natürlich ist es wichtig, eine Nachmittagsbetreuung in welcher Form auch immer, anzubieten, vor allem für berufstätige Eltern, aber es sollte kein Zwang dahinter stehen, sondern als Angebot individuell genutzt werden können. Auch sollte auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen werden. So kann ich unmöglich 12- Jährige nach bereits sechs Unterrichtstunden noch weitere zwei Stunden in ein Klassenzimmer verbannen, wo sie sich still und ruhig irgendetwas widmen sollen, was erstens unsinnig erscheint und zweitens in keinster Weise interessiert. Wen wundert es noch, dass Schüler heute „auffällig“ sind und sich nicht angemessen und altersgerecht benehmen oder konzentrieren können! Wo sind all die Jugendtreffs geblieben, die in den 70ern und 80ern in jedem kleinen Ort zu finden waren? Sie sind aus Kostengründen geschlossen worden. Sieht so die Bildung und Förderung unserer Nachwuchskräfte aus? Es wird alles daran gesetzt, Schule und Bildung fast jährlich umzukrempeln und sich ständig neu erfinden zu lassen. In meinen Augen ziemlich unsinnig! Kinder brauchen ihre Zeit, erwachsen zu werden. Sie werden auch nicht schlauer oder schneller erwachsen und „einsatzfähig“ und schon gar nicht standhaft für die Anforderungen unserer Gesellschaft, je kürzer und kompakter die Schulzeit wird. Wer das Abitur bereits nach dem 12. Schuljahr für sinnvoll erachtet hat, dem gehören die Bezüge gestrichen! Anscheinend war nur wichtig, dass die Kinder schneller auf den Arbeitsmarkt kommen, niemand scheint sich Gedanken gemacht zu haben, was diese „tolle“ Reform für die Schüler bedeutet!
Es mangelt den Jugendlichen generell nicht an Wissen, auch werden sie nicht „dümmer“ wie gerne vermutet wird. Nein, was fehlt, ist die Ausbildung einer eigenen Meinung und den Baustein zu legen, eine eigene Persönlichkeit entwickeln zu können. Bei allem Verständnis für unsere Politiker, das funktioniert nicht unter Druck!
Schule ist natürlich ein sehr wichtiges Element, Jugendlichen einen guten Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Wie aber sollen sich die immer wichtiger erscheinenden „social skills“, also die sozialen Fertigkeiten entwickeln, wenn Schule nur auf die Weitergabe von Wissen und Fakten ausgerichtet ist und in sehr vielen Fällen, das Elternhaus, warum auch immer, nicht in der Lage zu sein scheint, den Kindern bei der Entwicklung zum Erwachsensein hilfreich zur Seite zu stehen? Anstatt sich stets wieder zu wundern, warum Jugendliche heute so orientierungslos und pessimistisch erscheinen, sollten sich unsere Politiker endlich bewusst werden, dass die Jugend von heute unsere Zukunft ist, in die wir investieren müssen. Dabei spreche ich nicht nur von der Schulbildung, sondern vor allem von Nachmittags- und Freizeitangeboten, unter denen die Kinder und Jugendlichen frei wählen können. Indem Kinder selbst wählen dürfen, lernen sie, was sie mögen und was nicht, wo die eigenen Defizite sind oder was sie besonders gut können. Da die Politik immer gerne von Chancengleichheit spricht, die es anzustreben gilt, sehe ich auch hier die Politik in der Verantwortung, kostengünstige Angebote für alle sozialen Schichten zu stellen
Kurz vor der politischen Sommerpause 2014 konnte die Bildungs- und Wissenschaftsministerin in Schleswig- Holstein nach langen Debatten ihre neue Reform zur Lehrerausbildung im Landtag durchboxen. Frau Waltraud „Wara“ Wende hatte die glorreiche Idee, die Pädagogische Hochschule Flensburg dem Institut der Pädagogik der Universität in Kiel anzugleichen, so dass an beiden Hochschulen gleiche Lehrer ausgebildet werden können. Ihr Ziel ist es, eine einheitliche Ausbildung aller Lehrkräfte zu erlangen, sozusagen die Einführung von „Einheitsbreilehrern“ an den Schulen Schleswig- Holsteins. Ihre Idee ist einfach erklärt: jeder Lehrer soll in der Lage sein, alle Schüler, egal welcher Klasse und welcher Schule angehörig, zu unterrichten. So werden zukünftig in Schleswig- Holstein keine Gymnasiallehrer explizit ausgebildet werden. Was für ein Schwachsinn, oder? In jedem Bereich, sei es nun im Handwerk oder in der Medizin gibt es Facharbeiter. Zimmerer, Maurer, Intensivschwestern, Anästhesisten… Wie würde es aussehen, wenn es nur einen „Handwerker“ gäbe, der alles kann? Oder einen Arzt, der für alle Bereiche zuständig ist, sich nicht für die Chirurgie spezialisiert hat, aber fleißig operiert? Man stelle sich weiter vor, dass diese Menschen wiederum ausbilden sollen. Grausame Vorstellung!
Dabei ist es doch auch für Laien schon mehr als offensichtlich, dass Lehrer, je nachdem, welche Schüler sie unterrichten, unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt sind. Anstatt die Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte zu vereinfachen, sollte sie spezialisiert werden, Fachbereiche wie Soziale Arbeit und Sozialpädagogik eingebracht werden. Diese Überlegung scheint Frau Wende allerdings vollkommen abhanden gekommen zu sein! Und so erscheint es nicht gerade abwegig, dass durchaus der Eindruck erweckt wird, dass sie mit dieser Reform ihre ehemalige Arbeitsstätte, die Pädagogische Hochschule Flensburg, an der sie bis 2012 als Universitätspräsidentin tätig war, unterstützen und „aufwerten“ möchte, es eher ihre persönliche Herzensangelegenheit zu sein scheint, die, nebenbei erwähnt, zudem dem Steuerzahler über eine Million Euro kosten wird, als sich den wirklichen Problemen in der Bildung junger Menschen anzunehmen und hier anzusetzen.
Zudem scheint völlig vergessen worden zu sein, dass nur Schleswig-Holstein diese „Einheitslehrer“ ausbilden wird, und das bereits ab dem Wintersemester 2014/ 2015. Die Frage, ob zukünftig Lehrkräfte aus anderen Bundesländern weiterhin in Schleswig- Holstein unterrichten können oder Studierende aus dem nördlichsten Bundesland überhaupt die Chance haben, irgendwo in Deutschland zu lehren, steht unbeantwortet im Raum. Zumindest erscheint es schwierig!
Sicherlich ist Politik oftmals für uns 08/15- Bürger schwer zu durchschauen oder zu verstehen, dennoch muss man klar sagen, dass man vieles auch kompliziert machen kann. Gerade, was die Bildung von jungen Menschen angeht. Man kann sich noch so viele schöne und vor allem teure neue Bildungsreformen ausdenken. Fakt ist nun mal, dass man die Schüler da abholen muss, wo sie stehen, und sich anschauen sollte, wo ihre Bedürfnisse sind. Das erkennt man aber nur, wenn man sich mit den Schülern und ihrem Umfeld ein wenig genauer beschäftigt, anstatt sich anscheinend fernab des wirklichen Lebens irgendwelche neuen Reformen auszudenken, die sowohl von den Studierenden als auch Lehrkräften und Schülern in Schleswig- Holstein heftig kritisiert wurden.
Frau Wende hat sehr wohl erkannt, dass Schüler heutzutage unter einem großen Druck stehen. Sehr schön! Was aber macht sie, um diesem Druck entgegenzuwirken? Nein, nicht etwas am Unterricht verändern, das wäre ja zu einfach, nein, sie schafft die Noten von Klasse 1 bis 4 ab. Schulnoten würden Schüler zu sehr unter Druck setzen! Was für ein Irrsinn! Nicht die Note an sich setzt unter Druck, sondern, dass die Schüler merken, dass sie überfordert sind und nicht mithalten können! Schüler sind doch nicht doof und merken auch ohne Noten, wenn die Mitschüler besser sind und etwas schneller begreifen! Des Weiteren hat sie beschlossen, dass die Schüler keine Empfehlung mehr bekommen sollen, für welche weiterführende Schule sie geeignet sind. Ist ja sinnvoll, wenn es bald nur noch Einheitslehrer geben soll, dann können auch alle Schüler auf eine Schule gehen. Denn so wird es enden. Die Eltern wollen die bestmögliche Ausbildung ihrer Sprösslinge, so dass das Gymnasium die Schule der Wahl für sie sein wird. Da niemand ihnen sagen wird, ob ihr Sohn oder die Tochter geeignet ist, den dortigen Anforderungen überhaupt dauerhaft standhalten zu können und die Textzeugnisse nach der vierten Klasse so ausgelegt werden können, wie es die eigenen Ohren gerne hören möchten, wird das Gymnasium mit Einheitslehrern die Einheitsschule in Schleswig- Holstein werden. Schule ohne Noten… erinnert mich ein wenig zu stark an die Waldorfschule…
Ein gutes Argument hätte Frau Wende ja, immerhin hat sie vorgesorgt und alle Lehrer so ausbilden lassen, dass auch Lehrer eines Gymnasiums Schüler mit geringerem Bildungsgrad in ihren Augen gut unterrichten können. Also, wo ist das Problem?
Dafür und für etliche andere unsinnige Projekte scheint Geld vorhanden zu sein.
Brauchen unsere Soldaten ernsthaft Flachbildschirme in den Kasernenstuben, wie unsere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen fordert („…um die Bundeswehr attraktiver zu machen“)? Ich sage nein, brauchen sie nicht. Wer entscheidet sich denn für die Bundeswehr aufgrund von Flachbildschirmen oder komfortabler Ausstattung? Frau von der Leyen sollte eher dafür Sorge tragen, dass die Soldaten und ihre Familien nicht alle zwei oder vier Jahre umziehen müssten. Denn auch das hat enorme Auswirkungen auf die Entwicklung der Soldaten- Kinder. Sie sollte sich einmal mit den Zöglingen ihrer Soldaten unterhalten, wie es denen erging und immer noch ergeht und welche psychischen Folgen es für ihre Entwicklung hatte, in einer Soldatenfamilie aufgewachsen zu sein, anstatt darüber nachzudenken, die Ausstattung der Kasernen attraktiver zu gestalten. Das Geld sollte in die Jugendarbeit gesteckt werden, da wäre es sinnvoller angelegt!
Wo wir gerade von der Bundeswehr reden… Frau von der Leyen, wozu braucht Deutschland bitteschön Kampfdronen? Damit das Verteidigen der deutschen Soldaten im Ausland gewährleistet ist? Wo liegt denn der Unterschied zwischen Kampfdronen und Kampfjets? Richtig, Kampfjets sind bemannt. Das heißt, da fliegt ein Mensch das Flugzeug. Ein Mensch aus Haut und Knochen mit Gefühlen, der beim Abschuss seiner Rakete sieht, wen er ins Visier genommen hat. Ein Mensch, der nicht vom Boden aus den Knopf oder Joystick ähnlich eines PC- Spieles betätigt und somit weit weg vom Töten ist. Da wird das Töten surreal und verliert seine Brutalität. Es ist ja nur ein Knopfdruck, um das Ziel zu eliminieren. Bloß keine Gefühle zulassen und sehen, wen man abschießt. Alles unter dem Vorwand, eigene Truppen zu schützen, mir wird schlecht!
Während bei einem personellen Einsatz von deutschen Truppen in einem Krisengebiet abgewogen wird, was es für die eigene Einsatztruppe bedeuten könnte, auch im Hinblick auf mögliche Verluste, ist dieser Aspekt bei Kampfdronen vollkommen irrelevant. Die Gefahr, eigene Soldaten zu gefährden schwindet gen Null. Die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt sinkt durch solche Kampfdronen, weil einfach der emotionale Aspekt absolut vernachlässigt wird. Oder hat jemand bei einem PC Spiel jemals ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn er mit seinem Kampfjet mögliche Ziele eliminiert hat?
Krieg ist grausam genug, aber Kampfdronen einzusetzen, um Menschen per Knopfdruck zu töten, ist für mich sehr bezeichnend, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft zu bewegen scheint. Ein Krieg gegen Maschinen ist ein sehr aussichtsloser Kampf für die, die unten stehen! Solange Europa keine eigenen Kampfdronen besitzt, was nach Ursula von der Leyen wohl bummelig 10 Jahre dauern könnte, möchte sie weiterhin Aufklärungsflugzeuge der USA leasen. Da die jetzigen kleinen Modelle nicht mit Raketen ausgestattet werden können, möchte sie auf die nächstgrößeren Typen zurückgreifen, die so lustige Namen wie „Reaper“, auf deutsch „Sensenmann“ oder „Predator“, also „Raubtier“ tragen.
Dafür hat Deutschland Geld, aber für die Jugend ist jeder Cent zu viel! Aber Ursel, du musst dir über die Benachteiligung deiner Kinder ja auch keine Sorgen machen, die sind ja gut versorgt! Aber zurück an unsere Schulen…
Nach regulärem Schulschluss geht es immer noch nicht nach draußen zum Spielen oder um sich mit Freunden, der Peer-Group zu treffen. Zuhause geht das Lernen los. Glücklich ist, wer am Nachmittag schon in einem Kurs Zeit hatte, sich um seine Hausaufgaben zu kümmern (Realschüler und Gymnasiasten bekommen weiterhin ihre Aufgaben für Zuhause), wer nicht, setzt sich abends daran. Hausaufgaben sind allerdings eher das geringere Übel. Es müssen Referate erarbeitet, Vokabeln und für Arbeiten, Tests oder Klausuren gelernt werden. Mittlerweile ist der Frontalunterricht, wie ich ihn hatte, so ziemlich abgeschafft. Eigenständiges Erarbeiten und vor allem Teamarbeit sind angesagt. An und für sich eine gute Sache, allerdings als einziges Lernmittel vollkommen kontraproduktiv. Eine gesunde Mischung sollte angeboten werde. Die Themen eines Halbjahres werden in den Fächern wie Biologie, Erdkunde oder Geschichte unter den Schülern aufgeteilt, die dann entweder alleine oder als Gruppe den Unterricht in Form von Referaten übernehmen sollen.
Und dabei soll ein Schüler effektiv etwas lernen? Wer hat sich denn sowas ausgedacht?
Natürlich wird das Thema, was jeder Schüler für sich ausarbeitet, sehr gut verinnerlicht. Und der Rest? Wer sich an die eigene Schulzeit erinnert, weiß, wie schwer es war, einem referierenden Mitschüler zuzuhören, vor allem dann, wenn es auch noch schlecht und fehlerhaft vorgetragen wurde. Das ist doch heute nicht anders! Es gibt natürlich Handouts zum Nachlesen, die ebenfalls von den Schülern erstellt, jedoch selten von den Lehrern so überarbeitet werden, dass sie wirklich alle wichtigen und relevanten Informationen enthalten.
Aber was bedeutet das für die Schüler? Richtig! Jeder Schüler muss sich zuhause hinsetzen und die Referate der anderen nacharbeiten!
Klar ist, dass die Schülerschaft von heute sehr viel routinierter im Referat halten ist und freies Sprechen sehr viel besser verinnerlicht hat als ich damals. Ich glaube, ich habe in meiner gesamten Schulzeit drei oder vier Referate halten müssen. Allerdings sind Lerninhalte auch nicht gerade zu verachten, könnten im späteren Leben sinnvoller sein!
In der Hausaufgabenhilfe, die ich ehrenamtlich betreue, und zu der die Kinder und Jugendlichen freiwillig kommen, sehe ich Schüler, die vor dem Problem stehen, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Sie haben weder Zeit, einem regelmäßigen Hobby nachzugehen noch einfach mal ein wenig „herumzugammeln“, einfach mal nichts zu tun. Unter „Nichts tun“ verstehe ich Aktivitäten wie Musik hören, in einer Zeitschrift blättern, sich mit der Freundin über die neuesten Modetrends oder den süßen Typen aus der Klasse zu unterhalten oder einfach mal in den Tag träumen.
Was soll aus Schülern werden, die schon während der Schulzeit überfordert sind, unter Schlafstörungen und Konzentrationsmangel leiden, und Zukunfts- und Versagensängsten ausgesetzt sind? Der Stress im Arbeits- und Erwachsenenleben liegt doch noch vor ihnen! Wie sollen sie sich erst im Berufsleben behaupten, wenn sie als Teenie schon ein „Burn- out“ diagnostiziert bekommen? Wenn man bedenkt, dass diese Kinder unsere Zukunft sind, sehe ich schwarz!
Wen wundert es da, dass die Wochenenden für Partys und Saufgelage genutzt werden. Den Kopf endlich einmal freibekommen, sich entspannen, egal wie. Eine Party ist nur dann gut, wenn Alkohol fließt und das zudem in Strömen. Am Ende ist nur entscheidend, richtig betrunken gewesen zu sein, nur leicht „angeschäkert“ reicht nicht aus. Flat- Rate-Saufen und Happy Hours, in denen es Kurze für nur 1€ oder sogar umsonst gibt, damit der Laden bereits vor 24 Uhr gefüllt ist, sind die Schlagwörter. Jugendliche, die keine Zeit fanden, sich anzuschauen, was ihr persönliches Gegengewicht zu Leistung und „Funktionieren“ darstellen könnte, kennen keine Alternativen zum Alkohol als Mittel der Wahl zur Entspannung.
Der Anspruch an uns selbst, der Technik nicht nur stand, sondern mit ihr Schritt halten zu müssen, wächst stetig. Dabei vergessen oder ignorieren wir, dass die Technik uns bereits mit großen Schritten überholt hat.
Wen wundert es da noch, dass Handys abgehört und geortet werden können und dieses auch im großen Stil getan wurde und weiterhin wird? (Und das sicherlich nicht nur vom amerikanischen Geheimdienst…)
Oder dass e-Mails in Massen gesichtet und Daten darüber gespeichert werden und das nicht nur von Privatpersonen, sondern von nahezu allen Regierungen, um angeblich politische Trends und Entwicklungen vorhersehen und ihnen ggf. sogar entgegenwirken zu können? Wer macht sich noch Gedanken darüber, dass jeder Internet- User als gläserner Nutzer endet? Wundert es überhaupt jemanden, dass sich Regierungen diese Möglichkeiten zunutze machen, um angeblich im Kampf gegen den Terrorismus immer einen Schritt voraus zu sein? Ist wirklich jemand irritiert darüber, dass es Häcker problemlos schaffen, Millionen von Passwörtern und Accounts zu knacken und die dadurch erlangten Informationen zu ihrem eigenen Profit missbrauchen? Mich wundert all das schon lange nicht mehr.
Ich, als 08/15- Bürgerin, bin überhaupt nicht in der Lage, das Phänomen Internet und Sicherheit zu durchblicken, so dass man mir diesbezüglich alles erzählen konnte, kann und weiterhin auch erzählen wird. Ich habe es geglaubt, vielmehr als gegeben hinnehmen müssen, weil ich überhaupt keine Möglichkeiten habe, die Richtigkeit zu überprüfen. Wir alle sind nur „dumme“ Anwender, die auf das vertrauen müssen, was uns erzählt wird. Wir können als Einzelne ohnehin wenig ändern, so gut wie keinen Einfluss nehmen, geschweige denn, uns dem Fortschritt einfach entziehen. Im letzteren Fall wird man nur zum spleenigen Aussteiger, ist aber wahrscheinlich um einiges glücklicher!
Geradezu amüsant erlebe ich die Abhörskandale der amerikanischen NSA und die erhobenen Spionagevorwürfe gegen die Regierung der Vereinigten Staaten. Da wurden angeblich richtige Agenten eingeschleust bzw. Mitarbeiter beim BND oder in diversen Ministerien von den USA bezahlt, um Daten und Informationen zu liefern. Das sind ja Zustände wie im tiefsten Kalten Krieg. Allerdings ist das Spionieren im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung, -speicherung und -verschickung einfacher denn je. Längst muss nichts mehr kopiert oder fotografiert werden, es gibt keinen toten Briefkasten mehr, auch muss der Spion nicht persönlich in Akten wälzen oder sich körperlich in Ministerien begeben. Nein, mit Hilfe eines Hackers oder eines Spionageprogramms bedarf es nur ein paar weniger Mausklicks und die Daten sind geklaut. Einen großen Dank an die Technik!
