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Schluss mit lästigen Ohrgeräuschen
Leiden Sie unter einem nervigen Piepsen, Pfeifen und Rauschen im Ohr? Haben Sie zusätzlich mit Schlaflosigkeit, Schwindel, Ängsten und Depressionen zu kämpfen? Nach der Diagnose Tinnitus ist es wichtig zu wissen: Was genau kann ich jetzt tun, wer kann mich unterstützen, was ist gut für mich?
Dr. Biesinger, einer der führenden Tinnitus-Experten in Deutschland, gibt Ihnen einen Überblick über die Ursachen und unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2020
Dr. med. Eberhard Biesinger
3., überarbeitete Auflage 2021
Wegen der anhaltend großen Nachfrage wurde es wieder erforderlich, dieses für Laien und Fachleute gleichermaßen wichtige Buch erneut aufzulegen sowie inhaltlich auf den neuesten Stand des Wissens zu bringen. Ein Wissen, das mittlerweile so umfangreich geworden ist, dass es für jeden zunehmend schwierig wird, den Überblick zu behalten. Diese Lücke schließt Eberhard Biesinger mit der vollständig überarbeiteten Auflage seines Kompendiums.
Mir persönlich hat sein Buch vor fast fünf Jahren bei Antritt als Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) sehr geholfen, mich in die Gesamt-Thematik des Tinnitus hineinzufinden. Und es erleichtert, über den Tellerrand der eigenen individuellen Befindlichkeit der Höreinschränkung durch Tinnitus und Schwerhörigkeit hinauszublicken.
Wenn dieses Fachbuch in überarbeiteter Fassung neu erscheint, macht es deutlich, wie weit die Forschung zum Thema Tinnitus und Co. nach dem Anstoß im Jahr 1986 durch den Gründervater Hans Knör, der gleichzeitig mein Großvater im Amt des Präsidenten der DTL war, fortgeschritten ist. Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Tinnitus-Falls, die jegliche Forschung erschwert, weist darauf hin, dass es weder jetzt noch in näherer Zukunft eine Tinnitus-Pille oder ein anderes Wundermittel geben wird, die das lästige Ohrgeräusch über Nacht verschwinden lassen.
Das Buch macht aktiv, schreibt Hans Knör in seinem Geleitwort zur ersten Ausgabe. Diese Auffassung teile ich aus eigener Erfahrung. Aktivität in jeglicher Form hilft, den Tinnitus besser zu ertragen. Dafür zeigt Eberhard Biesinger viele Möglichkeiten auf. Und das ist gut so. Gibt es doch nicht die Methode, die jedem Betroffenen gleichermaßen hilft, seinen Tinnitus zu bewältigen. Jeder Betroffene muss aktiv seinen individuellen Weg finden, mit seinem Leiden umzugehen.
Das Buch macht auch aktiv auf dem Weg zum mündigen und aufgeklärten Betroffenen. Nur so kann jeder selbst dafür sorgen, nicht zum chronisch Kranken zu werden. Ein aktiver Mensch mit einer einschränkenden Hörproblematik, die man ihm noch nicht mal ansehen kann, lässt sich nicht in eine lähmende Hilflosigkeit hinabziehen. Ein engagierter Mensch mit Handicap, der seinem Arzt, Facharzt oder Therapeuten mit seinem Wissen auf Augenhöhe begegnet und zur Seite steht, hat Interesse daran, aktiv zu bleiben und zügig zu lernen, mit seinem Leid umzugehen. Dafür ist dieses Selbsthilfebuch, das zur Selbsthilfe im wahrsten Sinne des Wortes anregt, bestens geeignet.
Das Querpfeifen des Tinnitus stört rund um die Uhr den individuellen Ein-Klang und erzeugt dadurch einen Dauerstress. Zusätzlich kann die zentrale Hörverarbeitung durch eine nicht erkannte oder gar akzeptierte Hochtonschwerhörigkeit deutlich eingeschränkt werden. Das erzeugt erneut zusätzlichen Stress. Wie das vermieden werden kann, beschreibt Eberhard Biesinger in einem eigenen Kapitel. Die veränderte Wahrnehmung des emotionalen Anteils der Sprache führt zu Missverständnissen. Die Bewältigung dieses Problems wird ebenfalls in einem eigenen ausführlichen Passus behandelt. Der Autor verdeutlicht unmissverständlich, dass die Empfehlung von gut angepassten Hörgeräten bereits bei leichtgradiger Hörminderung sinnvoll ist. Zwei Drittel aller Tinnitus-Betroffenen sind leicht bis mittelgradig schwerhörig, aber nur eine geringe Prozentzahl trägt Hörgeräte und findet so auf akustischem Weg erste Linderung. Mit einem gut angepassten Hörgerät lässt sich der Tinnitus jedoch besser ertragen.
Abschließend möchte ich erwähnen, dass dieses ganzheitliche Buch alle Bereiche rund um den Tinnitus abdeckt und für eine aktive Selbsthilfe unerlässlich ist. Es wirbt dafür, in Bewegung zu kommen und zu bleiben. Dem unermüdlichen Einsatz und hohem Engagement von Eberhard Biesinger, aber auch dem Engagement aller Mitstreiter, ÄrztInnen, Therapeuten und Fachleute im Bereich Tinnitus und Co., die in kollegialen und fast freundschaftlichem Kontakt über die DTL seit vielen Jahren miteinander verbunden sind, gilt dieser Dank der Liga als weltweit größte Tinnitus-Selbsthilfeorganisation im 25. Jahr ihres Bestehens.
Volker Albert, ehemaliger Präsident Deutsche Tinnitus-Liga (DTL)
Murnau im November 2011
Auch in den Jahren seit Erscheinen der letzten Auflage ist trotz intensiver Forschungsarbeit und vielen Millionen an Forschungsgeldern für die PatientInnen wenig Neues herausgekommen.
Es gibt weiterhin keine «Pille gegen den Tinnitus« – auch nicht annähernd. Die Versorgung der von Tinnitus geplagten PatientInnen durch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen und Psychologen hat sich nicht verbessert. Eine fundierte Beratung ist nur von wenigen Engagierten zu bekommen. Die Kliniken und häufig auch die Hausärzte sind hoffnungslos überfordert. Umso wichtiger erscheint die Selbstinitiative des Betroffenen, hier recherchiert man natürlich zuerst zum Internet und stößt dabei auf einen Dschungel aus Halbwahrheiten und angepriesenen Therapien. Oft bleibt es dabei, dass man frustriert von Arzt zu Arzt rennt, was den Tinnitus letztlich verschlimmert. Die einzig fundierte Hilfe ist meist nur in der jeweiligen Selbsthilfegruppe der deutschsprachigen Länder zu bekommen.
Dieses Buch soll in Ihrem Kopf wieder Ordnung schaffen, sodass Sie in der Lage sind, Ihren persönlichen Tinnitus zu werten, Anschluss zu finden an vielleicht sinnvolle und dann auch erfolgreiche Maßnahmen und Therapien. Tatsache ist: Ob Sie Tinnitus hören, darunter leiden oder nicht, entscheidet sich ausschließlich in Ihrem Gehirn. Dieses Buch möchte Sie dazu motivieren, sich mit Ihrem Gehirn und den dort produzierten Gedanken und Emotionen auseinanderzusetzen. Es lohnt sich!
Größere Bedeutung als früher angenommen kommt den Strukturen und den nervalen Verbindungen von Halswirbelsäule und Kiefergelenk zu. Funktionelle Störungen in diesem Bereich stellen im klinischen Alltag eine «Schatztruhe« dar, die dann oft bei entsprechender Therapie zu einer Besserung des Tinnitus führen.
Ich hoffe, dass dieses Buch für Sie nicht nur Struktur in das Thema Tinnitus bringt, sondern auch eine Fundgrube an Wissen für Sie darstellt.
Dr. med. Eberhard Biesinger
Im November 2020
Plötzlich geht Ihr Leben nicht mehr im gewohnten Rhythmus weiter. Etwas ist hinzugekommen in Ihrem Leben, doch keiner sieht es: Tinnitus – ein nervtötendes, störendes, akustisches Signal. Bleibt das nun Ihr Leben lang?
Sie sind irritiert, weil ein Tinnitus eben nicht wie ein Beinbruch, ein Magengeschwür oder ein Krebsleiden mit einer Operation oder Medikamenten behandelt werden kann. Dabei ist Tinnitus lediglich ein Geräusch, oder nicht? Was ist Tinnitus eigentlich genau? Warum gibt es ihn, und vor allem: Warum trifft es gerade Sie?
Das Tinnitus-Geräusch wird im Gehirn »prozessiert«: Seine Wahrnehmung, d. h., wie intensiv Sie es hören, hängt vom Zusammenspiel vieler funktionaler Zentren im Gehirn ab. Diese Zentren bestehen aus einer bestimmten Anzahl von Nervenzellen, den Neuronen, die untereinander verschaltet sind. Wenn Sie Tinnitus lediglich als Aktivität dieser Neurone im Gehirn betrachten, nehmen Sie ihm schon die Bedeutung einer gefährlichen Krankheit. Ob Sie Ihren Tinnitus wahrnehmen, nicht beachten oder sogar vergessen, ob Ihr Tinnitus Sie nicht schlafen lässt, nervös oder sogar depressiv oder panisch macht – wird in Ihrem Gehirn entschieden. Völlig unbewusst! Sie selbst haben nur indirekt Einfluss darauf.
Ihr Gehirn entscheidet, und zwar zunächst ohne Sie (!), wie Sie auf den Tinnitus reagieren. Unabhängig davon, wo der Tinnitus entstanden ist, hängt die Wahrnehmung von der individuellen Art ab, wie Sie Dinge und Emotionen (z. B. Angst, Ärger, Stress) verarbeiten. Deshalb gibt es nicht den einen Tinnitus, sondern es gibt jeweils nur den individuellen Tinnitus, der Ihrer eigenen Verarbeitung im Gehirn entspricht. Diese Erkenntnis ist jung und entstammt der modernen Hirnforschung.
Alle Forschungsbereiche, auch die des Tinnitus, durchlaufen ständig neue Phasen. In jeder Phase erlangen sie neue Kenntnisse. Während man vor weniger als zehn Jahren Tinnitus als reines Symptom der Ohren angesehen hat, ist man nun zu der Erkenntnis gelangt, dass Tinnitus ein Ergebnis von Verarbeitungsprozessen des Gehirns ist. Deshalb ist er nun auch zum Liebling der modernen Hirnforschung und der modernen Psychiatrie – ja, Sie lesen richtig: Psychiatrie – geworden. Im Zuge der neuen Möglichkeiten, das Gehirn zu untersuchen, hat sich die Erforschung des Tinnitus auf das Gehirn verlagert. Wir wissen, wo der Tinnitus im Gehirn »sitzt«, also welche Nervenzellen in welchen Gehirnarealen sich mit dem Tinnitus beschäftigen. Das Erstaunliche ist, dass der Tinnitus nicht nur in den akustischen Hirnbereichen arbeitet, sondern auch in Gehirngegenden, die wir gar nicht so gern aktiviert haben möchten: im Angstsystem, im Traurigkeitssystem, im Wachsamkeitssystem usw. Dies geschieht unbewusst ohne unser Zutun und wir wundern uns, warum wir mit dem Tinnitus schreckhaft und depressiv sind und nicht mehr schlafen können.
Das Ziel der modernen ▶ Tinnitustherapie ist es, die Verbindung des Tinnitus mit diesen Systemen wieder zu kappen. Dabei genügt es aber nicht, dass wir uns sagen: »Sei nicht so ängstlich«, »Sei nicht so traurig« oder »Beruhige dich« etc. Diese Reaktionen auf den Tinnitus können wir uns wiederum nur auf unbewusstem Wege indirekt abtrainieren. Wir haben keinen direkten Zugang zu diesen unbewussten Systemen. Aber wir können andere Systeme aktivieren wie das »Belohn-System«, das »Wohlfühl-System« oder das »Ich-System«. Damit organisieren wir eine Konkurrenzveranstaltung in unserem Gehirn zu dem Theater, das der Tinnitus aufführt. Darum geht es!
Bei meiner Arbeit mit den vielen Tinnitus-Betroffenen hat sich ein Gedankenmuster als besonders schädlich herauskristallisiert: der Gedanke, dass mit dem Tinnitus die Kontrolle über das Leben, das Hören, den Stress und die Emotionen verloren gegangen ist. Plötzlich funktioniert das ganze Leben nicht mehr so wie vorher. Bei vielen Betroffenen stellt sich hierbei die Frage: Ist dieser Verlust an Lebenskontrolle, an Lebensfreude durch den Tinnitus entstanden? Oder ist der Tinnitus Ausdruck einer negativen Lebenssituation und eines negativen Lebensgefühls, in das der Betroffene langsam hineingerutscht ist?
Jeder von uns hat ein Repertoire an quasi stabilen Reaktionen auf äußere Ereignisse. Dies betrifft unser individuelles Verhalten, unsere Emotionen und unsere Wahrnehmungen. Wir sind praktisch Sklaven unserer erlernten Muster. Was wir wahrnehmen und was wir bewerten, hängt im Wesentlichen von unserer individuellen Vergangenheit und unserem Erleben ab. Wir haben unsere eigene, ganz individuelle innere Welt geschaffen, in der wir uns wohl fühlen, in der wir die Dinge sehen und vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen subjektiv bewerten. Unser Gehirn organisiert sich dahingehend selbst, um diese Muster aufrechtzuerhalten und immer wieder herzustellen. Es wird immer wieder versuchen, diese ganz eigene Gefühlswelt, die auch unsere Persönlichkeit ausmacht, im Äußeren wie im Inneren herzustellen. Werden wir in unserer Welt erschüttert, wie etwa durch das Auftreten von Tinnitus, fühlen wir uns verunsichert, aus der Bahn geworfen und zunächst scheinbar hilflos. Der Tinnitus treibt dann viele Patienten zu einer entscheidenden Frage: Befinde ich mich in einer Lebenskrise?
Eine Lebenskrise tritt immer dann auf, wenn wir mit unseren Verhaltensmustern nicht mehr mit den gegebenen Umständen zurechtkommen bzw. Probleme nicht lösen können. Dies betrifft unsere Familie und unsere Freunde, also die sozialen Kontakte, sowie die Arbeit und unseren Körper. Unser Lebensgefühl wird plötzlich beherrscht von Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Traurigkeit. Dann kommen Schlaflosigkeit und Ängste dazu – schließlich gehen die Zukunftsperspektiven verloren. Wir trauern unserem früheren Ich nach, das fröhlich, wach, aufmerksam, authentisch, kreativ und lustvoll war. Der Tinnitus bringt uns um die Stille.
Diese Störung unseres subjektiven Wohlbefindens führt bei chronischem Verlauf zur Depression. So wie unser Gehirn sich auf das bisherige Leben eingerichtet hat, kommt es dann fataler Weise zu einer Programmierung ins Negative. Wenn man sich traurig programmiert hat, bleibt man traurig. Die therapeutische Konsequenz ist eine Neu- beziehungsweise Umprogrammierung. Das ist schwierig, aber es geht!
Deshalb muss ich Sie auch warnen: Wenn Sie dieses Buch lesen, könnte es sein, dass Sie ihr Gehirn umprogrammieren, sodass Ihnen negative Lebenssituationen bewusst werden und Sie bereits beim Lesen dieses Absatzes anfangen, über neue Lebensinhalte nachzudenken. Gedanken, die nicht nur Hoffnung machen, sondern tatsächlich zu einem neuen, positiven Lebensgefühl führen. Ein Lebensgefühl, in dem Tinnitus keine Rolle mehr spielt. Vielleicht sogar besser als davor!
Titelei
Geleitwort
Vorwort zur 3. Auflage
STOPP!
Teil I Basiswissen
1 Hören Sie die Alarmglocken?
1.1 Achtsames Hören
1.1.1 Die heutige Hörbelastung
1.2 Unser Ohr ist in Gefahr
1.2.1 Lärmwert
1.3 Wie werden Geräusche psychoakustisch verarbeitet?
2 Wie Gehör und Hören funktionieren
2.1 Ein Blick in die Welt des Hörens: die Gehörorgane
2.1.1 Die Nachbarschaft: Kiefergelenk und 1. Halswirbel
2.1.2 Mittelohr
2.1.3 Innenohr
2.1.4 Wie kann das Innenohr Töne auseinanderhalten?
2.1.5 Welche Störungen am Innenohr führen zu Tinnitus?
2.2 Vom Ohr zum Gehirn: Die zentrale Hörbahn
2.2.1 1. Station: Der Hirnstamm
2.2.2 2. Station: Das Mittelhirn
2.2.3 3. Station: Die Großhirnrinde
2.2.4 Wie wird die Empfindlichkeit des Innenohres geregelt?
Teil II Dem Tinnitus auf den Grund gehen
3 Ursachen des Tinnitus
3.1 Mögliche Ursachen subjektiver Ohrgeräusche
3.2 Mögliche Ursachen objektiver Ohrgeräusche
3.2.1 Durchblutungsstörungen
3.2.2 Hörsturz
3.2.3 Akutes Lärmtrauma
3.2.4 Chronische Lärmschwerhörigkeit
3.2.5 »Idiopathische Innenohrschwerhörigkeit«
3.2.6 Schädel-Hirn-Trauma
3.2.7 Akustikusneurinom
3.2.8 Otosklerose
3.2.9 Mittelohrentzündungen
3.2.10 Medikamente
3.2.11 Immunogene Innenohrschwerhörigkeit
3.2.12 Kreislaufkrankheiten
3.2.13 Stoffwechselkrankheiten
3.2.14 Erkrankungen des ZNS
3.2.15 Gefäßveränderungen
3.2.16 »Jugular-outlet-Syndrom«
3.2.17 Die Muskeln des Mittelohres als Ursache
3.2.18 Tubenfunktionsstörungen
3.2.19 Dehiszenz (Öffnung) des oberen oder hinteren Bogenganges
3.2.20 Schnarchen und Tinnitus
3.2.21 Die Nachbarschaft: Halswirbelsäule und Kiefergelenk
4 Stress und Tinnitus
4.1 Was Sie gegen Stress tun können
5 Schwindel und Tinnitus: Der Morbus Menière
5.1 Die medizinische Behandlung des Morbus Menière
5.2 Was tun beim akuten Schwindelanfall?
5.2.1 Was tun, wenn die Ängste schwindelig machen?
5.2.2 Den Schwindel wegtrainieren!
Teil III Diagnostik des Tinnitus
6 Apparative Diagnostik
6.1 Stimmgabelversuch
6.2 Audiogramm – Wie gut hören Sie?
6.3 Tympanometrie – Test für das Mittelohr
6.4 Otoakustische Emissionen – Töne, die das Ohr produziert
6.5 Die Tinnitus-Bestimmung
6.6 Die Messung der Residualen Inhibition
6.7 Die Analyse der Hörnerven
7 Bildgebende Diagnostik
7.1 Weitere bildgebende Verfahren
8 Diagnostik: die psychische Belastung
9 Diagnostik: Halswirbelsäule und Kiefergelenk
9.1 Die Halswirbelsäule
9.1.1 Sieht man den Tinnitus im Röntgenbild?
9.2 Das Kiefergelenk
9.3 Somatosensorischer Tinnitus
10 Die Chefetage: Das Gehirn
10.1 Neurone auf dem Weg zum Chaos
10.2 Neuronales Netzwerk
Teil IV Behandlung des Tinnitus
11 Schnelle Hilfe beim akuten Tinnitus
11.1 Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
11.2 Verstehen Sie den Hilferuf!
11.2.1 Auch Ihr Arzt hat Ziele:
11.3 Meiden Sie Stille und genießen Sie den Tag!
11.4 Im Akutfall ins Krankenhaus?
12 Allgemeine Prinzipien der Tinnitus-Therapie
13 1. Der neuronale Therapieansatz
13.1 Am Anfang: Ihre persönliche Bestandsaufnahme
13.1.1 So ein leiser Ton – eigentlich lächerlich, oder?
13.1.2 Wie sehr belastet Sie der Tinnitus?
13.2 Prinzipien der Tinnitus-Bewältigungstherapie
13.2.1 Geräusche rufen unterschiedliche Reaktionen hervor
13.2.2 Die psychologische Diagnostik
13.2.3 Mögliche Fragen an den Arzt
13.2.4 Tinnitus-Konferenz
13.3 Stationäre Tinnitus-Therapie
13.4 Methoden zur gezielten Beeinflussung des Gehirns
14 2. Der medikamentöse Therapieansatz
14.1 Medikamente direkt ins Ohr
14.2 Welche Medikamente gibt es?
14.3 Sonderform: Sauerstoff als Medikament
15 3. Der akustische Therapieansatz
15.1 Hörgeräteanpassung: Warum – wann – wie?
15.2 Die Soundbridge®
15.3 Das Cochlea-Implant (CI)
15.3.1 Über die akustische Stimulation
15.4 Die unspezifische akustische Therapie
15.4.1 Residuale Inhibition: Eine Chance für gezielte Soundtherapie!
15.5 Tinnitus-Masker
15.5.1 Die richtige Anwendung von Tinnitus-Maskern
15.5.2 Die Therapie der Hyperakusis mit dem Rauschgerät
15.6 Musiktherapie bei Tinnitus
16 4. Der somatosensorische Therapieansatz
16.1 Physiotherapie
16.2 Manuelle Therapie
16.2.1 Osteopathie
16.3 Medikamente zur Therapie an Muskeln und Gelenken
16.3.1 Neural- und Injektionstherapie
16.3.2 Die Trigeminus-Behandlung
16.3.3 Die Behandlung von Myogelosen und Triggerpunkten
16.3.4 Sonderfall Schleudertrauma
16.3.5 Ruhigstellung
16.4 Bewegungstherapien
16.4.1 Qigong
16.5 Zahn- und Kieferbehandlung
17 5. Der ganzheitliche Therapieansatz
17.1 Schlaf und Tinnitus
17.1.1 Tinnitus – Sündenbock für alle anderen Probleme?
17.1.2 So schlafen Sie gut!
17.1.3 Schnarchen: eine Ursache für Tinnitus infolge Sauerstoffmangels!
17.1.4 Die »primäre« Schlafstörung
17.1.5 Internistische Krankheiten
17.1.6 Medizinische Therapien bei Schlafstörungen
17.1.7 Psychotherapie bei Schlafstörungen
17.1.8 Entspannungstherapien
17.2 Ernährung und Tinnitus
17.3 Sport und Tinnitus
17.3.1 So trainieren Sie richtig!
17.3.2 Etwas für den Körper tun!
17.4 Therapiewahl – Worauf Sie achten sollten
17.4.1 Alexander-Technik
17.4.2 Atemtherapie
17.4.3 Autogenes Training
17.4.4 Biofeedback
17.4.5 Feldenkrais-Therapie
17.4.6 »Genusstraining«
17.4.7 Hydrotherapie
17.4.8 Meditation
17.4.9 Progressive Entspannung nach Jacobson
17.4.10 Tai-Chi
17.4.11 Yoga
17.5 Alternative Methoden bei Tinnitus
17.5.1 Worauf Sie achten sollten
17.5.2 Akupunktur
17.5.3 Aurikulotherapie (Ohrakupunktur)
17.5.4 Akupressur
17.5.5 Ayurveda
17.5.6 Bach-Blüten-Therapie
17.5.7 Elektrotherapie des Ohres
17.5.8 Fußreflexzonenmassage
17.5.9 Homöopathie
17.5.10 Hypnotherapie
17.5.11 Kinesiologie
17.5.12 Kraniosakrale Technik
17.5.13 Neuraltherapie
17.5.14 Shiatsu
18 Schlusswort
19 Service
19.1 Glossar
19.2 Literatur
19.2.1 Zum Nachschlagen: Im Buch zitierte Literatur
19.2.2 Für Patienten
19.2.3 Gesunde Ernährung
19.2.4 Körpertherapien
19.2.5 Zur fachlichen Weiterbildung
19.3 Selbsthilfeorganisationen
19.3.1 Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
19.3.2 Lobby-Arbeit für Tinnitus-Betroffene
19.3.3 Die Mitgliederdienste der DTL
19.4 Wichtige Adressen
19.4.1 In Deutschland
19.4.2 In Österreich
19.4.3 In der Schweiz
19.5 Akupunktur
19.5.1 In Deutschland
19.5.2 In Österreich
19.5.3 In der Schweiz
19.6 Hypnose
19.6.1 In Deutschland
19.7 Manuelle Therapie, ÄrztInnenorganisationen
19.7.1 In Deutschland
19.7.2 In Österreich
19.7.3 In der Schweiz
19.8 Physiotherapeuten
19.8.1 In Deutschland
19.8.2 In Österreich
19.8.3 In der Schweiz
19.9 Psychologie
19.9.1 In Deutschland
19.9.2 In Österreich
19.9.3 In der Schweiz
19.10 Nützliche Internetadressen
19.11 Psychologische Hilfe
19.12 Menière-Selbsthilfe
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Abbildung: © fotofuerst/stock.adobe.com, |
1 Hören Sie die Alarmglocken?
2 Wie Gehör und Hören funktionieren
Wer das Ohr und seine Funktion versteht, lernt leichter, mit dem Tinnitus umzugehen. Erfahren Sie mehr über das Wunderwerk »Ohr« und den komplexen Hörvorgang.
Unsere Ohren sind 24 Stunden am Tag geöffnet. Stille empfinden wir in der heutigen Hektik und Betriebsamkeit fast als unnormal. Höchste Zeit, wieder genau hinzuhören!
Derjenige, der am lautesten schreit, wird zuerst bedient. Ruhige Typen sind »out«. Zum Aufputschen der Seele gibt es Techno, Smartphones, einen kräftigen Sound aus dem Auspuff, eine Vernetzung von Akustik und visuellem Push im Cyberspace. Und wenn es nur das permanente Summen des Computers ist.
Sind unsere Ohren mit ihrer komplizierten Nervenverknüpfung zu unserer Gefühlswelt und Wahrnehmung hierfür geschaffen? Vermutlich eher nicht. Wahrscheinlich ist dies die Hauptursache für die offensichtlich zunehmenden Probleme mit Tinnitus und Hörstürzen, zunehmend auch in jüngeren Jahren. Wir sollten genau hinhören und ganz bewusst wahrnehmen, welche Töne und Geräusche uns umgeben.
Tritt ein Tinnitus auf, sind die Betroffenen rasch wachgerüttelt. Ihnen ist klar geworden, was gesundes Hören bedeutet. Wie war das vor dem Tinnitus? Haben wir überhaupt noch eine Empfindsamkeit für das Hören? An wie viele Momente können wir uns erinnern, in denen wir uns Naturgeräuschen bewusst hingegeben haben? Dem Rauschen und Plätschern des Wassers, dem Vogelgezwitscher im Wald oder dem monotonen Getrommel der Regentropfen? Wann haben wir zuletzt den Flügelschlag eines Vogels in der Luft bewusst wahrgenommen? Dem Summen der Bienen oder dem Sirren der Grillen gelauscht?
Innenohrfunktionsstörungen mit Schwerhörigkeit und Tinnitus sind die häufigsten Krankheitsbilder überhaupt und nehmen weiterhin zu. Ist uns bewusst, dass das Hören unsere wichtigste Sinnesempfindung ist? Das Ohr ist das erste vollständig ausgebildete und funktionierende Sinnesorgan im Mutterleib, und es ist das letzte erlöschende im Tod!
Ähnlich einer frisch geladenen Batterie kommen wir mit einem unverbrauchten Hörsystem auf die Welt. Nutzen wir unser Hörsystem im Laufe des Lebens nicht bestimmungsgemäß, so lässt die Hörfähigkeit wie die Spannung der Batterie nach. Die »Lärmschulden«, die wir auf uns nehmen, werden im Ohr gespeichert. Dieses Schuldenkonto ist nicht mehr löschbar. Statt einer Schwerhörigkeit im Alter treten schon im mittleren Alter oder früher Symptome des Innenohres auf.
An der Funktionstüchtigkeit unseres Hörsystems werden wir eines Tages messen können, ob das Wunder Mensch unserer zunehmenden Technisierung gewachsen ist. Vielfältige Störgrößen beeinflussen unser Gehör, wie z. B.:
Elektrosmog
verminderter Schutz der Erdoberfläche gegen kosmische Einflüsse
Klimastörungen
nicht natürliche Produktion pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel
Genussgifte
Bewegungsmangel
Sorgen
Stress
Die Verkettung all dieser Faktoren macht eine Analyse, in welcher Weise und ob sie überhaupt zur Entstehung des Ohrgeräusches beitragen können, fast unmöglich.
Weit verbreitet ist mittlerweile auch die Dauerberieselung mit Musik, deren Folgen für unser Gehör nicht absehbar sind. Kaum ein Warenhaus verzichtet auf die Beschallung seiner Kunden mit Musik, und nicht wenige von uns tragen einen Knopf im Ohr, der zu einem Smartphone, MP3-Player oder iPod gehört. Diese vermeintliche Rückzugsmöglichkeit schadet nicht nur dem Gehör, sondern auch der sozialen Einbindung in die Gesellschaft.
Hinzu kommt unsere »zeitgemäße« Einstellung zum eigenen Körper. So wie wir täglich in Schule, Haushalt und Beruf hundertprozentig funktionieren müssen, erwarten wir dies auch von unserem Körper. Signale (auch akustische wie ein Ohrgeräusch), die oft eine zu starke Belastung andeuten, werden unterdrückt und als inakzeptabel betrachtet. Sie stören unsere Tüchtigkeit, Leistungsfähigkeit und unser Vorwärtskommen. Anstatt dass wir innehalten und über die individuellen Lebensumstände nachdenken, sorgt der Störfaktor Tinnitus für Unbehaglichkeit, Angst und Stress. Damit werden mit dem Ohrgeräusch negative Impulse verknüpft. Die Verbindung der beeinträchtigten Gefühlswelt und der Lautstärke des Tinnitus bedingt einen Teufelskreis, der die Heilungschancen rapide sinken lässt. Tinnitus wird dann zur Krankheit, wenn die gewohnte Lebensweise nicht mehr möglich ist.
Inzwischen sind Medizin, Politik und Gesellschaft in Bezug auf die »Lärmverschmutzung« in unserer westlichen Welt zunehmend sensibilisiert: Städtebauer kreieren Oasen der Stille, leisere Autos werden gebaut, die Touristikbranche bietet zunehmend mehr Reisen in Gebiete abseits des Trubels an. Das akustische Innehalten spielt für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Gönnen Sie Ihrem Körper immer wieder »Stille« – mit Ruhe, Gelassenheit und Achtsamkeit.
Denken Sie nur an die Autoindustrie, die mit großem technischem und personellem Aufwand den individuellen »Sound« jeder Marke pflegt. Jedes neue Modell, sei der Auspuff und Motor auch ganz anders konstruiert als der Vorgänger, muss ungefähr den gleichen Sound aufweisen. Nur so hört sich ein Porsche wie ein Porsche an, und ein BMW brummt wie ein BMW.
Künstliche Geräusche sind so in unseren Alltag vorgedrungen, dass wir uns gar nicht mehr bewusst sind, wie wir durch fremde akustische Einflüsse manipuliert werden!
Die Arbeit in Großraumbüros ist nur möglich, wenn darin ein Hintergrundrauschen von etwa 40–60 Dezibel (dB) existiert, das uns unbewusst von den Gesprächen und Geräuschen des Nachbarn ablenkt. Werden Menschen in einem Großraumbüro tagein, tagaus mit bis zu 60 dB beschallt, führt dies aber zu unterschwelligem Stress und zu einer Erschöpfung des vegetativen Nervensystems.
Lärm wird gemessen in Dezibel, wobei eine Erhöhung des Lärmwertes um zehn Dezibel subjektiv einer Verdoppelung der Lautstärke entspricht. Die Abbildung verdeutlicht, welche akustischen Energien in unserer Umwelt versteckt sind oder produziert werden. Bemerkenswert ist z. B. die Lautstärke eines Presslufthammers mit etwa 100–110 dB, die locker von der Lautstärke einer Technoparty übertroffen wird. Niemand würde freiwillig nächtelang mit einem Presslufthammer spielen, der Umgang mit extremeren und teilweise doppelt so lauten Geräuschen auf Partys wird aber unbekümmert akzeptiert.
Von den Berufsgenossenschaften als Aufsichtsorgane zur Verhütung von Arbeitsunfällen und gefährdenden Momenten am Arbeitsplatz wird eine Grenzbelastung von 85 dB vorgeschrieben. Ist der umgebende Lärm lauter, so muss ein Lärmschutz getragen werden.
Werte von 85 dB werden im Alltag von Kopfhörern, Diskotheken etc. schnell erreicht. Befindet man sich in einer Umgebung, in der die Verständigung untereinander nur noch durch Schreien möglich ist, sind diese Werte erreicht. Erstaunlicherweise zeigt die ▶ Abbildung, dass Kinderspielzeug Spitzenwerte bei Lärmemissionen erreicht. So ist die Lärmemission von 180 dB bei Knallpistolen der absolute Spitzenreiter.
Abb. 1.1 Die Lärmspirale in unserem Alltag: Auch scheinbar harmloses Spielzeug kann unsere Ohren gefährden!
Wenn wir so weitermachen, werden wir ein Volk von Schwerhörigen sein, und das nicht erst im Alter! Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Bevölkerungsstudien widerlegen das Märchen von der sogenannten Altersschwerhörigkeit. Diese ist nur selten ein vererbtes, unausweichliches Schicksal. Sicher gibt es einen Erbfaktor, der die Hörfähigkeit im Alter beeinflusst. Aber was vor 20 Jahren noch Hypothese war, ist heute gesichert: Unser Ohr ist nicht beliebig belastbar.
Ab wann ist Lärm schädlich?
Lärm über 85 dB kann, insbesondere unter Alkoholeinfluss und bei längerer Beschallung, auf das Innenohr schädigend wirken. 85 dB sind erreicht, wenn Sie sich nur noch schreiend mit Ihrem Gesprächspartner unterhalten können.
Ein leiser Wind bzw. ein Blätterrauschen ist mit 30 dB sehr leise und kann von einem gesunden Menschen völlig ignoriert werden, insbesondere wenn dieses Blätterrauschen mit angenehmen Eindrücken verbunden wird. Ein Ohrgeräusch ist in den meisten Fällen noch leiser als ein Blätterrauschen und kann den Betroffenen trotzdem gelegentlich zur Verzweiflung bringen. Komplexe negative Verarbeitungsprozesse in unserem Gehirn machen dann aus einem relativ leisen Geräusch den gefürchteten Tinnitus.
Die Psychoakustik befasst sich damit, wie wir Schall empfinden, d. h. beispielsweise, in welcher Lautstärke, Tonhöhe und Klangfarbe. Weiterhin beschreibt sie, wie diese Empfindungen und deren Verarbeitung als physikalische Signale im Gehirn zusammenhängen. Da dies von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist, werden verschiedene Tinnitus-Arten auch als ganz unterschiedlich störend empfunden und in der Psyche des Betroffenen verarbeitet. So ergibt sich das Phänomen, dass ein Tinnitus-Leiden nicht von der Lautstärke des eigentlichen Ohrgeräusches abhängig ist. Es gibt Betroffene, die unter einem »Blätterrascheln« leiden, und andere haben das Geräusch eines Motorrads im Kopf, aber fühlen sich davon nicht gestört.
Hieraus erwächst auch die Problematik in der Begutachtung: Wenn Ärzte, Anwälte oder auch Richter über einen Tinnitus-Betroffenen urteilen bzw. auch den entstandenen Schaden bei einem Betroffenen einschätzen müssen, kann die Lautstärke des Tinnitus nicht als Parameter herangezogen werden. Aus diesem Grund sind solche Gutachten für alle Beteiligten immer sehr schwierig zu erstellen. Mit Arzt und Rechtsanwalt die Angelegenheit zu kommunizieren, ist daher ratsam.
Diskotheken
Freude an der Musik und am Tanz dürfen nicht durch pauschale Verdammung von Diskotheken zerstört werden! Wenn man die folgenden Ratschläge beachtet, können Lärmschäden und die Entstehung von Tinnitus verhindert werden:
Die Beschallung der Tanzfläche erfolgt idealerweise indirekt, z. B. von oben, und füllt den Raum gleichmäßig aus.
Verantwortungsvolle Aussteuerung der Betreiber und des DJs: Schallbegrenzungen sind heute nur in wenigen Diskotheken Realität, auch wenn sie in manchen Ländern vorgeschrieben sind. Es liegt in der Verantwortung des DJs und der Betreiber, dass vernünftige Schallpegel eingehalten werden. Eine wichtige Tatsache dabei ist, dass unsere Ohren sich adaptieren, d. h., sie passen sich an. Wenn die Musik zunächst als laut empfunden wird, wird man sie nach ein bis zwei Stunden als weniger laut wahrnehmen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken und die subjektive und stimulierende Akustik auf hohem Niveau zu halten, wird die Lautstärke im Laufe des Abends oft kontinuierlich erhöht. Gäste, die erst am späten Abend in die Diskothek kommen und deren Hörsystem noch nicht adaptiert ist, sind daher besonders gefährdet. Deshalb gilt: Zur Sicherheit, insbesondere zu späterer Stunde, einen Lärmschutz benutzen!
Alkohol führt zu einem empfindlicheren Ohr. Die Gefahr, nach einem Konzert oder einem Diskothekenaufenthalt einen dauerhaften Lärmschaden oder einen Tinnitus davonzutragen, ist mit Alkoholkonsum größer.
Last but not least: Lärmschutz. Im Verlegenheitsfall kann ein mit Feuchtigkeit (z. B. eigene Spucke) getränktes Papiertaschentuch in den Gehörgängen einige Dezibel abfiltern. Wer öfter auf Konzerte und in Diskotheken geht, dem sei empfohlen, einen professionellen Lärmschutz beim Hörgeräteakustiker anfertigen zu lassen. Diese auch für Berufsmusiker geeigneten Systeme sind bezahlbar (ca. 150–200 Euro) und verschaffen einen ungetrübten Musikgenuss bei geringerer Beschallung.
Steigen Sie tiefer in die Details des faszinierenden Sinnesorgans Ohr ein und verfolgen Sie den Weg von der Schallwelle zur akustischen Wahrnehmung!
Von der Ohrmuschel bis in die verästelten Strukturen des Gehirns laufen Vorgänge ab, die schließlich zum Höreindruck führen. Diese zu kennen, erleichtert Ihnen das Verständnis der Entstehung und Behandlung der Ohrgeräusche.
Das Hörorgan ▶ (siehe Abb.). besteht zunächst einmal aus dem äußeren Ohr, also der Ohrmuschel, und dem Gehörgang. Die Ohrmuscheln funktionieren als Schalltrichter. Sie bündeln den Schall in den Gehörgang und unterstützen so das Richtungshören. Dieses erfolgt durch Berechnung des Zeitunterschieds beim Eintreten des Schalls im linken und rechten Ohr. Der Gehörgang leitet den Schall weiter zum Trommelfell. An der äußeren Öffnung des Gehörgangs befinden sich feine Härchen, die wie ein Filter das Eindringen von Fremdkörpern verhindern. Hier wird auch das Ohrenschmalz (Zerumen) gebildet.
Abb. 2.1 Der Aufbau des menschlichen Ohres
In unmittelbarer Nähe des Gehörgangs befinden sich vorne das Kiefergelenk und unten der erste Wirbel der Halswirbelsäule. Beide Strukturen haben eine enge Nervenverbindung, sowohl untereinander als auch zum Gehörgang und Mittelohr. Aus diesen Verbindungen können sich Ohrenschmerzen und auch Tinnitus ergeben. Die Funktion der Kiefergelenke und der Halswirbelsäule wird daher in die ausführliche Diagnostik von Ohrgeräuschen miteinbezogen.
Trommelfell Es schließt den Gehörgang nach innen ab und besteht aus einer feinen Membran, an deren Innenseite das erste Gehörknöchelchen, der Hammer, befestigt ist. Über das Trommelfell wird der Schall auf die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) übertragen und an das Innenohr weitergeleitet.
Mittelohr Den Raum, in dem sich die Gehörknöchelchen mit Muskeln befinden, nennt man das Mittelohr. Es verfügt über zwei Muskeln, die am Hammer, am Trommelfell sowie am Steigbügel befestigt sind. Bei plötzlichem Lärm ziehen sie sich ruckartig zusammen und verhindern, dass der Schalldruck in seiner vollen Energie auf das Innenohr übertragen wird. Diese Muskeln haben also eine Schutzfunktion. Allerdings können ihre Zuckungen auch ein Ohrgeräusch hervorrufen, das sich als »Ticken« bemerkbar macht.
Steigbügel und Ohrtrompete Das innere Gehörknöchelchen, der Steigbügel, überträgt den Schall auf das Innenohr. Da das Mittelohr einen luftgefüllten Hohlraum bildet, muss ein Druckausgleich nach außen möglich sein. Sonst würden äußere Druckschwankungen die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen-Kette beeinträchtigen. So würde z. B. beim Tauchen der Wasserdruck das Trommelfell nach innen drücken und zu Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit führen. Dieser Druckausgleich geschieht über die Ohrtrompete, die eustachische Röhre. Bei jedem Schlucken wird sie durch Muskeln geöffnet, sodass im Mittelohr ein Druckausgleich nach außen stattfindet. Ist diese Funktion gestört, wie beispielsweise bei Kindern durch zu große Rachenmandeln, kommt es zu einer Schwerhörigkeit und zur Ansammlung von Sekret im Mittelohr.
Wirksamer als Salben: Ohrenschmalz
Das Ohrenschmalz ist ein normaler Bestandteil des äußeren Ohrs und kein Schmutz. Es wirkt stark antibakteriell und verhindert die Entwicklung von Entzündungen am äußeren Ohr. Es wird nur im äußeren Gehörgang gebildet und von dort immer nach außen transportiert. Mit dem berühmten Wattestäbchen wird das Ohrenschmalz eher nach innen, also in den Gehörgang hineingedrückt, wo es von der Gehörgangshaut weitaus weniger wirksam wieder nach außen transportiert werden kann.
Durch häufiges »Reinigen« dieser Art bildet sich ein Ohrenschmalzpfropf, der auch eine Ursache von Tinnitus sein kann. Für die tägliche Reinigung genügt es, das nach außen transportierte Ohrenschmalz mit einem feuchten Handtuch am Gehörgangseingang abzuwischen.
Abb. 2.2
