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Das neueste Buch über die Entstehung von Ohrgeräuschen, deren Diagnostik und die seriösen Behandlungsmöglichkeiten. Tinnitus ist nicht nur ein Problem des Ohres und des Hörsystems. Das "Leiden" an Tinnitus entsteht, wenn verschiedene Hirnzentren in die pathologische Verarbeitung dieses unerwünschten "inneren" Signales involviert werden. Deshalb sind Erkenntnisse aus der Physiologie, der Hirnforschung und der Psychologie in den Ausführungen verarbeitet. Da nach neueren Untersuchungen bis über 60% aller Ohrgeräusche ursächlich in Zusammenhang mit pathologischen Veränderungen an der Halswirbelsäule und/oder dem Kiefergelenk stehen oder/und von diesen Organen getriggert werden, ist erstmalig diesem besonderen sog. Somatosensorischen Tinnitus eine umfangreiche Beschreibung gewidmet. Als eBook kann der Leser quasi online das Wissen vertiefen, weil interessante Artikel und Darstellungen direkt verlinkt sind. So werden die LeserInnen zum Experten "ihres" Tinnitus.
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Seitenzahl: 87
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Tinnitus & Co
© 2016 Dr. med. Eberhard Biesinger
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung und Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
1. Auflage 2016
ISBN9783958499621
Autor: Dr. med. Eberhard Biesinger
Lektorat: Susanne Artmann
Fotos: Conrad Schätz
Satz & Layout: Susanne Artmann
Grafik: Carla Biesinger
Wichtige Hinweise
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Behandlungen und medikamentöse Therapien befinden sich in ständigem Wandel. Der Autor hat große Sorgfalt darauf gelegt, dass die Angaben über Applikation und Dosierung von Medikamenten dem Wissensstand bei Fertigstellung der Veröffentlichung entsprechen. Er kann jedoch keine Gewähr dafür übernehmen. Jeder Anwender ist aufzufordern, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten Medikamente und/oder Konsultation eines Spezialisten festzustellen, ob individuell angepasste Dosierungen und/oder Kontraindikationen zu beachten sind. Jede Dosierung oder Applikation von genannten Präparaten erfolgt auf eigene Gefahr des Anwenders.
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Vorwort
Tinnitus: Ein Phänomen des Gehirns?
Wie wir hören
Unser Ohr: Das Mikrofon
Das Innenohr: Schallumwandlung in elektrische Information
Krankheiten des Ohres, die mit Tinnitus und Schwerhörigkeit einhergehen können
Die Weiterverarbeitung des Gehörten im Gehirn
Die Diagnostik des Tinnitus
Die Anamnese
Untersuchungen
Die Hörprüfungen
Typische Hörkurven
Residuale Inhibition
Tympanometrie
Die otoakustischen Emissionen („OAE“)
BERA (Brainstem Evoced Response Audiometry http://de.wikipedia.org/wiki/BERA )
Das Sprachaudiogramm
Die Messung der Unbehaglichkeitsschwelle
Andere notwendige Untersuchungen bei Tinnitus
Spezielle Krankheitsbilder, die mit Tinnitus verknüpft sein können
Die Dehiszenz des oberen oder hinteren Bogenganges
Der Morbus Menière
Musculus tensor tympani Syndrom
Myoklonus der Mittelohrmuskel oder der Rachenmuskeln
Störungen der Eustachischen Tube
Das Jugular Outlet Syndrom
Zusammenfassung und Ausblick
Vom Ton zum Tinnitus: Wie Tinnitus entsteht – Ausbildung eines neuronalen Netzwerkes
Therapie des Tinnitus
Medikamente bei Tinnitus
Akutmedikation
Eine Sonderform der Akuttherapie: Die transtympanale Injektion von Medikamenten
Durchführung der transtympanalen Therapie
Die Beratung
Unterstützende Medikation
Therapie über das Gehirn
Wie wir denken und fühlen
Praktisches Vorgehen in der tinnitusspezifischen Therapie
Zur Tinnitus Retrainingtherapie („TRT“)
„Gehirnchirurgie“ und Gehirnstimulation bei Tinnitus
Akustische Stimulation und Ablenkung
Akustische Stimulation der Ohren, der Hörbahn und des Gehirnes
Hörgeräte
Tinnitusmasker („Noiser“)
Implantierbare Hörgeräte
Cochlea Implant (CI)
Musiktherapie
Hörtherapie
Der Somatosensorische Tinnitus
Diagnosetests
Untersuchung des Kiefergelenkes
Halswirbelsäule: passiv durchgeführte Tests
Halswirbelsäule: aktiv durchgeführte Tests
Muskulatur: passive Palpation der Muskeln und Untersuchung auf Triggerpunkte
Ergebnisse der Untersuchung auf das Vorliegen eines somatosensorischen Tinnitus und Konsequenzen
Der funktionelle Therapieansatz
Medikamente
Ganzheitliche Behandlungsansätze
Die Behandlung mit Lokalanästhetika
Die Triggerpunktbehandlung
Spezielle Verfahren: Biofeedback, Neurobiofeedback
Ganzheitliche Therapieansätze
Schlusswort und Ausblick
Anhang
Nützliche Web-Adressen:
Literatur zum Weiterlesen und im Text zitiert
Wenn Sie dieses E-Book gelesen haben, sind Sie Spezialist für das Thema Tinnitus – für Ihren Tinnitus! Es geht mir nicht nur darum, Ihnen Wissen zu vermitteln, um besser zu sein als Ärzte und andere Therapeuten. Vielmehr geht es in diesem Buch darum, dass Sie sich aus der Fülle an Informationen das herauspicken, was für Ihre Situation am wichtigsten ist. Natürlich bekommen Sie ganz nebenbei eine ganze Menge an Wissen, das als Experten-Wissen definiert werden kann. Dieses E-Book als Mittel der heutigen Kommunikation hilft in didaktischer Weise durch die mögliche Verknüpfung mit dem Internet, dieses Wissen so aufzubereiten, dass es mehr wird als ein Buch: ein visuelles Erlebnis.
Tinnitus als Krankheitsbild betrachtet verursacht enorme Kosten für unser Gesundheitssystem; nicht nur durch den Konsum von Medikamenten (die meist sinnlos sind), durch zahlreiche Therapien (die häufig eher pathologisierend und nicht spezifisch sind), sondern auch durch Beanspruchung des Sozialsystems wegen Krankheitstagen, Auftauchen von anderen Krankheiten, durch den Verlust an Lebensqualität.
Es lohnt sich also, dass Sie zum Experten werden. Nicht nur als Betroffener, sondern auch und gerade als Spezialist, der sich diesem Thema seriös widmen möchte.
Viel Spaß und viel Erfolg dabei!
Zu gerne würden wir Ärzte Tinnitus mit Medikamenten behandeln können oder gar operieren. Aber wo soll ein Medikament wirken, wo das Skalpell ansetzen? Wir wissen es nicht. Noch nicht!
Viele Wissenschaftler definieren Tinnitus gar nicht als Krankheit, sondern als Phänomen, als Wahrnehmung eines Geräusches, das außerhalb des Betroffenen nicht wahrgenommen wird. Der Nicht-Betroffene kann also die „Krankheit“ weder sehen noch hören – nur die Auswirkungen, wenn die betroffene Person nicht mehr dieselbe ist wie vor dem Tinnitus, sich über die fehlende Stille beklagt, über Schlaflosigkeit, Ängste, depressive Verstimmung, Verlust der Lebensfreude usw. Und diese Klagen sind individuell unterschiedlich; nicht jeder leidet unter dem „inneren“ Geräusch und nicht jeder gleich ausgeprägt. Hängt das Leiden von der Lautstärke des Ohrgeräusches ab? Könnte man meinen – ist aber nicht so! Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen mit einem leisen Ohrgeräusch unter Umständen viel mehr leiden als Personen mit einem lauten Ohrgeräusch, die oft gar nicht leiden! Die Frage stellt sich, was genau sind diese „Umstände“ und wie funktionieren sie? Sind sie so weit beeinflussbar, damit es ein ungestörtes Leben mit Tinnitus geben kann?
Während die Frage nach einem Tinnitusmedikament oder einer Tinnitusoperation mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden muss, wird diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet! Ja, wir können den Tinnitus noch nicht direkt beeinflussen, aber die individuelle Reaktion darauf! Das Problem dabei ist, dass die therapeutischen Empfehlungen „Hör einfach nicht hin“ oder „Du musst damit leben“ nicht funktionieren. An genau diesem Problem zeigt sich aber die Funktionsweise unseres Gehirnes: Über unser bewusstes Denken kommen wir nicht in die tieferen Schichten, dort wo die Emotionen sitzen, dort wo unbewusste – ganz individuelle – Reaktionsmuster ihr Heil oder auch Unheil anrichten. Im Klartext: Wir können unserem Gehirn nichts, aber auch gar nichts „befehlen“, wir können Reaktionsweisen und Gefühle nur über Umwege beeinflussen. Dazu ein Beispiel: Sie kennen alle die Foltermethode mit dem steten Tropfen. In der Stille stresst uns ein einzelnes Geräusch enorm (so kann Tinnitus sein!). Wir können nicht einfach „weghören“. Dies gelingt aber mit einem Trick, wir müssen ein zweites Geräusch, eines das uns natürlich möglichst nicht stört, hinzufügen. Dann können wir das Tropfen des Wasserhahnes ignorieren. Genauso ist es auch mit unseren negativen Gedanken und Gefühlen. Die Empfehlung „denk positiv!“ funktioniert nicht. Im Gegenteil, es klappt nicht und wir sind dann noch frustrierter. Wie beim Beispiel mit dem Wassertropfen geht die positive Veränderung unserer Gefühlswelt nur über einen Umweg: Positive Erlebnisse kreieren, insbesondere mit anderen Menschen Erfreuliches erleben und tun. „Genusstraining“ nennen die Psychologen diese Vorgehensweise und nur dies zieht eine positive Umstrukturierung unseres Gehirnes nach sich. Machen Sie sich dies gleich am Anfang dieser Lektüre bewusst: Das bedeutet – zum Teil hartes – Training! Also wichtig: Diese Umstrukturierung unseres Gehirns funktioniert nur mit Lernen und dem damit verbundenen Training. Natürlich bietet die Medizin und Pharmakologie eine Unmenge an Stimmungsaufhellern an. Diese können zwar dazu führen, dass ein funktionsgestörtes Gehirn wieder lernen kann, das Lernen und Training selbst können sie aber niemals ersetzen! Das wäre, als ob man eine rostige Stelle am Auto einfach übertünchen würde. Leider wird dieser Umstand von vielen Therapeuten nicht wahrgenommen. Deshalb hier gleich ein wichtiger Rat: Antidepressiva nie ohne Psychotherapie!
Solange wir nicht die „Tinnituspille“ haben, spielen psychologische Ratschläge (Tinnitusberatung, oft Tinnitus-Counseling genannt) und definierte psychologische Behandlungsmaßnahmen eine Hauptrolle bei der seriösen Tinnitustherapie. Streng wissenschaftlich gesehen ist derzeit nur für die psychologischen Tinnitustherapien, insbesondere verhaltenstherapeutische Verfahren, eine Wirksamkeit nachgewiesen. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD005233.pub3/abstract)
Das heißt aber nicht, dass Tinnitus nur „psychisch“ ist! Ein solches Denken hieße, den Betroffenen zu psychopathologisieren. Die optimale medizinische Abklärung eines Tinnitus steht an erster Stelle. Und daraus ergeben sich oft Möglichkeiten zu helfen! Die medizinische Welt ist einem Orchester vergleichbar: Es gibt führende erste Stimmen, das Musikstück kann aber erst im Zusammenspiel mit allen anderen Instrumenten erklingen. Übertragen auf uns Menschen müssen schlussendlich alle „Baustellen“ beachtet werden – die körperlichen und die seelischen –, um helfen zu können.
Die Kunst des verantwortungsbewussten Therapeuten besteht darin, die körperliche und die geistig-seelische Welt des von Tinnitus Geplagten zu betrachten und mit ihm eine Lösung des Problems zu erarbeiten.
Ludwig van Beethoven war verzweifelt, als sein Gehör nachließ und er schließlich ertaubte. Dabei war das Schlimmste an der Katastrophe für ihn nicht einmal der Verlust, seine Musik nicht mehr hören zu können – die hatte er im Kopf. Mehr noch verzagte er an dem Verlust der Kommunikation mit den Menschen. Er wurde einsam.
Wir Menschen sind auf die Kommunikation miteinander angewiesen und da hat das Hören die größte Bedeutung, mehr noch als das Sehen; auch wenn dies bei der heutigen Überhäufung mit optischen Reizen auf den ersten Blick nicht so zu sein scheint. So ist unser menschliches Hören abgestimmt auf die Frequenzen, die der Kommunikation unserer Sprache dienen, also etwa zwischen 300 Hertz (sehr tiefe Stimmen und Untertöne) und ca. 3000 Hertz (hohe Stimmen mit ihren Obertönen). Das Spektrum reicht aber weiter bis in den Frequenzbereich von 16 000 Hertz und lässt mit zunehmendem Alter im Bereich der sehr hohen Töne nach. Die hohen Töne bis 10 000 Hertz werden im „Höralltag“ nicht bewusst wahrgenommen, sie verschönern aber unsere akustische Welt beim Musikmachen und Musikhören. Mehr noch, diese hohen Töne sind sehr wichtig für das räumliche Hören (deshalb können Sie Hochtonlautsprecher an Ihrer Stereoanlage sehr gut orten, während Sie den Subwoover irgendwo platzieren, ohne ihn akustisch ausfindig machen zu können) und für die unbewusste Übermittlung emotionaler Informationen. Wie Frau Dr. Cramer in ihrem so wichtigen Buch über Musiktherapie bei Tinnitus beschreibt, wird die akustische Welt langweiliger, je weniger wir die hohen Frequenzen wahrnehmen können (www.musiktherapeutikum.de) (Cramer 2012). Dies ist eine Ursache für Gemütsstörungen bei Menschen, die nicht mehr gut hören können. Sozialer Rückzug und beginnende Depression sind die Folgen. Hier kann geholfen werden. Zunächst durch ein akustisches Training und schließlich durch eine individuell angepasste Hörgeräteversorgung (s. u.).
