TORTEN
Christian Hümbs Johanna Behrends
MANUFAKTUR
HALLO,
wie schön, dass unser erstes gemeinsames Buch den Weg in deine Hände
gefunden hat. Sicherlich haben einige Leser bereits meine – Christians –
ersten Bücher im Regal stehen. Dieses Mal hab ich noch einen draufgesetzt
und mir meine wunderbare Kollegin Johanna Behrends an die Seite geholt,
um dir für deine eigenen Kreationen noch mehr geballtes Profiwissen an die
Hand zu geben. Johanna ist Konditormeisterin und führt schon seit Langem
ihre eigenen Läden, wo sie unter anderem Torten für jeden Anlass kreiert.
Daher ist sie eine absolute Spezialistin, was die kreative Bandbreite und die
Anforderungen – Stichworte: vegan, glutenfrei usw. – an zeitgemäße Torten
angeht. Gemeinsam haben wir all unser Know-how, unsere Kreativität, aber
natürlich auch den Spaß am Backen, gebündelt und herausgekommen sind
42 Torten, die dich umhauen werden! Geschmacklich ist für jede und jeden
etwas dabei, rund ums Jahr findest du mit Sicherheit die passende Torte –
egal ob der sommerliche Lemon-Basilikum-Pistazien-Cake (der obendrein
noch glutenfrei ist), die Mohn, Birne und Macadamianuss-Torte, bei der man
den Herbst fast schon auf der Zunge spüren kann, oder aber die winterliche
Lebkuchen-Apfeltorte mit Schoko-Macarons, die deine Weihnachtstafel als
krönender Abschluss perfekt macht.
Wir haben darauf geachtet, dass wirklich keine Wünsche offen bleiben und
jedes Backlevel einbezogen wird. Alle, die noch am Anfang stehen, holen
wir mit detailgenauen Beschreibungen aller Rezepte ab, unterstützt durch
Step-Ab bildungen, auf denen einzelne Arbeitsschritte verdeutlicht werden.
Außerdem zeigen wir dir auch Basics wie das Zusammensetzen mehrerer
Stöcke oder das saubere Eindecken und Glasieren. Auch einfache, aber
trotzdem beein druckende Deko-Elemente heben deine eigenen Torten
auf ein neues Level. Echte Backprofis finden im Buch neue handwerkliche
Herausforderungen und können sich wirklich ausleben, was aufwendige
Dekore und Tech niken angeht.
Das Besondere an unserem Buch ist aber auch ein sogenanntes »Baukasten-
system«, das wir bei der Rezeptentwicklung im Hinterkopf hatten. Das heißt
im Klartext: Du kannst alle Böden, Cremes, Mousses, sonstige Massen usw.
untereinander kombinieren. Du stehst eher auf Schoko statt auf Mohn? Dann
tausche den Mohnbiskuit gegen den Schokoladenbiskuit. Yuzu-Popcorn-
Ganache lässt dir das Wasser im Mund zusammenlaufen? Dann kreier dir deine
ganz eigene, authentische Torte damit (mehr dazu ab Seite 226). Natürlich
kannst du auch bewährte Rezepte aus deinem eigenen Repertoire in unsere
Torten integrieren und dich frei Schnauze ausleben. Wenn du lieber auf
Nummer sicher gehen möchtest, hältst du dich einfach an unsere Rezepte.
3
Das ist ein gutes Stichwort: Wer Christians Bücher kennt, weiß, dass ein ganz
grundlegender Ratschlag immer ist: Lies das Rezept unbedingt einmal von
vorne bis hinten durch, um dir einen Überblick zu verschaffen! Gerade bei
komplexen Backwerken wie Torten ist das essenziell. Hinzukommt, dass
manche Bestandteile bis zu zwei Tage im Voraus zubereitet und gekühlt wer-
den müssen. Um es dir besonders einfach zu machen, haben wir jedes Rezept
so aufgebaut, dass sofort ersichtlich wird, wie viel Zeit du im Voraus einplanen
musst. Darüber hinaus war es uns wichtig, dass am Tag des Servierens der
Torte (bei uns »Tortentag« genannt) so wenig wie möglich zu tun ist. Wer hat
schon Lust, am runden Geburtstag der besten Freundin schweißgebadet
filigrane Schokoblättchen zu dressieren, die dann in aller Hektik zerbrechen?
Um das zu vermeiden, gibt es immer wieder Tipps zur Haltbarkeit und Aufbe-
wahrung einzelner Bestandteile und – besonders wichtig – Ideen zum nach-
haltigen Umgang mit Ressourcen. Wir geben dir Antworten auf folgende
Fragen an die Hand: Was kannst du aus Resten zaubern? (auf Seite 14 gibt’s
extra Rezeptideen dazu) Wie kannst du einzelne Rezepte anderweitig verwen-
den oder zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Zum Beispiel indem du
die Mandeln, die du später für eine Pralinémasse weiterverarbeiten möchtest,
direkt zum Blindbacken des Bodens verwendest. Clever, oder?
Darum geht es uns auch mit diesem Buch: Dir zu zeigen, dass es auf der
einen Seite – mit den richtigen Anleitungen – keine Raketenwissenschaft ist,
beeindruckende Torten zu backen, dir aber andererseits auch einen Einblick
zu geben in die Arbeit der handwerklichen Konditoren. Damit in der Folge
wieder mehr Leute diesen einzigartigen Beruf, der so vielen Menschen Freude
und Genuss schenkt, wertschätzen.
Genug geredet, jetzt geht es ans Backen. Ein letzter Hinweis allerdings noch
von uns: Lass dich nicht entmutigen, wenn eine Torte mal danebengeht. Auch
bei uns kommt es vor, dass manches nicht so hinhaut wie geplant. Probier dich
aus, lass dich darauf ein und hab einfach Spaß beim Tortenbacken.
Christian und Johanna
4
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BASICS
Allgemeine Infos
bevor es losgeht
GRUNDAUSSTATTUNG
Um ehrlich zu sein, braucht es zur Herstellung
der meisten Torten keine perfekt ausgestattete
Konditorenwerkstatt in der eigenen Küche. Mit
der Zeit – und mit deinen wachsenden Fertig-
keiten – wirst du dich an immer komplexere
Kreationen wagen und deshalb vielleicht auch
mal das ein oder andere besondere Utensil
anschaffen. Grundsätzlich solltest du aber,
neben Töpfen, Pfannen, Backpinseln usw.,
folgende Basics zur Hand haben:
· Tortenplatte
· Winkelpalette
· Palette
· großes Wellenschliffmesser zum Böden
schneiden
· kleines glattes Messer,
z. B. zur Herstellung von Dekoren
· Spritzbeutel (diverse Tüllen)
· Backblech
· verstellbare Tortenringe
(rund und eckig, diverse Größen)
Ein paar Anmerkungen zu unseren
Lieblingsformen und Ringen:
Verstellbare Tortenringe sind sehr hilfreich
beim Zusammensetzen mehrschichtiger Tor-
ten. Im Handel gibt es verschiedene Modelle.
Besonders praktisch sind die Ringe der Firma
Lares, denn sie besitzen einen Feststellknauf.
Beim Herauslösen der Torte verschiebt sich
nichts und die Torte lässt sich perfekt heraus-
lösen.
Auch verwenden wir gerne die sogenannten
(runden) PME-Formen. Sie sind in unterschied-
lichen Größen erhältlich, 10 cm tief und beste-
hen aus nahtlosem Aluminium, was für eine
gleichmäßige Hitzeverteilung sorgt und somit
für ein hervorragendes Backergebnis. Zudem
sind sie besonders langlebig. Alternativ gelin-
gen die Böden auch in einer Springform.
Besonders gerne nutzen wir auch die runden
oder rechteckigen Tarteringe der Firma De-
buyer. Sie bestehen aus Edelstahl und sind
perforiert, was wiederum für ein gleichmäßiges
Backergebnis sorgt.
· Tortenrandfolie
· Folie für Kuvertüre
· Thermometer für Kuvertüre und Zucker
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ZUM VORGEHEN
Abwiegen
Flüssigkeiten wie Milch und Wasser sind in
den Zutatenlisten generell in Gramm angege-
ben und sollten deshalb abgewogen werden,
da es für ein optimales Backergebnis auf die
exakten Mengenangaben ankommt.
Eier
Ist bei Eiern, Eigelb oder Eiweiß in der Zuta ten-
liste keine Größe angegeben, bitte immer
Größe M verwenden. Werden Eier in der Zu-
tatenliste in Gramm angegeben: Vor dem Ab-
wiegen Eier, Eigelbe oder Eiweiße am besten
immer erst verquirlen und dann die benötigte
Menge abwiegen.
Fruchtpürees
Wir verwenden ausschließlich die Fruchtpü-
rees der Firma Boiron, die einen sehr geringen
Zuckergehalt (10 %) und einen reduzierten Was-
seranteil haben. Bitte auf keinen Fall Pürees
aus frischen oder tiefgekühlten Früchten selbst
herstellen, gerade bei Torten kann das schief-
gehen.
VON UNS GESCHÄTZTE
BEZUGSQUELLEN
Die meisten Zutaten bekommst du bequem im
Supermarkt oder auch im Bioladen. Besondere
Produkte, qualitativ hochwertige Fruchtpürees
oder besondere Profizutaten wie Glukosesirup,
Pektin oder Cremepulver kaufen wir zum Bei-
spiel hier:
· Bos Food
· Pati-Versand (viele Produkte auch
in kleineren Einheiten erhältlich)
Da die Pürees in 1-Liter-Packungen erhältlich
sind, die für eine Torte nicht vollständig aufge-
braucht werden, kannst du aus dem Rest zum
Beispiel Fruchteiswürfel machen, indem du sie
als Cubes einfrierst und für Sommergetränke
oder Bowle nutzt. Mit Joghurt vermischt und in
Stieleis-Formen abgefüllt werden Eis-Popsicles
daraus.
· Metro
· Frischeparadies
· Biosupermärkte (für vegane Produkte)
Wofür Frischhaltefolie? Wofür Backpapier?
In Frischhaltefolie werden Mürbeteige vor dem
Kühlen eingewickelt. Zwischen Backpapier
werden sie danach ausgerollt, damit die Ober-
fläche schön glatt wird, was bei Frischhalte-
folie nicht der Fall wäre. Ein Ausrollen ist auch
zwischen Tortenfolie möglich. Frischhaltefolie
wird zum Abdecken von Cremes, Kompott etc.
verwendet.
7
Praktische Tipps
fürs Gelingen
Einschlagen von Tortenringen mit Backpapier
und Alufolie
Zum Einschlagen des Bodens des Tortenrings/
Tarterings ein großes Stück Alufolie auf die
Arbeitsfläche legen. Ein etwas kleineres Stück
Backpapier auf die Folie legen und den Ring
daraufstellen. Alufolie und Backpapier sollten
an jeder Seite etwa 10 cm überstehen. An einer
Seite beginnen und die Alufolie von außen
nach innen einfalten. Die Folie Stück für Stück
rundherum von außen fest um den Ring falten,
dabei den Ring gut festhalten. Das Anfangs-
und das Endstück zuletzt zu einem Dreieck
falten, mehrmals einschlagen und fest an den
Ring drücken. Den eingeschlagenen Ring auf
ein Backblech stellen, befüllen und backen.
Tortenböden aus der Form lösen und
begradigen
Mit einem glatten Messer vom Ring lösen. Mit
einem Brotmesser mit Wellenschliff die Ober-
fläche begradigen. Die Böden waagerecht in
zwei oder mehr weitere Böden durchschneiden.
Das spart beim Backen die ein oder andere
Backform und Energie im Ofen, da nur einmal
gebacken wird und nicht jeder Boden einzeln.
Eischnee schlagen
Unbedingt darauf achten, dass Schüssel und
Rührbesen sauber und vor allem fettfrei sind.
Wenn nötig gründlich zwischenreinigen.
Spritzbeutel
Profis verwenden Einwegspritzbeutel aus
Kunststoff. Vor dem Herausdrücken der jewei-
ligen Masse die Spitze in der benötigten Länge
abschneiden. So ist häufig keine Tülle nötig.
Handrührgerät/Küchenmaschine
Können nach Belieben beide verwendet wer-
den. Zum Kaltschlagen von Massen oder für
große Mengen Eischnee empfiehlt sich jedoch
die Küchenmaschine mit Rühraufsatz.
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Manchmal lohnt es sich nicht, zu kleine Men-
gen zuzubereiten bzw. können Küchenmaschi-
nen dann nicht arbeiten. Deshalb wird bei be-
stimmten Massen etc. gleich mehr zubereitet.
Wir geben dir aber immer Anregungen mit,
wie Reste sinnvoll verarbeitet oder aufb ewahrt
werden können.
Kuvertüre
Für die Rezepte kannst du Drops oder ge-
hackte Kuvertüre verwenden. Profis nehmen
in der Regel Kuvertüredrops, die es aber nicht
in jedem Supermarkt gibt. Dort wird Kuvertüre
in Blocks angeboten. Diese vor der Verwen-
dung klein hacken.
Kuvertüre temperieren
Vorab: Bei den angegebenen Temperaturen
handelt es sich nur um Richtwerte. Jeder Her-
steller hat seine eigenen Temperaturen. Meist
ist auf der Verpackung bereits eine Tempera-
turskala aufgedruckt, bei der die Kuvertüre
optimal temperiert werden sollte. Zur allgemei-
nen Orientierung: Die Kuvertüre klein hacken
und zwei Drittel der Kuvertüre in einer Schüssel
über einem warmen Wasserbad bis 40–45 °C
(weiße Kuvertüre) und 50–55 °C (dunkle Kuver-
türe) schmelzen. Die Temperatur prüfen. Vom
Wasserbad nehmen und das übrige Drittel
Kuvertüre einrühren, bis eine Temperatur von
26–27 °C (weiße Kuvertüre) und 28–29 °C
(dunkle Kuvertüre) erreicht ist. Die Schüssel
nochmals kurz auf das Wasserbad setzen und
die Kuvertüre unter Rühren auf eine Tempe-
ratur von 28–29 °C (weiße Kuvertüre) und
30–31 °C (dunkle Kuvertüre) bringen.
Grundsätzlich gilt: Das Wasser darf nicht
kochen, sondern nur ganz leicht sieden (nicht
heißer als 50–55 °C), weil insbesondere bei
weißer und Milchkuvertüre das Milcheiweiß
andernfalls zu gerinnen beginnt.
Temperatur prüfen
Zum Beispiel beim Schmelzen von Kuvertüre
oder Rühren von Glasuren. Gelingt mit einem
digi talen Küchenthermometer.
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Blindbacken
Herkömmlicherweise verwendet man zum
Vorbacken eines Teigbodens, bei dem der
Boden für eine spätere Füllung flach bleiben
soll (blindbacken) getrocknete Hülsenfrüchte
oder spezielle Backgewichte. Um möglichst
ressourcenschonend zu arbeiten, schlagen
wir folgende Methode vor:
Den mit Teig ausgelegten Tartering randhoch
mit gehackten Mandeln füllen. Den Mürbeteig
im Ofen (Mitte) in der im Rezept angegebenen
Zeit blindbacken. Danach die Mandeln mit
einem Löffel entfernen.
Den Boden in den angegebenen weiteren
Minuten hell backen. Mit einem dünnen,
schmalen Messer vorsichtig zwischen Ring
und Teigrand entlangfahren und den Boden
lösen, jedoch im Ring belassen. Verbliebene
Mandeln mit einer Minipalette vorsichtig
vom ausgekühlten Tarteboden schaben. Diese
bereits vorgerösteten Mandeln kann man nun
karamellisieren und direkt – zum Beispiel zu
Pra linémassen – verarbeiten oder als Dekor
verwenden.
Stäbchenprobe
Zur Garprobe mit einem Holzspieß in die Mitte
des Kuchens stechen. Haftet beim Heraus-
ziehen kein Teig daran, ist der Kuchen fertig.
Läuterzucker
Einen Teil Zucker mit einem Teil Wasser in ei-
nem Topf aufkochen. Vom Herd nehmen und
auskühlen lassen. In einem luftdichten Gefäß
und kühl gelagert, hält sich der Läuterzucker
mehrere Wochen. Für Vanille-Läuterzucker
einfach übrig gebliebene ausgekratzte Vanille-
schoten zum Aromatisieren zugeben.
11
Unsere Tipps zu Planung
und Vorbereitung
Mit welchen Kosten muss ich rechnen,
um eine aufwendige Torte zu backen?
Das hängt von der Art und Qualität der ver-
wendeten Zutaten ab. Als grober Richtwert
kannst du mit 25–55 Euro rechnen. Es gilt der
Grundsatz: Die Qualität eines Backwerks steht
und fällt mit der Qualität der Zutaten. Dennoch
kannst du bei einigen Zutaten auf die günstige
Variante aus dem Supermarkt zurückgreifen.
Dazu zählen für uns zum Beispiel Basics wie
Mehl, Backpulver, Stärke oder Vanillezucker.
Letzteren kannst du aber auch easy selbst
machen (S. 14). Besondere Zucker wie den
skandinavischen Brun Farin gibt’s online. Be-
sondere Mehle wie zum Beispiel Buch weizen,
kaufen wir in Bioqualität.
Wo es sich unbedingt lohnt, auf Qualitätsware
zu setzen, ist bei Nüssen (Mandeln, Haselnüs-
se, Pistazien), Gewürzen (Vanille, Zimt usw.)
oder Kuvertüre. Milchprodukte (Milch, Sahne,
Mascarpone usw.) und Eier sollten Bioqualität
haben. Zitrusfrüchte, von denen du den Abrieb
verwendest, sollten unbehandelt sein. Bei
Früchten lohnt es sich auch, auf hervorragende
Qualität zu achten, darüber hinaus bei Frucht-
säften, die einen geringen Zuckeranteil haben
sollten, bei denen der Fruchtgeschmack nicht
verloren geht. Wir empfehlen die Produkte von
Van Nahmen. Für vegane Buttercremes emp-
fehlen wir Alsan.
Wie lange im Voraus sollte ich mit den
Vorarbeiten beginnen?
Wir haben dir detailliert angegeben, wann
welcher Bestandteil vorbereitet werden muss.
Dazu verwenden wir die Angaben »2 Tage
vorher« »Am Vortag« und »Am Tortentag«, das
ist der Tag, an dem die Torte verzehrt wird.
Das heißt, du kannst auf den ersten Blick er-
kennen, wann du starten musst, damit alles
rechtzeitig fertig wird.
Dennoch kannst du bestimmte Einzelbestan-
teile wie Böden, Cremes, Chantillys, Mousses
oder Schokoladen-Dekore bis zu einer Woche
früher vorbereiten. Angaben dazu findest du
unter den Tipps beim jeweiligen Rezept. Ziel
ist es, am Tortentag möglichst wenig Stress
zu haben. Bei manchen Böden (z. B. Schoko-
Mandel-Boden auf S. 188) backen wir grund-
sätzlich mindestens zwei Stück, da sie recht
fragil sind und schon mal brechen können.
So hast du immer einen weiteren Boden in
Reserve, um für alle Fälle gerüstet zu sein.
Wie lange kann so eine Torte auf dem Büfett
stehen?
Das kommt immer auf die Außentemperatu-
ren an. Im Sommer auf keinen Fall länger als
40–45 Minuten, um die Kühlkette zu wahren.
Im Winter eventuell länger. Allerdings kommt
es auch immer auf die Art der Torte an – eine
Moussetorte zum Beispiel wird sich im Gegen-
satz zum Cheesecake schneller auflösen.
Grundsätzlich gilt: Wenn man auch am nächs-
ten Tag noch etwas von der Torte haben
möchte, sollte man auch auf dem Büfett lieber
jemanden mit der Aufgabe betrauen, jedem
ein Stück aufzutun und die Torte dann direkt
wieder zu kühlen. Wir nutzen Styroporboxen,
in denen so eine Torte auch mal bis zu 8 Stun-
den außerhalb der Kühlung stehen bleiben
kann, diese sind jedoch recht kostenintensiv;
die Anschaffung lohnt unserer Meinung nach
erst, wenn du wirklich regelmäßig größere Tor-
ten zu besonderen Gelegenheiten herstellst.
Welcher Durchmesser bzw. wie viele Stock-
werke ergeben etwa wie viele Stücke?
Die folgenden Angaben sind grobe Richtwerte:
Durchmesser 16 cm/12–13 cm Höhe
Durchmesser 18 cm /12–13 cm Höhe
Durchmesser 20 cm/12–13 cm Höhe
12
Schnelle
Dekoideen
Ganz besonders im Trend sind frische Blüten,
Kräuter oder Kresse als schnelle und effektvolle
Dekore ohne Aufwand. Sie sind nicht nur wun-
derschön anzuschauen, sondern häufig auch
günstig – wenn man sich zum Beispiel am eige-
nen Kräutergarten bedient. Hornveilchen, spe-
zielle essbare Röschen, Kapuzinerkresse oder
Minze, Rosmarin und Thymian sind nur einige
Beispiele. Werde kreativ und nutze einfach,
was die Natur dir schenkt. Insbesondere bei
Blüten solltest du aber immer checken, ob sie
auch essbar und nicht giftig sind.
Wenn du die zarten Blüten länger haltbar ma-
chen und zum Beispiel auch im Winter darauf
zurückgreifen möchtest, kannst du die Blüten-
blätter von beiden Seiten dünn mit Eiweiß
bestreichen und anschließend mit Zucker be-
streuen. Breite sie auf einem Blech oder Gitter
aus und lasse sie gut durchtrocknen. In einer
luftdicht verschließbaren Dose sind sie sehr
lange haltbar.
Hast du temperierte Kuvertüre übrig, kannst du
dir daraus super schnell gut haltbare Dekore
herstellen. Fülle die flüssige Kuvertüre in einen
Spritzbeutel. Gib zum Beispiel Kokosraspel,
Pistaziengrieß, gecrushte Kakaonibs oder Zu-
cker in eine flache Schale, drücke Mulden in
gewünschter Form oder auch Rillen hinein. Die
Schokolade eindressieren, fest werden lassen,
ausformen – fertig. Am besten ebenfalls luft-
dicht aufbewahren.
Noch schneller: (Anlassbezogene) Streusel
bekommst du bei Superstreusel, Silber- und
Goldpuder, Blattgold oder -silber im Kondito-
renbedarf und schicke Tortenaufsätze zum
Beispiel bei Etsy.
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Ideen für Reste aus
der Tortenbackstube
CAKE POPS
380 g Kuchenreste
120 g Frischkäse
Abrieb von 1 Bio-Zitrone
20 g gemahlene Haselnüsse
300 g Zartbitterkuvertüre
30 g Kokosfett
Krokant, Nüsse, getrocknete Blüten
für die Dekoration
· Die Kuchenreste mit Frischkäse, Zitronenab-
rieb und Nüssen verkneten. Ist die Masse zu
trocken, noch etwas mehr Frischkäse unter-
kneten. Aus dem Teig gleichmäßig große
Kugeln formen und etwa 1 Stunde kühlen.
Nach Belieben Stiele hineinschieben.
· Die Kuvertüre hacken. Mit dem Kokosfett
über einem warmen Wasserbad schmelzen.
· Die gekühlten Kugeln in die Glasur tauchen,
auf Backpapier legen und trocknen lassen.
Die Kugeln nach Belieben mit Krokant, Nüs-
sen oder getrockneten Blüten bestreuen.
RUMKUGELN
280 g Kuchen- oder Biskuitreste
60 g gemahlene Mandeln
5 EL brauner Rum
40 g Puderzucker
100 g weiche Butter
2 EL Kakaopulver
Schokostreusel für die Dekoration
· Alle Zutaten in einer Schüssel verkneten. Aus
dem Teig gleichmäßig große Kugeln formen
und in den Schokostreuseln wälzen. Kalt stel-
len und servieren.
VARIANTE: GRANATSPLITTER
Mürbeteigreste
Rumkugelmasse
300 g Zartbitterkuvertüre
30 g Kokosfett
· Den Backofen auf 160 °C vorheizen, ein Back-
blech mit Backpapier belegen. Den Mürbe-
teig ausrollen und Kreise (Ø 6–8 cm) aus-
stechen. Auf das Blech legen und im Ofen
(Mitte) 6–8 Minuten backen. Herausnehmen
und auskühlen lassen. Auf den Böden mit
der Rumkugelmasse Türmchen formen. Die
Splitter etwa 1 Stunde kühlen.
· Die Kuvertüre hacken. Mit dem Kokosfett
über einem warmen Wasserbad schmelzen.
· Die Splitter auf ein Kuchengitter stellen und
mit der Glasur überziehen.
VANILLEZUCKER
1 ausgeschabte, getrocknete Vanilleschote
100 g Zucker
· Die Vanilleschote grob zerkleinern. Mit dem
Zucker in einen Mixer geben und pulverfein
zerkleinern.
· Den Vanillezucker in einem Weckglas lagern.
TIPP
· Ausgeschabte Vanilleschoten sind viel zu
schade zum Wegwerfen, denn sie sind wun-
derbare Aromageber. Also einfach in Kom-
potts und Fruchtragouts mitkochen, danach
abspülen, gut trocknen und für Vanillezucker
verwenden.
14
ALLE TORTEN
IM ÜBERBLICK
S. 18
S. 22
S. 26
S. 30
S. 36
S. 40
S. 46
S. 50
S. 54
S. 58
S. 62
S. 66
S. 70
S. 76
S. 82
S. 88
S. 94
S. 100
S. 106
S. 112
S. 118
S. 124
S. 130
S. 136
S. 140
S. 144
S. 150
S. 154
S. 160
S. 164
S. 168
S. 172
S. 176
S. 180
S. 186
S. 190
S. 196
S. 200
S. 206
S. 210
Unser Goodie
für dich
S. 216
S. 222
QR-Code
QR-Code
Haselnuss mit
Kirsche, Vanille
& Thymian
18 cm Durchmesser
12 cm Höhe
Zubereitungszeit: 2 Stunden 10 Minuten
Kühlzeit: etwa 24 Stunden
Backzeit: 40 Minuten
ZUSAMMENSETZUNG TORTE
Haselnuss-Financier
Thymian-Vanille-Chantilly
Kirsch-Vanille-Kompott
Thymian-Vanille-Pudding
Haselnuss-Praliné
DEKORATION
karamellisierte Haselnüsse
2 Lochtüllen (Ø 8 mm und 13 mm)
1 verstellbarer Tortenring
(Ø 18 cm, 15 cm hoch)
Tortenrandfolie
BITTE VORBEREITEN
1 runde Backform (Ø 18 cm)
3 Spritzbeutel
2 TAGE VORHER
THYMIAN-VANILLE-CHANTILLY
2 Blatt Gelatine
100 g weiße Kuvertüre
10 g Thymian
100 g Sahne
20 g brauner Rohrzucker
Mark von 1 Vanilleschote
300 g kalte Sahne
· Für die Thymian-Vanille-Chantilly die Gela-
tine 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen.
· Die Kuvertüre klein hacken und in ein hohes
Gefäß geben. Den Thymian waschen und
trocken schütteln.
· Die 100 g Sahne mit Zucker, Vanillemark und
Thymian in einem Topf aufkochen. 10 Minuten
ziehen lassen, dann durch ein Sieb passieren.
· Die aromatisierte Sahne nochmals erhitzen
und die ausgedrückte Gelatine darin auflö-
sen. Über die Kuvertüre gießen und alles mit
einem Stabmixer zu einer glänzenden Masse
verrühren.
· Dann 300 g kalte Sahne zugeben und glatt
verrühren.
· Die Chantilly abgedeckt über Nacht kühlen.
18
AM VORTAG
HASELNUSS-PRALINÉ
250 g Haselnusskerne
100 g Zucker
30 g Wasser
· Für das Haselnuss-Praliné den Backofen auf
160 °C vorheizen. Die Haselnüsse auf einem
Backblech ausbreiten und im Ofen (Mitte)
10–15 Minuten rösten. Herausnehmen und
auskühlen lassen.
· Inzwischen Zucker und Wasser in einem Topf
vermischen. Den Zucker bei schwacher Hitze
ohne Umrühren schmelzen und goldbraun
karamellisieren lassen.
· Den Karamell auf Backpapier gießen und
vollständig auskühlen lassen. Dann in kleine
Stücke brechen.
· Karamellstücke und Haselnüsse in einem
Mixer zu einer feinen Paste pürieren.
· Die Paste in einen Spritzbeutel füllen.
TIPP
· Eine zu kleine Menge Haselnuss-Praliné lässt
sich im Mixer kaum fein pürieren. Daher sind
die Zutatenmengen hier größer berechnet
als für die Torte benötigt. Das übrige Hasel-
nuss-Praliné in ein Schraubglas füllen und
bis zur weiteren Verwendung im Kühlschrank
lagern. Schmeckt auch sensationell auf einer
Scheibe Hefezopf.
HASELNUSS-FINANCIER
150 g Butter, plus mehr für die Form
100 g Weizenmehl (Type 405),
plus mehr für die Form
1 TL Backpulver
250 g Zucker
· Die Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze
schmelzen.
einfetten und mit Mehl ausstäuben. Über-
schüssiges Mehl aus der Form klopfen.
· Mehl, Backpulver, Zucker, Haselnüsse und
Salz in einer Schüssel vermischen.
· Die Masse in die Form füllen und im Ofen
(Mitte) etwa 40 Minuten backen.
· Aus dem Ofen nehmen und auskühlen
lassen.
KIRSCH-VANILLE-KOMPOTT
50 g Kirschpüree (von Boiron)
10 g Vanillepuddingpulver
75 g Kirschsaft
25 g Zucker
Mark von ½ Vanilleschote
5 g Ascorbinsäure
100 g blanchierte gemahlene Haselnüsse
1 Prise Salz
250 g Eiweiß
· Für den Haselnuss-Financier den Backofen
auf 190 °C vorheizen. Die Backform mit Butter
20
· Zuerst die geschmolzene Butter mit den
Rührbesen des Handrührgeräts einrühren,
dann das Eiweiß einrühren.
200 g Kirschen (frisch oder TK; entsteint)
· Für das Kirsch-Vanille-Kompott alle Zutaten,
bis auf die Kirschen, in einem Topf unter
ständigem Rühren aufkochen.
· Die Kirschen zugeben und nochmals auf-
kochen.
· Das Kompott mit Frischhaltefolie abgedeckt
auskühlen lassen, danach kalt stellen.
THYMIAN-VANILLE-PUDDING
Fertigstellung
125 g Milch
125 g Sahne
Mark von ½ Vanilleschote
40 g Zucker
10 g Thymian
50 g Eigelb
20 g Vanillepuddingpulver
· Für den Thymian-Vanille-Pudding Milch,
Sahne, Vanillemark und Zucker in einem Topf
aufkochen.
· Den Thymian waschen, trocken schütteln
und zufügen. Alles 10 Minuten ziehen lassen.
· Die aromatisierte Milchmischung durch ein
Sieb passieren und wieder aufkochen.
· Inzwischen Eigelb und Puddingpulver in einer
Schüssel mit dem Schneebesen verrühren.
· Die kochende Milchmischung nach und nach
unter Rühren zur Eigelbmischung gießen.
· Zurück in den Topf geben und den Pudding
unter ständigem Rühren nochmals etwa
1 Minute köcheln und andicken lassen.
· Den Pudding durch ein Sieb streichen und
abgedeckt bei Raumtemperatur abkühlen
lassen. Danach etwa 1 Stunde kühlen.
KARAMELLISIERTE HASELNÜSSE
100 g Haselnusskerne
100 g Zucker
50 g Wasser
· Für die karamellisierten Haselnüsse alle
Zutaten in einer Pfanne aufkochen und unter
ständigem Rühren bei mittlerer Hitze ein-
kochen, bis der Zucker trocken wird.
· Weiterrühren, bis der Zucker wieder leicht
zu schmelzen beginnt und die Haselnüsse
glänzend überzieht.
· Die heißen Nüsse auf Backpapier auskühlen
lassen. Bis zur Verwendung luftdicht aufbe-
wahren.
· Vom Herd nehmen und noch etwas weiter-
rühren, damit das Eigelb im heißen Pudding
nicht gerinnt.
· Die Thymian-Vanille-Chantilly mit den Rühr-
besen des Handrührgeräts aufschlagen und
in einen Spritzbeutel mit 13-mm-Lochtülle
füllen.
· Den Thymian-Vanille-Pudding mit einem
Schneebesen glatt rühren und in einen
Spritzbeutel mit 8-mm-Lochtülle füllen.
· Den Haselnuss-Financier aus der Form lösen
und zweimal waagerecht durchschneiden.
· Zum Zusammensetzen der Torte den Torten-
ring mit Tortenrandfolie auslegen und den
ersten Boden hineinsetzen.
· Die Thymian-Vanille-Chantilly außen kreis-
förmig aufdressieren. Eine Lücke für die
Kirschen lassen, dann den Thymian-Vanille-
Pudding kreisförmig aufspritzen.
· Die Zwischenräume mit Kirsch-Vanille-Kom-
pott füllen.
· Die Haselnuss-Praliné kreisförmig in die
Cremes spritzen.
· Nochmals eine Lücke lassen und mittig einen
kleinen Kreis Thymian-Vanille-Chantilly auf-
dressieren.
· Den zweiten Boden auflegen, andrücken und
das Aufdressieren ebenso wiederholen.
· Den dritten Boden daraufsetzen. Die Torte
abgedeckt über Nacht kalt stellen. Die übrige
Thymian-Vanille-Chantilly ebenfalls kühlen.
AM TORTENTAG
· Die restliche Thymian-Vanille-Chantilly auf
der Torte verstreichen.
Dekoration
karamellisierte Haselnüsse
· Zum Ausgarnieren der Torte die karamelli-
sierten Haselnüsse flächendeckend auf der
Chantilly verteilen.
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Gebackene Banane
mit Salzkaramell
& Milchreis
20 cm Durchmesser
9 cm Höhe
Zubereitungszeit: 2 Stunden 20 Minuten
Kühlzeit: etwa 12 Stunden
Garzeit: 2–3 Stunden
Backzeit: 40 Minuten
ZUSAMMENSETZUNG TORTE
Salzkaramell-Ganache
Dulce de Leche
Bananenragout
Milchreispüree
Bananenbrot
Rumtränke
Milchreis
DEKORATION
Puffreis
BITTE VORBEREITEN
1 runde Backform (Ø 20 cm)
2 Spritzbeutel
1 Tortenring (Ø 20 cm)
AM VORTAG
BANANENBROT
135 g Zucker
75 g Eier
Mark von 1 Vanilleschote
40 g Pflanzenöl
40 g Milch
165 g Bananen, fein zerdrückt
135 g Weizenmehl (Type 405),
plus mehr für die Form
30 g Roggenmehl
4,5 g Backpulver
1 Prise Salz
Butter für die Form
· Für das Bananenbrot den Backofen auf
170 °C Umluft vorheizen. Die Backform mit
Butter einfetten und mit Mehl ausstäuben.
Überschüssiges Mehl aus der Form klopfen.
· Zucker, Eier und Vanillemark in der Küchen-
maschine mit Rühraufsatz aufschlagen, bis
die Masse weiß ist.
· Weiterschlagen und dabei das Öl in einem
dünnen Strahl in die Zucker- Eier -Mischung
laufen lassen.
· Nacheinander Milch und Bananenpüree
ebenso einarbeiten.
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· Beide Mehlsorten, Backpulver und Salz
mischen und zügig unter die Masse heben.
· Die Masse in die Form füllen und im Ofen
(Mitte) etwa 40 Minuten goldbraun backen.
TIPP
· Die Bananen für das Püree am besten
1–2 Wochen reifen lassen. So entfalten sie
ihren vollen Geschmack und machen das
Bananenbrot aromatischer.
DULCE DE LECHE
1 Dose gezuckerte Kondensmilch (400 g)
· Für die Dulce de Leche die Kondensmilch-
dose in einen Topf stellen und diesen bis
2 cm über den Dosenrand mit Wasser füllen.
· Die Dulce de Leche in einer Schüssel glatt
rühren und in einen Spritzbeutel füllen.
MILCHREIS
600 g Milch
120 g Risottoreis (Carnaroli)
Mark von 1 Vanilleschote
60 g Honig
· Für den Milchreis 500 g Milch in einem Topf
aufkochen. Reis, Vanillemark und Honig ein-