Trail-Männer - G.F. Barner - E-Book

Trail-Männer E-Book

G. F. Barner

0,0

Beschreibung

Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. Der Zug Nummer 173 zieht durch die Nacht. Der stählerne Schienenstrang liegt im fahlen Laternenlicht. Und Gord, der aus dem Fenster nach vorn blickt, sieht die Strecke vor sich. Sie fahren auf der Station Kruse an der Houston and Austin Central Rail Road zu. Gord sieht plötzlich eine Laterne. Es ist die rote Warnsignal-Laterne, die im Kreis geschwungen wird. »Halt!« japst Gord scharf und bringt mit seinen Worten den Heizer dazu hochzufahren. »Halt, verdammte Geschichte, das Warnsignal!« Der Zug hat zwar nicht mehr als 35 Meilen Stundengeschwindigkeit, aber nun muß er nach knapp 200 Yards zum Stehen gebracht werden. Gord legt die Bremse ein. Der Heizer ist hoch, hält sich am Griff des Reglers fest und wird trotzdem nach vorn geworfen, als die Bremsen greifen. In einem Wagen stürzt ein Sattel herab und einem Mann genau auf den Kopf. Dann fliegt der Mann gegen ein Mädchen von etwa 19 Jahren und braucht einige Sekunden, ehe er sich wieder aufraffen und entschuldigen kann. Dann vernimmt man das Geschrei des kleinen Mannes, der in der Ecke gesessen hat. Der kleine dicke Mann ist nicht mehr da. Er ist vom Sitz nach vorn geschleudert worden. Zach Yonker bückt sich, faßt den kleinen Mann am Hosenbund und zieht ihn hoch. In nächsten Augenblick gibt es einen Ruck. Der Mann fliegt nach vorn und landet zu seinem Glück auf der Bank.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



G.F. Barner – 279 –Trail-Männer

G.F. Barner

Der Zug Nummer 173 zieht durch die Nacht. Der stählerne Schienenstrang liegt im fahlen Laternenlicht. Und Gord, der aus dem Fenster nach vorn blickt, sieht die Strecke vor sich.

Sie fahren auf der Station Kruse an der Houston and Austin Central Rail Road zu.

Gord sieht plötzlich eine Laterne.

Es ist die rote Warnsignal-Laterne, die im Kreis geschwungen wird.

»Halt!« japst Gord scharf und bringt mit seinen Worten den Heizer dazu hochzufahren. »Halt, verdammte Geschichte, das Warnsignal!«

Der Zug hat zwar nicht mehr als 35 Meilen Stundengeschwindigkeit, aber nun muß er nach knapp 200 Yards zum Stehen gebracht werden.

Gord legt die Bremse ein. Der Heizer ist hoch, hält sich am Griff des Reglers fest und wird trotzdem nach vorn geworfen, als die Bremsen greifen.

In einem Wagen stürzt ein Sattel herab und einem Mann genau auf den Kopf. Dann fliegt der Mann gegen ein Mädchen von etwa 19 Jahren und braucht einige Sekunden, ehe er sich wieder aufraffen und entschuldigen kann.

Dann vernimmt man das Geschrei des kleinen Mannes, der in der Ecke gesessen hat.

Der kleine dicke Mann ist nicht mehr da. Er ist vom Sitz nach vorn geschleudert worden.

Zach Yonker bückt sich, faßt den kleinen Mann am Hosenbund und zieht ihn hoch.

In nächsten Augenblick gibt es einen Ruck. Der Mann fliegt nach vorn und landet zu seinem Glück auf der Bank. Selbst Zach, der ähnliche Situationen kennt und sich eingestemmt hat, kommt dem blonden Mädchen bedenklich nahe. Das Mädchen lächelt, als er beinahe auf ihrem Schoß landet.

Aber das Lächeln erlischt schlagartig, denn der kleine dicke Bursche sagt plötzlich schrill: »Oh, mein Gott, ein Überfall – ein Überfall, mein Geld!«

Die vier Personen in diesem Abteil sehen sich an, dann blicken sie auf die fünfte Person, eben den Dicken. Der saust auf seine Tasche zu, die auch am Boden liegt, reißt sie auf und fährt mit beiden Händen hinein. Er zieht einen prallen, sehr schweren Geldbeutel heraus, sieht sich um, als suche er nach einem Versteck und bückt sich unter den Sitz.

Noch immer sagt niemand ein Wort. Sie beobachten nur den kleinen Dicken, der mit affenartiger Geschwindigkeit seinen Geldbeutel unter dem Sitz versteckt und sich dann hinsetzt.

»Ich hab’ das schon einmal mitgemacht«, sagt er jammernd, als er die Blicke der anderen bemerkt. »Sie werfen einen Baum oder sonst etwas auf die Schienen. Oh, Allmächtiger, wir werden langsamer, wir halten gleich. Und dann kommen sie herein, haben ein Schießeisen und wollen Geld.«

Er blickt Zach Yonker an und entdeckt einen schweren großkalibrigen Revolver, der in Yonkers Halfter steckt.

»Moment«, sagt Zach seelenruhig und sieht sich um. »Gehen Sie einmal vom Fenster weg, mein Freund!«

Der Mann, wahrscheinlich ein älterer Farmer, der mit dem Mädel zusammen in Houston eingestiegen ist, räumt hastig, vielleicht auch in der Furcht vor einer hereinfliegenden Kugel, den Fensterplatz und setzt sich dicht neben das Mädchen.

»Onkel, meinst du, daß…«

»Ich weiß nicht«, erwidert der Farmer und sieht auf Zach Yonker. »Es ist alles ruhig, Kind. Mister, kannst du etwas sehen?«

Zach steht schon am Fenster, öffnet es mit einem Ruck und hört den kleinen Dicken entsetzt sagen: »Sie schießen herein, sie schießen!«

»Wer?« fragt Zach kühl. »Der Zug hält. Dort vorn steht ein Mann von der Bahn. Er winkt mit der Laterne. Keine Banditen zu sehen, mein Freund.«

»Lea, bist du das?« kommt es von der Maschine her. »Warum winkst du denn, Mann?«

»Der Hang!« ruft der Mann, der aus der Dunkelheit mit seiner roten Laterne herangelaufen kommt. »Der Regen hat den Hang ausgewaschen, eine Menge Geröll liegt auf den Gleisen. Jemand ist vor einer Stunde vorbeigeritten und hat es aus purem Zufall gesehen. Mein Gott, wenn ihr mitten in die Steine gefahren wäret! Gord, setz’ langsam vor, leuchten kann ich mit der Laterne doch nicht genug, du wirst es gleich sehen.«

Er springt auf die Maschine, während der Zug langsam wieder anrollt. Einige Leute, die neugierig von der Plattform gestiegen sind, haben keine große Mühe, den langsam fahrenden Zug wieder zu erreichen. Dann sehen sie auch schon, fast jedes Fenster ist nun offen, den Steilhang und das Geröll, das herabgestürzt ist.

Der Hang, im Licht der drei Zuglampen deutlich zu erkennen, besitzt eine überhängende Kante. Das Erdreich ist herabgestürzt. Steine und ein größerer Felsblock liegen auf den Schienen.

Die Leute steigen aus dem Zug. Der kleine dicke Mann im Abteil rafft sich auf, er blickt keinen der anderen an, sondern bückt sich und holt seinen Geldbeutel mit einem verlegenen Gemurmel wieder hervor. Aus dem Packwagen kommen nun zwei Leute der Houston and Austin-Bahngesellschaft mit Schaufeln.

Zach Yonker, der immer noch aus dem Fenster blickt, sieht kurz auf den Stein, der in der Größe eines dicken Fasses den Schienenstrang blockiert, und steigt dann aus.

Langsam geht Zach Yonker an der Seite den Hang hinauf. Oben angekommen, blickt er auf den Boden und sieht die Spuren von einem halben dutzend Männern und Pferden. Er weiß nur zu gut, daß der Zug entgleist sein würde, wenn nicht einer der Männer rechtzeitig zur Station geritten wäre. Die Pferde hier haben nahe an der Kante gehalten.

Hinter Zach kommen noch mehr Leute herauf, die den Fortgang der Schaufelarbeiten unten betrachten und sich in den wildesten Vermutungen über ihre glückliche und zufällige Rettung ergehen.

Zach hört gar nicht mehr zu, er geht nach unten. Dort bemüht sich ein Dutzend Leute, den großen Stein zu bewegen, vorerst jedoch ohne Erfolg. Männer krempeln ihre Hemdärmel hoch und fassen mit an, der Stein aber rührt sich nicht vom Fleck.

Weiter hinten, vom Ende des Zuges her, nähern sich immer noch jene Leute, die bei jedem Unglück aus Neigierde zusehen müssen.

*

Jenseits des Hügels, dicht hinter den Büschen, halten vier Mann. Einer hat drei Pferde an den Leinen, sitzt selbst auf einem Gaul und sieht die anderen an, die abgestiegen sind.

Die Nacht in diesem März ist lau.

Die drei Männer blicken auf den Zug, dann sagt der auf dem Pferd träge: »Es wird Zeit, Freunde.«

»Du sagst es«, murmelt der eine der drei halblaut. »Sie werden noch eine Weile zu tun haben, ehe sie den dicken Brocken von den Schienen bekommen, wie? Wir müssen den Mann erst finden. Hoffentlich dauert es keine Ewigkeit, bis wir ihn entdeckt haben.«

»Wenn man ihn wenigstens schon einmal gesehen hätte«, brummt sein Nebenmann. »Alles, was wir von ihm kennen, ist seine Beschreibung. Es ist warm, was? Vielleicht hat er seine Lederjacke ausgezogen?«

»Er trägt immer – wenigstens sagt man das – gelbe Hemden. Und die Sporen:«

»Wenn sie aus Silber sind, dann ist er sie los, ehe wir ihn…«

»Er trägt einen US-Trubia«, sagt ein Mann nasal. »Das Schießeisen ist selten, wir werden ihn schon allein an seinem Revolver erkennen können. Sieh dir die Narren an, sie stecken zum Teil auf dem Hang. Hoffentlich geht es ihnen nicht wie dir, daß sie mal abrutschen und den Hang hinunterpurzeln, was? Wenn die wüßten.«

Er lacht. Die anderen kichern. Nur der Mann auf dem Pferd lächelt kaum merklich.

»Es wird höchste Zeit«, sagt er scharf. »Geht wie harmlose Reisende zu dem Zug und mischt euch unter die anderen Fahrgäste. Und vergeßt nicht, ihr werft ihn erst aus dem Zug, wenn er fährt! Sagt ihm, daß es eine Warnung ist!«

Der Mann mit der nasalen Stimme sieht ihn kurz an und schüttelt den Kopf.

Der Mann ist gefährlich, weil er klein ist. Er ist sicher sogar gefährlicher als die beiden anderen. Bei ihnen ersetzt die Muskelkraft den Verstand. Und er hat Verstand genug, um trotz seiner schnellen Hände immer noch am Leben zu sein.

Als er seine Gabe, einen Revolver schneller als die meisten anderen ziehen und abzufeuern, entdeckt hat, war er 16 Jahre alt. Zu der Zeit tobte noch der Krieg. Und nun ist er 32 und lebt immer noch, obwohl manche ihm einen frühen Tod vorausgesagt haben.

»Hör’ zu, Will«, sagt er nasal und sehr leise. »Warum erst warnen? Er wird sich nicht warnen lassen.«

»Der Boß will keine Sache dieser Art!«

»Er ist gefährlich, warum nur herabwerfen und weiter nichts?«

»Weil es so bestimmt worden ist! Zerbrich dir darüber deinen Kopf nicht, mein Freund. Geht einer deiner Revolver aus Versehen los, dann erlebst du einige Dinge. Er soll nur eine Warnung bekommen, mehr nicht.«

Er geht los, der kleine, sehr schlank wirkende Mann, der etwas verwachsen zu sein scheint. Man kennt ihn hier kaum, er arbeitet sonst mehr am Missouri und dem Mississippi. Und wenn er nicht zufällig am Sabine River jemanden gesucht hätte, er würde sich mit so kleinen Dingen nicht aufhalten.

Er geht jetzt vor den anderen. Sie, die hinter ihm kommen, sind groß und mächtig breit in den Schultern.

Jeder der drei blickt aufmerksam auf die Männer, die in Gruppen oder einzeln am Zug entlanggehen oder auf den Plattformen stehen. Scheinbar uninteressiert und doch wachsam wie selten, so kommen sie immer weiter den Zug entlang und erreichen die Maschine.

Am Tender bleiben sie stehen. Hier ist es hell. Der Schein der Zuglampen leuchtet die Unglücksstelle an, beleuchtet den Stein, die keuchenden Männer an ihm und den Hang.

Der kleine Mann weicht tiefer in den Schatten zurück. Er sieht den Mann mit dem Revolver und stößt den rechts neben ihm stehenden gro­ßen Burschen an.

»Das ist er, er hat ein gelbes Hemd.«

»Ein gelbes Hemd«, wiederholt der andere. »Aber das ist kein Trubia!«

»Es ist einer. Der Hammersteg ist abgefeilt worden, darum täuscht du dich auch. Kennt ihr den Burschen?«

»Gehört haben wir von ihm, gesehen haben wir ihn noch nie. Er hat seinen letzten Trail vor drei Jahren gemacht und besitzt irgendwo am Neches eine Ranch. Damals war er der härteste Mann auf dem Trail. Dann hat er die Herde verloren, sie zurückerobert und dabei hat es seinen besten Freund erwischt. Er soll gesagt haben, daß die beste Herde keinen Freund ersetzen kann. Und darum hat er aufgehört.«

In diesem Augenblick wendet der Mann mit dem Trubia-Revolver den Kopf. Leute gehen vor ihm her, andere reden und erteilen gute Ratschläge. Der Mann mit dem Trubia sieht zwar einige Männer herumstehen, aber nichts an den dreien neben der Maschine verrät ihre Absicht.

»Hört auf!« ruft der Maschinist zornig und tritt wütend gegen den dicken Felsbrocken. »Da müßten wir Seile haben und ihn mit sechzig Menschen ziehen. Geht aus den Weg, ich muß es doch mit der Maschine versuchen.«

»Aber Gord, wenn du nun…«

»Wir werden eine dicke Schwelle nehmen«, sagt Gord. »Ich fahre heran, ihr stemmt die Schwelle gegen den Block und richtet sie gegen den Fänger. Der Fänger hält es schon aus.

»Der Fänger ist schräg«, gibt der Heizer zu bedenken. »Wir könnten umstürzen, Gord.«

»Nicht, wenn ich langsam anfahre«, brummt Gord mißmutig. »Ich sagte doch, wir stemmen eine Schienenschwelle gegen den Fänger. Also los, wer will halten?«

Drei Männer packen die eine Schwelle, die man aus dem Packwagen, in dem immer einige Schwellen, Nägel und Werkzeuge liegen. Sie tragen die Schwelle bis an den Block, während der Heizer die Maschine abkuppelt.

Der Mann mit dem Trubia-Revolver hilft den anderen, die Schwelle zu halten.

Und der kleine, etwas schief gehende Revolvermann stößt die anderen beiden an.

»Zurück«, sagt der Kleine leise. »Er braucht uns nicht zu sehen. Wenn er kommt und sie den Felsblock herunterbekommen haben sollten, geht vor ihm her. Paßt auf, daß ihr den Waggon erwischt, in den er gehen will. Ihr müßt vor ihm auf der Plattform sein. Ihr tretet zurück, als wolltet ihr ihn durch die Tür lassen. Ich bin dann hinter ihm und habe meinen Revolver. Dann kommt er nie mehr in den Waggon, verstanden?«

»Ja«, knurrt der große, breitschultrige Bursche neben ihm. »Er entwischt uns schon nicht.«

Die Maschine stößt den Block nach wenigen vergeblichen Versuchen doch noch von den Schienen. Männer lachen zufrieden. Die Leute hasten los, sie gehen zu den Wagen zurück.

Haymes steht still. Er sieht die beiden anderen an und sagt zischend: »Geht los, stellt euch an den nächsten Waggon und redet miteinander.«

Sie gehen los. Er ist allein und bückt sich, als hätte er etwas verloren. Er hat eine lange Jacke an, die weit herabhängt und lose seinen etwas verwachsenen Oberkörper umhüllt.

Da kommen sie.

Er sieht den Heizer, der dem Mann mit dem Trubia-Revolver die Hand schüttelt.

»Ach, es ist doch nichts«, sagt der Große mit dem Trubia träge. »Dann wollen wir weiter, was? Ich muß in der Frühe in Austin sein, ich werde erwartet.«

Er kommt, denkt Haymes. Und plötzlich bekommt er jenes böse Gefühl, das er allen großen Männern gegenüber hat. Er kommt nicht zu dieser Zeit nach Austin!

Dann richtet er sich auf. Und wer ihn sieht, der wird ihn nicht für den Banditen und Buschräuber Haymes halten, der wird einen kleinen harmlosen Mann sehen.

Unter die Jacke kann keiner blicken, solange sie zugeknöpft ist.

Unter der Jacke stecken zwei Revolver. Sie sind wie die Zähne einer Klapperschlange – tödlich. Der kleine harmlose Mann läßt den anderen mit dem Trubia an sich vorbei. Dann richtet er sich auf und geht hinter ihm her.

Der Mann mit dem Trubia hat seine Jacke über dem linken Arm. Die Nacht ist lau. Er wird bei der Arbeit geschwitzt haben. Die Jacke, denkt Haymes, wird ihn behindern.

Und da bleibt der Mann unter einem Fenster des drittletzten Wagens stehen und sieht hoch.

In diesem Moment ruft der Zugbegleiter heiser: »Steigt alle ein, wir fahren ab! Leute, beeilt euch, wir fahren weiter! He, hinein da hinten!«

Der Mann mit dem Trubia ist stehengeblieben und sieht zu dem Fenster hoch, in dem ein älterer Mann neben dem blonden Mädel lehnt.

»Das ist noch einmal gutgegangen, was, Mister?« fragt der ältere Mann.

»Kann man sagen, das hätte das schönste Zugunglück geben können«, sagt Zach Yonker ruhig. »Nun, dann wollen wir.«

Er geht weiter. Er hat zwar aus den Augenwinkeln noch die beiden Männer auf die Plattform gehen sehen. Und er kann sich nicht erinnern, die beiden vorher im Wagen gesehen zu haben. Trotzdem mißt er dieser Tatsache kaum eine Bedeutung bei.

Er geht schnell, erreicht die beiden Trittbretter und steigt auf die Plattform.

Und dann sieht er die beiden Männer, die vor der Tür stehen. Der eine hat die Hand am Griff der Tür, der andere ist zurückgetreten, als wenn er Platz machen will, um den anderen nicht zu behindern, der ja die Tür aufziehen muß.

Ein Ruck geht durch den Zug, als Zach Yonker die Plattform betritt.

In dieser Sekunde hört er hinter sich das Schurren. Er sieht sich um, aber der kleine Mann ist schnell wie eine Klapperschlange und schon auf der Plattform genau hinter ihm

Aus der breiten, tiefen Rocktasche von Stuart Haymes kommt der Revolver herausgeschossen. Es ist eine einzige blitzschnelle und gekonnte Bewegung.

»Steh still, Yonker!« sagt der kleine Mann zischend und scharf. »Ich drücke ab, wenn du dich bewegst!«

Gleichzeitig läßt der eine der beiden großen Burschen die Türklinke los.

Der Zug wird schneller. Der kleine Mann sagt warnend: »Yonker, ich würde nichts versuchen. Du kannst austreten, aber dann geht die Kanone los!«

Was wollen die? denkt Zach erstaunt. Warum sind die Burschen hier? In dieser Sekunde fallen ihm die Spuren ein. Und plötzlich erkennt er klar und folgerichtig die Ursache, die zum Einsturz des Hanges geführt haben muß. Einer von ihnen muß sogar zu nahe an den Überhang herangeritten sein. Das Gewicht der Pferde und der ausgehöhlte Hang… Wenigstens haben sie noch die Station benachrichtigt, um kein fürchterliches Unglück zu verursachen. Oder?

Ja, denkt Zach, sie haben es absichtlich getan. Man wird sie in Kruses Station kennen, also haben sie es nicht gewagt, dort auf den Zug zu steigen. Hier wollen sie es tun, mitten auf der Strecke!

»Was wollt ihr?« fragt er scharf.

»Jemand will nicht, daß du nach Austin kommst und von dort aus nach San Antonio reitest, verstehst du? Du wirst umdrehen und nichts tun, wenn du klug bist. Dieses ist eine Befehl Yonker! Du wirst dich nicht um das kümmern, was die Leute in San Antonio von dir wollen. Du nimmst den nächsten Zug nach Osten, hast du verstanden?«

»Du glaubst doch nicht, daß ich es tun werde«, sagt Zach scharf. »Wer ist der Halunke, der einige Dinge verhindern will? Und wo habt ihr es erfahren?«

»Das ist Nebensache.«

Der kleine Mann zieht mit der rechten Hand den Revolver aus Zach Yonkers Halfter und wiegt die Waffe einen Augenblick in der Hand. Er kennt viele Waffen, und er hat oft während des Bürgerkrieges einen Trubia in der Hand gehalten. »Aber du wirst die Stadt nicht lebend verlassen, mein Freund! Dieses ist die letzte Warnung, eine andere…«

Zach Yonker hört nichts, dazu ist das Rattern der Zugräder zu laut.

Und dann sieht Zach einen Feuerblitz. Er spürt den stechenden Schmerz im Kopf, sieht die Gesichter vor sich in einer Wolke von Feuer verschwinden und knickt ein. Das Feuer ist fort, nur noch ein tiefes, dunkles Loch gähnt ihm entgegen.

Eine Faust trifft Yonker, schleudert ihn von der Plattform in das Dunkel hinein.

Er stürzt den kleinen Bahndamm hinab. Er verschwindet wie ein Schatten in der Dunkelheit, während der Lichtschein aus den Fenstern matt und huschend über die Sträucher am Bahndamm hinweggeht.

»Das war’s«, sagt der Große trocken. »Er wird es sich überlegen müssen, ob er jemandem hilft. Also, ’runter vom Zug!«

Der Zug fährt mit 15 Meilen Geschwindigkeit. Die Männer können gut abspringen und sie erreichen ihre Pferde und verschwinden in der Nacht.

*

Zach preßt die Hände an den Kopf, als er zu sich kommt.

Die sollen sich noch freuen. Wenn ich auch nur etwas Zeit habe, dann suche ich sie mir. Noch niemals hat ein Yonker einen Freund im Stich gelassen.

Einen Augenblick bleibt Yonker so stehen. Dann geht er weiter zu Schienen, weil es keinen Sinn hat, nach dem Revolver zu suchen. Die drei Banditen werden seinen Revolver behalten haben. Er kommt mit stechenden Schmerzen in der Schläfe zu der Erkenntnis, daß sein Sattel, sein Packen und sein Gewehr mit dem Zug bis nach Austin rollen werden. Dort wird man ihn entdecken und herausnehmen. Man wird den Namen am Sattel lesen und den Sattel mit den anderen Sachen aufheben. Vielleicht melden sich seine Mitreisenden, wenn sie ihn wirklich vermissen. Das Pferd im Transportwagen werden sie auch noch entdecken. Verrückte Sache, denkt Zacharias Yonker und schimpft leise vor sich hin.

Dann sieht er ein Blinken auf den Schienen und bückt sich. Er erkennt seinen Revolver, nimmt ihn hoch und lächelt verzerrt. Natürlich, sie haben sich ausgerechnet, daß er die Schienen entlanggehen würde. Natürlich, was denn sonst?

Vor ihm, in drei Meilen Entfernung, ist die Kruse-Station. Nun ja, sie haben einen Telegrafen, aber sie werden sich schon beeilen müssen, wenn sie die Nachricht nach Austin durchgeben wollen.

Zach geht auf den Schienen. Manchmal schimpft er verbissen vor sich hin. Er marschiert im gleichmäßigen Rhythmus.

Es ist noch keine Stunde vergangen, als er Licht vor sich schimmern sieht.