1. AUFLAGE
©
EDITION RAETIA, BOZEN 2017
WIR DANKEN DER MERANER MARKETINGGESELLSCHAFT (MGM)
FÜR DIE FREUNDLICHE UNTERSTÜTZUNG.
KORREKTUR: EX LIBRIS GENOSSENSCHAFT, BOZEN
GRAFIK UND UMSCHLAGGESTALTUNG: PHILIPP PUTZER, WWW.FARBFABRIK.IT
DRUCKVORSTUFE: TYPOPLUS, FRANGART
PRINTED IN EUROPE
ISBN PRINT: 978-88-7283-573-9
ISBN E-BOOK: 978-88-7283-382-7
ISBN MOBIPOCKET: 978-88-7283-457-2
UNSEREN GESAMTKATALOG FINDEN SIE UNTER WWW.RAETIA.COM.
DIE RECHTE DER ORIGINALREZEPTE LIEGEN BEI MORITZ SCHWIENBACHER.
Fotos von Rosa Schwienbacher (S. 4-22; 278; 288-289): Privatarchiv Moritz Schwienbacher
Alle Pflanzenbilder stammen von der Naturbildagentur Ruckszio, außer: S. 34 u. (Wikimedia Commons/Tigerente), S. 47 (Shutterstock/Iva Vagnero-
va), S. 54 u. (Wikimedia Commons/Tigerente), S. 92 u. (Wikimedia Commons/H. Zell), S. 108 (Shutterstock/Gala Kan), S. 167 (Shutterstock/dabjo-
la), S. 192 (Wikimedia Commons/Conrad Nutschan), S. 202 (Shutterstock/Dogoarpi), S. 207 o. (Shutterstock/ZoranKrstic), S. 212 o. (Wikimedia
Commons/Olivier Pichard), S. 212 u. (Shutterstock/Tamara Kulikova), S. 218 (Shutterstock/Mateo Gabrieli), S. 247 (Shutterstock/Cristina Annibali),
S. 255 (Shutterstock/grafvision), S. 259 (Shutterstock/hlphoto), S. 274 (Wikimedia Commons/Ivar Leidus)
Die Angaben zu den Kräutern in diesem Buch wurden sorgfältig geprüft. Herausgeber und Verlag lehnen jedoch jegliche Haftung für allfällige
Schäden, die sich aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier vorgestellten Informationen ergeben, ab. Die in diesem Buch enthaltenen Ratschläge
ersetzen nicht eine ärztliche erapie.
Gedruckt mit Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol (Abteilung Deutsche Kultur) und der Autonomen Region Trentino-Südtirol.
treiner
einer
Kräuterfrau
Hausmittel
ZITA MARSONER STAFFLER · MORITZ SCHWIENBACHER (HRSG.)
MORITZ SCHWIENBACHER
5
Das Leben und Wirken der Treiner Rosa
ZITA MARSONER STAFFLER
20
Die Rezeptsammlung der Treiner Rosa
ROSA SCHWIENBACHER, ZITA MARSONER STAFFLER
23
Rezepte der Treiner Rosa
24
Atemwege
36
Augen und Ohren
39
Bewegungsapparat
52
Blasen und Nieren
59
Blut und Gefäße
64
Fieber und Grippe
68
Frauenheilkunde
71
Genussmittel
74
Haut
98
Herz und Kreislauf
106
Hygiene und Kosmetik
107
Kinderheilkunde
112
Kopfschmerzen
116
Leber und Galle
121
Magen und Darm
149
Mund und Rachen
154
Nervosität und Nervenerkrankungen
164
Sonstige Beschwerden
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ZITA MARSONER STAFFLER
169
Kraut und Rüben
Heilpflanzen in den Rezepten der Treiner Rosa
ZITA MARSONER STAFFLER
233
Milch und Honig
Zutaten aus der Küche in den Rezepten der Treiner Rosa
ZITA MARSONER STAFFLER
251
Pech und Schwefel
Besondere Zusätze in den Rezepten der Treiner Rosa
ZITA MARSONER STAFFLER
261
Würmer und Schnecken
Kurioses in den Rezepten der Treiner Rosa
ZITA MARSONER STAFFLER
267
Gift und Galle
Giftige Zusätze in den Rezepten der Treiner Rosa
PETRA SCHWIENBACHER
279
Altes Heilwissen im Ultental
FRANZISKA SCHWIENBACHER
285
Vor dem Vergessen bewahrt:
altes Wissen in neuer Zeit
MORITZ SCHWIENBACHER
290
Das Ultental im Wandel der Zeit
298
REGISTER DER INDIKATIONEN
REGISTER DER PFLANZEN UND HEILMITTEL
LITERATUR
AUTORINNEN UND AUTOREN
IMPRESSUM
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
MORITZ SCHWIENBACHER
Das Leben und Wirken
der Treiner Rosa
Die Treiner Rosa war eine bodenständige, einfache Frau, die sich mit
ihrem Heilwissen im Ultental und weit darüber hinaus einen Namen
machte. Sie war meine Tante, die Schwester meines Vaters. Immer wenn
ich oder eines meiner Geschwister mit ihm nach Kuppelwies ging, kehr-
ten wir beim „Rösele“, wie unser Vater Rosa zu nennen pflegte, ein. Wir
Neffen und Nichten sahen immer zu, wie sie dem Vater Hustensirup,
Herzwein und Salben mitgab und ihm auftrug, alle Mittel fleißig und
regelmäßig zu nehmen, damit er ja gesund bleibe.
Diesen Dienst hat Tante Rosa aber nicht nur der Familie erbracht. Zahl-
reiche Hilfesuchende kamen zu ihr und holten sich Rat. Auch Rosa hatte
Zeit ihres Lebens gesundheitliche Probleme, bekam ihre Schmerzen aber
mit althergebrachten Hausmitteln halbwegs in den Griff. Vielleicht war
es ihr gerade deshalb so wichtig, ihren Mitmenschen zu helfen, wo sie
konnte.
Eine Kurzbiographie
Rosa Schwienbacher wurde am 20. Februar 1912 als achtes von neun
Kindern der Anna Staffler und des Matthäus Schwienbacher beim „Trei-
ner “ zu Oberhof in St. Moritz, einem Bergweiler im Ultental, geboren.
Rosa war ein sehr lebhaftes und energisches Kind. Die Schulzeit ver-
brachte sie in der Bergschule in St. Moritz. Wie die als Oberhausmut-
ter bekannte Maria Schwienbacher aus St. Walburg zu berichten wusste,
war Rosa eine sehr gute Schülerin. Das Lernen ist ihr leicht gefallen und
schon als junges Mädchen hat sie großes Interesse für Heilkräuter ge-
zeigt und viele verschiedene Kräuter gekannt. Bei Ausflügen hat sie sie
mit großer Begeisterung gesammelt.
Rosa war auch musikalisch talentiert. Schon früh trat sie dem Kirchen-
chor von St. Moritz bei. Sie und ihre Schwestern spielten auch in der
Kirche auf dem Harmonium.
Linke Seite: Anna Staffler,
die Mutter von Rosa
Schwienbacher
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Familienfoto von ca.
1918. Rosa steht in
der ersten Reihe ganz
links neben ihrem Vater
Matthäus Schwienbacher
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Am elterlichen Hof
Als ihr Vater starb, war Rosa erst 13 Jahre alt. Da ein Bruder bereits mit
vier Jahren verstorben war, gab es unter den verbleibenden acht Kindern
auf dem Oberhof nur noch einen Sohn, Matthias, und den Ziehsohn Willi
(Wilhelm Rassele). Die beiden waren nicht imstande, allein alle land-
wirtschaftlichen Arbeiten, die damals noch ohne Maschinen verrichtet
werden mussten, zu erledigen. Also mussten auch Rosa und ihre Schwes-
tern regelmäßig mithelfen – nicht nur bei der Arbeit im Haus, sondern
auch auf den Feldern, im Stall und im Wald.
Bei der Getreideernte erlitt Rosa dann einen folgenschweren Unfall. Sie
war damit beschäftigt, in der Futterscheune Getreidegarben auf Holz-
latten, die „Pirln“, zu stapeln, als sie ausrutschte und einige Meter auf
die darunterliegende Tenne stürzte. Sie zog sich dabei eine schwere Wir-
belverletzung zu. In der Hoffnung auf Linderung der starken Schmerzen
suchte sie in der Folge landauf, landab viele Ärzte auf. Schließlich ließ sie
sich in Meran von einem gewissen Dr. Kneringer an der Wirbelsäule ope-
rieren, obwohl die Gefahr einer Lähmung sehr groß war. „Gott sei Dank“,
pflegte sie später zu sagen, „sind mir keine größeren Lähmungen zurück-
geblieben, aber seither haben mich die gesundheitlichen Beschwerden
begleitet.“
Dennoch konnte sich Rosa nach dem Unfall viele ihrer Lebensträume
nicht mehr erfüllen. Sie stand nun vor der großen Frage: Wie kann ich
mein zukünftiges Leben gestalten? In dieser Phase des Suchens und
Nachsinnens brachte sie viel Zeit für die Pflege der inzwischen erkrank-
ten Mutter auf und öfters half sie bei der Schwester Walburga aus, die
viele Kinder zu versorgen hatte. Damals dachte Rosa auch darüber nach,
in ein Kloster zu gehen. Gleichzeitig waren jetzt Zeit und Gelegenheit ge-
kommen, Heilkräuter und Rezepte an sich selber auszuprobieren – und
das tat sie mit Erfolg.
Beim „Schmied auf der Gmuan“ in Kuppelwies
Es war der damalige Gemeindearzt von Ulten, Dr. Hans Padöller, der
Rosa den Rat gab, als Hauswirtschafterin beim „Schmied auf der
Gmuan“ in Kuppelwies zu arbeiten. Dr. Padöller, den sie hoch schätzte,
soll gesagt haben: „Für diese Aufgabe bist du genau die Richtige, nicht
zu viel und nicht zu wenig Arbeit, und von der Meereshöhe her ist die-
ser Platz viel besser für dich als der raue Grubberg.“
Trotz ihrer Bedenken, ob sie es in ihrem gesundheitlichen Zustand wohl
schaffen würde und ihre Kochkenntnisse ausreichen würden, sagte sie
schließlich zu. Von 1950 bis 1982 führte sie die Hauswirtschaft für den
ledigen Schmied Josef Preims und seinen ebenfalls ledigen Knecht Mat-
thias Preims, der die kleine Landwirtschaft betreute.
Mit dem Eintritt als Hauswirtschafterin beim „Gmuanschmied“ be-
gann für Rosa ein neuer Lebensabschnitt. Sie war die rechte Hand des
Rechte Seite: Rosa
(rechts) mit ihren
Schwestern eresia
(Mitte) und Elisabeth,
1929
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Schmieds, was er bis zu seinem Tode 1976 sehr zu schätzen wusste. In
gleicher Weise geschätzt wurde sie von Knecht Hias.
49-jährig heiratete Rosa den „Oberhofer Schneider“ Johann Schwienba-
cher aus St. Gertraud. Die Ehe blieb kinderlos. Der Hans ging anfangs
noch als Schneider in Ulten auf die Stör. Dabei gingen Handwerker wie
Schuster, Weber, Sattler, Stricker, Pfannenflicker und eben auch Schnei-
der von Hof zu Hof, um anstehende Handwerksarbeiten zu erledigen.
Mit ihm erhielt Rosa einen tatkräftigen Helfer, der sie bei der Haus- und
Gartenarbeit, aber auch bei der Heuarbeit unterstützte.
Das Gebet hatte für die beiden einen sehr hohen Stellenwert. Sie un-
ternahmen viele gemeinsame Wallfahrten und fuhren regelmäßig nach
St. Pauls, um die Schwestern im Zisterzienserinnenkloster „Mariengar-
ten“ zu besuchen. In ständigem Kontakt waren sie auch mit Hans' Bruder
in der Schweiz, Pater Hilarius, der ihnen regelmäßig die Sonntagpredig-
ten schickte.
Im Jahre 1958 übernahm Rosa zusätzlich zu der Arbeit als Wirtschafterin
die Pflege ihrer Tante und Patin Anna Schweighofer und von deren Ehe-
mann Josef Trafojer. Die „Putzerleute“, wie die beiden genannt wurden,
waren kinderlos geblieben und hatten beim Bau des Zoggler-Stausees ihr
Haus verloren. Damit der Stausee entstehen konnte, wurden über 20,
zum Teil jahrhundertealte Bauernhöfe und Häuser zerstört. Mit der fi-
nanziellen Ablöse der staatlichen Energiegesellschaft wurde 1965/66 das
heutige Dornhäusl errichtet, in dem die Putzerleute bis zu ihrem Tode
lebten. Später wurde es der Treiner Rosa zur Heimat.
Im Dornhäusl
Inzwischen hatte Alois Schwienbacher, der Neffe von Hans, die Bewirt-
schaftung des kleinen Hofes beim „Gmuanschmied“ übernommen. Rosa
und Hans zogen sich im Jahre 1982 in das selbst erbaute „Dornhäusl“, das
etwa fünf Gehminuten vom Schmied entfernt liegt, zurück. Auch der alte
Knecht Matthias Preims übersiedelte mit ihnen in das Dornhäusl. Dort
verbrachten sie noch 13 gemeinsame Jahre, bis Hans 1995 im Alter von
88 Jahren verstarb.
Nach dem Tod ihres Mannes – sie konnte sich ab dem Jahr 1995 nur noch
im Rollstuhl fortbewegen – hat Rosa noch einmal alle ihre Kräfte mobil
gemacht und alles Erdenkliche unternommen, um ihr Leben möglichst
selbstständig zu gestalten. Sie wollte anderen nicht zur Last fallen.
Sie hatte das große Glück, mit Moidl und Franz Gruber eine fleißige Mie-
terfamilie im Haus zu haben, die immer für sie da war, wenn sie Hilfe
brauchte. Öfters am Tag brachte sie Franz in das Gartenhäuschen, wo
sie noch Kräuter aussuchte oder mit den Leuten plauderte, die gerade zu
Besuch kamen. Moidl kümmerte sich neben der eigenen Arbeit auch um
den Haushalt, den Garten und Rosas Hühner. Mit Moidls Unterstützung
stellte Rosa noch öfters im Jahr Ringelblumen- und Pechsalben her. Geis-
Linke Seite: Rosa
und Hans im Kloster
Mariengarten
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
tig war sie so fit, dass sie den Leuten, die sie aufsuchten, oftmals ohne
nachzulesen, Rezepte aufschrieb oder diktierte. Neben der Tageszeitung,
die sie regelmäßig durchsah, las sie religiöse Zeitschriften und Bücher,
Kalender und Missionsblätter, die ihr von verschiedenen Hilfswerken
für die Spenden zugeschickt wurden.
Im Mai 1999 musste sich Rosa einer Darmoperation unterziehen. Ob-
wohl diese gut verlief, ging es Rosa danach zusehends schlechter. Drei
Monate dauerte der Aufenthalt in den verschiedenen Krankenhäusern
von Meran, bis sie wieder nach Hause kam. Sie war inzwischen zu einem
schweren Pflegefall geworden.
Um Rosas größten Wunsch zu erfüllen, nämlich zu Hause verbleiben zu
können, wurde ein aufwendiger Betreuungs- und Hilfsdienst organisiert,
der – wenn nötig – rund um die Uhr funktionieren musste. Ihr selbst war
der große Betreuungsaufwand zwar immer peinlich, aber er war absolut
erforderlich geworden. In dieser Zeit pflegte Rosa öfters zu sagen: „Wenn
der Herrgott nicht hinzieht, muss ich nochmals herziehen!“ Sie hat, im
Gebete gestärkt, ihr Leiden bis zum Schluss mit Geduld getragen und so-
gar immer noch tröstende Worte für andere Leute gefunden, die wegen
„kleiner“ Leiden bei ihr Rat und Trost gesucht haben.
Rosa Schwienbacher, die im Ultental und weit darüber hinaus als Treiner
Rosa bekannt war, starb am 31. Juli 2000 im Alter von 88 Jahren – ge-
nau wie sie es sich gewünscht hat und wofür sie so oft gebetet hat – im
Dornhäusl in aller Stille. Am 4. August 2000 wurde sie in St. Walburg zu
Grabe getragen.
Hinwendung zu Kräutern und Heilpflanzen
Rosa eignete sich bereits in jungen Jahren – vor allem über ihre Mutter
–
ein reiches Wissen rund um die Wirkung und Anwendung verschie-
denartiger Kräuter an. Die inzwischen verstorbene Oberhausmutter in
St. Walburg erzählte mir, dass Rosa schon als Schulmädchen großes Inte-
resse an Kräutern gehabt habe.
Viele Mittel bzw. Rezepte erprobte sie an den Familienangehörigen und
in der Nachbarschaft. Für den Arzt war der Fußweg – damals gab es ja
noch keine Straßen auf die Höfe hinauf – sehr weit und so versuchten
sich die Leute so weit wie möglich selbst zu helfen.
Nach dem Sturz auf die Tenne probierte Rosa an sich selbst alles Er-
denkliche aus. Die Ärzte hatten ihr keine guten Prognosen erstellt.
Sie hatten ihr gesagt, sie könne mit ihrem Leiden nicht mehr viel
vom Leben erwarten, mehr als fünfzig Jahre alt werde sie sicher-
lich nicht werden. Das war wohl ein entscheidender Moment in ih-
rem Leben. Sie gab das Vertrauen in die Heilkraft der Naturmittel nie
auf und erzielte an sich selbst großartige Erfolge. Sie notierte die Wir-
kungen und Erfolge immer wieder und ergänzte frühere Rezepte mit
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
neuen Erkenntnissen. Bei der Pflege der älteren Menschen machte
sie ständig neue Erfahrungen, die sie auch mit den Ärzten besprach.
Ihr Leben lang befasste sie sich intensiv mit der Naturheilkunde und
der medizinischen Anwendung von Kräutern, wobei sie sich auch regel-
mäßig weiterbildete. Sie besorgte sich Kräuterbücher, sammelte Berichte
aus Zeitschriften, verglich Rezepte und nahm an Weiterbildungskursen
teil. Auch zu mehreren Fachleuten im Ausland hatte sie regelmäßigen
Brieontakt, wobei die Erfahrungen und Rezepte gegenseitig ausge-
tauscht wurden.
Weil sie ihre Rezepte niederschrieb, hatte Rosa mit der Zeit eine statt-
liche Anzahl beisammen. Sie ordnete die Unterlagen alphabetisch und
so wuchs langsam ein kleines Archiv heran. Gerne stellte sie für Inte-
ressierte und für kleinere Gruppen in Gesprächen oder in schriftlichen
Berichten ihr Wissen zur Verfügung. Sie schrieb für das Ultner Gemein-
deblatt, hielt für die „Altenstube“, einen Seniorenclub, Vorträge und oft
besuchten sie auch kleinere Gruppen zu Hause. Vielen Leuten lieh sie
ihre Rezeptunterlagen kostenlos. Manchmal beschwerte sie sich ein we-
nig, weil sie die Unterlagen nicht immer vollständig zurückbekam.
Wenn ich im Sommer bei Tante Rosa zu Besuch war, fielen mir immer
die vielen Flaschen und Gläser auf den Fensterbrettern und auf den
Bänken in der Stube auf. Das war die Zeit, in der Rosa die frisch gesam-
melten Kräuter in Schnaps, Essig oder Öl ansetzte. Täglich arbeitete sie
daran. Meiner Frau empfahl sie öfters, in das Brotgemisch für die Knödel
„Quendln“, wilden ymian, hineinzuschneiden, weil das die Nahrung
für das Gehirn sei.
Für viele kranke und geplagte Menschen war sie eine geschätzte Rat-
geberin. Auch als Seelentrösterin wurde sie regelmäßig aufgesucht. Für
die unzähligen Dienste an den Mitmenschen verlieh ihr die KVW-Orts-
gruppe von St. Walburg 1997 eine Dankesurkunde. Im Mittelpunkt ih-
res Lebens stand die Pflege und Betreuung alter Menschen. So hat sich
Rosa zunächst um die eigene Mutter gekümmert. Als Hauswirtschafterin
beim „Gmuanschmied“ umsorgte sie den Schmied und seinen Knecht,
die beide ein hohes Alter erreichten. Weiters betreute sie die Patin Anna
Schweighofer und deren Ehemann Josef Trafojer. Zeitweise übernahm sie
auch die Pflege ihres Onkels Josef Staffler. Bei der Arbeit als Altenpflege-
rin hatte sie unzählige Gelegenheiten, ihre verschiedenen Rezepte und
Heilmittel auszuprobieren. Bevor sie einen Arzt rief, versuchte sie immer
zuerst selbst das Leiden zu bekämpfen, vielmals mit Erfolg.
Obwohl Rosa in den letzten zwanzig Lebensjahren aufgrund ihrer teil-
weisen Lähmung in den Beinen kaum außer Haus gehen konnte, ver-
stand sie es, ihr großes Beziehungsnetz zu erhalten. Bis zu zehn Personen
suchten die Rosa manchmal an einem Tag im Dornhäusl auf. Und war sie
einmal nicht in der Lage, einen Brief selbst zu beantworten, so beauftrag-
te sie jemand anderen damit. Sie war offen für das Geschehen im Tal und
in der Welt und diskutierte gerne über aktuelle emen.
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Von der Idee zum Kräuterbuch
Als ich einmal bei einer passenden Gelegenheit Tante Rosa fragte, was
sie davon halte, aus ihrer Rezeptsammlung ein Kräuterbuch zu machen,
antwortete sie mir kurz und bündig: „Das interessiert niemanden mehr.
Heutzutage gibt's in der Apotheke gegen jedes Leiden ‚a Pillele‘. Die Leute
nehmen sich nicht mehr die Zeit, Kräuter zu sammeln, um selbst Salben
zu machen. Aber wenn du glaubst, dass meine Rezepte auch die jungen
Leute noch interessieren, dann könnt ihr das gerne machen.“ Damit hat
sie mir die wohlwollende Zustimmung zur Herausgabe des ersten Buches
gegeben.
Der Freundeskreis Treiner Rosa
Zwölf Personen aus dem engeren Verwandten- und Bekanntenkreis ha-
ben im Dezember 2000 den „Freundeskreis Treiner Rosa“ gegründet.
Die Aufgabe des Freundeskreises bestand zunächst darin, alle Aufzeich-
nungen der Treiner Rosa zu sammeln und aufzuarbeiten, um sie – wenn
möglich – in Buchform der Nachwelt zu überliefern. Gleichzeitig wurde
vereinbart, dass der Erlös aus dem geplanten Buchverkauf für gemein-
nützige Projekte zur Verfügung gestellt werden soll. Kurze Zeit später for-
derten wir im Ultner Gemeindeblatt und in der Tageszeitung Dolomiten
alle, die Rezepte von der Treiner Rosa zu Hause hatten, dazu auf, uns die-
se leihweise zur Verfügung zu stellen, damit wir eine möglichst vollstän-
dige Sammlung erstellen konnten. Darauin haben sich viele Bürger aus
Ulten und Lana gemeldet. Über Monate sammelten die Mitglieder des
Freundeskreises das Material. In aufwendiger Kleinarbeit gelang es, eine
umfangreiche Rezeptsammlung zu erstellen und die gesammelten Un-
terlagen zu ordnen und zu speichern.
Das Kräuterbuch der Treiner Rosa
Insgesamt wurden 370 Originalrezepte zur Herstellung von Teemischun-
gen, Salben, Tinkturen und Essenzen gesammelt, darunter auch solche,
die bereits seit langer Zeit mündlich überliefert worden waren und von
der Treiner Rosa erstmals aufgeschrieben, teilweise auch ergänzt und
verändert wurden. Viele andere Rezepte hat Rosa aufgrund ihrer lang-
jährigen Erfahrung mit Heilkräutern selbst zusammengestellt.
Die Apothekerin Dr. Zita Marsoner Staffler hat mit großer Begeisterung
die einzelnen Rezepte bearbeitet, verglichen und auf ihre Wirksamkeit
und Anwendbarkeit geprüft und bewertet. Sie hat die Unterlagen aus wis-
senschaftlicher Sicht analysiert und kommentiert. Neben den Rezepten
habe ich eine Kurzbiografie verfasst. Abgerundet wurde das Buchprojekt
mit Erfahrungsberichten von verschiedenen Personen, die mit der Trei-
ner Rosa in engem Kontakt standen. In Zusammenarbeit mit dem Boz-
ner Verlag Edition Raetia wurde das Konzept für das Buch ausgearbeitet,
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
parallel hat sich der Freundeskreis bemüht, die Finanzierung dafür auf-
zubringen. Dank vielseitiger finanzieller Unterstützung ist es 2002 ge-
lungen, die Rezeptsammlung unter dem Titel „Das Kräuterbuch der Trei-
ner Rosa. Rezepte aus der Volksmedizin“ herauszubringen.
Buchvorstellung in St. Walburg
Am 15. November 2002 wurde das „Das Kräuterbuch der Treiner Rosa“
in St. Walburg im Ultental der Öffentlichkeit vorgestellt. Bruno Hosp, der
damalige Landesrat für die deutsche Schule und Kultur, sagte in seiner
Ansprache: „Laut Aussage von Fachleuten handelt es sich bei dieser Neu-
erscheinung um ein einmaliges und kostbares Werk der Volksmedizin,
das über viele Generationen im Ultental herangereift ist“.
Im Anschluss an die Buchvorstellung in St. Walburg wurde „Das Kräuter-
buch der Treiner Rosa“ ein weiteres Dutzend Mal in Südtirol vorgestellt.
Das Buch erreichte unerwartet hohe Verkaufszahlen. Somit fiel auch ein
ansehnlicher Erlös an, den wir verschiedenen gemeinnützigen Organisa-
tionen gespendet haben, unter anderem für Hilfsprojekte in Nicaragua,
Nepal und Uganda. Außerdem ließ der Freundeskreis in Erinnerung an
die Treiner Rosa auch eine Marmortafel am Dornhäusl anbringen.
Neuauflage des Kräuterbuches
Auf Anregung des Raetia-Verlages wird „Das Kräuterbuch der Treiner
Rosa“ im Jahr 2016 gründlich überarbeitetet und ergänzt. Tante Rosa
würde sich freuen, wenn sie wüsste, dass ihr gesammelter Schatz der
Volksmedizin immer noch gefragt und geschätzt wird.
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Rosa mit Hans (rechts)
und Matthias Preims in
der Stube des Dornhäusls
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Rosa und Hans in ihrer
Stube im Dornhäusl
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DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Mit der Rezeptsammlung der Treiner Rosa liegt ein äußerst wertvoller
Beitrag aus der Volksmedizin vor, dessen Grundlagen weit zurückrei-
chen. Anhand von Rosas Aufzeichnungen, Rezepten, Briefen, Beschrei-
bungen und beschrifteten Salbentiegeln und Fläschchen lernen wir die
Zusammensetzung und Anwendung von Heil- und Hausmitteln kennen,
die die medizinische Versorgung der Menschen des Ultentales und weit
darüber hinaus garantiert haben. Etliche dieser Rezepte reichen bis in
das 19. Jahrhundert zurück und sind dann von der Treiner Rosa im Laufe
ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit als Kräuterfrau immer wieder auspro-
biert, angewendet, hinterfragt und verbessert worden. Da der Original-
wortlaut von Rosa einiges über ihr Wissen und die medizinische Situati-
on des 19. und 20. Jahrhunderts aussagt, sind die Rezepte und auch ihre
Titel in ihrer ursprünglichen Fassung wiedergegeben.
Der Hauptbestandteil der Heilmittel der Treiner Rosa sind die Heilpflan-
zen. Auffallend ist, dass fast alle einheimischen Heilpflanzen, die heute
in der Fachliteratur beschrieben werden, auch angewendet wurden. Das
zeugt vom äußerst guten Pflanzenwissen der Rosa Schwienbacher und
von der großen Artenvielfalt, auf die sie im Ultental zurückgreifen konnte.
Rosa arbeitete hauptsächlich mit Heilmitteln, die leicht verfügbar waren
beziehungsweise vor Ort wuchsen. Die meisten werden auch heute noch
angewendet und sind wissenschaftlich überprüft. Besonders hervorzu-
heben sind die wertvollen Teemischungen für verschiedene Beschwer-
den. Einige Pflanzen wie Bärlapp oder Rainfarn werden heute aufgrund
ihrer Giftigkeit bzw. geringen Wirksamkeit nicht mehr angewendet.
DR. ZITA MARSONER STAFFLER, APOTHEKERIN
Die Rezeptsammlung
der Treiner Rosa
Rosa empfahl, sich
an sieben Grundsätze
zu halten, um
widerstandsfähiger zu
werden.
20
DAS LEBEN UND WIRKEN DER TREINER ROSA
Daher war es mir ein Anliegen, neben der Wirksamkeit, Anwendung und
Dosierung vor allem auch die Gefahren der Heilmittel in ausführlichen
Kommentaren zu erklären. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und
Anwendungen beschreibe ich ebenso wie mögliche Alternativen. So sol-
len die Rezepte der Treiner Rosa auch noch in der Gegenwart zu einem
wertvollen Bestandteil der Volksmedizin werden und eine Verbindung
von Wissenschaft und Volksmedizin hergestellt werden.
Rosa gab ihrer Familie, ihren Freunden und allen, die sich an sie wandten,
nicht nur Ratschläge zur Heilung von Krankheiten mit, sondern auch für
eine gesunde Lebensführung. Sieben Grundsätze garantierten in ihren
Augen eine solche. Sie zeugen davon, dass das Leben dieser einfachen
Frau von großem Gottvertrauen ebenso geprägt war wie von einem ganz-
heitlichen Gesundheitskonzept, das auch der Psyche des Menschen eine
wichtige Rolle einräumt.
22
Die Rezepte von Rosa Schwienbacher sind in einer einfachen Sprache
und häufig stichwortartig verfasst. Sie werden im Originalwortlaut – mit
minimalen Eingriffen zum besseren Verständnis – wiedergegeben. Auch
die jeweiligen Originaltitel wurden beibehalten. Zur Orientierung sind
die Rezepte in Krankheitsbilder eingeteilt.
Bei den meisten verwendeten Kräutern und Heilmitteln ist eine Wirkung
nachweisbar, doch nicht alle Rezepte sind nach heutigem Wissensstand
zu empfehlen. Daher kommentiert Zita Marsoner Staffler im Abschnitt
„Aus der Forschung“ die jeweiligen Rezepte und gibt mit Blick auf aktu-
elle Erkenntnisse Ratschläge zur Dosierung und Anwendung.
ROSA SCHWIENBACHER
ZITA MARSONER STAFFLER
Rezepte
der Treiner Rosa
REZEPTE DER TREINER ROSA
Diphtherie-Salbe
Olivenöl, schwarzes Polentamehl, Alaun, Eiklar, Honig, Safran und
Kampfer werden 1 Stunde lang auf einem Zinnteller gerührt, dann aufn
Hals aufgelegt.
•
AUS DER FORSCHUNG
Diese Salbe hat eine kühlende und leicht entzündungshemmende Wir-
kung. Alaun entfaltet in dieser Salbe bei äußerlicher Anwendung seine
adstringierende (zusammenziehende) Wirkung bei Entzündungen. Küh-
le Halswickel wirken besonders gut bei geschwollenen Mandeln mit oder
ohne Fieber. Bei Diphtherie muss aber unbedingt ein Arzt zu Rate gezo-
gen werden.
Heiserkeit
Pfarrer Künzle schreibt die unvergessliche Heilkraft bei Heiserkeit und
gänzlichem Fehlen der Stimme der Vogelbeere zu, da sie den zähen, led-
rigen Schleim von den Stimmbändern loslöst. Als Anwendung empfiehlt
er 2 Handvoll frischer oder gedörrter Beeren in 1 l Wasser 1 Stunde lang
zu kochen, womit man 3-mal täglich gurgelt. Der bittere Geschmack
könnte durch die Beigabe von Wacholderbeeren gelindert werden.
•
AUS DER FORSCHUNG
Eberesche, auch Vogelbeere, wird in der Volksmedizin vor allem bei Ap-
petitlosigkeit und Magenverstimmung verwendet. Eine entzündungs-
hemmende Wirkung kommt wahrscheinlich vor allem von den enthal-
tenen Gerbstoffen. Wegen der in den Beeren enthaltenen Parasorbinsäu-
re muss vor einem Genuss größerer Mengen an rohen Beeren gewarnt
werden, da er zu leichten Vergiftungen führen könnte. Durch das Kochen
oder Trocknen wird die Parasorbinsäure zerstört.
REZEPTE DER TREINER ROSA
Atemwege
ALLGEMEINE
ATEMWEGS-
ERKRANKUNGEN
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REZEPTE DER TREINER ROSA
Lungenleiden
Pfarrer Kneipp schreibt ein Mittel gegen Lungenleiden (Lungentuberku-
lose). Man nehme 1 gute Handvoll Isländisches Moos, 15 dg Kandiszu-
cker und Fenchel, was man mit 5 Fingern fassen kann. Diese 3 Sachen
werden in 1 l Wasser bis zur Hälfte eingekocht, dann durchgeseiht. Man
lasse diese Masse erkalten, dann wird sie eine dicke salzige Brühe. Hie-
von nehme der Kranke jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend
1 Esslöffel voll. (Alle Apothekermittel beiseite lassen.)
•
AUS DER FORSCHUNG
Isländisch-Moos-Sirup hat eine reizlindernde Wirkung auf die Atemwe-
ge aufgrund des hohen Gehaltes an Schleimstoffen, indem ein abdecken-
der Schutzfilm auf die Schleimhäute gelegt wird.
Lungenschwäche
4 frische Eier mit Schalen werden in den Saft von 10 Zitronen 30 Stun-
den gelegt. Dann die Eihaut abnehmen und das Ganze gut verrühren, mit
¼ kg Kandiszucker pulverisiert, ⅛ l Cognac dazu. Nüchtern und abends
1 Esslöffel nehmen. (Eine Kur von 2 Monaten)
•
AUS DER FORSCHUNG
Das Rezept beinhaltet in Eiern, in Zitronen, im Kandiszucker und im Co-
gnac Eiweiß, Zucker, Vitamine (vor allem Vitamin C), Alkohol und hat
demnach allgemein eine auauende und anregende Wirkung. Beson-
ders Eier können bei Lungenschwäche mit Hustenreiz und Heiserkeit
zur Linderung beitragen.
Asthma
REZEPT 1
Man gebe 5 g Aloe in ⅛ l Schnaps, fest schütteln, lasse über Nacht stehen
und nehme dann morgens und abends 1 Löffel voll.
Oder auch Speikschnaps ist sehr gut, 1 Löffel voll vormittags und 1 nach-
mittags.
REZEPT 2
Man nimmt 5 g Aloe aus der Apotheke, gebe ihn in ⅛ l Branntwein, lasse
über Nacht stehen, nehme dann morgens und abends 1 Löffel voll. Die
Flüssigkeit darf nicht geschüttelt werden. (Sehr gut erprobt.)
ASTHMA
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REZEPTE DER TREINER ROSA
•
AUS DER FORSCHUNG
Bei Aloe handelt es sich um den eingedickten Saft der Blätter einiger
Aloearten. Die Wirkung bei Asthma könnte mit einer Steigerung der
Wasserausscheidung zusammenhängen, ist aber nicht bewiesen. In der
Schwangerschaft und Stillzeit darf Aloe auf keinen Fall verwendet wer-
den, da die Einnahme zu krampfartigen Schmerzen führen kann.
Asthmaleiden und Wassersucht
Eine große Knoblauchrübe reiben, dann 10 dg Honig und ½ l Weißwein
dazugeben, lauwarm machen, damit sich alles gut mischt. Davon täglich
einige Mal 2 Esslöffel voll nehmen. (Beim Lungenasthma ist das Ausat-
men verlängert, beim Herzasthma das Einatmen erschwert.)
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AUS DER FORSCHUNG
Die Verwendung von Knoblauch für Erkrankungen der Atemwege, be-
sonders bei Asthma, ist volksmedizinisch zwar bekannt, der Nutzen aber
wissenschaftlich nicht bewiesen. Am ehesten kommt bei dieser Zuberei-
tung die vorbeugende Wirkung vor Erkältungskrankheiten zum Tragen.
Asthmaleidende
Ein überraschend schnell Erleichterung schaffendes Mittel. Honig mit
rohem, geriebenem Meerrettich vermengt (2 Löffel geriebenen Kren, 4
Löffel Honig) und vor dem Schlafengehen etwas nehmen.
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AUS DER FORSCHUNG
Meerrettich enthält Senfölglykoside, die keimtötend und lokal durch-
blutungsfördernd wirken. Die Wirkung der inneren Anwendung bei
Erkrankungen der Atemwege ist auch wissenschaftlich nachgewiesen.
Allerdings kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen; Kinder unter
5 Jahren sowie Menschen mit Magengeschwüren dürfen keinen Meer-
rettich anwenden.
Bronchialkatarrh (veralteter, trockener)
Hat ein Tee aus Ehrenpreis, Huflattichblätter, Spitzwegerich, Käsepappel,
alles zu gleichen Teilen, richtig Wunder gewirkt. 1 gehäufter Teelöffel auf
¼ l Wasser, nur brühen, kurz ziehen lassen, mit Honig oder Kandiszucker
süßen und 2 bis 3 Tassen während des Tages trinken.
ENTZÜNDUNGEN
DER
ATEMWEGE
26
REZEPTE DER TREINER ROSA
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AUS DER FORSCHUNG
Huflattich, Spitzwegerich und Käsepappel sind Pflanzen mit Schleim-
stoffen, die im Bronchialtrakt reizlindernd und schleimverflüssigend
wirken. Ehrenpreis ist Bestandteil von vielen Teemischungen gegen
Brust- und Lungenerkrankungen. Huflattich sollte wegen des Gehaltes
an Pyrrolizidinalkaloiden beschränkt angewendet werden, da dieser
Stoff bei längerer Anwendung leberschädigend wirken kann.
Bronchitis
Man macht aus einem beliebigen Stoff einen Halsausschnitt, der über die
Brust herunterreicht, bestreiche denselben mit Butter und Inselt, dann
Wermutkraut mit Branntwein, streue dies ebenfalls auf, und binde auf
der Brust um.
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AUS DER FORSCHUNG
Bei dieser Empfehlung handelt es sich um einen Brustwickel; dabei hat
dieser eine zweifache Aufgabe: Die Auflösung und Ausscheidung der
Krankheitsstoffe soll gefördert und zu hohes Fieber gesenkt werden.
„Inselt“ entspricht in diesem Rezept dem Rinderfett. Wärme kann bei
Bronchitis zwar helfen, aber bei einer länger andauernden Bronchitis ist
unbedingt ärztliche Hilfe zu suchen.
Lungenentzündung
Reibe man 2 Krenwurzen (Meerretich) auf, rühre sie mit Milch und ein
paar weißen Ackerrüben geschabt mit wenig Roggenmehl zu einem Brei,
diesen lege man Kindern 2 Minuten, Erwachsenen 5 Minuten auf die
schmerzende Stelle. Die Entzündung verschwindet noch am gleichen
halben Tag. Der Kranke darf aber nicht aufstehen, wegen Rückfall.
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AUS DER FORSCHUNG
Meerrettichsalben wurden traditionell wegen der antimikrobiellen und
durchblutungsfördernden Wirkung bei grippalen Infekten und Atem-
wegserkrankungen eingesetzt.
Obwohl die Verwendung von Meerrettich bisher der Volksmedizin vor-
behalten ist, nimmt das wissenschaftliche Interesse an dieser Heilpflan-
ze zu, seit man antibiotisch wirkende Stoffe darin gefunden hat. Wie bei
allen scharfen, haut- und schleimhautreizenden Stoffen ist hier beson-
ders darauf zu achten, dass die Dosis nicht zu hoch ist.
27
REZEPTE DER TREINER ROSA
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SPITZWEGERICH
(Plantago lanceolata)
REZEPTE DER TREINER ROSA
Lungenspitzenkatarrh
REZEPT 1
Man nimmt ¼ l Wasser, 2 Löffel voll ungerendelte Gerste, mit der Kaf-
feemühle gemahlen, 1 Löffel Leinmehl darunter, kocht es, bis es schlei-
mig ist, dann abseihen, 1 Löffel Honig, 1 Messerspitze Lörget, rührt alles
durcheinander. ⅛ l 3-mal täglich ¼ Stunde nach dem Essen lauwarm
trinken.
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AUS DER FORSCHUNG
Dieser Trank beinhaltet mit der Gerste und dem Leinsamen vor allem
schleimhaltige Pflanzen, die auf die Bronchien eine abschwellende Wir-
kung ausüben. Die Gerste wirkt vor allem bei Abszess, Angina, Bronchitis
und Halsweh.
REZEPT 2
Man koche in ½ l Milch 1 Löffel Isländisch Moos bis ¼ l bleibt, trinke dies
nüchtern mit Honig oder Zucker 1 Monat.
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AUS DER FORSCHUNG
Isländisch Moos hat wegen der Schleim- und Bitterstoffe eine reiz-
mindernde und antimikrobielle Wirkung auf die Atemwege, weil die
Schleimstoffe die entzündeten Schleimhäute in Mund und Rachen ein-
hüllen und beruhigen. Da diese Flechte besonders stark Strahlung an-
zieht, ist seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl darauf zu achten, dass
man möglichst strahlenfreies Moos bekommt.
Salbe für Rippenfellentzündung
1 Löffel Eibischsalbe, 1 Löffel Schweinefett, 3 Löffel Kranebittbeeren fein
gemahlen, 1 Eiklar zu Schnee schlagen, einige Tropfen Wunder-Balsam
zu einer Salbe rühren. Auf ein Tuch aufstreichen und auflegen, wenn sie
getrocknet ist, erneuern.
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AUS DER FORSCHUNG
Eibisch hat vor allem schleimlösende Wirkung, die Wacholderbeeren
(Kranebittbeeren) wirken hautreizend und durchblutungsfördernd.
Wunderbalsam ist Schwedenbitter. Das Eiklar bewirkt, dass die Salbe
streichfähiger bleibt.
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REZEPTE DER TREINER ROSA
Auswurf und Schleim
Ist Bibernellwurzen, Königskerze, Himmelschlüssel, Spitzwegerich, Huf-
lattich, Löwenzahn und Isländisch Moos.
(Esset Bibernell, dann sterbt ihr nicht so schnell.)
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AUS DER FORSCHUNG
Bei dieser Teemischung handelt es sich um Pflanzen, die schleimlösend
wirken. Bibernelle ist besonders geeignet bei Entzündungen der oberen
Luftwege mit starker Schleimbildung und wirkt, indem das Sekret ver-
flüssigt wird.
Brusttee
Gundelrebe, Schafgarbe, Huflattich und Ehrenpreis.
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AUS DER FORSCHUNG
In dieser Teemischung hat vor allem der Huflattich auch heute noch
eine Verwendung bei Husten, Heiserkeit und leichten Entzündungen im
Mund- und Rachenraum. Die Gundelrebe wird nur in der Volksmedizin
häufig bei Husten mit zähem Schleim verwendet. Schafgarbe und Ehren-
preis haben eine leicht schleimlösende Wirkung. Diese Teemischung darf
bei Kindern und Schwangeren wegen des Huflattichs und der darin ent-
halten Pyrrolizidinalkaloide nicht angewendet werden.
Engbrüstigkeit (Verschleimung)
REZEPT 1
Nimm ¼ kg Butter, das Gelbe von 3 Eiern, ¼ kg Honig. Mach alles gut
durcheinander. Nimm morgens, mittags und abends jedesmal 1 Kaffee-
löffel voll.
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AUS DER FORSCHUNG
Gegen die Verschleimung ist vor allem der Honig wirksam. In den vergan-
genen Jahren untersuchten Wissenschaftler die medizinische Wirksam-
keit von Honig und kamen auf erstaunliche Ergebnisse: Honig hemmt
Entzündungen und wirkt wie ein Antibiotikum. Wichtig ist allerdings,
dass der Honig nicht eine höhere Temperatur als 40° hat, da er sonst
seine heilenden Eigenschaften verliert.
HUSTEN
UND
VERSCHLEIMUNG
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REZEPTE DER TREINER ROSA
REZEPT 2
Eine Handvoll Kamillenblüten in 1 l Weißwein 12 Stunden ziehen las-
sen, abseihen und schluckweise trinken.
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AUS DER FORSCHUNG
Kamille wirkt wegen ihres Gehaltes an ätherischen Ölen vor allem bei
entzündlichen Erkrankungen und Reizzuständen der Luftwege.
Erstickungshusten
Schafwolle oder schafwollene Strümpf tränke in Schweinefett, dann lau-
warm auf Hals und Brust legen. Ist sehr heilsam.
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AUS DER FORSCHUNG
Äußerlich angewendet haben Schweinefett und Schafwolle wohltuende
Wirkung auf die Atemwege. Bei der Schafwolle kommt die heilende Wir-
kung vor allem vom Wollfett, einer unübertroffenen Gesundheitsquelle.
Seine Zusammensetzung ist dem körpereigenen Fett unserer Haut sehr
ähnlich, es reinigt, entgiftet und weist Keime ab.
Hohlzahnkraut
Gegen chronische Bronchitis, Lungenemphysem oder Staublunge, wo
sonst wenig hilft. Es werden daher das morgendliche Abhusten erleich-
tert und die quälenden Hustenanfälle gelindert.
Teemischung: Hohlzahnkraut 10 g, Huflattichblätter 10 g, ymian 10 g,
2 gehäufte Teelöffel von dieser Mischung mit ¼ l kochendem Wasser
übergießen, 15 Minuten ziehen, dann abseihen. Mit Honig süßen und
schluckweise morgens und abends vor zu Bette gehen trinken.
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AUS DER FORSCHUNG
Hohlzahn wird bei leichten Entzündungen der Atemwege verwendet.
Huflattich hat vor allem eine reizlindernde und schleimverflüssigende
Wirkung bei Husten, Heiserkeit und leichten Entzündungen im Mund-
und Rachenraum. Aufgrund des Gehalts an giftigen Pyrrolizidinalkaloi-
den ist die Anwendungsdauer von reinem Huflattichtee aber auf sechs
Wochen pro Jahr beschränkt. ymian besitzt eine expektorierende und
antibakterielle Wirkung. Da bei chronischer Bronchitis und Staublunge
auch mit Arzneimitteln nicht viel auszurichten ist, ist es sinnvoll, den
Patienten Linderung zu verschaffen, ihnen das morgendliche Abhusten
zu erleichtern und die quälenden Hustenanfälle zu lindern, indem man
diese oder ähnliche Teemischungen (Hohlzahnkraut, Malvenblätter,
ymiankraut) verabreicht.
31
REZEPTE DER TREINER ROSA
Husten
¼ l Weißwein, 2 Löffel voll ungerendelte Gerst zu Pulver mahlen, 1 Löffel
voll Olivenöl mit Gerstenpulver mischen, dann in Wein geben und ko-
chen, bis es schaumt, dann 1 Messerspitz voll Lörget und etwas Honig
hineintun und dann ist es fertig (Gerstenschleim).
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AUS DER FORSCHUNG
Der Gerstenschleim entwickelt im Organismus eine reinigende Wirkung,
indem er Giftstoffe bindet. Er regelt die Tätigkeit des Darms und hat eine
beruhigende Wirkung bei Reizung der Schleimhäute.
Husten schleimlösend
REZEPT 1
500 g Zwiebeln fein schneiden, 1 l Weißwein dazugeben und 15 g Honig.
Umrühren und 48 Stunden ziehen lassen. Dann durchseihen, morgens,
mittags und abends ¼ Stunde vor dem Essen 1 Weinglas voll trinken.
REZEPT 2
(Husten für alte Leut)
2 eigroße Zwiebeln samt Schale in 1 l Wasser, 10 dg Kandiszucker 10 bis
15 Minuten kochen. Schluckweis trinken.
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AUS DER FORSCHUNG
Zwiebel wirkt entzündungshemmend, desinfizierend und entgiftend.
Die Wirkstoffe der Zwiebel lösen sich besonders gut im Alkohol. Für Kin-
der und Schwangere aber ist diese Zubereitung wegen des Gehaltes an
Alkohol nicht geeignet.
Husten und Schnupfen
REZEPT 1
Starken Salbeitee mit Honig süßen und ein wenig Essig dazu.
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AUS DER FORSCHUNG
Salbei hat bei innerlicher Anwendung eine sekretionsfördernde Wir-
kung, ebenso ist auch die antibakterielle Wirkung hilfreich. Die Anwen-
dung von Salbei mit Honig wird besonders bei Kindern durchgeführt,
beruht aber nur auf der Erfahrungsheilkunde der Volksmedizin.
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REZEPTE DER TREINER ROSA
REZEPT 2
(Husten-Rezept auch für Blutarme und schwachen Magen.)
Man nehme ½ Aufschenk-Glasl geriebene Meerrettich-Wurzel, 1 Auf-
schenk-Glasl voll guten Schleuderhonig, gibt es zusammen in ein Glas,
lässt es 48 Stunden stehen (fleißig zugedeckt). Dann morgens ½ Kaffee-
löffel voll nehmen und den zweiten Tag ein bissl mehr und den dritten
Tag wieder mehr und so weiter bis zu 1 Esslöffel voll und dann wieder so
abwärts, bis zu ½ Kaffeelöffel voll. Es wird helfen.
•
AUS DER FORSCHUNG
Meerrettich hat aufgrund der Senfölglykoside eine antimikrobielle und
hyperämisierende Wirkung. Zusammen mit Honig ist er geeignet bei
Entzündungen der Atemwege. Wer aber zu viel von diesem Mittel ein-
nimmt, der muss mit Reizerscheinungen in Magen, Darm und an der
Niere rechnen.
REZEPT 3
Man gibt in 1 l Wasser 1 Büschl Isländisch Moos, 1 Löffel Fenchel,
1 Büschl Spitzwegerich und lässt es gut kochen, seiht den Tee ab, gibt
¼ kg Honig, ⅛ l Weinessig und ¼ kg Kandiszucker (abgebräunt) dazu
und lässt die ganze Masse langsam kochen, schäumt von Zeit zu Zeit ab
und gibt es ausgekühlt in eine Flasche und nimmt täglich 3 Esslöffel voll
morgens, mittags und abends ein, solange bis Besserung eintritt.
•
AUS DER FORSCHUNG
Das Rezept gibt einen Sirup an, der aus einer circa 50%igen Zuckerlösung
(Honig und Kandiszucker in Wasser) mit Zusatz eines weiteren Konser-
vierungsmittels (Weinessig) besteht. Als wässrige Auszüge eignen sich
für Husten besonders gut Isländisch Moos bei Schleimhautreizungen im
Mund- und Rachenraum, Spitzwegerich bei Entzündungen der Atemwe-
ge und Fenchel als Expektorans.
Hustenkräuter
Isländisch Moos, Schlüsselblume, Lungenkraut, Huflattich, Lindenblü-
ten, Brombeer, Sternanis, Holunder, Königskerze, Schafgarbe, ymian,
Süßholz, Klatschmohn. Mit Kandiszucker.
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AUS DER FORSCHUNG
Quälender und trockener sowie schleimiger Husten kann mit pflanzli-
chen Hustentees begleitend zu anderen erapien behandelt werden.
Die Teemischung enthält vor allem Pflanzen mit Schleimstoffen (Schlüs-
selblume, Königskerze, Schafgarbe), ätherischen Ölen (Sternanis, y-
mian) und Saponinen (Schlüsselblume, Königskerze). Schleimstoffe
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REZEPTE DER TREINER ROSA
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ISLÄNDISCH MOOS
(Cetraria islandica)
LUNGENKRAUT
(Pulmonaria
officinalis)
REZEPTE DER TREINER ROSA
decken die gereizte Schleimhaut im Mund- und Rachenraum mit einer
Art Schutzfilm ab, ätherische Öle wirken als Expektorantien, indem sie
den Bronchialschleim verflüssigen, Saponine transportieren den zähen
Schleim ab und wirken krampflösend.
Lungenverschleimung
20 g Isländisch Moos und 5 g Süßholz werden 3 Stunden in 1 l war-
mem Wasser eingeweicht, dann 1 Stunde langsam gekocht, bis die Masse
schaumartig ist. Siebt noch heiß durch, vermischt mit beliebig Bienen-
honig und dem Saft einer halben Zitrone, man bewahrt es an einem rich-
tigen Ort auf. (Gut zur Kräftigung nach schweren Krankheiten.)
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AUS DER FORSCHUNG
Isländisch Moos besitzt neben seiner Wirkung auf die Atemwege auch
eine kräftigende und anregende Wirkung, die besonders auf die enthal-
tenen Bitterstoffe zurückgeht. Auch die Süßholzwurzel verwendet man
zur Behandlung von Husten und Verschleimung sowie bei Gastritis und
Magengeschwüren. Die Zitrone hat in diesem Rezept geschmacksverbes-
sernde und konservierende Wirkung.
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REZEPTE DER TREINER ROSA
REZEPTE DER TREINER ROSA
Augen und Ohren
AUGEN-
BESCHWERDEN
Augen (geschwollene)
Holunderschwämme auf die Augen legen und zubinden.
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AUS DER FORSCHUNG
Holunderschwämme haben wasserziehende Wirkung, aber aus hygieni-
schen Gründen ist das Auringen auf die Augen abzulehnen.
Augenentzündung
REZEPT 1
Man nehme von den Margeriten die weißen Blättchen, dörre sie und zer-
drücke sie zu Pulver, dann gebe man etwas ungewaschene Butter dazu,
mache eine Salbe daraus und binde selbe um die Augen. Die Salbe ist
auch gegen rinnende Augen sehr gut.
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AUS DER FORSCHUNG
Margeriten sind als Pflanzenheilmittel nicht mehr in Verwendung, da
die wirksamen Inhaltsstoffe nicht nachgewiesen werden konnten. Eine
nicht sterile Salbe auf die empfindlichen Augen aufzulegen ist bedenk-
lich und abzulehnen.
REZEPT 2
Augentrost in Milch gekocht ist sehr gut für schwache Augen.
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AUS DER FORSCHUNG
Augentrost ist das Augenheilkraut schlechthin! Mit abgekühltem Tee
getränkte Wattebäusche helfen gegen allgemeine Reizzustände der Au-
gen, wirken entzündungshemmend und sind daher das ideale Mittel bei
allergisch bedingter Bindehautentzündung und Gerstenkorn. In Milch
gekochtes Kraut ist aber aus Sterilitätsgründen für die Auflage auf die
Augen nicht geeignet.
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REZEPTE DER TREINER ROSA
REZEPT 3
1 Eiweiß, ein wenig Alaun, ein wenig Roggenmehl zu einer schönen Sal-
be rühren, auf kleines Fleckl streichen, dann auf den Schläfen neben den
Augen auflegen. Dies hilft auch bei rot entzündeten Augen.
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AUS DER FORSCHUNG
Eiweiß, Alaun und Roggenmehl haben eine zusammenziehende und be-
ruhigende Wirkung. Ob die Anwendung der Creme an den Schläfen bei
entzündeten Augen hilft, ist fraglich.
Augenschwäche
Mit warmer Ziegenmilch auf den Augen Umschläge machen. Auch ist gut
Augentrost, Kamillen und Frauenmantele für Umschläge.
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AUS DER FORSCHUNG
Die empfohlenen Augenumschläge mit warmer Ziegenmilch sind hygi-
enisch problematisch. Die Kräuterumschläge könnte man durch Auf-
kochen und Anwendung von mit Tee getränkten sterilen Kompressen
durchführen.
Star
Man nehme 1 Messerspitze Aloepulver in 1 Glas Wasser und wasche ei-
nige Male täglich das Aug aus, dann heilt der Star. Auch Finocchiowasser
ist gut, die Augen damit waschen (ist Fenchel).
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AUS DER FORSCHUNG
Aloe wird vor allem als dickdarmwirksames Abführmittel verwendet,
kann aber auch äußerlich zu einer Steigerung der Wasserabsonderung
führen. Die Heilung bei Starerkrankung ist fraglich und aus hygieni-
schen Gründen abzulehnen.
Fenchel enthält ätherisches Öl, das auch antibakteriell wirkt. Auch hier
ist es wichtig, dass auf äußerste Hygiene geachtet und nur jeweils frisch
zubereitetes Fenchelwasser verwendet wird.
Ohrensausen
Ist das Beste von der Lebensessenz Tropfen auf Watte geben und ins Ohr
hineintun.
OHREN-
BESCHWERDEN
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