True King - L. M. Dalgleish - E-Book

True King E-Book

L. M. Dalgleish

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Beschreibung

Weil eine geschäftliche Beziehung niemals genug ist

Roman King ist CEO der millionenschweren King Group und darf sich keinen Fehler erlauben. Der distanzierte und unnahbare Geschäftsmann hat allerdings nicht mit seiner neuen Assistentin Chloe Callahan gerechnet. Chloe ist jung, klug, wunderschön - und eine verführerische Ablenkung, die Roman sich nicht leisten kann. Doch obwohl er versucht, sie mit seiner abweisenden Art zu vergraulen, lässt sich Chloe nicht einschüchtern, denn sie braucht den Job - und ahnt nicht, dass Roman sie nicht aufgrund ihres jungen Alters oder ihrer Unerfahrenheit meidet, sondern weil die Anziehungskraft zwischen ihnen bald schon nicht mehr aufzuhalten ist ...

»Age Gap, verbotene Anziehung und eine ganze Menge Spice: ein mitreißendes, sexy Buch!« Jeeves reads RomancE


Der dritte Band der EMPTY-KINGDOM-Reihe

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 710

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Leser:innenhinweis

Widmung

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Epilog

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von L. M. Dalgleish bei LYX

Impressum

L. M. DALGLEISH

True King

Roman

Ins Deutsche übertragen von Laura Feiter

Zu diesem Buch

Nachdem sein Vater den Ruf der millionenschweren King Group beinahe vollkommen ruiniert hat, arbeitet Roman King unermüdlich daran, das Image des Familienunternehmens wiederherzustellen. Als CEO darf er sich keinen einzigen Fehler erlauben, denn er will der Öffentlichkeit zeigen, dass er und seine Brüder anders sind. Doch mit dem ersten Arbeitstag seiner neuen Assistentin Chloe Callahan gerät Romans distanzierte und unnahbare Fassade ins Wanken. Chloe ist jung, ehrgeizig, wunderschön – und eine gefährliche Ablenkung, die Roman sich nicht leisten kann. Er ist entschlossen, sie mit seiner abweisenden Art auf Abstand zu halten, doch Chloe hat andere Pläne. Sie braucht den Job, um die Behandlungskosten für ihren kranken Vater zu bezahlen, und ist bereit, alles zu geben, um sich zu beweisen. Dabei kann sie nicht ahnen, dass Roman sie nicht aufgrund ihres jungen Alters oder ihrer Unerfahrenheit auf Abstand hält, sondern es die gefährliche Anziehungskraft zwischen ihnen ist, die er mit allen Mitteln aufzuhalten versucht …

Liebe Leser*innen,

True King enthält Elemente, die triggern können.

Deshalb findet ihr auf hier eine Triggerwarnung.

Wir wünschen uns für euch alle das bestmögliche Leseerlebnis.

Euer LYX-Verlag

An alle Leser:innen, die Slow Burns lieben, denn wenn die Flamme sich schließlich entzündet, hat sich das Warten immer gelohnt.

1

Chloe

Hinter mir scheppert es, und die Schüssel rutscht mir aus der Hand ins Spülwasser. Ich schnelle herum und sehe Dad mitten in der Küche stehen, den Blick auf eine Orangensaftpfütze gerichtet, die sich rasant über den gefliesten Boden ausbreitet. Glasscherben spiegeln die Morgensonne und lassen die Flüssigkeit schimmern.

»Tut mir leid, Liebes«, sagt er mit hängenden Schultern, den Blick gesenkt. »Ich wollte bloß helfen.«

»Mach dir keinen Kopf.« Ich bemühe mich um einen lockeren Tonfall und eine entspannte Miene, da ich nicht möchte, dass er sich noch schlechter fühlt als sowieso schon. »Ich mach das sauber.«

Nachdem ich mir schnell die Hände abgetrocknet habe, schnappe ich mir eine Rolle Küchenpapier von der Arbeitsplatte und reiße ein paar Blätter ab. Ich lege sie auf die Pfütze, damit sie die Flüssigkeit aufsaugen können, dann greife ich behutsam nach Dads Arm und lächle ihn an. »Dann bringen wir dich mal zu deinem Sessel, danach kümmere ich mich darum.«

Ich führe ihn in Richtung des kleinen Wohnzimmers, darauf bedacht, ruhig zu atmen und ihn nicht zu hetzen, auch wenn ich das Ticken der Uhr förmlich spüren kann.

Nachdem ich ihm vorsichtig in seinen Sessel geholfen und ein Kissen hinter seinem Rücken platziert habe, helfe ich ihm, seine Füße auf dem Fußhocker abzulegen. »Ist das so gemütlich?«

Er lehnt sich seufzend zurück. »Mir geht’s gut. Geh schon, Liebes. Ich weiß doch, dass du den Bus bekommen musst.«

»Ich mach noch schnell sauber, dann geh ich.«

In der Küche hole ich eine Plastiktüte aus dem Schrank unter der Spüle und sammle vorsichtig die Glasscherben ein. Dann wische ich den restlichen Saft auf, wasche mir die Hände und gucke nach, ob die Sauerei auf meiner cremefarbenen Bluse gelandet ist. Erleichtert stelle ich fest, dass sie verschont geblieben ist. Gott sei Dank. Ich habe wirklich keine Zeit, mich noch mal umzuziehen.

Ich schmeiße Handy und Schlüssel in die Handtasche, dann bringe ich Dad ein Glas Wasser.

»Danke.« Er nimmt es mit steifen Fingern an, sein Lächeln gleicht eher einer Grimasse.

Ihn dabei zu beobachte, wie er das Glas vorsichtig an den Mund führt, daran nippt und es dann wacklig auf den Tisch neben sich stellt, lässt mein Herz schmerzen.

Ich stelle sicher, dass das Bibliotheksbuch in Reichweite für ihn ist und lege ihm die Fernbedienung hin. »Ich muss jetzt los. Susan kommt bald vorbei und sieht nach dir.«

Er murmelt etwas, vermutlich wenig Schmeichelhaftes, vor sich hin, und ich unterdrücke ein Lächeln. Unsere Nachbarin Susan ist nicht die Freundlichste. Aber ich bezahle sie, damit sie ein paarmal am Tag nach Dad sieht, wenn ich auf Arbeit bin. Es ist nicht ideal, weil die beiden nicht gerade beste Freunde sind, aber etwas anderes können wir uns gerade nicht leisten.

Ich streiche ihm sein lichtes Haar aus der Stirn und bemerke, wie grau die einst blonden Strähnen geworden sind. Dann drücke ich ihm einen Kuss auf den Kopf. »Hab dich lieb.«

Der Geruch von Seife und Shampoo anstelle von Farbe und Terpentin, der mir so vertraut ist, jagt mir einen plötzlichen Anflug von Heimweh ein. Kann man Heimweh nach einem Geruch haben?

Sein leicht grimmiger Gesichtsausdruck, den er, seit ich Susan erwähnt hab, trägt, weicht einem der Zuneigung. »Hab dich auch lieb, Schatz.« Er drückt mit kaum vorhandener Kraft meine Hand. »Na, geh schon. Ich will nicht, dass du zu spät kommst.«

Ich werfe einen Blick auf die Uhr und versuche, nicht das Gesicht zu verziehen. »Okay. Hab einen schönen Tag.« Ich greife nach meiner Handtasche, werfe über die Schulter noch einen Blick auf ihn, dann flitze ich zur Tür.

Wie immer, wenn ich das Haus verlasse, streiche ich mit den Fingern über den Rahmen des großen Gemäldes, das im Flur hängt. Es ist eine wunderschöne Darstellung Manhattans, bei Morgendämmerung, wenn der Nebel dem sanften Licht eines neuen Tages weicht. Es ist mein Lieblingsgemälde von Dad, deshalb hat er es auch nie verkauft.

Noch ein Blick auf die Uhr, dann verlasse ich das Apartment. Nachdem ich die Treppen so schnell wie möglich genommen habe, mache ich mich im Schnellschritt auf den Weg zur Bushaltestelle und hoffe, dass ich es noch pünktlich schaffe. Geoff wartet nur auf einen Grund, mich zu feuern, aber ich brauche diesen Job. Und ich bin gut darin, auch wenn er mir nicht gefällt.

Als ich um die Ecke biege, fährt der Bus gerade los. Ich renne wild winkend zur Haltestelle, aber der Busfahrer würdigt mich keines Blickes. Leise fluchend drücke ich mir die Tasche gegen den Bauch und stelle mich aufs Warten ein.

Jetzt fehlt nur noch, dass es anfängt zu regnen. Mit zurückgelegtem Kopf betrachte ich die bedrohlich grauen Wolken und drücke in Gedanken die Daumen, dass es dabei bleibt.

Wie durch ein Wunder betrete ich eine Weile später trocken, wenn auch etwas erschöpft, das Büro. Ich lasse mich auf meinen Stuhl fallen und hoffe, dass Geoff noch nicht da ist. Um Viertel nach neun kann das sein, denn normalerweise kommt er immer um diese Zeit. Er möchte, dass ich vor ihm da bin. Wahrscheinlich gibt es ihm irgendeinen Kick, an mir vorbeizustolzieren und mir seine täglichen Kaffeebestellungen entgegenzurufen, als würde ich nur existieren, um seine Koffeinbedürfnisse zu bedienen.

Unglücklicherweise öffnet sich seine Bürotür gerade, als ich mich eingeloggt und angefangen habe, mein Postfach zu sortieren. Geoff schlendert heraus, ein selbstzufriedenes Lächeln im Gesicht.

»Schön, dass Sie es auch geschafft haben.«

Wenn man bedenkt, dass ich weniger als zwanzig Minuten zu spät und sonst fast immer pünktlich bin, ist sein Kommentar komplett unangebracht. Aber ich beiße die Zähne zusammen und zwinge mich zu einem Lächeln. »Entschuldigen Sie, Mr Clarkson. Ich musste –«

Er winkt ab. »Ich will keine Ausreden hören. Was ich will, ist, dass Sie den Job machen, für den ich Sie bezahle.«

Ich unterdrücke den Drang ihm zu sagen, dass der Job, für den er mich bezahlt, nicht beinhaltet, im Kopierzimmer von ihm in die Ecke gedrängt und angegraben zu werden – aber das hätte ihn auch nicht abgehalten.

Allein der Gedanke lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ich spüre seine verschwitzte Hand noch immer auf meinem Rücken und die feuchte Hitze seines Atems in meinem Nacken, als er mich eingeladen hat, die restliche Arbeit mit einer Flasche Wein in seinem Apartment zu erledigen. Als ich ablehnte, hat er nicht darauf bestanden, nur spöttisch gegrinst und ist dann gegangen. Aber seitdem hat er mich auf verschiedene unterschwellige Weisen spüren lassen, dass ihm meine Abfuhr nicht gefallen hat. Und obwohl ich ihm gern sagen würde, dass er sich seinen passiv-aggressiven Mist – und diesen Job – sonst wohin schieben kann … Ich kann das nicht.

Ich bin zu sehr auf diesen Job angewiesen, und mit Dads Gesundheitsproblemen brauchen wir beide die Stabilität.

Dafür kann ich mich mit einem Arschloch-Chef rumschlagen.

Nur, dass in letzter Zeit nichts mehr stabil zu sein scheint. Nicht seit der Übernahme.

Geoff zupft erst die eine, dann die andere Manschette zurecht, seine Bewegungen mit Absicht übertrieben. »Das Team von Exelsior wird um zehn Uhr hier sein. Bitten Sie sie herein, sobald sie ankommen.«

»Ja, Sir.«

Mit einem Nicken dreht er sich um. In der Tür zu seinem Büro hält er inne und dreht sich noch einmal zu mir um. »Und holen Sie mir meinen Kaffee. Er hätte schon vor fünfzehn Minuten auf meinem Tisch stehen sollen.«

Als er die Tür endlich hinter sich schließt, seufze ich und mache mich auf den Weg zur Teeküche. Geoff hat eine Kaffeemaschine in seinem Büro, aber er besteht darauf, dass ich ihm trotzdem einen bringe. Mir würde es nicht so viel ausmachen, wenn er nicht von mir verlangen würde, den Kaffee direkt vor ihm abzustellen, nur damit er mir auf die Brüste starren kann.

Aber heute lenkt das nervöse Gefühl in meinem Bauch mich von meinem schleimigen Boss ab. ExelsiorRealEstateHoldings hat vor Kurzem TalonDevelopments gekauft, was bedeutet, dass alle, die hier arbeiten, um ihren Job bangen müssen. Außer Geoff. Als CEO wurde ihm nach der Übernahme eine hochrangige Stelle versprochen. Ich kann nur hoffen, dass sie mit dem Rest von uns auch so gutmütig sind. Und dass Geoff mich, obwohl ich sein »Angebot« abgelehnt habe, als seine Assistentin behält.

Um Punkt zehn tauchen vier mürrisch dreinblickende Männer von Exelsior auf. Nachdem ich sie, wie beauftragt, in Geoffs Büro führe, gehe ich zurück an meinen Schreibtisch und beantworte unkonzentriert E-Mails, wobei ich immer wieder nervös zur Tür sehe.

Sie bleibt geschlossen, als wolle sie mich verhöhnen.

Einer anderen Person ausgeliefert zu sein, gibt mir ein ungutes Gefühl. Ich arbeite bei Talon, seit ich vor drei Jahren meinen Abschluss in Büroverwaltung gemacht habe. Zuerst für Geoff Senior, einen scharfsinnigen, aber fairen Mann, für den ich gern gearbeitet habe, und seit sechs Monaten für seinen deutlich weniger angenehmen Sohn. Ich hoffe, Loyalität ist ihm genauso wichtig, wie sie es für seinen Vater sicherlich war.

Ich widerstehe der Versuchung, an meinen Nägeln zu kauen, richte meine Aufmerksamkeit auf den Monitor und versuche mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

Eine halbe Stunde später schwingt die Tür endlich auf, und Geoff begleitet seine Gäste hinaus. Er gibt ihnen die Hand, sein Lächeln so schmierig wie immer, dann steigen die vier Männer von Excelsior in den Aufzug, ohne auch nur einen Blick in meine Richtung zu werfen.

Geoff hat mich dagegen direkt im Visier. »Ich muss in meinem Büro mit Ihnen sprechen, Chloe.«

Mit flauem Magen stehe ich nickend auf, und in der Hoffnung, dass er nur einen Auftrag für mich hat, greife ich nach Notizblock und Stift. Dann folge ich ihm zu seinem Schreibtisch.

Nachdem ich ihm gegenüber Platz genommen habe, streicht er mit einer Hand über seine Krawatte. »Ich komme direkt zum Punkt. Excelsior strukturiert die Firma um.«

Meine Kehle wird trocken, und trotzdem will ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich meinen Job behalten kann.

Geoffs nächste Worte reißen mir diesen Boden direkt unter den Füßen weg.

»Sie haben ihren eigenen Pool an Assistenzkräften, also ist Ihre Position ab sofort überflüssig. Das spiegelt natürlich nicht Ihre Leistung wider. Das ist nur eine Geschäftsentscheidung.«

Ein Wort bekommt meine ungeteilte Aufmerksamkeit. »Sofort? Ich … Ich dachte, ich würde etwas Zeit bekommen, um … um …«

Geoffs Lächeln strotzt vor falschem Mitgefühl. »Aufgrund des abrupten Charakters Ihrer Kündigung bekommen Sie natürlich eine Abfindung. Ein Wochengehalt für jedes Jahr, das Sie für uns gearbeitet haben, plus Vergütung ungenutzter Urlaubstage.«

Mir rutscht das Herz in die Hose. Nur drei Wochengehälter? In so kurzer Zeit einen neuen Job zu finden, besonders einen, der so gut zahlt wie dieser, würde einem Wunder gleichen. Mir brennen die Augen, aber ich halte die Tränen zurück. Ich weigere mich, ihm zu zeigen, wie ich meine Fassung verliere.

Es verletzt meinen Stolz zu fragen, aber ich tue es trotzdem: »Besteht die Möglichkeit, eine andere Stelle innerhalb der Firma zu bekommen? Vielleicht im Assistenzpool? M-mein Dad ist auf mein Einkommen angewiesen, besonders für seine medizinischen Ausgaben.«

Geoff lehnt sich in seinem Stuhl zurück und faltet die Hände über seinen dicken Bauch. »Der Pool ist voll. Aber wenn Sie fragen, wird die Personalabteilung Ihren Lebenslauf sicherlich aufbewahren. Und natürlich werden sie Ihnen auch ein Arbeitszeugnis schreiben. Denken Sie daran, dort den Papierkram für Ihre Abfindung auszufüllen, bevor Sie gehen.«

Ruckartig stehe ich auf, meine schwitzigen Hände umklammern Notizblock und Stift. Wut, gemischt mit einem ekelhaften Gefühl von Verletzlichkeit, durchströmt mich. Ich will ihn anschreien, von ihm verlangen, dass er sich wie ein anständiger Mensch verhalten solle. Dass er ein anständiger Mensch sein solle. Aber ich brauche noch das Arbeitszeugnis.

Trotzdem kann ich nicht so professionell höflich sein, wie ich es in den letzten sechs Monaten gewesen bin, also drehe ich mich ohne ein weiteres Wort um, gehe und schließe die Tür hinter mir.

Mit steifen Bewegungen kehre ich an meinen Schreibtisch zurück und packe meine Habseligkeiten ein. Es dauert nur Minuten, um jegliche Beweise, dass ich je hier war, zu beseitigen. Mir ist nie aufgefallen, wie wenig persönliche Sachen ich mitgebracht habe oder wie unpersönlich sich mein Schreibtisch anfühlt.

Nachdem ich alles in meiner Tasche verstaut habe, blicke ich mich noch einmal um, dann fahre ich mit dem Aufzug hinunter in die Personalabteilung, wo mir Gwen, eine nette ältere Dame, mit der ich ab und zu eine Tasse Kaffee getrunken habe, traurig zulächelt.

»Es tut mir so leid, Chloe«, sagt sie und weiß offensichtlich schon, welche Stellen gestrichen wurden. »Es ist ein Fehler, dich gehen zu lassen. Du bist eine der fleißigsten Mitarbeiterinnen hier.«

Ich lächle zittrig. »Danke, das weiß ich zu schätzen.«

Sie schiebt eine Abfindungsvereinbarung über die Theke, gefolgt von der Bestätigung meines letzten Gehaltsschecks.

Als ich die Formulare nur anstarre, drückt sie meine Hand. »Ich bin mir sicher, du findest bald etwas Neues. Ich werde dein Arbeitszeugnis höchstpersönlich schreiben.«

Ich erwidere den Druck und erzwinge ein Lächeln, von dem ich hoffe, dass es überzeugender ist, als es sich anfühlt. Dann nehme ich den Stift von der Theke und unterzeichne die Formulare, die das Ende meiner Anstellung bedeuten. Gwen kopiert die Formulare und reicht mir die noch warmen Kopien. Nachdem ich sie in meine Tasche gepackt habe, verabschiede ich mich ein letztes Mal von ihr und gehe.

Auf der Busfahrt nach Hause rasen meine Gedanken, ich rechne aus, wie lange die Abfindung reicht, nachdem ich sie zu dem bescheidenen Ersparten rechne, das Dad und ich haben. Um meine Hände zu beschäftigen, hole ich mein Handy raus und mache eine Liste mit Dingen, die ich tun muss, wie meinen Lebenslauf aktualisieren und Arbeitslosigkeit anmelden.

Als der Bus an meiner Haltestelle ankommt, brauche ich eine Ablenkung, damit ich nicht weiter alles zerdenke. Auf meinem kurzen Heimweg rufe ich meine Freundin Lola an.

Als sie abnimmt, begrüßt mich der schrille Schrei ihres Sohnes. »Ist es gerade schlecht?« Verdammt, ich hoffe ich habe keinen der beiden aufgeweckt.

Sie lacht müde. »Es ist nie schlecht, von dir zu hören. Gib mir eine Sekunde.«

Sie summt leise, und das Schreien hört auf.

»Okay«, sagt sie. »Er hat angedockt, ich kann reden.«

»Wie läuft das Leben als Mama eigentlich so?«

Christopher ist jetzt zwei Monate alt, und ich habe ihn erst zwei Mal gesehen, weil sie jetzt weiter weg wohnen und ich nicht mehr schnell für eine Stippvisite vorbeischauen kann. Lola scheint in ihrer neuen Rolle komplett aufzugehen. Sie mag erst vierundzwanzig sein, genau wie ich, aber sie und ihre Highschool-Liebe Jamie haben jung geheiratet, und eine Familie zu gründen stand ganz oben auf ihrer To-do-Liste.

»Anstrengend, aber ich liebe es. Er ist so ein Schatz. Und er schläft mittlerweile länger. Das hilft.« Sie seufzt zufrieden. »Was ist bei dir so los? Weißt du schon was wegen deines Jobs?«

Meine Schultern spannen sich wieder besorgt an. »Ich bin seit heute arbeitslos.«

Lola schnappt nach Luft. »Du verarschst mich. Geoff, der Spanner, hat sich nicht für deinen Job eingesetzt?«

Ich schlucke den Ekel und die Wut runter, die ich beim Klang seines Namens empfinde. »Es war naiv von mir, zu glauben, er würde es tun. Der einzige Fehler, den ich gemacht habe, war, ihn wissen zu lassen, dass ich nicht mit ihm schlafen würde.«

»Für manche Männer ist das Grund genug.«

»Ich muss schnell einen neuen Job finden.« Ich beiße mir auf die Unterlippe. »Meine Abfindung ist ein Witz.«

Lola ist so lange still, dass ich fürchte, der Anruf wäre abgebrochen. Ich bin kurz davor, das Handy vom Ohr zu nehmen und nachzusehen, ob sie noch da ist, als sie sagt: »Warum siehst du das nicht als Zeichen, dass du wieder mit dem Malen anfangen sollst? Du hast diesen Wettbewerb gewonnen, und ich wette, du könntest gutes Geld damit verdienen, wenn du es versuchst. Du brauchst heutzutage nicht mal eine Galerie – verkauf deine Sachen einfach online.«

Mein Lachen ist leicht hysterisch. »Lola, dieser Wettbewerb war in der Highschool. Und ich habe keine Zeit zum Malen mehr. Geschweige denn die Sicherheit, dass ich genug verkaufen kann, um die Rechnungen zu bezahlen. Dads Medikamente reichen nur noch für einen Monat. Dann braucht er neue.«

Lola seufzt. »Ich weiß, ich weiß. Es ist unrealistisch. Aber es ist eine Schande, dein Talent und deine Leidenschaft so zu verschwenden. Vielleicht fängst du erst mal hobbymäßig an zu malen. Dann könntest du neben deinem Job einen Onlineshop aufbauen. Und sobald du genug Geld verdienst, kannst du kündigen und Vollzeit malen.«

»Irgendwann vielleicht.« Ich schätze es, dass sie an mich glaubt, wenn auch vergeblich. Als Kind habe ich es geliebt zu malen. Ich war vielleicht sogar gut darin, ich bin immerhin die Tochter meines Vaters, aber ich weiß, wie schwer es ist, als Künstler ein stabiles Einkommen zu erzielen. Selbst Dad hatte Schwierigkeiten. Und jetzt, da er auf mich angewiesen ist? Das kann ich nicht riskieren. Was würde passieren, wenn alles, was ich aufgebaut habe, in sich zusammenfällt?

Die Gefahr ist deutlich geringer, wenn ich einen guten Job und ein regelmäßiges Gehalt habe. Vorausgesetzt, so was wie heute passiert nicht noch einmal.

Lola brummt, und allein in diesem einzigen Geräusch steckt viel zu viel Skepsis. »Ich habe vielleicht noch eine andere Lösung. Jamies Schwägerin arbeitet für eine Personalagentur, die Positionen im administrativen Bereich in großen renommierten Firmen besetzt. Wenn du deinen Lebenslauf einreichst, lege ich ein gutes Wort für dich ein.«

»Wirklich?« Hoffnung flammt in meiner Brust auf. Eine große erfolgreiche Firma könnte höheres Gehalt bedeuten, was Dads Behandlungen und Medikamente erschwinglicher machen würde.

»Natürlich. Sobald ich Christopher fertig gestillt habe, schicke ich dir die Infos.«

Wir reden noch eine Weile und verabschieden uns erst, als ich an der Tür von Dads Wohnung ankomme.

Meiner Wohnung. Nach zwei Jahren sollte es leichter sein, sich daran zu erinnern.

Bevor ich reingehe, halte ich noch einmal inne, schließe die Augen und sammle mich. Für Dad ist alles schon schwer genug, auch ohne den zusätzlichen Stress meiner Arbeitssorgen.

Ich atme tief ein, setze ein strahlendes Lächeln auf und drehe den Türknauf.

2

Roman

Der wummernde Bass und die zuckenden Lichter machen mir Kopfschmerzen. Ich bin fast neununddreißig. Ich bin zu alt für diese Scheiße.

Die wunderschöne Brünette, die neben mir sitzt, fährt mit einem feuerrot glänzenden Fingernagel meinen Unterarm entlang. »Ich kann nicht glauben, dass du der Inhaber von diesem Club bist. Das ist so heiß.«

»Mitinhaber«, antworte ich abwesend. Ich sollte mich mehr auf sie konzentrieren. Auf die Wölbung ihrer Brüste über dem engen schwarzen Top und die langen glatten Beine, die sie immer wieder überschlägt, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Aber meine Gedanken sind im Büro. Wo ich sein sollte. Wo ich sein will. Stattdessen sitze ich hier und trinke Whiskey. Bei der Eröffnung eines weiteren Nachtclubs, der mir und meinen Brüdern gehört.

Apropos Brüder. Ich scanne die Umgebung, bis ich Tate finde, der sich, wenig überraschend, mit seiner Verlobten Violet auf dem Schoß in eine Ecke zurückgezogen hat. Er flüstert ihr etwas ins Ohr, und sie lacht, den Kopf in den Nacken gelegt.

Ich schüttle den Kopf. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem mein jüngster Bruder sesshaft wird – geschweige denn, sich verlobt. Aber ich habe ihn nie glücklicher gesehen. Was mich seltsamerweise glücklich macht.

Mein anderer Bruder Cole ist heute nicht hier. Da er und seine Frau in ein paar Wochen ein Kind bekommen, steht verständlicherweise ganz unten auf ihrer Prioritätenliste, Zeit in einem Nachtclub zu verbringen.

Auf meiner eigentlich auch. Aber es ist gut fürs Geschäft, sich bei der Eröffnung eines Clubs oder Restaurants blicken zu lassen. Die Investoren der King Group sehen gern, wie wir unsere Erfolge feiern, auch wenn diese Unternehmen nur Nebenprojekte für uns sind. Es stärkt wahrscheinlich das Vertrauen in die Unternehmensführung – etwas, das wir dringend gebraucht haben, als wir vor knapp drei Jahren die Firma übernommen haben. Aber ich habe absolut keine Lust drauf.

Besonders heute Abend.

Die Frau neben mir lenkt ihre Aufmerksamkeit auf meinen Oberschenkel, ihre Finger streichen über den Stoff meiner Anzughose, gefährlich nah an meinem Schwanz.

Er zuckt als Antwort, aber ich ignoriere ihn. Ich habe wichtigere Dinge im Kopf als eine höchstwahrscheinlich mittelmäßige Nummer mit einer Frau, deren Namen ich in dem Augenblick vergessen werde, in dem mein Fahrer sie nach Hause bringt.

Wie die Übernahme von EcoTech Building Solutions – eine Firma, die auf innovative, umweltfreundliche Bautechnik spezialisiert ist –, das würde die führende Position der King Group in der Branche für nachhaltige Luxusimmobilien für die nächsten Jahre festigen. Daran arbeite ich schon, seit ich die Führung übernommen habe.

Aber mehrere Firmen machen EcoTech den Hof, und ihr Besitzer Ellis Anderson besteht darauf, einen Partner zu finden, dessen ethische Standards sich mit seinen decken. Weil der vorherige CEO der King Group ein bekannter Womanizer war und wegen Insiderhandel im Knast sitzt, ist es ein mühsamer Kampf zu beweisen, dass die neue Führung nicht im Ansatz wie die alte ist. Es ist auch nicht gerade förderlich, dass die neue Führung, meine Brüder und ich, die Söhne des vorherigen CEOs sind.

Wir drei haben in den letzten Jahren unser Bestes gegeben zu beweisen, dass die Äpfel in der King Familie weit vom Stamm gefallen sind. Solange wir skandalfrei bleiben, haben wir gute Chancen auf diese Übernahme. Jetzt, da Cole verheiratet ist und bald Vater wird, und Tate, der früher das Lieblingsopfer der Paparazzi war, glücklich vergeben ist, sollte die Firma endlich aus Dads Schatten getreten sein.

Auch wenn ich dasselbe nicht von mir behaupten kann.

Das Gefühl, wie jemand meinen Oberschenkel drückt, bringt meine Aufmerksamkeit zurück zu der Brünetten, Brianna, glaube ich? Sie macht einen hübschen Schmollmund. Wahrscheinlich weil ich sie, seit sie sich neben mich gesetzt hat, nur ignoriert habe.

»Warum so ernst, Hübscher? Du solltest Spaß haben.« Sie beugt sich zu mir rüber, und ihre fast entblößte Brust streift meinen Arm. »Damit kann ich dir helfen.« Ihre Lippen streifen mein Ohr. »Ich habe keinen Würgereflex.«

Mein Schwanz zuckt jetzt etwas euphorischer. Es ist Monate her, dass ich die Nacht mit einer Frau verbracht habe, und für den Bruchteil einer Sekunde denke ich darüber nach, ihr Angebot anzunehmen. Wie in allen unserer Clubs sind die VIP-Toiletten luxuriös. Ich könnte sie zu einer bringen und sehen, wie schnell sie auf die Knie gehen und es mir besorgen könnte, bevor ich mich revanchiere.

Ich schiebe die Idee sofort beiseite. So verlockend es auch sein mag, ich habe mich besser unter Kontrolle. Besser unter Kontrolle als mein Vater. Dad hätte Brianna schneller in einem der Toilettenräume, als er einen neuen Deal an Land ziehen konnte.

Aber er ist im Gefängnis, wo er hingehört. Und ich führe jetzt die Firma. Das Letzte, was ich tun will, ist, in seine Fußstapfen treten, wenn es um etwas anderes als die Leitung der Firma geht.

Ich nehme Briannas Hand von meinem Oberschenkel, den sie gerade lasziv massiert. »Heute nicht.«

Sie weicht mit hochgezogenen Brauen zurück. Sie ist es wohl nicht gewohnt, nach ihrem Würgereflex-Bekenntnis abgewiesen zu werden.

Die Musik wechselt und der Beat wird noch hektischer. Ich sehe auf die Uhr. Es ist fast elf. Ich war lange genug hier. Sobald ich nur in die Richtung der Bedienung gesehen habe, kommt sie angelaufen.

»Ja, Mr King?«

»Noch einen Drink für die Lady.« Ich deute mit dem Kopf auf Brianna, deren Gesichtsausdruck sich verfinstert, als sie merkt, was ich vorhabe. Als sie eine Flasche Cristal bestellt, zucke ich mit keiner Wimper. Es ist nicht so, als könnte ich es mir nicht leisten, und wenn sie das braucht, um über die Abfuhr wegzukommen, soll es mir recht sein. So wie sie aussieht, wird sie nicht lange allein bleiben.

Ich nicke erst der Bedienung zu und dann Brianna, dann stehe ich auf und bahne mir den Weg rüber zu Tate und Violet.

»Ich bin weg«, sage ich, als ich bei ihnen ankomme.

Tate wirft einen kurzen Blick auf Brianna, die jetzt allein sitzt. »Ich hoffe, du gehst wenigstens nach Hause und nicht zurück ins Büro.«

Als ich eine Augenbraue hochziehe, schüttelt er gespielt fassungslos den Kopf. »Es ist Freitagabend, Mann. Du musst auch mal Pause machen.«

»Was glaubst du, was die letzten zwei Stunden waren?«

»Für dich? Arbeit.«

Er kennt mich zu gut. Aber da ich sowieso zu wenig Schlaf bekomme, kann ich auch gleich produktiv im Büro sein, anstatt zu Hause Zeit zu verschwenden. »Wir sehen uns Montag.«

Er verdreht die Augen und winkt ab. Er spielt sich sowieso nur auf. Auf keinen Fall werden er und Violet noch länger als zehn Minuten bleiben. Die zwei können die Hände nicht voneinander lassen. Früher hätten Tate diese Art von Events und die Möglichkeiten, die sie eröffnen, vielleicht gefallen, aber heute hat er genauso wenig Lust zu bleiben wie ich. Nicht wenn er stattdessen Zeit zu zweit mit seiner Verlobten verbringen kann.

Apropos Verlobte. Violet beäugt mich mit gerunzelter Stirn und Sorge in ihren blauen Augen. Aber sie sagt nichts, sondern lächelt mich nur an.

Ich verabschiede mich, dann schreibe ich meinem Fahrer, während ich mich durch den vollen Club dränge. Als ich die Treppen hinuntergehe, wartet die schwarze Limousine bereits auf mich, und Phillip hält mir die Tür auf.

»Hatten Sie einen schönen Abend, Mr King?«

Ich rücke meine Manschettenknöpfe zurecht. »Definieren Sie schön.«

Er lacht. »Wenn Sie Clubs nicht mögen, warum investieren Sie dann immer wieder in welche?«

Ich werfe ihm einen Blick zu. »Weil sie Geld bringen.«

»Und davon brauchen Sie noch mehr?«

Ich schnaube. Phillip arbeitet seit fünf Jahren für mich, also kommt er im Gegensatz zu vielen anderen, die für mich arbeiten, mit einem solchen Kommentar davon.

Sobald ich sitze, schließt er die Tür und setzt sich hinters Steuer.

Ich starre aus dem Fenster, beobachte die Lichter der Autos und Gebäude, und meine Gedanken kehren zurück zu den schlechten Nachrichten, die ich heute Morgen bekommen habe. Meine langjährige Assistentin Lena hat die Kündigung eingereicht. Sie und ihr Mann ziehen nach Kalifornien. Ihre Tochter bekommt wohl bald ihr erstes Kind, und deren Freund hat sie sitzen lassen.

Ich würde nie sagen, dass ich ein weiches Herz habe, aber selbst ich kann verstehen, dass Lena jetzt für ihre Tochter da sein möchte. Trotzdem ist es alles andere als ideal, sie zu verlieren. Seit sieben Jahren hat sie dafür gesorgt, dass alles im Büro glatt abläuft, und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand ihren Job übernimmt und auch nur halb so gut ist.

Sie hat versprochen, einen angemessenen Ersatz zu finden, und ich kann nur hoffen, dass die Person, die sie für würdig empfindet, sofort anfangen kann. Am besten wäre ich bei den Vorstellungsgesprächen dabei, aber ich habe im Moment keinen freien Platz in meinem Kalender. Ich muss ihr vertrauen, dass sie jemanden aussucht, der meinen Ansprüchen entspricht.

Mit Lenas bevorstehendem Abschied und tausend anderen Sachen in meinem Kopf, warte ich nicht, bis ich im Büro bin, um weiterzuarbeiten. Ich gieße mir einen Whiskey aus der Karaffe in der Mittelkonsole ein, nehme einen Schluck, dann öffne ich meine E-Mail-App und formuliere eine Antwort.

3

Chloe

Ich lege den Kopf in den Nacken und schirme mit einer Hand die Sonne ab, die mir in die Augen scheint, damit ich das Ungetüm aus Stahl und Glas, das sich über mir erstreckt, erkennen kann. King Plaza. Das Hauptquartier der King Group und der Ort meines heutigen Vorstellungsgesprächs. Es ist, gelinde gesagt, Furcht einflößend.

Als die Personalagentur wegen einer Stelle, die sofort besetzt werden musste, anrief, habe ich die Chance direkt ergriffen. Ich musste. Vor zwei Wochen hat Geoff mich »gehen lassen«, und seitdem habe ich jede freie Minute damit verbracht, Jobportale zu durchforsten.

Seit vierzehn Tagen wache ich jeden Morgen mit von Panik zugeschnürter Brust auf. Die unwillkommene Erinnerung an die Zeit, nachdem sich Mom plötzlich aus unserem Leben verabschiedet hat, als ich vierzehn war. Damals hat Dad noch gemalt, aber als sie sich aus dem Staub gemacht hat, hat es ihn und seine Muse schwer getroffen. Bis dahin war mir nicht aufgefallen, wie schnell das Leben sich ändern kann. Wie leicht einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann.

Aber in Erinnerungen zu schwelgen wird mich nicht durch diese Tür bringen. Ich atme noch einmal tief ein, straffe meine Schultern und laufe so selbstbewusst wie möglich in Richtung des Eingangs.

Nachdem ich eingetreten bin, gehe ich zum Sicherheitsschalter in der Mitte des Foyers, meine Absätze klacken laut auf dem Marmorboden.

»Hi«, sage ich zu dem streng aussehenden Mann hinter der Theke. »Mein Name ist Chloe Callahan, und ich bin für ein Vorstellungsgespräch bei Lena Harris hier.«

»Chloe?«

Beim Klang der weiblichen Stimme drehe ich mich um und sehe eine ältere Frau mit schwarz gelocktem Haar und klugen braunen Augen. »Ich bin Lena.« Sie hält mir die Hand hin, und ich schüttle sie lächelnd.

»Schön, Sie kennenzulernen.«

»Hier entlang.« Sie deutet auf eine Reihe glänzender Aufzüge.

Ich folge ihr, und beim Betreten eines der Edelstahl-Aufzüge drückt Lena den Knopf für den vierten Stock. Bevor die Türen sich schließen, steigen hinter uns drei große Männer ein. Drei Männer, die ich dank meiner Recherche zur Firma direkt erkenne. Der mit den dunklen Haaren und den stechend blauen Augen ist Cole King, Chief of Operations bei der King Group. Der blonde mit den goldbraunen Augen ist Tate King, der Chief Marketing Officer, und der dritte ist … meine Kehle ist staubtrocken, als ich ihn mir ansehe. Der dritte ist Roman King, der CEO.

Mein potenzieller neuer Boss.

Die Männer sehen in echt viel besser aus als auf Fotos, besonders Roman. Von seiner Größe, locker eins fünfundneunzig, über seine breiten Schultern in diesem maßgeschneiderten dunkelgrauen Anzug und seine perfekt gestylten fast schwarzen Haare bis zu seinem markanten Kiefer, ist er mit Abstand der attraktivste Mann, den ich je im echten Leben gesehen habe.

Als die Türen sich endlich schließen huscht sein Blick zu mir, scharf und undurchdringlich. Ein langsamer Blick aus wolfsgrauen Augen, umrahmt von dichten dunklen Wimpern, wandert meinen Körper entlang und lässt Hitze durch meine Adern strömen. Als dieser faszinierende Blick erneut meinen trifft, ist die Luft zwischen uns wie aufgeladen. Das bilde ich mir aber wohl nur ein, denn abgesehen davon, dass er seine unglaublichen Augen leicht zusammenkneift, regt sich seine versteinerte Miene kein bisschen.

»Guten Morgen, Roman«, sagt Lena fröhlich, und er richtet seine Aufmerksamkeit auf sie, als hätte er jetzt erst gemerkt, dass sie auch da ist. »Sieht so aus, als würden Sie doch noch eine Ihrer zukünftigen Assistentinnen treffen.«

Er sieht mich wieder mit diesem intensiven Blick an, der fast schon an einen Laser erinnert. »Ist das so?«

Seine Stimme ist tief und weich und fast so schwer zu lesen wie sein Gesichtsausdruck. Und die Spannung in der Luft, als er mich zum ersten Mal angesehen hat, ist komplett verschwunden – wenn sie überhaupt da war.

Obwohl meine Kehle staubtrocken ist, zwinge ich mich zu schlucken und ihm mit meinem wärmsten Lächeln eine Hand hinzuhalten. »Freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mr King.«

Er zögert für einen Augenblick, dann umschließt seine große Hand meine. »Freut mich.« Bei seinem eiskalten Gesichtsausdruck hatte ich fast erwartet, dass sich seine Haut kühl anfühlt – als wäre er in Wahrheit ein sündhaft schöner Vampir. Aber seine Hand ist warm und weich. Auch wenn die Berührung mir eine Gänsehaut bereitet.

Bevor ich diese Reaktion hinterfragen kann, lässt er los.

Einen Moment später hält der Aufzug an, und die Türen öffnen sich.

»Hier müssen wir raus«, sagt Lena

Ich lächle Roman noch einmal an, aber er hat sich schon zu seinen Brüdern umgedreht.

Von seiner Geringschätzung wird mir ganz heiß. Er mag sündhaft schön sein, aber sonderlich charmant ist er nicht. Aber das ist vielleicht besser so. Mit fehlendem Charme kann ich umgehen. Für einen Mann zu arbeiten, der dermaßen attraktiv und dabei noch warmherzig und nett ist, könnte gefährlich sein. Die Gefahr, da eine Schwärmerei zu entwickeln, ist ein bisschen zu groß für meinen Geschmack.

Und jeder weiß, wenn man für seinen Chef schwärmt, ist das Chaos schon vorprogrammiert.

Die Türen schließen sich hinter uns, und ich frage Lena mit einem Räuspern: »Ist Mr King immer so …« Ich habe Schwierigkeiten ein Wort zu finden, das die Wirkung seiner Gegenwart beschreibt.

Lena lacht. »Abschreckend? Die kurze Antwort lautet: Ja. Aber ich würde eher sagen, er ist engagiert. Er ist einer der besten Geschäftsmänner, die ich kenne, aber er ist sehr fokussiert. Deshalb erwartet er von allen, die für ihn arbeiten, dass sie genauso fokussiert sind.«

»Das ist kein Problem«, beeile ich mich zu sagen, auch wenn die ständige Sorge um Dads Pflege an mir nagt.

Lena führt mich in ein kleines, aber luxuriös eingerichtetes Zimmer und deutet auf ein paar Sofas, die gegenüber voneinander platziert sind, dazwischen steht ein gläserner Couchtisch.

Nachdem wir Platz genommen haben, blicke ich zur Tür. »Wird Mr King nicht dabei sein?«

»Leider nein. Sein Terminplan ist randvoll. Aber er vertraut mir, jemand Passendes zu finden.«

Ich nicke und frage mich, ob meine Erleichterung, dass mein potenzieller Chef nicht beim Vorstellungsgespräch dabei ist, ein gutes Zeichen ist. Aber wenn er hier wäre und mich so ansehen würde wie eben im Aufzug, weiß ich nicht, ob ich dann noch einen klaren Gedanken fassen könnte – geschweige denn ohne Stottern sprechen.

»Also«, sagt Lena lächelnd. »Erzählen Sie mir etwas von sich.«

Wir verbringen die nächsten zwanzig Minuten damit, über meine Ausbildung und früheren Anstellungen zu sprechen. Ich antworte so taktvoll wie möglich, als sie mich nach Geoff fragt. Ich will nicht dafür bekannt sein, meinen alten Boss schlechtzureden.

»Sie haben also drei Jahre für Talon gearbeitet. Warum haben Sie dort aufgehört?«, fragt sie.

Das bedrückende Gefühl in meiner Brust, das mich seit zwei Wochen plagt, kehrt zurück. »Die Firma wurde aufgekauft, und einige Stellen wurden bei der Umstrukturierung gestrichen – auch meine.«

Sie nickt, als hätte sie vorher schon davon gewusst. Wahrscheinlich hat die Personalagentur diese Information weitergegeben.

»Haben Sie …«

Mein Klingelton ertönt schrill aus der Handtasche zu meinen Füßen. Scheiße. Ich habe vergessen, es stumm zu stellen, als ich angekommen bin. Ich habe es nie auf lautlos, damit ich es mitbekomme, wenn Dad mich braucht.

»Entschuldigung.« Ich krame in meiner Tasche und hoffe inständig, dass es irgendjemand ist, den ich einfach wegdrücken kann. Aber als ich mein Handy endlich finde, leuchtet Dads Name auf dem Display. Mir gefriert das Blut in den Adern. »Es tut mir so leid«, wiederhole ich. »Da muss ich eben drangehen.«

Lena zieht eine Augenbraue hoch, nickt aber.

Ich nehme den Anruf mit einem Daumenwischen an und halte mir das Handy ans Ohr. »Ist alles in Ordnung?«

Susans leicht nasale Stimme tönt durch den Hörer. »Dein Vater ist hingefallen. Ich habe ihm Schmerztabletten gegeben, und er scheint in Ordnung zu sein, aber ich dachte, ich gebe dir besser Bescheid, falls du auf dem Heimweg trödeln wolltest.«

Meine Hand verkrampft sich um das Handy. Sie weiß ganz genau, dass ich mich nicht einfach aus Jux in der Stadt rumtreibe. Mein Sozialleben liegt auf Eis, seit sich Dads Zustand vor ein paar Jahren verschlechtert hat. Da ich aber ihre Hilfe brauche, bleibe ich ruhig, anstatt ihr eine Ansage zu machen.

»Okay, danke, dass du Bescheid sagst. Macht es dir was aus, noch bei ihm zu bleiben, bis ich wieder da bin? Es sollte nicht mehr allzu lange dauern.«

Sie stimmt widerwillig ein, und mein Magen verknotet sich, als ich auflege. Es ist nicht Dads Schuld, aber das Timing seines Sturzes hätte nicht schlechter sein können. Auf keinen Fall habe ich jetzt noch Chancen auf diesen Job. Nicht, nachdem Lena vorhin von Konzentration gesprochen hat.

Ich lege das Handy zurück in die Tasche und lächle sie entschuldigend an.

»Kinder?«, fragt sie, ihre Stimme mit einem Verständnis durchzogen, mit der ich nicht gerechnet hätte.

»Mein Vater«, seufze ich. »Er hat rheumatoide Arthritis und ist gefallen.«

»Wohnen Sie bei ihm zu Hause?«

»Ja, ich bin vor ein paar Jahren wieder eingezogen, um ihn zu unterstützen.« Ich schüttle den Kopf. »Entschuldigen Sie noch mal die Unterbrechung, und ich verstehe, wenn ich ihre Zeit ver–«

Sie hebt die Hand. »Nicht so schnell. Sie haben jemanden zu Hause, der auf Sie angewiesen ist. Das ist verständlich, ich kann ein Lied davon singen.«

»Das weiß ich zu schätzen, aber ich nehme an, die Situation ist nicht optimal.«

Sie zuckt mit den Schultern. »Keine Situation ist optimal, und wir haben alle Menschen, die auf uns angewiesen sind – Kinder, Eltern, sogar Angestellte. Um ehrlich zu sein, gefallen Sie mir jetzt noch besser, wo ich weiß, wie Sie Ihrem Dad helfen.«

Der Knoten in meinem Magen löst sich ein wenig.

»Ich muss Sie allerdings fragen, passiert so etwas häufiger? Könnte es öfter vorkommen, dass Sie mitten am Tag das Büro verlassen müssen?«

»Nein, normalerweise ist er sehr vorsichtig. Seit ich wieder eingezogen bin, ist es erst das zweite Mal, dass er gefallen ist.«

»Okay.« Sie wirft einen Blick auf die Notizen vor sich. »Sie sind jung. Jemand so Junges würden wir normalerweise nicht für die Position der Assistenz der Geschäftsführung in Betracht ziehen. Aber Ihr Collegezeugnis ist beeindruckend, die Personalabteilung Ihres vorherigen Arbeitgebers hat Ihnen ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis geschrieben, und Sie kümmern sich um Ihren Vater. All das sagt mir, dass Sie engagiert sind, hart arbeiten und meiner Meinung nach«, sie lächelt schief, »wissen, Ihre Prioritäten zu setzen. Das ist mehr als ich von manch anderen in diesem Gebäude behaupten kann.«

Bei dem Lächeln auf ihren Lippen frage ich mich, ob sie über ihren Chef spricht.

Lena legt den Kopf schief und sieht mich prüfend an. »Sie gefallen mir für diese Stelle, Chloe. Ich glaube, Sie würden den dringend notwendigen frischen Wind ins Büro bringen. Aber wenn Sie diesen Job bekommen, müssen Sie wahrscheinlich länger arbeiten, als Sie gewohnt sind. Wäre das etwas, das Sie sich, trotz der Verantwortung, die Sie tragen, vorstellen könnten?«

Mir schwirrt der Kopf, ich wiege die Feinheiten der Situation ab. Der Job mag längere Arbeitszeiten haben, aber das Gehalt ist deutlich besser als das bei Talon. Wenn ich die Stelle bekomme, kann ich mir Dads Medikamente leisten, und vielleicht sogar einige der Behandlungen, durch die er wieder selbstständiger werden könnte. Das muss es wert sein, Susan zu fragen, ob sie öfter helfen könnte, auch wenn es Dad nervt. Und ich weiß, dass sie sich über das Extrageld freut.

»Auf jeden Fall. Ich habe eine Betreuung für meinen Dad, die sich kümmern kann, sollte ich früher anfangen oder länger bleiben müssen.«

Lena lächelt. »Okay. Ich habe heute Nachmittag noch ein paar Vorstellungsgespräche, also werde ich Ihnen meine Entscheidung heute Abend oder morgen früh mitteilen.«

»In Ordnung.«

Ich bin wie beflügelt, als ich einige Minuten später die Treppen des King Plaza hinuntergehe. Das könnte genau das sein, was wir brauchen. Aber dann erinnere ich mich an Susans Anruf und beschleunige meine Schritte. Mit den steifen Gelenken, die ihn so sehr schmerzen, kann ein Sturz Dad ganz schön mitnehmen.

Als ich nach Hause komme, verraten mir seine launische Stimmung und Susans allgemeine Verärgerung zum Glück, dass alles in Ordnung ist. Ich bringe Susan zur Tür und erwähne, dass ich möglicherweise länger arbeiten muss.

Sie grummelt etwas, aber stimmt schließlich zu, als ich ihr versichere, dass sie angemessen entschädigt wird. Sie ist Rentnerin und sowieso fast den ganzen Tag zu Hause. Wenn sie nicht nach Dad sieht, sitzt sie am Fenster und geht ihrer Beschäftigung als inoffizielle Nachbarschaftswache nach. Immerhin hält sie das auf Trab und lockert ihren Tagesablauf auf.

Nachdem sie weg ist, umsorge ich Dad und stelle sicher, dass es ihm gut geht. Sein Knie ist geschwollen und fühlt sich warm an, also hole ich ein Kühlpad aus dem Gefrierfach und lege es vorsichtig auf das dicke Gelenk. Ich bereite das Mittagessen zu, dann setzte ich mich auf die Couch direkt neben Dads Sessel und erzähle ihm von dem Vorstellungsgespräch.

Als ich ihm von dem kurzen Austausch mit meinem potenziellen neuen Chef erzähle, runzelt er die Stirn. »Denkst du wirklich, du könntest für so jemanden arbeiten?«

»Natürlich«, versichere ich ihm. »So engagiert und fokussiert er auch sein mag, er wird schon nicht unverschämt sein. Lena arbeitet seit Jahren für ihn, und sie scheint sehr nett zu sein.«

Dad sieht nicht überzeugt aus, nickt aber trotzdem. »Okay, Liebes, dann drücken wir mal die Daumen, dass du den Job bekommst.«

Den restlichen Nachmittag verbringe ich damit, mich abzulenken. Ich schaffe es sogar, nur zwei Mal auf mein Handy zu schauen, um sicherzugehen, dass es aufgeladen und nicht auf lautlos geschaltet ist, wie es bei dem Vorstellungsgespräch hätte sein sollen.

Als es kurz vor dem Abendessen klingelt, springe ich auf.

»Hallo?« Meine Stimme klingt nur ein wenig außer Atem.

»Hi, Chloe. Hier ist Lena.«

Sie hört sich fröhlich an, aber ich halte trotzdem die Luft an, denn ich will mir nicht unnötig Hoffnungen machen.

»Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie die Stelle bekommen haben.«

Erleichterung breitet sich in mir aus. »Vielen, vielen Dank!«

»Da Sie im Moment nicht arbeiten, könnten Sie direkt Montagmorgen anfangen?«

Mein Puls rast, aber ich zögere nicht. »Ja, natürlich.«

»Super. Ich werde nicht da sein, um Ihnen alles zu zeigen, aber Sophie, eine der anderen Assistentinnen, wird Sie herumführen.«

»Natürlich, das ist in Ordnung.«

Sie zögert. »Ich glaube, Sie werden eine ausgezeichnete Assistentin für Roman sein, aber wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, kann er ein bisschen … schroff sein. Lassen Sie sich von ihm nicht einschüchtern. Er wird noch früh genug herausfinden, dass Sie den Job gut machen, aber bis dahin müssen Sie ihm zeigen, was Sie können.«

Vor meinem geistigen Auge blitzen stahlgraue Augen auf und machen mich ganz nervös, trotzdem nicke ich entschlossen, auch wenn Lena es nicht sehen kann. »Ich denke, das bekomme ich hin.«

Sie gluckst. »Sie werden ganz hervorragend zurechtkommen.«

Während sie mir erklärt, was mich Montag erwartet, kann ich nur hoffen, dass sie recht behält.

4

Chloe

Als ich durch das Foyer des King Plaza gehe, fühlt es sich wie ein Déjà-vu an.

Der Mann am Sicherheitsschalter ist aber ein anderer als der am Tag meines Vorstellungsgesprächs.

»Hi. Mein Name ist Chloe Callahan. Heute ist mein erster Arbeitstag für die King Group.«

Er tippt etwas am Computer, dann nickt er lächelnd. »Sie müssen in den dreiundfünfzigsten Stock. Wenn Sie noch einen Moment warten, sage ich oben Bescheid, damit Sie jemand in Empfang nimmt. Dann können Sie hoch.«

Er nimmt den Hörer ab, drückt einen Knopf und spricht kurz mit jemandem. Einen Augenblick später begleitet er mich zu den Aufzügen und wartet mit mir, bis sich die Türen öffnen.

Er bedeutet mir einzusteigen, hält eine Karte an den Scanner und drückt den Knopf für den dreiundfünfzigsten Stock.

»Danke.« Ich lächle ihn breit an und versuche nicht zu zeigen, wie nervös ich bin. Doch als sich die Türen schließen und er mir zuzwinkert, bin ich mir nicht sicher, ob es mir gelungen ist.

Der Aufzug begibt sich leise in die Höhe, und ich atme tief ein, um mich zu beruhigen. Dieses Gebäude – und mein neuer Boss – sind zwar viel größer als bei meinem alten Job, aber der Job an sich ist der gleiche: hart arbeiten, alles für den Chef organisieren, immer professionell bleiben. Warum also bin ich so nervös?

Nach gefühlt nur einem Herzschlag macht der Aufzug leise pling, und die Türen öffnen sich. Mich begrüßt eine Frau mit rotbraunen Haaren, strahlenden haselnussbraunen Augen und einem breiten Lächeln.

Sie hält mir die Hand hin. »Du musst Chloe sein. Ich bin Sophie Emerson, Tate Kings Assistentin.« Sie sieht ein paar Jahre älter aus als ich, und ihr freundlicher Gesichtsausdruck beruhigt mich.

»Freut mich.«

»Ich werde dir alles zeigen und dir helfen, alles einzurichten«, sagt sie. »Lass uns erst zu deinem Schreibtisch gehen, dann holen wir deinen Sicherheitsausweis und gucken, ob alle deine Benutzerkonten funktionieren.« Und schon marschiert sie los.

Ich umklammere die Tasche fest, während ich mich bemühe, mit ihren langen Schritten mitzuhalten. Sie ist einige Zentimeter größer als ich mit meinen eins vierundsechzig.

Als ich bei ihr ankomme, grinst sie mich an und geht langsamer. »Sorry, hier gewöhnt man sich an das schnelle Tempo.«

»Ist es immer so hektisch hier?«

Sie verzieht das Gesicht, wenn auch gutmütig. »Immer.« Dann lacht sie. »Aber ich liebe es. Ich liebe, wie abwechslungsreich der Job ist und den Vibe im Büro. Und mein Boss, Tate, ist ziemlich entspannt.«

»Und Roman?«

Mit geschürzten Lippen sieht sie mich aus dem Augenwinkel an. »Ähm, na ja …«

Ich lache. »Ist schon in Ordnung. Als ich ihn getroffen habe, hatte ich schon den Eindruck, dass er nicht so der entspannte Typ ist.«

»Vielleicht nicht so entspannt wie Tate.« Sie lächelt mich verschmitzt an.

Ihre mühelos warmherzige Art ist beruhigend, und meine Nerven beruhigen sich noch etwas mehr.

Wir biegen um eine Ecke, und sie zeigt auf einen Schreibtisch. »Das ist deiner.« Dann deutet sie mit dem Kopf auf eine große, in eine Wand aus Milchglas eingelassene Mahagonitür, direkt gegenüber. »Das ist Romans Büro.«

Ich starre auf die Tür, und mein Puls beschleunigt sich. Ist er da drin? Ich denke an unser Treffen im Aufzug und wie er mich so intensiv angesehen hat.

Ich habe Schmetterlinge im Bauch.

Leise schnaufend schüttle ich den Kopf und wische die Reaktion beiseite. Er ist mein Chef, kein potenzieller Dating-Partner.

Sophie öffnet eine Schublade am Schreibtisch. »Du kannst deine Sachen hierlassen, dann holen wir deinen Ausweis.«

Ich verstaue meine Tasche, dann folge ich wieder ihren schnellen Schritten.

Eine halbe Stunde später sind wir zurück. Mein Ausweis ist noch warm und am Bund meines Rocks befestigt. Ich habe ein brandneues Tablet unterm Arm und in der Hand ein druckfrisches Blatt Papier mit meinen Passwörtern.

Sobald ich mich erfolgreich auf dem Computer angemeldet habe, beugt sich Sophie über meine Schulter und zeigt mir die Programme, die wir hier benutzen. Ich will gerade das Postfach öffnen, als eine schnelle Bewegung meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein Mann kommt mit energischen Schritten um die Ecke.

Breite Schultern, beeindruckende Größe und ein maßgeschneiderter Anzug.

Roman.

Mein Magen kribbelt, als der Blick aus diesen stechenden grauen Augen meinen trifft.

Er bleibt plötzlich stehen, und eine Falte bildet sich zwischen seinen dunklen Brauen. Er wendet sich an Sophie und zeigt auf mich. »Was macht sie hier?«

Ich setze mich reflexartig gerade hin. Er mag atemberaubend gut aussehen, aber er ist zweifelsohne unhöflich, wenn man bedenkt, dass ich ebenfalls anwesend bin.

Sophie sieht zwischen ihm und mir hin und her. »Äh, das ist Chloe Callahan. Sie ist Ihre neue Assistentin.«

Sein wohlgeformter Kiefer spannt sich an. »Nein, ist sie nicht.«

Was eben noch ein Kribbeln im Magen war, wird jetzt zu einem Krampf. »Was soll das heißen?«

Er kommt auf uns zu, sein Blick jetzt auf mich gerichtet. »Ich fürchte, Lena hat sich geirrt, als sie Sie eingestellt hat, Miss Callahan. Sie sind leider nicht die Richtige für diese Stelle.« Er wendet sich wieder an Sophie. »Rufen Sie die Agentur an. Sagen Sie ihnen, dass es ein Missverständnis gab und dass Miss Callahan keine Schuld trifft.« Er wirft mir einen Blick zu. »Sie können dann …«

Ein schmerzhaftes Pochen in meinen Schläfen übertönt seine nächsten Worte. Wovon redet er? Ich brauche diesen Job.

Ich hole tief Luft, schiebe den Stuhl zurück und stehe auf. Mit gerecktem Kinn sehe ich ihm direkt in die Augen. »Aus welchen Gründen bin ich nicht die Richtige für den Job?«

Er zieht eine Braue hoch, er ist wohl nicht daran gewöhnt, dass seine Angestellten ihm die Stirn bieten. Vielleicht wäre es schlauer, meinen Mund zu halten, aber anscheinend verliere ich den Job, wenn ich nichts sage, also ist es egal, ob ich ihn nerve oder nicht.

Sein Kiefer spannt sich noch mehr an, und er betrachtet mich einmal von oben bis unten, der Ausdruck in seinen Augen eiskalt und undurchdringlich. »Sie können nicht mehr als drei oder vier Jahre Berufserfahrung haben. Ich brauche eine erfahrene Assistenzkraft – jemanden, der sich mit Geschäftsprozessen auskennt, strategische Unterstützung bieten kann und die erste Ansprechperson für Vertragsabschlüsse im Milliardenbereich ist. Ganz abgesehen davon, dass diese Person mit Klienten umgehen kann, die ein größeres Ego und mehr Macht haben, als Sie mit umzugehen wissen.«

Ich kann ein Schnauben gerade noch so zurückhalten. Wenn ein Esel den anderen Langohr schimpft. Ich würde ihn gern darauf hinweisen, aber ich glaube, damit tue ich mir keinen Gefallen.

»Wie gesagt«, sagt er. »Sophie wird die Agentur anrufen und –«

Ich werde nicht dabei zusehen, wie mir dieser Job durch die Lappen geht, weil wieder ein arrogantes Arschlosch im Anzug denkt, er wäre was Besseres. »Ja, ich bin jung«, unterbreche ich ihn wieder, und ich könnte schwören, seine Zähne aufeinanderprallen zu hören. »Aber das bedeutet nicht, dass ich unfähig wäre, all diese Dinge zu tun. Ich habe die letzten drei Jahre als Assistenz der Geschäftsführung gearbeitet. Die Firma war zwar nicht so groß wie diese, aber ich musste schnell und unter Druck arbeiten, und damit konnte ich gut umgehen. Sie haben keinen Grund zu glauben, ich könnte diesen Job nicht machen. Lena ist offenbar sicher, dass ich das kann.«

Sophie beobachtet unseren Austausch mit großen Augen und offenem Mund.

Romans Blick verdunkelt sich. »Miss Callahan. Ich bezweifle nicht Ihr Können. Ich sage Ihnen lediglich, dass Sie für diese bestimmte Stelle nicht geeignet sind. Das soll keine Beleidigung sein. Das ist bloß eine Tatsache. Es tut mir leid, Ihre Zeit verschwendet zu haben, aber je früher Sophie mit der Agentur sprechen kann, desto schneller können wir das regeln.«

Er dreht sich zu seinem Büro, aber bevor er darin verschwinden kann, schieße ich hinter dem Schreibtisch hervor. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. »Geben Sie mir den heutigen Tag, und ich beweise Ihnen, dass ich in der Lage bin, diesen Job zu machen.«

Er dreht sich langsam um, sein Gesichtsausdruck ein unlösbares Rätsel, während er mich kritisch beäugt. Ich halte seinem Blick mit angehaltenem Atem stand. Ich bin mir sicher, dass er mich gleich auslachen und rausschmeißen wird.

Aber stattdessen reibt er sich übers Kinn, lässt die Stille und die Anspannung anschwellen, bis er schließlich nickt. »In Ordnung, Miss Callahan.« Die Art, wie er mit seiner rauen Stimme meinen Namen sagt, jagt mir einen Schauder über den Rücken. »Dann sehen wir mal, ob Sie das Zeug haben, mich zu beeindrucken.«

Ohne auf meine Reaktion zu warten, geht er in sein Büro und schließt die Tür hinter sich.

5

Roman

Auf dem Weg zum Schreibtisch hole ich mein Handy aus der Hosentasche und rufe Lenas Kontakt auf.

Sie meldet sich mit einem fröhlichen: »Wie geht es meinem Lieblings-Ex-Chef?«

Ich lasse mich von ihrer sonnigen Begrüßung nicht irritieren. »Was zum Teufel haben Sie getan?«

»Wovon sprechen Sie denn?«

Sie hat diesen unschuldigen Ton in den letzten Jahren häufig benutzt. Mich täuscht sie damit aber nicht.

»Sie haben genau die Person eingestellt, von der ich Ihnen explizit gesagt hatte, es nicht zu tun.«

Als ich nach Chloes Vorstellungsgespräch mit Lena gesprochen habe, sagte ich ihr, sie solle jemand anderen suchen. Jemand, der älter ist, erfahrener – so wie sie. Keine Frau, die aussieht, als käme sie gerade frisch vom College. Keine Frau mit seidigem hellblonden Haar, vollen rosigen Lippen und großen Augen, die nicht so recht wissen, ob sie blau oder grün sein sollen.

Auf keinen Fall eine Frau, bei der ich in der ersten Sekunde, in der ich sie ansah, darüber nachdachte, wie sich diese Lippen wohl an meinem Schwanz anfühlen würden.

Ihre Attraktivität ist aber nicht das größte Problem, das ich mit ihr habe, denn im Gegensatz zu meinem Vater kann ich mich in der Gegenwart von Frauen kontrollieren, besonders wenn sie für mich arbeiten. Das Problem ist, dass Lena genau wusste, welche Qualifikationen ich von einer Assistentin erwarte, und sie hat einfach über meinen Kopf entschieden und sie trotzdem angestellt.

Bei dem Gedanken durchfährt mich eine weitere Welle der Verärgerung.

»In keiner Welt kann eine Frau in ihrem Alter eine kompetente Assistentin sein«, knurre ich. »Das habe ich Ihnen gesagt.«

In den letzten sieben Jahren hat Lena das Büro wie eine gut geölte Maschine betrieben. Wenn ich die King Group ganz oben behalten will, wo sie hingehört, brauche ich eine Assistentin, die in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren und mit den sturen Führungskräften umgehen kann, mit denen wir es täglich zu tun haben. Ganz abgesehen von solchen, die versuchen, jeder attraktiven Frau, die nicht bei drei auf dem Baum ist, an die Wäsche zu gehen.

Und Chloe ist unglaublich attraktiv.

Ich kann aber nicht sagen, dass ihr Aussehen ein Problem darstellt, egal wie viele meiner Geschäftspartner sie entweder wegen ihres Aussehens nicht als meine Stellvertreterin respektieren oder zu sehr von ihr abgelenkt sein werden.

»Und ich habe Ihnen gesagt, dass es lächerlich ist«, sagt Lena. »Qualifiziert heißt qualifiziert. Vielleicht wird jemand mit einem sanfteren Gemüt Sie etwas weichklopfen.«

Ich runzle überrascht die Stirn. »Was?«

»Oh, ich glaube meine Tochter ruft mich. Das Baby könnte jeden Augenblick kommen, da geh ich besser mal nachsehen. Geben sie Chloe eine Chance, Roman. Sie werden es nicht bereuen. Tschüss!«

Als der Anruf beendet ist, nehme ich das Handy vom Ohr und starre es finster an. Was zum Teufel ist gerade passiert? Lena arbeitet zwar nicht mehr für mich, aber ich dachte, sie würde Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.

Ich setze mich an den Schreibtisch und drücke den Power-Knopf des Rechners etwas fester als nötig. Als mein Handy klingelt, gehe ich dran, ohne nachzusehen, da ich den Anruf bereits erwarte.

»Morgen«, sagt Cole. »Ich bin auf dem Weg zur Baustellevon Genesis-I, also habe ich nicht viel Zeit.«

»In Ordnung.« Ich trommle mit den Fingern auf den Tisch, meine Gedanken immer noch bei Lenas Gehorsamkeitsverweigerung in letzter Sekunde und meiner Möchtegern-Assistentin hinter der Tür. »Sobald Tate verbunden ist, legen wir los.«

Als hätte sein Name ihn heraufbeschworen, wählt sich Tate ein.

»Guten Morgen, meine herzallerliebsten Brüder.« Sein übertrieben fröhlicher Tonfall geht mir auf die Nerven.

»Wie viel Kaffee hast du getrunken, um so früh so gut drauf zu sein?«

»Wenn du glaubst, Kaffee ist der Grund für meine gute Laune, hast du offensichtlich vergessen, wie es ist, täglich flachgelegt zu werden.«

»Schön für dich.« Sosehr ich mich auch freue, dass er und Cole mit den Frauen, die sie lieben, sesshaft geworden sind – die ständigen Erinnerungen müssen nicht sein. Ebenso die Sticheleien über mein Desinteresse, auch jemanden zu finden. Das habe ich schon durch, und ich will es nicht noch mal machen.

»Wer hat dir heute Morgen ins Frühstück gepisst?«, fragt Cole.

Ich ertappe mich dabei, wie ich die Tür anstarre, als könnte ich irgendwie durch das dicke Holz sehen, was immer Chloe macht, um sich mir zu beweisen.

Auch wenn sie quasi nach der Möglichkeit gebettelt hat, hätte ich bei meiner Entscheidung, dass Sophie sie hinausbegleitet, bleiben sollen. Aber wie sie mich angesehen hat – das Kinn herausfordernd nach vorn geschoben, obwohl auch ein bisschen Verletzlichkeit in ihrem Blick lag – hat mich davon abgehalten.

Diese Zerbrechlichkeit, von Entschlossenheit umhüllt, hat irgendwo in meiner Brust ein unbekanntes Gefühl hinterlassen. Deshalb habe ich zugestimmt, obwohl ich es nicht hätte tun sollen. Ich hätte das Ganze sofort beenden sollen, anstatt es noch den ganzen Tag in die Länge zu ziehen.

Ich zwinge mich, mich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. »Sorry. Lena hat bei ihrer Nachfolgerin Mist gebaut, und jetzt muss ich jemand anderes finden.«

»Das klingt nicht nach Lena«, sagt Cole. »Was für einen Mist hat sie denn gebaut?«

»Sie hat genau die Bewerberin eingestellt, von der ich ihr gesagt habe, sie solle es nicht tun.«

»Lass mich raten«, sagt Tate amüsiert. »Sie hat die kleine Blondine eingestellt, zu der du im Aufzug so unhöflich warst.«

»Ich war nicht unhöflich.« Die Worte sind schärfer als beabsichtigt.

Tate lacht. »Doch, das warst du. Verdammt, Lena hat Humor.«

»Ihr Humor ist nicht das Problem«, knurre ich. »Es ist ihre Fähigkeit, Anweisungen zu befolgen, an der sie arbeiten muss.«

»Was ist denn dein Problem mit …« Cole lässt die Worte erwartungsvoll in der Luft hängen.

»Chloe.« Widerwillig sage ich ihren Namen.

»Was ist dann dein Problem mit Chloe?«

»Du hast sie gesehen. Sie sieht aus, als hätte sie gerade erst ihren Collegeabschluss gemacht.«

»Und?«, fragt er.

Mit gesenktem Kopf reibe ich mir den Nasenrücken. »Und was?«

»Und das scheint mir ein fadenscheiniger Grund zu sein, sie nicht einzustellen, wenn sie kompetent ist.«

»Das muss sie erst mal beweisen.«

»Hört sich so an, als würdest du ihr keine Chance geben, sich zu beweisen.«

Mein Augenlid zuckt, und ich schüttle den Kopf. »Wir kommen vom Thema ab –«

»Weißt du,« sagt Tate, immer noch viel zu fröhlich. »Ich glaube, ich mag sie. Ich habe dich lange nicht mehr so aufgewühlt erlebt.«

Ich werfe dem Handydisplay einen finsteren Blick zu, obwohl es kein Videoanruf ist. »Ich bin nie aufgewühlt.«

»Nein, das bist du nicht.« Tates Stimme klingt plötzlich nachdenklich, und das gefällt mir nicht.

Ich atme tief ein und senke meine Stimme. »Ihr wisst genauso gut wie ich, wie das aussehen wird.«

Als mir nichts als Stille entgegenschlägt, löst sich die Spannung in meinen Schultern. Endlich bin ich zu ihnen durchgedrungen.

Dann spricht wieder Cole: »Du bist nicht Dad.«

Ein vertrauter Druck legt sich auf meine Brust. Unser verdammter Vater. Er hatte immer eine schöne, gefällige Frau in seiner Nähe. Von unseren Nannys über die Haushälterinnen bis zu seinen persönlichen Assistentinnen …

Ich unterbinde diesen Gedankengang. Ich habe seine Taten weit hinter mir gelassen. Dasselbe kann ich allerdings von unserem sozialen Umfeld, unseren Geschäftspartnern oder der verdammten Presse nicht behaupten.

»Und ich habe immer sehr darauf geachtet, mich so zu verhalten, dass unsere Investoren und Aktionäre sich dessen sicher sein können.«

»Nur damit ich das richtig verstehe«, sagt Tate langsam. »Du machst dir Sorgen, dass die Leute denken, du wärst wie Dad, wenn du diese Frau einstellst?«

Ich reibe mir die Stirn. »Du weißt, dass sie genau das denken werden. Und wir können es uns nicht leisten, dermaßen auf dem Prüfstand zu stehen.«

Cole schnaubt. »Wir können uns so einiges leisten.«

Sie verstehen es nicht. Sie sind trunken vor Liebe oder was für ein Chemiecocktail auch immer in ihren Hirnen schwimmt und ihre Prioritäten ändert. Ich gönne ihnen das – verdammt, ich dachte vor langer Zeit, dass ich so was auch will. Aber das bedeutet, dass ich derjenige sein muss, der sich auf die Zukunft konzentriert. »Wir haben die letzten drei Jahre mit Schadensbegrenzung verbracht. Wir haben die Chance, den Status der King Group für die Zukunft zu verfestigen. Wir können es nicht gebrauchen, dass Dad und sein Ruf uns davon abhalten, obwohl er hinter Gittern sitzt.«

»Was hast du mir noch mal erzählt, von wegen nicht in Dads Schatten zu leben?«, fragt Tate.

Ich hätte wissen müssen, dass er mir diesen Ratschlag irgendwann um die Ohren haut.