Turnover - Izzy Maxen - E-Book

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Izzy Maxen

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Beschreibung

GÜNSTIGER EINFÜHRUNGSPREIS. NUR FÜR KURZE ZEIT!  Ihr Deal ist rein geschäftlich … und für Gefühle ist ohnehin keine Zeit. Eine spicy Sports Romance in Neuseeland für Fans von Elle Kennedy und Chloe Walsh  Hunter will nur eins: Rugby spielen und sein Studentenleben an der Emerald University genießen. Bex hingegen bedeutet ihr Café Fondue alles. Als sie aufeinandertreffen, sprühen erst die Funken – dann fliegen die Fetzen. Doch als Hunter ihr einen Deal vorschlägt, kann Bex trotz aller Vorbehalte nicht Nein sagen: Er hilft ihr bei der dringend nötigen Renovierung, sie gibt auf einer Geburtstagsfeier seine Freundin, damit er den lästigen Fragen seiner Eltern entgeht. Was als geschäftlicher Deal beginnt, wird schnell kompliziert. Zwischen Farbeimern und falschen Dates knistert es gefährlich. Und als Geldprobleme, familiärer Druck und Hunters Sportkarriere alles zu überrollen drohen, steht für beide mehr auf dem Spiel als die berufliche Zukunft. Nämlich ihr Herz … 

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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© Piper Verlag GmbH, München 2026

Redaktion: Cornelia Franke

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: Emily Bähr, www.emilybaehr.de

Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com und Freepik.com genutzt

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Triggerwarnung

1. BEX

2. HUNTER

3. BEX

4. HUNTER

5. HUNTER

6. BEX

7. HUNTER

8. BEX

9. HUNTER

10. BEX

11. HUNTER

12. BEX

13. BEX

14. HUNTER

15. BEX

16. HUNTER

17. BEX

18. BEX

19. HUNTER

20. BEX

21. HUNTER

22. BEX

23. HUNTER

24. HUNTER

25. BEX

EPILOG – HUNTER

DANKE

CONTENT NOTES

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Triggerwarnung

In diesem Buch sind Themen enthalten, die triggernd wirken können. Am Ende des Buches findet sich eine Aufzählung, die jedoch den Verlauf der Geschichte spoilern kann.

Wir wünschen ein bestmögliches Leseerlebnis.

1. BEX

Laute Rockmusik schallt durch das Danny’s, die das Stimmengewirr der Gäste verschluckt. Es riecht nach Bier und Schweiß – nach Party.

»Ich hol mir noch was zu trinken«, brülle ich Brook ins Ohr. Blonde Haarsträhnen kleben an ihrer verschwitzten Stirn, ihre blauen Augen funkeln vergnügt.

Sie hebt die Hand und reckt einen Daumen. Ihr Pferdeschwanz wippt hin und her, während sie sich zum Takt der Musik bewegt. Tanzen wäre zu viel gesagt, da die Sportsbar im Viaduct Harbour brechend voll ist. Kein Wunder, es ist Samstagabend, die Rebels haben das erste Spiel der Rugby-Saison gewonnen – was alle Spieler, Fans und sämtliche Studenten der Emerald U zum Feiern ins Danny’s treibt.

Normalerweise sitzen wir nach den Spielen an den rustikalen Holztischen und trinken Pints. Aber heute hält es niemanden auf seinem Platz.

Tosender Applaus brandet auf, als der Sänger der lokalen Band ins Mikro grölt und den nächsten Song ankündigt. Sex on Fire, was die Masse mit einem begeisterten Brüllen beantwortet. Meine Mundwinkel zucken, während ich mich zwischen den Gästen hindurch zur Bar quetsche. Die Kings of Leon gehen immer.

Mein graues Shirt klebt wie eine zweite Haut an meinem Oberkörper. Einige Locken sind aus meinem Haarknoten gerutscht, die in meinem nassgeschwitzten Nacken kitzeln. Das Spiel war grandios, die Rebels haben die Eagles fertiggemacht. Scott hat zwei Trys geholt, selbst Ryker war mit seiner Leistung heute zufrieden. Nach seiner Verletzung letzten Herbst sollte er langsam machen, allerdings existiert ›langsam‹ im Wortschatz der Rebels nicht. Wenn die Jungs auf dem Platz stehen, geben sie alles.

»Hey, Bex, alles klar?« Tama winkt mir zu. Er steht in der Nähe der Bar neben Scott und einem anderen Spieler. Da er größer und auch muskulöser ist als die anderen, sticht er heraus. Er grinst breit, in der Hand eine Bierflasche.

»Ja!«, brülle ich zurück und schiebe mich zu ihm durch. »Ich hol mir nur was zu trinken. Die Hitze bringt mich um.« Demonstrativ wische ich mir über die verschwitzte Stirn.

»Verstehe ich überhaupt nicht.« Er lacht, sodass seine weißen Zähne aufblitzen. Dunkle Haare fallen ihm in die Stirn, in seinen schwarzen Augen blitzt der Schalk.

»Du warst gut heute!«, sage ich laut.

»Nein. Aber die Eagles haben nicht ins Spiel gefunden. Sie haben den Line-out vergeigt, danach war es ein Kinderspiel.«

»Du hast im Maul gestanden wie eine Mauer.« Scott boxt seinem Kumpel gegen die Schulter. »Und Hooter musste danach vom Platz. Also rede dich nicht klein, um Bex zu beeindrucken.«

Tama setzt einen entschuldigenden Hundeblick auf, was angesichts seiner Statur so kurios wirkt, dass ich lachen muss.

»Sorry«, nuschelt er. »Funktioniert es denn?«

»Nein.« Grinsend schüttle ich den Kopf.

Zerknirscht verzieht Tama die Lippen. Rasch lege ich ihm die Hand auf den Arm. »Du hast gut gespielt, du musst mich nicht beeindrucken.«

Meine Worte entlocken ihm ein ehrliches Lächeln. »Du wolltest was trinken, oder?« Er nickt zur Bar. »Ich gebe dir einen aus.«

»Lass mal.« Ich nehme die Hand wieder weg.

»Nicht mal ein Bier? So unter Freunden?«

Scott hebt eine Augenbraue. »Bro, ich will dich nicht entmutigen, aber …«

»Bis später, Jungs!«, unterbreche ich ihn schnell und dränge mich weiter in Richtung Bar.

Es ist nicht so, dass ich Tama nicht mag. Ganz im Gegenteil. Er ist witzig, sympathisch und auf eine unaufdringliche Art fällt es leicht, sich mit ihm zu unterhalten. Aber Tama ist ein Junge in einem zu großen Körper, der sich noch finden muss. Und ich bin sicher nicht sein Weg dorthin. Auch nicht für einen Abend.

Entschlossen schiebe ich mich durch die Gäste, bis ich am Tresen stehe. Zwei Barkeeper eilen dahinter umher, zapfen Bier und schenken Gläser ein. Ich hebe die Hand und recke den Kopf, um auf mich aufmerksam zu machen. Aber es ist so viel los, dass sie mich übersehen.

»Verdammt«, murmle ich und versuche, mir zwischen zwei groß gewachsenen Kerlen Platz zu verschaffen. Mit meinen ein Meter siebzig bin ich nicht klein, allerdings gehe ich zwischen all den Rugby-Spielern gnadenlos unter.

»Darf ich?«, fragt eine dunkle Stimme hinter mir. Gleich darauf packen mich zwei große Hände an der Hüfte und ich werde seitlich auf die Theke gesetzt. Entgeistert schaue ich über die Schulter, direkt in ozeanblaue Augen, die mich verschmitzt anfunkeln. Kurze braune Haare, markante Wangen, ein schiefes Grinsen. Hunter. Der vierte Rebel aus der Männer-WG in der Huntley Avenue, der allerdings das letzte Jahr in den USA studiert hat. Seit ein paar Wochen ist er wieder da, heute war sein erstes Spiel bei seinem alten Team.

»Das war übergriffig«, schnappe ich empört.

»Das war nett.« Ein zufriedenes Lächeln umspielt Hunters Mundwinkel, während seine Hände nach wie vor an meiner Hüfte liegen. Seine Finger in dem Stoff meines kurzen Jeansrocks vergraben. Und er macht keine Anstalten, mich loszulassen.

Ich neige den Kopf zur Seite und hebe auffordernd eine Augenbraue. Mit Hunter hatte ich bisher nichts zu tun, da Brook nicht mehr bei den Jungs wohnt, sondern mit Ryker in eine Wohnung in die Park Avenue gezogen ist.

Endlich löst er eine Hand von meinem Rock, hebt den Arm und winkt. »Hey, Brian, das Cowgirl möchte was bestellen.«

»Sehr witzig«, erwidere ich trocken.

»Du trägst Boots.« Wieder zucken seine Mundwinkel.

»Und das reicht, um mich als ›Cowgirl‹ zu bezeichnen?« Mein Blick huscht über ihn hinweg. Zumindest war das der Plan, allerdings mustere ich ihn einen Tick zu lange.

Hunter sieht gut aus. Verflucht gut. Schmale Augen, gerade Nase, markante, glatt rasierte Wangenknochen. Seine haselnussbraunen Haare sind oben etwas länger, an den Seiten hat er sie kurz rasiert. Seine Gesichtszüge wirken fein, fast aristokratisch, was jedoch meine Aufmerksamkeit bündelt, sind die Tattoos, die am Kragen seines dunkelblauen Shirts hervorblitzen und sich fast bis zu seinen Ohren ziehen. Wie alle Spieler ist er muskulös gebaut, allerdings nicht so bullig wie Tama oder Nate.

Langsam wandert mein Blick über seine breite Brust bis zu seinen tätowierten Oberarmen. Auch dort ziehen sich dunkle Linien über seine gebräunte Haut, Bilder von Wellen, Delfinen, die sich mit Schriftzügen verbinden.

»Was kann ich dir bringen?«

Ertappt fahre ich herum. Brian, der Barkeeper, schaut mich erwartungsvoll an. Über seiner Schulter hängt ein kariertes Handtuch, auf seiner Stirn glitzert der Schweiß. Trotzdem hat er ein Lächeln auf den Lippen, er wirkt entspannt, obwohl im Danny’s die Hölle tobt.

»Ich nehme noch ein Bier«, antworte ich laut.

»Zwei.« Hunter hebt die Hand und streckt zwei Finger. Seine andere liegt immer noch an meiner Seite.

Brian nickt und zwinkert Hunter zu.

Vorsichtig, um nicht vom Tresen zu rutschen, drehe ich mich zu Hunter. Erneut hebe ich eine Augenbraue und schürze die Lippen. Abwartend. Provokant.

Was er mit einem ebenso herausfordernden Blick beantwortet. Sein Daumen streicht über meinen Rock, die Wärme seiner Hand kribbelt auf meiner Haut.

»Kannst du mir sagen, was das wird?«, frage ich ihn. Obwohl ich auf dem Tresen sitze, bin ich kaum größer als er.

»Ich habe dir geholfen zu bestellen.«

Brian stellt zwei Flaschen neben uns. Hunter zückt sein Handy und bezahlt. Ohne zu fragen, auch für mich.

»Danke«, stoße ich hervor.

Er geht nicht darauf ein. Stattdessen greift er sich ein Bier, setzt es an und trinkt. Sein Adamsapfel bewegt sich, als er schluckt. Wieder wird mein Blick von seinen Tattoos gefesselt und ich frage mich, ob sein ganzer Oberkörper voll davon ist.

Sein Blick trifft mich. Wissend. Spöttisch. Er hat gemerkt, dass ich ihn beobachte. Und dass mir gefällt, was ich sehe.

Herrgott. Wie war das? Keine Männer mehr, Bex. Du lebst hervorragend ohne sie. Du führst dein eigenes Café, bist finanziell unabhängig und wenn mich mal das Verlangen packt, gibt es meinen kleinen pinkfarbenen Freund.

Es gibt gute Gründe, warum ich keine Beziehung mehr will. Warum ich Abstand halte. Ein kalter Schauer flirrt über meine Arme und erinnert mich daran, warum ich in Auckland bin. Warum ich alles in Christchurch hinter mir gelassen habe, um mir auf der nördlichen Insel Neuseelands ein neues Leben aufzubauen. Erinnerungen drängen sich auf, dumpfe Gefühle, die ich vehement zur Seite schiebe. Die haben heute Abend keinen Platz, die haben überhaupt keinen Platz in meinem neuen Leben.

Entschieden schnappe ich mir meine Flasche und trinke einen großen Schluck. Meine Geschmacksknospen ziehen sich zusammen, als die herbe, kühle Flüssigkeit meine Zunge trifft.

»Du bist die Freundin von Brook, oder?«, fragt Hunter und stellt das Bier beiseite.

Demonstrativ trinke ich noch einen Schluck. Erst danach nehme ich die Flasche von meinen Lippen, lasse sie allerdings in der Hand. Als eigene Ermahnung, meine Finger nirgendwo anders zu parken.

»Ja. Und du bist ein Rebel.«

Er bleckt die Zähne. »Das klingt wie eine Auszeichnung.«

»Was es eindeutig nicht ist.« Trotz meiner Worte huscht ein Schmunzeln über meine Lippen. »Was tust du, wenn du nicht Rugby spielst?«

Ein Schatten legt sich über Hunters Gesicht, der jedoch mit dem nächsten Augenaufschlag verschwunden ist. »Ich studiere an der Emerald. Wirtschaft.«

»Ein Mann mit großen Plänen also.«

Hunter greift sich erneut seine Flasche und trinkt. »Wir werden sehen«, sagt er vage.

»Du weißt nicht, was du später machen willst?«

Seine Aussage überrascht mich, denn Hunter wirkt nicht planlos. Ich habe eher das Gefühl, als wüsste er sehr genau, was er will. Zumindest in der nächsten halben Stunde.

Seine Flasche findet ihren Weg zurück auf die Theke, seine Hand landet auf meinem nackten Oberschenkel. Mit seinen Fingern streicht er federleicht darüber, eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Bein aus.

Ich sollte ihn wegstoßen. Ihm erklären, dass das zu weit geht. Aber ich tue es nicht. Vielleicht weil da dieses Funkeln in seinem Blick liegt, das mir sagt, dass Hunter keine Beziehung sucht. Nur Spaß für eine Nacht.

Und Spaß ist okay, oder? Spaß bedeutet keine Gefühle, Spaß kann mich nicht verletzen.

»Was machst du, wenn du nicht mit Brook in eine Bar voller Rugby-Spieler gehst?«, fragt er und kommt näher. Seine Hüfte schiebt sich zwischen meine Oberschenkel, seine Hand gleitet höher und höher, bis seine Finger den Saum meines Rockes erreichen.

Ich schlucke. Ermahne mich selbst, meinen Regeln zu folgen. »Du hast mir meine Frage nicht beantwortet.«

»Weil es nicht wichtig ist.« Er neigt den Kopf.

»Deine Zukunft hat für dich keine Priorität?«

»Nein, gerade nicht.« Wieder grinst er. Seine Schneidezähne graben sich in seine Unterlippe und … verdammt! Meine Finger krallen sich um das kühle Glas der Bierflasche, als wäre sie mein rettender Anker. Um nicht nachzugeben und auf seine Flirterei einzusteigen.

»Ich habe ein Café«, stoße ich hervor. »Im Pukekawa Park, das Fondue. Du kennst es vielleicht.«

»Hm.« Seine Finger gleiten unter meinen Rock. Ich halte die Luft an. Hitze prickelt über meine Haut, findet zielsicher ihren Weg in meine Mitte. »Ryker hat es erwähnt, glaube ich.«

Meine Zunge klebt an meinem Gaumen.

Sein Blick fixiert mich.

Du wolltest unabhängig bleiben, Bex. Keine Männer. Das war der Plan, als du nach Auckland gekommen bist. Und das letzte Jahr hat das gut geklappt.

»Du warst in den USA, oder?« Ein letzter verzweifelter Versuch.

»Ja.« Seine Stimme streichelt meine Wange. Er beugt sich vor, streift mit der Nase über meine Haut. Gleich darauf spüre ich seine Lippen an meinem Hals. An dieser verdammten Stelle direkt unterhalb meines Ohrs. Er küsst mich nicht, stattdessen leckt er mit der Zunge darüber und pustet sanft warme Luft über meine feuchte Haut.

Ein elektrisierendes Kribbeln rauscht durch meinen Körper. Nicht eiskalt, wie ich es erwartet hätte, sondern vorsatzverbrennendheiß. Ich schnappe nach Luft.

Hunter lacht leise. Und dann passiert zu viel gleichzeitig. Seine Lippen treffen auf meinen Hals, er saugt leicht an mir und schiebt seine Finger unter meinen Rock. Die Schwielen seiner Hand kratzen rau über meine Haut, schicken Stromstöße durch meinen Unterleib, während er über die Innenseite meiner Oberschenkel streichelt.

Hitze explodiert in meinem Bauch, in meiner Mitte, in meiner Brust. Zu viele unterdrückte Gefühle, zu viel Verlangen. Das ist überraschend. Und dieses Gefühl bricht durch mich hindurch, schiebt sich über die Angst und all meine Regeln.

Loslassen, nur für eine Nacht. Ohne Erwartungen, ohne dass er etwas von mir fordert. Ich gehöre ihm nicht, er kennt mich nicht. Ich müsste nur … Mir entweicht ein leises Stöhnen. Meine Finger verkrampfen um die Flasche.

Fuck!

Ich sitze auf einem Tresen, während ein fremder Kerl seine Hand unter meinem Rock hat. Und ich schmelze unter seinen Berührungen dahin, während im Danny’s um die hundert Menschen feiern.

Der Gedanke reißt mich zurück in die Realität. Scham kommt in mir auf, weil ich mich benehme wie ein Flittchen. Mit einem Stoß schiebe ich Hunter zurück und rutsche vom Tresen.

Er blinzelt.

»Das reicht«, sage ich entschieden.

Es ist beinahe unheimlich, wie schnell er sich wieder im Griff hat. Ein spöttisches Lächeln hebt seinen rechten Mundwinkel. »Bist du sicher?«

Langsam neigt er den Kopf. Er lässt seine Hände bei sich, doch sein Blick fixiert mich. Nagelt mich fest und ihm entgeht keine verdammte Regung. Mein Herz rast, meine Hände fühlen sich schwitzig an. Eine Schweißperle rinnt meine Schläfe hinab, während sich Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen sammelt.

Verlangen jagt durch mich hindurch und ich gestehe mir ein, dass die Aussicht auf unverbindlichen Sex etwas hat. Es ist so lange her … zu lange. Seit Cole hat mich kein Mann mehr geküsst, niemand hat mich berührt wie er eben. Und es wäre nur ein bisschen Spaß, oder? Zehn Minuten, um Druck abzubauen. Nichts Ernstes.

Hunters Grinsen verliert seinen Spott. Stattdessen verdunkeln sich seine Augen und er atmet tief durch. Er weiß es. Er weiß, wie sehr ich mit mir ringe, wie sehr ich ihn will. Und ich … ach, scheiß drauf. Eine Nacht wird mich nicht verändern oder mein Herz brechen. Er wird mir nicht wehtun. Es bedeutet nichts.

Entschlossen stelle ich mein Bier auf die Theke und packe ihn am Arm. »Komm mit.«

»Verrätst du mir, wohin, Cowgirl?«

Spöttisch werfe ich einen Blick über die Schulter, während ich mich geschickt zwischen den Gästen hindurch in Richtung Ausgang bewege. »Ich brauche frische Luft.«

Er entwindet seinen Arm aus meiner Umklammerung und greift stattdessen nach meiner Hand. Unsere Finger verschränken sich, ich fühle seine Stärke, die Selbstsicherheit, die er ausstrahlt, und in mir zuckt ein letzter Zweifel hoch, ob die Idee so gut ist.

Doch ich verscheuche ihn direkt wieder. Ich darf mir ein wenig Spaß gönnen.

2. HUNTER

Die Kleine ist heiß. Und es imponiert mir, wie zielsicher sie mich durch das Danny’s nach draußen zieht. Sie hat einen Plan und weiß genau, wie sie ihn umsetzt.

Sie auf die Theke zu setzen und mit ihr zu flirten, war eine spontane Reaktion. Allerdings ist mir nicht entgangen, wie heftig sie auf meine Berührungen reagiert hat. Wie sehr sie mit sich gerungen hat – und wie sehr sie mich will. Und wer wäre ich, ihr diesen Gefallen nicht zu erfüllen?

Ein Schmunzeln huscht über meine Lippen, als wir durch den Ausgang der Bar nach draußen treten. Sie hat sich kein weiteres Mal nach mir umgedreht, läuft unerschrocken vorweg. Ihre Finger liegen warm in meiner Hand, ich spüre das Metall von zwei Ringen an ihrem Daumen und ihrem Zeigefinger.

Draußen ist auch jede Menge los. Studenten stehen in Gruppen zusammen, trinken Bier und lachen. Der süße Geruch von Hasch trifft auf meine Nase und ich ziehe ihn tief in meine Lungen. Später, sage ich mir.

Das Licht der Straßenlaterne reflektiert in ihren feuerroten Haaren und schenkt ihnen ein goldenes Leuchten. Sie trägt ein ausgewaschenes graues Shirt mit irgendeinem Band-Logo auf der Brust, einen verflucht kurzen Jeansrock und Boots. Kein ungewöhnliches Outfit für Anfang September, allerdings wirkt sie nicht wie die klassische Studentin. Vielleicht weil sie so viel Selbstsicherheit ausstrahlt und gleichzeitig so sehr mit sich ringt, mit mir rumzumachen. Außerdem hat sie ein Café erwähnt.

Kühle Nachtluft senkt sich über uns, als wir ums Danny’s herumlaufen. Das Gebäude ist wie die meisten Häuser am Hafen aus groben Backsteinen gebaut. Der Duft von Salz und Meer liegt in der Luft, das leise Rauschen der Wellen, die gegen den Kai schwappen. Möwen sitzen auf den Pfeilern im Hafenbecken, an denen mehrere Boote vor Anker liegen.

»Verrätst du mir, wo wir hinwollen?«, frage ich und ziehe an ihrer Hand.

Sie bleibt stehen. Ihre Finger zucken in meinen. Ihre Schultern beben unmerklich, aber mir entgeht die Regung nicht. Sie ist überfordert. Sie macht das nicht oft, was ich süß finde.

Daher greife ich nach ihrer Hüfte und drehe sie zu mir herum.

Sie sieht mich auffordernd an, die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst.

Erneut kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ja, sie hat eindeutig etwas.

Ohne weiter nachzudenken, hebe ich meine freie Hand und streiche mit dem Daumen über ihre Unterlippe. Ein Zittern fährt durch sie hindurch, ihre Lider flattern.

»Mach deinen Mund auf«, flüstere ich.

Sie sträubt sich. Kneift die Augen zusammen, wägt ab. Doch dann öffnen sich ihre Lippen einen Spaltbreit.

Spielerisch schiebe ich meinen Daumen hindurch. Wieder zögert sie, doch dann leckt sie über meinen Finger.

Ihr warmer Atem trifft meine Haut, die Berührung ihrer Zunge ist so süß und feucht, dass ein heißer Stich durch meinen Unterleib fährt. Bis sie zubeißt.

»Fuck!«, entfährt es mir und schnell ziehe ich meinen Finger weg.

Provokant schiebt sie ihre Unterlippe vor und hebt eine Braue. »Zu viel?«

»Nein.« Ich grinse. »Nur nicht das, was ich wollte, Cowgirl.«

»Mein Name ist Bex, okay?«

»Ich werd’s mir merken.«

Sie schnaubt spöttisch. Sie glaubt mir kein Wort. »Und was willst du, Hunter?«

Ah. Offenbar weiß sie sehr genau, wer ich bin. »Das hier«, sage ich, beuge mich zu ihr herunter und drücke meine Lippen auf ihre.

Sie zuckt zurück, nur für einen Atemzug. Dann werden ihre Lippen weich und ihre Hand streicht über meinen Nacken in meine Haare. Sie spielt mit meinen Strähnen, fährt durch sie hindurch, während sie meinen Kuss erwidert. Überraschend fordernd bewegt sie ihre Lippen auf meinen, neckt mich und öffnet schließlich den Mund. Ein leises Seufzen entweicht ihr, der Griff ihrer Finger um meine wird fester.

Hitze flammt durch meinen Bauch. Ich lege die Hand an ihren Po und ziehe sie näher zu mir heran. Sie folgt der Bewegung, drückt sich an mich, bis ihr ein unzufriedenes Raunen entfährt.

»So ungeduldig?«, necke ich sie. Mit der Hand gleite ich unter ihr Shirt und streichle die warme Haut ihres Rückens. Sie fühlt sich weich an, zart. Zwischen meinen Beinen zuckt es.

»Das sagt der Richtige!« Sie nimmt ihre Hand aus meinen Haaren, lehnt sich zurück und boxt mich leicht in die Seite. Ihr Pech, dass ich Rugby spiele und deutlich härtere Schläge gewohnt bin.

Ich grinse. Sie funkelt mich an. Goldene Sprenkel blitzen in ihren braunen Augen auf, die vor Verlangen verschleiert sind.

»Vielleicht bin ich ja der Richtige«, necke ich sie weiter.

»Sicher nicht. Du bist jemand, der jedes Wochenende ein anderes Mädchen hat.«

Jedes zweite, aber ich korrigiere sie nicht.

»Wie kommst du darauf?«, frage ich stattdessen und löse eine weitere Haarsträhne aus ihrem Knoten. Ich mag ihre Locken, ich mag das Wilde und Freie, das sie ausstrahlen.

»Du bist forsch und direkt und sagst, was du willst. Nimm’s mir nicht krumm, aber du bist kein Boyfriend-Material.«

»Autsch.« Zerknirscht greife ich mir ans Herz. »Jetzt hast du mich echt getroffen.«

Ein leises Lachen hallt durch die Nacht. »Und du schauspielerst miserabel.«

»Oh, ich kann, wenn ich will«, raune ich ihr zu und lehne mich ihr wieder entgegen.

»Da bin ich mir sicher«, sagt sie ehrlich amüsiert.

Mit den Lippen streiche ich über ihre Schläfe und drücke ihr einen Kuss auf den Kiefer. »Die Frage ist«, murmle ich und lecke über ihre Ohrmuschel. Sie stößt ein Zischen aus. »Was willst du?«

Ich spüre, wie sie sich versteift. Wie sich ihre Hand fester um meine krallt, wie sie den Kopf neigt. Sie holt Luft, ihre Brust hebt sich, drückt sich mir entgegen.

Einen Herzschlag später liegen ihre Lippen wieder auf meinen. Fordernd diesmal, ohne jeden Zweifel. Ihre Zunge trifft auf meine und ein elektrisierendes Rauschen jagt durch meinen Körper. Ich schmecke Bier, das Verlangen nach Sex, sie. Eine gefährliche Mischung, die mich kurz vergessen lässt, wo wir sind. Am Pier im Viaduct Harbour, einen Steinwurf vom Danny’s entfernt, von dem aus uns jeder beobachten kann. Mir wäre das egal, aber etwas sagt mir, dass es bei ihr anders ist.

Doch als sie ihre Hand in meinen Nacken schiebt und ihren zierlichen Körper an mich drückt, verschwindet auch dieser Gedanke. Ich spüre ihre festen Brüste an meinem Oberkörper, ihre Hüfte, die sich gegen meinen harten Schwanz presst. Ihre Zunge in meinem Mund lädt mich ein – und ich gebe nur zu gern nach.

Ein tiefes Grollen kommt aus meiner Kehle. Ich löse unsere verschränkten Finger, packe mit beiden Händen ihre Hüfte und hebe sie hoch. Bex schlingt ihre Beine um mich und legt beide Arme um meinen Hals.

»Was hast du vor?«, raunt sie gegen meine Lippen. In ihren Augen tanzen Sterne.

»Vertraust du mir etwa nicht?«, frage ich, drehe mich mit ihr herum und gehe zum Danny’s zurück. Allerdings nicht zum vorderen Eingang, sondern zur Hinterseite des Gebäudes. Autos parken hier, große Müllcontainer stehen an der Hauswand. Dunkelheit und Schatten bieten Möglichkeiten, um ungestört rumzumachen. Das weiß ich, weil ich es nicht zum ersten Mal tue.

»Auf keinen Fall«, entgegnet Bex, was sie jedoch nicht davon abhält, an meinem Hals zu saugen. Mit den Lippen fährt sie über meine Haut, atmet ein und seufzt leise. »Scheiße, riechst du gut.«

»Ich tue was?«, bricht es aus mir heraus. Ich drücke sie an die Rückwand der Backsteinmauer, fester, sodass Bex ein Keuchen entfährt, und dränge meine Hüfte gegen ihre.

»Du riechst nach Bier und Schweiß. Und irgendeinem Shampoo. Vor allem nach Mann.«

»Und das macht mich besonders?«

»Nein. Nur zu etwas, das ich lange nicht mehr hatte.«

Ich hatte also recht. »Dann nur zu, Baby«, flüstere ich und küsse sie erneut. Härter diesmal, weil wir in Dunkelheit versinken und die Zeit zum Spielen vorbei ist. Meine Zunge sticht fordernd in ihren Mund, spielt mit ihrer, während ich meine Lippen auf ihre presse. Bex keucht auf, ihr Oberkörper bäumt sich mir entgegen. Ihre Hüfte zuckt.

Verlangen peitscht durch mich hindurch, als mir ihr süßer Geruch in die Nase dringt. Dieser einzigartige Duft, den jede Frau ausströmt, die Sex will. Unverbindlichen, ehrlichen Sex, ohne danach mehr zu erwarten.

Ihre Fingernägel graben sich in meinen Nacken, hinterlassen ein feines Brennen auf meiner Haut. Ich dränge mich fester an sie, schiebe meine Hüfte rhythmisch gegen ihre, bis Bex ein verzweifeltes Stöhnen entweicht. Mein Schwanz pocht in meiner Jeans, fordernd und bittend, doch das ist nicht der Plan für heute Abend.

Vorsichtig löse ich ihre Beine von meiner Hüfte und setze sie ab. Bex will protestieren, doch ich verschlucke diesen Laut mit einem Kuss und schiebe eine Hand unter ihren Rock.

Sie ist so verflucht feucht, so bereit. Neckend streiche ich mit meinen Fingerkuppen über ihre Mitte. Sofort zuckt sie zusammen und keucht in meinen Mund.

»Was willst du, Cowgirl?«, frage ich.

Sie lehnt sich zurück, den Kopf gegen die Backsteinfassade gedrückt. Ihr schneller Atem trifft meine Lippen.

Erneut streichle ich sie mit dem Finger.

»Stell dich breiter hin«, fordere ich sie auf.

Sie tut es.

»Und jetzt halte dich an mir fest.«

Sie legt die Hände um meine Schultern.

Meine Mundwinkel zucken. Ich könnte schwören, dass sie mir unter anderen Umständen den Mittelfinger zeigen würde, aber aus unerfindlichen Gründen tut sie, was ich will.

Mit einer schnellen Bewegung ziehe ich ihren Slip beiseite und schiebe einen Finger in sie.

Bex’ Lider flattern. Sofort halte ich inne. »Sieh mich an, Baby!«

»Du stehst darauf, oder? Befehle zu erteilen.« Sie hat die Augen nach wie vor halb geschlossen.

»O ja.« Langsam krümme ich meinen Finger.

»Fuck!«, keucht sie.

»Bex?«, fordere ich. Mit dem Daumen streiche ich über ihre Perle.

»Scheiße, ja!« Sie öffnet die Augen und funkelt mich an. Dunkles Verlangen glänzt darin, eine stumme Bitte.

»Na also.« Ich grinse zufrieden. Und dann ficke ich sie. Erst mit einem Finger, dann mit zweien, während mein Daumen immer wieder über ihre Perle gleitet.

Bex keucht auf, bohrt ihre Fingernägel in meine Schulter und windet sich. Doch sie hält ihren Blick auf mir. Verlangen baut sich zwischen uns auf, eine prickelnde Energie, die etwas Urtümliches an sich hat. Ein unausgesprochener Wunsch, eine Verbindung. Macht.

Meine Bewegungen werden schneller und ich spüre, wie sie sich um meine Finger zusammenzieht.

Ein Lächeln drängt sich auf meine Lippen, das sich merkwürdig echt anfühlt. Zu warm, zu ehrlich, als dass es hierhin gehören würde. Schweiß glänzt auf Bex’ Gesicht, auf ihrer Unterlippe. Sie sieht so roh aus, so wild, so voller Energie, dass mein Herz kurz stolpert.

»Hunter«, ächzt Bex. Ihre Hüfte zuckt.

»Ja?«

Noch immer hält sie mich mit ihrem Blick fest, kämpft um ihre verdammte Fassung.

Sie mag mir folgen und trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie dieses Spiel dominiert.

»Ich kann nicht«, flüstert sie. Ihre Augen schimmern, eine Träne löst sich. Ihr Körper zittert, trotzdem schafft sie es nicht loszulassen.

Ich gebe mir einen Ruck. Breche unsere Verbindung, gebe nach und küsse sie erneut. Anders diesmal, weicher, mit so viel mehr Intensität. Meine Zunge gleitet über ihre Lippen, ich schmecke sie und so viel mehr. Ich verliere mich in diesem verdammten Kuss, vergesse die Regeln, meinen Plan. Fühle seit so langer Zeit etwas, das ich nicht fühlen will. Sex ist okay, ist er immer, Gefühle machen alles kompliziert.

Mein verdammtes Herz stolpert noch einmal.

»Lass los«, raune ich ihr zu. »Zeig mir, dass du fliegen kannst.« Ich dränge mich an sie, während ich meine Finger ein letztes Mal in sie stoße. Ich halte inne, bewege sie sanft in ihr und bringe sie so zum Aufgeben.

Ein Schrei bricht aus Bex hervor. Sie verkrampft und zuckt zusammen. Schnell schlinge ich meinen Arm um ihre Schultern, halte sie, damit sie nicht zusammenbricht.

Ihr hastiger Atem streift meine Wange, sie hat die Lider aufeinandergepresst, zwischen ihren Augenbrauen stehen drei kleine Falten. Sie wirkt verkrampft, konzentriert – und doch wunderschön.

Bedächtig beuge ich mich vor und drücke ihr einen Kuss auf die Schläfe. Viel zu zart, viel zu weich, für ein bisschen Rummachen nach einem Spiel.

Fuck, Hunter, das war nicht der Plan. Und der Plan sah auch nie vor, dass sich ein warmes Flattern in meinem Oberkörper ausbreitet, als sie mir leise ins Ohr seufzt.

Mit einem Ruck ziehe ich meine Finger aus ihr heraus.

»Uhh«, entfährt es Bex. Sie blinzelt verwirrt. Lächelt mich unsicher an. Wartet darauf, dass ich sie wieder küsse, aber ich mache einen Schritt zurück.

»Hey, willst du nicht …« Sie drückt ihre Hände fester in meine Schultern, versucht, mich wieder näher an sich zu ziehen, doch ich bringe Abstand zwischen uns.

»Nein.« Ich rümpfe die Nase. »Ich stecke meinen Schwanz nicht direkt in jedes Mädchen, das ich in einer Bar kennenlerne.«

Jedes Wort davon ist eine Lüge.

Jedes Wort trifft sie wie ein Schlag ins Gesicht.

Und jedes Wort tut weh.

Aber das muss es, damit sie es versteht. Sie hat es selbst gesagt: Ich bin kein Boyfriend-Material.

Bex schnappt nach Luft. Rote Flecken kriechen von ihrem Hals bis auf ihre Wangen, ihre Augen weiten sich erschrocken.

»Du verficktes Arschloch«, stößt sie hervor.

Ich neige den Kopf. Lächle. Ja, das bin ich. Ein Arschloch. Aber als ich in mich hineinfühle, ist da nichts mehr. Kein Flattern, keine Wärme. Nur die übliche Kälte, mit der ich seit Jahren wunderbar lebe.

Es ist besser so, für sie und auch für mich. Feste Beziehungen sind nicht mein Ding, ich will sie nicht verletzen. Nicht mehr, als ich es eben getan habe.

Sie zieht ihren Rock herunter, stößt mich beim Vorbeigehen gegen die Schulter und rauscht davon. Ihr Duft bleibt für einen Moment in der Luft hängen. Nach Bier und Sex, nach ihr. Nach Chancen, die ich zerschlage, bevor sie zu greifbar werden. Ein leiser Schmerz durchzieht meinen Oberkörper. Wehmut.

Ich lege den Kopf in den Nacken und schließe die Augen. Atme dreimal durch, bevor ich mich wieder im Griff habe. Erst dann gehe ich zum Eingang des Danny’s. Die Studenten sind alle noch da. Zielsicher steuere ich auf die Gruppe zu, von der weiterhin der süße Duft nach Joints ausgeht.

»Hey«, sage ich und fasse einen von ihnen am Arm. Nolan war auch beim Spiel, ich habe ihn ein paar Mal an der Uni gesehen – außerdem ist es nicht das erste Mal, dass er mir Gras verkauft. »Hast du einen für mich?«

Er schaut über die Schulter. »Klar.«

Ich krame in meiner Hosentasche nach meinem Geldbeutel.

»Nee, lass mal.« Er schiebt mir unauffällig einen Joint zu und grinst. »Ihr habt super gespielt.«

»Danke, Mann!« Ich stecke das Geld wieder weg, nehme stattdessen den Joint an die Lippen. Nolan hält mir ein Feuerzeug hin.

Den ersten Zug inhaliere ich tief in meine Lungen. Süßer Rauch, der meine Sinne benebelt.

»Danke«, murmle ich noch einmal und wende mich ab. Am Hafenkai, vor der Mauer, gegen die die Wellen klatschen, stehen Bänke zwischen den Bäumen. Ich setze mich auf die Lehne der zweiten, nehme noch einen Zug und starre ins Wasser.

Es war falsch, Bex vor den Kopf zu stoßen. Aber besser, ich mache es jetzt, bevor sie Erwartungen aufbaut. Denn eine Beziehung kann ich ihr nicht bieten. Ich habe nur noch dieses eine Jahr an der Uni, bevor sich mein Leben ausschließlich um Zahlen, Kalkulationen und Analysen drehen wird. Und dieses verdammte letzte Jahr werde ich in vollen Zügen genießen. Eine Freundin bedeutet Verantwortung, Verpflichtung – eine Struktur –, die ich noch nicht will. Die ich vielleicht niemals will, denn allein beim Gedanken wird mir übel.

Meinen Eltern gehört eines der größten Consulting-Unternehmen Neuseelands. Und mein Dad hat sehr deutlich gemacht, was er von mir erwartet. Mein Job stand bereits fest, als ich in den Kindergarten kam. Und es ist in Ordnung, ich werde einen Arsch voll Geld damit verdienen. Aber ich will diese Verantwortung noch nicht. Ich bin nicht Ellis, der während seines Studiums für Dad gearbeitet hat. Der verheiratet war, bevor er seinen Abschluss hatte. Ich bin nicht er und das werde ich auch nie sein.

Fuck!

Frustration kriecht durch meine Adern und ich balle die freie Hand zur Faust. Sehe das schmale Lächeln meines großen Bruders, in dem Mitleid liegt, weil ich wieder bei etwas versagt habe.

»Wirf sofort diesen verfluchten Joint weg!« Rykers wütende Stimme reißt mich aus meinem Selbstmitleid. Er steht vor der Bank, die Arme vor der Brust verschränkt. Seine blonden Haare sind das übliche zerzauste Chaos, seine braunen Augen blitzen zornig. Er ist einer meiner besten Kumpels, seit er vor drei Jahren in unsere WG in Grafton gezogen ist. Ryker spielt wie ich für die Rebels und obwohl er der verschlossenste von uns ist, trifft er meistens direkt den Kern. Ich fühle mich ihm näher als Scott oder Tama, vielleicht weil wir beide Probleme mit unseren Familien haben.

»Meine Entscheidung«, murre ich und ziehe noch einmal.

»Scheiße, Hunter.« Ohne Vorwarnung packt er meine Hand, zieht den Joint heraus und wirft ihn ins Meer.

»Hey«, protestiere ich, was mir lediglich eine gehobene Augenbraue einbringt.

»Was ist los?« Er atmet einmal durch, dann nimmt er neben mir Platz.

»Wie kommst du darauf, dass was ist?«

»Du hast ewig nichts mehr geraucht.«

Ich habe mich auch ewig nicht mehr so scheiße gefühlt.

Mit den Fingern fahre ich mir durch die Haare. Erinnere mich daran, dass Bex es vor wenigen Minuten erst getan hat.

»Wo ist Brook?«, frage ich, um abzulenken. Und weil Rykers Freundin immer nach den Spielen um ihn herumschwirrt.

»Irgendwo im Danny’s. Aber mir war es zu laut, ich brauche eine Pause. Außerdem warst du plötzlich verschwunden.«

Mit dem Kiefer mahle ich hin und her. Ich will Ryker nicht anlügen, aber ihm zu erzählen, dass ich die beste Freundin seiner Freundin vor den Kopf gestoßen habe, ist nicht die beste Idee. »Ich hab … Ich war mit einem Mädchen draußen.«

»Ah.« Fragend hebt er eine Augenbraue.

»Es lief nicht wie geplant.«

»Das dachte ich mir.« Er schweigt. »Willst du drüber reden?«

»Seit wann reden wir über so was?«

»Seit mir Brook klargemacht hat, wie wichtig das ist.« Er schmunzelt.

Mir entfährt ein Schnauben. »Sie hat dich weichgekocht.«

Er stößt mir seinen Ellbogen in die Seite. »Sie hat mir geholfen. Und das weißt du.«

Ja, das weiß ich. Durch Brook hat sich Ryker endlich mit seiner Kindheit auseinandergesetzt, wie sehr er unter seinem Vater gelitten hat. Und welche Auswirkungen das auf ihn hatte. Seit zwei Wochen besucht er eine Therapie. Er spricht nicht viel darüber, aber uns allen fällt auf, wie sehr er sich verändert hat. Er ist offener, erzählt von Brook und ab und zu sogar von seiner Mom.

»Ich weiß«, antworte ich und unterdrücke ein leises Seufzen.

Schweigen breitet sich zwischen uns aus, das sich aber nicht merkwürdig anfühlt. Eher als würden wir beide gemeinsam einen Moment durchatmen.

»Kommst du wieder rein?«, fragt er schließlich.

»Nein.« Ich schüttle den Kopf.

»Du hast Scheiße gebaut, oder?«

»Ja. Und ich sollte ihr besser heute Abend aus dem Weg gehen.«

Ryker lacht amüsiert. »Mit Scheiße kenne ich mich aus. Vergiss nicht, dass ich Brook gevögelt habe, ohne zu wissen, dass sie Scotts Schwester ist.«

»Zum Glück bin ich nicht du.«

»Pass dennoch auf dich auf!« Er steht auf und geht.

Ich bleibe noch einen Moment sitzen und lausche dem leisen Gemurmel, das vom Danny’s zu mir herüberweht. Den feiernden Studenten, der Musik aus der Bar.

Ich habe nur noch dieses eine Jahr. Und das gehört mir ganz allein.

3. BEX

»Nein, Mum, es ist mir nicht egal, dass Tante Maisy behauptet hat, du würdest nur zu ihrem Geburtstag kommen, weil es eine familiäre Verpflichtung ist. Ich weiß, dass dir die Familie wichtig ist und du natürlich gern zu ihr gehst«, sage ich so ruhig wie möglich, obwohl ich innerlich aufschreie. Wir diskutieren dieses Thema seit geschlagenen zwei Wochen. Am Wochenende ist endlich der Geburtstag und ich kann nur hoffen, dass es nicht zum Eklat kommt.

»Ach, Schatz, es ist so anstrengend mit ihr. Ich habe einmal erwähnt, dass Ed etwas spitz deinem Vater gegenüber war, und seitdem dreht sie förmlich durch. Sie stellt es so hin, als wollte ich nicht zu ihr kommen und mir wäre meine Familie egal. Aber das ist sie nicht. Ganz und gar nicht.« Manchmal würde ich mir wünschen, Mum würde weniger Fokus auf die Familie legen. Dann würde sie auch mir mehr Freiraum lassen und mich nicht andauernd mit Nachfragen zu dem Café, einem Freund – meiner Zukunft – löchern.

»Es ist so schade, dass du nicht kommst«, schiebt sie hinterher.

Mit aller Macht unterdrücke ich ein Seufzen und schlage stattdessen die Spülmaschine zu. Mit etwas zu viel Druck, die Klappe schließt nicht sauber und die Maschine öffnet sich wieder. Verdammt!

»Mum, du weißt, dass ich am Wochenende arbeiten muss. Sonntag ist mein umsatzstärkster Tag, der Buchclub hat sein wöchentliches Treffen und ich habe zwei Reservierungen für ein Frühstück. Ich kann das Café nicht zumachen.« Mit den Fingern drücke ich die Klappe erneut zu und lächle. Vielleicht hilft es ja. Tut es nicht. Sie öffnet sich erneut. »Verfickte Scheiße«, entfährt es mir.

»Rebecca!«

Ich zucke zusammen. »Sorry, Mum. Ich meinte den Geschirrspüler, nicht dich.«

»Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: Dass du dich mit einem Geschirrspüler unterhältst oder dass du so fluchst.«

»Mum«, setze ich konsterniert an. »Du weißt, wie ich fluchen kann.«

»Ja. Nein. Aber bitte nicht am Telefon. Das hast du eindeutig von deinem Vater.«

Mir entweicht ein amüsiertes Schnauben. Ich habe alles, was ihr nicht passt, von Dad.

»Kannst du die Reservierungen nicht verschieben? Wir haben uns so lange nicht gesehen, Maisy würde sich sicher auch freuen.« Würde sie bestimmt und vielleicht könnte ich dem familiären Zwist vorbeugen, aber ich brauche diese verdammten Frühstücke und das Geld, das sie mir einbringen.

»Nein, Mum, leider nicht. Ich kann … vielleicht … vielleicht Weihnachten nach Christchurch kommen? Für ein paar Tage?« Kaum, dass ich die Worte ausgesprochen habe, würde ich sie am liebsten zurücknehmen. Auch Weihnachten ist unmöglich. Im Sommer ist im Café mehr los, ich baue mir gerade eine Stammkundschaft auf und kann nicht ein paar Tage zumachen.

»Schatz«, ihre Stimme wird weich. »Ich weiß, wie wichtig dir das Fondue ist und wie sehr du für deinen Traum kämpfst. Aber meinst du nicht, dass es etwas zu viel ist? Wir würden dich ja finanziell unterstützen, doch seit dein Vater seinen Job verloren hat, müssen wir den Gürtel enger schnallen.«

Wütend starre ich den Geschirrspüler an. Jedes Gespräch mit meiner Mum führt zu diesem Punkt. Immer. Und ich hasse es, weil ich nicht zugeben will, dass sie recht hat. Weder vor ihr noch vor mir selbst. Ich will ihr Geld nicht, selbst wenn sie welches hätten. Denn das Fondue gehört mir. Mir allein. Und ich werde das schaffen. Ich muss.

Das Café ist alles, was ich habe. Ich habe es vor einem Jahr von Grandpa geerbt und entgegen dem Wunsch meiner Eltern behalten. Sie waren dafür, dass ich es verkaufe und mir mit dem Geld eine Ausbildung als Grafikerin finanziere. Aber das konnte ich nicht. Grandpa wollte, dass ich es habe.

Er hat mir so viel vom Fondue erzählt, von den Stunden, die er hier verbracht hat. Er hat Granny in diesen vier Wänden kennengelernt, ihr einen Heiratsantrag gemacht. Es steckt so viel Liebe im Fondue, dass ich es nicht übers Herz brachte. Außerdem war da die Sache mit Cole. Mein fucking Ex-Freund, der nichts Besseres zu tun hatte, als meine Ex-Beste-Freundin zu vögeln. Auf unserem Küchentisch. Sollen sie glücklich werden in Christchurch, ich bin es in Auckland.

Wenn dieser verfluchte Geschirrspüler nur das tun würde, was ich von ihm will. Erneut schließe ich die Klappe, halte sie mit meinen Fingern zu und – oh Wunder – es knackt und dann startet das Spülprogramm. Strike. Wenigstens eine Sache, die heute Morgen funktioniert.