Twilight Imperium: Verborgene Herrscher - Tim Pratt - E-Book

Twilight Imperium: Verborgene Herrscher E-Book

Tim Pratt

0,0

Beschreibung

Die Galaxis steht am Rande des Krieges, doch noch besteht Hoffnung, dass das riesige Netz von Intrigen aufgedeckt werden kann, bevor es zu spät ist. Als die Agentin Amina Azad einen hacanischen Botschafter vor einem Attentat rettet, zieht sie ihn in ihre Ermittlungen über eine gewaltige Verschwörung hinein. Unsichtbare Kräfte destabilisieren die gesamte Galaxie, und das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – denn gerüchteweise kehren die uralten "Herrscher der Galaxie" zurück. Verfolgt von Agenten Dutzender anderer Fraktionen, können Azad und der Botschafter nur etwas erreichen, wenn sie sich mit ihren Feinden verbünden. Aber selbst diese könnten kompromittiert sein – von einem geheimen Puppenspieler zum Handeln verleitet. Wie können sie einem Bündnis vertrauen, wenn sie alle sich selbst nicht vertrauen können? Der spektakuläre Abschluss der TWILIGHT IMPERIUM-Trilogie.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 479

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Für meinen Bruder und meine Schwester

Inhalt

KAPITEL 1: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 1

KAPITEL 2: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 2

KAPITEL 3: FELIX

DIE GEWEIHTEN 3

KAPITEL 4: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 4

KAPITEL 5: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 5

KAPITEL 6: AZAD

KAPITEL 7: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 6

KAPITEL 8: FELIX

KAPITEL 9: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 7

KAPITEL 10: TERRAK

KAPITEL 11: AZAD

KAPITEL 12: TERRAK

KAPITEL 13: AZAD

KAPITEL 14: FELIX

KAPITEL 15: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 7

KAPITEL 16: TERRAK

KAPITEL 17: AZAD

KAPITEL 18: TERRAK

KAPITEL 19: FELIX

DIE GEWEIHTEN 9

KAPITEL 20: SEVERYNE

KAPITEL 21: FELIX

KAPITEL 22: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 10

KAPITEL 23: TERRAK

KAPITEL 24: AZAD

KAPITEL 25: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 11

KAPITEL 26: TERRAK

KAPITEL 27: FELIX

KAPITEL 28: SEVERYNE

KAPITEL 29: TERRAK

KAPITEL 30: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 12

KAPITEL 31: TERRAK

KAPITEL 32: SEVERYNE

KAPITEL 33: FELIX

KAPITEL 34: TERRAK

KAPITEL 35: FELIX

DIE GEWEIHTEN 13

KAPITEL 36: AZAD

KAPITEL 37: TERRAK

KAPITEL 38: SEVERYNE

KAPITEL 39: FELIX

KAPITEL 40: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 14

KAPITEL 41: FELIX

KAPITEL 42: TERRAK

KAPITEL 43: FELIX

KAPITEL 44: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 15

KAPITEL 45: TERRAK

KAPITEL 46: FELIX

KAPITEL 47: SEVERYNE

DIE GEWEIHTEN 16

KAPITEL 48: TERRAK

KAPITEL 49: AZAD

KAPITEL 50: TERRAK

KAPITEL 51: AZAD

KAPITEL 52: TERRAK

DIE GEWEIHTEN 17

KAPITEL 53: TERRAK

KAPITEL 54: FELIX

KAPITEL 55: SEVERYNE

KAPITEL 56: AZAD

KAPITEL 57: SEVERYNE

EPILOG: DER INFORMATIONSHÄNDLER

DANKSAGUNGEN

KAPITEL 1

TERRAK

Ich dokumentiere diese Chronik, damit im Falle meiner Gefangennahme und meines unvermeidlichen Todes die Wahrheit ans Licht kommen kann. Ich wurde einer ungeheuerlichen Tat beschuldigt, die ich nicht verübt habe … auch wenn ich nicht behaupten kann, dass ich generell unschuldig bin (die Fehler, die ich begangen habe, und das sind viele, werde ich zugeben, wenn es relevant ist).

Und so begannen meine Probleme.

Ich stand im obersten Stockwerk der Shilsaad-Station an einem riesigen Rundumfenster mit Blick auf die gefrorene Nova. Ich schwenkte eine Tasse hacanischen Sonnenweins und tat mein Bestes, eine Art wohlwollende Weisheit auszustrahlen. Einer der Hilfsdiplomaten der Mentak-Koalition, eine Menschenfrau mit hohen Wangenknochen und rasiermesserscharf geschnittenem Haar namens Coralee, schlenderte zu mir herüber. In der Hand hielt sie ein geriffeltes Glas mit einer Flüssigkeit, die zweifellos weniger stark alkoholisch war als mein Getränk. Die Mentak waren die Organisatoren dieser Veranstaltung, also hatte sie mehr Grund, einen klaren Kopf zu behalten, als ich.

»Botschafter Terrak«, sagte sie und lehnte sich gegen das Geländer vor dem Panoramafenster. »Ich hatte gehofft, mit Euch unter vier Augen sprechen zu können.«

Ich überragte die Menschenfrau um zwei Drittel eines Meters und wog sicher mindestens doppelt so viel wie sie, dennoch wich sie weder vor mir zurück noch zeigte sie Nervosität, wie es viele Menschen taten, wenn sie Vertretern meines Volkes so nahe kamen. Die Hacan ähnelten oberflächlich betrachtet einem nahezu ausgestorbenen Raubtier von der ursprünglichen Heimatwelt der Menschen, einer großen Raubkatze, die »Löwe« genannt wurde. Mit einem einschüchternden, aber edlen Tier verglichen zu werden, war manchmal durchaus nützlich, wenn man es mit Menschen zu tun hatte, doch diese Menschenfrau stammte nicht von Jord oder irgendeinem anderen Planeten innerhalb der Sol-Föderation. Sie war in der Multikulti-Gesellschaft der Mentak-Koalition aufgewachsen, was bedeutete, dass sie ihr ganzes Leben in der Gegenwart von Hacan verbracht hatte.

Die Mentak-Koalition war eine Besonderheit in der Galaxie, denn hier lebten viele verschiedene Spezies eng zusammen, und das mehr oder weniger in Harmonie. Jetzt wollte ihre Regierung diese Koalition ausweiten und andere Kulturen, darunter auch meine, in eine große Allianz einbeziehen – und erstaunlicherweise schien dieser Plan sogar gelingen zu können. Der Zweck dieses Abends bestand darin, die letzten Details der recht hochtrabend benannten »Großen Union« zu besprechen, und unsere Zusammenkunft war nur eine von vielen, die vorab stattfanden und in einem großen Gipfeltreffen mehrerer Fraktionen auf der Heimatwelt der Koalition, Moll Primus, münden sollten. Dort sollte schließlich – zumindest in der Theorie – der Vertrag offiziell unterzeichnet werden. Vorausgesetzt, dass nicht schon vorher alles in die Brüche ging. Mehrere stolze und uralte Kulturen, von denen einige in der Vergangenheit miteinander verfeindet gewesen waren, davon zu überzeugen, sich zu einem einzigen großen Bündnis zusammenzuschließen, war ein heikles Unterfangen. Ich betrachtete die gesamte Idee eher mit zynischer Haltung. Die Große Union schien mir zu jener Sorte von Vorhaben zu gehören, die Zehntausende von Stunden kollektiver Arbeit erforderten, um am Ende bestenfalls ein symbolisches Ergebnis zu erzielen. Aber Diplomaten mussten sich ja irgendwie beschäftigen und bei solchen Unternehmungen gab es wenigstens immer reichlich Getränke.

»Bin ich etwa so berühmt für meine Konversationskünste?«, fragte ich. Bevor sie antworten konnte, deutete ich auf die riesige, gefrorene Nova, die sich jenseits des Aussichtsfensters als unscharfes Panorama abzeichnete – auf den Stern, der im Moment seiner explosiven Ausdehnung für immer erstarrt war. Die wahre Helligkeit der Nova wurde durch eine Reihe von Blenden, Schutzschilden und Linsen verborgen, sodass es möglich war, dieses eingefrorene Bild stellarer Verwüstung direkt anzuschauen. »Was ist Eure Theorie?«

»Über die gefrorene Nova?« Sie zuckte mit den Schultern. »Eine alte Zivilisation hat versucht, die Energie eines explodierenden Sterns zu nutzen, und das ist das, was von ihrer Sonnenbatterie übrig geblieben ist.«

»Ah, die Ausbeutungshypothese.« Ich ließ den goldenen Wein in meinem Becher kreisen. »Ich selbst bevorzuge die Überlebenshypothese: dass dieses System die Heimat dieser uralten Aliens war und sie den Stern in Stasis versetzt haben, um ihre Welt vor der Zerstörung zu bewahren.«

Sie legte den Kopf schief. »Eine Zivilisation, die in der Lage ist, die Ausdehnung eines Sterns zu unterbinden und ihn in permanente Kraftfelder einzuhüllen, könnte doch sicher einfach alles zusammenpacken und in ein System ziehen, das nicht kurz davorsteht, einer Supernova zum Opfer zu fallen, oder? Es ist ja nicht so, dass Sterne ohne Vorwarnung explodieren – diese Aliens hätten genug Zeit gehabt, sich vorzubereiten.«

»Ihr unterschätzt den Reiz, der darin liegt, seine Heimat zu verteidigen«, erwiderte ich. »Manche Völker hängen sehr an der Wiege ihrer Zivilisation, selbst wenn sich Letztere schon über die gesamte Galaxie ausgebreitet hat. Eine Heimatwelt stellt zugleich die Wurzel und das Erbe der eigenen Identität als Volk dar. Diese Verbindung aufrechtzuerhalten kann für manche sehr wichtig sein.«

Coralee schnaubte. »Soll das eine politische Anspielung sein? Weil ich von Gefangenen einer Strafkolonie abstamme und zusammen mit einem Dutzend anderer Spezies auf einer Raumstation aufgewachsen bin, bin ich nicht in der Lage zu verstehen, was kulturelle Identität bedeutet?«

Ich blinzelte sie an. »Bei den Brennenden Sanden, nein. Ich glaube, Ihr überschätzt sowohl die Subtilität meines Scharfsinns als auch mein Interesse, Euch zu beleidigen.« Diese Aussage war nur zur Hälfte wahr.

»Oh, ich bin nicht beleidigt.« Sie trank einen Schluck aus ihrem Glas, schaute zu mir auf und lächelte. »Ich bin meinem Volk gegenüber sehr loyal, Botschafter. Diese Loyalität hat bloß nichts mit unserer gemeinsamen Verbindung zu irgendeiner bestimmten Kugel aus Erde und Wasser zu tun. Moll Primus ist immer noch das Zentrum der Mentak-Koalition, aber es war vor langer Zeit auch unser Gefängnis, daher ist unsere Beziehung zu unserer Heimatwelt … komplex. Stattdessen bin ich unseren Idealen gegenüber loyal – dem Grundprinzip der Freiheit natürlich, aber auch dem Bestreben, etwas Neues und Starkes aus scheinbar nicht zusammenpassenden Teilen zu schmieden. Das ist es, was wir mit der Großen Union versuchen.«

»Ich hege durchaus Sympathie für Eure Ziele. Aber die Entscheidung, der Union beizutreten, wurde ohne mein Zutun getroffen, also war meine persönliche Einstellung dabei nicht von Bedeutung.« Ich senkte den Kopf. »Ich bin natürlich ein bescheidener Diener der Emirate von Hacan … doch um ehrlich zu sein, bin ich hauptsächlich hier wegen der Drinks und der Gelegenheit, alte Freunde zu treffen.«

»Seid nicht so bescheiden, Botschafter Terrak. Ihr seid eine Person mit Einfluss.«

Mein offizieller Titel lautete »Sonderbotschafter«, was bedeutete, dass ich kein Botschafter für einen bestimmten Ort war, sondern die Emirate von Hacan an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Situationen vertrat, je nach Bedarf. Gelegentlich beriet ich meine Regierung in Handelsangelegenheiten und natürlich hatte ich hochrangige Freunde und Kontakte … Es war jedoch kein Geheimnis, dass ich mir meinen vorwiegend symbolischen Titel (und die damit verbundenen sehr realen diplomatischen Privilegien) durch die Bestechung der richtigen Amtsträger gesichert hatte. Schließlich war Reichtum die Quelle der Macht, politisch und anderweitig; das galt für die ganze Galaxie, auch wenn nur die Hacan dies offen zugaben.

In meiner Heimat gab es ein Sprichwort: »Geld ist das Blut der Welt.« Wenn das Geld versiegte, dann starb die Welt. Ich hatte viel Zeit bei den anderen Fraktionen verbracht und allmählich gemerkt, dass sie es tatsächlich ernst meinten, wenn sie darauf bestanden, dass Reichtum weniger wichtig sei als Diplomatie (als ob Einfluss nicht gekauft werden könnte), militärische Macht (obwohl man immer größere und bessere Waffen erwerben konnte) oder das Streben nach Wissen (das unweigerlich zum Geldverdienen verwendet wurde). Früher hielt ich diese Leute für naiv. Inzwischen hatte ich akzeptiert, dass sie einfach anders waren.

Meine diplomatischen Referenzen begleiteten mich überall hin und ich führte ein angenehmes Leben, indem ich von einer Botschaftsparty zur nächsten zog, an offiziellen Missionen zu interessanten Orten teilnahm sowie hier und da ein paar Gefallen eintauschte oder Bestechung betrieb. Schließlich musste man in strategischen Momenten ein paar Credits verteilen, um den reibungslosen Fluss des interstellaren Handels zu fördern, und ich gehörte zu jenen, die genau wussten, an wen man sich wenden musste und wie man die Leute umgarnen konnte. Augenscheinlich bestand der Zweck dieses Treffens darin, die Details von Freihandelszonen und kulturellen Austauschprogrammen zwischen den Unionsmitgliedern zu besprechen, was durchaus in meinen Arbeitsbereich fiel … In Wirklichkeit suchten alle Teilnehmenden der eingeladenen Fraktionen nach Vorteilen oder Schwächen, die sich ausnutzen ließen. Wie hätte es auch anders sein können, bei einer Raumstation voller Diplomaten und Politiker (und zweifellos auch ein paar Spionen)?

Ich schüttelte den Kopf und meine Mähne wogte hin und her. »Ich habe Kontakte zu verschiedenen Regierungsstellen und kann gelegentlich einen Beschaffungsminister davon überzeugen, den einen oder anderen Lieferanten zu bevorzugen. Hin und wieder schaffe ich es, ein inoffizielles Treffen mit diesem oder jenem Amtsträger zu arrangieren. Aber ob die Emirate Eurer Großen Union beitreten werden und welche Bedingungen für den Handel und so weiter dabei vereinbart werden … Diese Entscheidungen liegen weit über meiner Gehaltsklasse.«

»Jede Stimme, die sich dem Chor anschließt, macht das Lied umso stärker«, sagte Coralee. »Wir schätzen Eure Unterstützung. Wenn die Große Union Wirklichkeit wird, bedeutet das für uns alle mehr Reichtum und Sicherheit.«

Ich hob meinen Becher und prostete ihr zu. »Euer Volk versteht es, herrliche Getränke auszuschenken – Ihr seid also auf dem besten Weg, mich für Eure Sache zu gewinnen.«

»Ich hatte gehofft, Euren Sinn als Geschäftsmann ansprechen zu können. Wir hatten alle Probleme mit den immer dreister werdenden L1Z1X und den zersetzenden Schwärmen des Nekro-Virus, aber es gibt auch diese seltsamen neuen Bedrohungen, die in letzter Zeit aufgetreten sind: Diese albtraumhaften Eindringlinge am Rande des bewohnten Raums, das ungewöhnliche Verhalten der Creuss, die sogenannten Titanen, die einen alten Bergbaukolonieplaneten übernommen haben, dazu dieser mysteriöse Informationshändler auf einer abgelegenen Station, der aus unersichtlichen Gründen Einfluss aufkauft … Sie alle stellen eine Bedrohung für den reibungslosen Ablauf des Handels dar, meint Ihr nicht? Wenn wir uns zusammentun, können wir eine vereinte Front bilden und uns dem kommenden Chaos gemeinsam entgegenstellen.«

»Veränderung liegt in der Natur der Galaxie«, sagte ich. »Und Chaos bietet stets Möglichkeiten, Profit zu schlagen. Das weiß auch die Mentak-Koalition. Eure Piratenflotten sind immer bereit, die Gunst der Stunde zu nutzen, wenn sich ein passender Moment ergibt, oder nicht? Ich bin nicht der Einzige, der es … interessant … findet, dass Ihr eine Allianz mit Völkern schmieden wollt, die Ihr in der Vergangenheit geentert und ausgeraubt habt.«

Sie seufzte. »Selbst wenn Ihr denkt, dass die Mentak allesamt Piraten sind, solltet Ihr verstehen können, warum wir die zivilisierte Galaxie gegen existenzielle Bedrohungen verteidigen wollen. Piraten bevorzugen ruhige, berechenbare Handelsrouten, um dort Beute zu machen. Wir alle kennen die Geschichten von abgelegenen Welten, die von mysteriösen Invasoren unbekannter Herkunft ausgelöscht wurden. Niemand profitiert von dieser Art von … Störung.« Vielleicht ahnte sie, dass mir diese düstere Wendung des Gesprächs nicht sonderlich gefiel, und grinste plötzlich. »Außerdem können wir immer noch die Letnev überfallen und ausplündern. Diesen Zeitvertreib würden wir nie aufgeben.«

»Das solltet Ihr auch nicht.« Während ich meinen Blick über die Anwesenden wandern ließ, entdeckte ich eine vertraute Silhouette auf der anderen Seite des Raumes – meinen alten Freund Qqurant von den Xxcha mit seinem unverwechselbaren rot-weiß gestreiften Panzermuster. »Wenn Ihr mich bitte entschuldigen würdet, ich sehe da jemanden, mit dem ich dringend sprechen muss.«

Coralee versuchte nicht, mich aufzuhalten, indem sie nach mir griff, doch sie vertrat mir den Weg, um meine geschmeidige Flucht zu verhindern. »Können wir auf Eure Unterstützung zählen, Botschafter?«

»Meine Unterstützung ist nicht so viel wert, wie Ihr zu glauben scheint, Coralee, aber wie gesagt, ich hege durchaus Sympathie für Eure Ziele und werde genau das sagen, wenn jemand mich danach fragen sollte.«

Sie wirkte nicht unbedingt zufrieden, nickte jedoch und trat zur Seite, sodass ich nicht gezwungen war, sie vorsichtig zu packen und beiseitezuschieben.

Ich schlenderte durch den kreisrunden Saal mit der gebogenen Fensterfront, in dem sich kleine Gruppen von Leuten, herumwuselnde mechanische Kellner und schwebende Drohnentabletts tummelten. Alle trugen die feinsten Gewänder, die ihre jeweilige Kultur zu bieten hatte: Die Panzer der Xxcha waren mit schimmernden Juwelen besetzt, die Menschen waren in schillernde Kleider oder elegante Anzüge gekleidet und die Hylar bewegten sich in eleganten, mobilen Wassertanks umher (und in einem Fall in einem filigranen, silbernen Exoskelett; Unterstaatssekretär Jhuri gehörte zu der amphibischen Unterart der Hylar, die ohne Unterstützung Luft atmen konnte). Die Hacan trugen förmliche Roben oder Schärpen (Letzteres war etwas gewagt und modern; natürlich trug ich ebenfalls eine Schärpe) und es waren sogar ein paar Yssaril vor Ort, die etwas auffälliger gekleidet waren als sonst, damit niemand über sie stolperte.

Das Xxcha-Königreich, die Sol-Föderation, die Universitäten von Jol-Nar, die Emirate von Hacan und die Yssaril-Stämme: Wenn es nach der Mentak-Koalition gegangen wäre, hätten diese Fraktionen den Kern der Großen Union gebildet. Ich hatte Gerüchte gehört, dass die Mentak auch an den Clan der Zaar, die Naaz-Rokha und die Yin-Bruderschaft herangetreten waren, doch wenn dem so war, hatten diese Gruppen keine Vertreter zu diesem Gipfel geschickt. Das war mir durchaus recht; die Zaar waren deprimierende Zeitgenossen, die Yin waren Fanatiker und die Naaz-Rokha einfach nur seltsam, auch wenn es sich bei den Rokha genetisch gesehen um entfernte Cousins meines Volkes handelte. Laut meinen Quellen hatte die Koalition zudem versucht, das Naalu-Kollektiv zu kontaktieren, und zwar über Vermittler innerhalb der Zunft der Spione der Yssaril, die eine Beziehung zu dem zurückgezogen lebenden Schlangenvolk unterhielt. Die Naalu hatten sich wie immer unnahbar gegeben und die Einladung komplett ignoriert. Das war auch gut so. Den Schlangen wurden telepathische Kräfte nachgesagt und ich hasste die Vorstellung, dass jemand in meinem Kopf herumpfuschen könnte.

Ich wandte mich Qqurant zu, der mit einem Krug in der Hand etwas abseits der Menge stand und ins Leere starrte. Der Xxcha arbeitete als Kulturminister und förderte die Kunst seines Volkes, indem er Touren und Ausstellungen in der ganzen Galaxie organisierte. Wie man hörte, war er selbst ein begabter Dichter, obwohl ich mit Xxcha-Gedichten nicht viel anfangen konnte: zu viel Wasser und Bäume und Trauer, nicht genug Feuer und Blut und Sex. Ich fragte mich, was mit ihm los sein mochte. Qqurant war einer der lebhaftesten und geselligsten Xxcha, die ich je kennengelernt hatte. Es wäre nicht fair gewesen, ihn als absoluten Partylöwen zu bezeichnen – Xxcha neigten nicht dazu, sich zu betrinken, auf Tische zu klettern und spontan ein Tänzchen aufzuführen –, doch man konnte ihn normalerweise dabei beobachten, wie er von einer Gruppe zur anderen trudelte, staubtrockene Witze riss und ironische Kommentare machte, die die allgemeine Atmosphäre der Wichtigtuerei durchbrachen und alle dazu brachten, sich zu entspannen und mehr als Personen zu interagieren statt als Staatsrepräsentanten. Qqurant und ich kannten uns seit dreißig Jahren und hatten gemeinsam buchstäblich Hunderte solcher Veranstaltungen besucht – dermaßen abwesend und distanziert wie heute hatte ich ihn allerdings noch nie erlebt.

»Was ist los, Krötchen?«, fragte ich. Er hob sein schnabelbewehrtes Gesicht, seine Augen wirkten glasig und unfokussiert. Normalerweise nannte er mich »Kätzchen«, stattdessen sagte er nach einer langen Pause: »Ich grüße Euch … Botschafter Terrak.« Er schwieg kurz. »Ich hoffe …«, es folgte eine weitere Pause, »Ihr habt … einen angenehmen Abend.«

Ich schaute mich um, und da wir außer Hörweite der anderen waren, kam ich näher. »Bei den Gleißenden Sternen, Krötchen, was ist los? Du musst etwas auf dem Herzen haben. Geht es den Mädchen gut?« Krötchen war vor zwanzig Jahren Witwer geworden, hatte jedoch zwei Töchter, die sein Ein und Alles waren.

»Den Mädchen … meinen Töchtern … geht es gut. Sie setzen ihr Studium fort. Sie haben großen Erfolg … in ihren jeweiligen Fachgebieten. Es ist nett … von dir, dass du dich … nach ihnen erkundigst.« Qqurant schaute mich nicht wirklich an. Er schien überhaupt nichts anzuschauen.

Ich konnte nicht verstehen, warum er sich so kalt und distanziert verhielt. »Wenn ich dich irgendwie beleidigt haben sollte, alter Freund …«

Endlich fokussierte er seinen Blick auf mich. »Oh. Nein … bitte. Nimm … meine Entschuldigung … an. Ich bin … krank. Kein Grund zur … Sorge. Es wird mir … bald wieder gut gehen. Wenn du mich bitte … entschuldigen würdest.« Er wankte davon, aber anstatt zu gehen oder mit jemand anderem zu sprechen, stellte er sich einfach auf die andere Seite des Raumes und beobachtete die Anwesenden – oder gar nichts.

Sehr seltsam. Ich entdeckte ein weiteres bekanntes Gesicht, eine Handelsvertreterin der Sol-Föderation namens Lillith, die sich gerade von einer Gruppe lachender, rotgesichtiger Menschen löste. Sie trug ein ziemlich gewagtes Arrangement aus Metallringen, die von Antigravitationsgeneratoren oder magnetischen Resonanzen oder so was in der Art in der Schwebe gehalten wurden. Drähte, die in ihr langes rotes Haar eingeflochten waren, sorgten dafür, dass sich die Strähnen unablässig bewegten, als würden sie im Wind wehen. Lillith neigte dazu, diejenigen mit ihrer bloßen Anwesenheit zu überwältigen, die nicht an sie gewöhnt waren, und es dauerte lange, bis man sich an sie gewöhnt hatte, was es ihr ermöglichte, Deals einzufädeln, die meist zu ihren Gunsten ausfielen. »Lil, du siehst heute Abend extrem abenteuerlich aus.«

Sie wirbelte zu mir herum und lächelte. Ich war natürlich größer als sie, allerdings besaß sie den langen, schlanken Körperbau von jemandem, der außerhalb der Gravitation eines Planeten geboren worden war, und trug zudem beachtliche Absätze, sodass sie sich beinahe mit mir auf Augenhöhe befand. »Terrak, du alter Halunke! Ist deine Schärpe etwa blau umrandet? Was würden die verehrten Weisen sagen, wenn sie dich so gekleidet sähen?«

»Nichts, was ich nicht schon gehört hätte.« Ich nahm sie beim Ellbogen und lenkte sie von den Ohren weg, die in unsere Richtung gespitzt wurden. »Hast du heute Abend schon mit Krötchen gesprochen?«

»Nein, ich habe ihn noch nicht gesehen. Ist er hier? Ich suche nie nach Qqurant, er bahnt sich seinen Weg zu mir immer mit rücksichtsloser Zielstrebigkeit – du weißt ja, wie er ist.«

Ich nickte. »Ja, normalerweise schon. Aber heute Abend stimmt irgendetwas nicht mit ihm. Ich habe ihn noch nie so … distanziert erlebt. Und ›distanziert‹ ist nicht mal das richtige Wort dafür.« Ich gestikulierte mit meinem Glas dorthin, wo Qqurant wie ein abgeschalteter Roboter herumstand. »Er war nicht einmal so, als sein Partner gestorben ist. Da hat er sich einfach in seine Arbeit gestürzt. Hast du etwas gehört, was diese Veränderung erklären könnte?«

Lillith machte ein besorgtes Gesicht, doch ich konnte sehen, wie sich die Rädchen in ihrem Kopf drehten und sie überlegte, wie man Qqurants seltsame Abwesenheit zum Vorteil ihrer Fraktion nutzen könnte. Ein Grund dafür, dass Krötchen und Lillith eine unkomplizierte Freundschaft führen konnten, war allerdings, dass sich ihre Einflussbereiche kaum überschnitten. »Leider nicht. Der Arme. Ich werde selbst nach ihm sehen und dir Bescheid geben, wenn ich etwas höre. Ich hoffe, es geht ihm gut. Ich sage immer, er ist eine der wenigen wirklich guten Seelen, die man in unserer Welt treffen kann.«

Ich gab mich beleidigt und riss in vorgespielter Empörung den Kopf zurück. »Was ist mit mir?«

Lillith gluckste. »Wenn es darum geht, eine gute Person zu sein, wären wir beide nicht mal würdig, seinen Panzer zu polieren, und das weißt du ganz genau.«

Ich bedankte mich bei ihr, drehte mich um und stolperte fast über eine Yssaril, die ich nicht gesehen hatte. Normalerweise sah man Yssaril nur, wenn sie es wollten; deswegen waren die kleinen Humanoiden auch derart gute Spione. »Habe ich gerade zufällig gehört, dass Ihr Euch Sorgen um Minister Qqurant macht?«, fragte sie mit leiser Stimme. Sie sprach in meiner Muttersprache und nicht in der intergalaktischen Umgangssprache, was mich überraschte, obwohl ich nicht so recht wusste, warum. Yssaril-Agenten besaßen ein ausgeprägtes Talent, was Sprachen anging. Lauschen war nun mal nutzlos, wenn man nicht verstand, was man da gerade mit anhörte. Diese Yssaril trug die Uniform des Sicherheitsdienstes der Station.

»Ich habe mich nur nach dem Befinden eines alten Freundes erkundigt«, erklärte ich in der Handelssprache.

Sie nickte und wechselte ohne mit der Wimper zu zucken die Sprache – und angesichts der großen Augen der Yssaril hätte man ein Wimpernzucken durchaus bemerkt. »Dem Minister geht es gut. Er ist nur sehr beschäftigt.«

Wie merkwürdig. Die Xxcha nutzten die Dienste der Zunft der Spione nicht so häufig wie andere Kulturen, da sie offene Diplomatie der verdeckten Beschaffung von Informationen vorzogen, außerdem hatte Krötchen nichts mit der Art von Operationen zu tun, an denen die Zunft sich üblicherweise beteiligte.

»Ich glaube, wir haben uns noch nicht kennengelernt. Ich bin Botschafter Terrak.«

Ein Augenblick verging, bevor sie sagte: »Ich bin Kote Strom.«

»Und woher kennt Ihr Krötchen?«

»Durch … die Arbeit.« Sie wich einen halben Schritt zurück. »Ich wollte Euch nur beruhigen. Macht Euch keine Sorgen. Dem Minister geht es gut.«

»Oh, das beruhigt mich zutiefst.« Ich ließ ein kleines, knurrendes Schnurren in meiner Stimme mitschwingen. »Lasst mich Euch in diesem Punkt beruhigen.«

Die Yssaril huschte davon und verschwand hinter einer Gruppe von Menschen, die sich unterhielten. Wie seltsam. Ich rühmte mich für gewöhnlich damit, stets zu wissen, was hinter den Kulissen vor sich ging, aber hier waren eindeutig Kräfte am Werk, die Dinge taten, die ich nicht verstand, aus Gründen, die ich mir in diesem Moment nicht vorstellen konnte. Ich war soeben davor gewarnt worden, Krötchens sonderbares Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen, was natürlich nur meine Entschlossenheit verstärkte, genau das zu tun.

Also drehte ich eine gemächliche Runde durch den Raum und schaute mich nach Krötchen um, der seinen letzten Standort verlassen hatte und weitergezogen war. Endlich entdeckte ich ihn in der Nähe der Wand, wo er in merkwürdig gebeugter Haltung herumstand. War da etwa ein Schimmern neben ihm, wie bei einem Yssaril, der seinen Nimm-mich-nicht-wahr-Trick einsetzte? Krötchen drehte sich abrupt um und ging auf die Aufzugsplattform zu, die zu dem Komplex unter uns führte – zu den Gästequartieren, Speisesälen und Tagungsräumen dieses Kongresszentrums und Luxushotels.

Ich erwog, ihm hinterherzulaufen. Es wäre nicht schwer gewesen, mir einen Vorwand auszudenken, um ihm zu folgen. Aber … was hätte ich damit schon erreichen können? Ich würde genauso viel herausfinden, wenn ich mit einer Steinmauer reden würde.

Irgendetwas ging hier vor sich. Wollte Krötchen mir mit seinem eigenartigen Verhalten eine Botschaft übermitteln? So wie jemand, der gefangen gehalten wurde, vielleicht etwas völlig Ungewöhnliches sagen würde, um zu signalisieren, dass etwas nicht stimmte, weil er nicht frei sprechen konnte? Vielleicht steckte mein alter Freund in Schwierigkeiten. Er war zwar ein Kulturminister und in nichts Gefährlicheres verstrickt als Rivalitäten unter Musikern, dennoch bewegte er sich in den Hallen der Macht … und diese waren voller Stachelgruben und Fallstricke.

Ich stellte mich neben eine kristalline kinetische Skulptur, die mich vor den Augen der meisten Partygäste und des Sicherheitspersonals verbarg, und drückte einen unsichtbaren Knopf an einem meiner Armbänder. Mental sagte ich: »Catriona, ich möchte, dass du einen Xxcha-Kulturminister namens Qqurant überprüfst. Die Recherche soll mitteltief sein; vergleiche seine Verhaltensmuster mit der Datenbank und schicke mir eine Übersicht über alle Auffälligkeiten der letzten Zeit, insbesondere in finanzieller Hinsicht und in Bezug auf intime Beziehungen. Überprüfe auch eine Yssaril namens Kote Strom, nur ein einfaches Dossier, vorausgesetzt, du findest etwas – sie ist als Stationssicherheitskraft hier, aber ich frage mich, ob sie vielleicht zur Zunft der Spione gehört.«

Ich schickte die Nachricht ab. Sie würde verschlüsselt und dann als Signalrauschen getarnt im routinemäßigen Kommunikationsverkehr der Raumstation gesendet werden, bevor sie schließlich von einem der vielen automatisierten Agenten meiner Beraterin abgefangen wurde. Catriona war freiberufliche Datenanalystin, und obwohl niemand besser war, was Marktforschung anging, waren ihre Fähigkeiten auch auf andere Bereiche übertragbar. Wenn etwas mit Krötchen nicht stimmte – vorausgesetzt, es spielte sich nicht ausschließlich in seinem ellipsenförmigen, geschuppten Kopf ab –, würde ich es bald wissen.

Ich schlüpfte wieder in meine gewohnte Rolle, setzte mein übliches wissendes Lächeln auf und unterhielt mich scheinbar vergnügt mit den anderen Partygästen, bis es Zeit für unser offizielles Abendessen war. Ich landete an einem Tisch mit Lillith, was sehr lustig war – sie erzählte mir reihenweise skandalöse Geschichten über alte Bekannte. Das Essen war … befremdlich. Die kulinarische Tradition der Mentak-Koalition bestand natürlich aus einem bunten Gemisch, da die verschiedenen Spezies, die dort zusammenlebten, seit Jahrhunderten ihre eigenen Köstlichkeiten miteinander teilten. Unsere Gastgeber servierten uns voller Stolz Gerichte, die uns beinahe bekannt vorkamen, allerdings völlig falsch zusammengestellt oder zubereitet waren. Ich hatte mir das Fleischgericht nach hacanischer Art bestellt und bekam eine Platte mit gebratenem Caprid, was ja schön und gut war, allerdings war das Kotelett mit gemahlenen Gliederfüßern paniert und auf der völlig falschen Sorte Getreide serviert worden – und, was noch schlimmer war, man hatte das Getreide mit einer Art Ausfluss aus dem Tintenbeutel eines Kopffüßlers dunkelviolett eingefärbt. Lillith starrte mit blankem Entsetzen auf ihren Teller. Sie hatte sich für den Fisch entschieden – wer so viel Zeit mit den Hylar an den Universitäten von Jol-Nar verbrachte wie sie, musste allein aus Selbstschutz eine Vorliebe für Meeresfrüchte entwickeln – und der gebratene Amöben-Aal vor ihr war technisch gesehen ein Fisch, obwohl er eher wie eine Schlange mit verkümmerten Flossen wirkte und der Koch nicht einmal den Kopf entfernt hatte. Je weniger Worte man über die klebrige Soße verlor, die über den Aal geträufelt worden war, desto besser.

Zum Glück gab es mehrere essbare Käsesorten, und wenn man die seltsamen Kerne vom Brot abbürstete, war es gar nicht so schlecht, sodass wir wenigstens nicht verhungern mussten. Krötchen war beim Essen nicht anwesend, obwohl er den größten Appetit aller Xxcha besaß, die ich je getroffen hatte. Auch Kote Strom konnte ich nirgends entdecken, was jedoch nicht hieß, dass sie nicht da war. Ich erkundigte mich bei einem der Mentak-Abgesandten, die im Raum umhergingen, nach Krötchens Verbleib. »Oh, der Minister musste sich um einige dringende Angelegenheiten kümmern«, entgegnete die Frau, »aber er wird am Morgen wieder zu uns stoßen.«

Hmm. Nach den unvermeidlichen Reden, die bei solchen Anlässen stets geschwungen wurden, lehnte ich mehrere Angebote ab, mich mit anderen zusammenzusetzen, um nach der Mahlzeit ein paar Drinks, eine Wasserpfeife oder eine Tasse Tee zu genießen, behauptete stattdessen, ich müsse noch einige Berichte durchgehen, und fuhr mit dem Aufzug zur Etage hinunter, auf der sich mein Zimmer befand. In Wahrheit wollte ich sehen, ob Catriona schon etwas über Krötchen herausgefunden hatte.

Ich betrat mein Zimmer und wandte mich der Tür zu, um sie abzuschließen. In diesem Moment knallte mir etwas in die Kniekehlen und brachte mich aus dem Gleichgewicht. Ich fing mich an der Tür ab und versuchte, mich umzudrehen, aber irgendetwas krabbelte meinen Rücken hinauf. Einen Moment später schlug eine Hand meinen Kopf so fest gegen die Wand, dass meine Sicht verschwamm und ich auf die Knie sank.

Mein Kopf dröhnte wie eine Glocke und Schmerz pochte in meinen Gliedern, doch der fühlte sich weit entfernt an. Ich war schon lange nicht mehr in einen Kampf verwickelt gewesen und hätte nicht gedacht, dass mich jemand, der so klein war, derart schwer treffen konnte. Manchmal geht es weniger um Kraft, sondern mehr um die richtige Technik. Ich versuchte, aufzustehen, aber …

Ich muss meine Aufzeichnungen später fortsetzen. Meine Wohltäterin schreit mir Fragen zu, und wenn einem jemand das Leben rettet, ist es nur höflich, zu antworten.

DIE GEWEIHTEN 1

Qqurant lag auf dem Boden in seinem Zimmer und fühlte sich, als würde er in einer friedlichen Wolke schweben. Das Denken fiel ihm in letzter Zeit schwer, allerdings musste er auch immer seltener denken. In den ersten Tagen seiner Bekehrung war Qqurant noch gezwungen gewesen, seinen Verstand zu gebrauchen und zu improvisieren, er hatte seinen Charme eingesetzt, Leute beschwatzt und Andeutungen gemacht – man hatte ihm zwar Aufträge erteilt, aber er hatte große Freiheiten besessen, wenn es darum ging, wie er sie erfüllte.

Jetzt hatte er fast keine Freiheit mehr. Er bekam keine Aufträge mehr, bekam kaum noch Anweisungen, außer vorsichtig zu sein und keinen Verdacht zu erregen. Die letzten paar … Tage? Wochen? … waren ihm ein bisschen verschwommen vorgekommen. Hatte er Kätzchen heute Abend gesehen? Dieser alte … Nein, der Gedanke entglitt ihm, wie so oft in letzter Zeit. Qqurant machte das nichts aus. Es war ihm immer noch gestattet zu dienen, er wurde weiterhin für seinen Dienst belohnt, und so war in seiner Welt alles in Ordnung.

Diese vertraute Stimme, oder eher ein Chor von Stimmen, sprach in seinem Kopf.

<Unser treuer Diener. Es tut uns leid, dich so geschwächt zu sehen.>

Qqurant regte sich. »Meine … Lotsen?«

<Wir sind hier. Wir brauchen dich. Für eine letzte Mission.>

»Es … ist mir ein Vergnügen … zu … dienen.«

<Du musst eine Nachricht senden>, flüsterten seine Meister und Qqurant war glücklich, denn er war nach wie vor fähig, eine solche Aufgabe zu erledigen, und aktiver Gehorsam stellte die höchste Form von Glückseligkeit dar.

KAPITEL 2

TERRAK

Meine Retterin ist zufrieden und amüsiert sich, während wir unsere Reise beenden, also werde ich meine Schilderung fortsetzen. Ich würde diese Berichte gerne von unterwegs verschicken – Catriona würde dafür sorgen, dass sie die richtigen Leute erreichen –, doch ich wage es nicht, das Risiko einzugehen, meine Position zu verraten.

Catriona hat nie auf meine Anfrage nach Informationen über Krötchen geantwortet, weshalb ich mich frage, ob meine ach so gut verschlüsselten Nachrichten abgefangen wurden. Wenn ja, traue ich mich nicht, mein Schweigen jetzt zu brechen, während die halbe Galaxie nach mir sucht …

Als ich in meinem Zimmer auf der Shilsaad-Station angegriffen und mit dem Kopf gegen die Tür geschlagen wurde, knurrte ich und die Chemikalien, die den Kampf-oder-Flucht-Reflex auslösen, durchfluteten mein System und vertrieben meine Benommenheit. Ich kämpfte mich von den Knien hoch, aber die Person auf meinem Rücken zerrte an meinen Haaren und zwang meinen Kopf nach hinten. Eine kleine, langfingrige Hand, die einen schlanken schwarzen Kanister hielt, erschien am Rande meines Sichtfeldes. War es Gift? Ein Gas, um mich bewusstlos zu machen? Ich wollte es nicht herausfinden. Das Gewicht auf meinem Rücken war nicht schwer, also warf ich mich hart zur Seite, um meinen unwillkommenen Passagier abzuschütteln, und fiel dabei wieder auf die Knie. Der Kanister schlitterte über den Boden außer Sichtweite und die kleinen Arme schlangen sich fest um meinen Hals.

Mich in meinem Hotelzimmer erwürgen zu lassen kam überhaupt nicht infrage. Ich zerrte an den Armen meines Angreifers, doch trotz seiner geringen Größe war sein Griff zu stark, um mich davon befreien zu können, also konzentrierte ich mich erst einmal darauf, auf die Beine zu kommen. Sobald ich aufrecht stand, drehte ich mich und warf mich mit dem Rücken so fest ich konnte gegen eine der Wände, sodass mein Angreifer zwischen meiner eigenen Körpermasse und der harten Oberfläche zerquetscht wurde. Der Angreifer zischte mir ins Ohr, sein Griff lockerte sich jedoch und ich machte einen Schritt vor, bereit, mich erneut gegen das Schott zu werfen. Stattdessen ließ sich die Gestalt von meinem Rücken fallen und huschte davon – zumindest nahm ich das an, denn ich sah nur einen Schimmer in der Luft, als sich meine Tür öffnete und wieder schloss.

Wenn man von einem unsichtbaren Angreifer attackiert wurde, handelte es sich in der Regel um einen Yssaril. Kote Strom? Ich rieb mir den Hals, aber obwohl er wehtat, konnte ich keinen wirklichen Schaden feststellen. Mein Angreifer hatte eindeutig nicht versucht, mich zu töten – mit einer Klinge, während ich schlief, hätte das viel leichter bewerkstelligt werden können. Was war dann das Ziel gewesen? Wollte man mich betäuben und zu einem anderen Ort bringen, zu einem unbekannten Zweck? Dieser Gedanke bereitete mir in gewisser Hinsicht am meisten Sorgen. Ich hatte einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, der Insider zu sein und meinen eigenen kleinen Einflussbereich zu kontrollieren, sodass es mich zutiefst beunruhigte, geheimnisvollen Kräften ausgeliefert zu sein. In meinem Beruf ging es um Wissen und Einfluss und in diesem Moment hatte ich weder das eine noch das andere.

Ich nahm mir vor, das zu korrigieren und alles herauszufinden, was ich konnte. Ich hob den Kanister vom Boden auf. Das Ding war klein und schwarz, kaum so groß wie mein Daumen, mit einem simplen Druckknopf und einer Düse an der Oberseite sowie einem Kippschalter zum Öffnen oder Schließen des Ventils. Es gab keinerlei Markierungen oder Hinweise darauf, welche Substanz sich darin befinden könnte. Ich betätigte den Sicherheitskippschalter und verstaute den Kanister in einer der versteckten Taschen meines Mantels. Dann überlegte ich, ob ich den Sicherheitsdienst der Station rufen sollte. Dieser Angriff hatte das Zeug dazu, zu einem internationalen Zwischenfall zu werden, und ich war mir nicht sicher, ob ich in einen solchen verwickelt werden wollte, denn so etwas bringt immer viel zu viel Papierkram und endlose, langweilige Besprechungen mit sich, die von den angenehmeren Dingen des Lebens ablenken.

Ein Läuten ertönte von der Decke. »Botschafter Terrak, Ihr habt eine Nachricht«, verkündete das intelligente Hilfssystem des Raums.

»Was für eine Nachricht?«

Kurz herrschte Stille, dann ertönte eine Aufnahme von Krötchens Stimme. »Alter Freund … Kätzchen … ich brauche deine Hilfe. Bitte … komm in mein Zimmer … damit ich es dir … erklären kann. Ich bin auf dem Azimut-Deck … Raum vier. Beeil dich. Komm so schnell wie möglich … wenn du … das hier empfängst.« Er klang immer noch seltsam, aber wenn er in Schwierigkeiten steckte, konnte das mit seinem Stress und seiner Angst erklärt werden. Also, Krötchen war in etwas verwickelt, und indem ich mich nach seinem Wohlergehen erkundigt hatte, hatte ich mich selbst irgendwie darin verwickelt. Was auch immer hier vorging, es war ernst genug, um einen Yssaril-Agenten zu schicken, um mich auszuschalten.

Ich seufzte. Dieser Gipfel hatte bisher so ereignislos gewirkt und ich war nicht auf diese Art von Aufregung vorbereitet gewesen. Aber die Hacan hatten ein Sprichwort: Es hat keinen Sinn, mit der Wüste zu streiten. Man konnte protestieren, so viel man wollte, die Sonne würde trotzdem auf einen niederbrennen und der Treibsand würde einen begraben, während man sich über die Ungerechtigkeit des Ganzen beschwerte. Manchmal musste man die Dinge einfach so hinnehmen, wie sie waren. Versuchte hier jemand, die Große Union zu stören? Die Idee war nicht überall beliebt, doch warum sollte Krötchen dabei ausschlaggebend sein? Ich wollte meinen alten Freund nicht herabwürdigen, seine Rolle im Xxcha-Königreich war jedoch einfach nicht so wichtig.

Ich überlegte, ob ich eine Waffe mitnehmen sollte, auf dem Gipfel waren allerdings nur zeremonielle Waffen erlaubt – vor allem für Fotos –, und die taugten in einem Kampf kaum etwas. Meinen eigenen Dünenspeer – eine traditionelle Waffe der Hacan – hatte ich noch nie im Kampf eingesetzt, obwohl ich mit ihm auf dem Rücken ziemlich schick aussah. Ich beschloss, den Speer im Schrank zu lassen; wenn ich mit einer Waffe in der Station herumlief, würde das bestimmt auffallen. Wenigstens konnte ich mich damit trösten, dass ich immer meine Krallen dabeihatte.

Ich trat auf den Flur hinaus und hielt die Augen nach einem verräterischen Schimmern in der Luft offen. Auf meinem Weg zum Aufzug entdeckte ich niemanden, der verdächtig aussah, oder überhaupt jemanden – der Großteil der Delegation war wahrscheinlich damit beschäftigt, Alkohol zu trinken, sich zu unterhalten und die kleinen Nebengeschäfte einzufädeln, die internationale Beziehungen interessant machen. Ich fuhr mit dem Aufzug zum Azimut-Deck hinunter und ging einen weiteren leeren Korridor entlang. Zimmer vier lag am Ende eines Ganges – und die Tür stand einen Spalt breit offen.

Ich knurrte und stieß die Tür ganz auf, wobei ich mir wünschte, ich hätte meinen Dünenspeer doch mitgebracht. »Krötchen?« Es kam keine Antwort und das Licht im Zimmer war schwach. Ich betrat die Diele der Suite. Vor mir führte ein offener Durchgang in ein kleines Wohnzimmer, das mit einem Stuhl, einem Hocker und einem Tisch ausgestattet war. Keine Spur von Krötchen oder irgendjemand anderem. Ich drehte mich zum Schlafraum um, auch dort stand die Tür halb offen. Ich schob sie weit auf und spähte hinein.

Krötchen lag tot auf dem Boden am Fußende seiner Schlafkabine, den Kopf in einem schrecklichen Winkel verdreht … aber nicht, weil sein Genick gebrochen war. Nein, sein Kopf wurde vom Schaft eines Speers, der aus seinem Körper ragte, in dieser unnatürlichen Position gehalten. Jemand hatte die Spitze des Speers an einer der wenigen Stellen, die nicht durch den Panzer geschützt waren, in seinen Hals gerammt und nach unten gedrückt, wodurch zweifellos alle möglichen lebenswichtigen Organe zerstört worden waren. Wie konnte man einen solchen Angriff überhaupt durchführen, ohne dass das Opfer einfach dasaß und es zuließ?

Ich war so verblüfft, dass ich einen Moment brauchte, um zu erkennen, dass mir der Speer bekannt vorkam. Unten am Schaft war ein roter Edelstein eingelassen und der Griff war mit dunkelblauem Stoff umwickelt – die Farben des diplomatischen Korps der Emirate von Hacan. Das war mein Dünenspeer. Jemand hatte meine Zeremonialwaffe aus meinem Zimmer gestohlen und meinen Freund damit getötet. Was bedeutete …

»Brennende Sande.« Ich drehte mich gerade noch rechtzeitig um, als drei Personen in der Uniform der Stationssicherheit in den Raum stürmten und ihre Handfeuerwaffen auf mich richteten.

Ich hob die Hände und senkte den Kopf. Im Laufe meines Lebens und meiner Karriere hatte ich mich schon in vielen ungewöhnlichen Situationen wiedergefunden, aber dies war das erste Mal, dass mir ein Mord angehängt worden war.

Der Sicherheitsdienst der Station brachte mich in einen Raum. Es war keine Zelle – die Shilsaad-Station war ein Kongresszentrum und keine Haftanstalt –, allerdings handelte es sich offensichtlich um das, was dem am nächsten kam: ein Tisch, ein paar Stühle, kahle Wände und eine Kamera oben in einer Ecke, die mich beobachtete. Ich hätte eigentlich um meinen Freund trauern sollen, ich muss jedoch gestehen, dass ich mehr mit dem Gedanken beschäftigt war, wie ich meine eigene Haut retten konnte … und damit, herauszufinden, wer mir ein solches Verbrechen anhängen wollte. Ich hatte zwar Feinde, aber keine, die so weit gehen würden. Sobald das alles aufgeklärt war, würde ich genug Zeit zum Trauern haben … oder, dachte ich, sobald ich irgendwo in einer Gefängniszelle saß.

Ich fragte mich, welche Beamten welcher Behörde mich wohl verhören würden. Die Station gehörte einem Unternehmen der Sol-Föderation, also würde das wahrscheinlich deren Polizei übernehmen, aber die Mentak-Koalition leitete diesen Gipfel, deshalb würden sie sich vielleicht einmischen. Auch die Xxcha hatten gute Gründe, das Verhör durchführen zu wollen, schließlich gehörte das Opfer zu ihrer Fraktion. Ich fragte mich, wie lange ich hier wohl herumsitzen müssen würde, bis die verschiedenen Beteiligten die Zuständigkeit geklärt hatten und jemanden schickten, um zu fragen, warum ich jemanden ermordet hatte, mit dem ich drei Jahrzehnte lang befreundet gewesen war.

Es dauerte weniger als eine Stunde und als sie eintraf, war es nicht die Person, die ich erwartet hatte. Es handelte sich um eine Menschenfrau vom Sicherheitsdienst der Station – ihre Uniform war weiß und grau, wodurch diese Leute eher wie Hausmeister aussahen als wie die Zähne und Klauen der Obrigkeit, aber wie gesagt: Die Station war ein Hotel und Kongresszentrum. Hier gab es nicht viele Morde. Die Menschenfrau trat ein und schloss die Tür, dann grinste sie mich an. Ich grinste zurück, denn mein Geist war nicht gebrochen und meine Zähne waren deutlich länger als ihre. Sie ließ sich auf den Stuhl auf der anderen Seite des Tisches fallen und entspannte sich, als wäre sie eine Prinzessin auf einem Thron. »Also. Terrak. Wie geht’s dir? Brauchst du irgendwas?«

»Ich muss das hacanische diplomatische Korps kontaktieren, damit sie einen Anwalt schicken können – wie ich Euren Kollegen bereits mitgeteilt habe, als sie mich hierhergebracht haben.«

Sie schnaubte. »Ich meinte eher: Brauchst du einen Schluck Wasser oder musst du pinkeln oder so was in der Art.«

Ich seufzte. »Nein, nichts davon.«

»Gut.« Sie griff in ihre Tasche und holte einen kleinen schwarzen Kanister heraus.

Mein Arm schoss vor und ich drückte ihr Handgelenk auf den Tisch, ihre Hand war noch immer um die Sprühflasche geschlossen. Eine weitere Attentäterin? War die gesamte Stationssicherheit unterwandert worden? Wenn ja, waren meine Aussichten, aus dieser Situation zu entkommen, noch schlechter, als ich gedacht hatte.

Sie lachte und tätschelte mit ihrer freien Hand meine Pranke, die ihre umklammert hielt. »Entspann dich, Großer, ich bin nicht hier, um dir damit ins Gesicht zu sprühen. Das ist der Kanister, den du in deiner Tasche hattest, als sie dich verhaftet haben – ich habe ihn aus dem Beweismittelschrank geklaut. Was eigentlich bloß der persönliche Spind der Sicherheitschefin ist, wo sie ein Ersatzhemd und solchen Kram aufbewahrt, also war es nicht schwer, ihn zu öffnen. Amateure, was? Das Sicherheitsteam auf dieser Station ist nicht darauf vorbereitet, dass jemand von einem Speer aufgespießt wird. Aber die echten Behörden sind auf dem Weg. Ermittler der Sol-Föderation von der Koloniewelt, die wir umkreisen.« Sie blickte auf meine Hand hinunter, die immer noch ihr Handgelenk umklammerte. »Nimm den Kanister und lass mich los, damit wir deine Optionen besprechen können.« Sie öffnete ihre Finger und der Kanister rollte über den Tisch in meine Richtung.

Sie war eindeutig kein gewöhnliches Mitglied des Sicherheitsteams. Ich ließ ihr Handgelenk los, hob den Kanister auf und verstaute ihn wieder. Er war mein einziger Beweis dafür, dass jemand versucht hatte, mir etwas anzutun, und ich wollte ihn nicht verlieren. »Wovon redest du? Welche Möglichkeiten? Wer bist du?«

»Ich bin Amina Azad. Das ist zwar nicht der Name auf meinem offiziellen Ausweis, aber hey, warum sollten wir Geheimnisse voreinander haben?« Sie verschränkte ihre Hände auf dem Tisch. »Du bist in einen wirklich hässlichen Schlamassel hineingestolpert, Terrak. Zum Glück kann ich dich da wieder rausholen. Natürlich nur, wenn du mir helfen willst, den Schlamassel zu beseitigen. Ich könnte jemanden mit deinen Mitteln und Verbindungen gebrauchen.«

Ich stieß ein bellendes Lachen aus. War sie eine Spionin eines anderen Staates oder einfach nur eine Opportunistin, die meine missliche Lage zu ihrem persönlichen Vorteil nutzen wollte? »Meine diplomatischen Qualifikationen sind nicht mehr besonders viel wert, seit ich des Mordes an einem Kulturminister beschuldigt werde, und ich bezweifle, dass ich aktuell freien Zugang zu meinen Bankkonten habe.«

Sie schüttelte den Kopf. »Ich habe mich über dich schlau gemacht. Du kennst jede Menge Leute – vielleicht sogar so viele wie ich –, und weil du mehr als nur ein paar von ihnen im Laufe der Jahre geholfen hast, reicher zu werden, sind sie alle froh, dich zu sehen, wenn du reingeschneit kommst. Die meisten meiner alten Freunde hassen mich, muss ich leider zugeben, und in diesem Teil des Weltraums gibt es nicht viele Leute, die ich kontaktieren kann. Was das Geld angeht – komm schon, Terrak. Ein Typ wie du soll sein ganzes Geld in offiziellen Banken aufbewahren? Das kann ich mir nicht vorstellen.«

Ich räusperte mich. »Nun. Ich habe im Laufe der Jahre ein paar Vorkehrungen getroffen, ja. Für Steuerzwecke. Aber …«, ich warf ihr einen finsteren Blick zu, »ich werde dich nicht bezahlen.«

»Das verlange ich auch gar nicht. Geld ist im Moment kein Problem. Das war nur eine allgemeine Beobachtung. Ich glaube an Ehrlichkeit und Transparenz unter Freunden. Wir sollten Freunde werden. Du könntest einen Freund auf jeden Fall gut gebrauchen.«

»Wer bist du?« Ich hatte so meinen Verdacht, denn ich war in meinem Leben schon ein paar Geheimagenten begegnet. Sie können sehr selbstgefällig sein, weil sie tatsächlich mehr wissen als man selbst.

»Ich habe dir gesagt, wer ich bin. Ich glaube, du willst wissen, was ich tue. Die Antwort ist: Ich beseitige Schlamassel. Auf diskrete Weise. Und wenn ich nicht diskret sein kann, kann wenigstens abgestritten werden, dass mich irgendjemand kennt.«

Interessant. »Du willst mir also sagen, dass du eine Geheimagentin bist? Für die Mentak-Koalition? Oder für die Sol-Föderation?«

Sie machte ein säuerliches Gesicht. »Igitt. Komm mir nicht mit der Mentak-Koalition. Man sollte meinen, dass ein Haufen Piraten und Sträflinge mehr von Spaß verstehen würden. Ich wurde auf Jord geboren, war aber schon lange nicht mehr da. Da draußen gibt es eine große, schöne Galaxie und die Sterne sind die einzige Heimat, die ich brauche.« Sie zeigte auf den Kanister. »Konzentrieren wir uns auf deine unmittelbare Situation. Jemand hat versucht, dir das, was in dem Röhrchen da ist, ins Gesicht zu sprühen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dann eines von zwei Dingen passiert wäre: Entweder wärst du getötet und durch eine Art Doppelgänger ersetzt worden, vielleicht durch einen Klon oder Androiden oder so was – ich bin mir nicht sicher –, oder du würdest jetzt unter Gedankenkontrolle stehen, wärst mental ausgehöhlt und in eine Marionette verwandelt worden. Eines davon ist mit deinem Kumpel Qqurant passiert. Willst du nicht wissen, was? Ich schon. Ich würde gerne den Inhalt dieses Kanisters erfahren. Ist es K.-o.-Gas, Gift oder eine Art Nanotechnologie, die das Gehirn neu verdrahtet oder so? Diese kleine Sprühflasche ist der erste echte Beweis für diese Verschwörung, den ich in die Finger bekommen habe. Wir müssen jemanden finden, der zuverlässig und vertrauenswürdig ist und mit einem Chemielabor umgehen kann, um das Zeug zu analysieren und herauszufinden, wohin uns die Informationen führen.«

»Was meinst du damit, Qqurant wurde ersetzt? Was für eine Verschwörung?«

Meiner Erfahrung nach waren Verschwörungen für gewöhnlich reine Einbildung. Die Leute waren nicht gut genug organisiert, konnten zu schlecht Geheimnisse bewahren und waren in der Regel zu sehr in ihre eigenen, persönlichen Dramen vertieft, als dass sie sich wirklich dazu hätten durchringen können, kollektiv zu handeln, selbst wenn sie Übles im Schilde führten. Die meisten Versuche verliefen schnell im Sand.

Sie zuckte mit den Schultern. »Vielleicht nicht ersetzt. Vielleicht wurde er einer Gehirnwäsche unterzogen. Ich bin mir noch nicht sicher. Ich habe darüber nachgedacht, ein wenig länger hierzubleiben und die Ergebnisse der Autopsie abzuwarten, um zu sehen, ob an der Leiche deines Freundes irgendetwas merkwürdig ist, dann würde ich allerdings meine Chance verpassen, dich zu rekrutieren, und eine Partnerschaft erscheint mir sinnvoller. Außerdem bin ich, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht so gut darin zu warten, wie ich sein sollte. Ich nehme die Dinge lieber gleich in die Hand.«

»Du willst mich für deine Ermittlungen rekrutieren. Wegen meiner Verbindungen.« Eigentlich hätte ich zu dieser späten Stunde längst im Bett liegen und schlafen sollen. In ein paar Stunden hätte ich aufwachen, ausgiebig frühstücken und dann an einer Sitzung über die Einrichtung von Freihäfen teilnehmen sollen. Ich sollte nicht in einem Verhörraum sitzen, schon gar nicht mit jemandem, der auf schwammige und abstreitbare Weise behauptete, eine Spionin zu sein.

»Wegen deiner Verbindungen, aber auch, weil du hoch motiviert bist.« Azad lehnte sich vor. »Du hast zu viele Fragen gestellt, Terrak. Du bist zu neugierig geworden. Die bösen Jungs haben versucht, dich zu kompromittieren, so wie sie es mit Qqurant getan haben – so wie sie schon viele andere kompromittiert haben, glaub mir. Als sie dich nicht in die Finger kriegen konnten, haben sie auf Plan B zurückgegriffen: Sie wollten dir einen Mord anhängen. Du wurdest in unmittelbarer Nähe der Leiche einer dir bekannten Person entdeckt, die mit deinem eigenen Zeremonialspeer getötet wurde. Wenn sie so viel vorgetäuscht haben, können sie auch jegliche anderen Beweise fälschen, die sie brauchen, aber ich bezweifle, dass sie sich so viel Mühe machen werden. Warum sollten sie auch? Es gibt keinen Grund zu glauben, dass du sonderlich lange überlebst, sobald du erst einmal in Gewahrsam bist. Wenn ich ihre Operation leiten würde, würde ich dafür sorgen, dass dein Transport-Shuttle einen tödlichen Defekt hat. Oder vielleicht wirst du im Gefangenenlager auf dem Kolonieplaneten unter uns zufällig von einem anderen Inhaftierten erstochen. Vielleicht sorgen die Strippenzieher aber auch dafür, dass ein paar Jungs deine Arme und Beine festhalten, während sie dir einen weiteren Kanister von diesem Zeug ins Gesicht sprühen, dich dann von allen Vorwürfen reinwaschen und dich losschicken, damit du ihre Arbeit für sie erledigen kannst.«

Das war eine Menge »vielleicht«, allerdings erschien mir keine der Optionen sonderlich verlockend. Ich war jedoch froh, in der Gesellschaft von jemandem zu sein, der zumindest behauptete, zu wissen, was vor sich ging. Wenn ich herausfinden konnte, was auf dem Spiel stand, könnte ich möglicherweise einen Weg finden, mich aus dieser Situation herauszuwinden … Und eventuell könnte ich am Ende sogar davon profitieren (unwahrscheinlich, ich weiß, aber ich bin Händler durch und durch, und unsereins kann nie aufhören, die Augen nach Profitmöglichkeiten offen zu halten). Wenn sie nur aufhören würde, so verdammt vage zu sein. »Welche Arbeit? Was ist das Ziel dieser angeblichen Verschwörung?«

Azad schüttelte den Kopf. »Ich wünschte, ich wüsste es. Ich soll es herausfinden. Ich weiß nur, dass die Strippenzieher Leute in deiner Regierung, der Föderation, der Koalition, den Universitäten, dem Königreich, der Zunft und allen, die mit der Großen Union zu tun haben, unter ihre Kontrolle gebracht haben. Und nicht nur das, sie verfügen auch über Letnev-Agenten, was mich vermuten lässt, dass sie in das Bündnis verwickelt sind, das das Baronat derzeit zusammenstellt: die Legion. Jemand mit solchen Verbindungen könnte jede Menge Schaden anrichten.«

Wenn diese vermeintliche Verschwörung bei zwei großen gegnerischer Allianzen die Zügel in der Hand hielt, könnte sie nahezu alles erreichen: die gesamte Finanzstruktur der Galaxie verändern. Lieferketten manipulieren, Märkte beherrschen, jede bekannte Branche vertikal integrieren, diverse Monopole schaffen. Sie könnten jedes beliebige System aushungern, metaphorisch und buchstäblich. Man muss nicht die Hebel der Macht kontrollieren. Nur die Leute, die diese Hebel erreichen können.

Sie schüttelte den Kopf. »Tut mir leid. Ich verliere mich schon wieder zu tief in Spekulationen.«

Geht mir auch so, dachte ich.

»Das ist das Problem, wenn man einer geheimnisvollen Verschwörung auf der Spur ist, die bei über einem Dutzend Staaten die Finger im Spiel hat«, erklärte Azad. »Man wird leicht abgelenkt. Also, konzentrieren wir uns. Du bist das jüngste Opfer der Verschwörung und du hast Glück, dass ich zufällig hier war, als du zum Opfer wurdest, und die gleiche Spur verfolgt habe, über die du gestolpert bist.«

»Du hast Qqurant unter die Lupe genommen?«

»Du bist nicht der Einzige, dem sein merkwürdiges Verhalten aufgefallen ist. Ich habe eine Liste von Leuten, die mit ziemlicher Sicherheit kompromittiert wurden, und Qqurant stand drauf.«

»Warum sollten sie ihn töten, wenn er doch unter ihrer Kontrolle stand?«

»Wer weiß? Vielleicht war Qqurant tot für seine neuen Meister nützlicher als lebendig.« Sie verengte die Augen. »Ich glaube, wir haben noch etwa fünfzehn Minuten Zeit, bevor die Polizei auftaucht und dir höfliche Fragen stellt oder dich mit Stöcken schlägt oder was auch immer sie in diesem Rechtsgebiet tun. Willst du darauf warten und es herausfinden oder willst du mit mir abhauen?«

Ich bellte ein Lachen. »Mich der Anklage entziehen? Auf die Flucht gehen? Das ist die Option, die du mir anbietest?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Fliehen ist nur der erste Schritt. Schritt zwei ist, dass du mir hilfst, die Verschwörung aufzudecken. Deine Unschuld beweist. Und vielleicht damit die Galaxie rettest. Aber das hängt von dir ab. Womöglich bin ich bloß eine Verrückte und diese ganze Sache mit dem Mord könnte nur ein großes Missverständnis sein, das aufgeklärt wird, sobald die Anwälte eingeschaltet werden. Vielleicht bist du in ein paar Stunden wieder frei, statt auf dem besten Wege dahin, ermordet oder einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden. Was glaubst du, was am ehesten passieren wird?«

»Irgendetwas war mit Qqurant … überhaupt nicht in Ordnung.« War er durch eine Art Hochstapler ersetzt worden? Das kam mir nicht ganz richtig vor. Ich glaubte, dass es sich tatsächlich um Krötchen gehandelt hatte, allerdings schwer traumatisiert, geistig gebrochen, als würde er sein Leben völlig mechanisch fortführen und schaffte selbst das nicht wirklich. Bei dem Gedanken an meinen klugen, schlagfertigen ermordeten Freund stieg eine Welle der Verzweiflung in mir auf, aber ich schob diese Gefühle beiseite. Ich musste mich darauf konzentrieren, mich selbst am Leben zu erhalten. »Überhaupt nicht in Ordnung.«

Sie nickte. »Wir glauben, er war einer der ersten … was auch immer. Replikanten. Marionetten. Die vorigen waren nicht so überzeugend und sind mit der Zeit immer glasäugiger, undeutlicher und nuscheliger geworden. Vielleicht waren die Strippenzieher noch damit beschäftigt, die Fehler in ihrer Technologie auszubügeln, mit der sie die Gehirne klauen oder Körper kopieren oder was auch sonst. Die Verschwörung hat klein angefangen, indem Leute kompromittiert wurden, die kaum über persönliche Sicherheitsmaßnahmen verfügten, jedoch zu Treffen mit den wirklich wichtigen Akteuren eingeladen waren, verstehst du?«

Das leuchtete mir ein. »Qqurant hat nicht viel Macht, aber er arbeitet mit Leuten zusammen, die welche haben.«

»Genau. Vielleicht hatte dein Kumpel seinen eigenen kleinen Kanister und hat seinen mächtigeren Freunden das Zeug ins Gesicht gesprüht. Die Strippenzieher haben die Kontrolle über Leute wie Qqurant übernommen und sie dazu benutzt, um andere in ihre Gewalt zu bekommen, und so weiter, immer die Hierarchieleiter hinauf. Ich würde gerne wissen, wie genau sie ihre Ziele kompromittieren. Rauszufinden, was in dem Kanister ist, könnte enorm dabei helfen.«

»Woher weißt du das alles? Woher hast du diese Liste von Kandidaten?«

»Ich bin eine ausgebildete Ermittlerin mit sehr klugen und gut vernetzten Auftraggebern.« Sie erhob sich. »Außerdem bin ich im Begriff zu gehen. Kommst du mit oder willst du nur dasitzen und auf das Beste hoffen?«

Ich bin in der Regel eine vorsichtige Person. Ich studiere Daten. Ich betreibe Marktforschung. Aber egal, was die Zahlen sagen, am Ende entscheide ich stets meinem Instinkt entsprechend. Nicht, weil ich Intuition fetischisiere, sondern weil ich darauf vertraue, dass mein Verstand Berechnungen, Analysen und Synthesen durchführt, die über mein bewusstes Verständnis hinausgehen. Ich habe Geschäfte sausen lassen, die auf dem Papier großartig aussahen, und ich habe mich auf welche eingelassen, die mir fragwürdig erschienen, und meistens waren meine Entscheidungen richtig. Zumindest in neunzig Prozent der Fälle. Vielleicht eher fünfundachtzig.

Mein Instinkt sagte mir jetzt, dass ich mit dieser Frau gehen sollte. Im schlimmsten Fall würde ich vor der Justiz fliehen, und das war an sich eine ziemlich üble Sache. Wenn ich hierbliebe und sie recht hätte … wäre ich im schlimmsten Fall tot, und das war noch viel übler.

Aber, nein. Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass ich in eine leere Hülle verwandelt und als Marionette benutzt wurde, so wie es mit Krötchen passiert war.

Ich stand auf.

Azad schenkte mir ein Grinsen.

Azad hatte eine Reihe nützlicher Überbrückungscodes parat, darunter auch solche, über die eigentlich nur der Sicherheitschef der Station verfügen sollte. In einer Anlage wie der Shilsaad-Station gibt es viele öffentlich zugängliche Bereiche, aber auch unzählige Orte, die der durchschnittliche Besucher nie zu Gesicht bekommt: Servicekorridore, Wartungstunnel, Lastenaufzüge, Wäschereien, Küchen, Vorratskammern und Lagerräume. Das war die Welt, durch die wir uns jetzt bewegten; weit weniger schick, dafür wesentlich zweckmäßiger und voller Lärm: Klirren und Rauschen und Schreien, Lachen und Gezanke und gemurmelte Unterhaltungen. Überall gab es Flecken und Schrammen und Türen, die ein wenig klemmten, bevor sie aufgingen. Bei allem, was glänzt, kann man davon ausgehen, dass es auf schmuddeligen Fundamenten erbaut wurde.

Wir schlichen uns nicht still und leise durch die Gänge. Ganz im Gegenteil: Azad führte mich ganz unverhohlen durch Räume, die mit Arbeitern unterschiedlichster Art gefüllt waren, nickte und lächelte ihnen gelegentlich zu, aber meistens gingen wir einfach schnurstracks vorbei. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass man, wenn man sich selbstbewusst und zielstrebig bewegt, alle möglichen interessanten Orte erreichen kann, ohne aufgehalten zu werden. Dass sie eine Sicherheitsuniform trug, war vermutlich ebenfalls von Vorteil. Ich bewunderte ihre Dreistigkeit, obwohl ich ihre Zuversicht nicht teilen konnte. Der Mordfall musste sich inzwischen herumgesprochen haben und so viele Hacan gab es auf der Station nun auch wieder nicht, also würde sich sicher jemand wundern …

Aber niemand tat es. Zumindest niemand, der einen Wirbel darum gemacht hätte. Wahrscheinlich, weil niemand glauben würde, dass ein entflohener Gefangener so ungeniert in der Öffentlichkeit herumlaufen würde. Wir gelangten zu einem der Hangars, in dem sich die schlanken Sicherheitsschiffe der Station befanden, deren Form mich an Wurfpfeile erinnerte. Die kleinen Raumgleiter waren gerade groß genug für zwei oder drei Besatzungsmitglieder und sollten theoretisch als letzte Verteidigungslinie dienen, wenn die Station angegriffen wurde … aber in der Praxis begleiteten sie hauptsächlich Würdenträger auf größeren Schiffen, die das Gebiet erreichten oder verließen.

»Wir fliehen in so einem Ding?«, fragte ich, als sie sich einem der Jäger näherte. »Die Station hat doch sicher Möglichkeiten, ihre eigenen Schiffe zu verfolgen, oder etwa nicht?«

Azad blieb stehen, drehte sich um und starrte mich mit großen Augen an. Sie führte ihre Hand zitternd zum Mund. Nach einem Moment flüsterte sie: »Nein. Oh, nein. Daran hätte ich nie gedacht. Wie konnte ich nur so dumm sein? Nach all den Jahren, die ich als Geheimagentin verbracht habe! Sol sei Dank, dass ich einen weisen alten Händler dabeihatte, der mich gewarnt hat, sonst hätte ich einen schrecklichen Fehler gemacht!«

Ich seufzte. »Ja. Gut. Schon verstanden.«

»Gut. Steig in das Schiff, Großer.«

»Nur um das klarzustellen: Für meine Spezies bin ich erst im mittleren Alter«, grummelte ich, während ich gehorchte.

DIE GEWEIHTEN 2

Kote Strom, Sicherheitschefin der Shilsaad-Station und Geweihte des Großen Werks, saß in ihrem Quartier mit dem Rücken zur Wand auf dem Boden und sprach mit ihren Meistern.