Über Arbeiten und Fertigsein - Marc-Uwe Kling - E-Book

Über Arbeiten und Fertigsein E-Book

Marc-Uwe Kling

4,8

Beschreibung

Die Lesedüne kehrt mit einem neuen Buch zurück. Mit Geschichten und so. Es geht um Arbeit. Oder um das, was die vier Autoren dafür halten. Zum Beispiel: sich um kommunistische Kängurus kümmern, sich um seine badischen Eltern kümmern, sich um seine sächsischen Prollkumpels kümmern, sich um sich selbst kümmern. "Über Arbeiten und Fertigsein" ist eine fundierte Auseinandersetzung mit der neoliberalen Gesellschaft mit den Mitteln real existierenden Humors. Ein Standardwerk! Wenn auch unvollendet.

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Seitenzahl: 205

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Unter dem Kardamond ist erstmals erschienen in: Maik Martschinkowsky, Von nichts kommt was, Voland & Quist 2014

2. Auflage 2016

Verlag Voland & Quist GmbH, Dresden und Leipzig, 2015

© by Verlag Voland & Quist GmbH

Korrektorat: Annegret Schenkel

Umschlag: Roman Klein

Coverillustration: BTSA

Illustrationen: Astrid Henn

Satz: Fred Uhde

E-Book: eScriptum, Berlin

ISBN: 978-3-86391-160-7

www.voland-quist.de

Inhalt

Marc-Uwe Kling: VX 2000Julius Fischer: Ich hasse Menschen – heute: Moderne ElternMaik Martschinkowsky: Teenage KicksSebastian Lehmann: MagisterMarc-Uwe Kling: Schwedische WissenschaftlerJulius Fischer: Tourtagebuch – DonnerstagMaik Martschinkowsky: Die dritte SeiteSebastian Lehmann: Willkommen in BerlinMarc-Uwe Kling: Vergleichen & OptimierenJulius Fischer: Tourtagebuch – Donnerstag, späterSebastian Lehmann: Das Fest der LiebeMaik Martschinkowsky: Die Ware GeschichteJulius Fischer: Und was machst du so?Marc-Uwe Kling: Judgement DaySebastian Lehmann: Jeden Tag eine gute TatJulius Fischer: NunusMaik Martschinkowsky: Sehr guter TextSebastian Lehmann: Das milde LebenMarc-Uwe Kling: Das Märchen vom dicken, fetten ArbeitsplatzJulius Fischer: Tourtagebuch – FreitagMaik Martschinkowsky: Zerberus-WelpenSebastian Lehmann: Ich war nicht dabeiMarc-Uwe Kling: Herrn Keuners MatratzeJulius Fischer: Tourtagebuch – Freitag, späterSebastian Lehmann: HamburgMaik Martschinkowsky: Tag der ArbeitMarc-Uwe Kling: Der große Lebowski-AbendJulius Fischer: Und was machst du sonst so?Sebastian Lehmann: WG-PartysMaik Martschinkowsky: BundeswehrbungMarc-Uwe Kling: Unbekannte NummernJulius Fischer: Tourtagebuch – SamstagSebastian Lehmann: RomméMaik Martschinkowsky: Ein Tag im Leben und Sterben des A.O.Julius Fischer: Tourtagebuch – Samstag, späterMarc-Uwe Kling: Das ÜblicheSebastian Lehmann: So lebendigJulius Fischer: Lake ShipMaik Martschinkowsky: Unter dem KardamondMarc-Uwe Kling: Bis einer heultSebastian Lehmann: Eltern und TechnikJulius Fischer: Ich hasse Menschen – heute: UmzugMaik Martschinkowsky: VerwünschtSebastian Lehmann: DazwischenMarc-Uwe Kling: Das TicketAnhang

Marc-Uwe Kling

VX 2000

Die Heizung ist kaputt. Es ist kalt. Sehr, sehr kalt.

»Guck mal! Ich bin eine Nebelmaschine«, sage ich und atme aus.

»Ich habe gestern schon einen Handwerker bestellt«, sagt das Känguru.

»Du hast was?«, frage ich verstört.

Da klingelt es an der Tür.

Aus Reflex öffne ich und stehe verdutzt einem Schnurrbartträger im Blaumann gegenüber. In Anbetracht der etwas eingelaufenen Arbeitskleidung und der wirklich exorbitanten Oberlippenbehaarung sollte ich vielleicht lieber sagen: einem Blaumannträger im Schnurrbart.

»Ronny der Name. Ick komm wejen die Heizung.«

Ich blinzle.

»Der Handwerker!«, sagt der Mann.

Ich kreische und werfe die Tür zu.

»Was geht’n?«, fragt das Känguru.

»Ich leide an einer Tekhnítēphobie«, sage ich leise.

»Was?«, fragt das Känguru.

»Panische Angst vor Handwerkern.«

Es klingelt wieder an der Tür.

Ich kreische und verstecke mich hinter dem Känguru.

»Der Handwerker hier«, ruft der Mann.

Es klingelt.

Ich kreische.

Das Känguru öffnet. Ich wende mich zur Flucht, stolpere wegen einem etwa suppentellertiefen Loch in den Dielen, rapple mich auf, renne ins Band und sperre mich ein. Erleichtert setze ich mich auf den Toilettendeckel, schließe die Augen und begebe mich auf eine mentale Reise zu meinem Happy Place. Es ist das Bällebad im Textileinkaufszentrum »Rentner-Kleidung«. Plötzlich klopft jemand an die Badezimmertür. Ich kreische.

»Ich bin’s nur«, flüstert das Känguru.

Ich öffne, lasse das Känguru herein und schließe sofort wieder ab.

»Isser weg?«, frage ich.

»Nein«, sagt das Känguru. »Er arbeitet an der Heizung. Was soll denn der Quatsch?«

»Handwerker verunsichern mich.«

»So?«

»Ja. Zum Beispiel bilden sie oft Sätze, in denen sie statt ›ich‹ als Subjekt ›die Firma‹ benutzen.«

»Das ist ja entsetzlich.«

»Oder«, sage ich, »ist dir schon mal aufgefallen, dass Handwerker immer Koffer mit unzähligen undefinierbaren Metallgegenständen dabeihaben, aber mit Sicherheit nicht das Teil, welches sie benötigen?«

»Wirklich beängstigend.«

»Manchmal habe ich Albträume, dass ich verflucht sei, mein ganzes Leben lang einen Handwerker in der Wohnung zu haben. Da habe ich dann niemals mehr meine Ruhe. Will ich spülen, dreht er das Wasser ab. Mache ich den Fernseher an, knallt er die Sicherungen raus. Immerzu stöbert er durch die Wohnung, verlegt Rohre, dreht hier was, fummelt dort was, ohne freilich auch nur ein Wort darüber zu verlieren, was er denn tut, oder ob er überhaupt etwas tut – außer natürlich mit jeder Geste zu verstehen zu geben: ›Du bist keen richtiga Mann. Richtige Männer brauchn mir jar nich.‹«

»Dein Albdruckhandwerker spricht Dialekt?«, fragt das Känguru.

»Alle Handwerker sprechen Dialekt.«

»Sogar in Hannover?«

»Natürlich. Die werden extra in Friesland gezüchtet.«

»Und diese Phobie hast du von Geburt an, oder gab es da irgendeinen Auslöser?«

»Sagen wir mal, es gab ein verstärkendes Erlebnis. Als ich hier eingezogen bin, da wollte ich natürlich wie jeder zugezogene Neuberliner …«

»… die Dielen abschleifen«, sagt das Känguru.

»Korrekt. Und zufälligerweise war ein Handwerker des Vermieters im Haus gewesen, dem hatte ich das erzählt, und am Tag darauf stellte der mir einen Koffer vor die Füße und sagte: ›Is ne janz normale VX 2000. Is ja bekannt, wie man damit umjeht.‹«

»War aber gar nicht bekannt.«

»Nee. Handwerker sind von einer faszinierenden Arroganz allen gegenüber, die nicht ein fünfstöckiges Fachwerkhaus nur mit ihren eigenen Händen bauen können«, sage ich. »Jedenfalls folgte nun seinerseits eine dahingerotzte Aufzählung hundert verschiedener Handgriffe, von der bei mir ungefähr Folgendes hängen blieb: ›Hier das und dort dies und jenes machen, diesen Regler schieben, dann jenen und dann wieder nen anderen und dann das Gerät aufdrücken, doch nicht zu stark, aber auch nicht zu schwach, und kreisen, bloß nicht zu rund und nicht zu groß, jedoch auch nicht zu klein, sondern halt genau richtig, und überhaupt ganz einfach.‹ Ich hatte nichts verstanden, aber gesagt habe ich: ›Ah klar, ne ganze normale VX 2000. Kennt ja jeder.‹«

Der Handwerker klopft gegen die Badezimmertür.

Ich kreische.

»Das ist ja wie in The Shining«, sagt das Känguru belustigt. »Gleich wird er seine Axt aus dem Handwerkerkoffer holen und …«

»Hier is Ronny!«, ruft der Handwerker.

Ich kreische.

»Hörnse?«, fragt Ronny.

»Ja?«, fragt das Känguru und verlässt das Bad. Ich schließe sofort wieder ab.

»Det is een kleenerer Defekt«, sagt Ronny. »Det müsstense eigentlich selber reparieren können. Aba ick mach det natürlich für Sie. Bloß ick brauch da so en 8er Kreuzkopfquerstrebeventil …«

»Ich wusste es«, murmle ich.

»So en Teil, det hab ick leider nich bei mir.«

»Schon klar«, sagt das Känguru.

»Aber ick stell Ihnen schon mal die Heizung wieder ein. Wann stehnse denn uff?«

»Wieso?«, fragt das Känguru

»Na weil die Heizung muss ja wissn, wann se losbollan soll.«

»Ah ja«, sagt das Känguru. »So um halb neun.«

»Un werktags?«, fragt Ronny.

Das Känguru schweigt. Der Handwerker schnaubt. Dabei hat das Beuteltier schon extra gelogen.

»Sie haben eine ungesunde Einstellung zum Thema Ausschlafen«, sagt das Känguru.

Der Handwerker klopft gegen die Badezimmertür. Ich kreische.

»Sie da drinne? Wollense wirklich nich rauskommen? Ick brauch nämlich noch en Autogramm.«

»Schreiben Sie an meine Agentur«, sage ich.

»Wat? Ick brauch ne Unterschrift! Dat ick hier war.«

»Er hat ein wenig Angst«, sagt das Känguru.

»Wat macht er denn beruflich?«, fragt der Handwerker.

»Kleinkünstler«, sagt das Känguru.

Ich seufze.

»Ick versteh schon«, sagt Ronny. »Es handelt sich hier meiner Meinung nach um den klassischen Minderwertigkeitskomplex des Homo ludens, also det spielenden Menschen, jegenüber dem Homo faber, also dem schaffenden Menschen. Aber wissense … Wie sagte schon Schiller: ›Der Mensch ist nur da janz Mensch, wo er spielt.‹ Ick selber schreibe ja ooch Jedichte und spiele jerne mal die eene oder andere Partie Dungeons & Dragons. Vor mir brauchense keene Angst zu ham.«

Ich öffne vorsichtig die Badezimmertür, trete heraus, hole einen Kugelschreiber aus meiner Hosentasche und unterschreibe irgendeinen Wisch.

»Die Firma dankt«, sagt Ronny und steckt meinen Kugelschreiber ein. Plötzlich ruft er: »Momentchen! Ick kenn Sie doch! Sie sinn doch der Clown, dem ick ma die VX 2000 jeliehn hab … Da hamses n weenich zu jut jemeint, wa?«

Ich sage nichts.

»Da werdense wohl nich viel wiedersehn von Ihre Kaution, wa?«

Er lacht.

Ȇba Sie hab ick sojar en Jedicht jemacht! Passense uff:

Einst dreht ick meene Runde

Da kam des Wegs een junger Kunde

Wie jeder Zujezojene kriegte der nen Steifen

Beim Jedanken dran, die Dielen abzuschleifen

Ick lieh ihm dafür en jutet Jerät

Und erklärte et ihm, damit er’s versteht

Aba die Liebesmüh, die war verlorn

Denn der Kunde wollt jar nicht schleifen, der wollt nach Erdöl bohrn.«

»Das muss wirklich frustrierend sein«, sagt das Känguru zu mir. »Sogar dichten kann er besser.«

Julius Fischer

Ich hasse Menschen

– heute: Moderne Eltern

Je älter man wird, desto mehr Leute aus dem eigenen Umfeld schaffen sich Kinder an. Das war schon immer so, auch in der Steinzeit.

Kindermachen ist neben ins Internet gehen, Musikfestivals besuchen und Autofahren eine der menschlichen Tätigkeiten, die besonders niederschwellig angelegt ist.

Das kann jeder. Deshalb gibt es unter den Eltern auch besonders viele Idioten.

Und die meisten von denen fahren Auto. Und gehen ins Internet. Und auf Festivals. Aber vor allem ins Internet.

Gerade dort ist man ihnen hilflos ausgeliefert.

Analog geht anders. Ein Beispiel: Freunde von mir bekamen ein Kind. Die Geburt war spitze, ich bekam eine SMS, freute mich. Das Kind hielten die beiden aber erst einmal für ein paar Wochen unter Verschluss.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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