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Ideales Geschenkbuch für alle Gartenliebhaber! Gärtnern ist Hingabe, Liebe und Verbundenheit mit der Natur: Diese besondere Beziehung fasst der beliebteste britische Gärtner, Autor und Fernsehmoderator Monty Don für Sie in inspirierende Worte. In seinem wunderschönen Gartenbuch verrät er seine persönlichen Garten-Weisheiten aus über 50 Jahren Praxis. Profitieren Sie in 32 Themen rund um Gestaltung, Obst- oder Gemüseanbau von seinem Wissensschatz. Mit über 50 ganzseitigen Fotografien aus Montys Garten! Das neue, stimmungsvolle Gartenbuch vom Star-Autor. • Monty Don spricht Gartenliebhabern aus dem Herzen: Gärtnern ist viel mehr, als eine wilde Fläche zu kontrollieren oder den größten Nutzen aus der Erde zu holen. Das führt Monty Don in diesem Gartenbuch auf eine eindrucksvolle Art und Weise vor Augen. • Praktisch und humorvoll: Mit hilfreichen Tipps, fundiertem Wissen und persönlichen Erfahrungen sowie einer guten Prise Humor führt Sie der Autor an ein bewusstes Gärtnern heran. Monty Dons Ratschläge helfen Ihnen dabei, in Kontakt zu den Jahreszeiten, dem Wetter und der Natur zu treten. • Essayartige, atmosphärische Texte: Die kompakten Texte lesen sich wie Essays zu den wichtigen Gartenthemen. ✓Jeder Garten-Fan braucht dieses einzigartige Gartenbuch – auch wunderbar als Geschenk geeignet!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 280
Veröffentlichungsjahr: 2021
Vorwort
Die Jahreszeiten
Wetter
Natur
Ort und Zeit
Gestaltung
Gehen und Sitzen
Farbe
Einen Garten planen
Der kleine Stadtgarten
Der Cottage-Garten
Der Exotengarten
Der moderne Stadtgarten
Tierfreundliche Gärten
Kinder
Pflanzgefäße
Kletterpflanzen
Blütensträucher
Rasen
Unkraut
Pilze
Schädlinge
Kompost
Werkzeug
Einpflanzen
Anbau und Pflege
Der Schnitt
Nutzpflanzen
Gemüse selbst anbauen
Kräuter selbst anbauen
Baumobst selbst anbauen
Beeren selbst anbauen
Namen
Die Monate
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Biografie des Autors & Dank
»Richtig« zu gärtnern angefangen habe ich mit etwa sieben Jahren. Aber schon zuvor war ich viel im Garten. Heute fasziniert mich das Gärtnern noch immer genauso wie damals das Bauen von Lagern, als ich gerade alt genug war, draußen herumzulaufen.
Nicht immer aber war Gärtnern meine Passion. Während meiner Kindheit sah ich es eher als lästige Pflicht, die ich hinter mich bringen musste, damit ich hinterher in den Wäldern und Gassen des Dorfs in Hampshire, in dem ich aufgewachsen bin, spielen konnte. Hampshire ist eine Kreidegegend. In der Rückschau wird mir bewusst, dass dessen Geologie mich ebenso geprägt hat wie meine Erziehung. Buchenwälder, Haselniederwälder, wogende Felder mit blassgrüner Gerste und glasiger Feuerstein in Kreideböden, all das war Normalität.
Gerade als man mich für alt genug hielt, bei der beschwerlichen Pflege eines großen Gartens mitzuwirken, schickte man mich ins Internat. Es war nur gut 30 Kilometer von zu Hause entfernt, doch der Boden dort war dünn, sandig und sehr sauer – also gut für Rhododendren, Heidekräuter und Kiefern. Ich hatte ebenso Heimweh nach der Kreidelandschaft meines Dorfs wie nach meiner Familie.
So richtig zum Gärtnern kam ich mit 17. Bis dahin hatte ich mir passable Kenntnisse angeeignet und konnte Gemüse anbauen, einen Komposthaufen anlegen und einen Garten ganz gut in Schuss halten. An einem Tag im zeitigen Frühjahr, ich bearbeitete gerade den Boden für die Aussaat von Möhren, durchströmte mich plötzlich ein unglaubliches Glücksgefühl: Ich wusste mit einem Mal, dass ich da war, wo ich sein wollte. Mehr als diesen durch und durch erfüllenden Augenblick wollte ich nicht erleben. Das zwischen schlichter Zufriedenheit und mystischer Ekstase angesiedelte Gefühl innerer Vollkommenheit im Garten ist seither nie wieder ganz verschwunden.
In dieser Nacht träumte ich davon, dass meine Hände sich tief hinunter in die kalkige Erde wühlten und dort Wurzeln schlugen. Ich erwachte ausgeruht und wusste, dass mein künftiger Lebensunterhalt und mein Glück auf Erde gegründet sein würden – sein mussten.
Gleichzeitig war Gärtnern für mich immer etwas Privates und zutiefst Persönliches. Außer während meiner Studienzeit, als ich in Frankreich und England arbeitete, um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich mir nie mein Geld als Gärtner verdient. Ich bin Amateur und greife nur auf Wissen zurück, das ich mir im Selbststudium und durch mehr als 50 Jahre Erfahrung angeeignet habe. Ich gebe aber zu, ich bin verliebt in das Gärtnern und erweitere mein Know-how verbissen, wobei ich auf eine große Bibliothek zurückgreifen kann. Bis heute habe ich das Bedürfnis, meine Hände tief in die Erde zu stecken und einen schönen Garten aus reiner Lust und zu meiner Erbauung sowie der meiner Familie anzulegen.
In allen guten Gärten, davon bin ich überzeugt, spielen die Menschen eine genauso wichtige Rolle wie die Pflanzen. Wir sind fester Bestandteil unseres Gartens. Es gibt ihn nicht ohne uns.
Deshalb ist dieses Buch der Versuch, etwas von dem Wissen, das ich mir mit den Jahren aufgebaut habe, mit Ihnen zu teilen. Es ist keinesfalls ein Lehrbuch oder ein umfassender Gartenführer. Alles fußt auf meinen praktischen Erfahrungen und ist durchdrungen von dem Sinn, der das Gärtnern meinem Leben gegeben hat.
Ich habe vielen Gärten in aller Welt einen Besuch abgestattet und die Erfahrung gemacht, dass sie von Herzen kommen müssen, weil sie sonst nie den Kopf erreichen. Man muss sich in erster Linie selbst zufriedenstellen, andernfalls riskiert man, niemanden zufriedenzustellen. Strebt man ein Ideal an, ist Enttäuschung vorprogrammiert. Jeder Garten ist ein Work in Progress und so vollständig wie unser Leben an diesem heutigen Tag. Er verändert sich. Immer. Er kann besser werden. Er wird oft schlechter. Seien Sie Teil dieser Veränderung. Bleiben Sie flexibel. Das Anlegen eines Gartens ist wie ein Fluss, der durch das Leben fließt. Der Ort bleibt derselbe, aber das Wasser ist immer in Bewegung, selbst an den ruhigsten Tagen.
Ich werde immer wieder gefragt, wie man etwas »richtig« macht. Wir scheinen uns nach Experten zu sehnen, die von höchster Warte aus Informationen preisgeben, an die wir uns sklavisch halten können. Aber so funktioniert das nicht. Persönliche Erfahrung zählt viel, aber je mehr man lernt, desto offenkundiger wird, wie wenig man weiß.
»Richtige« Antworten sind rar und fast immer wesentlich weniger interessant und weniger aufschlussreich als die richtigen Fragen. Misserfolg lehrt uns viel mehr als Erfolg. Jeder macht Fehler. Immer. Es kommt nur darauf an, nicht denselben Fehler zweimal zu machen.
Selbst der größte Meister kratzt nur an der Oberfläche der unglaublichen Komplexität in einem Garten. Kratzen auch Sie selbst an dieser Oberfläche – und sei es nur, um herauszufinden, wie wenig Sie wissen. Bleiben Sie zuversichtlich. Erfolg bei der Kultur von Pflanzen – welchen auch immer – entsteht durch eine Mischung aus Zuversicht und Intuition. Haben Sie Vertrauen in Ihre Intuition und trainieren Sie sie. Bleiben Sie aufmerksam. Sehen Sie gut hin. Nach und nach vereinen sich Wissen und Intuition, inspirieren sich gegenseitig und machen so die nächste Beobachtung schlüssiger. So geht es immer weiter.
Es ist nicht schwer, in die Rolle des Dirigenten zu schlüpfen und jeden Takt des Gartens zu kontrollieren. Die einzig angebrachte Haltung aber ist Zurückhaltung. Selbst der beste Gärtner ist nur eine Mischung aus dem Hausmeister, der die Glühbirne wechselt, und dem Zuschauer mit dem besten Sitzplatz im Saal.
Das Leben ist kurz und absurd und erfüllt von Schmerz und Sorge. Aber selbst im Angesicht echten Leids kann Gärtnern Freude in den Tag bringen. Gärten heilen. Traurige trösten sie. Gedemütigten oder Besiegten geben sie neuen Mut. Einsamen bieten sie wahre, andauernde Gesellschaft. Müde beleben und kräftigen sie.
Ich durfte ein sehr glückliches Leben führen. Ich konnte einen Garten mit jemanden anlegen, den ich liebe, was mich sehr glücklich gemacht hat. Man braucht Glück, um glücklich zu sein. Lege einen Garten an, und deine Chancen, glücklich zu sein, steigen.
Ich hoffe, dieses Buch hilft Ihnen, Ihren Garten anzulegen.
Lernen Sie die Jahreszeiten kennen und gehen SIE mit ihnen, statt sie zu bekämpfen – Sie würden nur verlieren. Das ist nicht immer der einfachste Weg, lernen Sie also, flexibel zu werden. Und erfassen Sie die Jahreszeiten nach Ihrem Stück Land: Wann ist Frühling in Ihrem Garten? Wie macht sich der Winter dort bemerkbar? Wann geht das Frühjahr in den Sommer über? Das sind wichtige Fragen. Auf sie gibt es exakte Antworten, die jedoch in jedem Garten der Welt anders ausfallen. Es ist Ihr Herbst, Ihr Ostwind, Ihr Regenschauer.
Ein guter Tipp: Fotografieren Sie Ihren Garten so oft wie möglich und betrachten Sie die Bilder zu anderen Jahreszeiten. So legen Sie ein wertvolles Archiv Ihres Gartens an. Es zeigt Ihnen, was wo gepflanzt wurde, und hilft bei der Gestaltung für das nächste Jahr. Sie werden staunen, wie sehr Ihr Gedächtnis Sie austrickst – im Guten wie im Schlechten.
Bevor man seinen Garten bepflanzt oder besät, muss man warten, bis das Leben in ihn zurückkehrt. Nach einem langen, dunklen Winter sehnen wir uns alle nach dem Frühjahr und freuen uns über jedes noch so kleine Anzeichen: die ersten Schneeglöckchen, Kätzchen und Narzissen oder die Primeln unter einer Hecke. Aber die wichtigsten Frühlingsboten sind Bienen und andere bestäubende Insekten. Zweierlei passiert im Frühjahr: Die Nächte werden kürzer und die Luft – und damit auch der Boden – erwärmt sich. Schon im Hochwinter werden die Tage wieder merklich länger. Die meisten Frühjahrsblüher aber kommen erst so richtig in die Gänge, wenn es wärmer wird – nicht zuletzt, weil sich bei Kälte kaum Bestäuber blicken lassen.
Früher gingen die Bauern ins Feld, ließen ihre Hosen herunter und setzten sich nackt auf den Boden, um ihn zu prüfen. Im Schrebergarten würde heute so mancher darüber die Stirn runzeln, doch war der Temperaturtest nicht unklug. Denn mit der Aussaat sollte man erst beginnen, wenn sich die Erde nicht mehr kalt anfühlt. Vergessen Sie das Datum – Pflanzen schauen nicht auf den Kalender.
Im März schlägt die Stunde der Zwiebelblumen, die im Herbst zuvor in die Erde kamen. Stellen Sie sich darauf ein, genießen Sie das Schauspiel, aber versuchen Sie nicht, es zu erzwingen. Pflanzen oder Samen, die im Frühjahr später in die Erde kommen, wenn der Boden und die Nächte schon wärmer und die Tage länger sind, holen ihren Rückstand in der Regel auf und wachsen kräftig heran.
Frühlingsblüher pflanzt man am besten in Gruppen. So liefern sie eine eindrucksvolle Show ab.
Nichts ist im Garten aufregender und macht mehr Mut als die länger werdenden Tage im April und Mai. Achten Sie gut auf die Zunahme des Lichts und die Art und Weise, wie die Sonne in den Garten scheint, damit Sie fürs nächste Jahr planen können.
Frühlingsblüher pflanzt man am besten in Gruppen. So liefern sie eine eindrucksvolle Show ab. Wenn sie blühen, ist ein Großteil des Gartens nämlich noch kahl. Dünn verstreut kommen sie nicht gegen diese winterliche Leere an. Aber eine geballte, dicht stehende Phalanx aus Zwiebelblumen, Nieswurz, Primeln, Lungenkraut und anderen Frühstartern setzt unübersehbar Zeichen.
Wo Platz Mangelware ist, lassen sich Töpfe mit Zwiebelblumen gruppieren, um gemeinsam den Frühling einzuläuten. Schon Ende Januar oder im Februar machen Iris-reticulata-Sorten mit leuchtenden Farben auf sich aufmerksam, und auch Schneeglöckchen sowie Narzissen der Sorte ‘Tête à Tête’ kann man – im Topf kultiviert – dazu bringen, etwas früher die Bühne des Frühlings zu betreten.
Wer jetzt nicht im Garten werkelt, vergeudet kostbare Zeit. Sicher, die Frühjahrsblumen wurden schon im Herbst gepflanzt. Aber mit ein paar Wochen Arbeit im Frühjahr prägen Sie einen ganzen Sommer.
Im zeitigen Frühjahr lässt sich so gut wie alles pflanzen – von Schneeglöckchen bis zu Hecken. Ab in die Erde damit bis Ende April, und es wird wachsen und gedeihen.
Im Gemüsegarten gibt es zwar eine Menge zu tun, aber wenig zu ernten. Nicht umsonst nannte man die Wochen zwischen Mitte April und Mitte Juni früher die »magere Zeit«. Die Winterernte ging zu Ende, die Sommerernte war noch weit. Die Lücke zu überbrücken erforderte sorgfältige Planung und Zwischensaaten, etwa mit Rauke und Radieschen. Sie reiften in kühler Witterung rasch und füllten die Beete, die anschließend das Spätsommergemüse in Beschlag nahm.
Der Sommer besteht in den meisten Gärten unserer Breiten aus zwei Teil-Jahreszeiten. Da ist zum einen die kurze, aber deutlich abgegrenzte Periode, die Ende Mai beginnt und höchstens sechs Wochen bis Anfang Juli dauert. Im Juni sind die Tage am längsten, das Licht am hellsten und das sommergrüne Laub etwa von Akelei und Eichen üppig, aber noch frisch. Rosen zeigen sich von ihrer schönsten Seite, großblütige Clematis rocken den Garten, und Pflanzen wie Iris, Fingerhut, Zierlauch und Lupinen sind die Stars der Saison. Man hat das Gefühl, dass der Garten nun zur Hochform aufläuft, aber auch, dass da noch mehr kommen könnte.
Junitage können zwar heiß, die Nächte aber überraschend kalt sein. Diese großen Temperaturunterschiede setzen empfindlichen Gewächsen zu. Pflanzen aus Äquatornähe – Tomaten, Kürbisse, Dahlien oder Blumenrohr – reagieren ungehalten darauf und können ihr Wachstum drosseln, was sie wiederum anfällig für Schädlinge macht.
Arten der nördlichen Halbkugel dagegen stellen sich auf die langen Tage ein. Wenn die Nächte kürzer – und wärmer – werden, setzen sie Samen an, in der Regel mit Beginn der zweiten Teil-Jahreszeit, die bis weit in den September anhält.
Mein Edelsteingarten im Hochsommer
Der August ist eine schwierige Zeit, heißt es unter Gärtnern oft. Aber wo ich lebe, ist das nicht der Fall. Mein Edelsteingarten schwingt sich im August und September trotz kürzer werdender Tage zur Hochform auf, denn die Nächte sind warm. Dahlien, Bananen, Zinnien, Tithonien, Sonnenblumen, Tabak und Kosmeen blühen hemmungslos. Die abnehmende Lichtmenge lässt in Kombination mit der Wärme die üppigen Farben – etwa Pflaumenblau, Karamell, Violett und Rubinrot – satt leuchten.
Am 23. September, der Herbst-Tagundnachtgleiche, beginnt sich das Jahr allmählich zurückzuziehen. Tag und Nacht halten sich kurzzeitig die Waage, dann schlägt das Pendel in Richtung Dunkelheit aus, und das Jahr ist verloren. Der Herbst kann eine schöne Zeit sein – farbenreich und leicht wie Rauch, voller Blüten und Früchte. Trotzdem ist er stets auch traurig verhangen. Das Fest ist vorbei, das Licht über der Nordhalbkugel verblasst.
In Herefordshire schmeckt der Herbst nach Frucht und Alkohol. Der Duft nach Cider hängt in der Luft, wenn in den vielen Tausend Hainen die reifenden Äpfel schwer an den Ästen hängen. Etliche dieser Obstgärten bestehen noch immer aus den mächtigen Hochstämmen, unter denen Schafe grasen. Sie beherrschen auch meinen eigenen Garten, in dem insgesamt über 50 Apfelsorten wachsen. Wir ernten sie zwar und lagern sie sorgsam ein, doch der Boden ist trotzdem übersät von Fallobst, an denen sich die Hunde überfressen – mit äußerst unangenehmen Folgen für die Verdauung.
Nicht die kühle Abendluft und nicht der peitschende Herbstregen tragen den Pflanzen und Vögeln und Menschen die Kunde vom nahenden Winter zu, sondern die geringfügige Veränderung der Tageslänge. Wir können Wintersämlinge noch so verwöhnen, Mulch streuen, sie mit Pflanzglocken, Vlies und Windschutz vor Unbill bewahren, doch ist all das müßig ohne genug Licht.
Während Schwalben nach Süden flüchten und der Mensch mit der Jahreszeit hadert, gehen Pflanzen das Ganze praktischer an. Rosen, Eschen, Äpfel und Konsorten rüsten sich, angeregt von den kürzer werdenden Tagen, für den Winter. Würde man sie mit künstlichem Licht versorgen, würden sie, selbst wenn die Temperaturen exakt denen in der Natur draußen entsprächen, frostempfindlicher werden als ihre Pendants, die nur Sonnenlicht abbekommen.
Wenngleich Licht, Farbe sowie die Energie von Mensch und Pflanze nachlassen, gilt es im Herbst doch möglichst viele Vorkehrungen für das nächste Jahr zu treffen. Eine Tür schließt sich, eine andere – kleiner und ferner – öffnet sich. Es geht nicht darum, den Garten zu Bett zu bringen, sondern ihn behutsam aufs Aufstehen vorzubereiten. Das nächste Jahr will geplant werden, Pflanzen müssen gepflanzt, umgesiedelt und bestellt werden. Je mehr Sie zwischen jetzt und Weihnachten den Boden auf das Frühjahr vorbereiten, desto besser ist es für Sie und den Garten. Natürlich steht und fällt alles mit dem Wetter. Aber das Gute an dieser Jahreszeit ist, dass man reichlich Zeit hat, bis zum nächsten Frühjahr alles zu erledigen.
Die Amerikaner nennen den Herbst fall. Dieses Wort bringt, wie ich finde, die Jahreszeit mit ihren fallenden Blättern gut zum Ausdruck. Das Ausmaß der Farbenpracht hängt vom spätsommerlichen Wetter ab. Heiße Tage und kalte Nächte regen die Bäume zur Bildung von kohlenhydratähnlichen Substanzen an, die für die rote Pigmentierung zuständig sind. Die Blätter verwandeln Stärke in Zucker, mit dem der Baum versorgt wird. Aber kalte Nächte verhindern, dass er vom Blatt zu den Wurzeln zurücktransportiert wird. Die Konzentration von Zucker färbt Laub rot. Zersetzt sich das grüne Chlorophyll, kommt dieses Rot zum Vorschein. Je größer der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur, je heißer also die Tage Ende Juli und Anfang August, desto stärker leuchtet das Laub.
Anders verhält es sich bei gelbem Laub. Seine Farbe ist im Wesentlichen auf den Abbau von Chlorophyll zurückzuführen. Dadurch kommt das Gelb zum Vorschein, das schon immer da war. Bäume mit gelbem Sommerlaub wachsen immer langsamer als solche mit grünen Blättern, denn sie bekommen weniger Zucker und Stärke, die mithilfe des grünen Chlorophylls produziert werden.
Jedes abgefallene Blatt wird aufgesammelt und kommt in einen Drahtkäfig, wo es sich zu Humus zersetzt.
Das Laub fällt vom Baum, wenn sich die Zellen zwischen Blattstiel und Zweig zersetzen. Es bildet sich ein Schorf auf der Wunde, der den Baum vor Infektionen schützt. Manche Bäume können dieses Narbengewebe nicht bilden und werfen ihr Laub daher erst ab, wenn es von den neuen Blättern im Frühjahr beiseite geschoben wird. Deshalb behalten Rot- und Hainbuche ihre braunen Blätter den Winter über. Pappeln, Birken und Weiden werfen sie früh ab, Eichen wiederum erst im Dezember.
Laubhumus kann man nie zu viel haben. Er enthält wenig Nährstoffe, ist jedoch ein ausgezeichneter Bodenverbesserer vor allem für schwere Böden, eine wertvolle Ingredienz in Komposthaufen und ein guter Mulch für Waldpflanzen.
Seltsamerweise ist noch niemand auf die Idee gekommen, ihn gewerbsmäßig herzustellen, obwohl nichts dagegen spricht. Schließlich ist es wesentlich einfacher, abgefallene Blätter aufzusammeln, als seltene Torfmoore zu zerstören und abgepackt zu verkaufen.
Guter Kompost muss aus einer Mischung verschiedenster Substanzen bestehen und regelmäßig gewendet werden. Laubhumus anzusetzen dagegen ist ein Kinderspiel. Gartenkompost entsteht durch ein Zusammenwirken von Bakterien, Pilzen, Wirbellosen und Insekten unter dem Einfluss von Wärme und Sauerstoff, weshalb man ihn wenden muss. Bei Laubhumus sind größtenteils Pilze am Werk; außerdem läuft die Zersetzung »kalt« ab, weil die Pilze keine Wärme brauchen, um sich ins Zeug zu legen. Man sammelt einfach Laub von sommergrünen Gehölzen auf, sorgt dafür, dass es ordentlich feucht ist, deponiert es, und schon nimmt die Verrottung ihren Lauf.
Wenn der Boden trocken genug ist, kann man die Blätter auch durch Mähen aufsammeln. Das ist sogar eine glänzende Idee, denn dabei werden sie schon zerkleinert, brauchen weniger Platz und zersetzen sich zugleich rascher. Ich bereite inzwischen fast unser ganzes Herbstlaub so auf. Dazu streue ich es auf einen langen Backsteinweg im Garten, stelle den Mäher auf höchste Stufe und »mähe« den Weg, sodass die Blätter im Fangkorb landen.
Dann werfe ich es in einen großen, mit Maschendraht umzäunten Käfig, wo es eine möglichst große, exponierte Oberfläche hat. In den meisten Jahren regnet es genug, sodass es immer feucht bleibt, aber wenn es einmal zu trocken ist, sprenge ich es monatlich mit dem Gartenschlauch. Bis zum Oktober des folgenden Jahres wird auf jeden Fall perfekter Laubhumus daraus. Ich fülle den Inhalt in Säcke und nutze ihn als Mulch oder Bestandteil unserer selbstgemischten Topferde. Nun ist der Drahtkäfig wieder leer und bereit für die nächste Füllung im Herbst.
Natürlich sind die meisten Gärten nicht groß genug für einen solchen Drahtkäfig. In diesem Fall stopft man die Blätter einfach in einen großen schwarzen Plastiksack und dreht ihn zu, ohne ihn zuzubinden. Die Blätter müssen beim Einfüllen richtig feucht sein; stechen Sie ein paar Löcher in den Boden des Sacks, damit Wasser ablaufen kann. Dann verstauen Sie die Säcke hinter einem Schuppen oder in einer anderen Ecke. Binnen eines Jahres verwandelt sich der Inhalt in weiches, krümeliges Material, das ein bisschen wie ein Waldboden an einem sonnigen Herbstnachmittag duftet.
Den meisten Menschen mag ein milder Winter lieber sein, unsere Gärten indes sind wesentlich gesünder, wenn sie ein paar Monate eisige Kälte abbekommen. Frost bricht Erdklumpen auf und verwandelt sie in feine Krümel. Vor allem aber setzen lange anhaltende Minusgrade den vielen Dutzend Pilzsporenarten, die unseren Garten bei feuchtwarmer Witterung heimsuchen, ordentlich zu. Sogar Blattläuse und Schnecken werden dadurch dezimiert. Ein Monat anhaltende Kälte im Garten vernichtet mehr Schädlinge und Krankheiten als eine Wagenladung Chemikalien.
Dem Gärtner erleichtert gefrorener Boden das Leben. Denn Frost macht Schlamm zu einer festen Masse. Man kommt trockenen Fußes über matschige Erde und kann ganze Schubkarrenladungen voll Mist und Unkraut bequem darüberschieben.
Natürlich hat Frost seinen Preis. Die relativ empfindlichen Pflanzen wie Salbei, Bartfaden (Penstemon), Honigstrauch (Melianthus), Jasmin, Kamelien und Lorbeer, die viele von uns in den Rabatten haben, überstehen Temperaturen unter -5 °C nicht. Andere dagegen – dazu gehört Knoblauch ebenso wie Primeln – brauchen sogar eine Kälteperiode, damit sie im Frühjahr austreiben oder keimen.
Dicker Schnee isoliert ausgezeichnet und schützt Pflanzen unter seiner Decke.
Die meisten Gartenpflanzen unserer Breiten haben wirkungsvolle Strategien gegen die Kälte entwickelt. Sommergrüne Bäume und Sträucher werfen ihr Laub ab und stellen mit Ausnahme der Faserwurzeln ihr Wachstum ein. Stauden überleben gefrorenen Boden, weil sie in eine Art Winterschlaf treten. Einjährige sterben zwar, hinterlassen jedoch Unmengen von Samen, die die Kälte überstehen und im Frühjahr austreiben. Auch Zweijährige machen sich winterfest, um im kommenden Frühjahr so richtig loszulegen.
Dicker Schnee isoliert ausgezeichnet und schützt Pflanzen unter seiner Decke. Zudem ist er ein wichtiger Wasserlieferant, denn wenn er taut, versickert er langsam im Boden. Er kann aber auch viel Schaden anrichten. Vor allem Formschnittgehölze können durch sein Gewicht Schaden nehmen. Man muss sie deshalb von der Last befreien – jedoch nicht, ohne sie vorher mit ihrer bezaubernden weißen Haube in einem Foto zu verewigen.
Extreme Kälte an sich ist aber nicht das größte Problem im Winter, sondern Kälte in Kombination mit Wind und Nässe. Dieses Trio kann sogar an sich winterharten Gewächsen in Gärten zusetzen. Schon ein Wind mit 30 km/h – offiziell als »frischer Wind« bezeichnet – macht aus Temperaturen um den Gefrierpunkt -7 °C und aus -5 °C knackige -13 °C, was einige Gartenpflanzen bereits in den roten Bereich bringt. Ein gutes Bollwerk dagegen sind Hecken, Sträucher oder sogar vorübergehend aufgestellte Netze, die den Wind filtern. Das Mikroklima in einem Garten kann beträchtlich variieren, sodass manchmal selbst nicht winterharte Arten Temperaturen überleben, die sie eigentlich ins Jenseits befördern müssten, wenn sie – und das ist der springende Punkt – geschützt stehen.
Besonders windgefährdet sind immergrüne Pflanzen, denn sie verlieren ständig Wasser. Bei kaltem, trockenem Wind wird dieses Wasser nicht ersetzt. Deshalb ist es gar nicht einmal so selten, dass eigentlich als winterhart geltende Gewächse wie Buchsbaum oder manche Stechpalmen braune Blätter bekommen oder sogar ganz vertrocknen, vor allem auf Dachgärten. Das kann ganz schnell gehen, wenn der Boden, in dem sie wachsen, gefroren ist, da die Wurzeln dann kein Wasser aufnehmen können. Der beste Winterschutz für sie ist das Besprühen mit Wasser: Es gefriert und bildet dadurch eine Art Schutzschicht um die Blätter.
Manchmal aber hat nicht Wind, sondern ganz im Gegenteil Windstille verheerende Auswirkungen. Wenn Ihr Garten an einem Hang liegt, an dessen Fuß ein Gebäude oder eine Mauer steht, sackt kalte Luft ab, sammelt sich ganz unten und schwappt wieder nach oben – genau wie Wasser. Befindet sich der Garten am Fuß eines Hangs oder in einer natürlichen Senke, sollte man den Wind also ungehindert hindurchwehen lassen.
Winterharte Pflanzen halten kurzzeitig extreme Kälte bis -15 °C aus und überstehen Wochen und Monate bei Temperaturen um -5 °C. Nicht winterharte Pflanzen vertragen in der Regel keine Minusgrade, kommen aber mit der kühlen Witterung zurecht, die oft im April und Mai herrscht. Kälteempfindliche Pflanzen aus südlichen Gefilden erfrieren bei Temperaturen unter -5 °C.
Unser langer Herbst bereitet die Pflanzen auf den Winter und der lange Frühling auf den Sommer vor. Allerdings haben plötzliche Fröste bisweilen verheerende Folgen, vor allem im Frühjahr. Selbst was wochenlangen strengen Winterfrost überstanden hat, kann im Mai bei geringen Minustemperaturen die Hälfte des oberirdischen Wuchses einbüßen. Es klingt zwar seltsam, aber je länger und heißer der Sommer, desto besser überstehen Bäume und Sträucher die Winterkälte, weil ihr Holz voll ausreifen konnte.
Der Garten im Winter
Zu schnell einsetzendes Tauwetter killt Pflanzen ebenso zuverlässig wie plötzlich unter den Gefrierpunkt sinkende Temperaturen. Das Eis im Gewebe braucht Zeit, die Zellen wieder zu durchdringen, sonst zerplatzen sie. Das ist auch der Grund, warum sehr später Frost so schlimme Auswirkungen haben kann, wenn die frühmorgendliche Sonne schon warm ist und gefrorenes Gewebe bescheint, bevor die Lufttemperatur langsam steigt und es nach und nach auftaut.
Winterschutz hebt die Temperatur um einige Grade. Deshalb legt man über annähernd winterharte oder exponierte Sträucher, Stauden und sogar Gemüse Gartenvlies. Den Boden isoliert man mit Zeitungspapier, Stroh oder einer dicken Lage Kompost. Das bewahrt die oberflächennahen Wurzeln vor der schlimmsten Kälte, was vor allem immergrünen Gewächsen nützt. Auch Töpfe und Statuen werden eingewickelt, um Frostschäden zu vermeiden.
Bäume: Esche, Buche, Birke, Schwarz-Kiefer, Ginkgo, Weißdorn, Linde, Ahorn, Fichte, Eiche, Eberesche, Thuja occidentalis, Weide
Sträucher: Alle Alba-, Gallica- und Wildrosen (im Gegensatz zu denen, die im Frühjahr blühen), Buddleia davidii, Pfaffenhütchen, Heidekräuter (nur auf sauren Böden), Kerria japonica, Pfeifenstrauch, Spiraea thunbergii, viele Schneebälle wie Gemeiner Schneeball, Wolliger Schneeball oder Bodnant-Schneeball
Stauden: Kriechender Günsel, Kugeldistel (Echinops ritro), Iris sibirica, Geranium endressii, G. sanguineum, Lamium maculatum, Primeln, Pulmonaria saccharata
Kletterpflanzen:Clematis viticella, Hydrangea petiolaris, Lonicera periclymenum, Wisteria floribunda
Ein- und Zweijährige:Agrostemma, Kornblume, Nigella, Klatsch-Mohn, Nachtviole
Zwiebelblumen: Krokus, Iris unguicularis, Lilium regale, Traubenhyazinthe, Blaustern, Schneeglöckchen, Winterling
Die Beziehung von Vögeln zum Garten verändert sich, sobald die Blätter fallen. Plötzlich sind die Tiere sichtbarer. Sie bevölkern die Kronen als Silhouetten. Die Kontur eines kleinen Baums löst sich unvermutet auf, wenn eine Schar auffliegt, weil sie beim Beerennaschen gestört wurde. Auch klingen Vögel im Winter wesentlich harscher. Statt Werben ist nun Warnen das Gebot der Stunde. Gelegentlich verblüfft zwar ein Rotkehlchen mit seinem Gesang, ansonsten aber tönen aus meinem Novembergarten abgehackte Klänge, die eher an lauten Streit in einem angrenzenden Zimmer erinnern.
Der Winter wird von der Ankunft von Wacholder- und Rotdrosseln ebenso zuverlässig angekündigt wie der Sommer von Schwalben. Während Schwalben jedoch in ihrer quecksilberartigen Wendigkeit wie vertraute Gäste einfliegen, offenbaren Wacholderdrosseln eine eigentümliche Mischung aus Trotz und Scheu. Alles an ihnen ist barsch und abgehackt, und doch mag ich sie. Sie gehören zur Jahreszeit. Sie lieben die übrig gebliebenen Äpfel und verteidigen einen von Fallobst gesäumten Baum erbittert gegen andere Vögel. Zudem machen sie sich nützlich, denn sie vertilgen Schnecken, Schnakenlarven und Raupen.
Die Rotdrossel ist kleiner, zarter und unauffälliger. Während man die Wacholderdrossel leicht an ihrem grauen Kopf erkennt, lässt sich die Rotdrossel nur im Flug, wenn das Rot unter ihren Flügeln hervorblitzt, klar von einer Singdrossel unterscheiden. Allerdings verrät sie sich auch durch ihre Neigung, in Scharen aufzutreten.
Wir Gärtner müssen mit dem Wetter auf Du und Du stehen. Schließlich haben wir ständig damit zu tun. Wir sehen nach oben und lesen den Himmel, blicken um uns und schätzen ab, was passiert ist und wie es sich auswirkt.
Aus gärtnerischer Sicht ist Wetter weder besonders gut noch schlecht. Es ist einfach. Pflanzen passen sich an Unbilden an und erholen sich fast immer, wenn die Witterung sie beutelt. Die meisten überleben so gut wie alles, wenn sie nur am richtigen Ort wachsen.
Gärtner können nicht immer nach draußen marschieren und exakt nach Plan vorgehen, doch das ist auch gar nicht so wichtig. Seien Sie lieber flexibel. Achten Sie auf das Wetter und richten Sie sich danach, aber bleiben Sie geduldig. Es ist besser, sich ihm zu ergeben als dagegen anzukämpfen.
Regen hat vielerlei Auswirkungen auf den Garten. Frost erzählt eine Geschichte, die Wochen oder sogar Jahreszeiten lang dauert. Temperatur ist ein entscheidender Faktor, wirkt aber eher unterschwellig. Das alles muss ein Gärtner interpretieren können.
Jeder Wind schwingt eine andere Waffe, und jeder Garten hat seine Schwachstellen, die bedingt sind durch Bepflanzung, Ausrichtung und Lage.
Lernen Sie den Wind kennen. Bisweilen wird er als grimmiger Gegner, gelegentlich auch als Freund auftreten. Immer aber sollte er einem vertraut sein. Merken Sie sich, welche Folgen die verschiedenen Winde und ihre Richtungen in Ihrem Garten haben.
In meinem Garten sind Südwinde etwas Willkommenes, denn sie trocknen alles rasch. Das heißt aber auch, dass wir immer wieder umherhasten und unsere Pflanzen stützen müssen, weil die Südwinde an ihnen rütteln. Westwinde bringen Regen und manchmal Stürme, Nordwinde Schnee. Ostwinde im Frühjahr können verheerende Wirkung haben, denn sie schneiden wie eine Eisklinge durch alles hindurch – einschließlich der Wände in unserem Haus.
Lernen Sie den Wind kennen. Bisweilen wird er als grimmiger Gegner, gelegentlich auch als Freund auftreten. Immer aber sollte er einem vertraut sein.
Wind kann aus einer völlig unproblematischen Temperatur eine tödliche Kältewelle machen. Er trocknet Laub aus und stresst Pflanzen oder verformt sie sogar. Seien Sie darauf gefasst und treffen Sie nach Möglichkeit Vorkehrungen zu ihrem Schutz. Darbt ein Gewächs, prüfen Sie immer zuerst, wie sehr es Wind ausgesetzt ist – es kann unter ihm leiden, auch wenn die Pflanzen direkt daneben keinerlei Probleme mit ihm zu haben scheinen.
Gärtner kennen die feinen Unterschiede auf ihrem Grund und Boden – oder sollten sie zumindest kennen. Mikroklimata spielen in allen Gärten außer den kleinsten eine wichtige Rolle. Es gibt immer Bereiche einer ansonsten völlig gleich aussehenden Rasenfläche, die beim Betreten knirschen, weil der Frost sie im Griff hat, während der Rest weich und warm ist. Zwei völlig identische Pflanzen in nicht einmal einem Meter Entfernung zueinander gedeihen gänzlich unterschiedlich, nur weil die eine vom Wind getroffen wird, der sich durch eine Lücke in der Hecke am anderen Ende des Gartens zwängt.
Gutes Wetter bemesse ich nicht danach, was ich oberhalb der Knie, sondern was ich an den Füßen tragen muss. Wenn ich ohne Gummistiefel durch den Garten laufen kann, ist schönes Wetter. Aber wenn ich sorglos in meiner Anlage herumwerkeln und mit nur leichtem Schuhwerk unbekümmert von der Rabatte zum Weg zum Rasen springen kann, dann ist das Wetter perfekt.
Es heißt, das Gärtnern sei ein Kampf, den man gewinnen oder verlieren könne. Gemäß dieser Philosophie ist derjenige ein »guter« Gärtner, der über die Natur triumphiert. Er regiert mit harter Hand, unterstützt von Herstellern diverser Gifte und Gerätschaften zum Vernichten möglichst vieler Gartenprotagonisten, seien es Schnecken, Ameisen, Dickmaulrüssler, Giersch, Quecke, Wespen, Maulwürfe, Blattläuse, Kälte, Mehltau, Trockenheit oder Hallimasch – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Natur, so scheint es, ist nur darauf aus, die Glückseligkeit in unserem Heim zu ruinieren. Lediglich stete Wachsamkeit und natürlich dieses Wundermittel, das da so schön farbenfroh verpackt ist und so verführerisch beworben wird, können den Gärtner und sein Reich vor dem Untergang bewahren.
Das alles ist blanker Unsinn. Wir brauchen die Natur mehr, als sie uns braucht. Das ist keine Beziehung auf Augenhöhe. Diene ihr und sie wird sich um dich kümmern. Missbrauche sie, und alles ist verloren.
Jedes lebende Wesen auf Ihrem Grund, ob Flora oder Fauna, gibt Ihnen etwas. Das müssen Sie zurückgeben. Die Bilanz muss ausgeglichen sein. Entnehmen Sie deshalb nie mehr, als Sie hineinstecken.
Nichts Schlechtes zu tun ist in der Regel wichtiger, als Gutes zu tun. Oftmals ist Nichtstun, Zusehen und Abwarten die beste Lösung. Seien Sie bescheiden in allen Dingen – auch beim Umweltschutz. Die Natur kommt im Allgemeinen ganz gut ohne Ihre Hilfe zurecht.
Bewahren Sie das Kostbare und Rare. Häufig sind es die Randgruppen – die Seltenen, die Kleinen, die Schwachen –, die sich als Erste verabschieden. Und wenn sie einmal fort sind, lassen sie sich nur schwer wieder zurückholen. Die Häufigen und Robusten dagegen überleben. Das heißt, dass die Zahl der Arten im Garten schneller zurückgeht als die Zahl der Einzellebewesen. Letztlich hat man zwar mehr Individuen, aber weniger Vielfalt. Diese Vielfalt jedoch, und nicht die Anzahl der Pflanzen oder Tiere, ist der Schlüssel zur ökologischen Gesundheit.
Pflegen Sie Ihre Insekten. Sie als »Mitesser« oder »Schädlinge« zu betrachten ist absurd. Sie sind das wichtigste sichtbare Tierleben im Garten und sollten entsprechend geschätzt werden. Schaffen Sie geeignete Lebensräume und versorgen Sie sie mit Nahrung, aber massakrieren Sie Insekten nie – niemals! – willkürlich.
Insekten sind das wichtigste sichtbareTierleben im Garten und solltenentsprechend geschätzt werden.
Ehren Sie die Pilze. Gärtner neigen dazu, sie alle als schädlich abzutun. Haben Sie keine Angst vor ihnen. Nur ein Bruchteil ist schädlich, die allermeisten dagegen sind für das Leben im Garten unverzichtbar. Erde ohne Pilze ist öde und unfruchtbar. Pilzfäden erreichen Stellen, zu denen nicht einmal die kleinsten Wurzeln gelangen. Zudem bilden Pilze Symbiosen mit allen möglichen Gewächsen von Moosen bis zu Bäumen. Sie holen Stoffe von tief unten aus der Erde, damit Pflanzen davon profitieren, und dürfen sich dafür vom Zucker in den Pflanzen ernähren. Die oberirdisch sichtbaren Pilze sind lediglich die Fruchtkörper, mit denen sie ihre Sporen verbreiten.
Wir sind Ignoranten, und neue Erkenntnisse fördern nur zutage, wie wenig wir wissen. Ständig entdecken wir Erstaunliches, ja, Revolutionäres. Wir wissen beispielsweise nun, dass Bakterien in manchen Blättern Stickstoff binden und dass Bäume ihre Nährstoffe aus einer Entfernung von bis zu siebzehn Kilometern holen. Siebzehn Kilometer! Bleiben Sie offen für Neues, und klammen Sie sich nicht an überkommenes Wissen oder Gepflogenheiten.
Seien Sie unordentlich. Lassen Sie langes Gras stehen, Blätter liegen, altes Holz faulen, Gras zwischen Ritzen hervorlugen, Moos auf Steinen wachsen. Sie sind alle entscheidende Lebensräume für wichtige Bestandteile eines gesunden Gartens.
Irgendwo in Ihrem Garten sollte immer ungemähtes Gras vor sich hin wachsen. Nichts nützt Insekten mehr als langes Gras. Ideal wären Wiesen verschiedener Höhe, aber schon ein Quadratmeter, auf dem die Halme ungehindert sprießen dürfen, ist Gold wert.
Würmer sind vorzügliche Indikatoren für Bodengesundheit und -fruchtbarkeit. Allein in Großbritannien gibt es über 25 Regenwurmarten, die alle eine wichtige Rolle beim Umarbeiten des Bodens spielen. Ihre Produktivität ist beeindruckend: Würmer arbeiten jährlich 100 bis 200 Tonnen Erde pro Hektar um – so viel wie ein Pflug. Ob es uns gefällt oder nicht, die Erde bewegt sich unter unseren Füßen.
Nach wie vor neigen wir dazu, alles, was den Boden »stört«, also Regenwürmer, Maulwürfe oder Ameisen, als Schädlinge zu betrachten, die dezimiert oder gleich ganz ausgemerzt werden müssen. Aber diese unterirdischen Lebewesen spielen eine wichtige Rolle bei der Lockerung des Bodens und dem Einarbeiten von organischer Substanz in die Erde. Wenn also das nächste Mal ein Maulwurf die Architektur ihres Rasens neu interpretiert, verfluchen Sie ihn nicht, sondern seien Sie dankbar für die Arbeit, die er für Sie erledigt.
Die meisten sogenannten »Schädlinge« sind fast nie die Krankheit, sondern nur das Symptom. Statt sie zu bekämpfen, finden Sie lieber heraus, warum sie sich bei Ihnen so wohlfühlen. Vermutlich haben Sie das sich selbst regulierende Gleichgewicht, das sie im Zaum hält, gestört. Das allein ist – noch – nicht schlimm. Man kann das Gleichgewicht wieder herstellen. Aber nicht, indem man Schädlinge auslöscht.
