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Kann man Glück mit Geld kaufen? Nach dem weltweiten Erfolg von »Über die Psychologie des Geldes« findet Morgan Housel in seinem neuen Buch die Antwort auf diese entscheidende Frage: Ja – wenn es richtig eingesetzt wird. Der Bestsellerautor zeigt, dass Finanzentscheidungen wenig mit Rationalität und Zahlen zu tun haben und viel mit Psychologie und Identität, was in der Finanzwelt jedoch allzu oft ignoriert wird. Wer weiß, wie man Geld vermehrt, weiß noch lange nicht, wie man Geld einsetzt, um persönliches Glück und Zufriedenheit zu maximieren. In 21 Anekdoten, die im Gedächtnis bleiben, beleuchtet Housel Themen wie Neid, Erwartungen, soziale Verschuldung und die Kunst, in zukünftiges Glück zu investieren. Statt abgedroschener Spartipps und One-fits-all-Anlagestrategien enthält dieses Buch psychologische Werkzeuge, um deine Beziehung zu Geld zu reflektieren und klügere Entscheidungen zu treffen. Dadurch lernst du auf unterhaltsame Weise, Ausgabenfallen zu vermeiden, besser zu investieren und die Bedeutung von Geld für ein erfülltes Leben neu zu bewerten.
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Seitenzahl: 263
Veröffentlichungsjahr: 2025
Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen
Einfache Entscheidungen für ein reicheres Leben
FBV
MORGAN HOUSEL
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtiger Hinweis
Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.
1. Auflage 2025
© 2025 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Die englische Originalausgabe erschien 2025 bei Portfolio, ein Imprint der Penguin Publishing Group, unter dem Titel The Art of Spending Money. © 2025 by Morgan Housel. All rights reserved.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Übersetzung: Martin Bauer
Redaktion: Anne Horsten
Umschlaggestaltung: Pamela Machleidt
Umschlagabbildung: Shutterstock/khartblanche, Studio B Portraits
Satz: Daniel Förster
ISBN druck 978-3-95972-838-6
ISBN ebook (EPUB, Mobi) 978-3-98609-616-8
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.finanzbuchverlag.dewww.finanzbuchverlag.de
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Für Kellie, das Einhorn
Anmerkungen des Autors
Einleitung. Das Streben nach einem einfachen Leben
Mit genügend Informationen lässt sich jedes Verhalten verstehen
Darf ich um deine Aufmerksamkeit bitten?
Die glücklichsten Menschen, die ich kenne
Alles, was wir nicht sehen
Das größte Vermögen besteht darin, niemanden beeindrucken zu müssen
Was uns glücklich macht
Die Reichen und die Wohlhabenden
Nutzen oder Prestige?
Risiko und Reue
Schau sie an!
Reichtum ohne Unabhängigkeit ist eine Sonderform der Armut
Soziale Schulden
Stilles exponentielles Wachstum
Identität
Herumexperimentieren
Geld und Kinder
Zahlen scheren sich nicht um unsere Gefühle
Die feineren Dinge
Der Zyklus von Gier und Angst
Wie wir beim Geldausgeben unglücklich werden
Sei umso netter, je besser es dir geht
Anmerkungen
Danksagung
Mein Buch Über die Psychologie des Geldes habe ich geschrieben, um zu erkunden, wie wir über Geld und Geldanlagen denken – wie Gefühle und sozialer Druck unsere vermeintlich rationalen Entscheidungen beeinflussen.
Dieses Buch, Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen, verstehe ich als konsequente Fortsetzung.
Während Über die Psychologie des Geldes sich damit beschäftigt, wie wir unser Geld vermehren, geht es in diesem Buch darum, wie wir dieses Geld verwenden.
Beide Bücher raten dir nicht, wie du dein Geld ausgeben sollst, weil alle Menschen verschieden sind. Aber beide gehen der Frage nach, was in unseren Köpfen vorgeht, wenn wir mit Geld umgehen. Darin gleichen wir Menschen uns weitaus mehr.
Beiden Büchern liegt dieselbe Idee zugrunde: Bei Geld geht es weniger um Zahlen als vielmehr um Geschichten – Geschichten, die wir uns darüber erzählen, was wichtig ist, was uns glücklich macht, wie wir Erfolg messen.
Geld auszugeben ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft. Es gibt keine allgemeingültige Formel, keine festen Regeln. Was dem einen Freude bereitet, gibt einem anderen vielleicht überhaupt nichts. Wenn wir unsere Gefühle verstehen, unsere Neigungen, Hoffnungen und Ängste, mag uns das zu klügeren Entscheidungen führen. Entscheidungen, die widerspiegeln, wer wir sind, was wir schätzen und wie wir leben möchten.
Über die Psychologie des Geldes zeigt, wie wir finanzielle Freiheit erlangen, dieses Buch lehrt uns, wie wir diese Freiheit bestmöglich nutzen. Los geht’s!
Das Streben nach einem einfachen Leben
Dr. Dan Goodman führte einmal eine LASIK-Operation an einer Frau durch, die ihre Brille loswerden wollte. Als die Patientin einige Wochen später zu einer Nachkontrolle kam, wirkte sie deprimiert. Sie erklärte, die Operation habe ihr Leben ruiniert.1
Medizinisch war alles gut gegangen, die Frau konnte zum ersten Mal seit Langem wieder ohne Brille scharf sehen.
Dr. Goodman hakte nach: »Und worin liegt nun das Problem?«
Die Patientin antwortete, sie habe erwartet, dass ihr Mann sie attraktiver finden und ihre Kollegen sie für klüger halten würden, wenn sie keine Brille mehr trug. Als es nicht so kam und sie erkannte, dass Liebe und Wertschätzung nicht von etwas so Oberflächlichem wie ihrer Brille abhingen, traf sie das schwer.
»Sie haben da ein Problem, bei dem ich Ihnen nicht helfen kann«, gestand Goodman ihr. »Tut mir leid, dass ich das erst jetzt erkenne.«
Es ist erstaunlich zu beobachten, wie der offenbare Wunsch von jemandem sich erfüllt, und derjenige dann merkt, dass Glück nicht so einfach zu greifen ist, wie er gedacht hat.
Tatsächlich gilt das in Gelddingen genauso.
Einem uralten Spruch zufolge ist nichts schlimmer, als das zu bekommen, was wir uns wünschen – statt dem, was wir brauchen. Dieser Satz bringt das Verhältnis der meisten Menschen zu Geld und Erfolg perfekt auf den Punkt. Vielleicht wünschen wir uns etwas (Geld) und erhalten es auch, doch dann merken wir, dass wir etwas anderes brauchen (nämlich Familie, Freunde, Gesundheit oder das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein). Dann sind wir enttäuscht. Was könnte schlimmer sein?
Dieses Buch handelt davon, dass es beim Geldausgeben kaum um Zahlen und nüchterne Kalkulation geht, sondern viele psychologische Faktoren eine wichtige Rolle spielen: Neid, sozialer Ehrgeiz, Identität, Verunsicherung und andere, die im Hinblick auf Geld oft ignoriert werden.
Kann man Glück kaufen? Ja.
Kann Geldausgeben uns glücklicher machen? Ja.
Aber die Sache ist komplizierter, als viele Menschen glauben. Zwischen den Zahlen, Diagrammen und Daten versteckt sich die Unordnung und Absurdität des menschlichen Verstands. Geld ist ein bemerkenswertes Werkzeug, das uns ein besseres Leben ermöglicht – vorausgesetzt, wir verstehen es gut einzusetzen. Aber nur weil wir begreifen, wie wir Geld nutzen können, wissen wir noch lange nicht, wie wir es erlangen.
Von Winston Churchill stammt das berühmte Zitat, er habe aus Alkohol mehr herausholen können, als dieser aus ihm. Analog zu dieser Aussage kenne ich Reiche, denen Geld mehr nahm, als es ihnen gab, weil sie ihr ganzes Leben lang verzweifelt mehr zu scheffeln versuchten, ohne jeden Sinn dafür, wie es sie glücklicher machen konnte. Umgekehrt kenne ich schlecht verdienende Menschen, die von ihrem bisschen Geld erheblich profitieren, weil sie davon nur Dinge kaufen, die sie glücklich machen.
Es kommt nicht unbedingt darauf an, wie viel Geld wir haben. Sondern darauf, ob wir die psychischen Prozesse verstehen und kontrollieren können, die mitunter dafür sorgen, dass mehr Geld nicht mehr Glück bedeutet. Das kann unser Leben auf vielerlei Weise beeinflussen.
Denken wir nur an einen mittellosen jungen Menschen, der sich ein viel zu teures Auto anschafft, weil er hofft, dass seine Freunde ihn dafür respektieren und bewundern.
Oder an Rentner, die ihr Leben lang streng gespart haben, es im Alter aber nicht schaffen, sich einen angemessenen Lebensstil zu gönnen, weil der »Sparzwang« sich so tief in ihre Identität gefressen hat.
Oder an ein junges Paar, das auf den Kauf einer Dreizimmerwohnung spart, dann aber seine Ansprüche hochschraubt, nachdem ein Freund sich eine Vierzimmerwohnung gekauft hat.
Oder an eine reiche Unternehmerin, die immer nur nach mehr giert.
Oder an einen schlecht verdienenden Arbeiter, der immer das Gefühl hat, es gehe ihm prima.
In all diesen Fällen spielen Zahlen und nüchterne Berechnungen keine Rolle.
Unsere Entscheidungsprozesse laufen viel chaotischer ab. Psychologische und soziologische Faktoren kommen ins Spiel. Wir sollten verstehen, dass Menschen unterschiedlich sind und jeder versucht, so gut wie möglich durchs Leben zu kommen und sich angesichts seiner Erfahrungen einen Reim auf diese Welt zu machen. Jeder ergründet für sich, wer er sein will und wie er damit umgeht, was andere von ihm denken.
Schulen und Universitäten lehren den wissenschaftlichen Ansatz in Finanzdingen, mit klaren Formeln und logischen Schlussfolgerungen. Aber in der realen Welt ist der richtige Umgang mit Geld eine Kunst.
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Während des Studiums jobbte ich als Autoparker für ein Fünf-Sterne- Hotel in Los Angeles. Einmal fand im Hotel eine Ausstellung von Luxusmöbeln statt, zu der nur der örtliche Geldadel geladen war. Als ein Besucher sein Auto wieder abholte, erzählte er seinem Freund, er habe gerade 21.000 Dollar für einen Sessel ausgegeben. Einige meiner Kollegen und ich hörten ihn und waren fassungslos. So viel Geld für einen Sessel – einen Sessel – zu bezahlen, war für uns unvorstellbar.
Der Mann sah unsere konsternierten Blicke und meinte: »Jungs, ich weiß. Es ist verrückt. Aber wenn man Geld hat, wird das von einem erwartet.«
Ich fand seine Wortwahl interessant. »Wird das erwartet.« Gefiel ihm der Stuhl wirklich? Oder folgte er blindlings seinen Vorstellungen davon, was die Gesellschaft von ihm erwartete, was ihm gefallen sollte und wofür er sein Geld ausgeben sollte?
Damals als 19-Jähriger habe ich mir schon vorgenommen, eines Tages reich zu werden, aber ich erinnere mich, wie ich dachte: Soll ich mich später mal so verhalten? Soll ich ewig studieren und mich jahrzehntelang im Beruf abrackern, um vor Freunden damit anzugeben, dass ich einen hässlichen Stuhl gekauft habe, der so viel kostet, wie die meisten Menschen in einem halben Jahr verdienen?
Würde mich das tatsächlich glücklicher machen?
Das gab mir zu denken. Ich erinnere mich, dass meine anfängliche Reaktion – Verblüffung – sich bald in Belustigung verwandelte; am Ende tat mir der Mann richtiggehend leid.
Ich habe im Lauf der Zeit viele solcher Menschen kennengelernt und gemerkt, dass viele sinnlos dem Geld hinterherjagten, ohne recht zu wissen, was sie damit anfangen sollten. Sie wollten nur instinktiv immer mehr anhäufen. Sie verstanden es hervorragend, Geld zu verdienen. Aber die Kunst, ihr Leben mit diesem Kapital besser oder sinnerfüllter zu gestalten, beherrschten sie allenfalls mittelmäßig.
Natürlich gibt es einen anderen Weg. Viele Menschen haben herausgefunden, wie sie Geld einsetzen, um sich Güter zu leisten, durch die sie tatsächlich glücklicher leben. Aber der reiche Stuhlmann hatte schon recht: Die gesellschaftlichen Erwartungen in puncto Geldausgeben stimmen nicht immer damit überein, wie wir es anstellen, das Beste aus unserem Geld herauszuholen.
Das ist nicht unsere Schuld. Die Evolution hat uns zu sozialen Wesen gemacht, und jetzt brüllt uns die Gesellschaft geradezu ins Ohr, was wir wollen sollen: mehr Geld als andere, größere Sachen als andere, glänzenderes Spielzeug als andere. Manchmal wollen wir genau das, und dann sollten wir es auch anstreben. Häufiger werden wir aber feststellen, dass Geld auszugeben, um anderen Wohlstand zu demonstrieren, eine kostspielige, manchmal sogar ruinöse Methode darstellt, sich Respekt zu verschaffen. Oft genug folgt dann Enttäuschung.
Ich glaube, dass man mit Geld sein Leben verbessern kann. Ich glaube, dass schöne Dinge einem Freude bereiten können. Ich liebe Ehrgeiz, harte Arbeit und – vor allem – Unabhängigkeit. Aber nachdem ich zwei Jahrzehnte lang über Geld geschrieben habe, erstaunt mich immer noch, wie wenig die meisten von uns mit ihrem Geld anzufangen wissen – außer es als Maßstab für Status und Erfolg zu nehmen. Um das klarzustellen: Die meisten Gedanken in diesem Buch kamen mir bei dem Versuch, die Rolle von Geld und Glück in meinem Leben zu verstehen.
Auf die Frage, was Eltern sich für ihre Kinder wünschen, antworten sie in der Regel: »Ich möchte nur, dass sie glücklich sind.«
Wollen Eltern, dass ihre Kinder reich und erfolgreich werden? »Na klar«, sagen dann die meisten, »aber vor allem sollen sie glücklich werden.«
Das ist großartig. In ihrem eigenen Leben jedoch streben viele dieser Eltern nach Geld und Status und vernachlässigen ihr eigenes Glück. Wahrscheinlich wünschen Eltern ihren Kindern lieber Glück als Erfolg, weil sie die Folgen eines blinden Strebens nach Reichtum statt nach Zufriedenheit selbst erfahren haben.
Carl Jung, einer der einflussreichsten Psychologen aller Zeiten, wurde einmal gefragt: »Was sind Ihrer Meinung nach die grundlegenden Faktoren für menschliches Glück?« Jung zählte sie auf:2
1.Körperliche und geistige Gesundheit.
2.Gute persönliche und enge Beziehungen, etwa in Ehe, Familie und Freundschaften.
3.Die Fähigkeit, Schönheit in Kunst und Natur wahrzunehmen.
4.Angemessener Lebensstandard und zufriedenstellende Arbeit.
5.Philosophischer oder religiöser Rückhalt, um in der Lage zu sein, mit den Wechselfällen des Lebens zurechtzukommen.
Klar, bei einigen dieser Punkte mag Wohlstand helfen. Aber Geld selbst – und sei es noch so viel – steht nicht auf der Liste.
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Dieses Buch sagt dir nicht, wie du dein Geld ausgeben sollst. Wenn ich (oder jemand anderes) ein solches Buch schreiben könnte, hieße es vermutlich: Die Wissenschaft des Geldausgebens.
Mich interessiert eher die Kunst des Geldausgebens. Kunst lässt sich nicht auf eine allgemeingültige Formel reduzieren. Kunst ist vielschichtig, oft widersprüchlich und bietet ein Fenster zur eigenen Persönlichkeit. In die Kunst des Geldausgebens spielen Aspekte wie Individualität, Gier, Eifersucht, Status und Reue hinein. Darum geht es in diesem Buch.
Ich versuche, die Kunst des Geldausgebens aus verschiedenen Blickwinkeln anzugehen. Aber ein paar gemeinsame Nenner gibt es:
1.Es gibt zwei Möglichkeiten, Geld zu verwenden. Du kannst es als Werkzeug benutzen, um dein Leben zu verbessern. Oder du machst es zum Maßstab für deinen Status, um dich mit anderen zu messen. Viele Menschen streben Ersteres an, jagen letztlich aber ihr ganzes Leben Letzterem nach.
2.Geld ist ein Werkzeug. Aber wenn du nicht aufpasst, benutzt es dich. Geld ist imstande, uns gnadenlos zu versklaven, ohne dass wir es merken. Für viele Menschen ist Geld sowohl ein finanzieller Aktivposten als auch eine psychologische Belastung. Die blinde Gier nach mehr kann deine Identität und deine Persönlichkeit kapern und Dinge im Leben ausblenden, die dich glücklicher gemacht hätten.
3.Geld auszugeben mag glücklich machen, allerdings oft indirekt. Mit Geld selbst kannst du kein Glück kaufen, aber es kann dich unabhängig machen und dir zu einem Lebenszweck verhelfen – zwei Hauptzutaten für ein glückliches Leben. Ein großes, schönes Haus mag uns erfreuen, aber vor allem dadurch, dass wir dann eher Freunde und Familienmitglieder zu uns einladen – und die machen uns dann glücklicher.
4.Dauerhaftes Glück beruht auf Zufriedenheit, daher sind tendenziell diejenigen finanziell am glücklichsten, die es geschafft haben, nicht mehr über Geld nachzudenken. Wir dürfen Reichtum schätzen, würdigen und sogar bewundern. Aber wenn Geld uns nicht mehr loslässt, sind wir wahrscheinlich davon besessen und lassen uns davon kontrollieren. Am besten nutzt du Geld als Mittel, um deine Persönlichkeit auszuleben, aber lass dich niemals von Geld definieren.
5.Wer ein besseres Leben nicht klar für sich definieren kann, geht gern davon aus, es hinge mit »mehr Geld« zusammen. Doch manchmal verschleiert Geld nur tieferliegende Probleme. Klar, Geld gibt ein wunderbar konkretes Ziel ab, und für diejenigen, die noch nicht herausgefunden haben, was ihre Seele wirklich nährt, bietet die Jagd nach Vermögen den Weg des geringsten Widerstands.
6.Jeder ist in der Lage, sein Geld so auszugeben, dass es ihn glücklicher macht. Aber es gibt keine allgemeingültige Formel dafür. Ein kleiner Luxus, der mich erfreut, erscheint dir vielleicht verrückt und umgekehrt. Bei Debatten über Lebensstil reden meistens nur Menschen mit unterschiedlichen persönlichen Vorlieben aneinander vorbei. Der Autor Luke Burgis formuliert es so: »Sobald wir unsere Grundbedürfnisse als Lebewesen befriedigt haben, treten wir in das menschliche Universum des Begehrens ein. Und es fällt uns viel schwerer zu erkennen, was wir wollen, als was wir brauchen.«3
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In seinem 1907 erschienenen Buch The Quest of the Simple Life beschreibt William Dawson, wie viele Zugehörige seiner Schicht in London ihr Leben lang nach Geld und Erfolg strebten, aber trotzdem unglücklich wirkten.
Diejenigen, die ein einfaches Leben auf dem Land führten, wirkten im Vergleich dazu geradezu euphorisch.
Vor allem beobachtete er, wie diejenigen, die dem Geld hinterherliefen, völlig von ihm vereinnahmt wurden. Sie waren dermaßen vom Reichtum besessen, dass er ihren Verstand, ihre Beziehungen und ihre Lebensqualität steuerte. Was sie für eine Strategie hielten, ihre Lebensqualität zu erhöhen, verkam zu einer Ideologie, der sie sich unterwarfen wie einem unsichtbaren Diktator. Sie sehnten sich nach mehr Geld, um glücklicher zu werden. Doch mit Geld ließ sich alles kaufen – außer der Fähigkeit, nicht davon besessen zu sein. Das führte zu ständiger Angst, die sie wiederum unglücklich machte. Sie befanden sich in einem Teufelskreis und merkten es oft nicht einmal.
Manchmal beeinflussen Dinge, die wir erwerben, unser Verhalten so sehr, dass nicht klar ist, ob wir eine Sache besitzen oder sie uns besitzt. Benjamin Franklin brachte das perfekt auf den Punkt: »Manch einer glaubt, er erwerbe Vergnügen, obwohl er sich in Wirklichkeit von ihm versklaven lässt.«4
Dawson hielt das einfache Leben für besser, in dem das Geld dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Dieses »einfache« Leben durfte durchaus extravagant aussehen und sich in edlen Landhäusern abspielen, von luxuriösen Objekten umgeben. Welchen Lebensstil wir wählen, spielt fast keine Rolle – es zählt allein, dass wir uns bewusst für ihn entscheiden und nicht blind auf den schönen Schein hereinfallen. Dawson schrieb, er strebe nicht danach, sein Leben zu bestreiten, sondern wirklich zu leben. Nur ein Narr, meinte er, würde sein wirkliches Leben opfern, um endlos einem imaginären besseren Leben nachzulaufen.
Unsere Suche nach einem einfachen Leben – wie auch immer es aussehen soll – beginnt mit einer tiefen, forschenden Selbstreflexion. Darum geht es im nächsten Kapitel. Es handelt von Kindern, die nirgendwo hineinpassen.
