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Sepsis – Jede Minute zählt! Mit der dritthöchsten Sterberate in Deutschland ist Sepsis ein akuter Notfall, vergleichbar mit Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese heimtückische Erkrankung kann aus einer alltäglichen Infektion entstehen und betrifft jeden von uns. Doch sie bleibt der Öffentlichkeit und vielen Ärzten weitgehend unbekannt. Mein Buch hebt die Sepsis aus dem Schattendasein und sensibilisiert für ihre Gefahr. Ich teile nicht nur meine eigenen Erfahrungen als Betroffene, sondern gebe auch Angehörigen und medizinischem Personal eine Stimme. Jeder Blickwinkel und jedes diagnostische Geschick sind entscheidend, um die stille Gefahr zu erkennen. Aufklärung und Verständnis können Leben retten und Schlimmeres verhindern. Mein Buch ist mehr als meine persönliche Geschichte, als ich im August 2021 in 1.800 Höhenmeter in den Schweizer Alpen vor der lebensbedrohlichen Herausforderung einer Sepsis stand, die meinen Traum von der Arbeit auf einer Alp abrupt beendete. Es ist eine inspirierende Quelle der Kraft und Unterstützung für alle, die gemeinsam die unsichtbare Bedrohung der Sepsis verstehen, bekämpfen und neuen Mut schöpfen wollen. Tauchen Sie ein und erfahren Sie, warum die Auseinandersetzung mit der Sepsis lebenswichtig ist und jeden betrifft. Buch mit Playlist der Band S7EBTERRAUM Tauchen Sie ebenfalls musikalisch in mein Buch ein und entdecken Sie die Playlist der Band S7EBTERRAUM. Die Verbindung aus Musik und Text spiegelt meine Gefühlswelt rund um meiner Sepsis-Erkrankung perfekt wider. Die Songs bieten eine passende musikalische Begleitung zu meiner Geschichte und laden dazu ein, sich noch tiefer in meine Erfahrungen einzufühlen. Erleben Sie die emotionale Reise durch meine Erzählung mit den begleitenden Klängen. Entdecken Sie die Playlist von S7EBTERRAUM und lassen Sie sich von den Songs inspirieren, während Sie mein Buch lesen. Link zur Playlist auf SEPSISHELDEN.com / Mein Buch.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Meine Motivation für dieses Buch: Gemeinsam stark gegen Sepsis
Über die Autorin
Vorwort
Einführung in die Sepsis und seine Unsichtbarkeit
Persönliche Erfahrung und Diagnose
Kampf ums Überleben
Medizinische Intervention und Behandlung
Unterstützung durch medizinisches Personal und Angehörige
Emotionale Auswirkungen und Bewältigung
Blick in die Zukunft
Schlusswort
Empfehlungen
Impressum
Impressum
Heike Spreter-Krick
Überlebenskampf Sepsis
Von der Alp direkt auf die Intensivstation
und mein Weg in ein neues Leben
Persönliche Erfahrungen, Angehörigenperspektiven
und medizinische Einblicke
Mit diesem Buch möchte ich eine umfassende Informations- und Unterstützungsquelle für Betroffene, ihre Familien und auch das medizinische Personal schaffen. Es ist mehr als nur eine persönliche Erzählung; es ist meine Geschichte aus drei Perspektiven sowie ein Aufruf zum Handeln und zur gemeinsamen Stärke gegenüber der Sepsis.
Im August 2021 durchlebte ich eine äußerst lebens-bedrohliche Situation, die in der Abgeschiedenheit auf einer Schweizer Alp – auf 1.800 Höhenmetern mit nur vier Personen – ihren Anfang nahm. Innerhalb von nur drei Tagen erkrankte ich so schwer, dass ich bewusstlos wurde und erst wieder auf der Intensivstation aufwachte. Völlig still und leise trieb in mir eine Sepsis ihr Unwesen. Ich überlebte nur knapp.
Sepsis – ein Begriff, der oft im Verborgenen bleibt, aber mit der dritthöchsten Sterberate in Deutschland ein drängendes, oft übersehenes Problem darstellt. Diese unsichtbare Bedrohung, vergleichbar mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, birgt eine enorme Gefahr, bei der jede Minuten zählt!
Blutvergiftung konnte ich eher nachvollziehen, doch wenn ich an Blutvergiftung denke, erscheint automatisch das Bild eines rostigen Nagels und eines roten Strichs am Arm vor meinen Augen. Auf der Alp hatte ich mich jedoch nicht verletzt, auch gab es keinen sichtbaren roten Strich. Stattdessen begannen meine Beschwerden mit starken Schluckbeschwerden. Viele, einschließlich meiner selbst damals, sind sich nicht bewusst, dass eine Sepsis aus einer einfachen Infektion entstehen kann.
Mit meiner persönlichen Sepsis-Erfahrung möchte ich das Bewusstsein für diese Gefahr schärfen und darüber aufklären, was es bedeutet, an einer Sepsis zu erkranken. Mein Ziel ist es, die stille Gefahr in den Fokus zu rücken, damit nicht mehr so viele Menschen daran sterben oder lebenslang mit den Spätfolgen kämpfen müssen, wie auch ich es tue.
Dank der raschen und kompetenten Hilfe des schweizerischen medizinischen Personals konnte mein Leben gerettet werden. In den medizinischen Berichten und den von mir gesammelten Informationen veranschauliche ich, wie meine Behandlung ablief. Es ist nicht immer einfach, in einer Notfallsituation die medizinischen Entscheidungen und Behandlungen zu verstehen und den Überblick zu behalten – weder für Betroffene noch für Angehörige.
Aus diesem Grund ist es mir besonders wichtig, dass auch meine Familienmitglieder in diesem Buch zu Worte kommen. Denn nicht nur wir Betroffene und die Medizin stehen im Kampf gegen diese unsichtbare Krankheit, sondern auch unsere Partner, Partnerinnen, Kinder, Eltern und andere. Die Hilflosigkeit des bloßen Zuschauens ist nicht weniger schrecklich und belastend.
Meine Intention des Buches ist es, Mut, Verständnis und Hoffnung zu vermitteln, um gemeinsam gegen die stille Gefahr der Sepsis anzutreten.
Hier zählt jede Seite genauso wie jede Minute im Kampf gegen diese Erkrankung. Werde Teil einer bewegenden autobiografischen Reise aus drei Blickwinkeln, die sowohl mein Überleben aufzeigt als auch Hoffnung, Erkenntnis und Stärke schenkt.
Heike Spreter-Krick, Jahrgang 1970, ist eine lebenslustige Frau, deren Lebensweg von verschiedenen Krankheiten gezeichnet ist. Von Neurodermitis ab dem 6. Lebensjahr über eine Krebserkrankung mit nur 30 % Heilungschancen im Alter von 16 Jahren bis hin zu Migräneanfällen, Schilddrüsenunterfunktion, den Wechseljahren seit dem 40. Lebensjahr. Operationen wie der Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter sowie einer beidseitigen Brust-OP. Sie selbst sagt von ihrem Körper, dass er einem Schnittmuster gleicht.
Im August 2021 wird sie erneut mit einer gefahrdrohenden Situation konfrontiert, diesmal in der Abgeschiedenheit der Schweizer Berge, wo sie innerhalb von drei Tagen an einer Sepsis lebensbedrohlich erkrankt.
Ihr Leben dient als inspirierendes Beispiel für die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers und Geistes. Trotz der dunkelsten Momente hat sie immer wieder die Kraft und den Mut gefunden, sich aus herausfordernden Situationen zu befreien und das Leben mit frischer Energie und Entschlossenheit neu zu gestalten und zu lieben.
Heike Spreter-Krick hat die Community-Plattform SEPSISHELDEN.com ins Leben gerufen, da sowohl sie als auch ihre Angehörigen den Bedarf nach einem Ort für den Austausch und den Zugang zu vielfältigen
Unterstützungsmöglichkeiten verspürten, sei es durch schulmedizinische, alternative Heilmethoden, Bücher, Kurse etc.
Sie ermutigt alle, sich hier zu registrieren und aktiv am Austausch teilzunehmen, denn nur gemeinsam können wir uns unterstützen, helfen und weiterentwickeln.
Sepsis kann jeden treffen! Obwohl auch in Deutschland Sepsis die Nummer eins bei den vermeidbaren Todesursachen ist, sind die Möglichkeiten der Vermeidbarkeit und die Tatsache, dass Sepsis als Notfall wie Schlaganfall und Herzinfarkt behandelt werden muss, kaum bekannt. Deshalb ist das Buch, in dem Frau Heike Spreter-Krick die wichtigsten Lehren aus ihrem Überlebenskampf gegen Sepsis schildert, so wichtig.
Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist die schwerste Komplikation von Infektionskrankheiten. Dies gilt auch für Pandemien. Verursachende Erreger sind Bakterien, Viren, Pilze und Einzeller wie Malaria. Sepsis entsteht, wenn das Immunsystem nicht mehr in der Lage ist, eine Infektion lokal zu begrenzen. Die dann in die Blutbahn eindringenden Infektionserreger lösen im gesamten Körper eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems aus, die, im Sinne eines Kollateralschadens, zu einer Schädigung der körpereigenen Organe und Gewebe führt. Die klinischen Manifestationen einer Sepsis sind ein oft tödliches Multiorgan- und Kreislaufversagen. Dreiviertel der Überlebenden leiden an erheblichen Langzeitfolgen.
Nach aktuellen Schätzungen ist weltweit für das Jahr 2019 von insgesamt 13,7 Millionen sepsis-bezogenen Todesfällen auszugehen. Von diesen wurden 8,9 Millionen durch bakterielle Erreger verursacht. In diesen Schätzungen sind die pandemiebedingten Todesfälle durch die COVID-19-Pandemie nicht enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von mindestens 15 Millionen Toten durch COVID-19 aus. Dass Sepsis nicht vorwiegend durch infizierte Wunden, sondern am häufigsten durch Infektionen der Atemwege, des Bauchraums, der Nieren und Harnwege verursacht werden kann, ist zu wenig bekannt. Die meisten Menschen wissen auch nicht, dass viele durch Viren verursachte Infektionskrankheiten wie Grippe, COVID-19 und Ebola zu einer Sepsis führen können.
Nach Schätzungen mussten in Deutschland 2019 eine halbe Million Menschen wegen einer Sepsis im Krankenhaus behandelt werden, etwa 140.000 der Erkrankten sind bereits im Krankenhaus verstorben. Es ist auch davon auszugehen, dass drei Viertel der 360.000 Überlebenden an Langzeitfolgen einer Sepsis leiden. Dazu gehören Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, erhebliche körperliche Einschränkungen infolge des Verlustes von Gliedmaßen, chronische Schmerzen und Müdigkeit, Muskelschwund und Depressionen. Ein Drittel der Betroffenen wird neu pflegebedürftig. So wie bei Frau Spreter-Krick sind bei vielen Sepsis-Betroffenen die Sepsisfolgen äußerlich kaum sichtbar. Aus Unkenntnis über die Möglichkeit von Langzeitfolgen bei vielen Ärzten, Kranken- und Rentenversicherungen und Arbeitgebern werden diese oft als psychosomatisch abgetan und die Betroffenen nicht ernst genommen.
Die meisten der Todesfälle und auch Langzeitfolgen sind durch Infektionsvorbeugung wie Impfungen und die Beachtung der Hygieneregeln, Sepsis-Früherkennung und Behandlung der Sepsis als Notfall vermeidbar. Um Sepsis in Deutschland und auch auf internationaler Ebene zu einer Priorität für die jeweiligen Gesundheitssysteme zu machen, hat die Sepsis-Stiftung 2013 ein Memorandum für einen Nationalen Sepsisplan initiiert und gehörte zusammen mit der Global Sepsis Alliance zu den treibenden Kräften für die Verabschiedung einer Sepsis-Resolution durch die World Health Assembly (WHA). In dieser Resolution werden die Mitgliedsländer der WHA aufgefordert, Maßnahmen zur Verbesserung der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Sepsis zu ergreifen und langfristig in ihre Gesundheitssysteme zu integrieren.
Heike Spreter-Krick hatte großes Glück im Unglück. Hätte sie und die Menschen, mit denen sie zur Zeit der Entwicklung ihrer Sepsis zusammen war, die Frühzeichen einer Sepsis gekannt und gewusst, dass Sepsis als Notfall gehandelt werden muss, hätte sie sich viel früher in ärztliche Behandlung begeben können. So wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein langwieriger Aufenthalt auf der Intensivstation mit zunächst unklarem Ausgang vermeidbar gewesen. Ihr großes Glück bestand darin, dass sie ins Kantonsspital Luzern eingeliefert wurde, einem Krankenhaus mit einer hochqualifizierten Ärzteschaft, die sich hervorragend mit der Behandlung von Sepsis auskennt und deshalb schnellstmöglich die lebensrettenden intensivmedizinischen Maßnahmen ergriffen hat.
Umfragen und wissenschaftliche Erhebungen in Deutschland legen nahe, dass oft das medizinische Personal der ambulanten Rettungsdienste und in den Notaufnahmen der Kliniken nicht ausreichend über Sepsis informiert ist. Auch bei der Versorgung von innerklinischen Notfällen gibt es in Deutschland im internationalen Vergleich ein großes Verbesserungspotential. Diese Defizite in Kombination mit der Unkenntnis der Allgemeinbevölkerung über die Präventionsmöglichkeiten und Frühsymptome einer Sepsis erklären, warum die Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland mit etwa 30 % fast doppelt so hoch ist wie zum Beispiel in Schweden und Australien.
In Australien beispielsweise konnte durch die verbindliche Schulung des medizinischen Personals in allen Krankenhäusern und die Einführung fachübergreifender innerklinischer medizinischer Notfallteams und die Aufklärung der Pflegekräfte in den Krankenhäusern über die Frühzeichen von akut lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie Sepsis, die Sepsis-Sterblichkeitsrate zwischen 2000 und 2017 innerhalb von zwölf Jahren von 35 % auf 18 % reduziert werden. Die Sepsis-Stiftung fordert deshalb seit Jahren die verpflichtende Einführung dieser Qualitätssicherungs-Maßnahmen für alle Akutkrankenhäuser. Wir fordern auch eine bundesweite Aufklärungskampagne über Infektionsprävention und Sepsisfrüherkennung, wie dies seit Jahrzehnten mit großem Erfolg für die Aufklärung über AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionskrankheiten Standard ist. Diese Aufklärungsmaßnahmen haben erheblich dazu beigetragen, dass in Deutschland die Inzidenz von AIDS auf drei pro 100.000 Einwohnern zurückgegangen ist, während die Inzidenz von Sepsis in Deutschland über 700 pro 100.000 Einwohnern liegt.
Es ist erfreulich und von großer Bedeutung, dass Geschichten wie diese aufgeschrieben werden. Heike Spreter-Krick hat mit ihrem Buch ihre eigenen Erfahrungen, aber auch eine wichtige Botschaft niedergeschrieben: Es ist höchste Zeit, dass Sepsis in der öffentlichen Wahrnehmung sowie auf politischer und medizinischer Ebene die notwendige und dringliche Aufmerksamkeit erfährt. Ihr Antrieb für dieses Buch lautet „Gemeinsam stark gegen Sepsis“.
Ich wünsche mir von Herzen, dass dieses Werk nicht nur informiert und so bei der Leserschaft individuell dazu beiträgt, Sepsis zu vermeiden und ggf. früher zu erkennen, sondern dass die Lektüre auch dazu beiträgt, das Bewusstsein für Sepsis zu schärfen und Menschen dazu ermutigt, sich aktiv im Kampf gegen diese unterschätzte Gefahr einzusetzen.
Denn Sepsis kann jede und jeden von uns zu jeder Zeit treffen. Sie bedeutet unsagbares menschliches Leid für die Betroffenen und ihre Familien. Darüber hinaus ist Sepsis auch in Nicht-Pandemiezeiten von hoher gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Diese ergibt sich aufgrund der erheblichen finanziellen Kosten für die Akutbehandlung und die Rehabilitationsmaßnahmen, die Belastung der Sozialsysteme und des Arbeitsmarkts, infolge der Langzeitfolgen, mit neuer Pflegeabhängigkeit, Frühberentung und Langzeitarbeitsunfähigkeit.
Professor Konrad Reinhart ML Berlin, im April 2024
Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall sind weitläufig bekannte Bedrohungen und werden von nahezu allen Menschen sehr ernst genommen. Klagt jemand über plötzlich auftretende Schmerzen im Brustkorb oder hat plötzliche Lähmungserscheinungen, wird fast immer intuitiv richtig gehandelt und umgehend ein Notruf abgesetzt, der die Rettungskette in Gang setzt. Die Rettungskräfte und Notaufnahmen sind bis ins letzte Detail auf solche Notfälle eingestellt, haben Ablaufschemata, Medikamente und Handlungsabläufe so optimiert, dass meist innerhalb kürzester Zeit rettende Maßnahmen, sogenannte Chest-Pain- bzw. Stroke-Units, eingeleitet werden.
Auch eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine Infektion im Körper ausgelöst wird (siehe Abb. 1). Ihre Folgen sind ebenso dramatisch wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wenn der Körper auf die auslösende Infektion anspringt, kann es zu einer Überreaktion kommen, die zu Organversagen und einem gefährlich niedrigen Blutdruck führen kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einem septischen Schock kommen. Dies ist eine schwerwiegende Form der Sepsis, bei der der Blutdruck so niedrig ist, dass es zu einem mehrfachen Organversagen und zum Tod führen kann. Die Symptome von Sepsis und septischem Schock können Fieber, niedriger Blutdruck, Schüttelfrost, Atembeschwerden, Verwirrung und Bewusstseinsstörungen umfassen (siehe Abb. 2).
Heute sterben mehr Menschen an den Folgen einer Sepsis als an Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Jeder 6. Todesfall in einem deutschen Krankenhaus steht in zeitlichem oder kausalem Zusammenhang mit einer Sepsis.
Beschreibung von Sepsis-Beispielen aus der Sicht des Hausarztes
Kopfschmerzen
Herr R. hatte sich sehr kurzfristig und dringlich einen Termin in meiner Akutsprechstunde gebucht. Ich wunderte mich, denn normalerweise war er ein seltener Gast, der immer nur zu Routinekontrollen wegen seines Bluthochdrucks in die Sprechstunde kam und ansonsten ärztliche Kontakte mied. Er war selbstständig und immer sehr beschäftigt, bei seinen Besuchen eher wortkarg und bemüht, so schnell wie möglich wieder gehen zu können.
Als ich ihn aufrief, wirkte er sehr aufgebracht, kam sehr zügig in mein Zimmer und begann noch vor dem Platznehmen, über die Medikamente zu schimpfen. Er habe festgestellt, dass diese nicht mehr wirken würden, er habe furchtbare Kopfschmerzen und festgestellt, dass sein Blutdruck daran schuld sei, der sei die ganze Zeit viel zu hoch, trotz der Tabletten. Dabei waren seine Vorwürfe inhaltsleer und seine Schilderungen zusammenhangslos. Ich konnte ihn kaum bremsen und war sehr beunruhigt, denn so kannte ich ihn nicht. Ich überzeugte ihn, dass ich zunächst seinen Blutdruck messen dürfte.
Beim Testen fiel mir auf, dass Herr R. sehr warm war, die Fiebermessung zeigte 40,3 °C. Bei der körperlichen Untersuchung stellte ich einen sogenannten Meningismus fest, eine „Genickstarre“, die auf eine Entzündung der Hirnhäute hinweisen kann. Der Blutdruck des Patienten war 110/90 mmHg, seine Herzfrequenz war 118/min. Mit Verdacht auf einen beginnenden septischen Schock unklarer Ursache meldete ich den Notfall bei der integrierten Leitstelle. Herr R. wurde mit notärztlicher Begleitung in ein Haus der Maximalversorgung aufgenommen und musste dort für fünf Tage intensivmedizinisch und weitere zehn Tage normal stationär behandelt werden. Die Ursache für die Sepsis konnte letztlich nicht vollumfänglich geklärt werden, vermutet wurde aber eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen. Dennoch verlief die Behandlung erfolgreich und Herr R. ist ohne jegliche Folgen genesen. Obwohl das Ereignis mittlerweile ca. acht Jahre zurückliegt, spreche ich oft mit Herrn R. darüber und seine Erlebnisse, die ihm teilweise nur schemenhaft in Erinnerung sind.
Halsschmerzen
Eine 32-jährige Mutter von zwei Kindergartenkindern (zwei und vier Jahre alt) kam wegen leichter Halsschmerzen in unsere Akutsprechstunde. Die Halsschmerzen seien bereits besser geworden, sie sei in den Tagen zuvor wesentlich kränker gewesen. Beide Kinder wären in der vorigen Woche krank gewesen und im Kindergarten seien Streptokokken „umgegangen“. Weil sich die Eltern der Patientin zu Besuch angekündigt hatten, um beim anstehenden Umzug der jungen Familie zu helfen, wollte sie nachfragen, ob man nun in einem Schnelltest noch sehen könne, ob sie auch Streptokokken hatte und ob das dann noch ein Risiko für ihre Eltern sein könne.
In der Untersuchung zeigten sich unauffällige Rachenmandeln, keine Rötung des Rachens, keine vergrößerten Halslymphknoten und kein Fieber. Eine Testung auf Streptokokken erschien somit wenig sinnvoll, einen Schnelltest hatten wir nicht in der Praxis vorrätig und der normale Rachenabstrich dauert bis zum Erhalt des Ergebnisses mehrere Tage, also zu lang für die Fragestellung. Deshalb vereinbarten wir, dass sie lediglich beobachten sollte, wie sich die Krankheitszeichen entwickeln und sich dann ggfs. kurzfristig noch mal vorstellen.
Die Patientin kam in den folgenden Tagen nicht mehr in unsere Akutsprechstunde, ich ging davon aus, dass sie wieder vollständig genesen war.
Etwa zwei Monate nach dem Besuch der Frau erhielt ich einen Brief von ihrem Ehemann. Er berichtete mir, dass seine Frau in den zwei Tagen nach unserem Termin zunächst immer gesünder und fitter war, dann jedoch innerhalb von wenigen Stunden zunächst Halsschmerzen, hohes Fieber und eine extreme Schwäche entwickelte. In der folgenden Nacht bekam sie starke Bauchschmerzen und musste sich unentwegt übergeben und hatte starke Durchfälle. Er habe seine Frau zur Toilette tragen müssen und sie habe diese nicht mehr verlassen können. Über den ärztlichen Notdienst forderte er telefonisch einen dringenden Hausbesuch an, allerdings veranlasste der Disponent aufgrund der Schilderungen eine sofortige Zuweisung eines Rettungswagens. Leider entschied sich die Besatzung des Rettungswagens jedoch dagegen, die Patientin in ein Krankenhaus zu bringen. Offensichtlich deuteten die Kollegen das Bild als typisch für einen schweren Magen-Darm-Infekt und verwiesen zurück an den ärztlichen Bereitschaftsdienst, der im häuslichen Umfeld eine Infusionsbehandlung und Therapie gegen Übelkeit veranlassen könne.
Nach weiteren zwei Stunden, in denen der ärztliche Bereitschaftsarzt noch nicht bei der Patientin eingetroffen war, ging es der Patientin so schlecht, dass der Ehemann erneut beim ärztlichen Notdienst anrief und die Dringlichkeit schilderte. Seine Frau hatte ihm gesagt, dass sie das Gefühl habe, zu sterben. Es wurde ihm zugesichert, dass der diensthabende Arzt in etwa zwanzig Minuten bei ihm sein sollte. Als dieser dann bei der Familie eintraf, fand er eine kaum mehr erweckbare Frau vor, die auf Ansprache nur noch mit Stöhnen reagierte. Er forderte umgehend einen Notarzt und RTW nach. Bis zum Eintreffen der Verstärkung verlor die Patientin das Bewusstsein, der Bereitschaftsarzt begann mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Unter laufender Reanimation wurde sie in ein nahegelegenes Universitätsklinikum gebracht, in dem sie trotz maximaler Intervention nach fünf Stunden starb. Ursache des Todes war ein septischer Schock, ausgelöst durch einen Streptokokken-Infekt.
Herausforderung Sepsis im Alltag
Schilderungen und Berichte wie die beiden oben genannten finden sich unzählige und jede Fachkraft des Gesundheitswesens kann etliche vergleichbare Verläufe berichten. Im Laufe eines Berufslebens bleiben diese Schicksale nicht aus und nahezu jede/r hausärztlich tätige Ärztin/Arzt erlebt teils schockierende Dinge. Gerade in den Ambulanzen und Hausarztpraxen sehen wir gehäuft scheinbar banale Infekte, die sich teilweise rasant zu fulminanten Gesundheitsproblemen entwickeln. Genau darin liegt auch der Hauptgrund, weshalb eine Sepsis die Geschehnisse überholen kann und alle Maßnahmen letztlich zu langsam oder zu spät ergriffen werden.
Aus jedem noch so banalen Infekt – egal, ob durch Viren oder Bakterien ausgelöst – kann sich eine Sepsis entwickeln und die Symptome können komplett unterschiedlich sein. Zudem besteht das Problem, dass Fieber und Schüttelfrost auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Etliche Symptome der Sepsis treten auch sehr plötzlich und rasch voranschreitend auf.
In der Medizin sprechen wir von der „golden hour of sepsis“, die für ein Konzept steht, welches besagt, dass bei Verdacht auf Sepsis lebensentscheidend sein kann, innerhalb einer Stunde nach Beginn der Symptome eine passende Therapie in Form einer wirksamen Antibiose zu verabreichen. Jede Verzögerung der Behandlung kann bedeuten, dass weitere Organschäden bzw. Organversagen entstehen, was dazu führen kann, dass jede weitere medizinische Intervention immer einen Schritt zu spät kommt.
Was können wir verbessern?
Zunächst gilt es, die Bevölkerung umfassender über die Sepsis zu informieren. Alle Menschen sollten – ähnlich wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall – mit dem Krankheitsbild der Sepsis vertraut sein bzw. für die entscheidend hinweisenden Symptome sensibilisiert werden. Symptome wie z. B. rasch ansteigendes Fieber, Herzrasen, Schwindel, Benommenheit oder Verwirrtheit (siehe Abb. 2) sollten ernst genommen werden.
Vor allem Menschen, die gerade operiert wurden, die chronische Wunden haben oder an Krankheiten leiden, die das Immunsystem schwächen, sollten darüber besser informiert sein.
Abb. 2: Sepsis erkennen, © sepsiswissen.de
Rasches Handeln und Inanspruchnahme medizinischer Hilfe können in diesem Fall lebensentscheidend sein. Besonders wichtig erscheint mir der Hinweis, dass ein bisher nie gekanntes Krankheitsgefühl hellhörig werden lassen muss. Gerade in der Praxis ist es enorm wichtig, wenn Patienten oder deren Angehörige dies dem medizinischen Personal gegenüber klar und deutlich zum Ausdruck bringen. Aussagen von Betroffenen wie z. B. „Ich habe das Gefühl, ich sterbe!“ sind nicht selten und weisen auf die tatsächliche Dringlichkeit einer raschen Diagnostik und Therapie hin.
Vor allem Menschen, die unter einem Immundefizit leiden, sollten standardisiert über das höhere Risiko, an einer Sepsis zu erkranken, aufgeklärt werden. Dazu zählen z. B. Personen mit Krebserkrankungen, mit Immundefekten, mit Therapien, die das Immunsystem schwächen, oder auch Menschen ohne Milz. Insbesondere bei diesem Personenkreis ist eine Aufklärung der Angehörigen enorm wichtig, weil diese im Zweifel am schnellsten verdächtige Veränderungen wahrnehmen können.
Im Gesundheitswesen gibt es stetige Bestrebungen, die Diagnostik und Therapie der Sepsis zu verbessern. Der Fokus der Bemühungen liegt zum einen bei der Optimierung von Diagnose-Scores, zum anderen bei der Straffung zeitlicher Abläufe. Im ambulanten Bereich, also den Praxen und Ambulanzen, sollten Standards zur Erfassung und Auswertung der Vitalwerte im Sinne einer Triage verpflichtend werden. Einfache und schnell durchführbare Maßnahmen wie die Blutdruck-, Herz- und Atemfrequenz- sowie Temperatur- und Sauerstoffsättigungsmessung können wichtigste Hinweise geben. Zu oft werden diese Dinge jedoch nicht erhoben und stattdessen „nur“ das klinische Bild erfasst. Wertvolle Frühwarnsysteme werden somit außer Acht gelassen, was unter Umständen zu einem lebensbedrohlichen Zeitverlust bei Diagnostik und Therapie führen kann.
Insgesamt müssen die genannten Maßnahmen konsequent verfolgt und es muss stetig an der Verbesserung der Strukturen gearbeitet werden. Nur durch eine Optimierung aller Abläufe kann die Rate an schweren septischen Verläufen reduziert und somit die Zahl der tragischen Todesfälle minimiert werden.
Der Beginn: Von Schluckbeschwerden zur lebens-bedrohlichen Sepsis innerhalb von knapp drei Tagen.
Ein Alpsommer in den Schweizer Bergen war, schon seitdem ich mich 2013 mit der Alparbeit beschäftigt habe, mein Traum. Entweder man liebt es oder man hasst es – für mich war es die Liebe zur Natur, der Einfachheit und der Traditionen. Bereits viermal habe ich in Österreich auf Almen gearbeitet. Gäste betreuen und bewirten, Käse machen und alles, was zum Leben in den Bergen dazugehört und anfällt.
Durch die Coronakrise 2020 konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben und hatte entsprechende Kurzarbeit. Nachdem keiner wusste, wann und wie sich Corona und das Leben entwickelt, beschloss ich 2021, meinen Job zu kündigen. Ich suchte mir eine Schweizer Alp, auf der nur der Bauer und ich, den ich vorher kennengelernt hatte, arbeiten würden. Keine Gäste, an denen ich mich mit Corona anstecken könnte. Je weniger Menschen, desto besser. Das war mir wichtig, da ich seit meiner Krebserkrankung, die ich mit 16 Jahren hatte, keine Milz (Asplenie) mehr habe. Außerdem wollte ich das Schweizer Käsemachen und das Kühemelken lernen.
Nach den neun Wochen Alpsommer wollte ich beruflich neue Wege gehen und in einer kleinen Handkäserei arbeiten. So war mein Plan.
Auf der Alp
Vier Wochen bin ich bereits auf der Alp.
Der Donnerstag begann wie ein ganz normaler Morgen auf der Alp. Das Wetter war regnerisch und kühl. Nach dem Aufstehen ging es in den Stall, um die 14 Kühe zu melken. Seit Montag war die Tochter des Bauers mit ihrem kleinen Sohn (sechs Monate) bei uns auf der Alp zu Besuch. Es war eine nette Abwechslung und der Kleine hat viel gute Laune verbreitet. Nach dem Melken haben wir uns zum Frühstücken zusammengesetzt und ich weiß noch, dass ich mich auf mein kleines Brot mit zwei Wachtelspiegeleiern gefreut habe. Wie aus heiterem Himmel traten plötzlich extrem starke Schluckbeschwerden auf, dass mir selbst das normale Schlucken enorme Schmerzen verursacht hat. Ich wusste nicht, was los ist und die Frage des Bauers, ob ich keinen Hunger mehr hätte, habe ich verneint und gesagt, dass ich Schluckbeschwerden habe.
Nach dem Frühstück ist die Tochter des Bauern mit ihrem Sohn abgereist und ich konnte die Arbeit etwas „piano“ angehen, da es am heutigen Tag keinen Käse zu produzieren gab. So konnte ich mich in Absprache mit dem Bauern etwas ausruhen und bei dem sonnigen Wetter noch etwas über die Alp gehen und die für die Alpwiesen schädlichen Pflanzen herausziehen, die diese sonst überwuchern würden. Dick eingepackt, denn es war mir trotz Sonne etwas fröstelig. Immer wieder habe ich Pausen eingelegt und mich in meiner Stube kurz hingelegt, Halsschmerztabletten und Hustenbonbons gelutscht, Erkältungstees getrunken und mir den Hals mit Erkältungsbalsam eingecremt. Aufgrund dessen, dass ich durch meine fehlende Milz etwas anfälliger bin, habe ich meine „Trickkiste“ mit allen Medikamenten, die ich evtl. benötigen könnte, sowie meine Ärztebefunde immer mit dabei. Auch den Holzofen, der in der Nachbarstube stand, habe ich eingeheizt, da er auch meine Kammer gewärmt hat. Pünktlich zum Abendmelken stand ich wieder dick eingepackt im Stall. Die Frage des Bauers, ob es mir besser gehe, habe ich verneint und er hat mich wieder ins Bett geschickt. Dankbar dafür habe ich mich mit gefühlt allen Klamotten, die ich hatte, und zwei Wärmflaschen ins Bett gelegt. Weil sich die Schmerzstärke der Schluckbeschwerden über den Tag hinweg nicht verändert hat, Lutschtabletten und Tees nichts geholfen haben, habe ich mir ein Zwiebelsäckchen gemacht und auf den Hals gelegt. Bevor ich eingeschlafen bin, habe ich meinem Mann eine Nachricht geschickt, dass es mir heute nicht gut gehe. Am Freitagmorgen waren die Schluckbeschwerden genauso stark. Sie hatten sich kein bisschen verändert, was mich gewundert hat. Was hätte ich dafür gegeben, den natürlichen Schluckreflexabzustellen. Es waren Schmerzen, die ich so noch nie kennengelernt hatte.
Beim Bauer habe ich mich fürs Morgenmelken abgemeldet und bin gleich wieder dick angezogen zurück ins Bett, frierend und schlotternd mit neuen Wärmflaschen. Den ganzen Tag habe ich nichts gegessen und getrunken, bin nur einmal aufgestanden, um den Ofen anzumachen, damit meine Kammer etwas warm wird.
Der ganze Tag bestand aus einem Wechselspiel zwischen Schlafen und frierendem Wachsein. Bis dahin wusste ich nicht, wie sich Schüttelfrost anfühlt. Das unkontrollierte Zittern war eine neue Erfahrung für mich.
Natürlich schaute immer wieder der Bauer nach mir und erkundigte sich, wie es mir gehe. Auch wenn es mir schlecht ging, habe ich nicht daran gedacht, einen Arzt aufzusuchen. Wenn man auf einer Alp ist und ca. zwei Stunden zum nächsten Arzt fahren muss, dann macht man das nicht mal eben so. Außerdem war das Wetter die letzten vier Wochen regnerisch und kalt. Eine solche Erkältung ist dann nichts Außergewöhnliches.
Am Abendmelken konnte ich mich ebenfalls nicht beteiligen. Was ich noch wusste und vage mitbekommen habe, war, dass wir am Freitagabend Besuch von einem Pärchen bekommen haben, die eine Woche dableiben wollten. Die Frau war das Jahr vor mir als Unterstützerin auf der Alp gewesen. Ich habe nur Stimmen wahrgenommen und das gemeinsame Fröhlichsein.
Samstag, neuer Tag, neues Glück. Ich bin morgens aufgestanden, um mir einen Tee und ein Müsli zuzubereiten, da ich den vorigen Tag nichts zu mir genommen habe. Die Schluckbeschwerden waren genauso stark wie seit Donnerstag, aber ich war der Meinung, ich brauche etwas im Magen. Irgendwie würde ich es schon runterbekommen. Das Melken habe ich wieder ausgesetzt. Ich war kaum in der Lage, auf den Füßen zu stehen. Zurück in meiner Kammer mit neuen Wärmflaschen habe ich dann allerdings kaum etwas essen und trinken können. Nachdem es mir einfach nicht besser ging, haben wir doch in Erwägung gezogen, zu einem Arzt zu fahren. Aber zuerst die Arbeit.
Der Schüttelfrost hat mich so erschöpft, dass ich immer wieder eingeschlafen bin. Einmal, als ich aufstehen wollte, um den Ofen einzuheizen, habe ich bemerkt, dass mein linker Oberarm schmerzt. In meiner Wahrnehmung habe ich einen blauen Fleck gesehen und mich gefragt, wo ich mich gestoßen haben könnte. Das Aufstehen klappte auch schon schlecht, da ich auf meinem linken Bein nicht stehen konnte. Weil ich dick angezogen war, auch mit Socken, und es mich sehr gefroren hat, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, nachzuschauen, warum mir das Bein so wehtut. Ich hatte dermaßen Schmerzen, dass ich kriechend in die Stube gerobbt bin, um den Ofen anzumachen. Es waren nur drei kleine Holzscheite da und ich war nicht mehr fähig, mir neues Holz zu holen. Also bin ich unverrichteter Dinge wieder zurück ins Bett und irgendwann eingeschlafen.
Ich höre zu einer undefinierbaren Zeit eine Frauenstimme mich fragen, ob ich meine blauen Turnschuhe anziehen wolle. Ich sehe wie im Nebel meine Turnschuhe vor mir und weiß noch, dass ich mich gefragt habe, warum ich sie anziehen soll.
Im Nachhinein frage ich mich, ob ich mir das eingebildet habe. Frage mich, ob ich eine Antwort gegeben habe oder nicht. Frage mich, ab wann ich nichts mehr mitbekommen habe.
Mit fällt es schwer, meine Anfangsphase zu dokumentieren, denn meine Gedanken daran sind teilweise ungeordnet. Auch weiß ich in den Anfängen meines Spitalaufenthaltes nicht, ob meine Empfindungen wahr oder eingebildet sind.
Fünf Tage Intensivstation
Irgendwann später:
Ich bin in einer dunklen Welt. Ich höre nun eine andere Frauenstimme, die zu mir sagt, dass jetzt mein Mann da sei und gleich bei mir sei. Ich frage mich, warum die Frau „Sie“ zu mir sagt. Frage mich, warum mein Mann gekommen ist, obwohl wir ausgemacht hatten, dass er bei dem Regenwetter nicht auf die Alp kommt. Bei dem schlechten Wetter nicht vom Speckgürtel München in die Schweiz fährt. Ich denke gar nicht daran, die Augen zu öffnen …, ich bin nicht hier, ich bin irgendwo anders.
… wieder irgendwann später:
Ich sehe meine Hand mit einer Tropfnadel und ewig vielen Verschachtelungen für unendlich viele Schläuche.
