»Um ehrlich zu sein …« - Paolo Borzacchiello - E-Book

»Um ehrlich zu sein …« E-Book

Paolo Borzacchiello

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Beschreibung

Wie würde die Person, die ich sein möchte, sprechen? Mit seinem geradlinigen und zutiefst humorvollen Stil liefert Paolo Borzacchiello, Experte auf dem Gebiet der sprachlichen Intelligenz, Antworten: Er erklärt, welche Ausdrücke uns daran hindern, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, welche Phrasen wie Zaubersprüche wirken und uns ein gutes Gefühl geben und welche Sätze unser Selbstwertgefühl zerstören und uns daran hindern, glücklich zu sein. Seine Erfahrungen und Tipps bettet der Bestsellerautor in unterhaltsame Anekdoten und bereitet trockene Theorie aus der Sprachwissenschaft in leicht verständlichen Strategien für den Alltag auf. Dabei lässt er auch schon mal drei Gehirne ein Streitgespräch führen oder erklärt, was Harry Potter mit unserer ganz persönlichen Magie der Worte zu tun hat. Ein praktischer Guide, um unseren Umgang mit uns selbst und anderen zu verbessern und das Leben zu leben, das wir wollen.

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Seitenzahl: 259

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Paolo Borzacchiello

»Um ehrlich zu sein ...«

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»Um ehrlich zu sein ...«

Welche Worte du für ein glückliches Leben sagen solltest und welche lieber nicht

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

1. Auflage 2025

© 2025 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Die italienische Originalausgabe erschien 2021 bei Mondadori Libri S.p.A., Milano, unter dem Titel Basta dirlo. Le parole da scegliere e le parole da evitare per una vita felice. © 2021 Mondadori Libri S.p.A., Milano. All rights reserved.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Übersetzung: Teresa Englert

Redaktion: Susanne von Ahn

Umschlaggestaltung: Manuela Amode

Umschlagabbildung: AdobeStock/Mykola Mazuryk

Satz: Christiane Schuster | www.kapazunder.de

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7474-0666-3

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98922-078-2

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Einleitung

Die Magie der Worte

Du bist die Worte, die du verwendest, und du wirst die Worte, die du wählst

Wörter sind wichtig (und machen Leute)

Die drei Gehirne

Vertraust du deinem Gehirn?

Die richtigen Wörter für die richtigen Hormone

Empathie

Die Vorratskammer der Wörter

Welche Wörter man sagen sollte und welche lieber nicht

7 Sätze, die ausdrücken, dass dein Leben aus den Fugen geraten könnte

7 Sätze, die dich daran hindern, die Ergebnisse zu erzielen, die du dir wünschst

9 Sätze, die dein Leben in weniger als drei Sekunden ruinieren

5 Sätze, die dein Selbstvertrauen zerstören und dein Leben ruinieren

7 Sätze, die ausdrücken, dass du gerade einen kognitiven Fehler begehst

5 gefährliche Sätze, die deinen Erfolg beeinträchtigen können

Die 5 schlimmsten Sprichwörter, auf die du nicht hören solltest, wenn du nach einem reichen, erfüllten und glücklichen Leben strebst

9 starke Sätze, die dir in jeder Situation Charisma und Autorität verleihen

5 Sätze, die dafür sorgen, dass es dir noch schlechter geht, wenn du dich sowieso schon mies fühlst

7 Sätze, die dir Tränen in die Augen treiben

5 völlig überbewertete Vorstellungen, von denen du dich auf der Stelle befreien kannst

9 sprachliche Strategien für echtes Wohlbefinden

Anathemata und Zaubersprüche

Die Anathemata

Die Zaubersprüche

Anhang

Die inneren Dialoge der drei Gehirne

Danksagung

Quellen

Über den Autor

Für meinen Vater, Roberto Borzacchiello.Ich stelle mir gerne vor, dass du stolz auf mich bist.

Einleitung

Um ehrlich zu sein: Glück gibt es nicht. Oder besser gesagt, es gibt einen bestimmten biochemischen Mix, den wir gemeinhin »Glück« nennen, eine Mischung aus Hormonen und Neurotransmittern wie Endorphinen, Serotonin, Dopamin und so weiter (wir werden noch mehr über diese Substanzen und ihre Antagonisten erfahren).

Glück als abstraktes Konzept ist daher größtenteils ein Hirngespinst beziehungsweise das Versprechen einer bestimmten Art von Marketing, das Wunder verkauft, wohl wissend, dass sie niemals wahr werden. Glück ist in erster Linie ein chemischer Zustand von kurzer Dauer, der lediglich einen Teil unserer Gefühlswelt ausmacht. Vorzugeben, niemals wütend, traurig oder melancholisch zu sein, ist nicht nur wissenschaftlich gesehen unzutreffend, sondern auch töricht und sogar gefährlich, weil so die falsche Vorstellung entsteht, dass es problematisch sei, nicht immer nur glücklich zu sein. Denn das ist es nicht. Im Gegenteil, genau deshalb müssten jene Gurus mit aller Härte bestraft werden, die das positive Denken bis zum bitteren Ende propagieren, die immer und überall Botschaften verbreiten wie »Alles wird gut«, »Denke positiv«, »Visualisiere dein Glück«. Solche Ansätze schaden mehr, als dass sie nützen. Es ist bekannt, zumindest unter Menschen, die wissenschaftliche Bücher lesen, dass die übertriebene Anwendung des positiven Denkens geradewegs ins Unglück führt, weil es unberücksichtigt lässt, was täglich im Leben jedes Einzelnen geschieht. Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass Menschen, die sich zu sehr in Visualisierungen verlieren, drastisch an Leistung einbüßen, dass, wer sich ständig bemüht, glücklich zu sein, am Ende trauriger ist als andere und dass die dauerhaften Appelle à la »Alles wird gut«, die man sich und anderen aufzwingt, das Gehirn belasten und die Dinge schlimmer machen statt sie zu verbessern.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Ich werde in aller Kürze drei davon untersuchen, denn drei ist meine Lieblingszahl. Zunächst hindert übermäßiges Visualisieren das Gehirn an der Auseinandersetzung mit Szenarien, die es bewältigen muss. Stell dir vor, du bist zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und verbringst Stunden damit, zu visualisieren, dass du und dein Gesprächspartner zufrieden sein werdet und dass alles gut laufen wird. Stell dir dann vor, dieses Vorstellungsgespräch findet statt, und du triffst auf eine Person, die gereizt und angespannt ist, weil sie an diesem Morgen eine schlechte Nachricht erhalten hat – was du in deinen Visualisierungen natürlich nicht vorhergesehen hast. Dein Gehirn wäre also einem völlig anderen Szenario ausgesetzt als jenem, in das es sich im Vorfeld vertieft hat; es gerät in eine kognitive Dissonanz (ein Phänomen, das den Stress beschreibt, der bei der Bewältigung unerwarteter Situationen entsteht, die nicht in unseren Plan passen) und du kannst nur untätig dasitzen und dich fragen, warum die Visualisierungen nicht funktioniert haben. Der zweite Grund hat mit Chemie zu tun: Zu positiv zu denken und dich selbst als allzu glücklich zu visualisieren, fördert die Produktion eines biochemischen Mixes auf der Basis von Dopamin und anderen aufputschenden Substanzen, was dazu führt, dass man drohende Gefahren und die Anstrengungen, die für das Erreichen der gewünschten Ergebnisse erforderlich sind, unterschätzt. Dass wir heute hier sind, ich als Autor und du als Leser, liegt daran, dass unser Gehirn Cortisol braucht, um auf der Hut zu sein vor Gefahren, die das Fortbestehen unserer Spezies bedrohen könnten. Übertriebenes positives Denken ist wie nachts mit 200 Stundenkilometern über die rote Ampel zu rasen, in der Hoffnung, dass schon alles gut gehen wird. Manchmal passiert nichts. Manchmal jedoch passiert etwas Schlimmes. Positives Denken kann unter diesem Gesichtspunkt sogar als antievolutionär betrachtet werden. Der dritte Grund schließlich ist, dass positives Denken um jeden Preis der Funktionsweise des Gehirns drastisch widerspricht. Warst du schon mal sehr wütend und deine Begleitung hat zu dir gesagt: »Schhh … ganz ruhig, nicht aufregen …«? Wie reagierst du darauf? Wie fühlst du dich, wenn du diesen Satz hörst? Das Gehirn lebt in einer Realität, die immer ganz und gar authentisch ist, auch wenn sie nicht unbedingt wahr ist: Wenn du wütend bist, niedergeschlagen oder traurig, ist das Letzte, was du hören willst, dass alles gut wird. Positives Denken kann natürlich gut und nützlich sein, aber sicherlich nicht so, wie es uns bestimmte Bücher und eine gewisse Kategorie von Personen verkaufen wollen, die uns Unsinn einreden, um uns Geld zu entlocken oder damit wir ihren neuen Kurs buchen. Vierundzwanzig Stunden am Tag glücklich zu sein, ist etwas für Langweiler oder Menschen, die nicht von diesem Planeten sind.

Aber auch wenn es Glück nicht gibt, kannst du dennoch lernen, Glück herzustellen, vorausgesetzt, du weißt, wie das Gehirn funktioniert, und lernst, es in deinem Sinne arbeiten zu lassen. Nicht völlig und auch nicht immer, aber ab und zu und in ausreichendem Maß.

Glück gibt es nicht.

Glück wird gemacht.

Und wie macht man Glück?

Stück für Stück, Wort für Wort, Tat für Tat.

Allerdings – so viel vorweg – geht das nicht in ein paar Tagen, wie manch selbst ernannte »Lernexperten« behaupten: In fünf Minuten, einem Tag oder drei Wochen kannst du, wenn es gut läuft, die Gewohnheit entwickeln, dich am Ohr zu kratzen, oder lernen, wie man ein Glas zum Klingen bringt, indem man mit dem Finger über den Rand fährt. Dein Gehirn umzugestalten, es so zu formen, dass es auf positive Impulse reagiert, braucht eine Weile.

Hier kommt daher eine erste wichtige Warnung: Falls du ein Buch suchst, das dir ein gebrauchsfertiges Wunder garantiert, leicht umsetzbar und in wenigen Minuten eingetütet, dann ist dieses Buch nicht das richtige für dich.

Hier gehen wir die Dinge ernsthaft an.

Und das auf politisch unkorrekte Weise.

Ich werde sehr direkt mit dir sprechen und dir Dinge sagen, die du womöglich nicht hören willst. Außerdem werde ich mein Bestes tun, um mit den Mythen aufzuräumen, die leider immer noch verhindern, dass Menschen ihr volles Potenzial entfalten und ihre Ziele erreichen. Schließlich erkläre ich dir ganz einfach, wie es läuft: welche Worte du verwenden und welche du vermeiden solltest, wie man sich daran gewöhnt, traurig zu sein, und wie daran, glücklich zu sein. Das mag anfangs nicht leicht sein, aber wie alles, was dein Leben radikal verändern kann, lohnt es sich, ein wenig daran zu arbeiten.

Wir leben im Zeitalter der Selbsthilfe, der Bücher und Trainer, die dir mit ihren Techniken, ihren Methoden, ihren unglaublichen Strategien Wunder versprechen. Darunter mögen sicherlich auch einige interessante Bücher sein und der ein oder andere, der etwas von seinem Beruf versteht. Aber es ist schon merkwürdig, dass wir in ebendieser historischen Epoche, in der wir buchstäblich mit Selbsthilfebüchern überschwemmt werden, die ewiges Glück versprechen, die höchste Zahl unglücklicher Menschen in der Geschichte unserer Spezies zu verzeichnen haben. Jeder kann auf alle Informationen zugreifen, die Literatur zum Thema Glück ist praktisch endlos, und dennoch sind wir so unglücklich wie nie zuvor.

Wer ist schuld daran? Wer weiß das schon.

Vielleicht vertrauen wir zu sehr auf unser Gehirn, und das sollten wir nicht.

Als ich beschloss, ein Buch über das Konzept des Glücks zu schreiben, habe ich zunächst damit begonnen, eine Liste von Themen zusammenzustellen, über die ich sprechen wollte. Am Ende der Liste angekommen, war ich sehr zufrieden: Neurowissenschaften, Sprachintelligenz, kognitive Verzerrung und vieles mehr – ein beeindruckender Wissensschatz, wie ich fand. Dann hielt ich inne und dachte darüber nach, dass ich auf diese Weise ein Buch schreiben würde, das in Sachen inhaltlicher Qualität zwar anders sein würde als andere, die Herangehensweise jedoch wäre eine ganz ähnliche: eine Zusammenstellung von Studien, Hinweisen und Erklärungen.

Eben das, was alle machen.

Auf andere Art, mit abweichenden Schlussfolgerungen, aber im Grunde das, was alle machen.

In meiner anfänglichen Euphorie war ich kurz davor, den Fehler zu begehen, mich zu stark auf den Inhalt zu konzentrieren und dabei die Funktionsweise des menschlichen Gehirns außer Acht zu lassen und wie schwierig es ist, es »umzuprogrammieren«, vor allem, wenn es seit Langem an eine bestimmte Art und Weise gewöhnt ist.

Das war der Moment, als ich entschied, dass ich mich neben dem Inhalt auch auf die Form konzentrieren musste. Und ich dachte dabei an meinen ersten Roman, La parola magica1, zu Deutsch Das magische Wort, der genau wegen seiner besonderen Form ein großer Erfolg war. Eine Technik, die ich erfunden hatte und die das Gehirn der Leserinnen und Leser buchstäblich umprogrammiert. Dazu habe ich Tausende von Rückmeldungen erhalten. Der Roman funktionierte und funktioniert immer noch, weil die Leute ihn einfach nur lesen müssen, nichts weiter. Um den Rest kümmert sich das Buch. Genauso war es bei Il super senso2 und La quinta essenza3, zu Deutsch Der Supersinn und Die fünfte Essenz: unterschiedliche Geschichten, dieselbe Technik, dieselben beeindruckenden Ergebnisse.

Deshalb entschied ich, diesen Kurs beizubehalten und noch einen Schritt weiterzugehen. Ich dachte an ein Buch zum täglichen Gebrauch für jeden, unabhängig von seinen vorherigen Lektüren. Ein Buch mit verschiedenen Ebenen, gleichermaßen geeignet für den Jugendlichen, der beim nächsten Test selbstsicherer sein möchte, den Topmanager, der sich mit der Präsentation des neuen Budgets herumschlägt, die Mutter, die ihr Bestes bei der Erziehung ihres Kindes gibt, das Paar, das einen Streit konstruktiv beilegen will. Kurzum, ich denke, wir haben uns verstanden: Wörter haben kein Etikett, sie sind keine Business- oder Life-Werkzeuge. Sie sind immer dort, wo du sie gebrauchst. Und sie entfalten ihre Wirkung.

Das Buch, das du gerade liest, ist ebendieses Buch. Ein ehrgeiziges Unterfangen, das mich mehr als einmal auf die Probe stellte und mir zahlreiche schlaflose Nächte bescherte, aber jetzt bin ich ziemlich stolz darauf. Du hältst den weltweit ersten Text in den Händen, der dein biologisches Programm umschreibt und automatisch die Gewohnheitsmuster deines Gehirns umbaut, ausgehend vom Verständnis eines ganz einfachen Prinzips, auf dem ein Großteil meiner Arbeit beruht: Die Wörter, die du verwendest, erzählen, woher du kommst, die Wörter, die du wählst, wohin du gehen willst.

Wörter bilden das Rückgrat des Buches, denn sie sind der Aspekt unseres Lebens, an dem wir sofort erkennen, wie wir gestrickt sind, und auf den wir uns konzentrieren sollten, um wirksame Veränderungen vorzunehmen.

Auf den folgenden Seiten findest du sehr viele Wörter und Sätze, die du jeden Tag sagst oder denkst. Häufig, ohne dir dessen bewusst zu sein. Trotzdem bilden diese Wörter und Sätze die Basis für deine Wirklichkeit in diesem Moment. Wenn du sie verändern, umbauen, verbessern und erweitern willst, musst du nur die Wörter ändern.

Auf den folgenden Seiten findest du daher alles, was du brauchst, um zu verstehen, wie das funktioniert, und du erfährst, was du alles verändern kannst, indem du anders sprichst.

Die Struktur des Buches, das in Kapitel und sehr kurze Absätze mit zahlreichen Listen unterteilt ist, berücksichtigt die Aufnahmekapazität deines Gehirns, das nur sehr wenige Informationen auf einmal verarbeiten und eine begrenzte Menge davon speichern kann. (Dies wird als »Chunking« bezeichnet: Wenn du mehr darüber erfahren oder die komplizierte Version dessen, was ich dir gerade erklärt habe, lesen möchtest, empfehle ich »Learning by Chunking«4.)

Jedes Kapitel baut darauf auf, wie das Gehirn angesprochen werden kann. Diese Möglichkeiten reichen von der Art, wie man die Aufmerksamkeit des Reptiliengehirns erregt, über Verzauberung und Verführung des limbischen Systems bis hin zu technischeren Erklärungen, wie sie der Neokortex liebt. Ich habe die Seiten extra so verfasst, dass alle drei Teile deines Gehirns beim Lesen zufriedengestellt werden: Beim Lesen der einzelnen Passagen lösen die Wörter in dir eine ganz bestimmte biochemische Mischung aus, und zwar den Mix an Hormonen und Neurotransmittern, der nötig ist, um spezifische Gefühle hervorzurufen und bestimmte Verhaltensweisen umzusetzen. Es ist bekanntlich leicht, Cortisol und Serotonin zu produzieren, wenn man weiß, wie. Das Gehirn nimmt alles wörtlich. Es übersetzt das, was du sagst, in Hormone und diese wiederum in Verhaltensweisen. Man könnte also sagen, dass dein Glück die Summe der (chemischen) Resultate ist, die du erzielst, und dass diese Resultate das Ergebnis deines Verhaltens sind.

Jedes Kapitel enthält einige Ideen, die mitunter etwas schwer verdaulich sind und mit denen du schon in Berührung gekommen bist, ohne es zu merken. Lies einfach weiter. Die Wörter erledigen den Rest.

Wie du siehst, habe ich an alles gedacht: Nach 20 Jahren der Forschung und Arbeit mit Sprachintelligenz, Verhaltenspsychologie und Neurowissenschaften ist hier das Buch, das dein Leben verändern wird, während du beim Lesen eine gute Zeit haben wirst. Gut, legen wir los!

Die Magie der Worte

Du bist die Worte, die du verwendest, und du wirst die Worte, die du wählst

Du fühlst dich so, wie du sprichst.So wie du sprichst, fühlst du dich.

Dieser Satz würde genügen, um die Angelegenheit ein für alle Mal zu klären.

Dieser Satz würde genügen, um zu verstehen, dass jedes einzelne Wort, das wir aussprechen oder das wir verneinen, in dem Sinne, dass wir eine Verneinung voranstellen (»Nicht an einen Elefanten denken«, »Keine Sorge«, »Hab keine Angst«), spezifische Bereiche unseres Gehirns aktiviert, die wiederum die Produktion von Hormonen und Neurotransmittern auslösen, die dafür verantwortlich sind, wie es uns geht.

Folglich hängt unser Wohlbefinden in erheblichem Maße von dem biochemischen Mix ab, den wir mit den Wörtern, die wir im Laufe unseres Lebens bewusst oder unbewusst verwenden, buchstäblich aufbauen: bei der Arbeit, mit unseren Familienmitgliedern, Kindern, uns selbst, den Posts, die wir in den sozialen Medien schreiben.

Die Wörter, die wir wählen, zeigen zum einen, wie es uns geht, und offenbaren dadurch unsere innere Welt, zum anderen verstärken und beeinflussen sie diese.

Die gute Nachricht ist: Wir können den biochemischen Mix, der uns nützt, selbst zusammenstellen, indem wir ganz bewusst die richtigen Wörter wählen.

Und das funktioniert so: Jedes Wort, das wir denken oder aussprechen, aktiviert im Gehirn eine semantische Suche, die wiederum eine Reihe an Vorstellungen hervorruft, die mit diesem Wort verbunden sind.

Das ist ein sehr schneller und unbewusster Prozess. Ich gebe dir ein Beispiel: Ich schreibe jetzt das Wort »Elefant«. So, ich habe es geschrieben. Du weißt, wovon ich spreche, richtig? Muss ich jetzt erklären, um welches Tier es sich handelt? Muss ich erwähnen, dass es einen Rüssel hat? Vier Beine und große Ohren? Das wage ich zu bezweifeln, denn all diese Vorstellungen sind bereits im Wort enthalten.

Nun schreibe ich folgenden Satz: »Gestern habe ich ein Tier gesehen, das eine Keksschachtel mit seinem Rüssel gepackt hat.«

Um welches Tier handelt es sich? Einen Elefanten, stimmt’s?

So, jetzt hast du die sogenannten Frames entdeckt. Ein Frame kann unterschiedlich definiert werden, zum Beispiel als »Art und Weise, in der wir unserem Gesprächspartner Informationen präsentieren, um seine Vorstellungen zu beeinflussen«. (Bevorzugst du beispielsweise einen Käse mit 97 Prozent Magermasse oder mit 3 Prozent Fettanteil? Diese Art der Informationspräsentation ist Framing.) Man kann den Frame auch als eine sprachliche Struktur definieren, die Vorstellungen enthält, so wie im Fall von »Elefant«.

Jedes Wort enthält eine Vielzahl von »Dingen«: andere Wörter, Vorstellungen, Bilder, Hormone, Neurotransmitter, Chemie. Auch das lässt sich recht einfach nachvollziehen. Wenn ich jetzt »Spinne!« schreibe, bewirkt das in deinem Gehirn eine schnelle und starke Reaktion. Ganze Bereiche des Gehirns werden aktiviert und suchen nach der Bedeutung des Wortes, wobei sie auch das Ausrufezeichen berücksichtigen, das eine gewisse Dringlichkeit anzeigt. Dann wird die Nachricht an den Hirnstamm weitergegeben, einen Teil des Reptiliengehirns, der die Amygdala enthält, unser Alarmzentrum. Aufgabe der Amygdala ist es, uns vor allem zu schützen, was unser Überleben bedrohen könnte (und eine Spinne, die uns beißen kann, stellt eine echte Bedrohung dar). Daher schickt sie Signale an das endokrine System, das unseren Körper mit Hormonen und Neurotransmittern wie Noradrenalin und Cortisol überschwemmt. Diese fördern vor allem in Kombination bestimmte Reaktionen, die im Bedrohungsfall (ob real oder vermutet, macht für das Gehirn keinen Unterschied) nützlich sind: erhöhter Herzschlag, erhöhter Blutdruck, erhöhte Atemfrequenz. Der Körper bereitet sich also auf die typischen Reaktionen in solchen Situationen vor: Lähmung, Flucht oder Kampf. (Wenn du schon einmal von der »Fight-or-Flight-Reaktion«, der »Kampf-oder-Flucht-Reaktion« gehört hast, bedenke, dass die tatsächliche Reaktion, die du hast, wenn du in Panik gerätst oder einer drohenden Gefahr ausgesetzt bist, »freeze, flight or fight« ist, das heißt Lähmung, Wegrennen und erst, wenn du wirklich nicht weglaufen kannst, Kampf.)

All das geschieht in weniger als 300 Millisekunden, was eine extrem kurze Zeit ist (für das Lesen der Wörter »300 Millisekunden« braucht man viel länger). Und es passiert zehntausendmal am Tag, ohne Unterbrechung und ohne, dass du irgendetwas dagegen tun könntest.

Das Einzige, was du tun kannst, ist, sehr genau auf die Wörter zu achten, mit denen du dich umgibst (das sind nicht nur die Wörter, die du sagst, sondern insbesondere auch die, die an dich oder andere gerichtet werden und die du liest). Wird ein bestimmtes Wort häufig wiederholt, so wird es immer präsenter in deinem Gehirn, und die Auswirkungen fallen extremer aus.

Folglich lautet die erste Regel, die du dir merken solltest: Wird ein Frame heraufbeschworen, verstärkt er sich. Jedes Mal, wenn du etwas benennst, lässt du es existieren, ja, du legitimierst seine Existenz. Das ist übrigens der Hauptgrund dafür, dass die Zauberer in Hogwarts Lord Voldemort »Er, dessen Name nicht genannt werden darf« nennen, denn sie wissen genau, dass er existiert, sobald man ihn benennt.

BENENNUNG: EINE GÖTTLICHE HANDLUNG, DIE DARIN BESTEHT, DEN DINGEN EINEN NAMEN ZU GEBEN, UND FOLGLICH KONTROLLE ÜBER DIESE VERLEIHT

In allen religiösen Erzählungen gibt Gott dem Menschen irgendwann die Macht, Dinge zu benennen (denk nur an Adam im Garten Eden). Eine Sache zu benennen, ihr einen Namen zu geben, ist ein göttlicher und magischer Akt, denn derjenige, der sie benennt, hat die Macht, sie zu kontrollieren, zu definieren, einzuschränken. Dieser uns ureigene Akt verleiht uns die Rolle des Schöpfers von Realitäten. Wenn sich die Herzfrequenz deines Körpers durch einen Reiz erhöht, sucht dein Gehirn nach der Ursache im Außen. Der Grund könnte Angst sein, Erregung, Wut oder Entschlossenheit. Es hängt einzig und allein davon ab, welches Wort du wählst, um den schnelleren Herzschlag zu definieren. Du hast die Macht, die Ursache zu benennen, und je nachdem, welche Wörter du verwendest, eine bestimmte Realität zu erschaffen. Alles, was du aussprichst, wird existieren. Daher gilt: »Es ist so, wie du sagst, und deshalb scheint es für dich so zu sein.« (Ich zitiere mich an dieser Stelle selbst.) In deinen Wörtern steckt dein göttlicher Anteil, du erschaffst dir deinen eigenen Garten Eden.

Solange es sich um ein Buch und ein paar erfundene Beispiele handelt, ist alles so weit in Ordnung. Wir sprechen von Elefanten und Spinnen und führen Experimente im geschützten Raum durch. (Falls du dich beim Lesen dieser Zeilen mitten im Regenwald befinden solltest, gilt das natürlich nicht.)

Die Sache ist, dass wir in unserem Alltag ganz anderen Reizen ausgesetzt sind. An der Tagesordnung sind Wörter wie »falsch«, »Problem«, »schwierig«, »blockiert«, »Angst«, »schlimm«, »schlecht«, »erdrückt«, »Störung«, »stehlen«. Sie begegnen uns überall, in den Sätzen, die wir zu unserem Kind sagen, in den Textnachrichten an unsere Freunde, in Posts auf Facebook, in Telefongesprächen, die wir führen.

Kurz gesagt, eine Riesenmenge Wörter.

Versuch mal, die biochemisch bedenklichen Wörter zu zählen, die du jeden Tag aussprichst, denkst, schreibst, liest und hörst.

Es sind Tausende.

Tausende chemischer Reaktionen.

Und angesichts der Tatsache, dass dein Wohlbefinden direkt mit den chemischen Abläufen in deinem Körper zusammenhängt (schüttet dein Körper Endorphine aus, bist du fröhlich und sorglos, wird er von Cortisol geflutet, bist du ganz anderer Stimmung), müsste dir die Bedeutung der ersten Regel klar sein: Wird ein Frame heraufbeschworen, verstärkt er sich.

Besonders nachdrücklich möchte ich betonen, dass Wörtern eine doppelte Kraft innewohnt. Anders als oft verbreitet wird, haben Wörter eine Macht, die ich als »absolut« bezeichnen würde: Wörter erschaffen alles, Wörter sind alles. Sie sind die Bausteine, aus denen wir die Häuser errichten, in denen wir leben. Ob es Hütten oder Paläste sind, hängt davon ab, wie viele Steine wir verwenden, welcher Qualität sie sind und so weiter. Außerdem sind die Wörter, noch bevor sie die Ohren oder Augen anderer Menschen erreichen, gedacht worden und haben daher bereits ihre chemische Wirkung auf dich ausgeübt, bevor eine einzige Silbe auf der Tastatur getippt oder von den Stimmbändern in Schall umgewandelt wird. Folglich verändern die Wörter, die du ganz bewusst nach den Kriterien wählst, die wir hier besprechen, deine Wirklichkeit, indem sie die kognitive Struktur deines Gehirns und die Chemie in deinem Körper verwandeln. Wie du mittlerweile weißt, löst die Chemie alle weiteren Reaktionen aus: Dein Verhalten hängt mit der Chemie zusammen, die Ergebnisse, die du erzielst, die Art und Weise, wie andere mit dir umgehen, und das noch bevor du überhaupt etwas gesagt hast. Tatsächlich produzieren Wörter bereits, bevor du sie aussprichst, Hormone in deinem Körper. Diese Hormone haben einen Geruch, der von deinem Gesprächspartner in Lichtgeschwindigkeit wahrgenommen wird und der einen Teil zu dem Eindruck beiträgt, den er sich von dir bildet und der dann von deinen Wörtern vervollständigt wird. Letztlich verleihen die Wörter deiner Aussage und dir selbst einen Wert. Wenn du einen Gegenstand, den du für jemanden gekauft hast, als »kleines Geschenk« bezeichnest, dann weißt du inzwischen, dass dieser Gegenstand dadurch weniger wertvoll wird, als wenn du ihn als »ein Geschenk, das ich für dich ausgesucht habe« beschreibst. Wenn du vor dem Sprechen sagst, dass du jemandem »Zeit stehlen« wirst – auch das weißt du mittlerweile –, wird das, was du sagst, durch einen Filter von Stresshormonen hindurch gehört und daher weniger gut ankommen als das Gleiche, eingeleitet mit »Ich komme schnell zur Sache und erzähle dir alles, was es zu wissen gibt«. Genauer gesagt, wirst auch du selbst weniger gut ankommen, denn niemand mag Diebe, Störenfriede und unsichere Menschen, die unsere Zeit verschwenden (à la: »Ich habe eine dumme Frage, die vielleicht gar nicht relevant ist«).

Und damit wären wir bei der zweiten Regel: Wird ein Frame verneint, verstärkt er sich.

Wenn ich »Spinne« schreibe, passiert in deinem Körper dasselbe, als würde ich »keine Spinne« schreiben.

Der Grund ist einfach: Um einen Begriff zu verneinen, muss das Gehirn ihn erst aus dem Gedächtnis abrufen. Denn wie kann man etwas verneinen, das nicht existiert?

Obwohl das ziemlich selbsterklärend ist, verbringen wir unser Leben umgeben von Sätzen, die gegen diese beiden einfachen Regeln verstoßen: »Ich will dir nicht noch mehr deiner Zeit stehlen«, »Ich will dir keine Probleme bereiten«, »Nicht rennen, sonst fällst du hin«, »Es wird keine Schwierigkeiten geben« und »Mach dir keine Sorgen« sind Beispiele dafür.

Gutes Sprechen ist eine der Lösungen für die Frage, die diesem Buch zugrunde liegt: Können wir nach einem erfüllteren, reicheren und glücklicheren Leben streben? Natürlich können wir das. Wir können sogar noch viel mehr: Wir können beschließen, unsere Gegenwart, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft selbst zu schreiben. Wir können buchstäblich zu Drehbuchautoren unseres eigenen Lebens werden.

Beginnen wir mit einer wissenschaftlichen Grundvoraussetzung: Die Vergangenheit und die Zukunft existieren nicht.

Du hast richtig gelesen, die Vergangenheit und die Zukunft existieren nicht.

Unsere Erinnerung ist nicht viel mehr als eine Illusion. Wir erinnern uns nur an einige wenige Ereignisse aus der riesigen Menge unserer Erfahrungen, und wir erinnern uns an sie in der Version, die uns am besten passt. Achtung: Nicht in der »nützlichsten«, sondern so, wie es uns gerade in den Kram passt. Daher können wir unsere Erinnerungen auf verschiedene Arten und mit verschiedenen Wörtern definieren.

Ein Beispiel: »Letzte Woche hatte ich einen schrecklichen Tag, an dem mein Chef meine Arbeit kritisiert hat. Danach konnte ich nicht mit ihm sprechen, weil er gemauert hat.« Diese Episode könnte man auch so erzählen: »Letzte Woche hatte ich einen herausfordernden Tag, an dem ich mit dem Feedback meines Chefs konfrontiert war, was eine delikate Angelegenheit war. Danach konnte ich nicht mit ihm sprechen, weil er im Moment wenig geneigt scheint, eine klare und offene Kommunikationsebene zu mir aufzubauen.«

Im Grunde sprechen wir von derselben Angelegenheit, derselben Erinnerung, derselben Erfahrung. Und doch ist sie völlig verschieden.

Im ersten Fall enthält deine Erinnerung Wörter wie »schrecklich« (Wie, glaubst du, reagiert deine Amygdala, wenn sie dieses Wort erneut hört?), »kritisiert« und »mauern« (Wie, glaubst du, geht es dir, wenn du die Erinnerung einer Mauer im Kopf hast?).

Diese Erinnerung produziert einen biochemischen Mix, der, wie du dir vorstellen kannst, nicht gerade optimal ist. Außerdem weißt du bereits: Erinnerst du dich an etwas Unangenehmes, wird deine Laune schlechter. Erinnerst du dich an etwas Schönes, wird deine Laune besser.

Im zweiten Fall erinnerst du dich an Wörter wie »herausfordernd« und »delikat« (das Adjektiv »delikat« eignet sich gut für Beschreibungen, denn dein Gehirn versteht, was damit gemeint ist, und gleichzeitig werden Assoziationen mit köstlichem Essen geweckt), »wenig geneigt« (was entschieden besser ist als »mauern«) und »klare und offene Kommunikationsebene« (immerhin eine konstruktive Vorstellung, die ausdrückt, in welche Richtung die Beziehung zu deinem Chef idealerweise gehen sollte).

Die Vergangenheit auf eine andere Art und Weise zu beschreiben, ist ein wichtiger Schritt, denn die Erinnerungen beeinflussen die Stimmung: Schlechte Erinnerungen übersetzen sich in schlechte Stimmung, gute Erinnerungen in gute Stimmung. Und das führt unter anderem auch zu einer besseren Gegenwart: Wenn du guterStimmung bist, ist dein Tag heiterer, produktiver und angenehmer.

Du bestimmst deine Vergangenheit, weil du die Wörter wählst, mit denen du sie dir erzählst.

Und du bestimmst auch deine Gegenwart, weil du entscheidest, welche Wörter du verwendest und welche du lieber in der Schublade lässt.

Sogar deine Zukunft bestimmst du: Deine Gegenwart wird morgen deine Vergangenheit sein. Die Art, wie du deinen Tag heute beschreibst, entscheidet, wie du dich an ihn erinnern wirst.

Also schreibst du heute ganz gewiss deine Gegenwart und ebenso deine Erinnerungen von morgen – der Vergangenheit, die du in Zukunft haben wirst.

Klingt wie ein rhetorischer Kniff, nicht wahr? Lies die Zeilen noch einmal aufmerksam durch, um ihre ganze Bedeutung zu erfassen: Indem du heute deine Wörter mit Bedacht wählst, garantieren sie dir morgen eine gute Erinnerung an das, was heute geschehen ist, und damit eine angenehme Vergangenheit und Zukunft. Denn, wenn es wahr ist (und das ist es), dass wir im Vorfeld nicht wissen können, was morgen passiert, dann ist es genauso Teil der Wahrheit, dass du immer selbst entscheidest, wie du damit umgehst, und deine Einstellung ist direkt an die Stimmung geknüpft, die dein Leben prägt.

Wähle heute die Wörter, an die du dich morgen erinnern wirst. Wähle heute deine Vergangenheit und deine Zukunft.

Alles liegt in deiner Hand beziehungsweise in deinen Wörtern.

Wörter sind wichtig (und machen Leute)

Da es sich hier um ein Buch über Wörter handelt, ist es unvermeidlich, die Prozentzahlen zu erwähnen, die immer noch im Internet und auf den Folien vieler Fortbildungskurse kursieren und die gelinde gesagt irreführend, um nicht zu sagen gefährlich sind. Es ist eigentlich bizarr, dass ich immer noch darüber sprechen muss. Ich tue es, weil trotz meiner Aufklärungskampagnen und obwohl online korrekte Informationen verfügbar sind, viele schlecht vorbereitete Kursleiter weiter die völlig falsche Theorie verbreiten, der zufolge Kommunikation zu 7 Prozent verbal, zu 38 Prozent paraverbal und zu 55 Prozent nonverbal erfolgt.

Gewiss ist der Tonfall, in dem wir einen Satz sprechen, wichtig, ebenso wie Gestik und Mimik. Gleichzeitig ist die Verwendung dieser Prozentzahlen, wie bereits erwähnt, wirklich irreführend und aus wissenschaftlicher Sicht ungenau. Ich habe mir mit Vergnügen mehrere Konferenzen von Stephen Hawking angehört, und das Wort für Wort, obwohl bei ihm der paraverbale Aspekt aus offensichtlichen Gründen nicht zu den brillantesten gehört. Übrigens schreibt der Autor, von dem diese Prozentsätze stammen, selbst, dass diese nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden sollten, und hat wegen jener (in seinen Worten) selbst ernannter Experten, die keinerlei Kompetenzen im Umgang mit psychologischen Begriffen haben, einen deutlichen Disclaimer angefügt. Albert Mehrabian5, der Psychologe, über den wir hier sprechen, führte eine sehr detaillierte Studie durch, bei der einige Teilnehmer gebeten wurden, bestimmte emotionale Zustände zu benennen, indem sie den Tonfall ihrer Stimme oder ihre Gesten veränderten. (So sollten sie zum Beispiel »Ich bin glücklich« mit traurigem Tonfall und einem Ausdruck von Ekel sagen.) Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnehmer in diesem Fall mehr auf Tonfall und Mimik vertrauten als auf das Gesagte. Das war alles. Daraufhin hat irgendwer aus Bequemlichkeit diese Daten genommen und sie zur absoluten Wahrheit erklärt. Viele Coaching- und Kommunikationskurse sowie Vorträge zum Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP) beginnen mit Tortendiagrammen genau dieser Daten. Bei näherer Betrachtung ist das ziemlich ironisch: Man verkauft einen NLP-Kurs und behauptet gleichzeitig, dass Wörter nur 7 Prozent der Kommunikation ausmachen? Reiner Wahnsinn. Wörter sind sehr wichtig, wie alles andere auch. Wer dir solche Prozentzahlen verkaufen will, hat entweder keine Ahnung und verdient es daher nicht, dir etwas beizubringen, oder er kennt die Wahrheit und ist absichtlich unehrlich. Was aus meiner Sicht noch schlimmer ist.