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Neuauflage von Anna Naves erstem Gedichtband "umrissen // outlined". Auf Deutsch und auf Englisch. New edition of Anna Nave's first volume of poetry "umrissen // outlined". In German and English.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum // Imprint
Copyright ©2017 Anna Nave
Text, Layout und Umschlaggestaltung
von Anna Nave
www.annanave.com
Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:
tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensberg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich
geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich.
Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig.
3. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-93908-0
ANNA NAVE
umrissen // outlined
Cover
Urheberrechte
Titelblatt
ABDOMINAL RESPIRATION
KOSMOS
UNORDNUNG
ZUSAMMENHANG
SCHWELLE
NICHTS BEWEGT SICH
LETHARGIE
ANKER
TRÄUMEREI
TRAURIGKEIT
ENTER
DEFEKT
MEIN
VIELLEICHT
VERSCHWOMMEN
RUINE
ZERSETZUNG
Cover
Urheberrechte
Titelblatt
ABDOMINAL RESPIRATION
ZERSETZUNG
Cover
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ABDOMINAL RESPIRATION
Mit jeder Welle steigt
die Unsicherheit,
mit jeder Welle steigt
die Angst,
mit jeder Welle steigt
das Schuldgefühl,
es wieder nicht geschafft zu haben.
Doch es geht immer so weiter
Bis sie versteht,
dass sie das Meer
nicht unter Kontrolle haben kann.
//
Every wave raises anxiety,
every wave raises the fear,
every wave raises the feeling of guilt
of not having made it again.
Yet it will continue like this
until she understands
that she cannot keep
the ocean under control.
KOSMOS
Manchmal will ich mich nur zurückziehen. Ich will weg von den anderen. Dann bin ich zurückgezogen und fühl mich zu isoliert. Warum kann ich eigentlich nie zufrieden sein? Ich hab doch jetzt, was ich wollte. Aber ich wollte das auch irgendwie nicht. Ich hatte nur das Gefühl, irgendwie allein sein zu wollen. Aber warum kann ich mich nicht zurückziehen, wenn ich mich zurückziehen will und dann wieder aus mir rausgehen, wenn ich aus mir rausgehen will? Ich zieh mich zurück und kann dann gar nicht mehr raus. Und will beides gleichzeitig. Ich will diesen Raum behalten. Und ich will ihn loswerden. Er hält alles zusammen und beschützt mich. Und gleichzeitig engt er mich ein. Er gibt mir Sicherheit und verunsichert mich. Er ist ein Versteck und er ist eine Falle.
// KOSMOS
Sometimes I just want to seclude myself. I want to get away from the others. Then I am secluded and feel too isolated. Why can’t I ever be content? I got what I wanted. Yet, somehow I didn’t want it. I just felt like I wanted to be alone. Still why can’t I withdraw myself when I want to withdraw and then unwind again, when I want to unwind? I shut myself away and can’t get out again. And want it both at the same time. I want to keep this room. And I want to get rid of it. It holds everything together and protects me. At the same time it constrains me. It makes me feel safe and insecure. It is a hideaway and a trap.
UNORDNUNG
Es ist alles einfach nicht da, wo es sein soll, wie es sein soll, wie es richtig wäre. Es ist einfach nicht in Ordnung. Nichts ist in Ordnung. Nichts ist im Moment an seinem Platz. Und das stört mich und das zerreißt mich. Es zerfrisst mich von innen. Wie ein Messer, das mich von innen her aufschlitzt. Ein ganz stumpfes, das alles ganz grob auseinanderreißt und Fetzen mitzieht und auseinanderschrammt. Es gleitet nicht glatt durch wie eine scharfe Klinge.
Aber es bohrt sich immer tiefer rein und wütet da drinnen und zerreißt alles. Es fährt mit der rauen, stumpfen Klinge überall hin und schürft alles auf.
// DISORDER
Everything is just not where it’s supposed to be, how it’s supposed to be, how it would be right. It is just not in order. Nothing is. Nothing is in its place. And that bothers me and that tears me apart. It is eating away at me from within. Like a knife that slits me open from the inside. A very blunt one that rips it all up very roughly and seams frazzles of skin and pulls them apart. It doesn’t glide through easily like a sharp blade. But it drills in deeper and deeper and rampages in there and tears it all apart. It goes everywhere, with the dull blade, and scrapes up everything.
ZUSAMMENHANG
Ich habe eine Schachtel voll alter Fotos gefunden.
Ich kenne diese Menschen nicht.
Sie sehen mir ähnlich.
Der Vater meines Vaters war ein alter Mann, als ich ihn kannte.
Ich mochte ihn.
Er konnte zeichnen.
Ich kann das auch.
Der Vater meines Vaters war mal ein Soldat.
Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg.
Er trug ein Hakenkreuz an seiner Jacke.
Ich blättere durch die Fotos.
Warte darauf. Suche danach.
Habe Angst davor.
Das Hakenkreuz ist der Beweis.
Sie waren ein Teil davon.
Menschen, aus deren DNA mein Körper sich
zusammensetzt.
Menschen, die mir ähnlich sind.
Bin ich ihnen ähnlich?
Ich fühle mich genötigt, mich zu rechtfertigen.
Ich habe ihre Schuld geerbt.
Ich schäme mich.
Ist das ein Teil von mir?
