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Mit ihrer erfrischend ehrlichen Art animiert uns Guru Jagat Yoga in unser Leben zu integrieren – egal wie fit wir sind. Die international bekannte Kundalini-Yoga-Lehrerin zeigt einfache Stellungen, Atemübungen und kurze Meditationen, die überall praktiziert werden können. Mit ihrem besonderen Ansatz wird aus Kundalini ein Rundum-Yoga, in dem Gesundheit, psychische und geistige Kraft und spirituelles Erwachen auf einmalige Weise zusammenkommen. Sie führen zu einem authentischen und energetischen Leben im Einklang mit sich selbst. Guru Jagat lehrt auf moderne Weise eine alte Yoga-Tradition und befähigt uns: - Kreativität und geistige Klarheit zu fördern, - Stimmung und Energie deutlich zu steigern, - Stress und Angst zu reduzieren, - unseren Stoffwechsel zu verbessern, - die yogischen Schönheitsgeheimnisse zu entdecken, - den Alterungsprozess zu verlangsamen. Mit "Unbesiegbar leben" werden wir in einen einfachen und doch tiefgreifenden Entwicklungsprozess geführt, der uns die ganze Fülle unseres Lebens schenkt.
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Seitenzahl: 297
Veröffentlichungsjahr: 2018
Guru Jagat
unbesiegbar leben
Die Kraft des Yoga. Die Energie des Atems. Die Klarheit des Geistes
Aus dem amerikanischen Englisch von Jochen Lehner
Knaur e-books
Die international bekannte Kundalini-Yoga-Lehrerin Guru Jagat präsentiert einfache Körper- und Atemübungen, kurze Meditationen und Ernährungstipps, die problemlos in unserem Alltag umgesetzt werden können. Mit ihrer erfrischend ehrlichen Art animiert sie uns, Yoga in unser Leben zu integrieren – egal wie fit oder gestresst wir sind. Ihre Botschaft: »Keep it simple. Vergiss Perfektion«. Mit ihrem besonderen Ansatz wird aus Kundalini ein Rundum-Yoga, in dem Gesundheit, psychische und geistige Kraft und spirituelles Erwachen auf einmalige Weise zusammenkommen. Es sind elementare, einfache Praktiken, die jeden zum Schöpfer seiner Erfahrung machen und aus seiner eigenen Kraft leben lassen.
Dieses Buch ist der Goldenen Kette der Lehrer, Meister und Künstler gewidmet, die sich mit Geist und Körper, mit ihrem ganzen Leben und ihrer Kunst der Schönheit, der Freundlichkeit und dem Mitgefühl verschrieben und für die Höherentwicklung der Menschheit eingesetzt haben. Worte können kaum meine Dankbarkeit für die Kostbarkeiten ausdrücken, die meine Lehrer Yogi Bhajan und Harijiwan Khalsa mir zukommen ließen. So gebe ich dieses Werk der Dharma-Kunst als Ausdruck für die nie endende Welle der Liebe für alles, was mir so freigiebig geschenkt wurde.
Ewigen Dank an meine große Liebe John und meine lieben Eltern Nansy, Rabbit und Jamie. Dank auch an Claudia, Libby, das wunderbare Team des HarperCollins Verlags und die großartige Sharon Bowers. Ein leuchtender Stern bist du, Harmonjot. Shabadpreet und Julian, euch danke ich für eure verlässliche Treue und die Bereitschaft, immer da zu sein und euch mit ganzer Kraft einzusetzen. Dank auch an Shane, all die »Götter der Liebe« und den »Club der lebenden und toten Dichter« – ihr seid meine Brüder und Schwestern. Unendlich dankbar bin ich all den Menschen, die Zeit, Geld und Kraft für meine Vision eingesetzt haben und es weiterhin tun. Danke, danke, danke. Nicht zuletzt widme ich dieses Buch der RAMA Community mit ihren wirklich erstaunlichen, beeindruckenden Menschen.
Ich bin eine moderne Frau, die Yoga übt und meditiert, in mancher Hinsicht bin ich auch eine Freiheitskämpferin. Der neue Aktivismus unserer Zeit besteht, glaube ich, im Kampf gegen die Hypnose durch die Medien, den Raub der Lebenskraft durch denaturierte Nahrung und die ganze als unvermeidlich geltende Umtriebigkeit und die darauf folgende Erschöpfung, die »Leben« genannt wird. Von früher Jugend an habe ich mich mit großen Meistern und Lehrern beschäftigt, Männern und Frauen, deren Leben als Beispiele für das im besten Sinne Menschenmögliche gelten können. Ich bin zusammen mit meinem Bruder und unserer alleinerziehenden Mutter unter schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, aber zugleich waren wir auch immer auf der Suche nach Gemeinschaft und Spiritualität, nach einer kreativen Kraft, die die etablierten Religionen nicht bieten konnten. Ich war immer voller Fragen und sehr entschlossen bei meiner Suche, ich ging jeder Fährte nach, um die Dinge – die Realität, meine Identität – immer noch tiefer zu hinterfragen und auf vielen Wegen nach Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks zu forschen.
Als ich bald nach der Wende zum neuen Jahrtausend im Rahmen meiner spirituellen Suche auf die Yoga-Szene stieß, fand ich, eine junge Frau aus sehr einfachen Verhältnissen, die ganze Selbstbezogenheit, die ich da spürte, erst einmal eher abschreckend. Es hatte so viel von dem, was ich in jüngeren Jahren in allerlei spirituellen Gruppierungen erlebt hatte: lauter Leute, für die sich alles um sie selbst und ihre Wehwehchen und letztlich eben um ihre Neurosen drehte. Ich schwor mir, ein spiritueller Mensch zu werden, der wirklich Ernst machen und nichts einfach so »schlucken« würde. Meine spirituelle Praxis sollte grenzenlos und darauf ausgerichtet sein, mir meine Selbsttäuschungen so weit auszutreiben, dass ich für meine Familie und die Gesellschaft, für alle, mit denen ich im Laufe eines Tages in Berührung kam, von Nutzen sein konnte.
Dann lernte ich Kundalini-Yoga kennen. Das war nach den Anschlägen des 11. Septembers in New York, und man spürte einen deutlichen Umschwung im kollektiven Bewusstsein. Nach gerade einmal zwanzig Sekunden in einer höchst merkwürdigen Haltung mit pumpenden Armbewegungen erlebte ich eine körperliche Erhebung und eine Klarheit, wie ich sie bisher mit keinem anderen spirituellen Ansatz auch nur entfernt erreicht hatte, obgleich sie alle ausgiebig davon sprachen. Es gab reichlich Philosophie, vollmundiges Gerede und Theorien über die Höherentwicklung des Bewusstseins, und ich hatte das alles gelesen und mir angehört, aber noch nie hatte ich es live erlebt, schon gar nicht so schnell und so gebündelt.
Zu der Zeit übte ich bis zu zwei Stunden täglich andere Yoga-Formen, aber so etwas war dabei noch nicht vorgekommen. Natürlich wollte ich mehr davon, ich wollte mehr darüber wissen. Ich übte, so viel ich eben konnte, und suchte den Meister dieser Linie, Yogi Bhajan, in seinem Ashram in New Mexico auf. Damals lebte er noch, wenn er auch sehr krank war, und ich hatte zwei Sommer lang Gelegenheit, direkte Übertragungen der Erfahrung des Kundalini-Yoga und der Meditation von ihm zu empfangen. Schnell, wirksam, einfach, tiefgründig. Ich war Feuer und Flamme, ich wollte unbedingt mehr erfahren, mehr üben, viel mehr.
Ich war damals noch sehr jung und wusste nicht so genau, worauf ich hinauswollte oder weshalb, aber ich spürte eine starke intuitive Verbindung, und darüber hinaus war ich stur und fest entschlossen, dem Weg der Selbsterforschung – der Entdeckung meines wahren Ichs mit den Mitteln und profunden Praktiken des Kundalini-Yoga – weiter zu folgen. Und tatsächlich habe ich im Laufe der Jahre durch meine Praxis und durch die Weitergabe all der Geschenke, die mir vermittelt wurden, herausgefunden, wie man die Erfahrung einer höheren Art menschlicher Existenz dauerhaft und tragfähig so anlegen kann, dass es einen zutiefst erfüllt. Das Wie ist für mich hier besonders wichtig, einfach weil wir in einer Zeit leben, die es so noch nicht gegeben hat. Wie schon Yogi Bhajan gesagt hat, brauchen die Menschen mehr denn je etwas, womit sie sich möglichst schnell in Erinnerung rufen können, dass Leben, Liebe, Beziehungen, Arbeit und Kreativität – alles, was wir gern voller und tiefer erleben würden – tatsächlich mehr Tiefe und Befriedigung zu bieten haben.
Die letzten fünfzehn Jahre habe ich verfolgt, wie der Hochdruck des Technologiezeitalters unsere Aufmerksamkeitsspanne immer weiter verkürzt und unsere Vitalität aufzehrt. Mit dem rasanten technischen Fortschritt wachsen die Anforderungen, vor die wir uns täglich gestellt sehen, ins Unermessliche. Und unter diesem zunehmenden Druck zeichnen sich nun ein paar ganz erstaunliche Dinge ab, vor allem das stark wachsende Bedürfnis nach einem Wohlbefinden tieferer Art und nach effektiven Methoden des Stressabbaus – wirksamer als ein Cocktail –, verbunden mit einem zunehmenden Sinn für die Verflochtenheit aller Dinge und dem tiefen Drang nach einer nicht von Geldanlagen, Status oder Aussehen bestimmten Selbstverwirklichung.
Der Druck lässt viele den Blick nach innen richten, um da vielleicht mehr zu finden als dieses vorgestanzte Leben aus Arbeit, Geldsorgen, Sex, Kinderkriegen, ein paar Reisen und dann Ruhestand, schließlich gesundheitlichem Verfall und »Abgang«. Da stoßen sie vielleicht auf die Möglichkeit einer ganz anderen Lebensform – lebendiger, mehr von Begeisterung und weniger von Angst und Bangen bestimmt und letztlich nährender für etwas Tieferes in uns, tiefer als das Überleben des Stärkeren, als Krieg, Konkurrenzkampf, Geld, diese ewige zwanghafte Egozentrik und all das mit einem solchen halsbrecherischen Leben verbundene körperliche und seelische Elend.
Es gibt diesen anderen Weg. Niemand muss sich dafür einer Religion verschreiben oder mit den Händen seine Zehen erreichen können. Jeder kann sich von jetzt an und mit wenig Zeitaufwand an einen tieferen Puls der Lebenskraft anschließen, und das zeigt sich in einem sofortigen Zuwachs an Klarheit, Beherztheit, Kreativität, Unerschrockenheit und dergleichen mehr. Es sind die Säulen dessen, was ich ein »unbesiegbares Leben« nenne, greifbar nah und so leicht in Gebrauch zu nehmen wie unser Handy. In dieser Zeit, in der uns die ganze Welt mit ihrer Informationsfülle und ihren unerschöpflichen Möglichkeiten auf Knopfdruck zur Verfügung steht, brauchen wir etwas, womit wir uns in diesem immer komplexer werdenden Erdendasein zurechtfinden können.
Ich will nicht verschweigen, dass ich voreingenommen bin. Nachdem ich bei so vielen Menschen in wirklich schlimmer geistiger und psychischer Verfassung – Menschen, bei denen man glauben könnte, sie schaffen es keinen weiteren Tag mehr – erlebt habe, wie sie vor meinen Augen gleichsam auferstanden sind, glaube ich felsenfest an die schnell wirkende, lebensverändernde Kraft der Yoga- und Meditationstechniken, die ich dir hier vorstellen werde.
Ich selbst habe tiefe Veränderungen erlebt und genieße jeden Tag das prickelnde Gefühl zunehmender Vitalität und Kreativität und schierer Lebensfreude. Nicht dass es kein Auf und Ab des Lebens mehr gäbe, keine Verluste neben den Gewinnen und keine Fehlschläge neben den Erfolgen. Aber Geist und Körper sind jetzt darauf trainiert, an allem ihre Freude zu haben und alles zu nutzen, um das Mysterium meiner selbst noch ein wenig tiefer zu erfassen.
In diesem Buch möchte ich einige meiner besten Praktiken für Yoga und Lebensführung mit dir teilen. Was mich am Kundalini-Yoga sofort anzog, war das breite Spektrum ganz praktischer, aber auch esoterischer Inhalte, die es hier zu lernen, anzuwenden und zu erleben gibt. Probiere diese Dinge ernsthaft aus, um das zu finden, was dir wirklich gemäß ist.
Das Frische und Moderne an diesen alten Lehren liegt für mich darin, dass sie unabhängig von Alter, Gesundheitszustand, Zeitplanung und Ort für jeden anwendbar sind. Ob du im Krankenhaus liegst oder am Computer sitzt, ob du gerade Zeit hast, dich um dich selbst zu kümmern, eine Berufsausbildung machst oder sportlich trainierst – überall bieten sich Ansatzpunkte für Kundalini-Yoga und Meditation. Wir verfügen über ganze achttausend Techniken, die bei allen Problemen, Fragen und Bedürfnissen ganz gezielt angewendet werden können, und das sofort und gänzlich ohne Zugangsbeschränkung, in Jeans, High Heels, Turnschuhen oder barfuß. Das System ist wirklich umfassend, und die meisten Übungen nehmen ganz wenig Zeit in Anspruch.
Schon deshalb habe ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, diese Techniken zu verbreiten. Auch wenn du den ständig zehrenden Druck mit Medikamenten, Partydrogen, Shopping, Sex oder Ähnlichem zu entschärfen versuchst, solltest du zumindest wissen, dass es andere Möglichkeiten gibt; und die sind billig, leicht zu haben und mit wenig Zeitaufwand verbunden.
Viel Zeit und Kraft kostet dagegen alles, womit wir dem Stress des modernen Lebens wieder und wieder die Spitze zu nehmen versuchen und wovon wir am Ende nichts haben. Das sind unter anderem die permanente Zukunftsangst und die Tendenz, immer dann wegzulaufen, wenn ein Moment der Stille droht, der gerade lang genug sein könnte, um mit jener in uns liegenden Kraft in Berührung zu kommen, die intuitive Intelligenz genannt wird. Es gibt inzwischen immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass unser Nervensystem, die biochemischen Funktionen unseres Körpers und das Hormonsystem – hier insbesondere die Hypophyse und die Zirbeldrüse – uns Menschen zu Bewusstheit, Vitalität und Klarheit befähigen. Außerdem zeigt sich, dass das Gehirn Meditierender buchstäblich anders gebaut ist und auf Stress völlig anders reagiert.
Seit Jahrtausenden experimentieren Yogis, Weise und Meditierende mit dem, was unser geistig-körperlicher Organismus an Stärken, Möglichkeiten und Entwicklungspotenzial bietet, und so können diese Techniken als erprobt und bewährt gelten. Sie werden seit über fünftausend Jahren praktiziert und verändern nachweislich unsere Gehirnwellen, die Körperchemie, die körperliche Vitalität und das Denken. Gerade heute sind diese Techniken und Ansätze ungemein wichtig. Menschen jeder Herkunft und Religionszugehörigkeit, fit oder nicht, wenden sich in großer Zahl Meditation und Yoga zu, um sich in diesem modernen Leben mit all seinen Anforderungen und Wechselfällen noch zurechtzufinden.
Dieses Buch entspringt den Herzen meiner Lehrer und Lehrerinnen und soll durch mein Herz und meine Praxis zu dir finden, damit du dich auf deine Abenteuerreise zu deiner ureigenen Würde, Intelligenz und Anmut begeben kannst. Was ich hier anbiete, reicht vom ganz Praktischen bis zum hoch Esoterischen, umfasst Ruhe und Bewegung und soll dir als Anschub für dein eigenes tiefes Wissen dienen, für die schöpferischen Kräfte der Evolution, die eben jetzt in dir und durch dich am Werk sind. Manches wirst du aufgreifen wollen, anderes vielleicht nicht. Übe, atme, nimm dir ein wenig Zeit für die tieferen Bedingungen von Glück und Erfüllung, die in dir liegen.
Du machst damit ein großes und wertvolles Geschenk – dir und deiner Zukunft, deiner Familie und dieser ganzen Welt.
In Liebe und Ehrfurcht, Guru Jagat
Die aktuelle wissenschaftliche Theorie besagt, dass 97 Prozent unserer DNA ungenutzt bleiben. Dann wäre der allergrößte Teil unserer DNA eigentlich Gerümpel, weil wir ihn nicht in Gebrauch nehmen oder das auch nur anstreben. Diese Wissenschaftler glauben ernsthaft, dass wir 97 Prozent unserer DNA gar nicht einsetzen, und das wären ja 97 Prozent dessen, was wir sind – Geist, Körper und Seele. Ich glaube als yogische Wissenschaftlerin, dass diese ungenutzte DNA unser menschliches Potenzial darstellt, das wir erst noch ins Spiel bringen müssen.
Mit dem Gehirn sieht es ganz ähnlich aus. Die meisten Menschen nutzen nur drei Prozent ihres Gehirns, das heißt seines gesamten Potenzials an Intelligenz. Und ob wir nun sagen, das Gehirn arbeite ja, nur eben ohne unsere bewusste Wahrnehmung, oder es arbeite nicht, könne aber in Betrieb genommen werden – in beiden Fällen gilt, dass wir nur drei Prozent nutzen.
Es könnte so viel mehr. Ich weiß nicht, wie es dir geht, mir jedenfalls ist es wichtig, mehr von meinen Anlagen zu nutzen, was Energie, Intelligenz, Kreativität und die Umsetzung von Möglichkeiten angeht. Genau darauf zielt Kundalini-Yoga, und zwar wirkungsvoll und gründlich.
Das Leben lässt sich erheblich erweitern: bessere Gesundheit, mehr Glück und Liebe, gehaltvollerer Erfolg. Yoga besteht aus im Laufe von Jahrtausenden entwickelten und verfeinerten Praktiken, die alle Körpersysteme optimieren und unsere Erfahrung der Realität erhöhen – und die Folgen für alle Bereiche unseres Lebens sind enorm. Kundalini-Yoga ist ein reiner, durchgehender Strom solcher Praktiken und in meiner Überzeugung der leichteste, direkteste und zugänglichste Weg zu deiner persönlichen Form des »unbesiegbaren Lebens«.
Es sind keine bestimmten Voraussetzungen zu erfüllen, um in den Genuss dessen zu kommen, was Kundalini-Yoga uns an Nutzen bringt, keine Gewichte, keine Gelenkigkeit, keine Erfahrung, keine Spiritualität, kein spezifisches Vokabular. Sollten diese Dinge dich allerdings interessieren oder überhaupt erst auf die Matte gebracht haben, ist das alles in der umfangreichen Literatur zum Kundalini-Yoga zu finden. Jedenfalls brauchst du dich nicht erst in eine Höhle zurückzuziehen, um dort zwanzig Jahre zu meditieren. Sei einfach du selbst. Diese Techniken und Praktiken werden sogar noch mehr von deiner Essenz, der in dir liegenden Intelligenz und Wirklichkeit, ans Licht bringen.
Kundalini-Yoga ist für Menschen, die man im alten Indien »Haushälter« genannt hätte, also für Leute mit Job, Familie, Beziehungen, Haushalt, Auto und Hobbys. Hier ist das Gewöhnliche der Weg zu deiner Wirklichkeit und höheren Verwirklichung, zu deinem Glück. Kundalini-Yoga ist dazu da, dir für alles genügend Energie bereitzustellen, ob du Windeln oder den Job wechselst, heiratest oder dich scheiden lässt – alles Alltägliche wird mehr Biss haben und mehr Freude machen. Dabei ist es aber zugleich eine sehr meditative Praxis, die dir erleuchtete Zustände ermöglicht oder, falls das zu hochtrabend klingt, eine gewisse Neutralität im Trubel all deiner Rollen und Pflichten in der Welt erlaubt.
Im Kundalini-Yoga hast du eine gerade in unserer Zeit hochwirksame und nützliche Praxis, die jeden Aspekt deines Alltags innerhalb kurzer Zeit transformieren wird und die wirklich für jede und jeden geeignet ist. Wer einen Körper, Geist und ein Nervensystem sein Eigen nennt, der braucht auch kluge Ansätze für den produktiven Umgang mit all dem Druck, dem wir ausgesetzt sind. Wir wollen ihm ja nicht nur standhalten, sondern dabei auch vorankommen und unsere Ziele erreichen. In dieser Zeit der immer weiter zunehmenden Stressbelastung können Yoga und Meditation nicht Luxusgüter für relativ wenige bleiben, die Zeit genug haben oder einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht angehören.
Wir leben in einer neuen Zeit mit anderen Anforderungen, Herausforderungen und Regeln als noch vor wenigen Jahren. Darüber hinaus ändert sich gerade das gesamte psychomagnetische Feld der Erde. Das hat seine Auswirkungen auf unser persönliches psychomagnetisches Feld. Unsere Psyche und unsere magnetische Energie muss sich diesen Veränderungen des psychomagnetischen Gesamtfelds anpassen, um weiter mithalten zu können. Das erfordert ein Upgrade, mit dem eine spürbare zusätzliche Belastung verbunden ist.
Kundalini-Yoga kann uns dabei wunderbar unterstützen, zumal wir Menschen etwas in uns haben, das sich Veränderungen widersetzen möchte. Wir geben uns die größte Mühe, alles Unbequeme von uns fernzuhalten. Dabei versprechen uns gerade die Reibungen und Spannungen im Auf und Ab des Lebens den Aufbau neuer Kräfte und tiefe Befriedigung und Erfüllung. Deshalb halten wir im Kundalini-Yoga beispielsweise die Arme hoch, bringen die Beine in eine bestimmte Stellung oder fokussieren uns eine Zeit lang auf etwas ganz Bestimmtes. Damit üben wir das Leben außerhalb unseres energetischen, körperlichen und psychischen Komfortbereichs. Wir entwickeln deutlich spürbare Kräfte, die uns erhalten bleiben.
Mit den neuen technischen Anforderungen, den rasanten wirtschaftlichen und weltpolitischen Veränderungen und nicht zuletzt den Umbrüchen in unserem gesellschaftlichen Wertesystem erfährt auch unser menschliches »Betriebssystem« ein Upgrade. Wir können uns dem bewusst widersetzen oder uns darauf einlassen, ungefähr wie beim Upgrade unseres Smartphones. »Dafür habe ich einfach keine Zeit«, sagen wir, wenn die Benachrichtigung auf dem Display erscheint, »lasst mich damit in Ruhe!« Immer wieder verschieben wir die Installation, aber sie ist unumgänglich, wenn das Gerät optimal funktionieren soll.
Kundalini-Yoga hat etwas von dieser Kommunikationstechnologie, ist aber für deinen biologischen und energetischen oder feinstofflichen Körper gedacht. Diese Technik erlaubt dir, dich so weitgehend zu entspannen und zu erholen und dich in einer Weise zu erneuern, dass du mit Leichtigkeit die allerbanalsten Dinge des Alltags bewältigst. Das mag einfach klingen, aber versuche mal einen Tag lang, dich mit Geduld, Haltung und Leichtigkeit von Moment zu Moment zu bewegen, und du wirst sehen, dass man da wirklich eine Menge Stehvermögen, klare Ausrichtung und Disziplin braucht.
Ganz besonders gefällt mir am Kundalini-Yoga, dass es so einfach und elementar ist und dabei eine durchschlagende Wirkung entfaltet. Kaum zu glauben, wie viel man mit ganz wenig erreichen kann. Und schnell ist es auch noch – wie das neueste Smartphone.
Die Erde steht vor einer entscheidenden Wende und braucht mehr denn je Menschen, die in sich einen Raum der Stille schaffen möchten, in dem sie mit allem und allen verbunden sind. Und wir brauchen solche Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft, Leute mit Kindern, Jobs und Verpflichtungen, Kreative, die auf ihrem jeweiligen Gebiet etwas auf die Beine stellen, die um mehr Toleranz, Mitgefühl und Verständnis sich selbst und anderen gegenüber bemüht sind. Im Hatha-Yoga, heißt es, braucht man mindestens zweiundzwanzig Jahre, um es zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen. In der Praxis des Kundalini-Yoga dagegen kann man schon nach drei Minuten Neuland betreten und zu Gipfelerlebnissen kommen. Man kann nicht sagen, dieser Ansatz sei einfach besser als andere, aber ganz sicher wirkt er schneller, und zwar unabhängig von der körperlichen, geistigen, seelischen oder religiösen »Kondition«, die man mitbringt.
Eine Schülerin aus dem Vinyasa-Yoga hat mir mal begeistert von ihrer Kundalini-Praxis erzählt. Sie sagte: »Also wirklich, du hältst den Arm in dieser komischen Haltung und atmest wie verrückt, du nimmst irgendeine einseitige Haltung ein, die sich total schief anfühlt – aber hinterher geht es dir so viel besser!« Und das wünschen wir uns doch alle: irgendetwas, das uns sofort Anschub gibt, damit wir uns besser fühlen.
Schon C.G. Jung räumte ein, Kundalini-Yoga sei allem überlegen, woran Sigmund Freud und er arbeiteten. Er fand nur, die Welt sei noch nicht reif dafür. Das ist jetzt bald hundert Jahre her, und wir sind heute nicht nur bereit dafür, sondern wir brauchen es.
Beim Einstieg in die Welt des Yoga sind aus meiner Sicht allzu viele Barrieren zu überwinden, und das kann auch im Kundalini-Yoga so aussehen – allerlei Benimmregeln und gedämpfte Musik und dazu all die neuen Wörter aus fremden Sprachen. Mein tiefer Wunsch für dich ist, dass du beim Lesen dieses Buches den Mut bekommst, eine oder zwei Übungen aufzugreifen, die dir Spaß machen, um dann ein paar Minuten zu üben und damit dauerhafte, durchgreifende Veränderungen zu erzielen.
Mit der Welt der Spiritualität, des Yoga, der Meditation ist in unserer Zeit auch das Problem verbunden, dass sich unsere mitgebrachten Klischees – Konsumdenken, Konkurrenzdenken und Tourismus – mit dem tiefen Verlangen nach Wohlbefinden und nach einem Zugang zu etwas Echtem in uns vermengen. Deshalb: Du brauchst kein perfekt gestyltes Elastan-Outfit, du musst dich nicht für spirituell halten, eine Mala tragen oder dich in irgendeiner Weise so darstellen, wie ein spiritueller Mensch, ein Yogi oder ein Meditierender angeblich auszusehen hat. Und stoße dich am besten auch gar nicht erst an dem Wort »Kundalini«. Das ist ein wunderbar plastisches Wort, das schon mit seinem Klang dieses eingerollt in dir liegende Potenzial umschreibt – ein ausgefallenes Wort für die volle Aktivierung dessen, was du deiner Anlage nach schon immer bist und was dich in allen Augenblicken, den glücklichsten wie den traurigsten, erwartet, in den großen und kleinen Augenblicken, aus denen dieses unglaubliche Leben besteht.
Kundalini bedeutet einfach »Energie«. Wenn es noch weniger esoterisch sein soll, bezeichnet das Wort einen Kraftspeicher, den alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, körperlicher Fitness oder finanziellen Mitteln haben. Und die Methode des Kundalini-Yoga besteht in körperlichen, geistigen und meditativen Praktiken, die diese Kraft mobilisieren, um mit ihr zu arbeiten.
Suchen wir nicht alle nach etwas, das uns mal so richtig durchpustet? Das können Drogen sein oder Musik, jedenfalls hat dieses Technologiezeitalter mit seinem Druck eine Art Betäubung in uns ausgelöst. Jetzt möchten wir endlich wieder etwas fühlen, wir wünschen uns die reale Erfahrung von etwas Höherem. Und wir wünschen es uns in der Gemeinschaft und durch gemeinschaftliches Erleben.
Mache dich auf eine revolutionäre Wahrheit gefasst, die die Pharmaindustrie mit ihren unvorstellbar teuren neuen Wirkstoffen und Medikamenten gern von dir fernhalten würde: Wir können uns tatsächlich selbst auf die Beine helfen und die gleichen chemischen Prozesse im Gehirn auslösen wie diese künstlichen Wirkstoffe. Mit Kundalini-Yoga aktivierst du deinen natürlichen Ausschüttungsmechanismus im Gehirn. Es ist nämlich entgegen der landläufigen Meinung so, dass unser körperlich-geistig-psychischer Organismus von Natur aus auf Glück und Wohlbefinden eingestellt ist. Wir brauchen uns dieser Anlage nur bewusst zu werden und sie in Gebrauch zu nehmen. Und das ist die eigentliche Prämisse des Kundalini-Yoga, das dir als Praxis sofort Zugang zu deiner naturgegebenen strahlenden und wohligen Gesundheit verschafft.
Deshalb brauchst du hier nicht wie bei vielen anderen Yoga-Arten wahnsinnig gelenkig zu sein. Du hast überhaupt nichts mit dem im Yoga so verbreiteten Körperkult zu schaffen. Ich jedenfalls freue mich immer, wenn die Leute direkt von der Arbeit und in Jeans oder Business-Anzug bei mir im Kurs eintrudeln.
Kundalini-Yoga ist für Männer, Frauen, Mamis, Papis, Berufstätige, Künstler, Großeltern, Kinder, Veteranen, Krankenhauspatienten, Polizisten, spirituelle Sucher, Kreative … hab ich jemanden vergessen? Menschen jedes Körpertyps, jeder Gesundheitsverfassung und jeder Altersstufe können Kundalini-Yoga üben. Es berührt mich immer, wenn ich Siebzig- und Achtzigjährige mit Teenagern zusammen üben sehe; und das ist in fast jedem Kurs so. Echte Menschen mit einem ganz normalen Alltag, das ist das typische Klientel. Es gibt eigentlich nur eine Bedingung, nämlich den Wunsch und die Bereitschaft, dein Leben zu ändern – und das kann eine erhebliche Hürde sein.
Die Übungen und Praktiken, die du in diesem Buch findest, sind die gleichen, die Yogi Bhajan in den vierzig Jahren seiner Lehrtätigkeit im Westen verbreitet hat. Auch wer ganz schlecht in Form ist, schafft sie; und von ihrer enormen Wirksamkeit kann selbst ein gestandener Yogi oder Sportler noch profitieren. Und für den Fall, dass du zu bestimmten Atempraktiken, Meditationen oder Übungen körperlich nicht in der Lage bist, habe ich diesen Leitfaden mit Tipps zur Veränderung deiner Lebensweise und Ernährung sowie mit speziellem yogischem Wissen angereichert, die dir eine neue Ausrichtung geben können. Wer Veränderung möchte, und sei sie auch klein, muss etwas an seinen Bewegungsmustern, Denkmustern, Ernährungsmustern und Beziehungsmustern ändern, irgendetwas. Selbst wenn du künftig nur Kleinigkeiten anders machst, werden sich in deinem Alltag deutliche Verbesserungen zeigen.
In seiner eigentlichen, unverfälschten Form bereichert Yoga nicht nur dich selbst, sondern schafft auch ringsum Raum für Hoffnung, Entwicklungschancen, Güte und Mitgefühl. Die körperliche Praxis ist eigentlich nur eine Metapher für das, was an Flexibilität, Kraft und Ausdauer überall in dir entsteht. Wir im Westen sind zu sehr auf den körperlichen Aspekt des Yoga fixiert und meinen, es gehe bei jeder Form der Yoga-Praxis ausschließlich darum.
In der Hippiezeit der Sechzigerjahre machte Timothy Learys Gegenkultur-Spruch »Turn on, tune in, drop out« die Runde. Mir scheint, dass daran zu erkennen ist, weshalb aus der Revolution der Sechziger nichts wurde.
Der Schlachtruf unserer gegenwärtigen Zeit unterscheidet sich nur durch zwei Buchstaben vom zitierten, kündet aber von einem gewaltigen Umbruch: »Turn on, tune in, drop in.« Je mehr wir uns nach innen wenden und unser wahres Ich ins Zentrum unseres Interesses rückt, desto mehr leben wir im Einklang mit uns selbst und folglich mit der Welt ringsum.
Angst und Terror haben wir im Moment genug in der Welt. Wir möchten uns selbst und dann auch andere auf eine neue Stufe heben. Diese Revolution ist von anderer Art. Heute gilt es als revolutionär, innerhalb der Gesellschaft glücklich zu sein. Man geht nicht mehr unbedingt auf die Straße, um zu protestieren. Den neuen Revolutionären geht es einfach darum, sie selbst zu sein, nach ihrer eigenen Fasson kreativ zu sein, sich und andere mit Leib und Seele zu lieben und dieses kostbare Leben zu genießen. Von dieser Grundentscheidung aus bilden sich wie von selbst neue Formen der Kreativität und des Lebens in der Gesellschaft.
Unsere Praxis kann der Ort werden, an dem wir uns so entschlossen für unsere eigene Transformation einsetzen, dass in uns Raum entsteht für Hoffnung, Entwicklungschancen, Güte, Mitgefühl und die Bereitschaft, mehr für andere da zu sein. Dazu müssen wir uns bedingungslos für unsere Klarheit und den Aufbau unserer Kräfte engagieren, was auch bedeutet, dass wir den Nebel der in unserer Gesellschaft so verbreiteten Selbstbezogenheit vertreiben. Dass wir ständig an unser Aussehen denken und bemüht sind, andere auszustechen, ist längst Routine geworden. Aber mit jedem bewussten Atemzug blitzt Bewusstheit in uns auf, und in unserem privaten, beruflichen und kreativen Leben ordnen sich die Dinge zunehmend neu.
Unsere Praxis kann der Ort werden, an dem wir uns so entschlossen für unsere Transformation einsetzen, dass in uns Raum entsteht für Hoffnung, Entwicklungschancen, Güte, Mitgefühl und die Bereitschaft, mehr für andere da zu sein.
Viele machen kein Yoga, weil es ihnen so spirituell oder körperlich anspruchsvoll erscheint. Sie fühlen sich da nicht zu Hause oder wollen sich keinen pseudo-spirituellen Unsinn verkaufen lassen. Im Kundalini-Yoga kommt es zwar zu spiritueller Erfahrung – die ich hier definiere als eine Erfahrung der unermesslichen Weite in dir selbst in Verbindung mit allem, was da ist –, aber es geht nicht um Spiritualität, schon gar nicht um institutionalisierte Spiritualität, die so leicht zum Zerrbild ihrer selbst wird.
Spiritualität wird gern mit Religion in einen Topf geworfen, und die ist sowohl mit positiven als auch mit negativen Assoziationen besetzt. Mit Religion ist allzu oft gemeint, dass man einer bestimmten Glaubensrichtung angehört und deren Katalog an Glaubensinhalten als verbindlich ansieht. Dies ist gut und jenes schlecht oder böse, und wer sich nicht an den jeweiligen Kodex des Guten hält, der liegt eben falsch. Das führt dazu, dass wir unsere spirituellen Interessen – hinter denen ja einfach der Wunsch nach tieferer Selbst- oder Gotteserfahrung steht, nach etwas Universalem, nach mehr Kreativität, Liebe, Gemeinschaft oder Zugehörigkeit zu etwas Größerem – vielfach mit Ängsten, Komplexen und Missverständnissen befrachten.
Kundalini-Yoga ist eine Wissenschaft. Hier stehen nicht Schamanen, Malas und Räucherwerk im Vordergrund, wenngleich natürlich all dies dazu dienen kann, die Tiefe unserer selbst zu entdecken und unseren Blick für die Heiligkeit der Welt und unseres Lebens zu öffnen. Aber wo New-Age-Nippes und Kartensets als Ersatz für echte spirituelle Erfahrung eingesetzt werden, entsteht ein spiritueller Einheitsbrei, von dem sich viele zu Recht abgestoßen fühlen. Der tibetisch-buddhistische Meister und Lehrer Chögyam Trungpa Rinpoche hat diese Art der Spiritualität treffend als »spirituellen Materialismus« bezeichnet. In der guten alten Zeit der kuscheligen Spiritualität schwebten allerlei New-Age-Leute herum, die Sprüche wie »Alles ist eins und alles ist Liebe« von sich gaben. Das stimmt zwar, und es geht wirklich nur darum, aber wenn wir einfach irgendwelche Weisheiten über alles breiten, kommt es nicht zu dauerhaften Veränderungen der Denkmuster, die unsere Neurosen und Zukunftsängste ausmachen und in Gang halten. Diese beschönigende Konsum-Spiritualität verhindert am Ende genau das, was uns eigentlich vorschwebt: uns wirklich selbst zu begegnen, unsere Lebendigkeit voll und ganz zu erleben und schließlich Energien in uns zu mobilisieren, mit denen sich real etwas anfangen lässt.
Wahrhaft spirituell sind eigentlich die Augenblicke, die sich mitten im Gewühl abspielen – »Ich bin sauer und würde es diesem Kerl, der auch noch mein Mann ist, am liebsten ordentlich heimzahlen« – und in denen du auf etwas zurückgreifen kannst, was dich weniger verkniffen und dafür kreativer denken und handeln lässt. Dazu brauchst du etwas Greifbares, und Kundalini-Yoga versorgt dich mit umsetzbaren und immer wieder anwendbaren Kniffen, mit denen du das erreichen kannst, was dir wichtig ist. Dabei handelt es sich um unzählige simple Möglichkeiten, deinen Atem, deinen Körper, deinen Geist so einzusetzen, dass du dich voll und ganz einbringst.
Im Kundalini-Yoga interessieren wir uns weniger für Gut und Böse als vielmehr für unsere tatsächliche Erfahrung – wie du atmest, wie du lebst und dich selbst erlebst. Wie kannst du deine Sensitivität bzw. Sinneswahrnehmung so ausschöpfen, dass du alles, was dir wichtig ist – Liebe, Wohlstand, Mitgefühl oder was auch immer –, tiefer erlebst? Kundalini-Yoga lässt dich zum Schöpfer/zur Schöpferin deiner Erfahrung werden, zusammen mit deinen schöpferischen Kräften, deinem Erleben und deinem Verständnis der schöpferischen, ordnenden, aufbauenden und zerstörenden Kräften in der Welt ringsum.
Bei allem, was du bisher geglaubt hast, bist du zur Orientierung wahrscheinlich religiösen, familiären oder gesellschaftlichen Vorbildern gefolgt. In der neuen Zeit entscheidest du nun selbst, was dir einleuchtet und was du dir zu eigen machen möchtest. Wenn du Erfahrungen machst, sind es deine. Deshalb möchte ich dich jetzt mit profunden Lehren und Praktiken des Kundalini-Yoga vertraut machen, die in deinem Leben viel bewegen können, und ich will dir Mut machen, das anzunehmen und zu praktizieren, was dir etwas bringt. Manche Übungen sind so einfach, dass du sie praktisch überall machen kannst, du brauchst kein gedämpftes Licht, keine Räucherstäbchen, keine Buddha-Statue.
Aber du kannst deine Praxis überall mit einem Moment der Einstimmung wirkungsvoller machen. »Einstimmung« meint, dass du einen Raum schaffst und deine Zellen und Energien auf eine bestimmte Frequenz abstimmst. Im Kundalini-Yoga machen wir das mit einem innerlich oder stimmlich intonierten Klang-Code: Ong Namo Guru Dev Namo.
Klänge regen das Gehirn an, und diese Codes – wir sprechen auch von Mantras – aktivieren über Zunge, Zähne und die Lippenbewegung alle Quadranten des Gehirns. Ong Namo Guru Dev Namo bewirkt im Wesentlichen eine Verlinkung mit der persönlichen und der kollektiven Weisheit, die deine Praxis leitet. Bei Mantra-Rezitationen jeder Art bewirkt nicht die Bedeutung der Worte, sondern der Klang diese Anhebung des Bewusstseinsniveaus. Deshalb setzen wir Klänge ein, um einen Raum für deine Praxis entstehen zu lassen.
Wenn du in diesem Buch eine Praxis findest, die dich intuitiv anspricht, und du diese Praxis aufnimmst, weil sie sich richtig anfühlt, bleibt sie dir für immer erhalten, und was du hier an Erfahrungen sammelst, kann dir nicht mehr genommen werden. Du wirst schließlich selbst in dieser Frequenz schwingen und sie ausstrahlen, sodass alles Mögliche in deinem Leben in Gang kommt oder bereinigt wird.
Die Praxis des Kundalini-Yoga lässt sich als eine Art Feedback-Mechanismus beschreiben, bei der dem Universum ein Signal oder Kommando gegeben wird: »Ich bin bereit, ich habe mich in meinem Leben eingefunden und bin da. Ich lasse mich auf die tieferen Schwingungen meines Menschseins ein und bin offen für mehr, offen für etwas, das besser zu meinem jetzigen Seins- und Bewusstseinszustand passt.« Es ist dir sicher nicht neu, dass alles auf der Basis von Schwingungen und Resonanzen funktioniert, und so fängst du jetzt an, höhere innere – und in der Folge auch äußere – Schwingungen zu generieren.
Du wirst in diesem Buch eine Fülle von tiefen, kraftvollen, kosmischen Praktiken finden, die deinem Leben eine neue Richtung geben werden. Mein eigenes Leben hat sich durch Kundalini-Yoga so drastisch verändert, dass ich es kaum in Worten beschreiben kann. Es gibt jedoch unter all den simplen bis krass esoterischen Meditationen, Lebensregeln und Yoga-Geheimtipps, die ich gelernt habe und praktiziere, eine Praxis, die mir besonders lieb und die praktischerweise auch noch besonders einfach ist. Wenn ich dich jetzt also bei deinem ersten Schritt in dein neues unbesiegbares Leben anleiten darf, werde ich dich in die ebenso unkomplizierte wie unglaublich wirksame Sieges-Praxis einführen.
Was könnte spiritueller und eigentlich auch mutiger sein, als dich morgens beim Aufwachen gleich zu Solidarität, Freude und Präsenz gegenüber dir selbst, deinem Leben und deinen Aufgaben aufzuraffen? Das ist Spiritualität im Alltag – dein bewusster Entschluss, den Sieg deines Menschseins an die Stelle deiner Unsicherheiten und Selbstzweifel zu setzen. Du gibst damit bekannt, dass du auf diesem Planeten und in deinem Leben präsent bist und – komme, was mag – mit deiner Energie und Vitalität allem gewachsen bist und nicht nur bei dir selbst für Wachstum und Wahrheit sorgen wirst, sondern auch bei allen, die mit dir in Kontakt kommen.
