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Ist die gut gelingende Lebensgestaltung Zauberei? Ja, sie ist sogar im hohen Maße eine Kunst, eine Zauberkunst. Bei manchen Menschen können wir diesen Zauber erleben. Sie gehen leichtfüßig durch ihr Leben, erschaffen Außergewöhnliches und meistern kritische Situationen. Karl-Ludwig Oehler weckt mit seinem Buch „Unser Lebenskarussell“ diesen Zauber und ermuntert, das eigene Lebenskarussell positiv zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Alexander Jehle begleitet mit seinen Gedichten dieses „Lebenskarussell“. Seine Verse sind emphatisch, oft prophetisch, manchmal spirituell und bestechen durch große Klar- und Einfachheit.
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2020
Unser Lebenskarussell
Ist Leben eine Zauberkunst?
Das Glück folgt der Entschiedenheit
Wünsche oder Ziele?
Einen Flaschengeist als Freund und Helfer?
Imagination schafft Wirklichkeit
Viele Möglichkeiten – eine Wirklichkeit
Der Mond scheint, damit wir in der Nacht sehen können
Alles ist immer da, ob Glück oder Unglück
Verantwortung leben
Gewinnen und verlieren – zwei Seiten einer Medaille
Ist Verbundenheit Liebe?
Das große Loslassen
Epilog
Dankeschön!
Quellenangaben
Karussell
Wo Leben da Wandel
Wo Wandel da Unsicherheit
Wo Unsicherheit da Angst
Wo Angst da Mut
Wo Mut da Lebendigkeit
Wo Lebendigkeit da Leben
Wo Leben da Wandel
Frühlingsanfang 2020, mein Lebenskarussell dreht sich langsam, sehr langsam. Ich sitze in meinem Gartenbüro, beobachte wie die Amseln sich jagen, das Eichhörnchen meine im Herbst gesammelten Walnüsse von der Terrasse stibitzt, und die unerschrockenen Gänseblümchen sich vermehren. Selbst der alte Kirschbaum blüht in voller Pracht. Die Natur erwacht.
Auch sie ist in ein großes, sich Jahr für Jahr drehendes Karussell eingebunden.
Selten hatte ich die Muße, dies zu beobachten.
Mir wird bewusst, dass der Coronavirus und der damit von der Politik verordnete Lockdown, mich buchstäblich von der Autobahn geholt haben. Ausgangssperren und Arbeitsverbote wurden verhängt, ebenso Kontakt- und Versammlungsverbote. Das private, das öffentliche und wirtschaftliche Leben wurde innerhalb weniger Tage heruntergefahren. Auch in meinem Büro steht seit wenigen Tagen das Telefon still und nur vereinzelt verirrt sich eine E-Mail in mein Postfach. Von heute auf morgen wurden vorerst alle meine Aufträge, Seminare und Vorträge für drei Monate abgesagt.
Ich erinnere mich an einen Bäckermeister aus dem Nachbarort, dessen Urangst es war, dass plötzlich irgendwann kein Kunde mehr seine Backwaren kaufen würde und seine Regale voll und die Bäckerei menschenleer blieben. Ich musste schmunzeln und dachte, gegessen wird doch immer. Aber seine Kaffeemaschine steht nun, bis auf wenige Coffees to go, auch still.
Wir erleben gerade eine der größten Krisen nach dem zweiten Weltkrieg, verbunden mit großer Angst bis hin zur Weltuntergangsstimmung. Doch dieses angstvolle Gefühl, dass eine Epoche vorbei ist, ist ein immer wiederkehrendes Gefühl. Wir haben dieses Gefühl vergessen und vertrauen zu Unrecht darauf, dass alles geradlinig weiter verläuft. Vielleicht leiden wir an einem übertriebenen Gewissheitsbedürfnis? In jeder bisherigen Krise haben die Menschen aber auch neue Freiheiten und neue Handlungsmöglichkeiten entdeckt. Weil alte Muster vehement aufgebrochen wurden, konnten wir uns neu erfinden, als Gesellschaft und als Einzelperson.
Vielleicht dreht sich seit dem Lockdown das Lebenskarussell besonders langsam, um Schwung zu holen für eine neue und positive Entwicklung?
Erst vor kurzem durfte ich die Mitarbeiter einer großen Bank zum Umgang mit Veränderungsprozessen schulen. Die geplanten Umstrukturierungen, von denen es nicht nur im Bankwesen sehr viele gibt, konnten nur gelingen, wenn auch die einzelnen Mitarbeiter diese mittragen. Die Veränderungskurve und die damit verbundenen »Sieben Phasen einer Veränderung« (Vorahnung, Schock, Ärger, rationale sowie die emotionale Akzeptanz, Öffnung und Integration) von Professor John P. Kotter stellten sich als das richtige Werkzeug heraus, um Verständnis zu wecken und die Akzeptanz für die notwendigen Veränderungsprozesse zu erhöhen.1
Diese sieben Phasen der Veränderung erleben wir auch in einer Krise, je nach eigener Persönlichkeit und Situation mehr oder weniger ausgeprägt. Auch ich erkenne in meinem Denken und Verhalten in der gegenwärtigen Coronakrise diese Phasen, die immer mit einer uns aufgezwungenen Veränderung einhergehen.
Es begann mit einer Vorahnung, einer gewissen Sorge. Ich sah die Berichte aus China. Viele tausend Menschen waren an Covid-19 erkrankt und es fehlten Krankenhausbetten sowie Beatmungsgeräte. In nur zwei Wochen Bauzeit haben die Chinesen in Wuhan ein neues Krankenhaus erstellt.
Nun, China ist weit weg und ich bin kein ängstlicher Mensch. Als aber der Virus sich auch in Europa ausbreitete und in Österreich zuerst in Ischgl, dann in allen anderen Skigebieten, die Hotels, Tagungsstätten und dann auch die Grenzen geschlossen wurden, war mir klar, dass dies nun auch in Deutschland und den angrenzenden Ländern passieren würde. Das war für mich eine neue Dimension. Kein Schock, wie Kotter diese zweite Phase benennt, aber schon ein gehöriger Schreck.
Auf Schock folgt Starre oder Abwehr und Ärger. Diese dritte Phase war bei mir sehr ausgeprägt, weniger die Starre, vielmehr Abwehr, Verdrängung und hauptsächlich Ärger. Ich habe mich geärgert: über den Virus, die Reaktionen der Politik und über die Verordnungen. Schnell fand ich auch Gleichgesinnte und so haben wir uns gemeinsam geärgert über die Statistiken, die nie schlüssig schienen und über die Berichterstattungen in den Medien, welche Angst und Schrecken eher verstärkten, anstatt die Menschen zu informieren. Besonders geärgert habe ich mich über die Endlosschleife, mit der die furchterregenden Bilder der Verstorbenen und den Särgen in Norditalien dem Fernsehpublikum immer und immer wieder vorgeführt wurden.
Die Phasen vier und fünf: Die rationale und die emotionale Akzeptanz, gleichbedeutend mit Frust und Trauer, habe ich schnell durchlaufen. Lange Spaziergänge, frische Luft und der Frühling haben mir dabei geholfen. In dieser Phase wurde mir eine wichtige Sache klar: Ich habe keinen Einfluss. Weder auf die Politik, noch auf die Medien und nur im gewissen Maße auf das Verhalten meiner Kunden und Auftraggeber.
Mit der einfachen, aber sehr entscheidenden Frage »Was kann ich jetzt tun?« habe ich die sechste Phase eingeläutet. Mit dieser Frage trete ich aus der Opferrolle heraus, nehme wieder die Zügel in die Hand und damit auch die Verantwortung. Kotter meint damit die Öffnung und die Achtsamkeit für das Neue. Sie passt zum Frühling, der gerade Einzug hält. Ich skype und zoome mit meinen Freunden. Wider Erwarten macht das mehr Freude als gedacht, und ich beschließe, diese Medien auch im Umgang mit Kunden einzusetzen. Ich überlege mir neue Trainingskonzepte, so zum Beispiel Seminare über das Internet oder Körperspracheseminare über Videotelefonie, warum eigentlich nicht?
Und ich beschließe, dieses neue Buch zu schreiben. Ich bin wieder neugierig.
Die siebte und letzte Phase in der Veränderungskurve nennt Kotter die Integration – die Integration oder auch Verinnerlichung des Neuen in mein Denken und Tun. Diese Phase geht erfahrungsgemäß einher mit großem Vertrauen ins Gelingen und in die Zukunft.
Kotters Veränderungskurve startet mit der Vorahnung und endet mit der Integration. Sie hat also einen Anfang und ein Ende. Viel treffender müsste man dies als Kreislauf oder Karussell darstellen, denn mit dem Ende der Integration bahnt sich schon wieder eine neue Veränderung an. So endet das Gedicht »Karussell« auch mit derselben Zeile wie es beginnt. Es ist ein immer wieder sich wiederholender Prozess, der jeder persönlichen und auch gesellschaftlichen Entwicklung zugrunde liegt.
Darum nenne ich mein neues Buch »Unser Lebenskarussell«.
Alle Gedichte in diesem Buch stammen von dem Dichter Alexander Jehle aus Vorarlberg in Österreich. Diese Gedichte begleiten mich in meinem Leben, und nun auch in diesem Buch. Seine Verse sind emphatisch, oft prophetisch, manchmal spirituell, und bestechen durch große Klar- und Einfachheit.
Übrigens, sein Gedicht »Karussell« zu Beginn meines Buches besteht auch aus sieben Phasen, ähnlich den Veränderungsphasen von Kotter.
Zauberei
Es gibt
Menschen
die verwandeln
Zeit
in Leben
Ist die gut gelingende Lebensgestaltung Zauberei? Ich glaube, ja. Sie ist sogar im hohen Maße eine Kunst, eine Zauberkunst. Bei manchen Menschen können wir diesen Zauber erleben. Sie gehen leichtfüßig durch ihr Leben, erschaffen Außergewöhnliches und meistern kritische Situationen. Sie haben Erfolg! Damit meine ich nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, den man in Bilanzen oder an Kontoständen messen kann, sondern einen Erfolg, der sich auch in anderen wichtigen Lebensbereichen wieder spiegelt. Spontan fällt mir die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO für das Wort »Gesundheit« ein: Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens…«. Ist das gemeint mit »Erfolg haben«?
Um der Bedeutung eines Wortes auf die Spur zu kommen, lohnt es sich manchmal, dieses Wort in anderen Sprachen zu beleuchten.
Im Englischen heißt Erfolg success und in der Verbform succeed. To succeed heißt weitergehen, vergleichbar mit dem deutschen Wort folgen. Wenn der Begriff Erfolg von folgen kommt, dann hieße das: Ich folge meinem Ziele, ich folge meiner Entwicklung.2
Im Gegensatz zu »Erfolg haben« ist »Ich folge meinem Ziele« ein dynamischer Prozess.
Im Hebräischen heißt das Wort Erfolg hazlacha (הצליח) und führt sinngemäß auf überqueren zurück, vergleichbar mit »einen Fluss überqueren«. Es birgt somit eine doppelte Dynamik, denn nicht nur das Überqueren an sich ist eine Bewegung, also dynamisch, sondern auch der Fluss ist in Bewegung und damit ein dynamisches Element.
Diese Definition von Erfolg gefällt mir sehr gut, denn auch in der heutigen schnelllebigen und komplexen Welt ist alles in Bewegung, ähnlich einem großen Fluss. Dieser Fluss ist nicht immer berechenbar. Er birgt flache und tiefe Stellen, starke Strömungen und ab und zu auch gefährliche Strudel. Diesen zu überqueren, um ein neues Ufer zu erreichen und zu betreten, ist eine hohe Kunst, eine Zauberkunst.
Können wir diese Zauberkunst erlernen?
Ja! Hilfreich beim Erlernen dieser Zauberkunst sind ein passender Zauberkasten, eine Anleitung und das Üben.
Jeder Mensch besitzt seinen eigenen Zauberkasten mit zwei Werkzeugen: Es ist der Körper und der Geist. Die Gebrauchsanweisung dazu ist nur wenigen Menschen bekannt und das Üben wird meist vergessen.
Wenn ich meinem Werkzeug Körper sage: »Handle…«, dann tut mein Körper dies und je älter ich werde, umso dankbarer bin ich für dieses gut funktionierende Werkzeug. Ich pflege und fordere dieses Werkzeug in einem Maße, wie es zu mir passt, damit mir Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit lange erhalten bleiben.
Diese bewussten Befehle »Handle…« sind allerdings sehr selten. Meist agiert der Körper unbewusst, das heißt aus einer gewissen Gewohnheit heraus. Laut Studien sind 80 bis 90 Prozent unserer Tätigkeiten den ganzen Tag über unbewusster Natur, also unserer Routine geschuldet. Und so ertappe ich mich manchmal abends um 22 Uhr, dass ich wie ein Tierchen vor meinen Kühlschrank kauere und mir ein »Rädle« Salami nach dem anderen in den Mund schiebe. Ist das bewusste Esskultur?
Das unbewusste Handeln, also das Handeln aus der Routine heraus, hat aber auch seinen Sinn, denn wir benötigen dazu weniger Energie. Das »Sich bewusst sein« benötigt die meiste Energie. Im Prinzip ist Handeln mit Routine eine intelligente Möglichkeit des Energiemanagements.
Ähnlich verhält sich das auch mit unserem zweiten Werkzeug, unserem Denkapparat. Wenn ich zu mir sage: »Denke…«, dann denkt mein Gehirn nach, über die Bilanzanalyse einer Firma, über den passenden Werbetext für ein Produkt oder über eine mögliche Konfliktlösung, und es folgen dann die passenden Gedanken, die zur Lösung beitragen.
Genau genommen können wir nämlich Gedanken nicht im klassischen Sinne produzieren, sondern die Gedanken fallen uns ein.3 Unsere Gedanken sind die Sprache des Gehirns, unser Fühlen die Sprache des Körpers. Beide stehen in enger und wechselseitiger Beziehung. Wir denken, was wir fühlen, und wir fühlen, was wir denken. Durch die ständige Wiederholung dieser Schleife denken – fühlen – denken – fühlen manifestieren sich Denkmuster und daraus dann Gewohnheiten, die unser Leben bestimmen. Wir können diese Schleife nur durchbrechen, wenn wir unser Denken, unabhängig von unserer Gefühlslage, auf eine andere »Wellenlänge« einstellen, damit neue und passende Gedanken empfangen werden können. Dies ist durchaus vergleichbar mit der Frequenz im Radio. Diese bestimmt schließlich auch, welche Themen und Musik ich empfange und oft stelle ich bewusst eine andere Frequenz ein.
Die richtige Einstellung der »Wellenlänge« für passende Gedanken ist gerade in unserer heutigen Informationslandschaft eine schwierige Sache, denn wir werden mit Informationen überflutet. Die Internetkonzerne sind riesige und mächtige Werbeplattformen und nehmen permanent Einfluss. Die klassischen Medien kommen durch diese Schnelligkeit und die vermittelten Bilder unter Druck und versuchen ihrerseits, das lesende oder fernsehschauende Publikum teils mit bissigen Kommentaren, mächtigen Bildern und Sensationen zu fesseln. Es ist ein großer Wettlauf der Medien, um die Aufmerksamkeit des Konsumenten auf sich zu ziehen, und der Verlierer ist der Mensch.
So werden nicht nur wir selbst, sondern auch viele unserer Mitmenschen negativ beeinflusst. Sie begegnen uns dann dementsprechend als Miesmacher und vervielfältigen damit die Wirkung der Medien.4 Auf unser freundliches: »Guten Morgen, wie geht’s?« antworten sie mit: »Hast du schon gehört? Frau Y ist auch im Krankenhaus.« Andere wiederum kontern unsere Freude über den bevorstehenden Skiurlaub mit: »Pass auf, dass du dir kein Bein brichst« oder die Bemerkung zum schönen Wetter mit: »Es ist wieder viel zu heiß«, um einen Tag später über den erlösenden Regen mit: »Jetzt ist eh alles vertrocknet« zu reagieren. Die negative Denkweise wird durch die Miesmacher vervielfältigt, ohne dass wir direkt die Medien konsumieren.
Viel hilfreicher wäre eine sachliche, gerne auch nüchterne und vor allem eine differenzierte Betrachtungsweise seitens der Medien. Diese bleibt oftmals auf der Strecke, egal ob in der örtlichen Presse oder in Berichterstattungen im Fernsehen. Ebenso auch bei den Push-Nachrichten auf dem Handy, welches mit Summen das sofortige Lesen anmahnt. Und so werden wir permanent gebrieft, manchmal noch kurz vor dem Einschlafen.
Einer von uns
Er hortete Jahre
und übersah die Augenblicke
er feierte seine Geburtstage
dazwischen sah er fern
Er war gewöhnt
an ein Leben vor dem Bildschirm
an ein Leben aus zweiter Hand
an ein Leben voller Ablenkung
Er starb überraschend
im Fernseher lief ZIB 2
das Programm lief weiter
für morgen brachte er Regen
Es ist zugegebenermaßen nicht leicht, in Zeiten von Reality-Shows, Dschungel-Camps und parallel laufenden Kochsendungen sowie im Umfeld von Miesmachern sein Denken bewusst auf eine Wellenlänge, die positive Impulse überträgt, auszurichten und sein geistiges Immunsystem zu festigen. Dies ist für die eigenen Entscheidungen und die eigene Entwicklung aber überaus wichtig, um auch den eigenen Lebensweg zu finden und zu gehen.
Im Routinemodus spare ich – sowohl beim Handeln als auch beim Denken – viel Energie. Ich kann aber auch keine neue Richtung einschlagen, denn ich bin immer Gefangener, entweder meiner Vergangenheit oder von aktuellen Umwelteinflüssen oder von beidem.
Wie komme ich aus dieser Sackgasse heraus und wie möchte ich mich weiterentwickeln?
