Unser Projekt Bauernhof - Matthias Rompe - E-Book

Unser Projekt Bauernhof E-Book

Matthias Rompe

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Beschreibung

Landleben im 21. Jahrhundert: Authentische Bilder, Erfahrungen und Gedanken aus dem Leben einer Familie, die aus der Stadt aufs Land gezogen ist, verführen zum Schmökern und Nachmachen. Dieses Buch zeigt Ihnen alles, was rund um Haus, Hof, Garten und Tiere selbstgemacht werden und zur Selbstversorgung beitragen kann. Vor allem zeigt es aber wie: Vom handfesten Renovieren und Umbauen eines alten Hofes, über den Möbel- und Hühnerstallbau, bis zu der Haltung von Hühnern, Enten, Gänsen, Wachteln, Kaninchen und Bienen. Mit vielen Rezepten zum Kochen, Backen, Räuchern und Weinmachen aus den eigenen Produkten – eine Fundgrube voller Spaß und Fantasie, Ideen, Tipps und Tricks.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 208

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dieses Buch erzählt die Geschichte der Familie Rompe und handelt von …

… und von Anton – dem Kater mit dem halben Schwanz, Schneewittchen – dem Reichshuhn, Robert Roboter – dem Brahmahahn, Elvis Erpel – der Abraham, Nr. Zwei – dem Sohn von Elvis, Fleckchen – der schwarzen Ente mit den zwei weißen Federn, Seven of Nine – dem unbekannten Lakenfelder Huhn, Die Russen – den drei Lachshähnen, Samtauge – der toten Maus, Gerd, Bert und Bruno – den Araucanahähnen, Sperma auf zwei Beinen, Emil – dem verhaltensgestörten Laufentenerpel vom Kumpel, Donald – dem blütenweißen, potenten Laufentenerpel, der sich auch mit den Flugenten vergnügte, Erna – der garstigen Glucke der ersten Stunde, Rosa und Elfe – den Kaninchendamen, Gerd – dem Spreewälder Rammler und Ninchen – dem Hauskaninchen, Codename Rollbraten.

Vorwort

Stellen Sie sich vor, wir lümmeln am Zaun, Abendsonne, 26 Grad, jeder hat ein Bier in der Hand und ich referiere über Hühner und das Leben im Allgemeinen. So wie im Buch „Der Prophet“ von Kahil Gibran die Themen abgehandelt werden, handeln wir etwas ausführlicher die Themen des Hofes ab. Wenn wir von Bauernhof sprechen, meinen wir einen Resthof, der in seinen Dimensionen eine vernünftige Veredlung von Rohstoffen zulässt, Spaß macht und Landlebengefühl aufkommen lässt.

Dieses Buch ist kein Ratgeber, denn der reine Ratgeber ist tot. Bilder und Ideen findet man bei Pinterest, Beschreibungen, wie man es macht bei youtube, und in Foren Leute, die man fragen kann. Das Einzige, was man nicht im schnellen Netz findet, sind die Geschichten, die gelebt wurden, erzählt werden und für die man Zeit zum Zuhören braucht.

Erwarten Sie nicht, dass Sie hier erfahren, wann Sie Ihre Radieschen säen sollen, über komplett autarke Selbstversorgung in einem Industrieland und Preppern für die Krise.

Wir zeigen, wie wir es gemacht haben, weisen nach, dass es geht und schildern unsere Sicht der Dinge. Wir sind Ihr guter Freund, der die Erfahrungen schon gemacht hat und Ihnen eine Abkürzung zum Ziel vorschlägt. Wir erklären die Prinzipien. Lösen müssen Sie ihre Probleme allein.

Alles in diesem Buch sind Erfahrungen, die wir selber gemacht haben, Dinge, die wir uns vorgestellt, umgesetzt und getestet haben. Kein Engelmannscher Konjunktiv, keine Geschichten über das, was man hätte machen können und wie man es gemacht hätte, wenn man es gemacht hätte. Fast alles hat funktioniert – was für unsere gute Planung spricht – und wenn es einmal nicht so funktioniert hat, wurde es verbessert und Sie finden die verbesserte Lösung im Text. Viele Dinge reifen, und manchmal ist es gut, sich alles zwei Tage später oder aus zehn Meter Entfernung noch einmal anzuschauen.

Ihr Mattias Rompe mit Familie

Inhalt

Cover

Titel

Dieses Buch …

Vorwort

Wie alles begann

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde

Selbstverortung, unsere Randbedingungen

Der Traum vom Landleben – von Alben und Elfen

Das Objekt der Begierde, realistisch sein

Das soziale und landwirtschaftliche Drumherum

Männer und Frauen – Rollenspiel und gegendertes Landleben

Ansichten zum Bauernhof

Selbermacher – Spezialist oder Generalist?

Philosophisches über Projekte – lebenslanges Tetris

Unser Haus

Gut wohnen muss nicht teuer sein

Downshifter und Upcycler

Philosophisches zu Landhäusern – Kinder machen nicht sauber!

Themenräume

Fußboden – das, wo unten ist

Türen selber bauen

Oberlichter

Stilelemente – Loft ist out

Küche – der eigentliche Lebensraum

Küche mauern – nichts für Verrückte

Esstisch selber bauen

Schnipseltisch mit Tafel

Kinder-Spielzeugküche

Die Küchenhexe – ich meine nicht meine Frau

Kruggen – der Ton mit der leckeren Seele

Sauerkraut selber machen

Rezepte aus der Küche des Hauses

Schinken pökeln

Wildschwein-Pancetta

Knacker

Meine Weinrezepte

Weingelee

Steinobstkerne für Kernkissen reinigen

Brot selber backen

Mehlmühle – das Mahlen ist des Müllers Lust

Meine Ciabatta

Mein Baguette

Korvapusti

Bad – Schlachtraum oder Spa?

Entspanntes Baden, Duschen, Waschen

Der Apfelbaum-Innenbrunnen

Duschkabine mauern

Waschtisch selber bauen

Pissoir – Mann belohne sich!

Kinderzimmer – damit die Brut gelingt

Philosophisches über Kinder und ihre Räume

Gepimpte Kinderstühle, Kinderbett selber bauen

Schränke aufarbeiten

Tafeln aus alten Fenstern

Unser Hof

Das Gehöft – die Summe seiner Teile

Sichtachsen

Mauern, Tore, Zäune

Die Mauer

Das Hoftor, klassisch schön

Prellsteine – Leitsysteme in Stein gemeißelt

Zaun klassisch

Das Tor zur Wiese

Die Linde – wir basteln einen Thing

Sitzecken – ein Plätzchen für jeden

Wege pflastern – Via Appia

Accessoires oder wie man einen Bauernhof pimpt

Das Schweißgerät

Offene Feuerstelle – alternativ Feuerschale

Gitter und Geländer

Räucherofen selber bauen

UDS – das hässliche Räucherfass

Der Fassgrill

Räucherofen-Innenleben – das Labyrinth

Einfacher Sparbrand

Holzkohle selber machen

Meine Räucherrezepte

Fisch im Smoker

Wildrippchen kalt geräuchert

Garten – kultivierte Natur

Equipment für Draußenkinder

Gärten und Gärtchen – Themenräume draußen

Bauerngarten, Kräutergarten, Hausgarten

Kürbiskerne reinigen und trocknen

Frühbeet

Apfelbaumrepertoire, Kopfweiden

Unsere Tiere

Ein Bauernhof – viel Leben mit Fell und Federn

Hühner – das Schwein des kleinen Mannes

Ei, Ei, Ei – wie seh‘ ich das?

Durchleuchten, Brutbedingungen

Über das Brüten – Ei, Küken, Glucke

Futter und Auslauf – frisch gegen fertig

Glucken als zentrales Element des Huhnseins

Das Hühnerhaus – Séparées für schnelle Brüter

Hühnerställe – nur das Beste für die Gäste

Hühner füttern

Hühnerrassen

Über Hähne

Allerlei natürliche Feinde

Schlachten – Tod und Vergänglichkeit

Enten – Fleisch perfekt portioniert

Zuchterpel – der Abraham der Entenwiese

Entenstall – neues Spiel andere Regeln

Naturbrut vs. Brüter – die Enten der 9. Legion

Natürlicher Flugentennachwuchs

Enten schlachten – Gender-Tralala

Laufenten – Exkurs, Mythologie und Wahrheit

Laufenten ausbrüten

Entenschinken

Gänse – weidende Zweibeiner

Vom Ei zur Gans

Wachteln – kleine Künstler

Gekleckste Gedanken über Wachteln

Wachteln selber vermehren

Großes Spiegelei aus kleinen Eiern

Kaninchen – im Paradies

Kaninchen im Tiefstreu

Streichelzoo – Projekt „Kaninchen im Tiefstreu“

Bienen – wirklich viele Mitarbeiter

Gelassenheit – stechen lassen oder nicht?

Zeitreise – der Imker und die alten Männer

5 Imker, 6 Meinungen oder einfach Schweigen

Der Bienenwagen – mobil daheim

Failed State – wenn es mal schiefgeht

Der Bienenstand – Wohnsilos für Völkerscharen

Schwarm im Mai – bringt Fuhre mit Heu

Strategisch füttern – backe, backe Zuckerkuchen

Met aus eigenem Honig

Werkzeuge

Must have

Für Holz

Für Metall

Für die Baustelle

Für Haus und Hof

Für den Garten

Für´s Federvieh

Service

Danke

Zum Weiterlesen

Upcycling-Projekte

Rezepte

Bildquellen

Impressum

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde

Es gibt Zeiten im Leben, die besser geeignet sind als andere, um große Projekte zu starten.

* In unserem Fall hatte ich gerade einen beruflichen Bruch, euphemistisch heißt das dann Neuorientierung und Anne war noch im Studium. Wir hatten Freunde, die hatte schon einen Hof gekauft und wir fanden, dass dies eine gute Alternative zu dem vorgezeichneten Leben sein könnte, auch so eine Art Leben zu führen. Jetzt ist die Zeit und jetzt ist die Stunde, tönte es zwischen den Ohren und dann ging alles ganz schnell. Die Entscheidung stellt sich nach den Jahren als echter Glücksgriff heraus.

Hinter dem Haus freie Felder, vor dem Haus eine Aue, die Nachbarn links und rechts nicht zu nah und nicht zu weit, das Dorf nicht zu klein und nicht zu groß. Die Landschaft hügelig, der Boden gut, in der Nähe die Autobahn, eine größere Stadt ist auch nicht weit. Die Dorfbevölkerung im Wandel und jede Menge neue, junge Zuzügler oder Heimkehrer. Mit anderen Worten, die perfekte Bühne für den großen Lebensentwurf, gezeichnet in den malerischsten Farben oder simpel auf den Chip gebannt. Der Hof war günstig im Angebot, weil der Markt am Boden lag, denn der Rest der Welt ging lieber „in Aktien“. Außerdem war er Teil einer Insolvenzmasse und der leichenfleddernde Kreditaufkäufer-Hedgefonds wollte Cash. Von der Anlage, ein klassischer Dreiseithof, war nicht mehr viel Originales übrig, geschliffen von eifrigen Pragmatikern, die die alten Gebäude am liebsten abgerissen hätten, aber in Ermanglung von Baumaterial das Ensemble notdürftig über die Zeit retteten. Irgendwann im August standen wir dann auf dem Hof und konnten anfangen alles so zu verändern, wie wir es wollten, Tabula rasa, weil wir auf nichts Rücksicht nehmen mussten, denn es war faktisch nichts Erhaltenswertes mehr da.

Auf dem Gelände hatten Generationen Schutt abgeladen, denn als Technikstützpunkt lag das Hauptaugenmerk auf der guten Befahrbarkeit des Terrains und nicht auf barocker Prachtentfaltung.

Von der Küche eines Bauernhofes geht alles aus, hier trifft man sich … und Entscheidungen.

Selbstverortung

Wenn wir Bauernhof sagen, meinen wir keinen landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerbsbetrieb. Wir meinen ein stylisches, schönes, ländliches Eigenheim mit der Philosophie eines gesunden Lebens, der Geschichte der Jahrhunderte und den Spuren der Zeit. Es ist schwierig uns zu verorten, da wir den Klischees des Aussteigers und des Selbstversorgers nicht wirklich entsprechen. Weil es einfach nicht geht, da diese Schubladen in den Zeiten der eklektizistischen Entwicklung eines jeden Selbst nicht mehr sauber schließen. Wir sind ein Sowohl-als-auch. Wir kommen aus der Stadt, wir wohnen auf dem Dorf, haben Kinder, Tiere und Garten, aber auch Server, Router und Netzwerk, Webradio, Pinterest, unsere Blogs, sind vernetzt und kaufen online.

Die Linde ist unser Hofbaum.

Die Location ist nicht das hippe Szenelokal, sondern der Hotspot unter der Linde, Netzwerken am Grill, die Kinder bei den Pferden und den Enten bei Fuß. Wir sind Downshifter und Upcycler. Die grünbewegten Aussteiger gibt es hier nicht mehr. Auf das Land ziehen jetzt Leute zurück, die irgendeine Verbindung dazu haben. Nachdem sie sich eine Weile in der Stadt ausgetobt haben, suchen sie nun Platz für sich und ihre Familie, kein Haus in Suburbia auf Kredit, sondern Back to the Roots.

Unsere Randbedingungen

Um Missverständnissen vorzubeugen, um die Gleichung lösen zu können und unser Grundverständnis zu verstehen, müssen wir uns bei allem was wir tun, folgende Fragen stellen:

Ethisch.

Wie nachhaltig ist das, was ich tue, auf welche Luxusspielerei kann ich verzichten?

Gestern.

Wie haben das unsere Großeltern gelöst und warum haben die das so gemacht?

Heute.

Wie löse ich das Problem in einer konsumtechnisch reduzierten, weil demografisch ausgedünnte Zone? 

Morgen.

Wie würde ich Post Collapse das Ganze lösen, wenn das System als solches nicht mehr funktioniert? 

Es gibt Hühner, die mögen das.

Im Klartext heißt das: Grillen mit eigener Holzkohle, aber ohne Alufolie, Räucherkammer statt Gefriertruhe, Wurst getrocknet statt eingeschweißt, kein frischer Koriander aus dem Chinaladen, kein Mehl Type 812 und edle Gewürze für DAS Menu. Zucker gibt es noch, aber Agar-Agar zu beschaffen wird schwierig sein. Und die Preisfrage ist: funktioniert es dann trotzdem?

Der Traum vom Landleben – von Alben und Elfen

* Feuchte Wiesen, einsame Höfe, ein paar Ziegen in der Streuobstwiese, Kinder rennen unbeschwert mit dem Hund über das Feld, eine süße, verträumte Rothaarige schaukelt in der Abendsonne, der Qualm tritt aus dem Brotbackofen und ein älterer Herr mit Nickelbrille schnitzt Stühle aus Kirschholz.

Soweit so gut, aber das Landleben ist nicht ganz so. Die feuchte Wiese wurde gerade zum Naturschutzgebiet erklärt, aber Förderung gibt es keine. Der einsame Hof ist im Winter schwer erreichbar und die Eltern schulpflichtiger Kinder haben ein Problem. Die Ziegen machen gerade die neue Streuobstwiese platt, der Hund ist der unerzogene Rüde vom übernächsten Hof auf dem Weg zur läufigen Hündin des Rassezüchters und die Kinder spielen nicht mit ihm, die rennen vor ihm weg. Die Rothaarige wollte gerade die Hühner einsperren, musste aber feststellen, dass der Fuchs ihr diesen Weg für den Rest der Saison erspart hat. Das Brot im Ofen brennt gerade an, weil der Herr mit der Nickelbrille sich mit dem Verbinden seines linken Zeigefingers beschäftigen muss, da er beim Schnitzen abgerutscht ist.

Landleben ist nicht nur goldener Sonnenuntergang, es ist auch viel kalter Matsch am Morgen dabei. Falls Sie das im Groben auch so sehen, können Sie weiterlesen.

Landleben ist in erste Linie Verantwortung

Für sich selber Verantwortung übernehmen und etwas schaffen. Für seine Familie, um auch das Holz zu haben, wenn es im Winter kalt wird. Für die Dorfgemeinschaft, damit alle etwas davon haben. Für die Tiere, deren Wohlergehen von Einem abhängt. 

Zum Wohlfühlen ebenfalls wichtig, die Landschaft, in der der Bauernhof liegt.

Sonntag gehört dem Herrn.

Das Objekt der Begierde – Stairway to Heaven oder Klotz am Bein

Es ist regelmäßig erstaunlich, mit wie viel Farbe in Selbstversorgerbüchern das Bild vom Bauernhof mit der perfekten Lage und der dem perfekten Garten gepinselt wird und wie toll alles wächst und wie man von 250m2 leben könne. Witzigerweise kommen dann immer Zeichnungen zum Einsatz. In natura findet man den idealen Bauernhof eher selten. Die guten Höfe bleiben in Familienbesitz oder gehen nur sehr teuer weg. Nicht Selbstversorger sind dann meistens die Käufer, sondern landidyllberauschte Damen besseren Alters mit finanzstarken Männern, die ihr Geld nicht in der Landwirtschaft verdienen. Über die liest man dann, dass sie das Möbel selbst beim Tischler in Auftrag gegeben haben. Was für eine Leistung!

Realistisch sein

Bei der Objektwahl sollte man sich nicht von seinen Wunschträumen leiten lassen, sondern von Vernunft und dass Faktoren wie Gesamtbudget, Lage, baulicher Zustand und eigene handwerkliche Fähigkeiten, Nachbarn, Arbeitsweg, Dorfstruktur und Ähnliches sehr wichtig sind. Man muss abwägen und Kompromisse machen, sonst baut man kräftig an seinem Luftbauernhof oder gießt sich seinen Betonblock selber an die Füße. Außerdem hat man nur ein kurzes Zeitfenster im Leben, denn wenn das Hamsterrad mit Beruf und Kindern richtig Fahrt aufgenommen hat, ist der nächste Termin beim Makler erst kurz vor der eigenen Frühpensionierung frei.

Das soziale Drumherum

Noch wichtiger als der bauliche Zustand des Wunschobjektes, sind die sozialen Faktoren im zukünftigen Habitat. Es nützt gar nichts, wenn man den perfekten Hof hat und die gesellschaftliche Struktur und politische Gesinnung im Dorf sind nicht mit der eigenen so richtig kompatibel. Dann sitzt man alleine da, die nächste helfende Hand hat erst in drei Wochen frei und die Winter werden ganz schön lang. Die Leute aus der Stadt fürs Wochenende kommen nämlich auch immer seltener, weil man a) bald keine gemeinsamen Themen mehr hat und b) der Besuch aus der Stadt das Modell zwar für einen Tag ganz supi exotisch findet, aber alles insgesamt etwas zu urig. Selbst der größte städtische Freigeist will Montag wieder pünktlich zum Geldverdienen antreten, das Hamsterrad muss weiter laufen.

Das landschaftliche Drumherum

Neben der demografischen, politischen und sozialen Karte, gibt es auch noch die handfeste geografische Karte. Auch auf dieser sind eine Menge Informationen eingearbeitet. Seien Sie sich sicher, alles hat vor und Nachteile. Wohnt man am Hang, ist die Aussicht schön, es könnte aber mit dem Wasser schwierig werden. Wohnt man in der Aue, hat man häufig nasse Füße und das Haus sowieso. Wohnt man im Tal, wird es ewig nicht warm, weil der Berg Schatten wirft und kalte Luft eher unten bleibt, wohnt man auf dem Berg, muss man alles hochschleppen und es wird erst spät im Jahr warm. Wohnt man in Alleinlage, hat man weniger Probleme mit den Nachbarn, dafür kommt der Schneepflug seltener vorbei, die Abwasserentsorgung ist schwieriger und der Strom nicht ganz so zuverlässig. Ein See ist schön, man kann angeln und immer Wasser in den Garten pumpen, aber den Bootssteg teilt man sich mit Milliarden Mücken, lästigen Bremsen und Leuten, die einen Zugang zum See suchen. Eigentlich heißt die Frage nicht, was will man, sondern womit können Sie am ehesten leben?

TIPP

Was nie längerfristig funktioniert sind: zwei Familien – ein Hof, Kommune oder Projekt. Leute, die so ein Projekt ernsthaft angehen, sind vom Naturell eher die Macher, Leute die sich so für ein Projekt zusammenschließen eher die Träumer. Viele Träumer können gut meditieren, aber das Abwasser zieht einer, der mit beiden Beinen im Graben steht und nicht im Ardha-Padmasana-Sitz über dem Boden schwebt. Ich kenne solide Typen, die haben einen ganzen Hof gestemmt und eine Gruppe Ökos, die haben alle zusammen keinen anständigen Hühnerstall gebaut bekommen. Kaufen Sie also lieber eine Nummer kleiner und Ihr Kumpel kauft sich was zwei Höfe weiter. Irgendwann funktionieren Ihr Klo und Ihre Heizung und zum gemeinsamen Meditieren können Sie ihn dann besuchen.

Männer und Frauen – Rollenspiel und gegendertes Landleben

* Wenn Sie als Frau planen, auf einem Bauernhof zu leben, sollten Sie einmal links und rechts neben sich schauen. Steht dort ein konservativer, pragmatischer Kerl, mit etwas planerischem und handwerklichen Geschick, sollten Sie sich etwas näher zu ihm stellen. Steht dort ein Esoteriker mit schönen Träumen, die er sanft, stundenlang und eloquent in Worthülsen verpackt von sich gibt, ein Bübchen mit zarten Händen, welcher geschickt einen Joint drehen kann, dann besteht die sehr reale Möglichkeit, dass der Traum in einem bösen Erwachen endet und in einem Patchworkfamilienkonstrukt, welches eine Familienaufstellung kompliziert machen könnte.

Frauen, selbst richtige Mannsweiber, bekommen alleine keine Bauernhofsanierung gestemmt. Ein kleines Haus mit ein paar Hühnern mag sein, aber alles darüber hinaus wird schwierig. Etwas, was linke Hände bei Konservativen und Esoterikern kompensiert, ist ein gut gefülltes Konto. Ist nicht politisch korrekt, kommt aber der Realität nahe.

Ein Hof hat immer eine Geschichte und Sie werden ein Teil davon. Generationen haben ihre Spuren hinterlassen und Sie wollen sicher nicht der sein, der an diesen Stamm die Säge setzt.

Ein Bauernhof wächst – Interaktion der besonderen Art

Bauernhöfe gibt es in verschiedenen Stadien des Verfalls zu kaufen. Entweder ist alles alt und runtergeranzt, dann können Sie Tabula rasa machen und nach Ihren Ideen gestalten. Oder der Bauernhof ist noch teilweise in Schuss, dann ersetzen Sie Stück für Stück und bestimmen die Richtung. Oder er ist von Anfang an so wie Sie wollten, dann konservieren Sie ihn einfach und perfektionieren ihn immer mehr.

Ein Bauernhof ist ein System mit vielen Variablen, das durch Sie wächst. Alles steht in Wechselwirkung miteinander, so wie Sie für den Apfelbaum am Anfang einen Spaten und eine Gartenschere benötigen, brauchen Sie dann eine Obstpresse oder andere Verwertungsmöglichkeiten und später ist es Sie eine Kettensäge.

Ansichten zum Bauernhof – Schubladen und Ausnahmen

Ein Bauernhof ist keine Schlafstätte, sondern ein Wirtschaftsbetrieb. Im Normalfall zieht es den Städter zu einem Resthof, da Acker-, Wiesen- und Waldpreise ihm bei der Entscheidungsfindung helfen, es sei denn, er hat Glück und die Vorbesitzer nehmen lieber einen geringeren Preis und wollen den Hof als Ganzes erhalten wissen. Darauf sollte man aber nicht spekulieren, so etwas ist wirklich selten.

Gehen Sie davon aus, dass ein Bauernhof immer ein Gemeinschaftsprojekt ist. Wenn Sie so etwas nicht gemeinsam vorhaben, sollten Sie es lassen.

Der geplagte Stadtflüchtling will eher etwas für die beschauliche Selbstfindung und wenn er noch jung an Jahren ist, etwas Nettes für die Aufzucht der Brut.

Jetzt steht der neue Besitzer da mit seinem Resthof und überlegt, was man damit alles so machen könnte. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten der Stadtflüchtigen auf und die möglichen Kombinationen sind so vielfältig, dass selbst ein schönes Schubladendenken hier kein geordnetes System mehr reinbringen kann. Der eine plant Lehmbau ökologisch, der andere saniert baumarkt-modern. Der eine optimiert seine Inneneinrichtung klinisch-rein für die Putzkraft, die nie kommen wird, der andere weiß um diesen Fakt, nimmt ihn als solchen an und wählt die Materialien so, dass man zumindest nicht sofort den Dreck in allen Ecken sieht. Das kann man halten wie man will. Deshalb schieße ich im Laufe des Buches nur auf eine paar besonders schrille Exemplare und lasse mich auf den Rest nur etwas altersmilde ein.

Ernsthaft betriebene, richtige Bauernhöfe zeichnen sich dadurch aus, dass überall irgendwelche Traktoren, Anhänger und Anbauteile rumstehen und die Landlustoptik stören, es sei denn, es ist der Lanz-Bulldog für den gepflegten Sonntagsausflug – und der steht natürlich in der klimatisierten Scheune.

Psychologisches – autogene Krisenvermeidung

Um am an Erreichen des Endziels nicht zu scheitern, sollten Sie sich daher auch folgenden Fakt vor Augen führen. Alles das, was wir Deutschen als südländisch und pittoresk empfinden, ist die Abweichung von deutschen Baunormen, das konsequente Weglassen von Gewebespachtel und armierten Baustoffen und von Dämmung sowieso. Weniger ist mehr, der Opa und die Südländer hatten und haben nicht diese Baumarktdichte. Damit Sie auf der Baustelle nicht wahnsinnig werden, ist es wichtig, die Grundeinstellung anzupassen. Was hilft ist, wenn man Stellung gegen einen beliebten deutschen Ausspruch „bauen wie die Profis“ bezieht.

TIPP

Lernen Sie auch sich von Träumen zu verabschieden. Manches sollte man lassen aus Sachzwängen heraus, weil es finanziell und selbst als Hobby teurer Unfug wäre.

Der Profi unterscheidet sich im Normalfall nur dadurch von Ihnen, dass er die Arbeit schon häufiger gemacht hat und eine Menge Lohnsteuer abdrücken muss, dafür, dass er bei Ihnen arbeiten durfte.

Die meisten Profis machen es für Geld und viele sind extrem schlecht motiviert. Die meisten Profis machen ihren Job, die wenigsten üben ihren Beruf aus, nämlich das, wozu sie sich berufen fühlen. Falls Sie wirklich einmal an so einen Überzeugungstäter geraten, genießen Sie die gemeinsame Zeit. Machen Sie sich bewusst, dass es immer einen gibt, der mehr weiß als Sie, einen, der es besser kann als Sie und einen, der mehr finanziellen Spielraum hat als Sie. Das ist schön für jedes dieser Elemente der Dreifaltigkeit. Sie hingegen haben alle Arten von Problemen gleichzeitig und müssen alles geistig, handwerklich und finanziell lösen.

Nach Perfektion streben ist zwar schön, in dem Fall aber ausgesprochen hinderlich. Sie werden sich verbasteln und im schlimmsten Fall wird das Projekt Sie bis an Ihr Lebensende als Mahnung begleiten. Wenn Sie nur 87,2 Prozent erreicht haben, sehen es die Leute, die sich nie damit beschäftigt haben, gar nicht, und der Profi wird kurz die Nase rümpfen. Aber für Ihre Zwecke reicht es und Sie können sich der nächsten Baustelle widmen und sie sollten sich detailliert der folgenden Frage widmen.

Selbermacher – Spezialist oder Generalist?

Es muss wirklich sehr befriedigend sein, das beste Brötchen zu backen, das perfekte Steak zu grillen oder die sauberste Fuge zu ziehen. Das Problem in der Realität ist aber, dass Sie, um die höchste Stufe der Perfektion zu erreichen, für die letzten zehn Prozent sehr viel Aufwand treiben müssen, das betrifft das Wissen, das Material und das Werkzeug. Wenn Sie alles fertig oder sonst nichts mehr vorhaben, können Sie den Gipfel der Perfektion in Angriff nehmen. Wir haben eine japanische Freundin, die schleift und poliert gern und ausdauernd an etwas rum, in dieser Zeit zäune ich aber das Gebiet einer mittleren japanischen Kleinstadt ein.

Wenn Sie Ihren neuen Bauernhof betreten, sollten Sie Ihren Anspruch auf Spezialistentum am Eingang gut konserviert ablegen und sich den Dingen widmen, die alle gleichzeitig gemacht werden wollen. Wenn Sie abends noch dann und wann Nerven haben, holen sie sich etwas Wissen zum Thema, das bekommen Sie ziemlich günstig. Wenn Sie Sonntag nicht laut machen dürfen, widmen Sie sich einer bestimmten Sache intensiver und wenn Ihnen die Baustelle im Allgemeinen noch etwas Geld übrig gelassen hat, dann investieren Sie es in Material. Viel Vergnügen!

Tipp:

Fotografieren Sie das Objekt der Begierde, machen Sie mit einem Grafikprogramm eine Strichzeichnung draus und drucken sie es aus. Malen Sie solange drin rum, bis es ihnen gefällt und hängen sie es in der Wohnung auf.

Drucken Sie Bilder von Pinterest aus, die ihnen gefallen und hängen Sie die Idee an die Stelle im Haus, wo Sie sie realisieren möchten. Legen Sie die geschriebenen Listen nebeneinander. Verbinden Sie die Punkte und malen Sie einen Baum. Zerlegen Sie große Probleme in viele kleine, gehen Sie von groß nach klein und wieder zurück.

Philosophisches über Projekte – lebenslanges Tetris

* Tetris ist ein sehr philosophisches Spiel. Ständig kommt irgendwas Neues eingeschwebt und Sie müssen es zu einem großen Block basteln und wenn die Zeile voll ist, verschwindet sie und die Punkte kommen hinzu. Wächst ihnen das Kuddelmuddel über den Kopf, ist das Spiel aus. Übersetzt für den Bauernhof heißt das: Scheidung und/oder Gerichtsvollzieher. Um all dies zu vermeiden, können Sie mit der Methode Versuch-und-Irrtum kindlich naiv probieren, den Bauernhof nach vorn zu bringen. Das wäre ein Ansatz, besser aber ist es, sich vorab ein paar Gedanken zu machen.

To-do-Listen – nicht tugendfrei

Nichts spart bei einer Sanierung so viel Geld wie Eigenleistung und eine vernünftige Planung. Deshalb schreiben Sie Listen, Listen, Listen. Obstlisten, Tierlisten, Stromverbraucherlisten, Wasserverbraucherlisten. Spinnen Sie rum und erzählen Sie sich Geschichten, was Sie alles machen werden. Und testen Sie geistig, ob das funktionieren würde. Dann nehmen Sie ein Luftbild, vergrößern es und malen alles ein, was ist und und fragen sich, wie dies und jenes zusammenhängt. Dann nehmen Sie die Listen und legen sie nebeneinander und schreiben Nummern dran, eins bis zehn, wichtig bis unwichtig, aber irgendwann erstrebenswert.

Besser als abstrakt erklärt sich dies am Beispiel von Elektrizität und Wasser. Sie brauchen also Strom. Am Anfang können Sie mit Kabeln arbeiten, aber mittelfristig ist das keine Lösung. Wenn Sie Strom überall verlegt haben, können Sie darauf technische Spielereien wie IP-Cams, Netzwerk oder Sicherheitstechnik nachrüsten, aber auch noch vieles andere mit Energie versorgen.

Sie brauchen Licht an den Hauseingängen und Lampen am Giebel. Ein simples Beispiel ist das Licht im Hühnerstall. Wenn Sie auch im Winter ein paar Eier haben wollen, müssen Sie den Tag verlängern und den Hühner das Licht anknipsen.

Wenn das Tor automatisch gehen soll, brauchen Sie dort Strom für die Schaltung und die Motoren.

Wenn der Schleifbock elektrisch geht, brauchen Sie Strom in der Werkstatt und wenn der Holzspalter größer ist, brauchen Sie ein dickes rotes Döschen am Holzplatz.

Wollen Sie im Winter Holz aufarbeiten, sind Sie gut bedient, wenn auch etwas Licht den Hof erleuchtet.