Unsere Welt in Bildern Gemalte Impressionen - Peter Landgraf - E-Book

Unsere Welt in Bildern Gemalte Impressionen E-Book

Peter Landgraf

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Beschreibung

Der Autor und Illustrator Peter Landgraf führt den Leser in achtundfünfzig unabhängigen Erzählungen um die Welt. Seine außergewöhnlichen Erlebnisse an den unterschiedlichsten kulturellen Schauplätzen, seine nachhaltigen Begegnungen mit Menschen fremder Kulturen, seine Liebe zur Natur und seine tiefen Empfindungen in unberührten Landschaften versteht der Künstler in selbst gemalten Bildern auszudrücken. Einhundertzwei farbenfrohe Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen geben seine Eindrücke wieder. Begeben Sie sich mit ihm auf die Reise, die in den Ländern Italien, Griechenland, Türkei, Libanon und Ägypten rings um das Mittelmeer beginnt, dann von Marokko und Tunesien im Maghreb zum Sinai führt, von dort weiter in das geheimnisvolle Arabien und die Stätten der Seidenstraße in Alt-Persien, Usbekistan und Kasachstan, über Russland nach Indien, Sri Lanka und zu den farbigen Plätzen Südostasien, wie Java, Sumatra, Sulawesi, Bali, Singapur, Hongkong und Philippinen, weiter in das Herz Asiens nach China, Japan und Taiwan, zum fünften Kontinent Australien, quer durch den Pazifik von Neuseeland über Bora Bora nach Hawaii, auf dem amerikanischen Kontinent von Kanada in die USA, nach Mexiko, Peru, Bolivien, Brasilien, Argentinien und in den Süden Chiles, über die Drake-Passage in die Antarktis und von dort zurück über Südafrika und Mauritius nach Jerusalem, wo die Reise endet.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Achille Lauro – Mittelmeerkreuzfahrt

Ägypten – Gizeh

Libanon – Baalbek

Kreta und

Rhodos

Türkei –

Izmir, Ephesos,

Istanbul und Bursa

Griechenland – Athen

Italien –

Sizilien

,

Capri

Vom Maghreb zum Sinai

Tunesien – Kairuan

,

Djerba

Marokko – Marrakesch

,

Ait Ben Haddou

Al-Andalus – Granada

Ägypten

Luxor

,

Dendera

Sinai

Katharinen-Kloster und Berg Moses

Geheimnisvolles Arabien – Dubai, Abu Dhabi

Perlen der Seidenstraße

Alt-Persien – Nisa

,

Nisibis

Usbekistan – Chiwa

,

Buchara

,

Samarkand

,

Taschkent

Kasachstan – Turkistan

,

Almaty

Russland – Moskau und Kischi

Südasien

Indien

Sri Lanka

Südostasien

Thailand

Indonesien –

Java

,

Sumatra

,

Sulawesi

,

Bali

Singapur

,

Hongkong

,

Philippinen

Ostasien – China, Japan, Taiwan

Australien – Uluru, Sydney, Cape Tribulation

Pazifik – Gesellschaftsinseln, Neuseeland, Hawaii

Nord- und Mittelamerika

Kanada

USA

Mexiko

Südamerika

Bolivien und

Peru

Argentinien und

Brasilien

Antarktis und Chile

Südafrika

Mauritius

Jerusalem

Achille Lauro – Mittelmeerkreuzfahrt

Mit der Achille Lauro begann für uns die Entdeckung der Welt – der fernen Länder und Kulturen unserer Erde.

Wir hatten bereits Paris, London und Rom besucht, die Küsten der Adria und der Ligurischen See mit dem Auto befahren, an der Côte d’Azur ein zurückhaltendes Spiel im Casino von Monte Carlo gewagt und Deutschland von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen bereist. Aber außerhalb Europas waren wir – von einer Kurzreise nach New York abgesehen – bis dahin noch nicht gekommen.

Paris

Montmartre mit Sacré Coure

Rom

Triumphbogen und Kolosseum

London

Tower und Tower Bridge

Das sollte sich im Jahr 1974 ändern. Wir, meine Frau Irene und ich, buchten eine Mittelmeerkreuzfahrt auf der MS Achille Lauro. Von Genua ging die Reise nach Sizilien, von dort nach Ägypten. Ein Bus brachte uns von Alexandria zu den Pyramiden von Gizeh und über Kairo nach Suez. Von hier wurde die Fahrt fortgesetzt, zuerst nach Beirut und in den Libanon, dann über Kreta und Rhodos nach Izmir und Istanbul in der Türkei, und schließlich über Piräus und Athen in Griechenland zurück nach Italien mit kurzen Stopps in Sizilien und Capri, bevor die Reise in Genua wieder zu Ende ging.

MS Achille Lauro

192 m Länge und 23.112 BRT

Mit anderen Worten: Die Kreuzfahrt war eine Reise zu den alten Hochkulturen der Ägypter, Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner und Osmanen.

Bereits 3000 Jahre vor unserer Zeit errichteten die Ägypter das älteste Großreich in der damals bekannten westlichen Hemisphäre.

Es hielt, bis die Griechen ihnen nacheiferten und unter Alexander dem Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. Ägypten vereinnahmten und ein Herrschaftsgebiet unterwarfen, das über Zentralasien hinaus bis nach Vorderindien reichte.

Dann erwachte der Eifer der Römer. Ihr Reich erstreckte sich um die Zeitenwende von den heutigen britischen Inseln über das westliche Europa und rings um das Mittelmeer bis nach Kleinasien.

Schließlich erweckten Mohammed, der Gründer des Islam, und seine Nachfolger die arabischen Völker im 7. Jahrhundert aus ihrer Lethargie und errichteten in kurzer Zeitfolge ein Großreich im Zeichen ihrer Religion von Andalusien bis Zentralasien.

Wir waren erschlagen von der Vielfalt der Eindrücke und ermuntert zugleich, weitere große Reisen folgen zu lassen und – sei es mit dem Schiff oder dem Flugzeug – so oft wie möglich auf große Fahrt zu gehen, um unsere Welt ausgiebig zu erkunden. Das Fernweh hatte uns beide gepackt.

Das 1946 im Auftrag von Lloyd vom Stapel gelaufene Passagierschiff wurde nach einer Generalüberholung seit Mitte der 1960er Jahre von der italienischen Lauro-Linie betrieben.

Weltweit bekannt wurde die Achille Lauro 1985, als Terroristen der Palästinensischen Befreiungsfront das Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer in ihre Gewalt brachten, einen US-amerikanischen Passagier erschossen und über Bord warfen und die Befreiung in Israel inhaftierter Palästinenser forderten.

Das unrühmliche Ende der Achille Lauro ereignete sich 1994. Das Schiff sank auf einer Kreuzfahrt als Folge eines ausufernden Maschinenbrandes im Indischen Ozean.

Ägypten – Gizeh

Wir reisten von Alexandria aus an. Die Fahrt durch die Libysche Wüste zog sich endlos hin. Die heiße Luft flimmerte über den Sandbergen und gaukelte den unbedarften Betrachtern Seenlandschaften vor. Schließlich tauchten die sehnsuchtsvoll erwarteten Spitzen der Pyramiden von Gizeh am Horizont auf, die größer und größer wurden, je näher wir kamen. Dort angekommen fesselten uns die Pyramiden vor einem wolkenlosen Himmel, die in die unendliche Ferne blickende, geheimnisumwitterte Sphinx und eine lautlos dahinziehende Karawane – was für ein faszinierendes Schauspiel!

Pyramiden und Sphinx

Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der Pyramiden in Gizeh. Sie wurde vor 4.600 Jahren für Pharao Cheops als Grabmal erbaut.

Die Sphinx – ein liegender Löwe mit einem Menschenkopf – ist nur unwesentlich jünger und vermutlich auf Geheiß von Pharao Chephren errichtet worden. Ob sie ihn auch darstellen soll, oder den altägyptischen Sonnengott Re, ist nicht gesichert. Auf jeden Fall blickt die Sphinx nach Osten, über den Nil und die Mukattam-Berge hinweg, der aufgehenden Sonne entgegen, der obersten Gottheit des alten Ägyptens.

Libanon – Der Tempel von Baalbek

Wir waren vom Glück begünstigt, als die Achille Lauro im Hafen von Beirut festmachte und uns ein Bus hinauf in das Hochtal des Libanons nach Baalbek brachte. Denn im Jahr darauf brach ein Bürgerkrieg aus, der sechzehn Jahre anhielt. Zuerst stritten Muslime mit Christen, dann Syrer und die PLO der Palästinenser unter Jassir Arafat mit Libanesen und schließlich kämpfte jeder gegen jeden.

Das historische Beirut fanden wir noch unversehrt und durch Zedernwälder erreichten wir die römische Tempelanlage vor der Kulisse der verschneiten Gipfel des Antilibanon.

Jupitertempel

Die gewaltigen Säulen des Jupitertempels ragten noch immer 20 m hoch auf. Seine Basis bestand aus behauenen Blöcken von 4 ⨉ 4 ⨉ 19 m und einem Gewicht von 800 t.

Eine grüne Zeder ziert die Flagge des Landes. Nur noch wenige dieser großartigen Bäume konnten wir sehen – sie fielen dem Schiffbau und der Ausschmückung von Palästen und Tempeln zum Opfer. Mit blauen Atlas Zedern wurde in der Neuzeit aufgeforstet. Sie wachsen schneller.

Kreta – Der Palst von Knossos

Die kulturelle Wiege Europas liegt nach Ansicht der Historiker auf der Insel Kreta. Die Anfänge dieser ersten großen Epoche gehen bis in die Bronzezeit zurück.

Eingangsbereich zum Palast von Knossos

Das nach ihrem König Minos benannte Volk der Minoer hinterließ dort prunkvolle Bauwerke, deren Entstehung auf etwa 2000 vor unserer Zeit und deren Blüte auf etwa 1600 datiert werden.

Homer beschreibt in seinem Epos ‚Odyssee‘ diese Insel mit treffenden Worten:

„Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere,

fruchtbar und anmutsvoll zugleich.

Es wohnen dort Völker von mancherlei Stämmen.

Ihrer Könige Stadt ist Knossos, wo Minos herrschte.“

Staunend bewunderten wir den in Teilen restaurierten Palast. Die prächtig ausgestaltete Anlage gab Zeugnis vom großen Reichtum ihrer Erbauer und die kräftigen Farben der Wandmalereien im Inneren ließen Lebensfreude erkennen.

Karminrot leuchteten die wuchtigen Säulen der Herrschaftsräume, die schwarze Kapitelle trugen – eine in den Palästen der damaligen Welt einmalige Komposition.

Kunstvoll verzierte Schmuckbänder umrahmten Wände und Friese, ausgestattet mit geometrischen Mustern, Rosetten und Spiralen. Fresken ließen auf die feine Lebensweise der Minoer schließen, wenn Diener geschlachtete Tiere, Krüge mit Wein und Schalen mit Oliven herbeitrugen, während andere durch ein Feld mit im Wind wehenden Papyrus schritten.

Mutige Männer und junge Frauen kämpften mit Stieren und sprangen artistisch darüber hinweg, ohne erkennen zu geben, ob es sich dabei um einen religiösen Kult oder nur ein Spiel handelte.

Was erzählen dem Betrachter die von Fischschwärmen umgebenen, springenden Delphine und die Greifen genannten Fabelwesen mit dem Kopf und den Flügeln eines Raubvogels und dem Körper eines Löwen?

Ein Musikant blies eine Doppelflöte. Neun barbusige Frauen in kostbaren Gewändern unterhielten sich sitzend angeregt auf einem der Fresken. Waren es Damen des Hofes oder Gespielinnen?

Den anmutigen Tänzerinnen mit ihren entblößten Brüsten konnten wir schon eher gedanklich folgen, wobei es jedermanns Phantasie überlassen blieb, sich die zart klingenden Melodien vorzustellen, in deren Rhythmus sie sich bewegten.

Tänzerin und Delphine im Palast von Knossos

Rhodos – Großmeisterpalast und Laokoon-Skulptur

Von den sieben Weltwundern haben nur die Pyramiden von Gizeh überlebt. Der Koloss von Rhodos, der breitbeinig der Legende nach über den Pylonen der Hafeneinfahrt thronte, ist nach einem Erdbeben ins Meer gestürzt und spurlos verschwunden.

Heute begrüßen, auf Säulen auf den beiden Molen stehend, ein Hirsch und eine Hirschkuh die Ankommenden. Sie werden Elafos und Elafina genannt und gelten als Wappentiere der Insel.

Großmeisterpalast

Unser Interesse galt zwei anderen Bauwerken: Die Griechen errichteten hier zu Ehren Athenes eine Akropolis über dem Ort Lindos auf einem Felssporn, den Peter zu Fuß und Irene auf dem Rücken eines Esels bestiegen. Jahrhunderte später bauten die Kreuzritter des Johanniterordens eine martialische Festung auf dem höchsten Punkt der Altstadt, den Großmeisterpalast – Station auf ihren Zügen in das Heilige Land.

Dort sahen wir eine Replik der aus Marmor geschlagenen Laokoongruppe, die wir für das Original gehalten hätten, so einmalig war sie anzusehen, hätten wir nicht gewusst, dass dieses sich im Museum des Vatikans befindet.

Der Orden der Großmeister lebt in Deutschland als gemeinnütziger Verein DIE JOHANNITER fort. Viele zum Teil ehrenamtlicher Helfer sind im Inland und Ausland mit großem Einsatz im sozialen Dienst tätig. Sie haben unsere Unterstützung.

Türkei

Izmir und Ephesos in Anatolien

Die Achille Lauro legte nach einer stürmischen Nachtfahrt in der bewegten Ägäis im Hafen von Izmir an, dem alten griechischen Smyrna in Asia minor, in Anatolien.

Die Geschichte hat nichts Bedeutsames in der Millionenstadt hinterlassen. Ihr Wahrzeichen, ein Uhrturm aus der Neuzeit, erinnert schwach an den Schiefen Turm von Pisa, ohne sich mit ihm messen zu können.

Zeugnisse griechischer und römischer Kultur fanden wir jedoch im anatolischen Hinterland in Ephesos – Reste eines der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis geweihten Tempels, ein Theater und die Fassade eines als Bibliothek bezeichneten, restaurierten Gebäudes eines malerischen Komplexes, der an den ehemaligen Marktplatz, die Agora, grenzte. Was hat es wohl dort zu lesen und zu studieren gegeben?

Der Apostel Paulus war ein umtriebiger Mensch. Mehrfach fuhr er über das östliche Mittelmeer, um zu missionieren. Er nahm aber auch den Landweg – wie seine Briefe an die Korinther und Philipper beweisen – und machte der Apostelgeschichte zufolge im Jahr 55 n. Chr. Station in Ephesos. Peter und Irene folgten ihm 1919 Jahre später.

Der Uhrturm Saat Kulesi in Izmir und die Celsus-Bibliothek in Ephesos

Istanbul und Bursa

Die Hagia Sophia, im alten Byzanz am europäischen Ufer des Bosporus erbaut, war über Jahrhunderte die größte Kirche der Christen.

Nach der Abtrennung Ost-Roms wurde sie mehrfach erweitert und um die bis heute größte, auf nur vier Pfeilern ruhende Kuppel der Welt ergänzt.

Das Kreis-Ornament auf dem Fußboden unter ihr, auf dem die Kaiser gekrönt wurden, bezeichnete man als Omphalos, als Nabel der Welt, als Zentrum des damals byzantinischen Reiches in der Hauptstadt Konstantinopel.

Nach der Unterwerfung Ost-Roms durch die Osmanen im 15. Jahrhundert wurde die Hagia Sophia zur Moschee umgebaut. Im Inneren wurden eine nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische, der Mihrab, und eine Kanzel, der Minbar, errichtet. Unterhalb der Kuppel prangen im Innenraum die Kartuschen mit den Namen Mohammed, Allah und Abu Bakr. An den äußeren Flanken wurden vier Minarette ergänzt.

Hagia Sophia in Istanbul

Für die Stadt selbst bildete sich mit der Zeit der aus dem türkischen Dialekt stammende Name Istanbul heraus, der schließlich 1876 amtlich wurde. Heute ist die Hagia Sophia Museum und eine der Hauptattraktionen Istanbuls.

Über die große Bosporus-Brücke fuhren wir von der europäischen zur asiatischen Seite Istanbuls und weiter nach Bursa in die alte Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Dort errichteten die früheren Herrscher unterhalb der Festungsmauern mehrere großartige Moscheen und Mausoleen.

Die bedeutsamsten Meisterwerke der frühosmanischen Baukunst sind die Yesil Camii, die Grüne Moschee, und das Grüne Mausoleum, in dem Sultan Mehmet I. begraben wurde.

Grabmal Mehmet I.

Griechenland – Athen

Der Sage nach schenkte Athene, die Göttin der Weisheit und der Kunst, den Bewohnern der damals noch kleinen Siedlung einen Olivenbaum. Seine Früchte gaben ihnen Nahrung und Öl und aus dem Holz fertigten sie Baumaterial. Aus Dankbarkeit nannten sie ihre heranwachsende Stadt Athen und bauten ihrer Göttin vor 2.500 Jahren einen großartigen Tempel, den Parthenon, auf dem Hügel der Akropolis.

Wir durchstreiften Athen, bewunderten die historischen Plätze und Gebäude, standen staunend im Museum vor den alten Kunstschätzen und hörten aufmerksam die Berichte über die ersten demokratischen Strukturen dieser Stadt, des Landes und damit Europas. Unser Schiff, die Achille Lauro, lag im Hafen von Piräus vor Anker. Bevor wir zu ihr spät in der Nacht aufbrachen, vergnügten wir uns in einer Taverne in dem Altstadtviertel Plaka, lauschten griechischer Volksmusik, tranken reichlich Retsina und schwankten im Rhythmus des vor uns aufgeführten Sirtaki freudetrunken auf den Stühlen.

Akropolis mit Parthenon

Niemand konnte erahnen, dass Jahrzehnte später das Land durch Misswirtschaft finanziell am Abgrund stehen sollte. Die wesentlichen Ursachen der Staatsverschuldung waren: ein überdimensionierter Staatsapparat, überzogene Gehälter und Löhne im öffentlichen Bereich, Auszahlungen von Renten an zigtausende bereits Verstorbene, Korruption, Mängel im Steuerrecht und in der Steuereintreibung und Geschäfte am Staat vorbei.

Das konnte uns von weiteren Besuchen Griechenlands nicht abhalten. Korfu entwickelte sich Jahre später zu einem unserer Lieblingsziele, jene kleine Insel im Ionischen Meer mit Sicht auf das griechische Festland und Albanien. Ihre wechselvolle Geschichte prägten vor allem die Venezianer und die österreichische Kaiserin Sisi ließ auf ihrer Urlaubsinsel einen Palast im pompejischen Stil errichten, der heute meistbesuchten Sehenswürdigkeit Korfus.

Italien

Ausgangs- und Endpunkt der Mittelmeerkreuzfahrt war Genua, die Heimatstadt von Kolumbus, der uns inspirierte, wann immer wir von ihm und anderen großen Entdeckern hörten oder lasen. Wir eiferten diesen wagemutigen Männern nach, meist mit dem Flugzeug, aber auch per Schiff.

Die Achille Lauro ging dreimal in Italien vor Anker, gleich zu Beginn in den Häfen von Neapel und Syrakus auf Sizilien und zum Abschluss der Fahrt auf Reede vor Capri.

Sizilien

Auf dieser großen Insel herrschten die Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Muslime, Normannen, Staufer und Bourbonen. Alle hinterließen ihre Spuren, bis schließlich Sizilien zuerst zum Königreich Neapel und dann zum Königreich Italien kam, aus dem die heutige Republik hervorging. Bei so vielen, meist nicht zimperlichen und das Volk ausnehmenden Herrschern mussten sich die Bewohner wehren. Kein Wunder dass hier der Nährboden für die Mafia gelegt wurde.

Besonders grausam war die Zeit im 4. Jahrhundert v. Chr. unter dem Griechen Dionysios I., genannt der Tyrann von Syrakus. Er ließ in eine Felswand eine wie ein S geschwungene Höhle schlagen, die 64 m lang, über 20 m hoch und bis zu 11 m breit ist. Dort kerkerte er Diebe, Abtrünnige und Widersacher ein, die nicht wussten, dass selbst ein Flüstern im Innersten aufgrund der Akustik der Höhle laut bis nach draußen zu den Wächtern klang und Fluchtpläne verriet. Wir konnten uns davon überzeugen. Ein Rascheln mit einem Stück Zeitungspapier schallt wie eine Maschinengewehrsalve.

Das „Ohr des Dionysius“

Capri

Im frühen Sommer leuchtet das Gelb der Ginsterbüsche weithin sichtbar, mit dem die orange-roten Azaleen auffallend konkurrieren und der betörende Duft der Pinien rings um einen die Welt vergessen und Sinnlichkeit emporkommen lässt. Wir genossen diese Gefühle auf unserer Hochzeitsreise, wo wir in der Villa Semiramis übernachteten, die der letzte ägyptische König Faruk einer seiner Lieblingsgespielinnen erbauen ließ und wir erlebten Tage der Zweisamkeit an der Marina Piccola am Strand beim Hotel Weber oder etwas gehobener im La Canzone del Mare und in der versteckten Bucht beim Ristorante Da Luigi, umgeben von steilen Felsklippen, verwöhnt mit neapolitanischen Gerichten, von Luigi ausgesuchten Weinen der Insel Capri und mit Blick auf die Faraglioni, den aus dem Meer ragenden Felstürmen, auf denen die seltenen Lucertoli Azzura leben, die Blauen Eidechsen.

Die Faraglioni genannten Felsen vor Capri

Wir freuten uns auf ein Wiedersehen mit diesem exklusiven Inselchen, nutzten die kurze Zeit des Aufenthalts zu einem Spaziergang hinunter zu Luigi, der sich über das Wiedersehen freute, genossen bei einem Cappuccino das Treiben auf der Piazetta und blickten nach Neapel hinüber und auf den schlafenden Vesuv, der mit einer Wolke dem Betrachter einen leichten Ausbruch vortäuschte.