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Milliardenbudgets fließen jährlich in Marktforschung und Meinungsumfragen, um das Verhalten von Konsumenten und Wählern vorherzusagen. Doch die Ergebnisse sind erschreckend oft völlig falsch. Der Grund dafür ist ein tückisches psychologisches Phänomen: Die soziale Erwünschtheit, in der Politik oft als Bradley-Effekt bezeichnet. Dieses Fachbuch dekonstruiert die Mechanik der Unaufrichtigkeit. Wenn Menschen befragt werden, antworten sie selten mit ihrer tatsächlichen, oft egoistischen oder kontroversen Meinung. Stattdessen geben sie die Antwort, von der sie glauben, dass sie sie im besten Licht erscheinen lässt. Wir lügen bei Themen wie gesunder Ernährung, politischer Toleranz und Umweltschutz, um uns gesellschaftlichen Normen anzupassen. Anhand verheerender Produktflops und katastrophaler Wahlprognosen wird gezeigt, wie das blinde Vertrauen in selbstberichtete Daten Unternehmen in den Ruin treibt. Sie lernen, wie Sie zwischen deklarativen Aussagen und tatsächlichem Kaufverhalten unterscheiden müssen. Verlassen Sie sich nie wieder auf das, was Menschen sagen. Dieses Buch liefert moderne Analysemethoden, um die tatsächlichen, unausgesprochenen Motive Ihrer Zielgruppe messbar zu machen und kostspielige Fehlentscheidungen zu vermeiden.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Table of Contents
Chapter 1: Einführung in das Phänomen der sozialen Erwünschtheit
Grundlagen der sozialen Erwünschtheit
Bradley-Effekt und Wahlprognosen
Die Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten
Strategien zur Minimierung der sozialen Erwünschtheit
Chapter 2: Der Bradley-Effekt: Politische Umfragen und ihre Tücken
Was ist der Bradley-Effekt?
Die Auswirkungen auf Wahlprognosen
Fallstudien: Wahlflops und deren Lehren
Die Rolle von Umfrageinstituten
Chapter 3: Die Rolle der kognitiven Verzerrung in der Marktforschung
Was sind kognitive Verzerrungen?
Kognitive Verzerrungen und Konsumentenverhalten
Die Rolle von sozialer Erwünschtheit
Strategien zur Minimierung kognitiver Verzerrungen in der Marktforschung
Praktische Beispiele und Fallstudien
Chapter 4: Fehlende Ehrlichkeit: Warum Konsumenten nicht die Wahrheit sagen
Die Rolle der sozialen Erwünschtheit
Persönliche Einflussfaktoren
Kulturelle Einflüsse
Sozialer Druck und Konformität
Chapter 5: Fallstudien: Von gescheiterten Produkten und Wahlprognosen
Einführung in die Fallstudien
Fallstudie 1: Der Ford Edsel
Fallstudie 2: Coca-Cola und New Coke
Fallstudie 3: Die Wahlprognosen der 2016 Präsidentschaftswahl
Lehren aus den Fallstudien
Chapter 6: Optimierung von Marktforschung durch ehrliche Daten
Verständnis der sozialen Erwünschtheit
Innovative Umfragemethoden
Das Verhalten der Konsumenten analysieren
Psychologische Techniken zur Reduzierung von Loyalitätsverzerrungen
Chapter 7: Psychologische Ansätze zur Datenanalyse
Die Bedeutung psychologischer Faktoren in der Datenanalyse
Die Anwendung von psychologischen Theorien in der Marktforschung
Wichtige Methoden zur Datenanalyse unter Berücksichtigung psychologischer Aspekte
Strategien zur Minimierung von Verzerrungen in Datenanalysen
Chapter 8: Die Zukunft der Marktforschung: Trends und Technologien
Big Data: Mehr als nur Zahlen
Künstliche Intelligenz in der Marktforschung
Ethik und Datenschutz in der Marktforschung
Soziale Medien als Forschungsinstrument
Chapter 9: Ethik in der Marktforschung
Die Verantwortung der Marktforscher
Transparenz in der Datenerhebung
Ethische Implikationen der sozialen Erwünschtheit
Integrität in der Datenanalyse
Chapter 10: Konsumentenverhalten verstehen: Theoretische Grundlagen
Die Grundlagen des Konsumentenverhaltens
Theorien der Entscheidungsfindung
Soziale Erwünschtheit und ihre Auswirkungen
Psychologische Modelle und ihr Einfluss
Verbindung zwischen Konsumentenverhalten und Marketingstrategien
Chapter 11: Die Auswirkungen von Marketingstrategien auf Konsumentenverhalten
Einfluss von Werbung auf die Wahrnehmung
Soziale Erwünschtheit in Marketingstrategien
Die Rolle von Influencern im modernen Marketing
Messung des Konsumentenverhaltens: Herausforderungen und Chancen
Chapter 12: Fazit und Handlungsempfehlungen
Zusammenfassung der Erkenntnisse
Psychologische Faktoren im Marktforschungskontext
Praktische Handlungsempfehlungen
Fallstudien und Beispiele erfolgreicher Strategien
Letzte Gedanken: Auf dem Weg zur ehrlichen Marktforschung
In diesem Kapitel werden wir die Grundlagen der sozialen Erwünschtheit untersuchen, ein psychologisches Phänomen, das die Antworten von Befragten erheblich beeinflusst. Was bedeutet soziale Erwünschtheit für die Qualität von Umfragedaten? Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Dynamik der Befragungen und zeigt auf, wie und warum Menschen dazu neigen, sozial akzeptierte Antworten zu geben, anstatt ihre echten Meinungen zu äußern. Es wird klar, dass die Herausforderungen, die sich aus diesem Verhalten ergeben, weitreichende Konsequenzen für die Marktforschung haben.
In diesem Abschnitt werden die grundlegenden Konzepte der sozialen Erwünschtheit erklärt und wie sie das Verhalten der Umfrageteilnehmer beeinflusst. Soziale Erwünschtheit beschreibt die Tendenz, bei Umfragen Antworten zu geben, die den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Diese psychologische Neigung hat entscheidende Auswirkungen auf die Genauigkeit von Umfragedaten und damit auch auf die Marktforschung.
Definition soziale Erwünschtheit
Soziale Erwünschtheit bezeichnet das Phänomen, dass Menschen in Umfragen und Befragungen dazu neigen, Antworten zu geben, die als gesellschaftlich akzeptabel oder positiv wahrgenommen werden. Diese Tendenz resultiert aus dem starken Wunsch, von anderen gemocht und akzeptiert zu werden. Dabei kann es sich um différentes Bereiche handeln, von politischen Ansichten bis hin zu persönlichen Gewohnheiten.
Eine der zentralen Herausforderungen, die sich aus sozialer Erwünschtheit ergibt, ist die Verfälschung der tatsächlich geäußerten Meinungen. Oftmals weicht die Réalité von dem ab, was Befragte bereit sind zu teilen, insbesondere wenn die Themen kontrovers oder tabu belegt sind.
Das Verständnis der sozialen Erwünschtheit ist entscheidend für die Interpretation von Umfragedaten, da es hilft zu erkennen, dass die Antworten nicht immer die wahre Einstellung oder das tatsächliche Verhalten der Befragten widerspiegeln.
Einfluss auf Umfragen
Die Tendenz zur sozialen Erwünschtheit hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Ergebnisse von Umfragen. Dieser Einfluss führt häufig dazu, dass die gesammelten Daten nicht genau die Meinungen oder Verhaltensweisen der Befragten widerspiegeln. Anstatt ihre echten Gedanken zu äußern, berichten viele Menschen von Meinungen, von denen sie annehmen, dass sie die Befragenden positiv stimmen.
Diese Verzerrung ist besonders problematisch in Bereichen wie der Markt- oder politischen Forschung, wo genaue Daten unerlässlich sind, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Wenn Forscher blind auf diese verzerrten Daten vertrauen, kann dies zu katastrophalen Fehlentscheidungen führen, die sowohl Unternehmen als auch Wählerbasis betreffen.
Die Herausforderung besteht darin, geeignete Methoden zu entwickeln, um die Auswirkungen dieser Verzerrung zu minimieren und verlässlichere Daten zu erhalten.
Beispiele aus der Praxis
Es gibt zahlreiche Beispiele aus der Praxis, in denen soziale Erwünschtheit zu erheblichen Abweichungen zwischen angegebenen Meinungen und dem tatsächlichen Verhalten geführt hat. Ein bekanntes Beispiel ist die politische Meinungsforschung vor Wahlen, wo viele Befragte angeben, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen, um als gesellschaftlich integriert oder progressiv wahrgenommen zu werden.
In der Produktforschung wurde festgestellt, dass Teilnehmer häufig angeben, sie würden umweltfreundliche Produkte kaufen, während die tatsächlichen Kaufentscheidungen häufig nicht damit übereinstimmen. Solche Diskrepanzen verdeutlichen die Notwendigkeit, kritisch zu hinterfragen, inwieweit selbstberichtete Daten vertrauenswürdig sind.
Diese Diskrepanzen können nicht nur zu Fehlinvestitionen führen, sondern auch die Glaubwürdigkeit von Marktforschung und Umfragedaten untergraben.
Psychologische Mechanismen
Die Psychologie hinter sozialer Erwünschtheit ist komplex und vielschichtig. Menschen haben innere Programme, die sie dazu anregen, Antworten zu geben, die ihrem sozialen Umfeld entsprechen. Diese Programme können aus der Erziehung, sozialen Normen und den spezifischen Erwartungen innerhalb ihrer Kultur resultieren.
Das Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz kann so stark sein, dass Einzelne bereit sind, ihre wahren Meinungen zu verbergen. Dies geschieht oft, um Konflikte zu vermeiden oder das eigene soziale Ansehen zu wahren. Die Erkenntnis dieser psychologischen Mechanismen ist entscheidend für die Verbesserung von Umfrageverfahren und die Gewinnung ehrlicherer Antworten.
Ein tiefes Verständnis dieser Faktoren kann Unternehmen und Forschern helfen, geeignete Strategien zu entwickeln, um die Antwortgenauigkeit zu erhöhen und damit die Qualität der generierten Daten zu verbessern.
Der Bradley-Effekt ist ein spezifisches Beispiel für soziale Erwünschtheit, das in Wahlprognosen auftaucht. In diesem Abschnitt wird untersucht, wie dieser Effekt die Genauigkeit von Wahlprognosen beeinflussen kann und welche Lehren aus vorherigen Wahlen gezogen werden sollten.
Was ist der Bradley-Effekt?
Der Bradley-Effekt beschreibt ein interessantes psychologisches Phänomen, das vor allem bei Wahlprognosen beobachtet wird. Bei diesem Effekt tendieren Wähler dazu, in Umfragen eine Zustimmung zu Kandidaten aus Minderheitengruppen zu äußern, um nicht als rassistisch wahrgenommen zu werden. Dieser soziale Druck führt dazu, dass die Umfrageteilnehmer häufig Antworten geben, die nicht ihre wahrhaftigen Überzeugungen widerspiegeln.
Der Begriff selbst stammt von der Wahl von Tom Bradley, einem afroamerikanischen Politiker, der 1982 in Kalifornien für das Amt des Gouverneurs kandidierte. Trotz positiver Umfragewerte verlor er letztlich die Wahl, was die Diskrepanz zwischen den Umfrageergebnissen und den tatsächlichen Stimmen verdeutlicht. Der Bradley-Effekt ist nicht nur auf rassistische Vorurteile beschränkt; er kann auch in anderen Kontexten, wie Geschlecht oder Alter, wirksam sein.
Einfluss auf Wahlprognosen
Der Bradley-Effekt hat signifikante Auswirkungen auf die Genauigkeit von Wahlprognosen. Umfragen, die auf den Daten basieren, die durch diesen Effekt beeinflusst sind, überbewerten oft die Unterstützung für Kandidaten aus Minderheitengruppen. Diese Fehleinschätzung kann zu einer dramatischen falschen Einschätzung der Wahlchancen führen.
Wähler fühlen sich gezwungen, positive Antworten zu geben, die den sozialen Normen entsprechen, wodurch Umfragen nicht die tatsächliche Wählerschaft widerspiegeln. Dies führt dazu, dass Wahlkampfstrategien und Ressourcenzuteilungen auf inkorrekten Annahmen basieren, was zu erheblichen finanziellen und strategischen Konsequenzen für die beteiligten Parteien führen kann.
Historische Beispiele
In der politischen Geschichte gibt es mehrere beachtenswerte Beispiele, die das Vorkommen des Bradley-Effekts verdeutlichen. Die Wahl von Tom Bradley 1982 ist wohl das bekannteste, da die Umfragen seine Wahlsiege vorhersagten, er jedoch brutal unterlag. Dieses überraschende Ergebnis führte dazu, dass Analysten anfingen, den Einfluss von sozialen Erwünschtheitsfaktoren auf Wahlprognosen zu untersuchen.
Ein weiteres Beispiel wäre die Vorwahlkampagne von Barack Obama 2008. Zahlreiche Umfragen zeigten eine hohe Zustimmung zu seiner Person, allerdings traten auch hier Fehleinschätzungen auf, die mit dem sozialen Wunsch nach Akzeptanz zusammenhingen. Solche Beispiele helfen, die Bedeutung genauer Datenerhebung und kritischen Denkens bei der Analyse von Umfrageergebnissen und Wahlprognosen zu verstehen.
Strategische Implikationen
Die Erkenntnisse über den Bradley-Effekt und seine Auswirkungen auf Wahlprognosen machen deutlich, dass eine kritische Betrachtung der Umfragedaten unerlässlich ist. Die Abhängigkeit von herkömmlichen Umfragemethoden könnte dazu führen, dass Entscheidungsträger falsche Schlussfolgerungen ziehen, die zu strategischen Fehlentscheidungen führen.
Es ist wichtig, alternative Datenerhebungsmethoden zu entwickeln, die das wahre Abstimmungsverhalten besser erfassen. Dazu gehören qualitative Interviews oder anonyme Befragungen, die es den Wählern ermöglichen, ihre Meinungen ohne soziale Zwänge zu äußern. Nur so können die wirklichen Präferenzen der Wählerschaft bestimmt und somit erfolgreichere Wahlkampfstrategien entwickelt werden.
In diesem Abschnitt betrachten wir, wie soziale Erwünschtheit nicht nur Wählerstimmen, sondern auch das Konsumentenverhalten beeinflussen kann. Die Tendenz, sozial akzeptierte Antworten zu geben, beeinträchtigt Unternehmen und deren Marketingstrategien.
Fehlinterpretation des Verhaltens
Die sozialen Erwünschtheitsverzerrungen in Umfragedaten führen nicht selten zu gravierenden Fehlinterpretationen des Konsumentenverhaltens. Unternehmen stützen ihre Entscheidungen oft auf die Aussagen der Befragten, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass diese Antworten unaufrichtig sind. Diese Diskrepanz zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was tatsächlich getan wird, führt zu einer glatten Oberflächenanalyse, die nur wenig über die wahren Motivationen der Verbraucher verrät.
Ein Beispiel hierfür ist der Bereich der nachhaltigen Produkte. Viele Konsumenten geben in Umfragen an, umweltbewusst zu handeln, während ihre tatsächlichen Kaufentscheidungen oft ganz anders ausfallen. Diese Diskrepanz kann Unternehmen dazu bringen, Produkte zu entwickeln, die nicht den realen Bedürfnissen und Wünschen ihrer Zielgruppe entsprechen, was letztlich zu finanziellen Verlusten führen kann.
Öffentliche Wahrnehmung vs. tatsächliches Kaufverhalten
Ein häufiger Fallstrick in der Marktforschung ist die Kluft zwischen dem, was Menschen öffentlich verkünden und ihrem tatsächlichen Kaufverhalten. Viele Befragte stellen sich in einer positiven Licht dar, besonders wenn es um Themen wie gesunde Ernährung, Umweltschutz oder ethischen Konsum geht. Diese Tendenz zur sozialen Erwünschtheit führt dazu, dass schlichtweg falsche Annahmen darüber getroffen werden, wie Konsumenten wirklich entscheiden.
Obwohl viele Konsumenten behaupten, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen, zeigen Verkaufszahlen häufig das Gegenteil. Die Herausforderung für Unternehmen besteht daher darin, Marketingstrategien zu entwickeln, die auf realen Verhaltensdaten beruhen, anstatt auf den oft verzerrten Selbstauskünften der Verbraucher.
Marketingstrategien anpassen
Angesichts der Verzerrungen, die durch soziale Erwünschtheit entstehen, ist es für Unternehmen unerlässlich, Marketingstrategien zu entwickeln, die auf verlässlichen und realistischen Daten basieren. Traditionelle Umfragemethoden sind nicht mehr ausreichend, um das tatsächliche Konsumentenverhalten präzise abzubilden.
Hierbei können innovative Datenerhebungsmethoden, wie beispielsweise die Analyse von Online-Verhalten, nützliche Einsichten bieten. Diese Techniken ermöglichen es, Muster im Kaufverhalten zu identifizieren, die durch direkte Befragungen nur schwer erfasst werden. Ziel soll es sein, Marketingstrategien zu entwickeln, die verhaltensbasierte Einsichten anstelle von Selbstauskünften priorisieren.
Vertrauen in Verhaltensdaten
Um Heuristiken zu umgehen, die durch soziale Erwünschtheit bedingt sind, sollten Unternehmen zunehmend auf alternative Datenerhebungsmethoden setzen. Ansätze wie Verhaltensanalysen und Big Data ermöglichen das Sammeln objektiver Daten, die Aufschluss über das tatsächliche Konsumverhalten geben.
Diese Datensätze sind weniger anfällig für Verzerrungen, die durch Befragungen entstehen. Während persönliche Gespräche wertvolle qualitative Einsichten bieten können, liefern quantitative Verhaltensdaten eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, können besser auf die wahren Bedürfnisse und Wünsche ihrer Zielgruppe eingehen.
In diesem Abschnitt werden einige Methoden und Strategien erörtert, die Marktforscher anwenden können, um die Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit zu minimieren. Das Ziel ist es, genauere und aussagekräftigere Daten zu erhalten.
Anonyme Umfragen
Anonyme Umfragen stellen eine effektive Methode dar, um die Hemmungen der Befragten zu verringern. Wenn Teilnehmer die Gewissheit haben, dass ihre Identität und Antworten nicht zurückverfolgt werden können, sind sie eher bereit, ehrliche und authentische Informationen preiszugeben. Diese Anonymität hilft, soziale Erwünschtheit zu minimieren, da die Befragten nicht in Sorge sind, wie ihre Meinungen in einem sozialen Kontext wahrgenommen werden könnten.
Um den Nutzen anonymisierter Umfragen zu maximieren, sollten Marktforscher sicherstellen, dass die Umfragen leicht zugänglich und benutzerfreundlich gestaltet sind. Zudem kann die Zusicherung von Vertraulichkeit und die Verwendung von anonymisierten Antworten in der Auswertung das Vertrauen stärken. Letztlich führen anonymisierte Umfragen nicht nur zu ehrlicheren Daten, sondern können auch die gesamte Qualität der Marktforschung erheblich verbessern.
Nutzung von indirekten Fragestellungen
Die Formulierung von Fragen ist entscheidend für die Qualität der gesammelten Daten. Indirekte Fragestellungen ermöglichen es Befragten, ihre Meinungen und Einstellungen auszudrücken, ohne sich direkt äußern zu müssen. Diese Strategie zielt darauf ab, die Hemmschwelle für unangenehme Themen zu senken, indem sie die Befragten ermutigt, sich über hypothetische Szenarien oder Beobachtungen auszudrücken statt über persönliche Ansichten.
Beispiele für solche Fragen könnten hypothetische Situationen oder das Verhalten anderer Menschen betreffen. Diese Vorgehensweise minimiert den Druck, der durch die Erwartung von „sozial akzeptablen“ Antworten entstehen kann. Dadurch erhalten Forscher fundiertere Einblicke in das tatsächliche Konsumentenverhalten und die sozialen Normen, die das Antworten beeinflussen.
Beobachtungsstudien
Beobachtungsstudien bieten eine wertvolle Alternative zu traditionellen Befragungsmethoden, indem sie das tatsächliche Verhalten von Personen in natürlichen Umgebungen untersuchen. Anstatt sich auf Selbstberichte zu verlassen, die von sozialer Erwünschtheit verzerrt sein können, ermöglichen Beobachtungen den Forschern, objektive Daten zu sammeln, die das wahre Verhalten der Konsumenten widerspiegeln.
Diese Methodologie kann besonders nützlich sein in Situationen, in denen es schwierig ist, ehrliche Antworten zu erhalten, wie etwa beim Kaufverhalten oder bei der Nutzung von Produkten. Durch die Analyse von Verhaltensmustern in Echtzeit können Forscher wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die mit herkömmlichen Befragungen möglicherweise nicht erfasst werden. Dies führt zu präziseren Einsichten und informierteren Entscheidungen in der Marktforschung.
Technologische Hilfsmittel
Der Einsatz moderner Technologien, insbesondere Datenanalysen und Machine Learning, revolutioniert die Art und Weise, wie Marktforschung betrieben wird. Durch die Analyse großer Datenmengen können Muster im Konsumentenverhalten erkannt werden, die über die Möglichkeiten traditioneller Umfragen hinausgehen. Diese Technologien bieten die Fähigkeit, subtile Trends und Verhaltensmuster zu identifizieren, die möglicherweise nicht offensichtlich wären, wenn man sich ausschließlich auf Umfragen stützt.
Darüber hinaus erlaubt es die Integration von algorithmischen Ansätzen, relevante Variablen zu steuern und die Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit zu reduzieren. Durch den Einsatz solcher Technologien können Unternehmen präzisere Vorhersagen treffen, ihre Marketingstrategien verbessern und letztlich fundierte Entscheidungen treffen, die sich positiv auf ihre Performance auswirken.
Der Bradley-Effekt hat entscheidenden Einfluss auf politischen Umfragen und Wahlprognosen. In diesem Kapitel werden wir beleuchten, wie und warum Wähler in Umfragen oft ihre wahren Absichten verbergen. Wie wirkt sich dieses Phänomen auf die Ergebnisse von Wahlprognosen aus? Anhand von Beispielen vergangener Wahlen zeigen wir, wie der Bradley-Effekt zu katastrophalen Fehleinschätzungen führen kann – für Wähler und Politikanalysten gleichermaßen.
Der Bradley-Effekt beschreibt ein Phänomen, bei dem Wähler in Umfragen in Bezug auf deren wahre Präferenzen unehrlich sind. Oftmals geschieht dies, weil sie sich der sozialen Normen und Erwartungen bewusst sind. Dieses Verhalten kann zu erheblichen Fehleinschätzungen in politischen Umfragen führen.
Psychologische Grundlagen des Bradley-Effekts
Der Bradley-Effekt ist tief in der Psychologie verwurzelt und steht im Zusammenhang mit dem Bedürfnis der Menschen, sozial akzeptiert zu werden. Dieses Phänomen tritt auf, wenn Wähler in Umfragen häufig eine politisch korrekte Antwort geben, anstatt ihre echten Präferenzen zu offenbaren. Diese Tendenz, die eigenen Ansichten zu beschönigen, kann durch sozialen Druck und das Streben nach gesellschaftlicher Zustimmung verstärkt werden.
Psychologische Mechanismen wie kognitive Dissonanz spielen eine zentrale Rolle. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre tatsächlichen Ansichten von der sozialen Norm abweichen, erleben sie einen inneren Konflikt. Um diesen zu vermeiden, passen sie ihre Antworten an die Erwartungen anderer an. Diese Verzerrung kann nicht nur die Wahrnehmung der Wählerpräferenzen, sondern auch die Strategien der politischen Kampagnen und die darauf basierenden Entscheidungen erheblich beeinflussen.
Beispiele aus der Wählerforschung
Verschiedene Studien haben den Bradley-Effekt in realen Wahlumfragen dokumentiert. Ein bekanntes Beispiel ist die Präsidentschaftswahl 1982 in Kalifornien, bei der der afroamerikanische Kandidat Tom Bradley gegen seine weiße Konkurrenz kandidierte. Umfragen prognostizierten einen sicheren Sieg für Bradley, doch letztlich verlor er die Wahl deutlich. Viele Wähler, insbesondere weiße, gaben in Umfragen an, sie würden für ihn stimmen, liesen jedoch bei der eigentlichen Wahl ihre Stimmen aus.
