Unternehmensanalysen - Peter Seppelfricke - E-Book

Unternehmensanalysen E-Book

Peter Seppelfricke

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Beschreibung

Für viele Fragestellungen, z. B. Unternehmensbewertungen, Finanzplanungen, Investitionsentscheidungen und Ratings, ist die Prognose der zukünftigen Erfolge von Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Das Buch vermittelt das Know-how, wie systematische, schlüssige und konsistente Vorhersagen erstellt werden können. Praxisbezug und Problemorientierung stehen dabei im Vordergrund. Das Buch stellt alle wichtigen Analysemöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen dar. Zahlreiche Fallbeispiele, Übersichten und Tabellen legen die Erfolgsquellen vieler Unternehmen offen. Besonders hilfreich ist die Auswertung einer umfassenden Datenbank mit den Jahresabschlüssen von ca. 2.000 Unternehmen weltweit. Die Auswertungen liefern für viele Fragestellungen passende Betriebs- und Branchenvergleiche und wurden für die 2. Auflage auf den aktuellen Stand gebracht. Wer einen Großteil seiner Arbeitszeit in die Analyse von Unternehmen steckt, sollte auf diese solide Arbeitsgrundlage nicht verzichten. Auch als Einstieg für Studierende ist das kompakte Buch bestens geeignet.  

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Seitenzahl: 326

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

InhaltsverzeichnisHinweis zum UrheberrechtImpressumVorwort zur 2. AuflageVorwort zur 1. Auflage1 Einleitung1.1 Adressaten der Erfolgsprognose1.2 Einsatzfelder der Erfolgsprognose1.3 Ablauf der Prognose2 Finanzanalysen (Vergangenheitsanalysen)2.1 Ausgangspunkt Konzernabschluss2.2 Konzernabschlüsse nach HGB, IFRS und US-GAAP2.2.1 Unterschiede in der Bilanzierung2.2.2 Präsentation der Zahlen2.2.3 Gewinn- und Verlustrechnung (Income Statement)2.2.4 Bilanz2.2.4.1 Aktiva (Assets)2.2.4.1.1 Langfristige Vermögenswerte (Non-Current Assets, Fixed Assets)2.2.4.1.2 Kurzfristige Vermögenswerte (Current Assets)2.2.4.2 Passiva2.2.4.2.1 Kurzfristige Schulden (Short-Term Liabilities, Current Liabilities)2.2.4.2.2 Langfristige Finanzverbindlichkeiten (Bank Loans, Long-Term Debt, Interest Bearing Loans)2.2.4.2.3 Eigenkapital (Shareholders’ Equity)2.2.5 Cashflows des Unternehmens2.2.6 Free Cashflows2.2.7 Normalisierung von Investitionen2.3 Bereinigungen von Erfolgs- und Bilanzgrößen2.3.1 Systematisierung der Bereinigungen2.3.2 Operative Bereinigungen (Operating Conversions)2.3.3 Funding Conversions2.3.3.1 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen2.3.3.2 Erhaltene Anzahlungen2.3.3.3 Nettopensionsverpflichtungen (Unfunded Plans)2.3.3.4 Operating Leasing2.3.4 Shareholder Conversions2.3.4.1 Vermögen zu Buchwerten (Invested Capital, Capital Employed)2.3.4.2 Vermögen zu Reproduktionswerten (Asset Value)2.3.4.3 Vermögen zu Marktwerten (Enterprise Value)2.3.4.4 Marktwert des Enterprise Value (EV)2.3.4.5 Theoretischer Wert des Enterprise Value (EV)2.4 Analyse des Erfolgs2.4.1 Zeitvergleiche (Entwicklung und Trends)2.4.2 Betriebsvergleiche (Entstehung und Verwendung)2.4.3 Analyse von Erfolgsursachen2.4.3.1 Aufspaltung des ROI2.4.3.2 Aufspaltung in Kennzahlensysteme2.4.3.3 Aufspaltung in fixe und variable Kosten (Operating Leverage)2.4.3.4 Aufspaltung in betriebliche und finanzielle Bestandteile (Financial Leverage)2.4.3.5 Gesamthebel (Total Leverage)2.4.4 Analyse des Erfolgs2.4.4.1 EBIT2.4.4.2 EBITDA2.4.4.3 NOPAT2.4.4.4 Operating Free Cashflows2.4.4.5 Kapitalumschlag2.4.4.6 Return on Investment (ROI) 2.4.4.7 Betriebliche Übergewinne (Ökonomische Gewinne)2.4.4.8 Jahresüberschuss2.4.4.9 Dividende/Bilanzgewinn2.4.5 Analyse der Liquidität2.4.5.1 Liquidität aus Beständen/Reserven (Bilanz)2.4.5.2 Kennzahlen zur Bilanzstruktur (Liquiditätsgrade, Working Capital)2.4.5.3 Kennzahlen zur Kapitalstruktur (Eigenkapitalquote, Gearing)2.4.5.4 Kennzahlen zur Vermögensstruktur2.4.5.5 Beurteilung bestandsorientierter Kennzahlen2.4.5.6 Liquidität aus Innenfinanzierung (Cashflows)2.4.5.7 Liquidität aus Außenfinanzierung (Eigen- oder Fremdkapital)Literaturhinweise3 Strategische Unternehmensanalyse (Analyse von Erfolgspotenzialen)3.1 Einführung3.2 Der relevante Markt3.3 Marktvolumen und Marktwachstum3.4 Analyse der Mikroumwelt (Porters »Five Forces«)3.4.1 Branchenrivalität und Marktmacht3.4.2 Ertragskraft und Markteintrittsbarrieren (Economic Moat)3.4.2.1 Natürliche Barrieren3.4.2.2 Strategische Barrieren3.4.2.3 Regulative Barrieren3.4.3 Bedrohung durch Substitute (Disruption)3.4.4 Verhandlungsstärke von Abnehmern3.4.5 Verhandlungsstärke von Lieferanten3.5 Analyse der Makroumwelt3.5.1 STEP-Analyse3.5.2 Stakeholder-Ansatz3.5.3 Ergebnis der Umfeldanalyse3.6 Unternehmensanalyse3.6.1 Aufgaben der Unternehmensanalyse3.6.1.1 Identifikation von Erfolgspotenzialen3.6.1.2 Identifikation der Leistungspotenziale (Management-/Strategieanalyse)3.6.2 Analyse von Strategien3.6.2.1 Shareholder-Value-Strategie3.6.2.2 Unternehmensstrategien3.6.2.3 Geschäftsbereichsstrategien3.6.2.4 Portfoliostrategien (Produktstrategien)3.6.2.5 Internes und externes Wachstum3.6.2.6 Desinvestitionsstrategien3.6.3 Strategieimplementierung3.6.3.1 Business-Plan3.6.3.2 Balanced Scorecard3.6.4 Identifikation der Stärken und Schwächen als Ergebnis der Unternehmensanalyse3.7 FazitLiteraturhinweise4 Anfertigung von Prognoserechnungen4.1 Einführung4.2 Ablauf der Prognose4.2.1 Top-down versus Bottom-up-Prognose4.2.2 Zerlegung des Prognosezeitraumes4.2.3 Prognosetechniken4.3 Anfertigung von Planungsrechnungen4.3.1 Prognose von Ergebnissen4.3.2 Prognose von Cashflows4.3.3 Prognose von Bilanzen4.4 Analyse alternativer Szenarien (Sensitivitätsanalyse)4.5 FazitLiteraturhinweiseDer AutorStichwortverzeichnis

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InhaltsubersichtCoverTextanfangImpressum
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ISBN 978-3-7910-6205-1

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ePub:

ISBN 978-3-7910-6206-8

Bestell-Nr. 11446-0101

ePDF:

ISBN 978-3-7910-6207-5

Bestell-Nr. 11446-0151

Peter Seppelfricke

Unternehmensanalysen

2., aktualisierte und überarbeitete Auflage, April 2025

© 2025 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH

Reinsburgstr. 27, 70178 Stuttgart

www.schaeffer-poeschel.de | [email protected]

Bildnachweis (Cover): © Starkekonzepte, Christina Peter, Wörthsee

Produktmanagement: Anna Pietras

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Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart Ein Unternehmen der Haufe Group SE

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Vorwort zur 2. Auflage

Die praxisnahe Darstellung der Unternehmensanalysen ist auf gute Resonanz in der Leserschaft gestoßen. Über die positiven Rückmeldungen von Investmentbanken, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Unternehmensberatungen sowie Finanzabteilungen von Unternehmen habe ich mich sehr gefreut und möchte dafür herzlich danken. Darüber hinaus freue ich mich, dass dieses Buch auch in der Lehre an Hochschulen eingesetzt wird.

Das Konzept des Buches wurde in der zweiten Auflage beibehalten. An vielen Stellen wurden Daten, Beispiele und Abbildungen aktualisiert bzw. neue Beispiele eingefügt.

Osnabrück, im September 2024

Peter Seppelfricke

Vorwort zur 1. Auflage

Die Idee zu diesem Buch entstand während meiner praktischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zum Thema Unternehmensbewertung. Man stellt fest, dass die Implementierung geeigneter Bewertungsverfahren vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch nimmt. Die meiste Zeit (ca. 90 %) verbringt man regelmäßig damit, das Bewertungsobjekt eingehend zu analysieren und dessen zukünftige Erfolge zu prognostizieren.

Aber auch bei anderen Fragestellungen ist die Prognose der zukünftigen Erfolge von Unternehmen von großer Bedeutung. Im Rahmen von Finanzplanungen bildet die Prognose das Fundament für wichtige Investitions- und Finanzierungsentscheidungen des Unternehmens. Die Vergütung von Managern wird ebenfalls an zukünftigen Erfolgen festgemacht und nicht zuletzt beeinflussen Erfolgsprognosen auch maßgeblich die Ratingnoten von Ratingagenturen oder Banken.

Trotz der enormen Bedeutung der Erfolgsprognose für viele Fragestellungen ist die Anfertigung von systematischen Vorhersagen bisher kaum Gegenstand der einschlägigen Literatur oder von Lehrplänen an Hochschulen. Dieses Buch stellt deshalb einen Versuch dar, diese Lücke zu schließen. Es soll detailliert aufgezeigt werden, wie schlüssige und konsistente Planungen vorgenommen werden können.

Praxisbezug und Problemorientierung stehen im Vordergrund der Ausführungen. Das vorliegende Buch richtet sich damit an alle Personen, die sich im Rahmen ihrer Berufsausbildung und/oder beruflichen Tätigkeit mit den Themen Unternehmensanalyse bzw. Erfolgsprognose befassen müssen. Das Buch soll Analysten und M&A-Berater im Investmentbanking, Wirtschaftsjournalisten, (angehende) Wirtschaftsprüfer sowie Finanz- und Investor-Relations-Fachleute bei Unternehmen ansprechen. Da diese Themen vielfach auch Lehrstoff an Hochschulen sind, hoffe ich auch, einen Beitrag für interessante und praxisnahe Lehrveranstaltungen zu geben.

Bei der Anfertigung des Buches haben mir zahlreiche Personen geholfen. Ich danke meinem Mitarbeiter Thorben Hinderks für wertvolle Arbeiten bei der Erstellung von Spreadsheets. Adelheid Fleischer und Frank Katzenmayer vom Verlag Schäffer Poeschel danke ich dafür, dass sie geduldig alle meine Änderungswünsche umgesetzt haben. Bei meiner Ehefrau Helena ­Seppelfricke und meinem Schwiegervater Prof. Dr. Dimitris Maretis bedanke ich mich dafür, dass sie die mühevolle Arbeit des Korrekturlesens mit großer Sorgfalt durchgeführt haben.

Osnabrück, im November 2018

Prof. Dr. Peter Seppelfricke

1 Einleitung

Hol mir ma ′ne Flasche Bier, sonst streik′ ich hier.

Gerhard Schröder

Die Bierbranche bot bisher ein erstaunlich stabiles Geschäftsmodell. Unter den 50 ältesten Unternehmen in Deutschland befinden sich 36 Brauereien.1 Die älteste Unternehmensgründung fand vor etwa 1.000 Jahren in Bayern statt: Die bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan wurde im Jahre 1040 in Freising bei München gegründet. Der dauerhafte Bestand dieser Brauereien ist sehr ungewöhnlich, denn das Durchschnittsalter deutscher Unternehmen beträgt nur etwa 8–10 Jahre.2 Von den 30 ursprünglich gelisteten Unternehmen im DAX (bei Auflage im Juli 1988) sind heute lediglich 13 übrig!

Schumpeter hat das Wirtschaftsgeschehen deshalb schon früh als Prozess der schöpferischen Zerstörung beschrieben.3 Einfallsreiche Unternehmer treiben durch ihre Ideen beständig den Fortschritt an. Diese Innovationen bedrohen unaufhörlich die bestehenden Strukturen und werden früher oder später die vorhandenen Unternehmen zerstören (z. B. Karstadt, Philipp Holzmann, Agfa oder Air Berlin). Auch bei vielen Brauereien macht sich aktuell Ernüchterung breit: Die junge Generation konsumiert deutlich weniger Bier und es ist nicht garantiert, dass dieses Geschäftsmodell auch die nächsten 1.000 Jahre überdauern wird.

Die permanenten Veränderungen in der Wirtschaft werfen viele Fragen auf. Welche Aktivitäten werden sich als aussichtsreich erweisen? Warum können einige Unternehmen erfolgreicher wirtschaften als andere? Welche Geschäfte sind möglicherweise bedroht? Die Beantwortung dieser Fragen ist für viele Sachverhalte und Personen von zentraler Bedeutung.

1 Dies ergibt sich aus den Archiven des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Hoppenstedt.

2 Zu diesem Ergebnis kommen Forschungen an der Universität Rostock. Es wurden dabei Daten zu Firmeninsolvenzen des Bundesfinanzministeriums ausgewertet. (Quelle: https://www.uni-rostock.de/nd/universitaet/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/n/wie-alt-werden-unternehmen-in-deutschland-4041; 30.10.2018)

3 Sein frühes Werk findet man unter: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung: eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus, 8. Auflage 1997. Es wurde erstmalig 1911 verfasst.

1.1 Adressaten der Erfolgsprognose

Es gibt zahlreiche Personen oder Gruppen, die ein großes Interesse an der Entwicklung eines Unternehmens haben. Diese bezeichnet man als Stakeholder (Anspruchsgruppen; Betroffene). Es lässt sich dabei zwischen internen Betroffenen (Eigentümer, Manager, Mitarbeiter) und externen Betroffenen (Lieferanten, Kreditgeber, Kunden, Gesellschaft) unterscheiden. Allen Stakeholdern ist gemein, dass die Erfüllung ihrer Erwartungen von der Ertragskraft des Unternehmens abhängt. Als Ertragskraft bezeichnet man die Fähigkeit eines Unternehmens, nachhaltig erfolgreich zu wirtschaften. Eine Übersicht gibt Abbildung 1.1.

Es wird deutlich, dass die Stakeholder ein vielfältiges Interesse an der Entwicklung »ihres« Unternehmens haben. Die Zahlungen an Eigentümer (Ausschüttungen), an Fremdkapitalgeber (Zinsen und Tilgung) und an den Staat (Steuern) bemessen sich an der Ertragskraft. Für Mitarbeiter und Manager entscheiden die zukünftigen Erfolge über ihre Perspektiven im Unternehmen (Gehälter, Aufstiegsmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit). Nicht zuletzt profitieren auch Kunden (mittels attraktiver Produkte) sowie die gesamte Gesellschaft (mittels Sponsoring) von gesunden Unternehmen.

Abb. 1.1:

Stakeholder des Unternehmens (Quelle: Eigene Darstellung)

1.2 Einsatzfelder der Erfolgsprognose

Die Erfolgsprognose ist bei verschiedenen Fragestellungen relevant. In den unterschiedlichen Einsatzfeldern spiegeln sich die Interessen der einzelnen Anspruchsgruppen.

Unternehmensbewertungen: Es gibt zahlreiche Anlässe, bei denen Unternehmen für aktuelle oder potenzielle Eigentümer bewertet werden müssen. Fusionen, Übernahmen, Abfindungen oder Scheidungen (Ermittlung eines Zugewinnausgleichs) machen regelmäßig Unternehmensbewertungen erforderlich. Der Unternehmenswert ermittelt sich aus dem (Bar-)Wert der zukünftigen Erfolge eines Unternehmens.

Finanzplanungen: Im Rahmen einer Finanzplanung müssen auch die zukünftigen Erfolge eines Unternehmens prognostiziert werden. Auf Basis einer fundierten Prognose kann der zukünftige Bedarf an liquiden Mitteln abgesehen werden. Liquide Mittel werden benötigt, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen bzw. um erforderliche/sinnvolle Investitionen zu finanzieren. Die Prognose der zukünftigen Erfolge bildet damit das Fundament für wichtige Investitions- und Finanzierungsentscheidungen des Unternehmens.

Rating: Die Gläubiger eines Unternehmens (Kreditgeber, Lieferanten) sind vorwiegend an der Bonität eines Unternehmens interessiert. Ratingagenturen oder Banken messen diese und vergeben entsprechende Ratingnoten. Die Einstufung repräsentiert dabei eine Wahrscheinlichkeit, mit der ein Unternehmen in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Grundlage für die Ermittlung einer Ratingnote bildet die Abschätzung der zukünftigen Erfolge und Risiken eines Unternehmens.

Vergütungsvereinbarungen: In den Gehaltsvereinbarungen zahlreicher Mitarbeiter und Manager sind heute erfolgsabhängige Bestandteile verankert. Bei den Vorständen von großen Konzernen machen erfolgsabhängige Bestandteile regelmäßig ca. 60–70 % der gesamten Vergütung aus. Die Vergütung sollte an zukünftigen Erfolgen festgemacht werden, welche die Leistungen des Managements adäquat abbilden.

1.3 Ablauf der Prognose

Trotz der enormen Bedeutung der Erfolgsprognose für viele Fragestellungen ist die Anfertigung von systematischen Vorhersagen bisher kaum Gegenstand der einschlägigen Literatur oder von Lehrplänen an Hochschulen. Dieses Buch stellt deshalb einen Versuch dar, diese Lücke zu schließen. Es soll detailliert dargelegt werden, wie schlüssige und konsistente Planungen vorgenommen werden können.

Zu diesem Zweck werden in Kapitel 2 zunächst die Möglichkeiten der Finanzanalyse dargestellt. Im Rahmen von Finanzanalysen werden die veröffentlichten Zahlen aus der Rechnungslegung des Unternehmens ausgewertet. Die Rechnungslegung ist die Sprache, mit der ein Unternehmen regelmäßig mit seinen Stakeholdern kommuniziert. Für eine qualifizierte Erfolgsprognose ist es deshalb unabdingbar, diese Ausdrucksform zu verstehen. Die Analyse von Daten aus der Rechnungslegung offenbart die aktuelle Erfolgs- und Liquiditätslage eines Unternehmens. Die Aufspaltung von Erfolgen in verschiedene Bestandteile legt zudem wichtige Quellen des Erfolgs offen.

Merke

Die Analyse historischer Daten im Rahmen von Finanzanalysen bilden die Grundlage für Erfolgspro­gnosen. Eine ausschließliche Auswertung von Daten aus der Vergangenheit reicht jedoch für eine überzeugende Prognose nicht aus. Die wäre vergleichbar mit der Kursprognose für ein Schiff, bei welcher man lediglich nach achtern schaut. Wenn sich die Rahmenbedingungen (Wind, Drift, Schiffsverkehr etc.) nicht verändern, so wird sich der bisherige Kurs wohl fortsetzen. Verantwortungsvolle Kapitäne schauen aber auch bis zum Horizont nach vorne, nehmen Veränderungen im Umfeld frühzeitig wahr und passen ggf. den Kurs an.

Für gehaltvolle Erfolgsprognosen müssen deshalb auch eingehend Marktentwicklungen und die strategische Positionierung in diesem Umfeld untersucht werden. Die Analyse des Marktes und der Strategien eines Unternehmens sind Gegenstand von Kapitel 3. Diese Betrachtungen offenbaren die künftigen Erfolgspotenziale eines Unternehmens.

Die verschiedenen Analysen machen deutlich, dass die Erfolge eines Unternehmens simultan von zahlreichen internen und externen Einflüssen geprägt werden. Dabei ist die Erfolgsprognose nicht nur kompliziert, sie ist komplex. In einem komplizierten System bestehen eindeutige Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Diese sind zwar häufig schwer nachzuvollziehen, können aber grundsätzlich erfasst werden. In komplexen Umgebungen bestehen dagegen vielfach kaum vorhersehbare Wechselwirkungen. Ursache ist häufig Wirkung, Wirkung regelmäßig auch Ursache – und kleinste Veränderungen können stabile Systeme schnell zerstören.

BEISPIEL

Handelspolitik USA

Aufgrund von Ungleichgewichten in der Handelsbilanz belegen die USA viele chinesische Produkte mit Zöllen. Die Chinesen begreifen die Zölle eher als Ursache, die Amerikaner eher als Wirkung des Handelskonfliktes. Die Einführung dieser Zölle verursacht weltweit eine kaum vorhersehbare Umlenkung von Handelsströmen. Die Absatzpreise und Ertragsaussichten zahlreicher Branchen können unter Druck geraten. Darüber hinaus lässt sich kaum absehen, ob und wie China oder andere Länder mit Gegenmaßnahmen reagieren werden. Akzeptieren die Chinesen die Zölle weitgehend klaglos, so werden sich die Auswirkungen auf den Welthandel wohl in Grenzen halten. Werden dagegen drastische Gegenmaßnahmen ergriffen, so können die US-Zölle auch in einen weltumspannenden Handelskrieg münden. Das fragile System Welthandel könnte erheblich destabilisiert werden.

Es wird deutlich, dass es aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten keine perfekte Erfolgsprognose geben kann. Eine Prognose dürfte aber umso verlässlicher sein, je mehr die Vorhersage durch kenntnisreiche Analysen vom Markt und vom Unternehmen untermauert wird. In Kapitel 4 soll aufgezeigt werden, wie sich die Analysen in schlüssigen und konsistenten Planungsrechnungen verdichten lassen.

Merke

Die Erstellung von Prognosen kann mit der Anfertigung eines Mosaiks verglichen werden. Die verschiedenen Analysen gleichen einzelnen Mosaiksteinen. Solange nur vereinzelt Steine auf dem Tisch liegen, kann man kein Muster erkennen. Mit der zunehmenden Anzahl von Analysen fügen sich die Teile ineinander und es kann ein stimmiges Bild herausgearbeitet werden.

2 Finanzanalysen (Vergangenheitsanalysen)

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Quelle unbekannt; häufig Mark Twain zugeschrieben

2.1 Ausgangspunkt Konzernabschluss

Bei vielen Unternehmen handelt es sich um Konzerne, also einen Verbund mehrerer Einzelunternehmen unter einer KonzernmutterKonzernabschluss. Der Konzernabschluss ist der wichtigste Bezugspunkt der Unternehmensanalyse. Das Mutterunternehmen kann beherrschenden Einfluss auf die zum Konzern gehörenden Tochterunternehmen ausüben. In der Folge haben die Einzelabschlüsse der Unternehmen regelmäßig eine geringere Aussagekraft. Die Vermögens-, ­Finanz- und Ertragslage eines Konzerns wird durch einen Konzernabschluss transparenter und verlässlicher dargestellt.

Die einzelnen Abschlüsse der Tochterunternehmen und des Mutterunternehmens werden zunächst zu einem Zahlenwerk summiert, anschließend die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Konzernunternehmen eliminiert. Der Konzernabschluss ist so darzustellen, als ob der Konzern ein einheitliches Unternehmen wäre (EinheitsfiktionEinheitsfiktion).

BEISPIEL

Konsolidierungen

Gewährt eine Untergesellschaft einer anderen einen Kredit, so entsteht innerhalb des Konzerns sowohl eine Forderung als auch eine Verbindlichkeit. Der Konzernabschluss blendet diese Verflechtungen aus und gibt damit einen transparenteren Einblick in die Vermögenslage. Die separate Betrachtung verschiedener Einzelabschlüsse würde diese Überschneidung nicht erkennen lassen.

2.2 Konzernabschlüsse nach HGB, IFRS und US-GAAP

Bis zur Jahrtausendwende bilanzierten die meisten börsennotierten Unternehmen in Deutschland nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs, kurz HGB. Um Konzernabschlüsse europaweit besser vergleichbar zu machen, wurde von der EU beschlossen, dass alle Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen ab dem 1. Januar 2005 zwingend nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) aufgestellt werden müssen. Kapitalmarktorientierte Unternehmen gemäß den IFRS sind Mutterunternehmen, deren Wertpapiere (Aktien und/oder Schuldverschreibungen) zum Handel an einem organisierten Markt innerhalb der EU zugelassen sind.

Für alle anderen Konzernabschlüsse und den Einzelabschluss können die EU-Mitgliedstaaten dagegen selbst entscheiden, inwieweit sie auch eine Bilanzierung nach IFRS vorschreiben bzw. zulassen. In Deutschland wurde durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) die IAS-Verordnung in deutsches Recht umgesetzt. Nicht-kapitalmarktorientierte Muttergesellschaften dürfen ihren Konzernabschluss wahlweise nach den nationalen Vorschriften des HGB oder nach den IFRS aufstellen. Aufgrund der Ausschüttungsbemessungsfunktion sowie der Maßgeblichkeit des handelsrechtlichen Jahresabschlusses für die Steuerbilanz müssen deutsche Unternehmen jedoch immer noch einen HGB-Jahresabschluss anfertigen.

Ein typischer Konzernabschluss in Deutschland enthält die folgenden BestandteileKonzernabschluss, Bestandteile:

Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung,

Konzernbilanz,

Kapitalflussrechnung,

Segmentberichterstattung,

Eigenkapitalveränderungsrechnung,

Konzernanhang,

sowie ergänzend einen Konzernlagebericht.

Das Publizitätsgesetz verpflichtet Aktiengesellschaften zur regelmäßigen Veröffentlichung eines Jahresabschlusses und eines Lageberichts. Für börsennotierte Aktiengesellschaften schreibt das Wertpapierhandelsgesetz (§ 115 WpHG) vor, für die ersten sechs Monate eines jeden Geschäftsjahres einen Halbjahresfinanzbericht zu erstellen. Darüber hinaus müssen börsennotierte Unternehmen in regulierten Märkten kursrelevante Tatsachen unverzüglich melden (Pflicht zur Ad-hoc-PublizitätAd-hoc-Publizität gemäß Art. 17 Marktmissbrauchsverordnung MMVO). Die Deutsche Börse stellt privatrechtlich an Unternehmen zusätzliche Publizitätsanforderungen, wenn sie im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein wollen: So müssen die Unternehmen neben dem Jahresabschluss regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichen, mindestens eine Analystenkonferenz im Jahr halten und Ad-hoc-Mitteilungen zusätzlich in englischer Sprache publizieren.

2.2.1 Unterschiede in der Bilanzierung

Mit der Umstellung auf die IFRS hat sich die Philosophie der Rechnungslegung grundlegend verändert. Im Vordergrund von HGB-Abschlüssen stehen der GläubigerschutzGläubigerschutz und die Kapitalerhaltung. Dies ist nach einer Berichterstattung nach IFRS nachrangig. Die IFRS dienen vornehmlich dem Informationsbedürfnis der Investoren und Analysten. Danach hat der Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft »ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens« zu vermitteln (»True and Fair ViewTrue and Fair View«). In der Folge fällt der Gewinnausweis zumeist höher aus; stille Reserven werden eher offengelegt.

Neben den europäischen IFRS existieren weltweit weitere relevante Rechnungslegungsvorschriften. In den USA wird nach den US-GAAPUS-GAAP, in Großbritannien teilweise auf Grundlage des UK-GAAP und in der Schweiz auf Basis der IFRS/Swiss GAAP bilanziert. Zwischen den Bilanzierungsvorschriften in Europa und den USA bestehen einige Unterschiede.

HGB

IFRS

US-GAAP

Rechtsgrundlage

Code Law: Grundsätze sind im Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt.

Case Law: Träger, IASC, hat Regeln an US-amerikanische Grundsätze angepasst.

Rule Based: Die Grundsätze werden von den Berufsständen und der Börsenaufsicht entwickelt (keine einheitlichen Rechtsquellen).

Zielgruppen

Gläubiger (Einzelabschluss: Fiskus)

Alle Stakeholder

Investoren

Zweck der Rechnungslegung

Langfristige Kapitalerhaltung und Gläubigerschutz. Dominanz des Vorsichtsprinzips.

Informationen für wirtschaftliche Entscheidungen aller Stakeholder. Dominanz der periodengerechten Erfolgsermittlung.

Hilfe für Anlageentscheidungen von Investoren. Dominanz der periodengerechten Erfolgsermittlung.

Steuerliche Einflüsse

Übernahme der steuerlichen Wertansätze aufgrund der umgekehrten Maßgeblichkeit.

Der steuerliche Einfluss ist zurückgedrängt.

Keine Einflüsse.

Realisations- und Imparitätsprinzip

Unrealisierte Gewinne dürfen nicht, drohende Verluste müssen antizipiert werden.

Grundsätzlich gilt das Realisationsprinzip. Nicht realisierte Gewinne können aber sukzessive als Gewinne verbucht werden (Frontend-Loading).

Grundsätzlich gilt das Realisationsprinzip (Ausnahmen bei langfristiger Fertigung). Verluste sind zu antizipieren, wenn sie absehbar sind oder verlässlich geschätzt werden können.

NeubewertungsmethodeNeubewertungsmethode

Nicht zulässig: Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten.

Zulässig: Möglichkeit, Vermögen oberhalb der ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bilanzieren (wenn ein aktiver Markt vorliegt).

Nicht zulässig: Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten.

Stille Reserven

Die Möglichkeit, stille Reserven zu bilden, ist kaum eingeschränkt.

Die Möglichkeit, stille Reserven zu bilden, ist stark eingeschränkt.

Die Möglichkeit, stille Reserven zu bilden, ist eingeschränkt.

Abb. 2.1: Grundlegende Unterschiede HGB, IFRS, US-GAAP (Quelle: Eigene Darstellung)

Bei den IFRS sind die Möglichkeiten der Bilanzpolitik durch weniger Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte deutlich eingeschränkt. Im Gegensatz zum HGB, das als Code Law ausgestaltet ist, sind die IFRS als Case Law geschrieben, um möglichst viele Einzelfälle zu erfassen. Dies vermeidet zwar die Notwendigkeit einer Auslegung und Interpretation der einzelnen Vorschriften, schlägt sich jedoch im Umfang der Regulierung nieder: Während die IFRS rund 1.000 Seiten umfassen, wird die Rechnungslegung des HGB in weniger als 100 Paragrafen geregelt.

Es können sich erhebliche Unterschiede bei der Bewertung einzelner Vermögenspositionen ergeben. Aufgrund der unterschiedlichen Bedeutung des Realisationsprinzips kann der Zeitpunkt der Umsatzrealisierung in den verschiedenen Rechnungslegungen sehr unterschiedlich sein. Oder anders ausgedrückt: Umsätze lassen sich nach den IFRS schon früher realisieren als nach HGB oder US-GAAP (sog. Frontend-LoadingFrontend-Loading).

BEISPIEL

Bilanzierung von Rolls-Royce

Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce verkaufte jahrelang Triebwerke inklusive Wartungsverträgen. Das OEM(Original-Equipment)-Geschäft war regelmäßig defizitär, das Aftermarket-Geschäft hingegen sehr lukrativ. Aufgrund der Anwendung der IAS 15 war es aber möglich, schon zum Zeitpunkt des Verkaufs von Triebwerken die zukünftigen Erfolge aus der Wartung zeitanteilig als Ertrag zu verbuchen (»verfrühstücken«). Es ist ersichtlich, dass Frontend-Loading ein Liquiditätsrisiko verschleiern kann, wenn die Abnehmer der Triebwerke insolvent werden und die Verträge nicht erfüllen können. Gemäß HGB und US-GAAP wäre eine derartig aggressive Bilanzierung nicht möglich gewesen. Aufgrund der Kritik hat Rolls-Royce beschlossen, die Bilanzierung mit dem Geschäftsjahr 2016 zu ändern. Umsätze und EBIT werden seitdem deutlich niedriger ausgewiesen.

Auch bei der Bilanzierung von immateriellen Vermögensgegenstand, immateriellerVermögensgegenständen (Patente, Lizenzen, Urheberrechte, Filmmaterial, Franchiseverträge etc.) verfolgen die IFRS den »True and Fair View« und erfordern eine Aktivierung. Nach den IFRS soll eine Aktivierung dann erfolgen, wenn der einzelne immaterielle Vermögensgegenstand vermutlich einen Zuwachs an ökonomischen Nutzen mit sich bringt und eine zuverlässige Bewertung dieses Vorganges möglich ist. Das Imparitätsprinzip wird hingegen weniger streng verfolgt als im HGB: Die Ermessensspielräume bei der Ausweisung von Rückstellungen sind nach den IFRS deutlich geringer als nach dem HGB.

Die IFRS (IAS 2) ermöglichen auch keine LIFO-BewertungLIFO-Bewertung von Vorräten (Last in – First out), HGB und US-GAAP hingegen schon. In der Folge können die Betriebsergebnisse nach den IFRS und nach den US-GAAP ganz unterschiedlich ausfallen. Bei steigenden Materialpreisen können gemäß HGB und US-GAAP die Materialaufwendungen höher und die Ergebnisse niedriger ausgewiesen werden als nach den IFRS.

Merke

Die Grundprinzipien der Rechnungslegung haben zur Folge, dass in den nach IFRS aufgestellten Abschlüssen tendenziell ein höherer Gewinn ausgewiesen wird und die Vermögenswerte zu aktuelleren Werten angegeben werden, als dies nach HGB der Fall wäre. Die Rechnungslegung gemäß IFRS und ­US-GAAP sind mittlerweile recht ähnlich. Die Konzernabschlüsse sind mithin international gut vergleichbar. Im Zuge des Harmonisierungsprozesses zwischen US-GAAP und den IFRS ist zudem eine weitere Annäherung zu erwarten.

2.2.2 Präsentation der Zahlen

Die optischen Unterschiede zwischen US-amerikanischen und europäischen GeschäftsberichtenGeschäftsbericht sind sehr augenfällig. Während in europäischen Geschäftsberichten nahezu keine Auflagen bezüglich des Formats und der zusätzlichen Informationen gegeben sind, müssen die meisten US-Unternehmen ein standardisiertes Formblatt (sogenanntes 10-K10-K) ausfüllen. Die US-Abschlüsse sind klar strukturiert und sehr übersichtlich. Markt- und Branchendaten oder Abbildungen finden sich in diesen Abschlüssen jedoch nur in Ausnahmefällen. Aufgrund der Standardisierung sind die Berichte gut vergleichbar.

Europäische Geschäftsberichte weisen eine geringere Vergleichbarkeit auf, da den Unternehmen größere Freiheiten bezüglich Gestaltung und Inhalt zugestanden werden. In europäischen Geschäftsberichten finden sich neben dem Jahresabschluss vielfach Zusatzinformationen, die das Verständnis für die Entwicklungen des Unternehmens erhöhen sollen. Aufgrund der mangelnden Standardisierung besteht aber die Gefahr, dass die zusätzlichen Informationen den Blick auf die Vermögens- und Ertragslage verstellen können.

Während die US-amerikanischen Jahres (10-K) und Quartalsabschlüsse (10-Q) bequem über die Webseite der SEC eingesehen werden können, sind die Abschlüsse von europäischen Unternehmen in der Regel nur direkt über die Internetseiten der Unternehmen abrufbar.

2.2.3 Gewinn- und Verlustrechnung (Income Statement)

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)stellt den Erträgen der Periode die entsprechenden Aufwendungen gegenüber. Der Saldo dieser Positionen ergibt den Gewinn oder den Verlust der Periode. Der Saldo zeigt an, wie sich das Vermögen der Eigentümer während einer Periode verändert hat.

Die Gewinn- und Verlustrechnung wird entweder nach dem Gesamtkosten (GKV) oder Umsatzkostenverfahren (UKV) Umsatzkostenverfahrenaufgestellt. Gemäß HGB und IFRS sind beide Verfahren zulässig, bei den IFRS wird das Umsatzkostenverfahren bevorzugt. Nach US-GAAP ist das GesamtkostenverfahrenGesamtkostenverfahren sogar verboten. Internationale Konzerne stellen die Gewinn- und Verlustrechnung (Income Statement) deshalb größtenteils nach dem Umsatzkostenverfahren auf.

Das Gesamtkostenverfahren berücksichtigt alle angefallenen Aufwendungen der Periode. Das Umsatzkostenverfahren stellt dagegen lediglich die Aufwendungen der tatsächlich verkauften Produkte und Dienstleistungen den Umsatzerlösen gegenüber. Da die Verkäufe sich am Markt orientieren und die Gesamtkosten an den Leistungen, ergibt sich eine Differenz, wenn der Herstellungswert der verkauften Einheiten nicht mit dem der produzierten übereinstimmt. Diese Differenz ist in den Bestandsänderungen zu finden. Beide Verfahren führen deshalb letztlich zum gleichen Ergebnis.

Darüber hinaus werden die Kostenarten unterschiedlich gegliedert. Im Gesamtkostenverfahren wird der Aufwand nach Kostenarten (Materialkosten, Personalkosten etc.) aufgespalten, während das Umsatzkostenverfahren die Kosten nach Funktionsbereichen (Produktion, Vertrieb etc.) gruppiert. Schematisch sind die beiden Verfahren nach IFRS wie folgt aufgebaut:

Gesamtkostenverfahren

Umsatzkostenverfahren

Umsatzerlöse

Umsatzerlöse

+/–

Bestand an fertigen und unfertigen ­Erzeugnissen

Herstellungskosten zur Erzielung der Umsätze

+

Sonstige betriebliche Erträge

Bruttoergebnis vom Umsatz

Materialaufwand

Vertriebskosten

Rohergebnis

Verwaltungskosten

Personalaufwand

+/–

Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen

Abschreibungen

Sonstige betriebliche Aufwendungen

+/– Finanzergebnis

– Steueraufwand

Abb. 2.2: Gesamtkostverfahren versus Umsatzkostenverfahren

Es ist erkennbar, dass bei beiden Verfahren eine Aufspaltung des Ergebnisses erfolgt. Das Gesamtergebnis vor Steuern setzt sich aus den Bestandteilen Betriebsergebnis und Finanzergebnis zusammen. Diese Untergliederung liefert Informationen über die Quellen des Erfolgs.

Abb. 2.3:

Erfolgsquellen des Unternehmens (Quelle: Eigene Darstellung)

BetriebsergebnisBetriebsergebnis (Operating Profit, EBIT)

Das Betriebsergebnis beinhaltet alle betrieblichen Aufwendungen und Erträge, die den Leistungsprozess (und Nebengeschäfte durch Verkauf und Vermietung oder Verpachtung von Produkten bzw. Erbringung von Dienstleistungen) betreffen. Das Betriebsergebnis steht zumeist im Zentrum von Unternehmensanalysen. Das EBIT offenbart die Ertragskraft des originären Geschäfts und ist Ausdruck der Fähigkeiten des Managements und der Positionierung des Unternehmens im Wettbewerb. Auf das Finanzergebnis und die Steuerzahlungen hat das Management hingegen kaum Einfluss. Das Betriebsergebnis ist zudem ein guter Indikator für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens. Das Finanzergebnis (Zins- und Beteiligungsergebnis) schwankt regelmäßig recht zufällig.

FinanzergebnisFinanzergebnis (Financial Income)

Das Finanzergebnis gehört zum finanzwirtschaftlichen Bereich und betrifft den Finanzierungs- bzw. Kapitalanlagebereich eines Unternehmens. Es enthält überwiegend gezahlte Zinsen auf das Fremdkapital und ist im Regelfall negativ. Den Aufwendungen (z. B. gezahlte Zinsen, Abschreibungen auf Finanzanlagen, Disagio oder ähnliche Aufwendungen) werden die Erträge aus Kapitalanlagen bzw. Kapitalverflechtungen (z. B. Erträge aus Beteiligungen, Wertpapieren, erhaltene Zinsen oder Agio) gegenübergestellt.

Konzernergebnis (Earnings after Taxes, EAT)

Betriebsergebnis und Finanzergebnis ergeben zusammen das Ergebnis vor Steuern (Earnings before Taxes, EBTEBT). Auf diese Summe bezahlt das Unternehmen die Ertragsteuern.

Nachdem alle Aufwandspositionen von den Umsatzerlösen bzw. der Gesamtleistung (im Gesamtkostenverfahren) abgezogen wurden, ergibt sich der Jahresüberschuss bzw. bei negativem Saldo ein Jahresfehlbetrag. Im IFRS-Abschluss wird diese Position auch »Ergebnis der PeriodeErgebnis der Periode« oder »KonzernergebnisKonzernergebnis« genannt.

Merke

Die Erfolgsspaltung in der Gewinn- und Verlustrechnung ist für die Analyse hilfreich, aber nicht ausreichend. Die Rechnungslegung ist nicht auf eine Ermittlung des nachhaltigen Erfolgs ausgelegt. Daneben wird die Bilanzierung geprägt durch das Vorsichtsprinzip: Die ausgewiesenen Ergebnisse werden eher zu niedrig dargestellt. Für aussagekräftige Analysen müssen die Erfolgsgrößen deshalb regelmäßig bereinigt werden (siehe Kapitel 2.3).

2.2.4 Bilanz

Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Mittelherkunft (Passiva) und Mittelverwendung (Aktiva) zu einem Stichtag. Vermögenswerte, Schulden und Eigenkapital (Reinvermögen) des Unternehmens werden dabei in Kontenform aufgeführt. Die Bilanz stellt auf der Aktivseite das gesamte Vermögen eines Unternehmens dar. Auf der Passivseite erkennt man, wie sich dieses Vermögen auf die verschiedenen Kapitalgeber (Eigentümer und Fremdkapitalgeber) aufteilt.

Aktiva

Passiva

A. Anlagevermögen

A. Eigenkapital

I.

Immaterielles Vermögen

I.

Gezeichnetes Kapital

II.

Sachanlagen

II.

Kapitalrücklage

III.

Finanzanlagen

III.

Gewinnrücklagen

IV.

Gewinnvortrag/Verlustvortrag

B. Umlaufvermögen

V.

Anteile von Minderheiten

I.

Vorräte

II.

Forderungen

B. Langfristige Schulden

III.

Finanzanlagen

IV.

Zahlungsmittel

C. Kurzfristige Schulden

Abb. 2.4: Typisches Gliederungsschema einer Konzernbilanz

2.2.4.1 Aktiva (Assets)

Die Aktivseite zeigt die Verwendung des auf der Passivseite eingeworbenen Kapitals auf. Das Vermögen ist nach Fristigkeit und Liquidität gegliedert in langfristige (AnlagevermögenAnlagevermögen) und kurzfristige Vermögenswerte (UmlaufvermögenUmlaufvermögen). Das Anlagevermögen enthält Vermögensgegenstände, die dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen und nicht zum Verkauf bestimmt sind.

Das Umlaufvermögen beinhaltet kurzfristige Vermögensgegenstände, welche bis zu einem Jahr im Unternehmen verbleiben. Wichtige Positionen sind hier Vorräte, Forderungen, Finanzanlagen und Zahlungsmittel. Das Umlaufvermögen dient zur Produktion der Güter und Dienstleistungen und ist deshalb nur flüchtig im Unternehmen vorhanden.

Merke

Aus analytischer Sicht ist bedauerlich, dass die Aufspaltung des Vermögens nicht mit der Aufspaltung des Erfolgs in der GuV korrespondiert. Dort ist der Erfolg untergliedert in einen betrieblichen Erfolg (aus dem Leistungsbereich) und einen finanziellen Erfolg (aus dem Finanzbereich). Für sinnvolle Gegenüberstellungen von Periodenerfolgen und Kapitaleinsatz muss deshalb das Vermögen der Bilanz umgegliedert werden (siehe Kapitel 2.4).

2.2.4.1.1 Langfristige Vermögenswerte (Non-Current Assets, Fixed Assets)

Immaterielle VermögenswerteBilanzierung, immaterielle VermögenswerteVermögensgegenstand, immaterieller (Intangible Assets)

Bei den immateriellen Vermögensgegenständen handelt es sich um nicht-physisches Vermögen. Dies umfasst z. B. Patente, Urheberrechte, Computersoftware, Filmmaterial, Franchiseverträge oder Absatzrechte. Bei der Bilanzierung können sich erhebliche UnterschiedeKonzernabschluss, Unterschiede ergeben. Die Schaffung von immateriellem Vermögen korrespondiert mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Research & Development, R&D).

Gemäß HGB besteht ein Wahlrecht zur Aktivierung von EntwicklungskostenEntwicklungskosten. Nach IFRS werden selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte grundsätzlich nach denselben Kriterien bilanziert wie die erworbenen. Es besteht eine Aktivierungspflicht, wenn der Vermögenswert eindeutig identifizierbar ist und sein Wert verlässlich ermittelt werden kann. Es kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit erwartet werden, dass dem Unternehmen aus dem Vermögen ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen entsteht (IAS 38). Nach IAS 38 bestehen Bilanzierungsverbote nur für einen selbst geschaffenen Geschäfts- oder Firmenwert (IAS 38.48) oder selbst geschaffene Markennamen, Verlagsrechte, Drucktitel und vergleichbare Posten. Führen Entwicklungskosten zu marktreifen Produkten (und generieren künftige Zahlungsüberschüsse), sind sie von anderen Entwicklungskosten abgrenzbar und dürfen aktiviert werden (IAS 38.57).

Bei Anwendung von HGB oder US-GAAP ist die Aktivierung von Forschungskosten grundsätzlich verboten, eine Ausnahme bilden Softwareentwicklungskosten, die zumindest theoretisch auch nach US-GAAP aktiviert werden können (in der Praxis jedoch häufig nicht werden). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden demnach im Regelfall sofort ergebnismindernd verbucht.

HGB

IFRS

US-GAAP

Immaterielle Vermögensgegenstände

Aktivierungswahlrecht für selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände. Entwicklungskosten dürfen aktiviert werden (§ 255 HGB). Im Regelfall werden Forschungs- und Entwicklungskosten sofort ergebniswirksam erfasst.

Gleichbehandlung und Aktivierungspflicht für entgeltlich erworbene und selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände (Wert zuverlässig zu ermitteln, zukünftiger Nutzen nachweisbar). Forschungskosten werden als Aufwand erfasst (Nutzen nicht nachweisbar); Entwicklungskosten sind zu aktivieren (falls Nutzen nachweisbar).

Es besteht ein Aktivierungswahlrecht für selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände (bei positiven Ertragsaussichten über mehrere Perioden). Im Regelfall werden Forschungs- und Entwicklungskosten sofort ergebniswirksam erfasst.

Geschäfts- und Firmenwert

Aktivierungsverbot bei originärem Firmenwert. Wahlrecht beim derivativen Wert: Abschreibung nach voraussichtlicher Nutzungsdauer oder innerhalb von 10 Jahren.

Aktivierungsverbot bei originärem Firmenwert. Aktivierungspflicht beim derivativen Wert: Nutzungsdauer 5 bis 20 Jahre und jährliche Tests auf Werthaltigkeit (Impairment).

Aktivierungsverbot bei originärem Firmenwert. Beim derivativen Wert eine Aktivierungspflicht: Nutzungsdauer höchstens 40 Jahre und jährliche Tests auf Werthaltigkeit (Impairment).

Langfristige Fertigung

Gewinne werden dann gebucht, wenn das Produkt vollständig ausgeliefert ist oder vertraglich festgelegte Teilleistungen erbracht sind (Completed Contract Method).

Der Gewinn kann anteilig über die Jahre der Auftragsabwicklung ausgewiesen werden (Percentage of Completion Method).

Der Gewinn kann anteilig über die Jahre der Auftragsabwicklung ausgewiesen werden (Percentage of Completion Method).

Rückstellungen

Es können Aufwandsrückstellungen gebildet werden. Es ist das Vorsichtsprinzip zu beachten (im Zweifel ist ein höherer Beitrag zurückzustellen).

Rückstellungen dürfen nur gegenüber Dritten gebildet werden. Die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme muss über 50 % betragen.

Rückstellungen dürfen nur gegenüber Dritten gebildet werden. Die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme muss über 70 % betragen.

Pensionsrückstellungen

Anwartschaftsdeckungsverfahren auf der Grundlage des Gehalts- und Rentenniveaus am Bilanzstichtag. Verrechneter Zinssatz gemäß EStG 3–6 %. Zinsaufwand ist Finanzergebnis zugeordnet.

Anwartschaftsbarwertverfahren empfohlen mit der Pflicht, die künftige Gehalts- und Rentenentwicklung zu berücksichtigen. Diskontierungssatz orientiert sich am Kapitalmarktzins. Wahlrecht bei Verbuchung des Zinsaufwands (EBIT oder Finanzergebnis).

Anwartschaftsbarwertverfahren. Zukünftige Gehalts- und Rentenentwicklungen müssen berücksichtigt werden. Diskontierungssatz orientiert sich am (langfristigen) Kapitalmarktzins. Zinsaufwand ist EBIT zugeordnet.

Abb. 2.5: Wichtige Unterschiede zwischen HGB, IFRS, US-GAAP (Quelle: Eigene Darstellung)

FirmenwerteFirmenwert (Goodwill)

Der Geschäfts- oder Firmenwert (»Goodwill«Goodwill) entsteht durch einen entgeltlichen Erwerb von anderen Unternehmen. Übersteigt der Kaufpreis für ein entgeltlich erworbenes Unternehmen dessen Buchwert (Eigenkapital), so ist die positive Differenz als derivativer Geschäfts- oder Firmenwert zu aktivieren.

BEISPIEL

Berechnung des Goodwill

Ein Unternehmen kauft ein anderes Unternehmen zu 100 Mio. €, welches einen Buchwert von nur 50 Mio. € aufweist, also bilanziell lediglich 50 Mio. € »wert« ist. In dem Beispiel müssen nun 50 Mio. € als Goodwill in der Bilanz aktiviert werden. Die Position zeigt regelmäßig auf, dass es viele Vermögensgegenstände eines Unternehmens gibt, die aufgrund mangelnder Materialität nicht bilanziert werden dürfen, bei Übernahmen aber offensichtlich werden. So werden bei Akquisitionen nicht nur Preise für das ausgewiesene (und eher unterschätzte Vermögen), sondern auch Prämien für immaterielles Vermögen wie Markennamen, Kundenbindung, Qualität des Managements etc. gezahlt.

Gemäß IFRS und US-GAAP handelt es sich beim derivativen Unternehmenswert um ein Vermögen ohne bestimmte Lebensdauer, er wird daher nicht planmäßig abgeschrieben. Es erfolgt ein jährlicher Werthaltigkeitstest (Impairment). Gemäß HGB gilt der derivative Firmenwert hingegen als abnutzbares Anlagegut. Sofern der Zeitraum der Nutzung nicht verlässlich geschätzt werden kann, ist der Geschäfts- oder Firmenwert nach voraussichtlicher Nutzungsdauer oder über einen Zeitraum von 10 Jahren abzuschreiben (§ 253 Abs. 3 Satz 4 HGB).

Nach IFRS und US-GAAP besteht für einen selbstgeschaffenen Firmenwert (originären Firmenwert) ein Aktivierungsverbot. Gemäß HGB (§ 255 Abs. 4 HGB) kann ein Aktivierungswahlrecht für einen originären Firmenwert wahrgenommen werden, bei dem die Eigenschaften eines Vermögensgegenstandes nachgewiesen werden können. Dies gelingt jedoch selten.

SachanlagenSachanlagen (Property, Plant & Equipment)

Die Sachanlagen umfassen Grundstücke, Gebäude, Fuhrpark, Geräte und Maschinen. Bei Industrieunternehmen stellen die Sachanlagen im Regelfall die größte Bilanzposition dar. Dieses Vermögen erfordert regelmäßige Wartung und Ersatzinvestitionen.

Die Bewertung von Sachanlagen kann in den verschiedenen Rechnungslegungen sehr unterschiedlich ausfallen. Die IFRS erlauben eine fortlaufende Neubewertung des Vermögens, nach US-GAAP oder HGB ist dies nicht möglich.

BEISPIEL

Neubewertungen der Vonovia AG

Die Vonovia AG führt aufgrund steigender Immobilienpreise gemäß IFRS 13 fortlaufend eine Neubewertung ihres Immobilienvermögens durch. Die Bewertung erfolgt anhand eines Discounted-Cashflow(DCF)-Verfahrens. Im Rahmen des DCF-Verfahrens werden die erwarteten künftigen Nettoeinnahmen einer Immobilie über einen Zeitraum von 10 Jahren prognostiziert und auf den Bewertungsstichtag diskontiert (Kalkulationszins aktuell ca. 5,1 %). Für die Ermittlung des Terminal Value wird zunächst ein nachhaltiger Jahresreinertrag (Net Operating Income) angesetzt und in der Zukunft mit Mietsteigerungen von ca. 2 % p. a. kalkuliert. Aufgrund der Zinssteigerungen und der Anhebung der Kalkulationszinsen wurde das Immobilienvermögen in 2023 um ca. 18 Mrd. € abgewertet. Gemäß US-GAAP ist eine derartige Neubewertung nicht möglich. Bei den beliebten amerikanischen Real-Estate-Investment-Trusts (REITs) bauen sich deshalb regelmäßig sehr hohe stille Reserven auf. Die Bilanzqualität ist deutlich höher einzustufen. Die Möglichkeiten zur Neubewertung erklären die wachsende Beliebtheit der IFRS in vielen Ländern.

FinanzanlagenFinanzanlage (Financial Assets)

Unter Finanzanlagen versteht man Wertpapiere, die dauerhaft im Besitz des Unternehmens sind. Darunter fallen insbesondere Finanzinstrumente und Forderungen an andere Unternehmen. Finanzanlagen können auch dem Umlaufvermögen zugeordnet werden, wenn sie nicht dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen. Die Bewertung von Finanzanlagen ist von der jeweiligen Einstufung gemäß IAS 39 abhängig (siehe Abbildung 2.6).

Klassifizierung

Bewertung

Held to Maturity

Fortgeführte Anschaffungskosten

Loans and Receivables

Fortgeführte Anschaffungskosten

Held for Trading

Marktwert/Fairer Wert

Available for Sale

Ergebnisneutrale Verrechnung mit EK

Abb. 2.6: Klassifizierung von Finanzinstrumenten

Die Klassifizierung kann bedeutsamen Einfluss auf das ausgewiesene Ergebnis und Kapital haben. Kredite und Forderungen (Loans and Receivables) sind Finanzinstrumente, die nicht an öffentlichen Märkten gehandelt und im Regelfall bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden. Sie werden mit fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Wertminderungen (z. B. durch Bonitätsänderungen des Schuldners) werden durch Werthaltigkeitstests (Impairment) ermittelt und abgeschrieben. Disagien werden abgegrenzt und im Zinsergebnis gezeigt.

BEISPIEL

Bewertung eines Kredites

Die Europäische Zentralbank (EZB)Europäische Zentralbank (EZB) hält »zu geldpolitischen Zwecken« Wertpapiere im Bilanzwert von ca. 5 Bio. €. Aufgrund von Zinssteigerungen sind die Barwerte dieser Forderungen (die EZB hält insbesondere Staatsanleihen) deutlich gesunken und die EZB könnte diese Wertpapiere nur noch mit deutlichen Abschlägen gegenüber den Anschaffungskosten an den Börsen verkaufen. Dieser Barwertverlust wird von der EZB nicht offengelegt. Es wird angenommen, dass die EZB diese Forderungen typischerweise bis zur Fälligkeit hält und den Verlust daher nie realisiert (Rückzahlung zu 100 %).4

Bei einer Einordung als »Held to MaturityHeld to Maturity« handelt es sich um börsennotierte Finanzinstrumente, die das Unternehmen bis zur Endfälligkeit halten möchte. Die Behandlung ist analog zu Loans and Receivables. »Held for TradingHeld for Trading« bezeichnet Wertpapiere und Derivate, die nicht dauerhaft im Bestand gehalten, sondern für Handelszwecke gekauft und verkauft werden. Sie sind mit dem aktuellen Marktwert anzusetzen. Besteht ein solcher nicht, ist ein fairer Wert (Fair Value) zu ermitteln. Wertänderungen werden direkt in der GuV als Gewinn/Verlust offengelegt.

Bei einer Einordnung von Finanzinstrumenten als »Available for SaleAvailable for Sale« werden Änderungen im Fair Value grundsätzlich erfolgsneutral im Eigenkapital erfasst. Eine Erfassung in der GuV erfolgt erst bei Realisation oder dauerhafter Wertminderung (Impairment). Unter »Available for Sale« werden diejenigen Finanzinstrumente zusammengefasst, die zur Veräußerung verfügbar sind und keiner anderen Bewertungskategorie zugeordnet werden können. Diese Art der Bewertung hat den Vorteil, dass Bewertungsschwankungen von Finanzinstrumenten nicht zu Verzerrungen in der GuV führen.

2.2.4.1.2 Kurzfristige Vermögenswerte (Current Assets)

VorräteVorräte (Inventories)

Die Vorräte gliedern sich in drei Bestandteile:

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe,

Unfertige Erzeugnisse,

Fertige Erzeugnisse und Waren.

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe umfassen Waren, die zur Herstellung der fertigen Produkte benötigt werden. Darunter fallen beispielsweise Metalle, Öle, Chemikalien oder Schrauben. Unfertige Erzeugnisse umfassen noch nicht fertiggestellte Produkte.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Accounts Receivable)

Diese Position enthält alle Forderungen des Unternehmens gegenüber Dritten. Falls eine Forderung als ausfallgefährdet eingestuft wird, erfolgt eine entsprechende Abschreibung. Im Anhang finden sich Informationen über die Verzugsstruktur der Forderungen und die bisher erforderlichen Abschreibungen.

ZahlungsmittelZahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente (Cash and Cash Equivalents)

In den Zahlungsmitteln werden die gesamten Kassenbestände, Bankguthaben und Schecks des Unternehmens zusammengefasst. Gemeinsam mit äußerst liquiden Finanzmitteln (z. B. Geldmarktpapiere mit Laufzeit bis zu 3 Monaten) bilden die Zahlungsmittel die liquiden Mittel. Dieser Bilanzposten wird auch als Cash-Position bezeichnet.

2.2.4.2 Passiva

Die Passiva zeigen an, wie die Vermögenswerte auf der Aktivseite der Bilanz finanziert wurden. Nur zum Zeitpunkt der Anschaffung eines Vermögens kann die Finanzierung konkret in der Bilanz auf der Passivseite zugeordnet werden.

BEISPIEL

Kauf einer Immobilie

Es wird eine Immobilie im Wert von 1 Mio. € gekauft. Die Immobilie wird hälftig mit Eigen- und Fremdkapital finanziert. Die Bilanz des Erwerbers weist unmittelbar nach dem Erwerb auf der Aktivseite eine Immobilie im Wert von 1 Mio. € und auf der Passivseite jeweils 500.000 € an Fremd- und Eigenkapital auf. In der Folgezeit wird die Immobilie abgeschrieben. Nach 20 Jahren hat die Immobilie nur noch einen Buchwert von 500.000 €, Eigen- und Fremdkapital können sich in der Zwischenzeit aber erheblich verändert haben.

Grundsätzlich sind die Passiva in Eigen- und Fremdkapital unterteilt, wobei Rückstellungen ebenfalls zum Fremdkapital gezählt werden. Das Fremdkapital ist wiederum in langfristige Verbindlichkeiten, kurzfristige Verbindlichkeiten und Rückstellungen untergliedert.

2.2.4.2.1 Kurzfristige Schulden (Short-Term Liabilities, Current Liabilities)

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und LeistungenVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (VLL) (Accounts Payable)

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (VLL) umfassen Lieferantenkredite, also offene Rechnungen der Zulieferer des Unternehmens. Ein Anstieg dieser Position erhöht die Verbindlichkeiten, ist jedoch nicht liquiditätswirksam, da die Auszahlung erst später bei Bezahlung der Rechnungen erfolgt.

KurzfristigeFinanzverbindlichkeit, kurzfristige Finanzverbindlichkeiten (Notes Payable, Commercial Papers)

Diese Position beinhaltet zinstragende Schulden mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Dazu gehören bald fällige Anleihen oder kurzfristige Bankkredite. Ein weiterer Bestandteil sind an organisierten Märkten gehandelte Commercial Papers (Geldmarktpapiere). Diese werden vor allem zur Deckung des kurzfristigen Finanzierungsbedarfs ausgegeben und haben in der Regel eine Laufzeit von bis zu 270 Tagen. Bei Geldmarktpapieren besteht die Besonderheit, dass keine unterjährigen Zinszahlungen erfolgen und sie diskontiert (abgezinst) ausgegeben werden.

2.2.4.2.2 Langfristige Finanzverbindlichkeiten (Bank Loans, Long-Term Debt, Interest Bearing Loans)

Langfristige Finanzverbindlichkeiten sind verzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. In der Regel besteht diese Position aus Bankkrediten und Anleihen. Im Anhang der meisten Jahresabschlüsse werden Details zu Zinssätzen, Währung, Fälligkeitsstruktur und weitere Besonderheiten angegeben.

RückstellungenRückstellung (Provisions)

Rückstellungen sind zu bilden, wenn die Höhe zuverlässig abgeschätzt werden kann und der Eintritt des Ereignisses hinreichend wahrscheinlich (über 50 % nach IFRS, über 70 % nach US-GAAP) ist. Bei einer geringeren Wahrscheinlichkeit ist eine Eventualschuld (Contingent Liability) mit Eintrittswahrscheinlichkeit im Anhang der Bilanz zu dokumentieren. Im Gegensatz dazu werden nach HGB Rückstellungen schon dann gebildet, wenn die Wahrscheinlichkeit unter 50 % liegt (Vorsichtsprinzip). Rückstellungen sind Fremdkapital und dürfen nicht mit Rücklagen verwechselt werden, die Teil des EigenkapitalsEigenkapital sind.

Beispiele sind Kulanzrückstellungen (zur Beseitigung von Mängeln), Rückstellungen für Garantieverpflichtungen oder Prozessrückstellungen.

2.2.4.2.3 Eigenkapital (Shareholders’ Equity)

Das Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug aller Verbindlichkeiten den Eigentümern zur Verfügung steht. Das Eigenkapital verbleibt, im Gegensatz zu Fremdkapital, dauerhaft im Unternehmen. In der Konzernbilanz gliedert sich das Eigenkapital in folgende BestandteileEigenkapital, Bestandteile:

Gezeichnetes Kapital,

Kapitalrücklagen,

Gewinnrücklagen,

Eigene Anteile,

Anteile von Minderheiten

Konzernergebnis.

Die Höhe des Eigenkapitals entspricht bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit dem von den Eigenkapitalgebern eingebrachten Kapital. Das gezeichnete Kapital bildet die Basis des Eigenkapitals und entspricht bei Aktiengesellschaften dem Nennwert der ausstehenden Aktien. Das gezeichnete Kapital bildet eine konstante Größe, die – bis auf seltene KapitalerhöhungenKapitalerhöhung und -herabsetzungen – keinerlei Veränderungen unterliegt.