14,99 €
Eins ist klar: Wer dieses Buch gelesen hat, schnappt sich ein Fernglas und geht in den nächsten Park, um Vögel zu beobachten. 115 Städte weltweit hat Urban Birder David Lindo besucht und erzählt erstaunliche und inspirierende Geschichten über die Vögel, die er auf seinen Trips erlebt hat. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz war er unterwegs, hat Experten vor Ort getroffen oder sich einfach durch den Großstadtdschungel treiben lassen. Denn Vögel beobachten kann man in der Stadt praktisch immer und überall. "Look up!", lautet das einfache Motto des sympathischen Briten. So öffnet er unsere Augen für die Wildnis in den Städten und nimmt uns mit zu spannenden Abenteuern im urbanen Alltag. Übersetzt von Anna-Christin Kramer und Jenny Merling.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 359
Veröffentlichungsjahr: 2018
Dieses E-Book ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei KOSMOS erschienen ist. Da es bei E-Books aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht verwendet werden. Statt dessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.
Dieses Buch ist Donia und Nicole Lindo gewidmet.
Ich werde euch beide immer lieben.
#
WIE ES ANFING
Im August 2006 veränderte sich mein Leben so schlagartig, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Ich war gerade in der BBC-Sendung „Springwatch“ zum ersten Mal als der Urban Birder aufgetreten, und die Welt lag mir zu Füßen. Dachte ich zumindest. Ich schlenderte über die British Birdwatching Fair, die weltweit größte und beste Messe ihrer Art. Cock-of-the-rock, ein Felsenhahn, mit stolzgeschwellter Brust.
Diese Veranstaltung war tief in meinem Bewusstsein verankert. Jedem, der irgendwie irgendwas mit Vögeln zu tun hatte, war dieser Termin heilig. Aber dieses Jahr war es anders. Ich war gerade im Fernsehen gewesen. Würde mich irgendwer erkennen? Die größte Hoffnung setzte ich auf einen BBC-Boss, der sich gerade im Kunstzelt umsah oder sich im Fresszelt einen Hot Dog zwischen die Kiemen schob, während er prüfend den Blick umherschweifen ließ, stets auf der Suche nach einem ungeschliffenen Diamanten. Sämtliche meiner Hoffnungen wurden jedoch mit einem schallenden „Nein“ enttäuscht. Niemand erkannte mich, abgesehen von einem Typ, der mir auf der letzten Messe einen Zehner geliehen hatte. Offenbar hatte er das fehlende Gewicht des Scheinchens in seinem Portmonee wahrgenommen. Und von Fernsehleuten auf der Pirsch war auch keine Spur. Egal, ich war trotzdem obenauf. Deswegen trat ich auch im besten Angebermodus an den Stand der Zeitschrift „Bird Watching“, um dem damaligen Herausgeber Kevin Wilmott zu einem Artikel über mich zu raten. Doch mein gesamter Mut verpuffte, sobald mir die Worte über die Lippen gekommen waren. Kevin starrte mich wortlos an. Sein Gesicht sagte schon alles: „Wer ist dieser Irre?“ Dann fragte er aber tatsächlich noch: „Wer sind Sie?“
Wieso hätte er einen Artikel über mich schreiben sollen? Ja, ich war fünf Minuten in „Springwatch“ zu sehen gewesen, aber das machte mich noch lange nicht zum nächsten Bill Oddie. Sein zweifelnder Blick lag eine gefühlte Ewigkeit auf mir, dann lachte er laut auf. Ich kann ihm gar nicht hoch genug anrechnen, dass er nicht nur ein kleines Interview mit mir brachte, sondern mir bald auch meinen ersten Schreibjob verschaffte – eine Kolumne über Urban Birding. Ziemlich mutig, wenn man mal bedenkt, dass ich bis dahin noch keinen einzigen Satz veröffentlicht hatte.
Anfangs ging es in der Kolumne um Urban Birding im Allgemeinen, aber bald kam mir die Idee, auf der Jagd nach frischem Stoff Städte auf der ganzen Welt zu bereisen. Ich rechnete mit höchstens einem Jahr, bevor ich das Thema erschöpft hätte, doch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Städten überraschten mich enorm. Damals ahnte ich noch nicht, dass damit ein Roadtrip ungeahnten Ausmaßes beginnen würde. Jedes Ballungsgebiet hatte eine andere Persönlichkeit, was noch von den Menschen dort und meinem Glück (oder auch Pech) mit den Vögeln verstärkt wurde. Dieses Buch enthält zahlreiche meiner Abenteuer, die von jenem schicksalhaften Zusammentreffen am Stand der Zeitschrift „Bird Watching“ in Gang gesetzt wurden. Meine Anfänge bei der Zeitschrift 2006 sind ebenso vertreten wie Beiträge aus dem Jahr 2013, dem Zeitpunkt der Niederschrift.
Rechne bloß nicht mit einer Zusammenstellung der besten Vogelbeobachtungsorte auf einer ellenlangen Liste von Weltmetropolen. Ich möchte dich vielmehr auf eine Reise mitnehmen, die bei den grundlegenden Prinzipien des Urban Birding anfängt und sich dann auf unstrukturierte Art und Weise ein paar Großstädten annimmt, angefangen bei denen Großbritanniens. Außerdem war ich nicht nur in Städten unterwegs, sondern manchmal auch auf Inseln oder an anderen sehenswerten Orten, deren Auslassung fast schon unverschämt wäre. Ich bin nämlich der Meinung, die Stadtperspektive aufs Vogelbeobachten lässt sich auch auf die Pampa übertragen. Die hier versammelten Geschichten sind längere Versionen meiner Kolumnen in der „Bird Watching“. Es sind allerdings auch ein paar bislang unveröffentlichte dabei.
Diese unverhoffte Reise hat mich nicht nur einer fantastischen Tierwelt, sondern auch einigen großartigen Naturschützern nähergebracht, deren Hingabe beim Schutz städtischer Wildtiere mich ungemein beeindruckt hat, egal, wie klein ihre Projekte auch gewesen sein mögen. Mit diesem Buch möchte ich ihre Arbeit und ihre Erfolge feiern. Ich hoffe, dass es dich dazu anregt, unsere Ballungsräume mit anderen Augen zu sehen und vielleicht auch zu erkennen, dass der Umweltschutz hier wichtiger ist als irgendwo sonst auf der Welt.
DAS LEBEN ALS URBAN BIRDER
#
VÖGEL BEOBACHTEN IN DER STADT
LASS DICH DRAUF EIN!
Wann hast du das letzte Mal mit geschlossenen Augen mitten auf einer belebten Straße im Stadtzentrum gestanden und dem Zwitschern der Vögel gelauscht? Oder anders ausgedrückt: Wann hast du Urban Birding zum ersten Mal so richtig erlebt?
Falls deine Antwort darauf „nie“ lautet, ist das völlig in Ordnung; Urban Birding ist etwas, auf das man sich erst mal einlassen muss. Ich wurde in London geboren und verbrachte meine Jugend damit, Vögel im städtischen Raum zu beobachten. Obwohl ich mich später als Urban Birder bezeichnen sollte, war ich in Wirklichkeit nicht von Anfang an überzeugt, dass es in der Stadt Vögel zu sehen gibt. Ich hatte keinerlei Lehrer oder Mentoren auf dem Gebiet und auch sonst nur sehr wenige Anhaltspunkte, wie Vögel dort denn überhaupt zu finden waren. Sie fielen mir einfach irgendwann beim Herumlaufen auf. Ich hatte versehentlich herausgefunden, dass es Vögel einfach überall gibt.
In dem Moment, als ich das Phänomen „Vögel in der Stadt“ bewusst wahrnahm, verliebte ich mich auch gleich in Wormwood Scrubs, eine öffentliche Grünfläche bei mir um die Ecke. Dieses Stück Land, eingerahmt von Wohnblocks, Fabriken, Straßen, einem Krankenhaus und einem Gefängnis, hatte es nämlich echt in sich: Hier tummelte sich eine so vielfältige Vogelwelt, dass selbst meine Freunde aus Norfolk neidisch wurden. Sobald man anfängt, die Hügel, Wäldchen, Sümpfe, Seen, Flüsse und Hecken in Städten und ihrer Umgebung ein bisschen zu erkunden, entdeckt man dort früher oder später auch Vögel.
#
MEINE ERSTEN VOGELBEOBACHTUNGEN
VON MAMAVÖGELN UND PAPAVÖGELN
Ich bin schon Vogelfan, solange ich denken kann. Das dürfte vor allem diejenigen überraschen, die mich nur als DJ aus langen Nächten im Club oder von meinen Ganzkörpereinsätzen als Torwart auf dem Bolzplatz kennen. Wenn die nur wüssten, dass ich jeden Tag in aller Herrgottsfrühe Wormwood Scrubs in West London durchstreife, das übrigens auch das berühmte Gefängnis desselben Namens beherbergt. Es wird in „Down in the Tube Station at Midnight“ von The Jams erwähnt und auch in „Charlie staubt Millionen ab“, in dem der König der Cockneys, Michael Caine, eine Rolle spielt.
Manchmal komme ich nach so einem morgendlichen Ausflug nach Hause und habe draußen nichts Nennenswertes entdeckt. Da denke ich mir dann schon: „Warum bin ich eigentlich hier mitten in London unterwegs, wenn ich auf dem Land garantiert irgendwelche tollen exotischen Vögel sehen könnte?“
Um diese Frage zu beantworten, muss ich ein Stück in die Vergangenheit reisen – zum fünfjährigen David, der am Fenster seines Zimmers in Wembley, Nord-London, saß und in den Garten hinausspähte. Erst sah ich „Mamavögel“ und „Papavögel“ Stare undAmseln, „Babyvögel“ und „Onkelvögel“, Haussperlinge undRabenkrähen. Ich sah Ringeltauben bei ihren Flugmanövern zu und taufte sie „Springteufel“, und die gerundeten Schwingen der Kiebitze erinnerten mich an Löffel, also hießen sie ab da für mich „Löffelflügel“.
Als ich dann ein altes Bestimmungsbuch in die Hände bekam, gab es für mich kein Halten mehr. Mit acht hatte ich bereits eine Liste der Vögel begonnen, die ich bis dahin gesichtet hatte – darunter auch ein paar äußerst zweifelhafte Fälle. Ich lernte rasch, dass die beste Zeit zur Vogelbeobachtung früh am Morgen war, noch bevor Mrs Smith von nebenan den Rasenmäher anwarf. Der einzige Nachteil an meiner frühkindlichen Beobachtungsroutine bestand darin, womöglich als potenzieller Spanner gebrandmarkt zu werden.
Mit zehn hatte ich mein Beobachtungsgebiet auf einen Park in der Nähe ausgeweitet, der aus einer gemähten Wiese, einem Fluss und reichlich brachliegendem Ödland bestand. Damals nahm ich die brütenden Feldlerchen und Feldsperlinge, die dort in Schwärmen überwinterten, als selbstverständlich wahr. Dort fand ich auch heraus, dass Zugvögel wie Schafstelzen oder Steinschmätzer viel häufiger zu sehen waren, als ich mir vorgestellt hatte. Im Alter von dreizehn Jahren jedoch entdeckte ich leider keine Spur mehr von den Feldlerchen und Feldsperlingen. Die Freiflächen waren mittlerweile doch bebaut worden, und die Bewohner der neuen Häuser strömten in Scharen in den Park. Meine ornithologische Kinderstube hatte ihren Reiz verloren.
Die wirkliche Wende trat für mich jedoch ein, nachdem ich „Birds of Town and Suburb“ des Ornithologen und Radiosprechers Eric Simms gelesen hatte. Diese Lektüre vermittelte mir drei wichtige Lektionen. Erstens: Sieh dir jeden Vogel genau an, den du entdeckst – auch wenn du zu wissen meinst, um welche Art es sich handelt. Man kann jederzeit und überall auf etwas Interessantes stoßen, und selbst wenn man einen Vogel schon kennt, lernt man vielleicht wenigstens etwas Neues über ihn. Zweitens: Vögel kann man überall beobachten, selbst in der Großstadt. Und zu guter Letzt brachte mir das Buch bei, wie wichtig es ist, sich einen Flecken Natur auszusuchen und dort regelmäßig auf Beobachtungstour zu gehen.
Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits zu einem waschechten Urban Birder herangereift, und trotz mehrerer Ausflüge nach Norfolk, Kent oder zu den Scilly-Inseln war ich immer noch am liebsten in London unterwegs. Es ist einfach etwas ganz Besonderes, Vögel in der Stadt zu sehen, die man normalerweise nur aus der freien Natur kennt.
Ich weiß noch, wie ich einmal von Norfolk, wo ich Rohrweihen und Bartmeisen beobachtet hatte, nach Hause raste, um das zerzauste Knäkenten-Weibchen mit eigenen Augen zu sehen, das sich vorübergehend zwischen halbversunkenen Einkaufswagen und entsorgten Tretrollern am Ufer des Brent-Reservoir-Stausees häuslich eingerichtet hatte.
Fünfzehn Jahre später, nach Ortolan, Wespenbussard und jeder Menge Gartenrotschwänze, Steinschmätzer und Ringdrosseln steht jedenfalls fest, dass Wormwood Scrubs als erstes Beobachtungsgebiet eine gute Wahl war. Obwohl ich persönlich denke, dass ich auch an jedem anderen halbwegs unberührten Ort in der Stadt auf interessante Arten gestoßen wäre.
Vögel zu beobachten, ist ein aufregendes und erfüllendes Hobby. Du musst dir einfach nur einen Ort in der Nähe suchen und die dort heimischen Arten ein wenig näher kennenlernen, und schon bald wirst du mit faszinierenden Einblicken in ihre Lebensgewohnheiten und die jahreszeitabhängigen Populationsschwankungen belohnt. Das eigene Wissen wächst dabei stetig, und irgendwann wirst du dann voller Stolz deinen allerersten seltenen Vogel sichten.
#
AUF DER SUCHE NACH ZUGVÖGELN
EINE LIEBESGESCHICHTE
Es ist das Licht. Das Herbstlicht hat einfach etwas Besonderes, etwas Einladendes, fast Verführerisches an sich. Und dazu noch liegt die Verheißung auf etwas Neues in der Luft. Alles riecht anders, sieht anders aus, und natürlich sind auch die Vögel anders, bereiten sich auf ihren langen Flug vor.
Jedes Jahr um diese Zeit regt sich in mir etwas, eine unerklärliche Aufregung ergreift von mir Besitz. Erst ist es ein leichtes Ziehen, ein unbestimmtes Gefühl, aber früher oder später wächst es sich zu einem ernsthaften Bedürfnis aus: Jeden Tag treibt es mich noch im Morgengrauen aus dem Haus, um Vögel zu beobachten – egal bei welchem Wetter, und egal, wann ich in der Nacht zuvor im Bett war.
Diese Veränderung in mir tritt regelmäßig etwa Mitte Juli ein, wenn ich den Himmel absuche und mir dabei fast den Hals ver-renke – es könnte ja ein Schwarm Zugvögel unterwegs sein! Meistens flattert dann aber doch erst mal nur eine Ringeltaube vorbei. Das alles fing bereits an, als ich noch ein Kind war. Als kleiner Junge in meinem Zimmer im Nordwesten Londons fiel mir auf, dass von Juni bis etwa Ende Juli stets sehr viel mehr Straßentauben zu sehen waren als sonst. Damals schob ich es auf den Vogelzug und kam nicht darauf, dass es einfach nur eine Menge Tauben gab. Aber dank dieser irrigen Annahme fielen mir die ersten richtigen Zugvögel auf. Heutzutage werde ich ab Ende August geradezu unruhig. Wenn ich drinnen bin, muss ich ständig aus dem Fenster schauen und bin in Gedanken bei den Zugvögeln, die es zu dem Zeitpunkt zu sehen geben müsste. Die Mittagspause verbringe ich dann gern mal auf dem Balkon irgendeines Bürogebäudes und suche den Himmel nach allem ab, was Flügel hat.
Der Herbst ist mir definitiv die liebste Jahreszeit, denn es ist die Jahreszeit der Liebe. In den zauberhaften Herbstmonaten habe ich mich schon mehrmals verliebt, und wenn ich mich verliebe, dann immer gleich so richtig. Ach so, vielleicht sollte ich kurz erklären, wie ich Liebe definiere. Liebe ist bedingungslos, sie macht einen blind, lenkt einen ab und führt in extremen Fällen sogar dazu, dass man das Objekt seiner Begierde bis zum letzten Atemzug verteidigt. Ich erzähle dir mal eine Geschichte über die Liebe.
In dieser Geschichte geht es um eine akribisch geplante Suche nach Zugvögeln an einem meiner absoluten Lieblingsorte: Cape Clear, einer wunderschönen Insel vor der Küste Corks in Irland. Ich hatte mich schon in diesen Ort verliebt, als ich ihn nur vom Hörensagen kannte. Nachdem ich jahrelang von den Vögeln gelesen hatte, die es dort zu sehen gibt, suchte ich mir schließlich eine Oktoberwoche aus, um mich dort einmal selbst umzuschauen. Mein ursprünglicher Plan hatte vorgesehen, dass ich eine Woche in Cork und im Zuge dessen einen oder zwei Tage auf Cape Clear verbringen würde. Auf der Fähre zur Insel erlag ich dann allerdings doch der Verlockung, die von der Aussicht auf die seltenen Zugvögel ausging, und beschloss im letzten Moment, die gesamte Zeit dort zu bleiben.
Bei meiner Ankunft fiel mir sofort die Herzlichkeit der Bewohner auf. Auf dem Weg zu meinem Pensionszimmer kam ich an ummauerten Gärten voller Erlenzeisige vorbei, und über mir flogen Silbermöwen, Dohlen, Alpenkrähen und ein paar Raben. Überall fanden sich vielversprechende Gärten voller Büsche und Hecken, in denen sich Zugvögel gerne niederlassen. Auf den ersten Blick entdeckte ich bereits Rotkehlchen und Amseln. Selbst diese ganz gewöhnlichen Vögel machten mich froh, und ich sah ihnen glücklich zu, wie sie im Herbstlicht auf Nahrungssuche gingen. Ich war jetzt schon völlig von den Socken, dabei hatte ich noch nicht mal richtig angefangen.
Im Laufe der nächsten Tage lief ich mehrmals die gesamte Insel ab und entdeckte dabei die vielfältigsten Arten, von Zwergtauchern und Wacholderdrosseln, über Merline, eine Sumpfohreule undGelbbrauen-Laubsänger bis hin zu einem einsamen Trauerschnäpper. Obwohl ich leider keine Ringdrossel und auch keinen Nachtreiher sah, dämpfte das meine Begeisterung nicht.
Einmal kam ich an einem Bauernhof vorbei, als mich plötzlich eine verzweifelte ältere Dame ansprach. Sie stellte sich als Mary vor – seltsamerweise hießen auf der Insel fast alle Frauen Mary – und erzählte mir, dass ihr Mann aus dem Bett gefallen sei und sie ihn allein nicht hochgehoben bekäme. Also stiefelte ich mit meinem Teleskop über der Schulter hinter ihr her ins Haus. Ihr Mann, bestimmt an die neunzig, war schwer wie eine mittelgroße Kuh, da konnte ich auch erst mal nicht viel ausrichten. Schließlich holten wir noch die Tochter – ebenfalls eine Mary – und deren Mann dazu, und zusammen schafften wir es, den alten Mann wieder ins Bett zu heben. Die außerordentlich dankbare Mary Senior bestand darauf, dass ich zum Abendessen blieb.
Meine Tage auf der Insel waren herrlich. Abends machte ich mich immer noch einmal auf zur Beobachtungsstation, um mich mit den anderen Vogelfans auszutauschen. Aus diesen Treffen wurden dank des Stationsleiters Steve Wing und seiner Freundin Mary(!) stets laute und fröhliche Partys. Meine Woche dort war viel zu schnell zu Ende und es wurde Zeit für mich, zurück nach London zu fahren. Ich machte noch einen letzten Spaziergang durch diesen kleinen Flecken Irlands, der nun zu meinen persönlichen Beobachtungsgebieten gehörte. Ich empfand eine starke Zuneigung zu diesem Ort. Ich hatte zwar keinen der Zugvögel gesehen, deretwegen ich hergekommen war, dennoch hatte die Insel von nun an einen festen Platz in meinem Herzen, und auch von mir blieb ein Teil zurück, auf ewig dort im Glanz des Herbstlichts.
#
VÖGEL IM FILM
AUF HITCHCOCKS SPUREN
Ich bin sieben Jahre alt und kauere zu Hause hinter dem Sofa. Noch vor ein paar Sekunden saß ich friedlich darauf und schaute fern. Wie bin ich dahinter gelangt? Tausende Flügel schlagen, krankes Gekrächze ertönt, Menschen schreien. Ich spähe über die Sofalehne und sehe hunderte Möwen und Krähen, die mutwillig panische Menschen attackieren, auf sie einhacken und wild um sich kratzen. Ich schaue Alfred Hitchcocks unsterblichen Film „Die Vögel“.
Wie bei so vielen anderen Menschen hat auch meine irrationale Nervosität angesichts um meinen Kopf schlagender Flügel dort ihren Ursprung. Die Angst bei einem kleinen Kind wie mir damals wurde noch dadurch verstärkt, dass die Gründe für die Attacke niemals geklärt wurden. Jahre später führte ich mir „Die Vögel“ erneut zu Gemüte, bewunderte Hitchcocks meisterhafte Spannungsführung und schmunzelte über die offensichtlich ausgestopften Vögel, ohne mir auch nur ein einziges Mal die Augen zuzuhalten. Meine Angst vor fliegendem Getier habe ich seitdem überwunden, doch das Geräusch von unzähligen Flügelschlägen verursacht noch heute ein mulmiges Gefühl bei mir.
In der Filmgeschichte werden Vögel meist entweder als bösartige Kreaturen oder als Augenschmeichler ohne jegliche Auswirkung auf die Handlung eingesetzt. Manche Filmemacher bringen – sehr zum Ärger von uns Vogelbeobachtern – Vögel und andere Tiere zum Einsatz, die offensichtlich nicht an den jeweiligen Ort gehören. Ich meine, wieso sollte man sich mit irgendeinem langweiligen, braunen Vogel zufriedengeben, wenn man stattdessen eine interessante, knallbunte Art mit einer gewissen Kamerapräsenz verwenden kann? Außerdem, welchem Kinozuschauer soll das schon auffallen?
Ein höchst offensichtlicher Fall von Fehlbesetzung findet sich in „Tarzan und die Amazonen“ aus dem Jahr 1945. In dem Streifen vergnügt sich Tarzan auf der Suche nach einer verlorenen Amazonenstadt im Amazonasgebiet und trifft dort auf Tiere, die man eher in Afrika erwarten würde. In der ersten Szene angelt die Schimpansin Cheetah umringt von Papageien in einem Fluss, der wohl den Amazonas darstellen soll. An den Aras hatte ich ja nichts auszusetzen, aber die Kakadus, die nach Australasien gehören, taten mir in den Augen weh. Ein Jahr zuvor war „Tawny Pipit“ erschienen, unter der Regie von Bernard Miles und Charles Saunders. Darin erholt sich ein Kampfpilot in einem verschlafenen englischen Nest von seinen Kriegsverletzungen und entdeckt dabei ein Paar seltener Brachpieper, die ganz in der Nähe nisten. Die gezeigten Vögel waren allerdings Wiesenpieper.
Kürzlich fiel mir in Anthony Minghellas „Unterwegs nach Cold Mountain“ auf, dass die Rabenvögel in den Bergwäldern North Carolinas eigentlich Nebelkrähen sind, die auf den alten Kontinent gehören. Und dann ist da noch die Kultszene mit dem Zwergkleiber aus „Drei Engel für Charlie“, die ich einfach nicht aus dem Kopf bekomme. Boswell steckt in irgendeiner Knastzelle in Nordamerika und setzt sich irgendwie mit Cameron Diaz’ Figur in Kontakt. Sie ortet ihn, indem sie den Ruf eines Zwergkleibers durch das Walkie-Talkie bestimmt. Wenn sie einen Kubazaunkönig gehört hätte, der ausschließlich in einem bestimmten Feuchtgebiet auf ebenjener Insel auftaucht, oder einen Sokotrakormoran, der hauptsächlich – du kannst es dir schon denken – auf der Insel Sokotra im Indischen Ozean verbreitet ist, dann hätte ich ja gesagt, von mir aus. Ich hätte damit leben können, dass der Zwergkleiber ein ungleichmäßiges, wenn auch nicht sonderlich eingeschränktes Verbreitungsgebiet im Westen der USA hat. Als der Vogel dann jedoch gezeigt wurde, handelte es sich nicht mal um einen Kleiber, sondern um einen amerikanischen Stärling. Ich bin mir sicher, dass die filmeschauenden Vogelfans da draußen die Seiten dieses Buchs mit zahlreichen weiteren Beispielen füllen könnten.
Ausgestopfte, mechanische und animierte Vögel sind in Filmen auch nicht ungewöhnlich. Die Käfigvögel, die in „Die Vögel“ perfekt synchron in einem schnellen Auto nebeneinander herschwanken, sind offensichtlich ausgestopft. Die mechanischen Wanderdrosseln in „Blue Velvet: Verbotene Blicke“ von David Lynch waren vielleicht noch ganz lustig, aber hört mir bloß auf mit den lächerlichen Eulen, die in manchen Filmen vorkommen, den Uhu in Ridley Scotts überragendem Film „Blade Runner“ einmal ausgenommen – der war ebenso echt wie wunderschön.
In „Der goldene Kompass“ von Chris Weitz finden sich ebenfalls zahlreiche Vögel. Da es sich hierbei um einen Fantasyfilm handelt, tummeln sich erfundene Vögel darin, darunter seltsame Sperlinge im Dutzend, merkwürdig anmutende Rotmilane und eine junge Möwe mit einem unverwechselbaren Muster auf dem Kopf, das dem eines Mornellregenpfeifers ähnelt. Ach ja, und falls du mal „I am Legend“ mit Will Smith schaust, achte auf den bunten Strauß an Vögeln, die sich in den Streifen geschummelt haben, darunter auch ein Ziegenmelker.
Eins muss ich dem guten, alten Hitchcock allerdings lassen: Im Großen und Ganzen hat er Arten eingesetzt, die zur Küste Kaliforniens passen, wo „Die Vögel“ spielt. Ich fand es toll, dass Westmöwen vorkamen, die für den Ort typisch sind. In „Forrester – Gefunden!“ von Gus van Sant aus dem Jahr 2001 gibt es eine Szene, in der die Hauptfigur, gespielt von keinem Geringeren als Sean Connery, von seinem Bürofenster in New York aus einem Stadtjungen einen singenden Gold-Waldsänger zeigt. In „Der Staatsfeind Nr. 1“ von Tony Scott werden zumindest die Kanadagänse an den richtigen Orten gezeigt, und dazu ist eine der Hauptfiguren auch noch ein passionierter Vogelbeobachter. Leider sucht ihn ziemlich früh im Film ein recht gruseliges Ende heim. Doch in meinen Augen überragt Ken Loachs Kultklassiker „Kes“ sie alle. Der Film fühlt sich komplett realistisch an und zeigte mir Turmfalken in einem ganz neuen Licht.
Meine Botschaft an die Filmemacher da draußen ist simpel: Macht eure Sache richtig, damit wir Vogelbeobachter nicht an unangebrachten Stellen in vollbesetzten Kinosälen laut loslachen müssen. Angeblich soll es demnächst ein Remake von „Die Vögel“ geben. Ob das wohl eine neue Generation mit einer Heidenangst vor schlagenden Flügeln hervorbringen wird?
#
VIVA RONALDO
VÖGEL UND FUSSBALL – DAS GEHT
Es ist halb zwei morgens in einer trüben, nasskalten Mainacht, aber das ist mir vollkommen egal, ich bin außer mir vor Freude. „Viva Ronaldo“, grölt die Menge im Chor, und ich umarme völlig Fremde, die genauso aus dem Häuschen sind wie ich. Ab und zu setze ich mich hin, stehe aber sofort wieder auf, weil ich viel zu aufgekratzt bin: Ich bin hier im Olympiastadion Luschniki in Moskau und habe soeben miterlebt, wie mein Lieblingsteam Manchester United die Jungs von Chelsea geschlagen und damit den UEFA-Cup gewonnen hat. Keine Angst, du hast nicht aus Versehen ein Fußballbuch gekauft, und ich werde dir jetzt auch keinen Vortrag über Passquoten, Jahrhunderttore oder sonstige faszinierende Fakten aus der Welt des Sports halten. Nein, in dieser Geschichte hier geht es darum, das Glück zu finden.
Ich hatte den dreitägigen Ausflug nach Moskau ganz und gar nicht geplant. Zwei Tage vor dem Spiel kam ich rein zufällig an ein Ticket für das Finale, und da ich mich nicht nur für Manchester United, sondern vor allem auch für Urban Birding, also Vogelbeobachtung in der Stadt begeistere, konnte ich mir die Chance natürlich nicht entgehen lassen.
Im Flugzeug malte ich mir aus, wie mein Team gewinnen würde, träumte aber genauso davon, endlich ein paar osteuropäische Spechtarten vors Fernglas zu bekommen, mit denen ich bis jetzt noch kein Glück gehabt hatte. Einem Blaukehlchen über den Weg zu laufen oder vielleicht ein paar Rotfußfalken zu entdecken, die fröhlich in irgendeinem Park herumtollten. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde, und freute mich einfach darauf, eine russische Stadt zu besuchen.
Ein paar Stunden vor Anpfiff landeten wir auf einem Flughafen mit unaussprechlichem Namen am Stadtrand Moskaus. Überall Zollbeamte mit Pokerface und missmutige Polizisten. Diese Moskauer Eigenheit sollte mir noch öfter begegnen. Auf dem Weg zum Taxistand hörte ich einen Zeisig in einer Koniferenhecke singen, was meine Laune kurzzeitig besserte. Wenigstens eine freundliche Stimme!
Aufgrund der Zeitverschiebung (in Moskau ist es drei Stunden später als in London) begann das Spiel erst am späten Abend, und nachdem man uns Fans wie eine Herde Kühe aus dem Stadion getrieben hatte, war ich erst gegen halb vier Uhr morgens wieder in meinem Hotel im Osten der Stadt. Da es nur noch zwei Stunden bis Tagesanbruch waren, beschloss ich, zum feierlichen Abschluss des Tages einen Abstecher in den nahegelegenen Park zu machen, der zwar auf der Tourikarte im Hotel eingezeichnet, aber nicht näher benannt war. Also spazierte ich in der Morgendämmerung los, erst einmal die Hauptstraße hinunter.
Der Begriff „Morgendämmerung“ ist in diesem Fall vielleicht nicht ganz korrekt, es war nämlich immer noch dunkel, und am Himmel hingen bedrohlich dunkle Regenwolken. Trotz der frühen Stunde waren aber bereits jede Menge Busse, Straßenbahnen, Militärfahrzeuge und tuckernde Dieselautos unterwegs, die sich langsam an der endlosen Reihe von Gebäuden aus Sowjetzeiten vorbeischoben. Die bedrückenden Häuserblöcke wurden nur hier und da von einer krächzenden Nebelkrähe oder ein paar Schwalben aufgelockert.
Was mir am meisten auffiel, waren jedoch die Pendler, die durch die Bank weg alle unglücklich aussahen, für niemanden ein Lächeln übrig hatten und auf denen das Gewicht der ganzen Welt zu lasten schien. Im Hinblick auf Russlands Geschichte – jahrhundertelange Tyrannei, Schlachten und Kriege – und dann noch die langen, dunklen und kalten Winter kann man ihnen diese Grundstimmung allerdings schlecht verdenken.
Schließlich war ich am Ziel. Auf dem breiten Betonweg, der zu dem ausladenden und früher wahrscheinlich einmal kunstvoll verzierten Parktor führte, wurde ich schon von unzähligen Sperlingen und Straßentauben begrüßt. Jetzt verstand ich auch, warum der Park auf dem offiziellen Stadtplan für Touristen nicht näher benannt wurde. Das hier war ein echter Stadtpark voller Betrunkener, glatzköpfiger, stur geradeaus starrender Jogger in Thermokleidung und verbissen dreinschauender Hundebesitzer.
Als ich den Park betrat, sang auf einem Baum in der Nähe sofort ein Buchfink los. Im Gegensatz zu den Vogelstimmen, die ich von zu Hause kannte, war diese Stimme ganz anders, irgendwie rauer. Mehrere Bachstelzen spazierten den gepflasterten Weg entlang, der den Park durchschnitt. Neben den zahlreichen Tauben waren dies die einzigen Vögel in Sichtweite. Besonders vielversprechend war das alles nicht. Das Mantra eines jeden Vogelfreundes in der Stadt lautet jedoch „man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke wartet“, also ging ich weiter.
Im hinteren Teil veränderte sich der Park: Die Bäume standen hier dichter und die Chancen damit besser. Zunächst entdeckte ich einen Kleiber, dann flatterte eine Wacholderdrossel erschrocken vom Waldboden auf. Kurz darauf zeigten sich auch Feldsperlinge, Buntspechte, zwei Trauerschnäpper und einige Fitisse. Ich hatte fast das Gefühl, ich hätte durch eine unsichtbare Tür einen geheimen Ort betreten.
Plötzlich erschallte ein lautes „Tschock, tschock, tschock“, gefolgt von einem ebenso lauten Vogelruf mit zahlreichen Wiederholungen, der nur von einem Sprosser stammen konnte. Innerhalb von zehn Minuten sah ich dann auch meinen ersten richtigen Sprosser – von dem traurigen Exemplar einmal abgesehen, das ich 1992 unter einer Hecke in Salthouse, Norfolk, entdeckt hatte. Ich stand da und lauschte wie hypnotisiert dem unglaublichen Gesang dieses Vogels, sah zu, wie sein rötlich-brauner Schwanz bebte und seine melierte Brust sich mit jedem wunderschönen Ton hob und senkte. Ich war unfassbar glücklich. Wie konnten die Moskauer nur so mies drauf sein, wo sie doch hier mitten in ihrer Stadt dem Gesang solcher Vögel lauschen konnten? Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da schüttete es plötzlich los wie aus Eimern, und ich war innerhalb von Sekunden nass bis auf die Knochen. Ich machte mich schnell auf den Weg zurück zum Hotel.
Den Rest meiner Zeit in der altehrwürdigen Hauptstadt Russlands regnete es fast ununterbrochen, feiner Niesel wechselte sich ab mit sintflutartigen Güssen. Trotz des Wetters besuchte ich immer wieder meinen neuen Lieblingsort und kam den nistenden Wacholderdrosseln, von denen es dort eine ganze Menge gab, immer näher. Ich kannte diese hübschen Drosseln bis dahin nur aus Großbritannien, wo sie im Winter in Schwärmen umherfliegen. Sie hier in ihrer Heimat beobachten zu können, ungeschminkt sozusagen, war eine ziemliche Überraschung. Vielleicht würden die Spanier sie nicht Königsdrossel nennen, wenn sie den profanen Alltag der gefiederten Gesellen hier miterleben würden: wie die etwas schmutzig aussehenden Eltern in der Brutkolonie gemeinsam auf den Nestern saßen, ihren durchdringenden Gesang zum Besten gaben und den frisch geschlüpften, noch leicht zerzausten Nachwuchs fütterten.
Von der Entdeckung eines Gelbspötters und dem herrlichen Flöten eines Pirols einmal abgesehen, ist meine liebste Erinnerung an meinen Moskaubesuch der Gesang des Sprossers (und der UEFA-Cup-Erfolg). Das ungepflegte kleine Waldstück mitten in der Stadt war wieder einmal der beste Beweis dafür, dass man nicht in die Ferne schweifen muss, um interessante Vögel zu beobachten.
#
STRASSENTAUBEN
RATTEN DER LÜFTE?
Wirst du auch manchmal aus unerklärlichen Gründen von bestimmten Dingen angezogen?
Über mehrere Monate hinweg hatte ich zunehmend über Straßentauben nachgedacht. Sie waren mir öfter aufgefallen, wenn sie über mein heimisches Fleckchen flogen. Eines Morgens in der U-Bahn-Station ließ ich sogar die Zeitung sinken, um einer abgeranzten Taube beim Verspeisen von ein paar Cheese-and-Onion-Chips zuzuschauen, die um die Füße gleichgültiger Pendler verstreut lagen. Als sie auf mich zusteuerte, verspürte ich nicht mal den Impuls, sie wegzuscheuchen.
Was war los mit mir? Straßentauben waren mir seit Jahren nicht mehr aufgefallen. Ich vermerke ihre Zahl nie auf meinen Listen, und sie konnten von Glück reden, wenn ich sie mal mit einem flüchtigen Blick bedachte. Ich meine, wenn man sich mit einem Klemmbrett auf die Straße stellen und Passanten fragen würde, was der unbeliebteste Vogel in Großbritannien sei, bekäme man mit Sicherheit häufig die Ratten der Lüfte zu hören – diese dreckigen Straßentauben eben. Einige der Befragten würden bestimmt deprimierende Bilder von verschmutzen Nistmaterialien unter Brücken heraufbeschwören, tote Vögel, die Gullys blockieren, und den Abspann von „Coronation Street“. Ich muss zugeben, dass ich einer der Ersten gewesen wäre, der den Boden verflucht, auf dem sich ihre Ausscheidungen befinden.
Vor Kurzem beschloss ich auf einem Einkaufstrip, der Abwechslung halber in einer Buchhandlung vorbeizuschauen. Ich ging – natürlich – schnurstracks in die Naturkundeabteilung und nahm das erstbeste Vogelbuch in die Hand, ein Bestimmungsbuch für die Vögel Großbritanniens. Ich schlug es willkürlich auf und landete bei einem Schaubild mit verschiedenen Taubenarten. Bei den Straßentauben stand zu meiner großen Überraschung, dass in Großbritannien angeblich dreieinhalb Millionen Paare leben. Wie war das möglich? Man sieht doch heutzutage kaum noch welche. Ein paar Tage später entdeckte ich in einer überregionalen Zeitung auf Seite zwei zufällig die Zeile „In städtischen Gebieten leben doppelt so viele Ringeltauben wie Straßentauben.“ Ich war fasziniert und erfuhr durch einen Anruf bei meinen Freunden vom British Trust for Ornithology (BTO), dass es in Großbritannien höchstens 250.000 Paar Straßentauben gibt. Nachdem ich jahrelang davon ausgegangen war, dass allein auf meiner Straße 250.000 davon lebten, eröffnete mir die Entdeckung, dass sie in Wirklichkeit gar nicht so häufig waren, einen ganz neuen Blickwinkel.
Ich beschloss, den vertrautesten aller Vögel Großbritanniens, wenn nicht sogar der ganzen Welt, genauer in Augenschein zu nehmen. Immerhin spricht doch so einiges für die bescheidene Taube, auch wenn sie für viele der Inbegriff von Schmutz und Dreck ist. Tauben sind Kriegshelden, verflucht noch mal. Außerdem zeichnen sie sich durch ihre Eigenschaft als zweiter domestizierter Vogel der Welt aus, gleich nach den Hühnern. Tauben schillern in allen erdenklichen Farbtönen, bieten ihren Fans einen unendlichen Quell der Freude und werden, sofern sie mit einem weißen Federkleid gesegnet sind, als Boten der Liebe und des Friedens verehrt.
Die klugen Tierchen sind in der Lage, in einer Menschenmenge denjenigen zu erkennen, der sie füttert. Angeblich haben sie außerdem gelernt, das Londoner U-Bahn-System zu nutzen, indem sie absichtlich mit bestimmten Linien an bestimmte Haltestellen fahren. Klar, sie können einem nach einer durchzechten Nacht mit ihrem Gegurre ordentlich auf die Nerven gehen, und ihr Kot hat schädliche Auswirkungen auf die Bausubstanz. Ganz zu schweigen von den Keimen, obwohl Forscher herausgefunden haben, dass es damit nicht ganz so schlimm steht, wie ursprünglich angenommen. Aber ist das ihre Schuld? Können wir ihnen ihr natürliches Verhalten nicht verzeihen? Und sind sie nicht gar Opfer unseres Überflusses?
Ich nehme mal an, du verstehst, worauf ich hinauswill. Ich schaue nun mit milderem Blick auf Straßentauben und betrachte sie nicht mehr als Ungeziefer. Ich habe meinen Frieden mit ihnen geschlossen, finde allmählich wieder Freude an ihnen und bewundere ihre Flugkünste. Tauben sind meisterhafte Flieger, und zwar nicht nur, wenn ein Wanderfalke hinter ihnen her ist.
#
GEFAHREN
MIT TASCHENMESSER UND SCHLEUDER
Seit Kurzem gesellt sich zu den üblichen Fragen, die ich zu meiner Passion so gestellt bekomme, regelmäßig eine neue: Ist Urban Birding eigentlich gefährlich?
Beim ersten Mal überraschte mich die Frage, und ich hatte keine Antwort parat. Eine schnelle Umfrage unter meinen Orni-Freunden förderte zwar eine Handvoll Geschichten zutage, die meisten davon waren jedoch harmloser Natur und entbehrten nicht einer gewissen Komik. So wurde einer zum Beispiel mal mit Gülle bespritzt und von wütenden Anwohnern beschimpft, die das Pech hatten, einen seltenen brütenden Vogel in der Nachbarschaft zu haben. Ein ande-rer wurde auf offener Straße von seiner genervten Frau tätlich angegriffen.
Wenn man mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangeht, bestimmte Gegenden nach Einbruch der Dunkelheit meidet und potenziellen Räubern nicht gerade mit seiner teuren Ausrüstung und dem Fotoapparat vor der Nase herumwedelt, dürfte einem eigentlich nichts passieren. Schlimmer als ein paar Schäferhunde, die einen anbellen, Möwen, die einem aus der Luft ein kleines Geschenk machen, und Fußbälle, bei denen du dich blitzschnell ducken musst, wird es in der Regel nicht.
Als ich zehn Jahre alt war, sah das alles aber noch ganz anders aus. Ich erfreute mich zwar an den Spatzen bei uns im Garten, beschäftigte mich mit den Details und Unterschieden ihres Federkleids, aber gleichzeitig zog es mich auch in die Ferne. Ich hatte gelesen, dass es tatsächlich Leute geben sollte, die solche Exoten wie einen Kuckuck oder auch einen Flussregenpfeifer mit eigenen Augen gesehen haben. Also informierte ich meine Mum, ich würde mit Alan, einem irischen Klassenkameraden, ein bisschen herumradeln und Vögel im Park bei uns um die Ecke beobachten. Stattdessen fuhren wir jedoch quer durch London und erreichten nach zwei Stunden Busfahrt und dreimal Umsteigen das etwa zwanzig Meilen entfernte Rainham Marshes in Essex.
Damals war diese Wildnis noch kein Vogelschutzgebiet, und man musste sich entscheiden: Entweder ließ man sich auf die Gelegenheit ein, ein paar potenziell aufregende Vögel zu entdecken, musste dabei jedoch ständig auf der Hut sein, oder man fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Rainham war ein verlassener Flecken Erde, wo keine Gesetze galten und die örtliche Jugend mit Luftgewehren ihr Unwesen trieb. Einmal, nachdem wir unseren ersten Kuckuck gesehen hatten, mussten Alan und ich uns blitzartig aus dem Staub machen, denn ein Grüppchen feindseliger Eingeborener hatte tatsächlich das Feuer auf uns eröffnet. Wir wurden also buchstäblich aus der Stadt gejagt.
Von da an gingen wir nur noch „bewaffnet“ auf Beobachtungstour. Wir hatten dem Outdoorladen einen Besuch abgestattet und waren nun stolze Besitzer eines Taschenmessers und einer Schleuder. Der Kauf gab uns ein Gefühl von Sicherheit, trotzdem würde ich heute nicht mehr zu so etwas raten. Was die Schleuder genau nützen sollte, habe ich übrigens auch damals schon nicht gewusst. Das war Alans Idee.
Zum Glück kamen unsere Waffen, die wir diskret in unseren Wanderwesten versteckt hielten, nie zum Einsatz – bis auf das Messer, das wir viele Jahre später ein einziges Mal benutzten, um an der Küste von Dunwich, Suffolk, eine Eisente vorm Ertrinken zu bewahren, die sich in einem Fischernetz verfangen hatte.
Die nächste potenziell gefährliche Situation erlebte ich auf dem Land, und das ist noch gar nicht so lange her. Mein Begleiter und ich waren unterwegs im tiefsten Norfolk, wo wir besonders seltene Vögel zu entdecken hofften. Leider bogen wir irgendwo falsch ab und standen plötzlich vor einem Grundstück, das tief im Wald verborgen war. Ein paar Hunde fingen sofort an zu bellen und knurrten böse, als wir nähertraten. Aus dem Haus trat ein Typ, der uns ebenfalls sofort anblaffte und als Vogelfreaks beschimpfte. Dann drohte er plötzlich, er würde uns jetzt erschießen und lief zurück ins Haus. Wir warteten natürlich nicht ab, ob er das ernst gemeint hatte, sondern sprangen zurück ins Auto und gaben Gas.
Wenn ich zum Vogelbeobachten in einer Stadt unterwegs bin, in der ich mich noch nicht auskenne, bin ich immer lieber ein bisschen zu vorsichtig und versuche, möglichst wie ein Einheimischer zu wirken. Einmal gelang mir das jedoch ganz und gar nicht. Eines Morgens in Bratislava verspürte ich Lust, mich in einem bewaldeten Gebiet ein wenig umzusehen. Unter der Autobahnbrücke, die quer darüber verlief, stieß ich auf eine Art Camp, das offensichtlich bis gerade eben noch ein paar Junkies beherbergt hatte. Ich fühlte mich unwohl und drehte sofort wieder um.
Es dauerte nicht lang, da hörte ich den Motor eines Landrovers hinter mir. Ich wurde nervös, die ganze Situation war sehr ungemütlich. Im Auto saßen zwei muskelbepackte Kerle, mit denen eindeutig nicht gut Kirschen essen war. Der Motor heulte auf, dann kamen sie mit quietschenden Reifen neben mir zum Stehen. Einer der beiden sprang heraus und brüllte auf Slowakisch auf mich ein. Jetzt stand ich also mitten im Wald irgendwo in Osteuropa, ohne Ausweis, ohne jegliche Sprachkenntnisse und höchstwahrscheinlich kurz davor, umgebracht oder entführt zu werden.
Ich beteuerte, dass ich Engländer und hier nur zur Vogelbeobachtung umhergestromert sei, aber das löste in meinem zukünftigen Mörder nicht das geringste Mitgefühl aus. Ich überlegte panisch, was ich jetzt tun sollte, als mir plötzlich das klein gedruckte Wörtchen Polícia auf seinem T-Shirt auffiel. Ich hatte es hier mit zwei Undercoverpolizisten zu tun. Trotzdem fühlte ich mich nicht sehr viel sicherer. In gebrochenem Englisch wurde ich aufgefordert, den Wald zu verlassen und mich ja nicht noch einmal ohne Ausweis antreffen zu lassen.
Welche Lektion ich daraus mitgenommen habe? Da halte ich es mit Rotkäppchens Mutter: „Geh nur nicht vom Wege ab.“
#
VOGELBEOBACHTER BESTIMMEN
MANCHMAL GANZ SCHÖN KNIFFELIG
Manche Vögel spotten einfach jeder Beschreibung, und das Gleiche gilt für ihre Beobachter. Es gibt solche, die ganz klassisch nach Vogelfreund aussehen. Ihr Äußeres lässt sich nur schwer in Worte fassen – sie sehen einfach aus wie Vogelbeobachter.
Und dann gibt es diejenigen, auf die die Klischees einfach nicht zutreffen, egal, was sie einem weismachen wollen. Ich passte wahrscheinlich auch in keine vorgefertigte Schublade, besonders in jüngerem Alter nicht. Gerne denke ich daran zurück, wie ich beim BTO durchs Land reiste und Vorträge über die Arbeit der Stiftung hielt. Manche Leute hoben unverhohlen die Augenbrauen, wenn sie mich zum ersten Mal sahen. Sie hatten nicht mit einem flippigen Schwarzen im Nadelstreifenanzug, mit kurzen, blondgefärbten Haaren (ja, ich hatte mal blonde Haare) und einem Fernglas um den Hals gerechnet, der über den Niedergang der Feldlerche lamentierte.
Ich habe mich allerdings desselben Vergehens schuldig gemacht. Bei einem Dreh für „The One Show“ der BBC informierte mich der Regisseur, dass ich einen Doktor der Ornithologie interviewen würde. Der feine Herr Doktor entpuppte sich als cooler Typ Ende zwanzig mit schulterlangen Haaren und mehreren Piercings in Ohren und Nase – weit entfernt von dem ehrwürdigen Rauschebartträger, den ich erwartet hatte.
Bestimmt habt ihr alle schon mal erlebt, wie ein Bekannter dich unbedingt jemandem vorstellen wollte. „Soundso steht auch so auf Vögel wie du.“ Jener Soundso ist dann stets genau das, womit man gerechnet hat: Entweder genauso wie man selbst (was eher selten vorkommt), oder, in der Mehrzahl der Fälle, jemand, der irgendwann in grauer Vorzeit mal einen Wellensittich hatte.
Eines Samstagmorgens während eines herzhaften Frühstücks nach dem Fußball kam ich mit einer Freundin ins Gespräch, die folgende unsterbliche Worte fallen ließ: „Du musst unbedingt mal meine Freundin Jane kennenlernen, die ist eine echte Vogelnärrin.“ Mit erschöpftem Lächeln bot ich an, Jane könne mich gerne mal anrufen, und vergaß die ganze Sache sofort wieder.
Ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf von einer Jane, die mich nach einer Runde Smalltalk nach West-London einlud, um bei einer Tasse Tee über Vögel zu reden. Innerlich wappnete ich mich für eine Hausfrau mittleren Alters, die im Grunde nur jemanden brauchte, mit dem sie über die Rotkehlchen in ihrem Garten plaudern konnte. Am nächsten Morgen fand ich mich vor einem modernen, freistehenden Protzbau wieder. Mit dem verschlossenen Tor und den drei dicken Autos in der Auffahrt wirkte es ganz schön imposant.
Während ich auf das Haus zuging, überprüfte ich geistig noch einmal rasch, ob ich mich nicht in der Adresse geirrt hatte. An der Tür wurde ich von einem Butler in Empfang genommen. Hinter ihm stand, breit grinsend, eine gutaussehende junge Frau mit schulterlangen, braunen Haaren.
Wir gingen in ihr Arbeitszimmer, dessen Regalwände mit Vogelbüchern vollgestellt waren, und sie forderte mich heraus, ihre Sammlung ausgestopfter Vögel zu bestimmen. Ich war überrascht, spielte aber mit. Das erste Set war zum Glück ziemlich einfach. Es enthielt wunderbar erhaltene Exemplare von Wintergoldhähnchen, Schwanzmeise und Eichelhäher. Dann zog sie ihre Spechte hervor. Die seien ihre Lieblingsvögel, erklärte sie, und zweimal im Jahr reise sie nach Osteuropa, um sie dort zu beobachten. Die fremden europäischen Exemplare trieben mir Schweißperlen auf die Stirn. Die drei britischen Spechte und den wunderschönen Grauspecht hatte ich rasch identifiziert, und dem Weißrückenspecht kam ich auch irgendwann auf die Schliche. Doch beim Mittelspecht versagte ich kläglich, indem ich ihn fälschlicherweise als Blutspecht bezeichnete. Sie verkündete dennoch, ich hätte den Test bestanden und mir einen Tee verdient.
Die Küche mit der Terrasse davor bot einen Blick in den Garten, der so groß war wie ein halber Fußballplatz. Die alten, hohen Bäume waren allesamt mit Häuschen für Spechte, Meisen und Fledermäuse versehen. Ein paar uniformierte Gärtner pflanzten einheimische Flora, mit der Jane kleine und große Tiere anlocken wollte. Sie setzte mit voller Absicht Unkraut in die Beete und hatte vor, eine Ecke mit Beeren zu bepflanzen, um im Winter Drosseln und sogar Seidenschwänze für ihren Garten zu gewinnen.
Ich war völlig auf dem falschen Dampfer gewesen. Von nun an würde ich zwei, vielleicht sogar drei Mal hinsehen, bevor ich einen Vogelbeobachter bestimmte.
#
PLÖTZLICH DA UND WIEDER WEG
DURCH DIE LAPPEN GEGANGEN
Einmal wurde ich von der Natural History Society gebeten, einen Vogelspaziergang durch Wormwood Scrubs zu führen. Insgeheim hatte ich gehofft, er würde kurzfristig abgesagt, weil es an diesem Frühlingsmorgen wie aus Eimern goss. Als ich zum Treffpunkt kam, warteten dort im strömenden Regen jedoch schon drei offensichtliche Hardcore-Fans auf mich. Also zogen wir los.
Zunächst hörte ich statt Vögeln lediglich mein Bett nach mir rufen. In einem eher spärlich bewaldeten Gebiet flatterte direkt vor mir dann jedoch ein mittelgroßer Vogel mit langem Schwanz auf und verschwand in den Baumkronen. Einen Moment lang war ich verwirrt. Was war das denn für einer gewesen? Bloß einer der vielen Halsbandsittiche, die sich in meinem so geliebten und bis vor kurzem noch herrlich papageienfreien heimischen Beobachtungsgebiet niedergelassen hatten? Oder ein Kuckuck? Die waren hier in der Gegend sehr selten, in den vergangenen fünfzehn Jahren hatte ich gerade mal vier davon gesichtet.
So eine Situation kennt jeder von uns, ob alt oder jung, ob Vogelveteran oder Anfänger, und es wird uns auch immer wieder versichert, dass dies sicher nicht das letzte Mal sei. Einen Vogel zu sehen, den man nicht benennen kann, ist ungemein frustrierend. Ein interessanter Vogel, der aber keinen identifizierbaren Laut von sich gibt, oder sich nur für den Bruchteil einer Sekunde zeigt, ist eine absolute Qual.
Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, diesen auch unter „Nicht den blassesten Schimmer, was das für einer war“ abzuheften, da schoss das Objekt meiner Begierde plötzlich noch einmal hervor und stieg zum Himmel auf, wobei es ganz schön zu kämpfen hatte. Ein Blick durch mein beschlagenes Fernglas verriet, dass es sich um einen etwas schmuddeligen Kuckuck handelte, der in nördliche Richtung davonflog, mein fünfter in den Wormwood Scrubs.
Dieses Mal hatte ich also den Luxus einer zweiten Chance. Meist bekommt man seinen rätselhaften Vogel nicht noch einmal vor die Linse und bleibt einfach mies gelaunt zurück. Wenn man unterwegs ist, rechnet man ständig mit Vögeln, die man nicht sofort erkennt, egal, wie viel Ahnung man hat. Besonders an Orten, an denen viele Zugvögel zu sehen sind. Ich bin mir ganz sicher: Hätte ich meinen Kuckuck irgendwo im ländlichen Yorkshire gesehen, hätte er mich nicht so überrascht, ich hätte mit ihm gerechnet und ihn deshalb auch sofort erkannt. Mein Gehirn hätte sicher schneller geschaltet.
