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MITTENDRIN IM HOCHHAUSGRAU? MACHT EURE STADT GEMÜSIGER, KNALLIGER UND VOR ALLEM: ESSBAR Du möchtest deine NACHHALTIGE ZUKUNFT lieber selbst in die Hand nehmen, als das Fortschreiten der Klimakrise von der Couch aus zu verfolgen? In dir schlummert der Wunsch, deinem Garten, Balkon oder gleich der ganzen Stadt eine ordentliche Portion Grünfläche und Gemüse zu verpassen – und am besten gleich noch andere mit ins Boot zu holen? Das haben sich die Autorinnen Laura Setzer und Juliane Ranck auch gedacht und das PROJEKT "GEMÜSEHELDINNEN" ins Leben gerufen. IHR ZIEL: URBAN FARMING, ALSO ANBAU VON OBST UND GEMÜSE, MITTEN IN FRANKFURT, quasi vor ihrer Haustür. Damit haben sie eine Bewegung ins Rollen gebracht, der sich immer mehr Begeisterte angeschlossen haben. Und gemeinsam haben sie so eine KLEINE WILDNIS MITTEN IN DER GROßEN STADT geschaffen. In der sie ganz NACH DEN PRINZIPIEN DER PERMAKULTUR ANBAUEN, SÄEN, PFLANZEN – und sich und ihre Mitmenschen mit Selbstangebautem versorgen. Genial, oder? Lass dich von den Autorinnen inspirieren – wer weiß, vielleicht verwandelst auch du bald deine Stadt (oder einfach nur deinen Balkon) in ein gemüsiges Paradies? a GRÜNE INSELN MITTEN IN DER STADT: FÜR MEHR GEMEINSCHAFT UND UNABHÄNGIGKEIT Gerade im hektischen Trubel zwischen Hochhäusern und Straßenlärm ist sie riesengroß: Die SEHNSUCHT NACH EINEM FLECKCHEN GRÜN, EINEM ORT DER ERHOLUNG, EINEM ORT DES AUSTAUSCHS. Die Sehnsucht danach, einen BEITRAG ZUM KLIMASCHUTZ ZU LEISTEN, SICH SELBST VERSORGEN ZU KÖNNEN, UND DAMIT EIN STÜCKCHEN UNABHÄNGIGER ZU WERDEN. Mit dem Projekt "GemüseheldInnen" haben die beiden Autorinnen Laura und Juli einen Rahmen für STÄDTISCHE NAHVERSORGUNG UND NATURERFAHRUNG, einfach für das "Selbermachen" geschaffen. Es lässt die Menschen und ihre Lebensmittelproduktion ganz neu zusammenwachsen. Die knackigsten und knallbuntesten FRÜCHTE UND GEMÜSE KOMMEN DIREKT AUS DER UNMITTELBAREN NACHBARSCHAFT, MITTEN AUS DER CITY. Und ganz nebenbei passiert das fast Schönste an dem ganzen Projekt: Man begegnet Persönlichkeiten, die man sonst vielleicht gar nie getroffen hätte, schließt Freundschaften, arbeitet gemeinsam, tauscht sich aus. So entsteht ein bunter MIX AUS UNTERSCHIEDLICHEN MENSCHEN, WILDER NATUR UND DEM FRISCHESTEN GEMÜSE. Lass dich von den Autorinnen in die fabelhafte Welt der Permakultur auf die französische "FERME DU BEC HELLOUIN" (eine der produktivsten Gemüsestätten auf kleinstem Raum) oder in DIE ENGLISCHE STADT TODMORDEN, die sich durch Eigenanbau von Lebensmitteln komplett selbst versorgt, entführen. Lass dich wie sie von den großen Vorbildern inspirieren. Urban-Farming-Projekte wie diese setzen einen RIESENSCHRITT IN RICHTUNG ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT UND SCHAFFEN MEHR UNABHÄNGIGKEIT IN DER LEBENSMITTELVERSORGUNG. Und leisten damit auch einen großen Beitrag für Zukunft, Klima und überhaupt: für uns alle. UND JETZT: SELBER LOSLEGEN! FÜR MEHR DSCHUNGELGRÜN UND ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT – UND WENIGER BETONFASSADEN Du steckst voller Tatendrang und MÖCHTEST NACHHALTIGES LEBEN AUCH SELBST GESTALTEN, DICH FREIER VON DER INDUSTRIALISIERTEN LEBENSMITTELPRODUKTION MACHen? Oder holst du dir lieber erst einmal nur Inspiration für dein kleines grünes Reich? Ganz egal, worauf du Bock hast: DIE AUTORINNEN GEBEN JEDE MENGE TIPPS, WIE DU IN DEINER METROPOLE, DEINEM GARTEN ODER EINFACH NUR AUF DEINEM BALKON EIN BLÜHENDES, ESSBARES ELDORADO ERSCHAFFEN ODER SOGAR DEINE EIGENE URBAN-FARMING-INITIATIVE STARTEN KANNST. Und: Sie liefern dir massenhaft Hintergrundwissen und Anleitungen rund um permakulturelle Modelle, die sich auch bei dir zuhause ganz easy umsetzen lassen. So machst du deine Stadt grüner, gärtnerst für ein besseres Klima, kannst dich selbstversorgen und unabhängiger werden. Also los, worauf wartest du?
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Seitenzahl: 310
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Juliane Ranck, Laura Setzer
URBAN FARMING
Gemüse anbauen, gemeinschaftlich gärtnern,Ernährungssouveränität schaffen
Gemüsiges und Inspirierendes: Was du in diesem Buch alles finden wirst
ÜBER DEN DÄCHERN DER GROSSSTADT SPRIESSEN UNSERE TRÄUME
Und die sind ein bisschen größenwahnsinnig und gleichzeitig so real. Wir wollen Frankfurt essbar machen und damit dem Klimawandel entgegenwirken, gemeinsam etwas bewegen, uns gesund ernähren, naturnah leben und gärtnern — und das alles mitten im Großstadtdschungel.
DIE VERÄNDERUNG BEGINNT VOR UNSERER HAUSTÜR
Es geht vor allem darum, loszulegen. Wir finden den passenden Ort (Seite), einen Namen (Seite), mehr Menschen, die sich uns angeschlossen haben (Seite) mehr Gärten (Seite). Wir vernetzen uns (Seite), planen PermaKulturInseln in der ganzen Stadt (Seite), stecken Fehlschläge weg (Seite), werden zu Market Gardenern (Seite) und freuen uns über schöne Aussichten (Seite).
VON DEN PIONIER*INNEN LERNEN ODER: WO LIEGEN DIE WURZELN?
Es gibt irrsinnig viele Menschen, die uns inspirieren. Ein paar davon möchten wir dir vorstellen, wir haben mit einigen von ihnen auch Interviews geführt, die du in diesem Kapitel findest: Rob Hopkins und seine Transition-Town-Bewegung (Seite), Mary Clear von Incredible Edible (Seite) und die Ferme du Bec Hellouin mit Perrine und Charles Hervé-Gruyer (Seite). Außerdem machen wir einen kleinen gedanklichen Ausflug ins 19. Jahrhundert zu den Pariser Marktgärtnern (Seite).
GELEBTE PERMAKULTUR MITTEN IN DER STADT — DIE GEMÜSEHELDINNEN ALS ÖKOSYSTEM
Was ist das eigentlich, Permakultur, und woher kommt sie (Seite)? Was sind ihre ethischen Grundlagen (Seite)? Was hat es mit der Vielfalt auf sich (Seite)? Wieso ist es gut, auch einfach mal was nicht zu können (Seite)? Warum ist alles miteinander verknüpft (Seite)? Können wir das Paradies erschaffen — und sind wir dann quasi Gott (Seite)? Und wieso geht in der Natur Produktivität so mühelos (Seite)?
AM ANFANG WAR DAS DESIGN: DIE KUNST DER GESTALTUNG
Für jede Minute, die du in das Design, also in die Planung deines Permakulturgartens und vielleicht auch deines Gemeinschaftsprojektes investierst, sparst du in der Praxis dann Stunden ein. In diesem Kapitel zeigen wir dir daher Schritt für Schritt, wie du beim Planen deines Traumgartens am besten vorgehst (Seite), wie wir das bei uns GemüseheldInnen konkret umgesetzt haben (Seite) und wie wir uns als Gruppe organisiert haben (Seite).
KOOPERATION STATT KONKURRENZ: ERWEITERUNG DES ÖKOSYSTEMS
Was wir bei unserem Projekt gelernt haben: Zusammen funktioniert alles einfacher, besser. Wir holen also Randzonen mitten in unsere Gärten (Seite), geben Arbeit ab (Seite), finden einen Verein (Seite), arbeiten mit anderen Initiativen zusammen (Seite), bilden uns gemeinsam weiter (Seite) und sehen überall das Verbindende (Seite).
SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM EIGENEN PROJEKT
Du möchtest ein Urban-Farming-Projekt in deiner Stadt starten? Dann bist du hier richtig. Wir möchten dir zeigen, wie du deine Vision entwickelst, Mitstreiter*innen begeistern kannst, deinem Projekt einen Namen gibst (Seite), eine geeignete Fläche und die richtigen Ansprechpartner*innen findest (Seite) und dich am besten vernetzt (Seite).
EIN BLICK IN DIE GLASKUGEL: ZUKUNFTSVISIONEN
Wir stehen an einem Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte, davon sind wir überzeugt. Wie unser Leben in Zukunft aussehen könnte, beschreiben wir hier. Eines können wir verraten: Es wird bunt, freundlich und gemüsig! Außerdem findest du einige Gedanken von Charles Hervé-Gruyer zum Buch, zur Permakultur, zum Leben (Seite).
GEMÜSEHELDiNNEN STELLEN SICH VOR
CHRIS KIRCHER — Wildpflanzendompteurin und Gemüseheldin der ersten Stunde
ANNA ZOLLNER — Kinderfreundin und Drachenträumerin
JOERG WEBER — Aktivist und Netzwerker
ILKA WITTIG — Pflanzenmama und Einkochheldin
SUSANNA THORNER — tanzt mit den Bienen
WOLFGANG HAHNER — Gemüseheld mit Säge und Akkuschrauber
CHRIS BELLINGWOUT — designt, repariert und macht uns wunderschöne Hochbeete
MONIKA MADERER — brachte Yoga in unsere Gärten
OLIVER SPIESS — Bodenprofi und Wurmfarmer
ANNIKA GRIEWISCH — gärtnert mit der ganzen Familie
ANNE MÜLLER — Supervisorin und glückliches Landei
ROBERT MAY, MICHAELA HEIDLAS-MAY — lassen Kunst im Garten wachsen
ZUM SUCHEN UND FINDEN: DER ANHANG
An dieser Stelle findest du unter anderem Bücher und Links, die uns inspirieren (Seite), für uns wichtige Begriffe — kurz und knackig in einem Satz erklärt (Seite) sowie ein Stichwortverzeichnis (Seite) und ein paar Infos über Juli (Seite) und Laura (Seite). Und, das darf nicht fehlen, ein richtig dickes Danke (Seite), denn wir zwei allein könnten Frankfurt niemals essbar machen.
Mitten in der Klimakrise hat eine Idee unser Leben verändert: Wir wollten urbane Landwirtschaft nach Frankfurt bringen. Es war eine Idee, die viele unserer Wünsche verband: dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken, gemeinschaftlich etwas zu bewegen, sich gesund zu ernähren, naturnah zu leben und zu gärtnern — und all das mitten in der Stadt. Und so haben wir innerhalb kürzester Zeit die „GemüseheldInnen Frankfurt“ gegründet.
Die Permakultur war von Anfang an unser Wegweiser. Nicht nur beim Gärtnern, sondern auch im Zusammenleben mit anderen. Denn das permakulturelle Konzept ist so umfassend und liefert uns auf so viele unserer Fragen die passende Antwort. Wir sind fest davon überzeugt, dass mit Permakultur das Leben harmonischer, heilsamer und konstruktiver werden kann. Doch bis dahin ist es noch ein weiter und großteils unerschlossener Weg. Und es wird noch viele Pionier*innen brauchen, die sich auf neue Pfade begeben und diese so weit befestigen und vielleicht sogar austreten, dass auch die große Mehrheit es wagt, sie zu begehen. Wir sehen die „GemüseheldInnen Frankfurt“ als Erkundungsteam auf einem dieser neuen Pfade und wir möchten dir viele von ihnen im Verlauf des Buches vorstellen. Und natürlich wollen wir dir die Wegstrecke zeigen, die wir bisher zurückgelegt haben sowie die malerischen Ausblicke, die sich uns eröffnet haben. Wir hoffen, dass dich unser Buch inspiriert, dich begeistert, dir Impulse für deine eigene Reise gibt. Oder dir vielleicht sogar den einen oder anderen Trampelpfad aufzeigt.
Die Permakultur hat uns Gemüseheld-Innen ständig begleitet und beflügelt: Sie prägt unsere gärtnerischen Aktivitäten und unsere Entwicklung als Gemeinschaft. Weil bei uns Permakultur eine übergeordnete Rolle spielt und das Miteinander genauso bestimmt wie die Gartenarbeit, bezeichnen wir unser Projekt als „gelebte Permakultur“. Für uns ist es eine echte Offenbarung, zu erleben, wie beide Bereiche zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen.
Unser Weg von der ersten Idee bis heute: Das ist Thema des ersten Kapitels. Dabei geht es noch nicht konkret um Permakultur, du kannst aber viele Informationen und Inspiration darin finden — vielleicht auch schon für dein eigenes Projekt.
Im zweiten Kapitel stellen wir dir unsere Vorbilder vor: Rob Hopkins und seine Transition-Town-Bewegung, die Initiative Incredible Edible und die Ferme du Bec Hellouin aus Frankreich. Dort finden sich schon viele Bezüge zur Permakultur und wir zeigen dir, aus welchen Ideen unser Projekt geformt wurde.
Im dritten Kapitel steigen wir dann richtig in die Materie ein: Wir gehen der Frage nach, was Permakultur eigentlich ist, und versuchen, sie von allen Seiten zu beleuchten. Dabei werden wir immer zuerst erklären, wie sich die Prinzipien der Permakultur im Garten verwirklichen lassen, dann aber auch zeigen, wie sie in einer Gemeinschaft umgesetzt werden können. Die passenden Praxisbeispiele dazu findest du anschließend im vierten Kapitel.
Das fünfte Kapitel widmet sich der Kooperation eines Permakultur-Systems mit seiner Umgebung. Wie können Verbindungen nach außen geschaffen werden und wie erweitern und bereichern sie das System?
Auch diese Frage schauen wir uns auf gärtnerischer und auf sozialer Ebene an.
Im sechsten Kapitel findest du einen Leitfaden und viele praktische Tipps, wie du dein eigenes Projekt starten kannst.
Am Ende wagen wir einen Ausblick in die Zukunft, wie wir sie uns vorstellen. Wir schildern dir die Landschaft, die wir am Ende unseres Weges vorfinden möchten — unsere ganz persönliche Utopie.
Nun wünschen wir dir viel Vergnügen beim Eintauchen in unsere Reise.
Deine Laura und Juli
Täglich belasten Tonnen ausgestoßenes CO2 die Atmosphäre. Das Eis der Polkappen schmilzt in atemberaubender Geschwindigkeit, der Meeresspiegel steigt stetig weiter an. Unzählige Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, weil ihre natürliche Umgebung nicht mehr existiert. Unser Essen fliegt einmal rund um die Welt, bevor es in den Kochtöpfen und dann auf unseren Tellern landet.
Spätestens seit der Fridays-for-Future-Bewegung wissen viele von uns darüber Bescheid, wie es um unser Klima bestellt ist. Und das ist ehrlich gesagt ziemlich beängstigend. Wir fühlen uns ohnmächtig angesichts der gigantischen Herausforderungen, die sich vor uns auftürmen. Und gleichzeitig stellt sich die Frage: Kann ich als Einzelperson überhaupt etwas ausrichten?
Wir meinen: unbedingt! Wenn jede*r von uns einen kleinen Teil beiträgt zu dem allumfassenden Wandel, den wir in den nächsten Jahren zu meistern haben, dann können wir es vielleicht schaffen, das Ruder noch herumzureißen. Lasst uns einfach loslegen. Jetzt. Klar, jeder Anfang ist schwer, aber bekanntlich wohnt ihm auch ein Zauber inne. Was wir beginnen, muss nicht gleich etwas Großes sein: Die Kraft der kleinen Handlungen nimmt manchmal ungeahnte Dimensionen an. Das Wichtigste ist einfach, dass du was verändern willst. Und dann kann es losgehen — ob allein, in der Familie oder in einer Gemeinschaft. Egal, wo du wohnst, wie viel du arbeitest, kurz gesagt, welche Möglichkeiten du hast. Und bei all diesen kleinen oder großen Schritten können wir uns intensiv mit uns selbst auseinandersetzen: Was meinen wir zu brauchen, worauf können wir vielleicht verzichten? Und kann ein Verzicht nicht sogar ein Gewinn sein? Wo setzen wir unsere Prioritäten? Wo verlassen wir unsere Komfortzone und was sind wir bereit zu investieren? Eine spannende Reise nach innen wie nach außen wartet auf uns — lassen wir uns darauf ein!
Wie könnte nun unser eigener Beitrag zum großen Wandel aussehen? Diese Frage haben wir eine ganze Weile mit uns herumgetragen. Als wir Ende 2018 den Film Tomorrow — Die Welt ist voller Lösungen sahen, ist es uns plötzlich wie Schuppen von den Augen gefallen: Unsere große Leidenschaft, das Gärtnern, hat das Zeug dazu, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Wir können zeigen, dass unser Essen nicht Tausende Kilometer zu uns reisen muss und dass keine schweren landwirtschaftlichen Maschinen und massenweise Agrarchemikalien nötig sind, um uns satt zu machen. Stattdessen können wir unser Essen genau dort anbauen, wo heute die meisten Menschen leben: mitten in der Stadt, vor unseren Haustüren! Und zwar gemeinschaftlich, so, dass alle in der Stadt wieder hautnah erfahren, wie ein knallfrischer Salat aus der Erde kommt oder wie eine sonnengeküsste reife Tomate schmeckt.
Der Ausdruck Guerilla Gardening (span. Guerilla für „kleiner Krieg“ und engl. Gardening für „Gärtnern“) oder auch Green Gardening wurde in New York City von einer Künstler- und Aktivist*innengruppe um Liz Christy geprägt. 1973 steckte New York in einer Spirale der Gewalt und Kriminalität und es gab viele verlassene Grundstücke in der Stadt. Die Green Guerillas begannen, diese Brachflächen zu begrünen und sogenannte community gardens einzuführen. Zur damaligen Zeit war das ein Meilenstein: Erstmals wurde das Gärtnern im öffentlichen Raum mit politischem Protest und künstlerischem Ausdruck verknüpft. In der Folge wurde aus den Green Guerillas eine regelrechte Bewegung. Später hat sich daraus das von der Stadt initiierte Projekt Green Thumb entwickelt, das heute rund 550 Gärten in New York verzeichnen kann.
Peter ist auch auf unserem Logo drauf, fast so, wie er hier steht: Die kleinen Pflänzchen gießend.
Schon ganz bald werden wir in der Grünen Lunge fantastisch frisches Gemüse ernten.
Wir verliebten uns sofort in den verwunschenen Garten, den Peter uns zeigte.
Von Anfang an hat uns die Idee des Urban Farming fasziniert. Urban-Gardening-Projekte kannten wir bereits einige — sie hatten uns aber nicht so richtig überzeugt, was den Ertrag anging. Sie waren aus unserer Sicht oft eher pädagogisch und sozial motiviert, selten stand die Nahrungsmittelproduktion selbst im Fokus. Zudem spielten sie sich in Frankfurt ausschließlich in Hochbeeten ab. Natürlich liegt es in der Stadt mit ihren vielen versiegelten Flächen nahe, in Hochbeeten zu gärtnern und die Menschen so wieder an den Gemüseanbau heranzuführen. Wir wollten aber von Anfang an unbedingt im Boden gärtnern. In der Permakultur werden die Pflanzen über den Boden ernährt, dem Boden kommt eine zentrale Bedeutung zu. Es reizte uns sehr, mitten in der Stadt einen lebendigen Boden zu schaffen, Humus aufzubauen, die Erde unter den Händen zu spüren.
Und so hatten wir plötzlich unser Ziel ganz klar vor Augen: Wir wollten auf städtischen Grünflächen, und seien sie noch so klein, Gemüse anbauen, was das Zeug hält — am liebsten an jeder Straßenecke und in jedem Park. Nur: Wo anfangen?
Bis zum ersten Samenkorn, das wir in die Erde stecken konnten, war es gar kein langer Weg. Das lag vor allem daran, dass wir beschlossen, keine langwierigen bürokratischen Wege zu gehen. Wir wollten einfach nicht darauf warten, dass uns von offizieller Seite ein Eckchen für unser Vorhaben zur Verfügung gestellt würde. Stattdessen suchten wir uns selbst unseren Platz — und fanden: die Grüne Lunge!
Als Laura und ich das riesige alte Gartengebiet im Januar 2019 zum ersten Mal betraten und die teils verwilderten, teils vermüllten Gärten sahen, wussten wir: Das ist er, der ideale Ort. Wir wussten auch, dass die Grüne Lunge von Bebauung bedroht war — umso wichtiger war es uns, zu zeigen, was dort anstelle von Häusern und PKW-Stellplätzen entstehen könnte. Wir knüpften schnell Kontakt zur „Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark“ und stellten dort unsere Idee vor: In der Grünen Lunge sollten Kürbisse, Auberginen, Tomaten in den Himmel klettern, ausgesäte Kräuter mit ihren wilden Verwandten um die Wette wachsen, süße Beeren von den Sträuchern gepflückt werden können. Peter Beckmann war sofort mit an Bord. Er ist ein Vorstand der Bürgerinitiative, ziemlich bekannt in der Öffentlichkeit und immer offen, wenn es darum geht, Allianzen und Kooperationen zu bilden. Ohne ihn gäbe es die GemüseheldInnen zumindest in der Grünen Lunge nicht. Deshalb haben wir ihn auch auf unserem Logo verewigt.
Schon wenige Tage später waren wir wieder in der Grünen Lunge. Peter, der das Gebiet wie seine Westentasche kennt, wollte uns einen Garten zeigen, der schon seit Jahren nicht bewirtschaftet wird. „Hier könnt ihr anfangen.“ Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.
Das soll Frankfurt sein? In der Grünen Lunge fühlt man sich in eine andere Welt katapultiert.
Ein 16 Hektar* großes verwunschenes Gartenareal mitten in Frankfurt am Main — unglaublich, aber wahr! Im Stadtteil Nordend, nördlich der Frankfurter Innenstadt, befindet sich die „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ mit ihren verwilderten Gärten, alten Baumbeständen und unzähligen Tier- und Pflanzenarten wie beispielsweise dem Roten Milan, einem mäusebussardgroßen Greifvogel, oder der Breitblättrigen Stendelwurz, die zur Familie der Orchideen zählt. Auch Füchse wohnen hier; manchmal bekommt man sie in der Dämmerung zu Gesicht.
In über 100 Jahren ist dieses Gebiet zu einem außergewöhnlichen Biotop herangewachsen. „Grüne Lunge“ wurde es von der Bürgerinitiative genannt, die seit Jahren für ihren Erhalt kämpft: Denn es liegt in einer der beiden wichtigsten Frischluftschneisen für Frankfurt und versorgt die umliegenden Viertel mit kühler Luft aus der Wetterau.
Paradise found! Die Bäume biegen sich …
Doch die Grüne Lunge ist von Bebauung bedroht. Mehrere Investoren möchten hier — großteils hochpreisige — Wohnungen errichten. Dieses Vorhaben sorgt in Frankfurt für Aufruhr, denn die Bebauung würde die Versiegelung der Grünen Lunge und damit die endgültige Zerstörung der dort angesiedelten Pflanzen- und Tierwelt bedeuten. Viele Menschen und NGOs setzen sich deshalb für den Erhalt dieses wertvollen Gebietes ein, auch im Hinblick auf die aktuelle Klimasituation — denn Frankfurt war in den letzten Jahren die heißeste Stadt Deutschlands.
… in den verlassenen Gärten der Grünen Lunge.
*Falls du dir unter 16 Hektar nicht allzu viel vorstellen kannst: Das sind 160.000 Quadratmeter. Auf dieser Fläche würden etwa 22 Fußballfelder Platz finden.
Zuerst mussten wir den Garten allerdings durch eine Entmüllungsaktion auf Vordermann bringen. In den teilweise seit langem verlassenen Gärten hatten sich wohnungslose Menschen einquartiert und im Laufe mehrerer Jahre auch große Mengen an Müll angesammelt — alte Matratzen, Kleidung, Töpfe und, und, und.
Wir entwarfen also ein Plakat zur Ankündigung der Aktion gemeinsam mit der Bürgerinitiative und der Aktivist*innengruppe Climate Justice Frankfurt, als uns einer der Mitstreiter von Climate Justice die Frage stellte: „Wie heißt ihr denn überhaupt?“ Und da wurden die GemüseheldInnen geboren. Wenn sie auch zugegebenermaßen erstmal gendermäßig inkorrekt „Gemüsehelden“ hießen. Wir fanden, dass das griffig und prägnant klang. Erst einige Monate später, als wir schon um die 20 Personen waren und sich immer mehr Gemüsehelden an dem fehlenden „Innen“ störten, beschlossen wir gemeinsam: Ab jetzt gendern wir.
Schaut alle her: das Banner für unsere erste Aktion.
Aber nochmal von Anfang an: Als uns der Name „Gemüsehelden“ einfiel, waren wir gleich begeistert. Wir hatten vorher andere Möglichkeiten durchgespielt; Namen wie „Gemüserevolte“ oder „Gemüserevolution“ waren durch unsere Köpfe gegeistert. Wir merkten jedoch schnell, dass wir keinen allzu kämpferischen, tendenziösen Namen für unser Projekt wollten. Es war uns wichtig, möglichst viele Menschen anzusprechen, die aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Zusammenhängen kommen sollten. Und wir wollten, dass unser Name vor allem eine positive Kraft und Dynamik ausstrahlt.
Zu unserer ersten Entmüllungsaktion kamen trotz Plakaten nur drei „Externe“ und wir säuberten unseren Garten hauptsächlich mit Mitgliedern der Bürgerinitiative. Was aber dem Spaß keinen Abbruch tat.
Obwohl wir Pech mit dem Wetter hatten und Müllsammeln nicht unbedingt eine der erfreulichsten Beschäftigungen ist, waren alle super gelaunt und voller Tatendrang. Und bei dieser ersten Aktion stieß eine Person zu uns, die innerhalb kürzester Zeit einer der Grundpfeiler der GemüseheldInnen werden sollte: Chris Kircher.
Rosemarie Heilig, Ökofeministin!
Ökofeminismus? Davon hatten wir ehrlicherweise noch nie was gehört. Bis uns eines Tages eine liebe Gartennachbarin als „die zwei Ökofeministinnen“ bezeichnete. Dem mussten wir nachgehen. Und es eröffnete sich uns eine ganz neue Welt: Wir lasen über die grundlegenden Zusammenhänge von ökologischen Fragen, feministischen Ansätzen und Klimagerechtigkeit und fragten uns: Sind wir tatsächlich Ökofeministinnen?
Der Ökofeminismus wurde in den 1970er Jahren von der französischen Frauenrechtlerin Françoise d’Eaubonne geprägt. Er beschäftigt sich damit, wie die Unterdrückung von Frauen und die Zerstörung der Natur miteinander verbunden sind. Ökofeminist*innen glauben, dass ökologische und feministische Fragen zusammengehören und deshalb auch zusammen betrachtet und behandelt werden müssen.
Eine der bekanntesten Ökofeministinnen ist die indische Wissenschaftlerin und Umweltaktivistin Vandana Shiva. Sie verteidigt seit vielen Jahren die Rechte der indischen Bauern und Bäuerinnen gegen Großkonzerne wie Monsanto und Nestlé und engagiert sich für den Schutz und die Vielfalt von Saatgut.
Eine lokale ökofeministische Größe ist bei uns die Politikerin Rosemarie Heilig: Als Dezernentin für Umwelt und Frauen sind in ihrer Arbeit beide Themenbereiche eng miteinander verknüpft. Sie kümmert sich einerseits um den Schutz der Frankfurter Natur und ihrer Biodiversität und andererseits um Frauenprojekte verschiedenster Art.
Frauen, Indigene sowie sozial benachteiligte Gruppen sind weltweit am stärksten von Umweltkatastrophen betroffen, denn sie sind mehrheitlich diejenigen, die landwirtschaftlich tätig sind und deren Existenzgrundlage stark von der Umweltsituation abhängt.
Im Grunde ist eine nachhaltige Welt nur denkbar, wenn auch die Geschlechter gleichgestellt sind. Deshalb fordern Ökofeminist*innen einen umfassenden Systemwandel, gerade hinsichtlich patriarchaler Strukturen. Für sie besteht das Ziel darin, Harmonie zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen allen Lebewesen und der Biosphäre zu schaffen.
NUR ZUR INFO: Tatsächlich ist die Klimabewegung weiblich dominiert. Dies zeigt sich auch in der Fridays-for-Future-Bewegung. Hier sind zwei Drittel der Demonstrierenden weiblich.
Ökofeminist*innen werden oftmals als radikal dargestellt — oder belächelt. So ist es Greta Thunberg ergangen, ebenso anderen jungen Frauen, die sich in der Klimakrise engagieren und politisch handeln. Auf diese Weise lenken die Kritiker*innen vom eigentlichen Anliegen der Aktivist*innen ab, disqualifizieren sie von vornherein und vermeiden es, sich näher mit dem Inhalt des Protests auseinanderzusetzen. Dabei entspringt der äußere Eindruck von Radikalität wohl häufig einer großen inneren Verzweiflung angesichts der Zähigkeit patriarchaler Strukturen und politischer Denkmuster, welche die dringend notwendigen Veränderungen blockieren. Hinter der scheinbaren Radikalität verbergen sich eine große Sensibilität für die Rechte und Bedürfnisse der Natur sowie tiefes Mitgefühl für die misshandelte Erde und die unterdrückten Frauen.
Im Ökofeminismus geht es ganz klar nicht darum, die Männer anzuprangern. Es geht darum, patriarchale Muster zu erkennen und diese in Bereichen wie Wirtschaft und Politik aufzulösen. Sind wir nun Ökofeministinnen? Eindeutig ja!
Wir können die Ziele der Ökofeminist*innen zu hundert Prozent unterschreiben. Wir möchten eine Gemeinschaft schaffen, in der alle Menschen gleichberechtigt und gleichwertig sind. Und wir versuchen, die Versöhnung von Natur und Mensch, das ebenbürtige Miteinander von allen Geschlechtern zu leben, für das sich Ökofeminist*innen einsetzen. Auch bei uns GemüseheldInnen ist es so, dass aktuell mehr Frauen als Männer mit an Bord sind (zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer). Wir würden uns sehr freuen, in nächster Zeit noch mehr Männer für unser gemeinsames Ziel gewinnen zu können.
Ich wohne direkt an der Grünen Lunge und mein Arbeitsweg führt mich seit vielen Jahren jeden Tag durch das Gebiet in mein Schweißatelier. Schon vor der Gründung der GemüseheldInnen war ich in der „Bürgerinitiative zum Erhalt der Grünen Lunge e.V.“ engagiert und habe als Botanikerin die Flora des Gebietes erfasst. Ich war schon immer politisch, ökologisch und sozial engagiert und die Idee, in nicht bewirtschafteten Gärten ein Gemeinschaftsgartenprojekt zu starten, hat mich somit gleich begeistert. Der Klimawandel ist eine große gesellschaftliche Herausforderung und es ist gut, ihr gemeinsam zu begegnen. Mit vielen ganz konkreten Projekten. Bei den GemüseheldInnen gibt es dazu noch super viele nette, engagierte und kreative Menschen, mit denen ich einfach gerne zusammen bin.
Dschungel-Feeling mitten in Frankfurt!
Körbchen schnappen und ab geht’s zur Wildkräutersuche. Chris und Luise lieben es.
Als Gemüseheldin der ersten Stunde habe ich schon einiges erlebt: von den ersten Entmüllungen über den Aufbau einer Gemeinschaft bis zur Anlage mehrerer Gärten.
Ich bin Gartenverantwortliche im Wiesengarten und mir sind Rückzugsinseln für Wildpflanzen und Tiere wichtig. Zurzeit bauen wir ganz viele alte Gemüsesorten und Wildgemüse an. Seit Beginn des Projektes bin ich im Orga-Team, habe an der Vision „PermaKulturGarten Frankfurt 2025“ mitgearbeitet und bin an Verhandlungen mit städtischen Ämtern ebenso beteiligt wie an jenen mit Wohnungslosen, Besetzer*innen, den Jugendlichen von Fridays for Future, der Bürgerinitiative und vielen anderen, die im Gebiet aktiv sind. Die GemüseheldInnen sind einfach ein sehr vielfältiges Projekt. Wie schön, es lässt sich so viel Neues ausprobieren und in einer guten Atmosphäre lernen.
Am Anfang unseres Projektes, als wir gerade die ersten Samen ausgesät hatten, war natürlich in den Beeten noch nichts zu ernten. Umso erfreulicher, dass es in unserem Gebiet viele Wildkräuter gab und gibt. Als die für Frankfurt so typische Grüne Soße noch im Keimstadium war, konnten wir schon im April unsere Wilde Grüne Soße zusammenstellen. Gerade im Frühling sind viele Wildkräuter sehr zart und schmackhaft. Zudem haben Wildpflanzen den Vorteil, dass sie an den Standort angepasst und damit pflegeleicht sind. Statt die „Unkräuter“ zu bekämpfen, macht es also Sinn, sie kennenzulernen und das eine oder andere Wildkraut für die Küche zu entdecken. Essbare Wildkräuter sind viel reicher an sogenannten sekundären Pflanzenstoffen als unsere heute gängigen Gemüsesorten. Das macht sie so gesund und wertvoll. Und viele Wildpflanzen sind alte Heilpflanzen.
Wildpflanzen-Ernte: so prächtig zum Anschauen und noch besser zum Reinbeißen.
Die jungen Brennnesselblätter schauen noch gar nicht so stachelig aus, oder? Im April schmecken sie einfach superzart.
Die Brennnessel ist Heilkraut, Wildgemüse und wunderbarer Dünger in einem. Sie ist ein gutes Mulchmaterial und für mehrere heimische Schmetterlinge eine wichtige Futterpflanze. Alles gute Gründe, ihr im Garten einen Platz zu lassen oder sie anzusiedeln. Jung gepflückt ist sie besonders zart.
Ich selbst liebe Nudeln mit Brennnesselsoße und finde sie im Geschmack viel feiner als Spinat. Für die Brennnesselsoße einfach im Frühling die oberen zwei oder drei Blattpaare abzupfen und wie Spinat kurz kochen und pürieren. Am Schluss noch mit etwas Sahne oder Sojasahne verfeinern.
Du kannst die Brennnessel auch roh verwenden, zum Beispiel in Smoothies. Für Salat oder Kräuterquark die Blätter vorher mit heißem Wasser überbrühen, damit die Brennhaare nicht mehr wirken können.
Im Frühling sammle ich die ganzen
Superfood-Alarm: Die nussigen Samenknöllchen sind ein Highlight im Müsli.
Pflanzen für Tee und lasse sie gebündelt an einem warmen, schattigen Ort trocknen. Der Brennnessel wird eine entschlackende und harntreibende Wirkung nachgesagt.
Im Sommer sammle ich an den weiblichen Brennnesseln die noch grünen oder reifen bräunlichen Samen. Das ist zwar etwas aufwendiger, du bekommst dafür aber ein heimisches Superfood mit leicht nussigem Aroma, das sich das ganze Jahr über hält und sich gut im Müsli macht.
Aus der Brennnessel kannst du außerdem eine wunderbare Jauche herstellen und mit diesem stickstoffhaltigen Dünger die Gemüsepflanzen versorgen. Dazu die ganzen Pflanzen in einen Bottich voll Wasser geben und in den nächsten 2 bis 3 Wochen ab und an umrühren — dabei hilft Steinmehl gegen den Geruch. Im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt darf die Jauche dann aufs Gemüsebeet.
Giersch wächst ohne Rücksicht auf Verluste. Genial, schmeckt er doch fast wie Petersilie.
Wer den Giersch einmal im Garten hat, wird ihn so schnell nicht wieder los. Deswegen ist er unter Gärtner*innen manchmal ganz schön unbeliebt. Ein kleines Stückchen Wurzel bringt eine ganze Pflanze hervor — eigentlich ziemlich genial. Kaum jemand weiß, dass die jungen Blätter mild und lecker sind. Sie schmecken ähnlich wie die der nahe verwandten Petersilie und können genauso verwendet werden. Solange man den Giersch erntet, treiben junge Blätter nach. Bei den Gemüseheld-Innen haben wir bei Gartenaktionen immer wieder mit Besucher*innen in Steinmörsern Gierschsalz hergestellt — das kommt gut an.
Blütenexplosion im Garten: Die Wilde Malve ist ein superschöner Hingucker und macht sich von Blatt bis Blüte fantastisch als Salat oder Gemüse.
Eine echte Entdeckung ist für uns die wunderschön blühende Wilde Malve.
Sie ist eine alte Gemüse- und Heilpflanze. Alle Teile sind essbar und schmecken richtig lecker. Die Blätter und Blüten lassen sich im Salat roh oder gekocht als Gemüse wie Spinat zubereiten. Ihre pinkfarbenen Blüten sind sehr dekorativ im Essen. Die Wilde Malve erfreut aber nicht nur uns Menschen, ihre bis zu 1,5 Meter hohen Malven mit den üppigen und auffälligen Blüten sind ein wahrer Insektenmagnet und leuchten im Garten von Mai bis Oktober.
Im Garten führt sie gern ein Schattendasein, um im Kräuterquark dann ihr Knoblaucharoma voll zu entfalten.
Bei uns, in den relativ schattigen Gärten, kommt häufig die Knoblauchsrauke vor, die eigentlich eine typische Pflanze der Waldsäume ist. Ihre Blätter sind ganz glatt, leicht glänzend und an den Rändern eingekerbt. Oft wächst sie in dichteren Beständen und wie der Name Knoblauchsrauke schon sagt, schmeckt sie deutlich nach Knoblauch. Ihr Geschmack verrät aber auch die nahe Verwandtschaft zu den Kohlgewächsen. Im Frühling vor der Blüte kannst du sie frisch aufs Brot und in Kräuterquark oder Smoothies geben. Eine leckere Zugabe ist sie in der Kartoffelsuppe, bei längerem Kochen verliert sie allerdings den Geschmack. Im Juli/August lassen sich ihre Samen ernten; diese enthalten die für Kohlgewächse typischen Senfglykoside.
Unscheinbarer Pfefferersatz! Und einfach traumhaft in Kombination mit Kartoffeln.
Wegen ihrer Schärfe wurden die Samen früher als Pfefferersatz verwendet; mich erinnern sie geschmacklich sehr an Meerrettich. Ein schönes und ganz einfaches Rezept: Ich gebe beim Kochen von Salzkartoffeln einen Löffel Samen zum Kochwasser. Beim Abschütten durch ein Sieb bleiben die Samen dann an den Kartoffeln als Gewürz haften.
Wundheiler und Erkältungshero in einem: Spitzwegerich.
Der Spitzwegerich ist meiner Meinung nach ein Heilkraut, das jede*r kennen sollte. Zum einen ergibt er zusammen mit Thymian einen wunderbaren Erkältungstee, der mit Zitrone und Honig auch richtig lecker schmeckt. Zum anderen verwende ich den frischen Spitzwegerich oft bei Wunden. Er ist sowohl antibakteriell und desinfizierend als auch wundheilend. Dazu ein Blatt zwischen Daumen und Zeigefinger rollen und quetschen, bis ein grünes Tröpfchen für die Wunde entsteht. Gerade bei nässenden Wunden sorgt das schnell für Heilung. Spitzwegerich hilft auch bei Insektenstichen. Und von den Römern ist überliefert, dass sie den verwandten Breitwegerich bei Blasen an den Füßen einfach in den Schuh gesteckt haben.
Das Lungenkraut steht auf schattige Plätzchen.
Das Lungenkraut gehört zu den Frühlingswaldgewächsen. Es nutzt die sonnige Situation am Waldboden, bevor die Laubbäume austreiben. Später im Jahr kommt das Lungenkraut dann mit sehr wenig Licht aus — wunderbar also für Schattengärten. Dabei bietet es Wildbienen schon im März üppiges Futter.
Die Pflanze ist ein altes Lungenheilkraut, nach der Signaturenlehre von Paracelsus stehen die weißen Punkte auf den herzförmigen Blättern für die Lungenbläschen. Wie bei seinem nahen Verwandten Borretsch ist das ganze Kraut essbar.
Für uns in der Grünen Lunge steht das heilkräftige Lungenkraut mit seinem Namen symbolisch für das wertvolle artenreiche Grün und die Bedeutung eines alten Baumbestandes in einer immer wärmer werdenden Stadt.
Bärlauch: Das ist ganz großes Knoblauchkino im Frühlingsgarten.
Bärlauch schmeckt nach Knoblauch und du kannst ihn auch wie Knoblauch verwenden. Also frisch aufs Brot oder im Kräuterquark und natürlich als Bärlauchpesto — kleingeschnitten mit etwas Öl, Parmesan und gerösteten Pinien- oder Sonnenblumenkernen zu Nudeln, das ist superlecker! Tatsächlich muss man den Bärlauch kleinschneiden, denn das maschinelle Pürieren bringt eine unerwartete Schärfe. Bärlauch darf nur vor der Blüte verwendet werden; die Blüte selbst ist eine wunderhübsche Deko auf dem Teller. Im Garten kannst du dem Bärlauch ein schattiges Plätzchen einräumen. Er liebt kalkhaltigen, humosen und frischen Boden. Vorsicht: Maiglöckchen mögen dieselben Standorte, sehen ähnlich aus und sind giftig.
Wenn es dem Bärlauch gut gefällt, breitet er sich im Garten schnell aus. Dabei hilft ihm ein Stoff, den er über die Wurzel ausscheidet und der das Wachstum anderer Pflanzen hemmt. Wundere dich nicht, wenn du den Bärlauch im Sommer nicht mehr siehst: Er zieht die Blätter ein und speichert in seiner Zwiebel Stoffe für das nächste Frühjahr, denn er ist eine Frühlingswaldpflanze. Er profitiert am Anfang des Jahres davon, dass die Bäume noch nicht belaubt sind und viel Sonne auf den Waldboden lassen.
Wie kleine Sonnenkleckse: der Löwenzahn in unseren Gärten.
Wie der Name Löwenzahn schon sagt, sind die Blätter tief gezähnt. Die Pflanze fällt durch ihre leuchtend gelben Blüten ins Auge, die mit ihren kleinen Zungenblüten viele Insekten anlocken. Der Löwenzahn liebt gut gedüngten Gartenboden und schleicht sich immer wieder in die Beete, denn mit den kleinen Schirmchen sind seine Samen sehr mobil. Beim Unkrautzupfen kannst du die jungen Blätter gut für Smoothies oder Salate aufheben, später werden sie recht bitter. Dafür machen sich die Blüten dann hübsch als Deko im Essen. Gut schmecken auch die Knospen, die du entweder wie Gemüse in der Pfanne braten oder wie Kapern in Essig einlegen kannst. Dass es sich beim Löwenzahn um eine alte Heilpflanze handelt, verweist im wissenschaftlichen Namen das Wort officinale.
Chris kann sich an den wunderschönen Blüten einfach nicht sattsehen.
200 ml Apfelsaft
200 ml Wasser
1 Banane
1 Karotte
2 Handvoll Wildkräuter
Alles mixen und fertig!
Tipp: Für einen roten Smoothie packe einfach noch eine halbe Rote Beete in den Mixer.
Was wäre Frankfurt nur ohne seine beliebte „Grie Soß“?! Die hessische Spezialität, die man traditionell kalt zu Salzkartoffeln und gekochten Eiern serviert, besteht aus sieben Kräutern: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch.
In unserem ersten Jahr machten wir aus der Not eine Tugend. Als die sieben Kräuter, die wir zuallererst ausgesät hatten, einfach nicht schnell genug wachsen wollten, kreierte Chris die „Wilde Grüne Soße“.
Alle Kräuter hierfür waren zu dieser Zeit zart und frisch in großen Mengen in der Grünen Lunge vorhanden.
» Taubnessel
» Lungenkraut
» Löwenzahn
» Knoblauchsrauke
» Giersch
» Brennnessel
» Sauerampfer
Außerdem brauchst du:
Quark, saure Sahne, Senf, Salz, Pfeffer, Öl
Alle Kräuter sehr klein schneiden und mit den restlichen Zutaten vermischen. Fertig ist die „Wilde Grüne Soße“.
1 großer Strauß Bärlauch
Sonnenblumenöl
100 g Cashewkerne
Salz
Bärlauch waschen, abtrocknen, kleinschneiden und in einem Mörser oder Mixer mit Sonnenblumenöl pürieren.
Cashewkerne anrösten, erkalten lassen und mit einem Mörser oder Mixer zerkleinern. Beides zusammenfügen, etwas salzen und in Gläser abfüllen. Die Gläser noch mit Öl bis 1 cm unter den Rand auffüllen, fest verschließen und bei 80 °C Umluft im Wasserbad für 60 Minuten in den Backofen stellen.
1 große Schüssel frisch gepflückte
Knoblauchsrauke
Sonnenblumenöl
200 g Walnüsse
Salz
Das Kraut waschen und trockenschleudern. Mit einem Mörser oder Mixer mit Sonnenblumenöl zu Mus verarbeiten. Walnüsse anrösten und mit dem Mörser zerkleinern. Alles zusammenfügen, etwas salzen, in Gläser füllen und mit Öl übergießen. Dann ebenfalls im Backofen bei 80 °C Umluft im Wasserbad für 60 Minuten erhitzen.
Blütensalz ist ein wunderbares Geschenk für verschiedenste Anlässe. Alles, was du dafür brauchst, sind biologisches Salz — grobkörnig oder fein, hier kommt es darauf an, wie du dein Salz möchtest — und viele essbare bunte Blüten. Gerade für Kindergruppen kann die Blütensuche in den Gärten oder Parks zu einer wahren Expedition werden.
Hier ein paar Beispiele für essbare Blüten:
Borretsch, Ringelblume, Rose, Gänseblümchen
Nach dem Sammeln der Blütenblätter breitest du die eroberten Schätze am besten mittig auf einem großen Tisch aus.
Sehen die Blüten- und Wildkräutersalze nicht zauberhaft aus?
Was du für die Herstellung sonst noch benötigst:
Honig- oder Einmachglas mit Deckel
Messer
Schneidebrett
Teller oder Schale
Nun kann es losgehen! Gib in deinen Teller oder deine Schale etwas Salz. Zerkleinere mit dem Messer deine Blütenauswahl und mische die Blüten und das Salz mit den Händen. Es ist eine wahre Freude, sich die eigene Farbkombination zusammenzustellen.
Das Verhältnis von Salz zu Blüten bleibt dir selbst überlassen.
Wenn du mit deiner Mischung zufrieden bist, kannst du das Glas mit dem selbstgemachten Blütensalz füllen. Optimal wäre es allerdings, wenn du den Teller mit dem fertigen Blütensalz noch einige Tage an einem trockenen und schattigen Ort aufbewahrst, damit die Blüten nachtrocknen können.
Anstelle der Blüten kannst du auch Wildkräuter wie z.B. Giersch verwenden. Wichtig ist, dass sich keine giftigen Exemplare auf den Teller mogeln. Bei einer Kindergruppe sollte deshalb ein Blütenexperte oder eine Wildkräuterfachfrau dabei sein und genau hinschauen, was gepflückt wird.
In den ersten Monaten versuchten wir vor allem, die GemüseheldInnen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wir überlegten, wie wir am besten Menschen dazu bewegen könnten, bei uns mitzumachen. Und hier kam Laura ins Spiel: Mit ihrem Grafikdesignerinnen-Fachblick gab sie die Richtung vor. Ihre Devise: Auf allen Kanälen sichtbar werden! Mit Feuereifer machte sie sich daran, die Marke „GemüseheldInnen“ aufzubauen. Mit unserem prägnanten Motto „Frankfurt essbar machen? — Ei sischer!“ legten wir hessisch und offensiv los.
Wir bewarben jede Aktion mit einem eigens gestalteten Plakat und Laura startete unsere Facebook-Seite, die sie bis heute beinahe täglich mit aktuellen Fotos und Informationen füttert. Obwohl wir am Anfang nur zu zweit waren, hatten wir schon ein Logo. Damals ging es los mit unserem Hang, alles „groß zu denken“, wie Chris immer so schön sagt. Wir gingen einfach fest davon aus, dass wir den Nerv der Zeit getroffen hatten und dass die Menschen in Scharen zu uns stoßen würden. Bei den ersten Aktionen wurden wir dann allerdings mit einer etwas anderen Realität konfrontiert. Trotz umfangreicher Werbung waren jedes Mal hauptsächlich bekannte Gesichter dabei und, wenn’s hochkommt, zwei bis drei neue. Aber wir ließen uns nicht entmutigen. Unsere ersten Aktionen hatten sogar einen ganz besonderen Zauber: Sie waren mit so viel Liebe vorbereitet, dass sie für die Wenigen, die kamen, inklusive uns selbst, unvergesslich wurden. So zum Beispiel unsere Wildkräutersuche: Chris führte die kleine Gruppe wie die sieben Zwerge durch verschiedene Gärten und zeigte Giersch, Löwenzahn, Lungenkraut und weitere Wildkräuter, aus denen sich eine wilde Frankfurter Grüne Soße mixen lässt (Seite).
In trauter Zweisamkeit waren wir in unseren Gärten nur in der allerersten Zeit.
Das hatte Chris bereits vorab gemacht und wir konnten gar nicht genug von der „Wilden Grünen Soße“ bekommen. Chris’ Partner Georg, der seitdem fest zu unserem Orga-Team gehört, präsentierte uns dann am Lagerfeuer seinen frisch komponierten „Grüne-Soße-Song“, der eigens auf die Grüne Lunge zugeschnitten war. Wir wollten ihn immer wieder hören und bald sangen wir alle aus voller Kehle:
In Frankfurt gibt’s n wunderschönes Kleingartengebiet / Über das schon bald die Planierraupe zieht. / Doch jetzt ist es noch da, und du kannst es genießen / Weil dort die wilden Grüne-Soße-Kräuter sprießen
Dass unsere offensiven Werbemaßnahmen anfangs noch nicht von Erfolg gekrönt waren, hatte also nicht nur Nachteile. Nie wieder hatten wir so stille und friedliche Momente im Garten wie in dieser ersten Zeit, wo wir ganze Vormittage lang vor uns hin werkelten, manchmal gemeinsam mit Peter Beckmann, der uns die Hecken schnitt, ein Bohnengerüst baute und bepflanzte oder einfach nur nach dem Rechten sah. „Ihr seid auch Überzeugungstäter, was?“, sagte er das eine oder andere Mal zu uns. Dem konnten wir nur zustimmen.
