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Kurzgeschichten zum Entspannen, Träumen und Loslassen. Ich möchte Sie mit meinen Geschichten in das Reich der Fantasie führen, in innere Bilder. Mögen diese inneren Bilder Sie erfreuen, Ihnen Mut machen, neue Wege zu gehen oder einmal alte Pfade zu verlassen. Ich lade Sie ein, mit mir gemeinsam in innere Welten zu reisen. Durch das Erleben innerer, positiver Bilder entsteht die Sehnsucht nach Veränderung, nach Weiterentwicklung und nach der Selbstgestaltung des eigenen Lebens. Mögen meine Geschichten hilfreiche Begleiter sein.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Renate Spielvogel
Urlaub für die Seele
Kurzgeschichten
für meine Enkelkinder
Geschichtenerzähler gibt es schon seit tausenden von Jahren. Geschichten werden in allen Kulturen erzählt.
Geschichten regen unsere Fantasie an.
Wir können uns mit Geschichten identifizieren, uns durch Geschichten Mut machen oder uns durch Geschichten eine kleine Auszeit gönnen.
Geschichten können uns helfen, mit neuen Ideen, mit Mut, Kraft und Stärke dem Alltag zu begegnen.
Ich möchte Sie mit meinen Geschichten in das Reich der Fantasie führen, in innere Bilder.
Mögen diese inneren Bilder Sie erfreuen, Ihnen Mut machen, neue Wege zu gehen oder einmal alte Pfade zu verlassen.
Wer möchte sich nicht unbeschwert, frei, losgelöst von Alltagsbelastungen und Sorgen fühlen?
Wir alle kennen die Sehnsucht nach einem starken Helfer, einem Beschützer, einer hilfreichen Instanz, die uns zur Seite steht, uns ermutigt, tröstet, hält, motiviert und unterstützt.
Ich lade Sie ein, mit mir gemeinsam in innere Welten zu reisen und dort unterstützende Wesen kennenzulernen.
Durch das Erleben innerer, positiver Bilder entsteht die Sehnsucht nach Veränderung, nach Weiterentwicklung und nach der Selbstgestaltung des eigenen Lebens.
Mögen meine Geschichten hilfreiche Begleiter sein und Impulse zu positiven Veränderungen geben.
Die Geschichten ersetzen keine Therapie!
Renate Spielvogel
1 - Hoffnungsgeschichten
Das besondere Zimmer
In meinem Herzen gibt es einen ganz besonderen Platz.
Ein Zimmer, in das eine kleine Tür führt. Von außen ganz unscheinbar. Den Schlüssel zu dieser Tür trage ich immer bei mir - wohl verwahrt an einem sicheren Platz.
Und immer dann, wenn es in meinem Herzen dunkel ist oder kalt, wenn die Traurigkeit mal wieder so lange verweilt, wenn Sorgen und Angst das Herz eng machen, immer dann betrete ich diesen Raum in meinem Herzen.
Ich nehme den Schlüssel, stecke ihn ins Schloss und öffne die Tür.
Und dann geschieht jedes Mal ein Wunder.
Von Sonnenlicht durchflutet ist der Raum, den ich betrete. Ein Wohlgeruch liegt in der Luft. Wunderschöne Klänge erfüllen diesen Raum.
Es ist das Zimmer, in dem all meine schönen Erinnerungen wohnen.
In diesem Zimmer gibt es einen gemütlichen Sessel.
Bücher, Fotoalben und Bilder füllen die Wände.
Und wie von Zauberhand halte ich eine Tasse Tee in der Hand und versinke mit wohligem Seufzer in dem gemütlichen Sessel.
In Reichweite all die schönen Erinnerungen.
Ich blättere hier, schaue da, schnuppere dort.....
Ich atme den Geruch meines neu geborenen Sohnes ein.
Höre das Lachen, spüre den Wind am Meer, fühle warmen Sand unter meinen Füßen.
Ich tobe ausgelassen im Schnee mit dem Hund, der einige Jahre mein Begleiter war.
Alles wird lebendig.
Schmetterlinge im Bauch.
Freudentränen.
Ich genieße.
Immer mehr und mehr Licht, Sonne und Wärme erfüllen den Raum.
Ich öffne die Tür in meinem Herzen ganz weit, so dass all die guten Gefühle hineinfließen können in das dunkle, kalte Herz.
Und erst dann, wenn es in meinem Herzen wieder hell und warm ist, verlasse ich meinen Raum der schönen Erinnerungen.
Ich schließe die Tür, verwahre den Schlüssel sehr gut und bin froh und dankbar dafür, dass es diesen Raum in meinem Herzen gibt.
Renate Spielvogel - aus dem Buch „Joni-Joni-Jonathan“
Das Leben ist ein kostbares Geschenk
Wenn ich eines Tages diese Welt verlasse, will ich in einem Boot auf dem Meer schöner Erinnerungen treiben. Ich will in dem Garten schöner Erinnerungen spazieren gehen und den Duft tausender Blüten einatmen.
Ich will die Schatztruhe öffnen, in der die Perlenketten der Erinnerungen verwahrt sind und werde die Kette tragen, die mich an die Menschen erinnert, die mir begegnet sind. Die Menschen, die mir ein liebevolles Wort, eine zärtliche Berührung, eine Anerkennung oder ein Lächeln geschenkt haben.
Vielleicht finde ich auch die eine oder andere Perlenkette, die mich zum Weinen bringt.
Ich nehme sie in die Hand, erinnere mich und lege sie wieder hinein.
Heraus nehme ich die Perlenkette schöner Momente und schmücke mich damit.
Bis zu diesem Tag werde ich das Leben zelebrieren, genießen, wertschätzen und jeden Tag als ein wundervolles Geschenk und eine Chance zum Wachsen betrachten.
Und später, viel später, werde ich all dies in einer anderen Welt mit meinen Seelengeschwistern teilen.
Das Leben ist ein kostbares Geschenk.
7.10.2021
Die Geschichte vom Fragezeichen
Es war einmal ein Fragezeichen. Es war noch jung und unerfahren. Neugierig fing es an, die Welt zu erkunden. Es hüpfte hierhin und dorthin. Die Menschen mochten das kleine Fragezeichen. Es war so lustig, so neugierig, so freundlich und schön anzusehen. Seine Gestalt erinnerte an Unendlichkeit, an Geborgenheit oder an Offenheit.
Der kleine Punkt an seinem unteren Ende konnte groß sein oder klein.
Und mit dem Punkt veränderte sich auch seine Gestalt.
Entweder ein kleiner, niedlicher gebogener Halbkreis über einem kleinen Kreis. Offen nach einer Seite. Da kann man sich so schön hinein kuscheln. Die Halbkugel gewölbt wie ein rundes Zeltdach, was sich schützend über die kleine Frage wölbt und auf die Antwort wartet. Weißt du, der Punkt am unteren Ende des Fragezeichens ist so schön rund, wie ein Ball, der lustig hüpft und sich bewegt.
Der Punkt kann klein und unauffällig sein, nur ein kleiner Hauch von einem Punkt. Manchmal ist er so klein, kaum zu sehen. Er trägt die geschwungene Gestalt, die zu ihm gehört mit Leichtigkeit und Eleganz.
Er kommt kurz heran gesprungen, fragt eine Frage, sammelt die Antwort ein und schon ist er wieder verschwunden.
Doch wenn er keine Antwort bekommt, wird er groß und mächtig. Er kann dann so manches hinweg rollen, vielleicht sogar zerstörerisch sein durch seine Wucht und seine Größe.
Die geschwungene Gestalt, die auf ihm ruht, wird größer und größer. Wölbt sich wie ein riesiger Berg mit einer dunklen Höhle über die Frage. Die Frage wird vielleicht ängstlich, oder wütend, weint und jammert. Und wenn das Fragezeichen wartet und wartet und die Antwort nicht in Sicht ist, wird ihm das Warten so langweilig. Er ruft seine Freunde, damit sie mit ihm warten. Und ich kann dir versichern, ein Fragezeichen hat viele Freunde.
Die geschwungene Gestalt, die er durch die Gegend trägt, wird immer größer und mächtiger. Unbeholfen bewegt sich der Punkt langsam und zäh und immer größer wird die Gestalt, die auf ihm balanciert. Die Freunde des Fragezeichens machen es sich gemütlich und fragen und fragen. Immer mehr Fragen. Und je mehr Fragen im Raum sind, desto weniger hört man das sanfte Klopfen der Antwort. Je mehr Fragen im Raum sind, desto weniger Platz ist für Antworten.
Die Fragen verweilen und verweilen. Und nach einiger Zeit, manchmal nach schon nach einem kurzen Moment, kann man vor lauter kleinen und großen Fragezeichen den Weg nicht mehr sehen. Denn die vielen Fragezeichen versperren jede Sicht.
Was tun?
Wo sind die Antworten geblieben?
Der Weg versperrt, kein Ausgang, kein Ausweg in Sicht. Jeder Zentimeter belegt mit Fragen.
Die Fragezeichen ungeduldig, immer schlechter gelaunt.
Fragen warum, weshalb, weswegen, wieso?
Machen sich breit, nehmen den Platz und den Raum ein. Vermehren sich. Werden behäbig, dick und rund. Und aus dem kleinen neugierigen Fragezeichen ist ein unzufriedener dicker und runder Punkt geworden, der sich mühselig durch das Leben rollt.
Wenn nur Antworten kämen. Ihm die Möglichkeit gäben, weiter zu reisen. Andere Menschen,andere Länder kennenzulernen.
Und da, eines Tages klopft es an die Tür.
Hallo, ich bin die Antwort, hört das Fragezeichen eine leise Stimme. Oder ist sie laut?
Wo warst du so lange, hörst du das Fragezeichen quengeln. Du hast dir aber ganz schön Zeit gelassen. Ich habe schon so oft geklopft, hört das Fragezeichen die Antwort sagen. Doch du warst so laut. Niemand hat geöffnet und so bin ich nach einiger Zeit wieder gegangen.
Ich wurde oft auch aufgehalten, sagt die Antwort.
Ich kämpfte gegen die Mutlosigkeit, gegen die Traurigkeit, gegen den Schmerz und gegen die Wut.
Aber nun bin ich hier. Nun kannst du weiterziehen.
Das Fragezeichen freut sich. Vielleicht nimmt es nicht gleich all seine Freunde mit.
Aber nach und nach werden diese auch Fernweh bekommen. Weiterziehen wollen.
Ruhe kehrt ein. Raum entsteht. Der Weg wird frei.
Renate Spielvogel, Juli 2016 - aus dem Buch „Joni-Joni-Jonathan“
Das verwundete Herz
Es war einmal ein kleines Herz. Ein sehr kleines Herz. Es war glücklich und zufrieden. Es fühlte sich geborgen und behütet.
Doch eines Tages geschahen seltsame Dinge. Die anderen Herzen, mit denen das kleine Herz zufrieden zusammenlebte, verhielten sich so komisch.
Vor allen Dingen das Herz, das das kleine Herz am allerliebsten hatte, wurde traurig und immer trauriger. Das kleine Herz verstand die Traurigkeit nicht.
Es spürte die Verzweiflung der Herzen, die seine Herzensfamilie waren und konnte nicht begreifen, was hier passierte.
Und eines Tages, Furcht und Angst waren schon in das kleine Herz eingezogen und hatten es sich dort gemütlich gemacht, eines Tages war das Lieblingsherz des kleinen Herzens einfach verschwunden.
Das kleine Herz suchte und suchte und konnte sein Lieblingsherz nicht mehr finden. Es war verzweifelt und fühlte sich allein.
Es wollte mit den anderen Herzen reden. Doch die waren wie erstarrt. Die lebendigen, liebevollen Herzen, die in letzter Zeit manchmal auch so ängstlich, traurig und verschlossen wirkten, wurden teilweise zu harten Steinen. Aus manchen großen starken Herzen waren durchscheinende, filigrane Gebilde geworden. Andere hatten sich verschlossen, so dass das kleine Herz niemanden fand, mit dem es reden, kuscheln oder sich geborgen fühlen konnte.
Das war eine sehr schlimme Zeit für das kleine Herz.
Kurze Zeit später beschloss ein weiteres Herz, das dem kleinen Herzen so nah war, wegzugehen.
Das kleine Herz weinte, es suchte und suchte und konnte die Geborgenheit und Sicherheit nicht mehr finden, die vorher in seinem Herzen so gemütlich gewohnt hatten.
Eingezogen waren die Traurigkeit, die Wut, Angst und Unsicherheit.
Wilde Gesellen, die mit dem kleinen Herzen viel Schabernack trieben.
Auch die anderen Herzen konnten nichts tun, um diese Gesellschaft zum Auszug aus dem kleinen Herzen zu bewegen.
Das kleine Herz wuchs und wuchs. Wurde größer. Und immer fühlte es sich alleine und war auf der Suche nach Geborgenheit und Sicherheit.
Viele Jahre vergingen.
Manchmal dachte das kleine Herz, die Geborgenheit und die Sicherheit und auch die anderen schönen, guten Gefühle, die es von ganz früher kannte, gefunden zu haben.
Doch die wilden Gesellen vertrieben immer wieder die neuen Gäste, kaum hatten sie angeklopft. Die wilden Gesellen behaupteten ihren Platz viele viele Jahre.
Es verging Zeit.
Eines Tages kam ein anderes, fremdes Herz. Es hörte dem einsamen, verzweifelten kleinen Herzen zu. Das war schön. Und es blieb und gab dem kleinen Herzen gute Gefühle. Immer wieder, so dass die guten Gefühle sich ganz langsam in dem kleinen Herzen eine gemütliche Ecke einrichten konnten.
Und dann geschah etwas Wunderbares. Eine kleine Seele kam in das kleine Herz. So verwundbar, so wunderbar, so rein. Das kleine Herz liebte diese kleine Seele. Die kleine Seele füllte einen Teil des kleinen Herzens und so manche dieser wilden Gesellen verließen für immer oder auch nur zeitweise das kleine Herz.
Im Laufe der Jahre kamen noch zwei kleine, reine Seelen dazu und fanden einen festen Platz in dem kleinen Herzen.
Einige Jahre konnte das kleine Herz aufatmen.
Die wilden Gesellen, die so viel Chaos im kleinen Herzen angerichtet hatten, versuchten verzweifelt ihren Platz im kleinen Herzen zu behaupten. Doch die drei kleinen, reinen Seelen wiesen sie immer wieder in ihre Schranken.
Und gerade dann, als das kleine Herz begann, sich richtig wohlzufühlen, da geschah etwas Furchtbares.
Die kleine Seele, die als letzte in das kleine Herz eingezogen war, wurde aus dem kleinen Herzen herausgerissen.
Verzweifelt wehrte sich das kleine Herz. Es kämpfte, es weinte, es tobte, es war außer sich vor Verzweiflung, Traurigkeit und Wut.
Wer hatte ihm die kleine Seele geraubt?
Wer hatte es gewagt, die kleine Seele aus dem Herzen so brutal herauszureißen.
Und wieder war das kleine Herz einsam, alleine und unendlich traurig.
Doch die beiden anderen kleinen, reinen Seelen blieben bei dem kleinen Herzen. Sie trösteten es, sie umarmten es, sie füllten es aus mit Liebe.
Lange Zeit konnte das kleine Herz diese Liebe, diese Fürsorge und die Umarmungen der beiden kleinen Seelen nicht fühlen.
Auch andere, inzwischen für das kleine Herz wichtige Herzen hielten sich in der Nähe des kleinen Herzens auf und versuchten, das kleine Herz zu trösten.
Und was soll ich sagen. Es vergingen einige Jahre, bis das kleine Herz begriff, dass die kleine Seele, die es glaubte verloren zu haben, dass diese kleine Seele niemals verschwinden würde.
Dass nichts und niemand diese kleine Seele aus dem Herzen herausreißen konnte.
Das kleine Herz spürte, dass die kleine Seele, die es eines Tages eingeladen hatte, bei ihm zu wohnen, dass diese kleine Seele immer bei ihm sein würde.
Zuerst konnte das kleine Herz das gar nicht glauben.
Wo war sie, die kleine Seele? Warum konnte das kleine Herz sie nur manchmal fühlen, besonders dann, wenn es schlief?
Die kleine Seele und auch die beiden Herzen, die vor langer Zeit verschwunden schienen, besuchten das kleine Herz jede Nacht im Schlaf. Das kleine Herz reiste in andere Welten, in verwunschene Gärten, in wunderbare Gefilde. Gestärkt und mit neuen Einsichten und Ideen erwachte es am Morgen. Manchmal wollte es gar nicht zurück aus diesen Welten.
Und ich weiß auch nicht genau, wie das alles passierte.
Eines Tages begriff das kleine Herz, dass es nun erwachsen war und dass es selbst bestimmten konnte, wer sich in ihm breit machte. Wer in ihm wohnte.
Es begann zu begreifen, dass auch seine beiden Lieblingsherzen, die von ganz früher, dass auch diese Herzen es niemals verlassen hatten.
Und das kleine, inzwischen erwachsene große Herz begann auszumisten.
Es warf einige der wilden Gesellen für immer hinaus.
Es ordnete die Räume, putzte die Zimmer. Das war viel Arbeit. Viel Müll hatte sich angesammelt, viel Unrat.
Alleine schaffte das kleine, inzwischen große Herz das Aufräumen und Ausmisten gar nicht. Zum Glück hatte es viele Helfer.
Und, was ist nun aus dem Herzen geworden, wirst du denken?
Es räumt immer noch auf. Aber inzwischen ist es schon gemütlich. So gemütlich, dass die Geborgenheit, die Sicherheit und die Fröhlichkeit einen ganz festen Platz im Herzen gefunden haben.
Die guten Gefühle sind in der Überzahl.
Und weißt du was? Eines Tages werden die wilden Gesellen überhaupt nicht mehr im großen Herzen wohnen. Vielleicht dürfen sie manchmal vorbeikommen zu einem kurzen Besuch. Denn so wild sie auch sind, auch sie brauchen jemanden der zuhört und sie mal in den Arm nimmt ...
Renate Spielvogel - aus dem Buch „Joni-Joni-Jonathan“
Die Träne
Es gibt so viele verschiedene Tränen. Tausende, Abertausende.
Und jede Träne hat ihre eigene Geschichte.
So wie die eine, kleine Träne.
Bunt schimmernd, Seifenblasen gleich zerspringt sie in Millionen und Abermillionen winzige sternenförmige Tröpfchen, die sich lachend verteilen.
Das ist die Freudenträne.
Es fühlt sich so gut an, denkt die Freudenträne und sonnt sich im Gefühl des ersten Kusses.
Ich liebe das Leben, denkt die Freudenträne und zerfließt im Rausch einer wundervollen Nacht.
Das Leben ist schön, denkt die Freudenträne und blickt in das Gesicht des neugeborenen Kindes.
So viele wundervolle Momente, denkt die Freudenträne.
Die Träne der Trauer bahnt sich dick und schwer den Weg. Und sie ist nicht alleine. Verwandelt sich mit ihren Tränengeschwistern zu Tränenbächen, Seen und oft entsteht ein Meer aus vielen, vielen Tränen der Traurigkeit.
Warum, denkt sie, warum gerade ich, warum gerade wir, warum, warum, warum.....
Auch die Tränen des Zorns, die Tränen der Wut, die Tränen der Verzweiflung kennen sie nur allzu gut, die vielen Warum - Fragen.
Manche Tränen dürfen nicht hinaus in die Welt. Sie versammeln sich im Herzen, im Bauch oder in der Brust. Und irgendwann sind es ganz viele geworden.
Schwere, traurige, kummervolle, verzweifelte Tränen.
Sie bohren sich hinein ins Herz, in den Bauch oder in die Brust.
Sie sind so viele, dass die Luft weg bleibt oder der Atem stockt oder das Herz weh tut oder der Bauch. Schmerzen überall, durch die vielen Tränen verursacht.
Und wenn man sie hinauslässt, ist es oft wie ein Strom, der niemals zu versiegen scheint.
Und doch stellt sich irgendwann Erleichterung ein.
Manchmal glaubt man, im Meer der Tränen zu ertrinken. Man hat den Boden unter den Füßen verloren. Paddelt verzweifelt auf der Suche nach Grund, nach Standfestigkeit, nach Halt.
Und da ist sie, die Hand, die einen hält, ein Rettungsboot, ein Rettungshubschrauber, das Land, an das man gespült wird.
Vielleicht, oder sogar ganz sicher, sieht man im Meer der Tränen viele vorüber schwimmen, kraftlos oft oder verzweifelt kämpfend.
So mancher greift nicht nach der Hand, die ihm gereicht wird und paddelt verzweifelt weiter. Mancher ist blind vor Panik und sieht die Hand nicht.
Auch mir ging das so, glaub mir.....
Aber nun habe ich das Land erreicht.
Habe Hände ergriffen, die mich hielten, die mich heraus-holten.
Und ich sitze am Meer der Tränen und reiche meinen Seelengeschwistern meine Hand.
Renate Spielvogel - aus dem Buch „Joni-Joni-Jonathan“
Ein Stern
So weit entfernt. Ein kleiner Punkt am Himmel.
„S“ wie Sehnsucht
„T“ wie Traum
„E“ wie Erfüllung
„R“ wie Rückkehr
„N“ wie Nähe
Sich hinein träumen, hinträumen in ein anderes Leben. In eine andere Welt.
Wenn der Körper hier auf dieser Erde wie Staub zerfällt.
Wie wird es sein? Auf einem anderen Stern.
Eines Tages schaute eine weise Seele hinunter auf den Erdenstern. Wie schön die Erde ist, dachte die weise Seele. Wunderbar und schrecklich zu gleich.
Die weise Seele sah die Schönheit der Blumen, der Wälder, der Meere, der Wüste.
Sie sah wunderschöne Landschaften in den schönsten Farben.
Beobachtete Menschen, die sich liebten, die freundlich zueinander waren, liebevoll, verständnisvoll und zärtlich. Die weise Seele lachte.
Doch sie sah auch das Leid, den Hunger, die Schmerzen, den Hass und die Verzweiflung. Die Zerstörung wunderschöner Wälder und Meere. Die weise Seele weinte.
Ich erschaffe einen Stern, auf dem nur das Lachen wohnt, dachte die weise Seele.
Einen Stern, dessen Schönheit und dessen Glanz all die anderen Sterne übertrifft.
Einen ganz besonderen Stern.
Ein Stern, auf dem das Lachen Zuhause ist.
Wie sollte er sein, dieser besondere Stern? Der Stern des Lachens?
Sehnsüchte sollten auf diesem Stern erfüllt werden. Träume sollten wahr werden auf diesem Stern. Wünsche sollten sich auf diesem Stern erfüllen. Es sollte sich anfühlen, als sei man nach Hause gekommen. In ein Zuhause, nach dem die Menschen sich ihr ganzes Leben lang sehnen. In ein Zuhause, in dem Geborgenheit, Nähe, Sicherheit, Liebe und all die guten Gefühle wohnen.
Keine Schmerzen, kein Hass, kein Neid, keine Zänkerei sollten dort zu finden sein.
Und die weise Seele verbrachte viel Zeit damit, diesen so ganz besonderen Stern zu erschaffen.
Und wir Menschen, die auf dem Stern des Lachens und des Weinens wohnen, wir werden dann, wenn der Körper zu Staub zerfällt zu dem Stern reisen, auf dem alleine nur das Lachen Zuhause ist.
Renate Spielvogel - aus dem Buch „Joni-Joni-Jonathan“
Die Wurzelzwerge
Stell dir vor, du bist auf einer wunderschönen Wiese.
Du läufst über die Wiese und spürst das saftige Gras und die Erde unter deinen Füßen.
Die Sonne scheint angenehm warm.
Vielleicht hörst du Vögel singen.
Am Rand der Wiese fließt ein kleiner Bach und du hörst das sanfte Plätschern des Wassers.
Mitten auf der Wiese steht ein großer Baum mit tiefen Wurzeln.
Du hast Lust, dich ein wenig auszuruhen und du setzt dich so, dass dein Rücken den Baumstamm berührt.
Du spürst die Rinde des Baumes an deinem Rücken.
du spürst die Kraft des Baumes und dir ist, als würde diese Kraft sich auf dich übertragen.
Die Sonne scheint und dir ist wohlig warm.
Du träumst ein wenig vor dich hin.
Unter deinem Po spürst du die Wurzeln des Baumes.
Sie ragen tief in die Erde hinein.
Die Wurzeln halten den Baum und geben ihm Nahrung.
Und nun stell dir vor, dass ganz nah bei den Wurzeln kleine Wurzelzwerge leben.
Immer, wenn die Wurzeln durch irgend etwas verletzt werden, reparieren die kleinen Wurzelzwerge die Wurzeln.
Sie rühren einen Brei aus heilenden Kräutern und streichen den Brei auf die verletzte Wurzel.
Wenn du möchtest, kannst du den Wurzelzwergen helfen.
Schau hin – ob du vielleicht eine verletze Stelle entdeckst?
Dann kannst du die Wurzelzwerge rufen die dann mit dir zusammen die verletzte Stelle heilen.
Nach einer Weile verabschiedest du dich von dem Baum und den Wurzelzwergen.
Du weißt, dass du jederzeit in deiner Phantasie hierher zurück kommen kannst.
Spür noch einmal die Rinde des Baumes an deinem Rücken.
Spür die Kraft des Baumes und stell dir vor, dass der Baum dir zum Abschied etwas von seiner Kraft abgibt.
Mit diesem Gedanken achte nun auf deinen Atem.
Dein Atem geht ganz ruhig ein- und aus ... ein- und aus ...Nimm einen tiefen Atemzug ... tief ausatmen ... noch einmal ein- und ausatmen ...
beweg nun deine Fußzehen ein bisschen.
Mach eine Faust mit beiden Händen und streck deine Arme einmal nach oben.
Fang genüsslich an, dich zu recken, zu strecken und zu räkeln.
Du fühlst dich ganz wach und erholt.
Dir geht es gut!!!
Renate Spielvogel - 2009
Advent 2021
Komm, lass uns heute eine Kerze anzünden für unsere wundervolle Welt.
Ein Licht für Hoffnung, ein Licht für Frieden.
Ein Licht, das die Dunkelheit vertreibt.
Ein Licht, das Wärme spendet.
Stell dir einen Raum vor mit warmem Licht, erleuchtet und gewärmt von unendlich vielen Kerzen.
Schließ deine Augen, stell dir vor, wie viele Menschen in diesen Raum kommen, um sich zu wärmen, um Licht hinauszutragen in die Welt.
Stell dir vor, dass du jedem, der den Raum betritt, eine Kerze überreichst, die du mit dem Licht deiner Kerze anzündest.
Du kannst andere wärmen, anderen Licht sein in der Dunkelheit.
Jeder kann sein Licht weitergeben.
Und denjenigen, die keine Hoffnung haben, die verzweifelt sind, krank, mutlos…diesen Menschen reich deine Hand und umhülle sie mit deinem Licht.
Schenk ihnen ein Lächeln.
Sag ihnen, wie sehr du sie schätzt, wie sehr du sie magst.
Vielleicht magst du noch einmal deine Augen schließen und ich erzähle dir, was ich gerade sehe.
