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Der ultimative Begleiter für die gesunde vegane Ernährung. Vegan zu essen und zu leben ist für Körper und die Umwelt, ja, für die ganze Welt - ein Segen. Hier finden Sie das gebündelte Wissen dazu! Aus unzähligen wissenschaftlichen Studien, aber auch aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen hat die Autorin Alexandra Kuchenbaur ein Grundlagenwerk zur veganen, vollwertigen Ernährung geschrieben. Das Buch beleuchtet das Thema von allen Seiten: es schärft den Blick dafür, was unser Körper braucht, um gesund zu bleiben oder zu werden und wie unsere Nahrung ganz direkt darauf einwirkt. Aber auch, welche globalen und ökologischen Auswirkungen unser tägliches Essen mit sich bringt. Ganz praktisch erfahren Sie, wie eine vollwertige pflanzliche und nachhaltige Ernährung gelingt - ideal gerade für Einsteiger. Die ausführliche Warenkunde vermittelt z. B. die besten Quellen für hochwertiges Eiweiß, gut verfügbares Eisen und andere wichtige Mikronährstoffe. Die wichtigsten Austauschprodukte für die Pflanzenküche geben in der ersten Zeit Orientierung, Vorurteile gegenüber der veganen Lebensweise werden gekonnt entkräftet. Ein ganz besonders wertvolles Buch, das informiert, motiviert – und tief berührt!
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Seitenzahl: 662
Veröffentlichungsjahr: 2021
Alexandra Kuchenbaur
2. Auflage 2021
17 Abbildungen
Ich war ein Kind vom Lande. Keines dieser rotbackigen, gesunden Energiebündel, eher durchsichtig, schüchtern, fast unsichtbar. Unser Haus am Ende des Dorfes war umgeben von einem großen Garten, der uns mit Obst und Gemüse ernährte. Wir lebten nah am Puls der Natur. Für meinen kleinen Bruder und mich begannen die Abenteuer, wenn wir das heimische Grundstück verließen; wir erkundeten Felder, Wiesen, Obstgärten und Flussufer. In den Sommerferien waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, Beeren und Gemüse einzufrieren, Gurken einzumachen, Marmelade und Kompott für den Winter zu kochen, und im Herbst wurden Äpfel, Birnen, Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln eingelagert.
Wir hatten zwar wenig Geld, aber fast jeden Tag Fleisch. Meine Großeltern bewirtschafteten im Nachbardorf einen kleinen Bauernhof. Nicht einer von denen, die Sie auf Postkarten oder in Werbefilmen sehen. Einen echten Hof. Mit echten Tieren. Ab und zu kam der Metzger in einer weißen Plastikschürze, und es wurde ein Schwein geschlachtet. Da half die ganze Familie mit. Es wurden Kessel erhitzt, Blut- und Leberwürste gekocht, Kesselfleisch und Knochen zu Suppe gemacht, Eimer mit Blut und Innereien verarbeitet, Sülzen zubereitet, und dann wurde gegessen. Über allem hing der Dampf aus den Kesseln und ein Geruch, den man schwer beschreiben kann, aber nie vergisst – süß, scharf, erstickend und ein bisschen urinös.
Zu Weihnachten wurde beim Gänsebauern eine Gans bestellt und zu anderen hohen Feiertagen gab es Ente. Manchmal brachte der Jäger ein totes Reh oder einen Hasen. Der wurde im Keller aufgehängt, gehäutet und ausgeweidet.
Meine Tante hielt Hühner in einem wunderschönen, alten Garten. Da kamen unsere Eier her. Einmal hat sie uns ein Huhn gebracht. Mein Vater nahm das Huhn, legte es auf einen Block, nahm ein Beil und schlug ihm den Kopf ab. Das Huhn zuckte und wand sich, mein Vater erschrak, ließ es los, und das kopflose Huhn rannte zum Hof hinaus. Da begriff ich, was geschehen musste, damit es bei uns »Hühnchen« gab. Dann hörte ich auf, Tiere zu essen. Nicht, dass ich zu dieser Zeit bewusst zur Vegetarierin geworden wäre. Es geschah eher unspektakulär und absichtslos. Von Massentierhaltung wusste ich damals nichts. Ich habe gesehen, wie Tiere aufwachsen, leben und sterben. Ich habe sehr archaisch erfahren, was geschehen muss, damit es bei uns Fleisch gibt.
Erst viele Jahre später konnte ich verstehen, welche Auswirkungen tierische Lebensmittel auf uns Menschen haben. Während meiner Heilpraktikerausbildung wurde dafür die Basis geschaffen: Ich hatte das Glück, von einem großartigen Wissenschaftler in den Bereich Ernährung und Stoffwechsel eingewiesen zu werden. Inzwischen ist sehr viel Zeit vergangen. Mittlerweile kann ich aus 20 Praxisjahren Erfahrung schöpfen – das ist einer der großen Schätze, die das Älterwerden mit sich bringt. Ich bin in der Arbeit mit kranken Menschen oft an Grenzen gestoßen. Ich habe etwas gebraucht, um zu begreifen, dass die Grenzen meist dort begannen, wo falsche Lebens- und Ernährungsgewohnheiten die Krankheiten und Symptome aufrechterhielten. Ich habe tief gegraben, und das hat mir die Sicht auf die Welt verändert. Für mich persönlich war es ein Befreiungsschlag, irgendwann ganz bewusst zu entscheiden, vegan zu leben. Seit ich vegane Ernährung jedoch als Therapie einsetze, kann ich Besserungen bei Patienten sehen, die mir vorher nicht vorstellbar waren.
Wenn wir uns nun vegan ernähren, sind zwei Aspekte von elementarer Bedeutung: Wir tun etwas (Pflanzen essen), und gleichzeitig tun wir etwas nicht (Tiere essen). Beides hat fundamentale Folgen. Nicht nur für uns persönlich, sondern für Menschen, Tiere und Umwelt. Wenn wir uns in die Ernährungsthematik hineinvertiefen, werden wir unumstößlich feststellen, dass wir mit unserer individuellen Entscheidung nicht nur unser eigenes, sondern auch kollektives Wohlsein formen können.
Ein einfaches Beispiel mag dies verdeutlichen: Womöglich haben Sie heute einen Apfel gegessen. In Ihrem Körper lösen die enthaltenen Wirkstoffe zahlreiche Prozesse aus, die Ihrer Gesundheit dienlich sind. Bevor aber der Apfel in Ihre Hände gelangte, ist schon sehr viel passiert: Menschen pflanzten einen Baum, der heranwuchs, gespeist wird aus der Erde mit all ihren Kleinstlebewesen und Wirbellosen, Kontakt hat mit Luft und Regen und allem, was diese tragen, der von geflügelten Bestäubern befruchtet wird. Es gibt Obstbauern, Pflückerinnen, Transportunternehmen, Händler, bei konventionellem Anbau auch die Chemieindustrie, die alle mit Ihrem Apfel zusammenhängen.
So gesehen ist unsere Ernährungsentscheidung keine kleine private Angelegenheit, denn eine ganze Kette von Handlungen in der Vergangenheit spült die Nahrungsmittel auf unsere gegenwärtigen Teller. Wir entscheiden mit jedem Einkauf, was wir in der Welt nähren, aber auch, was wir in unserem Körper nähren, denn Nahrungsmittel enthalten Wirkstoffe, die in unserem Organismus zahlreiche Prozesse auslösen, aus denen sich unsere zukünftige Gesundheit schöpft. Gleichzeitig trägt diese Erkenntnis ein Versprechen: Wir sind nicht ausgeliefert. Wir können mitbestimmen. Jeder von uns ist bedeutend und kann tatsächlich neue Wirklichkeiten schaffen. Wirklichkeiten, die heilsam sind für uns selbst und für unsere Mitwelt, sei sie nun belebter oder unbelebter Natur. Denken Sie nicht, Sie seien für diese Welt nicht wichtig, denn die Wahrheit ist: Ihre Gestaltungskraft ist immens!
Um handlungsfähig zu werden, brauchen wir zunächst einen Schlüssel, der uns neue Räume des Erlebens aufsperrt. Dieser Schlüssel ist Verstehen. Dieses Buch wird Ihr Verstehen vertiefen. Es wird Ihnen die vegane Ernährungslandschaft ausleuchten in allen wesentlichen Bereichen und grundlegende Fragen beantworten, die bei einer Ernährungsumstellung auftauchen. Sie erfahren, was Ihr Körper braucht, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden, wie das Thema Essen mit Ihrer Innenwelt und Umwelt zusammenhängt, Sie lernen viel über biochemische Wirkstoffe im Kleinen und globale Zusammenhänge im Großen. Sie erkennen, wie Sie sich und Ihre Familie gesund kochen können und woraus sich eine gesunde Pflanzenkost zusammensetzt. Sie werden sehen, welche großartigen Genusswelten auf Sie warten. Zugleich erhalten Sie tiefe Einblicke in all das Elend, von dem Sie sich verabschieden, wenn Sie keine Tierprodukte mehr essen.
Sie werden in diesem Werk unzählige wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu einer modernen, veganen Ernährung kennenlernen, aber auch erweiterte Dimensionen unserer Ernährung wie Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung. In dieses Buch ist ein ganz erfreuliches Wissen eingepflegt, das Sie dabei unterstützen kann, auf den verschiedensten Daseinsebenen glückbringend zu wirken – zunächst einmal für sich selbst, aber gleichzeitig und ganz automatisch für alles, was Sie umgibt. Fühlen Sie sich von Herzen eingeladen, neue Wege auszuprobieren und offen zu sein für all die Dinge, die Ihnen auf Ihrer Reise hin zu Wohlsein begegnen. Vielleicht mag der neue Weg zu Beginn etwas beschwerlich sein, aber das ist es auch, wenn Sie einen hohen Berg erklimmen. Trotzdem begegnen Ihnen auf dem Weg nach oben die Wunder des Lebens, neue Perspektiven und überwältigende Aussichten. Auf ebensolche Weise wird sich Ihnen durch die vegane Ernährung ein Schatz offenbaren, der größer ist, als Sie es sich heute vorstellen können.
Ich verneige mich vor allen Menschen, die vor mir diesen Weg gegangen sind. Jeder Einzelne von ihnen hat den Weg ein bisschen besser begehbar gemacht. Und ich verneige mich vor Ihnen, liebe(r) Leser(in), wenn Sie mit diesem Buch auch gleichzeitig Ihr Herz öffnen. Dann ist alles möglich!
Zahling, im Herbst 2014
Alexandra Kuchenbaur
Titelei
Zu diesem Buch
Nie war mehr Anfang als jetzt
Die Wirklichkeit berühren
Wie können wir Leiden lindern?
Was verleiben wir uns ein?
Wir sind Schöpfer unseres Glücks oder Unglücks
Von Kindheit an auf Fleisch geprägt
Tierprodukte als Wirtschaftsfaktor
Wissen beginnt mit »Ent-täuschung«
Sechs gute Gründe für pflanzliche Vollwertkost
Massentierhaltung abschaffen
Welthungerproblem lösen
Klimaschutz praktizieren
Regenwald schützen
Umweltschutz
Wasser sparen
Zum Wesentlichen vordringen
Wissen wagen
Über den Tellerrand schauen
Was macht eine Tomate wertvoll?
Unsere Ernährung hat jede Ursprünglichkeit verloren
Wir ernten, was wir säen
Wie Essen uns krank macht
Ökologische Auswirkungen unserer Ernährung
Fakten zu Treibhausgasen
Unsere Ernährung beeinflusst das Weltklima
Was konventionelle Landwirtschaft anrichtet
Fakten zur Bodenausbeutung und Agrochemie
Biologische Landwirtschaft
Honorieren Sie hochwertiges Essen
Essen Sie achtsam
Den Anfang wagen
Ganzheitlich, vollwertig, vegan
Es geht nicht um Verzicht, sondern um Gewinn
Bewusstsein schafft Existenz
Für wen ist vollwertige Pflanzenkost besonders heilsam?
Was ist vollwertige, ganzheitliche Ernährung?
Ein Nahrungsmittel ist mehr als die Summe seiner Teile
Früchte, Gemüse und Pilze
Ein Wort zum milchsauren Gemüse
Radioaktivität und Schwermetalle in Pilzen
Ungeeignet
Getreide und Pseudogetreide
Ungeeignete Getreideprodukte
Hülsenfrüchte
Nüsse und Samen
Öle und Fette
Ungeeignete Fette und Öle
Empfehlenswerte Würzmittel
Warum Hefeextrakt in Misskredit geraten ist
Geschmacksverstärker Glutamat
Natürliches Vorkommen von Glutaminsäure
Hefeflocken sind unbedenklich
Ungeeignete Würzmittel
Haltbarmachung durch Bestrahlung
Wenn es süß schmecken soll
Die meisten Süßungsmittel sind nicht zu empfehlen
Vitamin-B1-Mangel
Süßstoffe: süßer Geschmack ohne Kalorien
Zuckeraustauschstoffe
Getränke
Ungeeignet
Basispunkte einer modernen, vollwertigen Pflanzenkost
Eiweiß fürs Leben
Eiweiß für den Menschen
Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut
Wie Pflanzen und Mikroorganismen Aminosäuren herstellen
Essenzielle Aminosäuren
Proteinstoffwechsel
Der Weg durch unseren Körper
Hormone der Eiweißverdauung
Eiweißabbau in der Leber
Harnstoffausscheidung über die Nieren
Nierensteine und Osteoporose
Die isolierte Einnahme von Aminosäuren
Aminosäure Tryptophan
Ausnahmen sind Krankheiten des Aminosäurestoffwechsel
Ungleichgewicht in der Eiweißzufuhr
Denaturierung
Eiweiß von Pflanzen
Vollwertige Pflanzenproteine
Richtig kombinieren
Wichtige pflanzliche Proteinquellen
Seitan
Lupineneiweiß
Vegane Fleisch- und Wurstersatzprodukte
Eiweißallergien
Soja: Eine Bohne reist um die Welt
Futtersoja, Regenwald und Fleisch
Riesige Sojaplantagen für die Tierfutterproduktion
Das meiste Soja stammt von gentechnisch veränderten Pflanzen
Soja im Biolandbau
Soja und Gesundheit
Phytoöstrogene: Hormonwirkung von Soja
Soja-Eiweißpulver
Vermindertes Krebsrisiko
Gut für die Herzgesundheit
Cholesterinsenkende Wirkung
Günstig bei Nierenkrankheiten
So eiweißreich wie ein Steak
Soja, die Wandlungskünstlerin: Tofu
So können Sie Naturtofu zubereiten
Seidentofu
Sojamilch
Tempeh
Sojamehl
Vollfett-Sojamehl als Ei-Ersatz
Sojasprossen
Sojasaucen
Miso
Sojajoghurt
Sojaöl
Weitere Sojaprodukte
Sojaschnetzel
Stark verarbeitete Sojaprodukte
Fleisch als Risikofaktor
Märchen und Fakten
Wir leben in einer Ära der Entfremdung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Veränderungen der Blutgefäße
Welche Rolle spielt der Cholesterinwert?
Arteriosklerose bleibt oft lange Zeit unbemerkt
Wie ein Thrombus entsteht
Bluthochdruck
Nieren- und Harnwegsleiden
Phosphorüberschuss im Blut
Kalziummangel
Purine
Stoffwechselerkrankungen
Gicht
Übergewicht
Insulinresistenz
Diabetes-Risiko steigt mit Fleisch- und Wurstverzehr
Krebs
Ernährungsfaktoren, die das Krebsrisiko erhöhen
Häufiger Fleischverzehr begünstigt verschiedene Krebsarten
Brustkrebs
Unsere Ernährung passt nicht zu unseren Zellen
Unsere Reparatursysteme brauchen Pflanzenkost, um zu funktionieren
Warum Fleisch und Fleischprodukte kanzerogen wirken können
Demenz und Alzheimer
Homocystein
Fruchtbarkeit
Magen-Darm-Erkrankungen
Rheumatoide Arthritis
Arachidonsäure
Augenkrankheiten
Sie entscheiden, was Sie sich in den Mund stecken
Tierarzneimittel
»Zum Verzehr bestimmte Tiere«
Haustiere
Entwurmungsmittel und andere Arzneien für Pferde
Medikamentenrückstände im Fleisch
Hormonmast
Antibiotikaresistenz
Clenbuterol
Kein Fleisch ohne Leiden
Ein »modernes Schweineleben«
Masthühnchen
Puten
Enten und Gänse
Kaninchen
Schafe
Rinder
Pferde
Biozide und anderes Gift
Dioxin
Pestizide
Schimmelpilzgift Aflatoxin in Futtermais
Futtermittelverunreinigungen
Pflanzengift Glyphosat
Roundup vernichtet alle Gewächse außer Genpflanzen
Auswirkungen auf den Menschen
Fleisch von Wildtieren kann ebenfalls stark belastet sein
Umweltgifte
Mit Blei vergiftet
Radioaktiv belastet
Blinde Passagiere und große Seuchen
Fleisch als Bruststätte für Keime
Schweinegrippevirus H1N1
Vogelgrippevirus H5N1
Haltungs- und Schlachtbedingungen
BSE
Tiermehl als Futtermittel
Angst und Verzweiflung zum Sattessen
Im Schlachthof
Die Hölle für die Tiere und auch alle Menschen, die dort arbeiten
Fleisch von »glücklichen Tieren«
Das Elend in Zahlen
Ansichtssachen
Das Schwein als »menschliches Versuchsobjekt«
Man kann die Realität verdrängen, doch sie bleibt real
Die meisten Menschen sind gegen Massentierhaltung
Die Politik fördert Massentierhaltung mit unserem Steuergeld
Wer haftet für Risiken und Nebenwirkungen?
Heilung ist das Wiederherstellen von Harmonie
Wir haben die Wahl
Das Herz öffnen, für alle Geschöpfe
Wurst
Was in Wurst steckt
Gelatine
Aber, was soll ich dann aufs Brot tun?
Milch
Irrglaube: Milch ist ein natürliches Lebensmittel
Irrglaube: Milch macht schöne Haut
Hautausschläge beim Baby
Irrglaube: Milch ist gut für Kinder
Kuhmilch im Säuglingsalter kann Auslöser für Typ-1-Diabetes sein
Irrglaube: Milch macht starke Knochen
Kuhmilch schützt nicht vor Osteoporose – im Gegenteil
Pflanzliche Kalziumlieferanten
Irrglaube: Milch ist Bestandteil einer gesunden Ernährung
Laktose-Intoleranz
Krankheitskeime
Kuhmilch ist eine Östrogenbombe
Fleisch- und Milchkonsum fördern hormonabhängige Tumore
Kuhmilch enthält den Wachstumsfaktor IGF-1
IGF-1 stimuliert Zellwachstum – auch das von Krebszellen
Bei Milchtrinkern ist IGF-1 im Blut erhöht
Tierproteine in der Nahrung senken den Vitamin-D-Spiegel
Kuhmilch ist reich an Kasein
Kuhmilch macht Menschen krank
Alzheimer-Erkrankung
Parkinson-Erkrankung
Was hat die Natur für Kuh und Kalb vorgesehen?
Und so sieht die Realität aus
Das Kalb wir der Mutter schon am ersten Tag entzogen
Milchkühe werden zur Turbomilchproduktion missbraucht
Die abnorme Milchbildung laugt die Kuh völlig aus
In Anbindehaltung gefangen
Auslauf
Laufstallhaltung
Botulismus
Wie kommen Clostridiensporen in die Kuh?
Deutschland ist der größte Milchproduzent der EU
Milch von anderen Säugetieren
Milch vom Menschen (Muttermilch)
Trinkt die Mutter Kuhmilch, kann das ihr Stillkind beeinträchtigen
Pflanzenmilch
Drinks aus Nüssen
Mandeldrink
Kokosmilch
Getreidedrinks
Haferdrink, Dinkeldrink und Dinkel-Mandel-Drink
Reisdrink
Glutenunverträglichkeit
Sojadrinks
Pflanzliche »Milchprodukte«
Pflanzensahne
Seidentofu statt Sahne
Sojajoghurt
Pflanzliche Käse-Alternativen
Pflanzliches Speiseeis
Eier
Eier sind nicht gesund für uns
Salmonellen und andere Keime
Von Hennen und ihren Eiern
Die Haltungsformen von Legehennen
Das instrumentalisierte Legehuhn
Männliche Küken werden nach dem Schlüpfen getötet
Hennen haben 12–15 Monate »Nutzungsdauer«
Kochen und Backen ohne Ei
Eiweißreiche Pulver als Ei-Ersatz
Zur Teiglockerung
Für saftige Kuchenteige
Zum Trocknen der Zutaten
Ei-Ersatz in Bratlingen und deftigen Füllungen
Ei-Ersatz in süßen Cremes und Quiches
Safran macht den Kuchen gel(b)
Fische und andere Wassertiere
Wesen aus dem fremden Element
Fische sind weder stumm noch dumm
Lärmverschmutzung unter Wasser
Nur weil sie nicht schreien können, sind sie lange nicht schmerzfrei
»Gottes Werk und Teufels Beitrag«
Einige Wassertiere können sehr alt werden
Was wir Hummern antun
Vernichtungsfeldzug gegen das Leben im Wasser
Technologie, die auch den letzten Fisch noch aufspürt
Schleppnetze
Kiemennetze: Wände des Todes
Langleinenfischen
Ringwaden
Beifang
Auch andere Tiere leiden unter der Überfischung
Robbenindustrie
Maritime Müllhalden
Alles vergeht, Plastik besteht
Atommüll im Meer
PCB und DDT
Quecksilber
Lautloses Massensterben
Intensivtierhaltung unter Wasser
Wie geht es weiter?
Die Kuh, die weinte
Verheißungsvolle Aussichten
Wir brauchen Bewusstsein und Mitgefühl
Die »Vier Edlen Wahrheiten«
Ernährung als Schlüssel für Gesundheit und Wohlbefinden
Übergewicht ade
Komplexe Kohlenhydrate machen nicht dick!
Die Verdauung von Vollwertkost verbraucht Energie
Vegetarier haben eine höhere Stoffwechselrate als Fleischesser
Komplexe Kohlenhydrate feuern Ihren Stoffwechsel an
Der Blutzuckerspiegel steigt nur langsam an
Vegane Ernährung reduziert Typ-2-Diabetes
Ballaststoffe
Kleine Maßnahmen für große Effekte
Haben Sie Geduld
Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße
Bluthochdruck senken
Metabolisches Syndrom
Warum der Cholesterinwert so wichtig ist
Sinkt der Cholesterinspiegel, sinkt auch das Herzinfarktrisiko
Gesättigte Fettsäuren
Pflanzliche Nahrungsmittel
5-Punkte-Programm von Dr. med. Dean Ornish
Antioxidanzien als Radikalfänger
Pflanzen versorgen uns reichlich mit Antioxidanzien
Täglich ein Drittel der Pflanzenkost roh essen
Nahrungsergänzungsmittel
Sulforaphan hilft bei der Entgiftung
Stufen der Krebsentwicklung
Brokkoli und verwandtes Gemüse wirken als starkes Antioxidans
Schützende Pflanzenstoffe
Studiendaten
Vegane Ernährung schützt vor Krebs
Veganes Mikroklima
Geringeres Demenzrisiko durch vegane Ernährung
Schutz vor grauem Star
Entgiftung
Die Top-Stars der pflanzlichen Ernährung
Noch mehr vom Guten
Wenn sich Hormonstürme beruhigen
Fünf schlagkräftige Argumente für die vegane Ernährung
Phytoöstrogene
Genistein
Isoflavonaufnahme und Krebshäufigkeit
Der Hormonhaushalt wird harmonisiert
Weitere Geschenke der veganen Vollwertkost
Die Gelenkbelastung nimmt ab
Leber und Verdauung regenerieren
Verbessertes Immunsystem
Entlastung des venösen Systems
Verbesserte Atmung
Die geistige Leistungsfähigkeit bewahren
Entlastung der Nieren
Steinlos glücklich
Fibromyalgie
Positiv bei Gicht
Gelenkentzündungen nehmen massiv ab
Und das ist noch lange nicht alles …
Fette ohne Geheimnis
Überblick und einfache Fette
Aufgaben der Fette in unserem Körper
Energie
Aroma
Depot
Baustoff
Schutz
Kompensation
Spezifische Leistungen
Fettzufuhr
Es gibt gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Was hat es mit Omega-Fettsäuren auf sich?
Funktionen der Omega-Fettsäuren
Eine hohe Arachidonsäurezufuhr wirkt sehr negativ
Quellen von Omega-Fettsäuren
Ursprünglich war unsere Nahrung reich an Omega-3-Fettsäuren
Die Umwandlung in DHA und EPA ist wichtig
Ausreichend Alpha-Linolensäure aufnehmen
Ein Esslöffel Leinöl pro Tag ist ausreichend
Rapsöl, Canola-Öl
Vitamin E
Omega-3-Fettsäuren aus Algen
Mikroalgenöle: Ulkenia und Schizochytrium
Mikroalgenöle verbessern den Versorgungsstatus mit DHA und EPA
Küchenpraxis: richtiger Umgang mit Fett
Folgende Zubereitungsarten sparen Fett
Nüsse
Kleine Ölkunde
Wenn es heiß zur Sache geht
Kalt gepresste Öle
Raffinierte Öle
Olivenöl
So setzen Sie Fett in der Küche richtig ein
Tropische Fette
Machen Sie einen Bogen um Transfettsäuren
Komplexe Fette
Cholesterin
Lipoproteine
Warum LDL-Cholesterin schädlich für die Gefäße ist
Cholesterin kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor
Cholesterin- und weitere Blutfettwerte
Was tun bei erhöhten Cholesterinwerten?
Pflanzliche Cholesterinsenker
Kaffee erhöht den Cholesterinwert
Auch Stress erhöht den Cholesterinspiegel
Lipoprotein (a)
Zigarettenrauch ist Gift für unsere Gefäße
Homocystein zeigt an, wie es um Ihre Gefäße steht
Welche Umstände lassen Homocystein ansteigen?
Fettverdauung
Pflanzensterine
Phytosterine als Nahrungsmittelzusatz
XXL-Probleme
Taillenumfang
Das Bauchfett ist eine Hormonfabrik
Leptin
Adiponektin
Body-Mass-Index (BMI)
Ursachensuche bei Übergewicht
Jeder fünfte Erwachsene ist zu dick
Vielgestaltige Kohlenhydrate
Süße Gewohnheiten
Süß ist alles, was unser Herz anrührt
Systematik der Kohlenhydrate
Welche Aufgaben haben Kohlenhydrate in unserem Körper?
Wie sind Kohlenhydrate aufgebaut?
Kohlenhydratverdauung
Einfachzucker wie Glukose gelangen direkt ins Blut
Alkohol
Gute und schlechte Kohlenhydrate
Was passiert bei Kohlenhydratmangel?
Komplexe Kohlenhydrate machen nicht dick
Vollwertige Kohlenhydrate
Meiden Sie raffinierte Kohlenhydrate
Je einfacher das Zuckermolekül, desto schneller steigt der Blutzucker
Glykämischer Index
Blutzuckersteigernde Hormone
»Zucker-Krankheiten«
Diabetes mellitus Typ 2
Übergewicht
Karies
Krebs
Pilzerkrankungen
Ballaststoffarmut und ihre Folgen
Ballaststoffe
Gute Ballaststofflieferanten
Ballaststoffe bewirken viel Gutes
Einmaleins der Ballaststoffe
Resistente Stärke
Oligosaccharide
Hemizellulose
Zellulose
Beta-Glucane
Quellstoffe
Gummis und Schleimstoffe
Lignin
Problemfall Phytin?
Wie der Phytingehalt vermindert werden kann
Positive Phytineffekte
Bittersüße Probleme
Fruktose-Intoleranz
Individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Fruktose-Intoleranz-Syndrom
Blähungen bei Vollwertkost
Probleme nach Getreideverzehr
Raffinierte Zucker
Zuckerrohr
Zuckerrüben
Zuckerbezeichnungen
Wie wirkt Industriezucker im Körper?
Fruchtzucker
Diabetes mellitus Typ 2
Tumorzellen lieben Zucker
Wir sind Zuckerjunkies
Leiden, das an Honig klebt
Die Welt der Bienen
Deutsche halten den Rekord im Honigessen
Gifte in Honig
Gentechnik in Honig
Wie Bienen ausgebeutet werden
Die meisten Blüten brauchen Insektenbestäubung
Uns fehlen Bienen
USA: Massentierhaltung im Bienenreich
In China wurden sie mancherorts komplett vernichtet
Massensterben
Warum sterben die Bienen?
1. Bienen leiden Hunger
2. Bienen sind krank
3. Bienen werden vergiftet
Umdenken – auch was die Biene anbelangt
Süße Alternativen
Trockenfrüchte
Hoher Zucker-, aber auch Vitalstoffgehalt
Vor Schädlingsbefall schützen
Schimmelpilzbefall
Soft-Früchte
Trockenfrüchten klein schneiden oder pürieren
Abc der Trockenfrüchte
Alternative Süßungsmittel
Tierleidfreies Essen und grüne Intelligenz
Mikronährstoffwelten
Vitamine fürs vegane Leben
Fettlösliche Vitamine
Ölsaaten sind eine gute Quelle
Vitamin A (Retinol)
Vitamin D (Calciferol)
Vitamin E (Tocopherole)
Vitamin K (Phyllochinon)
Wasserlösliche Vitamine
Vitamin B1 (Thiamin)
Vitamin B2 (Riboflavin)
Niacin (Nicotinsäureamid, Nicotinamid, Vitamin B3)
Pantothensäure (Vitamin B5)
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Folsäure (Vitamin B9)
Vitamin B12 (Cobalamin)
Biotin (Vitamin H)
Vitamin C (Ascorbinsäure)
Harmonisches Zusammenspiel
Latenter Vitaminmangel
Die vollwertige Pflanzenkost bietet alles, was Sie brauchen
Vitaminfreundliche Pflanzenküche
Das Maximum an Nährstoffen erhalten
Richtig einkaufen
Schonend zubereiten
Vitaminschonend kochen
Vitaminreiche Keimlinge
Volles Korn
Möglichst nitratarmes Gemüse verzehren
Nitratüberfrachtung und -einlagerung in Pflanzen
Nitrit und Nitrosamine
Empfehlungen für möglichst nitratarmes Gemüse
Schimmel
Schimmelpilzgifte
Bei starker Hitze entsteht Acrylamid
Schwermetalle
Cadmium
So minimieren Sie die Schwermetallbelastung durch Nahrungsmittel
Weitere Umweltschadstoffe
Merkmale eines gesunden Nahrungsmittels
Kaum Abstriche machen
Mineralstoffreiche
Kalzium, Knochen und Gerüchte
Je mehr Tierprotein man isst, desto höher ist der Kalziumbedarf
Noch einmal: Kuhmilch tut uns nicht gut!
Hilfreiches für starke Knochen
Kalzium und Hormone
Mineralstoffe und der vegane Mensch
Spurenelemente
Eisen
Welche Substanzen hemmen die Eisenaufnahme?
Welche Substanzen fördern die Eisenaufnahme?
Was unterscheidet das Eisen pflanzlichen und tierischen Ursprungs?
Kleine Helfer für Ihr Nahrungseisen
Wann muss Eisen substituiert werden?
Wie lässt sich Eisenmangel feststellen?
Jod
Jodversorgung überprüfen
Was braucht die Schilddrüse außer Jod?
Pflanzliche Goitrogene
Selen
Natriumselenit oder Selenomethionin?
Zink
Wesentliches zum Ausklang
Nahrungspflanzen als Medizin
Die Mysterien der sekundären Pflanzenstoffe
Für uns unerwünschte Pflanzenstoffe
Die meisten bioaktiven Substanzen sitzen in der Schale
Antikanzerogene Nahrungsmittel
Synergie: Alle Stoffe einer Pflanze wirken zusammen
Wichtig ist der tägliche Verzehr
Oft werden hochdosierte Einzelsubstanzen untersucht
Jetzt ist es amtlich: Gemüse ist gesund!
Vegane Wege beschreiten
Austauschprodukte für die Pflanzenküche
Verstecktes Tier im Essen
Alkoholische Getränke
Industriell gefertigte Lebensmittel
Brot und Backwaren
Brotaufstriche
Weitere Nahrungsmittel
Fruchtgummi und ähnliche Süßigkeiten
Fruchtsäfte
Joghurt-, Milch- und Käsealternativen
Kaffee
Kartoffelchips und ihre Verwandten
Margarine
Meerrettich und Senf
Müsli
Obst und Gemüse
Oliven
Sauerkraut
Soja- und Würzsaucen
Zucker
Auswärts essen
Ihr Schlüssel zur veganen Welt
Entscheidung
Unser Körper als feinstes Messinstrument
»Öffentliche Auftritte«
Sie sind nicht allein
Nahrung im weiteren Sinne
Schlussbemerkung
Service
Quellenverzeichnis, Anmerkungen und Literaturhinweise
Nie war mehr Anfang als jetzt
Eiweiß fürs Leben
Verheißungsvolle Aussichten
Fette ohne Geheimnis
Vielgestaltige Kohlenhydrate
Mikronährstoffwelten
Vegane Wege beschreiten
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Diese Worte von Walt Whitman (1819–1892) laden uns ein, sofort mit heilsamem Verhalten zu beginnen. Es gibt keinen besseren Tag dafür als heute.
Was ist Schicksal? Sind wir dem Schicksal ausgeliefert? Müssen wir es geschehen lassen oder machen wir es geschehen? Wie bildet sich unser Schicksal?
In den Vorstellungen der alten Zeit aus der nordischen Mythologie wurde das Schicksal gewebt durch die Nornen, drei Schicksalsgöttinnen, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft repräsentieren. Fast immer wurden sie als Weberinnen dargestellt, und der Mensch bewegte sich in diesem Gespinst, war daran gebunden, verfing sich in seinen Fäden, und der Lebensfaden war endlich. ▶ [1]
Das keltische Schicksalsverständnis meint etwas Gewebtes oder an Bändern Befestigtes. Blind stolperte der Mensch durch die Maschen dieses Gewebes, das nächste Bild entwickelte sich in logischer Konsequenz aus dem vorhergehenden heraus, und so webte sich der Bilderteppich des eigenen Lebens immer weiter.
Das Wort »Schicksal« hat seit etwa dem 18. Jahrhundert allgemein die Stelle von »Geschick« übernommen. Dieses »Schicken« ist im Sinne von geschehen machen, fügen, erwirken, in eine Ordnung bringen, gemeint und wird auf den einzelnen Menschen im Verhältnis zum großen Ganzen angewandt. Im Altgriechischen wird Schicksal als treibende und schöpfende Kraft hinter all den Erscheinungen verstanden, die durch das göttliche Urprinzip geordnet werden. Nach Plato wählt sich die vorgeburtliche Seele ihr Schicksal selbst, bevor sie in das Weltgeschehen geboren wird, sodass das eigene Los in der Entscheidung und Verantwortung der inkarnierten Seele liegt. ▶ [2]
In der heutigen Welt wird das Wort »Schicksal« im Sinne einer leidvollen Fügung oder göttlichen Bestimmung gebraucht. Der moderne Schicksalsbegriff der westlichen Welt impliziert ein Ausgeliefertsein an etwas, das wir nicht greifen oder beeinflussen können.
Den indischen Schicksalsterminus kennen wir als Karma. In den ursprünglichen Texten ist Karma ein zusammengesetztes Wort: Karma-Vipaka. Die wörtliche Übersetzung hierfür ist Handlung und Resultat. Also das, was der westliche Mensch unter Ursache und Wirkung versteht. Dabei formen unsere Absichten unsere Taten, und unsere Taten formen unser Sein.
In unserer täglichen Praxisarbeit sind wir heilkundlich Wirkende mit so viel Leiden, Kummer und Not konfrontiert, dass wir naturgemäß die folgenden fundamentalen Fragen tief zu ergründen suchen: Warum ist so viel Leid in der Welt? Und – noch viel wichtiger: Was können wir tun, um Leiden langfristig zu lindern? Was braucht es, damit kranke Menschen gesund werden?
Samuel Hahnemann (1755–1843) Begründer der Homöopathie, hat hierzu eine ganz klare Vorstellung: »Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt. Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachteiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.« (aus »Organon der rationellen Heilkunst«, 6. Auflage, Karl F. Haug Verlag) ▶ [3]
Ich persönlich habe als therapeutischen Weg den der klassischen Homöopathie gewählt, um kranken Menschen völlig nebenwirkungsfrei und in Hochachtung ihrer persönlichen Geschichte einschließlich genetischer Dispositionen unterstützend zur Seite zu stehen. Zu meinem Praxisbeginn vor 20 Jahren hätte ich an dieser Stelle geschrieben, um sie zu heilen. Für akute Erkrankungen stimmt dieses Wort nach wie vor. Bei chronischen Krankheiten spreche ich nun aber von Beistehen, obwohl der Begriff weniger Schärfe, weniger Einmischung bedeutet und für den Leidenden konkret heißt, dass ihm nur ein begrenzter Teil seiner Not abgenommen wird (was häufig mit Unwillen zur Kenntnis genommen wird).
Ein wesentlicher Teil unserer therapeutischen Vorarbeit besteht darin, zu erforschen, was an vermeidbaren Schädlichkeiten beim Kranken die Gesundheit stört und Krankheit erzeugt und aufrechterhält, und diese Faktoren hinwegzunehmen, danach erst fängt unsere eigentliche Arbeit an. ▶ [4] Konkret heißt dies: Medikamente zur Unterstützung sind ein Teil, und der große andere Teil wird eigenverantwortlich vom Patienten getragen, dann ist eine wirkliche, tiefe und dauerhafte Heilung chronischer Krankheiten möglich.
Einer meiner Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, war mein Wunsch, allen Menschen, die sich hilfesuchend an mich wenden, mehr Wissen um die Zusammenhänge zwischen Krankheit und Ernährung zugänglich zu machen. Auch wenn meine Patienten der Ausgangspunkt waren, freue ich mich über jeden Leser, der sich diesem Thema zuwendet und seine Gesundheit bzw. Gesundung in die eigenen Hände nimmt.
Im Verlauf dieses Buches werden Sie sehen, was Sie ganz konkret für sich selbst tun können, um zu gesunden, und wie genau bestimmte Krankheiten und Leiden mit dem Thema Ernährung in Zusammenhang stehen. Sie werden erkennen, was eine auf Tiererzeugnissen basierende Nahrung an Schaden bringt, aber auch, was eine vollwertige Pflanzenkost an Heilung bietet. Viele Medikamente und Therapien werden dann mit der richtigen Ernährung überflüssig, und das ist etwas Großartiges!
Essen ist ein unglaublich intimer Vorgang, vielleicht die schutzloseste Art, wie wir Dinge von außen ganz tief in uns hineinlassen und diese durch Abbau- und nachfolgende Aufbauprozesse zu einem Teil von uns selbst machen. Wir sollten also wohl wählen, womit wir so innig in Kontakt treten.
Viele winken beim Thema »Ernährung« erst mal ab, weil sie denken, sie wissen schon alles darüber. Außerdem haben wir Menschen die Begabung, unbequeme Wahrheiten auszuklammern. Die Idee, nur noch Pflanzen zu essen, rüttelt ordentlich an unseren Vorstellungen. Im Grunde genommen wühlt uns dieser Affront gegen das bestehende westliche Ernährungssystem nur deshalb so auf, weil wir genau wissen, dass irgendetwas nicht stimmen kann mit der Art, wie wir das Thema Essen derzeit handhaben.
Wir haben ganz bestimmte Vorstellungen von der Welt und von unserer Art zu leben. Aber so ist das mit Vor-Stellungen: Wir stellen sie vor uns hin, und so versperren sie uns die Sicht auf die Wirklichkeit. Sie brauchen viel Raum im Geiste. Ich könnte auch sagen: Vorstellungen sind wie Seifenblasen, die sich uns überstülpen. Wenn wir hinausschauen, sehen wir die Wirklichkeit immer etwas verzerrt und gefärbt.
Lange Zeit ist uns erklärt worden, Krankheit sei Schicksal, Pech, etwas, das uns einfach passiert, oder wir hätten schlechte Gene, was gleichbedeutend ist mit: Wir können nichts tun. Gesundheit und Krankheit, so dachten wir, ist etwas, das über uns hereinbricht wie Sonnenschein und Regen, etwas, das wir annehmen oder dem wir uns entgegenstellen, schicksalhaft und undurchschaubar.
Eine lange Reihe von namhaften und unabhängigen Wissenschaftlern, auf die ich noch zurückkommen werde, stellt sich diesem Irrglauben vehement durch ihre Jahrzehnte fortdauernden Forschungsarbeiten entgegen: Mit einer pflanzlichen, vollwertigen Ernährung ist es möglich, vielen Krankheiten nicht nur vorzubeugen, sondern sie sogar rückgängig zu machen. Ohne es zu wissen, leiten wir in unserem Körper also heilende oder zerstörerische Prozesse ein, je nachdem, was wir essen.
Das macht uns selbst zum Schöpfer und zum Geschöpf unseres eigenen Glücks oder Unglücks. Wenn wir innehalten und in Offenheit der Zusammenhänge gewahr werden, stellen wir fest, dass wir die Geister der Vergangenheit und Gegenwart selbst erschaffen haben und unsere Zukunft sich naturgemäß nur aus dem schöpfen kann, was ist. Was uns zwangsläufig einholt, ist nicht einfach nur ein undurchschaubares Schicksal, sondern ganz banal und folgerichtig ein pathophysiologischer Effekt. Wir sind eingebunden in die Gestaltwerdung der Dinge, die uns im täglichen Sein begegnen.
Und dabei ist das nicht einmal eine Frage von »Schuld«, sondern nur eine Frage, ob wir es vorziehen, den alten Vorstellungen weiterhin nachzuhängen und weiterzuschlafen oder aber aufzuwachen. Wenn wir uns für das Aufwachen entscheiden, gibt es keinen Weg zurück, ein Hinsehen zur Wirklichkeit wird unser Leben verändern. Die alten, staubigen Zöpfe sind dann abgeschnitten. Sie werden sich unglaublich erleichtert fühlen!
Erst einmal dürfen wir großzügig mit uns sein und milde in der Rückschau. Natürlich sind die meisten von uns in einer Art aufgewachsen und erzogen worden, wo es selbstverständlich ist, tierische Produkte zu essen. Seit wir klein sind, hören wir, wie gesund Fleisch und Milchprodukte sind. Wir wurden indoktriniert mit diesen Glaubenssätzen und haben sie als frühe Wahrheit in unser Leben gelassen. Wir sehen auf Produktpackungen glückliche Tiere auf einem Bauernhofidyll; uns wird als Kindern im Schulunterricht die Bedeutsamkeit von Milch für die Knochen angetragen; Ärzte erklären uns die Schicksalhaftigkeit von Wohlstandskrankheiten und bieten uns Pillen gegen hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, zur Weitstellung von Gefäßen, zur Unterdrückung von Allergien und Autoimmunkrankheiten, zur Entzündungs- und Infektionshemmung usw. an – aber eben keine Lösungen des Grundproblems.
Wie, um Himmels Willen, sollen wir da auf die Idee kommen, dass irgendetwas mit unserer Ernährung nicht stimmt? Kommt ein leises Stimmchen des Zweifels in uns auf, wird es sofort erstickt von einem Bollwerk an Fehlinformationen, und es ist uns kaum möglich, zu erkennen, welche Informationen uns Hilfe bringen und welche in die Irre führen.
Auch die Politik ist keine Hilfe, wenn ihre Bürger objektive und gesundheitsfördernde Informationen wünschen, denn wer würde schon gerne an den großen Finanzsystemen sägen, die doch über satte Gewinne ein System an Wachstum füttern: Fleisch-, Milch- und Eiererzeuger, Schlachthäuser, Fleischereien, Tiertransportunternehmen, Futtermittelhersteller, mit Zucht betraute Forschung, Gentechnik und Wissenschaftler, Pharmaindustrie, chemische Industrie, Gesundheitssystem mit Ärzten, Kliniken, Medizinprodukte- und -gerätehersteller, Lebensmittelgroßkonzerne, Zuckerindustrie, Energieunternehmen und viele mehr. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn wir alle durch eine radikale Ernährungsumstellung auf eine pflanzliche Vollwertkost viel gesünder werden würden.
Irgendwann in unserem Leben kommen wir an einen Punkt, an dem wir merken, dass etwas nicht stimmt, und sei es, indem wir krank werden. Jetzt haben wir die große Chance, aufzuhorchen und uns kundig zu machen, denn wir sind es uns selbst schuldig, das bestmögliche Sachwissen zu bekommen, damit wir unsere Entscheidung richtig treffen können.
»Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der ›Ent-täuschung‹.«
(Erich Fromm, 1900–1980)
Ent-täuschung in diesem Sinne beinhaltet, dass wir eine Täuschung verlieren. Und das ist gut so.
Was am Essen macht uns krank und was macht uns gesund? Wenn Sie beginnen, sich für die Studienergebnisse zu diesem Thema zu interessieren, werden sich Fragen auftun. Zweifel werden aufkommen an den gängigen Glaubenswelten. Auch wenn Sie dies erst einmal auf ein sehr unsicheres Terrain führt: Sie werden umso standfester, je mehr Sie die Hintergründe durchschauen.
Was heute »normal« ist, muss nicht unbedingt recht und richtig sein. Das ist ja das großartige am Menschen: Wir lernen und entwickeln uns weiter.
Wir haben keinerlei Einfluss darauf, was in unserem Körper passiert, wenn wir Tierprodukte essen; wir müssen in Kauf nehmen, dass sie großen Schaden anrichten. Wir können nicht kontrollieren, wie Tiere in Großbetrieben gehalten werden und was sie im Schlachthof zu ertragen haben, wir können weder der Pharmaindustrie Vorschriften machen noch die Medikamentengaben in der Tiermast reglementieren, aber wir können eines tun, das eine unglaubliche Rückwirkung hat: Wir können aus dem ganzen System aussteigen, indem wir unsere Ernährung ändern.
Wir können uns absolut nicht sicher sein, für welche Krankheiten wir prädisponiert sind und welche unserer Gene uns empfänglicher machen für bestimmte Leiden. Aber ganz sicher können wir mit einer Umstellung auf eine vollwertige Pflanzenkost dafür sorgen, dass unser Erkrankungsrisiko minimiert wird, wir können sogar bewirken, dass bestehende Krankheiten sich zurückbilden.
Das, was dieses Wunder bewirkt, ist nichts Spektakuläres, nichts wirklich Neues, und vor allem nichts Kostspieliges. Es ist schlicht und ergreifend »unser täglich Brot«, mit dem wir uns selbst nähren, mit dem wir aber auch entscheiden, was in der Welt wir nähren wollen. Ist es nicht verrückt, dass wir in einer Art und Weise essen, die unsere Körper nachweislich schädigt, und dass wir dann Pillen schlucken, um diese Schäden zu kompensieren, um dann aber weiterhin die fehlerhafte Ernährung beizubehalten? Irgendwann muss dieses anfällige System in Richtung Krankheit kippen, wenn wir nichts ändern.
Auch wenn wir feststellen sollten, dass unser bisheriges Lieblingsessen uns krank gemacht hat:
»Oft trifft man sein Schicksal auf Wegen, die man eingeschlagen hatte, um ihm zu entgehen.«
(Jean de La Fontaine, 1621–1695)
Wenn wir also über den Umweg »Krankheit« zu unserem Heil finden, sollten wir mit offenen Sinnen unserem Schicksal entgegentreten und sehen, was es uns in unserer Not gleichzeitig als Geschenk entgegenhält.
Es ist ganz natürlich, wenn uns eine Änderung der uns lieb gewonnenen Gewohnheiten erst einmal Angst macht. Wir geben etwas Bekanntes her, das uns Sicherheit verschafft, und müssen eine Lücke aushalten, die erst nach und nach vom Neuen angefüllt wird. Angst ist zumeist dort, wo Wissen fehlt. Begegnen wir unserer Angst, können wir also eine ganze Menge lernen.
Wir können damit anfangen, erst einmal das, was wir tun, ganz genau zu betrachten. Dazu ist es nur nötig, mit Achtsamkeit und Wohlwollen wahrzunehmen, was wir tun. Schlussendlich können wir uns sogar dazu entschließen, uns nicht immer wieder auf dieselbe Weise Leid zuzufügen. Schwierigkeiten auf unserem Weg sind für gewöhnlich unsere besten Lehrer. Dabei geht es aber um noch viel mehr als um Faktenwissen, es geht um Bewusstsein, um unsere natürliche, innewohnende Weisheit, um den Kontakt, den wir wieder mit unserem Herzen aufnehmen, auf dass wir unserer grundlegenden Intelligenz und Freundlichkeit vertrauen und in Berührung kommen mit der Zartheit unseres Mitgefühls.
Wenn Sie auf eine pflanzliche Vollwertkost umstellen, werden Sie neben den erstaunlichen gesundheitlichen Vorzügen auch eine unglaubliche Erleichterung verspüren. Sie können mit dieser Entscheidung persönlich dazu beitragen, die Welt zu verändern:
Sie boykottieren damit alle Formen der Massentierhaltung und des Tiermissbrauchs und ersparen landwirtschaftlichen Tieren unendlich viel Not und Schmerz.
Sie tragen bei zur Lösung des Welthungerproblems: Seit 1960 hat sich der weltweite Fleischverzehr verfünffacht, mit weiterhin steigender Tendenz.
Man benötigt bis zu 16 kg Getreide, um 1 kg Fleisch zu erzeugen. ▶ [5]
Zirka 90 % der Sojaernte und 50 % der weltweiten Getreideernte landen als Viehfutter im Futtertrog. ▶ [6]
Gleichzeitig verhungern jeden Tag ca. 37 000 Menschen, alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren. ▶ [7]
Kein Fleisch zu essen würde bedeuten, die Welt ernähren zu können!
Sie praktizieren aktiv die effektivste Art von Klimaschutz: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass mit einer fleischreduzierten Kost gegenüber einer Mischkost bis zu 27 %, und mit einer vegetarischen Kost weitere 15 % (das heißt insgesamt bis zu 42 %) der Treibhausgas-Emissionen eingespart werden könnten. (BMEL im Klimaschutzbericht 2008). ▶ [8]
Sie unterstützen den Erhalt des Regenwalds: Allein in Südamerika wurden seit 1980 40 % des Regenwaldes in Zusammenhang mit Fleischproduktion abgeholzt. ▶ [9]
Der Regenwald ist aber nicht nur wichtiger Lebensraum für unzählige Pflanzen- und Tierarten; der Amazonas-Regenwald gibt jährlich rund 7 Billionen Tonnen Wasser an die Atmosphäre ab, filtert Wasser, reinigt die Luft und ist somit ein wichtiger Klimaregulator für die ganze Welt. Die große Fleischeslust frisst nicht nur den Regenwald auf, sondern bedroht Existenzrechte von einheimischen Menschen und Tieren (Greenpeace-Report 2006, »Eating up the Amazon«). ▶ [10]
Sie werden zum wirkungsvollen Umweltschützer: Luft- und Wasserverschmutzung, Medikamentenmissbrauch, Stickstoffausbringung über Gülle und Düngemittel, ansteigende Seuchen und Infektionen durch Pferchung, Feinstäube, rasante Abnahme der Biodiversität und vieles mehr würden sich enorm vermindern. Laut PETA erzeugen allein in den USA die für den menschlichen Verzehr gezüchteten Tiere 39 000 kg Exkremente pro Sekunde, das ist 130-mal mehr als alle Menschen weltweit zusammen. ▶ [11]
Sie treten zunehmender Wasserverknappung entgegen:
Für die Produktion von 1 kg Fleisch benötigt man ungefähr 15 500 Liter Wasser. ▶ [12]
Mit diesem Wasserverbrauch könnte eine Person 1 Jahr lang 1x tägl. duschen.
Zum Vergleich: 1 kg Weizen verbraucht in der Produktion 1300 Liter Wasser, 1 kg Möhren 131 Liter. ▶ [13]
Nur noch Pflanzen zu essen, macht uns nicht automatisch zu besseren Menschen. Ganz sicher ist aber, dass wir dadurch deutlich weniger Schaden anrichten, und das ist schon eine ganze Menge.
Wir wachsen auf mit einem eingepflanzten Gefühl der Hilflosigkeit, das uns wie Nebel umhüllt und einlullt. Alltägliche Formulierungen wie »Märkte reagieren«, »Preise steigen«, »Umstände erfordern«, »die Immobilienblase platzt«, »die Politik sieht sich veranlasst« und Ähnliches machen vergessen, was und wer eigentlich dahintersteht. Es ist fast so, als würden wir wie Marionetten an unsichtbaren Fäden hängen, gelenkt von einer anonymen Kraft. Preise klettern nicht von allein hoch, es gibt jemanden, der sie erhöht. Umstände entstehen nicht aus dem Nichts heraus, sie entstehen als Konsequenz einer Kette von vorausgegangenen Aktivitäten. Es gibt zu allem eine Vorgeschichte und ein Hinterzimmer, und wir dürfen uns trauen, so lange zu fragen, bis wir Antworten erhalten. Wie können wir im buchstäblichen Sinne zum Wesentlichen vordringen, zum Wesens-Licht?
Das Leben selbst bietet uns diese Antworten an, immer wieder, sie begegnen uns, wenn wir nicht nur mit den Ohren und dem Gehirn hinhören, sondern mit unserem ganzen Herzen. Dazu müssen wir erlauben, dass die Mauern unserer Vorstellungen, die wir zur Sicherheit errichtet haben, Risse bekommen und durchlässig werden für unangenehme Wahrheiten.
Wir werden nicht gesünder, und die Welt wird nicht besser, wenn wir nur davon träumen. Es lohnt sich wirklich, dass wir uns um uns kümmern und unserem Körper das geben, was er braucht, denn schließlich müssen wir unser ganzes Leben mit uns verbringen. Natürlich, liebe(r) Leser(in), sind Sie persönlich etwas ganz Besonderes – genauso, wie jedes andere Lebewesen auf diesem Planeten auch. Mögen unsere Entscheidungen glückbringend sein für uns selbst und für alle fühlenden Wesen dieser Welt!
»Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.«
(Albert Einstein 1879–1955)
Was, außer uns selbst, können wir in diesem Leben wirklich unser Eigen nennen? Wäre es nicht angebracht, uns selbst mit Achtsamkeit und Wohlwollen zu begegnen?
Uns mit der Freundlichkeit zu begegnen, die wir auch einem guten Freund entgegenbringen? Ist es nicht erstaunlich, wie wenig wir uns bemühen, dieses Selbst neugierig zu erforschen? Wie wenig wir uns bemühen, die Unversehrtheit unseres eigenen Körpers und die der Erde, auf und von der wir leben, zu bewahren?
In meiner täglichen Praxisarbeit fällt immer wieder auf, wie wenig die Menschen über eine gesunde Ernährung wissen. Gleichzeitig drängen immer mehr Lifestyle- und Convenience-Produkte auf den Markt, die über Zusatzstoffe und Laborkonstrukte mehr Gesundheit versprechen.
Im Dschungel der Diäten und Ernährungsempfehlungen, die sich auch alle paar Jahre wieder ändern, ist es dem medizinischen Laien mittlerweile nahezu unmöglich geworden, herauszufinden, was eher Glaubensfrage oder Modeerscheinung ist, und welche der zahlreichen propagierten Ernährungsformen wirklich gesundheitsfördernd sind. Dabei gehört gesunde Ernährung (neben sauberer Luft zum Atmen, richtigem Trinken, Schlaf, Entspannung, Wärme, Unterkunft und Schutz vor Gefahren) zu den körperlichen Grundbedürfnissen des Menschen. Egal an welchem Punkt in Ihrem Leben Sie gerade stehen: Sich mit diesem Grundbedürfnis auseinanderzusetzen, wird in jedem Fall heilbringend und lohnend für Sie sein.
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) beschreibt dies universeller:
»Jeder hat sein eigen Glück unter den Händen, wie der Künstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähigkeit wird uns angeboren, sie will gelernt und sorgfältig ausgeübt sein.«
Die allererste Voraussetzung dafür ist, dass Unwissenheit und Irrglaube abnehmen und wir unsere falschen Vorstellungen von der Welt aufgeben. Dann ist wieder Raum da für neue Erkenntnisse, die uns heilen können.
Erst einmal stellt sich eine andere grundsätzliche Frage: Kann ein Nahrungsmittel auf uns eine glückbringende Wirkung haben, wenn seine Produktion für Mensch, Tier und/oder Umwelt Leid bedeutet?
Wir sind trainiert darauf, in einer ganz engen Art zu denken und schauen kaum – im buchstäblichen Sinne – über unseren Tellerrand hinaus. Wir sehen nur einen kleinen und einseitigen Ausschnitt unserer engen privaten Welt, in der wir uns persönlich bewegen. Weiten wir unseren Blick, dann fügen sich die einzelnen Puzzleteilchen zu einem umfassenderen Bild zusammen. Dabei stellt sich umso deutlicher die Frage: Wenn wir nun unsere Unwissenheit aufgeben, wollen wir wirklich über unseren Konsum bestimmtes Leid in der Welt zementieren? Wir hinterlassen Spuren in dieser Welt, und unser Tun hat Konsequenzen – erst einmal für uns selbst, aber auch für andere und anderes. Dafür tragen wir die Verantwortung.
Im Zeitalter unseres modernen Medienangebotes ist der Zugang leichter geworden zu Informationen über die Produktionsbedingungen einzelner Nahrungsmittel, über die Machenschaften der Nahrungsmittelkonzerne, über die Qualen der Tiere im Massenbetrieb, über Kinderarbeit und Ausbeutung von menschlichem Leben in der Nahrungsmittelproduktion, aber auch darüber, wie der konventionelle Bauer in der Nachbarschaft mit Chemie die Erde verseucht. Via Internet öffnen sich viele Fenster, durch die wir vor einigen Jahren noch nicht blicken konnten, und das nimmt uns Verbraucher noch mehr in die Pflicht. Schauen wir in die Welt hinaus und folgen wir aufmerksam den Spuren der Produkte, die wir konsumieren!
Wenn wir also von heilsamem Essen sprechen, könnten wir auch umfassendere Überlegungen anstrengen:
Ist das, was ich tue, gut für mich?
Ist das, was ich tue, gut für meine Mitmenschen?
Ist das, was ich tue, gut für die beteiligten Lebewesen?
Ist das, was ich tue, gut für die Welt?
Wenn wir breiter denken und in Achtsamkeit globalere Faktoren in unsere Betrachtung mit einschließen, dann macht nur eine biologische Ernährungsweise, die strengen ethischen Richtlinien im Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt folgt, wirklich Sinn. Also Bio und Fair Trade, aber darüber hinaus unter Labels, die streng kontrolliert werden, denn Bio ist nicht gleich Bio.
Und wir können uns weiter überlegen: Wollen wir wirklich Tiere essen? Auch mit dieser Frage sollten wir uns konfrontieren, in vollem Bewusstsein um die Auswirkungen unserer Antwort auf diese Frage.
Pflanzen sind hervorragende Lichtspeicher. Pflanzen arbeiten mit dem, was sie bekommen. Sie resorbieren Wirkstoffe aus der Erde und Luft. Mithilfe von Photosynthese verwandeln sie Licht in biologisch verfügbare Energie. Sie transportieren also sämtliche Informationen (gute wie schlechte), die sie während ihres Wachstumsprozesses aufgenommen haben. Je besser die Umgebungsbedingungen der Pflanzen waren, umso biologisch hochwertiger ist ihre Qualität.
Gehen Sie also gesichert davon aus, dass die Tomate, die Sie selbst auf Ihrem Balkon oder in Ihrem Garten mit rein natürlichem Dünger und Bioerde anbauen, liebevoll pflegen und frisch geerntet essen, eine biologisch deutlich hochwertigere Qualität hat als eine chemisch hochgepäppelte Tomate, die nie Sonnenlicht gesehen und so weite Transportwege hinter sich hat, dass ihr während dieser Zeit ein Großteil ihrer Vitamine verloren geht.
Unzweifelhaft haben sich in den letzten hundert Jahren unsere Ernährungsgewohnheiten drastisch verändert. Der Mensch ernährte sich 200 000 Jahre überwiegend von pflanzlicher Kost: Blätter, Blüten, Wurzeln, Getreide, Kräuter, Früchte, Samen und Knollen. Freilaufendes Wild und Fisch mussten erbeutet werden. Erwiesenermaßen unterschieden sich die Aminosäuren und Fettsäuren der Wildtiere deutlich von denen der heute gezüchteten Nutztiere. Getreide wurde im ganzen Korn gegessen. So bestand die damalige Ernährung aus hochwertigen Ballaststoffen und Kohlenhydraten, wenig Fett, war naturbelassen und vitamin- und nährstoffreich.
Im Rahmen der Industrialisierung und gesellschaftlichen Umstrukturierung (industrielle Bearbeitung von Nahrungsmitteln, Globalisierung und damit Erreichbarkeit von exotischen Produkten, Arbeitsplatz außer Haus, Verzicht auf eigene Anbaumöglichkeiten, Berufstätigkeit der Frau usw.) haben sich die Ernährungsformen gewandelt. Weißer Zucker, raffiniertes Weißmehl, geschönte Produkte, Konserven, Zusatzstoffe, Fertigkost, Fast Food, Mikrowellenkost und stark technisch aufbereitete Nahrungsmittel bestimmen mehr und mehr den Speiseplan. Damit nimmt man sämtliche zugelassene Zusatzstoffe, Geschmacksstoffe, künstliche Vitamine, gentechnologisch hergestellte Bakterien und belastende Stoffe der Agrarchemie mit den Nahrungsmitteln in seinen Körper hinein.
Die Etiketten auf solchen Produkten sollten teils eher Beipackzetteln gleichen. »Naturidentisch« z. B. bei Geruchs- und Geschmacksstoffen bedeutet alles andere als natürlich, sondern: Mithilfe von chemischen Substanzen wurde ein Stoff hergestellt, der der Natur nachempfunden wurde. Es ist bei Tausenden von Zusatzstoffen mittlerweile nicht mehr abzusehen, welche dieser in Nahrungsmitteln erlaubten Zusatzstoffe welches Gesundheitsrisiko bergen. Die Lebensmittelgesetze bieten hier kaum Schutz, da sie keine Zulassungsprüfungen von unabhängiger Stelle verlangen.
Einige dieser Substanzen sind mutmaßlich krebsauslösend, immunsupprimierend, erbgutschädigend oder stark allergen, wirken reizend auf die Darmschleimhaut, und manche stehen in Verdacht, Verhaltensauffälligkeiten im Sinne eines Hyperaktivitätssyndroms zu begünstigen.
Jeder Gärtner weiß: Wir können nur das ernten, was wir auch in die Erde eingepflanzt und danach gepflegt haben. Was wir an Samen legen, werden wir als Ergebnis ernten, nichts anderes. Aus einem Radieschensamen kann eben ein Radieschen wachsen und keine Kartoffel. Ernährungspsychologisch bedeutet dies: Wünschen wir uns einen gesunden Körper, müssen wir ernährungstechnisch auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es überhaupt möglich ist, dass unser Körper gesund bleiben kann. Dies liegt in unserer alleinigen Verantwortung.
Typisch ernährungsbedingte und nachvollziehbare Zusammenhänge sind hier zum Beispiel die folgenden:
Eine ballaststoffarme Ernährung und ernährungsphysiologisch minderwertige Produkte können Obstipation (= Verstopfung) und vielfältige Darmentzündungen fördern.
Zu viel tierisches Fett und die falschen Eiweiße im Speiseplan begünstigen in gewissen Zusammenhängen Störungen im Fettstoffwechsel, Hypercholesterinämie, Gefäßwandschäden im Sinne einer Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall und die Entstehung von Steinleiden.
Gewohnheitsmäßig hochkalorische Kost erzeugt Übergewicht, das wiederum ein Risikofaktor für diverse Organverfettungen (Herz, Leber etc.) und Diabetes mellitus ist.
Exzessiver Fleisch- und Wurstkonsum kann über einen Harnsäureanstieg zur Stoffwechselkrankheit Gicht führen und bestimmte Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises vorantreiben.
Hoher Industriezuckerkonsum fördert zusammen mit einer fehlerhaften Mundflora (die auch häufig ernährungsbedingt ist) Erkrankungen wie Karies, Pilzerkrankungen und Störungen des Zahnhalteapparates.
Zusatzstoffe in Lebensmitteln können Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Reizdarmsyndrome, Durchfallerkrankungen und Hautleiden auslösen.
Rückstände aus der industriellen Landwirtschaft (Insektizide, Herbizide, Fungizide) sind unter Umständen allergieauslösend, reizend, teils hoch giftig, krebsfördernd, immunsupprimierend, fruchtschädigend in der Schwangerschaft usw.
Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs sind z. T. folgende Medikamente als Rückstände enthalten: Hormone, die in der Massentierhaltung eingesetzt werden; Antibiotika, die dann beim Menschen Resistenzen verursachen können; Herzmedikamente, Beruhigungsmittel u.v. a. Diese Medikamente können auf den menschlichen Organismus Rückwirkung haben.
Um es noch einmal anders zu formulieren: Wird als Samen eine Ernährung gelegt, die ballaststoffarm, zucker- und fettreich ist, und bewegt sich dieser Mensch wenig, kann es sein, dass über kurz oder lang die Konsequenz ein Diabetes mellitus Typ 2 ist.
Eine buddhistische Weisheit formuliert diese Verantwortlichkeit für unser Tun in ganz klaren Worten:
»Du warst, du bist, du wirst, was du tust.«
Erst einmal scheint dieses Erkennen ein Schlag ins Gesicht zu sein, eine grausame Aussage, aber wenn wir innehalten und genau hinschauen, wird der Schlag vielleicht zu einem Wachrütteln und gleichzeitig zu etwas sehr Hoffnungsvollem: Wir können etwas tun, um unsere Situation selbst zu verbessern!
Fürs Erste könnten wir unsere individuelle Lage betrachten und uns die Frage stellen: Was braucht mein Körper, damit er heilt? – Nicht jede Kostform ist für jeden Menschen in der gleichen Art geeignet. Ein Diabetiker z. B. benötigt eine andere Diät als ein Reizdarmpatient. Nierenpatienten brauchen eine andere Kostform als an Gicht Erkrankte. Spezielle Krankheitsbilder sind also immer und unbedingt bei der Zusammenstellung einer gesunden Ernährungsform für den Einzelnen zu berücksichtigen.
Es gibt zunächst einmal allgemein gültige Überlegungen, die im Vorfeld für eine heilbringende Ernährung beachtenswert sind. Lassen Sie uns auf den folgenden Seiten gemeinsam die Auswirkungen unserer Ernährung in ökologischer sowie ökonomischer Hinsicht, im Hinblick auf die Wertstellung von Nahrungsmitteln, in Hinsicht auf den achtsamen Umgang mit dem Thema »Essen« und in grundsätzlicher Hinsicht betrachten.
Unsere Ernährungsweise hat direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Der Ernährungssektor ist für Treibhausgasemissionen und für einen erheblichen Teil des Primärenergieverbrauchs verantwortlich – bedingt durch Produktion, Transport, Lagerung und Verpackung. Wasser, Luft und Boden wiederum haben direkte Auswirkungen auf die Qualität unserer Nahrungsmittel und damit auf unsere persönliche Gesundheit.
Als allgemeine Marke aus dem Jahr 2006 galt laut der Foods and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen, dass die Produktion von Fleisch und Lebensmitteln tierischen Ursprungs 18 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht. ▶ [14]
Zu diesen 18 % müssen aber noch ganz wesentliche Faktoren addiert werden: Fischzucht in Aquakulturen, Gebäudeerstellung für die Tierzucht, Energie für Kühlung und Erhitzung von Fleischwaren, wesentlich höhere Schlachtzahlen als damals, Atemgase, Gasbildung von Ausscheidungs- und Verwesungsprodukten. Auch die Abholzung von Regenwäldern für Weideland und Tierfuttererzeugung wurde in nicht ausreichendem Maß berücksichtigt. Das Worldwatch Institute (WWI) veröffentlichte Ende 2009 den Artikel »Livestock and Climate Change« mit einer ganz erstaunlichen Zahl: Werden all diese Faktoren mit einkalkuliert, ist die Produktion von Fleisch und tierischen Lebensmitteln für 51 % der weltweit erzeugten Treibhausgasemissionen verantwortlich. ▶ [15], ▶ [16]
Unsere Ernährungsgewohnheiten haben einen weit größeren Einfluss auf das globale Klima als der Straßenverkehr. Laut Foodwatch ist die Tierhaltung inklusive des Futtermittelanbaus in Deutschland zu 71 % an den entstandenen Treibhausgasen (z. B. CO2, Methan, Lachgas) in der Landwirtschaft beteiligt, die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln (ohne Futtermittel) schlägt mit 29 % zu Buche. ▶ [17]
Eine von Foodwatch in Auftrag gegebene Klimastudie vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung zeigte, dass »Allesesser« (mit Fleisch, Milch, Eiern und Produkten daraus) pro Jahr durch den Verzehr von landwirtschaftlichen Produkten aus konventionellem Anbau so viel Treibhausgase verursachen wie eine 4758 km lange Autofahrt. Äße der »Allesesser« biologische Nahrungsmittel, käme er immerhin noch auf 4377 km, was auch nicht viel besser ist. Verzehrt der Verbraucher aber rein pflanzliche Lebensmittel in Bioqualität, kommt er nur auf 281 km pro Jahr. ▶ [18]
All diese Zahlen offenbaren ganz klar, wie machtvoll eine Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten im Sinne einer vollwertigen, pflanzlichen und biologischen Kostform positiven Einfluss auf das Weltklima nimmt – auch im übertragenen Sinne.
Ein großes Geschenk ist es da, wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihr Obst und Gemüse im eigenen Garten – oder im Kleinen auf Ihrem Balkon – anzubauen. Damit schalten Sie nicht nur den Vitaminverlust durch unreife Ernten oder Einlagerung aus, sondern auch die Möglichkeit, am Lebensmittel getäuscht zu werden. Und in jedem Fall bereichern Sie durch Ihr Gärtnern Ihre Umwelt (und Ihre Innenwelt)!
Je ferner das Herkunftsland eines Nahrungsmittels ist, umso schlechter ist seine Klimabilanz. Aber auch Geschmack und Vitalstoffgehalt bleiben durch Ernten in unreifem Zustand und lange Transportwege auf der Strecke. Achten Sie deshalb auf die Herkunftsbezeichnung von Lebensmitteln und greifen Sie zu heimischen Früchten und Gemüsen.
Um Sommergemüse im Winter produzieren zu können, werden Gewächshäuser mit unglaublich hohem Energieaufwand geheizt, und trotzdem schmecken Sie den Unterschied zwischen einer unter Glas und im Sonnenlicht herangereiften Tomate. Eine an die Jahreszeiten angepasste Nahrungsmittelauswahl überzeugt durch ihren Vorsprung an Geschmack und Vitaminen. Essen im Jahreskreis bringt eine bunte, natürliche Vielfalt auf Ihren Teller.
Verzichten Sie komplett auf Nahrungs- und Genussmittel, die gentechnisch veränderte Stoffe enthalten, denn diese sind mit einer natürlichen Ernährung jedweder Art nicht zu vereinbaren. Es ist nicht abzusehen, was diese Stoffe in unserem Körper und unserer Umwelt auslösen.
Verwenden Sie (im Rahmen Ihrer Möglichkeiten) Nahrungsmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, denn diese sind deutlich weniger belastet und haben eine bessere Klimabilanz. Konventionell erzeugte Nahrungsmittel (auch aus der Region) können unterschiedlich stark schadstoffbelastet sein. Die mitgegessenen Pestizide können sogar im Urin nachgewiesen werden, wandern also durch Ihren gesamten Körper. Wenn Sie wirklich gesund essen möchten, geht das nur in biologischer Qualität.
In der konventionellen Landwirtschaft geht es hauptsächlich darum, über zugelassene Hilfsmittel ein Maximum an Ausbeute aus den Böden zu holen. Monokulturen, nährstoffzehrende einseitige Bepflanzungen, fehlende Fruchtfolgen und Zerstörung des Bodenklimas durch Tiefpflügen bewirken, dass die Ackerböden immer mehr auslaugen, bis sie kaum mehr Leben in sich halten. Durch fehlende Bodenbedeckung im Winter und fehlende Zwischenbepflanzungen sind die Böden allen Kräften der Erosion ausgesetzt, und das Leben in ihnen (Mikroorganismen, Würmer etc.) stirbt weiter ab. Langfristig degradieren die Böden, sie verlieren ihre natürliche Fruchtbarkeit.
Deshalb ist auch der Einsatz von Unmengen von Kunstdüngern notwendig. In Deutschland wurden allein im Jahr 2010/2011 über 4,7 Millionen Tonnen der Mineraldünger Kalk, Stickstoff, Kali und Phosphat abgesetzt (Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, statistisches Jahrbuch). ▶ [19]
Im Jahr 2007 wurden weltweit Pestizide für geschätzte 33,2 Milliarden Dollar veräußert. ▶ [20] Nimmt man die landwirtschaftliche Nutzfläche als Maßstab, versprühen europäische Bauern das meiste Gift auf ihren Feldern: Die Europäische Union ist zu einem Viertel an den globalen Pestizidumsätzen beteiligt, wo sie doch nicht einmal 7 % der weltweit bereitstehenden Ackerflächen hält. ▶ [21]
Die Aktionäre der agrochemischen Industrie freut es, für den Rest der Welt bedeutet dies einen gewaltigen volkswirtschaftlichen und ökologischen Schaden:
Düngerpreise: Die Weltmarktpreise für mineralische Dünger sind in Relation zu Nahrungsmitteln in den letzten 40 Jahren um mehr als 250 % gestiegen, d. h. trotz hohem energetischem Aufwand verdienen die Bauern letzten Endes deutlich weniger und müssen stark subventioniert werden. ▶ [22]
Bodenzerstörung: Die Bodenschäden und Bodenversauerung durch Mineraldünger zerstören das Leben von Mikro- und Makroorganismen im Boden, die Konzentration von toxischen Metallen nimmt zu, es kommt dadurch zu weiteren dramatischen Ertragsrückgängen. ▶ [23]
Stickstoff gast aus: Durch Stickstoffüberschüsse in den Böden entweicht Lachgas (N20) in die Atmosphäre und Nitrat (NO3) ins Grundwasser. ▶ [24]
Humusverlust: Der Humusanteil im Boden nimmt ab, da dem Boden kein organisches Material zugeführt wird. Die Ernteerträge sinken, da die Pflanzen trotz Düngung die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen können.
Umweltschäden: Groben Schätzungen zufolge belaufen sich durch Intensivlandwirtschaft entstandene Umweltschäden allein in Deutschland jährlich auf 5,1 Milliarden Euro (Schäden verursacht durch Importe nicht eingerechnet). ▶ [25]
Wasserverbrauch: Der Wasserverbrauch steigt, weil die ausgewaschenen und humusarmen Böden ihre Wasserbindungskapazität verlieren.
Pestizide: Diese reichern sich in der Nahrungskette an, führen zu einer Verarmung von Flora und Fauna und werden ins Grundwasser ausgewaschen. Haus- und Wildtiere sind enormen Beeinflussungen ausgesetzt. Die WHO (World Health Organization) schätzte 1990, dass jährlich 3 Millionen Menschen Pestizidvergiftungen erleiden, die auch lebensbedrohlich werden können. ▶ [26] Pestizide können das Erbgut über Generationen verändern und unter Umständen Krebs begünstigen. Hormonell wirksame Pestizidrückstände, die auch in europäischem Obst und Gemüse belegt sind, können in Zusammenhang gebracht werden mit Fruchtbarkeitsstörungen, genitalen Missbildungen und anderen Störungen (PAN-Studie »Endokrine Wirkung von Pestiziden auf Landarbeiter und auf Beschäftigte in Gewächshauskulturen und Gärtnereien«). ▶ [27] Bienensterben durch Pestizide ist belegt. Wie wollen wir in Zukunft ohne diese und andere Insekten unsere Pflanzen bestäuben?
Monokulturen: Diese sind ein Paradies für Schädlinge, die durch Resistenzentwicklung mit immer stärkeren (und giftigeren) Pestiziden bekämpft werden. Die genetische Vielfalt an Kulturpflanzen geht verloren, und auch allgemein geht die biologische Vielfalt durch Artensterben beängstigend zurück.
Gewässerüberdüngung: Dünge- wie auch sogenannte »Pflanzenschutzmittel« (welch frecher Euphemismus dieses Wort ist!) gelangen in Flüsse, Seen, ins Meer und ins Grundwasser und stellen eine enorme Umweltbelastung dar. So begünstigt die hohe Nährstoffdichte im Wasser das Auswachsen von blaugrünen Algenteppichen, was dazu führt, dass durch den Lichtmangel das brackige Wasser an Sauerstoff verarmt. Dadurch ersticken Wassertiere und Giftstoffe werden freigesetzt. Klärschlamm, der problematische Stoffe aus dem Grundwasser filtert, wird in Kläranlagen gesammelt und kann für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden (geregelt durch die Richtlinie 86/278/EWG). ▶ [28]
Tierdung: Dieser ist nach Kunstdüngern die zweitwichtigste Ursache von Stickstoffeinträgen in landwirtschaftlich genutzte Bodenflächen. Bei der Ausbringung auf die Böden verflüchtigt sich Ammoniak (NH3), eine chemische Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff. Das stechend riechende Gas hat in höheren Konzentrationen eine ätzende Wirkung auf Schleimhäute. In hohen Dosen, wie sie Rinder bei strohloser Stallhaltung im Massenbetrieb aushalten müssen, führt das Reizgas zu Atemnot, Lungenödemen, Lungenentzündungen, Verwirrungszuständen und Sehstörungen, brennenden Schleimhäuten, Reizhusten, Asthma, neurologischen Störungen und vielen anderen Störungen. Wird Wasser mit Gülle oder Düngemitteln verunreinigt, verursacht das entstehende Ammoniak bei Fischen eine Hyperämie mit Blutungen der inneren Organe und erhöhter Schleimproduktion, wodurch sie langsam sterben.
Die biologische Landwirtschaft in Deutschland unterliegt strengen Gesetzesauflagen. Energieaufwendige, synthetische Mineraldünger und Pestizide werden nicht eingesetzt. Die biologische Bewirtschaftung der Böden bedient sich spezieller Methoden, die zu deutlich weniger Treibhausgasen als der konventionelle Pflanzenanbau führen. Dies sind beispielsweise Gründüngung mit Klee und anderen Leguminosen, Winterbegrünung und pfluglose Bearbeitung der Böden, gezieltes Wissen über die richtige Fruchtfolge, Aufbau von Humus, regelmäßige Brachezeiten, Erhalt der Artenvielfalt, Gewässer- und Landschaftsschutz und vieles andere mehr. Zudem binden biologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen über die Böden und Pflanzen CO2; so enthält Humus zum Beispiel 60 % Kohlenstoff.
Damit sichergestellt ist, dass die Produkte ressourcenschonend und emissionsarm hergestellt, verarbeitet und transportiert werden: Kaufen Sie nach Möglichkeit Produkte, die umweltfreundlich verpackt sind, kurze Transportwege haben und begünstigen Sie biologisch arbeitende Betriebe vor Ort.
Hochwertige Nahrungsmittel sind im buchstäblichen Sinne kostbar und dürfen deshalb auch Geld kosten! Viele Menschen unserer Wohlstandsgesellschaft knausern beim Thema Essen, leisten sich aber hochpreisige Freizeitvergnügungen und Konsumgüter. So etwas Grundlegendes wie Essen darf in unserem Ausgabenplan auch einen angemessenen Stellenwert einnehmen. Leisten Sie es sich, sich gut zu ernähren.
Stellen Sie sicher, dass Sie nur von Erzeugern kaufen, die ihre Mitarbeiter angemessen entlohnen. Vermeiden Sie Billigprodukte von Großproduzenten (die am Ende den Steuerzahler und auch dem Gesundheitssystem wieder sehr teuer kommen). Unterstützen Sie kleine Betriebe, die hochwertig produzieren. Rücken Sie das Thema Ernährung wieder an den Platz, der ihm gebührt: ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste!
Menschen, die achtsam Nahrungsmittel produzieren, haben unsere Wertschätzung verdient. Um gerechte Preise für kleine Bauern und Erzeuger aus Drittweltländern für Importprodukte (exotische Früchte, Bananen, Kaffee, Kakao, Tee, Reis etc.) zu stützen: Bevorzugen Sie wenn möglich Fair-Trade-Waren. Nur so ermöglichen Sie ein Überleben dieser Betriebe. Unsere Nahrungsmittel verbinden uns mit all den Menschen, die durch ihre harte und liebevolle Arbeit unsere Teller füllen.
Zelebrieren Sie Essen ganz bewusst. Essen Sie abwechslungsreich, bereiten Sie Ihre Speisen frisch und schonend und vor allem mit Liebe zu. Besorgen Sie sich schöne Kochbücher, die wirklich Lust machen, und fangen Sie, zusammen mit Ihren Lieben, gemeinsam zu kochen an.
