Vegane Ernährung - Alexandra Kuchenbaur - E-Book

Vegane Ernährung E-Book

Alexandra Kuchenbaur

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Beschreibung

Der ultimative Begleiter für die gesunde vegane Ernährung. Vegan zu essen und zu leben ist für Körper und die Umwelt, ja, für die ganze Welt - ein Segen. Hier finden Sie das gebündelte Wissen dazu! Aus unzähligen wissenschaftlichen Studien, aber auch aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen hat die Autorin Alexandra Kuchenbaur ein Grundlagenwerk zur veganen, vollwertigen Ernährung geschrieben. Das Buch beleuchtet das Thema von allen Seiten: es schärft den Blick dafür, was unser Körper braucht, um gesund zu bleiben oder zu werden und wie unsere Nahrung ganz direkt darauf einwirkt. Aber auch, welche globalen und ökologischen Auswirkungen unser tägliches Essen mit sich bringt. Ganz praktisch erfahren Sie, wie eine vollwertige pflanzliche und nachhaltige Ernährung gelingt - ideal gerade für Einsteiger. Die ausführliche Warenkunde vermittelt z. B. die besten Quellen für hochwertiges Eiweiß, gut verfügbares Eisen und andere wichtige Mikronährstoffe. Die wichtigsten Austauschprodukte für die Pflanzenküche geben in der ersten Zeit Orientierung, Vorurteile gegenüber der veganen Lebensweise werden gekonnt entkräftet. Ein ganz besonders wertvolles Buch, das informiert, motiviert – und tief berührt!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 662

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Vegane Ernährung

Das Kursbuch: Vollwertige Pflanzenkost für ein gesundes Leben

Alexandra Kuchenbaur

2. Auflage 2021

17 Abbildungen

Zu diesem Buch

Ich war ein Kind vom Lande. Keines dieser rotbackigen, gesunden Energiebündel, eher durchsichtig, schüchtern, fast unsichtbar. Unser Haus am Ende des Dorfes war umgeben von einem großen Garten, der uns mit Obst und Gemüse ernährte. Wir lebten nah am Puls der Natur. Für meinen kleinen Bruder und mich begannen die Abenteuer, wenn wir das heimische Grundstück verließen; wir erkundeten Felder, Wiesen, Obstgärten und Flussufer. In den Sommerferien waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, Beeren und Gemüse einzufrieren, Gurken einzumachen, Marmelade und Kompott für den Winter zu kochen, und im Herbst wurden Äpfel, Birnen, Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln eingelagert.

Wir hatten zwar wenig Geld, aber fast jeden Tag Fleisch. Meine Großeltern bewirtschafteten im Nachbardorf einen kleinen Bauernhof. Nicht einer von denen, die Sie auf Postkarten oder in Werbefilmen sehen. Einen echten Hof. Mit echten Tieren. Ab und zu kam der Metzger in einer weißen Plastikschürze, und es wurde ein Schwein geschlachtet. Da half die ganze Familie mit. Es wurden Kessel erhitzt, Blut- und Leberwürste gekocht, Kesselfleisch und Knochen zu Suppe gemacht, Eimer mit Blut und Innereien verarbeitet, Sülzen zubereitet, und dann wurde gegessen. Über allem hing der Dampf aus den Kesseln und ein Geruch, den man schwer beschreiben kann, aber nie vergisst – süß, scharf, erstickend und ein bisschen urinös.

Zu Weihnachten wurde beim Gänsebauern eine Gans bestellt und zu anderen hohen Feiertagen gab es Ente. Manchmal brachte der Jäger ein totes Reh oder einen Hasen. Der wurde im Keller aufgehängt, gehäutet und ausgeweidet.

Meine Tante hielt Hühner in einem wunderschönen, alten Garten. Da kamen unsere Eier her. Einmal hat sie uns ein Huhn gebracht. Mein Vater nahm das Huhn, legte es auf einen Block, nahm ein Beil und schlug ihm den Kopf ab. Das Huhn zuckte und wand sich, mein Vater erschrak, ließ es los, und das kopflose Huhn rannte zum Hof hinaus. Da begriff ich, was geschehen musste, damit es bei uns »Hühnchen« gab. Dann hörte ich auf, Tiere zu essen. Nicht, dass ich zu dieser Zeit bewusst zur Vegetarierin geworden wäre. Es geschah eher unspektakulär und absichtslos. Von Massentierhaltung wusste ich damals nichts. Ich habe gesehen, wie Tiere aufwachsen, leben und sterben. Ich habe sehr archaisch erfahren, was geschehen muss, damit es bei uns Fleisch gibt.

Erst viele Jahre später konnte ich verstehen, welche Auswirkungen tierische Lebensmittel auf uns Menschen haben. Während meiner Heilpraktikerausbildung wurde dafür die Basis geschaffen: Ich hatte das Glück, von einem großartigen Wissenschaftler in den Bereich Ernährung und Stoffwechsel eingewiesen zu werden. Inzwischen ist sehr viel Zeit vergangen. Mittlerweile kann ich aus 20 Praxisjahren Erfahrung schöpfen – das ist einer der großen Schätze, die das Älterwerden mit sich bringt. Ich bin in der Arbeit mit kranken Menschen oft an Grenzen gestoßen. Ich habe etwas gebraucht, um zu begreifen, dass die Grenzen meist dort begannen, wo falsche Lebens- und Ernährungsgewohnheiten die Krankheiten und Symptome aufrechterhielten. Ich habe tief gegraben, und das hat mir die Sicht auf die Welt verändert. Für mich persönlich war es ein Befreiungsschlag, irgendwann ganz bewusst zu entscheiden, vegan zu leben. Seit ich vegane Ernährung jedoch als Therapie einsetze, kann ich Besserungen bei Patienten sehen, die mir vorher nicht vorstellbar waren.

Wenn wir uns nun vegan ernähren, sind zwei Aspekte von elementarer Bedeutung: Wir tun etwas (Pflanzen essen), und gleichzeitig tun wir etwas nicht (Tiere essen). Beides hat fundamentale Folgen. Nicht nur für uns persönlich, sondern für Menschen, Tiere und Umwelt. Wenn wir uns in die Ernährungsthematik hineinvertiefen, werden wir unumstößlich feststellen, dass wir mit unserer individuellen Entscheidung nicht nur unser eigenes, sondern auch kollektives Wohlsein formen können.

Ein einfaches Beispiel mag dies verdeutlichen: Womöglich haben Sie heute einen Apfel gegessen. In Ihrem Körper lösen die enthaltenen Wirkstoffe zahlreiche Prozesse aus, die Ihrer Gesundheit dienlich sind. Bevor aber der Apfel in Ihre Hände gelangte, ist schon sehr viel passiert: Menschen pflanzten einen Baum, der heranwuchs, gespeist wird aus der Erde mit all ihren Kleinstlebewesen und Wirbellosen, Kontakt hat mit Luft und Regen und allem, was diese tragen, der von geflügelten Bestäubern befruchtet wird. Es gibt Obstbauern, Pflückerinnen, Transportunternehmen, Händler, bei konventionellem Anbau auch die Chemieindustrie, die alle mit Ihrem Apfel zusammenhängen.

So gesehen ist unsere Ernährungsentscheidung keine kleine private Angelegenheit, denn eine ganze Kette von Handlungen in der Vergangenheit spült die Nahrungsmittel auf unsere gegenwärtigen Teller. Wir entscheiden mit jedem Einkauf, was wir in der Welt nähren, aber auch, was wir in unserem Körper nähren, denn Nahrungsmittel enthalten Wirkstoffe, die in unserem Organismus zahlreiche Prozesse auslösen, aus denen sich unsere zukünftige Gesundheit schöpft. Gleichzeitig trägt diese Erkenntnis ein Versprechen: Wir sind nicht ausgeliefert. Wir können mitbestimmen. Jeder von uns ist bedeutend und kann tatsächlich neue Wirklichkeiten schaffen. Wirklichkeiten, die heilsam sind für uns selbst und für unsere Mitwelt, sei sie nun belebter oder unbelebter Natur. Denken Sie nicht, Sie seien für diese Welt nicht wichtig, denn die Wahrheit ist: Ihre Gestaltungskraft ist immens!

Um handlungsfähig zu werden, brauchen wir zunächst einen Schlüssel, der uns neue Räume des Erlebens aufsperrt. Dieser Schlüssel ist Verstehen. Dieses Buch wird Ihr Verstehen vertiefen. Es wird Ihnen die vegane Ernährungslandschaft ausleuchten in allen wesentlichen Bereichen und grundlegende Fragen beantworten, die bei einer Ernährungsumstellung auftauchen. Sie erfahren, was Ihr Körper braucht, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden, wie das Thema Essen mit Ihrer Innenwelt und Umwelt zusammenhängt, Sie lernen viel über biochemische Wirkstoffe im Kleinen und globale Zusammenhänge im Großen. Sie erkennen, wie Sie sich und Ihre Familie gesund kochen können und woraus sich eine gesunde Pflanzenkost zusammensetzt. Sie werden sehen, welche großartigen Genusswelten auf Sie warten. Zugleich erhalten Sie tiefe Einblicke in all das Elend, von dem Sie sich verabschieden, wenn Sie keine Tierprodukte mehr essen.

Sie werden in diesem Werk unzählige wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu einer modernen, veganen Ernährung kennenlernen, aber auch erweiterte Dimensionen unserer Ernährung wie Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung. In dieses Buch ist ein ganz erfreuliches Wissen eingepflegt, das Sie dabei unterstützen kann, auf den verschiedensten Daseinsebenen glückbringend zu wirken – zunächst einmal für sich selbst, aber gleichzeitig und ganz automatisch für alles, was Sie umgibt. Fühlen Sie sich von Herzen eingeladen, neue Wege auszuprobieren und offen zu sein für all die Dinge, die Ihnen auf Ihrer Reise hin zu Wohlsein begegnen. Vielleicht mag der neue Weg zu Beginn etwas beschwerlich sein, aber das ist es auch, wenn Sie einen hohen Berg erklimmen. Trotzdem begegnen Ihnen auf dem Weg nach oben die Wunder des Lebens, neue Perspektiven und überwältigende Aussichten. Auf ebensolche Weise wird sich Ihnen durch die vegane Ernährung ein Schatz offenbaren, der größer ist, als Sie es sich heute vorstellen können.

Ich verneige mich vor allen Menschen, die vor mir diesen Weg gegangen sind. Jeder Einzelne von ihnen hat den Weg ein bisschen besser begehbar gemacht. Und ich verneige mich vor Ihnen, liebe(r) Leser(in), wenn Sie mit diesem Buch auch gleichzeitig Ihr Herz öffnen. Dann ist alles möglich!

Zahling, im Herbst 2014

Alexandra Kuchenbaur

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Zu diesem Buch

Nie war mehr Anfang als jetzt

Die Wirklichkeit berühren

Wie können wir Leiden lindern?

Was verleiben wir uns ein?

Wir sind Schöpfer unseres Glücks oder Unglücks

Von Kindheit an auf Fleisch geprägt

Tierprodukte als Wirtschaftsfaktor

Wissen beginnt mit »Ent-täuschung«

Sechs gute Gründe für pflanzliche Vollwertkost

Massentierhaltung abschaffen

Welthungerproblem lösen

Klimaschutz praktizieren

Regenwald schützen

Umweltschutz

Wasser sparen

Zum Wesentlichen vordringen

Wissen wagen

Über den Tellerrand schauen

Was macht eine Tomate wertvoll?

Unsere Ernährung hat jede Ursprünglichkeit verloren

Wir ernten, was wir säen

Wie Essen uns krank macht

Ökologische Auswirkungen unserer Ernährung

Fakten zu Treibhausgasen

Unsere Ernährung beeinflusst das Weltklima

Was konventionelle Landwirtschaft anrichtet

Fakten zur Bodenausbeutung und Agrochemie

Biologische Landwirtschaft

Honorieren Sie hochwertiges Essen

Essen Sie achtsam

Den Anfang wagen

Ganzheitlich, vollwertig, vegan

Es geht nicht um Verzicht, sondern um Gewinn

Bewusstsein schafft Existenz

Für wen ist vollwertige Pflanzenkost besonders heilsam?

Was ist vollwertige, ganzheitliche Ernährung?

Ein Nahrungsmittel ist mehr als die Summe seiner Teile

Früchte, Gemüse und Pilze

Ein Wort zum milchsauren Gemüse

Radioaktivität und Schwermetalle in Pilzen

Ungeeignet

Getreide und Pseudogetreide

Ungeeignete Getreideprodukte

Hülsenfrüchte

Nüsse und Samen

Öle und Fette

Ungeeignete Fette und Öle

Empfehlenswerte Würzmittel

Warum Hefeextrakt in Misskredit geraten ist

Geschmacksverstärker Glutamat

Natürliches Vorkommen von Glutaminsäure

Hefeflocken sind unbedenklich

Ungeeignete Würzmittel

Haltbarmachung durch Bestrahlung

Wenn es süß schmecken soll

Die meisten Süßungsmittel sind nicht zu empfehlen

Vitamin-B1-Mangel

Süßstoffe: süßer Geschmack ohne Kalorien

Zuckeraustauschstoffe

Getränke

Ungeeignet

Basispunkte einer modernen, vollwertigen Pflanzenkost

Eiweiß fürs Leben

Eiweiß für den Menschen

Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut

Wie Pflanzen und Mikroorganismen Aminosäuren herstellen

Essenzielle Aminosäuren

Proteinstoffwechsel

Der Weg durch unseren Körper

Hormone der Eiweißverdauung

Eiweißabbau in der Leber

Harnstoffausscheidung über die Nieren

Nierensteine und Osteoporose

Die isolierte Einnahme von Aminosäuren

Aminosäure Tryptophan

Ausnahmen sind Krankheiten des Aminosäurestoffwechsel

Ungleichgewicht in der Eiweißzufuhr

Denaturierung

Eiweiß von Pflanzen

Vollwertige Pflanzenproteine

Richtig kombinieren

Wichtige pflanzliche Proteinquellen

Seitan

Lupineneiweiß

Vegane Fleisch- und Wurstersatzprodukte

Eiweißallergien

Soja: Eine Bohne reist um die Welt

Futtersoja, Regenwald und Fleisch

Riesige Sojaplantagen für die Tierfutterproduktion

Das meiste Soja stammt von gentechnisch veränderten Pflanzen

Soja im Biolandbau

Soja und Gesundheit

Phytoöstrogene: Hormonwirkung von Soja

Soja-Eiweißpulver

Vermindertes Krebsrisiko

Gut für die Herzgesundheit

Cholesterinsenkende Wirkung

Günstig bei Nierenkrankheiten

So eiweißreich wie ein Steak

Soja, die Wandlungskünstlerin: Tofu

So können Sie Naturtofu zubereiten

Seidentofu

Sojamilch

Tempeh

Sojamehl

Vollfett-Sojamehl als Ei-Ersatz

Sojasprossen

Sojasaucen

Miso

Sojajoghurt

Sojaöl

Weitere Sojaprodukte

Sojaschnetzel

Stark verarbeitete Sojaprodukte

Fleisch als Risikofaktor

Märchen und Fakten

Wir leben in einer Ära der Entfremdung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Veränderungen der Blutgefäße

Welche Rolle spielt der Cholesterinwert?

Arteriosklerose bleibt oft lange Zeit unbemerkt

Wie ein Thrombus entsteht

Bluthochdruck

Nieren- und Harnwegsleiden

Phosphorüberschuss im Blut

Kalziummangel

Purine

Stoffwechselerkrankungen

Gicht

Übergewicht

Insulinresistenz

Diabetes-Risiko steigt mit Fleisch- und Wurstverzehr

Krebs

Ernährungsfaktoren, die das Krebsrisiko erhöhen

Häufiger Fleischverzehr begünstigt verschiedene Krebsarten

Brustkrebs

Unsere Ernährung passt nicht zu unseren Zellen

Unsere Reparatursysteme brauchen Pflanzenkost, um zu funktionieren

Warum Fleisch und Fleischprodukte kanzerogen wirken können

Demenz und Alzheimer

Homocystein

Fruchtbarkeit

Magen-Darm-Erkrankungen

Rheumatoide Arthritis

Arachidonsäure

Augenkrankheiten

Sie entscheiden, was Sie sich in den Mund stecken

Tierarzneimittel

»Zum Verzehr bestimmte Tiere«

Haustiere

Entwurmungsmittel und andere Arzneien für Pferde

Medikamentenrückstände im Fleisch

Hormonmast

Antibiotikaresistenz

Clenbuterol

Kein Fleisch ohne Leiden

Ein »modernes Schweineleben«

Masthühnchen

Puten

Enten und Gänse

Kaninchen

Schafe

Rinder

Pferde

Biozide und anderes Gift

Dioxin

Pestizide

Schimmelpilzgift Aflatoxin in Futtermais

Futtermittelverunreinigungen

Pflanzengift Glyphosat

Roundup vernichtet alle Gewächse außer Genpflanzen

Auswirkungen auf den Menschen

Fleisch von Wildtieren kann ebenfalls stark belastet sein

Umweltgifte

Mit Blei vergiftet

Radioaktiv belastet

Blinde Passagiere und große Seuchen

Fleisch als Bruststätte für Keime

Schweinegrippevirus H1N1

Vogelgrippevirus H5N1

Haltungs- und Schlachtbedingungen

BSE

Tiermehl als Futtermittel

Angst und Verzweiflung zum Sattessen

Im Schlachthof

Die Hölle für die Tiere und auch alle Menschen, die dort arbeiten

Fleisch von »glücklichen Tieren«

Das Elend in Zahlen

Ansichtssachen

Das Schwein als »menschliches Versuchsobjekt«

Man kann die Realität verdrängen, doch sie bleibt real

Die meisten Menschen sind gegen Massentierhaltung

Die Politik fördert Massentierhaltung mit unserem Steuergeld

Wer haftet für Risiken und Nebenwirkungen?

Heilung ist das Wiederherstellen von Harmonie

Wir haben die Wahl

Das Herz öffnen, für alle Geschöpfe

Wurst

Was in Wurst steckt

Gelatine

Aber, was soll ich dann aufs Brot tun?

Milch

Irrglaube: Milch ist ein natürliches Lebensmittel

Irrglaube: Milch macht schöne Haut

Hautausschläge beim Baby

Irrglaube: Milch ist gut für Kinder

Kuhmilch im Säuglingsalter kann Auslöser für Typ-1-Diabetes sein

Irrglaube: Milch macht starke Knochen

Kuhmilch schützt nicht vor Osteoporose – im Gegenteil

Pflanzliche Kalziumlieferanten

Irrglaube: Milch ist Bestandteil einer gesunden Ernährung

Laktose-Intoleranz

Krankheitskeime

Kuhmilch ist eine Östrogenbombe

Fleisch- und Milchkonsum fördern hormonabhängige Tumore

Kuhmilch enthält den Wachstumsfaktor IGF-1

IGF-1 stimuliert Zellwachstum – auch das von Krebszellen

Bei Milchtrinkern ist IGF-1 im Blut erhöht

Tierproteine in der Nahrung senken den Vitamin-D-Spiegel

Kuhmilch ist reich an Kasein

Kuhmilch macht Menschen krank

Alzheimer-Erkrankung

Parkinson-Erkrankung

Was hat die Natur für Kuh und Kalb vorgesehen?

Und so sieht die Realität aus

Das Kalb wir der Mutter schon am ersten Tag entzogen

Milchkühe werden zur Turbomilchproduktion missbraucht

Die abnorme Milchbildung laugt die Kuh völlig aus

In Anbindehaltung gefangen

Auslauf

Laufstallhaltung

Botulismus

Wie kommen Clostridiensporen in die Kuh?

Deutschland ist der größte Milchproduzent der EU

Milch von anderen Säugetieren

Milch vom Menschen (Muttermilch)

Trinkt die Mutter Kuhmilch, kann das ihr Stillkind beeinträchtigen

Pflanzenmilch

Drinks aus Nüssen

Mandeldrink

Kokosmilch

Getreidedrinks

Haferdrink, Dinkeldrink und Dinkel-Mandel-Drink

Reisdrink

Glutenunverträglichkeit

Sojadrinks

Pflanzliche »Milchprodukte«

Pflanzensahne

Seidentofu statt Sahne

Sojajoghurt

Pflanzliche Käse-Alternativen

Pflanzliches Speiseeis

Eier

Eier sind nicht gesund für uns

Salmonellen und andere Keime

Von Hennen und ihren Eiern

Die Haltungsformen von Legehennen

Das instrumentalisierte Legehuhn

Männliche Küken werden nach dem Schlüpfen getötet

Hennen haben 12–15 Monate »Nutzungsdauer«

Kochen und Backen ohne Ei

Eiweißreiche Pulver als Ei-Ersatz

Zur Teiglockerung

Für saftige Kuchenteige

Zum Trocknen der Zutaten

Ei-Ersatz in Bratlingen und deftigen Füllungen

Ei-Ersatz in süßen Cremes und Quiches

Safran macht den Kuchen gel(b)

Fische und andere Wassertiere

Wesen aus dem fremden Element

Fische sind weder stumm noch dumm

Lärmverschmutzung unter Wasser

Nur weil sie nicht schreien können, sind sie lange nicht schmerzfrei

»Gottes Werk und Teufels Beitrag«

Einige Wassertiere können sehr alt werden

Was wir Hummern antun

Vernichtungsfeldzug gegen das Leben im Wasser

Technologie, die auch den letzten Fisch noch aufspürt

Schleppnetze

Kiemennetze: Wände des Todes

Langleinenfischen

Ringwaden

Beifang

Auch andere Tiere leiden unter der Überfischung

Robbenindustrie

Maritime Müllhalden

Alles vergeht, Plastik besteht

Atommüll im Meer

PCB und DDT

Quecksilber

Lautloses Massensterben

Intensivtierhaltung unter Wasser

Wie geht es weiter?

Die Kuh, die weinte

Verheißungsvolle Aussichten

Wir brauchen Bewusstsein und Mitgefühl

Die »Vier Edlen Wahrheiten«

Ernährung als Schlüssel für Gesundheit und Wohlbefinden

Übergewicht ade

Komplexe Kohlenhydrate machen nicht dick!

Die Verdauung von Vollwertkost verbraucht Energie

Vegetarier haben eine höhere Stoffwechselrate als Fleischesser

Komplexe Kohlenhydrate feuern Ihren Stoffwechsel an

Der Blutzuckerspiegel steigt nur langsam an

Vegane Ernährung reduziert Typ-2-Diabetes

Ballaststoffe

Kleine Maßnahmen für große Effekte

Haben Sie Geduld

Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße

Bluthochdruck senken

Metabolisches Syndrom

Warum der Cholesterinwert so wichtig ist

Sinkt der Cholesterinspiegel, sinkt auch das Herzinfarktrisiko

Gesättigte Fettsäuren

Pflanzliche Nahrungsmittel

5-Punkte-Programm von Dr. med. Dean Ornish

Antioxidanzien als Radikalfänger

Pflanzen versorgen uns reichlich mit Antioxidanzien

Täglich ein Drittel der Pflanzenkost roh essen

Nahrungsergänzungsmittel

Sulforaphan hilft bei der Entgiftung

Stufen der Krebsentwicklung

Brokkoli und verwandtes Gemüse wirken als starkes Antioxidans

Schützende Pflanzenstoffe

Studiendaten

Vegane Ernährung schützt vor Krebs

Veganes Mikroklima

Geringeres Demenzrisiko durch vegane Ernährung

Schutz vor grauem Star

Entgiftung

Die Top-Stars der pflanzlichen Ernährung

Noch mehr vom Guten

Wenn sich Hormonstürme beruhigen

Fünf schlagkräftige Argumente für die vegane Ernährung

Phytoöstrogene

Genistein

Isoflavonaufnahme und Krebshäufigkeit

Der Hormonhaushalt wird harmonisiert

Weitere Geschenke der veganen Vollwertkost

Die Gelenkbelastung nimmt ab

Leber und Verdauung regenerieren

Verbessertes Immunsystem

Entlastung des venösen Systems

Verbesserte Atmung

Die geistige Leistungsfähigkeit bewahren

Entlastung der Nieren

Steinlos glücklich

Fibromyalgie

Positiv bei Gicht

Gelenkentzündungen nehmen massiv ab

Und das ist noch lange nicht alles …

Fette ohne Geheimnis

Überblick und einfache Fette

Aufgaben der Fette in unserem Körper

Energie

Aroma

Depot

Baustoff

Schutz

Kompensation

Spezifische Leistungen

Fettzufuhr

Es gibt gesättigte und ungesättigte Fettsäuren

Was hat es mit Omega-Fettsäuren auf sich?

Funktionen der Omega-Fettsäuren

Eine hohe Arachidonsäurezufuhr wirkt sehr negativ

Quellen von Omega-Fettsäuren

Ursprünglich war unsere Nahrung reich an Omega-3-Fettsäuren

Die Umwandlung in DHA und EPA ist wichtig

Ausreichend Alpha-Linolensäure aufnehmen

Ein Esslöffel Leinöl pro Tag ist ausreichend

Rapsöl, Canola-Öl

Vitamin E

Omega-3-Fettsäuren aus Algen

Mikroalgenöle: Ulkenia und Schizochytrium

Mikroalgenöle verbessern den Versorgungsstatus mit DHA und EPA

Küchenpraxis: richtiger Umgang mit Fett

Folgende Zubereitungsarten sparen Fett

Nüsse

Kleine Ölkunde

Wenn es heiß zur Sache geht

Kalt gepresste Öle

Raffinierte Öle

Olivenöl

So setzen Sie Fett in der Küche richtig ein

Tropische Fette

Machen Sie einen Bogen um Transfettsäuren

Komplexe Fette

Cholesterin

Lipoproteine

Warum LDL-Cholesterin schädlich für die Gefäße ist

Cholesterin kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor

Cholesterin- und weitere Blutfettwerte

Was tun bei erhöhten Cholesterinwerten?

Pflanzliche Cholesterinsenker

Kaffee erhöht den Cholesterinwert

Auch Stress erhöht den Cholesterinspiegel

Lipoprotein (a)

Zigarettenrauch ist Gift für unsere Gefäße

Homocystein zeigt an, wie es um Ihre Gefäße steht

Welche Umstände lassen Homocystein ansteigen?

Fettverdauung

Pflanzensterine

Phytosterine als Nahrungsmittelzusatz

XXL-Probleme

Taillenumfang

Das Bauchfett ist eine Hormonfabrik

Leptin

Adiponektin

Body-Mass-Index (BMI)

Ursachensuche bei Übergewicht

Jeder fünfte Erwachsene ist zu dick

Vielgestaltige Kohlenhydrate

Süße Gewohnheiten

Süß ist alles, was unser Herz anrührt

Systematik der Kohlenhydrate

Welche Aufgaben haben Kohlenhydrate in unserem Körper?

Wie sind Kohlenhydrate aufgebaut?

Kohlenhydratverdauung

Einfachzucker wie Glukose gelangen direkt ins Blut

Alkohol

Gute und schlechte Kohlenhydrate

Was passiert bei Kohlenhydratmangel?

Komplexe Kohlenhydrate machen nicht dick

Vollwertige Kohlenhydrate

Meiden Sie raffinierte Kohlenhydrate

Je einfacher das Zuckermolekül, desto schneller steigt der Blutzucker

Glykämischer Index

Blutzuckersteigernde Hormone

»Zucker-Krankheiten«

Diabetes mellitus Typ 2

Übergewicht

Karies

Krebs

Pilzerkrankungen

Ballaststoffarmut und ihre Folgen

Ballaststoffe

Gute Ballaststofflieferanten

Ballaststoffe bewirken viel Gutes

Einmaleins der Ballaststoffe

Resistente Stärke

Oligosaccharide

Hemizellulose

Zellulose

Beta-Glucane

Quellstoffe

Gummis und Schleimstoffe

Lignin

Problemfall Phytin?

Wie der Phytingehalt vermindert werden kann

Positive Phytineffekte

Bittersüße Probleme

Fruktose-Intoleranz

Individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Fruktose-Intoleranz-Syndrom

Blähungen bei Vollwertkost

Probleme nach Getreideverzehr

Raffinierte Zucker

Zuckerrohr

Zuckerrüben

Zuckerbezeichnungen

Wie wirkt Industriezucker im Körper?

Fruchtzucker

Diabetes mellitus Typ 2

Tumorzellen lieben Zucker

Wir sind Zuckerjunkies

Leiden, das an Honig klebt

Die Welt der Bienen

Deutsche halten den Rekord im Honigessen

Gifte in Honig

Gentechnik in Honig

Wie Bienen ausgebeutet werden

Die meisten Blüten brauchen Insektenbestäubung

Uns fehlen Bienen

USA: Massentierhaltung im Bienenreich

In China wurden sie mancherorts komplett vernichtet

Massensterben

Warum sterben die Bienen?

1. Bienen leiden Hunger

2. Bienen sind krank

3. Bienen werden vergiftet

Umdenken – auch was die Biene anbelangt

Süße Alternativen

Trockenfrüchte

Hoher Zucker-, aber auch Vitalstoffgehalt

Vor Schädlingsbefall schützen

Schimmelpilzbefall

Soft-Früchte

Trockenfrüchten klein schneiden oder pürieren

Abc der Trockenfrüchte

Alternative Süßungsmittel

Tierleidfreies Essen und grüne Intelligenz

Mikronährstoffwelten

Vitamine fürs vegane Leben

Fettlösliche Vitamine

Ölsaaten sind eine gute Quelle

Vitamin A (Retinol)

Vitamin D (Calciferol)

Vitamin E (Tocopherole)

Vitamin K (Phyllochinon)

Wasserlösliche Vitamine

Vitamin B1 (Thiamin)

Vitamin B2 (Riboflavin)

Niacin (Nicotinsäureamid, Nicotinamid, Vitamin B3)

Pantothensäure (Vitamin B5)

Vitamin B6 (Pyridoxin)

Folsäure (Vitamin B9)

Vitamin B12 (Cobalamin)

Biotin (Vitamin H)

Vitamin C (Ascorbinsäure)

Harmonisches Zusammenspiel

Latenter Vitaminmangel

Die vollwertige Pflanzenkost bietet alles, was Sie brauchen

Vitaminfreundliche Pflanzenküche

Das Maximum an Nährstoffen erhalten

Richtig einkaufen

Schonend zubereiten

Vitaminschonend kochen

Vitaminreiche Keimlinge

Volles Korn

Möglichst nitratarmes Gemüse verzehren

Nitratüberfrachtung und -einlagerung in Pflanzen

Nitrit und Nitrosamine

Empfehlungen für möglichst nitratarmes Gemüse

Schimmel

Schimmelpilzgifte

Bei starker Hitze entsteht Acrylamid

Schwermetalle

Cadmium

So minimieren Sie die Schwermetallbelastung durch Nahrungsmittel

Weitere Umweltschadstoffe

Merkmale eines gesunden Nahrungsmittels

Kaum Abstriche machen

Mineralstoffreiche

Kalzium, Knochen und Gerüchte

Je mehr Tierprotein man isst, desto höher ist der Kalziumbedarf

Noch einmal: Kuhmilch tut uns nicht gut!

Hilfreiches für starke Knochen

Kalzium und Hormone

Mineralstoffe und der vegane Mensch

Spurenelemente

Eisen

Welche Substanzen hemmen die Eisenaufnahme?

Welche Substanzen fördern die Eisenaufnahme?

Was unterscheidet das Eisen pflanzlichen und tierischen Ursprungs?

Kleine Helfer für Ihr Nahrungseisen

Wann muss Eisen substituiert werden?

Wie lässt sich Eisenmangel feststellen?

Jod

Jodversorgung überprüfen

Was braucht die Schilddrüse außer Jod?

Pflanzliche Goitrogene

Selen

Natriumselenit oder Selenomethionin?

Zink

Wesentliches zum Ausklang

Nahrungspflanzen als Medizin

Die Mysterien der sekundären Pflanzenstoffe

Für uns unerwünschte Pflanzenstoffe

Die meisten bioaktiven Substanzen sitzen in der Schale

Antikanzerogene Nahrungsmittel

Synergie: Alle Stoffe einer Pflanze wirken zusammen

Wichtig ist der tägliche Verzehr

Oft werden hochdosierte Einzelsubstanzen untersucht

Jetzt ist es amtlich: Gemüse ist gesund!

Vegane Wege beschreiten

Austauschprodukte für die Pflanzenküche

Verstecktes Tier im Essen

Alkoholische Getränke

Industriell gefertigte Lebensmittel

Brot und Backwaren

Brotaufstriche

Weitere Nahrungsmittel

Fruchtgummi und ähnliche Süßigkeiten

Fruchtsäfte

Joghurt-, Milch- und Käsealternativen

Kaffee

Kartoffelchips und ihre Verwandten

Margarine

Meerrettich und Senf

Müsli

Obst und Gemüse

Oliven

Sauerkraut

Soja- und Würzsaucen

Zucker

Auswärts essen

Ihr Schlüssel zur veganen Welt

Entscheidung

Unser Körper als feinstes Messinstrument

»Öffentliche Auftritte«

Sie sind nicht allein

Nahrung im weiteren Sinne

Schlussbemerkung

Service

Quellenverzeichnis, Anmerkungen und Literaturhinweise

Nie war mehr Anfang als jetzt

Eiweiß fürs Leben

Verheißungsvolle Aussichten

Fette ohne Geheimnis

Vielgestaltige Kohlenhydrate

Mikronährstoffwelten

Vegane Wege beschreiten

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum

Nie war mehr Anfang als jetzt

Diese Worte von Walt Whitman (1819–1892) laden uns ein, sofort mit heilsamem Verhalten zu beginnen. Es gibt keinen besseren Tag dafür als heute.

Die Wirklichkeit berühren

Was ist Schicksal? Sind wir dem Schicksal ausgeliefert? Müssen wir es geschehen lassen oder machen wir es geschehen? Wie bildet sich unser Schicksal?

In den Vorstellungen der alten Zeit aus der nordischen Mythologie wurde das Schicksal gewebt durch die Nornen, drei Schicksalsgöttinnen, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft repräsentieren. Fast immer wurden sie als Weberinnen dargestellt, und der Mensch bewegte sich in diesem Gespinst, war daran gebunden, verfing sich in seinen Fäden, und der Lebensfaden war endlich. ▶ [1]

Das keltische Schicksalsverständnis meint etwas Gewebtes oder an Bändern Befestigtes. Blind stolperte der Mensch durch die Maschen dieses Gewebes, das nächste Bild entwickelte sich in logischer Konsequenz aus dem vorhergehenden heraus, und so webte sich der Bilderteppich des eigenen Lebens immer weiter.

Das Wort »Schicksal« hat seit etwa dem 18. Jahrhundert allgemein die Stelle von »Geschick« übernommen. Dieses »Schicken« ist im Sinne von geschehen machen, fügen, erwirken, in eine Ordnung bringen, gemeint und wird auf den einzelnen Menschen im Verhältnis zum großen Ganzen angewandt. Im Altgriechischen wird Schicksal als treibende und schöpfende Kraft hinter all den Erscheinungen verstanden, die durch das göttliche Urprinzip geordnet werden. Nach Plato wählt sich die vorgeburtliche Seele ihr Schicksal selbst, bevor sie in das Weltgeschehen geboren wird, sodass das eigene Los in der Entscheidung und Verantwortung der inkarnierten Seele liegt. ▶ [2]

In der heutigen Welt wird das Wort »Schicksal« im Sinne einer leidvollen Fügung oder göttlichen Bestimmung gebraucht. Der moderne Schicksalsbegriff der westlichen Welt impliziert ein Ausgeliefertsein an etwas, das wir nicht greifen oder beeinflussen können.

Den indischen Schicksalsterminus kennen wir als Karma. In den ursprünglichen Texten ist Karma ein zusammengesetztes Wort: Karma-Vipaka. Die wörtliche Übersetzung hierfür ist Handlung und Resultat. Also das, was der westliche Mensch unter Ursache und Wirkung versteht. Dabei formen unsere Absichten unsere Taten, und unsere Taten formen unser Sein.

Wie können wir Leiden lindern?

In unserer täglichen Praxisarbeit sind wir heilkundlich Wirkende mit so viel Leiden, Kummer und Not konfrontiert, dass wir naturgemäß die folgenden fundamentalen Fragen tief zu ergründen suchen: Warum ist so viel Leid in der Welt? Und – noch viel wichtiger: Was können wir tun, um Leiden langfristig zu lindern? Was braucht es, damit kranke Menschen gesund werden?

Samuel Hahnemann (1755–1843) Begründer der Homöopathie, hat hierzu eine ganz klare Vorstellung: »Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt. Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachteiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.« (aus »Organon der rationellen Heilkunst«, 6. Auflage, Karl F. Haug Verlag) ▶ [3]

Ich persönlich habe als therapeutischen Weg den der klassischen Homöopathie gewählt, um kranken Menschen völlig nebenwirkungsfrei und in Hochachtung ihrer persönlichen Geschichte einschließlich genetischer Dispositionen unterstützend zur Seite zu stehen. Zu meinem Praxisbeginn vor 20 Jahren hätte ich an dieser Stelle geschrieben, um sie zu heilen. Für akute Erkrankungen stimmt dieses Wort nach wie vor. Bei chronischen Krankheiten spreche ich nun aber von Beistehen, obwohl der Begriff weniger Schärfe, weniger Einmischung bedeutet und für den Leidenden konkret heißt, dass ihm nur ein begrenzter Teil seiner Not abgenommen wird (was häufig mit Unwillen zur Kenntnis genommen wird).

Ein wesentlicher Teil unserer therapeutischen Vorarbeit besteht darin, zu erforschen, was an vermeidbaren Schädlichkeiten beim Kranken die Gesundheit stört und Krankheit erzeugt und aufrechterhält, und diese Faktoren hinwegzunehmen, danach erst fängt unsere eigentliche Arbeit an. ▶ [4] Konkret heißt dies: Medikamente zur Unterstützung sind ein Teil, und der große andere Teil wird eigenverantwortlich vom Patienten getragen, dann ist eine wirkliche, tiefe und dauerhafte Heilung chronischer Krankheiten möglich.

Einer meiner Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, war mein Wunsch, allen Menschen, die sich hilfesuchend an mich wenden, mehr Wissen um die Zusammenhänge zwischen Krankheit und Ernährung zugänglich zu machen. Auch wenn meine Patienten der Ausgangspunkt waren, freue ich mich über jeden Leser, der sich diesem Thema zuwendet und seine Gesundheit bzw. Gesundung in die eigenen Hände nimmt.

Im Verlauf dieses Buches werden Sie sehen, was Sie ganz konkret für sich selbst tun können, um zu gesunden, und wie genau bestimmte Krankheiten und Leiden mit dem Thema Ernährung in Zusammenhang stehen. Sie werden erkennen, was eine auf Tiererzeugnissen basierende Nahrung an Schaden bringt, aber auch, was eine vollwertige Pflanzenkost an Heilung bietet. Viele Medikamente und Therapien werden dann mit der richtigen Ernährung überflüssig, und das ist etwas Großartiges!

Was verleiben wir uns ein?

Essen ist ein unglaublich intimer Vorgang, vielleicht die schutzloseste Art, wie wir Dinge von außen ganz tief in uns hineinlassen und diese durch Abbau- und nachfolgende Aufbauprozesse zu einem Teil von uns selbst machen. Wir sollten also wohl wählen, womit wir so innig in Kontakt treten.

Viele winken beim Thema »Ernährung« erst mal ab, weil sie denken, sie wissen schon alles darüber. Außerdem haben wir Menschen die Begabung, unbequeme Wahrheiten auszuklammern. Die Idee, nur noch Pflanzen zu essen, rüttelt ordentlich an unseren Vorstellungen. Im Grunde genommen wühlt uns dieser Affront gegen das bestehende westliche Ernährungssystem nur deshalb so auf, weil wir genau wissen, dass irgendetwas nicht stimmen kann mit der Art, wie wir das Thema Essen derzeit handhaben.

Wir haben ganz bestimmte Vorstellungen von der Welt und von unserer Art zu leben. Aber so ist das mit Vor-Stellungen: Wir stellen sie vor uns hin, und so versperren sie uns die Sicht auf die Wirklichkeit. Sie brauchen viel Raum im Geiste. Ich könnte auch sagen: Vorstellungen sind wie Seifenblasen, die sich uns überstülpen. Wenn wir hinausschauen, sehen wir die Wirklichkeit immer etwas verzerrt und gefärbt.

Lange Zeit ist uns erklärt worden, Krankheit sei Schicksal, Pech, etwas, das uns einfach passiert, oder wir hätten schlechte Gene, was gleichbedeutend ist mit: Wir können nichts tun. Gesundheit und Krankheit, so dachten wir, ist etwas, das über uns hereinbricht wie Sonnenschein und Regen, etwas, das wir annehmen oder dem wir uns entgegenstellen, schicksalhaft und undurchschaubar.

Eine lange Reihe von namhaften und unabhängigen Wissenschaftlern, auf die ich noch zurückkommen werde, stellt sich diesem Irrglauben vehement durch ihre Jahrzehnte fortdauernden Forschungsarbeiten entgegen: Mit einer pflanzlichen, vollwertigen Ernährung ist es möglich, vielen Krankheiten nicht nur vorzubeugen, sondern sie sogar rückgängig zu machen. Ohne es zu wissen, leiten wir in unserem Körper also heilende oder zerstörerische Prozesse ein, je nachdem, was wir essen.

Wir sind Schöpfer unseres Glücks oder Unglücks

Das macht uns selbst zum Schöpfer und zum Geschöpf unseres eigenen Glücks oder Unglücks. Wenn wir innehalten und in Offenheit der Zusammenhänge gewahr werden, stellen wir fest, dass wir die Geister der Vergangenheit und Gegenwart selbst erschaffen haben und unsere Zukunft sich naturgemäß nur aus dem schöpfen kann, was ist. Was uns zwangsläufig einholt, ist nicht einfach nur ein undurchschaubares Schicksal, sondern ganz banal und folgerichtig ein pathophysiologischer Effekt. Wir sind eingebunden in die Gestaltwerdung der Dinge, die uns im täglichen Sein begegnen.

Und dabei ist das nicht einmal eine Frage von »Schuld«, sondern nur eine Frage, ob wir es vorziehen, den alten Vorstellungen weiterhin nachzuhängen und weiterzuschlafen oder aber aufzuwachen. Wenn wir uns für das Aufwachen entscheiden, gibt es keinen Weg zurück, ein Hinsehen zur Wirklichkeit wird unser Leben verändern. Die alten, staubigen Zöpfe sind dann abgeschnitten. Sie werden sich unglaublich erleichtert fühlen!

Von Kindheit an auf Fleisch geprägt

Erst einmal dürfen wir großzügig mit uns sein und milde in der Rückschau. Natürlich sind die meisten von uns in einer Art aufgewachsen und erzogen worden, wo es selbstverständlich ist, tierische Produkte zu essen. Seit wir klein sind, hören wir, wie gesund Fleisch und Milchprodukte sind. Wir wurden indoktriniert mit diesen Glaubenssätzen und haben sie als frühe Wahrheit in unser Leben gelassen. Wir sehen auf Produktpackungen glückliche Tiere auf einem Bauernhofidyll; uns wird als Kindern im Schulunterricht die Bedeutsamkeit von Milch für die Knochen angetragen; Ärzte erklären uns die Schicksalhaftigkeit von Wohlstandskrankheiten und bieten uns Pillen gegen hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, zur Weitstellung von Gefäßen, zur Unterdrückung von Allergien und Autoimmunkrankheiten, zur Entzündungs- und Infektionshemmung usw. an – aber eben keine Lösungen des Grundproblems.

Wie, um Himmels Willen, sollen wir da auf die Idee kommen, dass irgendetwas mit unserer Ernährung nicht stimmt? Kommt ein leises Stimmchen des Zweifels in uns auf, wird es sofort erstickt von einem Bollwerk an Fehlinformationen, und es ist uns kaum möglich, zu erkennen, welche Informationen uns Hilfe bringen und welche in die Irre führen.

Tierprodukte als Wirtschaftsfaktor

Auch die Politik ist keine Hilfe, wenn ihre Bürger objektive und gesundheitsfördernde Informationen wünschen, denn wer würde schon gerne an den großen Finanzsystemen sägen, die doch über satte Gewinne ein System an Wachstum füttern: Fleisch-, Milch- und Eiererzeuger, Schlachthäuser, Fleischereien, Tiertransportunternehmen, Futtermittelhersteller, mit Zucht betraute Forschung, Gentechnik und Wissenschaftler, Pharmaindustrie, chemische Industrie, Gesundheitssystem mit Ärzten, Kliniken, Medizinprodukte- und -gerätehersteller, Lebensmittelgroßkonzerne, Zuckerindustrie, Energieunternehmen und viele mehr. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn wir alle durch eine radikale Ernährungsumstellung auf eine pflanzliche Vollwertkost viel gesünder werden würden.

Wissen beginnt mit »Ent-täuschung«

Irgendwann in unserem Leben kommen wir an einen Punkt, an dem wir merken, dass etwas nicht stimmt, und sei es, indem wir krank werden. Jetzt haben wir die große Chance, aufzuhorchen und uns kundig zu machen, denn wir sind es uns selbst schuldig, das bestmögliche Sachwissen zu bekommen, damit wir unsere Entscheidung richtig treffen können.

»Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der ›Ent-täuschung‹.«

(Erich Fromm, 1900–1980)

Ent-täuschung in diesem Sinne beinhaltet, dass wir eine Täuschung verlieren. Und das ist gut so.

Was am Essen macht uns krank und was macht uns gesund? Wenn Sie beginnen, sich für die Studienergebnisse zu diesem Thema zu interessieren, werden sich Fragen auftun. Zweifel werden aufkommen an den gängigen Glaubenswelten. Auch wenn Sie dies erst einmal auf ein sehr unsicheres Terrain führt: Sie werden umso standfester, je mehr Sie die Hintergründe durchschauen.

Was heute »normal« ist, muss nicht unbedingt recht und richtig sein. Das ist ja das großartige am Menschen: Wir lernen und entwickeln uns weiter.

Wir haben keinerlei Einfluss darauf, was in unserem Körper passiert, wenn wir Tierprodukte essen; wir müssen in Kauf nehmen, dass sie großen Schaden anrichten. Wir können nicht kontrollieren, wie Tiere in Großbetrieben gehalten werden und was sie im Schlachthof zu ertragen haben, wir können weder der Pharmaindustrie Vorschriften machen noch die Medikamentengaben in der Tiermast reglementieren, aber wir können eines tun, das eine unglaubliche Rückwirkung hat: Wir können aus dem ganzen System aussteigen, indem wir unsere Ernährung ändern.

Wir können uns absolut nicht sicher sein, für welche Krankheiten wir prädisponiert sind und welche unserer Gene uns empfänglicher machen für bestimmte Leiden. Aber ganz sicher können wir mit einer Umstellung auf eine vollwertige Pflanzenkost dafür sorgen, dass unser Erkrankungsrisiko minimiert wird, wir können sogar bewirken, dass bestehende Krankheiten sich zurückbilden.

Das, was dieses Wunder bewirkt, ist nichts Spektakuläres, nichts wirklich Neues, und vor allem nichts Kostspieliges. Es ist schlicht und ergreifend »unser täglich Brot«, mit dem wir uns selbst nähren, mit dem wir aber auch entscheiden, was in der Welt wir nähren wollen. Ist es nicht verrückt, dass wir in einer Art und Weise essen, die unsere Körper nachweislich schädigt, und dass wir dann Pillen schlucken, um diese Schäden zu kompensieren, um dann aber weiterhin die fehlerhafte Ernährung beizubehalten? Irgendwann muss dieses anfällige System in Richtung Krankheit kippen, wenn wir nichts ändern.

Auch wenn wir feststellen sollten, dass unser bisheriges Lieblingsessen uns krank gemacht hat:

»Oft trifft man sein Schicksal auf Wegen, die man eingeschlagen hatte, um ihm zu entgehen.«

(Jean de La Fontaine, 1621–1695)

Wenn wir also über den Umweg »Krankheit« zu unserem Heil finden, sollten wir mit offenen Sinnen unserem Schicksal entgegentreten und sehen, was es uns in unserer Not gleichzeitig als Geschenk entgegenhält.

Es ist ganz natürlich, wenn uns eine Änderung der uns lieb gewonnenen Gewohnheiten erst einmal Angst macht. Wir geben etwas Bekanntes her, das uns Sicherheit verschafft, und müssen eine Lücke aushalten, die erst nach und nach vom Neuen angefüllt wird. Angst ist zumeist dort, wo Wissen fehlt. Begegnen wir unserer Angst, können wir also eine ganze Menge lernen.

Wir können damit anfangen, erst einmal das, was wir tun, ganz genau zu betrachten. Dazu ist es nur nötig, mit Achtsamkeit und Wohlwollen wahrzunehmen, was wir tun. Schlussendlich können wir uns sogar dazu entschließen, uns nicht immer wieder auf dieselbe Weise Leid zuzufügen. Schwierigkeiten auf unserem Weg sind für gewöhnlich unsere besten Lehrer. Dabei geht es aber um noch viel mehr als um Faktenwissen, es geht um Bewusstsein, um unsere natürliche, innewohnende Weisheit, um den Kontakt, den wir wieder mit unserem Herzen aufnehmen, auf dass wir unserer grundlegenden Intelligenz und Freundlichkeit vertrauen und in Berührung kommen mit der Zartheit unseres Mitgefühls.

Sechs gute Gründe für pflanzliche Vollwertkost

Wenn Sie auf eine pflanzliche Vollwertkost umstellen, werden Sie neben den erstaunlichen gesundheitlichen Vorzügen auch eine unglaubliche Erleichterung verspüren. Sie können mit dieser Entscheidung persönlich dazu beitragen, die Welt zu verändern:

Massentierhaltung abschaffen

Sie boykottieren damit alle Formen der Massentierhaltung und des Tiermissbrauchs und ersparen landwirtschaftlichen Tieren unendlich viel Not und Schmerz.

Welthungerproblem lösen

Sie tragen bei zur Lösung des Welthungerproblems: Seit 1960 hat sich der weltweite Fleischverzehr verfünffacht, mit weiterhin steigender Tendenz.

Man benötigt bis zu 16 kg Getreide, um 1 kg Fleisch zu erzeugen. ▶ [5]

Zirka 90 % der Sojaernte und 50 % der weltweiten Getreideernte landen als Viehfutter im Futtertrog. ▶ [6]

Gleichzeitig verhungern jeden Tag ca. 37 000 Menschen, alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren. ▶ [7]

Kein Fleisch zu essen würde bedeuten, die Welt ernähren zu können!

Klimaschutz praktizieren

Sie praktizieren aktiv die effektivste Art von Klimaschutz: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass mit einer fleischreduzierten Kost gegenüber einer Mischkost bis zu 27 %, und mit einer vegetarischen Kost weitere 15 % (das heißt insgesamt bis zu 42 %) der Treibhausgas-Emissionen eingespart werden könnten. (BMEL im Klimaschutzbericht 2008). ▶ [8]

Regenwald schützen

Sie unterstützen den Erhalt des Regenwalds: Allein in Südamerika wurden seit 1980 40 % des Regenwaldes in Zusammenhang mit Fleischproduktion abgeholzt. ▶ [9]

Der Regenwald ist aber nicht nur wichtiger Lebensraum für unzählige Pflanzen- und Tierarten; der Amazonas-Regenwald gibt jährlich rund 7 Billionen Tonnen Wasser an die Atmosphäre ab, filtert Wasser, reinigt die Luft und ist somit ein wichtiger Klimaregulator für die ganze Welt. Die große Fleischeslust frisst nicht nur den Regenwald auf, sondern bedroht Existenzrechte von einheimischen Menschen und Tieren (Greenpeace-Report 2006, »Eating up the Amazon«). ▶ [10]

Umweltschutz

Sie werden zum wirkungsvollen Umweltschützer: Luft- und Wasserverschmutzung, Medikamentenmissbrauch, Stickstoffausbringung über Gülle und Düngemittel, ansteigende Seuchen und Infektionen durch Pferchung, Feinstäube, rasante Abnahme der Biodiversität und vieles mehr würden sich enorm vermindern. Laut PETA erzeugen allein in den USA die für den menschlichen Verzehr gezüchteten Tiere 39 000 kg Exkremente pro Sekunde, das ist 130-mal mehr als alle Menschen weltweit zusammen. ▶ [11]

Wasser sparen

Sie treten zunehmender Wasserverknappung entgegen:

Für die Produktion von 1 kg Fleisch benötigt man ungefähr 15 500 Liter Wasser. ▶ [12]

Mit diesem Wasserverbrauch könnte eine Person 1 Jahr lang 1x tägl. duschen.

Zum Vergleich: 1 kg Weizen verbraucht in der Produktion 1300 Liter Wasser, 1 kg Möhren 131 Liter. ▶ [13]

Nur noch Pflanzen zu essen, macht uns nicht automatisch zu besseren Menschen. Ganz sicher ist aber, dass wir dadurch deutlich weniger Schaden anrichten, und das ist schon eine ganze Menge.

Zum Wesentlichen vordringen

Wir wachsen auf mit einem eingepflanzten Gefühl der Hilflosigkeit, das uns wie Nebel umhüllt und einlullt. Alltägliche Formulierungen wie »Märkte reagieren«, »Preise steigen«, »Umstände erfordern«, »die Immobilienblase platzt«, »die Politik sieht sich veranlasst« und Ähnliches machen vergessen, was und wer eigentlich dahintersteht. Es ist fast so, als würden wir wie Marionetten an unsichtbaren Fäden hängen, gelenkt von einer anonymen Kraft. Preise klettern nicht von allein hoch, es gibt jemanden, der sie erhöht. Umstände entstehen nicht aus dem Nichts heraus, sie entstehen als Konsequenz einer Kette von vorausgegangenen Aktivitäten. Es gibt zu allem eine Vorgeschichte und ein Hinterzimmer, und wir dürfen uns trauen, so lange zu fragen, bis wir Antworten erhalten. Wie können wir im buchstäblichen Sinne zum Wesentlichen vordringen, zum Wesens-Licht?

Das Leben selbst bietet uns diese Antworten an, immer wieder, sie begegnen uns, wenn wir nicht nur mit den Ohren und dem Gehirn hinhören, sondern mit unserem ganzen Herzen. Dazu müssen wir erlauben, dass die Mauern unserer Vorstellungen, die wir zur Sicherheit errichtet haben, Risse bekommen und durchlässig werden für unangenehme Wahrheiten.

Wir werden nicht gesünder, und die Welt wird nicht besser, wenn wir nur davon träumen. Es lohnt sich wirklich, dass wir uns um uns kümmern und unserem Körper das geben, was er braucht, denn schließlich müssen wir unser ganzes Leben mit uns verbringen. Natürlich, liebe(r) Leser(in), sind Sie persönlich etwas ganz Besonderes – genauso, wie jedes andere Lebewesen auf diesem Planeten auch. Mögen unsere Entscheidungen glückbringend sein für uns selbst und für alle fühlenden Wesen dieser Welt!

»Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.«

(Albert Einstein 1879–1955)

Wissen wagen

Was, außer uns selbst, können wir in diesem Leben wirklich unser Eigen nennen? Wäre es nicht angebracht, uns selbst mit Achtsamkeit und Wohlwollen zu begegnen?

Uns mit der Freundlichkeit zu begegnen, die wir auch einem guten Freund entgegenbringen? Ist es nicht erstaunlich, wie wenig wir uns bemühen, dieses Selbst neugierig zu erforschen? Wie wenig wir uns bemühen, die Unversehrtheit unseres eigenen Körpers und die der Erde, auf und von der wir leben, zu bewahren?

In meiner täglichen Praxisarbeit fällt immer wieder auf, wie wenig die Menschen über eine gesunde Ernährung wissen. Gleichzeitig drängen immer mehr Lifestyle- und Convenience-Produkte auf den Markt, die über Zusatzstoffe und Laborkonstrukte mehr Gesundheit versprechen.

Im Dschungel der Diäten und Ernährungsempfehlungen, die sich auch alle paar Jahre wieder ändern, ist es dem medizinischen Laien mittlerweile nahezu unmöglich geworden, herauszufinden, was eher Glaubensfrage oder Modeerscheinung ist, und welche der zahlreichen propagierten Ernährungsformen wirklich gesundheitsfördernd sind. Dabei gehört gesunde Ernährung (neben sauberer Luft zum Atmen, richtigem Trinken, Schlaf, Entspannung, Wärme, Unterkunft und Schutz vor Gefahren) zu den körperlichen Grundbedürfnissen des Menschen. Egal an welchem Punkt in Ihrem Leben Sie gerade stehen: Sich mit diesem Grundbedürfnis auseinanderzusetzen, wird in jedem Fall heilbringend und lohnend für Sie sein.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) beschreibt dies universeller:

»Jeder hat sein eigen Glück unter den Händen, wie der Künstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähigkeit wird uns angeboren, sie will gelernt und sorgfältig ausgeübt sein.«

Die allererste Voraussetzung dafür ist, dass Unwissenheit und Irrglaube abnehmen und wir unsere falschen Vorstellungen von der Welt aufgeben. Dann ist wieder Raum da für neue Erkenntnisse, die uns heilen können.

Über den Tellerrand schauen

Erst einmal stellt sich eine andere grundsätzliche Frage: Kann ein Nahrungsmittel auf uns eine glückbringende Wirkung haben, wenn seine Produktion für Mensch, Tier und/oder Umwelt Leid bedeutet?

Wir sind trainiert darauf, in einer ganz engen Art zu denken und schauen kaum – im buchstäblichen Sinne – über unseren Tellerrand hinaus. Wir sehen nur einen kleinen und einseitigen Ausschnitt unserer engen privaten Welt, in der wir uns persönlich bewegen. Weiten wir unseren Blick, dann fügen sich die einzelnen Puzzleteilchen zu einem umfassenderen Bild zusammen. Dabei stellt sich umso deutlicher die Frage: Wenn wir nun unsere Unwissenheit aufgeben, wollen wir wirklich über unseren Konsum bestimmtes Leid in der Welt zementieren? Wir hinterlassen Spuren in dieser Welt, und unser Tun hat Konsequenzen – erst einmal für uns selbst, aber auch für andere und anderes. Dafür tragen wir die Verantwortung.

Im Zeitalter unseres modernen Medienangebotes ist der Zugang leichter geworden zu Informationen über die Produktionsbedingungen einzelner Nahrungsmittel, über die Machenschaften der Nahrungsmittelkonzerne, über die Qualen der Tiere im Massenbetrieb, über Kinderarbeit und Ausbeutung von menschlichem Leben in der Nahrungsmittelproduktion, aber auch darüber, wie der konventionelle Bauer in der Nachbarschaft mit Chemie die Erde verseucht. Via Internet öffnen sich viele Fenster, durch die wir vor einigen Jahren noch nicht blicken konnten, und das nimmt uns Verbraucher noch mehr in die Pflicht. Schauen wir in die Welt hinaus und folgen wir aufmerksam den Spuren der Produkte, die wir konsumieren!

Wenn wir also von heilsamem Essen sprechen, könnten wir auch umfassendere Überlegungen anstrengen:

Ist das, was ich tue, gut für mich?

Ist das, was ich tue, gut für meine Mitmenschen?

Ist das, was ich tue, gut für die beteiligten Lebewesen?

Ist das, was ich tue, gut für die Welt?

Wenn wir breiter denken und in Achtsamkeit globalere Faktoren in unsere Betrachtung mit einschließen, dann macht nur eine biologische Ernährungsweise, die strengen ethischen Richtlinien im Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt folgt, wirklich Sinn. Also Bio und Fair Trade, aber darüber hinaus unter Labels, die streng kontrolliert werden, denn Bio ist nicht gleich Bio.

Und wir können uns weiter überlegen: Wollen wir wirklich Tiere essen? Auch mit dieser Frage sollten wir uns konfrontieren, in vollem Bewusstsein um die Auswirkungen unserer Antwort auf diese Frage.

Was macht eine Tomate wertvoll?

Pflanzen sind hervorragende Lichtspeicher. Pflanzen arbeiten mit dem, was sie bekommen. Sie resorbieren Wirkstoffe aus der Erde und Luft. Mithilfe von Photosynthese verwandeln sie Licht in biologisch verfügbare Energie. Sie transportieren also sämtliche Informationen (gute wie schlechte), die sie während ihres Wachstumsprozesses aufgenommen haben. Je besser die Umgebungsbedingungen der Pflanzen waren, umso biologisch hochwertiger ist ihre Qualität.

Gehen Sie also gesichert davon aus, dass die Tomate, die Sie selbst auf Ihrem Balkon oder in Ihrem Garten mit rein natürlichem Dünger und Bioerde anbauen, liebevoll pflegen und frisch geerntet essen, eine biologisch deutlich hochwertigere Qualität hat als eine chemisch hochgepäppelte Tomate, die nie Sonnenlicht gesehen und so weite Transportwege hinter sich hat, dass ihr während dieser Zeit ein Großteil ihrer Vitamine verloren geht.

Unsere Ernährung hat jede Ursprünglichkeit verloren

Unzweifelhaft haben sich in den letzten hundert Jahren unsere Ernährungsgewohnheiten drastisch verändert. Der Mensch ernährte sich 200 000 Jahre überwiegend von pflanzlicher Kost: Blätter, Blüten, Wurzeln, Getreide, Kräuter, Früchte, Samen und Knollen. Freilaufendes Wild und Fisch mussten erbeutet werden. Erwiesenermaßen unterschieden sich die Aminosäuren und Fettsäuren der Wildtiere deutlich von denen der heute gezüchteten Nutztiere. Getreide wurde im ganzen Korn gegessen. So bestand die damalige Ernährung aus hochwertigen Ballaststoffen und Kohlenhydraten, wenig Fett, war naturbelassen und vitamin- und nährstoffreich.

Im Rahmen der Industrialisierung und gesellschaftlichen Umstrukturierung (industrielle Bearbeitung von Nahrungsmitteln, Globalisierung und damit Erreichbarkeit von exotischen Produkten, Arbeitsplatz außer Haus, Verzicht auf eigene Anbaumöglichkeiten, Berufstätigkeit der Frau usw.) haben sich die Ernährungsformen gewandelt. Weißer Zucker, raffiniertes Weißmehl, geschönte Produkte, Konserven, Zusatzstoffe, Fertigkost, Fast Food, Mikrowellenkost und stark technisch aufbereitete Nahrungsmittel bestimmen mehr und mehr den Speiseplan. Damit nimmt man sämtliche zugelassene Zusatzstoffe, Geschmacksstoffe, künstliche Vitamine, gentechnologisch hergestellte Bakterien und belastende Stoffe der Agrarchemie mit den Nahrungsmitteln in seinen Körper hinein.

Die Etiketten auf solchen Produkten sollten teils eher Beipackzetteln gleichen. »Naturidentisch« z. B. bei Geruchs- und Geschmacksstoffen bedeutet alles andere als natürlich, sondern: Mithilfe von chemischen Substanzen wurde ein Stoff hergestellt, der der Natur nachempfunden wurde. Es ist bei Tausenden von Zusatzstoffen mittlerweile nicht mehr abzusehen, welche dieser in Nahrungsmitteln erlaubten Zusatzstoffe welches Gesundheitsrisiko bergen. Die Lebensmittelgesetze bieten hier kaum Schutz, da sie keine Zulassungsprüfungen von unabhängiger Stelle verlangen.

Einige dieser Substanzen sind mutmaßlich krebsauslösend, immunsupprimierend, erbgutschädigend oder stark allergen, wirken reizend auf die Darmschleimhaut, und manche stehen in Verdacht, Verhaltensauffälligkeiten im Sinne eines Hyperaktivitätssyndroms zu begünstigen.

Wir ernten, was wir säen

Jeder Gärtner weiß: Wir können nur das ernten, was wir auch in die Erde eingepflanzt und danach gepflegt haben. Was wir an Samen legen, werden wir als Ergebnis ernten, nichts anderes. Aus einem Radieschensamen kann eben ein Radieschen wachsen und keine Kartoffel. Ernährungspsychologisch bedeutet dies: Wünschen wir uns einen gesunden Körper, müssen wir ernährungstechnisch auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es überhaupt möglich ist, dass unser Körper gesund bleiben kann. Dies liegt in unserer alleinigen Verantwortung.

Wie Essen uns krank macht

Typisch ernährungsbedingte und nachvollziehbare Zusammenhänge sind hier zum Beispiel die folgenden:

Eine ballaststoffarme Ernährung und ernährungsphysiologisch minderwertige Produkte können Obstipation (= Verstopfung) und vielfältige Darmentzündungen fördern.

Zu viel tierisches Fett und die falschen Eiweiße im Speiseplan begünstigen in gewissen Zusammenhängen Störungen im Fettstoffwechsel, Hypercholesterinämie, Gefäßwandschäden im Sinne einer Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall und die Entstehung von Steinleiden.

Gewohnheitsmäßig hochkalorische Kost erzeugt Übergewicht, das wiederum ein Risikofaktor für diverse Organverfettungen (Herz, Leber etc.) und Diabetes mellitus ist.

Exzessiver Fleisch- und Wurstkonsum kann über einen Harnsäureanstieg zur Stoffwechselkrankheit Gicht führen und bestimmte Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises vorantreiben.

Hoher Industriezuckerkonsum fördert zusammen mit einer fehlerhaften Mundflora (die auch häufig ernährungsbedingt ist) Erkrankungen wie Karies, Pilzerkrankungen und Störungen des Zahnhalteapparates.

Zusatzstoffe in Lebensmitteln können Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Reizdarmsyndrome, Durchfallerkrankungen und Hautleiden auslösen.

Rückstände aus der industriellen Landwirtschaft (Insektizide, Herbizide, Fungizide) sind unter Umständen allergieauslösend, reizend, teils hoch giftig, krebsfördernd, immunsupprimierend, fruchtschädigend in der Schwangerschaft usw.

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs sind z. T. folgende Medikamente als Rückstände enthalten: Hormone, die in der Massentierhaltung eingesetzt werden; Antibiotika, die dann beim Menschen Resistenzen verursachen können; Herzmedikamente, Beruhigungsmittel u.v. a. Diese Medikamente können auf den menschlichen Organismus Rückwirkung haben.

Um es noch einmal anders zu formulieren: Wird als Samen eine Ernährung gelegt, die ballaststoffarm, zucker- und fettreich ist, und bewegt sich dieser Mensch wenig, kann es sein, dass über kurz oder lang die Konsequenz ein Diabetes mellitus Typ 2 ist.

Eine buddhistische Weisheit formuliert diese Verantwortlichkeit für unser Tun in ganz klaren Worten:

»Du warst, du bist, du wirst, was du tust.«

Erst einmal scheint dieses Erkennen ein Schlag ins Gesicht zu sein, eine grausame Aussage, aber wenn wir innehalten und genau hinschauen, wird der Schlag vielleicht zu einem Wachrütteln und gleichzeitig zu etwas sehr Hoffnungsvollem: Wir können etwas tun, um unsere Situation selbst zu verbessern!

Fürs Erste könnten wir unsere individuelle Lage betrachten und uns die Frage stellen: Was braucht mein Körper, damit er heilt? – Nicht jede Kostform ist für jeden Menschen in der gleichen Art geeignet. Ein Diabetiker z. B. benötigt eine andere Diät als ein Reizdarmpatient. Nierenpatienten brauchen eine andere Kostform als an Gicht Erkrankte. Spezielle Krankheitsbilder sind also immer und unbedingt bei der Zusammenstellung einer gesunden Ernährungsform für den Einzelnen zu berücksichtigen.

Es gibt zunächst einmal allgemein gültige Überlegungen, die im Vorfeld für eine heilbringende Ernährung beachtenswert sind. Lassen Sie uns auf den folgenden Seiten gemeinsam die Auswirkungen unserer Ernährung in ökologischer sowie ökonomischer Hinsicht, im Hinblick auf die Wertstellung von Nahrungsmitteln, in Hinsicht auf den achtsamen Umgang mit dem Thema »Essen« und in grundsätzlicher Hinsicht betrachten.

Ökologische Auswirkungen unserer Ernährung

Unsere Ernährungsweise hat direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Der Ernährungssektor ist für Treibhausgasemissionen und für einen erheblichen Teil des Primärenergieverbrauchs verantwortlich – bedingt durch Produktion, Transport, Lagerung und Verpackung. Wasser, Luft und Boden wiederum haben direkte Auswirkungen auf die Qualität unserer Nahrungsmittel und damit auf unsere persönliche Gesundheit.

Fakten zu Treibhausgasen

Als allgemeine Marke aus dem Jahr 2006 galt laut der Foods and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen, dass die Produktion von Fleisch und Lebensmitteln tierischen Ursprungs 18 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht. ▶ [14]

Zu diesen 18 % müssen aber noch ganz wesentliche Faktoren addiert werden: Fischzucht in Aquakulturen, Gebäudeerstellung für die Tierzucht, Energie für Kühlung und Erhitzung von Fleischwaren, wesentlich höhere Schlachtzahlen als damals, Atemgase, Gasbildung von Ausscheidungs- und Verwesungsprodukten. Auch die Abholzung von Regenwäldern für Weideland und Tierfuttererzeugung wurde in nicht ausreichendem Maß berücksichtigt. Das Worldwatch Institute (WWI) veröffentlichte Ende 2009 den Artikel »Livestock and Climate Change« mit einer ganz erstaunlichen Zahl: Werden all diese Faktoren mit einkalkuliert, ist die Produktion von Fleisch und tierischen Lebensmitteln für 51 % der weltweit erzeugten Treibhausgasemissionen verantwortlich. ▶ [15], ▶ [16]

Unsere Ernährungsgewohnheiten haben einen weit größeren Einfluss auf das globale Klima als der Straßenverkehr. Laut Foodwatch ist die Tierhaltung inklusive des Futtermittelanbaus in Deutschland zu 71 % an den entstandenen Treibhausgasen (z. B. CO2, Methan, Lachgas) in der Landwirtschaft beteiligt, die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln (ohne Futtermittel) schlägt mit 29 % zu Buche. ▶ [17]

Eine von Foodwatch in Auftrag gegebene Klimastudie vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung zeigte, dass »Allesesser« (mit Fleisch, Milch, Eiern und Produkten daraus) pro Jahr durch den Verzehr von landwirtschaftlichen Produkten aus konventionellem Anbau so viel Treibhausgase verursachen wie eine 4758 km lange Autofahrt. Äße der »Allesesser« biologische Nahrungsmittel, käme er immerhin noch auf 4377 km, was auch nicht viel besser ist. Verzehrt der Verbraucher aber rein pflanzliche Lebensmittel in Bioqualität, kommt er nur auf 281 km pro Jahr. ▶ [18]

Unsere Ernährung beeinflusst das Weltklima

All diese Zahlen offenbaren ganz klar, wie machtvoll eine Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten im Sinne einer vollwertigen, pflanzlichen und biologischen Kostform positiven Einfluss auf das Weltklima nimmt – auch im übertragenen Sinne.

Ein großes Geschenk ist es da, wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihr Obst und Gemüse im eigenen Garten – oder im Kleinen auf Ihrem Balkon – anzubauen. Damit schalten Sie nicht nur den Vitaminverlust durch unreife Ernten oder Einlagerung aus, sondern auch die Möglichkeit, am Lebensmittel getäuscht zu werden. Und in jedem Fall bereichern Sie durch Ihr Gärtnern Ihre Umwelt (und Ihre Innenwelt)!

Je ferner das Herkunftsland eines Nahrungsmittels ist, umso schlechter ist seine Klimabilanz. Aber auch Geschmack und Vitalstoffgehalt bleiben durch Ernten in unreifem Zustand und lange Transportwege auf der Strecke. Achten Sie deshalb auf die Herkunftsbezeichnung von Lebensmitteln und greifen Sie zu heimischen Früchten und Gemüsen.

Um Sommergemüse im Winter produzieren zu können, werden Gewächshäuser mit unglaublich hohem Energieaufwand geheizt, und trotzdem schmecken Sie den Unterschied zwischen einer unter Glas und im Sonnenlicht herangereiften Tomate. Eine an die Jahreszeiten angepasste Nahrungsmittelauswahl überzeugt durch ihren Vorsprung an Geschmack und Vitaminen. Essen im Jahreskreis bringt eine bunte, natürliche Vielfalt auf Ihren Teller.

Verzichten Sie komplett auf Nahrungs- und Genussmittel, die gentechnisch veränderte Stoffe enthalten, denn diese sind mit einer natürlichen Ernährung jedweder Art nicht zu vereinbaren. Es ist nicht abzusehen, was diese Stoffe in unserem Körper und unserer Umwelt auslösen.

Was konventionelle Landwirtschaft anrichtet

Verwenden Sie (im Rahmen Ihrer Möglichkeiten) Nahrungsmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, denn diese sind deutlich weniger belastet und haben eine bessere Klimabilanz. Konventionell erzeugte Nahrungsmittel (auch aus der Region) können unterschiedlich stark schadstoffbelastet sein. Die mitgegessenen Pestizide können sogar im Urin nachgewiesen werden, wandern also durch Ihren gesamten Körper. Wenn Sie wirklich gesund essen möchten, geht das nur in biologischer Qualität.

Fakten zur Bodenausbeutung und Agrochemie

In der konventionellen Landwirtschaft geht es hauptsächlich darum, über zugelassene Hilfsmittel ein Maximum an Ausbeute aus den Böden zu holen. Monokulturen, nährstoffzehrende einseitige Bepflanzungen, fehlende Fruchtfolgen und Zerstörung des Bodenklimas durch Tiefpflügen bewirken, dass die Ackerböden immer mehr auslaugen, bis sie kaum mehr Leben in sich halten. Durch fehlende Bodenbedeckung im Winter und fehlende Zwischenbepflanzungen sind die Böden allen Kräften der Erosion ausgesetzt, und das Leben in ihnen (Mikroorganismen, Würmer etc.) stirbt weiter ab. Langfristig degradieren die Böden, sie verlieren ihre natürliche Fruchtbarkeit.

Deshalb ist auch der Einsatz von Unmengen von Kunstdüngern notwendig. In Deutschland wurden allein im Jahr 2010/2011 über 4,7 Millionen Tonnen der Mineraldünger Kalk, Stickstoff, Kali und Phosphat abgesetzt (Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, statistisches Jahrbuch). ▶ [19]

Im Jahr 2007 wurden weltweit Pestizide für geschätzte 33,2 Milliarden Dollar veräußert. ▶ [20] Nimmt man die landwirtschaftliche Nutzfläche als Maßstab, versprühen europäische Bauern das meiste Gift auf ihren Feldern: Die Europäische Union ist zu einem Viertel an den globalen Pestizidumsätzen beteiligt, wo sie doch nicht einmal 7 % der weltweit bereitstehenden Ackerflächen hält. ▶ [21]

Die Aktionäre der agrochemischen Industrie freut es, für den Rest der Welt bedeutet dies einen gewaltigen volkswirtschaftlichen und ökologischen Schaden:

Düngerpreise: Die Weltmarktpreise für mineralische Dünger sind in Relation zu Nahrungsmitteln in den letzten 40 Jahren um mehr als 250 % gestiegen, d. h. trotz hohem energetischem Aufwand verdienen die Bauern letzten Endes deutlich weniger und müssen stark subventioniert werden. ▶ [22]

Bodenzerstörung: Die Bodenschäden und Bodenversauerung durch Mineraldünger zerstören das Leben von Mikro- und Makroorganismen im Boden, die Konzentration von toxischen Metallen nimmt zu, es kommt dadurch zu weiteren dramatischen Ertragsrückgängen. ▶ [23]

Stickstoff gast aus: Durch Stickstoffüberschüsse in den Böden entweicht Lachgas (N20) in die Atmosphäre und Nitrat (NO3) ins Grundwasser. ▶ [24]

Humusverlust: Der Humusanteil im Boden nimmt ab, da dem Boden kein organisches Material zugeführt wird. Die Ernteerträge sinken, da die Pflanzen trotz Düngung die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen können.

Umweltschäden: Groben Schätzungen zufolge belaufen sich durch Intensivlandwirtschaft entstandene Umweltschäden allein in Deutschland jährlich auf 5,1 Milliarden Euro (Schäden verursacht durch Importe nicht eingerechnet). ▶ [25]

Wasserverbrauch: Der Wasserverbrauch steigt, weil die ausgewaschenen und humusarmen Böden ihre Wasserbindungskapazität verlieren.

Pestizide: Diese reichern sich in der Nahrungskette an, führen zu einer Verarmung von Flora und Fauna und werden ins Grundwasser ausgewaschen. Haus- und Wildtiere sind enormen Beeinflussungen ausgesetzt. Die WHO (World Health Organization) schätzte 1990, dass jährlich 3 Millionen Menschen Pestizidvergiftungen erleiden, die auch lebensbedrohlich werden können. ▶ [26] Pestizide können das Erbgut über Generationen verändern und unter Umständen Krebs begünstigen. Hormonell wirksame Pestizidrückstände, die auch in europäischem Obst und Gemüse belegt sind, können in Zusammenhang gebracht werden mit Fruchtbarkeitsstörungen, genitalen Missbildungen und anderen Störungen (PAN-Studie »Endokrine Wirkung von Pestiziden auf Landarbeiter und auf Beschäftigte in Gewächshauskulturen und Gärtnereien«). ▶ [27] Bienensterben durch Pestizide ist belegt. Wie wollen wir in Zukunft ohne diese und andere Insekten unsere Pflanzen bestäuben?

Monokulturen: Diese sind ein Paradies für Schädlinge, die durch Resistenzentwicklung mit immer stärkeren (und giftigeren) Pestiziden bekämpft werden. Die genetische Vielfalt an Kulturpflanzen geht verloren, und auch allgemein geht die biologische Vielfalt durch Artensterben beängstigend zurück.

Gewässerüberdüngung: Dünge- wie auch sogenannte »Pflanzenschutzmittel« (welch frecher Euphemismus dieses Wort ist!) gelangen in Flüsse, Seen, ins Meer und ins Grundwasser und stellen eine enorme Umweltbelastung dar. So begünstigt die hohe Nährstoffdichte im Wasser das Auswachsen von blaugrünen Algenteppichen, was dazu führt, dass durch den Lichtmangel das brackige Wasser an Sauerstoff verarmt. Dadurch ersticken Wassertiere und Giftstoffe werden freigesetzt. Klärschlamm, der problematische Stoffe aus dem Grundwasser filtert, wird in Kläranlagen gesammelt und kann für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden (geregelt durch die Richtlinie 86/278/EWG). ▶ [28]

Tierdung: Dieser ist nach Kunstdüngern die zweitwichtigste Ursache von Stickstoffeinträgen in landwirtschaftlich genutzte Bodenflächen. Bei der Ausbringung auf die Böden verflüchtigt sich Ammoniak (NH3), eine chemische Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff. Das stechend riechende Gas hat in höheren Konzentrationen eine ätzende Wirkung auf Schleimhäute. In hohen Dosen, wie sie Rinder bei strohloser Stallhaltung im Massenbetrieb aushalten müssen, führt das Reizgas zu Atemnot, Lungenödemen, Lungenentzündungen, Verwirrungszuständen und Sehstörungen, brennenden Schleimhäuten, Reizhusten, Asthma, neurologischen Störungen und vielen anderen Störungen. Wird Wasser mit Gülle oder Düngemitteln verunreinigt, verursacht das entstehende Ammoniak bei Fischen eine Hyperämie mit Blutungen der inneren Organe und erhöhter Schleimproduktion, wodurch sie langsam sterben.

Biologische Landwirtschaft

Die biologische Landwirtschaft in Deutschland unterliegt strengen Gesetzesauflagen. Energieaufwendige, synthetische Mineraldünger und Pestizide werden nicht eingesetzt. Die biologische Bewirtschaftung der Böden bedient sich spezieller Methoden, die zu deutlich weniger Treibhausgasen als der konventionelle Pflanzenanbau führen. Dies sind beispielsweise Gründüngung mit Klee und anderen Leguminosen, Winterbegrünung und pfluglose Bearbeitung der Böden, gezieltes Wissen über die richtige Fruchtfolge, Aufbau von Humus, regelmäßige Brachezeiten, Erhalt der Artenvielfalt, Gewässer- und Landschaftsschutz und vieles andere mehr. Zudem binden biologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen über die Böden und Pflanzen CO2; so enthält Humus zum Beispiel 60 % Kohlenstoff.

Damit sichergestellt ist, dass die Produkte ressourcenschonend und emissionsarm hergestellt, verarbeitet und transportiert werden: Kaufen Sie nach Möglichkeit Produkte, die umweltfreundlich verpackt sind, kurze Transportwege haben und begünstigen Sie biologisch arbeitende Betriebe vor Ort.

Honorieren Sie hochwertiges Essen

Hochwertige Nahrungsmittel sind im buchstäblichen Sinne kostbar und dürfen deshalb auch Geld kosten! Viele Menschen unserer Wohlstandsgesellschaft knausern beim Thema Essen, leisten sich aber hochpreisige Freizeitvergnügungen und Konsumgüter. So etwas Grundlegendes wie Essen darf in unserem Ausgabenplan auch einen angemessenen Stellenwert einnehmen. Leisten Sie es sich, sich gut zu ernähren.

Stellen Sie sicher, dass Sie nur von Erzeugern kaufen, die ihre Mitarbeiter angemessen entlohnen. Vermeiden Sie Billigprodukte von Großproduzenten (die am Ende den Steuerzahler und auch dem Gesundheitssystem wieder sehr teuer kommen). Unterstützen Sie kleine Betriebe, die hochwertig produzieren. Rücken Sie das Thema Ernährung wieder an den Platz, der ihm gebührt: ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste!

Menschen, die achtsam Nahrungsmittel produzieren, haben unsere Wertschätzung verdient. Um gerechte Preise für kleine Bauern und Erzeuger aus Drittweltländern für Importprodukte (exotische Früchte, Bananen, Kaffee, Kakao, Tee, Reis etc.) zu stützen: Bevorzugen Sie wenn möglich Fair-Trade-Waren. Nur so ermöglichen Sie ein Überleben dieser Betriebe. Unsere Nahrungsmittel verbinden uns mit all den Menschen, die durch ihre harte und liebevolle Arbeit unsere Teller füllen.

Essen Sie achtsam

Zelebrieren Sie Essen ganz bewusst. Essen Sie abwechslungsreich, bereiten Sie Ihre Speisen frisch und schonend und vor allem mit Liebe zu. Besorgen Sie sich schöne Kochbücher, die wirklich Lust machen, und fangen Sie, zusammen mit Ihren Lieben, gemeinsam zu kochen an.