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Nach der Euphorie an den Geldmärkten und der Gründungswelle im letzten Jahr sind viele Menschen heute nicht nur finanziell geprellt, sondern auch emotional verwundet. Nicht nur wurden die Versprechen von Wohlstand für alle nicht gehalten – nein, viele Menschen haben auch festgestellt, dass dieser Wohlstand, dieser Fokus auf dem Mehr, auf Arbeit, Geld und Erfolg sie am Ende doch nicht glücklich macht. Man spricht schon von einer neuen Mütterlichkeit, der Bewegung zurück zur Familie, zur Zweisamkeit, zu dem, was wirklich wichtig ist.
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Seitenzahl: 205
Veröffentlichungsjahr: 2013
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Für Fragen und Anregungen:
Nachdruck 2013
© 2002 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
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D-80636 München
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Umschlaggestaltung: Atelier Seidel, Altötting
Satz: J. Echter, mi
Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN Print 978-3-86882-309-7
ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-362-4
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-829-2
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Vorwort
Teil 1 Glück komm raus. Du bist umzingelt
1 Die Antwort ist „Ja“. Was war die Frage?
2 Glück kann jeder spüren. Aber es gibt keine Glücksgarantie
3 Lächeln Sie das Glück herbei
4 Jeder Mensch ist Psychologe. Was raten Sie gegen schlechte Stimmung?
5 Woher bekommen wir die guten Gefühle?
6 Glück ist egoistisch. Aber an sich selbst denken ist nicht einfach
7 Lotto, Horoskope, Glücksbringer: Wir sollten immer an das Glück denken
8 Ist Glück das Paradies auf Erden? Wie war das eigentlich im Paradies?
Teil 2 Glückserfahrungen im Alltag
9 Glück bei „la mama“. Die Menschen, die einfach nicht krank wurden
10 Glück durch Selbstständigkeit. Eine Frau nimmt ihr Leben in die Hand
11 Glück ist ein Körpergefühl und keine Kopfgeburt
Teil 3 Wissenschaftlich erforschte Bausteine für mehr Glück
12 „Erleuchtung“ im Licht einer 40-Watt-Birne
13 Was ist eigentlich Glück?
14 Glück als persönliches Wohlbefinden
15 Der Mensch ist auf Glück programmiert
16 Das Bild vom Glück bekommt Konturen
17 Täglich etwas fürs Glück tun. So geht es
18 Was wissen wir jetzt über das Glück?
Teil 4 Glück finden heißt zunächst einmal: Glück empfinden
19 Das Glück verteidigen gegen die Glück-Produzenten
20 Unsere Fähigkeit, Glück zu empfinden
21 Unsere Fähigkeit, uns unglücklich zu machen
Teil 5 Das schnelle oder das dauerhafte Glück?
22 Jeder kann für 15 Minuten glücklich werden
23 Ein TEST: Wie lebe ich glücklich?
Teil 6 Die glückliche Art zu leben
24 Welche Erfahrungen machen uns glücklich?
25 Die BIG FIVE eines glücklichen Lebens
26 Lebenspläne und Glück
27 Der reife Mensch sagt „Ja“ zu sich selbst
28 Leitbilder für eine Wende zum Glück
Literaturverzeichnis
„Alle Menschen suchen Glück“, sagt man. Dies Buch zeigt, wie man Glück nicht nur sucht, sondern findet. Glücklich leben – wie macht man das eigentlich? Diese Frage wird beantwortet. Es geht um
• gute Stimmung
• positive Gefühle
• nützliche Gedanken
• lohnende Ziele
• Körperglück
• Lustprinzip
• glückliches Lachen
• Lotto, Horoskope, Glücksbringer
• in Harmonie mit sich selbst leben und mit den Menschen, die uns etwas bedeuten
• Glückserfahrungen im Alltag
• warum Fitness und Wellness nicht wirklich glücklich machen
• tagtägliche Entscheidungen für oder gegen Glück
• Geld und Glück
• Glück in der Partnerschaft
• einen Glückstest
• das „schnelle“ und das dauerhafte Glück
• sich wohl fühlen im Leben – gleich, was es uns bringt und von uns fordert
Dies Buch geht vom Einfachsten und Naheliegendsten aus. Und es stützt sich auf das Einfachste, das Naheliegendste: auf neue Forschungsergebnisse – einige aus unserem, dem dritten Jahrtausend: Fakten über das Glück. Sachdienliche Hinweise. Nachprüfbar. Nachlebbar. Und nach einigen, hoffentlich glücklichen, Lesestunden, werden Sie wissen:
• Aha, so geht das also, das glückliche Leben.
• Da kann ich etwas tun – für mich und für Menschen, die mir nahe stehen: Lebenspartner, Kinder und noch einige Menschen, die mir im Leben etwas bedeuten.
• Dies und jenes kann ich genauso gut lassen, denn es macht mich nicht glücklicher als ich schon bin.
• Ich habe eigentlich immer gewusst, was Glück ist.
• Aber ich habe vielleicht zu selten daran gedacht.
Öfter an das Glück denken, Platz dafür schaffen unter den Wichtigkeiten und Nichtigkeiten des Tages – das ist gemeint mit dem Titel des Buches: Verführung zum Glück.
Was Glück ist, muss jeder selbst für sich finden. Wissen über das glückliche Leben wird dabei helfen. Zum Glück aber kann man niemand zwingen – nur verleiten, verführen.
Glück ist schwer zu definieren, aber man kann „mit dem Finger darauf hinweisen, es ist nicht nur zu fühlen, sondern auch zu sehen und zu hören. Es erscheint in den Augen eines Menschen, in seiner Stimme, an der Nasenspitze, um den Mund herum, in der Haltung“, sagt Ludwig Marcuse.
Dies „Nasenspitzen-Glück“ ist unser Thema. Andere Menschen strahlen es aus, wir können die(s) Strahlen empfangen und ebenfalls strahlen. Denn Glück ist ansteckend – eine ansteckende Gesundheit.
Es geht also um das ganz persönliche Glück, das eigene und das der Menschen, die uns nahe stehen. Wenn diese Menschen glücklich leben – Sie selbst, Ihr Lebenspartner, Ihre Kinder und noch einige Menschen, die Ihnen im Leben wichtig sind –, ist das Menschenmögliche erreicht.
Fangen wir also beim Naheliegendsten an – dem leider Allerschwersten: beim eigenen, beim ganz persönlichen Glück. Dazu aber müssen wir zu allererst uns selbst verführen.
Freude beim Lesen wünsche ich Ihnen.
Siegfried BrockertMünchen, den 1.1.2002
Teil 1
Glück komm raus. Du bist umzingelt.
Erste Frage in einem Interview mit der Hamburger Journalistin Brigitte Eilert-Overbeck:
„Vor etwa 20 Jahren ist eine ,Anleitung zum Un-Glücklichsein‘ erschienen. Kann es so etwa wie eine ,Anleitung zum Glücklichsein‘ geben?“
Erste Antwort:
„Ja und nein.“
Nein, weil Glück kein IKEA-Schrank ist, den jeder zusammenbauen kann, der sich an die Bauanleitung hält. Und dann sieht jeder Schrank so aus wie jeder andere.
Ebenfalls nein, weil wir bis vor kurzem zu wenig darüber gewusst haben, wie man das macht – glücklich leben.
Inzwischen ist die Menschheit vielleicht nicht klüger geworden, aber wissender. Es gibt eine neue wissenschaftliche Forschungsrichtung, die Positive Psychologie. Sie hat viel Wissen über das glückliche Leben, das sich zu leben lohnt, zusammengetragen. Das sind Mosaiksteine. Und daraus kann sich jeder Mensch sein Bild vom Glück zusammensetzen.
Die Antwort ist also: Ja.
Aber Glück ist keine Standardware. Glück ist etwas Persönliches. Jeder Mensch kann, jeder Mensch muss deshalb auch sein eigenes Glück schmieden.
Eine Anleitung kann helfen, den Schmiedehammer richtig zu halten und die richtigen Eisen ins Feuer zu legen.
Die Arbeit ist dann gar nicht so schwer. Sie macht mehr Spaß als Mühe. Denn jeder Mensch sucht Glück. Jeder Mensch hat angefangen, das Glück zu schmieden.
Schwerer ist es, einen Menschen zu überreden, durchzuhalten. Und am schwersten ist, sich selbst davon zu überzeugen, dass ein glückliches Leben, das sich zu leben lohnt, möglich ist. Das Beste ist: eine Verführung zum Glücklichsein.
Schön wär’s. Eigentlich müsste es das Paradies auf Erden geben. Wünschenswert wäre, dass jeder Mensch an jedem Ort zu jedem Zeitpunkt glücklich ist. Und wir selbst natürlich auch. Sowieso!
Aber so ist es nicht.
Und warum das nicht so ist, erklärt eine kleine Legende über das Leben. Sie beginnt mit der Frage:
Warum kommen alle Babys mit einer eingedrückten Nase auf die Welt?
Die Antwort:
Bevor wir auf die Welt kommen, haben wir im Paradies gelebt. Ein Engel bringt uns von dort herunter.
Und damit wir unser Leben lang nicht immer nur mit Heimweh im Herzen an das Paradies denken, sondern das Beste aus dem Leben auf der Erde machen, bekommt jedes Baby von dem Engel einen kräftigen Boxhieb auf die Nase, der alle Gedanken und Erinnerungen an das Paradies vertreibt.
Deshalb also kommen alle Babys mit einer eingedrückten Nase auf die Welt. Und die Geschichte lehrt uns sechs wichtige Dinge über das glückliche Leben:
1. Das Paradies auf Erden gibt es nicht. Für Glück gibt es keine Garantie.
2. Aber es gibt eine Vision vom Glück. Und die steckt in jedem Menschen. Sie ist angeboren und leitet unser ganzes Leben und Streben.
3. Nicht jeder Mensch wird an jedem Ort zu jedem Zeitpunkt glücklich. Und wir selbst auch nicht.
4. Engel sind gute Boxer. Der Faustschlag auf die Nase des Babys, wenn es auf die Welt kommt, ist kein K.o.-Schlag. Unsere Sinne sind wach. Schon Babys haben große Augen. Unsere Gefühle, unser Verstand werden wach.
5. Wir müssen, aber wir können auch etwas für unser Glück tun. Und da hilft sogar die Nase. Verhaltensforscher sprechen beim Gesicht eines Babys vom „Kindchen-Schema“. Dies Gesicht – süßes Näschen, große Augen – erweckt spontan Glücksgefühle in anderen Menschen. Glücksgefühle aktivieren Pflege-Instinkte. Und das heißt:
6. Selbst ein hilfloses neugeborenes Kind kann schon viel für das eigene Glück tun. Ausreichend viel für die jetzt bestehenden Ansprüche. Denn viel Glück wird uns von anderen Menschen geschenkt.
Wenn wir sie dazu verführen.
Dieser Rat ist ernst gemeint. Er ist sogar wissenschaftlich abgesichert.
Studien an mehreren amerikanischen Universitäten darüber, was Menschen am anderen Geschlecht schön finden, haben das Übliche ergeben: Größe, Gewicht, so genannte Idealmaße. Aber ein freundliches Gesicht kann dies alles – fast alles – außer Kraft setzen.
Menschen reagieren auf ein freundliches Gesicht so positiv wie Eltern auf das Gesicht ihres Kindes: mit Zuwendung und als Glücksbringer.
Und Sie?
Machen Sie ein kleines Experiment – jetzt zum Beispiel: Schauen Sie einmal kurz in den Spiegel, zeigen Sie sich selbst ein freundliches Gesicht, lächeln Sie sich an. Was spüren Sie in Ihrem Herzen? Etwas mehr Glück? Wenn Sie jetzt darüber nachdenken, ob das geht oder nicht, werden Sie die Antwort nicht finden. Aber wenn Sie es bei Gelegenheit ausprobieren …
Hier wirkt ein psychologisches Grundgesetz, das wir alle kennen – aber wir denken zu selten daran. Überlegen Sie einmal, was der Körper macht, wenn der Mensch glücklich ist. Dann lächeln wir, wir lachen, wir möchten uns bewegen, wie ein glückliches Kind möchten wir laufen, springen, tanzen.
So kann man Glücksgefühle regelrecht produzieren, sogar, wenn einem gerade gar nicht nach Fröhlichsein zumute ist.
Jemanden zum Glück verführen ist nicht leicht
Wo liegt der Grund dafür, dass fröhliche Gefühle entstehen? Gefühle und Stimmungen bilden sich tief im Körper, ziehen dann das Denken und Verhalten nach sich. Ein rascher Weg zu etwas glücklicheren Gefühlen führt also über den Körper. Er führt über die Mimik und Gestik und über die Bewegungen, die wir machen, wenn wir glücklich sind.
Und wenn wir den Körper dazu bringen, das zu tun, was er macht, wenn wir glücklich sind, schiebt er die glücklichen Gefühle an – sogar bei Menschen, die sich gerade etwas weniger glücklich fühlen.
Sie können jetzt wieder darüber nachdenken, ob das funktioniert. Sie werden vielleicht sagen: „So’n Quatsch.“
Und was beweist das?
Dies war ein kleiner Versuch, Sie zu einem kleinen bisschen Glück zu verführen. Hat der Versuch geklappt? Sind Sie eben aufgestanden? Sind Sie vor zwei Minuten zum Spiegel gegangen und haben sich selbst freundlich angelächelt? Vermutlich nicht.
Und was beweist das?
Eines ganz sicher: Jemand auch nur zu einem kleinen bisschen Glück zu verführen kann verdammt schwer sein. Das Denken stemmt sich oft dagegen.
Aber keine Sorge, wenn Sie selbst einmal einen anderen Menschen zu etwas glücklicheren Gefühlen verführen möchten. Denn Sie wissen jetzt, wie es nur schwer oder oft gar nicht geht, nämlich so wie gerade eben mit Worten und Argumenten. Wählen Sie statt dessen den Weg über den Körper. Bringen Sie den Körper in Schwung, in Stimmung. Wie? Auch das haben Sie eben gelesen:
Verführen Sie den Menschen zum Lächeln, zum Lachen, dazu sich zu bewegen und sogar zu laufen, zu springen, zu tanzen – wie ein glückliches Kind …
Der Kopf ist klüger als der Bauch. Legen Sie sich deshalb mit dem Schlaumeier, dem Kopf, nicht an. Wählen Sie den einfacheren Weg, den über den Körper.
Und wenn wir den Körper „auf unserer Seite haben“, kriegt man den Geist schon herum. Denn der Klügere gibt nach …
Mit den Gefühlen spielen – den eigenen
Gefühle – positive wie negative – erscheinen uns oft wie Urgewalten. Sie kommen über uns, glauben wir, wir empfinden sie als stark und uns als Opfer. In gewisser Weise können wir sie kontrollieren – unterdrücken ist damit dann meist gemeint.
Aber wie in unserem Beispiel (sich im Spiegel selbst anlächeln) schon gezeigt: In Wirklichkeit können wir mit unseren Gefühlen spielen. „Spielen“ heißt nicht, sich selbst und anderen etwas vormachen, sondern eine Sache um ihrer selbst willen tun und es und sich selbst dabei genießen.
Gute Schauspieler können das. Sie werden von uns vermutlich deshalb so verehrt, weil sie Gefühle so zum Ausdruck bringen können, dass wir „mitschwingen“ und uns so in ihre Kunst dermaßen einfühlen können, dass wir mitgerissen sind, selbstvergessen, dass wir die dargestellten Emotionen und Gefühle empfinden, wie unsere eigenen.
Natürlich sind die Gefühle gespielt.
Ein Studio-Boss aus Hollywood, J. B. Mayer (das zweite „M“ in MGM, in Metro-Goldwyn-Mayer) hat dies einmal in einer nur auf den ersten Blick zynisch erscheinenden Weise auf den Punkt gebracht: „Das Wichtigste, was ein Schauspieler braucht, ist Ehrlichkeit. Wenn er (oder sie – so viel Zeit muss sein) das darstellen kann, hat er (sie) es geschafft.“
Aus der Sicht der großen Schauspiellehrer wie Stanislawski aber war dieses Wort sicher nicht zynisch. Viele seiner Übungen für Schauspielschüler bestanden aus – scheinbar – sinnlosen Aufgaben wie: „Welches Gefühl hat Schnee, hat Regen?“
Schauspieler berichten, dass sie sich vor jeder neuen Szene zurückziehen, sich völlig neu konzentrieren. Das ist gerade dann wichtig, wenn die ehrlich darzustellenden Gefühle ständig wechseln, Filme werden ja nicht hintereinanderweg gedreht, wie wir sie dann im Kino oder auf dem Bildschirm sehen, sondern meist jede Szene für sich – unabhängig davon, wann sie in der fertigen Fassung gezeigt wird.
Wir müssen Unglücksgefühle nicht wie ein Opferlamm hinnehmen
Meist geht es darum, alles abzudrehen, was an einer bestimmten Location spielt. Und ein Schauspieler, der gerade den verliebten Romeo gegeben hat, muss vielleicht ein paar Minuten später den eifersüchtigen Othello darstellen. Das gelingt nur, wenn die Gefühlspalette neu „eingestellt“ wird.
Wie gut manche Künstler dabei sind, schildert der bekannte Neurophysiologe Prof. Antonio Damasio (Ich fühle, also bin ich) am Beispiel seiner Landsmännin, der portugiesischen Pianistin Maria João Pires.
Sie hatte behauptet, sie könne beim Klavierspielen die Emotionen, die sie dabei selbst empfindet, nach Belieben steigern oder verringern. Emotionen weniger oder mehr spüren, ist eine Frage der Quantität – und Quantität ist messbar.
Gemessen wird mit dem „Lügendetektor“, der bekanntlich eine Apparatur ist, die körperliche Begleiterscheinungen von Erregung misst: Herzschlag, Blutdruck, Schweißproduktion usw., und Maria João Pires hat den an ihr durchgeführten Test mehrfach bestanden. Wie ein guter Schauspieler hat sie ihre Gefühle im Griff. Körperlich messbar.
Auch wir können dies. Wir können mit unseren Gefühlen spielen – zu unserem eigenen Glück. Über den Körper können wir gute Gefühle „anschieben“, das heißt: Wir müssen nicht auf Dauer in unglücklichen Gefühlen „baden“.
Es ist wirklich so (und es wird durch Untersuchungen bestätigt, die man eigentlich gar nicht braucht, weil die persönliche Erfahrung dies bereits zeigt):
99 Prozent – und vermutlich mehr – aller seelischen Hilfe wird nicht von Psychologen und Psychotherapeuten gegeben, sondern von Mensch zu Mensch. In diesem Sinn ist jeder Mensch Psychologe. Der wirkliche Experte für den Menschen ist der Mensch selbst. Fachleute können dann aufgrund von Forschungen noch einen Zusatznutzen schaffen, wie es hier in diesem Buch versucht wird.
Auch gute Menschen haben manchmal schlechte Laune
Die Regel gilt. Sie sind Psychologe. Und sicher werden Sie auch oft in dieser Rolle gefordert, zum Beispiel dann, wenn es sich um alltägliche – dafür leider aber sehr häufige – Dinge handelt, wegen der sowieso kein Mensch „zum Psycho“ gehen würde.
Die wohl häufigste Art des Unglücklichseins sind negative Stimmungen. Es ist leider so: Auch gute Menschen haben manchmal schlechte Laune.
Wie können Sie negative Stimmungen vertreiben? Es geht. Gegen schlechte Laune gibt es nämlich zwei gute „seelische Naturheilmethoden“.
Manchmal können wir schlechte Laune sogar ein bisschen genießen. Dann rollen wir uns zusammen wie der Hund oder die Katze, wenn die Welt für sie nicht in Ordnung ist. Wir kriechen richtig in uns rein, und irgendwann ist der Anfall vorüber. An einem verregneten Wochenende einfach im Bett bleiben, essen, dösen, lesen. Wunderbar.
Aber wenn wir völlig schlecht beieinander sind, geht nicht einmal das. Dann nervt uns nicht nur die Fliege an der Wand, sondern sogar die Tatsache, dass wir selbst genervt sind.
Wo kommen die negativen Stimmungen her?
Sie haben die Antwort gerade gelesen: Sie liegt in den drei Worten „schlecht beieinander sein“.
Was wir dann tun können? Auch das haben Sie gerade schon gelesen, diesmal vier Worte: „richtig in uns reinkriechen.“
Das ist eine seelische Naturheilmethode. Sie wirkt ohne Arzt, Therapeuten und Apotheker. Und sie wirkt nicht nur, wenn wir ein langes Wellness-Wochenende Zeit dafür haben. Es geht in wenigen Minuten. Warum und wie – das hat die moderne Bewusstseinsforschung herausgefunden.
Wir wissen heute sehr viel mehr über Gefühle, Stimmungen, negatives Denken, Stresshormone und Glückshormönchen als noch vor ein paar Jahren. Und wenn man tausend Seiten wissenschaftlicher Texte mit Theorien und chemischen Formeln in einem Satz zusammenfasst, wird klar, was „schlecht beieinander sein“ heißt:
Negative Grundstimmungen kommen daher, dass Kopf und Körper nicht in Harmonie miteinander sind, sondern gegeneinander arbeiten.
Übel gelaunt. Wissen Sie warum?
Zwei Ursachen für eine schlechte Grundstimmung gibt es. Die müssen wir kennen und genau voneinander unterscheiden. Denn für jede gibt es eine eigene seelische Naturheilmethode.
Fall 1: Wir sind körperlich aufgedreht. Aber im Kopf herrscht die Bettschwere. Dieser Zustand heißt Nervosität.
Der Körper läuft volle Kraft voraus, aber er läuft auch wie eine Flipperkugel hin und her, volle Kraft zur Seite und volle Kraft zurück. Wir rasen herum, ein Schluck Kaffee im Stehen, wir suchen die Zeitung, die wir gerade noch in der Hand hatten, und im Bad müssen wir einen Moment überlegen, warum wir eigentlich Zahnpasta auf die Zahnbürste getan haben.
Oder anders herum, Fall 2: Der Kopf ist wach und aktiv, die Gedanken rasen wie wild, wie die Flipperkugeln, hierhin und dorthin. Aber der Körper hat seine Betriebstemperatur noch nicht erreicht.
Typisches Beispiel: Wir stehen morgens auf, die Glieder sind noch bleischwer, wir tappern herum, aber im Kopf sind wir schon irgendwo in der Welt, bei der Arbeit, bei anderen Menschen, wir proben schon die wichtigen Telefongespräche durch, machen Einkaufslisten, Arbeitspläne, Tagespläne.
In beiden Fällen sind wir „nicht ganz bei uns“ – das sind vier kurze Worte, die erklären, woher schlechte Laune kommt. Und wenn sie da ist und uns dann noch ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegenträllert, oder ein „beeil’ dich, in 15 Minuten fährt die Bahn“, dann platzt uns der Kragen, auch wenn wir Hemd oder Bluse noch gar nicht anhaben.
Was also tun gegen schlechte Feelings?
Kurz gesagt: Wir müssen uns erst einmal wieder richtig einkriegen. Wir müssen zu uns kommen, „bei uns selbst ankommen“. Die Harmonie zwischen Kopf und Körper muss wieder hergestellt werden. Dann vergeht die schlechte Laune.
Die Voraussetzung für gute Stimmung ist also eine Balance von Kopf und Körper. Manchmal hilft Kaffee – aber Vorsicht, wenn der Körper zu hoch dreht, macht Kaffee uns noch nervöser. Ein leider wirksames Mittel für Raucher ist dann, eine Zigarette rauchen. Das regt an und beruhigt zugleich. Deshalb ist es so schwer, vom Tabak loszukommen, wenn es im Leben zu viel „starken Tobak“ gibt.
Die gesunde Methode für gute Stimmung aber wirkt genauso schnell, wie das Rauchen einer Zigarette dauert. Sie folgt der einfachen Regel: „Der Langsamste bestimmt das Tempo.“ Kopf oder Körper. Je nach dem, wer „eingebremst“ werden muss.
Fall 1: Was hilft gegen Nervosität?
Wenn der Körper aufgedreht ist, aber Sinne und Verstand noch nicht auf Touren gekommen sind, führt jeder Druck von innen oder von außen nur zu Stress. Stress aktiviert zwar den Kopf, aber der Körper reagiert dann noch hektischer, und wir werden wie bei zu viel Kaffee noch nervöser.
Gesünder und besser hilft jetzt alles, was Sie über Wellness wissen, um erst einmal den Körper einzubremsen:
• ganz langsam vorgehen
• still hinsetzen
• noch einmal hinlegen
• ein warmes Bad nehmen
• ausgiebig duschen
• Zeitung lesen …
Kurz gesagt: In bessere Stimmung bringt uns jetzt alles, was dem Körper die Ruhe gibt, die im Kopf noch herrscht. In schwereren Fällen helfen Entspannungsübungen, um die Hektik aus dem Körper wieder herauszubekommen. Eine einfache Übung wird am Ende dieses Kapitels beschrieben.
Fall 2: Und umgekehrt? Wenn die Gedanken rasen?
Wenn der Körper nicht mitkommt, weil er die entsprechende Betriebstemperatur noch nicht erreicht hat, müssen die Gedanken eingebremst werden. Wieder also bestimmt der Langsamste das Tempo – in diesem Fall der Körper.
Gegen das Gedanken-Rasen hilft alles, was Sie je über Meditation gehört oder gelesen haben. Und auch, wenn Sie noch nie meditiert haben, können Sie eine Mini-Meditation anweden (siehe Kasten auf S. 29).
Sogar für schwere Fälle, wenn wir grübeln und grübeln und die negativen Gedanken uns einfach nicht verlassen wollen, gibt es eine einfache seelische Naturheilmethode. Sie heißt: Gedanken-Stopp (siehe S. 31).
Wir müssen also kein Opfer schlechter Launen und Stimmungen sein. Dafür, dass sie uns überfallen, können wir meist nichts. Aber wir können etwas dagegen tun. Mit gesunden Hausmitteln für die Seele können wir uns die Ruhe geben, die wir für eine gute Stimmung brauchen.
Hundert Gründe uns zu ärgern – oder auch nicht
Ich habe einmal einen normalen Arbeitsalltag lang mit einem Zettel gelebt. Jedes Mal, wenn es einen Grund gab, mich zu ärgern, habe ich einfach nur einen Strich gemacht. Am Abend waren an die hundert Striche auf dem Zettel: ein Falschparker, fünf Autofahrer – sämtlich Hornochsen–, vielleicht zehn unachtsame Leute in der S-Bahn und auf der Straße, ein paar unfreundliche Kollegen, viele dämliche Anrufe – und dann noch die kleinen Nickeligkeiten in der Partnerschaft.
Meine Frau! Ich könnte Ihnen da Dinge erzählen! Sie kocht gerne, viele Töpfe, viel Gerät. Jeden Abend. Und sie spült große Sachen unter laufendem Wasser ab, heiß und ein Spritzer Spülmittel bei jedem neuen Arbeitsgang.
Das ist unökologisch! Ich warne vor der Klimakatastrophe. Muss ich doch!
Für jeden Spritzer aus der Spülmittelflasche habe ich einen extra dicken Strich auf meiner Ärger-Checkliste gemacht.
Zahnpastatuben quetscht sie nie bis zum Ende aus. Das ist unökonomisch! Und die abgebrannten Streichhölzer tut sie wieder in die Schachtel, nicht einmal verkehrt herum. An jenem Hundert-Striche-Tag habe ich gleich zwei abgebrannte gefunden.
Zwei Striche habe ich gemacht. Und zwei extra. Für ihre Bosheit! Denn seit sie weiß, dass mich das ärgert, macht sie es extra. Wenn ich mir nicht ein Feuerzeug gekauft hätte, hätten wir inzwischen zu Hause bestimmt den Klimakollaps.
Eine müde Mark hat das Feuerzeug gekostet. Kleine Dinge können Großes bewirken.
Mensch ärgere dich und andere nicht
Unglück abzustellen, bevor es uns erreicht, heißt: Ärger abzustellen. Wenn wir das schaffen, ist das wie ein seelischer Lottogewinn. Negative Gefühle machen aus uns negative Menschen. Positive Gefühle machen aus uns positive Menschen. Und wie viel Saft und Kraft verlieren wir jeden Tag dadurch, dass wir an negativer „Seelennahrung“ würgen.
Niemand ist schlechten Stimmungen hilflos ausgeliefert
Eine einfache Entspannungsübung gegen Nervosität als Stimmungsbremse
Die Übung ist seit Jahrzehnten bekannt, wissenschaftlich abgesichert und im Alltag Millionen Mal getestet. Sie heißt „progressive Relaxation“, auf Normal-Deutsch: fortschreitende Entspannung.
So geht es: Setzen Sie alle hektische Körperenergie in Muskelkraft um. Einfacher gesagt:
• Machen Sie mit aller Kraft eine Faust oder spannen Sie irgendeine andere Muskelgruppe so fest an wie Sie können: im Sitzen die Brust- und Bauchmuskeln, im Stehen die Muskeln der Beine, oder die Gesichtsmuskeln – schneiden Sie also Grimassen. Die Faust können Sie auch in der Tasche ballen. Das ist der gute Tipp für unterwegs, wenn andere Menschen uns beobachten können. (Wenn wir Grimassen schneiden, sehen wir ja so aus, als ob wir im Kopf nicht ganz klar sind. Und wenn wir die Körpermuskeln anspannen, kann es passieren, dass jemand fragt, ob wir eine Toilette suchen.)
• Dann lassen Sie einfach locker. Die Muskeln entspannen von selbst, und jetzt müssen Sie mit Intuition und Gefühl so tun, als ob die entspannende Wirkung immer weiter fort schreitet.
Die gute Folge ist: Die hektische Körper-Energie hat in weniger als einer Minute bekommen, was sie gebraucht hat: Energieabfuhr. Nervosität fällt dann von uns ab, der Kopf wird klarer, der Teufel ist erst einmal vertrieben, und seinen Platz können harmonische Gefühle einnehmen.
Eine Mini-Meditation für bessere Stimmung
Ein wichtiger Grund für negative Stimmung ist „Gedanken-Rasen“.
So können Sie den Kopf beruhigen, damit bessere Stimmungen Platz bekommen:
• Die Augen schließen (damit der Geist über unser wichtigstes Sinnesorgan, das Auge, nicht noch mehr Denk- und Grübel-Futter bekommt).
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