Vergib, lass los und lebe - Helga Aberle - E-Book

Vergib, lass los und lebe E-Book

Helga Aberle

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Beschreibung

Autobiographisch dicht, spannend und emotional mitreißend enthüllt die Autorin einen Abschnitt ihres Lebens als Patientin zwischen Aussichtlosigkeit und kaum noch erwartetem Happy End. Obwohl sie immer wieder im Krankenhaus ist, erschließen sich den behandelnden Ärzten über vier qualvolle Monate hinweg weder die Krankheit der jungen Ehefrau und Mutter noch die Tragweite der Krankheitssymptome. Die Klagen der Patientin werden in bestürzender Ungerührtheit abgetan. Empfindlich, sensibel, zart besaitet – Bewertungen wie diese durchziehen die Behandlung, ehe das Leiden einen Namen bekommt: Spondylodiszitis. Bakterien, gestreut von einer chronischen Niereninfektion, siedelten sich in der Halswirbelsäule an und lösten im Laufe der Monate Bandscheibe und Wirbelkörper auf. Eine Querschnittslähmung als Tretraplegie droht. Die vage Aussicht auf Rettung liegt im dauerhaften Anlegen eines Stützapparats, der am Kopf angeschraubt und bis zu den Hüften fixiert wird. Es folgen schlimme Jahre, in denen die Patientin im Käfig dieses Stützapparats um einen Rest Lebensnormalität ringt, aber sich dennoch restlos verliert. Das Auseinandersetzen mit Behinderung und den allgenwärtigen Schmerzen rauben ihr nach und nach jeglichen Lebensmut. Ihr Dasein erscheint ihr wie ein Buch, das irgendwann zugeschlagen wurde und für lange Zeit findet sie die Seite zum Weiterlesen nicht mehr. Sie führt ein Leben im Rückspiegel, aus dem es kein Zurück ins alte Leben mehr gibt und der Weg in ein neues verstellt ist. Die "Warum-Ich"-Frage zermürbt in Endlosschleifen, bis sich daraus erstmals die Frage nach dem "Wozu" ergibt. In ihr liegt Rettung. In kleinen Schritten, doch unaufhörlich, erobert sich die Patientin nicht nur einen Großteil ihrer Gesundheit, sondern den Sinn ihres Lebens zurück. Schreiben hilft dabei. Das Buch zeigt, dass Leid nicht zwangsläufig verarmen lässt, sondern zuweilen Gewinn sein kann. Ein Buch, das Mut macht.

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Seitenzahl: 727

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Helga Aberle

Vergib, lass los und lebe

Eine autobiographische Erzählung

Copyright: © 2021 Helga Aberle

Umschlag & Satz: Erik Kinting – www.buchlektorat.net

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

978-3-347-37400-3 (Paperback)

978-3-347-37401-0 (Hardcover)

978-3-347-37402-7 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Gewidmet meinen Kindern

Thomas, Iris und Sabine,

sowie meinen Enkelkindern

Laura, Gil, Luca, Ben, Paul, Lin und Carl

Inhaltsverzeichnis

Dennoch

So sprach Er

Prolog

Vorwort

Man setzte an

Donnerstag, 21. August 1986

Nur eine Seifenblase

Oktober – Dezember 1984

24. Dezember 1984 – ein Mittwoch und Heiliger Abend.

Beraubt

Donnerstag, 21.August 1986

Freudlos

Mein Untergang

Verlorene Leichtigkeit

Doppelte Konturen

26. November

2. Dezember 1986

Fertiggemacht

Unfähig ehrlich zu sein?

Hoffend

Reden möchte ich

24. Dezember 1986 – Heiliger Abend.

Weißt du…

Die Augen ausdruckslos

Betrogen

Die Farben des Schmerzes

Damals

Sehnsucht

Angst

Schmerzende Stille

Einsam

Der Himmel trug Trauer

Ein Leben als Trümmerhalde

Lernen…

Die höchste Autorität

Unverständlich

Immer wieder…

Alles verschenkt

Warten, kein warten mehr

Vier Jahrzehnte

Wo pack ich’s hin?

Verzeih

Blind geworden

Nur ein welkes Blatt

Licht am Horizont

Warum?

Wechselspiel des Seins

Mein Ich

Verspätete Wahrheit

Was du dir wünschst

Du

Aufatmen

Mein Leben

Ich stehe wieder oben

Anhang

Ich bin

In memoriam

Dank

Im Käfig des Stützapparates

Dennoch

Der 21. August 1986 war ein prächtiger Sommertag

und er begann wie alle anderen Tage.

Mit keinem Gedanken dachte ich daran, dass an diesem Tag

die Weichen für die nächsten Wochen und Monate, nein, für

den Rest meines Lebens, gestellt wurden.

Dieser Tag war für mich wie das Tor in ein ganz finsteres Tal.

Und ich schritt durch dieses Tor.

Schmerzen, Angst und eine grenzenlose Verzweiflung sollten

mir auf dem Weg durch dieses Tal begegnen.

Und heute, was bedeutet dieser Tag für mich heute?

Er war die Chance meines Lebens!

Doch diese Erkenntnis kam mir nicht von heute auf morgen.

Es war ein langer, überaus schmerzlicher Weg bis zu diesem

„Dennoch“.

Kein Engel an meiner Seite,

das dachte ich einst –

heute weiß ich,

sie waren da, jede Menge …

So sprach Er

Und so sprach er zu mir:

Komm an den Rand des Abgrunds.

Ich sagte: Ich kann nicht,

ich fürchte mich so sehr.

Komm an den Rand des Abgrunds;

ich kann nicht,

ganz sicher werde ich abstürzen.

Komm an den Rand des Abgrunds;

ich kann nicht,

bestimmt werde ich sterben.

Komm an den Rand des Abgrunds.

Und ich ging resigniert.

Und ich stand

am Rand des Abgrunds.

Und ich sah

in den Schlund der Hölle.

Und er stieß mich

Und siehe da

Ich hatte Flügel

Prolog

Und wieder ist es ein Donnerstag. Zwar nicht im August wie einst, sondern diesmal ist es ein Tag im März, aber das hatte nicht viel zu sagen; dem Grauen, das sich anschickte sich zu manifestieren, sich zu wiederholen, war es ohnehin egal. Und dem Augenblick, der innerhalb weniger Sekunden, genauso wie damals, alles veränderte, wohl auch.

Ich bin in der Küche, die letzten Handgriffe noch – dann Entspannung. Der langersehnte Feierabend liegt vor mir, als im Flur das Telefon läutet. Kurz erwäge ich in Gedanken, es einfach klingeln zu lassen. Der Anrufbeantworter würde sich ja automatisch einschalten und so könnte man mir ohne weiteres eine Nachricht hinterlassen.

Bereits seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen behaftet, hatte ich auch heute schon einiges an Schmerzen ausgehalten. Ruhe und Entspannung sehnte ich herbei und freute mich auf einen Abend, an dem es keine Termine und keine Gespräche mehr geben sollte.

Natürlich griff ich doch nach dem Hörer und nannte meinen Namen. Gisela, meine Schwägerin, war am Apparat. Sie teilte mir mit, dass Günter, mein Mann, einen Unfall mit dem Motorroller hatte. Ein älterer Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen und so den Unfall verursacht. Näheres wusste sie nicht zu sagen. Einer der Sanitäter hatte telefonisch darüber informiert, hatte den Verdacht einer Fraktur des Oberschenkels erwähnt und wissen lassen, dass Günter ins nahe gelegene Kreiskrankenhaus eingeliefert worden war.

Mein Mann und ich leben seit einigen Jahren voneinander getrennt. Dennoch pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, nicht zuletzt wegen unserer drei Kinder. Dieser Schritt der Trennung ist mir damals nicht leichtgefallen, und es kostete mich viele innere Kämpfe, bis ich, zusammen mit der jüngsten Tochter, in ein eigenverantwortliches und gesünderes Leben aufbrach. Geschieden sind wir beide nicht. Für solch einen Schritt gab es für uns nie einen ernsthaften Grund. Obwohl uns die Liebe abhandengekommen war, steht es für mich nun außer Zweifel, dass ich mich, besonders in dieser Situation, um meinen Mann kümmern werde.

Nun habe ich eine Fahrt mit dem Auto von ca. 40 Minuten vor mir und beabsichtige, die Tochter schnell zu informieren und mich dann gleich auf den Weg zu machen. Dass ich mit Iris, unserer Tochter, und deren Familie in einem Haus lebe, ist für mich, für uns alle, einfach ideal, einfach perfekt. Jeder Tag ist ein Abenteuer, ein Gewinn und ein Geschenk. Besonders seitdem der kleine Enkelsohn auf der Welt ist. Soeben kommt Iris zu mir herein, ihren kleinen Gil hat sie auf dem Arm, der mit seinen vierzehn Monaten unser aller Sonnenschein ist. Als der kleine Mann mich sieht, geht ein Strahlen über das ganze Gesichtchen, er streckt mir lachend seine Arme entgegen und erwartet nun meine Aufmerksamkeit. Aber ich bin nicht mehr ich, stehe irgendwie neben mir, bin schon nicht mehr richtig anwesend. Fast wie in Trance lächle ich das Kind an, streichle die kleinen, zarten Wangen und gebe die soeben gehörte Schreckensnachricht an Iris weiter. Meine Tochter ist genauso betroffen wie ich, will mich zuerst begleiten, aber im Hinblick auf ihren kleinen Sohn verwirft sie diesen Gedanken schnell wieder. Schmerzen und Müdigkeit treten in den Hintergrund, und ich mache mich alleine auf den Weg in das Krankenhaus. In jenes Krankenhaus, welches für mich bereits seit Jahren überaus schmerzliche Erinnerungen in sich birgt. Ein eigenartiges, irgendwie ungutes Gefühl breitete sich vom Magen her in meinem gesamten Körper aus, während meine Gedanken mir auf meinem Weg vorauseilen. Was wird mich erwarten? Ist Günter ernstlich verletzt? Ist er überhaupt verletzt und wenn ja, wie werde ich ihn antreffen? Und ständig dieses beklemmende, ungute Gefühl in mir.

Der Feierabendverkehr ist wie üblich dicht; ein Auto hinter dem anderen. Mich zu konzentrieren fällt schwer, ich ermahne mich selbst immer wieder zur Achtsamkeit; dennoch entgleiten mir die Gedanken ständig und flüchten zu meinem Mann. Gedanken abschalten können – bisweilen noch immer ein Wunsch.

Ich weiß nicht wie, aber ich erreiche das Krankenhaus. Die Eingangstür öffnet sich von alleine. Bereits beim Eintreten erhöht sich mein Herzschlag, stockt mir der Atem. Dem Gefühl nach greift mir jemand an die Kehle. Nur eine Erinnerung – aber eine unauslöschliche. Dieser dunkle Fleck des Schreckens in mir drin. Schon so lange in mir drin.

An der Pforte kann man mir nicht wirklich Auskunft geben. Es sei gerade Schichtwechsel gewesen, erklärt mir die Dame hinter der Glasscheibe, bedauert, mir nicht weiterhelfen zu können und schickt mich hinauf auf die Unfallstation. Dort weiß man auch nichts von einem Unfallpatienten, gibt mir aber den Rat, mich bei der Notaufnahme zu melden. Hier endlich weiß jemand Bescheid. Ja, mein Mann sei hier gewesen, bestätigt mir eine Mitarbeiterin. Sie steht auf einer Trittleiter vor einem Regal und sieht kurz zu mir her. Um ein wenig Geduld bittet sie mich und fährt fort, einen Berg an Akten vom Schreibtisch in das Regal zu schichten. Dann bietet sie mir einen Stuhl an, beendet ihr Tun und lässt mich danach kurz alleine, um den Arzt über meine Anwesenheit zu informieren.

Ungeduldig und nervös bin ich, spiele mit dem Ring an meinem Finger, drehe ihn im Kreis, ständig im Kreis herum. Alle möglichen und unmöglichen Szenarien gehen mir durch den Kopf. „Ja, er ist hier gewesen“. In Gedanken frage ich mich, wie dieser Satz wohl zu verstehen sei. Ist er etwa nicht mehr hier im Krankenhaus? Wo ist er dann? Wieder daheim? Alles halb so schlimm? Oder doch schlimm? In eine andere Klinik verlegt?

In Gedanken versunken, bemerke ich das Kommen des Arztes nicht. Plötzlich steht er neben mir, stellt sich vor, reicht mir freundlich seine Hand und bittet mich, ihm doch zu folgen. „Gehen wir in mein Arbeitszimmer“, fordert er mich auf, „dort werde ich Ihnen alles erklären“. Er dreht mir den Rücken zu und geht vor mir her aus dem Raum, den Gang entlang, öffnet dann rechts eine Türe und heißt mich mit freundlich auffordernder Geste seiner Hand, einzutreten. Warum so förmlich, denke ich; ihr Mann war hier und ist wieder zu Hause, oder auch wir haben ihn verlegt, ist doch rasch gesagt, ohne diese Zeremonie.

Der Arzt deutet auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und bittet mich, darauf Platz zu nehmen. Wie abwesend, wie in Trance bewegt er sich, zeitlupenmäßig setzt er sich in seinen Sessel, stützt beide Hände auf die Armlehnen – irgendwie kommt mir das alles etwas befremdlich vor, irgendwie einen Touch zu träge, zu mühsam … was ist mit meinem Mann passiert, frage ich mich … dann schaut er mich an. „Wir haben Ihren Mann in die Universitätsklinik fliegen lassen“, beginnt er das Gespräch, verstummt kurz, dreht die Uhr an seinem Handgelenk so, dass er die Zeit ablesen kann und vollendet seinen Satz: „In diesen Minuten dürfte er dort angekommen sein“. „Nachdem wir Ihren Mann geröntgt haben“, fährt er fort mich zu informieren, „sahen wir rechts eine komplizierte Becken- und Oberschenkelhalsfraktur, das Bein war ausgekugelt, das Einrenken und Stabilisieren gelang uns auch nach mehrmaligen Versuchen nicht. Die Gelenkkugel blieb einfach nicht in der Gelenkpfanne. Wir erbaten uns telefonischen Rat bei den Kollegen der Uniklinik. Diese rieten uns zu einer gewissen Technik, um das Bein in die richtige Lage zu bringen. Das Gelenk sprang uns aber immer wieder raus, sodass auch unter der Anleitung dieser Kollegen …“

Das ungute Gefühl in mir verstärkt sich. Für mein Verständnis war das Erklären über die Beckenfraktur viel zu umständlich, zu langatmig und zu kompliziert. Ein Beckenbruch mag zwar schmerzhaft sein, möglicherweise eine erschwerte Therapie bedeuten, vielleicht auch ein Fall für den Chirurgen sein, aber er bedarf doch bestimmt keiner so komplizierten Erklärung. Mir kam es so vor, als wollte der Arzt Zeit gewinnen. Zeit wofür?

„Natürlich haben wir den Körper Ihres Mannes komplett geröntgt“, hörte ich ihn in seiner Erklärung fortfahren, „und dabei festgestellt, dass er mehrere“ – an dieser Stelle bekommt seine Stimme einen anderen Klang – „dass er mehrere Halswirbelfrakturen erlitten hat; bedauerlicherweise hat sich Ihr Mann bei diesem Unfall mehrfach das Genick gebrochen“. Das Gehörte lässt mich regelrecht in meinem Stuhl zusammensacken. Dem Gefühl nach erleide ich einen Faustschlag in die Magengegend, heftig und brutal, vollkommen unvorbereitet. Zum zweiten Mal in einer Stunde stockt mir der Atem, setzt für Sekunden aus. Mein Schatten, mein gefürchteter Schatten ist im Begriff mich einzuholen! Nur eine Erinnerung, aber eine unauslöschliche. Ein längst vergessen geglaubter Alptraum steigt vor meinen inneren Augen auf; ich sehe wieder in dieses gähnende, bodenlose, schwarze Loch und es scheint mir, als ob eine ungeheure Kraft mich erneut in die Tiefe zieht. Mein Magen rebelliert, mir wird augenblicklich schlecht. Die Handflächen werden feucht, und vor meinen Augen sehe ich farbige Ringe rotierend sich ineinander bewegen, in denen der Arzt wie durch ein Kaleidoskop zu sehen ist. Für den Bruchteil einer Sekunde gerate ich darüber ins Staunen. Ich versuche, gleichmäßig und ruhig zu atmen, doch mein Herz rast, scheint über sein eigenes Pochen zu stolpern, und jeder Pulsschlag rauscht mir in den Ohren: Halofixateur, Halofixateur, Halofixateur. Ich schließe die Augen, öffne und schließe sie wieder. Dieses farbige Rotieren soll aufhören. Die Hände, die zuvor locker in meinem Schoß lagen, suchen Halt; sie umklammern die Armlehnen, als ob von dort Hilfe zu erwarten wäre. Der Versuch, mich zu strecken, mich in diesem Stuhl ein wenig aufzurichten, um dem Druck in mir Raum zu geben oder ihm auszuweichen, gelingt mir nicht wirklich. Ich versuche, mich auf mich selbst und meine Position zu konzentrieren. Ich sitze hier in diesem Raum. Der Arzt mir gegenüber. Dieser spielt mit einem roten Kugelschreiber, dreht ihn in den Fingerspitzen beider Hände. Sein Blick ist auf mich gerichtet, der meine auf den im Kreis rotierenden Kugelschreiber. Zwischen uns der Schreibtisch, mit auffallend ordentlich gestapelten Unterlagen. Rechts von mir das Fenster, links die Türe. Mein Körper beginnt zu zittern, ich reiße mich zusammen und fange gleich wieder an zu zittern. Ich könnte fliehen. Mich weigern, weiterhin zuzuhören, nur raus, nur fort, nur weg von hier. Aber ich bleibe an meinem Platz, auf diesem Stuhl, sitzen, meine Augen, die wieder klarsehen, erneut auf den Arzt gerichtet. „Wie wird die Behandlung für meinen Mann nun aussehen?“, frage ich. Das ist zwar völlig unnötig, auch unsinnig. Ich weiß es doch schon längst. Ich weiß es, weiß es wohl viel besser und genauer als der Arzt mir gegenüber oder irgendein anderer hier in diesem Krankenhaus. Weil, ja, weil, ich hatte es selbst erlebt, selbst erfahren, selbst erlitten. Der Arzt vor mir kennt ganz sicher die Theorie und Vorgehensweise, ich jedoch, ich kenne die Praxis.

Mein Gegenüber ist wieder im Hier und Jetzt – oder bin ich es? „Die Halswirbelsäule muss stabilisiert werden“, höre ich ihn wie von weither sagen. Wie das gemacht werden wird, das muss ich mir nicht erklären lassen. Meine Stimme ist nun nicht mehr fragend, als ich ihm ins Wort falle: „Und das geschieht durch das Anpassen eines Halofixateurs.“ Der Mediziner sieht mich erstaunt an, so, als frage er sich, ob ich wohl vom Fach, etwa medizinisch ausgebildet sei, oder woher ich so etwas wissen könne, nimmt irritiert sein Kinn ein wenig zurück, zieht die Augenbrauen hoch, atmet hörbar aus, schaut wie durch mich hindurch und nickt dann bejahend mit dem Kopf: „Ja, genauso wird es sein, durch das Anlegen eines Halofixsateurs.“ Es ist ein Kampf, die Worte aus meinem Mund zu bekommen, aber ich muss ihn einfach fragen: „Steht er in Gefahr einer Querschnitts…“? Der Arzt lässt mich den Satz nicht vollends aussprechen, jedes seiner Worte langsam betonend, gibt er mir zur Antwort: „Hier bei uns hatte er noch keine Lähmungen.“ Oh mein Gott, noch keine Lähmungen. Für einen Moment bin ich verloren, im Innern meiner Gedanken, in mir drin. Mein Schatten, mein Schatten – er hat mich eingeholt. Ich spüre, wie sich Tränen in den Augen bilden, passe auf, dass sie nur ja dort bleiben, reiße beide ein Stück weit auf, um ihnen Platz zu verschaffen. Beim nächsten Blinzeln würden sie überlaufen.

Das Telefon auf dem Schreibtisch klingelt. In dem kurzen Moment, in dem des Arztes Aufmerksamkeit dem Hörer gehört, seine Hand sich nach ihm ausstreckt, wische ich mir verstohlen über die Augen. Seine rechte Hand hält schwebend den Hörer, die linke streckt er mir entgegen, um mich zu verabschieden: „Das war’s von meiner Seite“, sagt er, mit einer Tonlage in der Stimme, die ein großes Maß an Betroffenheit erkennen lässt. „Auf Wiedersehen und alles Gute für Ihren Mann.“

Müde und wie erschlagen stehe ich auf, bedanke mich für die Auskunft und die Zeit, die er sich für mich genommen hat, gebe ihm noch einmal die Hand, verlasse den Raum, das Gebäude, laufe in Richtung Auto und mache mich auf den Weg in die Wohnung meines Mannes. Per Handy informiere ich Iris kurz darüber, dass ihr Vater in die Universitätsklinik verlegt worden ist, und ich ihr alles Weitere bei meiner Rückkehr sagen würde.

Viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf und nicht einer kann zu Ende gedacht oder auf einen Nenner gebracht werden. Immer wieder neue Gedanken, sie überschlagen sich, werden fallen gelassen, neu aufgegriffen; ich muss mich dazu zwingen, auf die Straße und den regen Verkehr zu achten. Die Bilder im Kopf sind nicht zu vertreiben. Für sie gibt es keine Fernbedienung mit Ausschalttaste. Sie sind so unmittelbar, als wäre das, was schon Jahre zurückliegt, gerade eben geschehen. Bilder, die wie eine Keule treffen oder wie Säure zersetzen. Ungeschützt, unfassbar.

Wie bin ich in unsere ehemalige gemeinsame Wohnung gekommen, und wie später zurück in meine eigene? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, mit meiner Schwägerin habe ich den Kühlschrank geleert, die Heizung abgestellt und all das gemacht, was gemacht werden muss, wenn eine Wohnung lange Zeit unbewohnt bleiben wird. Rolf, Günters Bruder, kommt dazu, will Näheres von dem Unfall wissen. Ich berichte, was ich darüber weiß. Aufgebracht sagt er: „Günter hätte sich das Genick brechen können“! „Rolf, er hat es – mehrfach sogar“.

Günter lebt mit seinem Bruder und dessen Frau in einem Zweifamilienhaus. Ihre Eltern hatten es in jungen Jahren gebaut und die Mutter es irgendwann an ihre Söhne weitergegeben. Einst war viel Leben innerhalb dieser Mauern. Unsere beiden Familien hatten jeweils drei Kinder. Auch wenn das Zusammenleben nicht immer einfach war, bemühten wir uns, in gegenseitigem Respekt und in Frieden miteinander auszukommen, uns gegenseitig zu helfen und teilten nicht nur den Namen miteinander. Das Haus hat eine schöne, exponierte, unverbaubare Lage, was von manch einem Wanderer oder Tourist schon wiederholt anerkennend hervorgehoben worden war. Man sieht von dort weit ins Tal – besonders wir, in der zweiten Etage, haben freie Sicht hinaus in die Natur. Rolf, Günters Bruder, bewohnt mit seiner Familie das Parterre. Alle Kinder sind inzwischen ausgezogen, leben ihr eigenes Leben. So ist es ruhig geworden im und um das Haus. Rolf und Gisela haben sich nach wie vor, und mein Mann lebt, seit ich ausgezogen bin, alleine. Er hat ein fröhliches Naturell, lebt mit sich und der Welt im Einklang und meistert sein Leben ganz gut.

Es ist mir bewusst, dass viele Monate vergehen werden, bis Günter wieder zurück in seine Wohnung kann. Frage mich, wie lange das wirklich dauern wird. Was liegt in der Zeit dazwischen, wird er den Unfall überstehen, wenn ja, wie, und was kommt danach? Ich bewege mich wie in Trance, funktioniere mechanisch, nahezu wie ein Roboter. Die schmerzenden Bereiche an meinem Körper spüre ich nicht mehr gesondert. Ich bin Schmerz, bin durch und durch zu Schmerz geworden. Ich fühle mich wie geschlagen, alle Handgriffe fallen mir schwer, und die Glieder tun mir weh. Erschöpft kämpfte ich mit mir und meinen Gefühlen, die ich noch nicht verstehe, nicht einzuordnen weiß, die mich nahezu stumpfsinnig und monoton die einzelnen Handgriffe erledigen lassen.

Irgendwann mache ich mich auf den Heimweg. Meine Gedanken eilen mir schon wieder voraus. Im Geiste lege ich mir zurecht, wie ich es unseren Kindern sagen werde. Jedes unserer drei Kinder hat meine eigene, ähnliche Erkrankung noch sehr gut in Erinnerung. Mit all den Ängsten und Nöten, mit denen sie selbst monatelang konfrontiert worden sind, unter denen sie gelitten haben und die zu akzeptieren ihnen so vieles abverlangte. Wie ist es denn nur möglich, dass Ähnliches sich innerhalb einer Familie, an Mann und Frau, an Vater und Mutter, so hochdramatisch wiederholt?

Es ist spät, als ich endlich daheim ankomme. Todmüde, mit immensen Ängsten im Bauch und einem Kopf voller unbeantworteter Fragen. Nun gilt es, die Kinder tatsächlich zu informieren. Thomas, unser ältester, sitzt noch im Flugzeug. Er brach am Morgen zu einer Geschäftsreise nach Chicago auf. Iris hat mich kommen gehört und eilt mir schon mit raschen Schritten entgegen. Ängstlich blickt sie mich an. Ihre Augen, ihr Gesicht, ihre ganze Person ist eine einzige Frage. Die Angst und die Sorgen, die sie sich um ihren Vater machte, spiegeln sich in ihren Gesichtszügen, in ihrer ganzen Körperhaltung wieder – noch bevor ich überhaupt ein Wort über die Art der Verletzungen hatte sagen können. Gerne, gar zu gerne, hätte ich ihr nun – so, wie sie da in ihrer Not vor mir steht – etwas Anderes gesagt. Etwas, das nicht so erschreckend, das weniger dramatisch gewesen wäre. Wir stehen im Flur, bis ins Zimmer haben wir es nicht geschafft. Das Reden fällt mir schwer, ich suche nach den richtigen Worten. Gibt es überhaupt richtige Worte für das, was ich ihr sagen muss? Lässt sich das Berichten über ein mehrfach gebrochenes Genick in belanglose Worte kleiden? Angespannt hört meine Tochter mir zu. Bei dem Erwähnen der verschiedenen Halswirbelfrakturen fällt sie mir erschrocken mit der Frage ins Wort: „Ja, und was wird jetzt?“ „Sein Kopf wird in einen Halo geschraubt werden müssen, genau wie bei mir damals, wie sonst sollte man ein mehrfach gebrochenes Genick stabilisieren können?“ ist meine Antwort und Frage zugleich. Meine Große kämpft mit den Tränen, ihre Lippen zittern, dann sagt sie mit unterdrücktem Weinen: „Weißt du Mama, das mit dir damals war das Schlimmste, was ich je erleben musste – und jetzt, nicht noch einmal, sage bitte, dass es nicht wahr ist, bitte sage, dass das nicht stimmt!“ Nun weint sie richtig. Mein Versuch, sie in die Arme zu nehmen und zu trösten, ist kläglich. Wie hätte ich sie auch trösten, was ihr sagen können? Dass alles halb so schlimm sei, ganz bald alles wieder gut sein würde, wo sich doch jetzt gerade diese verinnerlichte, längst vergessen geglaubte Hölle auftut in mir? Was konnte ich ihr schon sagen, wie dieses Entsetzen mildern, das sie nun auch erneut überfällt und welches in ihrer Erinnerung immer noch so präsent ist? Diese Hölle, durch die ich einst ging, nein, in der ich monatelang festsaß, tut sich mir in aller Grausamkeit wieder auf, und es fühlt sich so an, als wäre ich wieder dort angelangt; so, als wäre nicht mein Mann, sondern ich erneut selbst betroffen. Ich bin nicht richtig bei ihr und nicht richtig bei mir, hänge irgendwo dazwischen. Ich bin eigentlich zwei. Bin immer noch zwei; ich in mir und ich neben mir. Iris spürt meine innere Zerrissenheit und schiebt mich sachte von sich weg. Jeder meiner Herzschläge hämmert in meiner Brust, in meinem Kopf, in meinen Ohren: „Nicht noch einmal, nicht noch ein zweites Mal; ich kann da nicht noch einmal durch, kann es nicht noch ein weiteres Mal ertragen, ich kann nicht …!“ Unter Schluchzen stammelt mein Kind: „Das ist nicht fair, das ist nicht fair, das ist einfach nicht fair, erleben zu müssen wie beide Eltern, wie meine Eltern beide…“

Wir stehen noch immer im Flur, liegen uns in den Armen und weinen, sie um ihren Vater und in dem Wissen, was ihn erwarten wird, und ich – ich bin zurückgefallen in meine eigene Geschichte, in meinen ureigenen Schmerz.

Sabine, der jüngsten Tochter, schicke ich eine SMS, sie ist telefonisch nicht zu erreichen. Kurz darauf ruft sie zurück, ist ganz außer Atem, fragt, was los sei. Mit wenigen Worten erkläre ich es ihr. Dann auch hier nur Entsetzen und Tränen. Entgegen der Überzeugung von Iris entscheide ich mich dagegen, auch Thomas umgehend zu informieren. Er hat in den Staaten einen wichtigen geschäftlichen Termin. Soweit ich informiert bin, hängen ernsthafte geschäftliche Interessen an dieser Reise. Mir erscheint es nicht gerade klug, ihn in dieser Situation mit solch einer Nachricht zu belasten, zumal für seine Reise lediglich drei Tage anberaumt worden sind. Für seinen Vater kann er momentan sowieso nichts tun und nichts sein. Dieser ist bewusstlos, liegt im Koma, und dies wird wohl auch noch eine Zeitlang so bleiben. Selbst wenn ich unseren Ältesten nun benachrichtigen würde, wäre er wohl kaum schneller wieder zurück als mit dem regulär geplanten Rückflug. Und außerdem hätte unser Sohn mit der Information über den schweren Unfall seines Vaters mit Sicherheit nicht die Nervenstärke, souverän und überzeugend seiner Arbeit nachzugehen.

Es ist nach Mitternacht, als ich endlich einen der Ärzte aus der Uniklinik ans Telefon bekomme. Zuerst werde ich gefragt, was ich denn von dem Unfall schon erfahren habe, was ich in kurzen Sätzen nun wiedergebe. Sehr vorsichtig, sehr einfühlsam und sehr geduldig werden mir nun alle meine Fragen beantwortet. Ja, mein Mann ist eingezwängt in den Halofixateur. Festgeschraubt mit vier Schrauben an seinem Kopf. Ja, er hat mehrere Halswirbel gebrochen, dazu einen Brustwirbel. Noch liegt er bewusstlos auf der Intensivstation, wird beatmet, liegt im Koma, das heißt: er wird vorerst noch künstlich darin gehalten. Seine rechte Hüfte ist zerschmettert und muss so bald wie möglich operiert werden. Mir wird angeboten, stets anrufen zu dürfen, mich nach meinem Mann erkundigen zu können, immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wenn ich Fragen hätte, nicht schlafen könne, mir Sorgen machen würde, dann dürfe ich gerne anrufen, fast immer sei einer der Ärzte zu sprechen. Und der Arzt gibt mir die Nummer eines Handys.

Vorwort

Mir ist an diesem Tag im März und in den ersten Tagen danach zu Mute, als hätte man mich kopfüber in eine Zeit katapultiert, die inzwischen schon achtzehn Jahre zurückliegt. Eine Zeit, von der ich dachte, dass sie niemals wieder auferstehen, so präsent werden würde, mir erneut Angst einflößen oder mich auch nur belasten könnte. Dass es erneut einen Lebensabschnitt geben könnte, der diese erlebte Not wieder auferstehen lässt. Ein Schicksalsschlag, in welchem ich wieder in diese Angst, in diese Hilflosigkeit und dieses unsagbare Leid kommen könnte. Mit meinem Denken aber lag ich völlig falsch. Doch wer geht schon davon aus, dass das Schicksal in ein und derselben Familie gleich zweimal ganz ähnlich zuschlägt? Ich nicht, ich ging nicht davon aus, ich ganz gewiss nicht.

Mitunter reicht ein winzig kleiner Augenblick, in dem ereignisreiche Dinge passieren, Dinge, die ein Leben nachhaltig verändern können. Es gibt Momente, die sind so selten, da fügt sich alles zusammen. Im besten, im günstigsten Fall resultiert daraus etwas Brillantes, etwas ganz Herausragendes. Einem Pianisten etwa gelingt eine famose Partitur, einem Maler die Eingebung für ein tolles Bild, einem Forscher eine bahnbrechende Entdeckung, eine wissenschaftliche Meisterleistung… unglaublich positive Momente. Im besten Fall. Solche Momente haben jedoch auch immer einen beängstigenden Gegenpol: Glück und Pech, Freude und Leid, gutes oder schlechtes Karma. Bester Fall und schlimmster Fall.

Solch einen Moment, eher einer der schlimmeren, erlebte ich an einem wunderschönen Augusttag. Einem so schönen Tag, der an sich nicht dazu taugte, um geschehen zu lassen, was geschehen sollte. Doch Tragödien, menschliche Katastrophen und harte Schicksalsaschläge kündigen sich eben nicht zwangsläufig mit Blitz und Donner an.

Nein, ich verschwendete kaum mehr Gedanken an das, was einst war. Über einen langen Zeitraum hatte ich gelitten; dann den Blick nach vorne, in die Zukunft gerichtet und – wenn überhaupt – so dachte ich, dass dieses Kapitel in meinem Leben Vergangenheit sei, aufgearbeitet und überwunden. Mit den Jahren erlaubte ich mir sogar zu behaupten, aus dieser schweren Zeit einen gewissen Reichtum und großen Segen gezogen zu haben. Mein schwerstes Leid wurde zu meinem größten Gewinn. Damals entschied ein einziger Tag über den Rest meines Lebens. Ein Tag, an dem ich mich selbst für so viele, viele Tage verlieren sollte. Es war, als hätte das eigene Leben sich irgendwohin verirrt. Da lagen Jahre vor mir, von denen ich noch nichts wusste. Jahre, nach denen ich als eine andere zu mir zurückkehrte. Ganz sicher wäre ich heute nicht da, wo ich bin, und auch nicht die Person, die ich bin, ohne diese schicksalsschwere Erkrankung.

Was sich hier in einfachen Sätzen sagen lässt, war jedoch ein sehr schmerzlicher Prozess – ein Prozess von Jahren. Jahre innerer Zerrissenheit, voller Ängste, Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit und schwerster Schmerzen.

So leicht lässt sich eine Geschichte erzählen; dahinter ein Punkt. Der Punkt setzt an sich ein Ende. Es muss zu einem Abschluss kommen. Diesen Abschluss aber gibt es nicht – nicht für mich. Ein Teil dieser Schmerzen hat mich verfolgt und all die Jahre nicht mehr losgelassen. Sie scheinen wie das Ein- und Ausatmen zu meinem Leben zu gehören, sind oft schwer und stets reichlich – mehr als reichlich.

Die ersten Jahre waren hart. Ich hatte mich mit Behinderung, dem ewigen „Warum“ und den allgegenwärtigen Schmerzen auseinanderzusetzen. Doch irgendwann fand dieses verzweifelte „Warum“ zu einem fragenden „Wozu“. Das Loslassen von allen gewohnten Strukturen ermöglichte mir einen anderen Zugang zu mir selbst. Und so fand ich, bei allem Schweren, im Laufe der Zeit zu mir zurück und zu einem freudigen und dankbaren „Dennoch“. Ich hatte meine Lebensfreude wiedergefunden und neu definiert.

Man setzte an

mich zu zerstören.

Beinahe wäre es auch gelungen.

Meinen Hoffnungsspiegel

in welchen ich manchmal schaute

zerschlugen Leute, die sich Heiler nannten.

Meine Freudentruhe raubten sie mir leer

dafür füllten sie die Weh-tu-Kiste.

Schmerzen und Qual

schüttete man über mir aus.

Doch meine Seele

hat es anders mit mir gemacht.

Nun erreicht mich

das geifernde Kläffen

der Wölfe nicht mehr.

In mir ist kein Zorn mehr,

keine Rache,

keine Verzweiflung

aber auch kein Jubeln

Nur Ruhe – Stille – Frieden

Der Phönix in mir

ist aus der Asche gestiegen.

Nicht stolz, verzweifelt und wild, wie er starb,

sondern schöner, größer, stärker

und mit dem Bewusstsein:

Dass denen, die Gott lieben,

alle Dinge zum Besten dienen.

Wenn du durch Wasser gehst,

will ich bei dir sein,

dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen;

Wenn du durch Feuer gehst,

sollst du nicht brennen,

und die Flamme soll dich nicht versengen.

Jesaja 43, 2

Donnerstag, 21. August 1986

Ein Sommertag wie im Märchen, sonnig und warm, so einzig schön, wie von Künstlerhänden auf eine überdimensional große Leinwand gemalt. Die Sonne scheint strahlend von einem tiefblauen Himmel. Nur ich habe nicht wirklich Augen für diesen zauberhaften Tag. Chronisch nierenkrank geht es mir mal wieder nicht so gut. Seit Tagen bereits quälen mich schon wieder diese Schmerzen. Dass mein Urin blutig rot ist, sehe ich mit bloßem Auge, und mir kommt es so vor, als ob das verordnete Langzeitantibiotikum nicht wirklich mehr wirksam ist. Doktor Brauer hatte es mir vor einigen Tagen verordnet. Er ist der Chefarzt der Inneren Abteilung im nahe gelegenen Kreiskrankenhaus. Mein Hausarzt, der bis gestern im Urlaub war, hat mich an Dr. Brauer überwiesen. Als Urlaubsvertretung wurde er gebeten, meine Behandlung erneut zu übernehmen. Das Punktieren der Harnblase und das analytische Erfassen der Keime in einem Labor ließen den Arzt zu diesem Antibiotikum greifen. Das Medikament habe den Vorteil, so wird mir erklärt, dass es nur einmal in der Woche eingenommen werden muss. So seien alle eventuell möglichen Nebenwirkungen weitgehend minimiert.

Über die Jahre hinweg gelten einige der Keime inzwischen als resistent, sodass es vorkommt, dass ein Antibiotikum noch während der Behandlung abgelöst werden musste, weil es nicht mehr wirksam war und es zu erneuten Krankheitsschüben kam.

In diesem Krankenhaus mit seinem Pflegepersonal und seinen Ärzten bin ich bekannt. Ich wurde dort schon mehrfach stationär und auch ambulant behandelt. Chronische Pyelonephritis war einst die Diagnose der Ärzte gewesen, und ich lebte damit schon einige Jahre. Auch wenn ich das Fieberthermometer an diesem bewussten Morgen nicht benutze, weiß ich, dass meine Körpertemperatur erhöht ist.

Innerlich rebelliere ich mal wieder gegen diese ewigen Infektionen. Ich will leben, will gesund und frei sein. Will mein Leben nicht ständig in Arztpraxen verbringen müssen, mich nicht so oft mit Krankheiten und deren Symptomen auseinandersetzen müssen. Lachen will ich, mich meines Lebens erfreuen, will zusammen mit meiner Familie lauter schöne und lustige Unternehmungen starten. Ich träume von Reisen, will zusammen mit meinem Mann und den Kindern die Welt sehen, die Berge, das Meer – ich hatte noch so wenig von ihr gesehen. Leben will ich, wirklich frei und unbekümmert leben, wie alle anderen in meiner Umgebung auch. Will meinem Mann eine Frau und meinen drei reizenden Kindern so gerne Mutter sein. Meine Kinder, das Kostbarste, das ich habe und die ich über alles liebe, brauchen mich doch noch so sehr. Unsere Jüngste ist erst sechs Jahre alt. Wie oft habe ich sie schon zusammen mit ihren Geschwistern in die Obhut der Tante geben müssen! Wo es ihr zwar gut ging, ich aber unter diesen Umständen sehr gelitten habe. Sie ist mein Kind, und sie hat ein Recht auf ihre Mutter, genauso wie ihre Geschwister. In drei Wochen soll dieser jüngste Spross nun eingeschult werden. Noch ist sie voller Ängste und Sorgen. Ob der Fahrer des Schulbusses denn auch weiß, wo sie aussteigen muss, wo sie wohnt und ob sie denn auch wieder nach Hause findet?

Dieses Kind ist, wie alle meine Kinder, ein besonderes Geschenk. Ihre beiden Geschwister sind schon groß, beinahe erwachsen, und gehen inzwischen mehr oder weniger eigene Wege. Unser neunzehnjährige Sohn Thomas bereitet sich auf sein Abitur vor, er will Chemie studieren, Iris weißt noch nicht, wo es sie beruflich hinziehen wird, und für meine Kleine wird die Schulzeit beginnen.

Nach Jahren der Sehnsucht, großer Sehnsucht danach, noch einmal Mutter zu werden, ist dieses Kind dann ein ganz besonderes Geschenk. Vielleicht auch, weil Schwangerschaft und Geburt so schwierig waren, denn schon damals war ich nierenkrank. Per Kaiserschnitt, den ich nahezu bei vollem Bewusstsein über mich ergehen lassen musste – die Schwangerschaft ist wegen Komplikationen zwei Wochen vor dem errechneten Termin abgebrochen worden – wurde dieses Kind, zwar klein und zart, aber gesund ins Leben geholt.

So nehme ich meine Kleine in ihrer Sorge um den Schulbus tröstend in die Arme, herze sie, küsse ihre Augen, ihre Nase, ihren rosigen Mund und streiche ihr sanft einige widerspenstige Haare, die wir wieder wachsen lassen wollen, aus der Stirn, küsse erneut ihre Nasenspitze und sage: „Mein Herzenskind, mein kleiner Stern, keine Bange, der Busfahrer weiß ganz sicher Bescheid. Und außerdem, das erste Mal gehe ich doch mit dir zur Schule, ich lasse dich doch nicht alleine gehen. Und, was glaubst du, ich will deine Schule doch auch sehen“!

An dem Tag, an dem ich so zu meiner kleinen Tochter sprach, konnte ich nicht ahnen, dass das Einhalten dieses Versprechens mir alles, aber auch wirklich alles abverlangen würde.

So räumte ich den erneuten Krankheitssymptomen an diesem bewussten Tag auch nicht allzu viel Platz in meinem Denken ein – vorerst. Die Schmerzen ignorierte ich – vorerst.

„Bist halt eine arme Nuss“, hatte Günter, mein Mann, irgendwann mal zu mir gesagt. Es war seine Art, Mitgefühl zu zeigen. Auch wenn es seinerzeit für mich nichts einzuwenden gab, mochte ich doch nicht so betitelt werden, mochte auch nicht immer wieder krank sein. Ich wollte gesund sein, an einem aktiven Leben teilhaben können und schiebe somit Krankheit und Kranksein wieder einmal weit von mir weg in den hintersten Winkel meines Bewusstseins. Mit der Vogel-Strauß-Taktik kenne ich mich gut aus und bin weitgehend vertraut mit ihr: Kopf in den Sand stecken, nichts hören und nichts sehen – es einfach diesen Vögeln gleichtun.

Einen wichtigen Auftrag gilt es zu erledigen, er darf nicht länger aufgeschoben werden, und ich machte mich auf in den Nachbarort, um eben diese Mission hinter mich bringen zu können. Solche Gänge überlässt Günter gerne mir. Auch ohne konkrete Absprache hat sich diese Art von Arbeitsteilung bei uns etabliert. Er macht seine in der Firma, alles andere gehört zu meinen Aufgaben. Aus dem Gefühl heraus, funktionieren zu müssen, vielleicht auch zu wollen, mache ich mich also auf den Weg in das nahe gelegene kleine Städtchen. Wie üblich verbinde ich solch eine Fahrt mit den stets anfallenden und notwendigen Einkäufen.

Auf den Parkplatz vor dem Einkaufscenter stelle ich meinen blaugrauen Ford Fiesta ab und begebe mich in den Laden. Die erhöhten Temperaturen und auch die Nierenschmerzen schränken mich inzwischen mehr ein als noch am Morgen.

Zweifel kommen auf: sollte ich mein Vorhaben nicht besser aufgeben? Doch dann entschließe ich mich doch dazu schnell meine Einkäufe zu erledigen und danach zügig heim zu fahren.

Aber kaum denke ich so, da fühle ich mich furchtbar elend, ein mächtiges Krankheitsgefühl nimmt von mir Besitz. Mein Mund fühlt sich trocken an, meine Zunge klebt mir irgendwie am Gaumen, mir ist sehr übel und ich habe Durst. Meinen Einkaufwagen vor mir herschiebend, stolpere nach kurzer Zeit fast über meine eigenen Füße. Die noch wenigen Teile, die ich in meinem Wagen habe, lege ich zurück in die Regale. Ich muss hier raus, und zwar ganz schnell.

Dankbar, dass ich etwas zum Festhalten habe, umfassen meine Hände die Schiebevorrichtung des Einkaufwagens. So schnell und so gut es geht, strebe ich unverrichteter Dinge dem Ausgang zu.

Vor meinen Augen verändert sich farblich die Landschaft. Alles wird auf einmal milchig weiß, so, als würde ich durch eine Milchglasscheibe sehen. Und plötzlich weiß ich ganz sicher, dass ich rasch einen Arzt brauche. Wie schnell aber geht rasch, wie schnell, wie rasch bin ich selbst und wie kompliziert wird es nun, die richtigen Gedanken zu denken, die richtigen Handlungen zu tätigen, die richtigen Schritte zu gehen, und wo bleibt noch Raum für meine Seele, wohin mit der Angst?

Eine eiserne Faust greift nach meinem Herzen und eine beklemmende Ahnung beschleicht mich, denn die Symptome die ich da spüre, rufen mir den letzten stationären Aufenthalt in Erinnerung: Der Aufenthalt in dem bekannten Krankenhaus, eine besondere Situation und ein Gespräch. Ein Gespräch, welches Dr. Schran mit mir geführt hatte, der Oberarzt in dem Kreiskrankenhaus ist. Es war das letzte Gespräch vor der Entlassung, die gerade mal etwas über ein Jahr zurückliegt. Dieses Gespräch, die Sätze, die einzelnen Worte, sie klingen noch immer bedrohlich in mir nach. Er sagte damals: „Dieses Mal sind Sie mit dem Leben davongekommen, aber merken Sie sich unbedingt eines: Wenn ihnen das je wieder in dieser Art passiert, egal wann oder wo, begeben Sie sich auf dem allerschnellsten Weg in die nächstbeste Klinik, und denken Sie ernsthaft daran: Sie sind jedes Mal in Lebensgefahr!“

Diese Aussage klang mir immer noch gespenstisch und furchterregend in den Ohren. Auch war die Erinnerung an das zuvor Gewesene, diese schlimmen Wochen und Monate im Krankenhaus, weg von der Familie, weg von allem, was mir etwas bedeutete, einsam in einem Krankenhauszimmer, noch so präsent in meinem Kopf, in meinem Denken, in meinem Fühlen. Diese wenigen Sätze bargen so viel an Schmerz, an Angst und gehabter Not in sich. Nein, das konnte, das durfte mir nicht noch einmal passieren. Das Gefühl großen Erschreckens macht sich in mir breit, vereinnahmt jede Faser von mir, denn die Symptome, die ich nun, eins ums andere, an mir wahrnehme, kenne ich nur zu genau.

Ich fühle mich im freien Fall! Sind die Arme da, das mich auffangen, oder schlage ich auf dem Boden auf und zerspringe in tausend Stücke?

Es ist so ein schöner Tag heute. Keine Wolke am Himmel. Und du, mein Engel – hast weggeschaut.

Nur eine Seifenblase

Wie ein Spiel mit Farben,

wie eine schillernde Kugel,

die alle Versprechungen

und Wünsche in sich trug,

erschien mir mein Leben.

Angetan von der Leichtigkeit ihres Seins,

fasziniert vom Spektrum ihres Farbenspiels

bemerkte ich nicht,

dass ich mein Vertrauen

einer Seifenblase schenkte.

Als Sturm aufkam,

und ich sie zu halten versuchte,

ist sie ganz einfach zerplatzt.

Oktober – Dezember 1984

Nach wochenlanger stationärer Behandlung im Kreiskrankenhaus ganz in unserer Nähe, werde ich verlegt in die nephrologische Abteilung des Klinikums in die ca. 40 km entfernten Kreisstadt. In zwei Tage ist unser zwanzigster Hochzeitstag, und ich sehe diese Verlegung wahrlich nicht als Geschenk an. Dr. Brauer und die mich behandelnden Ärzte meinen, mir eine Anlaufstelle sichern zu müssen. Sie vertraten die Meinung, dass ein Versagen meiner rechten Niere über kurz oder lang zu erwarten wäre.

Ich hingegen wollte lieber endlich nach Hause. Die schlimmste Phase der Infektion hatte ich überstanden, war nahezu fieberfrei, und ich sehne mich heim zu meiner Familie. Dr. Brauer und seine Kollegen jedoch versuchen mich von der Notwendigkeit dieser Überweisung zu überzeugen, schalten Familienangehörige mit ein, und nun werde ich von allen möglichen Seiten bekniet, den Rat der Ärzte doch bitteschön zu befolgen. Dass man meine Kinder vorschob, an die ich doch zu denken hätte, wäre nicht wirklich nötig gewesen. Ich dachte ständig an sie. Klar, ich wollte gesund sein und leben. Aber ich wollte mit meiner Familie zusammenleben und nicht isoliert von ihnen in diversen Kliniken mein Dasein verbringen müssen! Alle, die sich berufen fühlen, hier mitzureden, tun das kräftig und letztendlich fühle ich mich dem Druck, den man auf mich ausübt, nicht mehr gewachsen. Schweren Herzen gebe ich mein Einverständnis und lasse mich verlegen.

Einige Tage bin ich schon im Klinikum, als ich erneut Besuch von meiner Familie bekomme. Dieses Mal ist unsere Iris mitgekommen und beharrt nun energisch darauf, dass ich mit nach Hause kommen müsse. Unsere sich mitten in der Pubertät befindende, rebellische Tochter hat große Schwierigkeiten mit dem autoritären Auftreten der Tante, welche das Sagen und die Betreuung der Familie übernommen hat. Ich weiß, wie schwierig die Situation daheim für Iris bisweilen sein konnte. Sie war nicht gerade die Lieblingsnichte und konnte der Tante so schnell nichts recht machen. Auch weiß ich, dass die Geduld der Tante nicht weit reicht, besonders dann nicht, wenn es um Iris geht. Die Schwägerin reagiert ihr gegenüber oft hart und lieblos. Widerstände – und schienen sie noch so plausibel – werden energisch bekämpft und absoluter Gehorsam eingefordert – bisweilen auch schon mal mit Nachdruck. Und was meint und tut meine gerechtigkeitsliebende Tochter? Sie macht mir unmissverständlich klar, dass sie keinen Tag länger ohne mich in ihrem Zuhause bleiben könne und notfalls ausreißen würde, sollte ich nicht mit heimkommen.

Mir selbst kommt ihr Wunsch nicht ungelegen. In der Klinik fühle ich mich nicht wohl, habe genug von Untersuchungen, vom Stillhalten, von Therapien und Diagnosen. All das ist mir zu viel, ich bin schon so lange von zu Hause weg und sehne mich heim. Gesundheitlich geht es mir wieder besser, wozu denn noch länger bleiben? So bringe ich das Anliegen meiner Tochter vor die Ärzte. Professor Humbold, der Chefarzt, wird informiert, der dann versucht, unserer Tochter zu erklären, dass die Mama doch erst einmal gesundwerden sollte. Trotzig und bestimmt gibt Iris zur Antwort: „Sie ist gesund“. Ein weises, verstehendes Lächeln umspielt den Mund dieses Arztes, bei dem man wie bei keinem anderen spürt, dass sein Beruf für ihn Berufung ist. Bei ihm hat man den Eindruck, als lebe er ausschließlich für seine Patienten. Mir kommt es manchmal so vor, als sei er rund um die Uhr in der Klinik bei seinen Kranken anzutreffen. Aber auch er kann mich nicht halten. So packe ich dann ganz rasch meine Sachen zusammen und fahre erleichtert und froh mit meiner Familie nach Hause. Den Rat dieses Klinikchefs, die noch ausstehenden Untersuchungen wenigstens ambulant durchführen zu lassen, kann ich annehmen. Das ich dazu mehrmals ca. 80 km fahren muss, hat in diesem Moment keine besondere Bedeutung.

Ja, und dann passiert es. Und zwar auf der Fahrt zu einem der ambulanten Termine. Bereits seit Tagen fühlte ich mich krank und ausgesprochen unwohl. Die Niereninfektion war erneut aufgeflackert, ist zurückgekehrt.

Was wohl die immer und immer wiederkehrenden Infektionen auslöste? Darüber machte ich mir lange Zeit keine Gedanken. Ich verwünsche sie zwar, litt unter ihnen, hasste sie und wollte sie nicht, wollte doch viel lieber gesund sein. Dass sich eine verletzte, kranke Seele mitunter körperlich Gehör verschafft, soweit reichten mein Denken und mein Verständnis damals nicht.

Was wusste ich denn schon von Körper und Seele? Wie weit waren Ärzte zu jener Zeit überhaupt mit dem Gedanken vertraut, dass Körper und Seele als Einheit gesehen und beides bei einer Behandlung mit einbezogen werden sollte? Bis man in der Medizin soweit war, bis solche Gedanken von den Ärzten überhaupt gedacht wurden, bis beide Aspekte dann in eine Behandlung mit einbezogen wurden, bis bei mir selbst solche Gedanken keimten, vergingen kostbare Jahre. So wurde ich immer und immer wieder von diesen Infektionen heimgesucht. Kaum hatte ich eine Behandlung hinter mich gebracht, kam oft schon die nächste – bisweilen sogar schon während der Therapie. Dann hieß es plötzlich: Das Antibiotikum sei nicht mehr wirksam, die Keime seien resistent geworden und ein anderes Medikament müsse her. Und alles fing von vorne an.

An diesem bestimmten Morgen geht es mir nicht gut. Zu den üblichen Beschwerden ist etwas ganz Neues hinzugekommen. Ich kann es nicht richtig benennen, mir ist übel, ich fühle mich elend, in meinem Kopf dröhnt und pocht es, meine Glieder sind schwer wie Blei, ich weiß nicht wie…

Früh am Morgen ziehe ich in Erwägung, die Untersuchung abzusagen, weil mir so unwohl ist. Dann entscheide ich mich aber doch für den Termin, denn es geht mir wieder etwas besser. Die Familie war aus dem Haus, der Mann bei der Arbeit, die Großen in der Schule und die Kleine im Kindergarten. Für den Fall, dass ich nicht rechtzeitig zurück sein kann, habe ich vorgesorgt. Das Mittagessen steht bereit, braucht lediglich in der Mikrowelle aufgewärmt zu werden. Sabine wird notfalls von der Tante ins Haus gelassen und wenn Thomas daheim ist, wird er sich kümmern. Darüber brauche ich mich nun wirklich nicht zu sorgen. Und so setzte ich mich in mein Auto und machte mich auf den Weg.

Auf der Straße komme ich ganz gut voran und hatte es nicht mehr allzu weit, bis ich das Klinikum erreichen würde.

Schlagartig verändert sich mein Zustand. Wie über mich ausgeschüttet, wie direkt vom Himmel auf mich gefallen, ist mir urplötzlich ganz elend zu Mute. Das undefinierbare, eigenartige Gefühl vom Morgen beschleicht mich wieder. Mir ist so komisch, so seltsam – ich weiß nicht wie, weiß nicht, was mit mir los ist.

Nach einer Weile fühle ich mich sehr elend und krank, mir wird ganz bange. Meine Augen sehen wie durch eine trübe Milchglasscheibe. Die Landschaft um mich herum ist plötzlich trist und gräulich-weiß. Mein Mund fühlt sich trocken an, die Zunge klebt mir am Gaumen, der noch verbleibende Speichel in meinem Mund ist zäh wie Leim. Ich habe Schmerzen, mein Nierenbereich tut sehr weh. Mir ist so übel, so speiübel, wie noch niemals zuvor, und es quält mich ein überaus großer Durst. Ich sollte von der Straße runter, das Auto parken und weiß doch instinktiv, dass ich einen Arzt brauche, dass ich die Klinik schnellstens erreichen muss. Vor mir fährt ein orangeroter LKW. Ich orientiere mich krampfhaft an dessen grünem Nummernschild und flehe den Himmel um Beistand an, schicke ein Stoßgebet nach dem anderen mit der Bitte hinauf, dass ich diesen Höllentrip doch heil überstehen möge, ich und alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Der LKW erscheint mir beinahe wie ein Leitfahrzeug, denn ich hänge nahezu an seiner Stoßstange bis hin zur Klinik. Ich fixiere unentwegt das Nummernschild des Lasters vor mir, welches genauso milchig weiß aussieht wie alles vor meinen Augen. Seltsam, wo sind die kräftigen Farben hingekommen, denke ich kurz, warum hat sich rings um mich herum alles farblich so verändert, ist so milchig, trist und gräulich?

Es gelingt mir, mein Auto zu parken. Doch dann bin ich kaum in der Lage, auszusteigen und die kurze Strecke in die Klinik zu gehen. Ich schaue mich um, ob ich vielleicht jemanden ansprechen und um Hilfe bitten kann. Aber es ist niemand in der Nähe. Ein ganzes Stück weiter vorne sehe ich einige Passanten, doch mein „Hallo“ verhallt ungehört irgendwo zwischen ihnen und mir. Ich kann mich aber nun nicht damit aufhalten, ob mich jemand hört oder sieht, ich muss selbst sehen, wie ich weiterkomme, wie ich mir helfen kann. „Einen kleinen Moment nur warten, nur ein wenig Geduld, gleich ist alles wieder vorbei und dann geht’s dir wieder besser“ – so rede ich mir selber gut zu. Aber nichts wird besser und nichts ist gut. Inzwischen ist das Krankheitsgefühl sehr groß. Ich muss mich rasch auf den Weg machen, ich muss irgendwie in die Klinik kommen. Mit wackligen Knien steige ich aus, suche Halt an der Autotür, versuche mich zu konzentrieren, ruhig zu atmen, was aber nicht geht. Abgehackt und stoßweise hole ich Luft. Mir ist so übel, so schlecht, ich würge und würge – ich brauche jemanden, brauche Hilfe. Mit letzter Kraft raffe mich auf, torkle mehr als dass ich laufe. Der Weg vor mir, der sich wie ein breites, milchig weißes Band durch das hässliche, wässrig anmutende Grün des Rasens schlängelt, kommt mir heute viel länger und verwinkelter vor als noch vor ein paar Tagen. Mir ist so übel; ich bemühe mich, diese zähe Masse in meinem Mund zusammen zu bekommen, um ausspucken zu können – was nicht geht. Fahre dann mit einem Taschentuch, das ich mir, schwankend wie eine Betrunkene und beinahe von dem milchigen Pfad abkommend, aus meiner Tasche gezogen habe, in meinen Mund, um diesen pappigen, klebrigen Schleim los zu werden, ohne das es mir wirklich gelingt, doch wieder etwas Speichel zusammen zubekommen, um etwas gegen diesen unnatürlich großen Durst zu tun.

Irgendwann, mir scheint, nach einer halben Ewigkeit, erreiche ich die Ambulanz. Wie, das weiß der Himmel ganz alleine. Dort angekommen, schleppe ich mich zuerst zur Toilette. Mir geht es wirklich schlecht. Ein starker Brechreiz schüttelt mich. Mit der rechten Hand versuche ich, mich abzustützen, hänge dann über der Toilettenschüssel, zittere, würge und bin kaum in der Lage, mich aufrecht zu halten. Tränen laufen mir unentwegt über das Gesicht. Mein Magen, der an diesem Vormittag noch leer ist, krampft sich zusammen, gelblichgrüne Galle würge ich hoch und mir ist so elend wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Mein Herz in mir klopft dumpf und hart, steigt immer höher, pocht mir im Hals, auf der Zunge, droht mich zu ersticken, und ich habe das Gefühl als müsse ich es mit der Galle aus mir herauswürgen.

Zitternd, an der Wand entlang schleichend, begebe ich mich wieder hinaus auf den Gang und gleich hin zur Anmeldung. Ich nenne meinen Namen und bitte um Hilfe. Dann darf ich mich in einem der Ärztezimmer auf eine Liege legen, halte es aber dort nicht lange aus, mir ist so entsetzlich übel, und ich habe schon wieder das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Quäle mich hoch, kann kaum stehen, will aber, muss zur Toilette. Meine Tasche lasse ich stehen, wo sie steht, peile die an sich braune, nun aber milchig-weiß-beige Türe an, torkle auf sie zu, öffne diese, suche kurz Halt am Türrahmen und sehe einen großen, schlanken Arzt aus einem der gegenüberliegenden Behandlungsräume kommen. Es ist Dr. Ludwig, ein mir bekannter Oberarzt. Er erkennt anscheinend die Situation sofort, springt zu mir her, greift mir unter die Arme, sieht mir ins Gesicht und fragt erschrocken: „Was ist denn mit Ihnen los“? Die Beine unter mir geben einfach nach, fast dankbar, mich nicht mehr tragen zu müssen. Bevor ich zusammenbreche und dem Arzt in die Arme sinke, kann ich nur noch flüstern: „Mir ist so schlecht“. Der Oberarzt brüllt um Verstärkung, schreit einige seiner Kollegen herbei. Sofort rennen mehrere Ärzte hektisch um mich herum und zerren mich in den gegenüberliegenden Behandlungsraum, legen mich dort auf eine Liege. Ohne Vorwarnung überfällt mich ein sehr heftiger Schüttelfrost. Mir ist furchtbar kalt, und ich zittere wie Espenlaub. Meine Zähne schlagen klappernd aufeinander, unter mir zittert die Liege mit mir im Gleichklang und gibt vibrierende Geräusche von sich. Man breitet eine Decke über mir aus, und noch eine. Ich friere entsetzlich und mir ist zu Mute, als befände ich mich nackt und bloß irgendwo am Nordpol. Vor Schmerzen weiß ich nicht, wie ich liegen soll. Ich wende und drehe mich in großer Pein. Mir wird der Blutdruck gemessen. Die Augenlider, die mir zugefallen sind, werden mir unsanft wieder aufgerissen, und ich sehe in das erschrocken dreinschauende Gesicht eines Arztes. Auf Geheiß von irgendjemandem wird mir von einer Arzthelferin ein Fieberthermometer in die Achselhöhle geschoben, dann rasch eine Brechschale vor das Gesicht gehalten, denn ich würge und habe schon wieder das Gefühl mich übergeben zu müssen. Die Arzthelferin nimmt das Fieberthermometer; 40,5 höre ich sie sagen, mit einer Stimme, als hätte sie Watte im Mund. Der schlimme Durst quält mich sehr; ich bitte um Wasser, bekomme ein volles Glas gereicht, trinke es gierig leer und erbreche es sofort wieder.

Natürlich muss ich stationär bleiben und ich wehre mich nicht dagegen. Meine Beine tragen mich nicht mehr, ich kann nicht laufen. Ein Rollstuhl wird hergeholt, in den ich mich setzen darf. Ich bettle wieder um Wasser, bekomme noch einmal ein volles Glas in die eine Hand, dazu eine ganze Flasche in die andere gedrückt, die ich kaum zu halten in der Lage bin. So platziert schiebt man mich einige Zeit später auf die Station. Irgendwer gibt zu Hause Bescheid – ich kann nicht mehr, mir ist alles egal.

Nach einiger Zeit, ich liege matt und sehr elend in meinem Bett, kommt ein Assistenzarzt zu mir ins Zimmer und nimmt mir Blut ab. Mir ist so heiß im Kopf, er schmerzt und ich habe das Gefühl, als sei er ein prall gefüllter Ballon, der jeden Augenblick zu zerplatzen droht. Als der Arzt meinen linken Arm in seine Hände nimmt, um eine geeignete Vene zu ertasten, sagt er kurz: „Wie heiß Sie sich doch anfühlen“. Dann sehe ich zu, wie die rote Flüssigkeit in die Spritze gezogen wird und bemerke den erstaunten und sehr irritierten Blick des Arztes, als mein Blut in dem Röhrchen augenblicklich zu gerinnen beginnt. Noch bevor er die Nadel aus meiner Vene gezogen hatte, war das Blut zu einer festen Masse geworden. Der Arzt zieht die Nadel von der Spritze und bewegt schaukelnd die Ampulle auf und ab, hin und her, ohne dass sich an der Konsistenz des Blutes etwas veränderte. Ein weiterer Versuch, mir Blut abzunehmen, endet ähnlich. Die rote Masse füllt die Spritze aus, ist augenblicklich und komplett geronnen. Das finde ich natürlich schon seltsam, doch es erschreckt mich keinesfalls, denn ich weiß noch nicht, was das zu bedeuten hat.

Irgendwann registriere ich schläfrig, dass Günter und Geli da sind, sie wollen mein Auto heimholen. Etwas hilflos und deplatziert sehe ich sie im Raum stehen. Geli lächelt verlegen, Günter steht unschlüssig da, geht die wenigen Schritte bis zu mir, hin zu meinem Bett nicht. Er lässt sich die Telefonnummer der Station in die Hand drücken, die kommentarlos in seiner Jackentasche verschwindet und wird aufgefordert, es mit dem Besuch für heute zu belassen und wieder zu gehen. Ein Wort, eine Geste, eine Berührung, etwas Trost und Mitgefühl… ob ich darauf gewartet habe… vergeblich darauf gewartet habe? Ist schon gut möglich.

Mir kocht der Kopf, mir ist furchtbar heiß, bin verschwitzt, in meinem Schädel rauscht und dröhnt es, und das Herz hämmert hart gegen die Brust. Eine Schwester zieht mir ein frisches Hemd an und schaut auf das Fieberthermometer, welches man mir erneut gesteckt hatte und dass sie mir nun aus der Achselhöhle nimmt. Irgendwie registriere ich ihr Erschrecken – bin aber zu müde, fühle mich zu krank, um darüber nachzudenken, auch darüber, warum sie fast fluchtartig den Raum verlässt. Plötzlich geht es sehr hektisch in dem Zimmer zu; reges Treiben; alles rennt durcheinander; Stimmen entfernen sich, kommen wieder näher, überschlagen sich… von den Wänden hallt das Echo. Alles um mich herum empfinde ich als unerklärlich, unecht, unmöglich, so weit von mir entfernt. Halb schlafend, halb wachend schwemmen mich die Fieberwellen nach Hause. Ich bin da und doch nicht da, ich bin anwesend und doch weit weg. Das Letzte, an das ich mich bewusst erinnern kann, erscheint mir irgendwie surrealistisch, so seltsam, so anormal: eine Krankenschwester läuft hin und her, schleppt angestrengt und leicht gebückt Eiswürfel in einer Edelstahlschüssel heran. Diese Eiswürfel schüttet sie mir ins Bett und drapiert alle um meinen Körper herum. Ich werde regelrecht in Eis gepackt.

Fieberwellen schwappen über mich und schaukeln mich zurück in meine eigene Kindheit. Barfuß durch den frisch gefallenen Schnee. Ich machte es dem Vater nach. ‚Wechselbäder‘ wurde das von ihm genannt. In der Küche stand die Schüssel mit heißem Wasser, auf dem Fußboden, vor seinem Platz. Der Gegenpart dazu lag draußen vor der Haustüre, unberührt, glitzernd und weiß: Der erste Schnee. Fußspuren im frisch gefallenen Schnee. Kleine nackte Füße laufen hinter großen her. Ein kleines Mädchen, stolzierend wie ein Storch; mit elektrisierendem Schauern vorwärtsschreitend, und die rotgefrorenen Füße nach jedem Schritt schüttelnd; wie eine Katze, die morgens durch taufeuchtes Gras schleicht. Ich sehnte mich nach Hause. Ob Sehnsucht eine Farbe hat? Mag sein, so weiß wie frisch vom Himmel gefallener Schnee.

So ist es ist Abend geworden, Nacht, wieder ein neuer Tag und ein zweiter neuer Tag. Nun bin ich also schon wieder in dieser Klinik, und ich denke an meine Kinder – an meine Iris.

Ich habe immer noch Fieber, wenngleich auch nicht mehr so hoch wie zuvor. Meine Bettnachbarin, die ich, als ich in das Zimmer gebracht worden war, nur kurz wahrgenommen habe, ist, ohne dass ich mich erinnern kann, in einen anderen Raum verlegt worden. Ich bin in dem Krankenzimmer alleine. Die Türe geht auf, ein Arzt, den ich von der Ambulanz her kenne, kommt herein, nimmt sich den Stuhl, welcher an einem kleinen Tisch steht, und setzt sich zu mir ans Bett. Mir kommt es so vor, als wollte er mir etwas erklären; er spricht aber stockend, in abgehackten und unfertigen Sätzen. Das Zuhören und seinen, wie es mir scheint, unverständlichen Sätzen einen Sinn geben zu wollen, strengt mich enorm an. Von einer Störung der Blutgerinnung spricht er, von Kulturen, die angelegt worden sind, von millionenfachen Keimen im Urin, massenhaft auch Keime in meinem Blut! Was soll ich damit anfangen, was dazu sagen? Mein Kopf schmerzt, der Bereich meiner Nieren auch. Immer noch habe ich eine Hitze in mir und weiß mit dem Gesagten wirklich nicht viel anzufangen. Nun ja, ich habe einen schlimmen Schub der bekannten Infektion, so viel weiß ich selbst. Und so sage ich zu dem Arzt: „Ja, es hat mich böse erwischt, es war wieder sehr schlimm“. Darauf entgegnete er: „Es war noch nie so schlimm!“ Wobei er das „Nie“ und dass „So“ bedeutend in die Länge zog. Es war noch nie so schlimm? Ja, das stimmt, so dramatisch angefangen hatte es noch nie. Das war neu. Und ja, es wurde auch von mir selbst als schlimm erlebt. Das war auch neu. Mir war so elend wie noch niemals zuvor. Das stimmte auch. Was soll das bedeuten, Keime im Blut, und wie kommen sie da hinein? Diese Frage stelle ich dem Arzt. „Sie haben eine Urosepsis erlitten“, sagte er leise zu mir. „Eine was habe ich erlitten“?

Ich hatte mich nie wirklich mit medizinischen Fachausdrücken beschäftigt und habe diesen Begriff noch nie zuvor bewusst gehört. Er sagte mir nichts.

Verständnislos und mit fiebrigen Augen schaue ich den Arzt an und höre ihn mit leiser, ernsten, fast tonlosen Stimme noch einmal sagen: „Sie haben eine Urosepsis erlitten – Bakterien im Blut“!

Von dem Arzt geht irgendwas Unsicheres, Nervöses aus. Ständig hat er die Finger vor dem Mund, zupft sich unentwegt an seinem Schnauzbart, so als zähle er die einzelnen Barthaare, und ich weiß nicht recht, was er eigentlich von mir will. Er spricht – wie mir scheint – in Rätseln. Bakterien im Blut? Wo lag der Unterschied zu Bakterien im Urin? Dann brauche ich halt wieder ein Antibiotikum, und bekomme es ja auch schon. Was also ist schon Besonderes dabei? Mit der Ausdrucksweise des Arztes, mit seinem sonderbaren Verhalten, dem Drucksen seiner Worte weiß ich leider nichts anzufangen, weiß nicht, was er meint und auf was er hinauswill. Mir schmerzt der Kopf, ich bin müde, die Augen tun weh und bevor sie mir zu fallen, höre ich mich noch sagen: „Ich muss nach Hause – meine Iris!“

Als ich die Augen wieder öffne, ich weiß nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist, bin ich wieder alleine im Zimmer. In meinem Kopf schwirren mir lauter fremdartige Wörter. Was hatte der Arzt vorhin gesagt, was war dieses Mal so anders, so besonders? Bakterien in meinem Blut? Was bedeutet das denn nun wirklich? Was hatte der Arzt denn genau zu mir gesagt? So viele Gedanken! Sie verdichten sich zu einer Masse in meinem Kopf, fallen laut scheppernd aus mir heraus, kullern allesamt über den Boden, irgendwo hin, verkriechen sich in Ecken, und ich weiß nicht mehr, über was ich mir eigentlich den Kopf zerbreche. Dann suche ich wieder dieses eine bewusste, fremde Wort, welches anscheinend eine neue Diagnose in sich trägt – bei aller Anstrengung: es fällt mir nicht mehr ein. Ich werde die Ärzte noch einmal fragen müssen.