Verknackst, verschluckt, verbrannt - Till Rausch - E-Book

Verknackst, verschluckt, verbrannt E-Book

Till Rausch

0,0
15,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das Baby greift in den Brei, der noch kochend heiß ist. Das Kleinkind steckt sich eine Murmel in die Nase. Die Tochter sticht sich beim Spielen im Wald einen Ast ins Auge. Der Sohn knallt auf dem Trampolin mit seinem Kumpel zusammen. Diese Liste ließe sich unendlich fortführen, denn im Alltag mit unseren Minis lauern diverse Gefahren. Der erste Impuls vieler Eltern: Ab in die Klinik! Die Folge: Viele Notaufnahmen sind überlastet – dabei ist von den hier Wartenden nicht einmal jeder fünfte kleine Patient ein echter Notfall. Das sorgt für lange Wartezeiten, hilft am Ende weder den Kids und ihren Mamas und Papas noch den Ärzten.  Genau das wollen die Kinderdocs Benedict-Douglas Sannwaldt und Till Rausch mit ihrem Buch ändern – und Eltern eine Orientierungshilfe an die Hand geben, mit der sie erkennen, wie dramatisch die Lage wirklich ist: Muss ein Rettungswagen her? Kann ich mit meinem Kind selbst in die Klinik fahren? Oder ist es vielleicht alles halb so wild?    In ihrem Buch behandeln die beiden Kinderchirurgen die häufigsten Arten von Verletzungen und Unfällen im Kindesalter, sie erklären, was ihr zu Hause als Erste-Hilfe-Maßnahmen tun könnt, um euer Kind bestmöglich zu versorgen, und zeigen auf, bei welchen Anzeichen sich Eltern auf jeden Fall auf den Weg ins Krankenhaus machen sollten – und erklären auch, was sie dort genau erwartet und warum.  Ein Buch zum vorsorglichen Drin-Schmökern, aber auch Schnell-mal-Nachschlagen. Mal hoch emotional, mal extrem dramatisch, zwischendurch sogar urkomisch. In jedem Fall aber immer mit viel Herz und Verständnis für alle Eltern, die sich Sorgen um ihren Nachwuchs machen.  Besonderes Highlight: Die Kapitel sind durchgehend mit vielfarbigen Illustrationen versehen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



IMPRESSUM

© 2022

JUNIOR MEDIEN GMBH & CO. KG Willy-Brandt-Straße 51, 20457 Hamburg Tel. 040/357 29 19-0 , Fax 040/357 29 19-29

[email protected]

IDEE, KONZEPT & TEXT: Benedict Sannwaldt, Till RauschPROJEKTKOORDINATION UND LEKTORAT: Nina Schnackenbeck

ART-DIREKTION: Anja Jung

ILLUSTRATIONEN: Michaela Patzner, Studio Rosarot

ePub-Konvertierung: Datagrafix GmbH Berlin

Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Wichtiger Hinweis: Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn du medizinischen Rat einholen willst, konsultiere bitte einen:eine qualifinzierten Arzt:Ärztin. Der Verlag und die Autoren haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

eISBN: 978-3-910509-01-6

leben-und-erziehen.de

Unseren Eltern

INHALT

Vorwort

Teil 1:Hinter den Kulissen des Krankenhauses – Basics und Good-to-Knows

Wohin mit unserem verletzten Kind?

Welcher Zettel ist wofür?

Wie finden wir den:die richtigen:richtige Arzt:Ärztin?

Wie kommen wir ins Krankenhaus?

Haben wir an alles gedacht?

Die Notaufnahme

Wie lange müssen wir warten?

Was machen die Ärzte:innen und Pfleger:innen, während wir warten?

Auf der Station

Der OP – wie läuft das eigentlich ab?

Die Entlassung

Und nach dem Krankenhaus?

Teil 2:Verletzungen und Erkrankungen von Kopf bis Fuß

Unser Kind hat Schmerzen – was dürfen wir tun?

Die häufigsten und größten Gefahrenquellen

 

Von Kopf bis Fuß:

Neugeborenenverletzungen (Geburtsverletzungen)

Kopfverletzungen

Verletzungen im/am Auge

Verletzungen an der Nase

Verletzungen im Mund

Hilfe, es blutet!

Schürfwunden

Riss- und Schnittwunden

Kopfplatzwunde

Schnittwunde an der Hand

Bisswunden

Geklemmte Finger

Knochenbrüche

Chassaignac-Lähmung

Schlüsselbeinbruch

Oberarmbruch

Bruch des Ellenbogens

Unterarmbruch

Brüche an der Hand

Brüche und Verletzungen an Bein und Fuß

Prellungen und Brüche an Fuß und Zehen

Der eingewachsene Zehennagel

Entzündungen am Finger und an den Zehen

Auf den Bauch gefallen

Andere Bauchschmerzen

Verletzungen im Intimbereich

Vorhautentzündung

Vorhauteinklemmung

Verdrehung des Hodens

Hodenhochstand

Leistenbruch

Fremdkörper in der Scheide

Blaue Flecken

Insektenstiche und -bisse

Entzündungen der Haut

Verbrennungen und Verbrühungen

Splitter und Fremdkörper in der Haut

Fremdkörper verschluckt

Fremdkörper in Nase und Ohr

Der Badeunfall

Misshandlung

 

Danksagung

Ein herzliches Moin, Moin!

Wir sind Benedict Sannwaldt, Facharzt der Kinderchirurgie, und Till Rausch, Assistenzarzt in der Kinderchirurgie. Zusammen haben wir in den letzten Jahren in einer der größten Kindernotaufnahmen Hamburgs gearbeitet und die Ausbildung zum Kinderchirurgen durchlaufen.

Wie ihr euch vorstellen könnt, kann der Job ganz schön stressig und belastend sein. Kranke Kinder (und ihre aufgeregten, manchmal auch aufgelösten Eltern) in der Notaufnahme, organisatorische Meisterleistungen, aber auch mal Fehlschläge und Kompliziert-Zwischenmenschliches auf der Station, „nebenbei“ operieren …

Personalmangel gehört in den Krankenhäusern mittlerweile leider zum Alltag und führt nicht selten zur großen Überlastung und Überforderung der jungen Assistenzärzte:ärztinnen und des Pflegepersonals. Gepaart mit einer stetig steigenden Patienten:innenzahl, gerade in den Notaufnahmen, und dem daran anschließenden unvermeidbaren Papierkram, führt das in einen Teufelskreis, in dem am Ende niemandem mehr geholfen ist.

Warum es mehr Patienten:innen als früher gibt, das wissen wir auch nicht so genau. Sicher spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Die Informationsflut aus den Medien in Kombination mit weniger Kontakt zu älteren, erfahreneren Familienmitgliedern und eine daraus resultierende Unsicherheit? Eine durch das Internet und unsere heutige Schnelllebigkeit gewachsene Anspruchshaltung, alles überall sofort zur Verfügung zu haben und klären zu können? Sind die heutigen Eltern einfach vorsichtiger als die Generationen von Eltern davor? Ist das Wissen um den eigenen Körper ein anderes als früher?

Tatsächlich scheint es so gewesen zu sein, mag man älteren Kollegen:innen glauben, dass früher, vor 20 oder 30 Jahren, die Situation eine andere war. In der Notaufnahme war man regelrecht aufgeregt, wenn mal ein Krankenwagen angefahren kam. Hierher kam wirklich nur, wer ein Notfall war. Dementsprechend war die Notaufnahme auch nur dann besetzt, ansonsten konnte sich das Krankenhauspersonal um die kranken und schwerkranken Kinder auf der Station kümmern. Heute hält der Krankenwagen im Stunden-, manchmal sogar im Minutentakt vor unserer Tür … Wir sind immer froh, wenn wir helfen können, wenn aber junge Patienten:innen schon wieder lachend von der Liege springen, ist das vor allem verschenkte Zeit und Energie aller Beteiligten.

Kranke und schwerkranke Kinder gibt es heute leider natürlich immer noch genauso viele wie früher. Nur sind eben die „Notfälle“ erheblich mehr geworden, nicht aber das Personal – im Gegenteil sogar. Eine gefährliche Mischung. Natürlich wollen wir mitnichten die Patienten:innen (oder ihre Eltern) verantwortlich für das gestresste und überarbeitete Personal machen! Wir wissen ganz genau, dass ein großes Problem im System und in der Gesundheitspolitik liegt, aber das ist ein ganz anderes Thema, das wir an dieser Stelle nicht aufmachen wollen …

In unserer Ausbildungszeit, aber auch jetzt noch fällt uns auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Arbeit in der Notaufnahme darin besteht, besorgte Eltern zu beruhigen, Aufklärung zu betreiben und kleinere Wehwechen zu versorgen, die sehr häufig gar kein Fall für die Notaufnahme sind. Und natürlich der Papierkram … Umgekehrt wird der Frust im Wartezimmer mit jeder Stunde des Wartens größer. Oft entlädt sich der Ärger der Eltern dann beim Pflegepersonal oder anderen Mitarbeitern:innen des Krankenhauses, die nichts dafür können.

Nun ist es nicht unser Ansinnen, jemanden, der ernsthaft besorgt ist, davon abzuhalten, die Notaufnahme aufzusuchen – jedoch möchten wir euch mit diesem Buch eine kleine Hilfe an die Hand geben, um häufige Verletzungen und Erkrankungen richtig einordnen und euren kleinen und großen Kindern zu Hause selbst helfen zu können. Auch, damit ihr euch zutraut, eurem eigenen Urteilsvermögen und Bauchgefühl wieder mehr zu vertrauen und nicht immer gleich den Krankenwagen zu rufen.

Wir sind keine Träumer, wir können das System aktuell nicht ändern. Aber wir können euch ein bisschen Sicherheit darin vermitteln, mit den Problemen eurer Kleinen besser zurechtzukommen. Mal ehrlich, ihr würdet euch doch bestimmt ebenso gern die Fahrt ins Krankenhaus am Freitagabend ersparen …

Es soll dabei im Übrigen auf den nächsten knapp 200 Seiten nicht mit Fachwörtern herumgeschmissen werden! Wir wollen euch einfache und anschauliche Tipps und Tricks für zu Hause mit auf den Weg geben, ein bisschen nützliches Basiswissen, und werden uns außerdem auf Themen beschränken, mit denen wir häufig in der Notaufnahme zu tun haben, die zum großen Teil aber mit etwas Zeit, Nerven und gutem Willen auch zu Hause behandelt werden können. Zumindest im ersten Schritt und mit etwas Zuwarten. Und dann reicht in den meisten Fälle der Gang zum:zur Kinderarzt:ärztin, anstatt in einer von Panik getränkten Aktion ins Krankenhaus zu sausen. By the way: Panik und Aufregung verstärken die allermeisten Symptome und tun weder dem kleinen Kinderkörper und der Kinderpsyche gut noch uns Eltern.

Natürlich verraten wir euch auch, worauf ihr achten müsst, wenn ihr mit verletztem Kind zu Hause bleibt, und wann ihr euch dann doch lieber auf die Socken machen solltet.

Eines ist dabei klar: Dieses Buch kann keinen Arztbesuch ersetzen, und wir können euch auf diesem Wege weder „echte“ Diagnosen an die Hand geben noch tieferes medizinisches Wissen vermitteln. Eine Diagnose muss immer ärztlicherseits gestellt werden. Aber bei vielen Verletzungen lässt sich eben auch erst mal abwarten, der Zeitpunkt der Behandlung steht nicht an erster Stelle, sondern das Beruhigen des Kindes, das Herunterkochen des Schrecks, das Kümmern und Versorgen des verletzten und schmerzenden Körperteils.

Nun denn, starten wir in unsere Welt der Notaufnahme hinein – aus der wir auch ein paar Anekdoten zum Besten geben wollen, damit ihr einmal hinter die Kulissen von uns Notfallärzten und -ärztinnen schauen könnt.

Hinter den Kulissen der Notaufnahme – Basics und Good-to-Knows

Wohin mit unserem verletzten Kind?

Bevor wir in die Kapitel zu den häufigsten Verletzungen einsteigen, verraten wir euch vorab ein bisschen Allgemeines zu den Abläufen im Kranken-haus im Besonderen und zum Gesundheitssystems im Allgemeinen.

Wenn euer Kind einen Unfall hatte und verletzt ist, Schmerzen hat, gibt es drei Anlaufstellen, wenn ihr euch entschließt, es behandeln zu lassen:

1.   Kinderarztpraxis/Hausarztpraxis/sonstige Facharztpraxis

2.   (Kinderärztliche) Notfallpraxis

3.   Notaufnahme

Und diese drei Anlaufstellen sollten im besten Falle auch genau in der genannten Reihenfolge aufgesucht werden. Das hängt natürlich von der Tageszeit ab, zu der ihr in helle Aufregung geratet, weil euer Schatz nach einem Sturz oder ähnlichem womöglich wie am Spieß schreit oder aber gar nicht und sich beunruhigend ruhig verhält.

Am Tag sind zu den normalen Öffnungszeiten die Kinderarztpraxen oder auch Hausarztpraxen zuständig für eure Sorgen und Fragen.

Für Unfälle und große Schmerzen außerhalb der regulären Öffnungszeiten gibt es die sogenannten kinderärztlichen Notfallpraxen, in denen bis in den späten Abend (manchmal bis in die Nacht) und am Wochenende Kinderärzte:ärztinnen arbeiten, um dringliche Fälle außerhalb des normalen Werktags zu behandeln.

Sind die niedergelassenen Kollegen:innen mit ihrem Latein am Ende, fehlen ihnen die notwendigen Geräte für eine besondere Untersuchung oder Behandlung oder handelt es sich wirklich um eine brenzlige Situation, dann überweisen die Kollegen:innen euer Kind in die Notaufnahme des Krankenhauses, und ihr landet bei uns.

Welcher Zettel ist wofür?

Wenn die Ärzte:Ärztinnen in der Praxis sich entscheiden, euer Kind ins Krankenhaus zu schicken, weil die Behandlung aufwendiger ist, dann gibt es für sie zwei Wege:

1. Für eine Krankenhausbehandlung mit mindestens einer Übernachtung wird ein Einweisungsschein ausgestellt. Diesen kleinen rosa Zettel solltet ihr auf jeden Fall mitbringen! Er stellt die Kostenübernahme der Behandlung durch die Krankenkasse sicher. Keine Sorge, Notfälle direkt bei uns in der Notaufnahme bilden natürliche eine Ausnahme und werden auch ohne Einweisung behandelt.

2. Falls eine ambulante Behandlung ausreicht, zum Beispiel für radiologische Untersuchungen oder Spezialsprechstunden, können die Praxen euch einen Überweisungsscheinausstellen. Mit diesem könnt ihr dann einen Termin für eine Sprechstunde im Krankenhaus in der entsprechenden Abteilung vereinbaren. Die Überweisung ist also nichts für die Notaufnahme. Ihr solltet auch diesen meist gelben Schein unbedingt dabeihaben, andernfalls können die Leistungen in den Sprechstunden nicht abgerechnet werden, und es kann passieren, dass ihr trotz Termins keine Behandlung bekommt.

Wie finden wir den:die richtigen:richtige Arzt:Ärztin?

Früh morgens kam einmal ein Mann mit einem großen Hund auf dem Arm in unsere Notaufnahme gestürzt.

„Hilfe, Sie müssen ihr helfen, sie ist einfach umgefallen!“ Aha, also eine Hündin.

„Ist sie tot?“, fragte die Krankenschwester.

„Nein, nein, ihr Herz schlägt noch, schnell!“

Die Krankenschwester musste dem armen Mann erklären, dass wir uns im Kinderkrankenhaus mit Hunden nicht auskennen, und verständigte den tierärztlichen Notdienst.

Und neulich kam eine Mutter mit ihrer jugendlichen Tochter in unser Kinderkrankenhaus.

Mutter, aufgeregt: „Wir brauchen unbedingt die Pille danach!“

Krankenschwester: „Es tut mir leid, aber die haben wir hier nicht.“

Mutter: „Wie, das ist doch ein Krankenhaus?!“

Krankenschwester: „Ja, ein Kinderkrankenhaus. Und Kinder benötigen die Pille danach eher selten.“

Damit euch nicht auch so etwas oder ähnliches passiert, möchten wir euch dabei helfen, von vornherein die richtige Anlaufstelle für das Problem eures Kindes aufzusuchen. Sorgt euch jetzt aber nicht, dass ihr am Anfang womöglich die „falsche“ Fachabteilung ansprechen könntet! Denn nach Aufnahme eures Kindes stehen die verschiedenen Abteilungen und Experten:innen ohnehin in regem Austausch miteinander, wenn das vonnöten ist. Da geht nichts unter.

Wir stellen euch jetzt in aller Kürze die verschiedenen Fachrichtungen einmal vor, die in einem Krankenhaus angesiedelt sein können. Die Betonung liegt auf „können“, darum lohnt es sich, vorher einmal abzuklären, ob die von euch benötigte Fachabteilung überhaupt in dem angepeilten Krankenhaus vertreten ist.

Und bitte denkt daran, wenn ihr schon dabei seid, zu fragen, ob die Kollegen:innen der benötigten Abteilung auch wirklich Kinder mitbehandeln, wenn es kein explizites Kinderkrankenhaus ist. Dadurch könnt ihr euch mitunter einige Stunden an Wartezeit ersparen, die am Ende vollkommen umsonst gewesen sind.

Beginnen wollen wir natürlich mit der schönsten Fachrichtung der Welt. 6

Kinderchirurgie

Was die Kinderchirurgie so spannend macht, ist das vielseitige Arbeiten. Wir behandeln Patienten:Patientinnen von Geburt an bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Dabei geht es um Erkrankungen/Fehlbildungen und Verletzungen von Kopf bis Fuß.

Kinderchirurgen:innen, und damit wir, sind Ansprechpartner:innen für

Urologie

Traumatologie/Unfallchirurgie

Allgemein- und Viszeralchirurgie

Plastische Chirurgie

Verbrennungschirurgie

Neugeborenenchirurgie

Fehlbildungschirurgie

Das bedeutet also, dass ihr mit den meisten chirurgischen Problemen eurer Kinder in einer Notaufnahme richtig seid, die sich a) in einem Kinderkrankenhaus befindet und/oder b) die Fachabteilung „Kinderchirurgie“ besitzt. Es gibt einige wenige Ausnahmen, die noch besser bei anderen Kollegen:innen aufgehoben sind. Und es kommt zu einigen Überschneidungen mit anderen Fachbereichen, wie zum Beispiel der Unfallchirurgie/Orthopädie oder Urologie. Gerade kleinere Kinder sind aber erfahrungsgemäß in einer Kinderklinik beziehungsweise auf einer Kinderstation am besten aufgehoben, da sowohl die Ausstattung der Klinik kindgerechter als auch das Personal im Umgang mit Kindern besser geschult ist.

Besonders häufig arbeiten wir mit folgenden Fachrichtungen zusammen:

Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin)

In unserem Haus wie in vielen anderen teilen wir uns die Notaufnahme mit den Kinderärzten:ärztinnen, sodass ein stetiger Austausch über alle Patienten:innen herrscht (zumindest da, wo sinnvoll oder nötig).

Ganz grob kann man sagen, dass die Pädiater:innen alle „konservativen“ Krankheitsbilder im Kindesalter behandeln. Das heißt, alles, wo keine Operation notwendig ist. Häufig verschwimmen da aber auch die Grenzen, zum Beispiel, wenn bei Bauchschmerzen erst auf einen Magen-Darm-Infekt hin untersucht wird und sich am Ende herausstellt, dass es sich um eine Blinddarmfortsatzentzündung handelt. Dann sind wir Chirurgen:innen mit dem Skalpell zur Stelle.

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG)/Hals-Nasen-Ohren-Medizin (HNO)

Wir sehen viele Kinder mit Verletzungen im Bereich des Gesichts. Das meiste davon kann ohne Operation behandelt oder auch operativ durch uns Kinderchirurgen:innen versorgt werden. Handelt es sich allerdings um komplexere Verletzungen, ist es ratsam, eine MKG- oder HNO-Klinik aufzusuchen. Gerade bei größeren Verletzungen der Zähne könnt ihr euch den Weg zu uns Kinderchirurgen:innen in der Regel sparen. Wir gucken uns selbstverständlich alles an. Im Zweifel verweisen wir aber auf die Kollegen:innen.

Wie ihr sicher wisst, stecken sich die lieben Kleinen auch gern mal Gegenstände in Mund, Nase und Ohren. Da ist uns wirklich schon alles untergekommen: Geld, Murmeln, Holz, Popcorn, um nur einiges zu nennen. Sind die Gegenstände gut sichtbar und greifbar, können wir diese entfernen. Ansonsten ist auch hier die Vorstellung in der MKG/HNO sinnvoller. Die Kollegen:innen sind dort meist besser ausgestattet, um tief liegende Fremdkörper zu entfernen.

Augenheilkunde

Bei Verletzungen der Augen solltet ihr direkt einen:eine Augenarzt:ärztin aufsuchen. Dazu gehören Wunden und Blutergüsse, die das Auge direkt oder die Augenlider betreffen. Auch Infektionen am Auge oder Verletzungen der Bindehaut durch Chemikalien sollten direkt in einer Klinik mit Augenärzten:innen vorgestellt werden. Dieser Bereich ist schon sehr speziell, und es werden oft entsprechende Geräte für eine umfassende Behandlung benötigt.

Orthopädie/Unfallchirurgie

Wie schon erwähnt, überschneidet sich dieser Bereich mit der Zuständigkeit von uns Kinderchirurgen:innen. Die Orthopäden:innen und Unfallchirurgen:innen befassen sich mit aller Art Verletzungen von Knochen und Weichteilen. Sie sind nicht speziell auf Kinder und Jugendliche ausgelegt, aber behandeln diese mit. Einige der Ärzte:Ärztinnen in diesem Bereich kennen sich besser mit Kindern aus, andere weniger gut. Prinzipiell gilt aber, dass ihr mit Verletzungen an Armen und Beinen beim:bei der Orthopäden:in/Unfallchirurgen:in richtig seid.

Gynäkologie

Wir Kinderchirurgen:innen befassen uns genauso wie die Pädiater:innen mit Erkrankungen der Genitalorgane, die häufiger auch mal operiert werden müssen. Kleine Kinder können durch explizite Frauenärzte:ärztinnen meist auch nicht besser untersucht werden. Aber jugendliche und „fast“ erwachsene Mädchen sollten mit Unterbauchschmerzen explizit von Frauenärzten:ärztinnen mitbeurteilt werden. Denn bei dieser Art Bauchschmerzen muss auch immer an mögliche Probleme der Eierstöcke oder der Gebärmutter gedacht werden.

Urologie

Urologische Erkrankungen eines Kindes werden sowohl von Kinderchirurgen:innen als auch von Urologen:innen behandelt. In der Urologie geht es um die Genitalorgane und den gesamten Harntrakt, also auch die Nieren und die Harnblase. Um Erkrankungen der Nieren und der Harnblase kümmern sich teilweise aber auch die Kinderärzte:innen. Bei Mädchen und Frauen gibt es natürlich Überschneidungen zur Gynäkologie.

Neurochirurgie

Der:die Neurochirurg:in befasst sich vor allem mit Erkrankungen und Verletzungen des Kopfes und der Wirbelsäule. Wenn ihr mit eurem Kind mit einer Gehirnerschütterung oder einer Kopfverletzung ins Krankenhaus kommt, werdet ihr normalerweise immer zuerst von den Kinderchirurgen:innen oder Kinderärzten:ärztinnen angeschaut. Der:die Neurochirurg:in wird bei besonders schlimmen Fällen und bei Bedarf einer Operation hinzugezogen.

Herzchirurgie

Das Herz ist immer in Bewegung und recht komplex in Aufbau und Funktion. Nicht umsonst gibt es Chirurgen:innen, die sich „nur“ mit diesem Organ beschäftigen. Das gilt auch für Kinder. Bei Herzfehlern oder Fehlbildungen am Herzen seid ihr hier am besten aufgehoben.

Ich erinnere mich gut an eine skurrile Situation am späten Abend im Krankenhaus. Ich betrat das Behandlungszimmer, wo ein Vater mit seinem Jungen schon auf mich wartete. Ich stellte mich vor und fragte, was denn passiert sei. Da musterte mich der Vater von Kopf bis Fuß, zögerte kurz und fragte dann zurück: „Wie, und das ist jetzt alles?“ Ich entgegnete ihm: „Was haben Sie denn erwartet? Einen alten Mann mit Rauschebart und Brille?“ Seine Antwort war recht trocken: „Ehrlich gesagt, ja.“

Tja, liebe Eltern, auch Professoren:innen müssen mal schlafen. Naturgegeben werden euch in der Notaufnahme darum eher selten die Spezialisten:innen und Oberärzte:ärztinnen begegnen, sondern immer häufiger sehr junge Kollegen:innen, und die haben auch mal keinen Bart. Ein Oberarzt:ärztin oder ein Chefarzt:ärztin für Zweitmeinungen oder Mitbeurteilungen oder für eine endgültige Behandlungsentscheidung ist in der Regel nicht zugegen. Im Zweifel werdet ihr also unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt. Und das macht doch weder euch noch uns Spaß. Wir als Chirurgen:innen sind am Wochenende und nachts in vielen Kliniken allein im Dienst und kümmern uns dann um die Patienten:innen auf der Station, in der Notaufnahme und auch im OP. Oft bleibt da nicht viel Zeit für weniger dringliche Fälle …

Wie kommen wir ins Krankenhaus?

Sollte der Fall eintreten, dass ihr entscheidet, ins Krankenhaus zu fahren, stellt sich als Nächstes die Frage, wie ihr dorthin kommt. Die Antwort ist ganz einfach:

1. Ihr spaziert einfach hinein und meldet euch an – am besten natürlich mit einem Einweisungs- oder Überweisungsschein von eurer Kinderarztpraxis.

2. Ihr kommt mit dem Rettungswagen/Hubschrauber. Wenn ihr den Rettungsdienst verständigt, entscheidet dieser vor Ort, ob eine notärztliche Betreuung notwendig ist und wie der Transport ins Krankenhaus erfolgen soll. Dies kann dann mit dem Rettungswagen oder auch dem Hubschrauber sein. In manchen Städten oder Regionen gibt es spezielle Rettungsdienste für Kinder, teilweise sind diese ehrenamtlich im Dienst.

Allerdings: Ein Rettungswagen sollte wirklich nur gerufen werden, wenn es sich um einen Notfall handelt, in dem Gefahr im Verzug ist.

Ich wurde einmal nachts um drei aus dem wohlverdienten Schlaf geklingelt, weil ein Kind mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme gebracht worden war, das aus dem Bett gefallen war. Dem Kind ging es gut, es war munter und hatte, auf Nachfrage, auch zu Hause keinerlei Probleme gezeigt, bis auf eine kleine Beule. Ich fragte die Eltern, warum sie den Rettungsdienst verständigt hätten. „Das ist doch am praktischsten und am schnellsten, oder nicht?“, war die Antwort.

Und ein Bekannter erzählte mir neulich, seine Schwiegertochter sei auf einer Feier beim Tanzen umgeknickt. Ihr Mann hatte sie zur Sicherheit ins Krankenhaus bringen wollen, weil der Knöchel wehtat. Da gab ein Bekannter ihm einen heißen Tipp: „Ruf doch den Krankenwagen, das geht schneller, und du kommst auch direkt dran!“

Nein, ihr Lieben, so ist das leider nicht gedacht! Der Rettungsdienst sollte wirklich nur bei schweren Verletzungen oder Notfällen verständigt werden. Dazu gehören starke Blutungen, Atemnot, plötzliche Wesensveränderung, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder gefährliche Unfälle.

Ein Transport mit dem Rettungswagen ist mit hohen Kosten verbunden. Diese Kosten fallen über die Krankenkassenbeiträge am Ende auf uns alle zurück.

Der Mythos, dass man schneller an der Reihe sei, wenn man mit dem Krankenwagen komme, ist wirklich einer. Es kommen jeden Tag so viele Rettungswagen mit kleinen Wehwehchen bei uns an, dass auch diese Patienten:innen erst mal in die Wartehalle müssen.

Haben wir an alles gedacht?

Bevor ihr ins Krankenhaus aufbrecht, solltet ihr euch über ein paar Dinge Gedanken machen.

Wenn es irgendwie geht, lasst die Geschwisterkinder zu Hause. Ein Elternteil reicht als Begleitung aus, bei Rückfragen und Unsicherheiten könnt ihr euch telefonisch absprechen. Es ist manchmal wirklich schwierig, ein ernstes Gespräch zu führen oder Untersuchungen zu machen, wenn noch drei Geschwisterkinder durch den Raum toben (auch das: alles schon erlebt).

Wer bleibt? Sollte ein Krankenhausaufenthalt mit Übernachtung anstehen, müsst ihr natürlich klären: Wer bleibt bei dem kranken Kind? Wer ist zu Hause, um sich um die Geschwister zu kümmern? Kann euer Kind womöglich schon allein im Krankenhaus bleiben? Oder gibt es Verwandte/Freunde:innen, die zu Hause einspringen können?

Was braucht ihr? Packt ein paar Klamotten zum Wechseln und eine Zahnbürste ein (natürlich sowohl für euer Kind als auch für euch, wenn ihr mit über Nacht bleibt) – das reicht. Und vielleicht etwas Spielzeug oder Bücher, um Wartezeiten zu überbrücken.

Ihr solltet eurem Kind nichts mehr zu Essen geben! Ist eine Operation mit Narkose notwendig, dann ist diese nämlich deutlich riskanter, wenn man etwas im Magen hat. Falls euer Kind während der Narkose erbricht, könnten feste Nahrungsteilchen in die Lunge gelangen und dort eine schwere Entzündung verursachen. Man nennt das Aspiration. Das Risiko für eine Aspiration ist deutlich geringer, wenn man mindestens sechs Stunden vor einer OP nichts gegessen und für zwei Stunden kein Wasser getrunken hat. Wenn es nicht anders geht oder euer Kind lange nichts zu sich genommen hat, gebt ihm also höchstens ein bisschen Wasser trinken.

Die Notaufnahme

Die Notaufnahme ist einer der zentralen Orte in jedem größeren Krankenhaus, wo immer etwas los ist und verschiedene Ärzte:Ärztinnen aus unterschiedlichen Abteilungen sowie Patienten:innen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen zusammenkommen. Je mehr los ist, desto gestresster sind hier in der Regel die Menschen, und umso weniger Zeit und Energie kann aufgewendet werden, um dem:der Einzelnen zu erklären, warum er:sie warten muss. Häufiges Nachfragen oder gar Beschwerden verzögern den Ablauf noch mehr und schlagen sich auf die Gesamtstimmung nieder.

Um ein bisschen mehr Verständnis zu schaffen, möchte wir euch hier einen Überblick über die Organisation und Struktur der Notaufnahme geben. Man muss aber beachten, dass jedes Krankenhaus und jede Notaufnahme anders organisiert ist.

Die Gesundheits- und Krankenpfleger:innen stellen den ersten Kontakt zu euch her. Bei ihnen meldet ihr euch an bzw. werdet angemeldet und zeigt eure Krankenkassenkarte vor. Anschließend schätzen sie ein, wie bedrohlich der Zustand eures Kindes ist. Diese erste Einschätzung ist natürlich unheimlich wichtig. Darauf aufbauend wird entschieden, welcher Fachabteilung euer Kind zugeordnet wird. Ist euer Kind stabil genug, geht es erst mal in die Wartehalle.