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Ob eine "Islamisierung des Abendlandes" droht, darüber kann man trefflich streiten. Gewiss dagegen ist jedoch, dass wir in den letzten Jahrzehnten bereitwillig das philosophische Wissen von Jahrtausenden leichtfertig über Bord geworfen haben. Für „Glasperlen und Wolldecken“ haben wir unsere Kulturgüter weggeschmissen. Es wäre gut, sich wieder auf diese Güter zu besinnen. Auf Vernunft und Freiheit als Tätigkeitsvermögen.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2015
Für
Michi und Martin
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Das Leben des Thomas
4. Das Werk des Thomas
5. Das Fremdheitserlebnis
1 Thomas, der Aristoteliker – Hinwendung zur materiellen Welt
2 Thomas, der Heilige
6. Der Notenschlüssel
1 Die Liebe zu Gott
2 Thomas´ Liebe zur Welt
3 Thomas´ Liebe zur Wahrheit
7. STh, Artikel 91,3
1 Die Schöpfung
2 Das Erkennen
8. „Jeder Mensch begehrt von Natur aus zu wissen“
1 Das Erkennen der Welt
2 Das Erkennen der Wahrheit
3 Das Erkennen Gottes
9. STh, Artikel 93,4
10. Nachwort
Literaturverzeichnis
Der nachfolgende Text stammt aus dem Jahr 1990.
Damals studierte ich an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie, Psychologie und Neurophysiologie. Der Text war eine Hausarbeit im Seminar „Philosophische Deutungen des Menschen in Vergangenheit und Gegenwart“.
Nun, ein viertel Jahrhundert später, erscheint mir der Text immer noch aktuell und wichtig.
Die „Unabhängigkeitserklärung“ der US-Amerikaner war und ist ja auch und vor allem eine Unabhängigkeitserklärung von den kulturellen und philosophischen Wurzeln Europas gewesen. Die Auswirkungen davon kann man in den USA bis heute überall spüren und beobachten. Knapp 240 Jahre „Historie“ können eben kein Ersatz sein für die Jahrtausende europäischer Kultur. Doch auch bei uns sind die kulturellen Wurzeln, u.a. durch eine fortwährende Amerikanisierung, weitgehend verloren gegangen. Nicht durch eine Unabhängigkeitserklärung, sondern durch täglichen Konsum von Junk-Food und Trash-TV.
Kultur-Anthropologen übersehen zu gerne, dass die Esskultur nicht nur ein wesentlicher Bestandteil sondern auch ein Spiegel der Kultur überhaupt ist.
Noch schlimmer jedoch wird der Verlust spürbar, wenn ein Elektronikhändler mit dem Spruch „Geiz ist geil“ werben kann, ohne dass sich Widerstand regt.
Von keiner Kanzel, in keiner Schule, in keiner Zeitung.
Für Thomas von Aquin jedoch war noch klar, dass Geiz der Klugheit widerspricht.
Und wenn mittlerweile selbst in Bildungsstätten von Klöstern, wohl mit rein kommerziellen Zielen, „Heilfasten“ angeboten wird, dann zeigt dies den vollkommenen Verlust unserer geistigen Wurzeln.
Fasten war ein Mittel für den Geist, nicht für den Körper. Und die Idee des „Heilfasten“ folgt eben genau einer manichäischen Trennung von Körper und Geist. Einer Trennung, in der der Geist als das Gute und als Gefangener des Körpers gesehen wird. Eine Trennung, in der der Körper als „dreckig“ gesehen wird und man meint, ihn „reinigen“ zu müssen. Genau diese Trennung versuchte Thomas von Aquin zu überwinden. Die Betonung der Zusammengehörigkeit von Körper und Geist ist eine zentrale Aussage des Aquinaten.
Gerade heute, in einer Zeit umwälzender Konflikte und Probleme, wäre eine Besinnung auf die überlieferten Erkenntnisse notwendig und hilfreich. Nicht nur bei der Diskussion um eine befürchtete „Islamisierung des Abendlandes“ und über die Grausamkeiten religiöser
