Vertrauen statt Erziehung - Esthi Wildisen - E-Book

Vertrauen statt Erziehung E-Book

Esthi Wildisen

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Beschreibung

Eine Gebrauchsanweisung für ein entspanntes Familienleben? Viele Eltern, hauptsächlich Mütter, leiden darunter, wenn sie ihre Kinder anschreien, sie unfreundlich behandeln oder so tönen wie ihre eigene Mutter. Dennoch fühlen sie sich in stressigen Situationen mit den Kindern manchmal so hilflos, dass sie auf nichts anderes zurückgreifen können. Sogenannte alte Muster aus unseren eigenen Erziehungserfahrungen als Kind beeinflussen unser Leben und unsere Beziehungen, ob wir wollen oder nicht. Häufig wiederholen wir als Eltern genau diese Muster, obwohl sie uns nicht gut getan haben. Oder wir versuchen uns im kompletten Gegenteil im Stil von: Ich will es anders machen als meine Eltern. Dabei merken wir nicht, dass wir wieder nur auf unsere Geschichte reagieren und gar nicht wirklich frei sind, Mama oder Papa zu sein, wie wir es vom Herzen her sein könnten. Das kann sich jetzt ändern. Auf einfühlsame und respektvolle Art und Weise beschreibt die erfahrene Elterncoachin Esthi Wildisen, wie Muster entstehen, aber auch, wie wir sie mit Hilfe der Methode The Work of Byron Katie überwinden können. Damit Eltern selbstwirksam und so wie es ihrer Natur entspricht, ihre Kinder begleiten können. Mit Beispielen aus der Praxis, vielen hilfreichen «Gedankenöffnern» für neue Sichtweisen, und einer Anleitung, wie es immer besser gelingt, bei sich selbst - im eigenen Garten - zu bleiben. So können Eltern auch in stressigen Zeiten immer gelassener bleiben und das Familienleben positiv gestalten.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Warum ein Kinderbeziehungs-Buch

Ich kann und will dir keinen Rat geben, wie du deine Kinder erziehen kannst. Wie du sie dazu bringen kannst, so zu sein, wie du sie haben möchtest. Was du tun musst, damit sie dir gehorchen.

Denn solche Strategien bringen die Kinder nur weiter weg von dir. Das halte ich nicht für sinnvoll.

Ich möchte dir vielmehr zeigen, wie du die Kinder nahe zu dir holen kannst. So dass du Seite an Seite mit ihnen durchs Leben gehst – miteinander in die gleiche Richtung.

Ich mag es sehr, eine Atmosphäre zu schaffen, die es allen ermöglicht, einen guten Platz zu haben und sich aus freien Stücken und aus einem eigenen Anliegen heraus zu beteiligen. Mit anderen Worten: Mein Buch handelt davon, wie du immer wieder die Verbindung zu deinem Kind und zu dir aufnehmen und stärken kannst. Und es möchte dir verschiedene Wege aufzeigen, mit dem, was dich davon abhalten kann, umzugehen. Mit meinem Wunsch für dich, dass du etwas weniger lang suchen musst, als ich es musste, bis du deine Wege findest.

Damit du dich überhaupt auf dieses Buch einlassen kannst, versuche ich, in Teil 1 «Eine andere Sicht» zu vermitteln, wo der Blick neu sein darf und was sich damit ändern kann. Weisst du: Mit den alten Zöpfen kommen wir einfach nicht weiter.

Es führt in eine Sackgasse, wenn wir unsere Kinder kontrollieren wollen (z. B. mit Strafen). Und vom Versuch bis zur Sackgasse liegt ein Weg dazwischen, der für alle Beteiligten schmerzvoll und trennend ist. Habe den Mut, dich davon zu verabschieden und neue Wege einzuschlagen. In der Verbindung zu Kindern liegt so viel liebevolle Kraft und Lebensfreude. Und Lebensfreude scheint mir das Gegenteil von Perfektionismus und «Was-denken-die-anderen?» zu sein.

Vielleicht hast du schon viele Bücher und Ratgeber zum Thema Kindererziehung gelesen, eventuell bereits Kurse besucht und voller Freude und Enthusiasmus Neues ausprobiert. Alles schien bestens zu funktionieren … bis du dich plötzlich wieder im alten Fahrwasser befandest. Was war das nur, was dich daran hinderte, die Mutter oder der Vater zu sein, die bzw. der du sein möchtest?

Was dich daran hinderte, war die ungeheure Kraft der alten Muster und Konditionierungen. Sie sind stärker als der Wille, stärker als ein gewünschtes Verhalten. Wenn sie nicht aufgelöst werden, wirken sie aus der Tiefe deiner Geschichte weiter. Darum stelle ich dir in Teil 2 «The Work» von Byron Katie (www.thework.com/deutsch) vor. Für mich ist dies die wirksamste und direkteste Methode, meine Muster und Konditionierungen (also Gedanken und Überzeugungen) aufzulösen.

In Teil 3 beschreibe ich eine der wichtigsten Brücken zu anderen Menschen: die ehrliche und wertschätzende Kommunikation. Über Kommunikation wissen die meisten schon viel. Doch manchmal ist da etwas, was einen von allen guten Vorsätzen und der Anwendung von all dem angesammelten Wissen abhält. Du ahnst es schon: Da geht es wieder um die alten Muster, die du ab Teil 2 bearbeiten kannst.

In Teil 4 findest du verschiedene Gedankenöffner, die dir helfen sollen, deinen Blick zu öffnen, dein Denken zu öffnen, dein Herz zu öffnen. Zum Beispiel «Gefühle nach Hause nehmen»: Die meisten von uns tragen Gefühle in sich, die früher nicht ausgedrückt werden durften. Sie kommen aber immer wieder hoch und entladen sich nach aussen; leider auch gegenüber unseren Kindern, wenn wir diese Gefühle zurückhalten und sie uns selbst verbieten möchten. Oder wir würgen sie wieder hinunter, entfernen uns aber damit von uns selbst und werden uns selbst immer fremder. Hier findest du eine Übung, wie du diesen Gefühlen ganz neu begegnen kannst. Frieden schliessen mit ihnen. Das Kriegsbeil begraben, anstatt sie abzulehnen. Wenn wir diese Gefühle zurückhalten und sie uns selbst verbieten wollen, entladen sie sich nach aussen.

Vielleicht findest du in meinem Buch endlich die Antworten auf deine Fragen – wie beispielsweise: Warum falle ich in der Praxis immer wieder in alte Muster, obwohl ich in der Theorie alles weiss?

Die eigentliche Sehnsucht von uns Eltern ist aus meiner Sicht, dass wir die alten Muster hinter uns lassen können. Wir spüren, dass diese Muster und Konditionierungen unserer Intuition im Weg stehen. Und dass wir durch sie nicht die Mutter bzw. der Vater sein können, die wir vom Herzen her sein möchten. Und das geht leider nicht mit Willen oder mit neuen Strategien.

Unsere Geschichte holt uns geduldig wieder ein, bis wir unsere hindernden Überzeugungen bearbeitet und hinter uns gelassen haben.

Und genau das ist mein Herzensthema! Mein Buch hat sich über die Jahre entwickelt und setzt sich zusammen aus meinen Erfahrungen als Mutter, meinen Erfahrungen als Kursleiterin zu diesem Thema, meinen Ausbildungen im Bereich NLP (Neurolinguistisches Programmieren1 ) und «The Work» nach Byron Katie, meinen Entdeckungen von anderen Methoden (v.a. «Aktives Zuhören»), Entdeckungen in mir selbst (v.a. «Gefühle nach Hause nehmen») und den positiven Veränderungen in mir und damit auch in meiner Familie. Es ist die Essenz meiner Erfahrungen.

Nach Jahren der Suche habe ich den Mix gefunden, um die Muster loszulassen und immer mehr in mir selbst anzukommen. Nahe an mir und meinem Herzen. Und so meinen Kindern nahe und echt, furchtlos und verständnisvoll zu begegnen. Damit wurde viel möglich, oft sehr unkonventionelle Wege oder Reaktionen. Wie der Humor in unserer Familie. Das geht wohl erst so richtig, wenn sich die Strenge, die Normen und die «Was denken die anderen?»-Einschränkungen aufgelöst haben. Das ist Freiheit. Vielleicht passen Teile meiner Erfahrungen auch zu dir und zu deiner Familie?

Teil 5 ist das Kartenset, das du mit dem QR-Code auf Seite 217 herunterladen und für dich ausdrucken kannst. Dort sind Gedankenanstösse zu finden.

Wenn du blockiert bist, nicht weiter weisst, oder wenn du spürst, dass du eine schnelle Stütze brauchst, dann ziehe einfach eine Karte. Wenn du einen Wegweiser brauchst, der Richtung Frieden zeigt, bevor du in eine unstimmige Reaktion rasselst, dann ziehe eine. Es wird die Richtige sein. Oder auch einfach als Fokus für die nächste Zeit. Etwas, woran du dich orientieren kannst. Ein Weg, den du einschlagen kannst.

Glaube nicht, dass ich eine perfekte Mutter bin. Glaube nicht, bei uns sei der Alltag nur rosarot und ich hätte jeden Moment die ultimativ richtige und pädagogisch beste Reaktion parat. Nein, nein. Auch bei uns gibt’s mal Streit. Und manchmal könnte ich mir noch heute die Zunge abbeissen, wenn ich höre, was ich gerade gesagt habe. Und dennoch spüre ich ganz tief in mir drin, dass das nicht mehr so schlimm ist. Es geht ums grosse Ganze! Um die Haltung, die du als Mutter oder Vater hast. Um deine Bereitschaft, dich weiter zu entwickeln und mit dem Kind zu wachsen. Es geht ums allgemeine Familien-Klima, also die familiäre Grosswetterlage. Wo viel gelacht wird und alle vertrauensvoll aufgehoben sind, da darf es auch mal stürmen und wieder etwas schieflaufen. In diesem Klima dürfen alle sein, wie sie sind – auch die Mütter und Väter.

Natürlich fände ich es auch schön, wenn ich in jedem Moment nur friedlich wäre. Doch ich bin es nun mal nicht. In diesen Situationen bin ich eben auch ganz ICH, ganz echt. Ganz echt an der Grenze, ganz echt schlecht gelaunt, ganz echt hormongesteuert. Und hier kann ich unseren Kindern noch etwas vorleben, was mir elementar wichtig scheint: Wie gehe ich mit mir um, wenn ich mit mir nicht im Reinen bin und einen Fehler gemacht habe? Verzweifle ich an mir? Oder kann ich alle meine Aspekte mögen, reinen Tisch machen und dann wieder vorwärtsschauen? Kann ich alle meine Aspekte wertschätzen? Das ist die Lektion, die ich ihnen dann zeigen kann. Vorwärtsschauen! Denn sicherlich kommen deine nächste Gelegenheit und dein nächster Versuch, so zu reagieren, dass es für alle stimmig ist. Freue dich an dem, was Tag für Tag gelingt!

Ich wünsche dir, dass dieses Buch für dich in schwierigen, herausfordernden Zeiten ein Navigator sein kann. Eine Antwort auf deine Fragen. Eine Anleitung, wie du dir selbst wieder nahekommst. Eine Begleitung, an der du dich orientieren kannst, die dich niemals bewertet. Von der du weisst, dass sie jeden Moment deinen Rücken stärkt oder dich tröstet.

Deine Esthi Wildisen

Lern- und Lebenswerkstatt CH-Hochdorf

Zur PersonEsthi Wildisen ist Gründerin und Inhaberin der Lern- und Lebenswerkstatt in Hochdorf (Schweiz). Dort bietet sie seit 2009 Coachings und Kurse an, die hauptsächlich um die Verbesserung von Beziehungen innerhalb von Familien gehen.

1 Neurolinguistisches Programmieren hilft uns, über unsere Sinne und unsere Sprache einen direkten Zugang zu unserem Gehirn und unserem Nervensystem zu finden und dort gewünschte Veränderungen zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – Warum ein Kindererbeziehungs-Buch

Teil 1 – eine andere Sicht

Einführung

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Wo stehe ich? Was wünsche ich?»

Eine andere Sicht

Ich bin nun mal so, wie ich bin: Prägungen und Konditionierungen

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Sichtwechsel»

Gut gebunden gedeiht es sich besser

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Bindung schaffen»

Teil 2 – «The Work» von Byron Katie

Die drei Gärten

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Die drei Gärten»

Teil 3 – Wertschätzende Kommunikation

Wertschätzendes Zuhören

Zutaten für wertschätzendes Zuhören

Zutat 1 – Präsenz

Zutat 2 – Mögliches Bedürfnis hinter dem Verhalten?

Zutat 3 – Einfühlung

Zutat 4 – Keine Interpretation

Zutat 5 – Nichts persönlich nehmen

Zutat 6 – Neugier (Einzigartigkeit)

Zutat 7 – Ohne Bewertung

Zutat 8 – Keine Lösungsvorschläge

«Was tun, wenn Geschwister ständig streiten?»

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Wertschätzende Kommunikation»

Teil 4 – Gedankenöffner

Gefühle nach Hause nehmen

Übung: Gefühle nach Hause nehmen

Erwartungen sind wie ein zähes, klebriges Gummiband

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Gefühle nach Hause nehmen»

Bitte oder Erwartung?

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Erwartungen»

Respekt – häufig eine Mogelpackung

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Respekt»

Lob in Anerkennung umwandeln

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Lob in Anerkennung umwandeln»

Ermutigung: Kraft von unten statt Schlag von oben

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Ermutigung: Kraft von unten statt Schlag von oben»

Warum wir uns mit Strafen selbst strafen

Aggressives Verhalten

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Warum wir uns mit Strafen selbst strafen»

Geschichte: Der Lebensfluss

Werte sind wertvoll

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Werte sind wertvoll»

Hinter jedem Verhalten steckt ein Bedürfnis

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Hinter jedem Verhalten steckt ein Bedürfnis»

Übergänge – magische Zeiten!

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Übergänge – magische Zeiten»

Die längste Zeit sind wir erwachsen

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Die längste Zeit sind wir erwachsen»

Die Erinnerungen von morgen

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Die Erinnerungen von morgen»

Schlussgedanken – und was ich dir wünsche

Selbst-Entdeckungs-Blatt: «Schlussgedanken»

Danke

Literaturempfehlungen nach Alphabet

dein Kartenset (Teil 5)

Zur Autorin

Teil 1 – eine andere Sicht

Selbst-Entdeckungs-Blatt

Bitte benutze zum Bearbeiten der Übungen ein extra Blatt Papier.

«Wo stehe ich? Was wünsche ich?»

1. Bitte mache dir Gedanken über deine Wünsche an das Buch, an deine Entwicklung und an dich. Schreibe sie hier konkret auf. Welche persönlichen Ziele möchtest du erreichen?

2. Welche Situationen möchtest du anders erleben? Wo bist du immer wieder frustriert, traurig, wütend, mutlos in deiner Familie?

3. Welches Mitglied in deiner Familie ist das «schwierigste»? Woran merkst du das?

4. Was denkst du über dieses Familienmitglied (z. B. «Jonas wird es schwer haben im Leben», «Johannes sollte auf mich hören», «Sophia ist stur», «Mein Mann sollte eine Therapie machen», «Meine Frau fällt mir immer in den Rücken»)? Werde dir in diesem ersten Schritt deiner Gedanken bewusst und schreibe sie auf. Ohne Zensur. Es sieht sie ja niemand.

Bewahre diese Gedanken an deinem sicheren und schönen Platz auf. Du kannst sie später mit «The Work» (siehe Teil 2 «The Work of Byron Katie») überprüfen.

Eine andere Sicht

Es fällt mir schwer, das Wort «Erziehung» in den Mund zu nehmen. Es tönt für mich so menschenunfreundlich, kühl, distanziert und einseitig. Ich spreche lieber von «Beziehung» oder von «Einfühlung»; das fühlt sich in mir weicher, lebendiger, runder, ganzheitlicher, fairer, flexibler, wahrer und nach Kontakt auf Augenhöhe an.

Im Wort «Erziehung» finde ich folgende Aspekte:

Ich ziehe das Kind dorthin, wo ich es haben möchte.

Ich muss dem Kind beibringen, ein guter Mensch zu werden.

Ohne Erziehung macht das Kind, was es will (und zwar ganz schlimme Sachen).

Ohne Erziehung wird das Kind faul und bequem.

Das Kind sucht Grenzen. Wenn ich ihm diese nicht setze, verliert es sich.

Ohne Erziehung und gesetzte Grenzen wird das Kind frech oder zum Tyrannen und weiss nicht, wie es sich benehmen oder mit anderen umgehen sollte.

Ich muss dem Kind alles beibringen. Wenn ich etwas verpasse, wird es das nicht können bzw. niemals lernen.

«Beziehung und Einfühlung» bedeutet für mich:

Ich möchte am Werden des Kindes teilhaben, ohne ihm meine Werte und Vorstellungen aufzudrängen oder gar aufzuzwingen.

Ich möchte mich in das Kind einfühlen. Dazu versuche ich, die Welt immer wieder aus seiner Sicht zu sehen, und will es von dort aus begleiten.

Ich vertraue darauf, dass Kinder alles in sich tragen, um selbst ihren Weg in unserer Gemeinschaft zu finden. Ich begleite sie nur dabei und stehe ihnen mit meiner Erfahrung, meiner Grösse und meiner Wirksamkeit zur Verfügung.

Ich vertraue darauf, dass ein Kind aus sich heraus ein gutes Mitglied der Gemeinschaft sein möchte.

Ich bin Wegbegleiterin. In dieser Rolle möchte ich meine Kinder nicht daran hindern, das zu werden, was sie sind.

Ich vertraue darauf, dass Kinder, deren Bedürfnisse wahrgenommen werden, immer sorgfältiger mit den Bedürfnissen anderer Menschen umgehen können.

Kinder tragen den riesigen Antrieb, das Leben zu entdecken, in sich. Ihre Neugier ist der Motor, der sie immer wieder voranbringt in neue Welten und Themen. Sie lernen sehr viel durch Beobachten und Zuhören. Wir Eltern sind Vorbild und Vorton. Darum reicht es, wenn wir uns mit unseren Werten auseinandersetzen und diese vorleben.

Kinder suchen keine Grenzen, sondern Kontakt mit uns. Um diesen Kontakt bieten zu können, müssen wir uns um uns, vor allem um Klarheit und unsere innere Haltung, kümmern. Es geht also darum, dass wir unsere Grenzen kennen und uns dafür einsetzen. Das heisst, dass wir uns darüber klar werden, was wir möchten und was nicht. Dass wir unsere Werte und Bedürfnisse kennenlernen und eine Sprache finden, sie auszudrücken und zu vertreten. Wenn wir unklar sind und nicht wissen, was wir genau wollen, können wir hundert Regeln aufstellen – das Kind wird nicht auf unsere Worte, sondern auf unsere unklare Haltung reagieren und den Kontakt immer weitersuchen. Klarheit – nicht Grenzen – schafft Ruhe und Ordnung.

Kinder lernen sehr viel durch Beobachten und Zuhören. Wir Eltern sind Vorbild und Vorton. Darum reicht es, wenn wir uns mit unseren Werten auseinandersetzen und diese vorleben.

Das Kind wächst in einem vielseitigen Umfeld auf. Es macht seine Erfahrungen auch ausserhalb von zu Hause (Schule, Vereine, Bekannten- und Freundeskreis, Fremdbetreuung u.a.m.). Es ist nicht deine Aufgabe und es wäre auch unmöglich, ihm alles zu zeigen und das Leben beibringen zu wollen. Kinder werden spätestens ab der Schulzeit massgeblich vom Umfeld mitgeprägt. Sie lernen sehr viel durch die Erfahrungen, die sie dort machen. Das kannst und musst du nicht simulieren oder ersetzen.

Es geht nicht darum, dass wir die Kinder nach unseren Vorstellungen formen, kontrollieren, durch Lob und Strafen zu lenken versuchen. Manchmal kommt es mir vor, als hätten Eltern die Vorstellung, dass ihre Kinder irgendwie die besseren, mutigeren, erfolgreicheren Exemplare ihrer selbst werden müssten. Das, was sie sich nicht getrauten, sollen die Kinder richten. Das, was Eltern nicht leisten konnten, sollten die Kinder nun erfolgreich zum Abschluss bringen. Das, was den Eltern nicht vergönnt wurde, sollen ihre Kinder nun erreichen. Ob sie wollen oder nicht. Diese unbewusste und unbeabsichtigte Haltung macht blind.

Es geht darum, die Kinder in ihrem ganz eigenen Wesen zu entdecken, zu sehen und zu begleiten, sie möglichst wertefrei voll und ganz anzunehmen. Das ist eine Grundhaltung, die auch Erwachsene verdienen.

Dort, wo das Verhalten der Kinder bei uns Unbehagen, Wut, Ärger und Scham auslöst, haben wir etwas zu lösen. Kinder spiegeln uns radikal und helfen uns so auf wunderbare Weise, unsere alten Verletzungen zu heilen. Sie werfen uns sozusagen immer wieder auf unsere ungelösten Aufgaben zurück.

Dort, wo das Verhalten der Kinder bei uns Unbehagen, Wut, Ärger und Scham auslöst, haben wir etwas zu lösen.

Die Technik, die dich dabei unterstützen kann, lernst du in diesem Buch kennen. Es geht um vier Fragen und Umkehrungen aus Byron Katies «The Work», die du in Teil 2 kennenlernen wirst.

Nach alter Denkweise sind wir gewohnt, zu sehen, was andere falsch machen, was andere tun und lassen sollten, damit es uns gut geht. Damit geben wir die Verantwortung für unsere Gefühle und unser Befinden an andere ab. Insbesondere an uns nahestehende Menschen – unsere Kinder, unsere Partner, unsere Eltern usw. Zum Beispiel: «Tom macht mich ganz traurig. Er ist mein Sorgenkind. Er ist so frech und widerspenstig. So respektlos mir gegenüber. Ich weiss gar nicht mehr, was ich mit ihm machen soll.»

Mit der neuen Sichtweise, die du in diesem Buch kennen lernen wirst, übernimmst du selbst radikal die Verantwortung für dich, für deine Gedanken und die daraus resultierenden Gefühle. Das ist manchmal nicht so einfach. Es ist einfacher, alles auszulagern und anderen die Schuld für die eigenen Gefühle zu geben. Nur verharrst du dann auch dort. In diesem Verharren ist der Platz, wo aus Kleinigkeiten wie achtlos abgestellten Sporttaschen Riesenprobleme werden, die den Alltag massgeblich trüben und erschweren können. Verharren ist Steckenbleiben, Abhängigsein, Stagnieren und Einschränken der Handlungsfähigkeit. Das ist immer schmerzlich.

Wenn du aber die Bereitschaft hast, die neue Sichtweise einzunehmen, und die Verantwortung für dich übernimmst, dann wirst du eine schöne Belohnung erhalten. Du wirst entdecken, dass du …

den Schlüssel für dein Wohlbefinden, Wohldenken und Wohlfühlen selbst in der Hand hast;

alte Wunden heilen kannst, die zwar unbewusst sind, aber umso heftiger wirken;

sortieren kannst, was wirklich wichtig ist und was aufgeblasene Kleinigkeiten sind;

Vieles weniger persönlich nimmst;

die Menschen in deinem Umfeld frei lassen kannst;

unabhängig wirst;

immer weniger Erwartungen an andere Menschen haben wirst;

mitfühlen kannst, ohne mitzuleiden;

die Qualität von Beziehungen erleben wirst, die auf Freiwilligkeit beruhen;

eine spannende Reise zur dir selbst antreten und dich selbst neu kennenlernen wirst.

Der Lohn dafür, dass du die Verantwortung für dich und deine Gefühle übernimmst:

1. Du hast den Schlüssel für dein Wohlbefinden, Wohldenken und Wohlfühlen selbst in der Hand.

2. Deine Geschichte und alten Wunden können heilen.

Und du wirst entdecken, dass Vertrauen ein absolut friedliches Gefühl ist, Kontrolle hingegen hart und schmerzhaft – und eine Illusion. Letztlich bist du die einzige Person, die du wirklich kontrollieren kannst – wenn überhaupt.

Es ist nicht immer schön, auf die Stellen zu schauen, bei denen wir früher die Verantwortung nach aussen abgegeben haben. Es sind die Seiten an uns, die wir noch nicht angenommen haben und die wir eigentlich in die dunkle Besenkammer sperren wollten. Aber nach meiner Erfahrung ist es der absolute Schlüssel für inneren Frieden und innere Freiheit, wenn wir «Ja» zu allem in uns sagen können. Höre auf, dich selbst zu verurteilen. Behandle dich immer mehr mit dem gleichen Verständnis, das du deiner besten Freundin oder deinem besten Freund schenkst.