Verzahnungen - Wolfgang Wildner - E-Book

Verzahnungen E-Book

Wolfgang Wildner

0,0

Beschreibung

Dr. med. dent. Wolfgang Wildner befasst sich als Zahnarzt und Heilpraktiker seit über 30 Jahren mit der Ganzheitlichen Zahnheilkunde. Er legt hier das erste Zahn-Fachbuch für Heilpraktiker vor. Und zugleich ist es auch ein Sachbuch und Ratgeber für Patienten. Es setzt nämlich kein Fachwissen voraus, alle Grundlagen und Begriffe werden in allgemeinverständlicher und lockerer Sprache vorgestellt und erklärt. Fallbeispiele und Anekdoten machen das Thema anschaulich. Wer dieses Buch in der Hand hatte, kann anschließend seine Gesundheitsvorsorge besser in den Griff bekommen. Hier werden die Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Verzahnungen zwischen der Medizin und der Zahnmedizin beschrieben. Das geht JEDEN etwas an: Der Patient muss die Zusammenhänge kennen, wenn sein Arzt oder Heilpraktiker diese gegenseitigen Beeinflussungen noch nicht gut kennt. Arzt, Heilpraktiker, Physiotherapeut und Zahnarzt müssen die Zusammenhänge kennen, weil sie auch davon mehr wissen sollten als ihre Patienten. Im ersten Teil erfahren Sie z. B., warum ein Zahnarzt einen Zahn nicht mit der Zahl dreizehn bezeichnet, sondern mit eins-drei (und welcher das ist), oder warum ein gebrochener Knochen wieder zusammenwachsen kann, ein gebrochener Zahn dagegen nicht. Der zweite Teil erklärt, welche Einflüsse von Mund und Zähnen auf den übrigen Organismus einwirken und umgekehrt. Eigentlich sind es nur drei prinzipielle Störmöglichkeiten, die heimlich vom Mund ausgehen und den übrigen Organismus beeinflussen: Der falsche Biss, das individuell unverträgliche Material, das der Zahnarzt einbaut, und der Herd, die stumme Entzündung im Mund. Was genau alles stören kann, und wie man es herausfindet und behandelt, ohne gleich einen Zahn zu ziehen, erfahren Sie hier. Umgekehrt können sich Störungen im Körper auch auf Mund und Zähne auswirken. Wenn ihr Zahnarzt Ihnen ausnahmsweise mal nicht schnell und sicher Ihren Zahn erfolgreich behandeln kann, dann denken Sie zusammen mit ihm darüber nach, welche Fernstörung es wohl geben könnte. Dieses Kapitel hilft Ihnen beiden dabei. Der dritte Teil beschreibt die Konsequenzen, die sich aus diesen Zusammenhängen ergeben: Welche Diagnostik- und Therapieformen dafür geeignet sind, welche Einflüsse von außen auf den Organismus einwirken und direkt oder indirekt auch das Zahnsystem betreffen: Amalgam, Karies und Fluorid, Ernährung und Übersäuerung. Abschließend gibt es Tipps für einzelne Facharztgruppen bzw. für entsprechend betroffene Patienten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 417

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über den Autor:

Dr. Wildner hat sich auf die „Verzahnungen“ der Medizin mit der Zahnmedizin spezialisiert. Er ist Zahnarzt und Heilpraktiker in Nürnberg und verbindet bei seiner Arbeit seit über 30 Jahren diagnostisches und therapeutisches Denken aus beiden Berufen. Er kann immer wieder beobachten, dass Erkrankungen aus dem Bereich der Allgemeinmedizin durch ungeeignete zahnärztliche Maßnahmen verstärkt werden oder aber auch durch geeignete verschwinden können. So sieht er viele Patienten, deren allgemeine Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Gelenkprobleme auch nach mehrfachen Besuchen bei Fachärzten oder Heilpraktikern sich erst dann nachhaltig verbessern, wenn auch ein falscher Biss, ein unverträgliches Material oder ein Störfeld im Mund erkannt und behandelt wurde.

Dr. Wildner war über zehn Jahre der Leiter des Arbeitskreises biologisch-ganzheitliche Zahnmedizin des Zahnärztlichen Bezirksverbandes Mittelfranken.

Er hält regelmäßig Seminare an einer Heilpraktikerschule in Nürnberg.

Die Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig geprüft und in der täglichen Praxis des Autors erprobt worden. Sie werden zum Teil kontrovers diskutiert oder gelten als wissenschaftlich noch nicht erwiesen. Sie können daher nur Anregungen geben und nicht die individuelle Beratung durch einen Arzt, Zahnarzt oder Heilpraktiker ersetzen.

Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors oder des Verlags. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags ist ebenfalls ausgeschlossen.

Inhalt

Vorwort

Wer sollte dieses Buch lesen?

Am liebsten hätte ich ihm den Titel gegeben: „Bis(s) zu den Füßen.“ Dann hätten sich auch die Liebhaber von Vampir-Romanen dafür interessiert. Denn hier geht es unter anderem auch um Menschen mit zu langen Zähnen und um ungewöhnliche Ernährungsformen. Urheberrechtliche Gründe aber verbieten mir diesen Titel.

Entstanden ist das Buch aus meinen Erfahrungen als ganzheitlich arbeitender Zahnarzt. Dieses Wissen gebe ich in Seminaren weiter, die ich an einer Heilpraktikerschule halte. Heilpraktiker lernen ja normalerweise nichts über Zahnheilkunde, weil sie die laut Gesetz nicht ausüben dürfen. Aber gerade die Heilpraktiker sind doch überwiegend ganzheitlich ausgerichtet und suchen bei ihren Patienten nach ganzheitlichen Zusammenhängen und verborgenen Ursachen und Auslösern für chronische Erkrankungen. Daher sollten Heilpraktiker auch alles über die Wechselwirkungen zwischen den Zähnen und den anderen Teilen des Körpers wissen. Nur dann können sie ihre Patienten wirklich ganzheitlich behandeln. Natürlich darf und kann ein Heilpraktiker nicht zahnärztlich therapieren, wenn er z. B. einen Zahn als Auslöser für eine rheumatische Erkrankung der Gelenke erkennt. Aber er muss den Patienten mit der Verdachtsdiagnose zum Zahnarzt schicken. Ebenso verlangt man ja vom Heilpraktiker per Gesetz, dass er meldepflichtige Krankheiten erkennt und ärztlich behandeln lässt, auch wenn er sie nicht selber behandeln darf.

Dieses Buch war also zunächst für Heilpraktiker gedacht. Es setzt keine zahnmedizinischen Kenntnisse voraus, alle wichtigen Grundlagen werden am Anfang leicht verständlich erklärt.

Und wenn es nun schon ein gut verständliches Buch über die Zusammenhänge zwischen Mund und Körper ist, dann können und sollten es eigentlich auch alle Patienten lesen, die sich für diese ganzheitlichen Zusammenhänge interessieren. Ganz besonders sollten es diejenigen Patienten lesen, die noch keinen Heilpraktiker oder ganzheitlichen Arzt gefunden haben, der auch die Zusammenhänge der ganzheitlichen Zahnheilkunde schon genau genug kennt. Dann kann der Patient das Buch erst mal selber lesen und anschließend seinem Behandler in die Hand drücken. Mit der freundlichen Bitte, dieses und jenes Kapitel einmal anzuschauen. Oder er spricht mit seinem behandelnden Zahnarzt darüber und fragt ihn, ob der sich in diesem Fall einen Zusammenhang vorstellen kann. Kann er das nicht, soll auch er das Buch lesen.

Natürlich ist das Wissen über ganzheitliche Zahnheilkunde auch für Ärzte vieler anderer Fachrichtungen interessant. Zum einen, weil das Zahnsystem viele ärztliche Fachbereiche betreffen kann. Zum anderen, weil jeder Arzt immer auch persönlich betroffen sein kann, als Patient. Denken Sie an das Sprichwort „Gesund ist nur der, der nicht lange genug untersucht wurde".

Mit anderen Worten: Dieses Buch ist für alle Menschen interessant, die noch Zähne haben oder jemals hatten, zur Vorbeugung und zur Früherkennung von vermeidbaren Belastungsfaktoren. Und für alle Menschen, die schon irgendwie chronisch krank geworden sind und nicht glauben wollen, dass man die Symptome nur unterdrücken müsse oder dass man sonst eben nichts machen könne. Und für Patienten, denen man sagt: Da ist nichts, das bilden Sie sich ein, das ist nur psychisch.

Sprache, Aussprache und Gliederung

Die Inhalte dieses Buches mögen oft genug ein wenig ungewohnt oder kompliziert erscheinen. Daher bemühe ich mich, nicht auch noch die Form und die Formulierungen unnötig kompliziert zu machen. Ich verzichte daher auf politisch korrekte, aber unleserliche Schreibweisen wie „Leser und Leserinnen“, „Patienten/innen“, „HeilpraktikerInnen“, man/frau oder „Behandler*innen“. Bitte glauben Sie mir, dass ich im ganzen Buch immer gleichwertig Männer und Frauen meine (und alle Menschen, die es dazwischen und daneben gibt. Wussten Sie, es gibt nicht nur Menschen mit xx-Chromosomen (Frauen) oder mit xy-Chromosomen (Männer), sondern auch Menschen mit der Kombination xxy oder xyy).

Ein kleines Problem sehe ich noch bei der korrekten gemeinsamen Ansprache der Ärzte/Zahnärzte/Heilpraktiker/Osteopathen/anderen Mediziner: Ich könnte „Therapeuten“ sagen, aber manche Ärzte fühlen sich dabei nicht angesprochen. Sie meinen mit Therapeuten nur diejenigen, die wie Physiotherapeuten nicht selber Diagnosen stellen dürfen und nur auf ärztliche Anweisung therapieren dürfen. Daher sage ich zu allen gemeinsam „Behandler“. Seine Hände kann ja jeder auch zum Untersuchen und Diagnostizieren einsetzen (fühlen, tasten, klopfen, sondieren, erschüttern, biegen ...), nicht nur zum Therapieren und Behandeln. Hoffentlich sind alle damit zufrieden.

Damit Sie wissen, wie Sie unbekannte Fremdwörter richtig betonen, sind die lángen betonten Sílben unterstríchen, die kúrzen tragen einen Akzént.

Persönliche Erlebnisse, Fallberichte, Anekdoten und Witze sind in einem grauen Feld.

Beim Thema Ganzheitlichkeit hängt zwar nicht unbedingt alles mit allem zusammen, aber doch vieles mit vielem. Was soll an welcher Stelle beschrieben werden? Ich habe mich für folgende Gliederung entschieden:

Der erste Teil bringt einen Überblick über die „normale“ Zahnheilkunde: alles was ein Heilpraktiker, ein anderer nicht-zahnärztlicher Behandler oder ein interessierter Patient darüber wissen sollte. Zahnmedizinisches Basiswissen ist einfach nötig, wenn man die Einflüsse verstehen will, die z. B. von kranken Zähnen oder unpassenden zahnärztlichen Werkstoffen ausgehen können. Außerdem kann der Nicht-Zahnarzt dann besser mit dem Zahnarzt sprechen.

Im dritten Teil wird erörtert, welche Konsequenzen sich aus diesen Einflüssen ergeben, welche Diagnose- und Therapieformen dabei geeignet sind, welche Einflüsse von außen auf den Organismus einwirken und direkt oder indirekt auch das Zahnsystem betreffen.

Es folgen einige Hinweise über Karies, Amalgam, Fluorid, Ernährung und Übersäuerung. Wer sich bis dahin durch die ganzheitliche Zahnheilkunde durchgearbeitet hat, findet anschließend noch Tipps nach Krankheits- oder Facharztgruppen sortiert.

1 Einleitung

1.1 Wie alles begann

Mein Weg zur ganzheitlichen (Zahn-)Heilkunde

1975 habe ich in München mein Staatsexamen als Zahnarzt abgelegt, als ganz normaler „Schulmediziner“. Wir hatten zwar schon als Studenten in privaten Gesprächen etwas davon gehört, dass es manchmal einen sogenannten Herd (lateinisch: focus) geben soll, also einen kranken Zahn, der den Körper in seiner Gesundheit stören könnte. Aber als wir einmal unseren Oberarzt danach fragten, gab er uns mit ironischem Lächeln die Antwort: „Focus ist Hokuspokus.“ Diese Privatmeinung eines wissenschaftlichen Klinikarztes haben wir zunächst für eine wissenschaftlich begründete Aussage gehalten.

Später, während meiner Assistentenzeit in Berlin, als angestellter Zahnarzt, habe ich etwas erlebt, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich musste einem älteren Herren einen linken unteren Eck- oder Backenzahn ziehen, und beim Kontrolltermin sagte er mir ganz erfreut: „Herr Doktor, seit der Zahn draußen ist, ist das Rheuma in meinem linken Knie verschwunden!“ Mich hat das auch sehr gefreut, aber ich hatte noch keine Ahnung, wie man bei einem Rheumakranken nach einem schuldigen Zahn suchen sollte.

Ein Jahr später traf ich einen jungen Kollegen in Nürnberg, einen ehemaligen Schulkameraden. Da man als junger Zahnarzt allen Menschen instinktiv genau auf die Zähne schaut, bemerkte ich schnell, dass ihm rechts oben ein erster Backenzahn fehlte. Das erstaunte mich sehr, hatten wir doch alle gelernt, der beste Zahnersatz sei der eigene Zahn. Ich musste ihn unbedingt fragen, warum er ihn sich hatte ziehen lassen. Die Antwort war für mich sehr überraschend: Er hatte immer wieder Schmerzen in der rechten Schulter gehabt, und nach dem Zahnziehen war der Spuk vorbei!

Wie konnte man denn so sicher sein, dass das auch wirklich hilft? Bestand nicht das Risiko: Zahn weg – Schmerz noch da? Statt mir jetzt lange Vorträge zu halten, verwies er mich auf ein Buch von Dr. Fritz Kramer über Elektroakupunktur für Zahnärzte. Ich kaufte mir nacheinander alle vier Bände und tauchte in die Geheimnisse der Akupunkturpunkte, der Testungen, der Zusammenhänge zwischen Zähnen und übrigem Körper und in die Grundlagen der Homöopathie ein.

Bald darauf hielt Dr. Kramer zusammen mit Dr. Türk und Dr. Schwarz einen praktischen Kurs in Nürnberg ab. Da musste ich unbedingt hin, um meine angelesenen theoretischen Kenntnisse auch praktisch zu untermauern. Dort sah ich, dass es noch mehr Zahnärzte gab, die von diesen „Geheimnissen“ wussten, und die Ihr Wissen bereitwillig (und gegen eine angemessene Gebühr) weitergaben. Bei solchen Kursen lernt man viele offene Kollegen kennen, die begeistert von ihren Erfolgen mit ganzheitlichen Methoden schwärmen und einem andere Kurse ans Herz legen, die man unbedingt auch besuchen soll. So kam ich zu einer Ausbildung in Homöopathie, in F.X.Mayr-Medizin und in Mundakupunktur nach Dr. Gleditsch. Mit diesem Wissen konnte ich schon weit über den Tellerrand der normalen Zahnheilkunde blicken und immer wieder Patienten auch bei allgemeinen Gesundheitsproblemen helfen.

Eines Tages berichtete mir eine Patientin ganz begeistert: „Ich gehe jede Woche zum Senioren-Turnen, und bisher mussten zwei Freundinnen und ich immer dringend aufs Klo rennen, wenn wir länger auf der Stelle hüpfen sollten. Wir haben alle eine Reizblase. Und beim letzten Mal, nachdem Sie mir die Akupunktur gegen die Reizblase gemacht haben, musste ich nicht mitrennen und konnte weiterhüpfen. Die beiden haben erstaunt gefragt: Und Du, Erna, musst Du net mit? – Naa, hab’ ich stolz gesagt, ich war doch bei meinem Zahnarzt!“

Diese Erfolgsgeschichte hat mich sehr gefreut. Aber andererseits bekam ich auch Bedenken: Was ist, wenn das die Frau eines Urologen hört, und ihrem Mann erzählt: „Der Zahnarzt behandelt eine Reizblase, der nimmt Dir doch Deine Arbeit weg!“ Erwartet mich dann vielleicht eine Anzeige? Muss ich mich vor Gericht rechtfertigen? Werde ich wegen Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Zulassung bestraft? Natürlich kann ich dann begründen, dass ich ja mit der Mundakupunktur nur im Mund behandelt habe. Aber wie sieht das der Richter? Kann ich ihm die Reizblasenheilung als Nebenwirkung einer Zahnbehandlung erklären?

In einem Gespräch mit dem Medizinalrat der Regierung von Mittelfranken wurden mir dann meine Grenzen aufgezeigt: Alles am Kopf darf der Zahnarzt behandeln, z.B. auch eine Kieferhöhlenentzündung. Für alles unterhalb des Kopfes muss ich die „Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“ nachweisen, das heißt, ich muss die Heilpraktikerprüfung ablegen. Für diese staatliche Prüfung durch den Amtsarzt reicht es nicht zu zeigen, wie toll man die ganzheitlichen Zusammenhänge beherrscht. Davon weiß der Amtsarzt ja selber nicht viel. Man muss laut Heilpraktikergesetz beweisen, dass man „keine Gefahr für die Volksgesundheit“ ist. Man muss also die schulmedizinischen Zusammenhänge beherrschen und zeigen, dass man erkennt, was ein Heilpraktiker nicht behandeln darf (z. B. die meldepflichtigen Krankheiten), dass man weiß, wann man den Patienten zum Arzt oder in die Klinik schicken muss.

Für mich hieß das: lernen, lernen, lernen. Denn als Zahnmediziner waren wir ja nur als „Schmalspurmediziner“ ausgebildet. So kam ich also 10 Jahre nach meinem Zahnarztexamen ergänzend zu meinem zweiten Beruf als Heilpraktiker.

1.2 Begriffe zur Abgrenzung von der Schulmedizin

Es gibt aber auch Behandler, die ganzheitlich denken und fachübergreifende Zusammenhänge erkennen wollen, nach deren gemeinsamen Ursachen suchen und nicht immer gleich „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ möchten. Sie bevorzugen also die sanfte Medizin und bedenken das Individuelle am Patienten. Ihre Methoden sind unter vielen verschiedenen Namen bekannt, als alternativ, komplementär, biologisch, holistisch, naturheilkundlich oder systemisch.

Zunächst hat man alle Methoden jenseits der Schulmedizin als Alternativmedizin bezeichnet. Damit ist mancher Arzt zu Recht nicht glücklich. Alternative heißt die eine von zwei Möglichkeiten, und er will nicht unbedingt entweder oder. Er will vielleicht schulmedizinisch diagnostizieren (z. B. röntgen) und ergänzend mit Naturheilverfahren behandeln. Dieses ergänzende Behandeln wird besser komplementär genannt.

„Biologisch“ ist zu einem vieldeutigen Modebegriff verkommen, jeder kann etwas anderes darunter verstehen. Vom Wort her bezeichnet bios das Leben, logos die Lehre. Eine biologische Behandlung soll sich also an den Gesetzen des Lebens orientieren.

Auch das Wort Naturheilverfahren wird unterschiedlich gebraucht. Im engeren Sinn umfasst der Begriff nur diejenigen Heilverfahren, die direkt aus der Natur stammen, also „Natur-Heilverfahren“ (bitte achten Sie auf die Stellung des Bindestriches). Damit beschränken wir uns auf Pflanzenheilkunde, Wasseranwendungen, Massagen, Licht, Luft, Sonne, Bewegung und Ernährung. Ich meine in diesem Buch im weiteren Sinne „Naturheil-Verfahren“, also alle (auch technische) Verfahren, die die natürliche Heilung anregen und verbessern sollen. Das kann dann auch eine Behandlung mit Magnetfeld, Reizstrom, Softlaser, Akupunktur oder Homöopathie sein.

Hausmittel und Volksmedizin sind einfache Behandlungen, die man vielleicht schon von seiner Oma kennt, z. B. Zwiebelsaft gegen Husten, eine Wärmflasche gegen Bauchweh, kalte Wadenwickel bei Fieber. An diesem letzten Beispiel möchte ich gleich aufzeigen, dass Hausmittel zwar rezeptfrei, billig und oft aus der Natur genommen sind (hier kaltes Wasser), aber manchmal eben kein Naturheil-Mittel sind: Fieber ist ja kein Irrtum des Organismus, sondern ein aktuell brauchbarer und vom Organismus gewünschter Weg, um mit einer höheren Temperatur des Körpers die Abwehr besser zu aktivieren. Notwendige biochemische Reaktionen können dann schneller ablaufen. Der „kluge“ Behandler meint es besser zu wissen als die Natur und will mit kalten Wadenwickeln das Fieber vorzeitig beenden. Was macht der Körper? Er ist noch nicht fertig mit der Fieberphase und strengt sich an, trotz äußerer Kälte die Kerntemperatur hoch zu halten. Das kostet ihn mehr Energie als „normales“ Fieber ohne Wadenwickel. Wissen Sie noch aus Kindertagen, wie scheußlich unangenehm Ihnen die kalten Wadenwickel waren?

Umweltmedizin beschäftigt sich mit krankmachenden Wirkungen aus der Umwelt des Menschen, z. B. sucht sie Belastungen des Patienten durch Holzschutzmittel, Spritzmittel wie Insektizide, Pestizide, oder Herbizide. Auch individuell belastende Konservierungsmittel, Farbstoffe oder andere Zusätze in der Nahrung werden hier aufgespürt.

Umwelt-ZahnMedizin ist als Begriff in diesem Zusammenhang zunächst etwas irreführend: Hier sucht man die Störungen nicht in der Umwelt des Menschen, sondern in der Umwelt der Zähne. Als mögliche Ursachen für chronische Allgemeinerkrankungen fahndet man hier nach Zahnherden und individuell unverträglichen Werkstoffen, die als Füllung, Krone oder Prothese in die Mundhöhle eingebracht wurden.

„Holistisch“ und „systemisch“ und "integrativ" sind nur andere Wörter für „ganzheitlich“. Darüber gibt es so viel zu sagen, dass es für mehrere Kapitel reicht. Aber dazu später im Teil 2. Jetzt kommt erst mal eine Einführung in das „normale“ zahnärztliche Grundwissen. Damit ist alles andere über die Ganzheitlichkeit viel besser zu verstehen.

2Grundlagen der Schul-Zahnmedizin

Unter Zahnmedizin oder Zahnheilkunde versteht man juristisch die Diagnostik und Therapie der Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Die folgende Kurzeinführung soll die Grundlagen vermitteln, die ein Nicht-Zahnmediziner braucht, um sich angemessen mit einem Zahnarzt über zahnärztliche Themen unterhalten zu können. Heilpraktiker und Patienten werden vom Zahnarzt leichter mit ihren Anliegen ernst genommen, wenn sie ihm zeigen, dass sie mit ihm die gleiche Sprache sprechen und die wichtigsten Grundlagen kennen.

2.1 Zahnaufbau

Die Grundsubstanz eines Zahnes besteht aus Dentin (3). Der selten gewordene deutsche Name dafür ist Zahnbein; dabei meint das Wort Bein hier nicht die unteren Gliedmaßen, die aus Ober-, Unterschenkel und Fuß bestehen. Bein hat hier die alte Bedeutung „Knochen“, wie im Ausdruck „es geht mir durch Mark und Bein“, oder bei Nasenbein und Schläfenbein. Dentin ist aber kein richtiger Knochen, nur ähnlich fest und hell wie Knochen, ist aber anders aufgebaut.

Zu etwa zwei Dritteln steckt der Zahn mit seiner Wurzel (12) fest im Kieferknochen, zu etwa einem Drittel ragt er durch das Zahnfleisch hindurch in die Mundhöhle. Zum Schutz gegen Abnutzung beim Kauen ist dieser Teil des Zahnes mit einer etwa ein bis drei Millimeter dicken Schutzschicht überzogen, dem Zahnschmelz (2). „Schmelz“ kennen wir heutzutage nur noch aus der Werbung, wenn sie bei Eis oder Pralinen von einem Schokoladeüberzug als „zartem Schmelz“ spricht. Anders beim Zahn: Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz, die es in der belebten Natur gibt!

Abb. 1 Zahnaufbau (Quelle Wikipedia)

1. Zahn 2. Zahnschmelz 3. Dentin Zahnbein) 4. Pulpencavum mit Pulpa 5. Kronenpulpa 6. Wurzel-pulpa 7. Wurzelzement 8. Zahnkrone 9. Höcker 10. Fissur 11. Zahnhals 12. Zahnwurzel 13. Bifurkation 14. Wurzelspitze 15. Foramen apicale 16. Sulcus gingivae 17. Zahnhalteapparat 18. Zahnfleisch: 19. oral oder vestibulär 20. marginal 21. alveolar 22. Wurzelhaut mit Sharpey-Fasern 23. Alveolarknochen (Die feine gelbe Linie ist die Lamina dura). 24. Gefäße und Nerven: 25. Pulpa 26. Parodontium 27. Canalis mandibulae

Anatomische Zahnkrone (8) nennt man den Teil des Zahnes, der mit Schmelz überzogen ist. Klinische Krone heißt der Anteil des Zahnes, der über dem Zahnfleisch (= Gíngiva) in die Mundhöhle ragt. Wenn also beim alternden Patienten sich das Zahnfleisch langsam zurückzieht, wird die klinische Krone länger. Die anatomische Krone kann dabei nicht länger werden.

Zahnhals (11) nennen wir den obersten Teil der Wurzel, der gerade noch nicht von Zahnschmelz bedeckt ist. Die Wurzel ist nicht direkt mit dem Kieferknochen verwachsen. Auf dem Dentin der Wurzel ist eine dünne Schicht: das Zement (nicht der Zement) (7). Vom Zement verlaufen Bindegewebsfasern (Sharpey'sche Fasern) (22) zum angrenzenden Kieferknochen (23), an denen der Zahn aufgehängt ist. Der biologische Vorteil dieser Aufhängung: Druck auf den Zahn bewirkt keinen Druck auf den Knochen, sondern wird in Zugkräfte umgewandelt. Bei ständigem Druck durch das Kauen würde der Knochen mit Knochenabbau reagieren. Auf Zug reagiert er jedoch mit Verstärkung.

Das Zement und die Fasern bilden zusammen den sog. Zahnhalteapparat (das Parodontium) (26).

Ganz innen im Zahn ist eine Höhle im Dentin, die jedoch nicht leer ist. Sie wird vollständig vom sog. Zahnmark (Pulpa) (25) ausgefüllt. Diese Pulpa besteht aus Bindegewebe sowie Adern und Nerven. Weil diese Nerven alle Schmerzempfindungen weiterleiten, heißt die Pulpa im Volksmund auch „der Nerv“. An der Wurzelspitze (Apex) (14) ist eine enge Öffnung im Dentin, durch die Nerven und Blutgefäße in den Kieferknochen führen.

2.2Zahnentwicklung

Die Entwicklung der Zähne beginnt schon in der achten Woche des Embryos im Mutterleib. Aus dem Ektoderm (äußeres Keimblatt) wandern Zellen in die Tiefe, in das Mesoderm (mittleres Keimblatt). Es bildet sich in jedem Kiefer ein hufeisenförmiger Gewebestreifen (die Zahnleiste), der sich in 10 einzelne Gebilde aufteilt. Jedes entwickelt sich zu einer glockenähnlichen Form, in der Größe der Grenzschicht von Zahnschmelz und Dentin des zukünftigen Zahnes. Die äußere Zellschicht besteht aus Ameloblasten. Das sind Zellen, die den Zahnschmelz absondern, und zwar in Richtung auf die innere Zellschicht zu. Diese besteht aus Odontoblasten, den Zellen, die das Dentin in Richtung zum Zahnschmelz hin produzieren.

Die den Schmelz bildenden Ameloblasten bleiben also immer die äußerste Zellschicht. Wenn der Zahn fertig entwickelt ist und durch das Zahnfleisch hindurch wächst, werden die Ameloblasten beim Kauen abgerieben und sind für immer verloren. Damit erklärt sich, dass der einmal durch Karies zerstörte Zahnschmelz nicht mehr nachwachsen kann. Ein Kariesloch kann also nie mehr von alleine wieder zuwachsen.

Ist aber der Zahnschmelz durch Karies verlorengegangen, wird auch das Dentin kariös infiziert (angesteckt). Die Karies aber schreitet viel schneller voran als die natürliche Abnutzung, damit kann die Dentinneubildung nicht mithalten. Die Kariesbakterien erreichen die Pulpa, infizieren auch sie, und die Pulpa stirbt ab, langsam und still oder unter sehr heftigen Schmerzen.

Weil neues Dentin nur in der äußersten Schicht der Pulpa gebildet werden kann, ist es unmöglich, dass ein im Dentin quer oder längs gebrochener Zahn wieder zusammenwachsen kann.

Was hier für die Milchzähne beschrieben wurde, gilt entsprechend auch für die bleibenden Zähne. Sie entwickeln sich ab etwa der 20. Embryonalwoche, und ihre Zahnleiste teilt sich in jedem Kiefer in 16 Zahnglocken.

2.3 Gebiss und Zahnarten, Quadranten

Die Gesamtheit aller eigenen Zähne nennt man das natürliche Gebiss. Wer sagt „ich finde mein Gebiss nicht“, meint sein künstliches Gebiss, seine meist herausnehmbaren Zahnprothesen.

Im Normalfall hat der Erwachsene 16 Zähne im Oberkiefer und 16 Zähne im Unterkiefer. In jedem Kiefer sind die Zähne symmetrisch auf die rechte und die linke Kieferhälfte verteilt. Da eine Kieferhälfte ein Viertel des Gesamtgebisses ist, heißt sie auch Quadrant. Von der Kiefermitte aus gesehen hat jeder Quadrant als erstes 2 Schneidezähne. Man kann ihre Kronen als schaufelförmig beschreiben, und sie haben eine Schneidekante, die das Abbeißen erleichtert.

Abb. 2 Zahnarten (Quelle Wikipedia)

Als nächstes folgt in jedem Quadranten ein Eckzahn. Er hat eine eher spitze Kronenform und ist der längste Zahn. Auch seine Wurzel ist die längste von allen. Der Eckzahn ist bei uns das, was bei Raubtieren wie Hund und Katze der Reißzahn ist und zum Festhalten der Beute dient.

Die Eckzähne werden mit den Schneidezähnen zur Gruppe der Frontzähne zusammengefasst.

Auf die Frontzähne folgen die Seitenzähne. Zuerst kommen die kleineren beiden Prämolaren mit je 2 Kauhöckern. Das sind die eigentlichen Backenzähne. Anschließend kommen die größeren 3 Mahlzähne (Molaren). Im Volksmund werden oft alle Seitenzähne Backenzähne genannt. Sie dienen dem Kauen der Nahrung.

2.4Zahnflächen

Die Bezeichnung der einzelnen Flächen des Zahnes weicht ein wenig ab von der in der Allgemeinmedizin üblichen Lagebezeichnung. In der Medizin sagt man „medial“ und „distal“, wenn eine Region zur Körpermitte bzw. zum Ende des Körpers liegt. In der Zahnmedizin ist es sinnvoller, die Lage in Beziehung zur Mitte oder zum Ende des Zahnbogens zu beschreiben.

Okklusal heißt die Kaufläche, die mit der Kaufläche des Gegenzahnes zusammenbeißt (=okkludiert). Vestibulär heißt die Zahnfläche, die im Zahnbogen nach außen liegt (Vestibulum ist der Vorraum, der Raum zwischen dem Zahnbogen und der Wange bzw. der Lippe.)

Bukkal (zur Wange hin) und labial (zur Lippe hin) sind ältere Bezeichnungen für den neueren Sammelnamen vestibulär.

Lingual heißen alle Flächen zum Inneren der Mundhöhle hin, dort, wo die Zunge (lingua) liegt.

Palatinal (zum Gaumen hin) ist ein älterer Ausdruck für die lingualen Flächen im Oberkiefer.

Koronal heißt die Zahnkrone betreffend.

Abb. 3 Zahnflächen und Zahnnummern im Oberkiefer

2.5 Zahnnummern

Jeder Zahn hat eine eigene „Adresse“, die wie eine zweistellige Zahl aussieht (aber nicht so gesprochen wird!). Die erste Ziffer bezeichnet den Quadranten, in dem der Zahn steht. Der 1. Quadrant ist vom Patienten aus gesehen oben rechts, der 2. ist oben links, der 3. unten links, der 4. unten rechts. Diese erste Ziffer entspricht dem Straßennamen in der Adresse des Zahnes.

Die zweite Ziffer entspricht der Hausnummer und wird von der Mitte des Zahnbogens nach außen gezählt: Der mittlere Schneidezahn hat die Nummer 1, der Eckzahn die Nummer 3 usw.

Den Zahn mit der Bezeichnung 13 spricht man also „eins-drei“, bitte nicht „dreizehn“. Er ist von der Mitte aus der dritte Zahn rechts oben, also der rechte obere Eckzahn. Zahn 48 (vier-acht! Achtundvierzig Zähne hat ja niemand, also wäre die Bezeichnung achtundvierzig unsinnig) ist der Weisheitszahn unten rechts.

2.6Milchzähne

Die Milchzähne haben ihren Namen daher, dass man sie schon bekommt, wenn man noch ein Säugling ist. Sie haben etwa die gleiche Form wie die entsprechenden bleibenden Zähne, nur sind sie etwas kleiner und heller. Allerdings gibt es keine Milchprämolaren, hinter den Milcheckzähnen kommen daher gleich die Milchmolaren.

Die Milchzähne werden nach dem gleichen Schema nummeriert wie die bleibenden: Die „Hausnummer“ geht von 1 bis 5, von der Mitte nach außen gezählt. Die Straßennummer, also die Quadrantennummer, wird aber nicht von 1 bis 4, sondern von 5 bis 8 gezählt. 51 (fünf-eins) heißt also der erste Milchschneidezahn rechts oben, 63 ist der Milcheckzahn links oben, 74 ist der erste Milchmolar links unten, 85 ist der letzte Milchzahn rechts unten.

Manche Leute glauben, Milchzähne hätten keine Wurzeln, weil man an den ausgefallenen Milchzähnen keine Wurzel sieht. Das stimmt aber nicht. Auch Milchzähne haben Wurzeln, die etwa doppelt so lang sind wie die Zahnkrone. Damit sind sie fest im Kieferknochen verankert und verbleiben dort etwa 6 bis 9 Jahre lang. Erst wenn der entsprechende bleibende Zahn so weit gewachsen ist, dass seine Krone in die Nähe der Milchzahn-Wurzelspitze kommt, wird ein Botenstoff gebildet, der die Wurzel langsam auflöst (resorbiert). Ist die Wurzel ganz abgebaut, fällt der Milchzahn aus, wenig später bricht der neue Zahn durch.

Milchzähne müssen genauso gründlich gereinigt werden wie bleibende. Karies an Milchzähnen muss schon im Frühstadium erkannt und behandelt werden. Es wäre falsch, sie verlottern zu lassen, "weil sie ja doch bald ausfallen". Auch die Karies an Milchzähnen kann Zahnschmerzen verursachen. Muss ein zerstörter Milchzahn vorzeitig gezogen werden, dann verengt sich die Lücke, ehe der neue Zahn durchbricht, dieser hat nun zu wenig Platz, und die Zähne wachsen schief.

Kinder sind erst dann fähig und geschickt genug, sich alleine ihre Zähne gut zu putzen, wenn sie auch sicher die Schreibschrift beherrschen können, also erst im späteren Grundschulalter. Bis dahin brauchen sie Anleitung, Hilfe und Überwachung beim Putzen.

Abb. 4 Milchzähne (links) und bleibende Zähne (rechts) (Quelle Wikipedia)

2.7Durchbruchszeiten

Es gibt große komplizierte Tabellen, die anzeigen, in welchem Alter des Kindes durchschnittlich mit dem Durchbruch welchen Zahnes zu rechnen ist. Allerdings halten sich die Zähne nicht genau an die Zeiten. Milchzähne können etwa ein halbes Jahr früher oder später als „normal“ kommen, bleibende Zähne können sogar ein ganzes Jahr von der Norm abweichen. Mit den folgenden zwei Faustregeln kann man den Durchbruch leicht abschätzen:

Bei den Milchzähnen kommt in jedem Quadranten alle halbe Jahre einer, von der Mitte nach hinten der Reihe nach. Im Alter von 3 Jahren ist das Milchgebiss vollständig.

Wichtig für Eltern und andere Zahnpfleger: Wer bei einem Kind ab etwa 5 Jahren einen größeren „dritten Milchmolaren“ zu sehen glaubt, der sieht in Wirklichkeit schon den unauffällig gekommenen ersten bleibenden Zahn! Dieser muss besonders gründlich gepflegt werden, weil er ja ein Leben lang halten soll. Das Kind muss wissen, dass es jetzt an dieser Stelle weiter nach hinten putzen muss!

Bei den bleibenden Zähnen kommt als erster im Alter von etwa 6 Jahren der erste Molar, also der Sechser. Er heißt auch Sechs-Jahr-Molar. Er bricht hinter dem hintersten Milchzahn durch, ohne dass für ihn ein Milchzahn ausfällt. Daher kommt er so unauffällig. Dann folgt in jedem Quadranten alle Jahre ein neuer Zahn, von der Mitte nach hinten der Reihe nach. Also mit 7 Jahren die Einser, mit 8 Jahren die Zweier usw. (Nur im Oberkiefer kommt der Vierer vor dem Dreier.) Mit etwa 12 Jahren ist der zweite Molar zu erwarten (12-Jahr-Molar). Der dritte Molar kommt (wenn überhaupt) mit etwa 18 Jahren oder (viel) später. Er heißt Weisheitszahn, weil man ihn erst nach der Kindheit bekommt.

2.8Einflüsse auf Zahngröße und Zahnbogen

Die Größe und die Form der einzelnen Zähne sind sehr stark erblich bedingt. Sie können nur durch schwere Erkrankungen während der Zahnentwicklung beeinflusst werden.

Dagegen sind die Größe und die Form des Zahnbogens sehr stark von Einflüssen während des Wachstums abhängig, auch bei Erwachsenen und sogar noch im Alter sind Veränderungen möglich. Die Zähne stellen sich nämlich so, dass sie im Gleichgewicht der Kräfte von innen nach außen und umgekehrt stehen. Hat ein Mensch eine sehr große und kräftige Zunge und nur selten große Spannung in der Wangen- und Lippenmuskulatur, weil er oft fröhlich ist und viel lacht, dann entwickelt er einen breiten Zahnbogen. Er hat dann so viel Platz für die Zähne, dass sie ihre Nachbarzähne nicht berühren. (Dieser kleine Zwischenraum heißt nicht Lücke sondern „Diásthema“. Lücke heißt die Stelle, an der ein Zahn fehlt.)

Wer eine normal große Zunge hat, aber viel Spannung in Wangen oder Lippen, weil er viel Stress aushalten muss, der bekommt einen schmalen Zahnbogen mit zu wenig Platz für die Zähne. Diese stehen dann unregelmäßig und verschachtelt. Wer seine Zunge unbewusst immer mehr nach rechts hält, der drückt seine rechten Zähne weiter nach außen oder nach vorne.

Das bekannteste Beispiel für die Verformbarkeit des Zahnbogens ist der sog. Lutschbiss, bei dem das Daumenlutschen dazu führt, dass die oberen Frontzähne nach vorne gekippt werden und der Unterkiefer im Wachstum gebremst und zu klein und zu kurz wird.

2.9Wachstumskräfte

Es gibt zwei normalerweise unauffällige Wachstumsrichtungen der Zähne, die natürlich und zweckmäßig sind (man nennt das physiologisch).

Die erste Wachstumsrichtung geht von distal nach mesial (von hinten nach vorne), man sieht normalerweise nichts davon, solange mesial ein Nachbarzahn steht und die unmerkliche Bewegung aufhält. Diese Bewegung hat folgenden Sinn: Durch minimale Bewegungen der Zähne nutzen sich die Approximalflächen an den Kontaktpunkten zum Nachbarzahn etwas ab. Es würde ein kleiner Abstand entstehen, doch die Mesialwanderung gleicht den Materialverlust aus, die Zähne behalten den Kontakt zu ihrem Nachbarn.

Die zweite unauffällige Wachstumsrichtung ist aus dem Kieferknochen heraus in Richtung auf den Gegenkiefer (von apikal nach koronal). Dieses Wachstum sorgt zunächst dafür, dass der Zahn beim Durchbrechen in die Mundhöhle an den Platz wächst, an den er gehört. Normalerweise wächst gleichzeitig sein Antagonist (Gegenspieler im anderen Kiefer), beide wachsen aufeinander zu. Wenn sie sich berühren, heben sich die Wachstumskräfte gegenseitig auf und keiner wird mehr länger. Nutzen sich einer oder beide stärker ab als die übrigen Zähne, dann wachsen sie dabei weiter aufeinander zu und bleiben dadurch beim Beißen in Kontakt. Zu diesem Herauswachsen sagt man, der Zahn elongiert (wörtlich: wird länger). Dabei wird nicht der Zahn an sich länger (von seiner Krone bis zur Wurzelspitze), sondern es sieht nur so aus, weil er im Vergleich zu seinen Nachbarn weiter herausgewachsen ist.

Diese beiden Wachstumskräfte sind solange sinnvoll, wie es sich um ein vollständiges Gebiss handelt. Geht ein Zahn verloren, weil er abbricht oder vom Zahnarzt gezogen werden muss, dann hat der distal der Lücke stehende Zahn keinen mesialen Nachbarzahn mehr. Seine Fähigkeit zur Mesialwanderung wird dann sehr langsam aber sicher erkennbar, indem er nach mesial kippt. Das heißt, die Wurzelspitze bleibt im Knochen etwa am alten Platz, und die Zahnkrone bewegt sich auf die Lücke zu. Auf den ersten Blick sieht das noch ganz praktisch aus, weil sich die Lücke dadurch verkleinert und (bei kleinen Lücken) sogar schließen kann. Allerdings hat das den Nachteil, dass sich die mesialen Höcker beim Kippen immer tiefer nach unten (im Unterkiefer) bewegen. So wird die Kauebene uneben.

Abb. 5 Mesialkippung des 37 und Elongation des 26 wegen fehlendem 36

Außerdem kann der Zahn, der jetzt keinen Antagonisten (Gegenzahn) mehr hat, weiter elongieren, weil er ja nicht mehr aufgehalten wird. Dadurch wird auch in diesem Kiefer die Kauebene immer unebener, auch wenn er keine Lücke hat.

Die Zähne müssen aber nicht nur im sog. Schlussbiss (die Stellung der Kiefer zueinander, in der sich maximal viele Zähne von oben und unten berühren) harmonisch zusammenpassen. Wenn an einer Stelle die Kauebene eine unharmonische Erhöhung oder Vertiefung entwickelt, dann kann es sein, dass die harmonische Kaubewegung des Unterkiefers bei Bewegung nach vorne oder zur Seite gestört wird. Die Folge ist dann einerseits eine Fehlbelastung des zu langen Zahnes, er wird schneller locker als nötig oder altersgemäß.

Andererseits müssen sich einige Kaumuskeln in der unharmonischen Stellung mehr anstrengen. Auf Dauer verspannen sie sich und führen zu Kiefergelenksproblemen und/oder anderen Verspannungen entlang der Muskelketten. Im Kapitel „Störeinflüsse vom Mund zum Körper, schiefer Biss“ beschreibe ich, was das alles im übrigen Körper anstellen kann (siehe Seite →).

2.10Kieferorthopädie (Kfo)

Stehen einzelne Zähne falsch oder ist ein Kiefer zu eng oder zu kurz, dann ist das nicht „nur" ein Schönheitsproblem. Viel wichtiger ist dem Zahnarzt, dass bei einem Engstand die Zähne schlechter zu putzen sind und leichter Karies entwickeln. Das ist dann oft an Stellen, wo nicht nur die Zahnbürste schlecht hinkommt, sondern man erkennt die Karies an diesen Stellen auch schlechter und später. Dadurch ist das Loch dann größer, wenn man es zum ersten Mal entdeckt.

Ist z. B. der Unterkiefer zu kurz, beißen die unteren Frontzähne ins Leere. Sie und die oberen Frontzähne haben keinen Kontakt, sie elongieren unaufhaltsam und können dadurch vorzeitig ausfallen.

Abb. 6 Elongation bei Distalbiss (rechts), normaler Überbiss bei regelrechter Verzahnung in der Front (links)

Die übliche Kfo-Behandlung besteht darin, dass man bei Platzmangel den Kiefer dehnt, um Platz zu schaffen. Dabei werden die Zähne mit aktiven Geräten auseinander gedrückt. Die Kraft dafür kommt aus dem Gerät, z. B. von eingebauten kleinen Stahlfedern, oder die rechte und die linke Hälfte des Gerätes werden mit einer Schraubspindel langsam auseinander gedrückt.

Gibt es so wenig Platz in einem Kiefer, dass das alleinige Dehnen aussichtslos erscheint, wird in jeder Kieferhälfte ein Zahn extrahiert (gezogen), oft ist es der 4er. Danach reicht meist der Platz für die übrigen Zähne. Von Nachteil ist bei dieser Methode, dass ein zu kleiner Kiefer zu klein bleibt, damit kann sich die Kieferhöhle nicht ausreichend entwickeln. Es steigt das Risiko einer häufigeren Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis).

Zunächst gab es nur herausnehmbare „Spangen“. Mit ihnen kann der Kieferorthopäde nur gut behandeln, wenn der junge Patient gut mitarbeitet, indem er das Gerät regelmäßig nach Anweisung trägt. Manche kompliziertere Fälle können nur mit festsitzendem Gerät (Brackets) gelöst werden.

Diese haben auch den Vorteil, dass man nicht auf die gute Mitarbeit des Patienten angewiesen ist. Der erste Nachteil dabei ist, dass der Patient sich nicht selbst helfen kann, wenn die Kräfte auf die Zähne zu stark eingestellt sind. Der zweite Nachteil: Die rhythmische Pulsation der Oberkieferknochen wird behindert, mit allen Nachteilen, die aus der kraniosakralen Osteopathie bekannt sind, (s. S. →). Unter anderem kann es bei empfindlichen Patienten dadurch zu chronischen Kopfschmerzen kommen, die erst wieder verschwinden, wenn die Behandlung mit der festsitzenden Spange beendet wird. Der dritte Nachteil: Die Zähne können nicht so leicht wie bei herausnehmbaren Geräten geputzt werden und brauchen sehr intensive Pflege.

Im Gegensatz zu den aktiven Geräten gibt es auch die Behandlung mit passiven Geräten. Diese sollen die natürlichen Wachstumskräfte der Kiefer fördern, indem das Gerät über einen spielerischen Anreiz die Muskeln des Mundraums aktiviert und den Lymphabfluss verbessert. Diese Behandlung heißt Funktionskieferorthopädie.

2.11Krankheiten

Die häufigsten Erkrankungen in der Zahnmedizin sind Karies und Parodontitis.

Die Karies (Zahnfäule) entsteht, wenn bakterielle Beläge (Plaque, sprich „plack“) aus dem Zucker und den Kohlenhydraten der Nahrung so viel Säure bilden, dass die Oberfläche des Zahnes von der Säure aufgelöst wird. Wenn man weiterhin zu viel Zucker ißt und zu wenig erfolgreich putzt, löst sich immer mehr Zahnsubstanz, und es entsteht ein Loch (Kavität). Dann kann der Prozess nur gestoppt werden, wenn der Zahnarzt die erweichten und infizierten Zahnanteile mit dem Bohrer entfernt und die Kavität mit einer Füllung möglichst dicht verschließt. Füllungen werden entweder in weichem, formbarem Zustand eingebracht und erhärten in der Kavität durch chemische Reaktion. Sie heißen dann plastische Füllungen. Oder die Füllungen werden außerhalb des Mundes aus festem Material (Metall, Keramik) gefertigt und dann in der Kavität einzementiert oder geklebt. Das sind die Einlagefüllungen (Inlays).

Abb. 7 Inlay, Onlay, Krone (von links)

Ist die Karies sehr großflächig und gibt es zu wenig gesunde Substanz, um einer Füllung Halt zu geben, wird der Zahn ringsum beschliffen und mit einer künstlichen Krone versorgt.

Erkennt und behandelt man eine Karies zu spät, dringen die giftigen Stoffwechselprodukte (Toxine) der Bakterien durch die Dentinkanälchen bis zur Pulpa vor, dann entzündet sich diese (Pulpitis). Bei einer Entzündung erweitern sich die Blutgefäße, damit Schadstoffe besser abtransportiert und mehr heilende Blutkörperchen (Leukozyten) an den Ort der Entzündung gebracht werden können. Eine Entzündung ist daher immer mit einer Schwellung des betroffenen Gewebes verbunden. Die Zahnpulpa kann jedoch nicht richtig anschwellen, weil sie ja in einer festen Zahnhöhle steckt. Eine Pulpitis muss also schnellstens ursächlich behandelt werden (man bohrt das infizierte kariöse Dentin aus und füllt den entstandenen Defekt), damit sie ausheilt, ehe die Entzündung die Wurzelspitze erreicht. Das Loch an der Wurzelspitze (Foramen apicale) ist so eng, dass nur eine Ader vom Knochen in die Pulpa hinein- und nur eine Ader herausführt. Schwillt hier die zuführende Ader an – das ist ja typisch für eine Entzündung - , dann wird die abführende Ader zusammengedrückt. Dadurch gibt es aber keine Mehrdurchblutung mehr, die für eine Ausheilung nötig wäre. Die Pulpitis ist dann nicht mehr behandelbar (irreversibel). Das Pulpagewebe stirbt entweder von selber ab (der Endzustand der faulig zerfallenen Pulpa heißt Gangrän). Oder der Zahnschmerz wird so stark, dass der Zahnarzt die Pulpa entfernen muss. Die sich anschließende Wurzelkanalbehandlung, auch Wurzelbehandlung genannt, besteht aus einer sehr gründlichen Reinigung und Desinfektion der Wurzelkanäle Sie und die folgende Wurzelfüllung sind sehr aufwändig, und man kann trotz allergrößter Sorgfalt einen dauerhaften Erfolg nicht garantieren. Je mehr Wurzelkanäle ein Zahn hat, je krummer sie sind und je enger sie durch eine chronische Pulpitis geworden sind, desto geringer sind die Erfolgschancen. Können nicht alle Bakterien im Wurzelkanal und im angrenzenden Dentin abgetötet werden, geht die Entzündung auf den die Wurzelspitze umgebenden Knochen über (apikale Ostitis). Je nach Situation kann man dann versuchen, die Wurzelspitze operativ abzutrennen (Wurzelspitzenresektion), weil dort die meisten infizierten unerreichbaren Seitenkanälchen sind. Ansonsten hilft nur noch die Entfernung des ganzen Zahnes (Extraktion).

Abb. 8 Wurzelbehandlung und Wurzelfüllung a) Zahnkaries, Pulpa infiziert und stark entzündet. b) Pulpendach und Kronenpulpa abtragen, Kanaleingänge sichtbar machen. c) Kanäle säubern, infizierte Kanalwand abtragen, Kanäle desinfizieren. d) Wurzelfüllung (schwarz), darüber kaufeste und dichte Füllung (schraffiert)

Die zweite große Erkrankung der Zähne ist die Parodontitis, auch Parodontose oder Periodontitis genannt.

Abb.9 Parodontitis gepunktet die Zahnfleisch-Knochen-Grenze. Links gesunde Verhältnisse, rechts Zahnfleisch verdickt, Taschenbildung und Knochenschwund

Hierbei entzündet sich der Zahnhalteapparat (Parodontium), verursacht durch die Fehlbelastung eines Zahnes. Dabei bildet sich ein Spalt zwischen Zahn und Kieferknochen, die „Tasche“. In diesen Zwischenraum können krankmachende Bakterien eindringen und zu Entzündungen führen. Dadurch wird weiter Knochen abgebaut, der Zahn wird immer lockerer, bis er ausfällt oder so schmerzt, dass er gezogen (extrahiert) werden muss.Es gibt auch die umgekehrte Theorie, dass zuerst die Bakterien zur Entzündung und zum Knochenabbau führen, sich dadurch der Zahn lockert, bis er ausfällt. Mir gefällt die erste Theorie besser, aber wahrscheinlich ist es mal so und mal so.

Dazu fällt mir ein Witz ein: Der Unterschied zwischen Konsequenz und Inkonsequenz? Konsequenz: heute so – morgen so. Inkonsequenz: heute so – morgen so.

Bei der Behandlung der Parodontitis hat man zwei Ziele: Die gründliche und dauerhafte Reinigung der Taschen von Zahnfleisch und Knochen, sowie die Entlastung von zu starken Kräften beim Zusammenbeißen durch Einschleifen und Schienung.

Sowohl durch Karies als auch durch Parodontitis können Zähne verlorengehen. Kleine Zahnlücken werden herkömmlich durch eine Brücke geschlossen. Dabei wird in der Regel je ein Zahn vor und hinter der Lücke zur Aufnahme einer Krone präpariert (beschliffen), ein Abdruck genommen und nach diesem im zahntechnischen Labor eine Brücke angefertigt. Der Zahnarzt muss sie noch anpassen und einsetzen (zementieren).

Abb. 10 Brücke

Große Zahnlücken oder sog. endständige Lücken (nach hinten gibt es keinen möglichen Brückenpfeiler mehr) werden mit herausnehmbarem Zahnersatz (Prothesen) versorgt.

Abb.11 Teilprothese (Quelle Wikipedia)

Seit einiger Zeit kann man verlorene Zähne auch ersetzen, indem man künstliche Zahnwurzeln (Implantate) aus Titan oder Hartkeramik in den Kieferknochen schraubt. Auf ihnen werden dann Kronen, Brücken oder herausnehmbare Prothesen der herkömmlichen Art wie auf einem natürlichen Zahn befestigt.

Abb. 12 Implantat

Andere Erkrankungen in der Zahnheilkunde betreffen die Mundschleimhaut, z. B. Aphthen und Herpes, bei beiden bilden sich Bläschen auf Wange, Lippen oder Zunge. Eine Aphthe ist ein schmerzhaftes, berührungsempfindliches Geschwür mit rotem Rand mit einem Durchmesser von etwa 3 mm oder mehr und tritt meistens einzeln auf. Bei Herpes auf der Zunge oder am Zahnfleisch sieht man viele kleine Geschwüre nebeneinander mit nur 1 mm Durchmesser Sie heilen normalerweise in ein bis zwei Wochen von selber aus. Wenn sie besonders lange anhalten oder sehr häufig wiederkommen, kann man sie gut homöopathisch behandeln, am besten zusammen mit einer Entsäuerungskur (s. S. →ff).

Abb.13 Aphthe (Quelle Wikipedia)

2.12Härte und Abrieb der Werkstoffe

Nehmen wir an, jemand hat auf seinen rechten Seitenzähnen oben und unten vor ein paar Jahren Goldkronen bekommen, auf den linken Zähnen dagegen macht ihm ein anderer Zahnarzt modernere und schönere, zahnfarbene Keramikkronen. Diese werden exakt angepasst, der Patient beißt rechts und links völlig gleichmäßig. In den folgenden Jahren werden sich die rechten Kronen stärker abnutzen als die linken, und der Biss wird nicht mehr im Gleichgewicht sein. Welche Folgen das für die Zähne und den übrigen Organismus hat, besprechen wir später.

2.13Röntgenbilder

Wie kommt es, dass Mediziner die dunklen Stellen auf einem Röntgenbild eine „Aufhellung“ nennen? Um diesen Sprachgebrauch zu verstehen, ist es hilfreich, sich an die altmodische analoge schwarz-weiße Phototechnik zu erinnern.

Wo viel Licht von einem hellen Gegenstand auf den Film gefallen ist, gibt es ein dunkles Abbild auf dem Film. Die dunkle Umgebung des Gegenstandes sieht auf dem Film heller aus. Diesen Film hat man daher das Negativ genannt. Um ein richtiges Bild zu erhalten, musste ein lichtempfindliches Papier mit dem Negativ belichtet werden, das war der sog. Abzug. Man hätte ihn logischerweise das Positiv nennen können.

In der Anfangszeit der zahnärztlichen Röntgentätigkeit wurde in den Lehrbüchern nicht der originale Röntgenfilm (das Negativ) abgebildet, sondern in Anlehnung an die schon üblicheren fotografischen Abbildungen ein Abzug des Röntgenfilms, das Positiv.

Wo also im Knochen ein Hohlraum ist und mehr Röntgenstrahlung auf den Film trifft, sieht man auf dem Film einen dunklen Fleck. In der Abbildung als Positiv wurde dieser aber als heller Fleck dargestellt und im zugehörigen Text als Aufhellung beschrieben. Aufhellung bedeutet also: Hier kommt mehr Röntgenstrahlung durch, z. B. weil hier im Knochen eine Stelle minderer Verkalkung ist und den Röntgenstrahlen weniger Widerstand bietet. Die häufigste Ursache dafür ist eine Entzündung im Knochen (Ostitis). Was ich auf dem Röntgenbild sehe, ist also die geringere Verkalkung des Knochens. Wenn ich daraus auf eine Entzündung schließe, ist das nur meine – meist richtige - Interpretation (Deutung), ich kann die Entzündung im Röntgenbild nicht wirklich sehen.

Zahnärzte sind sehr geübt darin, ihre Röntgenbilder gut zu interpretieren. Jeder Zahnarzt sucht wie ein Luchs nach Hinweisen auf versteckte Karies, undichte Füllungen, schlecht sitzende Kronen, apikale Ostitis, unvollständige Wurzelfüllungen, Parodontitis, abgebrochene und nicht entfernte Wurzelspitzen, verlagerte oder überzählige Zähne, Fremdkörper usw. Ein besonderer Röntgenbefund wird nach meiner Erfahrung viel zu oft nicht beachtet, ist aber sehr wichtig: Der verbreiterte Parodontalspalt. Man erkennt ihn daran, dass bei einzelnen Zähnen im Gegensatz zu den anderen ein sichtbarer schwarzer Strich zwischen der Wurzel und dem umgebenden Knochen zu sehen ist.

Abb. 14 Röntgenbild Zahn 45 distal erweiterter Parodontalspalt als Hinweis auf Fehlbelastung, zusätzlich große apikale Aufhellung, entspricht apikaler Ostitis, als Folge der unvollständigen Wurzelfüllung

Diese Zähne machen meistens (noch) keine Probleme, daher wird dieser Befund oft nicht genügend beachtet. Wichtig ist er aber dennoch, weil der verbreiterte Parodontalspalt ein deutlicher erster Hinweis darauf ist, dass der betroffene Zahn überlastet ist, also stärkere Kräfte aushalten muss als er verträgt. Die größten Kräfte wirken nicht beim normalen Kauen von Nahrung oder Kaugummi auf die Zähne, sondern beim leeren Zusammenbeißen und Reiben der Zähne im Stress und nachts beim Träumen. Stehen einzelne Zähne dabei im Weg oder sind sie zu lang, dann wirken auf diese dabei stärkere Kräfte als auf die übrigen Zähne. Sie und ihre Antagonisten (Gegenzähne) entwickeln dadurch eine chronische und zunächst schmerzfreie Entzündung in ihrem Zahnhalteapparat. Im Röntgenbild sieht man dann den verbreiterten Parodontalspalt schon, ehe Schmerzen auftreten. Weil aber ein gestörter Biss schwerwiegende allgemeinmedizinische Probleme auslösen kann, sollte die Überlastung der Zähne möglichst frühzeitig erkannt und durch sorgfältiges punktuelles Einschleifen beendet werden. Damit beugen wir wirksam der Parodontitis und anderen Erkrankungen vor.

Röntgenformate: Die ersten und immer noch häufig verwendeten Röntgenfilme waren in der Größe von etwa 3 x 4 cm, darauf ist genug Platz für die Abbildung von drei bis vier Zähnen mit Krone und Wurzel auf einer Aufnahme. Man nennt sie intraorale Zahnfilme (s. Abb. 19), weil sie bei der Aufnahme im Mund des Patienten sind, zwischen Zahn und Zunge.

Sogenannte. Bissflügelaufnahmen im normalen Format von etwa 3 x 4 cm oder im Sonderformat 2,5 x 5,5 cm werden zur Karies-Früherkennung verwendet. Hier ist Platz für die Abbildung der Zahnkronen der Seitenzähne von Ober- und Unterkiefer einer Seite auf nur einem Film, man vermindert damit die Anzahl der Röntgenaufnahmen und damit die Strahlenbelastung des Patienten.

Abb.15 Röntgen-Bissflügelaufnahme

Der Vorteil: Bei der Panorama-Aufnahme sind Röntgengerät und Film außerhalb des Mundes, es gibt keinen Würgereiz. Der Zahnarzt hat einen guten Gesamtüberblick und entdeckt auch sehr stark verlagerte Weisheitszähne, die auf intraoralen Zahnfilmen gar nicht darstellbar sind. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei ca. 10 Einzelbildern, die man sonst braucht, um alle Zähne eines Gebisses zu röntgen.

Der Nachteil: Während der Aufnahme bewegen sich Röntgengerät und Film um den Kopf des Patienten. Dadurch gibt es eine Bewegungsunschärfe, die Zähne sind nicht in allen Einzelheiten so scharf abgebildet wie auf einem intraoralen Zahnfilm. Außerdem überlagern sich Knochen außerhalb des Kiefers - z. B. die Wirbelsäule - mit den Zähnen, dadurch kann es schwierig sein, die Zähne richtig zu beurteilen.

Abb. 16 Orthopantomogramm Zahn 47 mit großer apikaler Aufhellung, Zahn 27 mit starker mesialer Knochentasche. Die Aufhellung bei Zahn 44 ist keine Entzündung an 44, sondern das Foramen mentale, das Ende des Mandibularkanals.

Alle diese Röntgentechniken haben einen gemeinsamen Nachteil: Ein dreidimensionales, also räumliches Objekt wird als zweidimensionales, flächiges Bild dargestellt. Dabei überlagern sich verschiedene Strukturen und können zu „falsch positiven" oder „falsch negativen" Befunden füh