Verzaubert 1: Geheimnisvolle Nachbarn - Anna-Sophie Caspar - E-Book
oder
Beschreibung

**Wenn du als Einzige sehen kannst, was anderen verborgen bleibt…**
Stell dir vor, in deiner Nachbarschaft verschwindet eine Villa samt ihrer Bewohner und nur du kannst sie noch sehen. Was würdest du tun? Vor allem, wenn du dich zu einem der geheimnisvollen Nachbarn stärker hingezogen fühlst, als es gut für dich ist? Effie findet sich genau in dieser Situation wieder. Als sie Eden begegnet, spürt sie, dass sie sich lieber von ihm fernhalten sollte. Aber es gelingt ihr einfach nicht. Ihre Neugierde und ihre Gefühle sind stärker als ihr gesunder Menschenverstand. Sie will nur eins: das Geheimnis von Eden und seinen mysteriösen Freunden lüften... Und plötzlich ist Effie selbst Teil des Geheimnisses.

//Textauszug:
Ihre Mutter schüttelte verständnislos den Kopf. Effie versuchte, eine neutrale Miene aufzusetzen, obwohl sie am liebsten geschrien hätte: Aber die Villa steht doch noch! Direkt vor unserer Nase! Auch Josh, ihr Vater und Kathy erzählten die Geschichte, dass die Villa schon vor Jahren abgerissen wurde. Genauso wenig erinnerten sie sich an die neuen Nachbarn, die noch am Tag zuvor eingezogen waren. Sogar Valentina blickte Effie an, als wäre sie gerade aus dem Irrenhaus entflohen. Fakt war: Keiner erinnerte sich an die neuen Nachbarn und keiner konnte die Villa sehen. Keiner außer Effie. Vielleicht wurde sie ja wirklich verrückt. Nein, das akzeptierte sie nicht. Sie hatte doch gerade noch mit Eden gesprochen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Und sie musste herausfinden was.//

//Alle Bände der magischen Bestseller-Reihe:
-- Verzaubert 1: Geheimnisvolle Nachbarn
-- Verzaubert 2: Gefährliche Freunde
-- Verzaubert 3: Gefürchtete Feinde
-- Alle Bände der Fantasy-Bestseller-Trilogie »Verzaubert« in einer E-Box!//

Diese Reihe ist abgeschlossen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl:0


Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung, können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

In diesem E-Book befinden sich eventuell Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Carlsen Verlag GmbH die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.

Im.press Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2016 Text © Anna-Sophie Caspar, 2016 Redaktion: Christin Ullman Umschlagbild: © PhilippKunze Umschlaggestaltung: Philipp Kunze k-arts.info, formlabor Gestaltung E-Book-Template: Gunta Lauck Schrift: Alegreya, gestaltet von Juan Pablo del Peral

Prolog

Vom Fluss stieg ein modriger Geruch auf. Mit ihrer freien Hand hielt sie sich an der feuchten Mauer der Brücke fest, die ihr gerade mal bis zum Bauchnabel reichte. Kleine Kieselsteine drückten sich in die Haut ihrer Handfläche.

Effie spähte hinunter in die Elbe. Der Fluss plätscherte nicht ruhig vor sich hin, wie sie es von ihm kannte. Heute wühlte und schäumte er, mit einer Kraft, die sie ihm nicht zugetraut hätte. Immer wieder schlugen Wellen gegen die Steine am Ufer und zogen sich wütend wieder zurück. Als würde er erst in der Nacht zum Leben erwachen.

Die Mauer stellte den einzigen Schutz zwischen ihr und dem strömenden Fluss dar. Nur ein sehr dummer oder depressiver Mensch würde mit dem Gedanken spielen, über diese Hürde zu springen. Oder ein Verzweifelter, wie Effie.

Cappuccino-Fauxpas

Wussten eigentlich alle, was sie nach der Schule machen wollten, nur Effie nicht? Während ihrer Fahrt zum Bäcker kreisten ihre Gedanken immer wieder um dieses Thema. Ihr wurde schon ganz schwindelig davon. Erst diese Woche hatte sie ihre letzte Abiturprüfung geschrieben. Jetzt hieß es: abwarten. Hoffentlich musste sie nicht nachschreiben, sie hatte in den vergangenen Monaten genug gebüffelt. Das Einzige, was sie sich wünschte, war ihr Zeugnis, und zwar mit guten Noten. Wofür hatte sie sonst das Schuljahr wiederholt?

Aber das Gute war: Sie hatte bis zur Zeugnisvergabe keinen Unterricht mehr. So konnte sie sich wenigstens von den vielen Monaten des Lernstresses erholen.

Mit aller Kraft trat sie in die Pedale ihres grün lackierten Hollandrades. Die Kette knirschte, knackte und Effie schaltete schnell einen Gang runter, bevor sie sich noch verhakte. Ihr Vater musste die Kette dringend ölen. Sie atmete tief ein. Für Anfang Mai war es sehr warm. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel, der Geruch des Nachttaus lag noch in der Luft und die Apfelbäume des Obsthains, an dem die Straße vorbeiführte, bekamen bereits kleine weiße Blüten. Ganz eindeutig ein Morgen, an dem man sich nicht zu viele Gedanken über die Zukunft machen sollte.

Effie freute sich ja auch, dass ihr bald die Welt offenstand. Sie konnte eine Weltreise machen wie ihr Freund Leon. Vielleicht sogar mit ihm zusammen, das wäre romantisch. Aber im Gegensatz zu ihr hatte Leon sein Abitur schon im vergangen Jahr bestanden. In einem Monat kehrte er bereits zurück von seiner Reise, da lohnte es sich nicht mehr, zu ihm zu fliegen. Bestimmt dachte er das Gleiche und fragte sie deswegen nicht, ob sie nachkommen wollte. Leon war eben sehr rücksichtsvoll. Und er war ganz bestimmt nicht auf einem ›Ego-Trip‹, wie ihre große Schwester Kathy es sagte.

Wie auch immer, hier in Jork war es doch auch sehr schön. Schließlich kamen nicht ohne Grund jedes Jahr eine Menge Touristen in die kleine Vorstadt von Hamburg. Und Effie war hier alles vertraut, sie kannte jeden Winkel des Städtchens, weil sie hier geboren und aufgewachsen war. Das war wirklich toll. Wirklich, wirklich toll. Was wollte man denn mehr?

Ein lautes Hupen riss sie aus ihren Gedanken und im nächsten Moment überholte sie ein großer schwarzer Geländewagen. Er fuhr so dicht an ihr vorbei, dass sie ins Schwanken geriet. Nur in letzter Sekunde gewann sie die Kontrolle über ihr Fahrrad zurück.

Sie bremste, stieg ab und atmete ein paarmal tief ein und aus, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Ihre Knie waren ganz weich vor Schreck. Dieser hirnlose Autofahrer!

Den restlichen Weg bis zur Bäckerei schob sie ihr Fahrrad.

***

Die Hitze in der Bäckerei übertraf die milde Maiwärme. Es duftete nach frisch gebackenen Brötchen. Hinter der Theke hetzten zwei Verkäuferinnen gestresst hin und her. Eine von ihnen bediente die Kunden, die andere beeilte sich, die fertigen Brötchen aus dem Ofen zu holen und neue Teiglinge hineinzuschieben. Während Effie wartete, blickte sie auf ihr Smartphone. Keine neuen Nachrichten. Weder bei Facebook noch bei WhatsApp. Dabei hatte sie Leon schon mehrere Texte geschrieben. Und er lud andauernd neue Urlaubsfotos bei Facebook hoch. Da! Jetzt hatte er auch sein WhatsApp-Profilfoto geändert. Er stand mit Surfbrett und Sonnenbrille am Strand vor einem türkisfarbenen Meer. Wie immer sah er einfach gut aus. Sie seufzte. Wo war er noch mal gerade? Auf Bali? Allmählich verlor sie den Überblick, so häufig, wie er die Orte wechselte.

»Der Nächste, bitte.« Die monotone Stimme der Verkäuferin lenkte Effie ab. Sie bestellte Brötchen und Croissants für das sonntägliche Familienfrühstück und für sich einen Cappuccino zum Mitnehmen. Man musste sich schließlich auch was gönnen.

Während sie auf ihre Bestellung wartete, betrachtete sie wieder die neuen Urlaubsfotos ihres Freundes. Vielleicht sollte sie ihm noch einmal schreiben. Es konnte ja sein, dass er sich, bei all den Eindrücken seiner Reise, nicht mehr an ihre Nachrichten erinnerte. Aber vielleicht reichte es auch erst einmal, wenn sie seine Fotos mit einem Gefällt mir kommentierte. Sie klickte auf ein Bild und entdeckte darunter den Kommentar eines Mädchens. Fay. Sie kannte keine Fay.

Skeptisch begutachtete sie ihr Profilfoto. Sie war hübsch, aber ganz und gar nicht Leons Typ. Ihre Haare waren lang und blond. Effie trug ihre dunkelbraunen Haare fast immer zu einem Zopf nach oben gebunden.

Zugegeben, der sonnige Teint des Mädchens sah besser aus als ihre blasse Haut. Nur die Sommersprossen auf Effies Nase konnten den Eindruck erwecken, dass sie die letzten Monate mal die Sonne gesehen hatte. Aber das war eine Täuschung. Ihre Sommersprossen hatte sie das ganze Jahr über. Doch jetzt hatte sie endlich mal wieder ein bisschen Zeit, das schöne Wetter zu genießen. Wenn sie viel Zeit in der Sonne verbrachte, bekamen ihre Haare immer einen leichten roten Schimmer. Und gegen ihre blauen Augen kam Fay mit ihren braunen Rehaugen auch nicht an. Oder vielleicht doch?

Die Verkäuferin legte Effies Bestellung auf den Tresen. Sie zahlte, nahm die Brötchen und den Cappuccino und blickte wieder auf das Display. Es war ja okay, dass er neue Leute kennenlernte, aber warum schickte diese Fremde ihm ein Herzchen? Da musste sie erst einmal Klarheit schaffen. Vielleicht wusste Fay ja nicht, dass Leon in einer Beziehung war. Könnte ja sein, dass er vergessen hatte, dies zu erwähnen. Und Herzchen und Küsschen schicken konnte Effie auch. Obwohl … Er mochte das eigentlich nicht. Egal, Fay hatte es schließlich auch gemacht. Effie musste sich nur etwas Schönes überlegen, das sie unter das Foto schreiben konnte. Hastig begann, sie mit der freien Hand auf das Display zu tippen, während sie sich von der Theke abwandte.

Wie sch…

… schrieb sie. Weiter kam sie nicht, denn sie lief direkt gegen den Kunden, der hinter ihr stand. Der Deckel des Cappuccino-Bechers rutschte herunter und bevor sie es verhindern konnte, schwappte der Kaffee auf das hellblaue T-Shirt des jungen Mannes und verteilte sich darauf.

Langsam sah sie auf und blickte in grüne, verärgerte Augen. Wenn sie mit so einer Ladung heißen Kaffees überschüttet worden wäre, hätte sie vermutlich laut aufgeschrien. Aber er wirkte, als könne ihm der heiße Kaffee überhaupt nichts anhaben. Sein Gesichtsausdruck ließ sie nur darauf schließen, dass er genervt war.

»D-das tut mir wirklich leid«, stotterte Effie. Sie griff sich eine Handvoll Servietten von der Theke und versuchte damit, sein Hemd abzutrocknen. Getuschel ging durch die Schlange der Wartenden. Ihr Gesicht begann zu glühen. Warum konnte man sich in solchen Momenten nicht einfach in Luft auflösen?

»Tut mir wirklich leid«, wiederholte sie, »ich bezahle Ihnen natürlich die Reinigung.«

»Ist schon in Ordnung.« Sanft, aber bestimmt zog er ihre Hand von seinem Oberkörper. »Darf ich?« Er nickte mit dem Kopf in Richtung Theke.

Irritiert folgte sie seinem Blick. Dann verstand sie. Klar durfte er. So schnell sie konnte, wich sie zur Seite. Ohne ihr weitere Beachtung zu schenken, wandte er sich an die Verkäuferin.

***

Draußen vor der Bäckerei atmete sie tief durch. Es gab diese Tage, da sollte man besser im Bett liegenbleiben. Und heute war eindeutig einer davon.

Sie merkte, dass sie immer noch den Stapel Servietten in der Hand hielt, und warf ihn in den Mülleimer neben der Eingangstür. Von ihrem Cappuccino war nur noch ein winziger Schluck übrig. Sie trank ihn aus und schmiss auch den Pappbecher weg. In diesem Moment schwang die Eingangstür der Bäckerei auf. Der Mann mit ihrem Cappuccino auf dem Hemd kam mit einer Brötchentüte und mehreren Kaffeebechern bepackt heraus. Er lief, Effie ignorierend, direkt auf einen schwarzen Geländewagen zu und stieg auf der Fahrerseite ein. Aber das war doch … Das war der schwarze Geländewagen, der sie geschnitten hatte.

Er fuhr aus der Parklücke und brauste davon.

Neue Nachbarn

Vor dem Gartentor zu Effies Haus lungerten drei Mädchen im Alter ihres 14-jährigen Bruders Josh herum. Vielleicht waren sie auch etwas jünger. Als die Mädchen sie erblickten, begannen sie zu kichern.

»Ist Josh da?«, fragte eine von ihnen. Effie lächelte, zuckte die Schultern, huschte eilig durchs Gartentor und ließ die schwärmenden Mädchen auf der Straße zurück. Die Pubertät war doch ein elendiger Lebensabschnitt. Schwärmerei, Herzschmerz, unerwiderte Liebe, Pickel … Also 14 wollte sie nicht noch mal sein. Damals hatte sie, genau wie diese Mädchen, sehnsüchtig vor dem Haus von Hendrik Müller gestanden. Er war zwei Klassen über ihr gewesen und Sänger in der Schulband. Vermutlich wusste er bis heute nicht einmal, dass sie existierte.

Als sie ihr Fahrrad an die Garagentür lehnte und die Brötchentüte aus dem Fahrradkorb nahm, hörte sie Valentina hinter sich »Eva!« rufen. Eva war ihr richtiger Name, aber sie mochte es nicht, wenn man sie so nannte. Das wusste Valentina. Ihre Cousine wohnte nur zwei Häuser weiter. Allerdings waren ihre Eltern häufig auf Geschäftsreise. Effie hatte sie in diesem Jahr erst zweimal gesehen, wenn sie sich richtig erinnerte. Waren Valentinas Eltern mal wieder unterwegs, kochte Effies Mutter für sie mit. Sie gehörte sozusagen schon fast zur Familie. Valentina öffnete das Gartentor, ignorierte die schmachtenden Mädchen und stöckelte hinüber zu Effie. Mit debilem Blick lugte Valentinas Chihuahua Rosalinde aus ihrer Handtasche.

»Hast du's schon gesehen?« Valentina reckte ihren Kopf und spähte hinüber zur ehemaligen Villa der Familie Kaiser. »Wie es aussieht, bekommen wir neue Nachbarn.«

Effie folgte ihrem Blick. Tatsächlich: Vor der Kaiser-Villa parkte ein Umzugswagen. Seit Jahren stand die Villa leer. Efeu kletterte bereits die Hausfassaden hoch und ein paar Kinder, sie vermutete darunter auch ihren Bruder Josh, hatten Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen.

Zwei Frauen und zwei Männer, keiner von ihnen älter als dreißig, standen vor der Villa und begutachteten die Siedlung. Sie machten alle einen sehr sportlichen Eindruck. Eine der Frauen war dunkelhäutig, hatte ihre langen, lockigen Haare zu einem hohen Zopf gebunden und trug Jeans und ein einfaches, graues T-Shirt. Die andere Frau war komplett in Schwarz gekleidet. Vielleicht lag es an ihrem schwarzen Bobhaarschnitt, aber ihre Haut wirkte geradezu bleich. Neben ihr stand ein mindestens zwei Meter großer Mann und betrachtete grimmig die Siedlung. Seine Haare hatte er kurz geschoren und sein Sweatshirt schaffte es nicht, seine kräftigen Armmuskeln zu bedecken. Im Kontrast dazu lächelte der andere Mann ein Zahnpasta-Lächeln, das sehr gut zu seinem braunen Teint, seinen blonden Locken und seiner athletischen Erscheinung passte.

Und dann stockte Effie der Atem. Ein schwarzer Geländewagen fuhr die Straße hinunter und parkte direkt neben dem Umzugswagen. Die Beifahrertür wurde geöffnet und ein Japaner in Lederjacke stieg aus. Grinsend sprang er auf die dunkelhäutige Frau zu und wuschelte mit der Hand durch ihre Haare, dass sich ihr Zopf löste. So lange, bis diese es schaffte, ihn lachend von sich zu schieben und ihre Haare wieder zusammenzubinden. Dann ging die Fahrertür auf und der Mann mit dem riesigen Cappuccinofleck auf dem T-Shirt stieg aus.

»Oh, là, là, wer ist das denn?« Valentina zog ihre Sonnenbrille zur Nasenspitze herunter, um ihn genauer zu betrachten. »Aber was hat er mit seinem Hemd gemacht?«

Effie starrte ihn einfach nur an. Erst, als Valentina mit der Hand vor Effies Gesicht herumfuchtelte, schaffte sie es, ihren Blick von ihm zu lösen.

***

In der Küche duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee. Ihre Mutter goss sich gerade eine Tasse ein. Valentina setzte sich neben Effies Vater an den Frühstückstisch, der sein Gesicht hinter der Tageszeitung vergraben hatte. Nur seine zotteligen schwarzen Haare lugten hervor.

Effie kippte die Brötchen und Croissants in ein Körbchen in der Mitte des Tisches und setzte sich auf einen Platz mit Blick aus dem Fenster.

»Hmm, lecker!« Ihr Vater legte die Zeitung beiseite und griff sich ein Brötchen. Sie fand, dass er Albert Einstein verdammt ähnlich sah, mit weißen Haaren hätte man ihn glatt für einen Doppelgänger gehalten.

Auf der anderen Straßenseite parkte die Frau mit dem schwarzen Bob gerade den Umzugswagen rückwärts zur Eingangstür der Villa um. Der Mann mit den Locken öffnete die Hintertür und gemeinsam mit den anderen begannen sie, die Möbel auszuladen. Nur den Mann mit ihrem Cappuccino auf dem Hemd konnte Effie nirgends sehen.

»Mensch, Effie! Warum hat das so lange gedauert?« Josh ließ sich auf einen Stuhl zwischen Effie und Valentina plumpsen und griff sich gleich zwei Brötchen. »Ich bin am Verhungern!«

Ohne zu grüßen schlurfte auch Kathy in die Küche. Ihre Haare standen zerzaust in alle Richtungen. Verschlafen nahm sie sich einen Joghurt aus dem Kühlschrank, setzte sich auf den noch freien Platz, zog den Deckel ab und bespritzte dabei ihr T-Shirt mit Joghurt. Genervt wischte sie die kleinen Tropfen weg. Seitdem sie ihr Jura-Examen machte, war sie kaum noch ansprechbar.

»Hört euch das an.« Die Tageszeitung lag aufgeschlagen neben ihrem Vater auf dem Tisch, er biss von seinem Marmeladenbrötchen ab und las mit vollem Mund vor: »Wanderer im Feerner Moor vermisst. – Vor zwei Wochen verschwanden in einem Naturschutzgebiet im Landkreis Stade zwei Touristen. Von einer Wanderung im Feerner Moor kehrten sie nicht mehr zurück. Ihr grüner Peugeot 206 wurde am Waldrand gefunden, wo er nach Zeugenaussage bereits seit zwei Wochen parkte. Die Männer, beide um die vierzig Jahre alt, hatten nach Aussage der Vermieterin des Ferienappartements nur einen Tagesausflug geplant. Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise.«Er räusperte sich. »Das Feerner Moor ist höchstens 20 Kilometer von Jork entfernt. Bitte geht nicht dahin, bis sich alles aufgeklärt hat.«

Alle nickten gehorsam. Ihr Vater schielte über seine Lesebrille zu Effie herüber. »Eva, du auch nicht, okay?«

Sie nickte nochmals.

Das war wirklich nicht fair. Nur weil sie einmal im Ferienlager mit ein paar anderen Kindern heimlich eine Nachtwanderung gemacht hatte, bei der sie sich leider verlaufen hatten und erst am nächsten Tag von den Betreuern gefunden wurden, glaubte ihr Vater, sie sei lebensmüde.

Außerdem fielen ihr bei Weitem schönere Dinge ein, als wandern zu gehen. Sie konnte mal wieder an den See fahren und sich sonnen, Eis essen gehen, einen Cocktail schlürfen und sie war schon Ewigkeiten kein Tretboot mehr gefahren. Durch den Abiturstress hatte sie alle Dinge vernachlässigt, die ihr Spaß machten, und sie musste sie dringend nachholen. Gleich morgen würde sie damit anfangen. Ablenkung tat ihr sowieso gut, jetzt wo sie nach Monaten mal wieder Zeit hatte und Leon nicht da war.

Wieder blickte sie aus dem Fenster. Der große bullige Typ klappte die Hintertüren des Möbeltransporters zu, fuhr ihn dann aus der Einfahrt und parkte ihn am Straßenrand. Auch der Mann mit ihrem Cappuccino auf dem Hemd hatte sich wieder zu den anderen gesellt. Jetzt trug er allerdings ein schwarzes Kapuzenshirt.

Herr von Steinhausen, der drei Häuser weiter wohnte, lief gerade an der Villa vorbei, blieb stehen und grüßte. Nur knapp erwiderten zwei von den neuen Nachbarn den Gruß und wandten Herrn von Steinhausen den Rücken zu. Er blieb noch eine Weile stehen. So wie Effie ihn kannte, versuchte er wahrscheinlich, ein Gespräch zu beginnen. Doch er wurde von den Neuankömmlingen völlig ignoriert. Wie gemein. Wie konnte man nur so unhöflich sein?

»Wo guckst du denn die ganze Zeit hin?« Josh folgte ihrem Blick.

»Oh, neue Nachbarn«, stellte er dann fest.

Jetzt sahen auch die anderen hinüber zur Kaiser-Villa.

Nächtlicher Besuch

In Effies Zimmer herrschte Chaos. Während der letzten Monate hatte sie viele Dinge vernachlässigt. Aber wie das im Leben so war, musste man manchmal einfach Prioritäten setzen. Mit dem Fuß stieß sie eine Jeans zur Seite, die auf dem Boden lag, und stieg über einen Stapel Bücher hinüber zu ihrer Couch.

Ihr Smartphone piepte. Unwillkürlich machte ihr Herz einen fröhlichen Hüpfer. Es war eine WhatsApp-Nachricht von Leon. Endlich antwortete er ihr. Endlich hatte er etwas Zeit.

Leon Was sollte dein Kommentar unter meinem Foto auf Facebook?

Ihr Kommentar auf Facebook? Wann hatte sie denn eines seiner Fotos kommentiert? In der Bäckerei hatte sie es vorgehabt, aber dann kam ja ihr kleiner Cappuccino-Fauxpas dazwischen. Und danach hatte sie Leon erst mal vergessen.

Eine weitere Nachricht traf ein.

Leon Willst du mich blamieren? Meine ganzen Freunde lesen das.

Sie rief sein Facebook-Profil auf. Er hatte ihren Kommentar bereits gelöscht. Aber dank der Facebook-Datenspeicherung konnte sie selbst ihn noch lesen.

Effie Wie scheiß bgfwrr

Verdammte Worterkennung. Bei dem Zusammenstoß mit dem Mann musste sich ihr Handy selbstständig gemacht haben.

Aber trotzdem: Der Kommentar war zwar blöd, aber bestimmt nicht gewollt. Und Leon übertrieb schon ein bisschen, dass er sich so darüber ärgerte, oder? Die nächste Nachricht traf ein.

Leon Du bist meine Freundin! Du solltest mich unterstützen!

Ja, aber das machte sie doch auch! Sie hatte doch eigentlich etwas ganz anderes schreiben wollen. Und zwar:

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!