Viruserkrankungen ganzheitlich behandeln - Andreas Brieschke - E-Book

Viruserkrankungen ganzheitlich behandeln E-Book

Andreas Brieschke

0,0

Beschreibung

• Die besten naturheilkundlichen Mittel gegen die häufigsten viralen Erkrankungen
• Der Autor verfügt über jahrzehntelange Erfahrung als Heilpraktiker in eigener Praxis
• Mit bewährten Rezepturen und konkreten Anwendungsanleitungen sowie tabellarischen Übersichten zu Behandlungsmöglichkeiten und bewährten Mitteln

Gegen Viren sind viele Kräuter
Die Natur stellt unserer Hausapotheke viele pflanzliche Mittel bereit, die uns effektiv gegen Viruserkrankungen helfen. Der erfahrene Heilpraktiker Andreas Brieschke stellt in seinem Ratgeber eine Fülle von erprobten und sicheren Möglichkeiten vor – immer mit dem Ziel, die Gesundheit zu stärken und im Erkrankungsfall lebensbedrohliche Verläufe zu vermeiden. Von den Atemwegen über Grippe und Covid-19 zu Durchfallerkrankungen und Herpes: Der Autor liefert die besten Rezepturen und Behandlungsmöglichkeiten – schnell und verlässlich. Oft vernachlässigt, aber ebenso wichtig ist die Rekonvaleszenz: Andreas Brieschke zeigt, wie man sich gut erholt und das Immunsystem nach einer Viruserkrankung wieder aufbaut.

Aus dem Inhalt:
Die faszinierende Welt der Viren
Allgemeine Behandlungsmaßnahmen
Wie unser Immunsystem funktioniert
Die klassische Erkältung: Der grippale Infekt
Virale Erkrankungen der Atemwege und der Lunge
Virusbedingte Durchfallerkrankungen
Kinderkrankheiten
Pflanzenheilkunde: Eine der ältesten Heilweisen
Heilpflanzen gegen Virusinfekte: Ingwer, Meerrettich, Zistrose, Melisse, Salbei, Sonnenhut
Propolis u.a.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 233

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



VORWORT

VIRUSERKRANKUNGEN: DAS SOLLTEN SIE WISSEN

Die faszinierende Welt der Viren

Was sind Viren?

Prinzipien der Virusabwehr

Vom Nutzen der Viren

Allgemeine Behandlungsmaßnahmen

Schlaf

Wasser

Frische Luft

Bewegung

Ernährung

Wie unser Immunsystem funktioniert

Die natürliche Resistenz

Das unspezifische Immunsystem

Das spezifische Immunsystem

Unsere innere Ärztin

Darmflora und Immunsystem

Was tun bei Fieber?

Der Umgang mit Stress

VIRUSERKRANKUNGEN MIT NATÜRLICHEN MITTELN BEHANDELN

So können Sie sich schützen

Wie werden Viruserkrankungen übertragen?

Wichtig: Mund- und Nasenhygiene

Die klassische Erkältung: Der grippale Infekt

Virale Erkrankungen der Atemwege und der Lunge

Schnupfen

Nasennebenhöhlenentzündung

Mittelohrentzündung

Heiserkeit und Hustenreiz bei Rachen- und Kehlkopfentzündung

Husten bei Bronchitis

Pseudokrupp

(H)RSV – das (Humane) Respiratorische Synzytial-Virus

Virale Lungenentzündung

Erkältung, echte Grippe oder Covid-19?

Virusbedingte Durchfallerkrankungen

Humane Noroviren

Humane Rotaviren

Behandlung der Magen-Darm-Grippe

Die virale Hepatitis

Infektionen mit Herpesviren

HHV-1: Lippenherpes

HHV-2: Genitalherpes

HHV-3: Windpocken und Gürtelrose

HHV-4: Pfeiffersches Drüsenfieber

HHV-5: Zytomegalie

HHV-6 und -7: Drei-Tage-Fieber

HHV-8: Auslöser seltener Erkrankungen

Kinderkrankheiten

Masern

Röteln

Mumps

Seltene Viruserkrankungen

Rekonvaleszenz

Die Erholung danach

Spätfolgen vermeiden

HELFER AM WEGESRAND: HEILPFLANZEN

Pflanzenheilkunde: Eine der ältesten Heilweisen

Zubereitungen und Anwendung

Die antivirale Wirkung von Pflanzenstoffen

Heilpflanzen gegen Virusinfekte

Ingwer

Meerrettich

Zistrose

Johanniskraut

Kapuzinerkresse

Melisse

Salbei

Schöllkraut

Sonnenhut (Igelkopf)

Süßholz

Taigawurzel

Thymian

Weitere antivirale Heilpflanzen

Propolis: Hilfe aus dem Bienenstock

ANHANG

Ein Wort zur Homöopathie

Bezugsquellen

VORWORT

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit dem Frühjahr 2020 ist der breiten Öffentlichkeit schmerzlich bewusst geworden, welchen Einfluss Viren und von ihnen verursachte Krankheiten auf unser persönliches und gesellschaftliches Leben nehmen können. Die Corona-Pandemie hat die Welt verändert und unser Bewusstsein für die Endlichkeit des Daseins geschärft.

Leider wurde im öffentlichen Diskurs eine ganz wesentliche Frage nur selten gestellt: Was erhält uns gesund? Man könnte auch fragen: Wie stärken wir unsere Resilienz, unser Immunsystem, wie helfen wir ihm und verhindern so schwere Verläufe? Aktionismus, schlechte Kommunikation und mediale Angstmache gehören nicht dazu, sie wirken nachgewiesenermaßen negativ auf das Immunsystem.

Um an dieser Stelle nicht missverstanden zu werden: Schulmedizin hat ihre absoluten Berechtigung und erzielt im Bereich lebensbedrohlicher Notfälle große Erfolge. Sie rettet Leben, und die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern verlangt mir hohen Respekt ab.

Komplementäre Medizin, die ich eben als ergänzend und nicht „alternativ“ zur Schulmedizin begreife, hat ihre große Qualität im Bereich der Vorbeugung und der Behandlung funktioneller Erkrankungen, also bevor etwas „richtig schlimm“ ist. Sie verhindert so schwere Verläufe.

Ich möchte keine Entweder-oder-Diskussion aufmachen. Die Frage nach der „richtigen“ Medizin ist etwas für Ideologen, für die praktische Arbeit mit erkrankten Menschen ist sie völlig irrelevant. Eine Behandlung basiert auf der Beziehung und individuellen Entscheidungen von behandelnder und erkrankter Person, ein immer und allgemein gültiges richtiges Vorgehen kann es dabei nicht geben.

Wir sollten uns aber nichts vormachen: Menschen sind keine reparierbaren Maschinen, und das eine immer wirksame Mittel, das die Pharmakologie erträumt, gibt es nicht. Die Behörden kaufen immer wieder einmal für Millionen von Steuergeldern Mittel, deren behauptete Wirksamkeit einer nachträglichen wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält. Der Staat agiert da ähnlich wie ein Individuum, das für viel Geld vermeintliche Wundermittel von zweifelhaftem Nutzen ersteht. Die eine Wunderpflanze oder das Biowundermittel gegen Viren gibt es nämlich auch nicht, auch wenn Sie im Internet viele solche angeboten bekommen.

Gleichwohl gibt es eine Fülle von seriösen Studien mit Hinweisen auf eine unterstützende und heilende Wirkung vieler Heilpflanzen und anderer Naturheilmittel bei Viruserkrankungen. Ein pragmatischer Umgang mit der Situation liegt in der Kombination und rhythmischen Anwendung vieler verschiedener Maßnahmen.

Wie Sie dieses Buch optimal nutzen

Dieser Ratgeber hat die Absicht, dem Wortsinn gerecht zu werden, er soll also Rat geben. Sie werden in diesem Buch eine Fülle von Möglichkeiten und Mitteln kennenlernen, deren Ziel es ist, Ihre Gesundheit zu stärken und im Erkrankungsfall lebensbedrohliche Verläufe zu vermeiden. Um möglichst großen Nutzen aus dem Buch ziehen zu können, lesen Sie es am besten quer. Fragen Sie, was Sie wissen möchten. Beginnen Sie mit dem Kapitel oder Thema, das Sie am meisten interessiert. So können Sie einzelne virale Erkrankungen nachschlagen und im Bedarfsfall mit den Tipps zur Behandlung loslegen.

In diesen Kapiteln finden Sie viele Querverweise auf Hintergrundinformationen, die zum Verständnis der Anwendungen beitragen. Vielleicht interessiert Sie auch eine bestimmte Heilpflanze oder Sie wollten schon immer mal wissen, wann und wie man Zwiebelwickel richtig macht. Natürlich können Sie auch direkt mit den Hintergrundinformationen starten und sich über die Welt der Viren, Schüßler-Salze oder das allgemeine naturheilkundliche Vorgehen belesen. Ein Register am Ende des Buches erleichtert Ihnen die Suche.

In jedem Fall ist dieser Ratgeber eine Einladung, praktische Erfahrungen zu machen und so mehr und mehr Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, selbst etwas zu tun. Es ist dabei sehr sinnvoll, nicht alle Maßnahmen auf einmal anzuwenden (weniger ist mehr), sondern sich diese Stück für Stück zu erschließen, zu erleben, was Ihnen guttut, und so ihre eigene, individuell zugeschnittene Hausapotheke zu erstellen. Dennoch ist es auch mein Wunsch, Ihnen ein Verständnis der Körperfunktionen, der Erkrankungen und der daraus resultierenden Logik von Behandlungsansätzen zu vermitteln. Ich bin überzeugt, dass Mittel besser wirken, wenn man ihre Sinnhaftigkeit nachvollziehen kann. Selbstwirksamkeit und Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte sind kraftvolle Werkzeuge der Gesunderhaltung gerade bei der Behandlung viraler Erkrankungen.

Dabei erkläre ich naturheilkundliches Vorgehen immer so: Wir klopfen an zehn Türen, und wenn wir an jeder Tür zehn Prozent Besserung bekommen, ist alles gut. Bekommen wir nur an einer Tür zehn Prozent, haben wir trotzdem etwas erreicht. Die Realität wird irgendwo dazwischen liegen. Beim nächsten Mal werden wir dann aus einer gebesserten Situation erneut an zehn Türen klopfen und immer so weiter. Genauso funktioniert auch ein prophylaktisches Vorgehen: Wir ergreifen eine Summe von Maßnahmen und wechseln diese immer wieder ab, um Gewöhnung zu vermeiden, und sorgen so die ganze Zeit für unsere Gesundheit. Wenn ich z. B. durch Gurgeln mit antiviral wirksamen Pflanzen wie etwa Thymian die Viruslast in meinem Rachenraum für zwei Stunden um angenommene 30 Prozent reduziere, habe ich kein Wundermittel gegen Corona gefunden, aber dennoch etwas Wirksames getan. Esse ich dazu Meerrettich und gehe im Wald spazieren ... Sie verstehen die Idee.

Das hier dargestellte Vorgehen ist das Ergebnis von über 25 Jahren Arbeit mit vielen tausend Patientinnen in meiner Naturheilpraxis. Ich bin diesen Menschen sehr dankbar für ihr Vertrauen und für viele berührende Erfahrungen, die ich machen durfte. Einige davon erzähle ich in diesem Buch. Großer Dank gilt auch unseren „älteren Geschwistern“, den stets hilfsbereiten Heilpflanzen, und all den wunderbaren Menschen, von denen ich lernen durfte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen, Ausprobieren und beste Gesundheit. Möge dieser Ratgeber zu Ihrer Gesundheitsförderung beitragen!

PS: Ich freue mich über Zuschriften und Erfahrungsberichte. Über meine Arbeit und meine Person können Sie sich auf www.andreas-brieschke.de und www.brieschkeundfreunde.de informieren.

VIRUSERKRANKUNGEN: DAS SOLLTEN SIE WISSEN

In diesem Kapitel finden Sie die wichtigsten wissenschaftlichen Informationen über Viren zusammengefasst und einfach erklärt. Davon werden Behandlungsoptionen abgeleitet und einige weiterführende Gedanken entwickelt – auch zum potenziellen Nutzen dieser scheinbaren “Feinde”. Anschließend folgen praxiserprobte Tipps zur Allgemeinbehandlung und eine Erläuterung dessen, was uns gesund erhält: unser Immunsystem. Zum Abschluss erfahren Sie, warum Fieber hilfreich ist, übertriebener Stress krank macht und wie Sie mit beidem umgehen können. Dabei lernen Sie die ersten hilfreichen Heilpflanzen kennen.

Die faszinierende Welt der Viren

Viren lehren uns immer wieder das Fürchten, zuletzt Corona, davor die Schweinegrippe, aber auch Ebola, HIV und andere sind uns noch gut im Gedächtnis. Das lateinische Wort virus bedeutet nicht von ungefähr Gift.

Es gibt viele Wege, sich dem Phänomen Virus zu nähern, von denen ich einige mit Ihnen teilen möchte. Sicher ist nur, dass sich in Naturzusammenhängen Schwarz-Weiß-Denken verbietet. Es gilt ein „Sowohl als auch“, denn nichts ist nur schlecht oder nur gesund. Dies drückt sich lustigerweise auch in unserer digitalen Welt aus, wenn man davon spricht, dass etwas „viral geht“. Dies meint einerseits eine rasant schnelle Verbreitung, ist dabei aber durchaus positiv konnotiert und gleichsam eine Hommage an die Fähigkeiten der Viren. Ein Computervirus ist dagegen eindeutig unerwünscht.

Was sind Viren?

Viren konnten schon an über 280 Millionen Jahre alten Fossilien nachgewiesen werden.

Stellen wir zunächst die Frage, was Viren überhaupt sind, eröffnet sich uns eine faszinierende Welt voller unglaublicher Formen und Impulse. Letztlich sind Viren der Übergang von der unbelebten zur belebten Natur und damit die Grundlage allen Lebens und unserer Ökosysteme. Viren existieren vermutlich schon seit Anbeginn des Lebens. So konnten bereits an über 280 Millionen Jahre alten Fossilien Viren nachgewiesen werden.

Die Angaben über die Anzahl der existierenden Viren schwanken je nach Quelle sehr stark. So sind laut Wikipedia derzeit über 3000 Viren bekannt. Eigentlich eine recht geringe Zahl angesichts der Tatsache, dass fast zwei Millionen Spezies von Viren als Wirtszellen genutzt werden. Der Teufel steckt hier im Detail, nämlich dem Wörtchen „bekannt“: Es gibt eine riesige Anzahl von derzeit noch unbekannten Viren. So schätzen Wissenschaftler die vorhandene Anzahl auf etwa 300.000 Viren allein in Säugetieren, und das Museum für Naturkunde Berlin spricht auf seiner Webseite von über 100 Millionen Virustypen. Viren befallen alle Lebensformen, also Mensch, Tier und Pflanze gleichermaßen, nicht einmal Bakterien sind vor ihnen sicher. Es gibt Viren wie das Tabakmosaikvirus auf Pflanzen, und letztes Jahr musste ich mit ansehen, wie sich ein Teil meiner Bienen mit dem Chronischen Paralyse-Virus herumschlug, um zwei Beispiele zu nennen.

Es gibt einen regelrechten Stammbaum der Viren. Die Virologie teilt sie in verschiedene Familien ein, z. B. die Schnupfen auslösenden Rhinoviren, von denen etwa 200 verschiedene bekannt sind. Auch Herpes- oder Coronaviren sind solche Gruppen. Bei aller vorhandenen Vielfalt finden wir immer das gleiche Prinzip: Viren sind im Prinzip genetische Informationen, die sich vervielfältigen wollen. Sie benötigen dafür aber eine lebendige Zelle, weil sie selbst nicht dazu in der Lage sind. Dafür programmieren sie die Zelle so um, dass diese neue Viren bildet. Diese Fähigkeit wird im Prinzip auch in der Gentechnik genutzt, um neue gewünschte Gene ins Erbgut bestehender Organismen einzubauen.

Viren – eine faszinierende Welt voller unglaublicher Formen und Impulse.

Grob vereinfacht fi nden wir eine Eiweißhülle und darin eine Nukleinsäure (DNA oder RNA), eben die Erbinformation. Die Wissenschaft unterscheidet dann RNA-Viren von DNA-Viren. Hinzu kommt eine Struktur, die in der Lage ist, die Virusgenetik in die Wirtszelle zu schleusen, ein Art Bohrer.

Man kann sich einen Virus als Raumsonde vorstellen, in der ein Alien schläft. Landet diese Sonde (das Virus) auf einem Planeten (der Zelle), werden zunächst die Beine ausgefahren (das Virus dockt an). Im nächsten Schritt wird der Bohrer ausgefahren und das Alien gelangt durch diesen in den Körper des Planeten hinein. In der Folge werden sämtliche vorhandenen Ressourcen manipuliert und zur Produktion vieler neuer Raumsonden inklusive Aliens genutzt. Wenn der Planet verbraucht ist, platzt er auf und Tausende von neuen Raumsonden fl iegen ins Weltall, um sich neue Himmelskörper zu suchen. Ein besonders geeigneter Himmelskörper wird erhalten und dauerhaft als Virenfabrik genutzt. Viren verfügen also über spezifi sche genetische Informationen, können sich aber nicht selbst vermehren. Sie sind daher strenggenommen keine Lebewesen.

Aufbau des Infl uenza virus, einem RNA-Virus.

Der Vermehrungszyklus der Viren

LEBENSPHASE

WAS PASSIERT GENAU?

Adsorption: Anheften

Die Virusinfektion beginnt damit, dass sich der jeweilige Virus an bestimmten Oberflächenstrukturen einer Zelle anheftet. Diese Strukturen sind mehr oder weniger spezifisch für bestimmte Zielzellen.

Penetration: Eindringen

Das Virus dringt in die Zelle ein, indem er durch die Membran hindurchwandert (je nach Virusart auf unterschiedliche Weise), z. B. durch Verschmelzen mit der Membran.

Uncoating: Freisetzen

Das Virus „legt nun seinen Mantel (coat) ab“ und seine Erbinformation, die Nukleinsäure (je nach Virus DNA oder RNA), wird frei.

Replikation: Vermehrung

Die Zelle beginnt nun gezwungenermaßen, die Nukleinsäure des Virus zu vervielfältigen und dann auf dieser Grundlage die Viruseiweiße, also die Hülle des Virus, nachzubauen. Dafür werden die zelleigenen Strukturen und Ressourcen genutzt.

Assembly: Zusammenbau

Die Viruskomponenten werden zu einem neuen fertigen Virus zusammengesetzt.

Freisetzung

Die fertigen Viren werden aus der Zelle geschleust. Bei behüllten Viren geschieht dies durch Knospung und die Zelle bleibt erhalten. Unbehüllte Viren füllen die Zelle zunehmend aus und am Ende platzt diese auf (Wirtszelllyse).

Prinzipien der Virusabwehr

Aus dem Bild mit der Raumsonde ergeben sich bereits die wesentlichen Abwehrmechanismen oder Behandlungsprinzipien von Viruserkrankungen, deren Anwendung wir später besprechen werden:

Es gibt verschiedene Mechanismen, um Viren abzuwehren.

• das Virus selbst zerstören, was recht schwierig ist, da es sich um vergleichsweise kleine, gleichsam minimalistische und sehr stabile Strukturen handelt

• die „Landung“, also das Anheften erschweren oder verhindern, indem die Oberfläche der Zelle mit „Schmierseife“ behandelt wird oder gezielt die „Beine der Raumsonde“ attackiert werden

• den „Bohrer“ abstumpfen oder einhüllen

• die Oberfläche stabilisieren und härten, damit der „Bohrer“ nicht oder nur schwer eindringen kann

• virusbefallene Zellen als Ganzes zerstören, also die „Virusfabrik“ selbst möglichst schnell arbeitsunfähig machen

Allerdings sind Viren oft sehr stabil und daher schwer zu zerstören. Man könnte sie sich wie intelligente Kristalle vorstellen. Tatsächlich befinden sie sich evolutionär zwischen dem Mineralreich und den Lebewesen. Sie können in ihrer kristallinen Form teilweise sehr lange unter ungünstigsten Bedingungen überdauern und werden erst beim Kontakt mit einer potenziellen Wirtszelle „lebendig“. Anders als Antibiotika gegen Bakterien funktionieren die Virostatika der Industrie daher gegen Viren oft nur mäßig bis gar nicht. Daher scheint bei vielen viralen Erkrankungen ein polypragmatisches Vorgehen sinnvoll, das heißt, möglichst viele erfolgversprechende Maßnahmen gleichzeitig auszuführen. Hier hat Naturheilkunde eine Menge zu bieten. Ein auf den „Erreger“ verengtes Denken ist wenig zielführend.

Vom Nutzen der Viren

Es erscheint zunächst fragwürdig, ob überhaupt ein Nutzen besteht. Schaut man sich aber beispielsweise das menschliche Genom genauer an, so lässt sich feststellen, dass ein nicht unerheblicher Teil unserer Erbinformation viralen Ursprungs ist. Wir haben uns also im Laufe der Evolution mit etlichen Viren so arrangiert, dass wir die vorhandene genetische Information in unsere genetische „Bibliothek“ eingebaut haben und diese immer weitergeben. Da die Evolution nichts Unnötiges tut und Fehlversuche meist mit Aussterben der jeweiligen Spezies ahndet, muss ein gewisser Nutzen bestehen, und sei es nur, dass der „Waffenstillstand“ dazu geführt hat, den jeweiligen Virus und womöglich seine Verwandten für uns ungefährlich zu machen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die genetische Information uns auch darüber hinaus genutzt hat.

Philosophisch betrachtet kann man Viren also als herumfliegende Ideen oder Gedanken sehen, gleichsam als „evolutionäre Impulse“. Viele irrelevant, manche krank machend, einige tödlich, aber manche auch nützlich, heilsam und womöglich einen nötigen Entwicklungsschritt ermöglichend oder gar auslösend.

Erlaubt sich mein ungebrochener Optimismus den Schritt, diesen Gedanken auf die menschliche Gesellschaft zu übertragen, so mag die Corona-Pandemie auch zu einer neuen, solidarischeren Welt führen. Die Erinnerung daran, dass alles endlich ist, wirft doch verschiedene Fragen auf, beispielsweise „Wie wollen wir leben?“ oder „Wie gehen wir mit den Ressourcen und dem Planeten um?“ und natürlich „Was erhält uns gesund?“ Dagegen ist ein einfaches „Weiter so“ und der Versuch, die Wachstumsideologie mit all ihren zerstörerischen Folgen beizubehalten, gleichsam die Verweigerung eines evolutionären Fortschritts. Es ist ja nicht erst seit Greta Thunbergs Mahnungen offensichtlich, dass diese Haltung zu einer extremen Verschlechterung der Lebensbedingungen und vermutlich mittelfristig zum Aussterben der Spezies Homo sapiens führt, was der Welt allerdings ziemlich egal sein dürfte. Die geneigte Leserin und der geneigte Leser mögen mir diese Ausführungen nachsehen oder noch besser einen Baum pflanzen.

Allgemeine Behandlungsmaßnahmen

Es gibt bei viralen Erkrankungen eine Reihe von allgemeinen Maßnahmen, deren Durchführung sehr viel zur Genesung beitragen kann, wenn man sie konsequent anwendet. Nichts davon zerstört Viren oder virusbefallene Zellen unmittelbar, dafür sind die Zellen unseres Immunsystems zuständig.

Einfache, allgemeine Maßnahmen gegen Viren können sehr wirksam sein.

Die hier beschriebene Allgemeinbehandlung ist mehr als Unterstützung der Spezialisten gedacht. Bei einem Bombenfund sind ja auch sehr viele Menschen mit der Information der Bevölkerung, Evakuierungen und Absperrmaßnahmen beschäftigt, um dem eigentlichen Entschärfungstrupp den Rücken frei zu halten.

Vieles, was ich nun erläutere, mag banal und altbekannt erscheinen und wir hätten wohl oft lieber das eine Wundermittel, das alles in Ordnung bringt. Der Verkauf solcher Allheilmittel ist seit dem Mittelalter eine Geschäftsidee, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Der Nutzen ist aber oft fraglich, und wenn wir unsere Bequemlichkeit überwinden und Altbewährtes umsetzen würden, wäre unserer Gesundheit und unserem Geldbeutel sicher mehr gedient. Die im Folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen helfen wirklich. Sie können und sollten daher ähnlich wie das Zähneputzen Eingang in die persönliche Gesundheitsförderung finden.

Schlaf

In der Antike war der Tempelschlaf die erste Heilanwendung überhaupt. Die Idee des Sich-gesund-Schlafens ist so einfach wie bestechend. Im Schlaf stehen unserem Körper große Energiemengen für die Regeneration und Heilung zur Verfügung, die sonst von unserem Wachbewusstsein konsumiert werden. Wir reparieren uns im Schlaf, Kinder wachsen im Schlaf. Im Märchen vom starken Wanja liegt dieser sieben Jahre auf dem Ofen und schläft sich stark, bis zu dem Tag, an dem er zu seinen Abenteuern aufbricht, an deren Ende er Zar von Russland wird.

Tipp

Sorgen Sie für ausreichenden und erholsamen Schlaf. Wechseln Sie im Krankheitsfall täglich die Bettwäsche, bei starkem Schwitzen auch öfter. Gestalten Sie Ihren Schlafraum als „Tempel“, sorgen Sie für eine angenehme Stimmung und Ruhe, für Blumen, einen guten Geruch und ausreichend frische Luft und scheuen Sie sich nicht, Ihren Teddy aus Kindertagen mit ins Bett zu nehmen. Mit anderen Worten, schaffen Sie eine Wohlfühlatmosphäre, in der Sie das Kranksein genießen und in Ruhe gesund werden können.

Das vielleicht Wichtigste gerade für uns vielbeschäftigte Erwachsene: Sie müssen und sollten dies nicht alles selber tun. Versuchen Sie, so viel wie möglich zu delegieren. Bitten Sie um Unterstützung durch Partner, Verwandte und Freunde, lassen Sie sich versorgen mit Suppe und Tee und sich am besten etwas vorlesen. Natürlich sind wir nicht alle in solch glücklicher Lage, aber es geht oft mehr, als man denkt, und auch ein Hörbuch wirkt bereits Wunder.

Wasser

Wasser ist die Basis für alles Leben auf dieser Erde. Wir bestehen zu etwa 70 Prozent daraus, und sein Fließen und seine Klarheit gilt es zu erhalten. Wir können Wasser unmittelbar als Heilmittel anwenden: äußerlich als Wickel und innerlich zum Trinken oder mittelbar zur Teezubereitung.

Trinken ist eminent wichtig. Es ist völlig normal, dass man während eines Infekts für eine Weile wenig Appetit hat. Der Körper muss den Infekt ja im Wortsinn „verdauen“ (diesen Zusammenhang erläutere ich im Kapitel „Darmflora und Immunsystem“ auf Seite 31). Verhungern wird man dabei nicht so schnell, aber ein „Austrocknen“ braucht mitunter vor allem bei Kindern und älteren Menschen nur kurze Zeit. Nebenbei bemerkt habe ich schon öfter erlebt, wie vermeintlich verwirrte ältere Menschen allein durch ausreichendes Trinken wieder zu neuer Lebensfrische gelangten.

Gerade im Infekt kann Flüssigkeit über Schwitzen und eventuell breiigen oder flüssigen Stuhlgang verloren gehen. Sie wird aber dringend gebraucht, um Abbauprodukte ausscheiden zu können. Die Belastung des Körpers ist hoch, da besonders viele Zellen zerstört werden. Es entstehen Säuren und Eiweißabbauprodukte, bei Bakterienbeteiligung auch Stoffwechselprodukte, die den Körper von seiner eigentlichen Aufgabe abhalten. Es ist ein bisschen so, als würden Sie sich an den Schreibtisch setzen, um etwas Wichtiges zu schreiben, und finden diesen voller Zettel und anderer Dinge. Ausreichendes Trinken räumt mit diesen Ablenkungen auf.

Vor allem bei Infekten verlieren wir viel Flüssigkeit-Trinken ist dann besonders wichtig.

Tipp

Trinken Sie während eines Infekts ausreichend. Empfehlenswert sind etwa zwei Liter, bei starkem Schwitzen entsprechend mehr. Allerdings müssen Sie es auch nicht übertreiben, drei oder gar vier Liter bringen keinen Mehrwert. Genießen Sie basische Flüssigkeiten, also ein gutes Mineralwasser oder Kräutertee. Im Kapitel über Heilpflanzen auf Seite 155 finden Sie eine Reihe von Vorschlägen zur Auswahl.

Kalte Wasserreize trainieren das Immunsystem.

Sicher haben Sie auch schon von Kneippschen Anwendungen gehört. Mit Wasseranwendungen zur Vorbeugung und Heilung verschiedener Krankheiten wird vor allem der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) verbunden, der in Bad Wörishofen eine große Kurklinik leitete und vielen Menschen, vor allem zivilisationsgeschädigten Städtern, helfen konnte. Sein Buch „Meine Wasser-Kur″ ist auch heute noch eine interessante Lektüre und Quelle von Inspiration. Der Legende nach war der junge Kneipp an Tuberkulose erkrankt und kurierte sich selbst durch tägliches Tauchen im nahegelegenen Fluss – den ganzen Winter über. Es gibt heute noch zahlreiche Kneippvereine, bei denen Sie Informationen über verschiedene Anwendungen erhalten. Auch die von Kneipp begründete Kureinrichtung in Bad Wörishofen existiert noch.

Der kalte Wasserreiz aktiviert über die Rezeptoren der Haut die inneren Organe, das Nervensystem und eben auch das Immunsystem, indem die Gefahr des „Erkältens″ eine Stimulation des Immunsystems als Reaktion auslöst. Nun geht es nicht um „Abhärten“ (das ist eine Idee aus der Nazizeit), sondern um ein Training des Immunsystems durch Pendeln zwischen „Eisbär“ und „Warmduscher“. Wechselwarmes Duschen am Morgen erfüllt auf simple Weise genau diesen Zweck und spart außerdem Kaffee.

Tipp

Eine vorbeugende Anwendung, die ich täglich durchführe, möchte ich Ihnen ans Herz legen: Duschen Sie erst warm (dabei geht die Seife auch besser ab) und dann erst die Beine und Arme und schließlich den ganzen Körper kalt. Sie beginnen herzfern beim rechten Bein, dann linkes Bein, rechter Arm und schließlich linker Arm. Führen Sie den Wasserstrahl jeweils auf der Außenseite nach oben und auf der Innenseite wieder hinunter. Wiederholen Sie dies jeweils dreimal. Zum Abschluss duschen Sie den ganzen Körper einmal vom Kopf abwärts. Wichtig ist es, danach das Wasser nur sanft abzutupfen und sich zu bewegen. Starkes Rubbeln verringert den Effekt.

Informationen über die Anwendung von Wickeln finden Sie im Abschnitt über Fieber auf Seite 33.

Frische Luft

Die Legende erzählt, dass Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, wenn er zu einer Kranken gerufen wurde, als Erstes einmal die Fenster öffnete, um Licht und Luft hereinzulassen. Er kam dann erst am nächsten Tag wieder, um die Patientin zu untersuchen. In der modernen Zeit haben wir um die Bedeutung der Aerosole viel gelernt, und Stoßlüften hat in der Corona-Pandemie eine medizinische Begründung erfahren. Meine alte Englischlehrerin hätte es vermutlich gefreut, denn ihr zwanghaft anmutendes Lüften auch im Winter war in der Klasse nicht wirklich beliebt.

Tipp

Lüften Sie mehrmals täglich kurz, indem Sie alle Fenster öffnen. Dabei alle Betroffenen warm einpacken. Entscheidend ist der vollständige Luftaustausch, vor allem vor dem Schlafengehen. Die frische Luft erwärmt sich schnell wieder. Durch dauerhaft gekippte Fenster erreichen Sie wenig, es kommt vor allem zu Wärmeverlust. Diese „Frischluftkur zu Hause“ ist wichtig.

Bei Viruserkrankungen sind längere Aktivitäten draußen mitunter kontraproduktiv (siehe auch „Rekonvaleszenz“, Seite 142). Natürlich ist ein gemütliches Spazierengehen bei entsprechender Verfassung in Ordnung, aber bitte nicht übertreiben. Man sollte gerade im Winter bedenken, dass die unwirtlichen Umstände auch anstrengend für den Körper sind. Vor allem kranke Kinder dürfen ruhig mal am heimischen Ofen bleiben und müssen nicht um jeden Preis nach draußen.

Bewegung

Nach einer über-standenen Viruserkrankung gilt: Gehen Sie es langsam an.

Mit Bewegung ist es gerade bei viralen Infekten so eine Sache. Ist das Schlimmste erst einmal überstanden, ist es gut und hilfreich, sich zu bewegen, am besten draußen im Wald. Andererseits führt körperliche Anstrengung zu einer Stoffwechselanregung und unterstützt damit mittelbar auch die Neubildung von Viren, die ja in unseren Zellen stattfindet. So gilt wie so oft: „Die Dosis macht das Gift.“ Moderate Bewegung wie Spaziergänge sind hilfreich, wenn sie an den eigenen Energiehaushalt angepasst sind. Auch sanftes Yoga, Tai Chi oder einfach ein Tänzchen tragen zum Wohlbefinden bei. Mit Sport oder anstrengenden Tätigkeiten sollten Sie allerdings unbedingt warten, bis der Infekt vollständig abgeklungen ist. Allzu oft hat ein zu schneller Start aus Pflichtbewusstsein zu einem Wiederaufflammen des Infekts geführt. Machen Sie also langsam und gehen nicht gleich an Ihre Grenzen.

Ernährung

Die Frage nach einer gesundheitsfördernden Ernährung ist ein heikles Thema. Hier treffen unterschiedlichste Erfahrungen mit einer Menge Ideologien zusammen. Hinzu kommen auf der individuellen Ebene noch starke Prägungen aus unserer Kindheit, die eine Umstellung massiv erschweren. Oft sind es gerade Nahrungsmittel, die uns eigentlich nicht guttun, nach denen es uns verlangt.

Hier ein paar Gedanken und Richtlinien zur Orientierung:

•Die gesunde Ernährung gibt es nicht.

• Es gibt eine Ernährungsweise, die individuell zu Ihnen passt und die Sie für sich herausfinden können.

• Orientieren Sie sich an Ihrem Wohlbefinden und Energielevel nach dem Essen.

• „Fasten“ Sie gezielt, indem Sie einzelne Nahrungsmittel für eine begrenzte Zeit weglassen und dann wieder einführen, um den Effekt bewusst zu erleben.

• Versuchen Sie Nahrungsmittel mit „Suchtcharakter“ zu identifizieren und langsam „auszuschleichen“. Dieser Prozess darf ruhig etwas dauern.

• Ein süchtig machender Klassiker ist Zucker.

• Generell sollte Ernährung vielfältig und möglichst naturbelassen sein, idealerweise aus dem eigenen Garten oder vom Biobauernhof des Vertrauens.

• Verwenden Sie viele Kräuter und natürliche Gewürze.

• Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein.

• Vermeiden Sie industriell verarbeitete Lebensmittel, vor allem Zusatzstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel usw. Die Liste der „E’s“ ist lang.

• Faustregel: Was ein Grundschüler nicht aussprechen kann, hat in Nahrungsmitteln nichts zu suchen.

• Essen ist auch ein soziales Geschehen, gemeinsame Mahlzeiten sind besser verdaulich.

• Last but not least: Ernährung sollte Spaß machen und mit Genuss verbunden sein. Begeben Sie sich einfach immer wieder auf eine kulinarische Abenteuerreise ins Land der gesunden Ernährung.

Während eines viralen Infekts ist meist der Appetit eingeschränkt. Dies ist ein normaler Vorgang, da der Körper den Infekt „verdauen“ muss und den Darm selbst entlastet. So ist auch Fasten als Kur durchaus hilfreich. Gute Studien gibt es mittlerweile auch über die Wirkung von Intervallfasten.

Wie unser Immunsystem funktioniert

Unser Immunsystem organisiert sich selbst durch eine Art Schwarmintelligenz.

Wie funktioniert eigentlich unsere körpereigene Abwehr? Unser Immunsystem ist gleichsam ein selbstständiger Organismus in uns, vorstellbar als ein intelligenter Schwarm aus unterschiedlichen Zellen mit verschiedenen Aufgaben. Dieser regelt die hochdifferenzierte Kommunikation mit einer potenziell gefährlichen Umwelt, lernt ständig und betreibt eine Datenbank mit vielen Antworten und Rezepten.

Wir können die natürliche Resistenz sowie einen unspezifischen und einen spezifischen Aspekt des Immunsystems unterscheiden, auch wenn die Übergänge fließend sind.

Die natürliche Resistenz

Zur natürlichen Resistenz gehören die Bedingungen an allen Grenzflächen des Körpers, also der Haut als äußerer Begrenzung und der Schleimhäute als Grenzen zum gleichsam „verschluckten oder eingeatmeten Außen“. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass z. B. die Nahrung dann ja noch nicht in den Körper aufgenommen wurde: Der Inhalt des Verdauungskanals ist für den Organismus immer noch „außen“. Erst durch Verdauungsprozesse, also die direkte, aktive Einflussnahme des Körpers auf diese innere Umwelt, können wir uns diese zu eigen machen.

Nur wenn Nahrungsstoffe zerlegt worden sind und ihre eigene individuelle Struktur verloren haben, können wir sie aufnehmen, ohne uns Schaden zuzufügen. Dies gilt in ganz besonderem Maße für Eiweiße, die ja die direkte Übersetzung der Erbinformation eines fremden Lebewesens darstellen. Bei Kohlehydraten und Fetten sind die individuellen Unterschiede viel weniger ausgeprägt. Eine allergische Reaktion findet aus diesem Grund immer auf Eiweiße statt.

Die Situation auf den Bronchialschleimhäuten stellt sich ähnlich dar. Auch hier kann das „Außen“ nur selektiv einverleibt werden. Beim Sauerstoff fällt dies nicht schwer, anders sieht es bei miteingeatmeten Pollen oder gar Viren und Bakterien aus. Auch diese Fremdeiweiße muss der Körper „verdauen“, in diesem Fall, um sie draußen zu halten. Die Bemühungen des Körpers, dies zu tun, finden idealerweise unterhalb unserer bewussten Wahrnehmungsschwelle statt, bei Überforderung kommt es dann entweder zu allergischen Symptomen (Pollen) oder Entzündungsreaktionen und Erkrankungen (Viren, Bakterien).

Embryologisch ist die Bronchialschleimhaut eine Abfaltung des Urdarms, sie ist also tatsächlich und nicht nur metaphorisch eine Verdauungsschleimhaut. Auch die Auskleidung der Kopfhöhlen und des Mittelohrs sind solche Abfaltungen, ebenso die inneren Oberflächen von Leber und Pankreas. Aus diesen embryologischen Zusammenhängen erklärt sich auch der große Einfluss des Darms auf unsere Gesundheit.

Zu unseren natürlichen Schutzfaktoren auf den Oberflächen gehören vor allem Säuren und Enzyme, die Mikroorganismen und Viren das Leben schwer bis unmöglich machen. Hier wäre vor allem der Säureschutzmantel der Haut zu nennen, der durch die Schweißdrüsen immer wieder erneuert wird. Der Schweiß enthält außerdem Enzyme wie das antibakterielle Lysozym. Ähnliches gilt für die Schleimhäute. Hier bilden Becherzellen und tiefer gelegene Drüsen verschiedene Schleimfraktionen, auf denen Viren hängen bleiben und die ebenfalls Enzyme enthalten, im Falle der Atemwegsschleimhaut sogar Antikörper.

Im Verdauungskanal ist zunächst die Salzsäure im Magen ein mächtiger Schutz, der die Nahrung desinfiziert. Außerdem bilden die großen Verdauungsdrüsen eine Vielzahl von Enzymen. Hinzu kommt die Tätigkeit der symbiontischen „guten“ Bakterien, die ebenfalls Säuren bilden und so z. B. das schützende saure Vaginalmilieu aufbauen. Außerdem konkurrieren sie mit potenziell krankmachenden Bakterien um Nahrung und verhindern so deren Vermehrung.

Tipp