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Auch Superhelden brauchen mal Urlaub - aber wer rettet dann die Welt? Juhu, endlich wieder Ferien - Juli kann es kaum erwarten mit seiner Cousine Jenny wieder ins Superhelden-Hotel ihres Onkels zu fahren. Wer weiß, vielleicht wartet dort schon der nächste Superheldeneinsatz auf die beiden? Und wirklich: Der fiese Snakeman hat eine Armee mutierter Riesenkaninchen erschaffen, die mit ihren unterirdischen Gängen eine Großstadt nach der anderen zum Einsturz bringen. Und da die echten Superhelden weiterhin schlaff am Pool liegen und Bruce spontan eine Alien-Invasion abwehren muss, müssen Juli und Jenny eben wieder ran! Ausgestattet mit nichts als einer popeligen Röntgen-Laser-Brille, mit der man durch Mauern, Türen und sogar durch Klamotten gucken kann (Bösewichte in Unterhosen: kein schöner Anblick!). Und noch während Juli sich fragt: "Was tun wir hier eigentlich?", stecken er und Jenny schon mitten in einem rasanten Abenteuer rund um die Welt: durch die Wüste über London nach Paris! Können Juli und Jenny den fiesen Schurken und seine Riesenkaninchen rechtzeitig stoppen? "Voll super, Helden - Was tun wir hier eigentlich?" ist der 2. Band einer neuen witzigen Abenteuerreihe von Erfolgsautor Rüdiger Bertram. Humor, Action und jede Menge Superheldenpower machen diese Reihe zum idealen Lesespaß für Jungs und Mädchen ab 8 Jahren. Mit witzigen Illustrationen von Heribert Schulmeyer. Alle Bände der Reihe: Voll super, Helden (1). Einer muss den Job ja machen Voll super, Helden (2). Was tun wir hier eigentlich? Weitere Bände sind in Vorbereitung. Alle Bände sind auf Antolin.de gelistet.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2020
Rüdiger Bertram
Voll super, Helden
Was tun wir hier eigentlich?
Rüdiger Bertram,geboren in Ratingen im Mai 1967, lebt heute davon, sichGeschichten für Kinder auszudenken. Was ein großes Glückist, weil er sich nichts Besseres vorstellen kann. Viele seinermittlerweile über 70 Bücher wurden von Heribert Schulmeyerillustriert. Darunter auch die bekannte COOLMAN-Reihe,die in über 25 Ländern erschienen ist. Bertram lebt mitseiner Familie in Köln, ist aber eher selten zu Hause,weil er so viel auf Lesereise ist.
Heribert Schulmeyerwurde 1954 geboren und zeichnet schon seit Jugendtagenleidenschaftlich gerne Comics. Er hat Freie Grafik undIllustration an der Kölner Werkschule studiert. Seitdem hat ermit seinen Illustrationen schon viele Kinderbücher verschönertund für den WDR bei der »Sendung mit der Maus« gearbeitet.Heribert Schulmeyer lebt als freier Künstler in Köln.
Rüdiger Bertram
VOLL SUPER,HELDEN
Was tun wir hier eigentlich?
Mit Illustrationen vonHeribert Schulmeyer
In der Reihe Voll super, Helden von Rüdiger Bertramsind bisher erschienen:Voll super, Helden. Einer muss den Job ja machen! (Band 1)Voll super, Helden. Was tun wir hier eigentlich? (Band 2)
1. Auflage 2020© 2020 Arena Verlag GmbHRottendorfer Straße 16, 97074 WürzburgAlle Rechte vorbehaltenEinband- und Innenillustrationen: Heribert SchulmeyerCovergestaltung: Juliane LindemannE-Book-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmund, www.readbox.net
E-Book ISBN 978-3-401-80871-0
www.arena-verlag.de
Prolog
Die eine Hälfte von London lag in Trümmern und von der anderen war auch nicht mehr viel übrig. Das konnte ich von hier oben auf dem Riesenrad gut sehen, dazu brauchte ich die Röntgenbrille nicht.
Wir standen in einer der Kabinen am höchsten Punkt des Rades und die Stadt lag direkt unter uns. Uns, das waren Jenny und ich. Und natürlich Snakeman, der uns hier raufgeschleppt hatte, damit wir sein Werk der Zerstörung bewundern konnten.
»London war erst der Anfang. Morgen ist Paris dran und dann Tokio, Kairo, Berlin, Peking, Sidney, Rio, Los Angeles … so lange bis die Welt alle meine bescheidenen Forderungen erfüllt hat«, sagte Snakeman und lachte.
Es war so ein irres Lachen wie bei den bösen Superschurken im Kino, wenn sie kurz davor sind, die Weltherrschaft an sich zu reißen, und keiner sie mehr stoppen kann.
»Da steht aber noch ein Wolkenkratzer.« Jenny zeigte auf ein großes Gebäude, das die Zerstörung der Stadt bisher unversehrt überstanden hatte.
»Wo?«, fragte Snakeman irritiert.
»Na, das da vorne«, sagte ich und deutete auf das Hochhaus, das ganz allein zwischen den Ruinen stand, so wie der letzte weiße Milchzahn im Mund eines Erstklässlers, der sich nur von Süßigkeiten ernährt.
»Stimmt, ihr habt recht. Da steht wirklich noch eins.« Snakeman griff nach einer kleinen silbernen Pfeife, die er an einer goldenen Kette um den Hals trug, und blies zweimal hinein. Obwohl er dafür ganz tief Luft geholt hatte, war kein Ton zu hören.
Kurz darauf fiel auch das letzte Haus in sich zusammen, so als hätte jemand darunter ein Loch gebuddelt, in dem es einfach versank.
Snakeman nickte zufrieden, dann wandte er sich wieder uns zu.
»Es wird Zeit, mich zu verabschieden, bevor das Ding hier auch noch einstürzt.« Dabei klopfte er an die Wand der Kabine, in der wir standen. Mehr als hundert Meter über dem Boden. »Sollte es euch überraschenderweise gelingen, lebend von hier zu entkommen, dann richtet der Welt meine Forderungen aus.«
»Und die wären?«, fragte Jenny.
»Alles! Ich will einfach alles! Und vergesst nicht zu erwähnen, dass ich dafür gesorgt habe, dass alle Einwohner genügend Zeit hatten, London zu verlassen, bevor meine Oryctolagus cuniculus gigantus die Stadt dem Erdboden gleichgemacht haben. Ich bin ja kein Unmensch. Außerdem macht Weltherrschaft auch gar keinen Spaß, wenn es keine Untertanen zum Beherrschen mehr gibt«, erklärte Snakeman und blies wieder in seine Pfeife. Aus der Ferne näherte sich ein riesiger Vogel, aber aus der Nähe war leicht zu erkennen, dass es kein lebendiges Tier, sondern nur eine Drohne war. Snakeman kletterte auf das Dach der Kabine und ließ sich in seinem schwarzen Superschurkenanzug mit der aufgedruckten Kobra von dem künstlichen Vogel davontragen.
»So ein Doofkopfvollidiotspinner«, brummte Jenny, als Snakeman und sein Vogel nur noch ein winziger Punkt am Himmel waren.
»Und was machen wir jetzt?«, fragte ich besorgt, weil das Riesenrad zu schwanken begann, so als würde es jeden Moment in sich zusammenstürzen.
»Wir nehmen den Raketenrucksack«, erklärte Jenny.
»Muss das sein?«
»Muss nicht. Nur wenn du die Sache hier überleben willst, Juli.«
Früher dachte ich, echte Helden gewöhnen sich an solche Situationen.
Falsch gedacht! Das ist jedes Mal genauso doof wie beim ersten Mal. Wir saßen mal wieder in der Patsche, ewig weit von zu Hause entfernt, wo vor einer Woche alles begonnen hatte.
Schlaflos am Morgen
Eine Woche vorher: Ich lag in meinem Bett und schaute auf die Uhr. Es war zehn vor sieben, aber ich war schon vor zwei Stunden aufgewacht und hatte nicht wieder einschlafen können.
Obwohl Herbstferien waren oder gerade deswegen. In den Ferien sollte ich wieder ans Meer in das kleine Hotel meines Onkels fahren, zusammen mit meiner Cousine Jenny. Bis zu den letzten Sommerferien hatte ich gar nicht gewusst, dass ich eine Cousine besitze, und am Anfang hatten wir uns überhaupt nicht leiden können. Ich bin eher so der nette und vernünftige Typ und sie ist einfach total frech und macht immer Sachen, die eigentlich verboten sind.
Am Ende der Ferien hatten wir uns dann doch ganz gut verstanden, sehr gut sogar, und deswegen konnte ich es gar nicht erwarten, sie wiederzusehen. Meinen Koffer hatte ich schon vor drei Tagen gepackt: Klamotten, Zahnbürste, meine Comics und einen ausreichenden Vorrat an Zartbitterschokol ade, weil Jenny und ich die beide von allen Sorten am liebsten mögen.
Während der letzten Sommerferien konnte man keine Schokolade mehr kaufen. Nirgendwo, auf der ganzen Welt nicht. Snakeman und sein Handlanger Kästle hatten alle Vorräte verschwinden lassen, um die Menschheit damit zu erpressen. Aber jetzt gab es wieder genug und das hatte die Menschheit ganz allein Jenny und mir zu verdanken.
Auch wenn das leider keiner wissen durfte. Meine Cousine und ich hatten jedenfalls eine Menge Abenteuer zusammen erlebt und das war einer der Gründe, warum ich mich so auf unser Wiedersehen freute.
Um acht Uhr wollten mein Vater und ich Jenny mit dem Wagen abholen und dann zum Bahnhof fahren. Das hatten sie und ich eingefädelt und das war gar nicht so einfach gewesen.
Onkel Horst, dem das Hotel gehört, und unsere Väter sind alle drei Brüder. Jennys und mein Vater waren früher mal richtige Superhelden. Man nannte sie die Superbrothers und es wurden sogar Comics über sie geschrieben. Damals waren sie noch jung und deswegen habe ich das nie bemerkt, weil mein Papa jetzt einen ziemlichen Bauch und so gut wie keine Haare mehr auf dem Kopf hat. In den Comics sah er jedenfalls ganz anders aus. Irgendwann haben sich die Superbrothers total zerstritten und nie wieder miteinander geredet. Sie wissen auch nicht mehr, dass sie mal Superhelden waren, weil nach ihrem Ausscheiden aus dem Heldendienst bei ihnen alle Erinnerungen an ihre Abenteuer gelöscht wurden.
Das Einzige, an das sie sich noch erinnern, ist, dass sie sich nicht leiden können. Heute werden sie sich das erste Mal wiedersehen und das ist ganz sicher ein weiterer Grund, warum ich so aufgeregt war.
Kurz vor sieben hörte ich draußen auf dem Flur, wie mein Vater ins Bad ging. Da braucht er meistens nur fünf Minuten, dann macht er Frühstück, damit meine Mama länger schlafen kann. Wenn er damit fertig war, würde er mich wecken kommen und dann unseren Zeitungskiosk aufmachen. Der kleine Laden gehört meinen Eltern, aber in letzter Zeit läuft er nicht besonders gut. Die Leute kaufen einfach keine Zeitungen mehr und lesen die Nachrichten auf dem Handy oder dem Tablet. Und Getränke lassen sie sich auch lieber nach Hause liefern, statt runter auf die Straße zu gehen und sich ihre Sachen selber zu holen. Deswegen waren meine Eltern auch so froh, dass Onkel Horst mich in den Sommerferien ans Meer eingeladen hatte. Für einen gemeinsamen Urlaub mit meinen Eltern wäre gar kein Geld da gewesen.
Weil ich noch ein bisschen Zeit hatte, bevor mein Vater mich wecken kam, schnappte ich mir einen der Comics, die immer neben meinem Bett liegen. Ich liebe Comics, es gibt nichts Besseres und das hier ist einer der allerallerbesten, denn der Held darin heißt Rocketman.
Rocketman ist einer meiner Lieblingshelden. Das war er auch schon, bevor ich ihn im Hotel meines Onkels kennengelernt habe. Jenny und ich waren eigentlich dort, um Urlaub zu machen. Falsch gedacht. Denn wir mussten da die ganze Zeit arbeiten. Also Betten machen, Koffer schleppen, Tische decken, Geschirr spülen, Klos putzen, Getränke servieren, Teppiche saugen, alles, was in einem Hotel eben so zu tun ist. Das fanden wir beide natürlich ziemlich doof, obwohl eigentlich nur ich gearbeitet habe und Jenny danebenstand und gar nichts getan hat, außer rumzuquatschen und sich zu beschweren. Ich wollte dann auch schnell wieder nach Hause, weil wir vor lauter Arbeit kaum Zeit hatten, um im Meer zu baden. Aber dann entdeckte ich, dass das Hotel meines Onkels kein gewöhnliches Hotel ist, sondern eines für erschöpfte Superhelden, die sich dort für ihre nächsten Aufgaben ein wenig erholen sollen.
Da hat mir die viele Arbeit plötzlich gar nichts mehr ausgemacht. Ganz im Gegenteil, ich habe es gerne gemacht, weil es ja für meine Heldinnen und Helden war, also für all die coolen Typen, die ich liebe und verehre, seit ich lesen kann.
Und das ist ganz sicher noch ein Grund, vielleicht sogar der wichtigste, warum ich so früh aufgewacht war. Weil ich es gar nicht erwarten konnte, sie wiederzusehen, und dabei vielleicht wieder ein kleiner Superhelden-Job für Jenny und mich abfiel. So wie die Sache mit der Schokolade, die wir beide regeln mussten, weil Rocketman zu erschöpft war, um sich selber darum zu kümmern.
»Aufstehen, Julian. Es wird Zeit!«, rief mein Papa und klopfte an meine Tür.
Er wusste ja nicht, dass ich schon seit Stunden wach war, und deswegen schaute er mich überrascht an, als ich sofort die Tür aufriss und rief: »Guten Morgen! Ich bin schon lange fertig, können wir endlich los?«
Jennys Villa
Zum Abschied nahm mich meine Mama lange in den Arm, so als würden wir uns nie wiedersehen. Für einen Moment hatte ich den Verdacht, dass sie irgendetwas ahnte. So als ob sie wüsste, dass ich nicht nur einfach so für eine Woche in den Urlaub fuhr, sondern zusammen mit meiner Cousine für irgendwelche supermüden Superhelden vielleicht wieder die Welt retten müsste. Aber das war natürlich Blödsinn. Sie hatte keinen blassen Schimmer, weil sie meinen Vater erst kennengelernt hatte, als der schon lange nicht mehr einer der beiden Superbrothers war. Meine Mutter kannte Superhelden nur aus den Comics, die sie im Kiosk verkaufte, ohne zu ahnen, dass sie selbst mit einem ehemaligen Superhelden verheiratet war.
Meine Mama drückte mich einfach nur fest an sich, weil Mütter das immer tun, wenn sie sich von ihren Kindern verabschieden. Ganz egal, ob das für ein Jahr, eine Woche oder nur für eine Stunde ist.
»Viel Spaß«, murmelte sie mir in die Haare, dann ließ sie mich endlich los und ich stieg in unser altes Auto, in dem mein Papa schon auf mich wartete.
Er drückte zum Abschied auf die Hupe, dann gab er Gas, um mich zu Jenny zu bringen. Daran hatten Jenny und ich die letzten Wochen hart gearbeitet. Wir hatten viel telefoniert, weil wir unbedingt wollten, dass unsere Väter sich wieder vertrugen. Wir wohnten beide gar nicht so furchtbar weit voneinander entfernt und trotzdem hatten unsere Familien überhaupt keinen Kontakt. Das war doch total bescheuert und darum wollten wir das ändern.
Dafür hatten wir uns eine Geschichte ausgedacht. Ich sollte einfach behaupten, der Wagen von Jennys Vater wäre kaputt und es wäre furchtbar schwierig für sie, pünktlich zum Bahnhof zu kommen. Da wäre es viel leichter, wenn wir bei ihr vorbeifahren und sie abholen würden. Es hatte ewig gedauert, bis ich meinen Papa endlich überredet hatte.
»Aber ich steige nicht aus«, hatte er gegrummelt.
»Musst du auch nicht. Du bleibst einfach im Auto sitzen, sie steigt ein und wir fahren weiter«, hatte ich geantwortet, weil ich mit Jenny einen tollen Plan ausgeheckt hatte.
Wenn wir mit unserem Wagen vor ihrem Haus hielten, wollte sie ihrem Vater sagen, dass unser Wagen eine Panne hat. Dann musste er rauskommen, um zu helfen, und so würden sich die beiden endlich treffen.
Das war ein richtiger Superheldenplan, den wir da hatten.
Ich betrachtete meinen Papa von der Seite, als wir zu Jenny fuhren. Es war schwer vorstellbar, dass er wirklich mal ein Superheld gewesen war.
»Warum sprichst du eigentlich nicht mit deinem Bruder?«, fragte ich ihn, nachdem wir schon eine Weile unterwegs waren. »Du hast mir nie von ihm erzählt und bis zu den letzten Sommerferien hatte ich gar nicht gewusst, dass ich auch eine Cousine habe.«
