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Um eine Frau zu beeindrucken, reduziert Damon Gameau seinen Zuckerkonsum drastisch. Der Effekt: Nie war er fitter, schlanker und ausgeglichener. Erstaunt über die positiven Auswirkungen, entschließt er sich zu einem Experiment: Nach drei zuckerfreien Jahren stellt er seine Ernährung erneut um. Für 60 Tage nimmt er dem durchschnittlichen Konsum eines Australiers entsprechend täglich 40 Teelöffel Zucker zu sich - und das ausschließlich in Form sogenannter gesunder Nahrungsmittel wie Müsli, fettarmen Joghurt und Säfte. Süßigkeiten sind Tabu! Das Ergebnis ist schockierend. Neun Kilo mehr, das Frühstadium einer Fettleber und Diabetes! Voll verzuckert - That Sugar Book beschreibt, wie die Droge Zucker unseren Körper und unser Gehin zerstört und wie leicht wir Zucker konsumieren, ohne es zu wissen. Als findiger Zuckerdetektiv zeigt Gameau wie wir unsere Essgewohnheiten umstellen können. Mit über 40 unkompliziert-leckeren Rezepten gelingt ihm ein großartiger Schachzug im Kampf gegen Zucker.
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Seitenzahl: 194
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Vor zehn Jahren nahm ich 40 Kilogramm ab, einfach indem ich keinen Zucker mehr aß. Wissenschaftliche Artikel legten mir die eindeutige Schlussfolgerung nahe, dass mein Übergewicht am Zucker lag. Seither habe ich mich immer wieder mit diesem Thema beschäftigt und weitere Studien über die schädliche Wirkung von Zucker gefunden.
Sicher, Zucker machte mich dick. Aber das war noch das geringste Übel. Die Forschung sagt uns auch: Zucker zerstört die Zähne, die Darmflora, die Leber, die Bauchspeicheldrüse, die Nieren und das Herz. Doch die Schädigung geht noch weiter. Im Lauf der Zeit wurde immer deutlicher, dass Zucker auch unsere Psyche beeinträchtigt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass selbst »in Maßen« konsumierter Zucker (eine von der Lebensmittelindustrie erfundene Formulierung, die uns quasi einen Freibrief für ungezügelten Konsum ausstellt) wahrscheinlich die Ursache für die grassierende Verbreitung von Angststörungen und Depressionen ist.
Während es mir darum ging, in eine engere Jeans zu passen, kam Damon auf eigene Faust dahinter, dass er ohne Zucker ein besserer Mensch war. Er war – und ist – ein sportlicher, gesunder junger Mann, und es ging ihm nicht ums Abnehmen. Er wollte wissen, wie Zucker seine Stimmung beeinflusst. Also beschloss er herauszufinden, ob er sich mit weniger Zucker anders fühlen würde.
Er ließ das weiße Zeug weg und erlebte fast augenblicklich eine enorme Verbesserung seines Wohlbefindens. War es aber wirklich der Zucker? Oder nur Zufall? Damon hatte viele Gründe, sich gut zu fühlen. Er führte (und führt) eine glückliche Beziehung und freute sich auf die Geburt seines ersten Kindes. Auch seine Karriere entwickelte sich prächtig. Er war als Schauspieler erfolgreich, und seine erste Regiearbeit war 2011 völlig unerwartet mit dem ersten Preis beim Kurzfilmfestival Tropfest ausgezeichnet worden.
Wie viel von seinem neuen Lebensgefühl konnte er der zuckerarmen Ernährung zuschreiben? Oder war er nur gut drauf, weil es für ihn gut lief? Es war wie die Frage nach der Henne und dem Ei.
Irgendwann hörte mich Damon in einer Radiosendung über Zucker und Gesundheit sprechen. Er bat mich um ein Treffen. Ich zähle mich nicht zu den schöpferischen Menschen und bin nur wenigen professionellen Schauspielern begegnet (wenn man Politiker mal außen vor lässt). Aber ich war neugierig. Damon sprühte vor Energie und Ideen. Er wollte herausfinden, ob sein neues Wohlbefinden auf das Konto einer zuckerfreien Ernährung ging. Dazu plante er einen Selbstversuch: Zwei Monate lang wollte er täglich so viel Zucker zu sich nehmen wie ein durchschnittlicher Australier und beobachten, was geschah. Und er wollte es filmen. Und natürlich wollte er, dass es ein guter und erfolgreicher Film würde, ganz gleich, wie das Ergebnis ausfiel.
Ich fragte ihn, ob er noch alle Tassen im Schrank habe. Wenn auch nur die Hälfte von dem stimmte, was ich gelesen hatte, würde er sich in echte Gefahr begeben. Schon möglich, dass ich recht hätte, meinte er, aber wie sonst solle er es herausfinden? Und wenn ich recht behielte, wäre das nicht die beste Chance, Millionen Menschen damit zu erreichen? Bald war sonnenklar: Wenn Damon einen Plan hat, hat man die Wahl, ihm zu folgen (und die Reise zu genießen) oder ihm aus dem Weg zu gehen. Ich entschied mich für Ersteres.
Damon nahm für uns alle das Risiko auf sich. Er tat es für Sie, für Ihre Kinder, für alle, die Ihnen am Herzen liegen. Und wie die meisten neugierigen Menschen dachte er nicht an die Konsequenzen. Die gab es nicht zu knapp – nicht nur für Damon selbst, sondern auch für seine damals schwangere Partnerin Zoe (deren unerschütterliche Unterstützung in jeder Szene deutlich wird).
Das Resultat, das Sie in Händen halten, ist die Geschichte eines Mannes, der sich selbst eine Frage beantworten wollte, in dem Bewusstsein, dass dies auch anderen helfen könnte. Damon zog die Sache durch. So ist er eben. Was er in Echtzeit und vor laufender Kamera bewiesen hat, wäre als wissenschaftliche Studie niemals genehmigt worden (ich hatte ihn gewarnt). Aber seine sorgfältige, intelligente Planung führte dazu, dass Sie nun über die verheerenden Auswirkungen von Zucker auf unsere Gesundheit Bescheid wissen. Die Menschen, die unsere Lebensmittel ersinnen und produzieren, die Menschen, die mit Gesundheitspolitik in Bezug auf Lebensmittel befasst sind, können sich angesichts der drückenden Beweislast nun nicht mehr verstecken.
Damon (ein gewöhnlicher außergewöhnlicher Bursche) und seine Familie haben mich eine Menge gelehrt, und ich habe unterdessen einen Freund gewonnen. Dieser bescheidene, praktisch veranlagte, coole Typ wollte einfach nur die Wahrheit herausfinden. Lesen Sie selbst und lassen Sie sich inspirieren!
DAVID GILLESPIE IST AUTOR ZAHLREICHER BÜCHER, DARUNTER DER BESTSELLERREIHE SWEET POISON ÜBER DIE GEFAHREN VON ZUCKER.
Abgesehen vom Klimawandel oder vielleicht der Frage, wer der beste Sänger der Boygroup One Direction ist, ist Ernährung wohl das am heftigsten diskutierte, dogmenbehaftetste und auf Instagram meistbehandelte Thema auf diesem Planeten. Die Suche nach Antworten, besonders im Internet, fühlt sich manchmal an wie eine Reise durch eine konfuse, widersprüchliche Welt, in der undurchschaubare wissenschaftliche Daten, dogmatische Kulinarik-Gurus und wutschäumende Kommentare den Ton angeben. Ist Brot nun ein Freund oder ein Feind? Ist Käse bedenklich, Butter aber gut? Und wie steht es mit Schafskäse? Einige Lebensmittel werden als sogenannte Super-Foods gehypt und sollen nicht weniger als die ganze Welt retten.
Gesundheitsexperten, Medien, Blogger, Freunde – jeder hat offenbar eine ganz eigene Meinung zu der Frage, was wir essen sollten und was nicht. Der Lieblingsstar der Ernährungspaparazzi in dieser Debatte ist zweifelsohne der Zucker.
In den vergangenen Jahren dominierte Zucker die Schlagzeilen, und es gab reichlich Spekulationen und Gezanke über seine Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Ich stand der Frage unentschlossen gegenüber, bis eines Tages zwei blaue Streifen auf dem Schwangerschaftstest meiner besseren Hälfte zu sehen waren. Plötzlich schien mir das Thema von essenzieller Bedeutung, und ich beschloss, sämtliche Meinungen zu ignorieren und es selbst herauszufinden.
Wir können unendlich viel über ein Thema lesen, doch am Ende zählt unsere eigene Erfahrung. In diesem Buch möchte ich meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.
Sechzig Tage lang probierte ich eine zuckerreiche Ernährung aus, indem ich das Äquivalent von vierzig Teelöffeln Zucker pro Tag zu mir nahm. »Das ist total durchgeknallt!«, höre ich meine Leser einwenden. Erschreckenderweise sind vierzig Teelöffel Zucker aber die Menge, die viele Australier jeden Tag konsumieren, und Teenager häufig sogar mehr.
Die Sache hatte jedoch noch einen zusätzlichen Dreh. Anders als der durchschnittliche Teenager wollte ich nur »gesunde« Lebensmittel essen, die nach landläufiger Auffassung wenig oder keinen Zucker enthalten. Ich musste also ohne Softdrinks, Schokolade, Eiscreme oder Süßgebäck auf meine vierzig Teelöffel Zucker pro Tag kommen. Stattdessen wollte ich Magerjoghurt, Frühstückszerealien, Müsliriegel, Obstsäfte und Sportdrinks zu mir nehmen, die alle »versteckten Zucker« enthalten.
Während des Experiments wurde ich von einem Team von Ärzten und Wissenschaftlern begleitet. Ich machte mich außerdem auf die Reise durch Australien und die USA und filmte das Ganze für einen abendfüllenden Dokumentarfilm. Ich traf wunderbare Leute, interviewte die international führenden Experten in Sachen Zucker, beobachtete, wie sich meine Psyche und mein Körper veränderten und lernte mehr über diese feine weiße Substanz, als ich mir je hätte träumen lassen.
Das Buch ist in vier Teile untergliedert. Für alle, die eine schöne (oder schreckliche, das ist Geschmackssache) Geschichte mögen, beschreibt der erste Teil die Höhen und Tiefen meiner sechzigtägigen Zuckerorgie. Im zweiten Teil geht es um die wissenschaftlichen Zusammenhänge: Die Fakten sind mit Bildern angereichert, um zu erklären, was der Zucker mit mir anstellte. Der dritte Teil beschreibt, wie ich vom Zucker wieder loskam. Er bietet auch einige Tipps für alle, die ihren Zuckerkonsum zurückschrauben und gesünder leben möchten. Der vierte Teil enthält die Rezepte, die mir während meiner Entgiftungsphase nach dem Experiment geholfen haben.
Ich begab mich in dieses Abenteuer, ohne zu wissen, was mich erwartete. Einiges von dem, was ich lernte und erlebte, war ziemlich beängstigend – aber es hat mein Leben und in der Folge das Leben meines Kindes verändert. Ich hoffe, dass ich ein klein wenig dazu beitragen kann, auch das Ihre zu verändern.
KATHLEEN DESMAISONS,AUTORIN VON THE SUGAR ADDICT’S TOTAL RECOVERY PROGRAM
DAVID WOLFE, ERNÄHRUNGSEXPERTE
Als ich ein Baby war, in den späten Siebzigerjahren, war ein gewisses Johannisbeergetränk extrem populär. Laut Fernsehwerbung steckte viel Vitamin C drin, das die Entwicklung starker, gesunder Kinder fördert. Meine liebe Mama schenkte diesen Ernährungsratschlägen Glauben – selbst die Vereinigung stillender Mütter empfahl solche Getränke für Kinder – und schüttete es in mich hinein wie Kühlflüssigkeit in einen heißgelaufenen Motor. Das Fruchtsaftgetränk mag auch Spuren von Vitamin C enthalten haben, ganz sicher aber enthielt es jede Menge Zucker. Und so hatte ich im zarten Alter von vier Jahren eine sehr unangenehme Begegnung mit dem Zahnarzt, der mir fünf Milchzähne ziehen musste.
Dann kamen meine bleibenden Zähne, und wie ein gedemütigter Held schienen sie es auf Rache abgesehen zu haben. Als erwarteten sie nichts anderes, als ununterbrochen von Johannisbeerlimonade umspült zu werden, wurden sie gigantisch und umgaben sich mit einer massiven Schicht Zahnschmelz. Sie ragten aus meinem Gesicht wie zwei Eisberge aus dem Polarmeer. Schulkameraden schlugen kichernd vor, wir sollten Filme darauf projizieren oder sie als Wintersportparadies nutzen.
Trotz dieser Sticheleien fraßen sich meine Hauer durch die gesamte Bandbreite zuckriger Lebensmittel. In den folgenden zwanzig Jahren entwickelte ich (auch dank fortschrittlicher Zahnmedizin) nicht nur einen, sondern gleich zwei riesige »süße Zähne«, die mir den Weg wiesen (auch nachts, da sie das Licht reflektierten). Ich trank täglich eine oder zwei Dosen Cola (am liebsten die mit Vanillegeschmack). Ich verdrückte päckchenweise Schokokekse, schüttete süße Trinkjoghurts in mich hinein, überhäufte meine Frühstücksflocken mit Zucker und futterte am Schulkiosk unzählbare Mengen Erdnussriegel. Ich möchte keinesfalls meine Eltern in ein schlechtes Licht rücken. Es war die Zeit, als überall vor den Gefahren fettreicher Ernährung gewarnt wurde. Als gesund galt, was fettarm war. Die Zuckerlawine rollte in vollem Lauf unaufhaltsam den Berg hinab und auf die ahnungslosen Dorfbewohner zu.
Im Jahr 2002, als ich Mitte zwanzig war, bekam ich eine Rolle in dem australischen Kultfilm The Tracker und lernte den Aborigine-Schauspieler David Gulpilil kennen, einen der herausragendsten Vertreter und Förderer der Aborigine-Kultur. David und ich wurden Freunde, und nach Abschluss der Dreharbeiten lud er mich ein, zwei Wochen mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Ramingining in Arnhem Land zu verbringen. Nie bin ich in einem fremderen Land gewesen – dabei war es immer noch meine Heimat Australien.
Vieles auf dieser Reise wirkte prägend, wenn auch zunächst verstörend auf meine junge, noch unfertige Persönlichkeit. Zwei Dinge sind mir jedoch in bleibender Erinnerung geblieben: die Herzenswärme und Großzügigkeit der Menschen, denen ich begegnete, und der enorme Konsum eines gewissen dunkelbraunen, kohlensäurehaltigen Getränks.
Noch heute sehe ich die vielen Aborigine-Frauen vor mir, wie sie Babyfläschchen mit Coca-Cola füllen und ihren weinenden Kindern geben. Als ich sie darauf ansprach, nahm mich eine ältere Frau zum einzigen Geschäft am Ort mit, deutete auf ein Plakat, auf dem junge, strahlende Models mit ähnlich riesigen Zähnen wie den meinen zu sehen waren, und sagte: »Happy juice«. Diese geradlinige Interpretation von Werbung hinterließ in mir einen tiefen Eindruck.
Die Jahre vergingen, und wie es häufig bei Männern geschieht, traf ich, kurz bevor es zu spät war, eine bezaubernde Frau. Eine solche Frau bügelt einige charakterliche Falten des Mannes glatt, zähmt seine abschweifenden Augen und macht ihn sanft darauf aufmerksam, dass er erwachsen ist. Mir passierte das mit zweiunddreißig. Mein Körper und mein Verhalten waren vom jahrelangen übermäßigen Zuckerkonsum gezeichnet. Dann kam Zoe, der Inbegriff von Schönheit, Harmonie und Lebenskraft, deren Haut ebenso strahlte wie ihre Persönlichkeit. Sie wusste, dass die Nahrung, die wir unserem Körper zuführen, unser Aussehen, unser Empfinden und unsere Weltsicht beeinflussen.
In den prägenden Wochen einer Beziehung täuscht ein Mann Interesse an einer ganzen Reihe von Dingen vor, um die Zuneigung seiner neuen Liebe zu gewinnen. Ich mimte Genuss beim Verzehren von Gurken- und Grünkohlsmoothies, Quinoa-Salaten mit Chia-Samen und Naturjoghurt mit frischen Beeren. Liebe kann aber tatsächlich Wunder wirken, und je mehr ich mich an diese neuen Nahrungsmittel gewöhnte – und mich dabei sowohl körperlich als auch geistig wohler fühlte –, desto mehr kam ich auf den Geschmack. Mit dem Fortschreiten unserer Beziehung aß ich immer weniger raffinierten Zucker, bis mir ein gesundheitsbewusster Freund schließlich riet, ihn ganz wegzulassen. Wenn ich ehrlich bin, war mir dabei ein wenig mulmig zumute, aber ich beschloss, es zu versuchen.
Ich war ein seltsamer Fall. Bei mir wuchs das Gesicht um die Zähne herum.
Freunde schlugen kichernd vor, wir könnten meine Zähne als Leinwand fürs Heimkino verwenden.
DAVID GILLESPIE, AUTOR VON SWEET POISON
Als Erstes fiel mir mein Heißhunger auf Zucker auf. Mir wurde klar, dass ich trotz stark verbesserter Ernährung noch immer ein Zuckerjunkie war. Ich fing an, Lebensmitteletiketten zu lesen, und war überrascht, wie viele scheinbar gesunde Lebensmittel Zucker enthalten. Das Stück Schokolade, das ich mir am Ende jedes Tages zugestand, war nur die Spitze des Zuckerhuts.
Am meisten überraschte mich aber, wie gut ich mich fühlte. Meine Stimmungsschwankungen fühlten sich eher wie »Spielplatz« und nicht mehr wie »Disneyland« an, ich fühlte mich leichter und mehr »in der Welt«. Dazu kam die Eitelkeit. Als egozentrischer Schauspieler, der ich damals war, sonnte ich mich in den Bemerkungen über meine strahlende Haut, meine glänzenden blauen Augen, und – ich zitiere – meine »funkelnde Ausstrahlung«. Der Beweggrund mag oberflächlich sein, aber er brachte mich schließlich dazu, die Eistruhe an der Tankstelle ein für alle Mal zu ignorieren.
Einige Jahre später gewann ich den Kurzfilmwettbewerb Tropfest in Sidney und erhielt dadurch die Chance, einen Spielfilm zu drehen. Damals arbeitete ich am Drehbuch zu einer TV-Doku über das, was geschieht, wenn man einem Gesunden einen Monat lang Krankenhauskost zu essen gibt, während er nur im Bett liegt, Illustrierte liest und fernsieht. Dann erzählte mein Freund Charlie eines Tages von neuen wissenschaftlichen Theorien über die schädlichen Auswirkungen von Fruktose. Später hörte ich den britischen Autor David Gillespie im Radio über Zucker sprechen, und mir kam eine Idee. Eins führte zum andern, ich machte Pläne und verwarf sie wieder, ich hörte mir Vorschläge von Bekannten und Freunden an. Ehe ich mich’s versah, hatte ich eine Schüssel zuckriger Frühstücksflocken vor mir – doch diesmal sollte die Kamera jeden Bissen dokumentieren.
DAS ZUCKER-TEAM: Dr. Debbie Herbst, Dr. Ken Sikaris, Sharon Johnston, David Gillespie
PROFESSOR BARRY POPKIN, UNIVERSITY OF NORTH CAROLINA
Zunächst stellte ich für mein Experiment ein schlagkräftiges Team zusammen, das mich auf meiner Reise begleiten und jede Veränderung meines Körpers überwachen sollte. Damit wollte ich erstens sicherstellen, dass das Experiment wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurde, und zweitens, dass ich nicht daran sterben würde – obwohl das dem Film eine reizvolle Dramatik verliehen hätte. Ich gewann eine Allgemeinärztin (zur Überwachung meiner Gesundheit), einen klinischen Pathologen (für den Check meiner Blutwerte), eine Ernährungsberaterin (für Tipps bei der Auswahl der Lebensmittel), einen Sportwissenschaftler (für die korrekte Messung meines Gewichts – vor allem aber wegen des Coolness-Faktors) und David Gillespie, den Autor des Bestsellers Sweet Poison (der mir beim Verständnis von Lebensmitteletiketten und wissenschaftlichen Details auf die Sprünge helfen sollte und vielleicht auch meine Glaubwürdigkeit erhöhen würde).
Zu Beginn des Experiments hatte ich fast drei Jahre lang keinen raffinierten Zucker zu mir genommen und fünf Jahre ohne Alkohol und Koffein gelebt. Ich war wirklich schwer verliebt! Außerdem war ich süchtig nach dem Gefühl geistiger Klarheit. (Vielleicht bin ich ein Klarheitsjunkie? Ich stelle mir gerade vor, wie ich mich nach einer wilden Partynacht mit einem »Meditationsdealer« treffe, um gemeinsam »geistesklar« zu werden.)
Alle vor dem Experiment durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass ich gesund war, besonders meine Leber, die häufig als Erstes unter einem ausschweifenden Lebenswandel leidet. Das von mir zusammengestellte Team war sich einig, dass mein Körper für die Durchführung des Zuckerexperiments bestens geeignet sei – danke, Leute! –, da er von nichts beeinflusst war, was die Ergebnisse verschleiern oder verwässern würde – also Koffein, verschreibungspflichtige Medikamente, Drogen oder Alkohol. (Zehn Jahre zuvor wäre das Ergebnis sicher bestürzend ausgefallen!)
Da ich fast drei Jahre kaum Zucker und fünf Jahre keinen Alkohol zu mir genommen hatte, war mein Körper das perfekte Versuchskaninchen, um die Wirkung von Zucker zu demonstrieren.
In den folgenden 60 Tagen sollte alles anders sein. Ich würde nicht nur Zucker essen – und zwar jede Menge –, ich würde auch viele Fette (wie sie beispielsweise in Avocado, Käse oder Kokosnussprodukten enthalten sind) aus meinem Ernährungsplan streichen. Das ganze Team wartete freudig und mit einem Fünkchen Sadomasochismus auf die Auswirkungen des Experiments auf meinen Körper. Wir wussten nicht, was uns erwartete.
VOR DEM EXPERIMENT SAH MEIN TÄGLICHER SPEISEPLAN ETWA SO AUS (MAN BEACHTE DEN EINFLUSS EINER GUTEN FRAU!):
FRÜHSTÜCK:
Drei pochierte Eier oder Rühreier mit Avocado, Spinat und Speck (kein Brot)
MITTAGS:
Blattsalat oder Grünkohl mit Paprika, Tomaten, Käse und Thunfisch
ABENDS:
Steak oder Hähnchen, in Butter oder Kokosnussöl gegart, mit viel grünem Gemüse
SNACKS:
Nüsse (z. B. Mandeln), Hummus mit Karotten- und Gurkensticks, Zoes hausgemachte Pastete mit Karottensticks
Ich muss täglich 40 Teelöffel Zucker zu mir nehmen. Ich esse ausschließlich »versteckten« Zucker aus »gesunden« Nahrungsmitteln und Getränken wie Frühstücksflocken, Müsliriegeln und Säften. Keine Softdrinks, Eiscreme, Süßgebäck oder Schokolade.
Bei dem von mir konsumierten Zucker muss es sich um Saccharose (Kristallzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) handeln, egal ob hinzugefügt oder natürlich vorhanden. Kohlenhydrate, die im Körper zu Zucker verarbeitet werden, zählen nicht (mehr Informationen zu den verschiedenen Zuckerarten auf den >).
Ich muss stets fettarme Lebensmittel wählen.
Ich muss mein gewohntes Sportprogramm beibehalten: zweimal pro Woche jeweils drei Runden durch meinen langen, steilen Garten, anschließend zehn Minuten in meinem selbst gebastelten Fitnesscenter.
MEIN HAUSEIGENES FITNESSCENTER
( Zwei 20-Liter-Wasserflaschen als Gewichte, dazwischen eine Zeltstange – na und? Was zählt, ist die Fitness! )
Insgesamt nahm ich täglich etwa 2 300 Kilokalorien (9.300 kJ) zu mir, davon etwa die Hälfte aus gesunden Fetten (wie Avocado und Nüssen), 26 Prozent aus Eiweiß (Eier, Fleisch oder Fisch) und 24 Prozent aus Kohlenhydraten (frisches Gemüse). Wie Sie sehen, war kein raffinierter Zucker dabei.
Das gesamte Team wartete freudig und mit einem Fünkchen Sadomasochismus auf die Auswirkungen des Experiments auf meinen Körper.
Der Zucker, den ich zu mir nehme, muss ausnahmslos »versteckter« Zucker aus Lebensmitteln sein, die als gesund gelten.
Meine erste Mahlzeit war ein Frühstück. Ich wählte eine Schale »Just Right Flakes« (speziell für Sportler konzipierte Frühstücksflocken), zwei Löffel fettarmen Joghurt und ein 400-ml-Glas Apfelsaft. Diese scheinbar gesunde Mahlzeit lieferte zwanzig Teelöffel Zucker – und das, noch bevor ich bei der »Vermischtes«-Seite der Tageszeitung angekommen war. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was die American Heart Association für Männer als Tageskonsum empfiehlt (eine Empfehlung der australischen Herzstiftung gibt es leider nicht).
Da ich zwei Jahre lang keinen raffinierten Zucker zu mir genommen hatte, war die erste Überraschung die sofortige Wirkung auf meine Stimmung. Naiv, wie ich war, hatte ich gedacht, dass die ersten Tage mir Spaß machen würden. Heimlich hatte ich mich darauf gefreut, einiges von dem, worauf ich jahrelang verzichtet hatte, wieder mal essen zu dürfen. Fehlanzeige.
Sofort nach meiner »Just Right«-Dessert-Kombi schoss mein Adrenalin wie eine Rakete in die Höhe. Es fühlte sich an, als ob jemand ein Starterkabel an meine Brust angeschlossen hätte. Ich schaltete den Hyperantrieb ein und winkte im Vorbeifliegen dem Rasenden Falken aus »Star Wars« zu.
Dann suchte ich mir ein Ziel. Ich musste mit jemandem reden beziehungsweise Dampf ablassen. Die arme Zoe bekam eine Ladung verbaler Munition ab. Die Realität der kommenden sechzig Tage hatte uns schon am ersten Tag mit Wucht erwischt. Zoe ist eine kluge Frau, aber aus ihrem erschrockenen Blick sprach das tiefe Wissen, dass wer hoch fliegt, auch tief fällt. Eine Dreiviertelstunde später war der hibbelige, aufgekratzte Zuckerrausch in grummelige Trägheit umgeschlagen.
Heute ist mir klar, dass ich wegen der langen Abstinenz möglicherweise besonders empfänglich für ein Zucker-High (und den folgenden Absturz) war. Dennoch erschrak ich, und Zoe ebenfalls. Uns wurde augenblicklich klar, dass es in den nächsten sechzig Tagen eine andere in meinem Leben geben würde. Sie trug einen glitzernden weißen Mantel und würde in unserer Beziehung ganz sicher die Hosen anhaben.
Einige »gesunde« Frühstückszerealien enthalten fast genauso viel Zucker wie die »schlimmen«, die man ohnehin vermeidet. Mir fielen auch die Gesundheitshinweise auf den Packungen auf: »mit vielen wichtigen Vitaminen«, »Energie für den Tag«, »wertvolles Vollkorn«. (Wie steht’s mit »strotzt vor Zucker« oder »überflüssiger Slogan«?)
FETTARME FRUCHTJOGHURTS sind die Schlupfwinkel der Zuckermafia. Sie werden als »gesunde« Frühstückszutat vermarktet, sollten aber besser in der Dessertabteilung stehen.
In Wirklichkeit haben fettarme Lebensmittel häufig einen höheren Zuckeranteil als die Vollfettvariante. Selbst bei einigen Abnehmprodukten fiel mir das auf.
Einige MÜSLIRIEGEL oder »Gesundheitsriegel« enthalten mehr Zucker als Kitkat oder Milky Way.
GETRÄNKE MIT FRUCHTGESCHMACK sind mit Abstand die schnellsten Zuckerlieferanten. Säfte, Vitaminwässer, Frühstücksdrinks, Sportdrinks, Biolimonaden, Milchmixgetränke und SMOOTHIES enthalten alle viel Zucker.
EINIGE SÄFTE (zum Beispiel Apfel- oder Cranberrysaft) enthalten mehr Zucker als Coca-Cola.
FETTARME MAYONNAISE und Salatdressings sind wahre Zuckerbomben.
In PASTASAUCEN (und in Saucen überhaupt) lauert Zucker. Die Etiketten von Tomaten- oder Barbecue-Saucen lassen einen in Gelächter – oder in Tränen – ausbrechen.
Zucker liebt DOSENSUPPEN.
Sogenannte GESUNDE SNACKS FÜR KINDER sind eine echte Gefahr. Fruchtriegel, Fruchtsnacks, Fruchtzwerge, Obstquark, Müsli- und Joghurtriegel sind allesamt Vehikel für (sehr viel) Zucker.
Achten Sie bei abgepackten Lebensmitteln auf Stichworte wie »natürlich«, »Mutter Natur«, »Wiesen …« oder »Berg …« beziehungsweise auf Bilder von Bienen, Blumen, Wiesen und sonnigen Feldern. Solche Etiketten sollte man stets genauer studieren. Oft steht dort »Rohrohrzucker«, »Bio-Palmzucker«, »Apfel-« oder »Birnendicksaft«, anstatt ehrlicherweise »Zucker« anzugeben. (Lesen Sie auf > mehr über Bezeichnungen, die das Wort Zucker ersetzen oder zumindest verschleiern.)
Viele Produkte in Bioläden und Reformhäusern erscheinen gesund, können aber immer noch viel Zucker oder Agavendicksaft enthalten. Es ist auch ziemlich egal, ob der Zucker aus Bioanbau stammt oder nicht, der Körper verarbeitet ihn auf dieselbe Weise. Agavendicksaft enthält häufig über neunzig Prozent Fruktose. (Lesen Sie auf > mehr über Fruktose).
All dies fand ich ziemlich bestürzend. Wie viele Menschen glauben, dass sie sich zuckerarm ernähren, wenn sie ihren Kaffee oder Tee ohne Zucker trinken und Süßigkeiten und Schokolade vermeiden? Aufgewacht, gute Bürger dieser Erde, wir baden praktisch darin.
Die erste Woche hatte mir die Augen darüber geöffnet, welch dominante Stellung Zucker in unserer täglichen Ernährung einnimmt. So dominant, dass er in etwa achtzig Prozent der im Supermarkt erhältlichen Produkte enthalten ist. Ich wollte dies auf meine Weise veranschaulichen und zeigen, wie es aussieht, wenn man die attraktive Fassade und cleveren Etiketten einmal weglässt. Hier ein Auszug aus meinem Tagebuch, das ich während des Experiments führte:
