Vollzeitreisende - Annika Engemann - E-Book

Vollzeitreisende E-Book

Annika Engemann

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Beschreibung

Australien - Europa - Afrika - Nordamerika - Asien - Südamerika "Irgendwann" wollte ich als Kind einmal ein Buch schreiben. Dieses "Irgendwann" zog sich durch mein ganzes Leben. Warum nicht einfach machen und das "Irgendwann" hinter mir lassen? Es wird immer einen Grund dagegen geben: Zeitmangel, Angst, Unwägbarkeiten. Ich ließ diese Gründe in meiner Wohnung im Ruhrgebiet und zog hinaus in die Welt. Immer wieder. Und immer weiter weg. Meist ganz allein. Auf diesen Reisen fand ich den Weg zum Glücklichsein und zur mir selbst.

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Seitenzahl: 212

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Vollzeitreisende - Wie man trotz 40-Stunden-Job um die Welt reist

TitelblattEinleitungWie funktioniert eine Weltreise in Teilzeit?USAKroatienAustralienAllgäuCuracaoZuhauseRoadtrip SüdeuropaNepalEuropaTansaniaÖsterreichKanadaZugspitzeSüdamerika: Argentinien - Chile - BrasilienUnd dann war(en) da noch…Mutig seinDanksagung

Titelblatt

Annika Engemann

Vollzeitreisende

Wie man trotz 40-Stunden-Job um die Welt reist

Texte: © Copyright by Annika Engemann

Bilder: © Copyright by Annika Engemann

Umschlaggestaltung: © Copyright by Engemann

Verlag:

Annika Engemann

Uhlandstr. 18A

45525 Hattingen

[email protected]

Einleitung

Noch so ein Reisebuch mit einer Weltreise in nur 10 Tagen, spektakulären Abenteuern und verrückten Essensgewohnheiten? Mitnichten!

Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin eine ganz normale junge Frau, auch wenn meine Familie und mein Mann Kai das definitiv anders sehen und mich oft für verrückt halten. Ich habe meine Schullaufbahn halbwegs gut gemeistert, eine Ausbildung gemacht und anschließend berufsbegleitend studiert, während ich Vollzeit gearbeitet habe. Ich war mit 23 Jahren fertig mit dem Studium und dem Pauken. Ansonsten spiele ich leidenschaftlich gerne Fußball, fahre Snowboard und spiele Klavier. Ich fahre Motorrad und gehe wandern, manchmal auch 55 Kilometer am Stück. Alles nicht so unnormal, wie ich finde. Auch wenn meine Schwiegermutter das bei unserem ersten Treffen sicherlich anders sah. Aber wie bin ich zum Reisen gekommen und speziell zum Abenteuer?

Es gab keinen Punkt in meinem Leben, an dem ich gesagt habe: „Ab jetzt bin ich Abenteuerin und bereise die Welt!“. Schuld an meiner Reiselust haben sicherlich auch meine Eltern, die mir und meinem zwei Brüdern in unserer Kindheit eigentlich jedes Jahr das Reisen ermöglicht haben. Während es hauptsächlich Wander- und Skiurlaube in Europa waren, ging es anlässlich eines runden Geburtstags 2010 zum ersten Mal über den großen Teich, nach Amerika! Mit 15 Jahren konnte ich also zum ersten Mal die Reiselust spüren und lernte das Reisen Schritt für Schritt lieben. Anfangs mit der Familie, später allein und nun oft mit meinem Ehemann Kai.

Obwohl wenn meine Eltern über meine Reiseziele oft stöhnen und sich vielleicht wünschen, dass ich einfach mal eine Pauschalreise nach Mallorca unternehme (was auch schon vorgekommen ist), sind sie glaube ich auch stolz auf mich und unterstützen mich in all meinen Plänen. Möglicherweise, weil sie nicht anders sind. Auch sie streben nach Freiheit.

Im Rahmen der damaligen Möglichkeiten waren auch sie in jungen Jahren reisebegeistert. Wären meine Eltern in der heutigen Zeit aufgewachsen, würden sie die Vorzüge des Reisens und die im Vergleich niedrigen Preise für Flugreisen sicher ähnlich nutzen wie ich und nicht nur mit einem alten Mercedes mit drei Kindern vollgepackt in die bayrischen Alpen oder an die Nordsee fahren, wie es in den 70er- und 80er-Jahren Gang und Gebe war. Diese Art von Reisen hat natürlich auch seinen Charme und früher gab es oft keine andere Möglichkeit.

Aber warum ist der Drang nach Abenteuer, unberührter Natur und anderen Kulturen bei mir so groß? Ich möchte die Welt erkunden, auch wenn die zur Verfügung stehende Zeit in meinem Alltag begrenzt ist. Während andere ihre Urlaubstage während des berufsbegleitenden Studiums für intensive Lernphasen nutzten, was ich manchmal besser hätte auch tun sollen, war und bin ich in der Welt unterwegs und erlebe ein Abenteuer nach dem anderen.

Ob das der richtige Weg ist, kann ich nicht beantworten. Aber es ist mein persönlicher Weg, um die Welt und ihre Menschen, die Natur und ihre Lebewesen zu verstehen und um ein anderer Mensch zu werden mit all den Eindrücken von den verschiedenen Kulturen.

In diesem Buch werden keine extremen Abenteuer oder Weltreisen beschrieben. Aber es ist eine lange Weltreise über mehrere Jahre im Rahmen der Möglichkeiten einer jungen, in Vollzeit arbeitenden Frau, der die ganze Welt offensteht.

„IRGENDWANN…“

Kennt ihr das, wenn eure Freunde, Arbeitskollegen oder Familienmitglieder einen Satz mit diesem Wort anfangen?

"IRGENDWANN möchte ich einmal an das andere Ende der Welt reisen."

"IRGENDWANN mache ich einmal einen Fallschirmsprung."

"IRGENDWANN besteige ich einen 6000er."

„IRGENDWANN schwimme ich mit Delfinen.“

Aber warum warten wir so lange, bis wir es wirklich IRGENDWANN einmal tun? Wieso gehen wir unsere Träume und Wünsche nicht schon viel eher an? Gibt es immer etwas, was einem im Weg steht und uns davon abhält, unsere Träume zu verwirklichen? Wenn man in ein paar Jahrzehnten im Altersheim sitzt und sich gegenseitig die Erlebnisse seiner Vergangenheit erzählt, bleibt es da bei diesem „Irgendwann“ oder "Hätten wir doch damals dies und jenes unternommen, als wir jung waren"?

Für mich unvorstellbar! Deshalb nutze ich alle Chancen, die unseren Großeltern und Eltern teilweise verwehrt wurden und die wir in der heutigen Zeit als junge Menschen haben. Wir leben trotz einiger Ausnahmen in einer so freien Welt, dass man auch als junge Frau allein reisen kann ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Meine 95-jährige Oma ist in ihrem Leben noch nie geflogen. Dafür hat sie andere Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend machen müssen, die mit Krieg, Hunger, Ungewissheiten und Diktatur zu tun hatten.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrungen nicht machen musste, ich frei reisen kann, keine Angst haben muss allein in der Welt unterwegs zu sein und meine Träume leben kann. Wir sollten stolz darauf sein, was unsere Großeltern, Eltern und Freunde aus anderen Ländern in Bezug auf Freiheit und Gerechtigkeit geschafft haben und diese Vorlagen nutzen, um die Welt zu einem besseren Planeten zu machen. Auch wenn die Welt nicht perfekt ist, es noch viel zu viel Leid, Hunger und Gewalt auf dieser Erde gibt, sind wir, wie ich finde, auf einem guten Weg. Wenn wirklich jeder auf seinen Einfluss achtet, wir Rücksicht zu nehmen lernen und die Natur und Tierwelt schützen, können wir viel bewirken.

Deshalb habe ich das „Irgendwann“ aus meinem Wortschatz verbannt. Dafür wird meine Liste der Dinge, die ich unbedingt einmal erleben möchte, umso länger. Kein Grund also für Langeweile. Es gibt noch so viel zu entdecken auf dieser Welt! Die Zeit ist begrenzt, also lasst uns gemeinsam die Welt erleben, neue Freundschaften schließen, Kulturen kennenlernen, über unsere Grenzen gehen und manchmal auch Angst vor dem Ungewissen haben!

Die Angst spielt beim Reisen eine große Rolle. Natürlich hatte ich insbesondere bei meinen Alleinreisen Angst. Angst vor Flugverspätungen, Angst vor gesundheitlichen Problemen oder Angst vor Verständigungsproblemen. Aber durch diese Angst bin ich gleichzeitig in meiner Persönlichkeit gewachsen. Ich bin selbstbewusster geworden und fühle mich bei Fremden wohl. Dank der oft großartigen Gastfreundschaft, die ich bei meinen Reisen erfahren durfte, fühlte ich mich nie fremd, sondern fast schon zuhause. Die vorige Angst war daher meist vollkommen unbegründet.

Immer wenn ich meinen Eltern oder Freunden von meinen Reiseplänen, vom Motorradführerschein oder sonstigen Entscheidungen erzählt habe, konnte ich viel Unmut, Unverständnis und Besorgnis heraushören. Dafür habe ich, auch wenn ich dies sehr ernst nehme, wenig Verständnis. Denn ich lebe mein Leben so, wie ich es möchte, habe meinen eigenen Kopf mit diversen, vielleicht auch manchmal ungewöhnlichen Entscheidungen. Aber ich kann später nicht sagen, dass ich „Irgendwann einmal“ dies oder jenes erleben wollte, es aber nun mit 80 Jahren zu spät sei. Wer weiß, wie lange Zeit einem im Leben bleibt. Die Zeit zum Erleben ist auf jeden Fall begrenzt. Das sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, wenn doch irgendetwas Belangloses gegen eine persönliche Entscheidung, beispielweise zu einer Reise, spricht.

Warum ich mich entschlossen habe, dieses Buch zu schreiben? Vielleicht ein Stück weit, um Mut zu machen. Um den Leuten da draußen zu zeigen, dass alles möglich ist, man sich nicht immer hinter „Ich habe keine Zeit zu reisen“ verstecken sollte und damit die schönsten Dinge dieser Erde zu verpassen – deren Vielfalt, Einzigartigkeit und Herzlichkeit, die ich auf all meinen Reisezielen bislang erfahren durfte.

Ein Sprichwort, was mir sehr gefällt lautet: „Reisen ist ein guter Weg, Geld auszugeben und trotzdem reicher zu werden“. Ich brauche nicht die neuesten Smartphones oder den größten Fernseher. Was zählt sind die Begegnungen mit den Menschen, die Angst, die man spürt, wenn mal etwas schiefläuft oder die atemberaubende Natur, die mir so viel mehr gibt als die neueste Technik, die nach einigen Wochen schon wieder veraltet ist. Die Erlebnisse und Erinnerungen veralten eben nicht.

Was mich für lange Zeit glücklich macht, sind die zahlreichen Reisegeschichten, die ich in diesem Buch beschreibe. Die lachenden Kinder in Tansania, die so viel weniger haben als ich in meiner Kindheit, die Schönheit der Natur auf der ganzen Welt oder die Freunde, die ich auf meinen Reisen gefunden habe. Die Freundschaften halten oft für lange Zeiten.

Darüber hinaus habe ich als Kind bereits eine blühende Fantasie gehabt, dutzende von eigenen kleinen Geschichten geschrieben und super gerne gelesen. Die Bücherei war mein bester Freund, aus der ich jede Woche einen Beutel Bücher mit nach Hause nahm, die dann schnell gelesen werden mussten. Als ich noch nicht lesen konnte, las meine Mutter mir vor dem Einschlafen oft vor. Auch das hat mich sehr geprägt. Klar also, dass ich später in meinem Beruf mit den Medien zu tun haben würde. Bücher sind seit frühester Kindheit mein treuer Begleiter. Als jemand, der „irgendwas mit Medien“ studiert hat, kenne ich mich auch ganz gut im Buchhandel aus.

Ein Traum, den ich seit der frühesten Kindheit habe, ist daher ein Buch zu schreiben. Wie viele Geschichten ich früher mit der Hand geschrieben und meinen Eltern vorgelesen habe. Geschichten über Fabeltiere, Fußballteams oder gar eigene Fortsetzungen, meine Fantasie war grenzenlos. Bestimmt ist der Keller in meinem Elternhaus immer noch prall gefüllt mit den Geschichten, die ich mir damals ausgedacht habe.

Bücher und Geschichten, fiktiver oder realer Art, sind also seit frühester Kindheit ein fester Bestandteil in meinem Leben. Der Traum eines eigenen Buches ist mir hiermit in Erfüllung gegangen, du hältst meinen Traum in deinen Händen. Dies ist das Ergebnis einer langen Reise.

Ein Buch voller Geschichten zu den Wundern auf dieser Welt, Anekdoten und Träumen, die in Erfüllung gegangen sind. Die Erlebnisse meiner Reisen über die ganze Welt habe ich zusammengefasst, mich an die witzigsten Geschichten erinnert und mein handgeschriebenes Reisenotizbuch durchforstet. Man vergisst nämlich nach einiger Zeit immer gewisse Einzelheiten und Gefühle, die dank dem kleinen Reisetagebuch nachträglich erlebbarer werden. Dank dieser Erinnerungen und Notizen konnte ich das Buch verfassen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und nehme dich mit auf meine Reise.

Wie funktioniert eine Weltreise in Teilzeit?

Meine Weltreise, die über mehrere Jahre und Stationen läuft, habe ich liebevoll „Weltreise in Teilzeit“ genannt. Als mich die Reiselust so richtig packte, war ich gerade mit dem Abitur fertig und begann eine Ausbildung als Medienkauffrau Digital und Print (Generation: „Irgendwas mit Medien“). Zu dieser Zeit eine Auszeit zu nehmen, um die Welt zu bereisen – unmöglich. Zumindest dann, wenn man einen genauen beruflichen Plan hat wie ich.

Es gibt auch die Typen Mensch, die dann alles abbrechen würden, sich ein Flugticket um die Welt buchen und neu anfangen. Der Typ bin ich garantiert nicht. Immer auf Sicherheit aus, das Leben schon mit 16 Jahren quasi durchgeplant, das bin definitiv ich. Vielleicht ist vieles von der Gesellschaft vorgegeben. Bloß keine Lücke im Lebenslauf hinterlassen. Das könnte ja schlecht ankommen. Manchmal stehe ich mir durch mein durchstrukturiertes Leben selbst im Weg. Mein Mann ist ein sehr spontaner Mensch, sodass es hier oft Meinungsverschiedenheiten gibt. Aber so ist das nun einmal. Spontan sein muss auch gelernt sein, zumindest für mich.

Obwohl ich ein relativ konservativer und festgefahrener Mensch bin, breche ich manchmal daraus aus. Ich liebe Herausforderungen. Früher dachte ich, dass Veränderungen einfach nichts für mich sind. Alles sollte so bleiben wie es war, da es ja schließlich gut funktionierte. Mittlerweile weiß ich, dass ich Veränderungen in meinem Leben brauche. Neue Gewohnheiten erlernen machen meinen Kopf frei und offen für das Neue. Ich kann trotzdem konservativ sein, aber gleichzeitig Veränderungen annehmen und sogar einfordern.

Die spontane Weltreise nach dem Abitur trotz festem Ausbildungsplatz fiel also aufgrund meines festen beruflichen Plans raus. Trotzdem nutzte ich die Zeit während und nach meinem Abitur für diverse kleine Projekte. So gewann ich bei einer Verlosung eine Reise nach Sölden, um an einem Snowboardcamp teilzunehmen. Niemals hätte ich damit gerechnet, mit meinen gerade 18 Jahren und ein paar Jahren Snowboarderfahrung mit einer Olympia-Silbermedaillengewinnerin Snowboard zu fahren. Dazu kam die erste kurze Reise alleine mit der Bahn nach Sölden. Dafür, dass ich ansonsten bei Verlosungen und Gewinnspielen immer Pech habe, hatte ich hier wirklich Glück gehabt und neben der Reise ein unvergessliches Erlebnis gewonnen.

Zudem folgte nach meinem Abitur eine Reise nach Ungarn zu einer Austauschschülerin, die ich fünf Jahre zuvor während eines Schüleraustausches kennengelernt hatte. Noch immer sind wir regelmäßig in Kontakt. Die Zeit während, beziehungsweise nach meinem Abitur war eine Zeit zum Genießen und Träumen. Nach dieser Zeit wurde mir immer stärker bewusst, dass der Drang nach Freiheit in mir schlummert und mir die Welt offensteht. Leider war die Freizeit irgendwann auch wieder vorbei und der Ausbildungsstart rückte näher.

Ich begann meine Ausbildung in einem Zeitungsverlag in Essen, las nebenbei dutzende Reisebücher und schrieb mir eine To-Do-Liste mit den Reisezielen, die ich unbedingt sehen möchte. Fernweh pur. Nach ersten kleineren Alleinreisen und dem Beenden der Ausbildung Anfang 2016, stürzte ich mich auch noch in ein berufsbegleitendes Studium „Medienwirtschaft und Medienmanagement“ neben dem Beruf als „Ad Manager“ im Medienunternehmen. Also hieß es ab jetzt fast jeden Samstag den ganzen Tag in der Uni sitzen und studieren. Zudem spiele ich seit meinem vierten Lebensjahr Fußball und war somit jeden Sonntag und dreimal die Woche zum Training ausgebucht. Dazu kommen noch Hobbys, wie Klavierspielen, Motorrad fahren oder Snowboarden. Ob ich meinen Freund damals oft gesehen habe? Beantwortet sich von allein.

Wie soll man mit diesem Terminplan und trotz 40-Stunden-Job um die Welt reisen? Funktioniert, kann ich euch sagen. Mit gutem Zeitmanagement, Disziplin und Ehrgeiz kann man auch mit dem engen Zeitplan eine Menge Reisen. Alle Feiertage bestmöglich ausnutzen, möglichst abends und nachts fliegen, um einen Urlaubstag zu sparen und jegliche Wochenenden ausnutzen, damit gewinnt man schon einmal einige potenzielle Reisetage mehr. Aus 30 Urlaubstagen werden dann vielleicht 40, wenn man gut und effizient plant.

Als frische Vollzeitbeschäftigte machte ich meine erste große Reise im August 2016 nach Australien. Na klar, gleich bis ans Ende der Welt! Wenn Weltreise dann richtig, dachte ich mir und machte mich allein auf in die große weite Welt. Die einzelnen Beschreibungen meiner Reisen findet ihr in den folgenden Kapiteln.

Warum ich meist allein durch die Welt reise? Na ja, ganz allein bin ich ja nicht. Immer an meiner Seite ist mein Kuscheltier Kängi, das mich seit meiner Geburt begleitet, mir Beistand gibt und immer mit auf Reisen geht. Spaß beiseite. Ich würde sagen, es hat sich einfach so ergeben. Mein Freund steckte damals noch im Studium, meinen Eltern waren meine Reisen meist zu verrückt und zu weit und eine/n Freund/in habe ich auch nicht für meine Reisevorhaben gewinnen können. Also allein raus in die Welt.

Alleinreisend gibt es so manche Vorteile. Man muss nicht auf andere Rücksicht nehmen, kann sich seinen Plan ganz allein machen und sucht sich seine Restaurants selbst aus. Es gibt keinen Streit, außer manchmal mit seinem eigenen Ich. Dafür muss man sich natürlich um alles selber kümmern, hat keine andere Meinung bei schwierigen Entscheidungen und muss sich auf sich selbst verlassen.

Auf meinen Reisen in ferne Länder habe ich meinen Freund und jetzigen Ehemann natürlich sehr vermisst. Insbesondere wenn man Abenteuer für die Ewigkeit erlebt, die schönste Natur vor sich hat oder sich einfach nur kurz austauschen will, aber keinen Handyempfang hat. Wie schön wäre es, diese Momente mit jemandem zu teilen? So gut es geht, habe ich natürlich meine Familie und Freunde über SMS oder die sozialen Medien auf dem Laufenden gehalten. Auf einigen meiner Reisen gab es aber eben für einige Tage keinerlei Handyempfang, sodass ich mit meinen Gedanken und Erlebnissen allein klarkommen musste. Für mich sind die Reisen, die ich allein unternommen hat, eine kleine Reise zu mir selbst. Ich muss mich allein in der Welt zurechtfinden, auch mal fremde Leute ansprechen, die mich nicht verstehen oder Entscheidungen ganz allein treffen.

Keineswegs einfach, aber auch Überwindung. Ich würde jedem raten, auch mal allein zu verreisen. Es ist doch etwas Anderes, als wenn man seinen Partner oder Vertrauten an seiner Seite hat und sich jederzeit austauschen kann über das Erlebte. Außerdem war ich auf meinen Reisen nie ganz allein. Ich konnte auf die Einheimischen vertrauen, mich mit anderen Reisenden austauschen und wenn ich doch mal Hilfe benötigte, hatte ich meist keine Probleme jemanden für mein Problem zu finden. Oft habe ich sogar mehr Hilfe erhalten, als ich gedacht hätte.

Nach der Australien-Reise war mein Reisefieber vollends gepackt! Jede freie Stunde wurde mit der Reiseplanung verbracht, um möglichst viele Urlaubstage in meinen Terminkalender und zwischen Semesterferien, Weihnachtsfeiern und der Fußball-Sommerpause zu packen. Im Januar 2017 folgte dann eine weitere Fernreise mit meinen Eltern nach Curacao. Einmal nicht Alleinreisende, aber trotzdem ein super Abenteuer!

2017 war ohnehin mein absolutes Reisejahr. Neben Curacao und einer Wohnmobilreise durch Österreich und Italien stand im November das Highlight Nepal an: Meine erste Wanderexpedition zum höchsten Berg der Welt! Spätestens nach dieser Reise war trotz aller Strapazen die sprichwörtliche „Wanderlust“ gepackt. Fernweh gepaart mit Wanderfreude, eine gute Mischung für viele weitere spannende Expeditionen. Kaum wieder daheim plante ich schon die nächste Wandertour. Im folgenden Jahr sollte es zum Kilimanjaro nach Tansania gehen! Jedes Jahr eine andere Fernreise, wie ist das trotz meines eng getakteten Zeitplans möglich?

Die Antwort liegt in guter Organisation, optimaler Ausnutzung der klausur- und studienfreien Zeit und Sparen. Denn dadurch, dass ich mehrmals im Jahr Urlaub in fernen Ländern machte, wurde natürlich auch mein Sparkonto etwas beansprucht. Aber da ich Vollzeit berufstätig war und keine anderen großen Ausgaben hatte, war das auch kein Problem. Zudem bin ich ein Sparfuchs und suche auch mal ein paar Tage lang nach dem besten Preis für einen Flug oder ein Hotel. Die Tricks der Fluganbieter sind mir schon längst bekannt, sodass ich bei diesen Buchungen immer ein paar Euro sparen kann.

Für mich ist dieser Lebensabschnitt perfekt für Fernreisen. Ich bin jung und sportlich, will die Welt entdecken, verdiene Geld und kann meine Reisen selbst planen, da mein Mann ohnehin die meisten Fernreisen nicht mitgemacht hätte. Er begeistert sich nicht für die Wandertouren, von denen ich träume, akzeptiert aber, dass ich auch alleine reise. Das rechne ich ihm hoch an.

Im November 2018 flog ich also allein nach Tansania, ehe es im folgenden Jahr etwa zur gleichen Zeit nach Südamerika ging, genauer nach Patagonien, Argentinien, Chile und Brasilien. 2019 sollte ein gutes Reisejahr werden, da ich mir gemeinsam mit meiner Mutter einen Traum erfüllte und im April nach Kanada reiste, natürlich zum Skifahren! Im April ist es in den kanadischen Skigebieten noch sehr schneesicher, sodass es für uns die perfekte Zeit für eine Skireise nach Kanada war.

Dank meiner vielen Reisen in den letzten Jahren habe ich mir meinen Traum erfüllt und bereiste sechs Kontinente vor meinem 25. Geburtstag, insgesamt 31 Länder und dutzende Kulturen. In Nordamerika bereiste ich Kanada und die USA, in Südamerika Argentinien, Brasilien und Chile, in Afrika Tansania, in Asien Nepal, in Europa dutzende Länder und natürlich Australien. Selbstverständlich habe ich nicht alle Kontinente von Norden nach Süden und von Westen nach Osten bereist. Doch ich habe einen Einblick in die dortige Kultur erhalten, die auf den verschiedenen Kontinenten teilweise doch sehr unterschiedlich sind.

Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien, Europa - Check! Ihr wisst vielleicht, was noch mein absoluter Traum wäre: Eine Antarktis Expedition! Um auch noch den siebten und letzten Kontinent „abzuhaken“. Aber das wird erstmal hinten angestellt.

Begleite mich auf meiner Reise über sechs Kontinente durch die verschiedenen Länder, begegne den Menschen, die mir auf meinen Reisen ans Herz gewachsen sind und fühle die Reiselust, die mich auch im Alltag stets begleitet.

USA

Unsere Reise mit der ganzen Familie führte uns im März 2010 in den Westen der USA, von Denver über Las Vegas und San Francisco nach Los Angeles. Eine Familie, meine Eltern und einer meiner beiden Brüder, und ein Wohnmobil. Drei Wochen auf engsten Raum mit pubertierenden Teenagern, na wenn das mal gut geht…

Wir Kinder bezahlten die eigenen Flüge selbst, meine Eltern hatten das Wohnmobil ohnehin gebucht. Ich jobbte in einer „Weihnachtsbäckerei“ für Kinder, um die Flüge zu bezahlen und hatte sogar noch etwas „Urlaubsgeld“ übrig.

Von Denver ging es durch kurvige enge Straßen und atemberaubende Landschaften in Richtung der ersten Sehenswürdigkeit, dem Arches Nationalpark. Hier sind die imposanten Felsbögen das Highlight und man kann schöne Wanderungen unternehmen. Eine Anekdote, die in unserer Familie noch oft erzählt wird, ist das fehlende englische Verständnis meines Vaters. Er meinte, dass wir doch immer auf dem Wanderweg „Stay on trail“ bleiben müssten, als wir an einem der Schilder vorbeikamen. Wir schauten ihn ungläubig an, sahen, dass er es nicht als Scherz gemeint hatte und prusteten dann los vor Lachen. Auch Jahre später kommt diese Geschichte auf Geburtstagen oder sonstigen Feiern gerne wieder zur Sprache.

Nachts wurde es im Arches Nationalpark empfindlich kalt und wir hatten sogar noch auf Schnee, sodass wir im Wohnmobil die Heizung anmachen mussten und uns mit dicken Decken einkuschelten.

Weiter ging es an vielen anderen Nationalparks entlang in Richtung Grand Canyon Nationalpark. Der Colorado River bestimmt hier die Landschaft und teilt die Felsformationen förmlich in zwei Hälften. Die Schluchten, die sich vermutlich vor etwa fünf bis sechs Millionen Jahren gebildet haben, lassen den Canyon fast schon unwirklich wirken. Der Grand Canyon ist etwa 450 Kilometer lang und bis zu 1.800 Meter tief. Über den Grand Canyon gibt es keine Brücken, was dem Naturschutz zu Gute kommt. An einigen Stellen kann man die Schichtenabfolgen super erkennen. Die unterschiedlichen Farben der Gesteinsschichten wirken fast so, als ob sie jemand mit Farbe angemalt hat.

Von den vielen Aussichtspunkten kann man die Schönheit dieser Natur sehen. Man sollte beim Fotografieren jedoch aufpassen, dass man nicht zu nah an den Felsrand gerät! Hier soll es schon einige tödliche Unfälle bei der Suche nach dem perfekten Foto gegeben haben. Man kann im Grand Canyon Nationalpark Wanderungen unternehmen, auf Eseln in die Schlucht reiten oder einfach nur die Aussichten genießen. Das Panorama des Grand Canyon hat sich sehr in mein Gedächtnis eingebrannt und ist für mich eines der schönsten Naturwunder unseres Planeten.

Neben dem Grand Canyon hat mich auch das Monument Valley sehr begeistert. Es liegt auf dem Colorado-Plateau an der Grenze von Utah und Arizona im Navajo-Reservat. Dank seiner einzigartigen Tafelberge und bizarren Felsformationen diente es bereits in einigen Filmen als Kulisse für Dreharbeiten. Hier wurden diverse Western und Filme, wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Easy Rider“, gedreht. Das Navajo-Volk ist das zweitgrößte der indianischen Völker der USA. Der Monument Valley Park wird von dem Volk eigenständig verwaltet und bietet einen kleinen Campingplatz, auf dem wir übernachteten.

Im Monument Valley Park kann man auf kleinen holprigen Straßen sogar mit dem Wohnmobil fahren. Zwar sind auf unserer Fahrt durch das unebene Gelände einige Teller und Tassen aus den Schränken gefallen, die mein Bruder und ich gleich wieder einsammelten. Zum Glück war das Geschirr bruchsicher und die Fahrt konnte weitergehen.

Wir sahen viele Kojoten auf dem Weg durch den Park und konnten die verschiedenen Felsformationen und großen Tafelberge bequem aus dem Wohnmobil aus bestaunen. Die Felsen haben fast alle Namen der Ureinwohner erhalten. So gibt es einen „linken“ und einen „rechten Handschuh“, da die Felsen bei genauerem Hinsehen genau an diesen erinnern. Man kann zudem auch seiner Fantasie freien Lauf lassen und andere Dinge oder Tiere in den Felsformationen erkennen.

An jeder beliebigen Stelle kann man anhalten und die Gegend auch zu Fuß erkunden. Der Park ist im Vergleich zu den größeren Nationalparks recht wenig besucht, sodass man hier fast immer ungestört ist.

Am Parkeingang befindet sich ein kleines Museum des Indianerstammes, welches sehr interessant ist und die verschiedenen Entwicklungsphasen in der amerikanischen Geschichte aufzeigt. Das Monument Valley war für mich das Highlight dieser USA-Reise. Das Panorama wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, da bin ich mir sicher.

Anschließend ging es für uns weiter über Lake Powell nach Las Vegas. Ein Spielertraum wird wahr. Aber auch ohne viel Gewinn ist diese Stadt etwas ganz Besonderes! Da ich noch nicht volljährig war, durfte ich in die „richtigen“ Casinos nicht hinein, was ich aber nicht weiter schlimm fand. Einarmige Banditen fand man ohnehin überall. Auch die Hotels boten schon einiges an Abenteuer. Ob Löwen, Klein-Venedig, ganze Achterbahnen durch Hotels oder der Eiffelturm mitten in der Stadt, hier gibt es allerhand zu entdecken. Und Campingplätze mit Pool, wie wir sie am KOA-Campingplatz direkt in Las Vegas gefunden haben, haben doch auch seinen Charme. Die KOA-Campingplätze in den USA sind ohnehin sehr zu empfehlen. Sie sind sehr gepflegt, oft super gelegen, nicht zu teuer und manchmal haben sie sogar einen Pool.

Nach zwei Tagen in der Großstadt fuhren wir in Richtung Death Valley. Hier sollte man genügend Getränke mit sich führen, auch in der vermeintlich kälteren Jahreszeit. Zudem muss der Tank voll sein. Einen Supermarkt oder Tankstellen gibt es hier auf vielen Kilometern nicht. Das Informationscenter bietet allerhand interessante Fakten über das "Tal des Todes". Die unendlich scheinenden Straßen tun ihr Übriges. Aussteigen kann man an den riesigen Salzseen, die ein tolles Fotomotiv abgeben und die Trockenheit der Landschaft perfekt widerspiegeln. Die Weite wird hier erst richtig deutlich. Bis zum Horizont sahen wir einzig nur Salz und Einöde.

Wir übernachteten auf unserer Camper-Tour durch die USA entweder auf Stellplätzen oder Campingplätzen, die wir uns vorher herausgesucht hatten. Oder aber wir suchten uns Baumarktparkplätze oder Tankstellen, an denen wir kostenlos stehen konnten. Weil man nicht jeden Tag die volle Versorgung mit Dusche, Wasserversorgung oder Elektrizität benötigt, da unser Camper ein kleines Bad und einen großen Wassertank hatte, war diese Art des Übernachtungsplatzes definitiv die kostengünstigste Variante. An einem Abend stellten wir uns an einer Tankstelle neben einigen Trucks auf. Die Trucks in den USA sind im Vergleich zu den deutschen LKWs riesig. In unserem für uns geräumigen Camper kamen wir uns daher sogleich sehr klein vor neben den Riesen-Trucks.

Es folgte der Yosemite Nationalpark. Hier sahen wir gigantische Bäume, in denen man sogar Picknick machen könnte! Das sollte man aber dann doch lieber im Wohnmobil oder im Auto verzehren, da überall Warnschilder vor Bären aufgestellt sind. Nicht selten hat es durch vergessene Essensreste schon Bärenangriffe auf den Campingplätzen gegeben. Durch einige Mammutbäume kann man sogar hindurchspazieren. Ein tolles Erlebnis, was man so schnell sicher nicht vergisst. Anfang April war es hier doch noch erheblich kälter, sodass wir im Schnee durch die Mammutbäume spazierten und unsere Winterjacken zum Glück nicht umsonst dabei hatten.

Dann ging es nach San Francisco, bisher meine absolute Lieblingsstadt in den USA! Neben der imposanten Golden Gate Bridge haben mir vor allem die Gefängnisinsel Alcatraz und die Cable Cars gefallen. Die Stadt ist super schön und geht sprichwörtlich auf und ab. Ein Glück, dass es die Cable Cars gibt, die einen bequem über jeden Berg bringen und sehr praktisch sind. Nicht umsonst sind sie bei den Einwohnern sehr beliebt. So muss man nicht jede steile Straße zu Fuß gehen, obwohl die Lombard Street natürlich jeder San Francisco Besucher einmal gegangen sein muss. Einmal mit einem echten Cable Car zu fahren ist in San Francisco ein Muss. Man kann sich einen der schönen alten Wagen aussuchen, einfach aufspringen und wird von den freundlichen Einwohnern San Francisco noch nett angelächelt, eine tolle Stadt!

Anschließend fuhren wir weiter die Küste entlang nach Los Angeles. Klar sind das Hollywood-Sign und der Hollywood-Boulevard ein Highlight, jedoch hatte ich mir von Los Angeles etwas mehr versprochen. Spazieren gehen und die zahlreichen Sterne begutachten ist auch schön, aber mich faszinieren eben eher die Natur und deren Lebewesen als große Städte und Filmikonen. Die Stadt bietet ansonsten nicht viel außer diverse Freizeitparks. Im Disneyland Anaheim muss man natürlich gewesen sein, gerade als Disney-Fan! Da keiner mit mir auf eine etwas wildere Dunkelachterbahn gehen wollte, stellte ich mich mit meinen 15 Jahren allein an und wartete knapp eine Stunde in der Warteschlange. Kurz bevor ich an der Reihe war, hatte die Achterbahn aber einen technischen Defekt und alle Fahrgäste mussten evakuiert werden.