Vom Schicksal der Seele - Sabine Dilger - E-Book

Vom Schicksal der Seele E-Book

Sabine Dilger

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Beschreibung

Die Autorin beschreibt die Geschichte der Menschwerdung im ganzheitlichen Sinn. Im Brennpunkt steht die Entwicklung der Seele und des Ichs aus psychologischer und spiritueller Sicht. Dabei geht die Autorin auf Erlebnisse im Nachtodzustand ein, die eng mit der menschlichen Entwicklung verknüpft sind und sich zu Karma für das nächste Leben formt. Sie weist auf die geistigen Wurzeln des Menschen hin und worin sein eigentlicher Sinn im Leben besteht. In einem psychologischen und spirituellen Aspekt wird die Liebe zum Thema des Menschen..

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Seitenzahl: 159

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Inhaltsverzeichnis

1. Teil: Geschichte des Lebens

Vorwort

Seit der Geburt gehen wir jeden Tag auf den Tod zu oder die Dinge des Lebens

Wir sind das, was wir mitbekommen haben und werden zu dem, was wir daraus machen

Karma und die göttliche Einheit

Der Nachtodzustand

Liebe

Den Himmel auf die Erde bringen

Wie Karma wirkt

Negatives Karma bereinigen

Die Natur der Gefühle und Gedanken

Träume sind nicht gleich Schäume

2. Teil: Astrologie aus spiritueller Sicht

Planetarische Aufenthalte

Planetendimensionen – die Urprinzipien (mit Charakterschlüssel)

Die Planetenprinzipien in ihrer Urbedeutung

Vorwort

„Vom Schicksal der Seele“ handelt vom Ursprung und der Bestimmung unserer Seele, die vor Äonen das göttliche Feld verlassen hat, um Mensch zu werden. Wir sind hier, um uns wieder empor zu entwickeln, der göttlichen Dimension entgegen. Durch unseren Niedergang in die Welt der Materie, entstanden unsere Seele und unser Ich in seiner charakteristischen Prägung. Wie ist unser Ich überhaupt entstanden? Was prägte es? Dies kann man nur erörtern, wenn man die Zusammenhänge zwischen Tod und Leben, zwischen Mensch und göttlicher Mensch betrachtet.

Das Buch führt den Leser in immer höhere Dimensionen des Lebens und des Todes und weist auf die karmischen Bedingungen hin, die durch unseren Niedergang entstanden sind.

1. Teil: Geschichte des Lebens

Seit unserer Geburt gehen wir jeden Tag auf den Tod zu oder die Dinge des Lebens

Seit die Pionierin Elisabeth Kübler-Ross ihre Sterbeforschungen öffentlich machte, ist der Tod kein Tabuthema mehr. Auch im Buddhismus, der sich in den letzten Jahrzehnten zunehmender Beliebtheit erfreut, wird der Tod und seine Durchlaufphasen – den Bardos – zu einem zentralen Studiengegenstand, der das gesamte buddhistische Leben beeinflusst.

Was heißt Tod? Das Lexikon beschreibt ihn als einen Zustand nach dem Sterben. Und ein Zustand setzt immer ein Vorhandensein von etwas voraus.

Wir wissen, dass der Mensch aus Körper, Seele und Geist besteht. Und wir wissen, dass mit dem Abschluss des Sterbevorgangs der Körper seine Lebensfunktion versagt. Der Kreislauf kommt zum Stillstand und das Gehirn setzt keine Impulse mehr frei. Was mit dem Geist und der Seele geschieht, ist wissenschaftlich weder widerlegbar noch erwiesen und bleibt vor diesem Hintergrund spekulativ.

Unser Seelenleben umfasst unser Gefühlsleben, unbewusste Motive, Triebe, Träume und Leidenschaften, die durch unseren Körper in Tat umgesetzt werden. Unser Geist beinhaltet unser Gedankenleben, die Fähigkeit zu assoziieren, analysieren, abstrahieren und logisch zu denken. All das wird durch unseren Körper in Tat umgesetzt. Der Körper ist damit ein Instrument, durch das unsere Seele und unser Geist in der Welt der Materie agiert. Wenn unser Körper, mit all seinen Funktionen, stirbt und somit die Verbindung zu Seele und Geist unterbrochen wird, gilt der Mensch als tot. Gilt das Gleiche für die Seele und den Geist?

Seele und Geist sind Indikatoren, um in der Welt der Gegenständlichkeit Veränderungen zu bewirken, Aktion und Reaktion zu erzielen, die selbst als Funktion nicht sichtbar wahrnehmend aber beweisbar sind, denn sie geben sich durch ihren Ausdruck kund. Sie entziehen sich der sichtbaren Wahrnehmung, bilden keine gegenständliche Form wie der Körper. Sie sind immateriell, während der Körper zur Welt der Materie gehört. Gleichsam als „Idee“ bewohnen Seele und Geist durch den Körper die Welt. Und die sichtbare, veränderbare Materie ist die äußerste Manifestation dieser Idee. Diese Immaterialität - die Idee – erhält den Körper am Leben. Ist die Verbindung unterbrochen, tritt der Tod ein. Wir haben somit eine immaterielle Welt und eine materielle Welt, in der wir leben. Sie begründen die Polaritätsprinzipien von negativ und positiv/passiv und aktiv oder Aktion und Reaktion.

Alles im Leben hat sein Gegenteil, das sich im Zusammenspiel gemeinsam ergänzt, und sich im Austausch befindet, also sich im anderen reflektieren kann. Es ist somit ein duales Prinzip, deren Synthese sich durch den gegenseitigen Austausch ergibt.

Wie in der Lüge ein Kern Wahrheit steckt, im Bösen die Wandlung zum Guten, die Anima im Manne und der Animus in der Frau, die Nacht nicht durch den Tag bestehen würde, der Schatten erst durch das Licht erlebt wird, so ist alles in allem enthalten und kann sich wiederum im anderen erkennen. Und wie es Goethe sagte: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die das Böse will und stets das Gute schafft“, versinnbildlicht deutlich den innewohnenden Kern dieses Prinzips, nämlich das es sich relativieren kann. Aus einem bösen Menschen kann ein Guter werden, und aus einem Guten ein Böser, weil der Kern von beiden in dem anderen potentiell enthalten ist. Vor diesem Hintergrund ist es eine scheinbare Welt, in der wir leben, denn alles wandelt sich. Wir fixieren es nur mit unseren inneren Einstellungen, die uns ein Bild von Statik und Gradlinigkeit vermitteln. Selbst das Licht ist nicht sichtbar, es wird nur wahrnehmbar, weil es sich an der dunklen Materie bricht.

Das Polaritätsprinzip wird deutlich an der Karmalehre von Ursache und Wirkung. Ziel des Karmas ist es, dass es sich irgendwann in sich selbst erschöpft. Und das kann es, wenn sich die gegensätzlichen Kräfte ausgleichen, also in der Mitte aufgelöst werden. So wie ein Funke ein großes Feuer entfachen kann, müssen die karmischen Kräfte in sich selbst vollkommen ausgeschöpft sein. Und doch ist es für uns kaum vermeidbar Wirkungen zu erregen, selbst Gedanken zeitigen Wirkungen in der materiellen Welt. Es ist unsere Eigenart und unser Wesen Dinge wahrzunehmen, und diese sind wiederum von einer Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren abhängig.

Unsere Wahrnehmung der Realität ist von momentanen Umständen, Einflüssen aus früheren Erfahrungen und charakterlicher Prägung abhängig, und unsere Konditionierungen vermitteln uns ein Gefühl von Beständigkeit. Und doch sind wir im Leben fortwährend Wandlungen ausgesetzt.

Wenn Sie sich selbst betrachten, erhalten Sie Ihre Kontinuität von Ihrem Ich, um das sich Ihre ganze Welt dreht und von ihr geprägt wird. Doch schauen Sie sich Ihr Ich an, es verändert sich im Laufe des Lebens, je nach den Eindrücken, die Sie erhalten/erhalten haben. Sie sind nicht mehr Ihr Kindheits-Ich, und vor Jahren hatten Sie auch eine andere Wahrnehmung, ein anderes Ich Gefühl. Was Sie wirklich kennzeichnet ist Ihre ganz individuelle Eigenart, die Sie von anderen unterscheidet, Ihr inneres Wesen.

Aber wie sind Sie in Ihrer Eigenart, mit all den Vorlieben und Abneigungen, entstanden? Was prägte Sie? Was gab Ihnen Ihre individuelle Note? Es sind Ihre Erfahrungen und wie Sie geprägt worden sind von anderen Menschen, Einflüssen und Umständen. Im gewissen Sinne wurden Sie „gemacht“, denn andere Menschen waren und sind an Ihrer Entwicklung beteiligt.

Sie selbst erleben sich als Ich statisch. Aber alles was Sie erleben ist von Ihrer inneren Ansicht geprägt und somit relativ. Denn man kann auf eine Situation auf die unterschiedlichste Weise reagieren, was wiederum von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Sie sind von einer ganzen Reihe verschiedener Faktoren abhängig: Ihre momentane Stimmung, wie Sie von der Vergangenheit konditioniert sind, Ihre emotionale Eigenart zu beurteilen und zu schlussfolgern und die Umstände, in denen Sie stehen. Dies alles zeitigt Ihre Reaktion, die wiederum unter anderen Bedingungen womöglich völlig anders ausfällt und Sie in eine ganz andere Richtung lotsen würde. Ihre Entscheidungen sind der eigentliche Rohstoff für Karma, denn vor einer Tat geht immer ein Gedanke voraus.

Wenn Sie Karma auflösen wollen, müssen Sie sich selbst in Ihrer Eigenart, zu denken und zu handeln, relativ neutral verhalten, denn eine Situation kann man von den unterschiedlichsten Blickwinkeln aus betrachten. Die Situation ist an sich wertfrei - nur durch unsere Eigenart erhalten die Dinge des Lebens Gewicht. Wir beurteilen zu stark und werden dadurch in unserer klaren Wahrnehmung getrübt. Wir sehen nicht die Botschaft, können nicht objektiv und neutral dem gegenüber stehen, weil wir nun mal mit unserer Art darauf reagieren. Aber diese Art ändert sich immer wieder und damit auch die Dinge des Lebens.

Aber wie ist Ihr Ich entstanden, was prägt es? Was ist es in sich selbst? Wie Schicht um Schicht müssen wir vordringen, um an sein innerstes Geheimnis zu kommen. Das innerste Geheimnis gleicht einem Altar, der für eine endgültige Vereinigung steht, wenn wir wie ein Tiefseetaucher in unsere unbewussten Gänge und Verließe unserer Seele hinabtauchen, um einen Schatz zu heben, der nicht von dieser Welt ist. Davon später.

Wenn wir alles, was uns ausmacht, ausblenden würden, blieben zwei ganz grundlegende Empfindungen übrig, die sich durch all unsere Gefühle und Gedanken ziehen: Zuneigung und Abneigung. Um diese beiden grundlegenden Gefühle herum gestaltet sich unser Wesen in seiner besonderen Art und Weise. Sie können alles auf diese beiden Gefühlsausrichtung reduzieren - es ist der erste Impuls, in der die Polarität das Leben auf den Plan ruft. Denn diese Empfindungen hatten Sie schon vor Ihrer Geburt, wo Ihr „Ich“ noch nicht geboren wurde, denn Sie waren in sich selbst verschlungen in einer geborgenen Einheit undifferenziertem Seins. Nur Fühlen, fundamentales Fühlen, gleichsam aufgesogen in unbegrenzter Wonne und Harmonie. Das beruhigende Klopfen des Herzens der Mutter, das dumpfe Gluckern und Gurgeln der Organe, der weiche Tonfall der Mutter, ein seliges Grundempfinden. Wir hatten nur Empfindungen von Geborgenheit, Wärme und Sanftheit. Kein Ich und kein Du existiert, kein Oben, kein Unten. Keine Begrenzung und keine Form empfindend, sich selbst nicht ergreifend, so unendlich hin schwelgend in ein Meer voll zärtlicher Hingabe und seligen Vertrauens - Urvertrauen zum Leben.

Mit der Geburt kommen wir jäh zu einer gegenständlerischen Form des Bewusstseins, durch die traumatische Erfahrung der Wonnigkeit entrissen zu werden und sich diesem Prozess völlig hilflos ausgeliefert zu fühlen. Denn Geborenwerden ist wie Sterben, genau wie Sterben einer Geburt gleicht. In beiden Fällen tritt eine dramatische Veränderung ein, die den ursprünglichen Zustand unwiderruflich beendet. Und wir reagieren mit Angst, mit Todesangst, denn das Neugeborene weiß ebenso wenig wie ein Sterbender, was es erwarten wird. Nur das Vertraute vermittelt Geborgenheit und damit auch Sicherheit. Während das Unbekannte einem Drachen aus unergründlichen Tiefen gleicht, der einen zu verschlingen droht, wenn man ihn nicht überwindet. Und der Drache hat ein Gesicht: Es ist Ihre eigene Angst, der Sie sich stellen müssen. Etwas das Sie kennen, löst für gewöhnlich keine Angst mehr aus.

Die Geburtserfahrung gibt Aufschluss, wie Sie später mit Krisen und Ihrem eigenen Tod umgehen werden. Genauso wie Sie Ihre Geburtserfahrung ermitteln können, und wie Sie sich gegenüber Ihrem eigenen Tod verhalten werden, wenn Sie sich vor Augen führen, wie Sie geneigt waren und sind mit Ihren Krisen umzugehen.

Mit Einsatz der Wehen fühlen wir eine Bedrohung heranschwellen - es droht der Verlust unserer Harmonie. Wir spüren die Aufregung, die wir außerstande sind zu lokalisieren, fühlen uns eingeengt und gepresst und wir bekommen Angst. Wir werden unserer vertrauten Seligkeit jäh entrissen und es ist grell und kalt und beängstigende Formen bewegen sich um uns herum. Und die erste Erfahrung in dieser Welt, in die wir nicht hinein wollten, ist Schmerz. Man schlägt uns und wir schreien, aus Hilflosigkeit, aus Abneigung, aus Todesangst. Und diese Angst prägt sich fundamental in uns ein und ist der Indikator für unseren Lebenswillen. Diese Angst lagert tief in Ihrem Unterbewusstsein und wirkt von dort auf Ihre Einstellungen ein. Es gewinnt wieder an Aktualität, wenn wir mit Krisen konfrontiert werden, im Besonderen mit unserem eigenen Sterben.

Der Geburtsvorgang gibt einen impliziten Hinweis darauf, was uns im Leben erwarten kann, weil wir diese fundamentale Erfahrung, als unbewusste Prägung, analog auf unser Leben übertragen. In seliger Harmonie eingebettet werden wir uns selbst gegenüber nicht bewusst, aber die gegenteilige Erfahrung bringt uns zu Bewusstsein. Daher ist Geburt wie Sterben. Wir verlieren unsere Einheit – unsere Undifferenziertheit wonnigen Seins, um ein Leben als Mensch zu beginnen. Die Polarität nimmt damit seinen Anfang, denn das Zusammenspiel zwischen Zuneigung und Abneigung entwickelt sich mit der Geburt.

Das Neugeborene erfährt zuerst Angst, Hilflosigkeit und Abneigung, die sich durchaus in Gefühlen von Frustration äußern. Diese Gefühle bilden die ersten Bausteine Ihres Unterbewusstseins, obgleich auch vorgeburtliche Gefühle gespeichert sind. Sie wirken noch heute unbewusst auf Sie ein, die sich in Ihren Beziehungen widerspiegeln können und sich zu unbewussten Verhaltensmustern entwickeln.

Als Embryo war das Bewusstsein noch völlig unterscheidungsfremd, denn es bildete eine Einheit mit seiner Umgebung. Erst durch die nachgeburtliche Erfahrung regt sich das Empfinden mit der Umgebung nicht mehr einheitlich zu sein, und erzeugt durch diese Abgrenzung der äußeren Welt der Form und der inneren Welt des Erlebens ein zartes Selbstgefühl.

Das Bedürfnis nach Geborgenheit und Wärme, die erste Erinnerung an den Zustand im Mutterleib, wird auf die Mutter projiziert, die das Bedürfnis befriedigt. Dadurch erlebt das Baby eine Fortsetzung seiner vorgeburtlichen Empfindungen, welches ihm Vertrauen und Sicherheit gibt. Es kann noch nicht entscheiden zwischen Du und Ich, zwischen Objekt und Subjekt. Es empfindet sich selbst als Teil seiner Umgebung und als Erweiterung der Mutter, denn instinktiv weiß es, dass sein Überleben von ihr abhängt und es mit Todesangst reagiert, wenn sie für lange abwesend ist oder auf sonstige ihre Zuneigung und Fürsorge entzieht. Daher ist die Bindung an sie so stark, dass wir uns mit ihr identifizieren. Wie vernichtend werden da Erfahrungen von Abweisung oder Zorn seitens der Mutter, denn es hängt mit unserem Überlebensinstinkt schicksalhaft zusammen.

Um ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen, und daher auch eine Festigung unseres Identitätsgefühls, müssen wir uns stets auf etwas beziehen können und das erhält das Baby durch seine Beziehung zur Mutter und seine vertraute Umgebung. Das Ich der Mutter wird zum Ich des Kindes. Es hat noch kein Raum- und Zeitgefühl, kein Begriffsvermögen von Gegenständlichkeit, denn alles wird innerlich erlebt. Begrenzung und Form werden nicht begriffen, als etwas von dem Neugeborenen unabhängig existierenden, sondern als Erweiterung des Selbst empfunden. Das ist die Erklärung, warum Babys Gegenstände in den Mund nehmen. Seine Identifizierung wird damit auf die vertraute Umgebung und Gegenstände, wie Spielsachen, ausgedehnt - wir sind, was wir besitzen.

Mit dem keimhaften Bewusstsein des ersten „Besitzes“ fangen wir an, unseren Körper wahrzunehmen, als eine eigenständige Form, die unabhängig von der Mutter existiert. Unser beginnendes Ich Gefühl zeichnet sich ab, weil wir uns mit unserer näheren Umgebung und vertrauten Menschen, wie Vater, Geschwistern etc. immer weiter in Relation setzen.

Indem wir uns von unserer Umgebung immer weiter abgrenzen, empfinden wir auch den anfänglichen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt. Wir begreifen, dass unsere Handlungen nicht mit uns identisch sind und wir bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen müssen, um unsere Bedürfnisse befriedigen zu können.

Wenn wir laufen lernen, ändert sich unser ganzer Blickwinkel, wir werden autonomer und erfahren unsere Umwelt als aufregende Entdeckungsreise. Wir lernen jetzt uns von den Dingen zu distanzieren, sie als Formen und Raum zu begreifen, die getrennt von einem selbst existieren. Durch diese Abgrenzung bekommen wir ein dichteres Gefühl von uns selbst, dass wir unabhängig von unserer Umgebung und unseren Beziehungen bestehen können und spüren durch diesen Unterschied, dass wir ein „Ich“ und einen eigenen Körper haben. Wir sind jetzt etwas Eigenes und nicht mehr die Erweiterung unserer Umgebung.

Mit dem Erlernen der Sprache kommt ein entscheidender Wendepunkt ins Leben, weil hier unser Individualitätsgefühl geboren wird, das unser keimhaftes Ich Bewusstsein festigt. Es ist die zweite Transformation, die wir zu einem eigenständigen Selbst vollziehen, denn in gewisser Weise stirbt das Baby, in seiner harmonischen Welt der Undifferenziertheit, um in der Welt der Begrenzung und Form geboren zu werden.

Die Fähigkeit zu kommunizieren, in Interaktion mit seiner Umwelt zu treten und in Zeitabfolgen zu handeln, begründet die Persönlichkeit. Das Kind lernt durch sein spielerisches Verhalten seine Grenzen auszutesten, Aktion und Reaktion zu begreifen, seinen Willen zu behaupten und sich eigene Gedanken und Ideen zu bilden. All das formt unser Ich, durch das sich unser Wille entfaltet. Und der Wille ist Form gebender Ausdruck unserer Seele und unseres Geistes, die gleichsam als „Idee“ die Welt der Materie bewohnen, um Veränderungen zu bewirken, Aktion und Reaktion zu erzielen und zu begreifen. Mit der „Geburt“ des Bewusstseins ein eigenständiges Selbst zu sein - ein Ich zu sein - schließt sich der erste Kreis der Entwicklung.

Wir sind das, was wir mit bekommen haben und werden zu dem, was wir daraus machen

Die frühkindliche Erziehung legt den Grundstein, wie wir später mit dem Leben umgehen werden. Die Beziehung zu Vater und Mutter prägen sich als unbewusstes Leitbild in uns ein, und auch wie die Eltern miteinander umgegangen sind.

Das Kind entwickelt seine Persönlichkeit danach, was die Eltern ihm vorleben. Es kopiert zuerst deren Verhaltensweisen, Gewohnheiten und übernimmt die Meinungen und Ansichten, denn die Fähigkeit zur Analyse und Synthese sind noch nicht ausgebildet. Somit ist das Kind stark beeinflussbar und identifiziert sich mit seinen Eltern, bzw. deren Umgangsweise und Veranlagungen. Durch das Kopieren der Verhaltensweise der Eltern, Erziehung, Meinungen und emotionale Prägung wird hier die Wurzel gelegt, wie das Kind später sein Ich definiert und Charakteranlagen entwickelt, durch das Kopieren der Verhaltensweise der Eltern, Erziehung, Meinungen und emotionaler Prägung.

Unser Ich wird hauptsächlich durch die Beziehungen zu anderen geprägt d.h. zuerst durch die Beziehung zur Mutter. Später baut das Kind die Beziehungen zu anderen auf und festigt sein Ich immer mehr dadurch. Ein verwirrter Mensch z.B. hat die Beziehung zur Umwelt im Allgemeinen verloren. Im gewissen Sinne hat er sein Ich verloren – daher ist er verwirrt. Ein Junge, der wild und alleine im Urwald aufwächst, hat kein Ich Gefühl aufgebaut. Er reagiert vornehmlich instinkthaft. Er hat zwar ein Selbstgefühl, aber das verbindet ihn mit den Tieren, die ebenfalls eine Art Selbstgefühl haben. Der wilde Junge empfindet sich, wie die Tiere, als Teil der Umgebung.

Was die Eltern einem vorleben, wird zunächst unbewusst übernommen, denn das Kind kann noch nicht reflektieren, obgleich sein Gespür für Recht und Unrecht schon vorhanden ist. Kinder sind geradeheraus, sie nennen die Dinge beim Namen. Auf der anderen Seite können sie recht unsensibel sein, denn sie sind sich über ihre Wirkung auf andere nicht bewusst. Sie sind auch für tiefere Aspekte des Lebens offen, denn mit ihrer Offenheit und Unbekümmertheit sind sie unvoreingenommen, daher auch stark beeinflussbar.

Wenn sich das Kind natürlich entfalten kann, wird es sich später als Erwachsener auch glücklich fühlen und mit seinen Schwierigkeiten besser umgehen können, denn die Erziehung legt Richtlinien für das darauf folgende junge Erwachsenenleben.

War die Kindheit jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen gestört, prägen sich diese Dissonanzen als Komplexe, Traumata, Ängste und Neurosen im Unterbewusstsein ein und wirken so nachhaltig auf die allgemeine Lebenshaltung. Die Tragik ist, dass diese Haltung einen dafür sensibilisiert, genau die Situationen anzuziehen, die mit den unbewussten Einstellungen und Ängsten synchron gehen. Unsere unbewusste Erwartung zieht das an. Es sind auch negative Erwartungen, die sich erfüllen können. Als Beispiel: Die Eltern lassen sich scheiden und der Kontakt zum Vater bricht ab. Das ist eine traumatische Erfahrung, wenn die Beziehung zum Vater an sich gut war. Das Kind fühlt sich verlassen, abgelehnt und ungeliebt. Es entwickelt Schuldgefühle, dass es an ihm gelegen hat. Diese Erfahrung prägt sich als Verlustangst in sein Unterbewusstsein ein.