Vom Wissen zum Buch - Klaus Reinhardt - E-Book

Vom Wissen zum Buch E-Book

Klaus Reinhardt

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Beschreibung

Wollen Sie wissenschaftliche Erkenntnisse in einem Fachbuch bündeln? Wollen Sie mit einem Lehrbuch ein neues Gebiet besetzen? Wollen Sie in einem Sachbuch die Öffentlichkeit aufklären? Wollen Sie Menschen mit einem Ratgeber helfen? Immer geht es darum, wie Sie das Wissen, das Sie zweifellos haben, mit vertretbarem Aufwand Lesern nahebringen. Dieses Buch hilft Ihnen dabei. Es begleitet Fach- und Sachbuchautoren, ihrer realen Situation angemessen, durch alle Problemfelder - von der Vertragsverhandlung bis zum besseren Schreiben. Schritt für Schritt wird das Vorgehen erklärt: - der Entschluss zum Buch - für wen schreibe ich: Fachbuch oder Sachbuch? - einen Verlag gewinnen - anfangen und den richtigen Ton finden - die erste Fassung: Erfahrungen mit dem Thema - formale und inhaltliche Struktur - die zweite Fassung: Ordnung und Gestalt - liegen lassen und lesen lassen - seriös und doch verständlich schreiben - stilistische Verbesserungen - das fertige Manuskript - das Buch verkaufen. Gespräche mit fünf AutorInnen ganz unterschiedlicher Bücher - Werner Bartens, Klaus Hurrelmann, Tilmann Moser, Maja Storch und Gabriele Weiss - verdeutlichen die vielen Möglichkeiten, mit nichtfiktionalem Schreiben erfolgreich zu sein. Die Neuauflage wurde überarbeitet und aktualisiert. «Ein hilfreiches Werkzeug für angehende Fachbuchautoren.» Arbeitsmarkt «Das Buch ist eine Fundgrube für alle Fachautoren - seien es nun Anfänger oder Fortgeschrittene.» The Medical Journal

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 322

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Vom Wissen zum Buch

Klaus Reinhardt

Klaus Reinhardt

Vom Wissen zum Buch

Ratgeber, Sachbücher und Fachbücher schreiben

3., überarbeitete Auflage

Dr. Klaus Reinhardt

Rotackerstraße 30

79104 Freiburg

Deutschland

E-Mail: [email protected]

 

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Bibliografische Information der Deutschen National­bibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

 

Lektorat: Dr. Susanne Lauri

Herstellung: René Tschirren

Umschlagabbildung: © iStock/ConstantinosZ

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Inhaltbilder: Atelier Mühlberg, Basel

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Druck und buchbinderische Verarbeitung: Finidr s. r. o., Český Těšín

Printed in Czech Republic

 

3., überarbeitete Auflage 2019

© 2019 Hogrefe Verlag, Bern

© 2008, 2011 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

 

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95964-1)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75964-7)

ISBN 978-3-456-85964-4

http://doi.org/10.1024/85964-000

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Vorwort zur ersten Auflage
Dank
1 Planen Sie Ihr nächstes Buch
1.1 Das Buch und das Leben: Warum schreiben Sie?
1.2 Fachbuch oder Sachbuch: Für wen schreiben Sie?
1.3 Für sich selbst und für andere schreiben
1.4 Beim richtigen Verlag ankommen
1.5 Reich und berühmt werden
„Dass mir das jemand zutraut“ Gespräch mit Gabriele Weiss
2 Schreiben Sie
2.1 Anfangen und den richtigen Ton finden
2.2 Die erste Fassung: Erfahrungen mit dem Thema und dem Tempo
2.3 Mit anderen schreiben
„Ich fühle mich wohl, wenn ich schreibe“ Gespräch mit Tilmann Moser
3 Bauen Sie das Buch auf
3.1 Struktur und Formatierung
3.2 Eine Geschichte erzählen
3.3 Die zweite Fassung: Ordnung und Gestalt
„Das Buch lebt davon, dass es als Einheit wahrgenommen wird“ Gespräch mit Klaus Hurrelmann
4 Machen Sie sich verständlich
4.1 Liegen lassen und lesen lassen
4.2 Seriös und doch verständlich formulieren: aha und oho
4.3 Verständliche Sätze bauen
„Das Entscheidende ist die spannende Geschichte“ Gespräch mit Werner Bartens
5 Machen Sie sich interessant
5.1 Verben kultivieren und Bilder jäten
5.2 Der Buchtitel
5.3 Vom fertigen Manuskript zum Buch
5.4 Das Buch verkaufen
„Ich habe ein gutes Produkt, das will ich verkaufen“ Gespräch mit Maja Storch
Anhänge
Anhang 1: Autorenfragebogen
Anhang 2: Beispiel für ein Exposé
Anhang 3: Grundlagen des Urheberrechts
Anhang 4: Typografie
Anhang 5: Glossar der Verlagssprache
Anmerkungen
Der Autor
Sachregister
Fußnote

Nutzungsbedingungen

Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.

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Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Audio­dateien.

Anmerkung

Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

Vorwort

Dass dieses Buch nun in der dritten Auflage vorliegt, verdankt es der nicht geringen Zahl von Fachleuten, die erst einmal ein Buch zu Rate ziehen, bevor sie selbst eines schreiben. Die beliebte Klage über den Niedergang des Lesens, die nur auf die Verkaufszahlen „hoher“ Literatur fixiert ist, blendet aus, dass nie zuvor so viel Wissen in Schriftform vorhanden war und so viel Bereitschaft, sich eine Fertigkeit erst einmal lesend zu erarbeiten, bevor man sie ausprobiert oder von einem anderen zeigen lässt. Manche Fertigkeiten aber sind zu komplex, um auf einer Internetseite erklärt zu werden; dazu braucht man ein Buch.

Während in vielen universitären Fächern Bücher geradezu zum Karrierehindernis erklärt werden, entdecken Experten, die ihr Wissen und ihre Erfahrung bündig zusammenfassen und weitergeben wollen, die alte Form des Buches immer wieder neu für sich. Ich habe immer noch den Eindruck, dass sie von den Verlagen nicht ernst genug genommen werden; sonst müssten überall Kurse angeboten werden (wie ich es lange in den Pflege- und Gesundheitsberufen getan habe), um die besten Fachautoren für das Bücherschreiben zu gewinnen. Nun, auch diese Fertigkeit lässt sich sehr gut aus einem Buch erlernen.

Um die zahlreichen Rückmeldungen von Autoren praktischer Ratgeber angemessener zu würdigen, haben wir den Untertitel dieses Buches geändert, der in den ersten beiden Auflagen „Fach- und Sachbücher schreiben“ hieß. Es geht nun auch ausführlicher auf die Möglichkeit ein, ein Buch ohne einen Verlag zu veröffentlichen. Ansonsten habe ich nur die wenigen Empfehlungen verändert, deren Sinn mir in immer neuen Gesprächen mit angehenden Autoren nicht mehr einleuchtete.

Was ich nicht ändern wollte, ist der erzählerische Tonfall und die Ausführlichkeit, in der manche Themen diskutiert werden. Ihr Buchprojekt wird Sie eine lange Zeit beschäftigen, und ich fürchte, es wird auch einiges Durchhaltevermögen erfordern, da will ich Sie nicht mit Fünf-Punkte-To-do-Listen abspeisen. Dieses Buch ist so angelegt, dass es Sie kontinuierlich auf der ganzen Reise von der ersten Idee bis zum fertigen Buch begleitet. Insofern ähnelt es eher einem altmodischen Reiseführer als „Europe in 15 Days“. Ich freue mich, wenn das Buch Sie unterwegs auch etwas unterhält.

Ich danke allen Reisegefährten der ersten beiden Auflagen und freue mich auf die neuen. Falls Sie mir Ihre Eindrücke von unterwegs schildern wollen, schreiben Sie mir: [email protected].

 

Freiburg, im März 2019

 

Klaus Reinhardt

Vorwort zur ersten Auflage

Wenn man ein Fachbuch über das Schreiben von Fachbüchern schreibt, gerät man in eine vertrackt selbstreflexive Position. Ich habe mir beim Schreiben dieses Buches ständig selbst über die Schulter geblickt, und ich hoffe dadurch keine bleibenden Deformationen davongetragen zu haben. Jedenfalls garantiere ich Ihnen, dass Sie in diesem ganzen Buch keinen einzigen Tipp finden werden, den ich nicht an mir selbst ausprobiert und als hilfreich empfunden hätte.

Andererseits habe ich dieses Buch nicht für mich geschrieben. Schreiben ist eine sehr individuelle Tätigkeit, und würde ich Ihnen alles erzählen, was mir dabei hilft, würde ich Sie mit vielem langweilen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es einige einfache Überlegungen gibt, die den meisten Autoren das Schreiben eines nichtfiktionalen Buches sehr viel leichter machen. Diese Erfahrung verdanke ich einerseits einer langjährigen Tätigkeit als Lektor, in der ich über fünfhundert Buchprojekte betreut habe, andererseits unzähligen Seminaren über fachliches Schreiben. Mit manchen Problemen haben viele Autoren immer wieder zu kämpfen, und es spricht nichts dagegen, aus Fehlern anderer klug werden.

Meistens geht es gar nicht um Richtig oder Falsch, sondern eher um mehr oder weniger umständliche Wege zum Ziel. Dieses Buch kann kein Leitfaden für „richtiges Schreiben“ sein, aber es kann Ihnen helfen, mit reduziertem Aufwand zu Ihrem eigenen Schreiben zu finden. Es vermittelt nicht in erster Linie Regelwissen, sondern regt zu einer grundsätzlichen Einstellung an, die das Schreiben eines Buches angenehmer und effektiver macht. Deshalb können Sie auch nur ein bisschen darin herumlesen, anstatt es brav abzuarbeiten.

Wenn Sie es doch von vorne nach hinten lesen, werden Sie feststellen, dass der Ablauf einem realen Buchprojekt folgt: Kapitel 1 konkretisiert Ihre Planungen von der vagen Frage, ob Bücherschreiben überhaupt etwas für Sie wäre, bis zum unterschriebenen Verlagsvertrag. Kapitel 2 begleitet Sie beim Schreiben der ersten Fassung, während Kapitel 3 Ihnen hilft, dieses Rohmaterial zu sortieren. In diesen ersten Stadien ist übertriebene Selbstkritik Ihr größter Feind, deshalb habe ich alle Hinweise zu „gutem Schreiben“ für später aufgespart. Kapitel 4 und 5 regen dazu an, Ihr Manuskript so lange zu bearbeiten, bis Sie die bestmögliche Version gefunden haben. Denn auch wenn Sie dieses Buch in einem fortgeschrittenen Stadium Ihres Schreibprojekts lesen, kann es Ihnen helfen, Durststrecken zu überwinden und Ihrem Buch den letzten Schliff zuteil werden zu lassen, den es verdient.

Der erste Glaubenssatz eines Lektors lautet: Es gibt keine perfekten Bücher, sondern nur verbesserbare. Ich würde mich freuen, wenn Sie an der Verbesserung dieses Buches mitwirken würden, indem Sie mir Ihre Meinung dazu sagen. Sie können das anonym auf www.amazon.de tun oder direkt an meine auf S. 4 angegebene Adresse. Wenn Sie Fragen zu Ihrem persönlichen Buchprojekt haben, werde ich mich bemühen, Ihnen weiter zu helfen.

 

Freiburg, den 26. Dezember 2007

 

Klaus Reinhardt

Dank

Danken möchte ich neben meinen Gesprächspartnern Werner Bartens, Klaus Hurrelmann, Tilmann Moser, Maja Storch und Gabriele Weiss ganz besonders meinen unschätzbaren Testlesern Ulrike Boos, Cornelia Brink, Frauke Koppelin, Julia Obertreis, Angelika Rees und Isabelle Ziem, sowie für wichtige Gespräche und Anregungen Thomas Bender, Ulrich Bröckling, Götz Fabry, Jürg Flury, Doris Schaeffer und Peter Stehlin. Für das Geschenk der Stimmungsbilder danke ich Nicholas Mühlberg. Susanne Lauri, Tino Heeg, Monika Eginger, Susann Seinig, Daniel Berger, Carsten Königsberg und Christian Liengme vom Verlag Hans Huber danke ich für die Bereitschaft, ihre Professionalität einem Autor zur Verfügung zu stellen, den sie anderntags wieder als Kollegen ertragen mussten. Und natürlich Susanne, speziell für die unverdrossene Kritik an Überheblichkeiten, Tobias, speziell für den Anstoß zum Abschluss, und Jakob, speziell für musikalische Beratung; und allgemein dafür, dass Ihr meinen unvermeidlichen Autorengrößenwahn schon ertragen habt, als der Arbeitstitel dieses Buches noch „Fach- und Sachgeschichten mit dem Klaus“ hieß.

1 Planen Sie Ihr nächstes Buch

You can’t always get what you wantBut if you trysometimes you might findyou get what you needThe Rolling Stones

1.1 Das Buch und das Leben: Warum schreiben Sie?

Sie haben das Wissen

Herzlichen Glückwunsch. Sie wissen Bescheid, sind Expertin, Fachmann.* Es gibt zumindest eine Sache, in der Sie sich richtig gut auskennen. Sonst würden Sie gar nicht erst mit dem Gedanken spielen, aus Ihrem Wissen ein Buch zu machen.

Dieses Buch handelt nicht davon, wie Sie zu Ihrem Wissen kommen. Damit hätte ich so meine Probleme, denn die Methoden der Wissensbeschaffung sind derart unterschiedlich für den Mikrosystemtechniker, die Anwältin, den Atemtherapeuten, die Eventmanagerin oder was auch immer sonst Sie sein mögen, dass ich mich mit allgemeinen Tipps nur blamieren würde. Gehen wir vorerst davon aus, dass Sie das notwendige Wissen schon haben. Zu meinen, man wüsste noch nicht genug zum Thema, ist eine ziemlich deutsche Methode, die grundsätzliche Frage nach dem Buch aufzuschieben. Ich bin oft gefragt worden: „Kann man aus … ein Buch machen?“ Aber ja doch; die Frage ist, ob Sie sich darauf einlassen wollen.

Dies ist ein Buch über das Schreiben von Büchern, aber einer besonderen Sorte von Büchern, nicht schöngeistiger Literatur, nonfiction, Ratgebern, Fach- und Sachbüchern. Ratgeber zu literarischem Schreiben gibt es genug*1 – nicht immer zur Freude der Belletristik-Verlage, die von mehr oder weniger literarischen Versuchen überschwemmt werden. Sie dagegen haben den unschätzbaren Vorsprung, dass Sie noch etwas anderes gelernt haben als Schreiben. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie klein der Kreis der Menschen ist, die eine spezielle Sache wirklich beherrschen und dann auch noch verständlich beschreiben können. Ich kann Ihnen schon jetzt versprechen, dass Ihr Fach- oder Sachbuch wesentlich bessere Veröffentlichungschancen hat, als wenn Sie sich an einem Roman versuchen würden oder gar an einem Kinderbuch oder Gedichtband.

Aber beim nichtfiktionalen Schreiben halten sich im deutschsprachigen Raum hartnäckig zwei Vorurteile: erstens, dass es dort auf die Lesbarkeit und literarische Qualität nicht so ankomme, solange der Autor fachlich kompetent genug sei; zweitens, dass man fachliches Schreiben nicht eigens lernen müsse oder überhaupt nicht lernen könne.* Dieses Buch tritt an, um das Gegenteil zu zeigen.

Leser brauchen Bücher

Also lassen Sie uns das geplante Buch als Buch ernstnehmen. Das Medium Buch eignet sich besser als jedes andere, um ein Fachwissen zu repräsentieren, das zu erwerben Sie viel Zeit und Mühe gekostet hat. Zum einen drückt die Langform, ob 100-Seiten-Büchlein oder 1000-Seiten-Wälzer, die Komplexität Ihres Wissens angemessen aus; zum anderen legt die innere Struktur des Buches die Kohärenz dieses Wissens offen. Wenn wir wirklich wissen wollen, was jemand zu sagen hat, dann erfahren wir das am besten aus seinem Buch; ein mündlicher Vortrag, ein Aufsatz, ein Interview, ein Film kann dazu höchstens den Anreiz bieten. Aus Zeitschriftenartikeln oder dem Internet lassen sich viele nützliche, aber vereinzelte und verstreute Informationen entnehmen. In letzter Zeit ist viel von den „Fakten“ die Rede, und es wäre schon schön, wenn wir uns wenigstens auf die verlassen könnten; aber ein Experte oder eine Fachfrau hat noch viel mehr zu bieten. Ich benutze gerne den Begriff „Wissen“ in einem umfassenden Sinn, oder auch „Expertise“, als Gegensatz zur bloß punktuellen und faktischen Informiertheit. Und für diese Art Wissen ist das Buch nach wie vor das angemessene Medium. Deshalb steht der Sinn von Büchern für ihre Leser ganz außer Zweifel.

Allerdings ändert sich der Umgang mit Büchern. Immer weniger Menschen lesen, weil sie das schon immer getan haben, weil sie sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen können. Heute lesen die meisten auch Fachliteratur aus Interesse und/oder Vergnügen: weil sie sich einen unmittelbaren Nutzen davon versprechen, aber auch weil und nur solange ihnen das Buch gefällt. Vor allem hat mit dem Internet eine traditionelle Funktion von Büchern Konkurrenz bekommen: die Vorratshaltung von Informationen. Früher wurden Fach- und Sachbücher oft gekauft, ins Regal gestellt und allenfalls bei Bedarf hervorgeholt. Das brauchen wir nun nicht mehr. Heute unterscheidet sich der Zugang zu nichtfiktionalen Büchern nicht wesentlich von der Entscheidung für oder gegen einen Krimi: Wir blättern das Buch durch oder laden eine Leseprobe herunter, und nur wenn es hier und jetzt attraktiv erscheint, kaufen wir es, um es dann auch gleich zu lesen. Wertvolle, aber schwer erschließbare Informationen sind kein hinreichender Grund mehr, ein Buch zu lesen; denn das bietet das Internet auch. Leser erwarten von einem nichtliterarischen Buch wie eh und je, dass es ihnen die Arbeit abnimmt, verstreutes Wissen zusammenzutragen. Aber neuerdings fordern sie auch, dass es lesbar ist, womöglich sogar Spaß macht. Herumsuchen kann man auch am Bildschirm; nur ein Buch macht es möglich, sich auf die Couch zu legen und zu genießen, während man sich informiert.

Chancen für neue Autoren

Für Sie als Autor eines zukünftigen nichtfiktionalen Buches bedeutet das vor allem eine Chance. Sie haben vermutlich, wenn Sie das hier lesen, nicht schon Routine im Bücherschreiben. Sie sind nicht die Altmeisterin Ihres Fachs, sondern eher jünger, offen, experimentierfreudig, durchdrungen von echter Begeisterung für Ihre Sache und dem Willen zur Aufklärung Ihrer Leser. Dann arbeitet Ihnen die Entwicklung entgegen. Etablierte Schulen, abgesteckte Claims, große Namen – das alles verliert an Bedeutung. Das ist Ihre Chance. Sie müssen nicht die weltgrößte Koryphäe zu dem Thema sein. Alles, was Sie tun müssen, ist ein verdammt gutes Buch zu schreiben.

Bevor ich Sie mit diesem Anspruch allzu sehr unter Druck setze, möchte ich ein einziges Mal die Verhältnisse zwischen Autor und Buch auf den Kopf stellen:

Frage nicht, was du für das Buch tun kannst; frage, was das Buch für dich tun kann.

Die Form Buch macht ja nicht nur die bewundernswerte Komplexität Ihres Wissen nach außen sichtbar. Die Beschränktheit des Buches und seine gleichförmige Binnenstruktur zwingt auch zu einer Organisation, die dieses Wissen in Ihrem Kopf womöglich noch gar nicht hat. Ich kenne niemanden, der nicht durch das Schreiben eines Buches über sein vertrautes Gebiet klüger geworden wäre.

Motive fürs Bücherscheiben

Wir werden uns noch mit den finanziellen Aspekten des Bücherschreibens beschäftigen (Kap. 1.5). Sie erwarten völlig zu Recht, Ihre Arbeit honoriert zu bekommen. Allerdings steht der Gewinn aus einer Buchveröffentlichung selten in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand. Ermutigender ist es, sich die anderen, durchaus auch egoistischen Motive klar zu machen. Was erhoffen Sie sich für Ihr weiteres Leben davon, dass Sie ein Buch schreiben? Das muss keine besonders rationale oder moralisch hochstehende Begründung sein. „Ich würde auf Partys gerne davon sprechen, dass ich gerade an einem Buch schreibe“, „Ich fühle mich beruflich unterfordert und brauche eine Nebenbeschäftigung, um langweilige Bürozeiten zu überstehen“ oder „Ich möchte bei den Fortbildungen, die ich anbiete, zusätzlich am Verkauf des Buches verdienen“ sind ausgezeichnete Motivationen.

Fach- und Sachbücher haben eine enge Beziehung zur Person und Tätigkeit ihres Autors, und sie funktionieren daher am besten in wechselseitiger Ergänzung von Buch und Arbeit. Besonders eignet sich das für Selbstständige oder Freiberufler: Sie spezialisieren sich auf ein zukunftsträchtiges Thema, und kurz nach Eröffnung Ihrer Praxis, Kanzlei etc. kommt Ihr Sachbuch über Osteopathie, Angststörungen, Erbrecht oder was auch immer auf den Markt. Damit tingeln Sie vor allem in Ihrem unmittelbaren Einzugsbereich durch die Lokalzeitungen, Telefonpanels und Volkshochschulkurse, um einen Expertenstatus zu erreichen, der Ihnen interessante Fälle zutreibt, aus denen Sie wiederum das nächste Sachbuch gewinnen.

Verschiedene Wege zum Glück

Dieses Buch enthält fünf Gespräche mit Autoren, die gemeinsam haben, dass sie mit ihren Büchern zufriedenen sind. Ansonsten geht es mir aber bewusst darum zu zeigen, dass es unterschiedliche Wege zum Glück gibt:

Eine Heilpädagogin lässt sich überreden, die Methode, die sie seit vielen Jahren unterrichtet, auch einmal schriftlich darzulegen. Das eine, kleine Buch spielt hier eine ergänzende Rolle in einer befriedigenden Berufstätigkeit, eines zweiten bedarf es nicht – und doch vertieft das Buch nachhaltig das Verständnis der eigenen Arbeit (Gabriele Weiss, S. 50).Ein Psychoanalytiker, der schon in der Ausbildung mit populären Büchern hervorgetreten ist, nutzt das Zweitmedium, um seine therapeutische Praxis zu reflektieren, theoretisch zu fundieren – und auch immer wieder bei einem breiteren Publikum bekannt zu machen (Tilmann Moser, S. 78).Ein Soziologe begründet Fachdiskurse und sogar ganze Subdisziplinen durch Bücher, insbesondere durch das Medium Handbuch, das alle für ein neues Thema maßgeblichen Autoren einbinden kann. Hier ist der Herausgeber mehr Organisator als Schreiber, was Fachautorität sowohl voraussetzt als auch befestigt (Klaus Hurrelmann, S. 103).Ein Journalist schreibt eine Vielzahl erfolgreicher Sachbücher und profiliert sich auf diese Weise als Experte für Medizin- und Gesundheitsfragen nicht nur in seiner Redaktion, sondern auch im Fernsehen – was wiederum den Verkauf der Bücher befördert (Werner Bartens, S. 133).Eine Psychologin begleitet ihre universitäre Tätigkeit einerseits mit der Weiterentwicklung in Buchform eines Entscheidungs- und Ressourcenmodells, andererseits mit Sachbüchern, die das Modell in vielfältigen alltäglichen Anwendungen popularisieren, und wird dadurch zur gefragten Beraterin und Vortragenden (Maja Storch, S. 169).

Natürlich muss es nicht Ihr Beruf sein, aus dem Sie ein Buch machen, es kann auch ein ernst genommenes Hobby sein. Zwei anonymisierte Beispiele aus meiner Beratungspraxis:

Eine Werbetexterin hatte eine Idee für ein Gartenbuch, das so radikal anders war als alle anderen Gartenbücher, dass sie tatsächlich in diesem „abgegrasten“ Marktsegment einen Verlag gefunden hat. Nachdem sie jetzt weiß, wie das geht, sind aus anderen Hobbys drei weitere Bücher entstanden.Ein Krankenpfleger betreibt seit vielen Jahren eine Mannschaftssportart, die kaum jemand mit literarischen Ambitionen in Verbindung bringen würde. Im Eigenverlag hat er ein wunderbar ausgestattetes Taktiklehrbuch dazu herausgebracht, das ihn wohl auf lange Zeit zum ultimativen Experten machen wird.

Vieles geht, und ich möchte Sie auf keinen Fall durch zu viele Vorüberlegungen und Warnungen abschrecken.

Machen Sie sich erst einmal nicht zu viele Gedanken, ob Sie überhaupt ein Buch schreiben wollen (ohnehin eine seltsame Frage für jemanden, der gerade ein Buch liest, um diese Entscheidung zu treffen). Ob ein Weg gangbar ist oder in die Irre führt, stellt sich erst heraus, wenn wir ihn ein Stück weit gehen. Nachdem die Buchidee einmal in Ihrem Kopf aufgetaucht ist, lohnt es sich, sie zumindest eine ganze Strecke weiterzuverfolgen.

Schreiben aus Vergnügen

Weshalb denn zögern Sie möglicherweise mit der Entscheidung, ein Buch zu schreiben? Dass es Arbeit ist und Zeit kostet, ist völlig richtig, aber ein schwaches Argument. Wenn es nicht um die Niederschrift Ihres fachlichen Wissens ginge, wenn Schreiben bloß Ihr Hobby wäre, dann wäre Ihnen der Zeitaufwand auch egal. Wie die Weinwerbung sagt: „Es dauert lange, ein Bordeaux-Kenner zu werden. Aber es ist eine schöne Zeit.“ Abends immer mal wieder ein halbes Stündchen vor sich hin schreiben, den einen oder anderen Urlaub mit einem Notizbuch verbringen, das kann man schwerlich als Strapaze ansehen. Aber genau so entstehen gute Bücher.

Ob Ihnen das Schreiben Spaß macht, entscheidet tatsächlich mit über die Wirkung des Buches. In Zeiten, in denen Wissen zunehmend nach dem Spaßprinzip konsumiert wird, hat die Autorin einen Vorsprung, deren Texten man die Freude am Schreiben anmerkt. Hätscheln und pflegen Sie Ihre Schreiblust. Sie werden sie brauchen, um Durststrecken zu überstehen, und letztlich wird sie Ihnen bei Verlagen und Lesern mindestens so viel Sympathien einbringen wie Ihre fachliche Qualifikation.

Aber das ist nicht Ihre einzige Sorge. Mag ja sein, dass es Spaß machen könnte, ein Buch zu schreiben; mag auch sein, dass Leser davon profitieren könnten. Aber wird es denn jemanden interessieren?

Große Erwartungen

Die Frage ist, wen Sie sich unter „jemandem“ vorstellen. Die meisten potenziellen Autoren zögern oder werden mit ihrem Buch nie fertig, weil ihre Erwartungen im Grunde viel zu hoch sind. Ein paar hundert Leser findet jedes Buch, und dass sich ein paar hundert Menschen derart intensiv mit Ihrem Lieblingskind beschäftigen, müsste Sie eigentlich schon wunschlos glücklich machen. Nur Ihre weiter gespannten Erwartungen stehen dem entgegen. Wer meint, dass ein Buch zu schreiben sich nicht lohne, weil die Leute ja doch nicht mehr läsen, der sagt damit: Die Lust am Schreiben allein ist mir zu wenig Motivation, ich will bei ganz vielen ganz groß rauskommen. In Ordnung, auch diesen Wunsch will ich Ihnen nicht von vornherein ausreden.

Sie wollen „sich einen Namen machen“, genauer gesagt, den eigenen Namen auf Dauer mit gewissen Themen und Begriffen verknüpft sehen. Mit zunehmendem Alter wird das für Fachleute die entscheidende Frage: Welche Spuren habe ich hinterlassen, wer kennt mich – nicht unbedingt im Sinne des Ruhms bei der breiten Masse, aber des Ansehens, das mein Name und meine Arbeit bei einigen wichtigen Menschen haben. Das erreichen Sie einerseits, indem Sie als Person öffentlich und medial präsent sind, in Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen, Fernsehauftritten, Blogs. Zum anderen setzt ein derartiger Expertenstatus voraus, dass die Zuhörer und Zuschauer die seriösen, gewichtigen Grundlagen Ihrer Aussagen in Ruhe nachlesen können. Und damit sind wir wieder bei den Büchern.

Beide Motivationen – die Freude am Schreiben und der Wunsch, sich einen Namen zu machen – bedeuten zusammengenommen, dass das Schreiben von Büchern zu viel mit der Person und dem Leben der Autorin zu tun hat, um pflichtschuldig und unter äußerem Druck erledigt zu werden.

Fach- und Sachbücher leben von der Kompetenz des Autors, und wenn Sie nicht mit Ihren ganzen Erfahrungen und Ihrer Persönlichkeit hinter dem Thema stehen können, dann ist es vielleicht doch nicht das Richtige für Sie.

Schon der Verlag, erst recht die Leser werden fragen: Wer sind Sie überhaupt? Was qualifiziert Sie dazu, dieses Buch zu schreiben? Autoren berufen sich manchmal auf den überwältigenden Erfolg des mittelmäßigen Buches eines Prominenten: „Was der kann, kann ich schon lange.“ Was das reine Schreiben angeht, mag das stimmen; aber der Promi hat zuvor eine Menge dafür getan, einer zu werden.

Der Entschluss, Autor zu werden

Das Fachwissen und damit das allgemeine Thema haben Sie längst, und Sie wissen auch, dass Ihnen ein Buch mit Ihrem Namen darauf gefallen würde. Was jetzt noch Ihnen fehlt, ist der Entschluss, es auch wirklich zu schreiben; das Schreibprojekt so anzulegen, dass Sie sich mit Ihrer ganzen Person, mit Haut und Haaren hineinstürzen können. Nehmen Sie Schreiben als Schreiben ernst. Auch wenn das Buch vollständig auf Ihren Kursen, Ihrer Qualifikationsarbeit, Ihrem in der Praxis bewährten Beratungskonzept beruht, ist das doch noch immer eine besondere Entscheidung: Ich schreibe jetzt ein Buch.

Das heißt freilich nicht, dass Sie das Buch sofort schreiben sollten. Anders als einen Roman beginnt man ein Sachbuch nicht damit, Hunderte von Seiten zu verfassen – sondern das Buchprojekt innerlich, auf dem Papier und immer wieder in der Diskussion mit anderen reifen zu lassen.

Deshalb ist das Erste, um das ich Sie bitte:

Darüber sprechen

Bevor Sie sich einigeln, um eine große Menge Text zu produzieren, erzählen Sie zuerst überall herum, dass Sie dieses Buch schreiben wollen.

Nicht nur werden Sie nützliche Rückmeldungen erhalten – die erste, spontane Kritik an einer Buchidee ist oft die treffendste, sofern Sie sich nicht völlig aus der Bahn werfen lassen –, für Sie selbst wird der Entschluss dadurch ernster, konkreter und verpflichtender. Zudem ergeben sich im Gespräch oft Ideen, um die Tauglichkeit des späteren Buches für seine Leser vorab in einem anderen Medium zu testen: etwa in einem Seminar oder einem Blog. Ich habe nichts dagegen, wenn Sie auch auf Papier oder im Computer gleich anfangen zu schreiben – in Kapitel 2 werde ich Sie ausdrücklich dazu auffordern; nur ist das, was da entsteht, noch nicht das Buch, sondern Experimente dazu. Erhalten Sie sich in den ersten Monaten die Freiheit, mit jeder produktiven Rückmeldung das Buch immer wieder neu anzulegen.

Das zweite, was Sie tun sollten, ist das Freiräumen von Platz, zunächst in einem ganz physischen Sinn: eine Regalecke, die nur der Ablage von Material für das Buchprojekt gewidmet ist. Dort stellen Sie andere Bücher zum Thema auf und vielleicht einen großen Karton für Fotokopien und Notizzettel. Ebenso würde ich im Computer einen Ordner anlegen für eigene Entwürfe und alle Dokumente, Bilder etc., die für das Buch nützlich sein könnten. Nach wie vor finde ich ein kleines Notizbuch nützlich, das Sie überall hin mitschleppen können (s. S. 57). Mehr Hardware brauchen Sie nicht, und verlieren Sie sich bloß nicht in diesem frühen Stadium im Beschaffen von Literatur. Weitergehende Recherchen sind erst nötig, wenn Sie im Schreibprozess auf eine Wissenslücke stoßen. Der Buchplan hängt nicht davon ab, sondern von der Erfahrung und dem intuitiven Gesamtwissen über ein Thema, das in Ihrer Person verkörpert ist.

Der dritte Schritt ist leider ungleich aufwändiger, aber unumgänglich: Zeitplanung.

Zeitplanung

In Tabelle 1 finden Sie einen Zeitplan für ein Sachbuch von 100 oder 150 Seiten, das Sie alleine und neben einer vollen Berufstätigkeit schreiben wollen. Dann ist der dargestellte Zeithorizont von zwei Jahren realistisch; das heißt, man kann alle zwei Jahre ein Buch veröffentlichen, auch wenn man nebenher zu tun hat.

Das kann nur ein Beispiel sein (ganz zufällig war es das Entstehungstempo dieses Buches). Für Mehrautorenbücher und Lehrbücher brauchen Sie natürlich mehr Vorlauf. Ein kurzes Sachbuch dagegen lässt sich auch schneller auf den Markt bringen. Der Zeitplan ist so angelegt, dass Sie zwei derartige Projekte ineinander schieben könnten – in der Mitte der Arbeit am ersten Buch das zweite beginnen –, um jedes Jahr zu einem Buch zu kommen. Auf jeden Fall sollten Sie einkalkulieren, dass von der Fertigstellung der Rohfassung bis zum fertigen Buch mehr Zeit vergehen wird, als Sie für das Schreiben dieser ersten Fassung gebraucht haben.

Sie werden bald den Ihnen gemäßen Rhythmus finden, und Sie werden herausfinden, wie viel Termindruck Ihnen gut tut. Nur ganz ins Blaue hinein, ohne jeden Abgabetermin, würde ich nicht schreiben, sonst besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Schreiben selbst nicht mehr ernst genug nehmen und es in der Flut anderer Aufgaben untergeht. Außerdem entlastet es die Erwartungen an das erste Buch, die bei uns allen zwischen Größenwahn und Depression pendeln, wenn Sie von vorneherein das zweite mitplanen. Dann wird jedes Buch mit seinen Freuden und Verzweiflungen nur eine Phase nach dem vorherigen und vor dem nächsten, und es ist eingebettet in eine Publikationsstrategie, die ebenso Zeitschriftenartikel, Beiträge und öffentliche Auftritte beinhalten kann.

Das heißt nicht, dass ich unbedingt dazu rate, ständig neue Bücher zu produzieren, oder dass ich Sie nicht ernst nehme, wenn Sie nur ein einziges Buch schreiben wollen und dann nie wieder. Bestimmend bleibt Ihre ehrliche Vorstellung davon, welche Bedeutung Veröffentlichungen für Ihr Leben haben sollen. Lassen Sie sich nicht einreden, das Buch müsste unbedingt das ultimative Großwerk werden, wenn es Ihnen eigentlich nur darauf ankommt, dass es zügig erscheint. Nehmen Sie sich umgekehrt so viel Zeit, wie Sie brauchen, wenn Ihr Herz daran hängt.

Setzen Sie sich jetzt gleich hin und schreiben Sie einen großzügigen Masterplan bis zum Erscheinen des Buches.

Die strategische Publikationsplanung ist ein Teil der Lebensplanung. Sie fügen dem Planungs-Polygon „Arbeit – Beziehung – Kinder – Ort – Geld“ einfach eine weitere Ecke hinzu. Ich will die beliebte Metapher vom Bücherschreiben als Kinderkriegen nicht überstrapazieren, aber auch das erste Buch ist eine Lebensentscheidung. Familienplanung heißt auch hier nicht, dass Sie mit 25 Jahren jeden weiteren Schritt festgelegt haben. Aber die Entscheidung zu schreiben ist eine grundsätzliche, und meist bleibt es doch nicht beim Einzelkind. Natürlich kommt wie im richtigen Leben am Ende alles ganz anders, als Sie es geplant haben. Doch Träumen ist nicht nur erlaubt, sondern lebensnotwendig, wenn Sie Ihre begrenzte Energie sinnvoll einteilen wollen. Viele Themen und Termine von Veröffentlichungen werden Ihnen von Vorgesetzten oder vom Zufall aufgedrängt; aber lassen Sie nicht zu, dass Ihre ganze Schreibkarriere fremdbestimmt wird. Die Themen, mit denen Sie sich schließlich einen Namen machen werden, können nur Ihre eigenen sein.

Langfristig planen

Im Grunde läuft jede individuelle Publikationsstrategie auf die alte Personalleiter-Frage hinaus: „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ Schreiben Sie diese Vision auf (zeigen Sie sie niemandem!), und entwickeln Sie daraus die Kernzielgruppe (s. Kap. 1.2), die wichtigsten Themen und die Medien, die Sie brauchen.

Wenn Sie mehrere Buchpläne gleichzeitig im Kopf haben, denken Sie daran, dass man Sie am Verkaufserfolg des ersten Buches messen wird; soweit es sich mit Ihrer Lebensplanung vereinbaren lässt, schreiben Sie also das populärere Buch zuerst.

Bedenken Sie die unterschiedlichen Vorlaufzeiten der verschiedenen Medien. Ein Buch dauert am längsten, deshalb sollten Sie gleich damit anfangen. Eine Zeitschriftenpublikation oder ein Handbuchbeitrag wird so oft hin- und hergeschoben, gegengelesen, peer-reviewt und umterminiert, dass erstaunlich viel Zeit vergehen kann, bis in Ihrer Publikationsliste endlich das „im Druck“ verschwindet. Ein Vortrag lässt sich ziemlich kurzfristig organisieren. Und die Medien interessieren sich für Experten nur dann, wenn sie von heute auf morgen zur Verfügung stehen.

Gebiete besetzen

Das Ideal wäre, alle Veröffentlichungen Jahre voraus auf den Punkt zu planen. Erinnern Sie sich noch an die Einstein-Welle 2005, den Freud-Hype 2006 oder die Darwin-Diskussion 2009? Ich bin sicher, dass es Tausende gab, die sich in der Relativitätstheorie, der Psychoanalyse oder der Evolutionsbiologie viel besser auskannten als die damals überall präsenten Experten. Aber zum Zuge kommen halt immer die, die genau zum richtigen Zeitpunkt das passende Buch mit dem einprägsamen Titel vorlegen, das überall besprochen wird. Ärgern Sie sich nicht darüber, sondern gehören Sie das nächste Mal dazu.

Lässt sich rund um den Erscheinungstermin laut Masterplan (sagen wir, ein halbes Jahr vorher bis zwei Jahre nachher) ein Ereignis oder Jubiläum vorhersehen, das Ihrem Thema mehr Aufmerksamkeit verspricht? Dann ist das ab jetzt der Termin, auf den Sie hinarbeiten.

Die Zeit ist günstig. Während viele über den Niedergang des Buches jammern, bieten sich gute Chancen für Newcomer, die sich nicht an akademischen Traditionen orientieren, sondern an Leserbedürfnissen, und die wissen, was sie erreichen wollen. Ich sage ja nicht, dass Sie sich einen großen (oder nicht ganz so großen) Namen machen müssen, dass Sie in diese Welt noch weitere Bücher setzen müssen. Ich will Ihnen nur zeigen, dass Sie es mit vertretbarem Aufwand können, wenn Sie wollen.

1.2 Fachbuch oder Sachbuch: Für wen schreiben Sie?

Nachdem Sie geklärt haben, welche Bedeutung dieses nächste Buchprojekt für Sie selbst hat, können Sie darüber nachdenken, welche Bedeutung es für künftige Leser haben könnte. Wenn Sie wissen, was Sie mit dem nächsten Buch für sich erreichen wollen, dann können Sie einen Schritt weiter gehen und fragen: Wen wollen Sie erreichen?

Das Thema offen halten

Diese Formulierung führt weiter als die Frage, worüber Sie schreiben wollen. Schon klar: Sie werden wohl über das schreiben, worin Sie sich wirklich auskennen. Aber da ist noch viel Spielraum für Präzisierungen. Sie werden während des Schreibens ständig mit der genauen Beschreibung des Themas kämpfen, und es lohnt sich, diese Experimente auch schriftlich durchzuführen (vgl. Kap. 2.2).

Denken Sie noch nicht über den ganzen Umfang Ihres Themas nach. Denken Sie lieber an den zentralen Punkt. Was ist die Botschaft, die Leser auf jeden Fall von diesem Buch erwarten?

Ganz am Ende werden Sie wissen, worüber Sie geschrieben haben. Jetzt sind noch unendlich viele Themenvarianten möglich, und Sie würden das Buchprojekt abwürgen, wenn Sie sich gleich festlegen wollten. Nachdem Ihr Entschluss zu schreiben nun feststeht, ist das Buch so etwas wie ein neuer Arbeitsplatz, und da verkündet man nicht am ersten Tag, wie der Laden von nun an zu laufen habe. Man schaut sich erst einmal um, fängt an zu arbeiten und sammelt Erfahrungen.

Markt und Konkurrenz

Genauer gesagt haben Sie sich auf eine freiberufliche Tätigkeit eingelassen. Da ist der Maßstab von Arbeitszufriedenheit und Erfolg nicht der Chef und die Kollegen, sondern der Markt. Ich bin kein Marktradikaler, und ich halte nichts davon, Schreiben als reine Vermarktung von Ideen zu begreifen. Dennoch lohnt es sich, ganz am Anfang darüber nachzudenken, wie denn der Markt Ihres Buches aussieht. Es macht wenig Spaß, als Freiberufler von Anfang an mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Sie würden einen Buchladen nicht in einer Straße eröffnen, in der es schon einen gibt. Ebenso hat es wenig Sinn, ein Buch zu schreiben, das in direkter Konkurrenz zu einem erfolgreichen anderen stehen wird. Also schauen Sie sich mal an, was die anderen so anzubieten haben. Dazu brauchen Sie nicht gründlich zu bibliografieren, denn es interessieren ja nur die bekannten Konkurrenten. Weichen Sie ihnen klug aus.

Schreiben Sie kein Buch, das es schon gibt.

Auch wenn es Sie lockt, dem unglaublich erfolgreichen Buch dieses Scharlatanen Müller ein viel besseres entgegenzusetzen: Die Leute haben sich an Müller gewöhnt und werden Ihr Buch für den zweiten Aufguss halten. Es muss doch etwas geben, was Müller komplett vergessen hat und was Ihr Buch sofort sichtbar unterscheidet.

Die Frage ist weniger, was Sie schreiben können, als was niemand außer Ihnen schreiben kann; Marketingfachleute nennen das die USP (unique selling proposition, einzigartiges Verkaufsargument). Suchen Sie sich eine Nische, in der sich nicht schon allzu viele drängeln, damit Sie in Ruhe arbeiten können.

Grenzen der Marktgängigkeit

Und dann vergessen Sie die Konkurrenten auch mal wieder für ein Weilchen. Für die schreiben Sie nicht. Entscheidend wird die innere Beziehung sein, die Sie zu Ihren Lesern aufbauen, nicht die „Marktgängigkeit“ Ihres Buches. Es wird Leute geben, die Ihnen einreden, mit den richtigen Marketingtricks könnten Sie den todsicheren Bestseller produzieren.* Für Fachbücher ist das ganz unsinnig, und für Sachbücher immer noch sehr zweifelhaft. Selbst wenn es funktionieren würde: Ging es nicht darum, dass Sie sich einen Namen machen wollen, der zu Ihrer Person passt und zu dem, was Sie sonst tun?

Damit sind wir wieder bei der Frage, für wen Sie das Buch schreiben. Auf Marketingdeutsch heißt das die „Zielgruppe“ des Buches. Es kann nur eine geben.

Für zwei Zielgruppen gleichzeitig schreiben zu wollen, geht ganz sicher schief; ebenso der abstrakte Wunsch, eine Zielgruppe erreichen zu wollen, die man sich gar nicht konkret vorstellen kann.

Der ideelle Leser

Während der ersten Experimente mit Ihrem Buchplan gewinnen Sie das innere Bild eines realen oder imaginierten, männlichen oder weiblichen, naiven (aufzuklärenden) oder kritischen (zu beeindruckenden) „ideellen Lesers“. Das ist der innerste Kern Ihrer Zielgruppe. Arbeiten Sie daran, stellen Sie sich das Vorwissen, die Leseerfahrung, die konkrete Lesesituation, die Erwartungen und den Widerwillen Ihrer ideellen Leserin möglichst plastisch vor. Dann wird das Buch weniger stark von dem geprägt sein, was Sie alles auch noch wissen, und mehr von dem, was Ihre Leser brauchen.

Schreiben Sie auf, wie Sie sich den perfekten Leser Ihres Buches vorstellen. Denken Sie an Dinge, die mit dem Thema des Buches gar nicht so viel zu tun haben, wie Lebenssituation, Alter, Geschlecht, Sozialschicht, Bildungsgrad, Leseerfahrung, Wohnungseinrichtung, Musikgeschmack, Automarke.

Natürlich wird die tatsächliche Leserschaft denn doch etwas größer sein als Eins, und wir sind immer froh um Leser, auf die wir nicht gleich gekommen wären. Aber jedes Buch hat eine Kernzielgruppe; einige zugespitzte Beispiele habe ich in Tabelle 2 entworfen. Die verlagstechnischen Begriffe in der linken Spalte finden Sie im Glossar, aber ich gehe auch gleich noch darauf ein.

Begrenzungen

Sowohl das einzelne Buch als auch Ihre langfristige Publikationsstrategie kann sich nur an eine begrenzte Gruppe richten. Da sind zwei Entscheidungen zu treffen: Erstens, wie wichtig ist Ihnen überregionale Berühmtheit? Interessiert Ihre Anleitung für Selbstversorger im Schwarzwald amerikanische Leser? (Ja, doch, möglicherweise.) Wenn Sie Sachbücher schreiben, um Ihrer Firma, Praxis, Kanzlei usw. interessante Kunden zuzutreiben, dann ist Ihr Zielgebiet ziemlich lokal; dann wären die mächtige Lokalzeitung und eine Lesung in der wichtigsten Buchhandlung Ihrer Stadt sinnvollere Verbündete als überregionales Feuilleton und Fernsehen.

Zweitens, welches Ausbildungsniveau sprechen Sie an? Wenn Sie das Wahlverhalten der Deutschen, den Umgang von Eltern mit Computerspielen oder die Ernährung Übergewichtiger verändern wollen, dann ist Ihre Zielgruppe praktisch unbegrenzt („General Interest“), und Sie können keinerlei Vorkenntnisse voraussetzen. In diesen Fällen ist die schiere Höhe der verkauften Auflage der beste Gradmesser für den Erfolg.

Aber das ist beileibe nicht überall so. Viele angesehene Autoren haben große Wirkung innerhalb einer begrenzten Interessengruppe, Fachöffentlichkeit oder Fachpraxis („Special Interest“). Ich bin sicher, dass es sinnvolle und sehr erfolgreiche Bücher über Sanitärinstallationen, Direct Mailing oder Netzwerksoftware gibt; auch wenn Sie und ich das nicht verstehen können, weil uns die Fachkenntnisse fehlen. Hier ist der Erfolgsmaßstab ein anderer als die bloße Zahl verkaufter Bücher. Aus dieser Überlegung legitimiert sich auch das Spezialistenbuch par excellence, das wissenschaftliche Fachbuch, auch wenn es nur von Wenigen gelesen werden kann und deshalb die Auflage klein bleibt. Vielleicht sind diese Wenigen ja die, die über Ihre Karriere entscheiden.

Der „interessierte Laie“

Sie müssen nur wissen, was Sie wollen. Verlage reagieren leicht allergisch auf die Aussage, das Buch sei „auch für den interessierten Laien“ gedacht; dieser Satz gilt geradezu als Indiz für Bücher, von denen man besser die Finger lässt. Denn er deutet darauf hin, dass der Autor sich zwar eine massenhafte Verbreitung wünscht – und enttäuscht sein wird, wenn sie ausbleibt –, aber nicht bereit ist, sich in Thema, Didaktik, Stil und Wortwahl wirklich auf ein breites Publikum einzulassen. Da fährt man besser mit einer Autorin, die für eine genau definierte Berufsgruppe von dreitausend Fachleuten schreibt, von denen zweitausend die Verbandszeitschrift abonniert haben und fünfhundert auf dem Jahreskongress zu finden sind und die das Buch von der Steuer absetzen können.

Fachbuch, Sachbuch, Ratgeber, Selbsthilfebuch

Ganz strikt ist die Unterscheidung zwischen Fachbüchern und dem, was Verlage Sachbücher oder Ratgeber nennen (vgl. Tab. 2).

Fachbücher setzen bei ihren Lesern eine bestimmte Berufsausbildung voraus. Sachbücher und Ratgeber dagegen liest man aus einem mehr oder weniger spezifischen Interesse.

Zu den Fachbüchern zählen also Praxisanleitungen für Fachleute ebenso wie Handbücher, Monografien, auch Dissertationen und Habilitationen. Eine besondere Art Fachbücher sind diejenigen, die der Ausbildung künftiger Fachleute dienen: die Lehrbücher.

Bei den Sachbüchern reicht der Bogen von der harten How-to-do-Anleitung über die historisch-politische oder naturwissenschaftliche Aufklärung bis zum weichen Psycho-Ratgeber. Das aufklärende Sachbuch im engeren Sinn kann vom Thema her extrem vielgestaltig sein: von der Darstellung des Amerikanischen Bürgerkriegs über die Veranschaulichung der Evolutionstheorie bis zur populären Kunstgeschichte. Demgegenüber wird ein Ratgeber