Von Liebe und Schatten - Isabel Allende - E-Book

Von Liebe und Schatten E-Book

Isabel Allende

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Beschreibung

Isabel Allendes engagierter Roman ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch die Auseinadersetzung mit Chiles jüngster Vergangenheit: »Ich muß einen Kontinent erzählen«, sagt die Autorin, »für diejenigen sprechen, die keine Stimme haben.«

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Seitenzahl: 471

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»Von Liebe und Schatten ist ein Roman mit zwei Gesichtern. Die Hauptfiguren sind Irene Beltrán, eine junge Journalistin aus dem angepaßten Bürgertum, und Francisco Leal, der Sohn von Intellektuellen, dessen Vater Spanien nach dem Bürgerkrieg verlassen hat und der die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht aufgibt. Ohne die Diktatur würden sich die beiden jungen Leute nicht lieben, weil sie nicht gemeinsam gekämpft hätten. Weil sie gemeinsam in den Schatten des Regimes vorgedrungen sind, weil sie nach den Verschwundenen gesucht und Tote gefunden haben, haben sie gelernt, sich selbst und den anderen zu erkennen und das, was aus ihrem Lande geworden ist.«

Libération

Isabel Allendes engagierter Roman ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern die Auseinandersetzung mit Chiles jüngster Vergangenheit: »Ich muß einen Kontinent erzählen«, sagt die Autorin, »für diejenigen sprechen, die keine Stimme haben.«

Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus. Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf deutsch im Suhrkamp Verlag.

Isabel Allende

Von Liebe und Schatten

Roman

Aus dem Spanischen vonDagmar Ploetz

Suhrkamp

Titel der 1984 bei Plaza & Jánes, Barcelona, erschienenen Originalausgabe: De amor y de sombra

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2015

Der vorliegende Text folgt der 15. Auflage der Ausgabe des suhrkamp taschenbuchs 1735.

© Isabel Allende 1984

© der deutschen Ausgabe Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1986

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

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Umschlagfoto: Jerry Bauer

Umschlag nach Entwürfen von Willy Fleckhaus und Rolf Staudt

eISBN 978-3-518-74358-4

www.suhrkamp.de

Inhalt

Vorbemerkung

Erster TeilEin anderer Frühling

Zweiter TeilDie Schatten

Dritter TeilLiebes Vaterland

Vorbemerkung

Dies ist die Geschichte von einer Frau und einem Mann, die ihre Liebe ganz gelebt haben und sich so vor einer gewöhnlichen Existenz bewahrten. Ich habe sie im Gedächtnis behalten und sie gehütet, damit die Zeit sie nicht verbraucht, und erst jetzt, in diesen schweigsamen Nächten hier, kann ich sie endlich erzählen. Ich tue es für die beiden und für andere, die mir ihr Leben anvertraut haben: Nimm es, schreib es auf, damit es der Wind nicht davonträgt.

Isabel Allende

Erster TeilEin anderer Frühling

Nur die Liebe mit ihrem Wissen

gibt uns die Unschuld zurück.

Violeta Parra

Der erste Sonnentag ließ die noch winterfeuchte Erde dampfen und erwärmte die zerbrechlichen Knochen der Greise, so daß sie auf den fürsorglich geebneten Gartenpfaden wandeln konnten. Nur der Melancholiker blieb im Bett, es war sinnlos, ihn an die frische Luft zu führen, denn seine Augen sahen nur die eigenen Albträume, und seine Ohren waren taub für den Tumult der Vögel. Josefina Bianchi, die Schauspielerin, trug das lange seidene Kleid, in dem sie ein halbes Jahrhundert zuvor Tschechow deklamiert hatte, und schritt, einen Sonnenschirm schützend über die sprüngige Porzellanhaut gespannt, langsam durch die Beete, die bald von Blüten und Hummeln besetzt sein würden.

Arme Jungs, lächelte die Achtzigjährige, als sie aus einem sachten Beben in den Vergißmeinnicht auf die Anwesenheit ihrer Anbeter schloß, all jener namenlosen Männer, die sie im verborgenen liebten, die in der Vegetation untertauchten, um jeden ihrer Schritte auszuspähen.

Der Oberst stützte sich auf das Aluminiumställchen, das seinen Wattebeinen Halt gab, und rückte ein paar Zentimeter vor. Er hatte, um den einziehenden Frühling zu feiern und die Nationalflagge zu ehren, wie es allmorgendliche Pflicht war, die von Irene aus Blech und Pappe gebastelten Orden angelegt. Wenn der Aufruhr seiner Lungen es erlaubte, brüllte er Kommandos an seine Truppe und befahl den zittrigen Urgroßvätern; das Marsfeld zu verlassen, wo sie von den Infanteristen mit ihrem schmissigen Paradeschritt und ihren Lackstiefeln niedergetrampelt werden konnten. Die Fahne flatterte nur für ihn sichtbar im Wind, knapp über den Telefondrähten wie ein aufgescheuchter Geier, seine Soldaten standen stramm, Augen geradeaus, Trommelwirbel, und mannhafte Kehlen stimmten die heilige Hymne an, die nur seine Ohren hörten. Er wurde von einer Schwester in Kampfkleidung gestört, die hatte sich ihm genähert, heimlich, still und leise, wie solche Frauen vorzugehen pflegen, bewaffnet mit einer Serviette, um den Speichel abzuwischen, der ihm aus den Mundwinkeln aufs Hemd troff. Er wollte ihr eine Auszeichnung zukommen lassen oder sie befördern, doch sie ließ ihn nicht zum Zuge kommen und machte kehrt, nachdem sie ihm drei Klapse angekündigt hatte für den Fall, daß er in die Hose machen sollte, sie habe es nämlich satt, fremde Kacke wegzuputzen. Von wem spricht diese Verwirrte? fragte sich der Oberst und kam darauf, daß nur die reichste Witwe des Reiches gemeint sein konnte. Sie war die einzige im Lager, die Windeln brauchte, weil ein Kanonentreffer ihren Verdauungsapparat zerfetzt und sie für immer an den Rollstuhl gefesselt hatte – aber nicht einmal dafür wurde sie geachtet. Die kleinste Unaufmerksamkeit, und schon wurden ihr Spangen und Schleifen entwendet, die Welt steckt voller Schurken und Gauner.

»Diebe! Man hat mir meine Pantinen geklaut!« schrie die Witwe.

»Ruhig, Oma, die Nachbarn können Sie hören«, mahnte die Pflegerin, den Stuhl in Richtung Sonne rollend.

Die Invalidin stieß weiter Anschuldigungen hervor, bis ihr die Luft ausging und sie schweigen mußte, wollte sie nicht ersticken; doch es blieb ihr noch die Kraft, mit einem arthritischen Finger auf den Satyr zu deuten, der gerade verstohlen den Hosenlatz öffnete, um sein klägliches Glied den Damen zu zeigen. Niemand kümmerte sich darum, nur eine schmale Frau in Trauerkleidung betrachtete die vertrocknete Feige mit einer gewissen Wärme. Sie war in deren Träger verliebt und ließ nachts ihre Zimmertür offen, um ihm Mut zu machen.

»Metze!« murrte die wohlhabende Witwe, mußte dann aber grinsen, weil sie plötzlich jener ach so fernen Zeiten gedachte, als sie noch einen Ehemann hatte, der mit Goldtalern für die Gunst zahlte, zwischen ihren massigen Schenkeln aufgenommen zu werden, was ziemlich häufig geschah. Schließlich hatte sie einen Sack voll gehabt, so schwer, daß kein Matrose ihn sich hätte über die Schulter werfen können.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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